Veröffentlicht am
6 Klicks

Wie beruft Gott Menschen in den prophetischen Dienst und was können wir aus den biblischen Beispielen für unser eigenes Leben lernen? In dieser Ausgabe der Christ Study Hour beleuchtet Christopher Kramp die Berufung von Propheten und lädt dazu ein, Gottes Stimme ganz persönlich zu hören. Tauchen Sie gemeinsam mit uns in das Wort Gottes ein, um den Plan für Ihr Leben klarer zu erkennen.


Weitere Aufnahmen

Serie: Christ Study Hour 2026 Q4: Die Gabe der Prophetie

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:32] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer ein herzliches Willkommen allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort. Wir sind in unserer Serie „Die Gabe der Prophetie“ und wollen heute das zweite Thema betrachten. Es geht heute um die Berufung von Propheten. Wir wollen uns damit vorbereiten auf das Bibelgespräch am 10. Oktober und wollen gemeinsam verstehen an einigen Beispielen der Bibel, wie Gott Menschen in das Prophetenamt berufen hat. Und bevor wir damit beginnen, möchten wir Gott einladen, dass er unser Studium segnet und dass wir, wie wir das letzte Woche gemeinsam studiert haben, bei all dem nicht nur theologisches Wissen uns aneignen, sondern tatsächlich Gottes Stimme zu unserem Herzen hören. Lasst uns gemeinsam beten.

[1:32] Lieber Vater im Himmel, wir kommen jetzt zu dir, weil wir dich brauchen. Du sprichst durch die Natur zu uns, durch Ereignisse in unserem Leben, durch das Wirken des Geistes an unserem Herzen. Du sprichst durch dein Wort zu uns und Herr, wir wünschen uns, dass wir jetzt deine Stimme in einem ganz besonderen Maße wirklich zu unserem Herzen hören. Wir wünschen uns, dass wir verstehen, nicht nur wie du Propheten berufst, sondern auch, wie du uns, jeden einzelnen von uns, zu einer bestimmten Aufgabe berufst. Herr, wir wünschen uns, dass wir durch dieses Studium noch klarer erkennen, was dein Plan für unser Leben ist. Herr, wir möchten dich bitten, dass du unser Lehrer bist und danke, dass du uns Freude schenkst, wenn wir über dein Wort nachdenken. Im Namen Jesu beten wir. Amen.

[2:34] Der erste Mensch in der Bibel, der explizit Prophet genannt wird, ist Abraham. Es gab zwar vor Abraham offensichtlich ganz selbstverständlich Propheten. Noah hat von Gott offenbart bekommen, dass eine Sintflut bevorsteht, schon vor ihm. Henoch hat geweissagt, wie uns Judas 14 und 15 deutlich macht. Aber der erste, der mit dem Begriff Prophet genannt wird, das ist Abraham. 1. Mose 20, Vers 7: Dort spricht Gott in einem Traum zu dem heidnischen König Abimelech, also dem kanaanitischen König dort, und sagt zu ihm: „So gib nun dem Mann seine Frau wieder.“ Der Hintergrund ist: Abraham hatte behauptet, die Sarai, die Sarah, seine Frau, sei nur seine Schwester. Entsprechend war sie dann beim König Abimelech gelandet und das, obwohl Gott ja gerade zuvor ihm versprochen hatte, dass durch die Sarah er einen Nachkommen bekommen würde, den Sohn der Verheißung, den Isaak, der dann tatsächlich im nächsten Kapitel, Kapitel 21, geboren wird.

[3:41] Gott interveniert, spricht direkt zu Abimelech, weil Abraham das nicht getan hat. Und er sagt zu diesem Abimelech, diesem König, er sagt: „So gib nun dem Mann, also Abraham, seine Frau, also Sarah, wieder, denn er ist ein Prophet und er soll für dich bitten, so wirst du am Leben bleiben; wenn du sie aber nicht zurückgibst, so wisse, dass du gewiss sterben musst samt allem, was dir gehört.“ Ein interessanter Text: Der Mann hat einen Traum, einen wahren göttlichen Traum. Gott spricht zu ihm im Traum und doch muss er noch zu einem Propheten gehen. Wir sehen hier, dass das Amt des Propheten mehr beinhaltet als eine übernatürliche Schau. Der Abimelech, wenn der uns die Geschichte erzählt hätte, wir würden wahrscheinlich schon sagen, das ist ja ganz erstaunlich, Gott hat zu dir direkt im Traum gesprochen, aber das macht ihn noch nicht zu einem Propheten in dem Sinne, wie Abraham ein Prophet war.

[4:43] Abraham hat etwas, was Abimelech so noch nicht hatte. Abraham soll für Abimelech bitten, damit er am Leben bleibt. Abraham ist ein Prophet, nicht nur ein Sprachrohr Gottes zu den Menschen, sondern auch einer, der die Anliegen der Menschen vor Gott bringt. Ein Mittleramt auch in gewisser Weise. Einer, der sich für das Wohl der Menschen interessiert, der sie nicht vernichten möchte mit seiner Botschaft. Es gibt manche selbsternannte Propheten, die haben Freude daran, andere niederzudrücken. Aber der Prophet Abraham hatte die Aufgabe, für den Abimelech zu bitten, der einen Fehler gemacht hatte, der obwohl das ja nicht einmal richtig gewusst hatte, dass ein Fehler war. Gott hat ihm offenbart: Abraham sollte für ihn bitten. Abraham, der erste in der Bibel so genannte Prophet. Nicht der erste Prophet, wie wir gesagt haben, der erste, der diesen Namen, diesen Titel, diese Bezeichnung trägt.

[5:54] Wie war Abraham berufen worden? Als Abraham berufen worden ist, hieß er noch gar nicht Abraham, sondern Abram. In Apostelgeschichte 7 lesen wir in Vers 2 und 3: Er, also hier Stephanus, aber sprach: „Ihr Männer, Brüder und Väter, hört! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien, das heißt in dem Gebiet Babyloniens zwischen Tigris und Euphrat im Zweistromland, das heißt in Mesopotamien, war, bevor er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde.“ Wir wissen aus 1. Mose, dass er in Ur gelebt hat, einer der Städte Südbabyloniens des sumerischen Kulturkreises zunächst einmal. Wir wissen nicht ganz genau, zu welcher Zeit das gewesen ist. Das liegt daran, dass die babylonische, die mesopotamische Chronologie sehr unsicher ist. Aber wir haben den Eindruck, dass Abraham dort in einer Gegend lebte, die so auf dem höchsten Stand der Zivilisation gewesen ist für die damalige Zeit. Gott ruft ihn heraus. Er ruft ihn schon in Ur. Er ruft ihn in Mesopotamien. Er soll sich von Heimat und Familie trennen, in einem fernen Land ein Zeuge für Gott sein.

[7:19] In 1. Mose Kapitel 12 finden wir diesen Aufruf auch. Und das heißt hier in 1. Mose 12: „Der Herr aber hatte zu Abram gesprochen: Geh hinaus aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde. Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde.“

[7:49] Abraham sollte ja nicht nur ein Prophet sein. Er war berufen worden, der Stammvater eines neuen Volkes zu sein, des Volkes Gottes, das das Evangelium in alle Welt tragen sollte. Ein Volk, das nicht an ethnische Grenzen gebunden war. Alle Geschlechter der Erde sollen in ihm gesegnet werden. Die Völker, die es gab, das macht uns 1. Mose 10 ganz deutlich, die gingen immer auf einen Stammvater zurück. Am Ende natürlich alle auf Noah, aber jeder hatte so seine Abstammung. Das Volk kam von dem Sohn, das Volk kam von dem. Und Gott macht hier deutlich, als er quasi beginnt, sein Volk, das jetzt das Wissen um das wahre Evangelium bewahren soll in einer Zeit, wo auch die Heiden um Terach und wie sie hießen durch den Götzendienst in Verwirrung gekommen sind, wie wir aus anderen Stellen der Bibel wissen, als er das Volk Gottes gründen möchte, das das Evangelium bewahren soll, da macht er ganz deutlich, dass es bei diesem Volk nicht um ethnische Abstammung gehen soll. Niemals hat das Volk Israel sich auf Terach berufen, der doch der Vater von Abraham war. Es geht nicht um ethnische Abstammung, es geht um den Ruf Gottes.

[9:05] Der Ruf trennt sogar hier von den heimatlichen, den verwandtschaftlichen Wurzeln. Terach kommt zwar mit bis nach Haran, wie wir lesen können in Vers 31: „Und Terach nahm seinen Sohn Abram dazu Lot, den Sohn Harans, seinen Enkel, auch Sarai, seine Schwiegertochter, die Frau seines Sohnes Abram. Und sie zogen miteinander aus von Ur in Chaldäa, um ins Land Kanaan zu gehen. Als sie aber nach Haran kamen, blieben sie dort.“ Sein Vater geht mit ihm aus Ur, aber macht in Haran längere Zeit. Da machen sie längere Zeit halt und dann stirbt dort Haran und Abraham zieht nun weiter in Vers 4 und 5 von Kapitel 12. Da ging Abram, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot ging mit ihm. Abram aber war 75 Jahre alt, als er von Haran auszog. Es war ein Ruf, den Abraham sozusagen in zwei Schritten befolgt hat. Erst aus Mesopotamien heraus und dann hat man dort noch mal in Haran längere Zeit zugebracht. Wir wissen nicht wie lange, wir wissen nicht genau warum, aber der Ruf war noch nicht vollendet sozusagen, oder die Umsetzung des Rufes, besser gesagt, war noch nicht vollendet. Abraham musste auch Haran verlassen, das Haus seines Vaters, und er ging nach Kanaan.

[10:21] Als er dort in Kanaan angekommen ist, war die Enttäuschung nicht gering. Es heißt in Vers 6: „Und Abram durchzog das Land bis zur Ortschaft Sichem, bis zur Terebinthe More. Damals aber waren die Kanaaniter im Land.“ Das Land ist schon besetzt mit gottlosen Leuten, die mindestens genauso gottlos sind wie die Sumerer und Babylonier in Mesopotamien oder die Syrer und die Menschen, die in Haran gelebt haben. Aber Gott lässt ihn nicht alleine. Das heißt in Vers 7: „Da erschien der Herr dem Abram“, eine Erscheinung. Er ist ein Prophet. Da erschien der Herr dem Abram und sprach: „Deinem Samen will ich dieses Land geben.“ Und er baute dort dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar. Inmitten der Enttäuschung, dass es alles nicht so kam, wie er sich es vielleicht vorgestellt hatte, ist es das Wort Gottes, ist es die Gabe der Prophetie, die ihn ermutigt, die ihm Hoffnung gibt, die ihm Zusagen und Verheißungen gibt und ihn dazu bringt, auch Zeugnis in Kanaan für Gott abzulegen.

[11:34] Dieser Mann Gottes, so lesen wir in 1. Mose 15, Vers 6, er kannte die Gerechtigkeit aus dem Glauben aus eigener Erfahrung. Das heißt: „Und Abram glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.“ Heißt das, dass Abraham nie Fehler gemacht hat? Nein, die Geschichte zeigt schon im nächsten Kapitel, dass dieser Glaube keine Konstante war. Es gab Momente, wo er schwach geworden ist. Momente, wo er Dinge falsch verstanden und falsch gehandelt hat und falsch getan hat. Als Prophet hat er Fehler gemacht in seinem persönlichen Leben, aber er hat das Prinzip der Gerechtigkeit aus Glauben verstanden und erlebt und Gott hat ihn immer wieder an diesem Punkt auch zurückgeführt.

[12:25] Dass Abraham aus Glauben lebte, das wird auch im Hebräerbrief ganz deutlich, in Hebräer Kapitel 11 und dort Vers 8: „Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen wurde, nach dem Ort auszuziehen, den er als Erbteil empfangen sollte. Und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen werde.“ Gerechtigkeit aus Glauben bedeutete für Abraham auch dann loszugehen, im Glauben voranzugehen, ohne das genaue Ergebnis zu kennen. Gott beruft Propheten nicht, weil die dann alles wissen. Auch Propheten brauchen persönlichen Glauben an die gute Führung Gottes und müssen aus Glauben leben. Sie werden nicht erlöst aufgrund ihrer Visionen. Sie werden erlöst allein durch Gerechtigkeit aus dem Glauben, die Gott ihnen schenkt.

[13:23] Schauen wir zu 1. Könige 17, einem anderen Propheten, der in der Bibel eine große Rolle spielt. Es ist der Prophet Elia. 1. Könige 17, Vers 1: „Und Elia, der Tisbiter von den Einwohnern Gileads“, das heißt im Ostjordanland gelegen, „sprach zu Ahab, dem König vom Nordreich Israel: So wahr der Herr lebt, der Gott Israels, vor dessen Angesicht ich stehe: Es soll in diesen Jahren weder Tau noch Regen fallen, es sei denn, dass ich es sage.“ Gott hat Elia berufen, nicht um eine Botschaft des Wohlstandes zu geben und eine Botschaft des „macht nur so weiter“, sondern die Botschaft des Elia war ein Tadel für schlimme Sünden im Volk Gottes. Die Botschaft des Elia war die Ankündigung eines Gerichtes. Die Botschaft des Elia war unangenehm und sie wurde bekämpft. Propheten haben kein einfaches Los. Sie werden selten von Gott gesandt, um zu sagen: „So wie es ist, ist alles richtig.“ Ich kenne eigentlich persönlich gar keinen Propheten, der eine solche Botschaft hatte. Propheten werden gesandt, um Umkehr zu predigen, Buße, was immer impliziert, dass die Hörer auch Fehler machen, die aufgegeben werden müssen.

[14:39] Man hat Propheten selten gut behandelt. Die Botschaft von Elia ist nicht nur ein Tadel der Sünde, sondern auch ein Aufruf, sich auf die Seite Gottes zu stellen. Die berühmte Geschichte in 1. Könige 18 auf dem Berg Karmel macht deutlich, wie Elia als wahrer Prophet Gottes das Volk vor die Entscheidung stellt. Entweder Gott, der Gott des Himmels, oder der falsche Götze Baal. Man kann nicht beides gleichzeitig haben. Wahre Propheten, die wiegen das Volk Gottes in seiner Heuchelei und seinen Kompromissen nicht in Sicherheit. Wahre Propheten rufen zur Entscheidung auf. Wahre Propheten offenbaren, wo wir in unserem Leben Kompromisse machen. Wahre Propheten tadeln unsere Sünden, selbst die, die uns ganz gut gefallen. Wahre Propheten bringen eine unangenehme Botschaft der Buße und der Umkehr und des „ich muss mich entscheiden“.

[15:42] „Wie lange hinkt ihr noch auf beiden Seiten?“ Vers 21 in 1. Könige 18: Da trat Elia vor das ganze Volk und sprach: „Wie lange wollt ihr auf beiden Seiten hinken? Ist der Herr Gott, so folgt ihm nach! Ist es aber Baal, so folgt ihm.“ Und das Volk erwiderte ihm kein Wort. Die Botschaft „entscheide dich“ ist nicht angenehm. Aber wahre Propheten sagen uns: Du kannst nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Mammon. Du kannst nicht gleichzeitig am Joch ziehen mit Gläubigen und Ungläubigen. Es geht nicht. Wahre Prophetinnen und Propheten legen den Finger auf die Wunde. Sie werden dazu von Gott berufen. Deswegen haben biblische Prophetinnen und Propheten, haben Propheten und Propheten überhaupt, die wirklich von Gott berufen worden sind, immer ein bisschen auch am Anfang mit diesem Ruf gerungen, weil sie wussten, was ihnen bevorstand.

[16:40] Die Botschaft von Elia ist nicht auf den Berg Karmel beschränkt. Die Bibel sagt uns, dass diese Botschaft bis ans Ende der Zeit ihre Wirkung nicht verlieren wird. In Maleachi Kapitel 3, Vers 23 und 24 lesen wir: „Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, ehe der große und furchtbare Tag des Herrn kommt, und er wird das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder wieder ihren Vätern zuwenden, damit ich bei meinem Kommen das Land nicht mit dem Bann schlagen muss.“ Am Ende der Zeit wird es im Prinzip dieselbe Botschaft geben. Die prophetische Botschaft des Elia gibt es bis ans Ende. Der Geist der Weissagung spricht auch kurz vor der Wiederkunft.

[17:26] Die vielleicht beeindruckendste Berufung eines Propheten in der Bibel ist sicherlich Jesaja Kapitel 6. Jesaja selbst berichtet eindrücklich und detailliert über seine Berufung. Wir lesen in Jesaja 6, Vers 1: „Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und seine Säume erfüllten den Tempel.“ Wir erfahren den Zeitpunkt und den Ort, aber das, was wir erfahren, ist weit mehr als nur eine Umstandsbeschreibung. Jesaja sieht den Herrn. Es heißt in Vers 2: „Seraphim standen über ihm. Jeder von ihnen hatte sechs Flügel. Mit zweien bedeckten sie das Angesicht, mit zweien bedeckten sie ihre Füße, mit zweien flogen sie. Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen! Die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit.“ Da erbebten die Pfosten der Schwellen von der Stimme des Rufenden und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. Eine umwerfende Beschreibung der Herrlichkeit Gottes.

[18:35] Johannes Kapitel 12 und dort Vers 41 macht deutlich, wenn man hier die Verse vorher liest und dann sieht, wie sie aus Jesaja 6 zitiert sind, dass Jesaja Jesus gesehen hat. Es heißt in Vers 41: „Dies sprach Jesaja, als er seine“, das meint Jesu, „Herrlichkeit sah und von ihm redete.“ Jesaja wurde berufen, weil er die Herrlichkeit Gottes gesehen hatte. Er wurde berufen, Bote zu sein für Gott. Ein anderer mit Namen Johannes hat später, der berufen war als Apostel das Evangelium in die Welt zu tragen, hat später gesagt: „Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

[19:36] Jesaja hat zuerst Jesus gesehen und als er dann später bereit ist und sagt: „Hier bin ich, sende mich“, dann ist ihm bewusst, dass die Botschaft, die er empfängt von jenem herrlichen König der Könige, von demjenigen, der im Tempel auf dem Thron sitzt, von dem die Seraphim singen „heilig, heilig, heilig“, von ihm empfängt er die Botschaft. Es ist sein Zeugnis, das er als Prophet geben wird, das Zeugnis Jesu als Botschaft für den Propheten Jesaja. Das ist kein Wunder, dass Jesaja in seinem gewaltigen Buch immer wieder das Leben und das Wirken, das Leiden und Sterben Jesu in seinen Prophezeiungen auf eine unfassbar schöne Art und Weise thematisiert. Die Zeit wird uns fehlen, all die Kapitel anzusprechen, in denen Jesus angekündigt wird als Sohn, der geboren ist, als Kind, das geboren ist in Jesaja 9, und als für uns sterbender Erlöser in Jesaja 53, als Gesalbter in Jesaja 61 und als wiederkommender König. Immer und immer wieder ist Jesus das Zentrum der Prophezeiungen von Jesaja, weil er seinen prophetischen Ruf, seine Berufung in das Prophetenamt von Jesus erhalten hat. Die wahren Propheten sind keine selbsternannten Propheten, sondern von Jesus ernannte Propheten. Und wer diese Prophetinnen und Propheten verachtet oder bekämpft, verachtet oder bekämpft den Jesus, der sie berufen hat.

[21:26] Jesaja sieht im Tempel Jesus auf einem Thron und er hört den himmlischen Gottesdienst und er hört diese Worte: „Die Erde ist erfüllt von der Herrlichkeit Gottes.“ Wir glauben, dass wir am Ende der Zeit die Erde erleuchten sollen mit der Herrlichkeit Gottes. Offenbarung 18, Vers 1: „Und nach diesem sah ich einen Engel aus dem Himmel herabsteigen, der große Vollmacht hatte, und die Erde wurde erleuchtet von seiner Herrlichkeit.“ Wenn wir diesen Ruf entgegennehmen wollen, wenn wir die Botschaft verbreiten wollen, wenn durch unser Wirken die Erde erleuchtet werden soll mit der Herrlichkeit Gottes, müssen wir die Erfahrung machen, die Jesaja gemacht hat. Auch wenn wir nicht zu tatsächlichen Propheten berufen sind, müssen wir alle diese Erfahrung machen, im Tempel Jesus zu sehen. Jesus im himmlischen Heiligtum, der jetzt im Allerheiligsten für uns als königlicher Priester oder als priesterlicher König nach der Weise Melchisedeks, als König der Könige für uns im himmlischen Heiligtum für uns dient, bevor er wiederkommen wird als König der Könige. Um genau zu sein: Wir müssen jetzt die Herrlichkeit Gottes im Heiligtum erkennen, die Herrlichkeit Jesu. Und wenn wir dadurch getroffen und bereit sind, dann werden wir als diejenigen, die in der letzten Zeit leben, wo die Botschaft der drei Engel durch die Welt geht, die Erde erleuchten können mit der Herrlichkeit Gottes.

[23:02] Als Jesaja die Herrlichkeit Jesu im Tempel sieht, sagt er nicht: „Ah ja, ich habe schon immer gewusst.“ Die Herrlichkeit führt bei ihm nicht zu einer Zunahme intellektueller Erkenntnis oder dogmatischer Feinsinnigkeit. Nein, die Herrlichkeit Jesu, die sich ihm offenbart im Tempel, die führt zur tiefen Sündenerkenntnis. Vers 5: „Da sprach ich: Wehe mir, ich vergehe!“ In Kapitel 5 finden wir prophetische Aussprüche von Jesaja, der immer wieder sagt: „Wehe denen, wehe denen, wehe denen.“ Aber Kapitel 6, angesichts der Herrlichkeit Jesu, sagt er: „Wehe mir, ich vergehe, denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat. Denn meine Augen haben den König, den Herrn der Heerscharen, gesehen.“ Ein anderer mit Namen Petrus hat gesagt: „Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch“, als Jesus ihn berufen hat, Apostel zu sein, also Jünger, Vollzeitjünger zunächst einmal. Er hat gesehen, was Jesus kann. Er hat zwar Jesus nicht im Tempel gesehen in einer Herrlichkeit, aber er hat im Alltag gesehen, wie Jesus für ihn sorgt, diesem gewaltigen Fischfang, der alles menschliche Denken auf den Kopf stellt. Er hat verstanden, dieser Jesus ist nicht nur ein Mensch, hat gesagt: „Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch“, wird sich festgehalten an ihn. Jesaja sagt: „Wehe mir, ich vergehe.“ Die wahren Propheten, die Gott beruft, die wahren Prophetinnen und Propheten, die haben ihre eigene Sündhaftigkeit wirklich existenziell erlebt.

[24:44] Auch wenn wir an die Reformatoren denken: Luther hat seine Sündhaftigkeit erkannt. Andere, wie Müntzer, die die ganze Welt reformieren wollten, die hatten da ihre Defizite. Wer immer nur den anderen sagen soll, was richtig ist, wer immer nur den anderen sagen will, was richtig ist, wer sich rühmt, mehr zu wissen als die anderen, als selbsternannter Prophet, dem fehlt genau das hier: „Wehe mir, ich vergehe.“ Jesaja erkennt, dass er verloren ist ohne Vergebung. Das heißt in Vers 6 und 7: „Da flog einer der Seraphim zu mir und er hielt eine glühende Kohle in seiner Hand, die er mit der Zange vom Altar genommen hatte, und er berührte meinen Mund damit“ – ist ein Symbol offensichtlich – „und sprach: Siehe, dies hat deine Lippen berührt. Deine Schuld ist von dir genommen und deine Sünde gesühnt.“ Jesus offenbart sich uns im Heiligtumsdienst und er vergibt unsere Sünden, um uns dann zu berufen, seine Botschaft hinauszutragen. Sei es als Farmer, sei es als Arzthelferin, sei es als Banker oder sei es als Prophetin. Der Ruf in den Dienst für Gott ist untrennbar verbunden mit der Erfahrung der Erlösung. Es sind Erlöste, die berufen werden und auch Erlöste, die in das Prophetenamt berufen werden.

[26:39] Vers 8: „Und ich hörte die Stimme des Herrn fragen: Wen soll ich senden und wer wird für uns gehen?“ Der Ruf ist nicht ein Zwang. Jesaja wird nicht in den Dienst des Herrn gepresst. Er wird nicht dazu gezwungen. Gott stellt eine Frage und er möchte, dass Menschen freiwillig ihm folgen. „Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich.“ Wir wissen vom Propheten Jeremia, dass Gott die Propheten von Geburt an für diesen Dienst vorgesehen hat. Aber nicht alle, die dafür vorgesehen sind, haben den Dienst auch angenommen. Gott hat für jeden Menschen einen Plan, aber viele Menschen, weil sie niemals die Erlösung annehmen, erkennen auch nicht den Plan, den Gott für sie hat und können diesen Plan nicht ausführen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Welt viele Propheten nicht gesehen hat, die hätten Propheten sein sollen, weil die Menschen, für die Gott diesen Plan gehabt hat, sich nie bekehrt haben. Wenn Paulus sich nicht bekehrt hätte auf dem Weg nach Damaskus, hätte sein Dienst nicht stattgefunden. Gott hat für jeden von uns einen Plan, aber er ruft uns in diesen Plan, den es gibt schon bevor wir überhaupt gezeugt wurden. Er ruft uns in diesen Plan, so dass wir uns entscheiden dürfen freiwillig, ob wir ihm folgen wollen oder nicht. Aber glaube mir, lieber Freund, liebe Freundin, wenn wir echte Erlösung erleben, dann wollen wir auch Gottes Plan für unser Leben, weil wir verstanden haben: Das ist das Beste, was uns passieren kann.

[28:30] Vers 8: „Und ich hörte die Stimme des Herrn fragen: Wen soll ich senden und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich.“ Das waren die Worte von Jesaja. Mögen es auch unsere Worte sein, wenn Gott uns ruft, vielleicht nicht in das konkrete spezifische Prophetenamt, aber wenn er uns ruft, einer sterbenden Welt eine Botschaft des ewigen Evangeliums, eine Botschaft von Gericht und Hoffnung zu bringen, eine Botschaft von Jesus im himmlischen Heiligtum, im Allerheiligsten, eine Botschaft von der Herrlichkeit Gottes, die die Erde erfüllen wird. Wenn Gott uns ruft, weil wir seine Erlösung erlebt haben persönlich, weil wir verstanden haben, wir brauchen ihn, und er uns dann ruft, mögen unsere Worte auch sein: „Hier bin ich, sende mich.“ Dieser Vers hat in meinem persönlichen Leben eine zentrale Rolle gespielt. Matthäus 4, Vers 19 ist dieser Vers, mein Berufungsvers, als Gott mich vor fast 16 Jahren in den Missionsdienst gerufen hat. Es war in dem Matthäus 4,19 dieser Vers, durch den er zu mir persönlich gesprochen hat in einer sehr dramatischen Situation, auf die ich hier der Zeit wegen nicht eingehen kann.

[30:09] Aber wenn wir uns in den Dienst Gottes stellen, das ist meine persönliche Erfahrung, wenn wir den Ruf annehmen, den er für uns spezifisch hat. Und wenn Gott dich ruft, ein Zimmermann zu sein, so wie Josef, dann sei ein Zimmermann zur Ehre Gottes. Und wenn er dich ruft, ein Missionar im Spezifischen zu sein als Auslandsmissionar, dann sei das. Und wenn er dich ruft, in deiner Familie zu sein, was immer der Ruf für dich persönlich ist, wenn du ihn annimmst und dem folgst, was in der Regel bedeutet, liebgewonnene Lebenspläne auf den Altar zu legen – ich wollte unbedingt Dirigent werden –, wenn du bereit bist, diese Pläne auf den Altar zu legen, wirst du Segen erleben, den du auf keine andere Weise erleben kannst. Das ist meine persönliche Erfahrung seit 16 Jahren.

[31:03] Kommen wir zu einem anderen Propheten, zu Daniel Kapitel 1 und der Berufung dieses so interessanten und für uns so wichtigen Propheten Daniel. In Daniel 1, Vers 17 heißt es: „Und Gott gab diesen vier jungen Männern Kenntnis und Verständnis für alle Schrift und Weisheit. Daniel aber machte er verständig in allen Gesichten und Träumen.“ Daniel wurde in Babylon besonders von Gott gesegnet, sich mit Träumen und Visionen auszukennen. Ein echter von Gott gesegneter Experte für Träume, ein Experte für Visionen. In höchster Lebensgefahr in Daniel 2 wird Daniel in eine besondere Position gebracht. Er betet mit seinen Freunden, weil er wie alle anderen Weisen Babylons vor der Exekution steht, weil der König geträumt hat und sich nicht mehr erinnern kann, was er geträumt hat. Und Gott gab ihm den Traum des Großkönigs Nebukadnezar. Und hier zeigt sich wieder der Unterschied zwischen einem Propheten und einem normalen Menschen. Gott hat eben dem Traum zu Nebukadnezar gesprochen, aber doch braucht es den Propheten, damit Nebukadnezar versteht, was er geträumt hat und vor allem, was es bedeutet.

[32:24] Und Daniel ist sich bewusst, dass diese Fähigkeit, dass dieses Wissen um die prophetische Zukunft, die Gott ihm jetzt hier offenbart hat, dass das nicht aufgrund seiner Fleißigkeit, seiner Tüchtigkeit, seines Wissens passiert ist, sondern weil Gott es ihm geschenkt hat. Wir lesen in Daniel 2, Vers 19 bis 23: „Hierauf wurde dem Daniel in einem Gesicht bei Nacht das Geheimnis geoffenbart. Da pries Daniel den Gott des Himmels.“ Daniel hat sich nicht selbst erhoben, er hat Gott die Ehre gegeben. Daniel begann und sprach: „Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn sein ist beides, Weisheit und Macht. Er führt andere Zeiten und Stunden herbei. Er setzt Könige ab und setzt Könige ein.“ So wie es im Buch Daniel in den Prophezeiungen deutlich wird: Die Weltreiche lösen sich ab. Gott ist Herr der Geschichte. Er gibt den Weisen die Weisheit und den Verständigen den Verstand. Geschichte zu verstehen, sogar als Prophet zu wirken, ist immer nur ein Geschenk Gottes. Er offenbart, was tief und verborgen ist. Er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht. Wenn wahre Prophetinnen und Propheten etwas über die Zukunft vorhersagen, was eintrifft, dann liegt das nicht daran, weil die Propheten so klug sind, sondern allein, weil sie mit dem Gott des Himmels in direktem Kontakt gewesen sind. Es ist Gottes Geschenk.

[33:40] Vers 23: „Dir, dem Gott meiner Väter, sage ich Lob und Dank, dass du mir Weisheit und Kraft verliehen und mich jetzt wissen lassen hast, was wir von dir erbeten haben. Denn die Sache des Königs hast du uns wissen lassen.“ Daniel dankt für diese großartige Gabe. Wahre Prophetinnen und Propheten werden sich nicht selbst erhöhen, werden sich nicht selbst applaudieren für alles, was sie wissen, sondern die werden immer sagen: „Es ist Gottes Gabe, es ist Gottes Geschenk. Gott allein sei gepriesen.“ Er weiß es und wahre Prophetinnen und Propheten sehen sich nur als ein Sprachrohr. Sie wissen, dass sie von Gott direkt abhängig sind. Sie wissen, dass es nicht in ihrer menschlichen Macht steht. So auch Daniel in Vers 27. Daniel antwortete vor dem König und sprach: Das Geheimnis – nachdem der König fragt: „Können Weise, Wahrsager, Traumdeuter oder Zeichendeuter dem König nicht künden?“ – „Aber es gibt einen Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart.“ Und dann in Vers 36, als er sagte: „Das ist der Traum“, nun wollen wir, das heißt Gott und Daniel, vor dem König auch seine Deutung verkünden. Er wurde zum Zeugen mitten in Babylon. Daniel hat eine solche Aufmerksamkeit, der Nebukadnezar war so begeistert von ihm, hat ihm... Wir sehen später, dass auch Jahre, Jahrzehnte fast wahrscheinlich später, Nebukadnezar immer noch wusste, dass Daniel ein besonderer Mensch ist.

[35:08] Vers 15 in Daniel 4: „Diesen Traum habe ich, der König Nebukadnezar, gesehen. Du aber, Beltsazar“, also Daniel, „die Auslegung, weil alle Weisen meines Reiches nicht imstande sind, mir die Deutung zu verkünden. Du aber kannst es, weil der Geist der heiligen Götter in dir ist.“ Der Prophet Daniel hat so offensichtlich mit Gott zusammengearbeitet, dass sogar Nebukadnezar, der zweite Großkönig des neubabylonischen Reiches, gemerkt hat, dass Daniel ein inspirierter Prophet ist. Er konnte es nicht in die korrektesten Worte fassen, aber er hat es gemerkt. Er hat in seinen noch heidnisch geprägten Worten richtig letztlich den Gedanken ausgedrückt: Der Geist Gottes ist in ihm.

[35:55] Der Ruf blieb bestehen. Daniel war bekannt als jemand, der zu Gott einen direkten Draht hat als Prophet, selbst dann, als er nicht mehr wirklich im Staatsapparat gebraucht wurde oder beschäftigt war, in Daniel 5, ganz am Ende des neubabylonischen Reiches. Und dort in Vers 13 und 14 lesen wir, wie dem Belsazar von der Königin, der Königsmutter wohl offensichtlich, folgendes gesagt worden ist: Sobald nun Daniel vor den König hineingeführt worden war, ergriff der König das Wort und sprach zu ihm: „Bist du Daniel, einer der Weggeführten von Juda, die mein Vater, der König, aus Juda hergebracht hat? Ich habe von dir gehört“, also von der Königin, „dass der Geist der Götter in dir sei und dass Erleuchtung und Verstand und außerordentliche Weisheit bei dir gefunden werden.“ Über Jahrzehnte hat sich dieser Ruf, dass Daniel inspiriert ist, erhalten. Und selbst als er dann unter den Medern und Persern, die noch in jener Nacht das babylonische Weltreich erobert haben, also Babylon in dem Fall die Stadt erobert haben und dann auch das ganze Weltreich damit, er hat auch unter den Medern und Persern eine herausragende Rolle gespielt, so dass auch der Darius der Meder, der in Daniel 6 dann eine große Rolle spielt, in seinem Erlass von dem Gott Daniels spricht, der der lebendige Gott ist, der in Ewigkeit bleibt und sein Königreich nie zugrunde geht und seine Herrschaft kein Ende hat. Und Daniel als Zeuge Gottes hier in der Zentrale der Macht unter zwei Weltreichen gedient hat.

[37:36] Kommen wir am Ende noch zu einem Propheten, nämlich zu Lukas Kapitel 1 und damit zu der Berufung, wenn man so möchte, von Johannes, Johannes dem Täufer. Hier wird deutlich, dass Gott einen Plan für Propheten hat von Mutterleib an, so wie auch das bei Jeremia in Jeremia 1 deutlich wird. Es heißt in Vers 13, als der Engel Gabriel dem Zacharias im Tempel in Jerusalem erscheint. Es heißt ja: „Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört worden und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Johannes geben.“ Der Herr ist gnädig, Jochanan. „Und er wird dir Freude und Frohlocken bereiten und viele werden sich über seine Geburt freuen.“ All das ist ganz deutlich angelehnt an die Geschichte von Abraham und Sarah und Isaak. Dann heißt es aber hier weiter: „Er wird groß sein...“ – „Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken.“ Das hat natürlich mit den Nasiräern zu tun. Das hat aber auch mit den Priestern zu tun, denn das ist genau das, was den Priestern vorenthalten ist, was sie nicht trinken dürfen, wie uns 3. Mose 11 ganz deutlich zeigt. Und Zacharias war ja ein Priester. So wie einige andere Propheten, wie Jeremia oder Hesekiel, war auch Johannes aus priesterlichem Geschlecht. Und es wird hier ganz deutlich: Er sollte auch als Prophet weiterhin an diesem priesterlichen Grundsatz festhalten. Wir haben schon gesehen bei Abraham: Propheten sind nicht nur Sprachrohr Gottes, sie haben auch eine gewisse Mittlerfunktion, um Menschen zu Gott zu bringen.

[39:18] Es heißt weiter: „Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und mit Heiligem Geist wird er erfüllt werden, schon von Mutterleib an. Und viele von den Kindern Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, zurückführen.“ Das ist die Aufgabe eines wahren Propheten. Nicht einfach nur zu sagen, was in der Zukunft passiert, sondern um Menschen zu Gott zu führen. Alle Zeitprophezeiungen, großen Verheißungen, großen apokalyptischen Prophezeiungen im Buch Daniel und Offenbarung haben diesen einen Zweck: Menschen zu Gott zu führen. Und wenn wir diese Prophezeiung predigen, wenn wir sie auslegen und studieren, dann sollte das immer unser Hauptziel sein: Menschen zu Gott zu führen.

[40:01] „Und viele von den Kindern Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, zurückführen und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, um die Herzen der Väter umzuwenden...“ – „...und die Ungehorsamen zur Gesinnung der Gerechten.“ Man kann auch übersetzen: „...und die Ungehorsamen durch die Gesinnung der Gerechten.“ Das heißt, das würde bedeuten, dass er mit der Gesinnung der Gerechten die Ungehorsamen zu Gott wenden soll. Der Prophet, der soll nämlich nicht einfach nur Visionen weitergeben, er soll selbst eine Gesinnung haben, die dem Evangelium entspricht. Er soll die Gesinnung der Gerechten haben und durch seine Gesinnung, nicht nur durch seine Worte, sondern auch durch wie er das ganz, also was er für das Volk tun möchte, wie er das Evangelium selbst verstanden hat, soll er die Menschen zu Gott führen, dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten. Anders als Daniel hat Johannes wohl keine großen Visionen gesehen, keine Weltreiche, die sich dort bekämpfen und ablösen. Anders als Elisa hat Johannes auch keine großen Wunder getan und gar keine Wunder getan. Und doch war er genauso ein Prophet wie Elisa und Daniel. Ja, Jesus nennt ihn sogar in Matthäus Kapitel 11 den Größten von all diesen Propheten.

[41:49] Matthäus 11 und dort Vers 9: „Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, ich sage euch, einen, der mehr ist als ein Prophet. Denn siehe, denn dieser ist, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Das Besondere auch an Johannes war, dass er nicht nur ein Prophet war, er hatte einen Dienst, der prophetisch vorhergesagt war. Er war selbst in seinem Predigen Erfüllung von Prophetie. Er war nicht nur ein Prophet, er war die Erfüllung von Prophetie. Liebe Freunde, liebe Freunde, vielleicht bist du und ich, vielleicht sind wir keine Propheten im technischen Sinne, aber wir alle können die Erfüllung von Prophetie sein. Wir alle können den Ruf der drei Engel für uns annehmen und weitergeben. Wir können teilhaben an dem letzten Werk der Verbreitung des ewigen Evangeliums. So wie Johannes das erste Kommen Jesu vorbereitet hat als Erfüllung der Prophetie, so können wir das zweite Kommen Jesu als Erfüllung der Prophetie vorbereiten. Ein prophetisches Amt in gewisser Weise, sozusagen dann nicht im technischen Sinne, nicht dass wir alle inspiriert sind und unsere Worte als Wort Gottes gelten können, nicht weil wir Träume und Visionen haben oder Wunder tun, aber weil unser Dienst der Verkündigung prophetisch vorhergesagt worden ist und wir mit diesem Dienst dem König der Könige den Weg bereiten. Das ist unsere Aufgabe und deswegen lohnt es sich, über die Gabe der Prophetie und das Wirken der Propheten genauer nachzudenken. Auch wenn wir keine Propheten im engen Sinne sind, haben wir einen prophetischen Auftrag.

[43:44] Er sagt weiter, Vers 11: „Wahrlich, ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer.“ Johannes war größer als Daniel, größer als Elia oder Samuel, wie die Propheten alle heißen, größer als Jesaja, aber nicht, weil seine Poesie schöner war als die von Jesaja, nicht weil seine Prophezeiungen apokalyptischer und gigantischer waren als die von Daniel, nicht weil seine Wunder größer als die von Elisa waren. Er hat keine Wunder getan, keine besondere Poesie verwendet und keine großen apokalyptischen Bilder gesehen, aber er hat den Weg für Jesus direkt als Vorläufer bereitet. Und diese Nähe zu Jesus, diese fast ja quasi physische Nähe – er, der sogar Jesus getauft hat –, macht ihn zum Größten. Was bedeutet es dann, dass wir aufgerufen sind, die Wiederkunft Jesu, wenn er als König der Könige wiederkommt, vorzubereiten?

[45:02] Der Ruf von Johannes bestand darin, Menschen auf Jesus vorzubereiten. Wir lesen in Markus 1, Vers 1 bis 5. Markus sagt: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, wie geschrieben steht in den Propheten: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird. Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste.“ Das ist ein Zitat aus dem Alten Testament von Propheten wie Maleachi und Jesaja: „Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade.“ Ebenso begann Johannes in der Wüste und taufte und verkündigte eine Taufe zur Buße zur Vergebung der Sünden. Der prophetische Dienst von Johannes bestand darin, Menschen zum Evangelium zu führen. Menschen dazu zu führen, zu erkennen, dass sie Sünder sind, dass sie Vergebung brauchen, dass sie bei Gott Vergebung erbeten und durch die Taufe das neu begonnene Leben auch öffentlich bekennen. Das war der Dienst, der prophetische Dienst von Johannes. Wir haben einen solchen Auftrag, das Evangelium zu predigen, um Menschen vorzubereiten auf die Wiederkunft Jesu, dass sie durch die Taufe ein neues Leben beginnen und Vergebung der Sünden haben, den neuen Bund erleben, dass sie eine direkte Beziehung zu Gott haben und er sein Gesetz in ihr Herz schreiben kann.

[46:26] Und dieser große, dieser große Johannes, der so groß war, dass es ihm nicht mal um sich selbst ging, der so groß war, dass als er merkte, dass Jesus mehr Klicks auf YouTube hatte als er selbst, als er merkte, dass die Follower von Jesus mehr wurden und seine weniger, der nicht anfing zu überlegen, wie er das ändern könnte, sondern der froh war, dass die Menschen nicht mehr zu ihm, sondern direkt zu Jesus gingen, der so groß war, dass er sagen konnte: „Ich muss abnehmen, er muss zunehmen.“ Selbst dieser Johannes kam an einen Punkt in seinem Leben, wo er sich fragte, ob nicht alles eine Täuschung gewesen sei, wo er sich fragte, ob Jesus wirklich der Messias ist.

[47:30] Wir lesen in Matthäus 11 ab Vers 2: „Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken des Christus hörte, sandte er zwei seiner Jünger und ließ ihm sagen: Bist du derjenige, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Er saß dort im Gefängnis und wir wissen von anderen Stellen in den Evangelien, er hatte seine eigenen Jünger. Es gab immer noch eine Gruppe, auch wenn die Masse der Menschen zu Jesus überlief, gab es einen festen Kern, seinen eigenen Jüngern, die bei ihm blieben. Und die werden ihm immer wieder die Nachrichten gebracht haben, denn die Soldaten werden es nicht gewesen sein. Sie werden die Nachrichten gebracht haben von den Wundern, die Jesus tut. Und sie werden vielleicht auch die Frage gestellt haben. Sie werden die Frage gestellt haben: Aber warum, wenn du doch sein Vorläufer bist, warum befreit er dich nicht? Sagt nicht Jesaja 61, dass der Messias gekommen ist, um den Gefangenen Befreiung zu verkünden? Jetzt bist du gefangen für das Evangelium. Warum macht er dich nicht frei?

[48:34] Selbst Johannes war nicht ganz frei von der Idee, dass am Ende bei aller geistlichen Erneuerung, die Johannes deutlicher gesehen hat als alle anderen, am Ende doch der Messias sein irdisches Reich aufrichten würde, die Römer vertreiben würde. Und in diesem Szenario war kein Platz für ein Verrotten in einem Verlies. Aber Jesus machte keinen Zentimeter hin auf die Burg Machärus, wo er lag. Er rührte sich nicht, um Johannes aus den Fängen des Herodes Antipas zu befreien. Und die Frage war: Bist du dann der Messias? Selbst Johannes, der größte aller Propheten bis dahin, hatte das prophetische Wort nicht bis ins Letzte verstanden, hätte nicht ganz durchdrungen, dass Jesaja 61 nicht davon sprach, einfach die Gefängnismauern zu durchbrechen und die Gefängnisse leer zu machen, sondern davon sprach, Menschen, die in der Sünde gefangen sind, zu befreien, was Jesus dann später in Johannes 8 deutlich gemacht hat, dass wer die Sünde tut, ein Knecht der Sünde ist und wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei.

[49:56] Und Jesus antwortet mit viel Taktgefühl. Ich glaube, es hat Jesus auch verletzt, dass ein wichtigster Mitarbeiter, sozusagen im Sinne von Vorarbeiter, besser gesagt, dass der, der mehr vom Evangelium verstanden hat als alle anderen Zeitgenossen, dass selbst der plötzlich Zweifel bekam. Wenn schon Johannes solche Zweifel hat, was ist denn von den Jüngern zu erwarten, die nur Fischer sind, oder der Volksmenge, geschweige denn von den Pharisäern und Sadduzäern? Hier ist ein wichtiger Punkt für uns: Wir sehen, selbst der größte Prophet kommt an den Punkt, wo er zweifelt. Elia wollte, dass ihm das Leben genommen wird. Aber was wir auch sehen sollten, ist, dass wenn wir an solchen tiefen Punkten sind, dass auch Jesus das nicht kalt lässt, dass wenn wir anfangen zu zweifeln, dass es Jesus weh tut. Jesus hilft ihm mit all dem Taktgefühl, das nur Jesus in dieser vollendeten Form dieser Welt gezeigt hat, dass wir seiner Kraft versuchen nachzuahmen. Er antwortet ihm.

[51:19] „Und Jesus antwortete Vers 4 und sprach zu ihnen: Geht hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt und Armen wird das Evangelium verkündigt. Und glückselig ist, wer nicht Anstoß nimmt an mir.“ Jesus bezieht sich genau auf die Stelle von Jesaja 61, die vielleicht dem Johannes sicherlich vor Augen war. Er sagt: Ich erfülle das, was dort steht. Und wenn ich dich nicht frei mache, überleg mal, könnte es vielleicht daran liegen, dass du den Vers falsch verstanden hast? Denk noch mal nach. Nimm kein Anstoß an mir. Ich bin derjenige, der dort beschrieben ist. Und das war für Johannes genug. Johannes hatte zwar Zweifel, aber Johannes nahm die Erklärung von Jesus an. Wie viele haben heute Zweifel und wenn Jesus ihnen taktvoll erklärt, was die Wahrheit ist, dann wollen sie es trotzdem nicht wissen. Wir dürfen wissen, selbst wenn wir in Zweifel geraten, ist Jesus da, um uns wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

[52:45] Johannes der Täufer ist durch ein Schwert umgekommen, aber war der größte aller Propheten. Es ist nicht das äußere Leben. Es sind nicht die äußeren Lebensumstände, die die Qualität des Prophetenamtes ausmachen oder überhaupt die Qualität unseres Missionsdienstes. Auch Paulus ist durch ein Schwert umgekommen, die anderen Apostel auf andere Art und Weise, alle grausam. Es ist das, was das Evangelium durch unseren Dienst erreichen konnte. Bei Paulus die Gründung zahlreicher Gemeinden in Gegenden, wo das Evangelium bisher noch nicht gewesen war. Im Falle von Johannes die Vorbereitung des Volkes Gottes, die Ankunft des Messias. Und was wird das Wirken des Evangeliums in uns bewirken? Was werden die geistlichen Früchte unseres Dienstes sein? Ruft Gott dich heute, ein Zeuge für ihn zu sein? Sei es im Beruf, sei es in der Familie, sei es Vollzeit. Das kann allein Gott dir zeigen. Aber wenn er dich ruft, dann sage: „Hier bin ich. Ich will gehen, weil du mich rufst.“ Ist dein Wunsch. Dann lass uns gemeinsam beten.

[54:25] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Wir möchten dir danke sagen für die Kraft, die Schönheit des Evangeliums und wir möchten dich bitten, dass wir diese Erfahrung machen, die Jesaja gemacht hat, dass wir diese Gewissheit haben, die Daniel hatte, dass du bei uns bist, selbst in schwierigen Situationen, dass wir wie Abraham nicht nur wissen, weiterzugehen, sondern für Menschen eintreten und beten und dass wir auch die Wahrheit nicht abmildern, nicht verwässern, sondern wie Elia die ganze Wahrheit den Menschen bringen. Herr, dass wenn wir auch keine Propheten im eigentlichen, engen spezifischen Sinne sind, wenn wir keine Wunder tun wie Elisa, keine apokalyptischen Bilder sehen wie Daniel, dass wir doch wie Johannes ein Volk vorbereiten auf die Ankunft des Messias, die Ankunft des Königs der Könige. Und zwar diesmal zum zweiten Mal. Herr, das wünsche ich mir und hab Dank dafür, dass du uns vorbereitest und uns berufst. Im Namen Jesu. Amen.

[56:12] Nächste Woche wollen wir uns weiter mit Propheten beschäftigen. Es wird dann vor allem auch um Propheten im Alten Testament gehen. Bis dann wünschen wir euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes und im Leben unserem wunderbaren Erlöser Jesus Christus. Amen.


Lizenz

Copyright ©2026 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.