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In dieser Folge der „Christ Study Hour“ taucht Christopher Kramp tief in die Welt der alttestamentlichen Propheten ein, um ihre besondere Rolle und Gottes Wirken durch sie zu beleuchten. Erfahre anhand biblischer Prinzipien, wie Gott Menschen gebrauchte und welche zeitlosen Lehren wir daraus für unser heutiges Leben mit ihm ziehen können.


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Serie: Christ Study Hour 2026 Q4: Die Gabe der Prophetie

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Transkript

[0:32] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer möchten wir alle Zuschauer auch auf dem Sender das Wort ganz recht herzlich begrüßen. Wir sind in unserer Serie über die Gabe der Prophetie und wollen heute und nächste Woche uns mit Propheten im Alten und im Neuen Testament beschäftigen. Heute soll es um das Alte Testament gehen. Nächste Woche dann das Neue, aber heute um die Propheten im Alten Testament. So heißt dieses Thema, mit dem wir uns vorbereiten auf das Bibelgespräch am 17. Oktober. Wir haben da einige interessante Texte, die wir gemeinsam durchdenken wollen, anschauen wollen, um besser zu verstehen, wie Propheten arbeiten, wie Gott Menschen als Propheten auch gebraucht. Und bevor wir das tun, möchten wir natürlich mit einem Gebet Gott einladen, unser Studium zu segnen. Lasst uns gemeinsam beten.

[1:29] Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir jetzt zu dir kommen können und wissen dürfen, dass du uns gerne dein Wort erklären möchtest. Du hast es nicht gegeben, damit wir im Dunkeln tappen, sondern dass es ein Licht ist auf unserem Weg. Und Herr, wir wollen es nicht aus eigener Kraft mit unserem eigenen Gutdünken interpretieren. Wir wollen hören und verstehen, was du uns zu sagen hast. Ich möchte dich von Herzen bitten, dass du jetzt unser Lehrer bist und dass wir viele wichtige und interessante Gedanken aus deinem Wort entnehmen können, die uns helfen, im Alltag mit dir zu leben, bei dir zu bleiben und deine Kraft immer mehr in unserem Leben zu realisieren. Das bitten wir im Namen Jesu und danken, dass dein Wort nicht leer zurückkehren wird, sondern ausführen wird, wozu du es gesandt hast. Im Namen Jesu. Amen.

[2:28] In 2. Chronik Kapitel 20 und dort Vers 20 finden wir ein Prinzip, das nicht nur für das Alte Testament, sondern für die gesamte Bibel, ja, für die gesamte Weltgeschichte gilt, für jeden Gläubigen zu allen Zeiten. Wir lesen in 2. Chronik 20, Vers 20: „Und sie machten sich am Morgen früh auf und zogen zur Wüste Tekoa. Und als sie auszogen, trat Josaphat hin und sprach: ‚Hört mir zu, Juda und die Einwohner von Jerusalem: Vertraut auf den Herrn, euren Gott, so könnt ihr getrost sein, und glaubt seinen Propheten, so werdet ihr Gelingen haben.‘“

[3:10] Gott vertrauen und den Propheten glauben werden hier parallel gesetzt. Wer Gott vertraut, wird auch den wahren biblischen Propheten, den Propheten, die den biblischen Prophetentest bestehen, diesen Propheten auch glauben. Wenn wir Gottes Propheten glauben und unser Vertrauen in Gott und sein Wort setzen, dann werden wir Gelingen haben in den Herausforderungen des Lebens. Josaphat und sein Volk waren in einer großen Krise. Die Feinde hatten sich aufgemacht, waren in der Überzahl. Aber als sie gebetet haben, hat der Geist der Weissagung, der hier auf einen Propheten fiel – auf Jahasiel in 2. Chronik 20, Vers 14 –, das Volk ermutigt, dass es siegen wird, wenn sie Gott an die erste Stelle setzen. Josaphat lässt die Sänger, die Gott preisen, als erste Schlachtreihe auftreten. Und die Geschichte zeigt dann, dass sie nicht einmal kämpfen müssen, sondern Gott sorgt dafür, dass die Feinde sich gegenseitig umbringen.

[4:18] „Vertraut auf den Herrn, euren Gott, so könnt ihr getrost sein, und glaubt seinen Propheten, so werdet ihr Gelingen haben.“ Es nützt nichts, wenn man die ganze Theorie des Prophetentums kennt, wenn man genau weiß, wie Propheten berufen werden, wie exakt die Inspiration funktioniert, wann es welche Propheten gegeben hat. Wenn wir nicht den Worten der Propheten glauben und dadurch auch unser Vertrauen in Gott und sein Wort offenbaren, dann nützt uns alles andere Wissen über die Propheten nicht. Wir wollen also die Gabe der Prophetie nicht einfach nur rein theologisch-dogmatisch studieren. Wir wollen lernen, dem Geist der Weissagung, wie er sich zu allen Zeiten manifestiert, zu glauben.

[5:05] Wir beginnen heute mit einem Propheten, nämlich mit Elia, und lesen zunächst einen Text aus dem Neuen Testament, der uns hinführt zu den Gedanken, die wir dann über Elia gemeinsam studieren wollen. In Jakobus Kapitel 5, dort Vers 17 und 18, heißt es: „Elia war ein Mensch von gleicher Art wie wir, und er betete inständig, dass es nicht regnen solle, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht im Land. Und er betete wiederum, da gab der Himmel Regen und die Erde brachte ihre Frucht.“ Elia war kein Superheld. Elia, so sagt Jakobus hier ganz deutlich, war ein Mensch so wie du und ich. Gott beruft normale Menschen, um sich in ihnen zu verherrlichen. Die wunderwirkende Kraft, die sich hier zeigt – dass es dreieinhalb Jahre nicht geregnet hat, dass es nach dreieinhalb Jahren dann auf Gebet wieder regnet –, das war nicht Elias besondere Fähigkeit. Das war Gottes Wirken durch ihn. Die großen Wunder waren Gottes Wunder. Elia war nur das Instrument.

[6:17] Und wir sehen im Alten Testament auch, dass Elia durchaus sehr menschliche Eigenschaften an den Tag legte. Dinge, die wir alle aus unserem Leben auch auf die eine oder andere Weise kennen. In 1. Könige 19, Vers 1 bis 4 sehen wir, was passiert am Tag nach dem großen Ereignis auf dem Berg Karmel, als nach dreieinhalb Jahren wieder Regen fiel, weil zuvor Feuer vom Himmel fiel auf das Gebet von Elia in diesem großen Wettstreit zwischen den vielen Priestern des Baal und der Aschera und ihm alleine. Am nächsten Tag nach diesem gigantischen Beweis, dass Gott im Himmel allein der wahre Gott ist, was sogar das Volk dann offensichtlich anerkannt hat, lesen wir hier in Vers 1 von 1. Könige 19: „Und Ahab erzählte der Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten mit dem Schwert, also die Götzenpropheten, mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: ‚Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich morgen um diese Zeit mit deinem Leben nicht so verfahre, wie du mit ihrem Leben.‘“

[7:31] Eine Todesandrohung, eine Morddrohung. Und als er das sah, machte er sich auf und ging fort um seines Lebens willen. Und er kam nach Beerscheba, das zu Juda gehörte, und ließ seinen Burschen dort zurück. Er selbst aber ging hin in die Wüste, eine Tagesreise weit. Und er kam und setzte sich unter einen Ginsterstrauch und er erbat für sich den Tod und sprach: „Es ist genug. So nimm nun, Herr, mein Leben, denn ich bin nicht besser als meine Väter.“ Nach dem großen geistlichen Höhepunkt erlebt Elia ein mentales Tief. Er verliert buchstäblich die Freude am Leben. Vielleicht ist es dir auch schon mal so gegangen. Vielleicht nicht ganz so krass, vielleicht tatsächlich so krass. Elia, der Prophet Gottes, hat eine Depression.

[8:29] Und Gott, der so mächtig durch Elia am Tag zuvor wirken konnte, verlässt seinen Propheten jetzt nicht. Gott ist nicht nur für uns da, wenn wir im Vollbesitz unserer Kräfte mit ihm kooperieren. Er sorgt sich auch um uns, wenn wir schwach geworden sind, wenn wir straucheln, wenn uns der Mut verlässt. Vers 5: „Und er legte sich und schlief ein unter dem Ginsterstrauch, und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: ‚Steh auf und iss.‘ Und als er sich umsah, siehe, da war bei seinem Kopf ein auf heißen Steinen gebackener Brotfladen und ein Krug Wasser mitten in der Wüste.“ Als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Gott sorgt für ihn. Elia braucht jetzt gutes Essen und er braucht ausreichend Schlaf. Vielleicht kennst du das NEWSTART-Prinzip. Die acht Ärzte und gutes Essen, viel Wasser, ausreichend Schlaf sind ganz wesentliche Heilfaktoren in diesem System der natürlichen Heilfaktoren, die Gott uns gegeben hat, die auch in solchen Fällen mentaler Krankheit, mentaler Niedergeschlagenheit, wirklich gut helfen.

[9:43] Vers 7 und 8: „Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal und rührte ihn an und sprach: ‚Steh auf und iss, denn der Weg ist sonst zu weit für dich.‘“ Gott erinnert durch den Engel den Elia, dass er noch mehr essen muss. Wer in solch eine schwere Depression verfällt, der vergisst manchmal vielleicht sogar zu essen. Er vergisst die Dinge, die wichtig sind für ihn. Er hat vielleicht nicht mal die Kraft, sich daran zu erinnern. Gott sendet den Engel und sagt: „Pass auf, du musst noch ein bisschen mehr essen, damit du genügend Kraft hast.“ Und er geht an den Horeb. Vers 8: „Und er stand auf und aß und trank und ging in der Kraft dieser Speise 40 Tage und 40 Nächte lang bis an den Berg Gottes, den Horeb.“ Ich weiß nicht, ob mir das so bewusst gewesen ist, dass er hier in Gottes Kraft am Leben erhalten wird. Als er dort am Horeb ankommt, ist er nicht halb tot, sondern das, was Gott ihm gegeben hat, war mehr als ausreichend. Es hat ihn 40 Tage lang gestärkt.

[10:48] Aber Elia hat gerade nicht so sehr die Augen auf das, was Gott für ihn getan hat und gerade tut, sondern er sieht vor allem das Negative. Wie oft geht es uns so, dass wir mit dem Blick auf das Negative, mit dem Blick auf das, was schiefgelaufen ist, was nicht so gut ist, vergessen zu sehen, was Gott alles für uns getan hat und gerade für uns tut. Mir ist das schon so gegangen, dass man irgendwie verzweifelt ist und den Blick nicht mehr dafür hat, dass Gott, während man in dieser Verzweiflung ist, einen am Leben erhält und Kraft gibt und viele Dinge für einen tut. Vers 9: „Und er ging dort in eine Höhle hinein und blieb dort über Nacht, und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm und er sprach zu ihm: ‚Was willst du hier, Elia?‘“ Dort am Horeb, Sinai, wo Mose mit dem Volk Israel einen Bund mit Gott geschlossen hat. 40 Tage, 40 Nächte erinnert auch an die 40 Tage, 40 Nächte, in denen Mose auf dem Berg Sinai ohne Essen und Trinken war, weil Gott ihn am Leben erhalten hat.

[11:55] „Was willst du hier, Elia?“ Vers 10: „Er sprach: ‚Ich habe heftig geeifert für den Herrn, den Gott der Heerscharen, denn die Kinder Israels haben deinen Bund verlassen und deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht, und ich allein bin übrig geblieben, und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen.‘“ Elia sieht nur noch schwarz. Er sieht nicht das Positive. Natürlich ist die Situation beängstigend schlecht im Nordreich Israel. Natürlich gibt es vieles, was einen traurig machen kann, aber Elia sieht die Situation noch schwärzer als sie ist. Kann uns das auch passieren, dass wir die Situation in einer von Krisen geschüttelten Gemeinde noch schwärzer sehen, als sie tatsächlich ist? So schwarz, dass wir das Wirken Gottes aus den Augen verlieren und nur noch das Negative sehen und den Eindruck haben, es bringt ja nichts. Elia hat den Eindruck, dieser prophetische Dienst bringt nichts. Er hat alles getan, er hat alles gegeben, das Volk macht nicht mit, er wird mit dem Leben bedroht, er ist der Einzige. Gott sagt, er sagt: „Nimm mir das Leben, es bringt nichts.“ Hast du manchmal den Eindruck, dass es nichts bringt, sich einzusetzen für das Werk Gottes, weil so vieles so läuft, wie man denkt, es sollte nicht laufen?

[13:13] Aber Gott gibt Elia nicht auf. Er begegnet ihm, und er begegnet ihm auf eine besondere Art und Weise. Vers 11: „Er aber sprach: ‚Komm heraus und tritt auf den Berg vor den Herrn.‘ Und siehe, der Herr ging vorüber, und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem Herrn her.“ Das muss ein wirklich übernatürlicher Wind gewesen sein. „Der Herr aber war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind kam ein Erdbeben, aber der Herr war nicht in dem Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer kam die Stimme eines sanften Säuselns.“ Das Hebräische kann man vielleicht besser übersetzen mit einer Stille. Ja, man hat ja fast den Eindruck, dass auch die Stille so einen Klang hat, so etwas ganz Ruhiges.

[14:07] Gott begegnet dem Elia nicht mit Pauken und Trompeten, sondern in der Stille. Ja, Gott hat am Tag zuvor mit Feuer geantwortet, aber in der Depression, in der Elia steckt, braucht er nicht noch mal ein Feuerwunder. Er braucht eine intime geistliche Nähe mit Gott, die ihn wieder innerlich stärkt. Wir brauchen in unserem Leben auch nicht nur die großen dramatischen Wunder, wir brauchen die stille Zeit mit Gott, wo wir ohne Ablenkung Gottes Stimme zu unserem Herzen hören können. Vers 13: „Und es geschah, als Elia dies hörte, da hüllte er sein Angesicht mit seinem Mantel und er ging hinaus und trat an den Eingang der Höhle, und siehe, da kam eine Stimme zu ihm, die sprach: ‚Was willst du hier, Elia?‘“

[15:06] Und er sprach: „Ich habe heftig geeifert für den Herrn, den Gott der Heerscharen, denn die Kinder Israels haben deinen Bund verlassen, deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht, und ich allein bin übrig geblieben, und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen.“ Ihm ist ein Engel begegnet. Der Engel hat ihm einen Brotfladen gebracht. Der Engel hat ihm einen Krug Wasser in die Wüste gebracht. Der Engel hat ihn schlafen lassen. Der Engel hat ihn noch einmal aufgeweckt, hat ihm noch mehr Essen gegeben. Er ist 40 Tage und Nächte ohne weiter zu essen, ohne Hunger zu haben, bis zum Berg Horeb gegangen. Er hat am Berg Horeb Gott gehört und er hat ein Erdbeben erlebt. Er hat einen bergezerreißenden Wind erlebt. Er hat ein Feuer erlebt und er hat Gottes Stimme zu seinem Herzen gehört. Und irgendwie denkt er trotzdem immer nur an seine negativen Dinge. Geht uns das manchmal so, dass Gott um uns herum Wunder um Wunder tut und wir sehen immer nur das: „Das läuft schlecht in der Gemeinde, ich bin alleine, niemand schätzt meinen Dienst.“ Lass uns wegschauen von uns, wegschauen von den Dingen, die uns missfallen, und hinschauen auf das, was Gott alles gerade tut, was er wirkt.

[16:33] Elia begegnet Gott auf dem Berg Sinai, so wie Mose Gott begegnet ist auf dem Berg Sinai damals nach dem goldenen Kalb in 2. Mose 33 und 34. Als Mose sich gewünscht hat, die Herrlichkeit Gottes zu sehen, als Mose sich gewünscht hat, dass Gott nicht einfach nur einen Engel vor ihm schickt, sondern dass er selbst mitgeht. Und Gott hat damals seine Herrlichkeit offenbart. Dann 2. Mose Kapitel 34, da lesen wir in Vers 5 und 6: „Und da kam der Herr in einer Wolke herab und trat dort zu ihm und rief den Namen des Herrn aus. Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: ‚Der Herr, der Herr, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue, der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, der keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied.‘“

[17:38] Damals hatte Gott deutlich gemacht: „Ich vergebe wirklich die Sünde, nicht weil ich die Augen zudrücke, sondern weil“ – und das ist jetzt das, was das Neue Testament uns dann zusätzlich erklärt – „weil Gott selbst die Strafe auf sich nimmt in der Person von Jesus Christus.“ Er lässt nicht ungestraft, aber er vergibt. Er vergibt uns so, dass er gleichzeitig gerecht und vergebend, barmherzig sein kann. Und so hat damals Mose das Evangelium verstanden und er bekam die zehn Gebote noch einmal auf Steintafeln geschrieben. Gott hat den Bund erneuert, hat gesagt, ich werde noch größere Wunder tun. Gott hat das Volk nicht nur neu angenommen, er hat gesagt hier in Vers 10 von 2. Mose 34: „Siehe, ich mache einen Bund. Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie nicht gewirkt worden sind auf der ganzen Erde und allen Völkern, und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll das Werk des Herrn sehen, denn furchterregend soll es sein, was ich mit dir tun will.“

[18:42] Und jetzt, Jahrhunderte später, auf dem Berg Sinai, da steht Elia. Übrigens werden später einmal Elia und Mose gemeinsam Jesus stärken für die Aufgaben, die vor ihm liegen, für den großen Plan der Erlösung. Elia hat hier gelernt, wie man ermutigt wird. Elia hat hier gelernt, wie man in tiefer Depression, in Verzweiflung wieder neue Tatkraft bekommt. Gott vertraut ihm eine neue Aufgabe an, eine neue Perspektive. Das Werk Gottes ist keinesfalls gescheitert. Gott sagt nicht: „Okay, dann bringt's halt nichts, dann bringe ich dich um.“ Nein, nein, nein. Gott sagt: „Kehre zurück.“ Vers 15: „Aber der Herr sprach zu ihm: ‚Kehre wieder auf deinen Weg zurück zur Wüste und wandere nach Damaskus und geh hinein und salbe Hasael zum König über Aram. Auch sollst du Jehu, den Sohn Nimschis, zum König über Israel salben und Elisa, den Sohn Schafats von Abel-Mehola, sollst du zum Propheten salben an deiner Stelle.‘ Und dann Vers 18: ‚Ich aber habe in Israel 7000 übrig gelassen, nämlich alle, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal und deren Mund ihn nicht geküsst hat.‘“

[19:56] Gott gibt Elia eine neue Aufgabe. Er gibt ihm eine neue Perspektive und zeigt ihm: Das Werk Gottes ist nicht gescheitert. Es wird weitergehen. Ja, Elisa wird sogar noch eine doppelte Portion des Geistes haben von Elia. Das Werk Gottes wird voranschreiten, trotz aller Schwierigkeiten. Es gibt Hoffnung und eine Zukunft. Das ist die Botschaft auch von Jeremia 29. Wenn wir denken, alles ist verloren – damals, als die Israeliten ins Exil geführt worden waren, die erste Gruppe von Exilanten nach Babylon verschleppt worden ist –, da sagt es hier in Vers 11: „Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe“, spricht der Herr, „Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.“ Wer zu Gott kommt und zuhört in der Stille, der findet Hoffnung und Zukunft. Der findet eine neue Aufgabe, eine neue Perspektive. Das Leben scheitert nicht, wenn wir bei Gott sind.

[21:01] Und ja, manchmal können wir sogar in die Depression verfallen. Manchmal können wir mental krank sein, so wie wir auch körperlich krank sind. Aber so wie Gott den körperlich Kranken beisteht, so steht er auch den mentalkranken bei. Und selbst wenn wir eine längere Zeit der Depression haben sollten, können wir selbst in dieser Depression, in dem Leiden, daran festhalten, dass Gott für uns da ist und dass Gott alles richtig macht, dass Gott für uns sorgt, so wie auch ein Kranker vielleicht eine längere Zeit des Leidens hat und in dieser körperlichen Krankheit festhält, dass Gott keinen Fehler macht. Gott sorgt sich um die körperlich Kranken und auch um die mentalkranken. Gott sorgt sich um Elia. Er sorgt sich um seinen Propheten. Nicht nur wenn der auf dem Berg Karmel für das Evangelium eine Lanze bricht, er sorgt sich auch um den Propheten, wenn dieser lebensmüde unter dem Ginsterbusch liegt.

[22:06] 1. Könige 22, eine andere sehr bemerkenswerte Geschichte. Wir lesen ab Vers 1: „Und sie blieben drei Jahre lang ruhig und es gab keinen Krieg zwischen den Aramäern und Israel. Im dritten Jahr aber zog Josaphat, der König von Juda aus dem Süden, zum König von Israel in den Norden hinab. Und der König von Israel sprach zu seinen Knechten: ‚Wisst ihr nicht, dass Ramot in Gilead, also im Ostjordan-Gebiet, uns gehört und wir sitzen still und entreißen es nicht der Hand des Königs von Aram?‘ Und er sprach zu Josaphat: ‚Willst du mit mir nach Ramot in Gilead in den Krieg ziehen?‘ Und Josaphat sprach zum König von Israel: ‚Ich will sein wie du. Mein Volk soll sein wie dein Volk, meine Pferde wie deine Pferde.‘“

[22:42] Josaphat ist eigentlich Gott treu. Er ist ein guter König, aber er lässt sich hier auf ein militärisches Abenteuer ein mit einem gottlosen König und er schmiedet ja eine politische Allianz, die er nicht hätte schmieden sollen. Dabei hat er allerdings so viel... also er will sich jetzt absichern. Es ist ihm schon nicht ganz geheuer, eigentlich mit diesem gottlosen Ahab hier zusammenzuarbeiten. Er möchte wissen, was Gott darüber denkt. Vers 5: „Und Josaphat sprach zum König von Israel: ‚Befrage doch heute das Wort des Herrn.‘“ Josaphat möchte mit dem gottlosen König Ahab eine politisch-militärische Allianz eingehen, aber will auch wissen, was Gott dazu sagt.

[23:17] Vers 6 und 7: „Da versammelte der König von Israel die Propheten, etwa 400 Mann, und sprach zu ihnen: ‚Soll ich nach Ramot in Gilead in den Krieg ziehen oder soll ich es lassen?‘ Sie sprachen: ‚Zieh hinauf, und der Herr wird es in die Hand des Königs geben.‘ Josaphat aber sprach: ‚Ist hier kein Prophet des Herrn mehr, den wir fragen könnten?‘“ Die falschen Propheten reden alle Ahab nach dem Mund und Josaphat erkennt sofort: Das kann nicht der Wille Gottes sein. Das kann nicht das Wort Gottes sein. Wir sehen in Vers 10 bis 12: „Und der König von Israel und Josaphat, der König von Juda, saßen jeder auf seinem Thron, in königliche Gewänder gekleidet, auf dem Platz am Eingang des Tores von Samaria, und alle Propheten weissagten vor ihnen. Und Zedekia, der Sohn Kenaanas, hatte sich eiserne Hörner gemacht und sprach: ‚So spricht der Herr: Hiermit wirst du die Aramäer niederstoßen, bis du sie vernichtet hast.‘ Und alle Propheten weissagten ebenso und sprachen: ‚Zieh hinauf nach Ramot in Gilead und es wird dir gelingen, denn der Herr wird es in die Hand des Königs geben.‘“

[24:17] Aber Josaphat fragt: „Gibt es hier noch einen Propheten des Herrn, der wirklich die Wahrheit sagt?“ Er erkennt, dass die falschen Propheten nicht das Wort Gottes sagen. Er ist in der Lage, einen falschen von einem wahren Propheten zu unterscheiden. Beachtet mir das. Er möchte einen Propheten hören. Er kann wahre von falschen Propheten unterscheiden. Vers 8: „Der König von Israel aber sprach zu Josaphat: ‚Es gibt doch einen Mann, durch den man den Herrn befragen kann, aber ich hasse ihn, denn er weissagt mir nichts Gutes, sondern nur Böses, Micha.‘ Josaphat aber antwortete: ‚Der König rede nicht so.‘“ Josaphat ist auch gegen die Verurteilung eines wahren Propheten. Er möchte Prophetie hören. Er kann wahre von falscher Prophetie unterscheiden und er findet es nicht gut, wenn wahre Propheten verurteilt werden. Eigentlich eine ganz tolle Sache.

[25:12] Man holt den Micha, und das heißt hier in Vers 13: „Der Bote aber, der hingegangen war, um Micha zu rufen, redete mit ihm und sprach: ‚Siehe, die Worte der Propheten verkünden einstimmig Gutes für den König. So lass nun dein Wort auch sein wie das Wort eines jeden von ihnen und rede Gutes.‘“ Er soll also seine Aussage anpassen. Aber Micha sagt: „So wahr der Herr lebt, ich will reden, was mir der Herr sagen wird.“ Micha ist ein wahrer Prophet. Er lässt sich nicht kaufen, er lässt sich nicht biegen. Er sagt, was Gott gesagt hat, denn ein Prophet sagt: „So spricht der Herr“, und ein wahrer Prophet sagt dann auch, was Gott gesagt hat. Er gibt das Wort Gottes weiter.

[25:47] Vers 15 und 16: „Und als er zum König kam, sprach der König zu ihm: ‚Micha, sollen wir nach Ramot in Gilead in den Krieg ziehen oder sollen wir es lassen?‘ Und er sprach zu ihm: ‚Zieh hinauf, es soll dir gelingen, denn der Herr wird es in die Hand des Königs geben.‘ Da sprach der König zu ihm: ‚Wie oft muss ich dich beschwören, dass du mir nichts als die Wahrheit sagen sollst im Namen des Herrn?‘“ Eine sehr interessante Stelle. Als der Micha formal dem König sagt, was er hören will, weiß sogar der böse König Ahab, dass das nicht die Wahrheit ist. Er weiß also, was Gott eigentlich möchte. Er will es nur nicht hören. Aber wenn ihm dann quasi das gesagt wird, was er hören will, weiß er im tiefsten Innern, dass es eigentlich gar nicht die Wahrheit ist. Und die Menschen, die die Prophetie ablehnen, Menschen, die das Wort von Propheten ablehnen, die tun das, weil sie es nicht hören wollen. Aber auf die gleiche Art und Weise, wenn man immer nur das hört, was man hören will, dann weiß man ganz tief in sich: Das ist eigentlich nicht die Wahrheit.

[26:53] Also sagt jetzt Micha genau das, was Gott ihm aufgetragen hat. Da sagte er: „Ich sah ganz Israel auf den Bergen zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und der Herr sprach: ‚Diese haben keinen Herrn. Kehre jeder wieder heim in Frieden.‘“ Er trägt die Warnung vor und dann erklärt er in Vers 19 bis 23, dass die anderen Propheten alles Lügenpropheten sind. Er deckt also – er sagt nicht nur die Wahrheit, er deckt auch die ganze Verführung auf, das, was wahre Propheten machen: Sie präsentieren die Wahrheit und warnen vor der Fälschung.

[27:24] Vers 24: „Da trat Zedekia, der Sohn Kenaanas, herzu und gab Micha einen Backenstreich und sagte: ‚Ist etwa der Geist des Herrn von mir gewichen, um mit dir zu reden?‘“ Er sagt mit anderen Worten de facto: „Willst du mir den Heiligen Geist absprechen?“ Wie oft habe ich das gehört? Leute predigen einen Unsinn aus biblischer Sicht. Sie predigen ein falsches Evangelium. Sie predigen Dinge, die in der Bibel nicht stehen. Und wenn man dann sie korrigiert, heißt es: „Willst du mir den Heiligen Geist absprechen? Willst du mir den Glauben absprechen? Glaubst du nicht? Der Heilige Geist spricht auch zu mir.“ Vers 25: Micha aber sprach: „Hier, du wirst es sehen an dem Tag, an dem du in die innerste Kammer gehen wirst, um dich zu verbergen.“ Der falsche Prophet behauptet auch, vom Heiligen Geist inspiriert zu sein. Falsche Propheten nennen sich nicht falsche Propheten, sie behaupten, für Gott zu sprechen, aber die wahre biblische Prophetie offenbart den Irrtum. Micha wird ins Gefängnis geworfen.

[28:26] Der Rest ist Drama. Ahab stirbt tatsächlich in diesem Krieg und Josaphat stirbt beinahe auch, weil der Ahab sich als normaler Soldat verkleidet und nur der Josaphat als König erscheint und dann für Ahab gehalten wird. Josaphat ist hier eine sehr bemerkenswerte Figur. Er hat sich wirklich ernsthaft für die Prophetie interessiert. Er konnte wahre von falscher Prophetie unterscheiden. Er war also theologisch sehr alert, er konnte das unterscheiden. Er hat sich auch dagegen verwahrt, wenn man wahre Propheten schlecht behandelt hat. Er wollte die Prophetie hören. Er kannte wahre Propheten. Er war auch für eine gute Behandlung wahrer Propheten. Nur ist er dem Rat nicht gefolgt. Er ist trotzdem gezogen und wäre beinahe gestorben.

[29:29] Und in 2. Chronik sehen wir, dass Gott ihn danach auch deutlich dafür tadelt. 2. Chronik 19, Vers 1 und 2: „Aber Josaphat, der König von Juda, kehrte in Frieden heim nach Jerusalem, und Jehu, der Sohn Hananis, der Seher, ging hinaus ihm entgegen und sprach zum König Josaphat: ‚Solltest du so dem Gottlosen helfen und die lieben, welche den Herrn hassen? Deswegen ist Zorn auf dir von Seiten des Herrn.‘“ Aber er lobt ihn dann dafür, dass er die Götzenbilder im Land ausgerottet hat. Er war eigentlich ein guter König, aber in dieser Hinsicht, was diesen Feldzug betraf, hat er einen schweren Fehler gemacht. Er hat sich für den Geist der Weissagung interessiert. Er konnte den Geist der Weissagung von falschen Propheten unterscheiden. Er hat andere dafür getadelt, wenn die schlecht über den Geist der Weissagung gesprochen haben, aber dem Geist der Weissagung nicht gefolgt.

[30:26] In dem konkreten Fall, als die Frage stand: „Soll er Gott folgen oder einer politisch-militärisch lukrativen Sache?“, kann es uns auch passieren, dass wir ein großes Interesse am Geist der Weissagung haben, dass wir auch den Geist der Weissagung von falschen Propheten unterscheiden können, dass wir wissen, was der Prophetentest ist, dass wir sogar uns darüber eschoffieren, wenn andere schlecht über den Geist der Weissagung reden, aber wir am Ende trotzdem unser eigenes Ding durchdrücken und nicht auf den Geist der Weissagung hören. Was nützt es, wenn wir eine gute Einstellung zum Geist der Weissagung haben, wenn wir nicht auf seine Warnung hören? Da möchte ich zu mir persönlich sprechen und ich möchte auch dir diese Frage stellen, ob wir den Geist der Weissagung also wirklich so schätzen, wie es unsere Worte in der Regel kundtun.

[31:19] Wir kommen zu einer anderen Geschichte in 1. Samuel Kapitel 9. 1. Samuel Kapitel 9 und dort ab Vers 3: „Und die Eselinnen von Kisch, dem Vater Sauls, gingen verloren. Und Kisch sprach zu seinem Sohn Saul: ‚Nimm doch einen der Burschen mit dir und mache dich auf. Geh hin und suche die Eselinnen.‘ Und er durchzog das Bergland Ephraim und durchquerte das Gebiet von Schalischa, aber sie fanden sie nicht. Da gingen sie auch durch das Gebiet von Schaalim. Da waren sie auch nicht. Darauf durchstreiften sie das Gebiet von Benjamin, aber sie fanden sie auch nicht. Als sie gerade in das Gebiet von Suf kamen, da sprach Saul zu seinem Burschen, der bei ihm war: ‚Komm, lass uns wieder umkehren, damit nicht mein Vater die Eselinnen sein lässt und sich um uns Sorgen macht.‘ Er aber sprach zu ihm: ‚Siehe doch, es ist ein Mann Gottes in dieser Stadt und der ist ein ehrwürdiger Mann. Alles, was er sagt, trifft sicher ein. So lass uns nun dorthin gehen. Vielleicht gibt er uns Auskunft über unseren Weg, den wir gehen sollen.‘“

[32:24] Sie sind auf der Suche nach verlorenen Eselinnen. Und er kommt dem Burschen von Kisch, dem Vater Sauls: „Hey, man könnte doch auch zum Propheten gehen.“ Saul scheint den Samuel gar nicht zu kennen, obwohl Samuel zu dem Zeitpunkt schon seit langer Zeit, seit Jahrzehnten prophetisch für das Volk wirkt. Er leitet seit Jahrzehnten mit seiner prophetischen Gabe das Volk und Saul scheint ihn nicht mal zu kennen. Gibt es heute auch noch, dass einige im Volk Gottes den Geist der Weissagung gar nicht mal kennen, nicht einmal wissen, dass es das gibt und dass der Geist der Weissagung auch in den Problemen des Alltags helfen kann? Der Prophet hier wird als ehrwürdig beschrieben, seine Worte treffen sicher ein. Mit Alltagsproblemen kann man zu ihm kommen.

[33:17] Vers 7 und 8: „Saul aber sprach zu seinem Burschen: ‚Siehe, wenn wir hingehen, was bringen wir dem Mann? Denn das Brot in unseren Taschen ist aufgebraucht. Auch haben wir sonst kein Geschenk, das wir dem Mann Gottes bringen könnten.‘ Was haben wir? Der Bursche antwortete Saul wiederum und sprach: ‚Siehe, ich habe einen Viertel Silberschekel bei mir. Den will ich dem Mann Gottes geben, damit er uns Auskunft über unseren Weg gibt.‘“ Die beiden haben offensichtlich ein ziemlich verzerrtes Verständnis vom Propheten, da sie glauben, sie müssten erst einmal etwas bezahlen, weil Prophetendienst wie eine Dienstleistung ist. Interessanterweise gab es ja durchaus das Problem, dass z.B. die Söhne von Samuel für Geschenke das Recht gebeugt haben, wie 1. Samuel Kapitel 8, Vers 3 deutlich macht, tatsächlich auf Gewinn aus waren.

[34:01] Und dann wird uns gesagt in Vers 9: „Früher sagte man in Israel, wenn man ging, um Gott zu befragen: ‚Kommt, lasst uns zum Seher hingehen.‘ Denn derjenige, den man heutzutage Prophet nennt, der hieß früher Seher.“ Da sieht man auch, dass das Buch natürlich selbst – das Buch Samuel, das ist im Hebräischen auch ein ganzes Buch, das dann ja bis in das Ende von David geht –, dass wir hier diese Notiz später abgefasst worden ist als zur Zeit von Samuel natürlich, weil hier sozusagen aus der historischen Perspektive gesagt wird: „Wir nennen sie heute Propheten. Damals zur Zeit von Samuel nannte man sie noch Seher.“

[34:45] Und dann lesen wir Vers 10 bis 14: „Da sprach Saul zu seinem Burschen: ‚Dein Vorschlag ist gut, komm, wir wollen gehen.‘ Sie gingen zu der Stadt, in welcher der Mann Gottes war. Als sie gerade die Anhöhe zur Stadt hinaufgingen, da trafen sie Mädchen, die herauskamen, um Wasser zu schöpfen. Zu diesen sprachen sie: ‚Ist der Seher hier?‘ Sie antworteten ihnen und sprachen: ‚Ja, siehe, er ist vor dir. Beeile dich jetzt, denn er ist heute in die Stadt gekommen, weil das Volk heute auf der Höhe ein Schlachtopfer bringt. Wenn ihr in die Stadt kommt, so werdet ihr ihn gerade treffen, ehe er zur Höhe hinaufgeht zum Essen. Denn das Volk isst nicht, bis er kommt, denn er muss das Opfer segnen. Danach essen die Geladenen. So geht nun hinauf, denn eben jetzt werdet ihr ihn treffen.‘ Da gingen sie zur Stadt hinauf. Als sie gerade in die Stadt eintraten, siehe, da kam Samuel heraus ihnen entgegen, um zur Höhe hinaufzugehen.“

[35:27] Auch wir, auch heute gibt es Menschen, auch im Volk Gottes, dass sie den Geist der Weissagung noch gar nicht kennen und sie brauchen andere, die schon wissen, die über diesen Geist der Weissagung Bescheid wissen, die ihnen helfen, den Geist der Weissagung kennenzulernen, Anleitung von anderen, die ihn schon kennen. Auch diejenigen, die ein verzerrtes Bild vom Geist der Weissagung haben: Ja, wenn wir Menschen treffen, die den Geist der Weissagung schon kennen, können die uns den Weg weisen sozusagen, wie man den Geist der Weissagung, das Wirken der Prophetinnen und Propheten für unser Alltagsleben wirklich nutzen kann und nutzen soll.

[36:07] Wir schauen noch mal 1. Samuel Kapitel 8 und sehen noch eine Geschichte hier über den Samuel. 1. Samuel Kapitel 8 ab Vers 4: „Da versammelten sich alle Ältesten von Israel und kamen zu Samuel nach Rama. Und sie sprachen zu ihm: ‚Siehe, du bist alt geworden und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen. So setze nun einen König über uns, der uns richten soll nach der Weise aller Heidenvölker.‘ Dieses Wort aber missfiel Samuel, weil sie sagten: ‚Gib uns einen König, der uns richten soll.‘ Und Samuel betete zu dem Herrn.“ Samuel ist der Prophet des Volkes und er weiß, dieser Wunsch, so zu sein wie die anderen Völker, das kann nicht gut gehen. Er hält das für eine falsche Idee und zwar zurecht ist es eine falsche Idee. Er möchte nicht, dass das Volk diesen Weg einschlägt. Also betet er.

[36:54] Vers 7: „Da sprach der Herr zu Samuel: ‚Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir gesagt haben. Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll. Wie sie es immer getan haben, von dem Tag an, als ich sie aus Ägypten heraufgeführt habe, bis zu diesem Tag, indem sie mich verlassen und anderen Göttern gedient haben, genauso tun sie es auch mit dir.‘“ Gott macht deutlich: Sie haben nicht Samuel verworfen, sie haben Gott verworfen. Und das hat eine lange Tradition in der Geschichte Israels schon damals. Und er soll ihrem Wunsch nachgeben. Gott möchte niemanden als König beherrschen gegen dessen Willen. Er möchte nur die in seinem Königreich haben, die ihn auch gerne freiwillig als König anerkennen.

[37:41] Und als wahrer Prophet muss Samuel das anerkennen. Wahre Propheten Gottes werden niemals die freie Entscheidung eines Menschen beschneiden oder unterdrücken. Falsche Propheten, die manipulieren, die üben Druck aus. Der wahre Prophet predigt die Wahrheit und mag sie noch so messerscharf sein und schneidend. Er lässt immer dem Menschen die freie Wahl, diese Botschaft anzunehmen oder abzulehnen. Samuel soll das Volk ausdrücklich warnen, das macht er auch in den nächsten Versen bis Vers 18 vor den vielen negativen Konsequenzen, einen König zu haben. Das wird sehr viel negative Konsequenzen bringen, sehr viel Leid auch für die Menschen. Und er tut es, er warnt sie. Aber wir lesen in Vers 19: „Aber das Volk weigerte sich, auf die Stimme Samuels zu hören und sprach: ‚Das macht nichts. Es soll dennoch ein König über uns sein, damit auch wir seien wie alle Heidenvölker. Unser König soll uns richten und vor uns herziehen und unsere Kriege führen.‘“

[38:47] Dann, nun Samuel alle Worte des Volkes gehört hatte, redete er sie vor den Ohren des Herrn. Der Herr aber sprach zu Samuel: „Höre auf ihre Stimme und setze einen König über sie ein.“ Und Samuel sprach zu den Männern von Israel: „Geht hin, jeder in seine Stadt.“ Samuel als wahrer Prophet muss dies akzeptieren. Das prophetische Wort kann nur ermahnen, aber nicht zwingen.

[39:16] Ein weiterer interessanter Aspekt, wenn wir Propheten im Alten Testament anschauen, besteht darin, dass es eine Reihe von Prophetinnen gegeben hat. Wir wollen uns hier nur kurz ein paar Beispiele anschauen. In 2. Mose 15 und dort Vers 20: „Und Miriam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm das Tamburin in ihrer Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Tamburin und mit Reigen.“ Ein anderes berühmtes Beispiel ist die Debora in Richter Kapitel 4 und dort Vers 4: „Und Debora, die Prophetin, die Frau Lappidots, richtete Israel zu ihrer Zeit.“ Sie war nicht nur Prophetin, sie war sogar die Richterin hier in Israel.

[40:07] Und dann haben wir eine sehr bemerkenswerte Stelle in 2. Könige 22. Wir sind in der Zeit von König Josia. Der Tempel soll ausgebessert werden und bei den Renovierungsarbeiten findet man das Buch des Gesetzes. Damit ist das Bundesbuch, der Schlussteil von 5. Mose, gemeint. Ein besonders bemerkenswerter Abschnitt der Bibel. Der zeigt, wie das Volk mit Mose an der Grenze zu Kanaan den Bund erneuert hat, wo man in Moab ist. Vieles ist Hinsicht großartig und ganz beeindruckend, aber er zeigt auch, was passieren würde, wenn das Volk Gottes Gebote übertritt. Und als man das findet und dem König vorliest, realisiert er, dass diese biblische Botschaft direkt in seine Zeit spricht. Das heißt in Vers 11: „Und es geschah, als der König die Worte des Buches des Gesetzes hörte, da zerriss er seine Kleider.“

[41:23] Er weiß ganz genau: Das ist Botschaft für meine Zeit. Es ist kein Zufall, dass wir es jetzt wieder entdeckt haben. Die wiederentdeckte biblische Botschaft, die so lange vergessen war, spricht direkt in seine Generation. Er tut Buße, aber er möchte wissen, wie konkret das jetzt für sein Leben aussieht. Er möchte wissen, was diese Botschaft konkret für seine Generation bedeutet. Das heißt in Vers 12: „Und der König gebot dem Priester Hilkija und Achikam, dem Sohn Schafans, und Achbor, dem Sohn Michajas, und Schafan, dem Schreiber, und Asaja, dem Knecht des Königs, und sprach: ‚Geht hin und befragt den Herrn für mich und das Volk und für ganz Juda wegen der Worte dieses Buches, das gefunden worden ist. Denn groß ist der Zorn des Herrn, der gegen uns entbrannt ist, weil unsere Väter nicht auf die Worte dieses Buches gehört haben, dass sie alles getan hätten, was uns darin vorgeschrieben ist.‘“

[42:14] Da gingen der Priester Hilkija und Achikam, Achbor, Schafan und Asaja zu der Prophetin Hulda, der Frau Schallums, des Sohnes Tikwas, des Sohnes Harhas, des Hüters der Kleider. Sie wohnte aber in Jerusalem im zweiten Stadtteil und sie redeten mit ihr. Das ist ein König, der entdeckt die Botschaft Gottes in der Bibel wieder und er möchte wissen: Was bedeutet das konkret für uns? Und er lässt seine Beamten zu einer Prophetin, zur Hulda, gehen. Der Geist der Weissagung soll erklären, was diese jahrhundertealten biblischen Aussagen für ihn konkret jetzt bedeuten. Er hat die Botschaft verstanden aus der Bibel, er möchte wissen: Wie sieht das konkret aus?

[43:07] Und dazu gibt es auch heute noch den Geist der Weissagung, der die jahrhundertealten, oft in Vergessenheit geratenen biblischen Wahrheiten, die direkt in unsere Zeit sprechen, uns konkret darlegt, was das konkret für unsere Zeit bedeutet und wie der Herr in unserer Zeit verstanden haben möchte. Josia hat die Bibel wiederentdeckt und deswegen den Geist der Weissagung hier in Form der Prophetin Hulda kontaktiert. Und wenn wir die biblische Botschaft für unsere Zeit wieder entdecken, werden wir auch ein erneuertes Interesse am Geist der Weissagung für unsere Zeit haben.

[43:57] Wir wollen noch einen Text uns anschauen und den finden wir in Jeremia Kapitel 14, Vers 1 bis 15. Sehr interessanter und bemerkenswerter Text. Wir lesen hier ab Vers 1: „Das Wort des Herrn, das an Jeremia erging, betreffs der Dürre. Juda trauert und seine Tore stehen kläglich da. Sie liegen betrübt am Boden und das Geschrei Jerusalems steigt empor. Ihre Mächtigen schicken ihre Geringen, um Wasser zu holen, aber wenn sie zu den Zisternen kommen, finden sie kein Wasser, sondern bringen ihre Gefäße leer heim. Schamrot und zustande gekommen, verhüllen sie ihre Häupter. Wegen des Erdreichs, das zerrissen ist, weil kein Regen auf die Erde fällt, sehen sich die Bauern in ihrer Hoffnung getäuscht und verhüllen ihre Häupter. Die Hindin im Feld verlässt das Junge, das sie geboren hat, denn es gibt kein Gras. Die Wildesel stehen auf der kahlen Höhe und schnappen nach Luft wie die Schakale, ihre Augen verschmachten, weil nichts Grünes wächst.“

[45:06] Eine katastrophale Dürre, die Jeremia hier mitleben muss. Und Jeremia, Prophet Gottes, der für das Volk dient, also der dem Volk geistlich dient, der betet zu Gott um Rettung und um Hilfe. Vers 7: „Wenn unsere Missetaten gegen uns zeugen, so handle du, oh Herr, um deines Namens willen, denn unsere Abweichungen sind zahlreich. An dir haben wir gesündigt. Du Hoffnung Israels, der du sein Retter bist zur Zeit der Not, warum willst du sein wie ein Fremdling im Land und wie ein Wanderer, der nur zum Übernachten sein Zelt aufschlägt? Warum willst du sein wie ein erstrockener Mann, wie ein Kriegsheld, der nicht retten kann? Du bist doch, oh Herr, in unserer Mitte und wir tragen deinen Namen. Verlass uns nicht.“ Der Prophet Jeremia bittet für das Volk. Er bittet, dass Gott die Dürre beendet.

[45:57] Die Antwort von Gott ist sehr bemerkenswert. Vers 10: „So spricht der Herr von diesem Volk: ‚So liebten sie es, umherzuschweifen. Sie schonten ihre Füße nicht. Deswegen hat der Herr kein Wohlgefallen an ihnen. Jetzt aber gedenkt er an ihre Missetat und er wird ihre Sünde heimsuchen.‘ Und der Herr sprach zu mir: ‚Du sollst für dieses Volk nicht bitten, dass es ihm gut gehe. Denn wenn sie auch fasten, so höre ich doch nicht auf ihr Flehen. Und auch wenn sie Brandopfer und Speisopfer darbringen, so habe ich keinen Wohlgefallen daran, sondern mit dem Schwert, mit Hunger und mit der Pest will ich sie aufreiben.‘“ Offensichtlich tut das Volk nur äußerlich Buße, aber nicht im Herzen. Sie schweifen im Herzen umher und Gott sagt: „Bete nicht für dieses Volk, denn sie wollen keine echte Buße tun und so werde ich sie nicht erhören. Bete nicht für sie.“

[46:50] Und dann sagt Jeremia in Vers 13: „Da antwortete ich: ‚Ach Herr, Herr, siehe, die Propheten sagen ihnen: Ihr werdet kein Schwert sehen und keinen Hunger leiden, sondern ich werde euch an diesem Ort beständigen Frieden geben.‘“ Das sprach der Herr zu mir: „Diese Propheten weissagen Lüge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, ihnen nichts befohlen und nichts zu ihnen geredet. Sie weissagen euch Lügengesichte und Wahrsagerei, Hirngespinste und Einbildung ihres eigenen Herzens. Darum, so spricht der Herr über die Propheten, die in meinem Namen weissagen, obgleich ich sie nicht gesandt habe, die sagen, es wird weder Schwert noch Teuerung in diesem Land geben: Durch Schwert und Hungersnot sollen diese Propheten umkommen.“

[47:31] Jeremia sagt: „Schau mal, es gibt so viele Leute, die sagen, dass du gesagt hättest, es würde alles gut gehen.“ Und Gott macht ganz deutlich: Es gibt falsche Propheten, die predigen ihr eigenes Gutdünken. Die predigen ihre eigenen Hirngespinste, wie es hier heißt, aber sind nicht von Gott gesandt. Und wir müssen unterscheiden: Wer sind die wahren Propheten, die manchmal durchaus unangenehme Wahrheiten klar auf den Punkt bringen? Und wer sind die falschen Propheten, die für Geld prophezeien, so wie wir es bei Ahab gesehen haben, die falschen Propheten, die immer nur von Sicherheit und Friede und „alles wird gut“ reden und nie den Finger auf die Wunde legen, wo wirklich das Problem ist?

[48:13] Ich möchte heute Gott dankbar sein, dass er durch die Jahrhunderte, nicht nur im Alten Testament, Menschen wie du und ich es sind, berufen hat, um durch die prophetische Gabe uns zu zeigen, wie die zeitlosen biblischen Wahrheiten konkret anzuwenden sind, dass er Propheten berufen hat, uns die Wahrheit zu sagen, damit wir inmitten all der menschlichen Lüge einen klaren Kompass haben. Propheten, die uns die ganze Wahrheit offenbaren, Prophetinnen, aber uns die freie Entscheidung lassen, ob wir es annehmen oder nicht, und damit zu einem Sprachrohr nicht nur der Worte Gottes, sondern auch des Charakters Gottes werden. Bist du dankbar für den Geist der Weissagung, der auch dein Leben segnen kann und will? Lass uns gemeinsam noch beten.

[49:09] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Wir möchten dir danke sagen, dass du uns Wahrheit offenbarst und dass wir sehen konnten, wie wichtig es ist, den Geist der Weissagung zurate zu ziehen. Wir möchten dich von Herzen bitten, dass du uns Weisheit schenkst, dass wir nicht nur eine gute Theorie über Propheten haben, dass wir nicht nur wahre Propheten erkennen und uns darum bemühen, dass sie gut behandelt werden, sondern dass wir tatsächlich auf sie hören, dass wir nicht nur wie Josaphat theoretisch eine gute Einstellung zu Propheten haben, sondern wirklich auch das ernst nehmen, was sie sagen und danach handeln. Herr, bewahre uns von der Verführung falscher Propheten und hab Dank, dass du unter anderem durch Prophetinnen und Propheten deutlich zu uns sprichst. Im Namen Jesu. Amen.

[50:06] Nächste Woche wollen wir uns dann mit den Prophetinnen und Propheten im Neuen Testament beschäftigen. Bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Gott mit euch. Amen.


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