[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer gilt ein herzliches Willkommen allen Zuschauern auf dem Fernsehsender Das Wort. Wir sind in der dritten Folge unserer Serie über die beiden Paulusbriefe an die Philipper und die Kolosser und wollen heute das erste Kapitel des Philipperbriefes abschließen, die Verse 19 bis 30 uns genauer anschauen. Es geht buchstäblich um Leben und Tod. Das ist das Motto, das Thema unseres Studiums, mit dem wir uns vorbereiten wollen auf das Bibelgespräch am 17. Januar.
[1:23] Und wir haben schon gesehen, Paulus befindet sich in Rom in der Gefangenschaft und weiß noch nicht, wie alles ausgehen wird. Wir wollen heute lernen, wie er in dieser Situation seine eigene Position geistlich beurteilt hat und was wir aus diesen existenziellen Fragen, die den Paulus beschäftigt haben, für unser Leben lernen können. Damit wir das wirklich gut verstehen und auch in unser persönliches Leben übertragen können, brauchen wir Gottes Beistand und Hilfe und Erleuchtung durch seinen Heiligen Geist. Und darum wollen wir jetzt am Anfang gemeinsam beten.
[2:07] Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir dein Wort haben, dass du durch dein Wort zu uns persönlich sprichst, dass die Erfahrung, die der Paulus gemacht hat in Rom, auch Licht wirft auf unser persönliches Leben. Das, was du ihm eingegeben hast, ein Licht und eine Hilfe für uns heute ist. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt durch dein Wort zu uns sprichst. Wir möchten dich bitten, dass wir Mut fassen, gestärkt werden, dass wir unsere eigenen Einstellungen hinterfragen und überprüfen und an deinem Wort neu ausrichten und von dir lernen und gestärkt werden für alles, was auf uns zukommt. Herr, du hast versprochen, dass dein Wort nicht leer zurückkehrt, sondern ausführen wird, wozu du es gesandt hast. Und darum bitten wir dich im Namen Jesu. Amen.
[3:08] Wir sind das letzte Mal bis Philipper 1, Vers 18 gekommen und wollen jetzt in Vers 19 weiterlesen. Philipper 1, Vers 19. Paulus schreibt an die Philipper. Er sagt: „Denn ich weiß, dass mir dies zur Rettung ausschlagen wird durch eure Fürbitte und den Beistand des Geistes Jesu Christi.“
[3:32] Dies Wort „ausschlagen“ bedeutet hier so viel, dass Paulus weiß: Der Ausgang dieser Sache, wie auch immer er sein wird – das werden wir gleich sehen –, aber der Ausgang dieser Sache wird dem Paulus zur Rettung dienen. Es wird eine Gelegenheit sein für seine persönliche Rettung. Dasselbe Wort finden wir auch in Lukas 21, Vers 13, wo Jesus davon spricht, dass wenn wir vor Obrigkeiten verhört werden, dass das eine Gelegenheit gibt zum Zeugnis.
[4:08] Was meint Paulus hier, wenn er von der Rettung spricht? Meint er, dass, weil die Philipper für ihn beten, er deswegen freikommt? Wir kennen Beispiele in der Bibel, wo Menschen gefangen genommen worden sind und dann nicht freigesprochen worden sind.
[4:32] Das Wort Rettung an dieser Stelle meint die Erlösung durch Jesus Christus, das ewige Leben. Wir sehen das ganz deutlich, wenn wir uns Vers 20 anschauen: „Entsprechend meiner festen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts zuschanden werde, sondern dass in aller Freimütigkeit, wie alle Zeit, so auch jetzt Christus hochgepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod.“ Paulus hat also beide Optionen vor sich. Er weiß nicht, Gott hat es ihm zu diesem Zeitpunkt nicht offenbart. Er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Er weiß nicht, ob er am Leben bleiben wird oder ob er sterben wird. Und Paulus sagt: „Egal, wie die Sache ausgeht, es wird mir zur Rettung dienen.“ Damit wird ganz deutlich: Paulus weiß, egal, ob ich hier wieder freikomme oder ob ich hier in Rom sterbe, beides, egal was kommen wird, wird Gottes Mittel sein zugunsten meines ewigen Lebens. Beides wird sich zur Rettung ausschlagen, sozusagen. Beides ist dann, egal was es sein wird, wird dann das Beste sein, was ihm passieren kann.
[5:51] Mit anderen Worten, Paulus weiß: Wenn ich in Jesus bleibe, wenn ich an Jesus festhalte, dann sind die Umstände letztlich egal. Sie haben keinen Einfluss auf meine Rettung.
[6:04] Paulus erwähnt hier die Fürbitte. Er sagt in Vers 19: „Denn ich weiß, dass mir dies zur Rettung ausschlagen wird durch eure Fürbitte.“ Wir haben gesehen in Vers 4, dass er Fürbitte geleistet hat für die Philipper. Es heißt dort: „Indem ich allezeit in jedem meiner Gebete für euch alle mit Freuden Fürbitte tue.“ Das ist die Urgemeinde. Das sind die frühchristlichen Christen in den ersten Gemeinden. Paulus betet für die Gemeinde. Die Gemeinde betet für Paulus. Machen wir das heute auch noch, dass die Evangelisten und Prediger und Gemeindeleiter, die Verantwortlichen für die Geschwister beten und die Geschwister für die Leiter und Verkündiger?
[6:55] Paulus weiß, die Philipper beten für ihn, aber das ist nicht die einzige Unterstützung, die er hat. Er sagt ja hier in Vers 19: „Denn ich weiß, dass mir dies zur Rettung ausschlagen wird durch eure Fürbitte und den Beistand des Geistes Jesu Christi.“ Das Wort „Beistand“ hier, das ist eigentlich das Wort für eine Handreichung. Er weiß, dass der Heilige Geist ihn ganz praktisch unterstützt.
[7:27] Vers 20: „Entsprechend meiner festen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts zuschanden werde, sondern dass in aller Freimütigkeit, wie alle Zeit, so auch jetzt.“ Paulus sagt, so wie es immer gewesen ist, so wird es auch jetzt sein. Die widrigen Umstände der Gefangenschaft in Rom ändern nichts an dieser festen Erwartung und Hoffnung, nämlich, dass Christus hochgepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod. Paulus ist fest überzeugt, dass er in Christus geistlich nicht zuschanden werden kann. Egal, wie es uns geht, ob wir gerade auf dem Höhepunkt unseres Lebens uns befinden oder in einem tiefen Tal, wenn wir in Jesus sind, können wir geistlich nicht zuschanden werden. Die widrigen Umstände können nicht verhindern, dass Christus im Leben des Paulus verherrlicht wird.
[8:28] Wenn wir fest an Jesus halten, kann in jeder Situation unser Leben eine Reflexion, eine Widerspiegelung des Charakters Jesu sein. „Hochgepriesen“, sagt er, „Christus soll hochgepriesen werden an seinem Leib.“ Das griechische Wort heißt so etwas wie „groß gemacht werden“ – *Megalyneo*, da steckt das „mega“ drin. Groß gemacht. Denn Paulus möchte nicht, dass er erhoben wird, dass er berühmt wird, er möchte, dass durch seine Erfahrung, durch sein Leben Christus erhöht und groß gemacht wird. Können wir das auch sagen, dass egal wie es uns geht, egal ob es gerade gut läuft oder wir mit Widrigkeiten zu kämpfen haben, können wir sagen, dass wir uns wünschen, dass unter allen Umständen Christus in unserem Leben hochgepriesen wird, groß gemacht wird?
[9:25] Ihm ist es letztlich egal, dem Paulus, ob diese Großmachung von Jesus, diese Erhöhung von Jesus durch eine wundersame Freilassung geschieht, die man dem Nero ja eigentlich gar nicht zutraut, die es dann aber tatsächlich gegeben hat, oder durch einen Märtyrertod. In jedem Fall, sagt er, wünsche ich mir, dass Jesus erhöht wird.
[9:48] Paulus weiß also, wie wir hier sehen, tatsächlich nicht, wie es mit ihm weitergehen wird. Als er dann Jahre später noch einmal in Rom inhaftiert ist und seinen letzten Brief schreibt an Timotheus, in 2. Timotheus, da sagt er gegen Ende des Briefes in Kapitel 4, dass er dann bereits voraussieht, wie es mit ihm zu Ende gehen wird. Es heißt dort in Vers 6: „Denn ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.“ – wenn wir gleich noch mal drauf zurückkommen. „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Von nun an liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag zuerkennen wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb gewonnen haben.“ Hier sehen wir, dass Paulus in der zweiten Gefangenschaft eine ganz andere Erwartung jetzt für die nähere Zukunft hatte. Er wusste, es geht jetzt zu Ende. Aber in dieser Gefangenschaft, als er den Philipperbrief schreibt und auch den Epheserbrief und den Kolosserbrief und den Philemonbrief, die wir gesehen haben, da weiß er nicht genau, was passiert.
[10:58] Und Paulus hat zwar viele großartige geistliche Einsichten gehabt. Gott hat ihn auch in Visionen entrückt. Er hat Dinge gesehen, die ein normaler Mensch nicht gesehen hat. Aber Paulus hat nicht alles gewusst, was kommen wird.
[11:17] Und obwohl Gott ihn so wunderbar geführt hat, hat Gott ihn auch manchmal für einen langen Zeitraum hier im Unwissen, in Unwissenheit gelassen, wie es weitergehen wird, um auch seinen Glauben zu entwickeln, zu testen.
[11:28] Es gab Situationen im Leben von Paulus, da wusste er ganz genau, was passiert, sogar wenn es negative Dinge waren. Er wusste auf der Rückreise von der dritten Missionsreise, er sagt ja selbst in der Apostelgeschichte, dass an jedem Ort, dem der Geist der Weissagung deutlich macht: In Jerusalem warten die Fesseln auf ihn. Das hat er gewusst. Aber jetzt wusste er nicht, wie es weitergeht.
[11:54] Und er stellt sich die Frage: Was ist jetzt von diesen beiden Optionen? Wundersame Freilassung, obwohl Nero so ein Tyrann ist, oder Märtyrertod? Was ist eigentlich jetzt die bessere Option? Welche soll ich mir denn jetzt eigentlich wünschen?
[12:08] Er kommt zu diesem Schluss hier in Philipper 1, Vers 21. Das ist jetzt sehr interessant, die Gedanken des Paulus so ein bisschen nachzuvollziehen, der hier aufschreibt. Philipper 1, Vers 21: „Denn für mich ist Christus das Leben und das Sterben ein Gewinn.“
[12:26] Für Paulus war das Leben mittlerweile untrennbar mit Jesus Christus verbunden. Es gab eine Zeit, da hat er sein Leben gelebt, wie er wollte, als er Pharisäer war, Mitglied des Sanhedrins. Aber es kam dann ein Zeitpunkt in seinem Leben, wo er Jesus Christus begegnet ist. Und er schreibt später einmal an die Galater, wie tiefgreifend diese Bekehrung in seinem Leben gewesen ist. Er sagt in Galater 2, Vers 20: „Ich bin mit Christus gekreuzigt und nun lebe ich aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir.“ Das ist das, was er hier sagt: „Denn für mich ist Christus das Leben.“ „Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe“ – er war ja immer noch in einem Körper – „das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“
[13:26] „Für mich ist Christus das Leben.“
[13:39] *Review and Herald*, 19. Oktober 1897: „Dies ist die vollkommenste Interpretation in einigen wenigen Worten dessen, was es heißt, ein Christ zu sein. Dies ist die ganze Wahrheit des Evangeliums: Für mich ist Christus das Leben. Paulus verstand, was viele scheinbar nicht begreifen können. Wie intensiv ernst war es ihm. Seine Worte zeigen, dass sein Denken in Christus zentriert war, dass sein ganzes Leben mit seinem Herrn verbunden war. Christus war der Urheber, die Unterstützung und die Quelle seines Lebens. Paulus konnte sich ein Leben ohne Christus gar nicht mehr vorstellen.“
[14:30] Paulus wusste, wie abhängig er von Jesus war, aber er wusste auch, dass der Tod kein Verlust sein würde, weil er dann für immer sicher gewesen wäre. Das ewige Leben, dass er bei der Wiederkunft Jesu haben würde – dazu gleich mehr – könnte er dann nicht mehr verlieren. Sterben ist ein Gewinn.
[14:51] Mit anderen Worten, das Leben von Paulus offenbarte Christus und auch sein Tod wäre ein Gewinn für Christus gewesen, denn durch das Zeugnis des Märtyrers Paulus würden weitere Menschen für Christus gewonnen werden. Paulus wusste: Wenn ich lebe, kann ich Menschen zu Jesus führen. Wenn ich sterbe, kann ich trotzdem durch meinen Märtyrertod Menschen zu Jesus führen. Es ist in jedem Fall eine Gelegenheit, Jesus zu verherrlichen.
[15:21] Und aus dieser Perspektive sehen wir plötzlich, dass, wenn unser Leben mit Christus verborgen ist, spielt es am Ende eigentlich gar keine Rolle, ob wir leben oder sterben, ob es uns gut geht oder schlecht geht. Denn unter allen Umständen kann Jesus durch uns scheinen und er kann verherrlicht werden.
[15:43] Und weil das so ist, kommt Paulus selbst so ein bisschen in Verlegenheit. Er sagt: „Ich weiß gar nicht, was ich wählen soll.“ So in Vers 22: „Wenn aber das Leben im Fleisch mir Gelegenheit gibt zu fruchtbarer Wirksamkeit, so weiß ich nicht, was ich wählen soll.“ Er weiß ja, dass, wenn er noch weiter leben wird, er noch viel Gutes für die Gemeinden bewirken kann, wie die Philipper und andere Gemeinden. Er kann im Werk Gottes noch einiges erreichen. Und jetzt weiß er gar nicht, ja, was soll ich mir eigentlich wünschen? Den Märtyrertod in Rom oder freigelassen zu werden?
[16:18] Zwei Optionen gibt es. Vers 23, die erste, es heißt hier: „Denn ich werde von beidem bedrängt.“ Das heißt, beide Optionen sind attraktiv. Beides, es scheint ihm etwas Erstrebenswertes zu sein.
[16:33] „Mich verlangt danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre.“ Das ist die erste Option. Und hier ist die Schlachterübersetzung leider nicht ganz so günstig, nicht ganz so glücklich.
[16:48] Wenn es hier heißt, „mich verlangt danach, aufzubrechen“, dann ist dieses „Aufbrechen“ keinesfalls die einzige mögliche Übersetzung, noch nicht einmal die naheliegendste Übersetzung.
[17:02] Das griechische Wort *analy* bedeutet eigentlich wörtlich „auflösen“. Ja, Analysis, die Auflösung, ja, in der Mathematik auch „auflösen“, und daraus ergibt sich dann so wie „abschaffen“ und „beseitigen“. Das kann dann auch so etwas wie „befreien“ bedeuten oder so.
[17:20] Zudem hat man damit ausgedrückt, dass, wenn man ein Schiff hat und die Taue losmacht, ja, die Taue werden gelöst, dann ist das Schiff bereit abzufahren, also aufzubrechen. Das ist also sozusagen eine abgeleitete Bedeutung. Ja, weil die Taue gelöst werden, ist man jetzt sozusagen bereit loszugehen, aufzubrechen. Aber das steckt nicht immer im Wort „auflösen“ drin. Das ist nur eine von mehreren Optionen, je nach dem Kontext. Das gibt es auch in der Bibel, Lukas 12, Vers 36. So ist tatsächlich von einem Aufbrechen auch wirklich die Rede gedanklich. Aber das ist, wie gesagt, nur eine abgeleitete Bedeutung. Das ursprüngliche „Auflösen“ kann auch in andere Richtung gedacht werden und wird auch entsprechend verwendet, zum Beispiel als eine ganz allgemeine Metapher für den Tod, weil der Mensch sich sozusagen auflöst. Er ist dann nicht mehr da und das ist dann ohne irgendeine Andeutung, dass danach irgendetwas anderes kommen würde oder man irgendwo dann hingeht oder so. Das Wort bedeutet also tatsächlich einfach auch „verscheiden“ oder „sterben“, einfach „aufgelöst sein“ sozusagen, nicht mehr da sein. Das wird auch außerhalb der Bibel immer wieder in dieser ganz grundsätzlichen Bedeutung von „Sterben“ verwendet.
[18:41] Entsprechend auch in 2. Timotheus 4, Vers 6, was wir gerade gelesen haben, wo Paulus an Timotheus – 2. Timotheus 4, Vers 6 – sagt: „Denn ich werde schon geopfert und die Zeit meines“ – und jetzt kommt *Analysis* – „meiner Auflösung ist nah“, also nicht des Aufbruchs im Sinne von „jetzt bin ich bald woanders“, sondern im Sinne von „meines Todes“. Die Zeit meines Todes ist nahe. Und das ist genau das, was er hier auch meint.
[19:17] Denn dass Paulus nicht geglaubt hat, dass er sofort nach dem Tod bei Christus ist, das wird ganz deutlich schon in diesem Brief. Er sagte hier: „Mich verlangt danach“, also zu – wenn wir es einfach jetzt besser übersetzen – „zu sterben und bei Christus zu sein.“ Und es wird die Frage stellen: Was meint er dann genau? Wann will er oder wann wird er bei Christus sein?
[19:42] Dann erinnern wir uns zunächst einmal an das, was er schon in einem früheren Brief geschrieben hat, an die Thessalonicher, und zwar 1. Thessalonicher, Kapitel 4, und dort in Vers 15 bis 17.
[20:03] „Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrig bleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen. Denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.“ Das also die Wiederkunft Jesu und die Auferstehung der Toten. „Danach, Vers 17, werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken zur Begegnung mit dem Herrn in die Luft.“ Verzeih, „in die Luft. Und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“ Also wann werden die Gläubigen bei Christus sein? Wann werden sie bei Jesus sein? Bei dem Herrn, nachdem sie auferstanden sind beziehungsweise verwandelt und entrückt worden sind bei der Wiederkunft Jesu. Wenn die Toten auferstehen, wenn sie dann gemeinsam, die Verwandelteten und die auferstandenen Toten bei der Wiederkunft Jesu, die Gläubigen entrückt werden, dann sind sie bei Jesus.
[21:05] Und Paulus hat an dieser Überzeugung nichts geändert und nichts verändert. In Philipper Kapitel 3 sehen wir ihn, wie er dort schreibt in Philipper 3, Vers 10 und 11: „Um ihn, also Jesus, zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichförmig werde, damit ich zur Auferstehung aus den Toten gelange.“ Paulus hat auf die Auferstehung der Toten gewartet, um dann beim Herrn zu sein, wie wir es gerade schon gesehen haben. Genauso in Kapitel 3, Vers 20 und 21: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird.“ Das ist die Verwandlung, die auch in 1. Korinther 15 angedeutet wird, angesprochen wird, die wir in 1. Thessalonicher 4 gesehen haben, „der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, sodass er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann.“ Paulus hat auf die Auferstehung der Toten gewartet.
[22:23] Was er also sagt in Vers 23 ist: „Mich verlangt danach, zu sterben und dann“ – weil ich dann tot bin und dann ja nichts mehr weiß und nichts mehr sehe und nichts mehr höre und nichts mehr verstehe. Denn die Bibel sagt ja explizit und ganz deutlich in Prediger Kapitel 9, und dort in Vers 5: „Denn die Lebendigen wissen, dass sie sterben müssen, aber die Toten wissen gar nichts und das wird ihnen auch keine Belohnung mehr zuteil, denn man denkt nicht mehr an sie.“ Paulus sagt, also: „Ich werde, wenn ich jetzt sterbe, dann ist das Nächste, was ich bemerke, die Auferstehung der Toten, die Verwandlung und dass ich dann durch die Entrückung in den Wolken des Himmels bei der Wiederkunft bei Jesus sein werde.“
[23:22] Paulus sagt, also: „Ich wünsche mir eigentlich am meisten, dass ich hier in Rom im Glauben und zum Zeugnis für Jesus sterbe, weil ich dann sicher sein kann, dass ich bei der Auferstehung der Gerechten, bei der Wiederkunft dabei sein werde und danach mit Jesus für alle Ewigkeiten zusammen sein werde.“ Paulus sagt: „Wenn ich jetzt im Glauben sterbe, das ist doch das Beste, was mir passieren kann, weil dann weiß ich, wenn ich im Glauben sterbe, bin ich dabei. Ich werde auferstehen, ich werde Jesus sehen, denn wenn ich jetzt sterbe, werde ich einmal für alle Ewigkeit bei ihm sein.“
[23:50] Das ist eigentlich doch das Beste, oder? Wenn er also die Sache nur aus der eigenen Perspektive betrachtet, dann wäre dies die bessere Option.
[24:06] Er hat also tatsächlich das erwogen, sich eigentlich zu wünschen, zu sterben.
[24:13] Aber es gibt eine zweite Option in Philipper 1, Vers 24: „Aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben, um euretwillen.“ Mit anderen Worten: weiterleben, um den noch jungen und unerfahrenen christlichen Gemeinden zu dienen. Das ist für die Gemeinden, wie zum Beispiel die Gläubigen in Philippi, fraglos die bessere Option. Paulus weiß das. Er realisiert, dass sein Dienst noch dringend benötigt wird.
[24:49] Vers 25: „Und weil ich davon überzeugt bin, so...“
[24:53] Und weil ich davon überzeugt bin, so weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen sein werde zu eurer Förderung und Freude im Glauben. Paulus, wenn er sich das durchdenkt, kommt er zu dem Schluss, nicht weil es ihm offenbart wird durch eine Vision, sondern weil er die Notwendigkeit sieht. Er sagt: „Bin mir sicher, ich werde noch gebraucht. Ich werde noch leben, weil mein Werk noch nicht vollendet ist, der Lauf ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch Dinge zu tun, die er tun muss.“
[25:29] Er sagt: „Ich bin davon überzeugt und so weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen sein werde.“ Obwohl er auch weiß, dass das Monster Nero, wenn ich dazu sagen darf – denn ein Monster ist er wirklich gewesen, nachdem was wir aus der Antike wissen –, dass er sein Richter sein wird. Aber Paulus hat so einen großen Glauben. Er sieht die Not der Gemeinde, er sieht die Notwendigkeit, diesen Gemeinden noch zu helfen. Er sagt: „Ich denke, Gott wird mich herausholen, um euch eine Stütze zu sein.“
[26:04] Er sagte hier: „Zu eurer Förderung und Freude im Glauben.“ Das Wort Förderung ist dasselbe Wort wie schon in Vers 12, als er gesagt hat: „Ich will aber, Brüder, dass ihr erkennt, wie das, was mit mir geschehen ist, sich viel mehr zur Förderung des Evangeliums ausgewirkt hat.“ Paulus' ganzes Leben diente zur Förderung des Evangeliums.
[26:28] Und die Frage ist, die wir uns stellen müssen: Kann man das auch von meinem Leben sagen, dass mein Leben dazu dient, dass das ewige Evangelium, wie es dieses Buch hier beschreibt, wie es Offenbarung 14 auf den Punkt gebracht wird, dass dieses ewige Evangelium gefördert wird im Leben von anderen, dass es egal wie es mir geht, hochgehalten wird? Paulus, Paulus' ganzes Leben diente der Förderung des Evangeliums.
[27:03] Vers 26: „Damit ihr umso mehr zu rühmen habt in Christus Jesus um meinetwillen, weil ich wieder zu euch komme.“ Wenn Paulus aus Rom freigelassen wird und wenn er dann vielleicht auch noch einmal die Gemeinde in Philippi besucht, dann werden die Geschwister eine solch riesige, eine so gewaltige Freude haben, die dazu führen wird, dass sie Gott umso mehr danken und verherrlichen.
[27:31] Und jetzt beginnt Paulus in Vers 27 einen neuen Gedankengang. Er sagt jetzt in Vers 27: „Nur führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus, damit ich, ob ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, dass ihr feststeht in einem Geist und einmütig miteinander kämpft für den Glauben des Evangeliums.“ Paulus sagt: „Ich habe diese beiden Optionen, ich weiß fast gar nicht, was ich mir wünschen soll, aber ich weiß, ich werde noch gebraucht und ich bin mir sicher, ich komme frei. Aber egal wie es ausgeht, egal ob ich zu euch kommen werde oder nicht, unabhängig davon, was mit mir geschieht. Und selbst wenn ich vielleicht freikomme und aber nicht euch besuchen kann, weil der Herr andere Aufgaben für mich hat, unabhängig was mit mir passiert, führt ihr euer Leben würdig des Evangeliums.“
[28:24] Lieber Freund, liebe Freundin, wir dürfen unser christliches Leben nicht von der Präsenz bedeutsamer Menschen abhängig machen. Vielleicht gibt es Menschen, die uns im Glauben gestärkt haben, die uns zu Jesus geführt haben, Menschen, die uns ein Vorbild gewesen sind, Menschen, die uns Dinge erklärt haben. Aber unabhängig davon, ob diese da sind oder nicht, ob sie am Glauben festhalten oder nicht, ob sie leben oder schon tot sind, unabhängig davon, ob sie uns sehen oder nicht, sollten wir immer unter allen Umständen des Evangeliums würdig leben.
[29:01] Ein Leben führen, das in Übereinstimmung mit dem Evangelium ist. Paulus sagt: „Bekennt euch nicht nur zu dem Evangelium, lebt auch so, dass euer Leben mit dem Evangelium übereinstimmt, unabhängig davon, ob ich komme oder nicht.“
[29:20] Manchmal machen Christen ihr Verhalten davon abhängig, ob der Pastor in der Nähe ist oder nicht, ob jemand, den sie hochschätzen, es sieht oder nicht. Kinder machen ihr Verhalten manchmal abhängig davon, ob ihre Eltern es sehen oder nicht. Aber ein reifer Christ, ein gläubiger Christ, der weiß, dass Gott immer anwesend ist und dass Gott alle Dinge sieht und dass er sein Verhalten nicht abhängig machen muss von der Präsenz oder Nichtpräsenz bestimmter Menschen, sondern sein Verhalten abhängig machen soll von der Präsenz des Heiligen Geistes.
[30:00] Das heißt hier: „Nur führt euer Leben.“ Griechisch: *políteuesthe*, das heißt wörtlich: „Lebt als Bürger.“ Aber damit meint Paulus nicht, dass die Römer jetzt – wir haben ja gelernt, Philippi war eine römische Kolonie mit italischem Recht – dass sie jetzt sich ihrer römischen Bürgerrechte besonders gegenwärtig sein sollten und entsprechend leben sollten. Wenn Paulus von dem Bürgerrecht spricht, dann erklärt er im selben Brief an die Philipper genau, was er meint. Denn in Philipper 3, Vers 20 sagt er: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter.“ Wenn er also sagt: „Nur führt euer Leben“, meint er eigentlich: „Lebt als Bürger dieses Reiches, von dem ihr das Bürgerrecht habt. Lebt als Bürger des Himmels auf Deutsch.“
[31:08] Unabhängig davon, ob Paulus anwesend ist oder nicht, sollen sie sich bewusst machen: Wir sind Bürger des Himmels. Unser Bürgerrecht ist im Himmel und so sollen wir auf dieser Erde schon so leben, als wären wir sozusagen im Himmel. Das Evangelium ist ja die gute Nachricht vom Reich der Himmel, vom Königreich der Himmel. Jesus hat in Matthäus 4, Vers 17, das Reich der Himmel angekündigt. Matthäus 4, Vers 17: „Von da an begann Jesus zu verkündigen und zu sprechen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist da herbeigekommen.“ Oder in der Bergpredigt sagt er Dinge wie: „Glückselig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ Wer Jesus folgt, an Jesus glaubt und Erlösung erlebt, der tritt sozusagen in das Reich der Himmel hinein. Das Evangelium ist die gute Nachricht von diesem Königreich. Matthäus 24, Vers 14: „Und dieses Evangelium vom Reich, vom Königreich wird in der ganzen Welt verkündigt werden zum Zeugnis für alle Heidenvölker. Und dann wird das Ende kommen.“ Und Paulus sagt: „Wenn ihr das verkündigt, auch dort in Philippi und in umliegenden Gegenden, dann verkündigt es nicht nur, sondern lebt auch so, dass deutlich wird, dass ihr selbst in diesem Königreich lebt. Führt euer Leben, *políteuesthe*, würdig des Evangeliums. Lebt also als Bürger des Königreiches, dessen Evangelium ihr verkündigt. Ihr verkündigt das Evangelium vom Königreich Gottes. Lebt so, dass sichtbar wird: Ihr lebt im Königreich Gottes.“
[32:45] Er sagt weiter: „Nur führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus, damit ich, ob ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, dass ihr feststeht in einem Geist und einmütig miteinander kämpft für den Glauben des Evangeliums.“
[33:05] Paulus wünscht sich für die Gemeinde eine echte geistliche Einheit, ein gemeinsames Kämpfen für die biblische Wahrheit. Er ist nicht der einzige, der sich das wünscht. Wir lesen im Neuen Testament im Judasbrief, kurz vor Offenbarung, in Judas Vers 3 und 4: „Geliebte, da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu schreiben, hielt ich es für notwendig, euch mit der Ermahnung zu schreiben, dass ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für alle Mal überliefert worden ist.“
[33:48] Wir müssen für den Glauben kämpfen. Und Paulus wusste, auch wenn er freikommt, kann er nicht alles alleine richten. Das Wohl der Gemeinde Gottes hängt nicht vom Leben des Paulus ab. Es gibt keinen Evangelisten, keinen Prediger, keinen GK-Präsidenten, keinen Gemeindeleiter, keinen Pastor, niemanden, der die Gemeinde Gottes alleine führen könnte.
[34:20] Was Gottes Gemeinde braucht, ist eine gemeinsame Einheit im Geist und ein gemeinsames Kämpfen für den Glauben des Evangeliums, unabhängig davon, was einzelne Leiter tun, ob sie da sind oder nicht da sind. Paulus wollte ganz klar und deutlich sagen, auch wenn er wusste, dass er gebraucht wird, sollten die Philipper sich nicht abhängig von ihm machen. Und wenn man sich nicht von einem Paulus als Gemeinde abhängig machen sollte, dann gilt es letztlich für jeden Leiter.
[35:04] Paulus hat damit unter gar keinen Umständen einem Geist der Unabhängigkeit, einem Geist des Auseinanderdriftens das Wort geredet. Paulus spricht ja in Philipper 1 von der herzlichen Liebe, die er zu den Philippern hat und umgekehrt. Paulus möchte deutlich machen: Egal was mit mir ist, ihr tragt eine eigene Verantwortung vor Gott. Ihr müsst vor Gott einmal selbst euren eigenen Fall verantworten. Ihr müsst so leben, dass euer Bekenntnis nicht verleugnet wird durch eure Taten.
[35:44] Gemeinsames Kämpfen für den Glauben des Evangeliums. Sich nicht gegenseitig bekämpfen, sondern miteinander für die Wahrheit und das Evangelium kämpfen. Würde es nicht auch uns guttun, wenn wir wieder anfangen, gemeinsam für die Wahrheit des Evangeliums, für die Wahrheit Gottes gemeinsam einzustehen in einem Geist? Die Pioniere der Adventbewegung waren genau aus diesem Holz geschnitzt, auch wenn sie nicht alles gleich richtig verstanden haben, auch nicht immer perfekte Entscheidungen getroffen haben, hatten sie diese Einheit des Geistes und die Bereitschaft für den erkannten Glauben einzustehen, koste, was es wolle.
[36:31] Verzeihung, Vers 28: „Und euch in keiner Weise einschüchtern lasst von den Widersachern, was für sie ein Anzeichen des Verderbens, für euch aber der Errettung ist und zwar von Gott.“
[36:49] Wer für den Glauben kämpft, der stößt auf Widerstand. Wer Jesus bekennt, der wird nicht nur Jubel ernten. Wer für Gott arbeitet, der bekommt den Gegenwind zu spüren. Paulus sagt: „Lasst euch nicht einschüchtern.“ Und zwar in keiner Weise. Weder durch brutale Kraft, noch durch subtile Politik. Lasst euch nicht einschüchtern auf keine Weise, in keiner Weise. Widersacher wird es geben. Solange es einen Satan gibt, solange es die Sünde gibt, solange dieser große Kampf nicht vorbei ist, wird es Widerstand geben. Den gab es in Philippi, den gab es in Rom, den gibt es im 21. Jahrhundert in unseren Städten, Dörfern, in unseren Ländern. Widersacher gibt es immer.
[37:45] Aber Paulus sagt, dass Gott durch unsere Standhaftigkeit im Glauben zeigt, dass das Evangelium tatsächlich zum ewigen Leben und der Kampf dagegen ins ewige Verderben führt. Wenn die Widersacher merken, dass man uns nicht von der Wahrheit wegbewegen kann, ist es für sie, sagt der Paulus, ein Anzeichen des Verderbens.
[38:10] Unsere Treue zu Gott macht einen tatsächlichen Unterschied im großen Kampf aus. Unsere Treue zu Gott belegt, dass Gott treu ist, dass man sich auf ihn verlassen kann, dass seine Wahrheit es wert ist, dafür einzustehen.
[38:30] Vers 29: „Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden.“ In der Regel hört man nicht gerne etwas vom Leiden. Wir sind vor allem froh über die Aspekte des Evangeliums, die uns ein glückliches Leben und ein erfülltes Leben versprechen und die sind ja auch wahr. Aber die Bibel macht ganz deutlich, dass echter Glaube auch durch emotionale Täler führen wird. Echter Glaube führt in Situationen, die unangenehm sind. Aber Paulus beschreibt das nicht als einen zu bedauernden Umstand. Er nennt es in Vers 29 eine Gnade. Er sagt: „Euch ist die Gnade verliehen worden, nicht nur an Jesus zu glauben, als wäre das sozusagen eine etwas geringere Sache, wenn man nur an Jesus glaubt und ein ganz normales Leben führt.“ Er sagt: „Ihr habt die Gnade, dass ihr auch um seinen Willen leiden dürft.“
[39:45] Nun, damit ist nicht gemeint, dass wir uns unbedingt nach dem Leiden sehnen sollen, dass wir das Leiden einladen sollen und uns irgendwie verhasst machen sollen, damit man uns irgendwie beschimpft. Nein, nein, nein, nein. Aber Paulus realisiert: Menschen, die eng mit Gott leben, denen mutet Gott oft zu, auch etwas von seinem eigenen Leid so ein bisschen mitzuschmecken, so wie man den besten Freunden etwas teilhaben lässt an den eigenen Sorgen und Nöten, dem eigenen Leid. Das erzählt man nicht jedem entfernten Bekannten. Ist es nicht interessant, dass gerade die Menschen, die besonders eng mit Gott zusammengelebt haben – denken wir an Hiob zum Beispiel, denken wir an Daniel, Josef, denken wir an Abraham auf dem Berg Moria –, dass sie manchmal kurz, manchmal über einen längeren Zeitraum...
[40:54] Keiner wünscht sich Leid, übrigens Gott auch nicht. Aber im großen Kampf für die Wahrheit und die Liebe und das Gute einzustehen bedeutet, vom Bösen attackiert zu werden. Gott selbst wird attackiert und das seit Jahrtausenden emotional mit Vorwürfen, mit Verdrehungen, Verleumdungen. Er wurde auf dieser Erde als Gott Mensch brutalst attackiert. Seid ihr nicht abgehalten, zur Wahrheit zu stehen, zur Liebe zu stehen. Und Paulus, der selbst Leid kennt in verschiedensten Formen, er sieht es als eine Gnade, wenn man für den Glauben mit Jesus gemeinsam etwas leidet.
[41:51] Nicht alleine verlassen in tiefster Verzweiflung ohne Hoffnung. Nein, mit Jesus, für ihn, mit ihm, in ihm, mit Jesus im Feuerofen, nicht alleine. Er sagt: „Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinen Willen zu leiden.“
[42:19] Offensichtlich haben auch die Gläubigen in Philippi, nicht nur Paulus in Rom, auch die Gläubigen in Philippi, wegen des Evangeliums Repressalien und Leid ertragen müssen. Das ist noch vor der Zeit der ersten großen Christenverfolgung, aber der Satan hat ja da schon nicht geschlafen. Sie haben gesehen, wie die Gemeinde in Philippi inmitten einer Verfolgung von Paulus und Silas entstanden ist, dass während die Gemeinde dort überhaupt gegründet wurde, Paulus und Silas ins Gefängnis geworfen worden sind. Und auch die Gemeindeglieder dort haben in der Zwischenzeit erlebt, was es bedeutet, vom Satan attackiert zu werden.
[42:52] Vers 30: „...sodass ihr denselben Kampf habt, den ihr an mir gesehen habt und jetzt von mir hört.“ Die Philipper haben sicherlich nicht exakt genau dieselben Geschichten noch mal erlebt, die Paulus erlebt hat, aber im Prinzip dasselbe durchgemacht, was auch Paulus erlebt hat. „An mir gesehen.“ Sie waren dabei, als in Apostelgeschichte 16, wie gerade schon erwähnt, die Gemeinde in Philippi gegründet worden ist und Paulus und Silas im Gefängnis waren. Jetzt hören sie von der Gefangenschaft des Paulus erst in Judäa, jetzt in Rom und sie selbst erleben Ähnliches.
[43:34] Wir kennen oft nur die Schicksale einiger berühmter Christen. Wir kennen das Schicksal von Johannes dem Täufer oder von Paulus und Petrus, das Leid, die Einsamkeit, das Exil von Johannes. Aber es sind Tausende und Abertausende von ungenannten Christinnen und Christen, Gläubige, aller Altersgruppen, die in allen Jahrhunderten Gleiches, Ähnliches erlebt haben: Gefängnis, Folter, Einsamkeit, Tod, Verleumdung.
[44:19] Was Paulus und Petrus erlebt haben, sind nicht Einzelfälle, die besonders hervorgehoben sind, sondern nur Beispiele für viele ungenannte Glaubensfrauen und Glaubensmänner, die um ihres Glaubenswillen gelitten haben. Vielleicht nicht immer physisch, vielleicht auf eine andere Art und Weise. Paulus schreibt als ein Leidender für das Evangelium an Leidende. Und wenn du, lieber Freund, liebe Freundin, in deinem Leben erlebt hast, dass das Bekenntnis zu Jesus auch unangenehme Folgen bringt, Unverständnis in der Familie, Schwierigkeiten auf Arbeit, vielleicht sogar physische Gewalt oder Isolation: Was immer die Arten der Verfolgung sind, die kleinen und die großen, die wir erleben, wir dürfen wissen, wir sind nicht allein. Und Briefe wie der Philipperbrief sind geschrieben, um uns zu zeigen: Seit 2000 Jahren machen Christen diese Erfahrung. Seit 2000 Jahren finden Christen wie Paulus im Leid die Erkenntnis, dass es eigentlich eine Gnade ist.
[45:46] Denn auch wenn man Dinge erlebt, die man eigentlich nicht möchte, kommt man gerade dadurch dem näher, der so viel auf sich genommen hat, was er eigentlich selbst gar nicht mochte, der sich mit der Sünde identifiziert hat, der sich für uns vom Vater hat trennen lassen, der gekreuzigt worden ist und der Qualen erlitten hat geistlicher, seelischer Art, die alles übersteigen, was man so selbst an körperlichen Qualen bei ihm beobachten konnte. Niemand von uns wird jemals so leiden müssen, wie Jesus gelitten hat. Aber wer mit ihm geht, den wird er auch ein bisschen zeigen, wie es ihm geht. Und wenn wir das im Glauben annehmen und aus der Perspektive Jesu sehen, dann wird es uns nicht von ihm trennen, nicht abstoßen, sondern uns sogar noch enger an ihn binden.
[46:58] Möchtest du heute, lieber Freund, liebe Freundin, die Entscheidung fällen, dass dein Leben in jeder Hinsicht unter allen Umständen, sei es im Triumph oder im Gefängnis in Rom sozusagen? Möchtest du, dass dein Leben in jeder Hinsicht unter allen Umständen zur Großmachung von Jesus und zur Förderung des Evangeliums dient, dass der Glaube von anderen Menschen gestärkt wird? Möchtest du, dass dein Leben das Evangelium fördert und Jesus verherrlicht? Gott segne deine Entscheidung. Lasst uns noch gemeinsam beten.
[47:37] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du zu uns gesprochen hast, Herr. Danke, dass wir wissen dürfen, dass wir durch das Evangelium echtes Glück und echten Frieden und Annahme und Erfüllung finden dürfen, dass du das Beste für uns willst. Du willst uns nicht leiden sehen und Herr, wir müssen keine Angst haben, dass du danach suchst, wie du uns zum Leiden bringen kannst. Nein, nein, aber wenn du es zulässt, dass wir auch einmal Leid erleben, dann dürfen wir wissen, das tust du nicht, weil du uns ärgern willst, auch nicht, weil es dir Freude macht, uns leiden zu sehen, sondern weil es ein besonderes heiliges Mittel ist, deinem Herzen noch ein Stück näher zu kommen, der du noch viel mehr für uns gelitten hast, als wir jemals leiden könnten, um des Evangeliums willen. Herr, wir möchten dich bitten, dass wir lernen, dass egal wie unsere Umstände sind, dass unter allen Umständen wir dich verherrlichen und dir die Ehre geben und dich groß machen. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[48:58] Damit verabschieden wir uns für heute. Nächste Woche haben wir einen ganz besonderen, ganz tiefen, wunderschönen und beeindruckenden Abschnitt vor uns. Dürft euch darauf schon freuen, vielleicht auch schon ein bisschen, am besten schon anfangen, diese Verse 1 bis 11 in Kapitel 2 von Philipper ein bisschen anzuschauen, durchzuschauen, zu studieren, hineinzustiefen in diese großartigen Wahrheiten, die dort beschrieben werden. Wir werden Jesus noch besser kennenlernen. Bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines wunderbaren Evangeliums. Gott mit euch. Amen.