Tauche ein in die faszinierende Welt der Korintherbriefe mit Christopher Kramp in dieser Spezialausgabe der Christ Study Hour. Erfahre mehr über den historischen Hintergrund der pulsierenden Stadt Korinth und wie das Evangelium dort Wurzeln schlug. Verstehe die entscheidenden Ereignisse, die zur Gründung der Gemeinde führten und die Entstehung des ersten Korintherbriefs.
Christ Study Hour Spezial – Die Korintherbriefe: 1. Einleitung und historischer Hintergrund
Christopher Kramp · Christ Study Hour – Spezial 2026 - Q3: Die Korintherbriefe ·Themen: 1. Korinther, Archäologie, Bibel, Bibelstudium, Gemeinde, Grundlehren der BibelWeitere Aufnahmen
Serie: Christ Study Hour – Spezial 2026 - Q3: Die Korintherbriefe
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Transkript
[0:32] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer möchten wir alle Zuschauer auch auf dem Sender das Wort ganz recht herzlich begrüßen. In den nächsten drei Monaten liegt ein ganz besonderes Studium vor uns. Wir möchten erneut eine CSH Spezialserie anbieten. Das ist etwas, was wir in den letzten Jahren immer wieder einmal getan haben, ganze Bibelbücher in ihrer Breite, in ihrer Tiefe mehr zu durchleuchten. Und wir möchten in den kommenden drei Monaten uns zwei Paulusbriefe ganz besonders ansehen, die ein enormes Gewicht, eine besondere Bedeutung auch für unsere Zeit haben. Wir möchten in diesem CSH Spezial in den nächsten Wochen die beiden Briefe des Paulus an die Korinther studieren. Wir werden das hierbei nicht völlig parallel zu den Sappatschul-Gesprächen, den Bibelgesprächen halten, sondern uns tatsächlich ganz chronologisch durch diese Briefe hindurcharbeiten. In jeder Folge etwa zwei oder drei Kapitel uns anschauen, dabei auch vor allem den großen roten Faden, die Argumentationslinie des Paulus nachvollziehen und dann versuchen zu verstehen, was das alles für uns persönlich bedeutet. Heute in der ersten Folge möchten wir uns erst einmal mit der Einleitung beschäftigen. Wir möchten zunächst einmal den historischen Hintergrund verstehen. Drei Dinge möchten wir heute uns anschauen. Und natürlich ist auch allbereitung auf die Bibelgespräche, die es dann in den nächsten Wochen, Woche für Woche geben wird. Drei Dinge, wie gesagt, heute auf dem Programm. Wir möchten erst einmal verstehen historisch, was ist das für eine Stadt Korinth, zu der Paulus dort gekommen ist. Wir möchten verstehen, wie das Evangelium in Korinth Fuß gefasst hat. Was waren dort die entscheidenden Ereignisse? Wie ist diese Gemeinde gegründet worden und wie kam es dann zu dem Abfassen des ersten Briefes an die Korinther? Was war der historische Hintergrund sozusagen? Dann werden wir die ersten Verse im Licht dieser ganzen Einleitung uns anschauen und verstehen, wie Paulus diese Gemeinde anspricht.
[2:58] Aber bevor wir mit all dem beginnen, bevor wir uns dem Studium dieser wichtigen Korintherbriefe so richtig hingeben, möchten wir Gott einladen, dass er unser Studium segnet, dass wir verstehen, was er uns heute durch diese Korintherbriefe sagen möchte. Und ich lade dich ein, dass wir mit diesem Gebet jetzt gleich beginnen.
[3:20] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du so gut zu uns bist, dass du uns deine Güte und dein Wesen, deinen Charakter offenbart hast und dass du jeden Tag an unserem Herzen ziehst und uns führst und leitest. Und Herr, wir möchten uns von ganzem Herzen bei dir entschuldigen, dass wir so oft all das Gute, was du für uns tust, nicht wirklich wahrnehmen oder vielleicht sogar ignorieren. Herr, wir möchten jetzt uns als deine Schüler zu deinen Füßen setzen. Wir möchten aus deinem Wort lernen. Wir möchten aus der Geschichte lernen, um zu verstehen, wie das Evangelium damals in eine Welt hineinrang, die der unseren in vieler Hinsicht zu ähnlich ist. Wir möchten lernen, was das für uns bedeutet. Wir möchten dir danke sagen, dass du verheißen hast, dass du unser Lehrer sein möchtest, möchte unsere Herzen öffnen für deinen Heiligen Geist. Schenk du uns die Weisheit, die von dir kommt. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[4:28] Korinth ist flächenmäßig die bei weitem größte Stadt des antiken Griechenlands, ca. 600 Hektar inklusive von Agrokorinth. Das ist dann die Festung oben auf dem Berg innerhalb des Stadtgebietes. Da gibt es einen ummauerten Zugang auch zu einem Hafen. Wir sehen ja hier auf der Karte Korinth liegt ziemlich so zentral in Griechenland an einem sogenannten Isthmus an einer Engstelle. Da geht es dann vom Festland zur Halbinsel Peloponnes und da gibt es zwei Zugänge zum Meer, den Golf von Korinth und den Saronischen Golf. Da gibt es zwei Häfen auch, die hier eingezeichnet sind, Lejon und Kencheer. Das sind die beiden antiken Häfen. Zu Leon gab es sogar einen ummauerten Zugang. Weil die Stadt so überaus strategisch günstig gelegen ist, war sie schon immer eine besonders bedeutsame Stadt und hatte dann auch eine starke Befestigung. Schon in der achaischen Zeit war der Ort Korinth sehr berühmt. Das heißt also in der Zeit der israelitischen Könige, wenn man das mal so ganz grob überschlägt. Die schwarzfigurige Vasenmalerei ist in Korinth erfunden worden und war lange und Korinth war lange Zeit da auch kulturell sozusagen führend in der griechischen Welt.
[6:00] Korinth ist auch der Ort berühmter Bündnisse im Jahre 481, kurz vor dem Sturm der Perser und der Xerxe auf das griechische Kernland, haben sich dort die Griechen, die hier rot eingezeichnet sind, die Hellenen verbündet. Im Jahre 481 vor Christus im sogenannten Helenenbund. 337 vor Christus der korinthische Bund angeführt von Philipp dem von Makedonien, dem Vater von Alexander dem Großen, der ja schon einen Krieg auch gegen die Perser geplant hatte. Korinth war auch eine der auslösenden Städte für den sogenannten Peloponnesischen Krieg dazwischen. Also eine Stadt, die zu den absolut wichtigsten im antiken Griechenland zählt. Eine Stadt, die dann auch als letztes noch standhielt gegen die Übermacht der Römer, als die schon nach und nach die ganzen griechischen Gebiete und überhaupt auch im Mittelmeerraum alles eroberten, war es Korinth, das als letzte griechische Stadt noch so richtig Widerstand leistete und dann 146 vor Christus vollständig zerstört worden ist. Zumindestens die literarischen Quellen. Im selben Jahr ist auch Karthago zerstört worden. Deswegen, weswegen ich persönlich dieses Jahr 146, die Zerstörung von Korinth und die Zerstörung von Karthago als das Epochenjahr ansehe, wo aus der biblischen Prophetie betrachtet aus Griechenland jetzt, also von Griechenland nach Rom der Wechsel stattfindet. Wenn man sich das in Daniel Kapitel 8 anschaut, dann wird dort ja über dieses kleine Horn, das Rom darstellt, gesagt hier in Vers 9: "Und aus einem von ihnen wuchs ein kleines Horn hervor, das tat außerordentlich groß gegen den Süden und gegen den Osten und gegen das herrliche Land." Und Süden, das war natürlich von Rom aus gesehen Karthago, Osten Griechenland und im Jahr 146 vor Christus sind in beiden Himmelsrichtungen die entscheidenden Siege und Zerstörungen angerichtet worden. Korinth spielt also hier auch in der Bestimmung der prophetischen Zeitpochen eine nicht unentscheidende Rolle. Hier sehen wir ein Bild, das diese Zerstörung von Korinth darstellen soll.
[8:11] Über 100 Jahre lang war dann das antike griechische Korinth völlig zerstört. Die Römer hatten kein Interesse am Wiederaufbau. Es gab ja ohnehin Bürgerkrieg dann im römischen Reich. Eine ganz andere Geschichte. Und dann war es so gewesen, dass Julius Cäsar, nachdem er dann die entscheidenden Siege im Bürgerkrieg gewonnen hatte, den Plan gefasst hatte, dass man sowohl in Italien als auch in Gebieten außerhalb Italiens neue Kolonien gegründet werden sollten. Und tatsächlich wurde noch bevor er gestorben ist, im Jahre 44 wurde Korinth neu gegründet als römische Kolonie. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Die Stadt war jetzt, dieses neue Korinth war eigentlich sozusagen eine römische Stadt in Griechenland, gegründet als Colonia Laus Julia Corinthus. Interessanterweise auch zur gleichen Zeit wie die Wiedergründung von Karthago. Cäsar hatte also so ein bisschen auch den Anspruch da jetzt an alte Glanzzeiten der griechischen Antike und ja überhaupt der Antike anzuknüpfen. Diese Kolonien waren in der Regel eigentlich so für Proletarier, könnte man sagen, aus Rom, auch für Veteranen. Im Fall von Korinth sind aber gar nicht wirklich Legionäre angesiedelt worden, sondern da waren offensichtlich die wirtschaftlichen Vorteile besonders wichtig. Cäsar war jedenfalls sehr stolz auf seine Neugründung und hat auch ganz explizit ihr keinen neuen Namen gegeben, sondern ist bei dem alten Korinth geblieben. Wie viele Siedler da jetzt hinkamen, ist nicht ganz klar. Man geht wohl mittlerweile davon aus, dass auch die Stadt nicht völlig menschenleer war. Sie war zwar zerstört, aber da haben wohl ein paar Menschen auch gelebt, ein paar Griechen und jetzt kamen vielleicht so vielleicht 2 bis 3000 römische Siedler dazu und die kamen aus verschiedenen sozialen Gruppen, dann freigelassene, enteignete Landbesitzer, die man aus Italien vertrieben hat, um dort Veteranen anzusiedeln. Natürlich ein paar Veteranen selbst, aber das waren im Fall von Korinth eigentlich die wenigsten. Die haben zum Teil dann natürlich ihre Familien mitgebracht und anfangs war es so, dass die neu ankommenden römischen Siedler getrennt waren von den bisherigen Anwohnern. Die Kolonie war so eine Art Miniaturkopie von Rom. Es gab dann auch entsprechend neue Gesetze für die ganzen politischen Abläufe, für die religiösen Abläufe und die Kolonisten, die römischen Bewohner waren natürlich in der sozialen Schicht ganz oben. Die bisherigen Einwohner, die dort gelebt haben, die haben viele ihrer Rechte verloren. Die waren jetzt quasi Ausländer in ihrem eigenen Land in dieser römischen Siedlung und die Römer haben tatsächlich den Griechen auch das römische Bürgerrecht selten vergeben, viel seltener als im Westen, weil man immer dieses Misstrauen hatte, dass die Griechen sowieso nicht wirklich sich der römischen Lebensführung anpassen würden. Das war allerdings in Korinth nicht ganz so stark. Korinth ist dann sehr schnell auch Provinzhauptstadt geworden. Doch dazu gleich mehr am Anfang. Aber nur wenige Griechen mit römischem Bürgerrecht dann unter Claudius oder Kaiser Claudius und Nero dann schon deutlich mehr.
[11:29] Wir kennen tatsächlich sogar die Herrscher, so die höchsten Beamten in der Stadt von der Gründung bis zur Zeit von Kaiser Galba etwa Ende des ersten Jahrhunderts oder ja, zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts. Man musste um wirklich da politisch mitwirken zu können, ein römisches Bürgerrecht haben, wie es übrigens der Paulus auch tatsächlich gehabt hat, aber es konnten auch andere mit eingebunden werden, wenn es keine geeigneten Personen gab. Die ganze Besiedlung ist vom Militär nur sehr spärlich begleitet worden. Man hat Corinth neu so besiedelt, so groß wie es auch damals gewesen ist. Der Neuaufbau war am Anfang nicht sehr erfolgreich. Das lag natürlich daran, dass auch nach Cäsars Tod es wieder Bürgerkrieg gab, eine instabile Lage. Es fehlte an Geldmitteln. Die Stadt konnte nur sehr schleppend wieder aufgebaut werden und man hat sich dann zunächst auf das Zentrum der Stadt konzentriert, auf das Forum und hat dann dort einiges aufgebaut. Seit der Regierung des Augustus ging es dann natürlich immer besser weiter. Hier sehen wir noch eine Bronzemünze aus der Zeit direkt aus der Gründung. Da ist das Bild von Cäsar drauf und etwas abgegriffen der Schriftzug Laus Julia Corinthus.
[12:48] Wie schon erwähnt, die Hauptstadt Korinth wurde Hauptstadt von Achaia. Achaia war sozusagen die südliche Provinz in Griechenland. Wir sehen hier das Bild ist von etwas späterer Zeit, einige Jahrzehnte später, aber in dem Fall ist das immer noch zutreffend. Der nördliche Teil von Griechenland war Makedonien. Man trifft das im Neuen Testament immer wieder an. Auch beim Paulus in den Korintherbriefen, da gibt's Makedonien und Achaia und das ist einmal die nördliche Provinz, wo Städte wie Thessaloniki z.B. sind, wo dann der Brief an die Thessalonicher eine Rolle spielt oder die Philipper, die sind in Makedonien und dann Achaia ist der Süden, also Athen und Korinth. Und tatsächlich war nicht Athen die Hauptstadt von Achaia, sondern das jetzt neugegründete römische Korinth, das natürlich trotzdem irgendwie so diesen alten griechischen dieses alte griechische Erbe auch mittragen sollte.
[13:40] Diese Stadt war sehr stark urbanisiert. Die meisten Bevölkerung lebten in der Stadt, nicht drumherum. Das Agrarland wurde nach römischem System alles neu eingeteilt. Da haben die alten Römer wirklich tiefgreifend eingegriffen dort in die lokalen Strukturen. Und ab dem 1. Jahrhundert, so ab der Zeit, kurz bevor Paulus nach Rom kommt, findet man dann immer mehr Bewohner auch aus Griechenland, aus griechischen Städten, aus ferneren Gebieten, die jetzt vom Wohlstand dieser Handelskolonie angezogen werden. Es ist also nicht einfach die griechische Stadt, wie man sie aus der Antike vor Christus kennt. Es ist eine neugegründete römische Kolonie, die zunächst mal langsam gewachsen ist, die dann immer schneller gewachsen ist und die dann kurz bevor Paulus überhaupt erst nach Korinth kommt, langsam auch wieder internationaler wird. Da kommen dann auch mehr Griechen wieder ins Spiel.
[14:35] Seit der Zeit von Kaiser Caligula, also 37 bis 41 nach Christus, sind auch die ersten Juden in seit seit dann weiß man, dass dort auch Juden in Korinth gewesen sind, vielleicht auch schon früher, aber dann spätestens seit dann und dann gibt es ein großes wirtschaftliches Wachstum, weil natürlich die Ressourcen immer auch ganz gezielt auf Korinth gebündelt werden, weil es halt die Provinzhauptstadt dann ist. Die Römer haben auch ein komplett neues Straßennetz über das alte Korinth gelegt, ganz schematisch. Und das hat natürlich die Griechen, das hat denen nicht so gefallen. Die waren eigentlich von den Römern, die da jetzt neu ankamen, eher abgeneigt, vor allem, weil die Griechen oft den Römern auch intellektuell überlegen gewesen sind. Man hat dieses Straßenraster komplett über alles gelegt und dann auch entsprechend die Bausubstanz verändert.
[15:30] Man hat dann aber in den ersten Jahrhunderten, Verzeihung, in den ersten Jahrzehnten, den ersten beiden Jahrzehnten vor allem des ersten Jahrhunderts, also in der Zeit kurz bevor Jesus aufgetreten ist, eine spektakuläre Bautätigkeit in Korinth, ein echten Bauboom, der dort losbricht und da werden die Straßen ausgebaut, da werden große Gebäude gebaut, wo man merkt, diese Stadt ist wirtschaftlich enorm potent und die will all den alten Ruhm des griechischen Korinth wieder anschließen. Hier sieht man einen Blick auf die Ruinen des Forums, wo natürlich die größten und wichtigsten Gebäude dann standen, noch gerade die Tempel. Das war natürlich alles so eine kleine Kopie auch vom Forum Romanum in Rom. Tatsächlich auch die Anordnung der Tempel hat sich teilweise so ein bisschen auch an dem Forum Romanum orientiert.
[16:21] Aber auch außerhalb des Forums ist enorm viel gebaut worden in der Spätzeit von Augustus und dann auch unter Tiberius. Hier sehen wir z.B. auch den völligen Neubau eines Circus, eines, also wir sagen heute meistens Zirkus, wo also dann Pferderennen z.B. stattfinden konnten. Nachdem Tiberius dann gestorben ist, setzt so eine gewisse Sättigung ein. Das Geld ist zwar noch da, aber Gebäude sind eigentlich genug gebaut worden. Was dann beginnt, ist unter dem Kaiser Claudius, dass man die bestehenden Gebäude dann noch mit Marmor auskleidet und dass das alles noch entsprechend aufgewertet wird.
[16:58] Korinth ist dann kurzzeitig mal nicht Hauptstadt gewesen, wird dann aber im Jahre 44 nach Christus wieder Hauptstadt der Provinz Achaia. Wir finden dort auch etliche Inschriften, die in der Regel meistens Latein sind, weil es wie gesagt eine eine römische zu dem Zeitpunkt vor allem noch eine römische Stadt inmitten von Griechenland gewesen ist. Das ändert sich dann im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte, sodass dann im zweiten Jahrhundert die Stadt wieder mehr ein griechisches Profil gewinnt. Also die Stadt ist erst romanisiert und dann wird diese romanisierte, diese römische Stadt wieder hellenisiert. Das ist sehr komplexes hin und her.
[17:37] Hier sehen wir einige der berühmten Tempel, den Tempel des Apollon z.B. Die Römer haben tatsächlich aber gerade was die Tempel betrifft vieles auch stehen lassen. Man muss dazu sagen, bei all dem, was wir hier sagen, dass man sowieso vieles noch gar nicht so genau weiß, weil auch nach vielen vielen Jahrzehnten des Ausgrabens nur ein Bruchteil vom antiken Korinth überhaupt ausgegraben ist. Es gab natürlich auch ein Aquädukt, wo Wasser dann hergeführt worden ist und die römischen Bürger haben natürlich ihre römische Religion mitgebracht. Das Forum in Korinth hat sich allerdings an der griechischen Agora orientiert, also an den alten Tempeln, wie sie dort auch gewesen sind.
[18:29] Und was die Römer gemacht haben, sie haben also in der Regel keine neuen Tempel gebaut, sie haben die alten einfach renoviert. Und bis heute rätseln die Forscher, haben jetzt die Römer dann römische Götter oder griechische angebetet oder hat man es einfach ins ein gesetzt? Das war die große oder ist bis heute eine große Frage. Ein Tempel ist neu. Hier sieht man eine Anordnung der Tempel auf dem Bild. Das sind natürlich alles jetzt Dinge, die der Paulus dann dort in Korinth direkt so angetroffen hat, dass das Theater natürlich auch in der Nähe ein Tempel ist, ganz neu gebaut worden von den Römern, der Tempel E, aber auch dort vermutet man, dass eventuell auch es hier um die Anbetung der Aphrodite gehen gegangen ist und dass da auch griechisches mit hineingespielt hat.
[19:18] Es gibt keine genauen Quellen dazu, wie genau die Religion in Korinth ausgeübt worden ist. Es gab wohl nur eine ganze minimale Anzahl von offiziellen römischen religiösen Festen. Also auch wenn man das, das weiß man, wenn man das mit anderen Kolonien vergleicht. Die Römer haben nicht wirklich ihre eigene römische Religion den anderen besetzten Gebieten, den Provinzen aufgedrückt, weil man damals das Verständnis hatte, die römische Religion gehört ja eh nach Rom, die wird in Rom ausgelebt, in Korinth ausgelebt. In Korinth konnte man eher so das quasi zitieren, sich darauf beziehen, Anspielung darauf machen. Das eigentliche religiöse Leben, das Paulus dort angetroffen hat, war tatsächlich eher griechisch, obwohl es eine römische Kolonie war, eine griechische, hellenistische Vielfalt. Da gab es ja eine ganze Menge an verschiedenen Kulten. Zum Beispiel hier das Heiligtum für Demeter und Kore am Agrokorinth, also in diesem Berg, der auf dem Stadtgebiet sich da aufragt.
[20:25] Und dieses dieses Heiligtum für Demeter und Kore ist dann auch renoviert worden von den Römern und interessanterweise so ein bisschen beschränkt worden. Man hat den Zugang beschränkt, so dass nicht jeder da hinein spazieren konnte, sondern das wurde so ein bisschen nicht verheimlicht, aber das nur Eingeweihte durften dann jetzt an diesem Kult teilnehmen. Nennt man auch die Mysterisierung der Religion in der Kaiserzeit, also in der Zeit um Jesus auf der Erde lebte und kurz danach gibt es allgemein in der Antike dieses Phänomen, dass die Religion so ein bisschen geheimnisvoller wird. Es hat natürlich auch damit zu tun, dass so die offiziellen Kulte so ein bisschen an Schlagkraft verloren haben. Da interessiert sich eigentlich nicht mehr. Man interessiert sich kaum noch so wirklich für die althergebrachte Religion. Was viel mehr wog, was viel mehr modisch ist, sind so neue auch gerade aus dem Osten kommende Kulte wie z.B. Isis und Serapis. Das hat eigentlich natürlich mit Ägypten gar nicht mehr viel zu tun. Das ist ein Versuch, ägyptische Religion mit griechisch-antiken Vorstellungen zu verbinden. So Verschmelzung von verschiedenen Dingen. Ganz ganz populär in Rom auch selbst und auch in Korinth, wo es entsprechende Schreine gab für Isis und Serapis. Isis war das Kult, war der Kult auch der Seefahrer, die da eine eigene Gemeinde hatten, eine Isis-Gemeinde mit Eingeweihten. Das Serapis-Heiligtum stand in Korinth an ganz zentraler Stelle. Das muss also in der Bevölkerung sehr präsent gewesen sein. Also, wenn man dann in den Korintherbriefen diese Idee hat, dass der Menschen aus dem Heidentum kommen, dann sind das Dinge, die sie eigentlich zunächst einmal so in ihrer religiösen Erfahrung gehabt haben.
[22:19] Und wenn man noch über den Kaiserkult kurz sprechen möchte, dann ist das so, dass die Römer tatsächlich diesen Kult gar nicht selbst forciert haben. Es war eher so, dass gerade die griechischen Städte, die da eine große Tradition hatten, schon aus der Zeit der Ptolemäer, der Seleukiden, der Zeit nach Alexander dem Großen, wo man die Herrscher so verehrt hat, das war den Römern in Italien eigentlich sehr suspekt, einen Kaiser zu verehren. Aber in Griechenland hat man danach verlangt, man spricht man auch sogar von der Selbstromanisierung. Die Griechen waren dann sehr bedacht darauf, diese Herrschafts-Ehren zu bekommen, von den Kaisern beehrt zu werden. Haben Kaiserstatuen dann in den Tempeln aufgestellt neben den griechischen Göttern, den regulären und dann wurden die Kaiser auch mit Weihrauch und mit Wein bedacht, aber haben selten blutige Opfer bekommen. War insgesamt interessanterweise die Tendenz jetzt in diesen Jahrzehnten, dass man zunehmend blutige Opfer im heidnischen Gottesdienst als abstoßend empfunden hat und nicht mehr als zeitgemäß und man mehr dazu übergegangen ist, Religion als eine ethische Lehre, also wie soll ich mein Leben führen, so ein bisschen im Anschluss an die Philosophie verstanden hat, wo man halt gesagt hat, okay, die Philosophie, das ist was der Mensch verstehen kann und die Religion ist so ähnlich, nur sie geht noch ein bisschen über das hinaus, was den menschlichen Verstand halt nicht mehr zugänglich ist. Und so hat man so sich auch so ein bisschen diesem Konzept der Mysterienreligion angenähert. Das sind so die Dinge, die hier für unser Verständnis für Korinth ganz wichtig sind.
[23:51] Nun, Paulus kommt nach Korinth im Zuge der zweiten Missionsreise. Hat ja in Troas diese Vision in der Nacht gesehen, Traumgesicht, wo er aufgefordert worden ist nach Europa zu kommen. Sie ist nach Makedonien, also in das nördliche Griechenland, wo er in Philippi, Thessalonich, in Beröa auch ja Gemeinden, kleine Gruppen gründet und dann über Athen auch nach Korinth kommt. Und wir schauen uns das ein bisschen an in der Apostelgeschichte. Wir nehmen jetzt unsere Bibel zur Hand, um das ein bisschen nachzuvollziehen, wie das damals gewesen ist. Paulus war in Athen, hat er nicht keinen durchschlagenden, sagen wir so, keinen durchschlagenden Erfolg gehabt, hat ja sehr stark versucht auch die Philosophen dort mit Logik und mit Zitaten aus der paganen Autorenschaft zu erreichen. Und das hat ein paar Leute bekehrt, aber zur Bekehrung gebracht, aber nicht so viele. Und er kommt nach Korinth und er sagt das später selbst im ersten Korintherbrief, er ändert so ein bisschen noch seine Strategie oder er refokussiert noch mehr einfach darauf, Jesus Christus als Gekreuzigten zu predigen.
[25:06] Wir lesen in Apostelgeschichte 18 ab Vers 1: "Danach aber verließ Paulus Athen und kam nach Korinth. Und dort fand er einen Juden namens Aquila aus Pontus gebürtig, der vor kurzem mit seiner Frau Priszilla aus Italien gekommen war, weil Claudius befohlen hatte, dass alle Juden Rom verlassen sollten." Zu diesen Dingen, wir kennen das aus der Geschichte auch, da gibt's ein Edikt von Claudius. Da geht's um einen, das Sueton berichtet davon, der Geschichtsschreiber, weil dort aufgrund eines gewissen Christus, so heißt es bei Sueton, die Juden in Aufregung gerieten. Das wird allgemein in der Regel darauf gedeutet, dass durch die Verkündigung von Christus es dort Streitigkeiten unter den Juden gab, wie man sie auch sonst in der Apostelgeschichte gut sehen kann und dass diese Juden dann von Claudius alle ausgewiesen worden sind. Und es ist natürlich jetzt auch ganz gut nachvollziehbar, warum die in Korinth enden, weil Korinth eine römische Kolonie ist und weil Korinth ganz bewusst römisch auch ist. Und wer in Rom gelebt hat, der fühlt sich natürlich in Korinth dann schneller zurecht, findet sich schneller zurecht als vielleicht irgendwo in einer Stadt, die jetzt nicht so stark römisch geprägt ist. Also Aquila und Priszilla sind dort, sie treffen sich. Das heißt Vers 3: "Und weil er das gleiche Handwerk hatte, blieb er bei ihnen und arbeitete. Und sie waren nämlich von Beruf Zeltmacher."
[26:20] Treffen sich hier aufgrund ihres gemeinsamen Berufes. War ja so, dass auch jüdische Theologen immer auch einen Beruf gelernt haben, damit sie sich auch entsprechend selbst versorgen konnten, wenn es notwendig war. Vers 4: "Er hatte aber jeden Sabbat Unterredungen in der Synagoge und überzeugte Juden und Griechen." Man hat zwar noch keine Synagoge ausgegraben, aber wie gesagt, in Korinth ist ja noch das meiste gar nicht ausgegraben. Man weiß aus späterer Zeit, aus der Spätantike, dass es dort eine Synagoge gegeben haben muss. Da hat man einen Türsturz gefunden. Aber man geht natürlich davon aus, weil man weiß, dass auch Juden präsent gewesen sein müssen, seit Caligula, dass es hier natürlich eine Synagoge gegeben haben muss. Paulus predigt zu den Juden. Er predigt auch zu den Nichtjuden, zu den Griechen.
[27:03] Das heißt in Vers 5: "Als aber Silas und Timotheus aus Makedonien, also der nördlichen Provinz ankamen, wurde Paulus durch den Geist gedrängt, den Juden zu bezeugen, dass Jesus der Christus ist." Also er hat natürlich erstmal langsam angefangen, hatte das vorbereitet. Und wann kommt jetzt diese Entscheidungswahrheit?
[27:21] Vers 6: "Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut sei auf eurem Haupt. Ich bin rein davon, von nun an gehe ich zu den Heiden." Das war ja die Strategie von Paulus immer zuerst auch die Synagoge aufzusuchen, die Juden in einer Stadt zu erreichen, weil die ja schon das Alte Testament kannten und entsprechend er ganz viel voraussetzen konnte, was er jetzt bei den Heiden erst einmal alles erklären musste.
[27:49] Vers 7: "Und er ging von dort weg und begab sich in das Haus eines gottesfürchtigen Mannes mit Namen Justus, dessen Haus an die Synagoge stieß." Hier meint gottesfürchtig, das ist also ein Nichtjude, jemand, der, obwohl er nicht ethnisch zum Judentum dazu gehört, trotzdem an denselben Gott der Juden glaubt, ein sogenannter Gottesfürchtiger. Ein Justus, möglicherweise ein Römer, wie der Name nahelegt.
[28:14] Vers 8: "Krispus aber, der Synagogenvorsteher, wurde an den Herrn gläubig, samt seinem ganzen Haus. Auch viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen." Obwohl also ein Großteil der jüdischen Gemeinde das Evangelium ablehnt, gibt es gerade den Vorsteher dieser jüdischen Gemeinde Krispus, der an Jesus gläubig wird und sich taufen lässt mit seinem ganzen Haus und entsprechend aber auch viele Nichtjuden hier zum Glauben dazu kommen.
[28:49] Paulus scheint trotz alledem irgendwie das Gefühl gehabt zu haben, dass es gar nicht so einfach ist in dieser verruchten Handelsstadt. Ja, da kommen Seefahrer von allen, also vom Golf von Korinth und vom Saronischen Golf, ein Umschlagsplatz. Dadurch, dass es zwei Häfen waren, war es natürlich so, dass dann die Händler auch die entsprechenden Waren immer nach Korinth gebracht haben, um zum nächsten Hafen dann weiter zu verschiffen. Da ist also war ein großer Durchgang von Personen und Waren und wie das meistens auch bei großen Handelsstädten und gerade auch bei Seefahrerstädten der Fall ist, die Moral war auch unfassbar gering und weit unten am Boden. Paulus hat sich sicherlich gewagt, ob es überhaupt sinnvoll ist, hier viel Zeit zu investieren oder ob er nicht vielleicht woanders hingehen sollte, wo vielleicht bessere Resultate zu erwarten sind.
[29:38] Und wir lesen hier in Vers 9: "Und der Herr sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus." Also so wie er ihn überhaupt schon erst einmal nach Europa gebracht hatte, bestätigt den jetzt hier in Korinth, besonders Zeit zu verbringen. Nicht in Athen, aber hier in Korinth. Interessanterweise.
[29:55] Das heißt nämlich, und der Herr sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: "Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht, denn ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt."
[30:12] Also, dass Paulus so intensiv für Korinth gewirkt hat, das lag daran, dass Gott selbst sich hier dafür eingesetzt hat. Jesus hat ihm explizit befohlen, hier länger zu bleiben, hier wirklich sich zu investieren, weil Jesus hier gesehen hat, hier gibt es sehr viele, die zum Glauben kommen können. Also Jesus selbst war es eigentlich, der diese Gründung der Gemeinde von Korinth entscheidend vorangetrieben hat, indem er Paulus daran gehindert hat, jetzt schnell weiterzugehen.
[30:48] Es heißt ja also weiter in Vers 11. Übrigens, vielleicht noch ganz kurz auch, wir leben heute in einer Zeit, wo wir manchmal den Eindruck haben, es lohnt sich gar nicht mehr so wirklich. Die Menschen sind so verdorben, sie sind so weit weg vom Evangelium. Wie soll man es ihnen überhaupt erklären? Und dann diejenigen, die zwar die Bibel kennen, sind zum Teil in solchen Irrlehren gefangen und und so weit durch Tradition abgebracht, dass sie auch die Botschaft für diese Zeit kaum richtig wahrnehmen und annehmen. Aber uns wird auch auf ähnliche Weise gesagt in Offenbarung 18 und dort in Vers 4: "Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünde teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt." Derselbe Jesus, der dem Paulus gesagt hat, er hat viel Volk in der Stadt Korinth. Er sagt uns heute, dass in Babylon, in der Zeit und in den religiösen Systemen, die wir heute erleben, Jesus viele Nachfolger hat, viele Menschen, die darauf warten, das Licht des vollen ewigen Evangeliums noch zu erfahren und zu sehen. Und in diesem Sinne ist auch die Geschichte von Korinth eine interessante, ein interessantes Vorbild für unsere Endzeitmission. Die Stadt Korinth, dieses große Zentrum, natürlich auch ein gut vergleichbar mit den großen urbanen Zentren unserer Zeit. Immer mehr Menschen leben ja in den großen Städten, wo die Moral so nieder liegt. Da ist also die Arbeit von Paulus in Korinth für uns ein direkter Blueprint sozusagen, eine gute ein gutes Vorbild, wie wir Menschen tatsächlich erreichen können.
[32:29] Also gehen wir zurück zur Apostelgeschichte Kapitel 18 und lesen weiter. Es heißt hier: "Und er, also Paulus, blieb ein Jahr und sechs Monate dort und lehrte unter ihnen das Wort Gottes." Also für die Verhältnisse von Paulus ein recht langer Zeitpunkt. Er macht jetzt Korinth zu seiner Basis und gründet hier wirklich eine sehr fundierte Gemeinde, lehrt anderthalb Jahre das Wort Gottes.
[32:54] Und dann kommt ein interessanter Vers in Vers 12. "Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, also der Provinzstadthalter von dieser südlichen Provinz in Griechenland, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf und führten ihn vor den Richterstuhl." Diesen Gallio kennen wir hier. Hier haben wir eine Inschrift, die sogenannte Delphi-Inschrift, wo er tatsächlich mit Namen erwähnt ist. Hier blau eingekreist. Dort steht auf griechisch Gallio. Das ist tatsächlich dieser Provinzstadthalter. Die ganze Inschrift hier kann man sehen, es ist eine Inschrift eigentlich vom Kaiser Claudius, der hier an diesem Punkt auch seinen Freund und Stadthalter in der Zeile 6 Gallio erwähnt und Delphi natürlich liegt natürlich auch in Griechenland, also deswegen Gallio auch dort zuständig und man kann sogar das Jahr ziemlich genau festlegen oder den Zeitpunkt, wo der Gallio dort Stadthalter war, das waren in den Jahren 51 und 52. Das lässt sich dann also, das ist eine ausgezeichnete chronologische ein Anker sozusagen für das Leben von Paulus, dieses Jahr 51, 52. In dieser Zeit ist er also offensichtlich in Korinth gewesen und damit kann man dann viele andere Ereignisse dann besser datieren oder zumindestens abschätzen. Also Paulus in dieser Zeit, in der noch Claudius Kaiser ist, in Korinth und dieser Gallio, den wir hier aus der Inschrift kennen, der wird jetzt von den Juden angesprochen. Sie bringen den Paulus zu ihm und die Anklage ist interessant.
[34:35] Vers 13: "Und sie sprachen: Dieser überredet die Leute zu einem gesetzwidrigen Gottesdienst." Die jüdische Religion war von den Römern in gewissem Maße, sie war erlaubt. Sie war sozusagen gesetzlich in gewissem Maße geschützt. Die Juden hatten Verzeihung, die Christen hatten allgemein keinen guten Stand im römischen Reich. Dazu gleich noch ein bisschen mehr. Die Römer hatten eigentlich eher den Eindruck, dass es sich dabei um eine politische Bewegung handelt, aber das erklären wir gleich dann noch. Und der Vorwurf gegen die Christen hier bedeutet, dass sie gegen die Gesetze handeln. Und auch das natürlich für uns typologisch interessant, weil das einmal auch ein Vorwurf sein wird, der in der Endzeit uns entgegenschallen wird, dass unsere Anbetung gegen die Gesetze.
[35:21] Vers 14: "Als aber Paulus den Mund öffnen wollte, sprach Gallio zu den Juden: Wenn es sich nun um ein Verbrechen oder eine böse Schändlichkeit handeln würde, ihr Juden, so hätte ich euch vernünftigerweise zugelassen. Wenn es aber eine Streitfrage über eine Lehre oder über Namen oder über euer Gesetz ist, mit anderen Worten, wenn es um eure Religion geht, so seht ihr selbst danach, denn darüber will ich nicht Richter sein." Vom Richterstuhl hinweg. Der Gallio weigert sich quasi Instrument zu werden in dieser Religionsauseinandersetzung. Er ist also sehr viel klüger und standhafter als das Pontius Pilatus war im Prozess gegen Jesus Christus.
[36:07] Und dann passierte was sehr Bemerkenswertes. Vers 17: "Da ergriffen alle Griechen, das heißt also die Nichtjuden, Sosthenes, den Synagogenvorsteher und schlugen ihn." Also offensichtlich Krispus konnte nicht mehr Synagogenvorsteher sein, weil er Christ geworden ist. Jetzt gibt's einen Sosthenes und der wird jetzt geschlagen. Sie schlugen ihn vor dem Richterstuhl und Gallio kümmerte sich nicht weiter darum. Mit anderen Worten, die Juden wollten eigentlich die Christen anklagen, aber der Gallio sagt, damit habe ich nichts zu tun. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich werde mich nicht jetzt vor den Karren spannen lassen, um die Christen zu verfolgen. Die Christen werden sozusagen freigesprochen, wenn man so möchte, oder das wird gar nicht erst verhandelt. Und das führt dazu, dass der Mob, der in der Regel ja meistens sich hat aufstacheln lassen gegen die Christen, sich jetzt gegen die Feinde der Christen hier wendet. Das ist relativ selten vorgekommen, aber es ist hier vorgekommen. Ist ein gewisserweise ein Triumph auch für das gerade sich im Entstehen befinde Christentum hier in Korinth für diese gerade besser gesagt, gerade entstehende christliche Gemeinde.
[37:05] Vers 18: "Nachdem Paulus noch viele Tage dort verblieben war, nahm er von den Brüdern Abschied und segelte nach Syrien, um mit und mit ihm Priszilla und Aquila, nachdem er sich in Kenchrea, das ist der südliche Hafen am Saronischen Golf, ja, den wir gesehen haben, das Haupt hatte scheren lassen, denn er hatte ein Gelübde."
[37:25] Er geht also wieder nach Syrien. Er möchte sicherlich nach Antiochia am Orontes. Eine eigentliche Gemeinde, die ihn ausgesandt hat schon bei der ersten Missionsreise, jetzt auch bei der zweiten und er lässt sich dort ein hier im Hafen auf dem Weg dann nach Ephesus vorher die Haare noch schneiden. Die Geschichte geht dann weiter. Lesen nicht alles aus Zeitgründen, aber in Ephesus lässt er dann Priszilla und Aquila zurück und die treffen dort in Ephesus auf einen rhetorisch hochbegabten Mann namens Apollos. Der kommt aus Alexandria, also aus Ägypten und kennt die Predigt von Johannes dem Täufer. Ist in der Bibel gut bewandert, predigt mit Feuereifer, rhetorisch hochbegabt. Kennt alle noch allerdings noch nicht das gesamte Evangelium. Und so lesen wir dann am Ende der Apostelgeschichte 18, wie Priszilla und Aquila, die jetzt mit Paulus zusammengearbeitet haben, dem Apollos den Weg des Herrn noch genauer erklären.
[38:21] Vers 26: "Als Aquila und Priszilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus." Und es heißt dann: "Als er aber nach Achaia hinübergehen wollte, also in die südliche Provinz Griechenlands, ermunterten ihn die Brüder und schrieben an die Jünger, dass sie ihn aufnehmen sollten. Und als er dort ankam, war eine große Hilfe für die, welche durch die Gnade gläubig geworden waren." Mit anderen Worten, er führt die Arbeit von Paulus jetzt in Korinth weiter. Also, die Korinthergemeinde ist durch Paulus, also durch Jesus entstanden. Paulus war der erste Pionier, der dort gewirkt hat. Diese ganze Episode mit Gallio hat dem sicherlich auch Auftrieb gegeben. Und als Paulus weg war, kommt kurze Zeit später Apollos und wirkt dort weiter.
[39:02] Das heißt Vers 28: "Denn er widerlegte die Juden öffentlich mit großer Kraft, indem er durch die Schriften bewies, dass Jesus der Christus ist." Das führt jetzt aber dazu, dass einige Neubekehrte plötzlich diesen hochbegabten, rhetorisch enorm versierten Apollos sehen, ihn mit Paulus vergleichen und sagen: "Wow, der ist ja noch besser." Und da beginnt etwas, was die nächsten Jahre die Gemeinde Korinth kennzeichnen soll, was dann uns in der nächsten Folge dann, wenn wir Korinther 1, 2 Korinther 1, 2, 3 handeln und uns wieder begegnen wird, nämlich diese Gedanke, dass die Apostel und die Evangelisten jetzt hier in Korinth wirken irgendwie also von den Geschwistern in der Gemeinde unterschiedlich bewertet werden. Der Apollos selbst hat ganz offenbar keine Sympathie dafür gehabt, hat das nicht gefördert. Wir lesen sogar dann im Ende vom ersten Korintherbrief, dass als er Jahre später dann nach Korinth wieder eingeladen worden ist von Paulus, da heißt es hier in Korinther Kapitel 16 Vers 12: "Was aber den Bruder Apollos betrifft, so habe ich ihm viel zugeredet mit den Brüdern zu euch zu kommen, doch er war durchaus nicht bereit jetzt zu kommen. Er wird aber kommen, wenn er die rechte Gelegenheit findet." Der Paulus hat sich dann erstmal, der hat dann auch einige Zeit später Korinth verlassen und hat dann jahrelang sich dort nicht mehr blicken lassen, weil er gemerkt hat, dass sein Talent dort falsch verstanden worden ist, dass er plötzlich ausgespielt worden ist gegen den Paulus. Und es war natürlich gar nicht im Sinne von Apollos. Das wollte er gar nicht. Aber das hat nachgewirkt. Und Apollos hat dann jahrelang damit gewartet, Korinth wieder zu besuchen, um nicht da noch mehr Anlass für zu geben.
[40:42] So ist also das Christentum jetzt hier nach Korinth gekommen. Wir finden für diese Zeit natürlich archäologisch noch kaum Befunde, aber wir können natürlich einiges sagen, wie die Christen jetzt von den Römern und auch den Griechen wahrgenommen worden sind, denn die Römer hatten Verzeihung, die Christen hatten keinen Tempel. Sie hatten Gottesdienste in Privathäusern. Das können wir z.B. sehen, wenn wir den Römerbrief uns anschauen, der ja dann etwas später, ein paar Jahre später aus Korinth geschrieben wird. Da heißt es hier in Römer 16 Vers 23: "Es grüßt euch Gaius, der mich und die ganze Gemeinde beherbergt." Also, da gibt es Hausgottesdienst, das ist für die Römer ganz seltsam. Es gibt auch bei den Christen kein Götterbild, dass man irgendwie sehen könnte, es gibt kein Opferritual, da wird nichts geschlachtet oder so. Es gibt keine Priester. Und wie schon am vorhin erwähnt, haben die Römer am Anfang auch gar nicht so den Eindruck, dass die Christen eine Religion sei, sondern viel mehr die politischen Anhänger des Christos, des Christus. Deswegen werden sie Christiani genannt, die Anhänger von Christus. Und das ist so ein Begriff, der eigentlich eher so politische Anhänger bezeichnet, weil die Römer ja missverständlich glauben, Jesus sei gekreuzigt worden, weil er einen Aufstand, eine Rebellion in Judäa angezettelt hätte als König der Juden, wie er über seinem Kreuz auch stand. So haben viele Römer den Eindruck, er hätte dort einfach ein Königreich errichten wollen und die Christen seien halt seine politischen Anhänger.
[42:23] Wenn man hier in Römer 16 dann noch weiterliest, Vers 23, findet sich noch eine interessante Bemerkung. Es heißt nämlich auch: "Es grüßt euch Erastus, der Stadtverwalter." Ein Mitglied der Gemeinden in Korinth hatte offensichtlich ein sehr hohes Amt, der Stadtverwalter, das war wohl der Stadtkämmerer, ein Mitglied der Oberschicht. Und es gibt interessanterweise sogar eine Inschrift aus Korinth, die nach Einschätzung der Experten wohl in die Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus datiert. Und dort steht, ich habe das den Namen Erastus hier rot etwas markiert. Wenn man ein bisschen genau hinschaut, kann man auch das erkennen. Das ist Latein Erastus proedile idilitate sua pecunia stravit. Also Erastus hat anlässlich seiner Wahl zum Ädil, also es ist dann ein Amt natürlich in der römischen Ämterlaufbahn, aus eigenen Mitteln das Pflaster legen lassen. Wir wissen natürlich nicht, ob das der Erastus gewesen ist, aber das ist nicht unmöglich, dass jemand, der ein solches Amt hatte, auch das Amt des Ädils mal gehabt hatte, ist dann gewählt worden. Wir wissen nicht, ob das davor oder danach gewesen ist, kann man alles nicht genau belegen, aber das zeigt noch mal, gibt's einen Hinweis darauf, dass auch schon in frühster Zeit es immer wieder auch Leute aus der absoluten Oberschicht, aus den politisch höchsten Zirkeln gab, die dann auch vereinzelt Christen geworden sind, wie dieser Erastus, der als Stadtverwalter muss ein hohes Amt gehabt haben, unabhängig davon, ob es derselbe ist wie in dieser Inschrift oder nicht.
[44:08] Was die Römer auch sicherlich bemerkenswert fanden, ist die Tatsache, dass die Christen alle Geschwister waren. Sie waren alle Brüder, sie waren alle Schwestern, egal in welcher sozialen Rolle sie sich fanden. Und wenn dort ein Stadtverwalter kam und ein Sklave, die waren beide an Christus gläubig, dann waren sie im Gottesdienst, untereinander waren sie Bruder und Schwester. Paulus hat immer wieder auch dazu geraten, trotzdem außerhalb der Gemeinde im Alltag trotzdem diese sozialen Schichten jetzt nicht rebellisch in Frage zu stellen. Die Sklaven sollten in ihrem Stand bleiben, aber die Gemeinde selbst hat ein viel höheres Ideal vorgelebt. Egal aus welcher Schicht man kam, in der Gemeinde waren sie alle gleich.
[44:54] Interessanterweise lesen wir in Römer 16 auch in Vers 1 und 2. Dort heißt es: "Ich empfehle euch aber unsere Schwester Phöbe, die eine Dienerin der Gemeinde in Kenchrea ist." Das ist also der Hafen von Korinth, wo sich Paulus das Haupt hat scheren lassen. Und da gewinnen wir jetzt den Eindruck, dass es möglicherweise sogar verschiedene Gottesdienstgruppen in Korinth gegeben hat. Also eine z.B., wo der Gaius die ganze Gemeinde hier beherbergt hat, dann eine andere Gottesdienstgruppe in Kenchrea, was ja eigentlich technisch auch zu Korinth gehört. Das könnte also durchaus zeigen, dass die Christen sich dann auch schon auf verschiedene Gruppen im Stadtgebiet aufgeteilt haben.
[45:37] Wie kam es jetzt also zum ersten Korintherbrief? Wir sind mittlerweile ein paar Jahre später, nachdem das Evangelium in Korinth Fuß gefasst hat. Wir sind in der sogenannten dritten Missionsreise des Paulus, die wieder von Antiochia durch Kleinasien führt und dann ist er eine längere Zeit, um genau zu sein, sogar 3 Jahre in Ephesus. Und offensichtlich wird der erste Brief an die Korinther gegen Ende dieser Zeit in Ephesus geschrieben im ersten Korintherbrief Kapitel 16 und dort Vers 8 wird das deutlich, wenn er sagt hier: "Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben." Also da ist er noch in Ephesus, aber es ist schon ein Ende abzusehen. Gegen Ende dieses dreijährigen Aufenthaltes befindet sich, wird dieser Brief geschrieben, dass je nachdem, wie man die chronologischen Daten von Paulus dann annimmt, das würde unseren Rahmen hier sprengen, aber man kann diesen Brief ca. auf das Frühjahr 57 nach Christus datieren. Da sind wir also tatsächlich ungefähr 5 Jahre, nachdem er dort zum ersten Mal in Korinth gewesen ist.
[46:55] Nun, dieser Brief ist gar nicht der erste Brief gewesen, den Paulus geschrieben hat. Es ist also die Bezeichnung vielleicht ein bisschen irreführend. Man müsste eigentlich genau sagen, es ist der erste noch erhaltene Brief an die Korinther, denn wir wissen aus 1. Korinther Kapitel 5 Vers 9, wo er sagt: "Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt." Es scheint also einen Brief schon vorgegeben zu haben. Er sagt nicht in dem und dem Brief, sondern in dem Brief.
[47:24] Rein chronologisch wäre also der erste Korintherbrief, sogar der zweite und der heutige zweite, der dritte Brief an die Korinther. Nur den ersten haben wir nicht, der ist nicht überliefert worden. Wir können aber zumindestens etwas sagen über diesen offensichtlich vielleicht eher kurzen Brief hier. Es heißt in Korinther 5 Vers 9: "Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt." Die Gemeinde war ja in einer moralisch enorm verdorbenen Stadt. Und wie wir dann auch noch sehen werden, waren etliche Geschwister wieder in alte sündige, pagane, heidnische Praktiken zurückgefallen. Paulus hatte sie entsprechend schon gewarnt.
[48:07] Und auch die Korinther hatten ihm bereits geschrieben. Sehen wir aus 1. Korinther 7 Vers 1. Dort lesen wir: "Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es ja gut für den Menschen, keine Frau zu berühren." Sie hatten wohl eine Reihe von Fragen geschrieben, auf die der Paulus dann hier auch im ersten Korintherbrief ausführlich eingeht. Aber was sie in diesem Brief nicht geschrieben hatten, war der wahre Zustand der Gemeinde, denn er sagt dann selber in 1. Korinther 1, Vers 11: "Mir ist nämlich meine Brüder durch die Leute der Chloe bekannt geworden, dass Streitigkeiten unter euch sind." Paulus hat sicherlich einiges befürchtet, aber es hatte nicht Gott ihm offenbart, sondern er hat hier tatsächlich durch Gemeindeglieder aus Korinth, die dann in Ephesus gewesen sind, erfahren, wie es wirklich um die Gemeinde in Korinth steht, dass es wirklich dramatisch um sie steht und dass viele abgefallen sind bzw. dass es dort viel Parteigeist gibt und interne Streitigkeiten. Und Paulus entscheidet sich aber nicht sofort nach Korinth zu gehen, um dort jetzt nach dem Rechten zu sehen. Er hat ja noch einige andere Dinge vor auf dieser dritten Missionsreise, sondern er sendet zunächst einen Mitarbeiter und zwar den Titus. Das ergibt sich dann aus dem zweiten Korintherbrief Kapitel 7 Vers 6, wo es heißt: "Aber Gott, der die geringen tröstet, er tröstet uns durch die Ankunft des Titus und nicht allein durch seine Ankunft, sondern auch durch den Trost, den er bei euch empfangen hatte. Als er uns berichtete von eurer Sehnsucht, eurer Klage, eurem Eifer für mich, da freute ich mich noch mehr." Also zwischenzeitlich hatte dann Paulus den Titus losgesandt, um erstmal zu sehen, wie es dort in Korinth jetzt wirklich aussieht. Der sollte also offenbar auch den Weg bereiten für das spätere Eintreffen von Paulus, was er sich vorgenommen hatte, um dann auf der dritten Missionsreise gegen Ende auch Korinth noch einmal zu besuchen.
[50:07] Paulus sendet also den Titus, aber er macht noch mehr. Er schreibt einen Brief und zwar einen seiner längsten und gewichtigsten Briefe überhaupt. Ein Brief, von dem wir enorm viel lernen können und den die nächsten Wochen uns jetzt intensiv beschäftigen wird, nachdem wir so ein bisschen verstehen, warum es diesen Brief gibt, was da los ist in Korinth. Und wir können auch verstehen, warum es dem Paulus so ein Herzensanliegen ist, weil er weiß, diese Gemeinde ist nicht zufällig entstanden. Ist entstanden, weil Jesus selbst ihn motiviert hat, dort mehr Zeit zu verbringen, sich dort einzusetzen. Und deswegen weiß er, da kann es nicht Gottes Wille sein, dass nach einigen Jahren des Aufblühens jetzt alles wieder im Sumpf der Unmoral und der Streitigkeiten zugrunde geht. Er möchte diese Gemeinde, die er begonnen hat und die auch viel Gutes empfangen hat, auch von Apollos. Er möchte sie nicht irgendwelchen Irrlehrern, irgendwelchen Streithähnen überlassen. Er schreibt einen Brief und damit wird dieser Korintherbrief, dieser erste Korintherbrief auch ein Muster für uns. Was passiert, wenn eine Gemeinde, die wir gern haben, die wir lieb gewonnen haben, wo Gott offensichtlich gewirkt hat, wenn die anfängt zurückzufallen, wenn Geschwister wieder im Glauben schwach werden, wenn sie sich der Welt zurückwenden, wenn sie der Welt zuwenden, wenn sie in Streitigkeiten sich verhaken und es nicht mehr vorangeht, was dann tun, wenn man vielleicht verzweifelt und sagt, Gott hat doch so viel für euch getan. Das, was der Paulus den Korinthern redet, ist oft ziemlich eins zu eins genau das, was auch wir in solchen Situationen brauchen. Wir müssen diesen Brief wirklich gut studieren, weil vieles von dem, was wir dort finden werden, wenn auch nicht im einzelnen Detail, weil natürlich wir 2000 Jahre später leben, aber vom Prinzip her und von den geistlichen Hintergründen genau das gleiche erleben.
[51:56] Und in diesem Sinne wollen wir uns anschauen, zumindestens heute noch, was die ersten Verse auch sagen. Paulus hat all das jetzt gehört. Er mit all dem, was er weiß und was Gott ihm auch offenbart hat, mit all dem, was er selbst erlebt hat, er beginnt diesen Brief, diesen emotionalen Brief. Er wird ja viel gebetet haben und geweint haben um diese Gemeinde. Er beginnt ihn mit folgenden Worten:
[52:15] "Paulus, berufener Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen und Sosthenes, der Bruder, an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, an die Geheiligten in Christus Jesus, an die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, sowohl bei ihnen als auch bei uns. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus."
[52:54] Paulus nennt sich hier berufener Apostel Jesu Christi, wie wir das auch dann im Römerbrief tun wird, durch den Willen Gottes. Er macht deutlich, ich bin nicht aus eigener Kraft gekommen. Er sagt das immer wieder auch dann im zweiten Korintherbrief, Epheser, Kolosser, Timotheus, um zu betonen, Gott hat mich gesandt, ich bin Apostel, weil Gott es möchte. Der Sosthenes hier ist höchstwahrscheinlich nicht derselbe Sosthenes, der in Apostelgeschichte 18 vor dem Richterstuhl des Gallio geschlagen worden ist. Sosthenes ist ein relativ häufig anzutreffender griechischer Name. Wir haben aber sonst keine weiteren Informationen über ihn und können nicht viel mehr über ihn sagen. Es ist die Gemeinde Gottes. Es sind die Geheiligten, sagt er, in Christus Jesus.
[53:45] Immer wieder betont er die Heiligkeit hier, nicht, weil er der Meinung ist, dass diese Gläubigen tatsächlich alle wirklich in ihrem Leben Heiligkeit reflektieren, sondern weil das eigentlich das Ziel ihres Glaubens ist, was sie eigentlich durch Bekenntnis, durch ihre Taufe in Anspruch genommen haben. Er erinnert sie gewissermaßen an den Standard, den sie eigentlich in der Welt haben sollten. Gott hat uns zur Heiligkeit berufen. 1. Thessalonicher 4, Vers 7. 2. Timotheus 1,9. Gott hat uns mit einem heiligen Ruf gerufen aufgrund seiner Gnade. Und 1. Petrus 1, Vers 15, 16. Gott, der uns berufen hat, ist heilig, also sollen auch wir heilig sein. Wir werden sehen, eines der Themen ist ja, wenn ich jetzt Christus nachfolge, wie lebe ich dann im Alltag und schon von Anfang an und er betont das, er sagt, ihr sollt geheiligte sein. Ihr sollt, ihr seid Heilige in Christus Jesus.
[54:45] Das heißt dann hier, sowohl bei ihnen als auch bei uns, man kann auch anders übersetzen, sowohl der ihre als auch der unsere, dann ist die Idee, Jesus ist der Herr von allen. Und diese Grußformel in Vers 3, die kennt man ganz oft bei Paulus, genauso wie hier wörtlich kommt sie auch im Römerbrief vor, Epheser, Philipper, Kolosser, im ersten und zweiten Thessalonicherbrief. Übrigens, die Thessalonicherbriefe sind ja aus Korinth geschrieben worden, als Paulus das erste Mal in Korinth gewesen ist und auch im Philemonbrief und fast identisch in Galater und ähnlich in den Timotheus und dem Titusbrief.
[55:21] Und dann kommt das, was Paulus eigentlich fast immer in seinen Briefen auch tut. Er beginnt mit einem Dank. Er hat hier eine Liste von Problemen. Die Gemeinde ist wirklich in einer schwierigen Notlage, aber Paulus, und das sollte uns zu denken geben, wenn wir auch mit Problemen in der Gemeinde zu kämpfen haben. Paulus dankt zuallererst.
[55:41] Vers 4: "Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus gegeben ist." Weil Gott in Jesus dieser Gemeinde Gnade geschenkt hat, gibt es Grund zu danken. Auch wenn manch schief läuft, auch wenn es Streit gibt, auch wenn einige in der Gemeinde sich der Welt zuwenden. Es gibt trotzdem Grund zu danken, dass Gott in Jesus dieser Gemeinde Gnade geschenkt hat. Ich danke meinem Gott immer wieder, ist es ein Thema bei Paulus.
[56:11] Er sagt dann weiter, Vers 5: "dass ihr in allem reich gemacht worden seid, in ihm, in allem Wort und in aller Erkenntnis." Wenn wir schon im Hinterkopf haben, was er dann im weiteren ersten Kapitel alles schreibt über die Streitigkeiten, ist klar. Er möchte von Anfang an den Gläubigen deutlich machen: Alles, was ihr seid, alles, was ihr habt, alles, was euch wichtig ist, kommt von Christus. Alles Wort, alle Erkenntnis, aller Reichtum, aller geistliche Reichtum ist nur in Christus zu finden. Es ist Gottes Geschenk. Allein, wenn wir die Bibel richtig verstehen, wenn wir tiefe Erkenntnis haben, dann ist es liegt das nicht an uns. Es liegt nicht an unserer Begabung, es liegt nicht an irgendwelche besonderen Ausbildung. Das liegt ein Geschenk Gottes und das entzieht eigentlich der ganzen Streitkultur, die dann ab Vers 10 besprochen wird, die wir in der nächsten Woche uns anschauen werden. Das entzieht dem allen den Boden. Denn wenn wir alles von Gott geschenkt haben, wenn Christus unser Lehrer ist, dann können wir nicht mehr Menschen gegenseitig ausspielen und erhöhen.
[57:16] Vers 6: "wie denn das Zeugnis von Christus in euch gefestigt worden ist." In der Offenbarung gibt es auch das Zeugnis Jesu. Offenbarung 1, Vers 2. Und damit ist in Offenbarung 19, Vers 10 der Geist der Weissagung gemeint. Und wir wissen auch aus den späteren Kapiteln, dass der Geist der Weissagung in der Gemeinde Korinth präsent gewesen ist. Da gibt es die prophetische Gabe. Durch diesen Geist der Weissagung führt Jesus ja seine Gemeinde in alle Wahrheit, in alle Erkenntnis. Das Zeugnis Jesu ist in euch bestätigt worden. Es gibt dort tatsächlich, sie haben das Wort Gottes, die Bibel, aber sie haben auch den Geist der Weissagung. Deswegen erneut eine interessante Parallele auch in unsere Zeit, die wir als Gemeinde der Übrigen ebenfalls den Geist der Weissagung haben.
[58:09] Vers 7: "sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gnadengabe, während ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus erwartet." Das heißt, alle Gnadengaben sind vorhanden und wir werden das noch sehen. Im Korintherbrief ist auch die Frage dann, wie man diese Gnadengaben richtig einsetzt und wie man dort das Chaos verhindert. Auch der Geist der Weissagung und sie haben eine lebendige Erwartung auf die Wiederkunft. Wir sehen also, der Geist der Weissagung ist präsent. Alle Gnadengaben sind präsent. Es gibt eine Erwartung der Wiederkunft Jesu. Die Parallelen zu unserer Gemeinde heute sind erstaunlich groß. Und wenn man die erst einmal erkannt hat, auch die ganze Idee, die wir am Anfang früher besprochen haben, dass Jesus Paulus daran erinnert, er soll hier bleiben, weil es hier viele Menschen gibt, die zu Christus finden sollen mit dem Vergleich zu Offenbarung 18, dann sehen wir das Studium der Korintherbriefe ist wirklich für die Endzeitgemeinde absolut wichtig und interessant.
[59:07] Vers 8: "Der euch auch festmachen wird bis ans Ende, sodass ihr unverklagbar seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus." Jesus selbst wird die Gemeinde festigen. Paulus weiß, auch die Probleme, die es jetzt in der Gemeinde gibt, kann nicht Paulus lösen. Auch Titus kann sie nicht lösen und auch Apollos würde sie nicht lösen können, sondern die Schwachen, die jetzt im Glauben wieder zurückweichen, die kann nur Christus festmachen. Diejenigen, die durch Streitigkeiten sich auseinanderdividieren, die kann nur Christus wieder zusammenbringen. Auf den Tag Jesu hin vorbereitet werden, kann man nur durch Jesus. Er wird euch festmachen, stärken. Der Geist der Weissagung ist der Gemeinde befestigt. Er ist bestätigt worden. Auch die Gläubigen sollen festgemacht, bestätigt werden.
[1:00:01] Wenn man diese Verse miteinander vergleicht, da gibt es eine ganz interessante Parallele. Wir haben im Sendemanuskript das hier sogar farblich dargestellt. Könnt ihr einmal euch dann zu Gemüte führen, wie sehr das, wie Paulus das hier schön zusammenkomponiert hat, wie das Zeugnis des Christus, der Geist der Weissagung, als auch die persönliche Erfahrung, wie das hier parallel zueinanderläuft. Und das zeigt auch, welche besondere Bedeutung der Geist der Weissagung dafür hat, dass wir selbst auch am Ende unverklagbar dastehen. Dieses Wort unverklagbar kann übersetzt werden mit vorwurfsfrei, unbescholten, unsträflich, untadelig. Ein Gedanke, den wir im Neuen Testament immer und auch im Alten natürlich, aber bei Paulus immer und immer wieder finden, dass Gott uns untadelig, unsträflich, unverklagbar machen möchte. Paulus hat das Evangelium nie als ein Hamsterrad empfunden, wo man einfach sich anstrengt, aber sowieso nie überwinden kann, nie als nur eine Absichtserklärung ohne Wirkung. Nein, das Evangelium bewirkt, dass Menschen, die jetzt wie die Korinther vielleicht wieder einen Schritt zurückgemacht haben, Menschen, die sich verrannt haben, die Sackgasse geistlich gelaufen sind, dass sie, wenn sie Christus erneut für sich in Anspruch nehmen, dass sie nicht nur Heilung finden, nicht nur Vergebung finden, sondern dass sie so auf die Wiederkunft vorbereitet werden, dass bei der Wiederkunft sie unverklagbar sein werden. Nicht, weil sie so gut sind, sondern weil Christus in ihnen ist. Nicht, weil sie sich so toll angestrengt haben und Gott überzeugt haben, sondern weil sie mit dem allmächtigen Gott zusammengearbeitet haben. In Christus werden sie unverklagbar.
[1:01:37] Und dass das wirklich Gottes Wirken ist, das wird in Vers 9 und damit enden wir heute deutlich. "Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn." Wenn wir das Gefühl haben, wir können es nicht schaffen, sollen wir wissen, Gott ist treu. Wenn wir das
[1:01:56] Gefühl haben, die Gemeinde ist zu weit abgefallen, dürfen wir wissen, Gott ist treu. Wenn wir das Gefühl haben, wir haben uns geistlich verrannt, wir haben uns in Streitigkeiten verhakt, wir finden nicht mehr zueinander, dürfen wir wissen, Gott ist treu. Er möchte nicht nur die Gemeinde Korinth wieder neu beleben und zusammenbringen und wieder auf den rechten Pfad bringen. Er möchte auch unsere Gemeinde, unser Leben, mein Leben, mein Herz neu beleben. Er möchte mit seiner Treue auch uns festmachen.
[1:02:25] Auch wir dürfen vom Geist der Weissagung profitieren, vom Zeugnis Jesu. Auch wir haben die Gnade Gottes empfangen. Auch wir sind reich gemacht worden in aller Erkenntnis und in allem Wort. Mögen wir die Treue Gottes in unserem Leben, in meinem Leben, in deinem Leben erkennen, damit wir in unserer Gemeinschaft mit Jesus unverklagbar werden. Gott hat uns berufen zu einer Gemeinschaft mit Jesus.
[1:02:53] Mit diesen so positiven, so hoffnungsvollen, so aufbauenden Worten beginnt Paulus einen Brief, in dem es an Tadel nicht fehlen wird. Aber Paulus weiß, aller Tadel kann nur seine Wirkung erzielen, wenn er wirklich in der Liebe Jesu gegründet ist und mit Hoffnung und mit Zuversicht und mit einem Blick in die herrliche Zukunft getränkt ist. Wenn wir die Aufgabe haben, Menschen zurückzuführen, die vom Glauben abgefallen sind, die in die Welt zurückgefallen sind, die in Streitigkeiten sich auseinander dividieren, dann müssen wir von Paulus lernen. Paulus hat sehr deutlich den Finger in die Wunde gelegt. Wir werden das noch sehen, sowohl im ersten als auch im zweiten Korintherbrief. Aber er beginnt all das mit wundervollen Worten, die deutlich machen: In Christus haben wir alles, was wir brauchen. Gott ist treu und Jesus, er wird dafür sorgen, nicht nur, dass die größten Probleme überwunden werden, nicht nur, dass die schwierigsten Dinge angesprochen werden, sondern er wird dafür sorgen, dass wir unverklagbar gemacht werden und dann, wenn Jesus wiederkommt, ihm entgegen können ohne Makel, ohne Tadel, weil seine Gerechtigkeit uns angerechnet und verliehen worden ist.
[1:04:18] Ein anderer biblischer Schreiber hat es einmal so ausgedrückt, der Judas. Er sagte am Ende seines kurzen Briefes: "Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unstreflich mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen, dem allein weisen Gott und zum Retter gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit. Amen."
[1:04:48] Möchtest du dich heute dafür entscheiden, die Briefe an die Korinther neu zu studieren und darin Gottes Wirken auch in deinem Leben zu erkennen? Möchtest du dich entscheiden, Christus allein zu folgen, ganz egal, in welcher Welt wir leben, ganz egal, in welchen Umständen wir leben, dass wir die Lektionen aus dem Korintherbrief für uns persönlich in Anspruch nehmen und diese eine Lektion heute schon mitnehmen, dass Jesus aufgrund der Treue Gottes uns unverklagbar machen kann bis zu dem Tag, wenn er wiederkommt? Ist dein Wunsch? Dann wollen wir noch mit einem Gebet enden.
[1:05:25] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du in deinem Wort zu uns gesprochen hast. Herr, danke, dass wir wissen dürfen, auch wenn wir nach tollem Start vielleicht im Glauben schwach geworden sind, lau geworden sind, zurückgefallen sind in die Welt, wenn wir uns in Menschlichkeiten und Streitigkeiten verstrickt haben, dass du uns nicht aufgibst. Du sagst nicht, na ja, es war ein guter Versuch, aber jetzt geh wirklich woanders hin. So wie Paulus mit viel Herzblut versucht hat, die Gemeinde Korinth zu reformieren und wieder dorthin zu bringen, wo sie einmal war und noch weiter. So möchtest du dasselbe für uns tun. Und Herr, wir möchten das in unserem Leben erleben. Wir möchten die Erweckung und Reformation unserem Leben tatsächlich für uns in Anspruch nehmen. Und wir glauben, dass in Jesus wir unverklagbar gemacht werden können bis auf den Tag. Und wir danken dir für den Geist der Weissagung. Wir danken dir für dein Wort. Wir danken dir für all das, was du tust und am meisten für deine Treue. Im Namen Jesu. Amen.
[1:06:31] Nächste Woche wollen wir dann, nachdem wir heute vor allem auch den historischen Hintergrund uns angeschaut haben, so richtig loslegen mit den Korintherbriefen. Wir werden dann uns in Vers 10 weitermachen und das restliche erste Kapitel, das zweite und das dritte Kapitel anschauen und dabei ungeheuer interessante Dinge lernen: das Verhältnis von Wissenschaft und Glaube, über die wahre Weisheit und was echte biblische Theologie bedeutet und vieles anderes mehr, was für unseren Alltag von enormer Bedeutung sein wird. Gott segne euch bis dahin und ich freue mich, wenn wir uns dann wiedersehen. Gott mit euch. Amen.
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