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In dieser Folge der Christ Study Hour tauchen wir in die Kapitel 8 bis 10 des zweiten Korintherbriefs ein. Christopher Kramp beleuchtet dabei, dass es bei der Unterstützung des Werkes Gottes weit mehr als nur um Finanzen geht: Es ist ein Aufruf zu echter Hingabe, Opferbereitschaft und tiefer Liebe zu Gott.


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Serie: Christ Study Hour – Spezial 2026 - Q3: Die Korintherbriefe

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Transkript

[0:33] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer möchten wir alle Zuschauer auch auf dem Sender das Wort ganz recht herzlich begrüßen zu einer neuen Folge unserer Spezialserie über die beiden Korintherbriefe. Heute wollen wir einen neuen Abschnitt im zweiten Korintherbrief beginnen. Es wird ums Geld gehen, aber eigentlich geht es gar nicht ums Geld, sondern um die Einstellung dem Werk Gottes gegenüber, über die Bereitschaft, Gottes Gemeinde zu unterstützen. Es geht um Hingabe, um Haushalterschaft, um Opferbereitschaft und vor allem um Liebe zu Gott und zu seinem Werk. Wir wollen uns heute mit 2. Korinther 8, 9 und 10 beschäftigen. Und bevor wir uns dort hineinbegeben, möchten wir Gott einladen, unser Studium zu segnen und unser Lehrer zu sein. Lasst uns gemeinsam beten.

[1:30] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du in deinem Wort zu uns persönlich sprichst. Wir möchten dich bitten, dass wir von deinem Geist geführt werden, dass du uns das zeigst, was für mich und für uns alle persönlich das ist, was wir verstehen müssen und was in unserem Herzen ja tiefe Wurzeln schlagen soll. Wir möchten dich von ganzem Herzen bitten, dass du uns mit deinem Heiligen Geist erfüllst und dass, wie du es versprochen hast, dein Wort nicht leer zurückkehren wird, sondern ausführen wird, wozu du es gesandt hast. Hab Dank dafür im Namen Jesu. Amen.

[2:13] 2. Korinther 8, Vers 1. Wie gerade schon erwähnt, beginnt hier ein neuer Abschnitt, nachdem Paulus in den Kapiteln vorher auch viel über das Wesen des Aposteldienstes gesprochen hat und auch erzählt hat, wie es ihm ergangen ist im Warten auf die Antwort aus Korinth und dann die Freude über deren gute Aufnahme des ersten Korintherbriefes. Jetzt in Kapitel 8, Vers 1 geht ein neuer großer Abschnitt los. Es heißt hier in Vers 1: "Wir wollen euch aber, ihr Brüder, von der Gnade Gottes berichten, die den Gemeinden Mazedoniens gegeben worden ist." Paulus ist ja von Ephesos nach Troas, dann erst durch die nordgriechische Provinz Makedonien gezogen, bevor er dann sich auf den Weg nach Korinth gemacht hat. Und jetzt hier in Mazedonien in der Provinz hat er erlebt, wie sehr die Gemeinden dort sich für die Gabensammlung eingesetzt haben. Er berichtet, dass diese Gnade Gottes sich darin zeigt, dass die Geschwister in Gemeinden wie Philippi und Beröa und wie diese Gemeinden in Makedonien alle heißen, dass die bereit sind, etwas für die Gläubigen in Jerusalem zu geben.

[3:34] Vers 2: "In einer großen Prüfung der Bedrängnis hat ihre überfließende Freude und ihre tiefe Armut die Schätze ihrer Freigebigkeit zutage gefördert." Die Gebefreudigkeit der Gemeinden in der Provinz Makedonien ist deswegen so bemerkenswert, weil die Gemeinden dort in einer Bedrängnis sind. Sie werden von äußerlichen Schwierigkeiten bedrängt und ihnen geht es finanziell im Allgemeinen nicht gut. Und man würde ja denken, wenn Gemeinden finanziell arm sind und dann sowieso noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, dass da nicht viel zu holen ist. Aber Paulus sagt, gerade das hat gezeigt, welche geistliche Einstellung der Freigebigkeit dort herrscht.

[4:14] Vers 3: "Denn nach ihrem Vermögen, ja, ich bezeuge es, über ihr Vermögen hinaus, waren sie bereitwillig." Sie haben also mehr gegeben, als man eigentlich hätte in ihrer Situation erwarten können. Vers 4: "Und sie baten uns mit vielem Zureden, dass wir die Liebesgabe und ihre Gemeinschaft am Dienst für die Heiligen annehmen sollten." Offensichtlich haben sie Paulus regelrecht gedrängt, der offensichtlich auch verstanden hat, dass die Geschwister hier mehr geben, als sie das eigentlich theoretisch könnten. Sie haben ihn regelrecht gedrängt, diese überreiche Spende auch wirklich anzunehmen.

[4:50] Vers 5: "Und sie gaben nicht nur so, wie wir es erhofften, sondern sich selbst gaben sie hin, zuerst dem Herrn und dann uns durch den Willen Gottes." Die Christen dort haben nicht einfach eine Pflicht erfüllt, sondern es war ein Ausdruck einer völligen Lebensübergabe. Zuerst eine Lebensübergabe an Gott, wie es hier heißt. Sie gaben sich selbst hin, zuerst dem Herrn und dann uns. Also auch eine Hingabe an das Werk Gottes, so wie es Paulus vorantreibt. Also eine Hingabe an Gott und dann eine Hingabe an das Werk Gottes, das durch Leute wie Paulus gefördert wird. Und wenn wir echte Hingabe haben, dann wird sich das immer in diesen beiden Bereichen zeigen. Zuerst in unserer Hingabe an Gott selbst und dann aber auch in unserer Hingabe an das Werk Gottes, das durch Menschen, die vom Geist geführt werden, vorangebracht wird.

[5:51] Vers 6: "Sodass wir Titus zuredeten, dieses Liebeswerk, wie er es angefangen hatte, nun auch bei euch zu vollenden." Also offensichtlich hat der Titus unter diesen nordgriechischen Gemeinden mit sehr viel Erfolg gewirkt, die Geschwister zu echter Hingabe an das Werk Gottes motivieren können. Die Idee ist also offensichtlich, dass Paulus in den Gemeinden gewesen ist, die Gaben eingesammelt hat und Titus offensichtlich schon im Voraus jeweils die Gemeinden besucht hat und entsprechend dort für diese Sammlung auch geworben hat. Und Paulus hat jetzt diese Idee gehabt, dass Titus auch nach Korinth geht, um diese Arbeit dort auch weiter zu tun. Er war ja schon in Korinth gewesen, hatte die Nachricht dann von der guten Aufnahme des ersten Korintherbriefes an Paulus weitergegeben. Und jetzt sendet ihn Paulus quasi noch einmal zurück mit der speziellen Aufgabe, die Sammlung vorzubereiten als Vorhut sozusagen seines baldigen Erscheinens.

[6:53] Vers 7: "Aber wie ihr in allem reich seid, im Glauben, im Wort, in der Erkenntnis und in allem Eifer sowie in der Liebe, die ihr zu uns habt, so möge auch dieses Liebeswerk bei euch reichlich ausfallen." Dieser Vers erinnert an 1. Korinther 1, Vers 5, wo Paulus ganz am Anfang geschrieben hat, dass er Gott dafür dankt, dass ihr in allem reich gemacht worden seid in ihm, in allem Wort und in aller Erkenntnis. Die Korinther haben, obwohl sie eine relativ neue Gemeinde waren, eine gute Bibelkenntnis gehabt. Sie haben theologisch sehr viel verstanden. Sie haben echten Glauben gehabt und sie haben – und das zeigt ja das siebte Kapitel vom zweiten Korintherbrief, das wir das letzte Mal studiert haben – sie haben auch einen echten Eifer für Paulus dann wieder entwickelt, haben sich korrigieren lassen, haben das Wort, das zu ihnen gesprochen worden ist vom Heiligen Geist letztlich durch Paulus durch den ersten Korintherbrief, angenommen.

[7:54] Sie haben, wie es in 2. Korinther 7, Vers 11 heißt: "Denn siehe, wie viel ernstes Bemühen hat dies bei euch bewirkt, dass ihr in Gott gewollter Weise betrübt worden seid. Dazu Verantwortung, Entrüstung, Furcht, Verlangen, Eifer, Bestrafung." Ihr habt in jeder Hinsicht bewiesen, dass ihr in der Sache rein seid. Und Paulus' Punkt ist jetzt: Da ihr so viel theologisches, biblisches Wissen erworben habt und da ihr auch in der Beziehung zu mir euch bekehrt habt und euch habt korrigieren lassen und einen solchen Eifer für mich habt, lasst jetzt auch eure Bereitschaft zur Spende sozusagen proportional zu eurem geistlichen Zustand, zu eurem Bibelwissen und zu eurer Bereitschaft mit mir zusammenzuarbeiten ausfallen. Paulus möchte, dass wir entsprechend unserer geistlichen Erkenntnis und entsprechend unserer Begeisterung für das Werk Gottes auch es finanziell unterstützen.

[8:58] Vers 8: "Ich sage das nicht als Gebot, sondern um durch den Eifer anderer auch die Echtheit eurer Liebe zu erproben." Paulus fordert keine große Spende, wir werden das noch im weiteren Verlauf sehen, sondern er will sehen, wie groß die Liebe der Korinther für ihre Mitgeschwister in der Welt ist. Er hält ihnen vor Augen, wie andere Gläubige sich in diesem Fall verhalten. Vers 9: "Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet." Der Kern aller Opferbereitschaft, auch beim Geldgeben für das Werk Gottes, der Kern von allem ist das Vorbild von Jesus, der für uns alles aufgegeben hat. Paulus wird später im Philipperbrief in Kapitel 2 ab Vers 5 sagen: "Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen." Und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz.

[10:28] Jesus hat alles aufgegeben, damit wir, du und ich, damit wir Leben haben können. Und Paulus erinnert die Gläubigen in Korinth und auch uns dadurch daran, dass wenn wir vor der Frage stehen, wie sehr sollen wir Gottes Werk unterstützen, die uns immer daran erinnern, dass wir überhaupt nur geistlich reich gemacht worden sind, weil Jesus für uns die absolute Armut gewählt hat.

[11:00] Vers 10 und 11: "Und ich gebe hierin einen Rat. Es ist gut für euch, weil ihr nicht nur das Tun, sondern auch das Wollen seit vorigem Jahr angefangen habt, dass ihr jetzt auch das Tun vollbringt, damit der Bereitschaft des Willens auch das Vollbringen entspricht aus dem, was ihr habt." Paulus weiß, dass er die Korinther nicht erst prinzipiell überzeugen muss, überhaupt etwas zu spenden. Sie haben sich längst vorgenommen, eine große Spende für Jerusalem zu geben. Er hat ja schon auch im ersten Korintherbrief in Kapitel 16 einen Plan gesagt, wie sie systematisch Geld ansparen sollten, indem sie an jedem Sonntag sich Geld zurücklegen. Aber er weiß auch, dass manchmal unsere guten Vorsätze nicht umgesetzt werden. Ist dir das auch schon so gegangen? Du hast gesagt, ich werde auf jeden Fall das tun, ich werde diese Person unterstützen, ich werde dort etwas geben, ich werde mich hier einbringen. Und dann wollte man, aber hat es am Ende nicht getan. Also rät Paulus den Korinthern: Konzentriert euch darauf. Seid sehr intentional, dass ihr wirklich das, was ihr euch mal vorgenommen habt, auch wirklich umsetzt.

[12:10] Und auch hier mit dem Wollen und Vollbringen werden wir wieder an Philipper 2 erinnert. Dort heißt es ja in Philipper 2, Vers 13: "Denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen." Es ist Gott, der den Korinthern diesen Wunsch eingegeben hat: Wir wollen uns wirklich beteiligen am Werk für Jerusalem. Und es ist Gott, der ihnen auch helfen wird, diesen Wunsch, diese Absicht, diesen Entschluss wirklich umzusetzen. Wie viele Neujahrsvorsätze sind schon nach wenigen Tagen oder Wochen wieder dahin. Aber Gott ist es, der uns nicht nur gute Vorsätze und Wünsche ins Herz gibt, sondern er hat auch die Kraft, dass wir diese Dinge tatsächlich umsetzen. Gott möchte, dass wir unsere Pläne, die er uns gegeben hat, auch wirklich umsetzen und tun.

[13:03] Vers 12: "Denn wo die Bereitwilligkeit vorhanden ist, da ist einer wohlgefällig entsprechend dem, was er hat, nicht entsprechend dem, was er nicht hat." Die Qualität unserer Spende bemisst sich nicht an dem materiellen Wert, sondern daran, wie wir grundsätzlich zur Verfügung haben. Also, wir erinnern uns an die Witwe in Markus Kapitel 12, Vers 41 bis 42. Die hatte nur ganz, ganz wenig, aber von dem ganz, ganz wenig, was sie hatte, hat sie tatsächlich sogar alles gegeben. Und Jesus hat diese Spende für sehr viel bedeutender gehalten als die großen Summen, die von anderen eingeworfen worden sind. Wenn jemand nicht viel hat, wird Gott ihn auch nicht verachten, wenn die Spende klein ist. Entscheidend ist die Herzenseinstellung dabei, die Bereitschaft, wirklich von Herzen zu geben.

[14:04] Vers 13: "Nicht damit andere Erleichterung haben, ihr aber Bedrängnis, sondern des Ausgleichs wegen. In der jetzigen Zeit soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluss eurem Mangel abhilft, sodass ein Ausgleich stattfindet." Also Paulus möchte jetzt nicht, dass immer nur die Griechen Geld nach Jerusalem überweisen. Das Ziel ist nicht, dass die in Jerusalem auf Dauer auf Kosten der Griechen leben, sondern in der jetzigen Notlage, weil es den in Jerusalem jetzt gerade schlecht geht, sollen die Geschwister, denen es vergleichsweise besser geht, ihnen helfen. Im Umkehrschluss soll das aber auch andersrum sein, wenn es einmal erforderlich ist. Paulus möchte, dass die Hilfe immer in alle Richtungen geht und dabei denkt er sicherlich nicht nur an materiellen Segen, sondern auch an geistlichen Segen. Es ist ja so, dass die Missionare, die hier nach Korinth gekommen sind oder nach Makedonien, dass diese Missionare alle aus Palästina kamen, wie z.B. Paulus, und das Evangelium überhaupt erst nach Griechenland gebracht haben. Also da gibt es einen Austausch sozusagen: geistlichen Segen, materiellen Segen. Alles spielt zusammen. Die Gemeinden sollen sich gegenseitig in allen Hinsichten unterstützen.

[15:30] Vers 15: "Wie geschrieben steht: Wer viel sammelte, hatte keinen Überfluss und wer wenig sammelte, hatte keinen Mangel." Dieses Prinzip, dass am Ende alle gleich behandelt werden, dass es nicht darum geht, dass einer immer gemolken wird in Anführungsstrichen und der andere auf Kosten des anderen lebt, sondern dass alle letztendlich dazu beitragen zu einem großen Ganzen und am Ende alle gleich behandelt werden. Dieses Prinzip findet Paulus im Alten Testament in 2. Mose Kapitel 16, Vers 18. Dort geht es um das Manna. Dort geht es darum, dass als das Manna fiel, die Israeliten aus ihren Zelten herausgegangen sind und gesammelt haben. Einige haben sehr viel gesammelt, andere hatten nicht so viel gesammelt. Vielleicht hatten einige viel Zeit und viel Energie, andere waren vielleicht nicht in der Lage, viel zu sammeln, aber am Ende hatten alle genauso viel, und zwar genau das, was für eine Tagesration gebraucht worden war. Und wenn Gottes Volk gegenseitige Solidarität und echte Nächstenliebe praktiziert, wird genau das Resultat sein: Alle werden so viel haben, wie sie brauchen.

[16:39] Vers 16: "Gott aber sei Dank, der dem Titus denselben Eifer für euch ins Herz gibt, denn er nahm den Zuspruch an, aber weil er so großen Eifer hatte, reiste er freiwillig zu euch ab." Paulus sagt, der Titus ist jetzt nicht zu euch abgereist, weil ich ihn irgendwie gedrängt habe oder irgendwie gezwungen habe, sondern er hat selbst ein so großes Interesse an euch. Er war ja in Korinth gewesen, war, wie wir in Kapitel 7 auch gesehen haben, sehr erbaut worden. Vers 13 dort in Kapitel 7 heißt es: "Deswegen sind wir getröstet worden in eurem Trost. Wir haben uns aber noch viel mehr über die Freude des Titus gefreut, denn sein Geist ist von euch allen erquickt worden." Also der Titus hat wirklich ein gutes Bild von den Korinthern gewonnen und er möchte so gerne, dass auch die Korinther entsprechend eine gute Gabe geben, einen guten Beitrag für diese Sammlung. Und er nimmt zwar den Zuspruch an – in Vers 6 haben wir gelesen von Kapitel 8: "Sodass wir Titus zuredeten." Also er hört sich schon an, dass Paulus ihn gerne schicken möchte, aber es klingt so, als wäre er auch selbst gegangen, ohne dass Paulus ihn dazu aufgefordert hätte. Er fühlt sich dabei nicht überredet. Er möchte unbedingt selbst gerne nach Korinth.

[17:53] Vers 18: "Wir sandten aber den Bruder mit ihm, dessen Lob wegen des Evangeliums bei allen Gemeinden verbreitet ist." Das ist eine sehr spannende Frage hier. Wir wüssten gern, wer genau dieser hier erwähnte Bruder ist. Er wird nicht mit Namen erwähnt. Allerdings muss er weithin bekannt gewesen sein. Die Formulierung muss so gewesen sein, dass alle Leser damals in Korinth und auch in anderen Gemeinden gewusst haben, wer gemeint ist. Die Formulierung kann bedeuten – also grammatisch ist das nicht zwingend, es muss nicht der Fall sein, aber es kann bedeuten –, dass hier dieser Bruder bekannt ist wegen des Evangeliums, das er in Anführungsstrichen geschrieben hat, also ein Verfasser des Evangeliums. Und da die Evangelien sich ja verbreitet haben, also Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, diese vier Evangelien, wäre er natürlich ein interessanter Kandidat. Und in diesem Fall müsste man entweder an Lukas oder eventuell an Markus denken. Johannes hat nach allem, was wir so sehen können, wahrscheinlich sein Evangelium zu dem Zeitpunkt noch nicht geschrieben. Und Matthäus ist nicht als Reisebegleiter von Paulus belegt. Lukas und Markus schon. Und so ist es also durchaus möglich, dass Paulus hier einen der beiden mitgeschickt hat. Und das würde natürlich interessanterweise implizieren, dass, je nachdem wer von den beiden gemeint ist, dessen Evangelium zu dem Zeitpunkt auch schon existierte, was auch für eine frühe Datierung des entsprechenden Evangeliums sprechen würde, wenn es denn so ist. Bei Markus ist nicht ganz klar, ob er zu diesem Zeitpunkt schon ein Mitarbeiter von Paulus gewesen ist. Später wissen wir das auf jeden Fall. Lukas dagegen ist ja als Reisegefährte von Paulus auch in diese Zeit gut belegt.

[19:51] Wir lesen mal weiter Vers 19: "Und nicht nur das, sondern er ist auch von den Gemeinden zu unserem Reisegefährten erwählt worden bei diesem Liebeswerk, das von uns besorgt wird zur Ehre des Herrn selbst und zum Beweis eures guten Willens." Also eventuell könnte wirklich Lukas gemeint sein, weil er ohnehin auch der Reisegefährte von Paulus allgemein ist und die Gemeinden ihn jetzt hier auch erwählt haben, dass er diese Sammlung quasi begleitet. Dieser Vers sagt aus: Paulus wird diese Sammlung dann tatsächlich – es war ja am Anfang noch nicht ganz klar, wenn wir uns an 1. Korinther 16 erinnern – nach Jerusalem bringen, aber jemand wird ihn begleiten und die Gemeinden haben diesen ungenannten Bruder, vielleicht möglicherweise Lukas, dazu auserwählt. Zumindest wissen wir, dass Lukas ihn dann später begleitet hat. Das wäre zumindest ein Indiz.

[20:45] Vers 20: "Weil wir das verhüten wollen, dass uns jemand wegen dieser reichen Gabe, die durch uns besorgt wird, übel nachredet." Also Paulus nimmt einen Reisegefährten auch deswegen mit, um Gerüchten vorzubeugen, dass irgendjemand jetzt sagen könnte, er hätte Geld veruntreut und sich daran bereichert. Vers 21: "Und weil wir auf das bedacht sind, was recht ist, nicht nur vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen." Ein sehr wichtiges Prinzip auch für Finanzangelegenheiten, auch in der Gemeinde. Paulus sagt, es reicht nicht aus, wenn wir ein reines Gewissen vor Gott haben. Es muss auch transparent vor den Menschen sein. Also es reicht nicht aus, wenn man sagt: "Na ja, aber ich weiß ja, ich habe nichts gemacht", sondern es muss auch nach den finanziellen Standards der Welt sozusagen, was Transparenz und was man im Englischen Accountability nennt, also die Verantwortung, die man für diese Gelder hat und dass man auch dafür Rechenschaft gibt, es muss entsprechend auch dem getan werden, was auch in der Welt an Standards gilt, dass die Menschen das wirklich überprüfen können und entsprechend auch Vertrauen haben können, dass hier tatsächlich kein Betrug stattfindet.

[21:53] Das heißt übrigens auch, dass wir in unserem Finanzgebaren auch in der Gemeinde, in den Missionswerken, wirklich echte Transparenz zeigen sollen und dass wir uns tatsächlich auch vor den Menschen, also nicht nur den Gläubigen, auch vor den Weltmenschen als diejenigen zeigen sollten, die wirklich nichts zu verbergen haben.

[22:19] Vers 22: "Wir sandten aber mit ihnen unseren Bruder, den wir vielfach und in vielen Dingen als eifrig erfunden haben, der jetzt aber in seinem großen Vertrauen zu euch noch viel eifriger ist." Noch ein nicht weiter namentlich genannter Mitarbeiter, der mit Titus und dem anderen nach Korinth gereist ist. Und Paulus hatte ihn als einen bewährten Mitarbeiter erlebt, hat ihm vertrauen können. Und dieser Bruder hat auch großes Vertrauen in die Gemeinde in Korinth.

[22:53] Vers 23: "Was Titus betrifft, so ist er mein Gefährte und Mitarbeiter für euch. Unsere Brüder aber sind Gesandte der Gemeinden, eine Ehre des Christus." Offenbar gibt es sogar eine gewisse Differenzierung zwischen diesen drei Personen, die nach Korinth gesandt worden sind, um die Gabe vorzubereiten. Titus ist sozusagen der persönliche Repräsentant von Paulus, aber die anderen beiden Brüder, die nicht mit Namen genannt sind, die sind sozusagen die Stellvertreter, die Abgesandten der Gemeinden, wohl aus der Provinz Makedonien, wie es scheint. Zumindest Vers 24: "So liefert nun den Beweis eurer Liebe und unseres Rühmens von euch ihnen gegenüber und vor den Gemeinden." Paulus fordert die Korinther auf. Er sagt: "Ich weiß ja, dass ihr euch das vorgenommen habt und ich habe diesen Brüdern, die ich jetzt zu euch gesandt habe, gesagt, die Korinther, die werden wirklich das Werk unterstützen. Ich habe das den Gemeinden erzählt und ich bitte euch, bitte lasst mich jetzt nicht hängen, sozusagen. Gebt wirklich so, wie es eure Liebe zum Werk Gottes ausdrückt."

[24:02] Kapitel 9, Vers 1: "Denn ich halte es für überflüssig, euch über den Dienst für die Heiligen zu schreiben." Er muss nicht noch einmal Details erwähnen, warum jetzt gesammelt wird und wie gesammelt wird und wie das genau vonstattengeht, das wissen sie. Vers 2: "Denn ich kenne ja eure Bereitwilligkeit, die ich den Mazedoniern gegenüber von euch rühme, dass Achaja seit dem vorigen Jahr bereit gewesen ist und euer Eifer hat viele angespornt." Im vorigen Jahr haben die Gemeinden in Achaja, also im südlichen Griechenland, wo Korinth das Zentrum ist und die Hauptstadt, ein großes Interesse an der Sammlung gezeigt. Also deswegen sagt Paulus: "Ich weiß genau, ihr wisst ja, worum es geht und ich muss euch das nicht mehr erklären. Ich habe sogar euren Eifer als Beispiel genommen und als Vorbild, um die Gemeinden hier in Makedonien dafür zu gewinnen und viele haben sich von eurer Begeisterung anstecken lassen. Also bitte, dann zieht es jetzt auch durch. Bitte gebt auch, damit das Ganze nicht als mit einem komischen Geschmack dann daherkommt." Ja, Paulus hat den Eifer, die Begeisterung der Korinther als Argument benutzt und wünscht sich jetzt natürlich, dass sie auch ihren Worten Taten folgen lassen. Und wie oft ist das auch in unseren Gemeinden, dass wir vielleicht mit großer Begeisterung Menschen anstecken und dann aber selbst nicht das tun, was wir gesagt haben und dann viel Gutes, was hätte getan werden können, dadurch nicht entsteht und viel Enttäuschung die Folge dann ist.

[25:32] Vers 3: "Ich habe aber die Brüder gesandt, damit unser Rühmen von euch in dieser Hinsicht nicht zunichtewird, damit ihr bereit seid, so wie ich es gesagt habe, dass nicht etwa, wenn die Mazedonier mit mir kommen und euch unvorbereitet finden, wir, um nicht zu sagen, ihr, mit diesem zuversichtlichen Rühmen zu Schanden werden." Darum habe ich es für nötig gehalten, die Brüder zu ermahnen, zu euch vorauszureisen, um diese vorher angekündigte Segensgabe rechtzeitig zuzubereiten, damit sie bereit ist, sodass sie eine Segensgabe ist und nicht eine Gabe des Geizes. Die Korinther sind zwar sehr willig, aber Paulus hat Angst, dass wenn er sie vielleicht quasi überrascht mit seiner Ankunft und sie dann sozusagen auf den falschen Fuß erwischt, dass sie vielleicht gerade gar nicht das Geld bereit haben, das eigentlich vorgesehen ist. Also sendet er diese drei Brüder voraus, damit sie die Korinther entsprechend informieren können. Der Paulus kommt bald und ihr wisst ja die Sammlung, ihr habt gespart, macht das alles jetzt bereit, damit wenn Paulus dann mit seinen anderen Reisegefährten kommt, die aus Makedonien sind, dass dann Paulus nicht in die Peinlichkeit kommt, dass die Makedonier dann fragen: "Okay, du hast gesagt, die Korinther werden ganz viel geben und jetzt, wo ist denn das?" Ja, Paulus, das möchte ich mir und euch ersparen. Deswegen dieser Sonderauftrag an Titus und die anderen beiden Brüder.

[26:53] Vers 6: "Das aber bedenkt." Jetzt gibt Paulus sein geistliches Prinzip: "Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten und wer im Segen sät, der wird auch im Segen ernten." Ein Prinzip, das in der Landwirtschaft sich absolut bewahrheitet. Wer wenig aussät, kann auch nur wenig ernten. Und auf die Gemeinde Gottes übertragen heißt das: Wer nur wenig investiert in die Gemeinde, in den Gottesdienst, in die Mission, in den Aufbau des Werkes Gottes, wer nur wenig investiert, wird auch nur wenig ernten können. Er wird nur wenig Segen erleben. Wer viel investiert in Gottes Gemeinde – und da geht es nicht nur um Geld, auch in allen anderen Bereichen –, wer viel investiert, wer mit Segen investiert, der wird mit großem Segen auch ernten.

[27:46] Vers 7: "Jeder, wie er es sich in seinem Herzen vornimmt, nicht widerwillig oder gezwungen, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb." Paulus möchte – und das ist ihm ganz wichtig, sagt es mehrmals – niemanden drängen. Er hat ja schon in Kapitel 8, Vers 8 gesagt: "Ich sage das nicht als Gebot." Er möchte sie einfach nur einladen angesichts des Evangeliums, angesichts der Opferbereitschaft von Jesus, angesichts dessen, was auch Menschen wie Paulus für sie getan haben, dass sie ihr Herz öffnen und freigiebig geben, nicht manipuliert, nicht gedrungen, nicht gezwungen. Gott freut sich über alles, was freiwillig und von Herzen kommt. Die Stiftshütte in 2. Mose, die sollte von freiwilligen Gaben gebaut werden. Und Gott freut sich, wenn wir freiwillig aus eigenen Stücken überlegen, wie wir sein Werk mit den Mitteln, die er uns anvertraut hat, unterstützen können, weil darin zeigt sich praktisch unsere Liebe zu ihm. Die Worte sind das andere, das eine. Aber was wir dann tatsächlich tun, was wir tatsächlich investieren, sei es Geld oder Zeit oder Energie oder Talente in das Werk Gottes, was wir opfern sozusagen, um ein Segen für andere zu sein, das beweist, wie sehr wir das Evangelium wirklich verstanden haben, wie sehr wir Jesus lieben.

[29:18] Vers 8: "Gott aber ist mächtig, euch jede Gnade im Überfluss zu spenden, sodass ihr in allem allezeit alle Genüge habt und überreich seid zu jedem guten Werk." Paulus zerstreut auch die Sorgen. Vielleicht hat sich jemand in Korinth die Sorgen gemacht: "Aber wenn wir so viel geben, was wird dann aus unseren finanziellen Angelegenheiten? Werden wir dann noch genügend haben?" Er sagt, Paulus sagt: "Gott ist mächtig." Wenn ihr segnet, werdet ihr überreich gesegnet werden. Ihr werdet niemals sozusagen einen übermäßigen Mangel haben, weil ihr freigebig das Werk Gottes unterstützt habt. Und Gott wird euch noch mehr geben, sodass ihr immer Genüge habt und allezeit bereit seid zu jedem guten Werk. Das heißt, Gott wird auch weiter segnen, damit ihr noch mehr z.B. gute Werke tun könnt, noch mehr Geld geben könnt, wo auch immer es gebraucht wird. Gott hat kein Interesse daran, uns irgendwie zu schröpfen und irgendwie uns auszurauben. Gott überschüttet uns mit Segen, aber er wünscht sich, dass wir lernen, dass wir nicht alles für uns behalten, sondern dass wir verstehen, dass wenn er uns segnet, auch wir weiter segnen sollen, dass wir weitergeben sollen, dass wir nicht auf uns schauen, sondern dass wir wissen: Gott kümmert sich um mich. Und deswegen kann ich für andere da sein.

[30:51] Vers 9: "Wie geschrieben steht: Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben. Seine Gerechtigkeit besteht in Ewigkeit." Wenn man das so liest, könnte man vielleicht auf den ersten Moment, auf den ersten Blick denken, dass es hier um Gott geht. Aber tatsächlich ist es so, wenn man sich Psalm 112 anschaut und dort Vers 9, dann geht es tatsächlich um den Gläubigen. Das heißt dort im Psalm 112, ab Vers 5 vielleicht: "Wohl dem, der barmherzig ist und leiht, er wird sein Recht behaupten im Gericht, denn er wird ewiglich nicht wanken. An den Gerechten wird ewiglich gedacht." Also der Gerechte, der bereit ist, anderen zu geben, der freigebig seinen Segen, den er erhalten hat, mit anderen teilt. Vers 7: "Vor der Unglücksbotschaft fürchtet er sich nicht. Sein Herz vertraut fest auf den Herrn." Er hat also echten Glauben. Sein Herz ist getrost. Er fürchtet sich nicht, bis er seine Lust an seinen Feinden sieht. Jetzt kommt Vers 9: "Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben. Seine Gerechtigkeit besteht in Ewigkeit." Das heißt, sie ist dauerhaft. Sein Horn wird emporragen. Derjenige, der sich einsetzt für Gottes Gemeinde, der sich einsetzt für die Notleidenden, der sich einsetzt für andere, dessen Gerechtigkeit wird in Ewigkeit bestehen bleiben. Nicht, weil er durch die guten Werke gerecht wird – nein, nein, nein –, aber die Freigebigkeit beweist, also wenn sie im richtigen Geist erfolgt, sie beweist, dass das Evangelium wirklich verstanden und angenommen ist und durch die Werke offenbart sich die Liebe zu Gott, die uns an ihn bindet, sodass wir bei ihm bleiben. Die Werke illustrieren also unsere feste Beziehung zu Jesus, unser Bleiben. Und wenn wir bei ihm bleiben, dann bleibt auch unsere Gerechtigkeit, die wir von ihm haben. Er ist ja unsere Gerechtigkeit. Gott wird den nicht verlassen, der aus echter Liebe sich für die Nöte der Geschwister einsetzt.

[33:12] Vers 10: "Er aber, der Samen darreicht und Brot zur Speise, er möge euch die Saat darreichen und mehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen." Gott gibt sowohl den Samen als auch das Wachstum der Pflanze. Und so gibt Gott uns auch sowohl die Gerechtigkeit – die ist ein Geschenk von ihm –, aber er wirkt auch in uns die Früchte dieser Gerechtigkeit aus dem Glauben. Gott gibt den Samen, er lässt die Pflanze wachsen. Gott schenkt uns echten Glauben. Er schenkt uns echte Gerechtigkeit, seine Gerechtigkeit. Und dann lässt er auch in unserem Leben, wenn wir ihn wirken lassen, er lässt in unserem Leben diese Gerechtigkeit sozusagen Frucht bringen. Damit möchte Paulus deutlich machen: Hier geht's nicht darum, einfach Geld zu kassieren. Hier geht es darum, dass die Gemeinde in Korinth zeigt, dass Gott in ihnen wirkt. Und wenn Gott in unserem Leben wirken darf, wenn die Gerechtigkeit, die er für uns erworben hat, unser Leben erfüllt und wir bei ihm bleiben, dann wird sich das darin zeigen, dass wir uns in welcher Form auch immer, z.B. mit Geld, aber auch mit vielen anderen Dingen, investieren in sein Werk aus Liebe.

[34:47] Vers 11: "Sodass ihr in allem reich werdet zu aller Freigebigkeit, die durch uns Gott gegenüber Dank bewirkt." Wenn also das Wachsen der Gerechtigkeit, also wenn Gerechtigkeit in ihrem Leben wächst, dann bewirkt das, dass sie mit großem Herzen für die Geschwister in Jerusalem geben werden. Und indem sie die Gaben an Paulus übergeben, der diese nach Jerusalem bringen wird, dadurch werden auch die Geschwister in Jerusalem Gott danken für die Geschwister in Korinth. In dieser Weise bewirkt dann die Freigebigkeit Dank durch uns Gott gegenüber.

[35:40] Vers 12: "Denn die Besorgung dieses Dienstes füllt nicht nur den Mangel der Heiligen aus, sondern ist auch überreich durch die vielen Dankgebete zu Gott." Das ist genau dieser Punkt. Paulus sagt: "Wenn ihr jetzt viel gebt, dann hat es einen doppelten Effekt. Nicht nur wird den Gläubigen in Korinth geholfen. Sie werden dankbar sein. Sie werden Gott loben. Gott wird mehr gepriesen werden, weil sie einen solchen Segen erleben, dass andere an sie denken. Somit werdet ihr nicht nur den Menschen helfen, ihr werdet indirekt auch dafür sorgen, dass Gott mehr gelobt und gepriesen wird." Ein interessanter Gedanke, den wir manchmal nicht so wirklich auf dem Schirm haben, der aber bei Paulus immer wieder deutlich aufscheint.

[36:18] Vers 13: "Indem sie durch den Beweis dieses Dienstes zum Lob Gottes veranlasst werden für den Gehorsam eures Bekenntnisses zum Evangelium von Christus und für die Freigebigkeit der Unterstützung für sie und für alle." Dem Evangelium Jesu gehorsam zu sein, zeigt sich offensichtlich in der Bereitschaft, anderen Geschwistern zu helfen. Wenn man sich die Frage stellt: "Okay, wie kann ich dem Evangelium gehorsam sein?", sagt Paulus: "Durch das Unterstützen anderer Gläubiger wird dieser Gehorsam deutlich." Und diese anderen Geschwister in dem Fall in Jerusalem, die realisieren: "Die Brüder und Schwestern in Korinth, die unterstützen uns, die sind dem Evangelium gehorsam." Und damit wird nicht nur Gott gepriesen, sondern es entsteht auch dieses Gemeinschaftsgefühl, dieses Bewusstsein: "Die Geschwister dort auf der anderen Seite in Europa, die haben denselben Glauben und die denken an uns und sie gehorchen dem Evangelium. Sie sind treu." Die gegenseitige Unterstützung verstärkt auch den Eindruck, dass die anderen Geschwister treu sind und damit das Gefühl, dass die Gemeinde nicht nur numerisch wächst, sondern auch im Glauben stark ist. Das heißt, gegenseitige Unterstützung, auch in unserer Zeit, wenn wir Geld woanders hingeben, bewirkt das letztlich, dass die Gemeinde zusammengeschweißt wird, auch glaubenstechnisch, auch geistlich, weil man sich bewusst wird: "Die anderen folgen dem Beispiel Jesu. Sie geben Geld für ein Projekt hier in meinem Land und das zeigt, wir sind wirklich eine geistliche Familie."

[38:05] Und interessant ist hier in diesem Vers auch noch, dass die Geschwister in Jerusalem nicht nur für die Hilfe danken werden, die sie selbst erhalten haben, sondern sie werden auch danken für die Hilfe, die die griechischen Geschwister auch anderen Gläubigen zukommen lassen. Sie danken also nicht nur, weil sie was bekommen haben, sondern sie danken, weil die Geschwister in Korinth allgemein so treu sind und so freigebig.

[38:28] Vers 14: "Und in ihrem Flehen für euch werden sie eine herzliche Zuneigung zu euch haben wegen der überschwänglichen Gnade Gottes euch gegenüber." Das ist der Punkt, den ich gerade schon angesprochen habe. Trotz aller kulturellen und sprachlichen Barrieren können die verschiedenen Gemeinden, die in den verschiedenen Teilen der Welt existieren, sich als eine Familie fühlen, weil sie füreinander da sind. Und wenn wir uns fragen, wie können wir die Gemeinde auf einer globalen Ebene zusammenhalten, wie können wir sie enger aneinanderschweißen, dann gibt uns Paulus hier sozusagen den Königsweg: Wenn wir füreinander da sind, wenn wir nicht nur schauen: "Was brauche ich?" Es gibt ja manchmal diesen Gedanken, dass man sagt: "Ja, warum soll ich jetzt Geld in die große weite Welt geben? Ich gebe das Geld lieber hier in meine Ortsgemeinde, da sehe ich, was damit gemacht wird. Das macht mir mehr Sinn, da habe ich Kontrolle drüber. Wer weiß, was mit dem Geld sonst wo geschieht." Aber wenn das alle so machen würden, dann würden alle nur noch sich selbst finanzieren und man hätte keinen richtigen Bezug mehr zu Geschwistern in Namibia oder Brasilien oder Japan oder Kanada oder Neuseeland. Jeder würde auf sich selbst schauen und die Gemeinde würde auf Dauer kaputtgehen. Dass wir gegenseitig uns mit Gaben unterstützen, hat nicht nur eine finanzielle Komponente, sondern vor allem auch die weltweite Adventgemeinde, das weltweite Volk Gottes zusammenzuhalten durch die Gaben und durch Liebe und durch gegenseitige Unterstützung. Das ist Gottes Plan.

[40:17] Vers 15: "Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe." Man hätte ja denken können, dass Paulus sagt: "Ich danke euch im Voraus für eure tolle Gabe." Aber Paulus beendet nicht mit einem Dank an die Korinther für ihre Gabe. Er endet diesen großen Gedankengang hier in Kapitel 8 und 9 mit einem Dank an Gott für seine Gabe, die so groß ist, dass man sie nicht in Worte fassen kann. Was Gott uns schenkt, lässt sich nicht beziffern. Es lässt sich nicht eingrenzen und systematisieren. Gottes Gabe für mich und für dich. All das, was er für uns tut, angefangen davon, dass er uns geschaffen hat, dass er uns täglich am Leben hält, dass er uns mit Segen beschüttet, die Erlösung, die Wiederherstellung, dass er uns Buße und Reue, Vergebung geschenkt hat, dass er überhaupt uns Glauben schenkt, dass er uns seine Gerechtigkeit anrechnet, dass er seine Gerechtigkeit uns verleiht, die Gabe des Heiligen Geistes, Freude, Friede, all die Früchte des Geistes, die er in uns bewirkt – es ist unaussprechlich, was Gott alles für mich und für dich tut. Und Paulus beendet diesen längeren Abschnitt, wo er die Korinther dazu auffordert, auch wirklich so zu geben, wie sie es sich vorgenommen haben, damit, dass er ihren Blick wieder richtet auf das, was Gott alles für uns tut. Und wenn wir das aus den Augen verlieren, dann werden wir schnell kleinlich und sagen: "Ah ja, ich brauche auch Geld und wer weiß, was gemacht wird." Nun, wir sollen natürlich nicht einfach mit Gottes Geld verantwortungslos umgehen. Wir sollen es nicht einfach irgendwo in schwarze Löcher stopfen, wo nie was getan wird. Aber wir haben das Vorrecht innerhalb der Gemeinde Gottes, wo auch viele Menschen nach besten Maßstäben der Transparenz die Gelder weiterleiten. Wir haben das Vorrecht, die Gemeinde Gottes wirklich zu unterstützen mit unseren Gaben, mit unseren Fähigkeiten, weil Gott so viel uns geschenkt hat.

[42:24] Kapitel 10, Vers 1: Hier beginnt noch mal ein neuer Abschnitt, der eine gewisse Zäsur auch in diesem zweiten Korintherbrief ist. Wir werden das in der nächsten Folge noch ein bisschen weiter ausführen, wenn wir da noch mehr darüber sprechen werden. Kapitel 10, Vers 1: "Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch angesichts der Sanftmut und Freundlichkeit des Christus, der ich von Angesicht zu Angesicht demütig bin bei euch, abwesend aber mutig gegen euch." Paulus spricht jetzt doch noch einen Punkt an, der im Argen liegt. Er will jetzt einen Tadel aussprechen, aber während er diesen Tadel ausspricht, will er sich an die Sanftmut und Freundlichkeit Jesu erinnern. Er sagt also: "Ich ermahne euch angesichts der Sanftmut und Freundlichkeit des Christus." Mit anderen Worten: Er möchte jetzt ohne Zorn, ohne menschliche Beleidigung, sondern aus einer echten geistlichen Gesinnung schreiben. Ein tolles Vorbild für uns, wenn Menschen vielleicht auch, wie wir noch sehen werden, schlecht über uns reden, dass wir uns an die Sanftmut und die Freundlichkeit Jesu erinnern und in diesem Geist Dinge korrigieren und auch ansprechen.

[43:42] Paulus war sehr demütig bei ihnen gewesen, als er sich das erste Mal bei ihnen aufgehalten hatte und dort die Gemeinde gegründet hatte. Wir erinnern uns an 1. Korinther Kapitel 2, Vers 3 bis 5: "Und ich war in Schwachheit und mit viel Furcht und Zittern bei euch. Und meine Rede und meine Verkündigung bestanden nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in der Weisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft." Paulus war also vor Ort damals, als er die Gemeinde gegründet hat, sehr sanftmütig und demütig aufgetreten, aber in seinem ersten Korintherbrief hat er zum Teil sehr deutliche Worte gefunden. Er sagte hier in Kapitel 10, Vers 1: "Ich bin mutig, abwesend gegen euch." Wir erinnern uns an 2. Korinther 7 natürlich, wo er gesagt hat in Vers 4: "Ich bin sehr freimütig euch gegenüber." Oder auch Kapitel 8, wo er sagt: "Denn wenn ich euch auch durch den Brief betrübt habe, so bereue ich es nicht, wenn ich es auch bereut habe, denn ich sehe, dass euch jener Brief betrübt hat, wenn auch nur für eine Stunde." Paulus hatte sehr deutlich im ersten Korintherbrief geschrieben, die Sünden angemahnt, die Sünden aufgedeckt und entsprechend sie ermahnt.

[45:04] Wir lesen weiter jetzt in 2. Korinther 10, Vers 2: "Und ich bitte euch, dass ich nicht bei meiner Anwesenheit mutig sein muss in der Zuversicht, mit der ich entschlossen gegen etliche aufzutreten gedenke, die von uns meinen, wir würden gemäß dem Fleisch wandeln." Also jetzt ein ganz wichtiger Punkt. Paulus spricht jetzt hier nicht an die Gesamtheit der Gemeinde, aber es gibt offensichtlich in Korinth immer noch eine Gruppe, möglicherweise noch eine Minderheit. Das werden wir beim nächsten Mal noch genauer uns anschauen. Es gibt möglicherweise eine Minderheit, zumindest gibt es einige, die nach wie vor dem Paulus misstrauen. Offensichtlich hat die Mehrheit den ersten Korintherbrief gut angenommen, aber es gibt da noch eine Gruppe, die nach wie vor der Meinung ist: "Paulus ist nicht wirklich geistlich und man kann sich nicht auf ihn verlassen. Er arbeitet fleischlich ohne den Heiligen Geist." Und Paulus sagt: "Ich, also wenn es so weit kommen muss und ich dann bei euch sein werde das zweite Mal, dann werde ich sehr deutliche Worte reden. Aber ich bitte euch, dass das nicht sein muss. Ich wünsche mir, dass wir das vermeiden können." Er hat gehofft, dass die Geschwister das Problem noch lösen können und so wie sie auch die Probleme, die im ersten Korintherbrief angesprochen worden sind, lösen konnten, so soll auch das jetzt dieser zweite Korintherbrief dazu dienen. Das heißt also in gewisser Weise auch: "Liebe Korinther, schließt euch nicht diesen Verleumdern an."

[46:27] Vers 3: "Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches." Paulus macht einen wichtigen Punkt: Er hat noch sündiges Fleisch, er lebt noch in diesem verdorbenen Körper, aber er lebt nicht mehr nach weltlich-sündigen Prinzipien. Denn so sagt er später im Galaterbrief, Galater 2, Vers 20: "Ich bin mit Christus gekreuzigt und nun lebe ich aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe" – sagt, ich lebe noch im Fleisch – "das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat." Paulus befindet sich in einem geistlichen Kampf und diesen Kampf beschreitet er nicht mit weltlichen Mitteln und nicht mit weltlichen Methoden.

[47:15] Vers 4: "Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen." Die geistlichen Waffen, die Paulus ja auch dann später im Epheserbrief Kapitel 6, Vers 11 bis 18 beschreibt, die sind mächtig. Sie können sogar eine schützende Festung erobern. Also in der Antike war es so: Es gibt Feldschlachten und dann gibt es aber auch Belagerung. Eine Stadt hat vielleicht große Stadtmauern, große Türme, Belagerungsbefestigungswerke, schwer einzunehmen. Und Paulus sagt: "Die Waffen, die wir haben, wenn wir einen geistlichen Kampf kämpfen, die sind nicht nur zur Verteidigung. Unsere Waffen sind so stark, dass sogar die Festungen Satans dadurch erobert werden können." Mächtige Waffen, sehr effektiv. Und dadurch kann man gewaltige Siege erringen. Und jetzt sagt Paulus, was er damit meint. Mit diesen Waffen, die Siege erringen können, wo menschliche Kraft nichts auszurichten vermag.

[48:14] Vers 5: "Sodass wir Vernunftsschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus." Die geistlichen Waffen, die Paulus zur Verfügung stehen, die ändern nicht nur das Verhalten. Das kann man auch mit menschlichen Erziehungsmethoden, man kann Menschen in ein anderes Verhalten pressen äußerlich. Sie verändern nicht nur theologische Überzeugung. Auch das kann man mit Rhetorik und mit Überzeugung vielleicht menschlich allein schaffen. Aber die Waffen, die Paulus benutzt, ändern nicht nur das Verhalten oder die theologische Überzeugung, sie dringen bis in die tiefsten Tiefen unseres Wollens, unseres Denkens, unseres Empfindens ein. Bereiche, die wie Festungen in uns quasi geschützt sind vor menschlichen Verbesserungsversuchen. Es gab in der DDR dieses Lied: "Die Gedanken sind frei." Die Sozialisten haben versucht, das Leben der Menschen zu reglementieren und irgendwie so zu gestalten, dass alle so handeln, wie es der Staat sich wünschte. Aber die Gedanken waren frei. Man konnte denken, was man wollte, hat's halt vielleicht nicht gesagt, aber der Staat kam nicht dort hinein. Diese Mauer war zu dick. Aber Paulus sagt: "Das Evangelium hat Waffen, die so stark sind, dass sogar das Denken, die tiefsten Tiefen des Herzens erreicht werden, dass die dicken Mauern, die kein Diktator, die keine KI, die keine Militärmacht irgendwie überwinden kann, diese Mauern unseres Herzens, die werden durch die Evangeliumswaffen überwunden." Sogar das Denken und das Wollen unterwirft sich Christus. Alle Selbsterhöhung wird besiegt. Das Hauptproblem im großen Kampf, der Luzifer, der sich selbst erhöht hat – die Waffen, mit denen Paulus kämpft, das Evangelium, können das Grundproblem des großen Kampfes effektiv bekämpfen. Das Evangelium ist nicht nur ein weiterer Vorschlag zur Lösung der Probleme der Menschheit. Das Evangelium ist die Antwort schlechthin. Und das macht Paulus deutlich. Er sagt: "Wenn einige sagen, ich arbeite nicht geistlich, ihr wisst gar nicht, was die Bibel, mit der ich hantiere, und die geistlichen Waffen, der Glaube und die Gerechtigkeit und das Heil, die Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums, was das bewirken kann."

[51:05] Paulus hat in der Auseinandersetzung um die Korinther nicht einfach, wie das andere Menschen machen würden, die jetzt irgendwie was verändern wollen, er hat nicht gezwungen, er hat nicht die Geschwister manipuliert, er hat die geistlichen Waffen angewandt. Und die Tatsache ist, dass der erste Korintherbrief vom Heiligen Geist inspiriert tatsächlich die Selbsterhöhung vieler Gläubiger in Korinth zerstört hat und die Berechnung, die sich da in der Korinthergemeinde breitgemacht hat – "Ja, so wer ist jetzt größer, wer ist ja und so, Paulus und Apollos und dieses ganze Denken" – das ist kaputt gemacht worden. Die Korinther haben sich bekehrt, viele von ihnen, so haben wir gelesen in Kapitel 7. Viele haben sich wieder ganz von Herzen Jesus in seinem Wort unterstellt.

[51:56] Vers 6: "Und auch bereit sind, jeden Ungehorsam zu bestrafen, sobald euer Gehorsam vollständig geworden ist." Es wird einige geben, die sich weigern, ihren Kampf gegen Gott und seine Mitarbeiter aufzugeben. Einige werden weiter bestraft werden, so wie Soldaten, die in einer Festung, die bereits überwunden ist, immer weiterkämpfen, sich nicht ergeben wollen. Die werden dann von dem Feind, also von dem Sieger, festgehalten und werden festgehalten werden, wenn die Festung erobert worden ist. Und das sagt Paulus auch ganz deutlich: "Ich kämpfe mit geistlichen Waffen, wenn die Gemeinde wieder gesund ist, und dann werden diejenigen, die sich weigern, dem Evangelium zu folgen, die werden dann bestraft, die werden aus der Gemeinde ausgeschlossen."

[52:47] Vers 7: "Schaut ihr auf das, was vor Augen liegt?" Da erinnert man sich an 1. Samuel 16, Vers 7. Damals, als es um Samuel ging, der einen neuen König salben wollte unter den Söhnen Isais. Vers 7: "Aber der Herr sprach zu Samuel: Schaue nicht auf sein Aussehen, noch auf seinen hohen Wuchs, denn ich habe ihn verworfen. Denn der Herr sieht nicht auf das, was der Mensch sieht, denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist. Der Herr aber sieht das Herz an." Wenn man auf das schaut, was vor Augen liegt, dann hat man eine menschliche Perspektive. Dann tut man nur nach dem Augenschein, was man so sieht und wahrnimmt, etwas beurteilen. Aber Gott sieht das Herz an. Und so bittet Paulus jetzt eine interessante Bitte hier in Vers 7. Er sagt: "Wenn jemand von sich selbst überzeugt ist, dass er Christus angehört, also wenn jemand wirklich überzeugt ist, er gehört Christus an, so möge er andererseits von sich selbst aus den Schluss ziehen: Das gleich wie er Christus angehört, so auch wir Christus angehören." Jemand, der wirklich eine Verbindung mit Jesus hat, der wird doch erkennen, dass auch ich, so sagt Paulus, ein echter Christ bin.

[53:51] Vers 8: "Denn wenn ich mich auch noch etwas mehr rühmen wollte wegen unserer Vollmacht, die der Herr uns gegeben hat zu eurer Erbauung und nicht zu eurer Zerstörung, so würde ich nicht zu Schanden werden." Paulus sagt: "Ich könnte noch mehr sagen über die Autorität, die ich von Jesus auch über die Gemeinde von Korinth erhalten habe. Ich habe diese Vollmacht bekommen, um die Gemeinde aufzubauen, nicht um sie zu zerstören. Er ist kein Diktator, möchte nicht irgendwie die Leute dort bevormunden, aber sagt: Wenn Leute so sehr rebellieren und so schlecht über mich reden und das alles falsch und alles verdrehen, ich möchte euch sagen, vielleicht ist euch gar nicht bewusst, wie groß die Autorität ist, die ich als inspirierter Apostel von Jesus erhalten habe."

[54:34] Vers 9: "Doch ich will nicht den Anschein erwecken, als wollte ich euch durch die Briefe einschüchtern." Paulus sagt: "Ich könnte mehr über meine Autorität sagen, aber ich nehme Abstand davon, weil ich möchte nicht, dass ihr irgendwie euch in die Ecke gedrängt fühlt."

[54:53] Vers 10: "Denn die Briefe, sagt einer, sind gewichtig und stark, aber die leibliche Gegenwart ist schwach und die Rede verachtenswert." Es gibt also offenbar einen Vertreter der Idee hier, dass Paulus zwar sehr große Briefe schreibt, ja, starke Briefe, rhetorisch auch durchaus ansprechend – also für uns oft dann sehr schwierig zu verstehen –, aber dass, wenn er dann persönlich auftritt und lehrt und predigt und mit den Menschen spricht, das sei dann nicht besonders eindrucksvoll und als Rhetoriker versagt er einfach, kein Vergleich zu Apollos. Vielleicht wenn wir noch mal an die Diskussion im ersten Korintherbrief denken, auf die Paulus sich dort bezieht.

[55:29] Vers 11: "Der Betreffende soll aber bedenken: So wie wir als Abwesende mit den Worten in Briefen sind, ebenso werden wir als Anwesende auch mit der Tat sein." Und Paulus geht auf diesen speziellen Fall ein. Dieser Verleumder, der umhergeht und dem Paulus unterstellt, er werde sowieso, wenn er kommt, da irgendwie nicht durchgreifen, da sei viel zu schwach zu. Er sagt: "Täusch dich nicht. Wenn ich jetzt dann komme und diese ganzen Dinge mit Gemeindezucht belegen muss, dann werde ich so deutlich durchgreifen, wie ich auch hier in den Briefen geschrieben habe." Einige haben also offensichtlich in Frage gestellt, ob Paulus überhaupt jemals durchgreifen wird und haben gesagt: "Na ja, das wird sowieso dann am Ende alles laufen, weil er so sanftmütig ist." Aber Paulus sagt: "Ich werde durchgreifen, so wie es hier in meinen Briefen deutlich wird."

[56:17] Vers 12: "Denn wir wagen es nicht, uns denen zuzurechnen oder gleichzustellen, die sich selbst empfehlen. Sie aber sind unverständig, indem sie sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen." Paulus will sich nicht auf eine Stufe mit denen stellen, die groß von sich selbst reden und in einen Wettstreit miteinander treten. Das hatte irgendwie den Korinthern ja gefallen. Der hat ja selbst diesen Wettstreit angefangen: "Wer ist jetzt größer? Paulus, Apollos oder Petrus?" Wettstreit ist übrigens ein ziemlich wesentliches Merkmal der griechischen Kultur. Da gibt's Spiele, da gibt's Wettkämpfe, in Sport, in Kunst und alle möglichen. Und Paulus weiß: "Wir wollen uns nicht aneinander messen. Unser Vorbild ist Jesus Christus." Und er möchte auch, dass die Gläubigen ihn nicht an anderen messen, denn offensichtlich haben diese – hat mindestens diese eine Verleumder – die Sanftmut von Paulus völlig missverstanden. Er hat nicht verstanden, dass als Paulus in Korinth war, er sich ganz bewusst entschieden hat, sanftmütig vorzugehen. Und einige Ungeistliche haben das jetzt falsch interpretiert, als wäre Paulus gar nicht in der Lage, Autorität auszuüben.

[57:37] Vers 13 und 14: "Wir aber wollen uns nicht ins Maßlose rühmen, sondern nach dem Maß des Wirkungskreises, den uns Gott als Maß zugemessen hat, nämlich, dass wir auch bis zu euch gelangen sollten. Denn wir strecken uns nicht zu weit aus, als wären wir nicht bis zu euch gelangt. Wir sind ja auch mit dem Evangelium von Christus bis zu euch gekommen." Also, wenn Paulus sich jetzt gegenüber diesen Irrlehrern verteidigt, dann tut er das, weil Gott ihn ja beauftragt hat, dort in Korinth zu missionieren. Paulus sagt: "Ich schnüffle nicht in Bereiche hinein, die mich nichts angehen." Es gibt ja manchmal Leute, die tun sich in Gemeindeangelegenheiten reinmischen, wo sie nichts zu tun haben. Aber Paulus sagt: "Ich habe eine Verantwortung für euch. Gott hat mich angewiesen, in Korinth eine Gemeinde zu gründen. Wenn ich jetzt meinen Dienst verteidige, dann nur deswegen, weil Gott mich selbst zu euch gebracht hat. Die Gemeinde Korinth gehört zu meinem Verantwortungsbereich und deswegen muss ich mich auch verteidigen gegen diese falschen Anschuldigungen."

[58:41] Vers 15: "Wir rühmen uns auch nicht ins Maßlose aufgrund der Arbeiten anderer. Wir haben aber die Hoffnung, wenn euer Glaube wächst, bei euch noch viel mehr Raum zu gewinnen, unserem Wirkungskreis gemäß." Paulus schmückt sich auch nicht mit fremden Lorbeeren. Er dringt nicht in eine Gemeinde ein, die andere gegründet haben. Die Korinther sind die von ihm selbst gegründete Gemeinde. Und er wünscht sich, dass von Korinth aus er entsprechend seinem Wirkungskreis – denn er soll ja die Heiden erreichen – er noch viele andere Gemeinden gründen kann. Er sagte hier, dass bei euch noch viel mehr Raum zu gewinnen unserem Wirkungskreis gemäß. Das heißt, dass die Korinther eine Basis sein sollen, von der aus er noch weiter ferne, also ferner liegende Neulandgebiete erreichen möchte. Und zwar immer nur so, wie Gott ihn führt, wie Gott es ihm zuteilt.

[59:33] Vers 16: "Um das Evangelium auch in den Gebieten jenseits von euch zu verkündigen und uns nicht im Wirkungskreis eines anderen zu rühmen, wo die Arbeit schon getan ist." Also Paulus hat kein Interesse dort zu predigen, wo die Gemeinden schon gegründet sind und wo das Evangelium schon fest etabliert ist. Er will neue Gebiete erreichen. Und deswegen ist ihm die Gemeinde Korinth so wichtig, weil es ein Neulandgebiet ist, das er entsprechend seines Auftrages erreicht hat. Übrigens hat auch Jesus so gearbeitet. Er wollte immer wieder auch neue Städte, neue Ortschaften erreichen und ist deswegen von Ort zu Ort gegangen.

[60:09] Vers 17: "Wer sich aber rühmen will, der rühme sich des Herrn." Das ist ein interessantes Zitat hier. Es kommt aus Jeremia 9, Vers 23, und da lohnt es sich, den Kontext anzuschauen. Dort steht nämlich: "So spricht der Herr: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke. Der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums, sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er Einsicht hat und mich erkennt, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden, denn daran habe ich Wohlgefallen", spricht der Herr. Also alles menschliche Rühmen im Sinne von "Ich bin so stark" oder "Ich bin so klug" oder "Ich bin so reich" ist alles falsch. Der einzige wirkliche Ruhm, den wir haben können, ist, dass wir Gott persönlich kennen.

[61:03] Letzter Vers, Vers 18: "Denn nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt." Am Ende kann man sich in der Gemeindearbeit nur auf die Mitarbeiter verlassen, die von Gott bestätigt sind. Wer sich selbst rühmt, wer selbst seine ganzen Errungenschaften präsentiert, ist dadurch noch nicht automatisch verlässlich. Verlässlich sind nur diejenigen, die Gott geprüft hat und die Gott empfiehlt.

[61:38] In diesem Sinne möchten wir heute uns die Frage stellen, was wir für uns mitnehmen. Ich möchte für mich mitnehmen, dass ich so wie die Korinther von Herzen gerne das Werk Gottes systematisch unterstützen möchte. Und ich möchte Gottes reiche Gnade in meinem Leben mit anderen teilen. Und mit den geistlichen Waffen möchte ich auch in meinem Leben jeden Gedanken in den Gehorsam gefangen nehmen in Christus und mich nicht selbst rühmen, sondern einfach dort arbeiten, wo Gott mich hingestellt hat. Ist das auch dein Wunsch? Dann lass uns auch gemeinsam beten.

[62:24] Lieber Vater im Himmel, möchte dir danke sagen, dass du in deinem Wort so viele interessante Lektionen gibst. Wir möchten dir danke sagen, dass du zu uns gesprochen hast und Herr, lass uns erkennen, wo wir Veränderung brauchen und gib, dass es nicht nur beim Wollen bleibt, sondern dass wir das auch wirklich umsetzen, was du uns zeigst, Herr. Vergib uns, wo wir uns selbst gerühmt haben und lass uns von Herzen einfach dir nachfolgen. Und dafür danken wir dir im Namen Jesu. Amen.

[63:04] Nächste Woche wollen wir dann den zweiten Korintherbrief und damit unsere Spezialserie abschließen. Dann die letzten drei Kapitel uns anschauen. Bis dann wünschen wir euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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