[0:32] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer möchten wir alle Zuschauer auch auf dem Sender das Wort ganz recht herzlich begrüßen zur mittlerweile letzten Folge unserer Spezialserie über die Korintherbriefe. Wir hören natürlich mit der CSH nicht auf. Ab der nächsten Woche wird es ein neues spannendes Thema geben über die Gabe der Prophetie, über das Wirken und die Bedeutung von Propheten im Alten Testament, im Neuen Testament und in unserer Zeit.
[1:03] Aber heute wollen wir das Studium der Korintherbriefe abschließen und wir haben uns die letzten drei Kapitel des zweiten Korintherbriefes vorgenommen: Kapitel 11, 12 und 13. Und bevor wir in dieses sehr spannende Thema und die sehr wichtigen Gedanken hier ganz einsteigen, möchten wir Gott einladen, dass er, wie es auch in all den anderen Studien getan hat, uns mit seinem Heiligen Geist erfüllt und uns Verständnis für sein Wort schenkt. Und ich lade dich ein, dass wir ein kurzes Anfangsgebet sprechen.
[1:40] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir dein Wort haben, dass du durch dein Wort zu uns sprichst, dass du durch deinen Heiligen Geist uns befähigst, es richtig zu verstehen. Und wir haben gesehen, in den Korintherbriefen gibt es auch wirklich schwere Passagen, Gedanken, die nicht immer gleich sofort an der Oberfläche liegen. Und Herr, wir möchten dich bitten, dass wir alles, was du uns heute offenbaren möchtest durch dein Wort, was wichtig ist für unser Leben, für unsere Charakterentwicklung, für unser ewiges Leben, dass du uns das klar und deutlich zeigst und dass wir daraus leben, dass wir durch deine Kraft es umsetzen können in unserem Leben, dass wir erleben, dass du in uns wirkst. Und Herr, wir wünschen uns, dass das Studium deines Wortes uns noch viel näher zu dir bringt und danken dir, dass du verheißen hast, dass dein Wort nicht leer zurückkehren wird, sondern ausführen wird, wozu du es gesandt hast. Und darum bitten wir dich jetzt im Namen Jesu. Amen.
[2:44] 2. Korinther Kapitel 11 und wir starten direkt in Vers 1: "Möchtet ihr mich doch ein wenig in Torheit ertragen? Doch, ihr tragt mich ja schon." Man muss sich hierzu in Erinnerung rufen, was Paulus in den Versen vorher gesagt hat. Paulus hat in Kapitel 10 – wir haben ja das letzte Mal Kapitel 8, 9 und 10 angeschaut – festgestellt (in Kapitel 8 und 9 geht es um die Vorbereitung der großen Sammlung für Jerusalem), aber in Kapitel 10 verteidigt sich Paulus gegen üble Nachreden und er zeigt ganz deutlich, dass er eine Autorität für die Gemeinde in Korinth darstellt. Gott hat ihn beauftragt, in den heidnischen Gebieten Menschen zu Christus zu führen. Und wenn er sich jetzt um die Gemeinde kümmert und auch Irrlehrer abwehrt, dann tut er sich nicht überheben, sondern er muss aufgrund der geistlichen Notsituation dort seine eigene Autorität und seine eigene Aufgabe herausstellen. Und das könnte ihm natürlich als Torheit aufgefasst werden, als Dummheit, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Und Paulus erwähnt das quasi hier in Anführungsstrichen. Ja, die griechischen Originalmanuskripte konnten natürlich jetzt keine Anführungsstriche schreiben. Das gibt es manchmal in der Bibel, dass man sie so quasi mitdenken sollte: "ein wenig in Torheit ertragen". Er hofft, dass die Korinther verstehen, was er sagen möchte, dass sie sozusagen sich jetzt nicht abgestoßen fühlen davon, dass er jetzt seine eigene Position hier verteidigt.
[4:22] Der Grund ist nämlich nicht, dass Paulus sich erhöhen möchte, sondern er hat ganz großes, tiefes Interesse für die Korinther. Er sagt nämlich in Vers 2 – denn jetzt kommt die Begründung, warum er all das sagt, was er in Kapitel 10 schon gesagt hat –: "Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer." Nicht, dass Paulus Gott ist, sondern denselben Eifer, den Gott für die Korinther hat, der spiegelt sich wieder auch im Eifer, den Paulus für die Gemeinde hat. "Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer, denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen."
[5:05] Gott hat großen Eifer für sein Volk. Wir lesen z. B. in einem wunderschönen Kapitel der Bibel, in Sacharja, das ist kaum bekannt, wie schön das eigentlich ist. Ganz tolles Kapitel, eines der schönsten der Bibel überhaupt, und dort heißt es in Vers 2: "So spricht der Herr der Heerscharen: Ich eifere für Zion mit großem Eifer und mit großem Grimm eifere ich für sie." Dann geht es darum, dass Gott, auch wenn die Israeliten es nicht für möglich halten, Jerusalem vollständig wiederherstellen möchte, so wie früher und noch mehr. Gott hat großen Eifer für sein Volk. Paulus, der so eng mit Gott zusammenarbeitet, hat dementsprechend auch großes, tiefes Interesse an den Korinthern. Gott hatte ein großes Interesse. Er hat einen Eifer, aber er ist auch eifersüchtig, wenn sich Gläubige von ihm abwenden und den Götzen zuwenden. 2. Mose Kapitel 20, Vers 5, in dem berühmten zweiten Gebot wird das deutlich, wo Gott sagt über diese Bildnisse: "Bete sie nicht an und diene ihnen nicht, denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott." Man könnte übersetzen: "Ich, der Herr, bin dein Gott, ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen." Gott liebt uns so sehr und so real und so wirklich, dass wenn wir ihm den Rücken kehren und uns fremden Göttern zuwenden, in welcher Form auch immer, sei es in Gold oder in ideeller Form oder materieller Form, dass Gott tatsächlich eifersüchtig ist. Und Paulus sagt: "Ich eifere um euch mit göttlichem Eifer", einer echten, tiefen Liebe, die auch wirklich verletzt ist, wenn der andere sich ungerechtfertigterweise abwendet. Eine Liebe, die wirklich echte Gegenliebe sich wünscht. Wir haben ja schon in einem früheren Kapitel, in Kapitel 6, gesehen, wie Paulus sagt: "Wir haben unser Herz aufgemacht", also er meint sich selbst, und er sagt: "In euren Herzen ist es noch eng. Wir wünschen uns, dass ihr auch eure Herzen weit macht, um uns aufzunehmen."
[7:36] Und er sagt hier in Vers 2: "Ich habe euch einem Mann verlobt." Die Gemeinde hat nur einen Herrn, nur einen Bräutigam, nämlich Jesus Christus. Sie kann nicht gleichzeitig mehreren Herren dienen. Wir haben gesehen, immer wieder war in Korinth bei einigen in der Gemeinde die Gefahr, neben dem Christentum gleichzeitig sich bei der griechischen Philosophie noch aufzuhalten. Paulus hatte in 2. Korinther 6 deutlich gemacht: "Zieht nicht am fremden Joch mit Ungläubigen. Trennt euch von allem Weltlichen." Und so sagt er ihnen jetzt: "Ich habe euch einem Mann, nämlich Christus, verlobt." Dieser Vers ist einer der wichtigsten Verse überhaupt für dieses biblische Bild, dass die Gemeinde als eine Frau dargestellt wird. Etwas, was man dann vor allem in der Offenbarung noch ganz deutlich sieht: Offenbarung 12 z. B. die reine Frau, die Gott treu ist; Offenbarung 17 die abgefallene, die hurerische Frau, die Babylon; Offenbarung 19, Vers 7 bis 9: "Die Braut hat sich bereit gemacht", die Gerechtigkeit der Heiligen angezogen.
[8:46] Interessant ist, dass dieses Wort hier für "verloben" – Harmotzo – bedeutet: zusammenfügen, zusammenpassen. Es geht hier um das Verbinden, und dadurch kommt natürlich dann auch "verloben" oder "vermählen". Und Paulus möchte deutlich machen: Ich habe euch hier mit Jesus verbunden. Ihr sollt ihm nicht untreu werden. Und warum sagt er das? Er hat eine tatsächliche Befürchtung. Vers 3: "Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List" – das ist natürlich die Geschichte aus 1. Mose 3 – "dass auch eure Gesinnung verdorben und abgewandt werden von der Einfalt gegenüber Christus." Paulus macht sich Sorgen, dass die Gläubigen ihren einfachen, simplen Glauben aufgeben und in ihrer Gesinnung durch satanische Lügen verblendet werden. Er hat ja in 2. Korinther 4, Vers 4 davon gesprochen, dass der Gott dieser Welt, der Satan, die Sinne verblendet, sodass Menschen das helle Licht des Evangeliums nicht mehr erkennen können. Paulus macht sich Sorgen, dass durch diesen Flirt sozusagen mit der griechischen Philosophie und den intellektuellen Dingen, die sie da jetzt versucht haben reinzubringen, der einfache Glaube an Jesus als ihren Retter ins Hintertreffen gerät und sie in ihrer Gesinnung verdorben werden. Paulus hat nicht nur Gemeinden gegründet, er hat auch dafür gekämpft, dass sie auf dem richtigen Weg des Evangeliums bleiben. Das sehen wir bei den Galatern, das sehen wir hier bei den Korinthern.
[10:24] Vers 4, ein nicht so einfacher Vers: "Denn wenn der, welcher zu euch kommt, einen anderen Jesus verkündigt, den wir nicht verkündigt haben, oder wenn ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so habt ihr das gut ertragen." Paulus warnt ja auch die Galater vor einem anderen Evangelium, sagt: "Und wenn ein Engel vom Himmel käme, ein anderes Evangelium predigen würde, der sei verflucht." Die Frage hier in Vers 4 für das Verständnis ist jetzt: Was bedeutet dieses "gut ertragen"? Es gibt hier verschiedene Ideen dazu. Manche denken, es heißt: "Ihr habt es gut ertragen" im Sinne von: Ihr habt die Prüfung bestanden. Also, kommt jemand mit einem falschen Evangelium, mit einem falschen Geist, und ihr habt das gut ertragen, habt sozusagen den Test bestanden, habt das alles abgelehnt. Es kann aber auch verstanden werden in dem Sinne von: Ihr habt diese Lehrer gut aufgenommen, ihr habt da keinen Anstoß dran genommen, ihr habt euch nicht daran gestört. Und da Vers 4 offensichtlich die Begründung für Vers 3 ist, wo Paulus sagt: "Ich fürchte, dass eure Gesinnung verdorben werden könnte", erscheint mir diese zweite Variante als die eigentlich naheliegende. Wir werden noch sehen, es gibt noch mehr Hinweise im Text jetzt im Kapitel, die darauf hinweisen, dass Paulus den Korinthern vorhält, dass sie falsche Lehrer relativ arglos geduldet haben, dass sie sich nicht daran gestört haben, wenn jemand ein anderes Evangelium predigt, einen falschen Jesus, einen anderen Geist bringt, dass sie da jetzt nicht gleich sofort dagegen gegangen sind und die Wahrheit verteidigt haben, sondern das so toleriert haben. Vielleicht, weil sie gedacht haben, dass ihnen nichts anhaben kann oder im Sinne eines Pluralismus oder so. Und Paulus stellt fest: Die Korinther waren da nicht so auf der Hut, so scheint es. Und er sagt: "Ich fürchte, deswegen eifere ich um euch. Ich wünsche mir, dass ihr nicht verblendet werdet von Irrlehrern."
[12:39] Nun, wir gehen weiter und schauen, wie sich das hier weiterentwickelt in seiner Argumentation. Vers 5: "Denn ich meine, dass ich jenen bedeutenden Aposteln in nichts nachstehe." Paulus macht jetzt sehr deutlich, dass er kein Apostel zweiter Klasse ist. Was die geistliche Autorität betrifft, die er jetzt hier den Korinthern auch deutlich machen muss, steht er – was das betrifft – mit Petrus und mit Johannes und den anderen, die als Säulen gelten, wie es im Galaterbrief heißt, auf derselben Stufe. Die Korinther sollen nicht glauben, dass er nur so ein nebenrangiger Missionar sei, auf den man nicht unbedingt hören müsste und dass man auch mal die anderen Irrlehrer hören könnte. Wenn ihr mich ablehnt, das ist so, als wenn ihr Petrus ablehnt oder Johannes ablehnt. Ich habe wirklich einen Eifer um euch und ihr sollt wissen, dass ich das mit geistlicher Autorität auch tue.
[13:32] Vers 6: "Und wenn ich auch in der Rede ein Unkundiger bin" – mit anderen Worten: wenn ich kein Rhetoriker bin – "so doch nicht in der Erkenntnis, sondern wir sind euch gegenüber auf jede Weise in allem offenbar geworden." Paulus sagt: Ich bin vielleicht kein Rhetoriker, und da gibt es vielleicht Philosophen, die können viel charmanter reden und viel eleganter sich ausdrücken und bessere Argumentationen daherbringen, aber er sagt: Ich bin nicht unkundig, was die christliche Botschaft betrifft. Die Tiefen der Theologie des Evangeliums habe ich durchdrungen. Ich bin vielleicht kein Rhetoriker, ich kann das nicht so blumenhaft darlegen, aber ich kann euch sagen, was die Wahrheit ist, und deswegen kämpfe ich um euch. Und er sagt: Ihr wisst es auch aus eigener Erfahrung. Er sagt: "So sind wir euch gegenüber auf jede Weise in allem offenbar geworden." Ihr wisst ganz genau, dass das, was wir gepredigt haben, die biblische Wahrheit ist und dass das wirklich genau das Christentum ist, was in der Welt auch gepredigt wird.
[14:36] Vers 7: "Oder habe ich eine Sünde begangen, indem ich mich selbst erniedrigte, damit ihr erhöht würdet, sodass ich euch unentgeltlich das Evangelium Gottes verkündigt habe?" Und hier kommen wir schon so ein bisschen durch seine Argumentation an das Problem heran, das offensichtlich die Korinther dort gehabt haben. Es gab also offensichtlich einige, die den Eindruck hatten, weil Paulus als ein Zeltmachermissionar dort aufgetreten ist – wir haben ja gesehen, dass er in 1. Korinther 9 ab Vers 1 keine finanzielle Unterstützung für seinen Dienst gefordert hat, sondern quasi als "Self-supporting Ministry" sich selbst unterstützend dort durch seine eigene Arbeit versorgt hat –, dass da einige dann gedacht haben: "Na, da ist ja gar kein echter, kein wirklich oder kein ernst zu nehmender oder keiner von den höchsten Aposteln und vielleicht einfach nur ein Gemeindemitarbeiter, der missionarisch gewirkt hat, aber man muss jetzt ihm nicht in allem vielleicht folgen, wenn er jetzt uns einen Brief schreibt oder so." Einige haben also offensichtlich diese Demut von Paulus, der auf sein Recht verzichtet hat, falsch interpretiert. Paulus hatte ja auf sein Recht verzichtet, nicht weil er es nicht gehabt hätte, sondern weil er den Korinthern zum Segen gereichen wollte. Er wollte nämlich so wenig wie möglich Hindernisse bei der Verkündung des Evangeliums aufbauen. Er hat auf Bezahlung von Seiten der Korinther verzichtet.
[16:09] Und dann sagt er hier in Vers 8: "Andere Gemeinden habe ich beraubt und von ihnen Lohn genommen, um euch zu dienen." Also Paulus war nicht grundsätzlich gegen finanzielle Unterstützung. Er hat von bereits etablierten Gemeinden sehr wohl auch finanzielle Unterstützung erhalten. Wir wissen, dass er von Philippi, der Gemeinde dort, z. B. unterstützt worden ist. Er hat es auch angenommen, und dadurch konnte er dann Neulandarbeit wie in Korinth machen, wo er jetzt von den Menschen, die er zum ersten Mal traf, nicht gleich Geld nehmen wollte. Das war sozusagen hier seine Strategie in Korinth.
[16:41] Vers 9: "Und als ich bei euch war und Mangel litt, bin ich niemand zur Last gefallen, denn meinen Mangel füllten die Brüder aus, die aus Mazedonien kamen, und in allem habe ich mich gehütet, euch zur Last zu fallen, und werde mich auch ferner hüten." Also hier sehen wir, dass Paulus selbst mit seiner Arbeit als Zeltmacher wohl nicht immer seinen Lebensunterhalt decken konnte. Er hat sich dennoch nicht um finanzielle Unterstützung der Korinther bemüht, hat sie aber von anderen Gläubigen aus Nordgriechenland, aus der Provinz Makedonien, wo Gemeinden wie Beröa, Thessalonich oder Philippi gewesen sind, wenn die Korinth besucht haben, hat er von denen finanzielle Gaben und Unterstützung angenommen, die ihm dort mit dem Notwendigsten ausgeholfen haben. Und Paulus sagt jetzt: Ich habe das nicht nur damals nicht angenommen, ich werde auch in Zukunft keine finanzielle Forderung an euch in Korinth stellen.
[17:38] Vers 10: "So gewiss die Wahrheit des Christus in mir ist, soll dieser Ruhm mir nicht verwehrt werden in den Gegenden von Achaja." Und wir erinnern uns an 1. Korinther 9, Vers 15 bis 18, wo er genau von diesem Ruhm gesprochen hat. 1. Korinther 9, Vers 18 z. B.: "Was ist denn nun mein Lohn, dass ich bei meiner Verkündigung das Evangelium von Christus kostenfrei darbiete, sodass ich von meinem Anspruch am Evangelium keinen Gebrauch mache?" Sein Ruhm besteht darin, hier in der Provinz Achaja eben nicht Geld für das Evangelium zu verlangen, es kostenlos zu verkündigen.
[18:16] Vers 11: "Warum das? Weil ich euch nicht lieb habe? Gott weiß es." Diese Entscheidung, auch in der Zukunft von den Gemeinden, die in der Provinz Achaja, das heißt in Südgriechenland, etabliert werden, keine finanzielle Unterstützung zu nehmen – er sagt: Ich werde in Zukunft auch von euch keine Gelder annehmen für mich. Das ist jetzt keine beleidigte Reaktion von Paulus. Er sagt: Ich bin jetzt nicht irgendwie wie ein kleines Kind. Er sagt: Da will ich erst recht nichts haben, sondern er sagt: Es entspringt keiner emotionalen Entfremdung, sondern Gott weiß, ich habe euch lieb, und deswegen ist es besser, wenn ich von euch kein Geld nehme.
[18:56] Vers 12: "Was ich aber tue, das werde ich auch ferner tun, um denen die Gelegenheit abzuschneiden, welche eine Gelegenheit suchen, um in dem, dessen sie sich rühmen, so erfunden zu werden wie wir." Er möchte also den vielen falschen Lehrern, die dort in Korinth am Wüten sind, nicht die Gelegenheit geben, dass sie den Eindruck haben könnten, ihr Dienst sei so wie Paulus. Schon in dieser Tatsache, dass er kein Geld verlangt, noch weiterhin keins verlangen wird, werden die Korinther sehen: Sein Dienst entspringt einer anderen Motivation als der Dienst so mancher dieser falschen Lehrer.
[19:38] Vers 13: Jetzt wird Paulus sehr, sehr deutlich, und er spricht zu den Korinthern, aber der Geist spricht durch diese Worte auch zu uns: "Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die sich als Apostel des Christus verkleiden." Paulus sagt: Das sind Leute unter euch, die unter euch wirken, die sind gar keine echten Apostel. Die reden nur von Jesus und die reden nur vom Heiligen Geist und die reden nur vom Evangelium – ein anderer Jesus, ein anderer Geist oder ein anderes Evangelium. Falsche Apostel, die sich verkleiden. Sie erwecken den Eindruck, für Christus zu arbeiten, doch sie predigen ein falsches Evangelium, und sie lassen sich auch noch von den Korinthern bezahlen. Die sind also offensichtlich so naiv gewesen, diesen Irrlehrern sogar Geld zu geben, sie zu unterstützen. Und Paulus sagt: Allein deswegen werde ich von euch kein Geld nehmen, damit ihr seht, was für ein Unterschied zwischen dem echten Evangelium und diesen falschen Evangelien besteht. Ein falscher Apostel, die arbeiten nicht selbstaufopfernd. Die mögen zwar fromme Worte finden, die sie dann allerdings mit Irrlehren vermischen, und dann wollen sie Geld haben. Ein falscher Apostel, der opfert sich nicht auf für andere. Und das möchte Paulus sehr deutlich hier herausstellen.
[20:56] Vers 14: Warum ist das also so, dass die falschen Apostel sich quasi als Apostel des Christus verkleiden? Er sagt in Vers 14: "Und das ist nicht verwunderlich. Denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts." Es ist die grundlegende Strategie des Bösen, sich in den Schein des Guten zu hüllen. Die Korinther sollen also nicht erstaunt sein, dass sich die falschen Lehrer nicht als falsche Lehrer ausgeben. Ja, Irrlehrer kommen nie in die Gemeinde und sagen: "Achtung, hallo, ich bin ein Irrlehrer." Die sagen immer, dass sie eine große Wahrheit haben, ein wichtiges Licht, neues Licht. Die Irrlehrer behaupten immer, ganz besonders für die Wahrheit zu sein. Man kann sich nicht auf ihre Worte verlassen. Der Satan selbst erscheint als ein Engel des Lichts. Er hat die Eva ja auch nicht dadurch verführt, dass er gesagt hat: "Ich bin der Satan, ich bin der Feind", sondern als Schlange hat er sie verführt, wie das ja schon in Vers 3 angesprochen worden ist hier in 2. Korinther Kapitel 11.
[22:02] Vers 15: Wenn das also so ist, dass Satan selbst sich als Engel des Lichts verkleidet, dann ist es – wie Paulus jetzt sagt – nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich verkleiden als Diener der Gerechtigkeit, aber ihr Ende wird ihrem Werk entsprechend. Es ist also gar nicht erstaunlich, sagt er, dass es Irrlehrer gibt, die sich als christliche Missionare ausgeben, aber an ihren Werken wird man das dann identifizieren können. Und das geht natürlich zurück auf die berühmte Aussage von Jesus in der Bergpredigt, Matthäus 7, dort Vers 15: "Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten werdet ihr sie kennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln?" Und dann heißt es später in Vers 20: "Darum werdet ihr sie an ihren Früchten erkennen." Paulus sagt: Sie mögen zwar den Schein erwecken, aber am Ende wird man deutlich sehen, welche Frucht daraus hervorkommt. Die Werke werden zeigen, wessen Geistes Kind sie wirklich sind. Und entsprechend müssen auch wir wachsam sein. Wir dürfen nicht naiv jedem einfach Gehör schenken und Glauben schenken, der sagt, er redet von Jesus. Wir müssen mit der Bibel in der Hand und dem Heiligen Geist im Herzen die Lehre prüfen. Wir müssen genau unterscheiden: Was ist das wahre Evangelium und was ist ein falsches Evangelium? Was ist der biblische Jesus und was sind irgendwelche Jesusbilder, die von Menschen konstruiert werden, um ihre eigenen Wünsche und Gedanken damit zu ummänteln? Was die Korinther erlebt haben, gibt es heute genauso. Und wenn der Paulus heute leben würde, er würde, denke ich, genau dieselben Worte sprechen, dass er sich fürchtet, dass er fürchtet, dass wir verführt werden könnten durch solche falschen Lehrer, durch ein falsches Evangelium, einen falschen Heiligen Geist.
[24:06] Vers 16: "Ich sage nochmals: Niemand soll mich für töricht halten. Andernfalls aber nehmt mich als einen Törichten an, damit auch ich mich ein wenig rühmen kann." Also Paulus nimmt hier noch mal Bezug auf Vers 1. Wir haben ja gesehen, dass er dort gesagt hatte: "Möchtet ihr mich doch ein wenig in Torheit ertragen?" Wir sehen hier natürlich, dass das jetzt noch deutlicher in Anführungsstrichen gemeint ist. Paulus ist natürlich nicht dumm. Er ist nicht töricht. Aber eigentlich ist es ja töricht, wenn man sich selbst rühmt, wenn man über sich selbst redet und seine eigenen Leistungen irgendwie in den Vordergrund stellt. Und Paulus möchte das gar nicht. Er möchte über Jesus sprechen. Er möchte nicht über seinen eigenen Dienst sprechen, aber die Tatsache, dass die falschen Lehrer ihn diskreditieren und sich selbst als wahre Lehrer hervorstellen, macht es notwendig für ihn, über seinen Dienst und seine Autorität zu sprechen, wie er es ja in den Kapiteln 2, 3, 4, 5, 6, 7 auch getan hat. Und jetzt noch einmal hier, insbesondere auch im Hinblick auf die, die immer noch gegen ihn sind. Er macht also ganz deutlich: Denkt nicht, dass ich das aus Torheit tue. Ich bin nicht töricht, aber die beständigen Angriffe auf seine Integrität und die Qualität und Autorität seines Apostelamtes durch falsche Lehrer machen es notwendig. Das mag vielleicht als – in Anführungsstrichen – Torheit wirken, weil er jetzt auf seine Verdienste, seine Vorrechte aufmerksam machen muss, aber es geht ihm ausdrücklich nicht um die eigene Selbsterhöhung. Niemand soll glauben, dass er töricht ist und sich selbst erhöhen möchte. Weil Paulus realisiert, dass bei einigen Lesern dennoch dieser Eindruck entstehen könnte und dass sie ihm vielleicht seine demütigen und selbstlosen Motive einfach nicht glauben. Und deswegen sagt er: "Andernfalls nehmt mich als einen Törichten an, damit auch ich mich ein wenig rühmen kann." Das heißt, wenn sie ihn also tatsächlich als töricht ansehen, als jemand, der sich rühmt, dann bittet er lediglich, dass sie wenigstens zuhören, dass sie jetzt wenigstens hinhören, wenn er über seine Verdienste spricht. Er wird es ja nur ein wenig machen. Mit anderen Worten: Er wird nur so viel sagen, um seinen Punkt deutlich herauszustellen.
[26:27] Vers 17: "Was ich jetzt rede, das rede ich nicht dem Herrn gemäß, sondern wie in Torheit in diesem zuversichtlichen Rühmen." Paulus geht jetzt sozusagen auf die argumentative Ebene der falschen Lehrer ein. Die rühmen sich nämlich mit ihren Leistungen, mit ihren Erkenntnissen, was sie alles wissen, was sie getan haben. Und er will sie jetzt mit ihren eigenen Waffen schlagen. Ja, er wird sich nun – in Anführungsstrichen – rühmen. Er wird über seinen eigenen Dienst sprechen. Er wird auf seine Werke, seine Verdienste verweisen, und er möchte deutlich machen: Aber das ist nicht eigentlich, wie es dem Wesen des Christentums entspricht. Die Christen, die Korinther sollen nicht denken, dass das eine richtige Denkweise ist. Es ist nicht die christliche Gesinnung, die auch Paulus hat und die sich auf das eigene Vorbild von Jesus gründet, der sich selbst aufgegeben hat. Es geht nämlich eigentlich wirklich um Selbsterniedrigung. Paulus möchte jetzt deutlich machen: Ich will euch nur sozusagen jetzt zeigen, wenn diese Lehrer so argumentieren, wie ich dann auch argumentieren könnte, sozusagen.
[27:30] Vers 18: "Da viele sich rühmen nach dem Fleisch, will auch ich mich rühmen." Das ist sozusagen jetzt dieser Punkt. Ja, die falschen Lehrer, die haben da hochfliegende Behauptungen, und die haben den Korinthern quasi eingeredet, sie wären qualifizierter und besser und glaubwürdiger als der Paulus.
[27:49] Vers 19: "Ihr, die ihr klug seid, ertragt ja gerne die Törichten." Und das ist ein sehr interessanter Vers, weil die Korinther haben sich ja für sehr klug und gebildet gehalten, wie wir schon gesehen haben in den ersten Kapiteln vom ersten Korintherbrief, wo Paulus ihnen deutlich machen muss: Die Weisheit dieser Welt ist nicht entscheidend. Wer versucht, mit griechischer Philosophie das Evangelium noch intellektueller zu machen, der wird scheitern. Übrigens hätte man das im weiteren Verlauf der Antike beachten sollen, das Christentum wäre nicht so abgedriftet, wie es denn abgedriftet ist. Die Korinther haben ja so ein Faible für Klugheit und für Bildung, und gleichzeitig haben sie den falschen Lehrern zugehört. Sie haben die falschen Lehrer gut aufgenommen. Das spricht übrigens auch dafür, dass in Vers 4 das "gut ertragen" eben meint, dass sie sich nicht an ihnen gestört haben, das ganz gut aufgenommen haben sozusagen. Also Paulus scheint zu sagen: Ihr seid ja so klug und dennoch habt ihr mit den törichten Reden der Falschen gar kein Problem. Na, dann könnt ihr jetzt auch mal zuhören, wenn ich über meinen Dienst spreche.
[28:59] Vers 20: "Ihr tragt es ja, wenn jemand euch versklavt, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand euch einfängt, wenn jemand sich überhebt, wenn jemand euch ins Gesicht schlägt." Jetzt wird noch deutlich, was der Paulus meint. Die Korinther haben die falschen Lehrer aufgenommen, gar nicht gemerkt, dass sie durch die Annahme falscher Lehren ihre Freiheit in Christus verloren haben. So wie auch in Galater 5, Vers 1, das Paulus angesprochen hat, wo er gesagt hat: "So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen." Diese Irrlehrer haben sich selbst gerühmt und haben mit ihren Irrtümern die korinthischen Christen wieder in Sklaverei geführt, in geistliche Sklaverei. Sie haben gar nicht gemerkt, die Korinther, dass sie durch die finanziellen Forderungen der falschen Lehrer quasi beraubt worden sind. Die falschen Lehrer haben es nämlich auch heute auf den Besitz der Gläubigen abgesehen. Die sagen dann: "Spendet mir das Geld, gibt mir mehr Geld, gibt mir mehr Geld, um euren Glauben zu beweisen." Aber das sind falsche Lehrer. Sie haben nicht gemerkt, dass die falschen Lehrer sogar sie verachtet haben. Sie haben es nicht mal gemerkt. Sie waren so: "Oh ja", haben zugehört, haben nicht gemerkt, wie sie quasi betrogen worden sind. Das Argument von Paulus ist: Wenn ihr all dies gut aufgenommen habt, dann bitte nehmt es jetzt gut auf, wenn ich mich etwas – in Anführungsstrichen – rühme. Das heißt, wenn ich jetzt meine Autorität als Apostel erkläre und wenn ich euch sage, warum ich eine Verantwortung für euch als Korinther habe.
[30:29] Vers 21: "Zur Schande sage ich das, dass wir so schwach waren. Worauf aber jemand pocht – ich rede Torheit –, darauf poche ich auch." Erinnert ihr euch noch mal daran? "Darauf poche ich auch." Also, wenn der erste Teil ist gar nicht so einfach zu verstehen, aber der zweite Teil, denke ich, ist relativ klar. Er sagt: Also, wenn die falschen Lehrer mit solchen selbstgewählten Kriterien kommen und damit euch quasi überzeugen, dann passt mal genau auf, das würde nämlich genauso auf mich auch zutreffen.
[31:00] Vers 22: "Sie sind Hebräer, ich bin es auch. Sie sind Israeliten, ich auch. Sie sind Abrahams Same, ich auch." Also Paulus sagt: Also die Irrlehrer sind offensichtlich Hebräer, die vermutlich genauso gearbeitet haben wie bei den Galatern, indem sie versucht haben, die Christen wieder sozusagen zu Juden zu machen und Christus in den Hintergrund gedrängt haben, das Kreuz als Sonderlehre beiseite geschoben haben und ihnen eingeredet haben: Wichtig sei die Beschneidung. Und Paulus sagt: Wenn die sich jetzt auf ihre Nationalität berufen, ich bin genauso Israelit, das ist genau das Gleiche.
[31:36] Vers 23: "Sie sind Diener des Christus – ich rede unsinnig –, ich bin es noch mehr. Ich habe weit mehr Mühsal, über die Maßen viele Schläge ausgestanden, war weit mehr in Gefängnissen, öfters in Todesgefahren." Diese Irrlehrer geben sich aber trotzdem als Diener Jesu aus. Sie leugnen Jesus nicht, aber sie predigen ein falsches Evangelium. Und Paulus sagt jetzt: Also wenn die sich jetzt irgendwie rühmen, für Jesus was getan zu haben, dann möchte ich euch sagen – das ist natürlich nicht die eigentliche Denkweise, wie man denken sollte, sagte Paulus immer wieder –, aber wenn die so argumentieren, möchte ich euch sagen: Ich habe viel mehr für Jesus gelitten. Ich habe viel mehr für ihn getan. Er weiß natürlich, dass dieser Vergleich unsinnig ist, aber er möchte sozusagen den verwirrten Korinthern quasi entgegenkommen und die Irrlehrer mit ihren falschen, mit ihren eigenen Waffen schlagen sozusagen. Er begibt sich auf ihre Argumentationssebene.
[32:30] Und jetzt gibt er ganz konkrete Beispiele. Vers 24: "Den Juden habe ich fünfmal 40 Schläge weniger einen empfangen." Das heißt, Paulus ist fünfmal Höchststrafe physisch gestraft worden. 5. Mose 25, Vers 2 und 3 sagt er, dass 40 Schläge das Höchste sind, was man überhaupt geben kann. Man hat das dann damals so gemacht, dass man aus Angst, dass man sich vielleicht verzählt, einen weniger, also nur 39 Schläge gegeben hat, damit man auf jeden Fall die Höchststrafe nicht noch übertrifft. Und hier sehen wir jetzt, dass die Apostelgeschichte uns nicht das komplette Bild des Dienstes von Paulus gibt, denn wir erfahren jetzt in diesen Versen von einigen Verfolgungen, von Schlägen, von Strafen, die in der Apostelgeschichte zum Teil gar nicht in der Menge oder überhaupt erwähnt werden. Wir sehen also auch: Die Apostelgeschichte gibt uns nur einen Ausschnitt aus dem, was Paulus alles erlitten hat.
[33:42] Vers 25: "Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen." Ein Beispiel haben wir dafür in Apostelgeschichte 16, Vers 22 und 23, als er in Philippi geschlagen worden ist. "Einmal gesteinigt worden." Das ist die Steinigung in Lystra in der Apostelgeschichte 14, Vers 19. "Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten." Wir wissen aus Apostelgeschichte 27, dass er auf dem Weg nach Rom Schiffbruch erlitten hat, aber das war nach dem Abfassen des zweiten Korintherbriefes. Da kommen also drei Schiffbrüche mindestens also noch dazu, die dazu gezählt werden müssen. Er sagt: "Einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht." Das heißt, also er hat hier offensichtlich Schiffsnot gehabt und hat auf hoher See quasi diese Stunden im Mittelmeer ausharren müssen.
[34:10] Vers 26: "Ich bin oftmals auf Reisen gewesen, in Gefahren auf Flüssen, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren vom eigenen Volk, in Gefahren von Heiden, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern." Er zählt all die verschiedenen Dinge auf, die potenziell hätten passieren können auf den vielen Missionsreisen. Die Gefährlichkeit seines Dienstes.
[34:36] Vers 27: "In Arbeit und Mühe, oftmals in Nachtwachen, oftmals hat der Schlaf ihm gefehlt, in Hunger und Durst, oftmals in Fasten, in Kälte und Blöße." Paulus hat bei alldem ein äußerst entbehrungsreiches Leben geführt. Es hat oft am Notwendigsten, nämlich an Essen, Trinken, Kleidung und Schlaf tatsächlich gefehlt.
[34:57] Vers 28: "Zu alledem" – also auf das alles noch "on top", zusätzlich – "der tägliche Andrang zu mir, die Sorge für alle Gemeinden." Bei all diesen Schwierigkeiten hat Paulus ständig den Gedanken: Wie geht's den Thessalonichern? Wie geht's den Beröern? Wie geht's den Christen in Korinth? Wie geht es den Galatern? Er hat ständig gebetet. Wir lesen das ja in den Briefen immer wieder, dass er sagt: "Ständig bete ich, ich danke für euch", und er betet für sie, und er hat ständig Sorge, dass etwas passieren könnte. Nachrichten wie aus Korinth haben ihn dann natürlich das auch noch zum Teil dann manchmal bestätigt und die Sorgen vergrößert.
[35:42] Vers 29: "Wer ist schwach, und ich bin es nicht? Wer ist schwach, und ich bin nicht auch schwach? Wem wird Anstoß bereitet, und ich empfinde nicht brennenden Schmerz?" Paulus kennt die Gefühle von Schwachheit. Er kennt, wie es sich anfühlt, emotional wirklich tief verletzt zu sein.
[36:01] Vers 30: "Wenn ich mich rühmen soll, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen." Jetzt kommt ein ganz wichtiger Gedanke, den wir jetzt in den nächsten Versen noch weiter sehen werden. Was ihn als echten Apostel gegenüber all diesen Irrlehrern wirklich auszeichnet, ist seine Bereitschaft, das alles zu ertragen und trotzdem Christus immer weiterzugeben und weiterzutragen und immer weiter Evangelium zu reden, trotz all dieser Angriffe.
[36:33] Vers 31: "Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der gelobt sei in Ewigkeit, er weiß, dass ich nicht lüge." Paulus möchte sehr deutlich machen: Das sind keine Dinge, die er erfindet. Er will nicht die emotionale Tränendrüse drücken. Er möchte ihnen deutlich machen: So sieht der Dienst für Jesus wirklich aus. Vor Gott bestätigt er, dass all das, was er hier gesagt hat, wahr ist.
[36:57] Und dann erwähnt er noch ein besonderes Ereignis, das alles noch mal sozusagen exemplarisch verdeutlichen soll. Vers 32: "In Damaskus bewachte der Stadthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener, weil er mich verhaften wollte, und ich wurde durch ein Fenster in einem Korb an der Mauer hinabgelassen und entkam seinen Händen." Eine spektakuläre Flucht aus der großen Stadt Damaskus. Gemeint ist hier der König Aretas IV., der regierte von 9 v. Chr. bis 40 n. Chr. Das war ein König der Nabatäer. Die Nabatäer, die waren mehr südlich von Judäa eigentlich angesiedelt, und der hatte im Jahre 36 Krieg gegen Herodes Antipas geführt. Das war der Tetrarch von Galiläa und Peräa, den wir auch aus der Bibel kennen. In diesem Krieg hat Aretas IV. gesiegt. Und was uns aus den außerbiblischen Quellen zwar nicht eindeutig so belegt wird, aber was sich daraus offensichtlich hier im Kontext ergibt, dass in diesem Zusammenhang der Aretas auch Kontrolle über das vormals römisch geprägte oder besetzte Damaskus erhalten hat.
[38:17] Interessant ist hier auch die Chronologie. Wir wissen, dass Paulus sich kurz nach der Steinigung des Stephanus, die im Jahre 34 n. Chr. passiert ist, bekehrt hat. Und wir wissen aus Galater 1, Vers 17 – das können wir vielleicht kurz hier aufschlagen –, da heißt es: "Zog auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ging weg nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus zurück. Darauf nach drei Jahren zog ich nach Jerusalem hinauf, um Petrus kennenzulernen, und blieb 15 Tage bei ihm." Also Paulus bekehrt sich ja vor den Toren von Damaskus, ist dann eine kurze Zeit in Damaskus, geht dann erst mal nach Arabien. Das ist also irgendwo in die Wüste. Arabien ist damals eine römische Provinz, auch könnte auch die Sinai-Halbinsel damit gemeint sein oder auch das nordwestliche Gebiet des heutigen Saudi-Arabiens. Auf jeden Fall ist er dort in der Wüste und kehrt von dort dann wieder nach Damaskus zurück, und erst dann – das sind dann drei Jahre seit seiner Bekehrung – kommt er nach Jerusalem. Das heißt, als er jetzt Damaskus dann verlässt Richtung Jerusalem, sind drei Jahre später. Wir sind dann im Jahre 37 n. Chr., und das wäre dann tatsächlich ein Jahr nach diesem Krieg zwischen Aretas und Herodes, wo der Aretas gesiegt hat und entsprechend Kontrolle jetzt dort über diese Gebiete, vor allem östlich des Jordan, gewonnen hatte. Und das würde dann gut zu der Situation passen, wenn er sagt hier, dass ein Stadthalter des Aretas die Stadt der Damaszener bewacht hat, also da aufgepasst hat, dass Paulus nicht entkommen kann. Also das, was Paulus hier schildert, passt auch sehr gut in die Konstellation der historischen Situation im Jahre 37 n. Chr.
[40:07] Wir lesen weiter. 2. Korinther 12, Vers 1: "Das Rühmen nützt mir freilich nichts." Paulus weiß, diese ganze Argumentation, was er alles getan hat, ist letztlich – das bringt natürlich letztlich nichts, aber es gibt noch einen Aspekt, den er nicht aussparen möchte. Er sagt nämlich: "Doch will ich auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn zu sprechen kommen."
[40:30] Vers 2: "Ich weiß von einem Menschen in Christus, der vor 14 Jahren – ob im Leib oder ob außerhalb des Leibes, ich weiß es nicht, Gott weiß es – bis in den dritten Himmel entrückt wurde." Man könnte durch die Formulierung, so wie sie hier steht, denken, es würde sich um eine andere Person handeln, aber Vers 7 macht ganz deutlich, es handelt sich um Paulus selbst. Es heißt nämlich hier: "Und damit ich mich wegen der außerordentlichen Offenbarung nicht überhebe." Also Paulus hat diese große Vision gehabt, und er möchte allerdings natürlich nicht den Eindruck erwecken, dass er sich selbst rühmt, und deswegen präsentiert er das jetzt sehr, sehr vorsichtig, denn mit dieser Erscheinung ist natürlich erst recht prophetische Autorität verbunden. Er sagt ganz vorsichtig, quasi fast durch die Blume: "Ich bin in den dritten Himmel entrückt worden." Und er sagt das so vorsichtig, dass es am Anfang erst klingt, das wäre jemand anders gewesen, aber wer genau liest, merkt: Er ist es gewesen. Er möchte sich damit nicht, er möchte nicht prahlen. Ich möchte nur sagen: Wenn ihr mich kritisiert und denkt, ich bin kein wahrer Apostel, ich möchte nur sagen, ich möchte mich nicht rühmen, aber ich war im dritten Himmel.
[41:48] Und wenn er sagt: "der vor 14 Jahren", wenn man sich die Chronologie des Paulus anschaut, dann fällt das in die Zeit noch vor seiner ersten Missionsreise, also relativ am Anfang auch seines christlichen Lebens.
[42:04] Vers 3: "Und ich weiß von dem betreffenden Menschen – ob im Leib oder außerhalb des Leibes, weiß ich nicht, Gott weiß es –, dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die ein Mensch nicht sagen darf." Also, wenn er in den dritten Himmel entrückt worden ist, damit ist wohl offensichtlich diese Idee gemeint: Der erste Himmel ist unsere Atmosphäre, die uns umgibt, ja, wo die Vögel im Himmel fliegen. Der zweite Himmel, das ist dann sozusagen das sichtbare Universum, wo man die Planeten und Sterne und das alles beobachten kann. Der dritte Himmel ist dann sozusagen noch eine Ebene weiter, der unsichtbare Teil dessen, was wir Universum nennen, der Bereich der Herrschaft Gottes. Und er sagt: "Ich bin sogar in das Paradies entrückt worden." Worte, die man nicht aussprechen darf, hat er gehört. Er hat also wirklich eine enorme prophetische Autorität.
[43:05] Vers 5: "Wegen eines solchen will ich mich rühmen. Meiner selbst wegen aber will ich mich nicht rühmen, als nur meiner Schwachheiten." Hier wird auf jeden Fall deutlich: Paulus hat das Ganze nicht als eine Leistung von Paulus dargestellt. Es war ja ein Geschenk Gottes an ihn, das himmlische Paradies in der Vision, im Traum, wie auch immer. Er sagt: "Ich kann es ja selbst gar nicht verstehen, wie das passiert ist, dort im Geist anwesend sein zu können."
[43:44] Vers 6: "Zwar wäre ich, wenn ich mich rühmen wollte, deshalb nicht töricht, denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit niemand mehr von mir hält, als was er an mir sieht oder von mir hört." Der Grund, warum Paulus nicht überall durch die ganzen Gemeinden zieht, nach Athen und nach Korinth, und gleich von diesen Visionen redet – ja, also die Tatsache ist ja, er sagt jetzt erst im zweiten Korintherbrief, nachdem er ja dort die Gemeinde gegründet hat und schon einen nächsten Brief geschrieben hat, und auch jetzt erst ganz am Ende und das auch noch sehr verklausuliert, dass er solche Visionen gehabt hat. Er geht damit nicht hausieren, weil er möchte nicht, dass die Menschen ihn deswegen hoch einschätzen. Er möchte nicht, dass die Menschen sagen: "Ah, der Paulus, der war im Paradies, deswegen müssen wir ihm folgen." Das soll nicht die Grundlage sein. Ihre Einschätzung soll auf dem basieren, was sie in seinem Leben sehen und in seinen Predigten hören. Sie sollen also ihm nicht folgen, weil er im dritten Himmel war, sondern weil er das Evangelium von Jesus predigt und weil sein Leben bezeugt, dass dieses Evangelium wahr ist. Deswegen sollen sie ihm folgen. Das ist nämlich viel wichtiger, denn die Gläubigen könnten den Bericht von seiner Vision ja ohnehin nicht verifizieren. Paulus selbst konnte nicht genau sagen, wie das verlaufen ist. Umso weniger könnten jetzt Leute in Korinth oder sonst wo das sozusagen beweisen, dass das passiert ist. Das soll nicht die Grundlage ihres Glaubens sein, aber das Evangelium, das können sie verifizieren. Sie können die Bibel aufschlagen. Sie können die Predigt von Paulus prüfen. Sie können in ihrem eigenen Leben erfahren, dass die Erfahrung des Paulus nicht vorgespielt ist, sondern wirklich echt ist. Das kann man prüfen. Darauf kann sich der Glaube gründen. Paulus sagt: Wenn ich mich dieser Visionen rühme, dann würde ich nicht lügen. Das zeigt übrigens auch, dass er sie selbst erlebt hat, aber er möchte, dass die Geschwister Vertrauen zu ihm haben, basierend auf dem, was sie selbst überprüfen können und dann auch nachvollziehen können.
[45:49] Vers 7: "Und damit ich mich wegen der außerordentlichen Offenbarung nicht überhebe" – und hier, also hier wird's ganz deutlich, er hat diese Offenbarung selbst erlebt, er war im dritten Himmel, er war im Paradies, also wie genau wusste er selbst nicht, aber er hat das dort gesehen und gehört im Geist – "wurde mir ein Pfahl fürs Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe." Selbst Paulus war nicht frei von der Gefahr, überheblich zu werden. Niemand von uns ist vor dieser Gefahr gefeit. Und gerade wenn man so gewaltige Erkenntnisse hat und Visionen gehabt hat, wäre es durchaus möglich gewesen, dass auch ein Mensch wie Paulus irgendwann sich höher einschätzt als alle anderen um ihn herum. Und um das zu verhindern, hat Gott es zugelassen, dass ein körperliches Leiden ihn stets daran erinnert hat, dass er ein schwacher Mensch ist. Ein körperliches Leiden, ein Pfahl fürs Fleisch. Gott ist nicht der Erfinder von Krankheiten und Schmerzen, aber Gott lässt Krankheiten und Schmerzen manchmal zu, und manchmal heilt er nicht, weil er ein größeres Ziel vor Augen hat.
[48:05] Paulus hatte sich gewünscht, Heilung zu erfahren. Vers 8: "Seinetwegen habe ich dreimal den Herrn gebeten, dass er von mir ablassen soll." Er hat dreimal darum gebeten, dass dieses Leiden verschwinden möge. Er sagt hier nicht genau, um was es geht. Möglicherweise geht es um sein Augenleiden, das so groß war, dass er seine Briefe größtenteils nicht selbst schreiben konnte. Er konnte ab und zu mal dann seine Unterschrift geben oder so. Paulus schreibt bei den Galatern: "Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch geschrieben habe." Er muss so kurzsichtig gewesen sein, dass ihn das wirklich im Dienst auch beeinträchtigt hat, und dass jeder Mensch, der dann vielleicht kurzsichtig ist, der geht anders mit Gegenständen um und der ist eingeschränkt. Die haben heutzutage Brillen, aber damals gab es das nicht. Paulus war also tatsächlich eingeschränkt, hat das gespürt, der hat Gott gebeten: "Bitte, gib doch, dass ich hier echte Heilung erlebe." Aber Gott hat es zugelassen, dass er nicht geheilt wurde. Gott hat ihn nicht geheilt, weil er wusste, dass in dieser Schwachheit, dieser körperlichen Schwäche Paulus sich immer wieder an den Herrn klammern würde, immer wieder um sich seiner Abhängigkeit bewusst werden würde und so auch nicht überheblich würde aufgrund der Offenbarung, die er erhalten hat.
[49:30] Vers 9: Deswegen die Antwort Gottes, und er hat zu mir gesagt, Jesus sagt: "Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen. Darum will ich mich am liebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne." Hier sehen wir: Dieses Leiden von Paulus war kein Charakterfehler. Das hätte Jesus sofort angegangen, dieses Problem. Ja, wenn wir darum bitten, dass Gott uns einen Charakterfehler nimmt, vielleicht sind wir nicht sofort verändert, weil auch die Formung des Charakters Zeit braucht, aber Gott vergibt Sünde sofort und er beginnt sofort an unserem Herzen zu wirken, wenn wir das möchten. Gott lässt keine Charakterfehler stehen. Nein, hier geht es tatsächlich um eine körperliche Angelegenheit. Die Gnade Gottes ist ja dazu da, Charakterfehler zu vergeben und zu heilen. Mit anderen Worten sagt Jesus hier: Wenn die Gnade dein Herz verändert hat und du durch das Evangelium ein neuer geistlicher Mensch bist, dann reicht das, auch wenn du körperlich ein Leiden hast. Bekehrung ist notwendig. Körperliches Leiden wird in diesem Leben nicht notwendigerweise geheilt. Gott wünscht sich natürlich, dass wir gesund sind. Jesus hat viele Menschen geheilt, aber er hat auch nicht alle Menschen geheilt. Es gab Menschen in Kapernaum in Markus 1, die wurden zu ihm gebracht und er hat sie nicht geheilt, weil der Auftrag darin bestand, auch in andere Städte zu gehen. Es gab Menschen, die wurden nicht von Jesus geheilt, selbst als er auf der Erde war. Es gibt Menschen in der Bibel wie Elisa, der treue Prophet, der in einer Krankheit gestorben ist. Johannes vielleicht nicht direkt krank, aber im Gefängnis geköpft. Gerade weil Gott durch den körperlich schwachen Paulus so großartig wirken konnte, gerade deswegen wird Gottes Kraft dadurch verherrlicht. Es ist die Schwachheit des Menschen, die die Kraft Gottes besonders klar hervorleuchten lässt. Und wir erinnern uns, dass Paulus in 2. Korinther 4, Vers 7 gesagt hat: "Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überragende Kraft von Gott sei und nicht von uns." Er sagt: Wir sind nur ein irdenes Gefäß, schwach und zerbrechlich. Aber die Botschaft, das Evangelium, die Gegenwart Gottes in unserem Leben, die Freundschaft mit Jesus, seine Erlösung, das sind unfassbare Schätze. Und darum geht es dem Paulus.
[52:18] Paulus hat nun erkannt, dass körperliche Schwäche keine Schande ist. Sie macht ihn umso abhängiger von Jesus und von seiner Kraft, und damit hat er sich zufriedengegeben.
[52:30] Vers 10: "Darum habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um des Christus willen. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark." In diesem Sinne freut er sich über körperliche und äußere Widrigkeiten. Nicht, dass er gerne verletzt wird, nein, nein, aber er freut sich in dem Sinne, dass er weiß: Gerade dann, wenn ich angegriffen werde, gerade dann erlebe ich die besondere Kraft Gottes in meinem Leben. Und deswegen lasse ich mich nicht entmutigen. Deswegen freue ich mich in diesem Sinne, dass wenn ich Schwierigkeiten erleide, ich dann umso mehr Erfahrung mit Gott mache, der trotzdem mich hindurchträgt und wo ich merke: Alleine würde ich es nicht schaffen, aber Gott hilft mir und Gott stärkt mich. Und so dürfen wir diesem schweren Thema von Schwierigkeiten, von Leid, von Schmerz eine neue Perspektive abgewinnen. Lasst uns, wenn wir Schwierigkeiten haben, darauf achten, wie Gott gerade in den Schwierigkeiten besonders nahe ist, besonders deutlich spricht, besonders klar ermutigt. Und lasst uns diese Nähe Gottes in den Schwierigkeiten schätzen. Nicht die Schwierigkeit an sich, sondern die besondere Nähe Gottes in der Schwierigkeit.
[54:00] Vers 11: "Ich bin töricht geworden mit meinem Rühmen. Ihr habt mich dazu gezwungen, denn ich sollte von euch empfohlen werden, da ich den bedeutenden Aposteln in nichts nachstehe, wenn ich auch nichts bin." Paulus sagt: Das hätte ich eigentlich alles gar nicht schreiben sollen. Das ist eigentlich unnötig. Ihr hättet eigentlich den Irrlehrern sagen sollen: "Wir sind eine Gründung von Paulus. Paulus ist ein Apostel so wie Petrus und Johannes." Eigentlich solltet ihr mich so gut kennen, dass ihr mich als einen vollwertigen, großen Apostel anerkennt. Das sagt Paulus. Ihr solltet mich anderen gegenüber empfehlen. Bei allem sagt Paulus trotzdem: Ich bin mir bewusst, ich selbst bin nichts. Ich bin zwar einer der großen Apostel, aber nur weil Jesus in mir wirkt, die Gnade Gottes. Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Das sagt er ja. Er selbst ist nichts wert ohne Jesus.
[54:54] Vers 12: "Die Zeichen eines Apostels sind unter euch gewirkt worden in aller Geduld, in Zeichen und Wundern und Kraftwirkungen." Alles, was man sich wünschen kann von äußeren Zeichen, um zu wissen, dass wirklich ein Apostel gegenwärtig ist, das haben die Korinther gesehen, als Paulus dort missioniert hat und die Gemeinde gegründet hat.
[55:16] Vers 13: "Denn worin seid ihr benachteiligt worden gegenüber den restlichen Gemeinden, außer dass ich selbst euch nicht zur Last gefallen bin? Vergebt mir dieses Unrecht." Paulus sagt: Der einzige Unterschied, den ihr erlebt habt im Vergleich zu dem, was sonst ich in Gemeinden mache oder auch was sonst Apostel in den Gemeinden tun, das einzige ist: Ich habe kein Geld von euch verlangt, wie wir das in 1. Korinther 9 erlebt haben. Und er sagt: Wollt ihr wirklich deswegen jetzt meinen Dienst diskreditieren? Wollt ihr deswegen ihn als weniger wichtig ansehen?
[55:51] Vers 14: "Siehe, zum dritten Mal bin ich nun bereit zu euch zu kommen, und ich werde euch nicht zur Last fallen, denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Es sollen ja nicht die Kinder den Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern den Kindern." Paulus wird auch bei seinem neuen Besuch in Korinth kein Geld verlangen. Es geht ihm um die Korinther, nicht um ihren Besitz. Er sieht sich als ihr Vater, wie wir schon in 1. Korinther 4, Vers 15 gesehen haben. Sie sind seine geistlichen Kinder. Er sagt: Als geistlicher Vater muss ich für euer Wohl sorgen, nicht umgekehrt.
[56:32] Vers 15: "Ich will aber sehr gerne Opfer bringen und geopfert werden für eure Seelen. Sollte ich auch, je mehr ich euch liebe, desto weniger geliebt werden?" Paulus sagt: Selbst wenn ihr mich nicht so liebt, wie eigentlich es sein sollte, bin ich trotzdem bereit, mich aufzuopfern. Selbst wenn ihr nicht die angemessene Gegenliebe zeigt, wird das an meiner Liebe nichts mindern. Meine Liebe zu euch und mein Eifer für euch ist unabhängig von eurer Gegenreaktion. Und damit wird Paulus in dieser Hinsicht, auch in dieser Hinsicht, zu einem Typus auf Jesus, der uns mit unbedingter, ewiger Liebe liebt. Jeremia 31 und dort Vers 3: "Von ferne her ist mir der Herr erschienen. Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. Darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade." Ewige Liebe. Es ist diese Liebe Gottes, die sich in Römer 5, Vers 8 und 10 darin zeigt, dass Jesus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren, als wir noch Gottes Feinde waren, sagt die Bibel. "Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren." Deswegen Vers 8: "Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren." Gottes Liebe ist nicht abhängig von unserer Reaktion, aber Gott wünscht sich eine Gegenreaktion. Er wünscht sich, zurückgeliebt zu werden. So wie Paulus, der seine Liebe nicht abhängig macht von der Gegenreaktion der Korinther, sich trotzdem wünscht, dass auch ihr Herz aufgeht, wie wir es in den Kapiteln vorher in Kapitel 6 gesehen haben. Er sagt sogar hier: "Meine Liebe wird sogar größer, je mehr eure Liebe abnehmen sollte." Auch das ein bemerkenswertes Fenster in der Liebe Gottes.
[58:47] Vers 16: "Doch sei es so, dass ich euch nicht belästigt habe, weil ich aber schlau bin, habe ich euch mit List gefangen." Der Vers ist nicht einfach, gibt verschiedene Überlegungen. Vielleicht gibt dieser Vers das Argument der Irrlehrer wieder, die dann sowas sagen würden wie: "Ja, Paulus hat natürlich kein Geld verlangt. Er verwendet eine listigere Art und Weise. Er kündigt nämlich eine Sammlung für Jerusalem an, mit der er sich dann aber bereichert." Und deswegen fragt er jetzt in Vers 17: "Habe ich euch etwa übervorteilt durch irgendjemand von denen, die ich zu euch sandte? Hat er den Titus gesandt, um die Sammlung vorzubereiten?" Wenn das so wäre, wenn Vers 16 so zu verstehen wäre, wäre das jetzt eine Antwort auf die Behauptung der Gegner, die er sozusagen in Vers 16 in Anführungsstrichen wiedergegeben hat. Paulus war natürlich jemand, der geschickt missioniert hat, jemand, der sich hineingedacht hat in die Herzen der Menschen, der nicht einfach plump daherkam, der sich überlegt hat: "Dem Juden ein Jude zu sein und dem, der nicht das Gesetz kennt, erst mal so zu begegnen mit Beispielen, Allegorien, die nicht aus dem Gesetz kommen." Er hat überlegt, mit Weisheit die Menschen zu erreichen. Und deswegen wird manchmal auch davon ausgegangen, dass dieser Vers "Ich habe euch mit List gefangen" auch darauf sich bezieht, dass er sozusagen mit Feingefühl, mit Überlegung die Korinther gewonnen hat. Wie auch immer, eins ist ganz sicher, und das wird durch den ganzen Kontext deutlich: Paulus hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Er hat sie nicht irgendwie übervorteilt. Er hat sie nicht manipuliert, sondern er hat sie einfach auf gewinnende Weise gewonnen und möchte jetzt deutlich machen, dass das, was die Irrlehrer über ihn sagen, falsch ist.
[61:03] Vers 18: "Ich habe den Titus gebeten und mit ihm den Bruder gesandt. Hat etwa Titus euch übervorteilt? Sind wir nicht in demselben Geist gewandelt, nicht in denselben Fußstapfen?" Wir haben schon in 2. Korinther 8 gesehen, wie Paulus den Titus sendet und auch diesen anderen Bruder, der dort mit Namen nicht genannt ist und auch hier nicht. Die Frage ist natürlich rhetorisch. Auch die Abgesandten von Paulus haben keinerlei finanziellen Betrug verübt.
[61:32] Vers 19: "Meint ihr wiederum, wir verteidigen uns vor euch? Vor dem Angesicht Gottes in Christus reden wir, und das alles, Geliebte, zu eurer Erbauung." Paulus sagt: Ich muss mich nicht entschuldigen. Was ich sage, sage ich im Bewusstsein, dass Gott Zeuge ist. Ich will die Gemeinde aufbauen. Ich will ihr nicht schaden.
[61:52] Vers 20: "Denn ich fürchte, wenn ich komme, könnte ich euch nicht so finden, wie ich wünsche, und ihr könntet auch mich so finden, wie ihr nicht wünscht. Es könnte Streit unter euch sein, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Verleumdung, Verbreitung von Gerüchten, Aufgeblasenheit, Unruhen." Paulus macht sich Sorgen, dass die Probleme, die er im ersten Korintherbrief angesprochen hat, vielleicht noch nicht vollständig aus der Welt sein könnten. Wenn das der Fall ist, dann würde sein Besuch jetzt anders verlaufen, als er sich eigentlich wünscht. Dann müsste er doch noch durchgreifen. Dann müsste er doch noch Gemeindezucht anwenden. Das wünscht er sich aber gar nicht.
[62:32] Vers 21: "So dass mein Gott mich nochmals demütigt bei euch, wenn ich komme, und ich trauern muss über viele, die zuvor schon gesündigt und nicht Buße getan haben wegen der Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie begangen haben." Wird ganz deutlich: Paulus weiß, wenn die Korinther die Probleme, die sie eigentlich selbst lösen sollten – deswegen sendet er ja Briefe im Vorhinein – nicht lösen, dann wird er als Apostel dort für Ordnung sorgen müssen. Nun, die Schlachter 2000 übersetzt hier so: "dass mein Gott mich nochmals demütigt bei euch." Und das ist aber nur eine von zwei Übersetzungsvarianten. In dieser Variante ist diese Idee, dass Paulus in der Zwischenzeit schon mal in Korinth gewesen ist. Also das heißt, dass er von Ephesus schon mal kurz nach Korinth gefahren ist und wieder zurückgekommen ist dann nach Ephesus. Wir haben das, glaube ich, an anderer Stelle schon mal kurz erklärt. Das war im Zusammenhang mit 2. Korinther...
[1:03:30] 2. Korinther 2, Vers 1, ja, wo einige Ausleger davon ausgehen, dass er einmal in Korinth gewesen ist, wo es sozusagen daneben ging, wo man im Streit gewesen ist und das Ganze dann schlecht ausgegangen ist. Und deswegen wird jetzt hier dann übersetzt, dass er mich nochmals bei euch demütigt.
[1:03:49] Aber alternativ kann man den Satz auch so übersetzen, sodass mein Gott mich als Wiederkommenden, also den, der nochmals zu euch kommt, demütigt. Und das ist tatsächlich griechisch sogar fast die bessere Alternative. Und dann bräuchte man keinen zwischenzeitlichen traurigen Besuch implizieren. Aber dazu, wie gesagt, die Erklärung im Sendemanuskript Nummer 10 im Zusammenhang mit 2. Korinther 2, Vers 1.
[1:04:18] 2. Korinther 13, Vers 1: „Dies ist das dritte Mal, dass ich zu euch komme. Durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll jede Sache bestätigt werden.“ Paulus ist jetzt zum dritten Mal bereit, nach Korinth zu gehen. So hat er es ja in Vers 14 gesagt: „Siehe, zum dritten Mal bin ich nun bereit, zu euch zu kommen.“ Das bedeutet nicht unbedingt, dass er jetzt das dritte Mal zu ihnen kommt. Das ist nicht exakt das Gleiche. Und er zitiert hier 5. Mose 19, Vers 15, etwas gekürzt: „Durch den Mund von zwei oder drei Zeugen soll jede Sache bestätigt werden.“
[1:04:54] Vers 2: „Ich habe es im Voraus gesagt und sage es im Voraus, wie bei meiner zweiten Anwesenheit, so schreibe ich euch jetzt in meiner Abwesenheit denen, die zuvor gesündigt haben und allen Übrigen, dass ich nicht schonen werde, wenn ich nochmals komme.“ Auch hier ist es wieder eine Übersetzungsangelegenheit. Man kann auch übersetzen: „Ich habe es vorher erklärt und sage es, als ob ich anwesend wäre, ein zweites Mal.“ Also da bezieht sich das „zweite Mal“ nicht auf das Anwesendsein, sondern auf das Sagen. Ich sage es ein zweites Mal, als ob ich anwesend wäre, und schreibe euch als Abwesender. Und dann muss man wiederum keinen zwischenzeitlichen Besuch in Korinth annehmen, wie man es machen müsste, wenn man jetzt die Schlachter-Übersetzung hier zugrunde legt.
[1:05:39] Paulus, aber das ist jetzt entscheidend für uns, er warnt sehr deutlich: Wenn er nach Korinth kommt und die Gemeinde dort immer noch Sünde, offene Sünde toleriert, wird er das nicht dulden. Es handelt sich offensichtlich um eine Gruppe, nicht mehr die ganze Gemeinde. Wenn wir den gesamten 2. Korintherbrief vor Augen haben, dann sieht es so aus, dass die Mehrzahl der Gemeinde den 1. Korintherbrief sehr gut angenommen hat und sich entsprechend auch auf Paulus wieder eingestellt hat. Aber es scheint immer noch Leute zu geben, einzelne Geschwistergruppen, die das nicht so sehen. Und Paulus macht deutlich: „Wenn ihr diese Dinge nicht bereinigt, werde ich als Apostel durchgreifen.“
[1:06:19] Die Mehrheit, so scheint es, scheint bereits auf der Seite von Paulus zu stehen. Wir haben in 2. Korinther 2, Vers 6 schon gesehen, dass dort die Mehrheit auch den betreffenden Unzüchtigen ausgeschlossen hat, zumindest unter Gemeindezucht gestellt hat. Aber offensichtlich gibt es eine kleinere Gruppe, die noch am Widerstand festhält. Und es könnte tatsächlich sein, dass Paulus in den ersten neun Kapiteln vor allem zu der großen Mehrheit der Gemeinde spricht und dann in den restlichen Kapiteln, jetzt ab Kapitel 10, sehe ich das an diesen Resten, die noch mehr im Widerstand waren. Das könnte erklären, warum sich der Ton ab Kapitel 10 etwas verschärft.
[1:06:59] Also Interpreten haben immer festgestellt, irgendwie im 2. Korintherbrief gibt es einen Bruch. Das ist lange Zeit voll vom Trost und von der Erbauung und es ist immer sehr positiv und die Dankbarkeit, dass die Korinther alles angenommen haben, und dann so ab Kapitel 10, dann kippt das so und dann hört man wieder die ganzen alten Probleme. Und einige Kritiker haben angenommen, es liegt daran, dass hier mehrere Leute an den Brief geschrieben haben und das alles gar nicht von Paulus stammen könnte, vielleicht oder zusammengeschustert ist oder so. Aber viel wahrscheinlicher ist es, dass Paulus hier tatsächlich verschiedene Gruppen anspricht, wie wir das ja auch schon angedeutet haben, dass er ab Kapitel 10 vor allem denen noch mal entgegentritt, die bisher nicht so wirklich den 1. Korintherbrief angenommen haben, während er in den ersten neun Kapiteln zur großen Mehrheit der Gemeinde gesprochen hat.
[1:07:47] Vers 3: „Weil ihr ja einen Beweis verlangt, dass Christus durch mich redet, der euch gegenüber nicht schwach ist, sondern mächtig unter euch.“ Einige haben offenbar angezweifelt, dass Jesus wirklich durch Paulus spricht. Und Paulus sagt jetzt, dass, wenn er energisch gegen Sünde und Rebellion einschreiten wird, dann wird das ein Beweis sein, dass Jesus Christus mit ihm zusammenarbeitet.
[1:08:17] Und jetzt kommt er hier zu einem interessanten Punkt. Vers 4: „Denn wenn er auch aus Schwachheit gekreuzigt wurde, so lebt er doch aus der Kraft Gottes. So sind auch wir zwar schwach in ihm, doch werden wir mit ihm leben aus der Kraft Gottes für euch.“ Also hier ist der Punkt: Jesus hat sich zwar von Sündern und Rebellen gefangen nehmen lassen und kreuzigen lassen. Er hat den Widerspruch der Sünder erduldet gegen sich und ist wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt worden, um für unsere Sünden zu sterben. Aber dennoch ist er auferstanden und er lebt aus der Kraft Gottes. Er ist Priester, König im Himmel – siehe Hebräerbrief – und wird mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen, um die Sünder zu bestrafen (Judas 14 und 15).
[1:09:03] Die Demut und die Selbstaufopferung von Jesus sollten niemanden veranlassen zu glauben, dass Jesus nicht auch klar und deutlich gegen die Rebellion durchgreifen wird. Jesus kam auf diese Welt demütig, sanftmütig, hat sich erniedrigt, aber daraus folgt nicht – das ist ein wichtiger Punkt, weil heute viele dieser Irrlehre anhängen, dass Gott niemals strafen würde – daraus folgt nicht, dass Jesus nicht auch am Ende der Zeit klar und deutlich die Sünde und die Rebellion beseitigen wird und durchgreifen wird in dieser Weltgeschichte.
[1:09:37] Und Paulus bezieht dieses Prinzip jetzt auf seinen Dienst, da er ja mit Jesus gekreuzigt ist, da Christus in ihm lebt und er in Christus sich befindet. Im Dienst von Paulus widerspiegelt sich dieselbe Demut und Sanftmut, die Geduld und Liebe, die Jesus hier auf dieser Erde gehabt hat. Aber diese Schwachheit soll niemanden veranlassen zu glauben, dass Paulus nicht am Ende auch deutlich gegen Sünde einschreiten wird und mit Autorität die Gemeinde ordnen wird, so wie Jesus gegen Sünde als Richter, Hohepriester und König dann einschreitet.
[1:10:19] 2. Korinther 13, Vers 5: „Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid. Stellt euch selbst auf die Probe. Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr unecht wärt.“ Angesichts dessen, dass Paulus bestehendes Unrecht nicht dulden wird, sollen die Korinther jetzt noch, bevor er ankommt, sich selbst prüfen. Sind wir wirklich im Glauben? Ist unser Christentum echt? Glauben wir das wahre Evangelium? Sind wir wirklich mit Christus verbunden? Das ist ein wichtiges Prinzip für uns. Wir sollen uns selbst ernsthaft prüfen, erforschen, ob unser Glaube mit dem Wort Gottes übereinstimmt. Wir sollen zwar nicht ständig auf uns selbst schauen, wir sollen auf Jesus schauen, aber wir sollen uns die Frage stellen: Mache ich mir etwas vor oder habe ich Jesus persönlich für mich angenommen? Ist er mein persönlicher Erlöser?
[1:11:21] Immer wieder stelle ich mir diese Frage und ich möchte diesen Punkt für mich persönlich immer wieder neu bestätigen, neu festmachen: Ich bin ein Kind Gottes. Jesus soll mein Erlöser sein für diese Sünden und für diese Sünden, für diesen Charakterfehler, für alle die Dinge, die mein Leben kaputt machen wollen. Er soll mein Erlöser sein, mein Freund, mein Hohepriester, mein König. Paulus ermutigt uns, nicht nur die Korinther, uns selbst zu prüfen: Sind wir wirklich echte Christen? Machen wir uns und anderen nur etwas vor?
[1:11:55] Jeder, der Christus in sich leben hat, weiß auch, dass Christus in ihm lebt. Niemand ist ein Christ und weiß es nicht. Aber es kann sein, dass man verführt ist, dass man denkt, man ist ein Christ und man merkt eigentlich, rede ich nur Theorie. Aber jemand, der die Kraft Gottes erlebt, der weiß das auch. Der weiß es wirklich. Und deswegen möchte Paulus, dass wir selbst erleben, selbst prüfen, denn der neue Bund besteht ja darin, dass Gott uns unsere Sünden tatsächlich vergibt, so dass wir ihn persönlich kennen und er sein Gesetz in unser Herz schreibt, dass wir nicht nur der Wahrheit zustimmen, sondern dass wir Gott kennen. Dann sind wir echte Christen.
[1:12:46] Vers 6: „Ich hoffe aber, ihr werdet erkennen, dass wir nicht unecht sind.“ Paulus möchte andersherum auch, dass die Korinther ihn nicht für einen Heuchler halten. Er wünscht sich, dass sie die Aufrichtigkeit seines Glaubens verstehen.
[1:12:57] Vers 7: „Ich bete aber zu Gott, dass ihr nichts Böses tut, nicht damit wir bewährt erscheinen, sondern damit ihr das Gute tut, wir aber wie Unbewährte sein.“ In den Versen vorher hat Paulus ja gesagt, dass er bereit ist, die offene Sünde mit Autorität zu strafen, wodurch seine Verbindung mit Jesus, der genau das tut, offenbar wird und sichtbar wird. Aber er wünscht sich auch, dass es gar nicht so weit kommen muss. Er möchte lieber auf diesen Beweis seiner Autorität verzichten. Also mit anderen Worten: Wenn er dann die Sünde, die offene Sünde in der Gemeinde antrifft und er sie korrigiert, der Gemeindezucht stellt und vielleicht zum Ausschluss sogar die Sache bringt, dann beweist er mit seiner Autorität als Apostel seine Verbindung mit Jesus. Aber er sagt: „Diesen Beweis möchte ich gar nicht bringen. Ich wünsche mir nämlich viel mehr, dass ihr aus eigenem Antrieb die Bibel erforscht, euch selbst erforscht, die Sünden erkennt, Buße tut, Vergebung erhaltet und als Wiederhergestellte im Werk Gottes arbeitet. Das ist mir viel lieber. Dann kann ich“, sagt Paulus, „zwar nicht den Beweis liefern, dass ich Autorität habe, aber das ist mir viel lieber. Ich möchte viel lieber, dass die Sünder ihre Sünden aufgeben.“
[1:14:06] Vers 8: „Denn wir vermögen nichts gegen die Wahrheit, sondern nur für die Wahrheit.“ Ein sehr, sehr wichtiges Prinzip. Alles, was wir tun, wird am Ende die Wahrheit Gottes bestätigen. Selbst wenn wir rebellieren, wird das nur dazu führen, dass am Ende der Charakter und das Wesen Gottes in seinem Umgang mit uns noch sichtbarer werden. Man kann der Wahrheit auf Dauer überhaupt gar nicht schaden. Sie ist zwar eine Zeit lang möglicherweise verhüllt, sie wird zwar eine Zeit lang verzerrt, aber all dies wird zu Ende gehen und die Wahrheit wird umso klarer triumphieren. Im Kontext heißt das für die Korinther: Egal ob sie sich bekehren oder weiter rebellieren, am Ende wird die Wahrheit Gottes im Evangelium triumphieren. Der entscheidende Unterschied ist nur, ob sie als Bekehrte davon selbst profitieren oder ob sie als verstockte Rebellen dann nicht mehr selbst von der bestätigten Liebe Gottes profitieren.
[1:15:01] Vers 9: „Wir freuen uns nämlich, wenn wir schwach sind, ihr aber stark seid. Das aber wünschen wir euch, euer Zurechtkommen.“ Paulus hat kein Verlangen, er möchte nicht als mächtiger Bestrafer von bestehenden Sünden auftreten. Er möchte, dass es den Korinthern so gut wie möglich geht und dass die Gemeinde gedeiht.
[1:15:24] Vers 10: „Darum schreibe ich dies abwesend, damit ich anwesend nicht Strenge gebrauchen muss, gemäß der Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat zum Erbauen und nicht zum Zerstören.“ Gerade weil er bei seiner Ankunft in Korinth nicht noch solche bestehenden Sünden strafen will, schreibt er jetzt diesen zweiten Brief, so wie er auch den ersten geschrieben hat, damit die Korinther noch die Gelegenheit bekommen, diese Angelegenheiten vorher zu bereinigen. Paulus ist zwar bereit, mit Vollmacht zu handeln, aber sein Wunsch ist, dass dies gar nicht notwendig sein muss. Liebe Freunde, liebe Freundin, Jesus spricht auch dadurch zu uns. Paulus ist auch hier ein Typus auf Jesus. Jesus kommt wieder und wird, wenn er wiederkommt, die Sünder strafen. Es wird ein Beweis seiner Autorität und seines Königtums sein, aber er wünscht sich nicht, sie strafen zu müssen. Und er freut sich über jeden, der vorher Buße tut. Und dazu sendet er uns Briefe.
[1:16:41] Wir sagen manchmal: „Warum kommt Jesus noch nicht?“ Und wir machen ihm vielleicht sogar Vorwürfe, so wie die Korinther dem Paulus Vorwürfe gemacht haben, dass er ja noch nicht gekommen sei. Weil Paulus schreibt: „Wenn ich dann gekommen wäre, ich hätte euch strafen müssen. Ich schreibe lieber einen Brief und erinnere euch an das wahre Evangelium, damit ihr selbst euch prüft, die Sünden erkennt, euch vergeben lasst, sodass, wenn ich wiederkomme, ihr gereinigt seid von diesen Problemen.“ Das ist ein Bild auf unsere Vorbereitung auf die Wiederkunft von Jesus. Er sendet uns sein Wort. Er wartet noch, damit wir aus diesen Worten profitieren, damit, wenn er wiederkommt, möglichst viele nicht den strafenden Jesus, sondern ihren Freund und Erlöser treffen.
[1:17:47] Und wenn jemand glaubt, Jesus würde sowieso nie strafen und am Ende werden alle gerettet, der möge den 2. Korintherbrief lesen, in dem Paulus als Mitarbeiter Jesu deutlich macht: Jesus war schwach, aber er lebt in der Kraft Gottes. Paulus war schwach, aber er sagt: „Wenn die Sündenprobleme nicht gelöst sind bei meiner Ankunft, werde ich durchgreifen.“ Die Korinther hatten mit diesem Brief die Gelegenheit, jetzt am Tag des Heils die Sachen zu bereinigen, bevor Paulus kommt. Wir haben heute mit der Bibel die Gelegenheit, jetzt am Tag des Heils die Sachen zu bereinigen in unserem Leben, bevor Jesus wiederkommt. Paulus will die Gemeinde erbauen, nicht kaputt machen. Jesus will unsere Gemeinde erbauen, nicht kaputt machen.
[1:18:47] Vers 11: „Im Übrigen, ihr Brüder, freut euch. Lasst euch zurechtbringen. Lasst euch ermahnen. Seid eines Sinnes“, was er schon vom Anfang des 1. Korintherbriefes immer gesagt hat, „haltet Frieden. So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.“ Jetzt beginnen die Schlussworte. Paulus wünscht sich, dass die Korinther echte Freude haben. Wir erinnern uns an Philipper 4: „Freut euch im Herrn, abermals sage ich: Freut euch.“ Er wünscht sich, dass sie sich wiederherstellen lassen. Er wünscht sich, dass sie die Ermahnung des Paulus annehmen. Das ist die echte geistliche Einheit, an dem wir, wie gesagt schon in 1. Korinther 1, Vers 10, war das ja das Thema. Er wünscht sich, dass sie als Geschwister friedlich zusammenleben, und er nennt Gott den Gott der Liebe und des Friedens. Er hat schon im 1. Korintherbrief gesagt, dass alles in Liebe geschehen soll. Der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein. Wir sollen in unseren Gemeinden Liebe üben und Frieden halten, damit der Gott der Liebe und der Gott des Friedens in uns und durch uns und mit uns wirken kann in dieser Welt.
[1:19:52] Vers 12: „Grüßt einander mit einem heiligen Kuss.“ Es grüßen, so wie auch in 1. Korinther 16, Vers 20, auch dort am Schluss: „Es grüßen euch alle Heiligen.“ Und dann der Brief mit einer besonderen Segensformulierung, die die Einigkeit beinhaltet: „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“
[1:20:26] Möge das die Erfahrung von uns allen sein. Möge die Botschaft dieser beiden Korintherbriefe uns heute tief aufrütteln. Ich möchte mir vornehmen, die Dinge, die in meinem Leben nicht geklärt sind, mit der Hilfe des Evangeliums zu klären, damit Jesus sie nicht strafen muss, wenn er kommt, sondern ich vorher vorbereitet bin. Ich möchte mir vornehmen, dass die Dinge, die Paulus hier schreibt, in meinem Leben sichtbar sind und dass die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes auch mit mir ist und auch mit dir, oder?
[1:21:19] Paulus endet mit einem Amen. So sei es. Lasst uns einstimmen mit einem Gebet und einem Amen, diese Botschaft für uns zu bestätigen. Lieber Vater im Himmel, hab Dank für die Tiefe und die Schönheit und die Kraft deines wunderbaren Wortes. Hab Dank, dass du zu uns gesprochen hast. Hab Dank, dass wir eine neue Perspektive auf die Briefe der Korinther erhalten konnten, aber am allermeisten danken wir dir, dass wir neue wichtige Prinzipien für uns entdecken konnten und auch alte wiederentdecken konnten. Herr, wir möchten dich bitten, dass wir uns vorbereiten auf deine Wiederkunft. Erfüll uns mit deinem Heiligen Geist, schenk du uns Gedanken, die von dir kommen, und lass uns von Paulus lernen, auch bei massiver Verleumdung im Geist Jesu und als Vorbild so zu handeln, dass durch unser Reden und Tun Jesus sichtbar wird, so wie Paulus das hier getan hat und sein Vorbild dich, Jesus, so sichtbar macht. Wir möchten dich bitten, dass du uns versiegelst mit deinem Heiligen Geist und hab Dank dafür im Namen Jesu. Amen.
[1:22:51] Damit endet unsere Serie über die Korinther. Aber wie schon angedeutet, werden wir ab nächster Woche eine neue spannende CSH-Serie beginnen. Es wird um die Gabe der Prophetie gehen. Es wird um Propheten gehen: Wer ist ein Prophet? Was ist die Grundlage der Prophetie? Was muss man beachten, wenn man das Leben und Wirken von Propheten studiert? Solche Fragen werden wir biblisch drei Monate lang gemeinsam betrachten. Ich lade euch ein, dann wieder dabei zu sein, einzuschalten, und ich freue mich schon, wenn wir dann Gottes Wort auch von dieser Seite neu betrachten können. Bis dahin Gottes Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Gott sei mit euch. Amen.