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In dieser Folge von „Corona und die Pandemiekroniken“ taucht Christopher Kramp tief in die Geschichte ein, um die Lehren aus der Kyprianischen Pest zu ziehen, die im 3. Jahrhundert das Römische Reich heimsuchte. Er beleuchtet die spärlichen Quellen, die Symptome und die Theorien über den Erreger dieser verheerenden Seuche.

Darüber hinaus analysiert Kramp die tiefgreifenden Auswirkungen der Pest auf das Römische Reich, von wirtschaftlichen Krisen und politischen Umwälzungen bis hin zur Rolle des aufstrebenden Christentums. Die Folge bietet faszinierende Einblicke in die Widerstandsfähigkeit der Menschen und die Bedeutung von Nächstenliebe in Zeiten extremer Not.


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Serie: Corona und die Pandemie- Chroniken

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Transkript

[0:00] Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von Corona und die Pandemiekroniken hier auf www.joelmedia.de. Mein Name ist Christopher Kramp und gemeinsam wollen wir erneut in die Geschichte schauen, um zu sehen, wie Pandemien in der Vergangenheit die Gesellschaft beeinflusst haben und dadurch auch wichtige Lehren für unsere heutige Zeit ziehen.

[0:27] Heute soll es um die sogenannte Kyprianische Pest gehen, die etwa 20 Jahre von 249 bis ungefähr 270 im Römischen Reich wütete. Anders als die Antoninische Pest im ersten Jahrhundert, die wir bereits in einer anderen Folge uns genauer angeschaut haben, ist dies eine Seuche gewesen, über die wir heute nur sehr wenig belastbares Quellenmaterial haben. Eine Pandemie, die von manchen Historikern regelrecht vergessen worden ist, was daran liegt, weil es nur sehr wenige zeitgenössische Aussagen darüber gibt.

[1:07] Wir finden allerdings zum Beispiel auch Münzen aus dieser Zeit, die uns deutlich machen, dass damals Menschen nach Heilung gesucht haben. Auf diesem Bild sehen wir auf der rechten Seite, auf der Rückseite dieser Münze eines römischen Kaisers, die Inschrift Apolle Salutari. Der Gott Apollo wurde als Heilbringer, als derjenige, der heilen kann, hier ganz besonders verehrt. Eine ganz außergewöhnliche Münzprägung, die dann über die Jahrzehnte auch beibehalten worden ist.

[1:41] Wie gesagt, es gibt nur wenige schriftliche Quellen. In jüngster Zeit hat der Historiker Kyle Harper all die verfügbaren Quellen zusammen gesammelt. Aus der Zeit direkt und aus den späteren Jahrhunderten bis in das zwölfte Jahrhundert gibt es vereinzelte Informationen in diversen Chroniken. Und wenn man alle Informationen zusammennimmt, kriegt man doch ein ganz gutes Gesamtbild über das, was sich damals in der Mitte des dritten Jahrhunderts im römischen Reich abgespielt hat.

[2:14] Einer der Hauptquellen, der zugleich ein Zeitgenosse, ein Augenzeuge gewesen ist, ist der Kirchenvater Cyprian, der zu jener Zeit als Bischof in Nordafrika in Karthago tätig gewesen ist und aus erster Hand berichtet, was diese Seuche dort auch in Nordafrika angerichtet hat. Wir wissen zumindest, dass diese Seuche das erste Mal in Alexandria in Ägypten im Osten des Reiches ausgebrochen ist. Erstmals wird sie im Jahre 249 um die Osterzeit erwähnt von einem christlichen Autor Dionysius.

[2:55] Man hat damals schon vermutet, dass diese Pandemie ihren Ursprung weiter südlich gehabt hat, in Äthiopien, das sagen die Quellen. Das ist allerdings nicht ganz sicher, weil Äthiopien damals in der Antike allgemein als der Ursprungsort aller Seuchen und aller Krankheiten galt. Schon Thukydides hat während seiner Beschreibung des Peloponnesischen Krieges die sogenannte Attische Seuche mit Äthiopien in Verbindung gebracht. Also schon damals konnte man bestimmte allgemeine Muster immer wieder erkennen und wir können den Quellen nicht immer uneingeschränkt vertrauen.

[3:31] Innerhalb kürzester Zeit breitete sich die Pandemie im ganzen Reich aus, oder in weiten Teilen des Reiches. Spätestens im Jahre 251 hatte sie auch die Hauptstadt Rom erreicht. Auf dieser Karte sieht man hier, wie die Ausbreitung verlaufen ist. Rom und Karthago waren im Wesentlichen schon westliche Eckpunkte, vor allem der Ostbereich, das östliche Mittelmeer, der Osten des Reiches waren stark betroffen, bis hin nach Pontus und Bithynien und Syrien und Ägypten, eine für damalige Zeiten sehr große, weit gefasste Ausbreitung für eine solche Krankheit.

[4:12] Interessant an dieser sogenannten Kyprianischen Pest war, dass sie saisonal auftrat. Sie begann immer im Herbst und lief dann monatelang, bis sie im Hochsommer plötzlich aufhörte, um dann etliche Wochen später wieder neu zu beginnen, etwas, das die Menschen damals schon beobachtet hatten und das ging dann mehr als 20 Jahre immer so weiter. Fakt ist, diese Krankheit muss sehr infektiös gewesen sein, hoch ansteckend. Man vermutet heute, dass der Erreger über die Luft übertragen werden konnte.

[4:46] Die Menschen damals konnten sich das nicht so genau vorstellen. So gab es die landläufige Meinung, dass man durch den Blick, durch das Auge selbst infiziert werden könnte und das hat natürlich dazu beigetragen, dass diese Krankheit Angst und Schrecken verbreitete und Menschen versuchten, sich davor zu schützen. Die Todesraten, die Mortalität war extrem hoch. Wir wissen natürlich statistisch nicht genau, wie hoch. Wir können uns nur auf die spärlichen Quellenbelege stützen. Gregor von Nyssa sagt zum Beispiel, es gab zeitweise mehr Tote als Lebende. Dexibus berichtet zeitweise von 5000 Toten pro Tag, eine gewaltige Menge, wenn man das vergleicht mit dem Höhepunkt der Antoninischen Pest im 2. Jahrhundert, wo bis zu 2000 Tote in Rom pro Tag gezählt worden sind. Andere berichten davon, dass ganze Landstriche, ganze Städte entvölkert worden seien. In Alexandria wird statistisch mit einem Bevölkerungseinbruch von 62 Prozent gerechnet. Das sind natürlich nicht nur Tote, da sind auch Menschen dabei, die geflohen sind. Aber das zeigt, wie sehr die allgemeine Population unter dieser Kyprianischen Pest litt.

[6:04] Was waren die Symptome dieser Krankheit? Es herrscht eine große Unsicherheit, wenn es darum geht, den Erreger genau zu definieren. Wir wissen, dass die Krankheit mit starkem Fieber einherging. Es gab einen schweren Durchfall, der zur Schwäche geführt hat. Akutes Fieber war ganz häufig eines der wesentlichen Kennzeichen. Wie gesagt, häufiges Erbrechen wird berichtet. Bindehaut, Blutung am Auge werden ebenfalls erwähnt. Das wird wohl auch diese Theorie mit der Infektion durchs Auge noch bestärkt haben. Fäulnis in den Gliedern, die zum Teil dann abgefallen sind, ist ein anderes Symptom gewesen. Eine allgemeine schwere Schwächung wird angegeben. Und es kam auch zu Blindheit und zum Verlust des Hörsinns.

[6:55] Die Theorien sind mannigfaltig. Manche Forscher glauben, dass es ein erstes Auftreten der Masern gewesen sein könnte. Andere halten dagegen, dass die Masern erst später im Menschen gewütet haben. Pocken als eine zweite Welle der Antoninischen Pest ist eine andere Theorie, die allerdings nicht wirklich mit der Beschreibung von Gallienus in der Antoninischen Pest zusammenhängt oder in Übereinstimmung gebracht werden kann. Andere vermuten, dass es sich vielleicht um die allgemeine Pest gehandelt haben könnte, die ja später dann auch im Mittelalter aufgetreten ist. Meningitis oder auch die Bakterienruhr sind andere Optionen.

[7:38] In jüngster Zeit hat Kyle Harper eine neue Theorie aufgestellt, die die Symptome mit einer anderen bekannten Pandemie in Verbindung bringt und eine hohe Übereinstimmung erzielt, nämlich mit einer Seuche, die im 16. Jahrhundert große Teile der damaligen indigenen Bevölkerung Mexikos dahin gerafft hat. Die sogenannte Kokoliztli-Epidemie im 16. Jahrhundert. Damals war ein virales, hämorrhagisches Fieber verantwortlich und möglicherweise war das genau auch der Erreger, der die sogenannte Kyprianische Pest ausgelöst hat.

[8:15] Nun, was waren die Folgen dieser gewaltigen Pandemie für das Reich? Seit langer Zeit haben Historiker von einer sogenannten Reichskrise gesprochen, die das 3. Jahrhundert gekennzeichnet habe. Heutzutage ist die Forschung davon etwas abgerückt. Man sieht nicht mehr das gesamte 3. Jahrhundert als ein Krisenjahrhundert. Man muss aber nach wie vor zugestehen, dass gerade in der Mitte des 3. Jahrhunderts das Römische Reich durch eine echte, schwere Zeit hindurchgegangen ist, was sich an verschiedenen Faktoren ablesen lässt. Und gerade diese schwere Zeit, dieser krisenhafte Moment, passt ganz gut in zeitliche Übereinstimmung mit den Daten der Kyprianischen Pest. So können wir zumindest sagen, dass diese Kyprianische Pest wohl ein Faktor mit gewesen ist, der diese sogenannte Reichskrise unterstützt hat.

[9:11] Was waren die Kennzeichen dieser Krise, die das Römische Reich so schwer durchgeschüttelt hat? Zunächst einmal war da ein Zusammenbruch des Währungssystems. Das wäre eine ganz interessante Lektion aus der Geschichte, auch wenn wir an die heutige Zeit denken. Damals haben die Silbermünzen extrem an Wert verloren, bis irgendwann die Münzen gar kein Silber mehr enthalten haben. Man hat erst sehr viel später, Jahrzehnte später, unter Diokletian eine Währungsreform durchgeführt und dann den Goldstandard eingeführt mit dem sogenannten Solidus, der eine neue, solide Basis für das Währungssystem schaffen sollte.

[9:49] Gleichzeitig sehen wir, dass in jener Zeit Geld und andere Reichtümer massiv gehortet worden sind. Wenn man alle Hortfunde, die in der Archäologie gefunden worden sind, zusammennimmt, dann ist gerade diese Zeit, die Mitte des dritten Jahrhunderts, die Zeit mit den allermeisten Hortfunden, die man jemals entdeckt hat. Außerdem sehen wir, dass die Gesellschaft stark durchgeschüttelt worden ist, was sich auch in der Politik gezeigt hat. Die Krise führte zu einer raschen Abfolge von immer neuen Kaisern, den sogenannten Soldatenkaisern, die jetzt vor allem auch durch das Militär erhoben worden sind.

[10:29] Hier im Bild sehen wir Gallienus, einen der vielleicht erfolglosesten Kaiser jener Zeit. Direkt nach ihm begannen dann die Soldatenkaiser für lange Zeit aus den Donauprovinzen zu kommen und nicht mehr aus Italien, nicht mehr aus den reichen senatorischen Eliten um Rom, sondern eher aus der Provinz, wo militärische Kader plötzlich die Macht an sich rissen und damit auch die ganze Struktur der Gesellschaft und der Herrschaftsstruktur im Römischen Reich ein neues Gesicht verliehen.

[11:01] Und natürlich gab es auch zahlreiche Angriffe von außen. Das geschwächte Römische Reich konnte sich nicht wirklich wehren. Gegen die Alamannen zum Beispiel, die just in dieser Zeit hier in Süddeutschland zum Beispiel den Limes überrannten, das sogenannte Dekumatland, und die Römer sich zurückziehen mussten, die Grenzen wieder zurücknehmen mussten. Auch die Goten sind öfter in das Reich eingefallen. Die Sarmaten und auch die Perser waren im Osten angriffslustig.

[11:29] Besonderes Interesse verdienen auch die Christen. Schon in der Antoninischen Pest hatten sie sich besonders in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt, weil sie durch ihre Nächstenliebe und ihre Hilfe auch für Andersgläubige gezeigt hatten, dass ihre Religion wirklich einen Anker für die Gesellschaft darstellte. In der Zeit der Kyprianischen Pest wurde das Christentum nun sehr viel sichtbarer. Viele Gotteshäuser entstanden jener Zeit und auch die Katakomben in Rom sind erst in jener Zeit sehr zahlreich geworden.

[12:05] Der genaue Anteil an Christen im Römischen Reich ist auch für das 3. Jahrhundert sehr schwer zu bestimmen. Die Forschungsmeinungen gehen sehr weit auseinander. Es herrscht aber Einigkeit darüber, dass es am Ende des 3. Jahrhunderts sehr viel mehr Christen gegeben haben muss als am Anfang. Und die Kyprianische Pest war dort einer der Faktoren, der dazu geführt hat, das Christentum immer mehr in der Gesellschaft zu verankern. Und das, obwohl es gerade in jener Zeit auch schwere Verfolgungen der Christen gab.

[12:40] 249 hatte Decius nach seiner Wahl beschlossen, dass alle Römer den Göttern opfern sollten, um ihre Loyalität zum Kaiser zum Ausdruck zu bringen. Einige Jahre später hat dann auch Kaiser Valerian eine ganz gezielt auf die Christen abgestimmte Verordnung erlassen, nach der jeder den Göttern opfern sollte mit dem Ziel und dem Wissen, dass Christen das ablehnen würden und sie dann verfolgt werden könnten. Im Bild sieht man so einen sogenannten Libellus, bei dem bescheinigt worden ist, dass man die notwendigen Opfer gebracht hat.

[13:15] Viele Christen, die sich weigerten, einen anderen Gott anzubeten als den Gott des Himmels, der in der Bibel beschrieben wird, mussten mit ihrem Leben dafür bezahlen und haben trotzdem gerade in jener Zeit der Kyprianischen Pest durch ihre Nächstenliebe und ihre Hilfe auf sich aufmerksam gemacht. Dabei war es so, dass Christen für alle Kranken sorgten, egal ob sie christlich oder pagan gewesen sind und durch ihren großen Mut Bewunderung auch hervorgebracht haben in weiten Teilen der Bevölkerung.

[13:51] Christen sind genauso an der Pest gestorben. Viele christliche Quellen machen das sehr deutlich, dass Christen und Nicht-Christen gleichermaßen weggerafft worden sind. Während aber Heiden sich entfernt haben und versucht haben zu fliehen, standen Christen ihren Mann und haben versucht, anderen zu helfen und hatten keine Angst vor der eigenen Ansteckung. Auch die sehr würdevolle Bestattung im Christentum mit der damit verbundenen Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, hat großen Eindruck auf die römische Bevölkerung gemacht.

[14:24] Außerdem haben viele heidnische Kulte aufgrund der Wirtschaftskrise ihre finanzielle Basis verloren. All das führte dazu, dass es zu einer massiven Ausbreitung des Christentums im römischen Reich kam. Die Krise zeigte einmal mehr, dass die christlichen Ideen und Werte tatsächlich der Gesellschaft hilfreich sein können.

[14:49] Und was war die Folge für das Christentum? Als einige Jahrzehnte später mit Diokletian ein neuer Kaiser an die Macht kam, der versuchte, aus diesen ganzen Krisenfaktoren herauszukommen und eine neue Ordnung zu etablieren, indem das politische System revolutioniert wurde durch die sogenannte Tetrarchie, indem die Wirtschaft auf eine neue Basis gestellt wurde, indem er selbst Diokletian sich sehr erhöhte und in eine gottgleiche Umgebung brachte.

[15:22] In jener Zeit wurden genau diese Christen, die so viel für das Reich getan hatten, jetzt erbarmungslos verfolgt in der wohl massivsten Verfolgung, die es jemals gegeben hat. Zehn Jahre lang wurden Christen gejagt, mit dem expliziten Ziel, sie ein für allemal auszurotten. Die Christen haben an ihrem Glauben festgehalten, denn sie wussten, dass ihr Herr und Meister Jesus von Nazareth in der berühmten Bergpredigt ihnen gesagt hatte: Ich aber sage euch, liebt eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen.

[16:05] Inmitten der Kyprianischen Pest leuchteten die Christen trotz Verfolgung als Menschen hervor, die nicht nur ihre Freunde und Bekannten liebten, sondern jeden Menschen, weil er ein Geschöpf Gottes ist. Wenn Sie, liebe Zuschauer, sich für die Wahrheit interessieren, wenn Sie Gott besser kennenlernen wollen, wenn Sie sich fragen, wo gibt es Menschen, die wirklich mit Gott in Verbindung sind, suchen Sie nach Menschen, die echte Nächstenliebe zeigen und praktizieren, die keinen Unterschied machen zwischen Freund und Feind. Denn diese Liebe ist nicht etwas, was wir als Menschen einfach selbst gestalten können, diese Liebe ist ein tatsächliches Geschenk des Himmels, wo immer sie sich zeigt, auch gerade in der Krise, da ist Gott ganz nah. Gottes Segen für Sie, bis zur nächsten Folge, bleiben Sie behütet und gesund.


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