Christopher Kramp führt in eine Sonderausgabe der CSH ein, die sich kritisch mit dem deutschen Studienheft „Vom Schatten zum Licht“ auseinandersetzt. Er beleuchtet theologische Abweichungen von der weltweit verbreiteten adventistischen Lehre, insbesondere bezüglich des „Großen Kampfes“ und der Endzeit. Kramp betont die Wichtigkeit biblischer Prüfung und analysiert die Interpretation von Jesaja 14 und dem Begriff „Luzifer“ im Studienheft.
CSH 2024 Q2 – Vom Schatten zum Licht – EXTRA: 1. Lehrt das Alte Testament den Fall Luzifers im Himmel?
Christopher Kramp · CSH 2024 Q2 - Vom Schatten zum Licht ·Themen: Bibel, Bibelstudium, Großer Kampf, Grundlehren der Bibel, Theologie, Zeichen der ZeitWeitere Aufnahmen
Serie: CSH 2024 Q2 - Vom Schatten zum Licht
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Transkript
[0:05] [Musik] [Applaus]
[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur allerersten CSH Extra, einem Sendeformat, das wir so hier bei Jul Media noch nie gehabt haben. Herzlich willkommen zu einer wichtigen und vielleicht auch herausfordernden Sendung, in der wir uns einem biblischen Thema aus einer ganz besonderen Perspektive widmen wollen.
[1:00] Ihr kennt vermutlich alle unsere Christ Study Hour, in der wir wöchentlich biblische Themen betrachten und uns dabei an den thematischen Vorgaben der Sabbatschullektion orientieren. Dabei folgen wir immer der Standardedition der weltweit gebrauchten Studienanleitung, die die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten weltweit herausgibt. In Deutschland gibt es neben dieser weltweit verwendeten Sabbatschullektion ein extra deutsches Studienheft, das dieselben Themen anders aufbereitet darstellt. Viele Jahre ist dieses deutsche Studienheft von der Division, also der mitteleuropäischen, intereuropäischen Kirchenleitung, herausgegeben worden, was seit einigen Jahren nicht mehr der Fall ist. Trotzdem wird dieses Heft immer noch von den deutschen Freikirchenleitungen in Nord- und Süddeutschland herausgegeben und ist für sehr, sehr viele Menschen im Gottesdienst die Gesprächsgrundlage und auch die Grundlage für das persönliche Bibelstudium im Alltag.
[2:14] Über die letzten Jahre und Jahrzehnte hat es immer wieder auch Konflikte gegeben über thematische, theologische Änderungen, Unterschiede, die wir hier nicht aufrollen wollen und die wir auch über die Jahre hinweg nie wirklich thematisiert haben hier in unserem Programm bei Jul Media. Angesichts der gegenwärtigen Sabbatschullektion über das Thema "Vom Schatten zum Licht" sehen wir es uns als unsere Aufgabe an, einige wenige extrem bedeutsame Abweichungen hier einmal konkret zu thematisieren, weil wir davon ausgehen, dass diese Themen auch in Zukunft uns als Gemeinden beschäftigen werden und die auch wichtig sind, um die Adventbotschaft wirklich richtig zu verstehen und auch weitergeben zu können.
[3:05] Vor ungefähr zwei Monaten habe ich einen Vortrag gehalten in der Adventgemeinde Ulm, in der ich bereits auf eine dieser Lektionen, die Lektion 1 aus dem gegenwärtigen Quartal Nummer 2 des Jahres 2024, eingegangen bin und dort einige Zitate vorgelesen habe und dann versucht habe, deutlich zu machen, wie wichtig unser Glaubenspunkt über den Großen Kampf, dieses Narrativ vom kosmischen Kampf, der im Himmel begann, wie entscheidend das für unseren Glauben ist. Der Vortrag hat ein großes Echo ausgelöst und auch ja, diverse Reaktionen. Ich habe in der Zwischenzeit das Vorrecht gehabt, mit dem Leiter des Arbeitskreises der Sabbatschule darüber ein sehr gutes, ausführliches, konstruktives Gespräch zu führen, mit dem Jens Oliver Mooh. Und wir sind dabei zum Schluss gekommen, dass es tatsächlich eine Reihe von exegetischen Problemen gibt, die in dieser Sabbatschullektion angesprochen gehören. Und er hat mir zurückgemeldet, dass er meinen Vortrag als zu angreifend empfunden hat.
[4:07] Ich habe damals versucht, mir alle Mühe zu geben, ganz deutlich zu machen – das möchte ich auch heute vor diesem Vortrag machen –, wirklich ganz deutlich zu machen, dass es mir nicht um Personen geht, dass ich in keinster Weise eine Person persönlich irgendwie angreifen möchte und auch nicht den Glauben einer Person, der Autorin, der Bearbeiter, der Gutachter angreifen möchte, beurteilen möchte, in keinster Weise die Aufrichtigkeit, die persönliche Frömmigkeit in Zweifel ziehen möchte. Alles, was mir ein Anliegen ist und was uns als Jul Media beschäftigt, ist das gedruckte Studienheft, wie es auch immer noch vertrieben wird und wie es jeder selbst nachlesen kann. Und über diese gedruckten Aussagen, die in vielen, vielen, vielen Haushalten als ein von der deutschen Adventgemeinde offiziell herausgegebenes Studienheft die Grundlage des Bibelstudiums bilden, über diese Aussagen möchte ich heute etwas genauer und im Detail sprechen. Ich möchte sie genau unter die Lupe nehmen. Wir möchten das tun, damit auch sichtbar wird, damit dieser, warum dieser Vortrag in Ulm gehalten worden ist und warum es wichtig ist, den Dingen auf den Grund zu gehen und auch die Dinge zu prüfen.
[5:18] Wie gesagt, es geht uns allein um die theologische, die inhaltliche Ebene. Und in dem Gespräch mit Jens Mooh ist deutlich geworden, oder hat er zumindestens mir gegenüber versichert, dass die Bearbeiter, von denen es ja eine ganze Reihe von verschiedenen Personen gibt, dass sie allesamt, so war seine Aussage, an die biblische Lehre vom Großen Kampf glauben. Und das möchte ich auch nicht in Abrede stellen. Worum es mir geht, sind die gedruckten Aussagen, so wie sie dort stehen und wie sie verbreitet worden sind. Und die wollen wir gemeinsam hier biblisch analysieren und ihre Stichhaltigkeit überprüfen.
[5:56] Und bevor wir das tun, möchten wir Gott einladen, der uns die Bibel gegeben hat und der uns von Herzen liebt und der uns alle unsere Sünden vergibt und der uns auch in unseren Schwachheiten hilft. Es geht nicht darum, dass jemand mal einen Fehler macht und deswegen verdammt oder verurteilt werden sollte. Ich habe selbst in meinem Leben große Fehler gemacht. Wir wollen nicht aufeinander einhacken, aber wollen die Wahrheit, die biblische Wahrheit, die Gott uns gegeben hat, hochhalten. Und dieser Gott, der uns diese Wahrheit gegeben hat, hat uns aufgefordert in der Bibel, für diese Wahrheit einzustehen. Und das wollen wir heute auch tun. Und wir möchten ihn einladen, dass er unser Studium segnet, uns Klarheit der Gedanken schenkt, damit wir sein Wort richtig verstehen. Ich lade dich ein, lieber Freund, liebe Freundin, dass wir gemeinsam jetzt beten.
[6:40] Lieber Vater im Himmel, ich möchte dir Danke sagen, dass du durch dein Wort zu uns sprichst und dass du uns die Wahrheit offenbarst, wie sie von dir gemeint worden ist. Und Herr, unser Verstand ist begrenzt, unsere Möglichkeit, dich zu verstehen, ist immer limitiert. Aber du wirst uns führen, das hast du versprochen durch deinen Heiligen Geist. Wir möchten dich bitten, dass du uns vor Irrtum bewahrst, dass du uns Freude an der Wahrheit schenkst, eine Liebe zur Wahrheit und eine Bereitschaft, die Fähigkeit, die Wahrheit auch in Liebe zu kommunizieren. Herr, erfülle uns mit deinem Heiligen Geist. Sei du unser Lehrer und hab Dank dafür im Namen Jesu. Amen.
[7:25] Der Grund, warum wir dieses Thema heute in dieser Form beleuchten, der findet sich in einigen Bibelversen in Apostelgeschichte 17, Vers 11. Dort heißt es: "Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte." Wir wollen ein Volk des Buches sein. Wir wollen Menschen sein, die der Bibel folgen und die auch biblische Predigten, Vorträge über die Bibel, gedruckte Materialien über die Bibel an der Bibel prüfen. Und wenn man die Aussagen eines Paulus prüfen durfte, wenn das sogar eine edle Gesinnung darstellt, dann glaube ich, ist es richtig und wichtig, dass wir auch die Bibel zur Hand nehmen und Lehrmeinungen, die vertreten werden, insbesondere dann, wenn neue Perspektiven eingebracht werden sollen, dass wir sie an der Bibel überprüfen.
[8:30] Es ist nicht immer angenehm und nicht immer einfach, für die Wahrheit einzustehen. Verschiedene Faktoren können dazu führen, zu sagen: "Okay, man ist lieber still und versucht einfach um des Friedenswillen nicht weiter darüber zu sprechen." Aber Paulus gebietet dem Timotheus, seinem jungen Mitarbeiter, kurz vor seinem Tod in 2. Timotheus 4, Vers 2: "Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen. Überführe, tadel, ermahne mit aller Langmut und Belehrung." Und das ist mein persönliches Anliegen. Wir möchten hier für die Wahrheit eintreten und hoffen, dass wir damit niemandem wehtun. Das ist unser persönlicher Wunsch. Aber wir können das Wort Gottes nicht beiseite stellen, einfach nur um der Harmonie willen. Das Wort Gottes ist ein zweischneidiges Schwert und wir wünschen uns von ganzem Herzen, dass es uns alle eint. Aber das Wort Gottes ist nicht verhandelbar.
[9:37] Deswegen steht in Judas 3: "Geliebte, da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu schreiben" – also der Judas wollte vom Evangelium sprechen – "hielt ich es jetzt für notwendig, euch mit der Ermahnung zu schreiben, dass ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für alle Mal überliefert worden ist." Dass sie für den Glauben kämpft. Gott hat uns Glaubensüberzeugungen in der Heiligen Schrift übergeben. Er hat Dinge offenbart, Dinge sind erkannt worden, er hat seine Gemeinde geführt. Und wenn Gott Wahrheit offenbart, dann ist es unsere Aufgabe, auch für diese Wahrheit einzustehen. Und wenn neues Licht präsentiert wird, zu prüfen, ob dieses neue Licht tatsächlich dem alten auch entspricht und dieses weiterführt und vertieft oder ob es das alte, bereits von Gott offenbarte Licht, unterminiert und letztlich verdunkelt.
[10:45] Dass es sich bei dem deutschen Studienheft tatsächlich um teilweise, natürlich nicht in allen Punkten, aber in bestimmten Punkten auch um neue Perspektiven, um neue Interpretationen gegenüber der weltweit verbreiteten adventistischen Theologie handelt, wird sehr deutlich, wenn man in dem offiziellen Magazin "Adventisten heute" der deutschen Freikirchen folgenden Absatz liest. Dort im April 2024 auf Seite 24 schreibt Rolf Pöhler: "Die Studienanleitung, die Standardausgabe, die Weltfeldausgabe, die auch für uns hier bei der CSH die maßgebliche Grundlage ist für das zweite Quartal 2024, orientiert sich eng am Aufbau und Inhalt des Buches und beschreibt die Ereignisse der letzten Zeit so, wie sie von Adventisten seit ihren Anfängen erwartet wurden. Das deutsche Studienheft zur Bibel lässt Raum für die Frage, ob das aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts heraus entwickelte Endzeitszenario einer Anpassung an die heutige Situation bedarf." Also ganz offiziell wird hier gesagt, dass hier diese Möglichkeit in Betracht gezogen wird. Und wenn also eine Anpassung in Betracht gezogen wird, dann ist es natürlich absolut richtig und wichtig, wenn wir uns diese Anpassung biblisch anschauen: Ist die biblisch vertretbar oder nicht?
[12:08] In der Einleitung zum Studienheft, dem besagten für dieses Quartal, heißt es hier auf Seite 3: "Keine Publikation aus adventistischen Verlagen erreicht auch nur annähernd die Auflagenhöhe des Buches 'Der Große Kampf', heute bekannt auch als 'Vom Schatten zum Licht'. Für Siebenten-Tags-Adventisten drückt dieser Titel eine Überzeugung aus, die in der Verkündigung und Lehre einen zentralen Platz einnimmt: Im Universum tobt ein uralter Kampf zwischen Gott (Christus natürlich) und Satan, Gut und Böse, Licht und Finsternis. Alle intelligenten Wesen müssen sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen. Davon hängt ihr Schicksal ab: ewiges Leben oder ewiger Tod. Diese Wahrheit auf der ganzen Welt bekannt zu machen und alle Menschen zur Anbetung des Schöpfers, zum Glauben an Jesus und zum Halten seiner Gebote aufzurufen, darin sieht die Freikirche ihren Auftrag, den sie gemäß der dreifachen Engelsbotschaft (Offenbarung 14, Vers 6 bis 12) zu erfüllen trachtet, bevor Christus wiederkommt. Adventisten – jetzt gut aufpassen – gewannen ihr Selbstverständnis aus der einzigartigen Rolle als Mitwirkende in diesem kosmischen Drama. In jüngerer Zeit entwickelte sich jedoch bei manchen ein gewisses Unbehagen gegenüber diesem Metanarrativ, also diesem großen Deutemuster: Ist die Fokussierung auf den Großen Kampf wirklich der einzige und beste Weg, das ewige Evangelium (Offenbarung 14) zu bezeugen? Fördert die ausführliche Beschäftigung mit Satans Täuschungs- und Verführungsversuchen sowie mit bedrohlichen Endereignissen einen gesunden, befreiten Glauben oder stärkt sie eher Angst und Heilsungewissheit? Benötigt die aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts entwickelte Endzeitvision möglicherweise eine Anpassung?" Da haben wir wieder diese Idee einer Anpassung an die heutige Zeit. "Diese und ähnliche Fragen stehen oft unausgesprochen im Hintergrund, wenn wie in diesem Studienheft vom Großen Kampf die Rede ist."
[13:59] Die Frage ist jetzt, handelt sich dabei einfach nur um das Aufgreifen von diversen Meinungen, die einfach im Gemeindekontext herumschwimmen, oder ist das etwas, was auch in diesem Studienheft als Intention mitschwingt? Interessanterweise findet sich dieser Abschnitt fast wörtlich in einem Artikel, der ein Jahr zuvor, etwas mehr als ein Jahr zuvor, im Februar 2023 im offiziellen Magazin "Adventisten heute" abgedruckt worden ist. Damals war das große Thema auch der Große Kampf. Da ging es also auch um dieses Buch und um das Thema. Und dort auf Seite 8 finden wir jetzt einen Abschnitt, der fast wörtlich genauso klingt wie der in der Einleitung zum Studienheft: "Für Adventisten drückt der Begriff ein zentrales Element ihrer Verkündigung und Lehre aus: Im Universum tobt ein uralter Kampf zwischen Gott und Satan, Gut und Böse, Licht und Finsternis. Alle intelligenten Wesen müssen sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen. Davon hängt ihr Schicksal ab: ewiges Leben oder ewiger Tod. Diese Wahrheit bekannt zu machen, überall bekannt zu machen und alle Menschen zur Entscheidung für Gott aufzurufen, ist der Kernauftrag der Gemeinde, den sie gemäß der dreifachen Engelsbotschaft erfüllt, bevor Christus wiederkommt." Das ist also wörtlich im Prinzip dasselbe.
[15:14] Und dann heißt es hier: "Während viele ihre adventistische Identität aus der Rolle als Mitwirkende in diesem kosmischen Drama gewinnen, spüren andere ein Unbehagen gegenüber diesem Metanarrativ. Ist es wirklich der einzige und beste Weg, das ewige Evangelium zu bezeugen? Fördert der Fokus auf Satans Täuschungs- und Verführungskünste einen gesunden Glauben oder stärkt er eher die Angst vor dem Teufel und den Gefahren der Endzeit?" Also in diesem Artikel ging es nicht nur um die Endzeitereignisse, sondern auch um das kosmische Drama an sich, um das Metanarrativ überhaupt. Das wird im nächsten Satz auch deutlich: "Muss man als Christ sein, muss man Christ sein als Arena verstehen, dass diese Idee vom Großen Kampf, wo die Erde inmitten dieses kosmischen Dramas eingebunden ist, in der wir alle einen Kampf auf Leben und Tod führen, oder kann man auf diese Denkfigur (damit sind nicht Endzeitereignisse gemeint, sondern das Gesamtkonzept eines kosmischen Kampfes als ja, als dieses Metanarrativ) auch verzichten?"
[16:20] Interessanterweise hat dieser Artikel damals auch von Rolf Pöhler geschrieben, den Untertitel "Was die Heilige Schrift über den Großen Kampf lehrt". Und dort wird auch, wie wir es gerade gesehen haben, die adventistische Sicht referiert, kurz am Anfang. Und dann gibt es eine ganze Reihe von Abschnitten über die biblische Sicht. Und in dieser biblischen Sicht, oder in dem, was dort als biblische Sicht dann präsentiert wird, findet sich kaum bis nichts von dem, also fast nichts, was am Anfang als adventistische Sicht referiert wird. Und daraus gewinnt man den Eindruck, dass tatsächlich Fragezeichen hinter das Metanarrativ an sich gestellt werden, und zwar mit einer gewissen Systematik, ja, dass innerhalb von einem Jahr jetzt zweimal in offiziellen Publikationen so formuliert worden ist.
[17:15] Entsprechend finden wir den Grundgedanken im Studienheft wie folgt formuliert: "Das Böse ist allgegenwärtig, auch wenn sein Entstehen letztlich unverständlich bleibt." Und das stimmt natürlich. "Erklärt die Bibel, wie es Eingang in das menschliche Herz findet." Und das stimmt, aber eben nur zur Hälfte. Die Bibel erklärt auch, wie es im Himmel entstand. Und wir werden sehen, inwieweit dieser Gedanke überhaupt jetzt in dem Studienheft noch zum Tragen kommt.
[17:40] Entsprechend finden wir zum Beispiel dann auch auf Seite 11 unter Frage 3 bei den beiden Schlüsseltexten, um den es heute hier besonders gehen soll, die Frage, die wir uns ja stellen wollen: "Lehrt das Alte Testament den Fall Luzifers im Himmel als Beginn dieses kosmischen Dramas?" Die beiden entscheidenden Schlüsseltexte dazu sind Jesaja 14 und Hesekiel 28. Und die Frage hierzu ist: "Was sagt dieses Lied bzw. diese Lieder über uns Menschen und über das Böse aus?" Und wir sehen hier, dass immer wieder der Bezug, der Betonung auf das Menschliche ist, auf das, was wir jetzt hier vor Ort sozusagen erleben.
[18:18] Gehen wir zu einigen konkreten Aussagen, und die möchten wir ein bisschen konkret unter die Lupe nehmen, um sie zu evaluieren. Denn ich glaube, es ist nur fair, dass wir diesen Sachen auch tatsächlich einmal die Chance geben, angehört zu werden, um sie dann biblisch prüfen zu können. Auf Seite 6 heißt es – es geht jetzt erst einmal um Jesaja 14, vielleicht können wir das gemeinsam zunächst einmal lesen. Jesaja 14 ab Vers 12. Dort heißt es, bekannte Verse: "Wie bist du vom Himmel herabgefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, du Überwältiger der Nationen! Und doch hattest du dir in deinem Herzen vorgenommen: Ich will zum Himmel emporsteigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen und mich niederlassen auf dem Versammlungsberg im äußersten Norden. Ich will emporfahren auf Wolkenhöhen, dem Allerhöchsten mich gleich machen."
[19:04] Zitat Studienheft, Seite 6. "Luther übersetzt den hebräischen Ausdruck 'Helel ben Schahar'. Helel ist 'der Leuchtende'. Es gibt eigentlich vier verschiedene hebräische Worte, die alle mit der Wurzel He, Lamed, Lamed, also H-L-L, zusammenhängen. Aber an dieser Stelle ist sicherlich nur die Übersetzung 'der Leuchtende' sinnvoll. Schahar ist 'der Sohn der Morgenröte'. Er übersetzte das mit 'Morgenstern', lateinisch 'Lucifer' oder 'Luzifer'."
[19:36] Der adventistische Bibelkommentar stellt dazu fest: "Zitat: Der Name Luzifer stammt aus der lateinischen Vulgata und bedeutet 'Lichtträger'." Jetzt gut zuhören, immer noch also das Studienheft zitiert den adventistischen Bibelkommentar (Seventh-day Adventist Bible Commentary). "Das Wort, wie es hier gebraucht wird, scheint zuerst von Tertullian, Hieronymus und anderen Kirchenvätern auf Satan angewandt worden zu sein. Während des Mittelalters wurde es in diesem Sinne allgemein gebraucht." Das Zitat des Bibelkommentars sagt, dass das Wort, das heißt der Begriff "Lucifer", Luzifer, im Laufe der Antike und Spätantike durch diese Kirchenväter auf Satan angewandt worden ist. Und entsprechend finden wir hier das Original im SD Bible Commentary unter Jesaja 14, Vers 12, kann man auf Englisch noch mal nachlesen, genau das, was wir gesehen haben.
[20:26] Und dann heißt es weiter: "In 2. Petrus 1,19 ist Christus als der Phosphoros, der Morgenstern, der Tagesstern, bezeichnet, buchstäblich 'der Lichtträger'." Also auch das, was im Lateinischen Lucifer heißt. Und damit wird ganz deutlich, dieser Abschnitt, der im Studienheft zitiert wird, hier im Bibelkommentar ist ein Kommentar über die Begrifflichkeit "Luzifer", nicht über die Auslegung von Jesaja 14 an sich. Denn Tatsache ist, dass auch zu dieser Zeit der Begriff Luzifer mehrdeutig gewesen ist. Ich möchte das kurz illustrieren hier in der 2. Petrus 1, Vers 19. Da haben wir den berühmten Vers, dass der Morgenstern in unseren Herzen aufgeht. Wir wissen natürlich aus Offenbarung 22, dass Jesus selbst der Morgenstern ist. Und dort in 2. Petrus 1, Vers 19, heißt es ja: "Der Morgenstern aufgeht in euren Herzen." Die Vulgata übersetzt das ist Hieronymus: "Lucifer oriatur in vestris cordibus" – und der Morgenstern, der Luzifer, der Lichtträger, in euren Herzen aufgeht. Das hängt damit zusammen, dass Lucifer, Luzifer, der römische, der lateinische Begriff für den Morgenstern gewesen ist. Und wo immer in der Bibel sozusagen Morgenstern vorkommt, sei es auf Griechisch Phosphoros oder auch auf Hebräisch mit dem Helel, dem 'Leuchtenden', das Lateinische einfach diesen Fachbegriff für diesen Stern, das ist die Venus offensichtlich gemeint, verwendet hat. Und das erklärt der Bibelkommentar. Der Bibelkommentar erklärt, warum oder wer diejenigen waren, die zuerst sozusagen diese Übersetzung gemacht haben, dass 'leuchtender Helel' am besten mit dem lateinischen Wort Luzifer übersetzt werden konnte und dann dadurch natürlich im Mittelalter irgendwann dieses Wort Luzifer nur noch für Satan gebraucht worden ist und nicht mehr wie hier zum Beispiel dann für Jesus.
[22:24] Selbstverständlich geht der Bibelkommentar, der adventistische, davon aus, dass Jesaja 14 vom Fall des Engels, der zum Satan wurde, den wir meistens Luzifer nennen, davon spricht. Das wird hier im Kommentar zum nächsten Vers ganz deutlich. Das kann man hier deutlich sehen, dass es...
[22:40] Das kann man hier deutlich sehen, dass es hier um diesen Fall des Luzifers geht und das auch so kommentiert wird und auch Vermerke dann zu Offenbarung 12 und Hesekiel 28 gemacht werden. Das Studienheft dagegen behauptet jetzt nach diesem Zitat folgendes: Demnach, also bezogen auf das Zitat vom Bibelkommentar, entstand die Deutung von Jesaja 14 auf Satans Fall in nachbiblischer Zeit. Und das gibt dieses Zitat aus dem Bibelkommentar gar nicht her, denn darum ging es gar nicht. Es ging um die Frage, ab wann ist der Begriff Luzifer auf Satan angewendet worden? Damit wird aber hier suggeriert, dass Jesaja 14 als eine Geschichte des Falles Satans erst eine nachbiblische Interpretation sei. Das ist eine ganz schwerwiegende Behauptung. Die wird dann weiter versucht zu untermauern mit einem Zitat von George Knight, bekannten adventistischen Theologen und Pädagogen. Eigentlich George Knight gelangt zu dem Schluss: Es sollte anerkannt werden, dass die hauptsächliche Absicht der Autoren von Hesekiel 28 und Jesaja 14 nicht darin bestand, den Fall und den Charakter des vorzeitlich abgefallenen Luzifers zu beschreiben. Die Propheten sprachen von Zitat Israels historischen Feinden.
[23:57] In Gesprächen ist mir gesagt worden, man müsste ja in der Exegese zunächst einmal schauen, wie haben die Ersthörer, die Erstleser, also die Menschen zur Zeit zum Beispiel von Jesaja und von Hesekiel den Text verstanden? Und das ist sicherlich ein guter Ratschlag, dass man sich anschaut und darüber nachdenkt, wie auch die Menschen zum allerersten Mal gehört haben, wie das aufgenommen worden ist. Aber das darf niemals in der Bibelauslegung der bestimmte Faktor sein. Denken wir an die Predigten von Jesus: Wenn wir die Predigten so auslegen würden, wie ihre Ersthörer sie verstanden haben, dann würden wir das Evangelium nicht verstehen. Die Bibel macht ganz deutlich an vielen Stellen, dass Menschen sowohl im Alten als auch im Neuen Testament die Botschaften Gottes nicht gleich sofort verstanden haben. Das Buch Daniel offenbart, dass manche Stellen im Buch Daniel erst nach Jahrhunderten offen verstanden werden würden. Das heißt, wir dürfen in der Auslegung der Bibel uns nicht daran beschränken, was jetzt die Hörer oder die Leser in der Zeit von Jesaja drunter verstanden haben, zumal das sowieso in der Regel so gut wie nie wirklich eruierbar ist, was da jetzt wirklich verstanden worden ist.
[25:05] Das Studienheft jedenfalls sagt dann hier auf Seite 9 in Bezug auf Jesaja 14: Im Zusammenhang geht es hier um den babylonischen Großkönig. Nun, wenn man sich die babylonischen Könige zur Zeit von Jesaja anschaut, ich habe die hier mal mitgebracht, dann stellt man fest, dass es zunächst einmal meistens entweder assyrische Könige waren, gar keine babylonischen Könige. Denn zur Zeit von Jesaja ist Babylon überhaupt gar keine Weltmacht und es gibt auch gar keinen Großkönig zur Zeit von Jesaja. Das heißt, ein Hörer, ein Leser zur Zeit von Jesaja konnte diesen Vers gar nicht auf seine Zeit beziehen, denn es gab keinen babylonischen Großkönig, der die Welt erobert hätte. Das gab es seit Jahrhunderten nicht. Assyrien beherrschte, und Assyrien hatte auch Babylon unter sich. Und wenn mal für ein paar Jahre die Babylonier so einen kleinen Herd der Unabhängigkeit, wie zum Beispiel zur Zeit von Marduk-apla-iddina, haben konnten in Südbabylonien, ja, für einige Jahre, dann war das immer auf Südbabylonien beschränkt, hatte nichts aber absolut gar nichts mit dem Gebiet von Israel, viel, viel weiter im Westen, zu tun. Die meisten dieser babylonischen Könige waren Rebellen gegen die assyrische Herrschaft, haben meistens nur ein paar Monate regiert oder wenige Jahre, oder sie sind – das sind die, die in Klammern eingesetzt sind – assyrische Könige oder von assyrischen Königen eingesetzte Statthalter oder Vasallenkönige, wie der Bel-ibni oder dann der Aššur-nadin-šumi, der Sohn von Sennacherib.
[26:31] Das heißt, Jesaja 14 kann nicht von den historischen Feinden zur Zeit Jesajas sprechen. Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis. Wir werden gleich noch mehr darüber sprechen. Im Gegenteil, Jesaja macht ja selbst deutlich, dass Marduk-apla-iddina, der in der Bibel Merodach-Baladan genannt wird, der König von Babel, in einer Zeit, wo er gerade ein bisschen Unabhängigkeit von den Assyrern für sein eigenes Gebiet halten konnte, dass er sich mit den Judäern eigentlich ganz gut verstanden hat und eher versucht hat, eine Allianz zu schließen, Geschenke an Hiskia gebracht hat. Nirgendwo ist doch die Rede, dass die Babylonier zu dieser Zeit als Feind wahrgenommen werden konnten.
[27:07] Hiskia sagt sogar, als dann Jesaja ihn fragt, woher diese Männer gekommen sind: „Sie sind aus einem fernen Land zu mir gekommen, aus Babel.“ Das war zur Zeit noch von Hiskia weit, weit weg. Wenn man sich das auf der Karte anschaut, sieht man das. Da gibt's eigentlich, das sind, da gibt's keine direkte Verbindung, ja? Und für viele Jahrhunderte haben die Babylonier keine Rolle im Leben der Israeliten überhaupt gespielt. Von daher waren sie zur Zeit von Jesaja kein historischer Feind. Das ist eine historische Tatsache.
[27:42] Entsprechend sagt dann auch später Habakuk noch, dass es noch zu seiner Zeit quasi unvorstellbar war, dass die Babylonier jemals in der Levante, in Israel, auftauchen könnten. Er sagt hier: „Seht euch um unter den Heidenvölkern und schaut umher, verwundert und entsetzt euch, denn ich tue ein Werk in euren Tagen, ihr würdet es nicht glauben, wenn man es erzählte. Denn siehe, ich erwecke die Kaldeäer – das ist genau die in Südbabylonien, der Marduk-apla-iddina war ein Kaldeäer – ein bitterböses, ungestümes Volk, das die weite Erde durchzieht, um Wohnsitze zu erobern, die ihm nicht gehören.“ Das war noch unvorstellbar wenige Jahrzehnte, bevor dann Nabu-apla-usur tatsächlich das assyrische Reich in die Knie gezwungen hat, Ende des 7. Jahrhunderts. Dann um 600, kurz vor 600 vor Christus, kam dann auch sein Sohn Nebukadnezar an die Macht.
[28:30] Also das ist eine ganz deutliche Sache. Zweitens wollen wir uns anschauen, was hier noch geschrieben steht in dem Studienheft auf Seite 9. Dort heißt es: „Übersetzung des Hebräischen: der glänzende Sohn der Morgenröte mit Luzifer in der lateinischen Bibel. Achtung, führte Kirchenvater Tertullian zu dem Schluss, dass hier der Fall Satans geschildert wird.“ Und die Behauptung ist ja, dass dort zum ersten Mal diese Idee reingebracht worden sei, und zwar nur wegen diesem Wort Luzifer, wird hier behauptet. Ist das so? Fragen wir Tertullian selbst.
[29:01] Das kann man nachlesen in seiner Schrift *Adversus Marcionem*. Da geht es gegen einen Irrlehrer, einen gewissen Marcion, der versucht hat, die Behauptung aufzustellen, dass es in der Bibel zwei Götter gibt, sozusagen einen bösen Gott des Alten Testamentes und einen guten, der sich in Jesus offenbart. Und dass deswegen viele Schriften, also vor allem das Alte Testament, auch manche Schriften im Neuen Testament, nicht inspiriert seien, weil sie quasi den falschen Gott zum Gegenstand haben. Und das würde jetzt zu weit führen. Tertullian schreibt ein Buch gegen diese Irrlehre, und im fünften Buch gibt es zwei Stellen, die für uns hier wichtig sind, auf die sich man offensichtlich auch bezieht. Einmal Kapitel 11, und da geht es interessanterweise gar nicht um Jesaja 14. Es geht um den zweiten Brief an die Korinther. Denn in diesem ganzen Abschnitt geht Tertullian jetzt neutestamentliche Briefe Buch für Buch durch, um Argumente des Marcion zu widerlegen. Marcion hat nämlich dort einige Verse rausgenommen, wie zum Beispiel in 2. Korinther 4, Vers 4: „den Gott dieser Welt“, der ja den Menschen die Sinne verblendet, sodass sie das Evangelium nicht erkennen. Und hat daraus geschlussfolgert, dass das Neue Testament jetzt lehrt, dass es hier einen guten Gott, einen bösen Gott gibt, und der Gott dieser Welt ist der Gott des Alten Testamentes angeblich. Und um dem zu entgegnen, schreibt jetzt Tertullian folgendes, und ich zitiere hier aus dem Kapitel 11.
[30:23] „Es ist relativ einfach, eine noch viel klarere Antwort zu geben, um zu klären, dass der Herr dieser Welt der Teufel ist.“ *est dominum diabolum interpretari quae exierit prophetia referens*, der sagt, wie es der Prophet berichtet: *Ero similis Altissimo: Ich will sein gleich dem Allerhöchsten. Ponam in nubibus thronum meum: Ich will meinen Thron in die Wolken setzen.“ Er zitiert Jesaja 14, aber nicht Vers 12, nicht Vers 12 wegen Luzifer. Luzifer kommt überhaupt gar nicht vor, der Begriff. Er zitiert einfach Jesaja 14 und sagt, das ist der Teufel, um eine andere Stelle zu erklären.
[31:02] Also er hat nicht das Bedürfnis, jetzt Jesaja 14 neu auszulegen, zu sagen: „Ich habe ja eine Idee, eine neue Interpretation“, sondern er sagt: „2. Korinther 4, Vers 4 ist der Teufel, den wir ja aus Jesaja 14 kennen.“ Das ist das Argument von Tertullian. Und genauso dann ein bisschen weiter unten in Kapitel 17, da geht es dann um die *Epistola Laodicenis*, also um den Brief an die Laodizea. Das ist vielleicht etwas merkwürdig gemeint, ist der Epheserbrief. Marcion hatte behauptet, dass der Brief an die Epheser in Wirklichkeit an Laodizea gegangen sei. Da gibt's eine gewisse Debatte, aber die eigentlich von den Manuskripten heutzutage klar ist, dass es natürlich an die Epheser ging, nicht an Laodizea. Und Tertullian macht das auch ganz deutlich. Er sagt, er bezieht sich auf Marcion und spricht aber ganz deutlich davon, dass es der Brief an die Epheser ist. Und auch dort, um das abzukürzen, sagt er wieder hier fett gedruckt: „Wie der Prophet berichtet, der sagt: Siehe, gut, *dicere eum prophetam refert*“, und dann wieder das Zitat, genau dasselbe Zitat aus Jesaja 14: „Ich will meinen Thron in die Wolken erhöhen, setzen und sein wie der Allerhöchste“, sagt der *hic erit Diabolus*, das muss der Teufel sein.
[32:26] Nicht wegen dem Wort Luzifer. Er zitiert Vers 12 überhaupt gar nicht in seinem gesamten Werk. Das heißt, die gesamte Aussage im Studienheft ist sachlich falsch, stimmt gar nicht. Und ich gehe davon aus, dass der Bearbeiter, dessen Namen ich nicht kenne, und das tut jetzt auch hier nicht zur Sache, weil wie gesagt, es geht ja um die Person. Ich möchte nur auf diesen technischen Fehler aufmerksam machen, dass der Bearbeiter vermutlich irgendwelche Sekundärliteratur hier ausgeschrieben hat, ohne das noch mal nachzuprüfen. Ich möchte das trotzdem in diesem Detail deutlich machen, weil vielleicht manchmal auch bei manchem Gläubigen der Eindruck entsteht, na ja, da gibt es wohl diese wissenschaftlichen Argumente gegen meine Sicht des Glaubens, aber ich halte jetzt einfach trotzdem im Glauben dran fest. Und es ist ja auch eine lobenswerte Einstellung, wenn man auch an Glaubensüberzeugung festhält, auch wenn man nicht gleich alles verstehen kann. Ich möchte aber hier ein bisschen auch den Druck rausnehmen und zeigen, dass diese vermeintlich wissenschaftlichen Argumente an dieser Stelle wirklich ohne Hand und Fuß sind.
[33:19] Folgende Befunde ergeben sich, wenn man Tertullian also anschaut: Interessanterweise ist er die allerfrühste Referenz für Jesaja 14 in der gesamten Kirchengeschichte. Das liegt natürlich auch daran, dass er sehr, sehr früh ist. *Adversus Marcionem* wird meistens so auf 207 datiert. Das kommt jetzt auf das Jahr nicht genau an, aber so um das Jahr 200, vielleicht ein paar Jahre später. Und aus der Zeit davor gibt es überhaupt ja nur sehr, sehr wenige Quellen und sehr fragmentarisch. Das ist alles sehr wenig, was es überhaupt gibt. Es gibt also keinen anderen christlichen Autor vorher, der irgendwie einen Kommentar über Jesaja 14 macht oder sonst auf Jesaja 14 jemals erwähnt, so dass man jetzt sagen könnte, da wird Jesaja 14 erwähnt, aber nicht auf den Teufel bezogen, und bei Tertullian zum ersten Mal, oder so. Er ist der früheste, den wir überhaupt haben, und er setzt Jesaja 14, die Identifikation mit dem Satan, ohne ein Wort der Erläuterung voraus.
[34:56] Das heißt, wenn wir den Text so lesen, wie wir tatsächlich bei Tertullian haben, bekommen wir den Eindruck, dass diese Identifikation von Jesaja 14 mit dem Satan allgemeines christliches Wissen gewesen ist. Es gibt auch interessanterweise, soweit wir sehen können, überhaupt keine dogmatischen Streitigkeiten innerhalb der frühen Christenheit, ob Jesaja 14 jetzt auf den Satan auszulegen sei oder nicht. Also jeder, der sich mit Kirchengeschichte auskennt, weiß, es gibt da immer wieder Streitigkeiten über die verschiedensten Dinge, große Dinge, kleine Dinge, aber Jesaja 14 ist nie ein Thema. Es scheint also keine spätere Erfindung von jemandem gewesen zu sein, der was Neues reinbringen wollte. Es war für alle klar: Jesaja 14 ist der Teufel.
[35:32] Und unabhängig davon, ob man jetzt Helel genannt hat oder Teufel, oder dann später nach einem Jahrhundert einfach dieses Wort Morgenstern übersetzt hat mit Luzifer und dadurch sich einfach das so eingebürgert hat, dass man ihn Luzifer genannt hat. Das ist aber eine Bezeichnungssache, keine Frage der Auslegung von Jesaja 14. Es ist immer ausgelegt worden, soweit wir sehen können, auf den Fall Satans. Und woran liegt das? Das liegt natürlich daran, dass Jesus das so auslegt in Lukas 10, Vers 17, sagt er ja: „Da sprach er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.“ Wenn man sich die Frage stellt, was meint Jesus? Gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat er das einfach so gesagt, ohne Bezug zu irgendwas, oder er bezieht sich auf Jesaja 14, wo es ja heißt von diesem Helel, dass er vom Himmel gefallen ist. Und wer des Griechischen mächtig ist, sieht, dass hier die Worte von Jesus im Griechischen: *ek tou ouranou pesonta*, ein aus dem Himmel fallender, sprachlich ganz eng an der griechischen Übersetzung von Jesaja 14, Vers 12 sind: *Pōs exepesen ek tou ouranou*. Da ist nur die grammatische Form eine andere, wegen der, der einmal ein Partizip, einmal der Aorist, aber ansonsten ist das dasselbe Wort hier noch an der Präposition, aber das ist sehr ähnlich. Man hat also den Eindruck, dass Jesus gerade Jesaja 14 zitiert und auslegt. Ist also christliches Allgemeingut gewesen. Natürlich hat man sich auch auf Offenbarung 12, Vers 17 berufen können, wo ebenfalls gesagt wird, dass der Teufel und Satan, die alte Schlange, der Drache, aus dem Himmel geworfen worden ist. Er wurde auf die Erde hinabgeworfen.
[37:03] Halten wir also fest: Was das Studienheft behauptet über den Beginn der Identifikation, der Interpretation von Jesaja 14 auf den Satan, ist nicht stichhaltig. Das ist historisch nicht korrekt, kann man so nicht stehen lassen.
[37:20] 2. Korinther 11, Vers 14: Warum wird dann in Jesaja 14 überhaupt auch der König von Babylon erwähnt? Denn das ist ja offensichtlich der Fall in Jesaja 14. Und das ist nicht verwunderlich, 2. Korinther 11, Vers 14: „Denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts.“ Wir haben also eine biblische Lehre, dass der Satan nicht immer als der Satan quasi mit offenem Visier erscheint.
[37:44] Entsprechend finden wir in Jesaja 14 tatsächlich, dass hier am Anfang des Kapitels vom König von Babel die Rede ist. Und ich glaube tatsächlich, dass es um den Großkönig von Babel geht, aber natürlich nicht um Marduk-apla-iddina und die kleinen, unbedeutenden Könige oder assyrischen Vasallenkönige zur Zeit von Jesaja, sondern um einen späteren König, nämlich die dann in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten, also im 6. Jahrhundert, dann Israel tatsächlich angegriffen haben. Das war also eine, was echt eine echte Prophezeiung. Das war keine historische Beschreibung des Ist-Zustandes, sondern es war eine Prophezeiung. Das musste ein Ersthörer, Erstleser, glauben konnte, das in seiner Realität so noch nicht sehen. Prophezeiung auf das spätere babylonische Reich. Entsprechend finden wir ja auch in Jesaja 21 zum Beispiel eine sehr deutliche Prophezeiung auf die Ereignisse, die dann in Daniel 5 als Erfüllung berichtet werden.
[38:40] Zum Beispiel möchte ich hier auf etwas hinweisen, was sehr interessant ist: In Hesekiel 34 finden wir folgende Verse, Verse 23 und 24: „Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Der soll sie weiden und der soll ihr Hirte sein. Und ich, der Herr, will ihr Gott sein und mein Knecht David soll Fürst sein in ihrer Mitte. Ich, der Herr, habe es gesagt.“ Das ist mehrere Jahrhunderte, nachdem David gelebt und gestorben ist. Natürlich will Hesekiel nicht sagen, dass der buchstäbliche David noch einmal aufersteht. Und trotzdem verwendet er den historischen David als ein Typus für den Hirten, der hier wirklich angekündigt ist, nämlich für Jesus Christus, der sich selbst in Johannes 10 als der gute Hirte bezeichnet, sein Thema, das in Hesekiel 34 überhaupt ein Hauptthema ist, der gute Hirte. Wir sehen ja also, dass es eine literarische Technik ist, sozusagen ein Stilmittel biblischer Schreiber, dass die große Person Jesus, die für das Evangelium so entscheidend ist, mit einer bekannten irdischen Person sozusagen zu personifizieren, wobei der Schwerpunkt natürlich nicht auf dem David liegt, sondern auf dem kommenden Erlöser. Der David gibt sozusagen so eine Art Assoziationsrahmen, ein Stichwortgeber, eine Art, ja, Gedankenanreger, um sich besser vorstellen zu können, wie dieser kommende Messias sein wird.
[40:15] Auf dieselbe Art und Weise verwendet Hesekiel dann, derselbe Hesekiel, auch dieses Mittel, um den Satan, also besser gesagt den Luzifer, der zu Satan wurde, in Hesekiel 28 zu beschreiben. Auch hier finden wir den König von Tyrus. Aber wenn wir lesen, was jetzt hier alles steht, kann es sich nicht um den König von Tyrus buchstäblich handeln. Denn es wird gesagt: „Oh, du Siegel der Vollendung, voller Weisheit und vollkommener Schönheit.“ Der König von Tyrus war niemals vollendet. „In Eden, im Garten Gottes, warst du.“ Er war weder im irdischen Garten Eden, noch war er im Himmel. „Mit allerlei Edelsteinen warst du bedeckt: mit Sardes, Diamant, Chrysolith, Onyx, Saphir, Karfunkel, Smaragd und mit Gold. Deine kunstvoll hergestellten Tamburine und Flöten waren bei dir. Am Tag deiner Erschaffung wurden sie bereitet.“ Der buchstäbliche König von Tyrus ist erschaffen worden, als in dem Mutterleib seiner Mutter Samenzelle und Eizelle sich verschmolzen haben. Engel sind so erschaffen worden, dass sie am Tag ihrer Erschaffung auch gleich das entgegennehmen konnten, was ihnen gegeben worden ist, zum Beispiel hier die Instrumente. Entsprechend heißt es in Vers 14: „Du warst ein gesalbter, schützender Cherub.“ Du nicht, du warst wie ein gesalbter, schützender Cherub. Es wird nicht einfach nur mit einem Engel verglichen, er war ein gesalbter, schützender Cherub, ein Engel. „Ja, ich hatte dich dazu eingesetzt.“ Der König von Tyrus ist niemals von Gott für ein besonderes geistliches Amt eingesetzt worden, denn der König von Tyrus ist ein König über Kanaaniter. Die Phönizier sind ein kanaanitisches Volk gewesen. Gott hat sie nicht eingesetzt und auch den König für keinerlei religiöse Aufgaben. „Du warst auf dem heiligen Berg.“
[41:54] Du warst auf dem heiligen Berg Gottes. Erst mal gibt es in Tyrus keinen Berg, in irgendeiner Weise schon gar keinen heiligen. Der König von Tyrus war, soweit wir sehen können, nie in einer besonderen, von Gott eingesetzten Weise in Jerusalem im Tempel dort und natürlich schon gar nicht im Himmel, dem heiligen Berg, der ja auch in Jesaja 14 erwähnt wird.
[42:12] Du wandeltest mitten unter feurigen Steinen. Du warst vollkommen in deinen Wegen vom Tag deiner Erschaffung an, bis Sünde in dir gefunden wurde. So etwas wird von keinem Menschen gesagt. Ein Mensch ohne Sünde hat es auf dieser Welt nicht gegeben. Das kann sich nicht vollumfänglich auf den König von Tyrus beziehen.
[42:34] Ja, es ist so, dass die Hauptlast dessen, oder der Hauptschwerpunkt dieser Beschreibung, sich auf einen Engel bezieht. Der König von Tyrus gibt sozusagen einen Typus ab, der auf die eigentliche, größere Bedeutung hinweist. Genauso wie der König David einen Typus abgibt auf die größere, eigentliche Bedeutung des kommenden neuen Hirten, des guten Hirten.
[43:05] Wer ist es, der die Sünde sozusagen erfunden hat, in dem die Sünde zuerst gefunden wurde? Die Bibel sagt das ganz deutlich in Johannes 3 Vers 8: „Wer die Sünde tut, der ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Satan hat die Sünde begonnen, nicht der König von Tyrus.
[43:27] Wenn wir Jesaja – Verzeihung, Hesekiel 28 – auf den König von Tyrus auslegen, dann bekommt die gesamte biblische Botschaft, die Lehre auch von der Entstehung der Sünde, einen völligen Schlag. Dann ist entweder die Sünde vom König von Tyrus erfunden worden, ja, Tausende, kann man fast sagen, nach den ersten toten Menschen, was völlig unmöglich ist.
[44:02] Und das zeigt, wie vorsichtig wir sein müssen, wenn wir solche neuen Nuancen und Perspektiven in die adventistische Theologie hineintragen wollen. Es schafft dramatische Probleme.
[44:17] Also, was der Befund ist: Es geht in Hesekiel 28 um ein vollkommenes Wesen, das die Sünde hervorbrachte. Es geht um ein himmlisches Wesen in der unmittelbaren Gegenwart Gottes. Es ist unmöglich, das für einen kanaanäischen König in Tyrus zu behaupten.
[44:32] Es geht um ein Wesen, das aus offensichtlichen theologischen Gründen, die schon im Alten Testament ganz klar sind, unmöglich ist. Es geht um ein Wesen, das vom Tag seiner Erschaffung an einen besonderen Dienst in Gottes Nähe ausgeführt hat. Auch das ist für einen kanaanäischen König im Alten Testament unvorstellbar. Es geht um ein perfektes Wesen, und das ist auch aus der gesamten Anthropologie und der gesamten Lehre der Bibel über den sündigen Menschen nicht haltbar. Das kann nicht der König von Tyrus sein.
[45:06] Also ein genaues Anschauen des Textes, eine Exegese des Textes, so wie er dort steht, zeigt, dass der König von Tyrus hier als Metapher fungieren muss. Den gibt es natürlich, genau wie es den König David auch gegeben hat. Aber er wird in Hesekiel, der König David in Hesekiel 34, als Metapher sozusagen als ein Vorschlag zur Hauptnote präsentiert. Genauso der König Tyrus, weil er natürlich als ein Handelsfürst, als ein Handelsimperium, bestimmte Assoziationen weckt, die dann auch für die eigentliche Auslegung des Kapitels oder des Abschnitts auf Satan von Bedeutung sind, wo also etwas mitgedacht werden soll, was für die Auslegung wichtig ist. So ist das zu verstehen, denke ich.
[45:52] Georg dagegen hat, wie gesagt, gesagt, dass hier auch Hesekiel 28 nicht auf – also es nicht die hauptsächliche Absicht gewesen wäre, diesen Fall Luzifers zu beschreiben, sondern dass es von Israels historischen Feinden sprechen würde. Und auch hier müssen wir einfach die Frage stellen: Ist da überhaupt was dran? Also, kann man das als alternative Deutung daneben stehen lassen? War der König von Tyrus ein historischer Feind für das Volk Israel?
[46:22] Nun, Hesekiel schreibt im babylonischen Exil. Das heißt, ein Großteil des Volkes befindet sich schon gar nicht mehr in Israel, sondern in Babylon. Es gibt auch keine biblischen oder außerbiblischen Hinweise darauf, dass der Stadtstaat Tyrus jemals eine wie auch immer geartete Gefahr für die wenigen Judäer noch war, die in Jerusalem und Palästina verblieben waren. Die hatten selbst alle damit zu tun, die Babylonier abzuwehren, denn die gesamte Levante, das heißt der gesamte Westen des Nahen Ostens, war zu diesem Zeitpunkt vollständig in babylonischer Hand, als Hesekiel schreibt, und auch für etliche Jahre davor und Jahrzehnte davor. War Tyrus in keinster Weise ein Feind Israels. Und ich glaube, es wäre durchaus schwierig, überhaupt einen Zeitpunkt zu finden in der Geschichte Israels, wo Tyrus in besonderer Weise jetzt eine militärische Bedrohung dargestellt hätte, ein Feind gewesen wäre in dem Sinne, wie vielleicht die Edomiter Feinde waren, oder die Aramäer berühmterweise, oder später die Assyrer und Babylonier.
[47:27] Dann heißt es weiter hier auf Seite 9 über den König von Tyrus: „Erst im vierten Jahrhundert nach Christus ist nachweisbar, dass diese Beschreibung auf Satan bezogen wurde.“ Hier haben wir wieder dieselbe Idee, dass es angeblich erst eine Interpretation sei, die erst Jahrhunderte nach Jesus überhaupt aufgekommen sei und dann sozusagen dort zum ersten Mal aufgekommen sei, und wir deswegen diese Sache glauben, weil sie quasi von Kirchenvätern erstmals behauptet worden ist. Auch hier möchte ich darauf hinweisen, dass die Aussage, wie sie hier steht, sachlich falsch ist. Sie ist nicht erst im vierten Jahrhundert nachweisbar, sondern auch schon bei Tertullian, von dem wir gerade gesehen haben, dass er sehr, sehr früh gewesen ist, 207, „Adversus Marcionem“ datiert. Und interessanterweise ist auch für Hesekiel 28 der frühste Beleg überhaupt. Hesekiel 28 wird vorher von niemandem kommentiert, wo wir das noch nachprüfen können. Das heißt, auch hier werden wir gleich sehen, liegt der Schluss nahe, dass Tertullian etwas beschreibt, was vorher auch schon allgemein anerkannt gewesen ist.
[48:40] Ich habe das jetzt hier nur im Englischen, nur einige wenige Sätze auf Latein, dann zur Verdeutlichung für die, die das gerne dann auch dort lesen wollen. Hier in der Mitte heißt es: „Wenn du dich der Prophezeiung Hesekiels zuwendest, wirst du sofort erkennen, dass dieser Engel sowohl gut durch Schöpfung war als auch verdorben durch eigene Wahl.“ Eine sehr interessante und schöne Formulierung für das, was dort passiert ist. Denn, und jetzt interessanterweise, er sagt: „In principem diabolum pronuntiat.“ Das heißt, in der Person personifiziert, sozusagen durch den Prinzen von Tyrus, wird von dem Teufel gesagt. Also, Tertullian hat das hier schon ganz deutlich erkannt, und er benutzt das wiederum als ein Argument für sein grundsätzliches Thema gegen die Thesen von Marcion. Also, er will hier nicht sozusagen eine Auslegung von Hesekiel 28 machen und sagen: „Schaut mal, ich habe eine neue Idee, was haltet ihr davon?“, sondern er will seine Thesen widerlegen und bezieht sich damit als eines von vielen Belegen auf diese Auslegung von Hesekiel 28.
[49:54] Hier auch noch mal, das ist sehr schön, diese Beschreibung. Jetzt zitiert das dann noch mal ausführlich. Das ist ein anderes, das erste war hier, Verzeihung, etwas weiter unten. Diese Beschreibung ist – es ist deutlich, bezieht sich eigentlich auf die Übertretung eines Engels und nicht die des Fürsten. Er macht das ganz deutlich. Er ahnt ja schon, dass jemand beim oberflächlichen Lesen denken könnte, hier wird einfach nur der Fürst von Tyrus beschrieben. Schon Tertullian hat das noch mal deutlich gemacht: Das ist nicht der Fürst von Tyrus, das ist der Satan. Er sagt, es ist „manifestum“, das ist offensichtlich, und schreibt dann später: „Es ist von den Höhen des Himmels, von denen der Herr selbst bezeugte, dass Satan gefallen ist.“ Also, er hat natürlich diese Auslegung von Jesus, der genau das ja gesagt hat, wie wir gesehen haben. Und dann sagt er weiter hier noch unten, auch fett gedruckt: „Nein, es ist niemand anderes als der Urheber der Sünde selbst, der durch die Person eines sündigen Menschen – meint den König von Tyrus – personifiziert ist.“ Also, Tertullian hatte damals um 200 nach Christus die Sache ziemlich gut durchdrungen und das beschrieben. Auch hier, wie gesagt, gibt es keinen früheren Beleg, dass überhaupt jemand das früher schon mal ausgelegt hätte, wo wir das also vergleichen können und sagen können: „Okay, damals gab es das noch nicht und dann Tertullian hat erst eingeführt.“ Also, kann man nicht beweisen, dass jemals Christen Hesekiel 28 nicht auf Satan erkannt haben, gedeutet haben. Genauso wie für Jesaja 14. Tertullian benutzt diese Identifikation seiner Argumentation gegen einen Häretiker. Und wenn man einen Häretiker widerlegen möchte, dann tut man das am besten natürlich mit Argumenten, die allgemein weit verbreitet sind und nicht mit Sachen, die man sich gerade ausgedacht hat, weil das ist dann nicht besonders schlagkräftig. Ja, also, wenn jemand eine Irrlehre bringt und ich möchte das widerlegen und möchte auch meine Geschwister vor dieser Irrlehre schützen, dann werde ich Argumente verwenden, die auch unmittelbar sofort für alle, die es lesen und hören, nachvollziehbar sind, bekannt sind, die man nicht erst noch mal lange erklären muss, warum man das jetzt eigentlich so sieht. Auch das deutet darauf hin, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass Tertullian hier also auf etwas sich bezieht, das schon allgemein bekannt gewesen ist. Es gibt also überhaupt keinen vernünftigen historischen Grund, warum man annehmen sollte, dass diese Identifizierung Hesekiel 28 auf den Teufel erst von bestimmten Kirchenvätern eingeführt worden sei. Alles, was wir haben, ist, dass sozusagen der Tertullian der erste ist, von dem wir sozusagen schriftlich noch haben. Das liegt aber daran, dass so viel verloren gegangen ist. In der Archäologie gibt es diesen berühmten Satz, den man sich gut merken sollte. Im Englischen heißt er: „The absence of evidence is not the evidence of absence.“ Das heißt auf Deutsch: „Das Nichtvorhandensein eines Beweises ist kein Beweis dafür, dass es das nicht gegeben hat.“ Ja, also, wir können nur den Tertullian lesen und stellen fest, es sieht nicht so aus, dass er hier etwas Neues erfunden hat. Alles deutet darauf hin, dass er auf bekannte Sachen sich bezieht. Und die Aussagen, so wie sie im Studienheft sind, sind die einfach sachlich tatsächlich irreführend.
[53:10] Halten wir fest: Das Studienheft sagt auf Seite 9, das wollen wir festhalten, um es auch ausgewogen darzustellen, dass diese Texte auf Satan gedeutet werden können. Ich möchte hier behaupten, sie müssen auf Satan gedeutet werden, wenn man biblisch sauber hermeneutisch argumentiert und gute biblische Exegese macht und auch die Kirchengeschichte richtig anwendet, dann müssen sie auf Satan gedeutet werden. Aber das Studienheft gibt zumindestens so weit zu, dass es gedeutet werden kann. Sagt dann aber, wie gesagt, an allen Stellen, wo das dann vorkommt, dass es eigentlich sich um den Großkönig von Babylon handelt und eigentlich, dass er erst seit dem vierten Jahrhundert auf Satan gedeutet worden ist. Und dann kommt dieser bezeichnende Satz, den ich hier nicht vorenthalten möchte, weil er, glaube ich, das alles ein bisschen dann zusammenfasst. Da heißt es auf Seite 9: „Bibelleser waren immer fasziniert vom Ursprung und Geheimnis des Bösen. Deshalb hat man – Achtung, Zitat – Erwartungen und Vorstellungen auf Texte übertragen, die dieses Geheimnis zu lüften scheinen.“ Und das steht direkt, nachdem vorher diese vier Texte, unter anderem Hesekiel 28 und Jesaja 14, benannt worden sind und gesagt worden sind: „Das ist eigentlich der Großkönig von Babylon, das ist eigentlich dies und jenes.“ Und dann wird hier sozusagen so durch das Nebeneinander dieser Aussagen letztlich der Eindruck erweckt, dass die Kirchenväter etwas in den Text hineingelesen haben, was dort sein könnte, scheinbar dort ist. Und letztlich ist die Schlussfolgerung, die zwar nie ausgesprochen wird, aber die sozusagen unausweichlich ist, dass die adventistische Theologie auf Interpretationen von Kirchenvätern beruht, die sozusagen dort in den Text etwas hineingelesen haben, was exegetisch nicht da ist. Und wie wir gesehen haben, macht das Studienheft keine vernünftige Exegese an diesen Punkten, sondern bezieht sich nur auf vermeintliche Auslegungen, die sie aber nicht richtig wiedergibt. Und deswegen war es uns ein Anliegen, das zu zeigen, dass man hier sehr genau hinsehen muss. Tatsächlich steht ja hier: „Man muss genau hinsehen, ob und in welchem Sinne Texte von Satan reden.“ Das heißt, hier wird tatsächlich eine Frage gestellt, ob diese Texte möglicherweise überhaupt von Satan reden oder nicht. Und ich glaube, es ist noch einmal deutlich geworden, das tun sie auf jeden Fall.
[55:33] Zum Schluss wollen wir noch ganz kurz auf die Schlange eingehen. Da heißt es hier auf Seite 9: „Hier erscheint die Schlange noch nicht als der, sondern als ein Widersacher.“ Fett gedruckt ist von mir, aber der Kursivdruck ist original aus dem Studienheft. Und das ist eine krasse Aussage, wie ich finde. „Nicht als der, sondern als ein Widersacher.“ Wenn es nur ein Widersacher ist, dann hat das eine ganze Menge von Schlussfolgerungen und von weitreichenden Bedeutungen. „Die Schlangenfigur bleibt im alttestamentlichen Rahmen mehrdeutig. Als eher eine Schlange galt sie in der Wüste als Symbol der Heilung. Erst im Neuen Testament wird sie mit Satan identifiziert.“ Und hier ist sozusagen die Idee, dass im Alten Testament die Sache noch nicht klar ist, erst das Neue Testament dann eine Identifikation der Schlange mit Satan durchführt.
[56:22] Nun, wenn wir uns 1. Mose 3 Vers 14 und 15 anschauen, dann ist ganz deutlich, dass Gott zu der Schlange sagt, dann in Vers – also Vers 14: „Weil du dies getan hast, so sollst du verflucht sein mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes. Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du fressen ein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ Und das ist allgemein anerkannt, dass dies das Evangelium bedeutet. Jesus kündigt sein eigenes Kommen an. Der Same der Frau, der natürlich wen besiegt? Nicht eine buchstäbliche Schlange, auch nicht einen Widersacher Gottes, sondern den Widersacher Gottes. Ansonsten ist das gesamte Evangelium unzureichend, wenn nicht der Widersacher besiegt worden ist, sondern nur ein Widersacher. Kann niemand von uns wissen, ob der Sieg vollständig ist. Und deswegen ist das Thema so wichtig, und deswegen können wir es uns nicht leisten, hier mit oberflächlichen Argumenten, mit falsch zitierten Kirchenvätern und mit der Exegese neue Interpretationen hineinzubringen, die einer Nachprüfung nicht standhalten.
[57:33] Paulus hat selbstverständlich 1. Mose 3 so verstanden, dass es sich auf den Satan bezieht, denn er sagt, er verwendet dieselbe Sprache: „Gott des Friedens aber wird in kurzem den Satan unter euren Füßen zermalmen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch. Amen.“
[57:50] Interessant ist für unser Thema die Beobachtung, wie hier in Vers 14 und 15 mit der Schlange umgegangen wird. In Vers 14 sehen wir in dem, was dort steht: „Verflucht sein mehr als alles Vieh, als alle Tiere des Feldes. Den Bauch sollst du kriechen, Staub sollst du fressen.“ Wir sehen hier Vers 14 primär die Schlange selbst als Tier im Vordergrund, während in Vers 15 primär der Satan hinter der Schlange, der, wie wir gesehen haben, sich immer versteckt, der sich verkleidet – seine biblische Lehre: Wir müssen ja die Bibel mit der Bibel auslegen. Wenn wir also von der Bibel wissen, dass der Satan sich versteckt, dann müssen wir natürlich davon ausgehen, dass, wenn wir ihm in biblischen Berichten begegnen, auch seine Maske irgendwo angesprochen werden muss. Nicht nur der hinter der Maske, sondern die Maske selbst muss ja auch thematisiert werden. Und so wird in Vers 14 die Maske, sozusagen die Schlange, thematisiert, und in Vers 15 danach der, der hinter der Maske, hinter der Schlange, steht. Und dieses Muster ist letztendlich der Schlüssel, um auch alle anderen Kapitel, die wir angeführt haben, gut zu verstehen.
[58:55] Denn in Jesaja 14 sehen wir genau dasselbe Phänomen. Da geht es los mit einem Spottlied über den König von Babel, den zukünftigen, nicht den historischen zur Zeit von Jesaja, sondern den zukünftigen Großkönig Babylons. Jesaja hatte einiges über Babylon zu sagen, was in seiner Zeit noch zum Teil 150 Jahre in der Zukunft lag. Aber hinter dem König von Babel, der am Anfang von Jesaja 14 kommt, kommt dann im Laufe des Kapitels, insbesondere in Versen 12, 13, 14, so wie in 1. Mose 3 nach der Schlange dann der Satan in Vers 15 hervorkommt. Der Satan hinter dem König von Babel hervor. Er wird sichtbar, durch das Wort der Prophetie angeleuchtet, ja, als der Helel, der leuchtende, der vom Himmel herabgefallen ist und der sich dort dem Allerhöchsten gleich machen wollte. Hesekiel 28 genau dasselbe. Wir haben den König von Tyrus, der sozusagen die Maske bildet, hinter der dann ganz eindeutig exegetisch niemand anderes als ein gefallener Engel stehen kann, der einmal sündlos und perfekt gewesen ist – Satan wieder hinter dem König von Tyrus.
[59:59] Dasselbe finden wir interessanterweise auch in Offenbarung 12. Das ist auch für die Auslegung von Offenbarung 12 interessant. Da haben wir dann die verfolgenden Weltmächte unter dem Bild des Drachen in den ersten Versen, die die Frau verfolgen und das Kind fressen wollen. Also, das sind natürlich die verschiedenen Weltreiche gemeint, insbesondere das römische Reich. Dann auch das geht dann später auch im weiteren Verlauf in Offenbarung 12 auch auf die römische Kirche und verfolgende Mächte in der christlichen Zeit. Aber hinter dem sehen wir in Versen wie Vers 7, 8 und 9 sehen wir dann den Kampf im Himmel. Das ist dasselbe Muster, das sich durch die Bibel hindurchzieht, und dass wir als ein solches auch ganz klar erkennen können und dann für die Auslegung anwenden können.
[1:00:44] Also, stellt sich die Frage: Ist es so, dass erst das Neue Testament die Schlange als Satan identifiziert? Offenbarung 12 ist keine Konkretisierung eines im Alten Testament noch mehrdeutigen Bildes. Also, wenn der Eindruck entsteht, im Alten Testament ist man noch nicht ganz sicher, was jetzt die Schlange wirklich bedeuten soll, und dann kommt das Neue Testament und sagt: „Okay, so ist es!“, dann ist das nicht korrekt. Offenbarung 12 ist eine inspirierte Erklärung dessen, was Gott bereits im Alten Testament so gemeint hat. Denn die Bibel ist ja inspiriert. Als Jesus in 1. Mose 3 sagt, dass der Same der Frau der Schlange den Kopf zerbrechen wird, weiß Jesus, dass die Schlange der Satan ist. Und er möchte natürlich auch, dass die Menschen verstehen, dass diese Schlange der Satan ist. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung und zur Zurechtweisung.“ Es macht einen theologischen Unterschied, ob wir das Alte Testament als etwas Vages betrachten, was noch mehrdeutig ist, und dann erst das Neue Testament Klarheit bringt, oder ob wir erkennen, dass das Alte und das Neue Testament sich gegenseitig beleuchten, sodass, wenn wir alles zusammennehmen, ein klares Bild von dem entsteht, was überall bereits original gemeint ist. Das sind...
[1:02:03] bereits original gemeint ist. Das sind zwei theologisch völlig verschiedene Bilder, völlig verschiedene Ideen, und ich glaube, nur die zweite wird dem biblischen Inspirationsverständnis korrekt gerecht. In Römer 1, Vers 1, wird ganz deutlich, dass das Evangelium, das Paulus verkündigt hat, genau das ist, was schon im Alten Testament ausgeführt wird. Wir können viele andere Stellen hier anführen. Wir denken an Jesus, der in Lukas 24, Vers 27, aus dem Alten Testament belegt hat, dass das, was er gesagt hat, getan hat, erlebt hat, gelitten hat und wie auferstanden ist, das alles da schon vorhanden ist. Das heißt, auch der Kampf gegen den Satan, der Sieg über den Satan – all das muss ja schon im Alten Testament stehen und offenbar sein, ansonsten hätte Jesus sich nicht darauf beziehen können, ansonsten hätten die Jünger ja nicht mit dem Alten Testament erkennen können, dass Jesus wirklich den Satan besiegt hat, wenn das Alte Testament von all diesen Dingen noch nicht wirklich klar spricht.
[1:02:50] Zum guter Letzt in 4. Mose 21 über die Schlangen. Es ist ja in dem Studienheft behauptet worden, die Schlange in 4. Mose 21 sei ein Symbol der Heilung. Dem ist so nicht, kann man so nicht zustimmen, weil der Text komplexer und, glaube ich, sehr viel klarer etwas anderes zeigt, komplexer ist und etwas klarer etwas anderes klarer zeigt. Nämlich 4. Mose 21, ab Vers 6: „Da sandte der Herr Seraphschlangen unter das Volk, die bissen, sodass viel Volk in Israel starb. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns wegnimmt.“
[1:03:30] Die Schlangen in 4. Mose 21 sind eine Gefahr, eine tödliche Gefahr, und deswegen ein sehr gutes Bild auch für den Satan, der seit Mose 3 eine tödliche Gefahr für die Menschen darstellt. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr: „Mache dir eine Seraphschlange und befestige sie an einem Feldzeichen. Und es soll geschehen, wer gebissen worden ist und sie ansieht, der soll am Leben bleiben.“ Da machte Mose eine eherne Schlange, also keine lebendige Schlange, eine eherne Schlange, befestigte sie an dem Feldzeichen, und es geschah: Wenn eine Schlange jemand biss und er die eherne Schlange anschaute, so blieb er am Leben.
[1:04:06] Für die Israeliten war nicht die Schlange an sich ein Symbol der Heilung. Für die Israeliten war die Heilung bestand darin, dass sie wegschauten von den realen, tödlichen Schlangen, die ihr Leben bedrohten, hin zu einem Feldzeichen, wo dieselbe Schlange, die sie bedrohte, sozusagen leblos als ehernes Ding dort oben schon angebracht war. Die Heilung bestand in dem Glauben, dass das Problem der Schlange dort schon gelöst war. Nicht die Schlange war das Symbol der Heilung, sondern die Symbolhandlung besteht darin, wegzuschauen von der Schlange und zu glauben, dass dort an dem Feldzeichen das Problem der Schlange schon gelöst ist und man deswegen nicht mehr sterben wird.
[1:04:54] Und das ist natürlich genau das, was Jesus intendiert hat, denn er erklärt ja dem Nikodemus, dem Theologen selbst, in Johannes 3, Vers 14 und 15: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ein ewiges Leben hat.“ Und dann kommt der berühmte Vers: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Denn Jesus, der Sohn, wurde für uns zur Sünde gemacht. Das Problem der Sünde, die Versuchung des Teufels, die uns hier real lebendig bedrohen, sind dort am Kreuz von Golgatha bereits gelöst, und wer das glaubt, wer das glaubt, hat ewiges Leben.
[1:05:46] Warum haben wir uns die Mühe gemacht, dieses Studienheft so genau zu sezieren? Nicht, weil wir irgendjemanden beleidigen wollen, nicht, weil wir irgendjemandem etwas Schlechtes unterstellen wollen, in keinster Weise. Ich glaube, dass die Bearbeiter nach bestem Wissen und Gewissen versuchen, das, was sie erkannt haben, weiterzugeben. Es gibt keinen Anlass, etwas anderes zu sehen. Und trotzdem möchte ich darauf dringen, dass in Zukunft auch die Bearbeiter im deutschen Sabbatschul-Studienheft zur Bibel sich an den Rahmen dessen halten, der durch die 28 Glaubenspunkte vorgegeben wird. Das ist eine Verpflichtung, die durch das Studienheft selbst eigentlich in Anspruch genommen wird, denn es hat den Anspruch nach dem eigenen Impressum, den adventistischen Glauben biblisch fundiert darzustellen. Und dazu muss es eine biblische Grundlage geben, und das muss fundiert sein. Und ich muss leider feststellen, dass diese erste Lektion des Quartalsheftes weder den biblischen Glauben der Adventgemeinde darstellt, noch in irgendeiner Weise exegetisch, kirchengeschichtlich fundiert dargestellt ist.
[1:06:51] Aber es gibt einen viel wichtigeren Grund. In Offenbarung 12, Vers 17, heißt es: „Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, um Krieg zu führen mit den Übrigen von ihrem Samen, welche die Gebote Gottes befolgen und das Zeugnis Jesu Christi haben.“ Satan führt Krieg auch gegen die Endzeitgemeinde. Wir können es uns nicht leisten, die klaren Wahrheiten des biblischen Wortes über den Anfang des Krieges und die Methoden, die der Luzifer, der zu Satan wurde, dort im Himmel angewandt hat und wie das alles passiert ist, wir können es uns nicht leisten, niemals diese Sachen aufzugeben oder zu verwässern oder herabzuspielen oder nicht mehr für so wichtig erachten. Das ist tödlich, das ist wirklich tödlich, und hier ist eine Grenze, die ist so rot, dass man sie nicht überschreiten darf. Unser Adventvolk darf diese Grenze nicht überschreiten. Und ehrlich gesagt, würde ich mir wünschen, dass mehr Geschwister, mehr Freunde der Bibel mit aller Klarheit für diese biblische, diese christliche Einstellung einstehen. Denn wie wir gesehen haben, ist das etwas gewesen, was schon offensichtlich, vermutlich zu allen Zeiten des Christentums geglaubt worden ist, schon von frühester Zeit an. Zumindestens, dass wir für diese Wahrheiten einstehen, weil sie für das Verständnis des Evangeliums von entscheidender Bedeutung sind.
[1:08:23] Wir wollen nicht ständig vom Satan reden, aber wir wollen das, was Gott über den Satan offenbart hat, in aller Klarheit und aller Tiefe, wie Gott sie uns gezeigt hat, beibehalten, weil wir es brauchen. Es ist keine Nebensächlichkeit. Ja, ich glaube, wenn Gott es uns offenbart hat, wir es verstanden haben und dann wieder aufgeben, ist es eine Erlösungsfrage für uns, ob wir bei diesem Thema, dieser Überzeugung, der biblischen Überzeugung, bleiben oder sie verwässern.
[1:08:58] Zum Schluss: Unser Glaubenspunkt Nummer 8 besagt: „Die ganze Menschheit ist hineingezogen in eine große Auseinandersetzung zwischen Christus und Satan.“ Dieses Metanarrativ, diese Denkfigur, wie Rolf Pöhler gesagt hat, ist nicht verzichtbar. „Ist Teil unserer Glaubensüberzeugung, bei der es um das Wesen Gottes, sein Gesetz und seine Herrschaft über das Universum geht. Dieser Streit hat seinen Ursprung im Himmel, als ein geschaffenes Wesen, ausgestattet mit Entscheidungsfreiheit, durch Selbsterhöhung zum Satan, zum Widersacher Gottes wurde.“ Diese Formulierung basiert auf Jesaja 14 und Hesekiel 28. Unten sind die Bibelverse angegeben, die diesem Glaubenspunkt zugrunde liegen. Es sind vier alttestamentliche Bibeltexte. Ich möchte darauf hinweisen, dass von diesen vier alttestamentlichen Bibeltexten drei im Studienheft in Zweifel gezogen worden sind, ob sie überhaupt von der Intention des Propheten her, vom ursprünglichen Textsinn her, überhaupt auf den Satan anzuwenden sind.
[1:09:55] Es gibt im gesamten Studienheft keinen einzigen Satz, der in irgendeiner Weise rechtfertigen würde, dass tatsächlich biblisch Jesaja 14 den Satan meint, genauso wenig Hesekiel 28 und Mose 3, nur insofern, als zugegeben wird, dass das Neue Testament dann sozusagen verdichtend Mose 3 so interpretiert. Aber auch dort wird nicht gesagt, dass Mose 3 in sich schon im Alten Testament im Rahmen den Satan meint. Und das bedeutet, an den Fundamenten zu sägen. Das geschieht vielleicht in guter Absicht. Es steht mir nicht zu, Absichten zu beurteilen, aber es steht mir zu, die Konsequenzen biblischer und theologischer Aussagen an der Bibel zu prüfen. Und es muss anerkannt werden, dass, wenn das Studienheft so in dieser Form, wenn diese Formulierungen, diese Gedanken, so unter uns im Adventvolk verbreitet werden würden, würde der Glaubenspunkt Nummer 8 letztendlich zumindest teilweise implodieren. Und deswegen möchte ich so deutlich darüber sprechen, weil es hier nicht nur um ein Auslegungsdetail geht, um eine Frage, die man vielleicht so oder so sehen könnte, wo der eine vielleicht ein bisschen genauer und der andere ein bisschen gelassener mit einer Sache umgeht. Das wäre schon ein Thema für sich. Hier geht es um eine fundamentale Glaubensüberzeugung, und es ist, glaube ich, ganz deutlich und ersichtlich, dass in dem Lektionsheft diese Glaubensüberzeugung nicht adäquat dargestellt wird.
[1:11:05] Und ich würde mir wünschen, dass auch die Verantwortlichen dies entsprechend korrigieren. Nicht wegen mir, sondern wegen der biblischen Wahrheit, die auch durch dieses Studienheft dargestellt werden soll. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass man solche groben theologischen Fehler, die vielleicht passiert sind aus Gründen, die ich nicht beurteilen möchte und auch gar niemandem etwas Böses unterstellen möchte, groben theologischen Fehler, dass die korrigiert werden und dass ein deutliches Signal dafür gesendet wird, dass wir zu unseren Glaubenspunkten vollumfänglich stehen. Das ist eine Verpflichtung, die sich daraus ergibt, dass die Verantwortlichen auch von dem Zehnten, den Gaben treuer Geschwister, unterstützt werden, die davon ausgehen, dass diese Glaubenspunkte unterstützt werden. Und in diesem Sinne haben wir dieses CSH, dieses CSH-Extra, aufgenommen, um dafür zu werben, dass wir wirklich gute biblische Exegese, verantwortlichen Umgang mit außerbiblischen Quellen in der Kirchengeschichte haben und vor allem unsere Glaubenspunkte wirklich hochhalten. Und wenn es etwas gibt – das ist ja, wir glauben ja nicht an ein Dogma, wir glauben ja nicht, dass diese Glaubenspunkte in Stein gemeißelt sind – wenn es etwas gibt, das an diesen Glaubenspunkten geändert werden sollte, dass man das klar und offen benennt, die Punkte benennt, die geändert werden sollten, die biblische Begründung mit einer sauberen, guten Exegese darlegt, entsprechend meinetwegen auch kirchengeschichtliche Argumente sauber recherchiert, diese vernünftig darlegt, sodass man das prüfen kann. Und es ist ja möglich, dass wir etwas ändern müssen, aber nicht so, nicht so, wie es im Studienheft geschieht.
[1:13:06] Und mein Aufruf an alle Geschwister ist, die Bibel in die Hand zu nehmen, auch gerne den Geist der Weissagung, der uns vor vielen Irrtümern bewahren kann. Nicht jeder muss Tertullian lesen, das ist nicht notwendig. Aber lasst uns die biblische Lehre, so wie Gott sie uns offenbart hat, durch eigenes Bibelstudium, durch eigenes Nachdenken, die Wahrheit in unserem eigenen Herzen festigen und dabei bleiben. Gott segne euch und bleibt bei ihm. Wir wollen noch gemeinsam beten.
[1:13:37] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du uns dein Wort gegeben hast. Und Herr, jeder von uns hat schon Dinge falsch gesehen, falsch gedacht und falsch weitergegeben. Das ist mir schon passiert, und Herr, wir möchten dich um Vergebung bitten, wo immer wir auch Dinge gesagt haben, die nicht deinem Willen entsprechend gewesen sind. Ich möchte dich bitten von ganzem Herzen, dass du an meinem Herzen und an jedem einzelnen Herzen wirkst, dass wir gemeinsam für deine Wahrheit einstehen, dass wir die Wahrheit präsentieren, wie sie in Jesus ist, wie sie im Wort Gottes steht, und nicht Zweifel daran säen, sondern unsere Geschwister ermutigen und stärken, ihre Fragen wahrnehmen, aber ihnen auch biblisch liebevoll begegnen. Herr, gib und schenk uns eine echte Erweckung, echte Erweckung, die auf der Grundlage deines Wortes uns zu dem führt, was du uns geschenkt hast, das in unseren Herzen wurzelt, und dass wir anderen Menschen diese frohmachende Botschaft deiner Liebe, die sich auch im Großen Kampf so deutlich zeigt, deiner Geduld und deiner Bereitschaft, einem Menschen, einem Engel auch Wahlfreiheit zu geben, diese Botschaft der ganzen Welt predigen. Herr, bewahre uns vor Irrtum und geh du uns voran. Dank, dass du uns lieb hast, Dank, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist. Amen.
[1:15:13] [Musik]
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