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In dieser CSH Extra-Folge „Vom Schatten zum Licht“ hinterfragt Christopher Kramp kritisch die im deutschen Studienheft zur Bibel vertretene Interpretation von Offenbarung 13, insbesondere die Frage nach einem Bezug zum 1. Jahrhundert. Er vergleicht diese mit der klassischen adventistischen Prophetieauslegung und betont die Bedeutung des Beröaner-Prinzips, alles anhand der Bibel zu prüfen. Kramp argumentiert, dass die traditionelle adventistische Sicht, welche das erste Tier aus Offenbarung 13 mit dem römischen Kirchenstaat und das zweite Tier mit den USA identifiziert, biblisch fundiert ist und nicht primär aus soziokulturellen oder politischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts entstand. Das Video lädt dazu ein, die Wahrheit in Liebe zu erforschen und für die biblische Botschaft einzustehen.


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Serie: CSH 2024 Q2 - Vom Schatten zum Licht

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Transkript

[0:36] Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren CSH Extra. Wie schon in unserer ersten Folge wollen wir ein ganz besonderes, aktuelles und für unsere Zeit relevantes Thema herausgreifen, das im sogenannten Studienheft zur Bibel, dem deutschen Studienheft zur Bibel, beträchtlich anders dargestellt wird als in dem offiziellen, von der weltweiten Adventgemeinde vertriebenen und verbreiteten Lektionsheft, das wir als Grundlage für die Christ Study Hour hier auch behandeln.

[1:16] Konkret geht es um die Lektion Nummer 11, die auch in dieser Woche gerade unser Studienthema ist. Wir haben ja bereits auch eine reguläre Christ Study Hour zur Lektion 11 bereits vor wenigen Tagen veröffentlicht. Und in diesem CSH Extra wollen wir uns die neuartigen Ansichten und Ideen, die im deutschen Studienheft zur Bibel vertreten werden, wir wollen sie uns ansehen und biblisch prüfen. Die Bibel aufschlagen, wir wollen die geschichtlichen Argumente auf ihre Stichhaltigkeit untersuchen. Und die Frage, unter der das alles steht, unter der das alles steht, ist: Bezieht sich Offenbarung 13 auf das erste Jahrhundert?

[2:03] Es geht also um ein Schlüsselkapitel der Offenbarung und der klassischen adventistischen Prophetieauslegung, das entscheidend ist auch für die Dreifache Engelsbotschaft, weil insbesondere in der Dritten Engelsbotschaft in Offenbarung 14 ab Vers 9 dort noch einmal die zentralen Elemente des Kapitels 13 zusammengefasst werden. Und deswegen ist dieses Studium für unseren Auftrag und unsere Verkündigung von absolut fundamentaler Bedeutung.

[2:42] Gleich am Anfang möchte ich noch einmal betonen, das ist mir sehr wichtig, dass es bei diesem Studium in keinster Weise darum geht, Personen in ihrem Glauben oder ihrer Persönlichkeit zu bewerten oder gar anzugreifen. Es geht einzig und allein darum, die theologischen und adventgeschichtlichen Aussagen dieses Studienhefts auf ihre Richtigkeit und ihre Verträglichkeit mit der adventistischen Bibelauslegung zu überprüfen und das Ganze im Geist der Beröaner zu tun und auch aufzuzeigen, wo Dinge möglicherweise nicht der biblischen Botschaft, die uns gegeben ist, entsprechen.

[3:27] Bevor wir das im Einzelnen tun, möchten wir Gott einladen, unser Studium zu segnen, unsere Gedanken zu führen, uns davor zu bewahren, dass wir in einen Geist der Debatte und des Parteigeistes kommen, wo wir uns vielleicht gegenseitig dann Vorwürfe machen. Das wollen wir unter keinen Umständen. Wir wollen einfach um der Sache willen und der Botschaft willen herausfinden, was Wahrheit ist, und wollen Argumente prüfen. Und wenn es Dinge gibt, wo die klassische adventistische Prophetieauslegung verändert werden muss, weil uns die Bibel das ganz deutlich zeigt, dann wollen wir auch offen sein für neues Licht und auch offen sein für Korrektur. Wir möchten uns mit so einer Grundeinstellung Gott öffnen, ihn bitten, dass er uns in unserem Studium führt und leitet, dass er uns die Wahrheit schenkt und er die Wahrheit zeigt.

[4:16] Und ich lade dich ein, lieber Freund, liebe Freundin, dass wir mit einem Gebet starten.

[4:20] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du uns in dein wunderbares Licht berufen hast und dass du der Autor aller Wahrheit bist. Und wir wissen, dass wir nicht alles verstehen können, was du verstehst. Du bist immer sehr viel größer als wir, und als Menschen sind wir schon oft in der Situation gewesen, dass wir festgestellt haben, dass wir uns geirrt haben, dass wir uns korrigieren mussten. Aber du bist derjenige, der auch Wahrheit offenbart und Wahrheit, die uns praktisch im Leben hilft und die auch unveränderlich ist. Wir danken dir, dass, wenn wir zu dir kommen, wir nicht im Ungewissen bleiben müssen, sondern dass du unser Lehrer bist und dass du uns auch vor Irrtum bewahren möchtest und kannst. So möchten wir dich bitten, dass du uns jetzt nach deiner Verheißung mit deinem Heiligen Geist erfüllst, der uns in alle Wahrheit führen wird, wie du selbst, Herr Jesus, versprochen hast. Bewahre unsere Herzen, gib, dass wir für die Wahrheit einstehen, weil es, weil du die Wahrheit bist und weil wir dich lieb haben, nicht weil wir rechthaberisch sein wollen. Und schenk du uns Demut, dir zu folgen und den Mut, für die Wahrheit einzustehen. Schenk du uns Liebe zur Wahrheit und die Bereitschaft und die Fähigkeit, die Wahrheit in Liebe weiterzugeben. Das bitten wir alles im Namen Jesu, den wir zu unserem Vorbild machen möchten. Amen.

[5:49] Zu Beginn möchten wir einige wenige Bibelverse lesen, die uns die Grundlage geben sollen für das, was wir heute hier gemeinsam tun möchten. In der Apostelgeschichte 17, Vers 11 lesen wir von den Beröanern: "Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte."

[6:15] Was wir heute mehr denn je brauchen, ist die Einstellung: Alles, was wir lesen, alles, was wir sehen, alles, was wir hören – ganz egal, ob wir den Prediger, den Evangelisten, den Gemeindeleiter, den Autor schätzen oder nicht –, dass wir alles an der Bibel prüfen, selbst prüfen. Und zwar nicht einfach prüfen, indem wir einfach noch mal die Texte nachschlagen und den Argumenten des Autors oder Predigers folgen, sondern indem wir uns eigenständig Gedanken machen und auf der Grundlage, dass wir die Bibel selbst gut kennen. Wir müssen täglich Bibelstudenten sein, damit wir lernen, wie man die Bibel liest, wie man Argumente auch biblisch abwägt und damit wir eine persönliche Erfahrung mit dem Wort Gottes haben.

[7:11] Paulus hat kurz vor seinem Tod seinem geliebten jungen Mitarbeiter, dem Timotheus, folgendes geschrieben. Es sind mit die letzten Worte, die Paulus zum Papyrus gebracht hat. In 2. Timotheus 4, Vers 2: "Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen, überführe, tadel, ermahne mit aller Langmut und Belehrung." Und wir wollen diesen Ratschlag persönlich für uns in Anspruch nehmen, für alle, die wir uns der Aufgabe stellen, Botschaft, die wir hören, zu prüfen. Wir wollen mit Langmut, mit Geduld, ohne einen, ohne Feuereifer, der irgendwie dann mit menschlicher Kraft und menschlichem Zorn versucht, etwas durchzudrücken. Das wollen wir nicht tun. Wir wollen mit den Eigenschaften, die Gott in seinem Wort über sich selbst offenbart – mit Liebe, mit Freundlichkeit, mit Geduld, mit Demut – die Wahrheit überprüfen, die Wahrheit erforschen und für die Wahrheit, die wir erkannt haben, die Gott auch bestätigt hat durch Inspiration, dafür eintreten.

[8:14] Und nun ist es tatsächlich so, dass man, wenn man für die Wahrheit eintritt, manchmal auch das zur ungelegenen Zeit machen muss. Es gibt so gut wie nie einen Zeitpunkt, wo es keinen Widerstand erzeugen wird, wenn man für die einsteht. Und trotzdem ist die Wahrheit ein höherer Wert als einfach nur ein Stillhalten um des lieben Friedens willen. Ja, wir wollen für Einheit und für Gemeinschaft uns einsetzen. Wir wünschen uns, dass es möglichst keinen Streit gibt, und trotzdem können wir dafür nicht die Wahrheit opfern. Es geht hier also nicht darum: Habe ich recht oder hat der Autor, der Bearbeiter des Sabbatschulheftes Lektion 11, die Bearbeiterin, hat sie recht, oder hat ein Theologe recht oder ein Vereinigungsvorsteher? Darum geht es nicht. Ich glaube und ich hoffe, unser gemeinsames Anliegen ist, dass die Adventbotschaft die ganze Welt erreicht. Und ich persönlich wünsche mir, dass die Adventbotschaft, die Gott uns gegeben hat, unserer geliebten weltweiten Adventgemeinde, dass das für uns die Priorität ist in unserer Verkündigung und in unserem Dienst und in unserem Leben, dass wir für Jesus und seine Botschaft eintreten.

[9:39] In Judas 3 lesen wir: "Geliebte, da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu schreiben, hielt ich es für notwendig, euch mit der Ermahnung zu schreiben, dass ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für alle Mal überliefert worden ist."

[9:56] Und ich glaube, ich habe das schon in der letzten Folge kurz angesprochen: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Wahrheit, die Gott seiner Gemeinde offenbart, auch seiner Endzeitgemeinde, dass die für alle Zeiten selbstverständlich im vollen Umfang dort auch erhalten bleibt. Wir müssen für die Wahrheit eintreten, wir müssen uns dafür einsetzen, dass sie auch weiterhin verstanden wird, dass sie wird vertieft werden, neues Licht wird noch neue Tiefen ausloten, aber neues Licht wird niemals die alte Wahrheit, die Gott uns gegeben hat, ad absurdum führen oder abschaffen.

[10:37] Möchte noch 2. Petrus 1, Vers 19 anführen: "Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort." Die Apostel haben die Christen damals und damit auch uns aufgefordert, an der biblischen Prophetie festzuhalten, weil die Prophetie, wie es hier heißt, "völlig gewisses", ein festes Fundament, das Fundament, auf dem unsere Botschaft basiert. Und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint.

[11:15] Auch heute dürfen wir sagen, dass die Welt, in der wir leben, ein dunkler Ort ist, aber wir haben das Licht des Wortes Gottes, insbesondere das Licht der Prophetie. Und insbesondere die Bücher Daniel und Offenbarung sind für uns Leuchter, sozusagen Lichter, die uns den Weg weisen, bis der Tag anbricht. Und jetzt kommt es: Das Ziel von dem allem ist nicht, dass wir einfach klüger werden bezüglich von Daten und Fakten und Entwicklung der Weltgeschichte, sondern dass der Morgenstern – und Offenbarung 22 macht ganz deutlich, dass es sich hierbei um Jesus selbst handelt – der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

[11:57] Prophetiestudium soll dazu führen, dass wir Jesus besser kennenlernen, dass wir mit Jesus leben, dass Jesus durch den Heiligen Geist in unseren Herzen wohnt. Wenn wir zwar recht haben mit unserer Prophetieauslegung, aber Jesus nicht in unserem Leben sichtbar wird, dann hat es alles keinen Sinn gehabt. Auf der anderen Seite bedeutet das, dass, wenn wir eine tiefere Erfahrung mit Jesus suchen, dann kommen wir an der Prophetie nicht vorbei. Wir können sehen, wie in Offenbarung 10 Jesus das geöffnete Büchlein Daniel seinem Volk präsentiert. Jesus selbst predigt die Prophetie, und wir sind aufgerufen, wir sind eingeladen von ihm, es ihm gleichzutun auf der Grundlage der Prophetie, das ewige Evangelium zu predigen.

[12:55] Nun, was ist die adventistische Position zu Offenbarung 13? Hier ist nicht der Raum heute in dieser Sendung, das ausführlich darzulegen. Wir haben ja gerade vor wenigen Tagen erst eine Christ Study Hour genau dazu veröffentlicht mit Sendemanuskript, wo ihr alles noch einmal im Detail nachstudieren und nachlesen könnt. Wir haben auf Juli Media auch eine ganze Reihe von anderen Serien, unter anderem auch eine CSH Spezial zur Offenbarung und auch im letzten Jahr eine CSH Serie zur Dreifachen Engelsbotschaft, wo ihr genügend Material findet. Nicht zu vergessen auch unser Offenbarungsseminar Vers für Vers, wenn ihr euch für einzelne Details, für einzelne Verse interessiert.

[13:40] Hier also kurz zusammengefasst, wie man es in vielen unserer Büchern, in Tausenden von Vorträgen im Internet, in Predigten auf der ganzen Welt überall sehen und hören kann, in unseren Büchern nachlesen kann: Das erste Tier aus Offenbarung 13, Vers 1 bis 10, ist der römische Kirchenstaat als Parallele zu Daniel 7. Dass in Daniel 7 der römische Kirchenstaat gemeint ist, ist die klassische reformatorische Auslegung gewesen, und die benötigte überhaupt gar keinen Bezug zur zeitgenössischen Politik des 19. Jahrhunderts, als die Adventgemeinde entstand. Also, das ist ein ganz wichtiger Punkt: Das erste Tier ist der römische Kirchenstaat, weil das so offensichtlich aus Daniel 7 sich schon ergibt. Eine besondere, besonderes Element dann in unserer Position ist, dass wir nach 1798, nach der sogenannten tödlichen Wunde, die Wiederherstellung der päpstlichen Macht auf Grundlage der Aussagen Offenbarung 13 erkannt haben. Das zweite Tier in Offenbarung 13 ab Vers 11 ist die USA, die als Weltmacht eine ähnliche Verfolgung gegenüber bibeltreuen Christen durchführen wird wie zuvor das mittelalterliche Papsttum. Das also in aller Kürze zusammengefasst die wesentlichen adventistischen Positionen zu Offenbarung 13. Man könnte noch Details anführen über das Malzeichen des Tieres, die Sonntagsgesetzgebung, die zuerst national und dann weltweit den Sonntag erzwingen wird. Das Bild des Tieres, ein kirchenstaatsähnliches Gebilde dann, wo in den USA der abgefallene Protestantismus sich den Staat zu Hilfe nehmen wird, um seine eigene Position durchzusetzen. Das könnt ihr alles im Detail dann nachlesen und studieren, wenn es euch nicht bekannt ist.

[15:39] In "Adventisten heute" im April auf Seite 24 stand folgendes hier fettgedruckt: "Das deutsche Studienheft zur Bibel lässt Raum für die Frage, ob das aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts herausentwickelte Endzeitszenario einer Anpassung an die heutige Situation Bedarf." Und darum soll es heute gehen, das zu prüfen, ob das Studienheft eine solche Anpassung biblisch fundiert und nachvollziehbar liefert oder ob es eine solche Anpassung nicht braucht.

[16:18] Im Studienheft heißt es auf Seite 84: Es wird mehrfach auf die adventistische Position kurz eingegangen. Sie wird sozusagen zwar nicht dargestellt, sie wird aber immer wieder auch mal referiert, und zwar hier zum Beispiel. Es heißt auf Seite 84, Zitat: "Den frühen Adventisten in den USA und Europa schien es aufgrund ihrer Situation plausibel, dass es in Kürze zu einer Verfolgung durch Kirche und Staat kommen würde."

[16:45] Nun, wie war denn die historische Situation in den 1840er und 1850er Jahren in den USA? Die historische Situation war wie folgt: Damals waren die USA noch kein Global Player in der internationalen Politik. Das ist ja erst wirklich im Zuge des Ersten Weltkriegs so geworden, dass die USA diese Schwelle in Richtung Weltmacht überschritten haben. In den USA gab es damals eine ganz klare, strikte Trennung zwischen Kirche und Staat und keinerlei Anzeichen, dass das irgendwie politisch demnächst kippen könnte. Es gab auch keine Verfolgung christlicher Gruppierungen. Außerdem war der römische Kirchenstaat 1798 durch den General Berthier im Zuge der Nachwehen der Französischen Revolution aufgelöst worden. Er war dann im Zuge des Wiener Kongresses 1815 formal wiederhergestellt worden, hatte aber keinerlei Einfluss mehr in der alten Welt. Er galt als extrem rückständig und eigentlich ein Relikt alter Zeit und hatte auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa und darüber hinaus so gut wie keinerlei Einfluss. Das heißt, die historische Situation war gerade nicht so, dass sie den Anlass geboten hätte, dass man jetzt genau auf diese adventistische Auslegung gekommen wäre.

[18:03] Wir sehen hier ein Bild des "Second Advent Review and Sabbath Herald" von 1851, der 19. Mai. Und das war die Ausgabe, in der J.N. Andrews als erster 1851 auf Grundlage von einer Reihe von biblischen Überlegungen hier in seinem Artikel "Thoughts on Revelation 13 and 14" zur Überzeugung gekommen ist, dass mit dem zweiten Tier die USA gemeint sei. Dass das erste Tier der Kirchenstaat, der römische, ist, das war ja ohnehin schon aus dem Protestantismus relativ klar. Das war ein protestantisches Erbe, das hat man zum Teil ein bisschen noch verfeinert. Das findet sich schon bei William Miller schon in den 1830er Jahren und ist, wie gesagt, auch bei vielen anderen Prophetieauslegern der Zeit, auch in den Jahrzehnten und Jahrhunderten vorher, zu sehen. Das spezifisch Neue war die Identifizierung der USA, und das geht hier auf Andrews zurück. 1851 ist in den nächsten Jahren dann ausgearbeitet, verfestigt worden, sodass wir jetzt folgende Analyse hier vornehmen können.

[19:13] Im Studienheft heißt es auf Seite 88, Zitat: "Aufgrund der vielen katholischen Einwanderer, zeitweiliger Verurteilungen wegen Sonntagsarbeit und der Gewalt des Bürgerkriegs erwarteten Adventisten, die USA können in Zukunft als Helfer Roms die gewaltsame Durchsetzung des Sonntags als Ruhetag betreiben." Erneut wird im Studienheft der Eindruck erweckt, dass die adventistische Auslegung aufgrund von soziokulturellen Einflüssen und politischen Entwicklungen entstanden sei. An keiner Stelle im Studienheft wird auf die biblischen Begründungen und die hermeneutischen Grundlagen dafür eingegangen. Aber prüfen wir zunächst einmal hier, ob diese historische Analyse zutreffend und stichhaltig ist.

[20:03] Dass es sich hierbei nicht um eine Einzelmeinung handelt, verdeutlicht ein Blick auf das offizielle Magazin "Adventisten heute" vom Februar 2023, wo es in ähnlicher Weise heißt auf Seite 10: "So erging es auch den Adventisten, die sich nach der Enttäuschung von 1844 als kleine Herde sammelten. Sie fühlten sich von Menschen verlassen und erwarteten Ablehnung und Verfolgung wegen des Sabbats. In den 1880er Jahren landeten Sabbathalter in Gefängnissen und Sträflingskolonnen, weil sie die Sonntagsruhe missachteten. Immigranten aus Europa nährten die Angst vor dem Erstarken der römischen Kirche in der Neuen Welt. In dieser Zeit veröffentlichte Ellen White ihr Buch 'The Great Controversy', nämlich im Jahre 1888."

[20:49] Analysieren wir diese Behauptung einmal, oder diese Darstellung besser gesagt, einmal. Dort finden wir folgendes: Bezüglich der katholischen Einwanderer müssen wir folgendes festhalten: Die sabbatadventistische Auslegung in den 1850er Jahren – ich sag sabbatadventistisch, weil es die Siebenten-Tags-Adventisten als organisierte Kirche dann ja erst ab 1863 gab, aber die theologischen Grundlagen sind ja bereits in den Jahren davor gelegt worden. Da spricht man noch von den Sabbatadventisten als der Gruppe von Adventisten, ehemaligen Milleriten, die den Sabbat gehalten haben und 1844 erkannt haben und das Heiligtum und auch den Geist der Weissagung anerkannt haben. Das sind so die Kern-Identitätsmerkmale dieser Sabbatadventisten gewesen. Die sabbatadventistische Auslegung in den 1850er Jahren sah die Sonntagsgesetzgebung nicht als Initiative katholischer Immigranten. Das findet sich doch gar nicht, sondern man war der Überzeugung und ist zur Überzeugung gekommen, dass es die abgefallenen protestantischen Kirchen sein werden, die diese Sonntagsgesetzgebung durchsetzen werden. Das ist bis heute auch letztlich unsere Position. Das heißt, diese Auslegung ist völlig unabhängig von der Anzahl katholischer Immigranten, und deswegen auch von daher ist es sehr unplausibel anzunehmen und eigentlich nicht wirklich einsichtig, warum gerade die Einwanderung katholischer Immigranten jetzt diese Auslegung hervorgebracht haben soll, wo die katholischen Immigranten doch gar keine Rolle spielen in dieser Auslegung. Ich glaube, das sollte man hier ganz deutlich beachten.

[22:26] Zweitens, der Bürgerkrieg war es, die Gewalt des Bürgerkrieges. Wir wissen, der Bürgerkrieg in den USA brach 1861 aus. Da war aber die Auslegung schon da. Die ist also nicht als Reaktion, als Verarbeitung der Bürgerkriegserfahrung entstanden, sondern sie war bereits in den Jahren zuvor ausgearbeitet und im Wesentlichen fest. Interessanterweise spielen auch die politischen Themen des Bürgerkriegs, also insbesondere auch die Frage der Sklaverei zum Beispiel, die ja durchaus auch dann die frühen Adventisten bewegt hat, wo sie auch sich drüber geäußert haben, in der Ausarbeitung des Szenarios von Offenbarung 13 gar keine Rolle, weil das bereits zu einem Zeitpunkt ausgearbeitet worden ist, als der Bürgerkrieg hier noch nicht abzusehen war. Wie ist es mit den Verurteilungen zur Sonntagsarbeit? Tatsächlich gab es in den 1880er Jahren, in den späten 1880er Jahren, solche Verurteilungen. Allerdings ist das dann ebenfalls lange Zeit nach der Entstehung und Festigung der adventistischen Auslegung, hat also ebenfalls keine Erklärungskraft für die Entstehung dieser Auslegung.

[23:36] Wir haben gesehen, sie geht zurück auf in der ersten Hälfte von Offenbarung 13 auf die Millerzeit, in der zweiten Hälfte dann auf die frühen 1850er Jahre, also mehr als 30, 40 Jahre, bevor es zu solchen Verurteilungen kam. Also, der adventgeschichtliche Befund lässt sich so zusammenfassen: Die Auslegung von Offenbarung 13 entsprang nicht einer Plausibilitätsabschätzung angesichts der zeitgenössischen Weltlage. Jeder, der diese frühen Artikel liest, wo diese Auslegung entwickelt wird, der sieht, dass das überhaupt gar nicht die Argumentationsgrundlage gewesen ist. Und es ist nicht ganz klar für mich, warum mehrfach jetzt in unseren Publikationen behauptet wird, dass diese historischen Begleiterscheinungen jetzt die Ursache für diese Auslegung gewesen sein sollten. Das lässt sich adventgeschichtlich nicht...

[24:33] Lässt sich adventgeschichtlich nicht halten. Die Auslegung von Offenbarung 13 entstand in den 1840er- und 50er-Jahren durch exegetisches Bibelstudium nach den Prinzipien der historizistischen Prophetieauslegung und basierte auf dem protestantischen Erbe. Das werden wir uns gleich noch mal genauer anschauen. Die Grundlage bildet dabei ja die Auslegung von Daniel 8 und 9, aus der man das Datum 1844 errechnete. Dadurch kam man auf die Historie der Wiederkunft, dann auch die Entdeckung des Untersuchungsgerichtes ab 1844. Das ist der Hintergrund, hinter dem man sich dann auch die Frage gestellt hat: Wie ist dann Offenbarung 13 zu verstehen? Wie sind die Ereignisse kurz vor der Wiederkunft zu verstehen und wie passen die dann zu dem Buch Daniel?

[25:18] Wie gesagt, es gab um 1888 konkrete Ereignisse in den USA, nicht nur diese Verurteilung wegen brechender Sonntagsruhe, sondern konkrete Ereignisse, die ein nationales Sonntagsgesetz sehr wahrscheinlich gemacht haben. Das ist dann schon auch in Senatskreisen diskutiert worden. Wer sich da, da kann man sich weiter informieren auch über diese Ereignisse.

[25:41] Zu dieser Zeit erschien *The Great Controversy*. Allerdings ist auch hier zu sagen: Das Buch basiert ja auf Vorversionen. Es gab schon 1884 eine fast ähnlich aufgebaute Version, und auch die geht schon zurück auf eine Urfassung sozusagen, in der wesentliche Elemente auch dieser Prophetieauslegung enthalten sind aus dem Jahre 1858. Hat also hier auch keine Erklärungskraft, wenn man die Ereignisse von 1888 als Begründung annehmen möchte, warum unsere adventistische Auslegung entstanden ist. Das ist adventgeschichtlich nicht wahr. Es bringt also keine neue Auslegung, dieses Buch in 1888, sondern stellt nur das dar, was seit Jahrzehnten von Sabbathadventisten schon längst geglaubt worden ist. Es ist also ganz dezidiert keine Reaktion auf zeitgenössische politische Realitäten.

[26:34] Was ist also die Grundlage der adventistischen Prophetieauslegung? Wie gesagt, sind es nicht historische Entwicklungen zur Zeit der Pioniere, die man dann so durchdacht hat und dann eine plausible Abschätzung gemacht hat, wie es weitergehen könnte. Nein, das war es nicht.

[26:51] Die Grundlage der Prophetieauslegung in der Adventgemeinde ist erstens, dass die Bibel Gottes Wort ist. Und nicht nur, die Bibel ist Gottes Wort, und zwar von Anfang bis Ende. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“, sagt 2. Timotheus 3, Vers 16. Die gesamte Bibel ist von Gott inspiriert und legt sich selber aus. *Sacra Scriptura suis interpres* ist der Fachausdruck dafür. Petrus sagt uns in 2. Petrus 1, das muss hier Vers 20 heißen, nicht Vers 19: „Wir sollen erkennen, dass die Weissagung, die Prophetie, nicht durch uns selbst gedeutet werden kann, nicht eigenmächtig gedeutet werden kann.“ Sondern wenn wir wissen wollen, was Gott sich gedacht hat, als er die Prophetie gab, müssen wir Gott fragen, und er antwortet uns in seinem Wort. Wir müssen also alle Aussagen zu dieser Prophezeiung, zu diesem Thema, die wir finden können, zusammennehmen und die Bibel sich selbst erklären lassen. Die Bibel ist die alleinige Grundlage allen Glaubens, nicht die Kultur und nicht die politische Weltlage. Jesaja 8, Vers 20 sagt: „Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.“

[28:09] Und ganz entscheidend für Adventisten sind Prophezeiungen, echte Prophezeiungen, das heißt, Dinge, die vorher gesagt werden für die Zukunft.

[28:17] Nun gibt es natürlich auch in der Prophetie Beschreibungen der Gegenwart. Auch zur Zeit von Daniel im Buch Daniel gibt es Dinge, die die Zeit von Daniel beschreiben, und dann gibt es eine ganze Reihe von Dingen, die beschreiben dann, was in der Zukunft passieren wird in Form von Ereignisketten. Und wann immer ein Text sich als Prophetie zeigt, wenn also dort steht, dass jetzt gesagt wird, was in der Zukunft passieren wird, zum Beispiel über das Volk Gottes, wie in Daniel 10, oder auch in Offenbarung 1 hier, wenn es heißt: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen, was rasch geschehen soll“, dann ist das ernst gemeint. Dann ist das tatsächlich eine Aussage, die sagt, was jetzt im Text dann kommt, bezieht sich auf die Zukunft. Es sind echte Prophezeiungen, und da werden wir gleich sehen, warum das so wichtig ist.

[29:15] Die adventistische Prophetieauslegung basiert auf dem Historizismus. Damit ist gemeint, dass sich prophetisch vorhergesagte Ereignisse auch tatsächlich in der Geschichte erfüllen. Wir glauben nicht, dass die Offenbarung, das Buch Daniel, einfach so ein Fundus an Symbolen ist, die man immer mal wieder irgendwo da auf etwas deuten könnte, ohne dass man sich jetzt konkret festlegen müsste. Ist also nicht so wie bei Nostradamus oder so, wo dann ständig das neu interpretiert wird und die Symbole so vage sind, dass man verschiedene Dinge hineinlegen kann. Nein, wir glauben, dass es sich um konkrete Ereignisse handelt, die konkret vorhergesagt worden sind und sich dann in der Geschichte nachweisbar spezifisch erfüllt haben, nicht ständig immer wieder neu.

[29:55] Die Bücher Daniel und Offenbarung präsentieren Ereignisketten. Da folgt ein Tier auf das nächste, zum Beispiel, da folgt eine Posaune oder ein Siegel, eine Gemeinde auf die nächste. Ereignisketten, und zwar von der Zeit des Propheten, das heißt, von Daniel beziehungsweise Johannes, bis zur Wiederkunft der neuen Erde.

[30:18] Warum das so wichtig ist, sieht man, wenn man sich die Frage stellt, warum Jesus der Messias des Alten Testamentes ist. Im Alten Testament, in Daniel 9, wird der Messias nämlich aufgrund einer Zeitprophezeiung vorhergesagt. In Daniel 9, Vers 25 heißt es: „Bis zu dem Gesalbten, dem Messias, dem Fürsten, vergehen 7 Wochen und 62 Wochen.“ Jesus selbst hat seinen Anspruch, Messias zu sein, mit dieser Zeitprophezeiung begründet. „Die Zeit ist erfüllt“, hat er in Markus 1, Vers 14 und 15 gesagt: „Und das Reich Gottes ist nah.“

[30:54] Ohne historizistische Prophetieauslegung kann Jesus nicht als der Messias des Alten Testamentes vollumfänglich identifiziert werden. Und deswegen ist das also nicht eine Nebensächlichkeit, wo man jetzt sagt, das kann man so sehen oder muss man nicht so sehen. Wenn wir Jesus als den Messias annehmen und das wirklich aus dem Alten Testament auch nachweisen wollen, müssen wir das Buch Daniel historizistisch auslegen. Es geht gar nicht anders. Und deswegen ist der Historizismus ein fundamentaler Baustein in unserer Prophetieauslegung, auf den wir nicht verzichten können.

[31:36] Das heißt, um noch einmal auf unsere Grundlagen zurückzugehen: Wie schon angedeutet, die Grundlage für die Auslegung des ersten Tieres sind die Parallelen zu Daniel 7, wo wir eine historizistische Abfolge von Weltreichen haben. Und deswegen muss auch das erste Tier in Offenbarung 13 in diese Reihenfolge der Weltreiche sich einordnen, weil die Parallelen sprachlich absolut unabweisbar, klar und deutlich sind. Und die 42 Monate werden historizistisch als 1260 Jahre verstanden, weil ein Tag für ein Jahr verstanden wird, so wie es auch in Daniel 9 notwendig ist, um Jesus als den Messias zu identifizieren. Das zweite Tier wird dann auch historizistisch so verstanden, dass es, wenn das erste Tier seine tödliche Wunde bekommt, nämlich 1798, in diesen zeitlichen Zusammenhang auftritt. Das zweite Tier wird also sozusagen auch in diese Ereigniskette, die in Daniel 7 angefangen wird, jetzt ergänzend eingefügt, und damit wird Daniel 7 weitergeführt. Es gibt eine ganze Reihe von spezifischen Charakteristika, die ja aufgezählt sind, die alle biblisch gedeutet worden sind.

[32:47] Das heißt, Schlussfolgerung: Die Beobachtungen am Text führten zu der adventistischen Auslegung zu einem Zeitpunkt, als die Erfüllung völlig unrealistisch und geradezu abwegig erschien. Sie ist also gerade nicht das Resultat der Beobachtung der soziokulturellen, politischen Umgebung, sondern eines Bibelstudiums, das zu einer Schlussfolgerung geführt hat, die in den 1840er- und 50er-Jahren gerade sehr unwahrscheinlich war, wenn man sich die Weltlage angeschaut hat.

[33:17] Es ist also genau andersrum, als das Studienheft und auch in *Adventisten heute* behauptet worden ist. Und ich glaube, wenn man die adventistische Prophetieauslegung ändern möchte, anpassen möchte oder verwerfen möchte, dann sollte man redlicherweise sie an ihrem Fundament packen und erklären, warum denn sie biblisch-exegetisch nicht haltbar ist. Wenn man den Eindruck erweckt, sie wäre ohnehin nur da wegen sozialen, politischen Randerscheinungen oder Rahmenbedingungen, dann wird man der Aufgabe nicht gerecht, die Prophetieauslegung hier einzuordnen.

[34:01] Ich glaube, es ist wichtig, dass, wenn man sich mit ihr auseinandersetzt, man sich auch so mit ihr auseinandersetzt, wie sie tatsächlich ist und nicht wie man, dass man sie auch tatsächlich so darstellt, ihre Entstehung so darstellt, wie sie auch adventgeschichtlich nachweisbar ist.

[34:21] Es heißt weiter hier im Studienheft auf Seite 84: „Die Erwartung der kommenden Krise wurde zur gegenwärtigen Wahrheit und zum Gegenstand der Verkündigung und Unterweisung.“ Dass sich diese Erwartung bis heute nicht erfüllt hat, wirft Fragen auf.

[34:36] Nun stellen wir die Frage, ob sich nichts davon erfüllt hat. In Offenbarung 13, 14 haben wir ja gerade zusammengefasst, was die adventistische Vorhersage sozusagen war Mitte des 19. Jahrhunderts.

[34:47] Wie ist die gegenwärtige Situation? Das Papsttum hat wieder eine beachtliche globale Stellung und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vermehrt aktiv in die Weltpolitik eingemischt. Also denken an den Sturz des Kommunismus gemeinsam mit den USA. Das Papsttum wird in weiten Teilen der Welt als maßstabsetzende moralische Autorität wahrgenommen. Und das ist etwas, was weit, weit weg von dem entfernt ist, was Mitte des 19. Jahrhunderts Tatsache war. Eine ganz, ganz massive Entwicklung in die Richtung, wie es die adventistische Auslegung gesagt hat.

[35:25] Die USA sind mittlerweile anders als Mitte des 19. Jahrhunderts eine Weltmacht, die auch tatsächlich kulturell weit über die eigenen Staatsgrenzen globalen Einfluss ausübt, so wie es der Kirchenstaat im Mittelalter getan hat. Und tatsächlich sind Kirche und Staat in den USA sich näher als jemals zuvor. Wer die letzten Jahrzehnte in der amerikanischen Politik und Gesellschaft beobachtet hat, der weiß, dass die Mauer zwischen Kirche und Staat immer mehr erodiert, dass immer mehr sogenannte religiöse Rechte, also politische Gruppen, die sehr stark evangelikal basieren und sich aus evangelikalem Verständnis her formieren, dass die sehr stark an dieser Trennung sich abarbeiten und immer mehr für eine Art Gottesstaat in den USA werben und versuchen, den Staat für ihre eigene Religionsauffassung zu instrumentalisieren. Und gerade die letzten Jahre haben diesbezüglich noch einmal eine beschleunigte, ich möchte fast sagen, Radikalisierung gezeigt, insbesondere unter Donald Trump und der Bewegung um ihn herum.

[36:35] Nun ist es nicht meine Aufgabe oder unsere Aufgabe als Adventgemeinde zu bestimmen, welche der beiden Hauptparteien in den USA einmal das auslösen werden, was Offenbarung 13 beschreibt. Aber Fakt ist, wir sehen eine ganz klare Entwicklung, die immer deutlicher in diese Richtung zeigt und mittlerweile sehr viel mehr dem entspricht, was die Prophetieauslegung der Adventisten sagt, als dem, was Weltpolitik war, als die Prophetieauslegung entstanden ist.

[37:02] Von daher gibt es aus meiner Sicht überhaupt gar keinen Grund, das alles infrage zu stellen, sondern wir dürfen dankbar sein, dass wir in einer Zeit leben, wo sich viele dieser Dinge vor unseren Augen erfüllen. Wir sollten die Zeichen der Zeit erkennen, statt die Prophetieauslegung infrage zu stellen. Sollten wir unsere Geschwister daran bestärken, weil wir sehen, dass, auch wenn es sich nicht alles auf einen Schlag erfüllt, sich immer mehr in diese Richtung hin entwickelt und Gott uns noch Zeit gibt, uns auf die kommende Krise, die er uns gezeigt hat in seinem Wort, dass wir uns auch vorbereiten. Das wäre die Aufgabe auch des deutschen Studienheftes, das zu tun: die Geschwister vorzubereiten auf diese Krise, die sich hier andeutet und die in der Prophetie klar vorhergesagt ist.

[37:39] Ich möchte noch kurz darauf hinweisen, dass die eigentliche zu stellende Frage nicht das Ausbleiben der Krise ist, sondern die Tatsache, dass Jesus noch nicht wiedergekommen ist.

[37:47] Denn zweifelsfrei wird es vor der Wiederkunft Jesu eine globale Krise geben, die auch in der Offenbarung beschrieben wird. Das ist die eigentlich theologische Frage, der wir uns stellen müssen. Wie gesagt, in Daniel 12 wird ganz klar gezeigt, dass, bevor Jesus dann wiederkommt oder wenn dann die letzten Ereignisse eintreten, es eine große Drangsal geben wird, wie es sie bis dahin nie gegeben hat.

[38:11] Wann Jesus wiederkommt, ist uns in der Prophetie nicht mit einem Datum gegeben. Aber wir haben ein Zeichen in Matthäus 24, Vers 14: „Dieses Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt verkündigt werden zum Zeugnis für alle Heidenvölker, und dann wird das Ende kommen.“

[38:29] Statt sich also die Frage zu stellen, wo ist das Ausbleiben der letzten Ereignisse vor der Wiederkunft, sollten wir vielleicht eher die Frage stellen, wo ist unser Einsatz in der Verkündigung des Evangeliums in der ganzen Welt, sodass Jesus wiederkommen kann und implizit damit auch die letzten Ereignisse vorher stattfinden werden? Es ist ja gerade das ewige Evangelium aus Offenbarung 14, wo eben auch in der dritten Engelsbotschaft es um das Tier und das Malzeichen und das Bild des Tieres geht. Es ist ja gerade diese Botschaft, die wir verkündigen sollen, jeder Nation und jedem Volksstamm und jeder Sprache und jedem Volk. Und jeder, der Offenbarung 14 liest, sieht auch, dass direkt nach dieser Botschaft die Wiederkunft Jesu beschrieben wird, weil dann die Ernte reif ist.

[39:21] Ich glaube nicht, dass wir unseren Auftrag, den wir hier haben vor der Wiederkunft, das Evangelium, das ewige Evangelium in der ganzen Welt zu verkündigen, dass wir dem treu gerecht werden, wenn wir substantielle Elemente dieses ewigen Evangeliums, nämlich die dritte Engelsbotschaft, plötzlich nicht mehr so glauben, wie es uns gegeben ist.

[39:46] Nun, was ist der Ansatz im Studienheft? Wir haben gesehen, was der adventistische Ansatz ist und dass das Studienheft ihn nicht korrekt wiedergibt und auch die Begründung, warum es ihn gibt, nicht richtig darstellt, wie es in der Adventgeschichte nachweisbar ist.

[40:01] Das Studienheft hat jetzt folgenden Ansatz auf Seite 84: „Liest man die Offenbarung mit Blick auf die Situation der ursprünglichen Adressaten, der Gemeinden der römischen Provinz Asia, dann ergeben sich jedoch Parallelen zur Lage weltweit verfolgter Christen heute.“

[40:14] Ich habe jetzt mehrere Zitate zusammengestellt, um denselben Punkt zu machen. Hier heißt es: „Die Adressaten des Buches waren die Christen in der römischen Provinz Asia.“

[40:21] Dann Seite 87: „Man darf davon ausgehen, dass die Empfänger die geschilderte Szene als Demaskierung ihrer gesellschaftlichen Realität verstanden haben.“

[40:31] 88: „Das zweite Tier kann als demaskierende Beschreibung dieser in der Provinz beheimateten Propagandamacht gelesen werden, also der Provinz Asia im ersten Jahrhundert.“

[40:41] 89: „Es lohnt sich immer wieder, die Offenbarung mit den Augen der sieben kleinasiatischen Gemeinden zu lesen.“

[40:47] 90: „Wer die Offenbarung mit den Augen ihrer Erstadressaten liest…“ Und da stellt sich eine Frage: Geht es in dieser Lektion 11 – und wir sprechen hier in diesem CSH Extra explizit um die Lektion 11, wir wollen nicht das gesamte Studienheft und schon gar nicht den gesamten Bearbeiterkreis irgendwie über einen Kamm scheren, wir wissen auch nicht persönlich, wer jetzt der Bearbeiter, die Bearbeiterin hier dieser Lektion 11 ist, das ist auch gar nicht unser Thema und nicht wichtig – es geht um die gedruckte Lektion: Geht es hier eigentlich um eine Anpassung des Endzeitszenarios oder geht es um Präterismus?

[41:27] Eine Anpassung des Endzeitszenarios wäre ja, wenn man zum Beispiel sagen würde: Statt den USA wollen wir jetzt vielleicht lieber China in der Endzeit als zweites Tier sehen, oder wir sehen statt dem Kirchenstaat vielleicht den Islam. Ja, das wären an sich schon problematische Ideen, die müsste man dann begründen oder entsprechend diskutieren. Aber das wäre immer noch sozusagen in diesem historizistischen Schema, auf der Grundlage des Historizismus. Aber hier geht es um etwas völlig anderes, es geht um eine ganz andere Auslegungsmethode. Es geht nicht um eine Anpassung des Endzeitszenarios, so jedenfalls so stellt sich es dar, sondern es geht um eine Verwendung einer Auslegungsmethode, die eigentlich in der Adventgemeinde nicht zu suchen hat.

[42:12] Der Präterismus ist eine Auslegungsmethode, die eine Erfüllung der apokalyptischen Prophezeiungen zur Zeit der Abfassung der Texte annimmt, also zur Zeit der Abfassung des Buches Daniels beziehungsweise im ersten Jahrhundert, dann Ende des ersten Jahrhunderts für die Offenbarung. Sie ist absolut unvereinbar mit den Grundlagen der historizistischen Prophetieauslegung.

[42:32] Oft ist er verbunden, der Präterismus, mit der Annahme, dass mindestens Teile der als Prophetie bezeichneten Texte gar keine Zukunftsvorhersagen machen, sondern zeitgenössische Realitäten verkleidet beschreiben. Das sehen wir hier auch im Studienheft, denn es heißt, es sei eine Beschreibung, eine demaskierende Beschreibung der Realität. Es wird also quasi suggeriert, dass der Text sich zwar als Prophetie ausgibt, aber eigentlich gar keine Prophetie ist, sondern den Ist-Zustand nur beschreibt, als Prophetie verkleidet. Und das ist meiner Meinung nach mit einem hohen Verständnis der Bibel nicht vereinbar, denn das wirft den biblischen Autoren vor, etwas vorzugeben, was sie gar nicht einhalten.

[43:19] Im Präterismus werden übrigens die als Prophezeiung verfassten Texte des Neuen Testaments allesamt exegetisch auf das erste Jahrhundert nach Christus bezogen. Das wird oft nicht im Studienheft, aber im wissenschaftlichen Präterismus, wie an den meisten Universitäten, theologischen Universitäten, insbesondere in Europa gelehrt werden, überhaupt weltweit gelehrt, wird auch auf die Wiederkunft Jesu angewandt.

[43:40] Der Präterismus hier im Studienheft ist da keine Erfindung des Bearbeiters oder der Bearbeiterin, sondern tatsächlich in vielen Kirchen der sogenannte wissenschaftliche Standard in der Offenbarungsauslegung. Und der wird hier ohne Angabe von Quellen übernommen und ohne wirkliche exegetische Begründung. Aber da werden wir gleich ein bisschen mehr darauf noch eingehen.

[44:13] Auch das ist keine neue Entwicklung, das ist kein, oder anders gesagt, es ist kein Einzelfall. Schon vor einigen Jahren lasen wir in *Adventisten heute* im Februar 2017 auf Seite 9 im Bezug auf den dritten Engel der Offenbarung 14. In Offenbarung 14 soll die Botschaft des dritten Engels, Zitat: „Betrifft die Hörer der Offenbarung unmittelbar. Sollen sie mitmachen im offiziellen Kult für die vergöttlichte Kaiserfamilie?“ Ist genau das, was auch im Studienheft jetzt immer wieder als Auslegung vorgeschlagen wird. „Sollen sie dem Druck der städtischen Bevölkerung nachgeben oder Außenseiter der Gesellschaft werden?“

[44:48] Auch hier eine präteristische Auslegung im offiziellen Magazin der Adventgemeinde. Fragen wir uns also: Sind die Augen der Erstleser, so wie das im Studienheft immer wieder gesagt wird, sind die Augen der Erstleser die Grundlage der Auslegung?

[45:04] Und da stellen wir fest, dass die Bibel uns selbst sagt, dass selbst die Propheten nicht immer verstanden haben, was Gott ihnen gezeigt hat. Hier heißt es in 1. Petrus 1, ab Vers 10: „Wegen dieser Errettung haben die Propheten gesucht und nachgeforscht, die von der euch zuteilgewordenen Gnade geweissagt haben. Sie haben nachgeforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist des Christus in ihnen hindeutete, der die für Christus bestimmten Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten zuvor bezeugte. Ihnen wurde geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern uns dienten mit dem, was euch jetzt bekannt gemacht worden ist.“

[45:42] Das heißt, wenn schon Propheten nicht vollumfänglich all das verstanden haben, was Gott ihnen gegeben hat, sondern dass Gott davon ausgegangen ist oder dass es dann so gewesen ist, dass erst spätere Generationen, zum Teil Jahrhunderte später, erst verstanden haben, was die prophetische Botschaft wirklich bedeutet, dann können wir nicht die Erstleser der Offenbarung zum Kriterium machen, wie die Offenbarung auszulegen ist.

[46:04] Wenn wir zum Beispiel die Worte von Jesus so auslegen würden, wie die Ersthörer sie verstanden haben, dann würden wir nicht einmal die grundlegendsten Wahrheiten des Evangeliums verstehen können. Es heißt nämlich, als Jesus fundamentale Wahrheiten, seine Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung zum ersten Mal, in dem Fall hier, glaube ich sogar zum zweiten Mal, wenn ich das richtig sehe, zum zweiten Mal gesagt hat, heißt es: „Sie verstanden nicht davon, und dieses Wort war ihnen zu geheimnisvoll, und sie begriffen das Gesagte nicht.“ Wer sagt uns denn, dass Gemeindeglieder in Smyrna...

[46:35] Denn dass Gemeindeglieder in Smyrna oder Philadelphia oder Laodizea all das verstanden haben, was der Offenbarungstext von Gott intendiert aussagen will. Also, Bibelauslegung basiert auf genauer Exegese, das heißt Auslegung des Textes, und zwar nach bestimmten Prinzipien: Sola Scriptura – allein die Schrift, Tota Scriptura – die ganze Schrift. Wir müssen also Bibelstelle mit Bibelstelle vergleichen. Sacra Scriptura suis interpres – die Heilige Schrift legt sich selbst aus.

[47:06] Natürlich ist es interessant, sich zu fragen, wie hat vielleicht ein Christ im ersten Jahrhundert das gelesen. Das ist auch interessant für das dritte Jahrhundert und für das 14. Jahrhundert, für das 17. Jahrhundert. Es ist immer interessant zu fragen, wie haben Menschen zu einer bestimmten Zeit den Bibeltext gelesen. Das ist aber keine Frage der Exegese, der Bibelauslegung. Es ist auch keine Frage des Dogmas, also was sollen wir glauben, sondern das ist eine Frage der Rezeptionsgeschichte, der historischen Theologie. Das ist ein eigener Bereich. Das ist interessant, da kann man also sehen, wie sich Auslegungen entwickelt haben. Das beschreibt dann immer, wie Menschen den Text verstanden haben. Aber wir wollen doch unseren Glauben nicht darauf basieren, wie Menschen den Text verstanden haben. Wir wollen doch wissen, was Gott intendiert hat, und dazu müssen wir die Bibel selbst fragen, Gottes Wort. Uns interessiert doch, was Gott mit der Prophezeiung gemeint hat, nicht was jemand zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort darunter verstanden hat. Wir wissen ja gar nicht, wie gut er die Bibel kannte oder wie weit er in das Thema eingestiegen ist.

[48:10] Dazu kommt noch etwas: In den allermeisten Fällen ist es überhaupt gar nicht mehr feststellbar, wie denn die Erstleser oder Ersthörer diesen Text, diese Prophezeiung, verstanden haben. Um das auf unser konkretes Beispiel zu übertragen: Für die Provinz Asia in Kleinasien zur Zeit des Johannes, also am Ende des ersten Jahrhunderts, gibt es überhaupt gar keine Quellen, nicht eine einzige Quelle, die uns zeigen würde, wie jetzt ein Christ in Thyateira zum Beispiel oder in Smyrna oder in Sardes, wie ein Christ in der Zeit jetzt die Offenbarung ausgelegt hätte. Da gibt es überhaupt gar keine Quellen. Woher sollen wir dann also wissen, wie der Erstleser diesen Text verstanden hat? Das Studienheft scheint zu suggerieren, dass es ganz selbstverständlich wäre und wir müssen jetzt einfach nur sozusagen uns in deren Schuhe begeben. Aber wissen wir überhaupt, welche Schuhe die getragen haben? Wir haben gar keine Quellen, die das belegen.

[49:08] Wenn wir die Frage schon stellen – wie haben möglicherweise, denn anders können wir gar nicht rangehen, wissen tun wir es nicht – wenn wir die Frage stellen, wie haben möglicherweise die Christen im ersten Jahrhundert in Asia am Ende des ersten Jahrhunderts die Offenbarung verstanden, dann können wir uns von zwei Seiten nähern: Wir können also schauen, etwas später, wann ist sozusagen das allererste Mal, dass überhaupt frühe Christen von diesen Offenbarungstexten reden? Und wir können uns von der anderen Seite nähern: Was war kurz davor? Was sind also die theologischen Überzeugungen, die wahrscheinlich auf die Gemeinden in Asia eingewirkt haben? Also, fragen wir zuerst die erste Frage: Was sagen die frühsten kirchengeschichtlichen Quellen über Offenbarung 13?

[49:50] Die früheste erhaltene Erwähnung von Offenbarung 13 findet sich bei Irenäus von Lyon. Sein Werk "Gegen die Häresien" wird etwa auf 180 nach Christus datiert. Das wäre also gut 80 Jahre nach Johannes, nach der Offenbarung, ungefähr Daumen, natürlich kann das nicht immer genau aufs Jahr datiert werden, auch die Offenbarung natürlich nicht. Zu seiner Zeit ist der Kaiserkult sogar noch viel stärker ausgeprägt als im ersten, ist ausgeprägter als im ersten Jahrhundert zum Teil. Da kommen wir aber gleich noch ein bisschen auf die Frage, was er jetzt sagt. In seinem Werk "Adversus Haereses" im Buch 5, 28 ist folgendes: Er sagt: "Das wird nämlich geschehen, wenn jener kommt" – Zukunft – "und aus eigenem Entschluss in sich die Apostasie, den Abfall, rekapituliert, also den Abfall wiederholt und aus freiem Willen und Gutdünken all das wirkt, was er wirken wird und in dem Tempel Gottes sitzt, um sich von den von ihm verführten als den Christus anbeten zu lassen." Das ist 2. Thessalonicher 2, das ist der Antichrist. "Seine Ankunft verkündete Johannes in der Apokalypse mit den Worten:" Und dann kommt ein das gesamte Zitat Offenbarung 13, 1 bis 10. Zitiert Irenäus von Lyon sagt also dieser zukünftige Antichrist, der kommen wird, der ist in der Apokalypse des Johannes angekündigt. Und dann erwähnt er auch noch seinen, wie er es nennt, seinen Waffenträger, den Pseudopropheten, also den falschen Propheten, das zweite Tier, auch ausführlich. Natürlich hat Irenäus von Lyon noch nicht all das verstanden über die einzelnen Details dieser Prophezeiung, die wir heute erkennen können mit sehr viel mehr geschichtlichem Abstand, und wir können viel mehr geschichtliche Erfüllung erkennen. Das stimmt. Aber wir können doch interessanterweise sehen, dass Irenäus davon ausging, dass Offenbarung 13 von seiner Zeit ausgesehen einen zukünftigen Antichristen meint und nicht das römische Reich, das ja zu seiner Zeit herrschte und schon gar nicht irgendwie einen wie Domitian oder so. Das ist also das früheste, was wir haben.

[52:01] Und das deutet darauf hin: Die frühsten Christen, die frühen Christen, haben Offenbarung 13 auf den kommenden Antichristen bezogen.

[52:10] Wenn wir die antike Christenheit im Allgemeinen uns anschauen, dann stellen wir fest, dass es in der Antike und der Spätantike in der Christenheit allgemein bekannt war, dass nach Daniel 2 und 7 es ein Viererreiche-Schema gibt, also die vier Reiche, die in Daniel 2 und 7 benannt werden, und dass danach dann der Antichrist kommt. Den hat man vielfach als eine Person verstanden, ja, als einen zukünftigen personellen Antichristen, aber einer, der erst nach dem vierten Reich auftritt. Und da man das römische Reich dann – das hat sich dann immer mehr durchgesetzt, das ist immer klarer geworden in diesen frühen Jahrhunderten – das römische Reich als das Vierte Reich gesehen hat, hat man es als ein sogenanntes hemmendes Element betrachtet. Solange das römische Reich existiert, würde der Antichrist nicht auftreten. Das geht zurück auf 2. Thessalonicher 2, wo Paulus sagt: "Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen, denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens." Und dann heißt es weiter: "Ihr wisst ja, was jetzt noch zurückhält, damit der geoffenbart werde zu seiner Zeit. Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muss der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein." Und das hat man sehr früh schon auf das römische Reich bezogen, weil das ist das vierte Tier, das Vierte Reich aus Daniel 7, auf das dann das kleine Horn folgt. Und man hat natürlich sehen können, dass Offenbarung 13 identisch ist mit, also das erste Tier aus Offenbarung 13 identisch ist mit dem kleinen Horn. Das ist dieselbe Beschreibung. Und hat geschlussfolgert auf jeden Fall, dass der Antichrist erst kommen kann, wenn das römische Reich aus dem Weg ist. Das hat dann zu zum Teil merkwürdigen Dingen geführt, weil man das Auftreten des Antichristen dann mit dem Ende der Welt zusammengebracht hat. Man hat also gedacht, solange das römische Reich existiert, geht die Welt nicht unter. Das ist dann wichtig für die Geschichte Konstantinopels, aber das muss uns heute nicht beschäftigen. Aber das zeigt uns, es ist extrem unwahrscheinlich und sehr unplausibel zu glauben, dass die Christen in Asia um 100 geglaubt hätten, dass das römische Reich der Antichrist ist. Das ist sehr unplausibel.

[54:21] Paulus sieht also, wie gesagt, zur Zeit des römischen Kaiserreiches den Antichristen als zukünftig. Und wir wissen, dass Paulus mindestens einige der Gemeinden in Asia direkt beeinflusst hat mit seiner Theologie, denn wir wissen, wir kennen den Epheserbrief und wir wissen aus dem Kolosserbrief, dass er auch einen Brief an die Laodizeaner geschrieben hat. Also, die Gemeinden in Asia standen unter dem Einfluss von Paulus. Und es ist da der naheliegendste Schluss, dass wenn wir etwas aussagen wollen über ihre Ansichten zum Antichristen, es am wahrscheinlichsten ist, dass sie die Ansichten von Paulus gehabt haben. Und wie gesagt, war ja die Lehre der antiken Christen im Allgemeinen, dass der Antichrist erst nach dem Ende des römischen Reiches auftreten würde. Das heißt, die historischen Befunde, auch wenn wir keinen Beweis dafür bringen können, was die Christen dann tatsächlich in Smyrna, in Thyateira um das Jahr 100 geglaubt haben, deuten von beiden Seiten darauf hin, dass sie nicht davon ausgegangen sind, dass das römische Reich, der römische Kaiser Domitian zum Beispiel oder dann auch die danachfolgenden Kaiser, den Antichristus aus Offenbarung 13 beschreiben.

[55:27] In dem Buch, Verzeihung, in dem Studienheft wird gesagt, dass die Adressaten des Buches die Christen der römischen Provinz Asia sind und damit wird letztlich suggeriert, dass das gesamte Buch der Offenbarung auf das erste Jahrhundert in Asia zu beziehen ist. Und wenn wir uns die Offenbarung anschauen, stellen wir fest, es gibt dort die Botschaft an die sieben Gemeinden, es gibt die sieben Siegel, die in die Wiederkunft Jesu münden. Es gibt die sieben Posaunen, die münden dann in den großen Versöhnungstag in Offenbarung 11 Vers 19 und dem finalen Gericht in Offenbarung 11 Vers 17, 18. Wir haben Offenbarung 12 bis 14, auch das mündet in die Wiederkunft. Wir haben die sieben letzten Plagen, wir haben die letzten Ereignisse, die dann auch wieder in die Wiederkunft münden, Offenbarung 19, 11. Wir haben die 1000 Jahre, die Neue Erde. Und die Frage ist: Sind all diese Themen, all diese Texte buchstäblich auf die sieben Gemeinden im ersten Jahrhundert zu beziehen?

[56:19] Nun, es muss dazu gesagt werden fairerweise, dass das Studienheft folgendes sagt: "Viel stand für diese Christen auf dem Spiel, wenn sie die Teilnahme am Kult verweigerten." Also, das ist wieder die These vom Präterismus. "Doch sie waren gewiss: Christus ist der eigentliche Herr der Welt und allein der Anbetung würdig. Sie darin zu bestärken ist das ursprüngliche Anliegen der Offenbarung." Also, nicht nur Offenbarung 13, sondern der Offenbarung. Das sei der primäre Grund, warum die Offenbarung geschrieben ist für das erste Jahrhundert. Und dann heißt es sogar: "Insbesondere der Botschaft der drei Engel." Ohne Begründung, dass besonders die drei Engelsbotschaften für die Christen im ersten Jahrhundert geschrieben sei. Und dann heißt es aber: "Darüber hinaus enthält das Buch eine zeitübergreifende Botschaft vom Ende der Unterdrückung und vom Beginn einer neuen gerechten Welt." Nun, damit wird also deutlich, dass der, dass das, dass die Bearbeiter hier und der Bearbeiter schon davon ausgeht, dass das Offenbarungsbuch nicht ausschließlich auf das erste Jahrhundert bezogen werden kann. Aber das ist kein Historizismus mehr. Das ist kein, kein biblisches adventistisches Verständnis, dass hier die einzelnen Weltreiche sich ablösen, das Ereignisketten bis zur Wiederkunft gehen, sondern das Verständnis hier ist: Die Exegese von Offenbarung 13 weist in das erste Jahrhundert und dann können wir sozusagen grundsätzliche Prinzipien, die zeitlos sind, auf alle Zeiten anwenden. Es gibt ein Ende der Bedrückung, es gibt eine neue gerechte Welt. Die Offenbarung hat natürlich sehr viel mehr zu bieten, sehr viel mehr und sehr konkrete Prophezeiungen.

[57:51] Wenn wir zum Beispiel Offenbarung 19 anschauen, dann sehen wir dort eine Prophezeiung auf die Wiederkunft Jesu, in der, wie es hier heißt in Vers 19: "Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd sitzt." Also, Wiederkunft, nicht wahr? Offenbarung 19 ab Vers 11 haben wir die Wiederkunft beschrieben, wo Jesus als König der Könige und Herr der Herren wiederkommt. Vers 20: "Und das Tier wurde ergriffen und mit diesem der falsche Prophet, der die Zeichen vor ihm tat, durch welche er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten." Das sind genau die Elemente, die wir in Offenbarung 13 wiederfinden. Offenbarung 19 zeigt, dass das, was in Offenbarung 13 beschrieben wird, sozusagen in direktem zeitlichem Zusammenhang mit der Wiederkunft Jesu steht. Wenn wir Offenbarung 13 exegetisch auf das erste Jahrhundert auslegen, dann kann nicht erklärt werden, was hier Offenbarung 19 meint. Dann muss die Wiederkunft auch im ersten Jahrhundert gewesen sein, oder wir gehen davon aus, dass der römische Kaiser am Ende der Zeit bei Wiederkunft noch mal da ist. Also, exegetisch macht das keinen Sinn. Die Elemente von Offenbarung 13 sind textlich mehrfach direkt mit der Wiederkunft und mit der Vorbereitung auf die Wiederkunft so verbunden, dass man nicht das eine ins erste Jahrhundert legen kann und dann sagen kann, aber es gibt noch eine allgemeine Botschaft, mal es kommt mal eine, eine bessere Welt. Dieses Konzept von der Wiederkunft, der neuen Erde und den Elementen von Offenbarung 13, die sind miteinander so verschmolzen, dass man sie im Text nicht trennen kann.

[59:22] Außerdem müssen wir festhalten, dass in Offenbarung 14 vor dem dritten Engel, der vor dem Tier und dem Malzeichen und dem Bild des Tieres, wie es bei dem ersten Engel heißt in Vers 7, der sprach mit lauter Stimme: "Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen." Wenn der dritte Engel auf das erste Jahrhundert ausgelegt werden muss, wie das im Präterismus der Fall ist, dann fällt auch die Lehre von 1844 und dem Vorwiederkunftsgericht weg, denn dann ist das Gericht ja auch im ersten Jahrhundert. Wir sehen also, wie dieser präteristische Ansatz eine ganze Reihe von Glaubensüberzeugungen der weltweiten Adventgemeinde aushebelt oder indirekt auch tatsächlich im Grunde genommen unmöglich macht. Zum Beispiel ist das die Lehre vom Dienst Jesu im himmlischen Heiligtum mit 1844 mit dem Gang ins Allerheiligste, die Lehre von der Wiederkunft Jesu, denn etliche, einige Aussagen aus unserem Glaubenspunkt Nummer 25 aus der Offenbarung sind dann fraglich, ob sie überhaupt noch eine konkrete, spezifische, exegetisch begründbare historische Erfüllung in der Zukunft haben oder ob sie eigentlich sich auf das erste Jahrhundert nach Christus beziehen und nur noch allgemein so eine Trostbotschaft spenden, dass es irgendwann mal besser wird. Das gilt genauso für die weiteren Glaubenspunkte 26 bis 28: die Lehre vom Tod, der Auferstehung, die Lehre vom Millennium und die Lehre von der neuen Erde. Alle die sind mehr oder weniger direkt oder indirekt mit der Frage vom Tier und vom Malzeichen und vom Bild des Tieres in verschiedenen Texten der Offenbarung verknüpft. Das spricht es dann auch von den Überwindern über diese Mächte und es hat dann zu tun auch mit den Plagen, wo diese Mächte noch gegenwärtig sind bei den sieben letzten Plagen, wenn wir dann an die sechste Plage zum Beispiel denken. Da werden wir aber gleich noch etwas mehr dazu sagen.

[1:01:17] Im Studienheft heißt es dann hier, wie gesagt, auf Seite 84: "Man darf davon ausgehen, dass die Empfänger die geschilderte Szene als Demaskierung ihrer gesellschaftlichen Realität verstanden haben." Dass das aus adventistischer Sicht keine vernünftige biblische Exegese ist und hochproblematisch ist und nicht zu akzeptieren ist mit einer hohen Sicht der Bibel, glaube ich, haben wir jetzt dargelegt.

[1:01:40] Ganz kurz wollen wir uns die Frage stellen, wie war denn eigentlich die gesellschaftliche Realität? Wir wissen zwar nicht, wie die Christen exakt theologisch gedacht haben im ersten Jahrhundert in den sieben Gemeinden, da haben wir keine Quellen zu. Aber wir haben ein paar Quellen über die gesellschaftliche Realität. Ist denn das überhaupt so historisch gewesen, wie so viele Neutestamentler in verschiedenen Kirchen, die präteristisch arbeiten, behaupten? Und hier ist es interessant festzustellen, dass es in der Geschichtswissenschaft, von der ja die neutestamentlichen Exegeten sich mal beziehen und darauf basieren, es längst gar nicht so ausgemacht ist, dass die Quellen das hergeben, was neutestamentliche Exegeten dann im Präterismus dort sehen wollen. Beispielhaft sei hier Thomas Witulski genannt mit seinem Buch "Kaiserkult in Kleinasien. Die Entwicklung der kultisch-religiösen Kaiserverehrung in der römischen Provinz Asia von Augustus bis Antoninus Pius." Er sagt Zitat: "Eine von staatlich-imperialer Seite propagierte Konzeption, in welcher dem amtierenden Princeps nicht nur einer bestimmten Stadt, sondern innerhalb der gesamten Provinz dezidiert eine soteriologische Bedeutung beigelegt wird, lässt sich nur für den von 117 bis 138 nach Christus regierenden Kaiser Hadrian nachweisen. Mit der Aufstellung von Altären in Privathäusern wurde bei Hadrian als erstem und innerhalb des hier untersuchten Zeitraums einzigem römischen Kaiser, also von Augustus bis Antoninus Pius, bis in die Mitte des zweiten Jahrhunderts auch der private häusliche Bereich in die offizielle kultisch-religiöse Verehrung des amtierenden Kaisers einbezogen. All dies zeigt, dass Hadrian unter anderem in der römischen Provinz Asia weit intensiver als seine Vorgänger, auch weit intensiver als Augustus, kultisch-religiös verehrt worden ist." Weil Witulski als Theologe an Offenbarung an der präteristischen Auslegung festhält, schlägt er jetzt vor, weil ihn seine geschichtswissenschaftlichen, archäologischen Daten quasi dazu zwingen, dass die Offenbarung gar nicht zur Zeit von Johannes im Ende des ersten Jahrhunderts geschrieben worden ist, sondern zur Zeit von Hadrian, weil erst dann, erst unter Hadrian in den 130er Jahren es einen solchen Kaiserkult in der Form gegeben hat, dass man jetzt die Aussagen aus Offenbarung 13, wenn man sie präteristisch auslegen möchte, überhaupt dann erst gesellschaftlich dazu passen würden. Und das bedeutet, dass man dann natürlich auch nicht mehr davon ausgehen kann, dass die Offenbarung von Johannes geschrieben ist. Also, wir sehen, so ein präteristischer Ansatz hat unfassbar viele Probleme in alle möglichen Richtungen: theologisch, exegetisch, für die adventistische Botschaft und Identität, aber auch, ähm, wenn man hier geschichtswissenschaftlich hineingeht. Es gibt ein Buch "Kaiserkult, Wirtschaft und Spektakel zum politischen, gesellschaftlichen Umfeld der Offenbarung". Das sind Studien zur Umwelt des Neuen Testamentes Band 72 von 2011. Da werden verschiedene Diskussionsbeiträge gebracht, weil es tatsächlich eine zum Teil hitzig geführte Debatte zwischen den Geschichtswissenschaftlern und Archäologen auf der einen Seite und dann den präteristischen Theologen auf der anderen Seite gibt. Denn die Geschichtswissenschaftler, die Historiker und die Archäologen kritisieren immer wieder die präteristischen Neutestamentler, weil die die historischen und archäologischen Fakten so immer wieder biegen und so zurechtrücken, damit sie möglichst in ihre Auslegung von Offenbarung 13 passen. Und da gibt es sehr viel Debatte. Das heißt, mit anderen Worten, viele Historiker und Archäologen sind gar nicht der Meinung, dass zur Zeit um 100 der Kaiserkult in Asia in einer solchen Form stattfand und und ein solches massives, äh, massive Verfolgung ausgelöst hat, dass die präteristische Auslegung, die die Neutestamentler dann vornehmen, überhaupt gerechtfertigt ist. Es heißt dann hier in diesem Übersichtsartikel von Martin Ebner, der diese ganzen Debatten ein bisschen zusammenfasst und die einzelnen Artikel in dem Buch kurz skizziert. Er sagt, wenn Elisabeth Wermeling, das ist dann der letzte Artikel in dem Buch, abschließend Offenbarung 13, also die Passage mit den ungeheuerlichen Tieren, sowie die Vision der monströsen Kolossalgestalt in Offenbarung 13, muss das heißen, analysiert, zu versucht sie den Brückenschlag zwischen der literarisch-visionären Welt der Offenbarung hin zur Lebenswelt der Adressaten exemplarisch und methodisch reflektiert vorzuführen. In ihren hermeneutischen Überlegungen arbeitet Wermeling eine Differenzierung heraus, die für das Gespräch mit der alten Geschichte, also den Historikern und der Klassischen Archäologie hilfreich sein und es vielleicht entspannter gestalten könnte. Da sieht man schon die Spannung, die zwischen den Theologen und den Historikern hier besteht. Aus den der Zitat: "Aus den Texten der Offenbarung lässt sich nicht der Kaiserkult in

[1:06:25] lässt sich nicht der Kaiserkult in unterschiedliche Perspektiven, Verzeihung, seine Bedeutung für die Provinz Asia rekonstruieren, sondern vielmehr lediglich die Perspektive, die ein Außenseiter auch innerhalb der christlichen Gruppen auf dieses Phänomen wirft, bewusst verzerrt im Spiegel alttestamentlicher Texte, zugleich chiffriert wie eindeutig negativ gewertet. Aber allein das ist schon das allein ist schon interessant genug. Das heißt, die Aussage ist hier: Wenn man überhaupt Offenbarung 13 präteristisch auslegen will auf den Kaiserkult, dann geht das historisch und archäologisch verantwortet, nur wenn man Offenbarung 13 als eine bewusst verzerrte Negativdarstellung, als eine Polemizierung eines Außenseiters, der selbst innerhalb der Christenheit bezeichnet. Und ich glaube, diesen Weg möchten wir als Adventisten nicht. Von daher möchte ich ganz dringend vor all diesen präteristischen Ideen und Vorschlägen warnen.

[1:07:23] Im Studienheft wird auch kurz auf die dreieinhalb Zeiten eingegangen. Es heißt hier auf Seite 86: „Die dreieinhalb Zeiten deuten an, dass Gott die Zeit begrenzt hat.“ Ich möchte darauf hinweisen: Nein, das ist zu wenig. Die dreieinhalb Zeiten sind natürlich sprachlich exegetisch ein ganz klares Zitat aus Daniel 7 Vers 25 und sind damit auch in den historizistischen Rahmen von Daniel 7 eingebunden. Wir haben über die 1260 Jahre schon kurz gesprochen.

[1:07:50] Vielleicht ganz kurz hierauf eingegangen: Auf Seite 87 heißt es: „Die Offenbarung ist an die Christen der Provinz Asia adressiert und kündigt Zitat nahe Ereignisse an.“ Und das steht ja auch tatsächlich in Offenbarung 1 Vers 3. Ist das vielleicht ein Argument? Das ist das einzige exegetische Argument im ganzen Studienheft, das durchaus ähm ernst zu nehmen ist. Ist das ein Argument dafür zu sagen: Okay, die Offenbarung muss sich ja im ersten Jahrhundert erfüllen, weil es sind ja nahe Ereignisse? Schauen wir uns kurz den Befund an: Die Offenbarung ist tatsächlich an die sieben Gemeinden Asiens geschrieben. Sie beschreibt aber dann Ereignisketten und Entwicklung bis zur Wiederkunft und der neuen Erde. Es ist wichtig hier, dass die gesamte Offenbarung an die Gemeinden Asiens geschrieben sind. Wenn also die gesamte Offenbarung aber dann bis zur Wiederkunft und bis zur neuen Erde geht, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder hätten sich die Wiederkunft und die Neue Erde im ersten Jahrhundert erfüllen müssen, oder die sieben Gemeinden sind parallel zu dieser Entwicklung bis zur Wiederkunft und zur neuen Erde, also demzufolge symbolisch.

[1:08:51] Was zu wenig beachtet wird meiner Meinung nach, ist die strukturelle Parallele zu Daniel 10 bis 12. Wir haben die Zeit nicht, die Texte ausführlich zu lesen. Wir lassen es in der Präsentation. Jeder kann es dann noch mal anhalten und nachlesen. In Daniel 10 finden wir den alten Daniel im Exil, der sich fragt, wie es mit dem gerade erst aus dem Exil wieder aufgebrochenen Israel/Judäa weitergehen wird, das in Gefahr ist. Und Jesus erscheint ihm. Und in Daniel, in Offenbarung 1 haben wir den alten, im Exil befindenden Johannes auf Patmos, der als letzter Überlebender Apostel sich fragt, wie es mit der in der Verfolgung sich befindenden christlichen Kirche weitergehen wird. Und Jesus erscheint ihm, und zwar mit einer Beschreibung, die in vielen Details teils wörtlich an Daniel 10 erinnert und einen direkten Bezug herstellt. In beiden Fällen fallen die Propheten Daniel und Johannes, die auch sonst als die besonders Geliebten hervorgehoben sind und miteinander verbunden sind, zu Füßen. Sie fallen ohnmächtig nieder und werden dann wieder ermutigt, aufgehoben und mit Worten wie „Fürchte dich nicht!“ ermutigt. In beiden Fällen geht es um das Volk Gottes. Jesus kommt und sagt dann durch Gabriel dem Daniel, was dem Volk Gottes am Ende der Tage begegnen wird. Genauso in Offenbarung 1 soll er dann aufschreiben, was er gesehen hat, was ist und was nach diesem geschehen soll, im Zug auf die sieben Gemeinden. Wenn also in Offenbarung, Verzeihung, in Daniel 10 dem alten Daniel im Exil durch Jesus eine Prophezeiung gegeben wird für das Volk Gottes, und die geht dort in Daniel 10, 11 und 12 bis zur letzten großen Krise, bis zur Auferstehung, bis zur letzten Trübsalszeit, dann deutet die strukturelle Parallele von Offenbarung 1 – die ist genauso komponiert, die ganze Struktur ist genauso aufgesetzt, genauso, genauso gemacht wie in Daniel 10, dann deutet das ganz stark darauf hin, dass auch in Offenbarung 1 genau derselbe Gedanke ist: Von der gegenwärtigen Krise soll gezeigt werden, wie es mit dem Volk Gottes weitergeht. Die Parallele ist sehr, sehr, sehr, sehr stark.

[1:11:16] Vielleicht ganz kurz am Rande: Warum eigentlich sieben Gemeinden? Wir finden in der Offenbarung auch sieben Geister, aber nicht, weil es sieben Heilige Geister geben würde, sondern weil der Heilige Geist in Jesaja 11 mit sieben spezifischen Eigenschaften beschrieben wird. Ist also eine Einheit. Die sieben Geister sind ein Heiliger Geist, und sie werden auch als die sieben Feuerfackeln bezeichnet. Und das ist deswegen interessant, weil auch die sieben Gemeinden sieben Leuchter sind. Und ist es theologisch unbestreitbar so, dass die Gemeinde nach der Apostelgeschichte entstand, weil der Heilige Geist auf die 120 kam. Das heißt, es gibt in der gesamten Bibel eine ganz enge theologische Verknüpfung, Verbindung zwischen dem Heiligen Geist und der Gemeinde. Durch den Heiligen Geist ist Jesus mit seiner Gemeinde verbunden. Der Heilige Geist befähigt die Gemeinde, ein Licht zu sein. Durch den Heiligen Geist ist die Gemeinde mit dem Thron Gottes in direkter Verbindung. Es gibt sieben Geister, und ich glaube, das ist der Grund, warum auch die Offenbarung dann sieben Gemeinden auswählt. So wie die sieben Geister ein Symbol für den Heiligen Geist sind, sind die sieben Gemeinden ein Symbol für die Gemeinde.

[1:12:25] Und weil dann diese eine Gemeinde quasi in sieben Phasen beschrieben wird, so wie der eine Leuchter sieben Leuchter hat, sie sieben, also sieben Kerzen sozusagen, so gibt es also auch für jede, für jeden Abschnitt Ereignisse, die nahe sind. Gerade weil die Offenbarung für die gesamte Zeit gilt, gibt es zu jeder Zeit Botschaften, die nah sind. Das war für die Gemeinde von Thyatira waren das andere Dinge, die das waren dann zum Beispiel die das vierte Siegel. Zum Beispiel für die Gemeinde Laodizea ist es die Wiederkunft und die Krise Offenbarung 13, drei Engelsbotschaften. Je nachdem, wo wir uns in der prophetischen Zeit befinden, hat jede Gemeinde Ereignisse, die nahe sind.

[1:13:09] Vielleicht ganz kurz noch ein geschichtswissenschaftlicher Kommentar in aller Kürze hier in Seite 87: „Das kaiserliche Rom zwang mit brutaler militärischer Überlegenheit große Gebiete unter seine Herrschaft. Das Bindemittel für die Integration der Provinzen war neben florierendem Handel der Staatskult.“ Nun ist es tatsächlich so, dass das kaiserliche Rom brutal gewesen ist und dass es mit militärischer Überlegenheit große Gebiete erobert hat. Aber das gilt nun ausgerechnet nicht für die Provinz Asia, denn die Provinz Asia geht auf das Königreich Pergamon zurück, und das kam tatsächlich als testamentarische Schenkung an das Römische Reich im Jahre 133 vor Christus. Der sterbende König wollte sozusagen sein Reich dem römischen Reich vererben. Das ist dann auch so geschehen. Gerade die Provinz Asia hat gerade nicht militärische Gewalt Roms erlebt, gerade sie nicht. Das heißt, das ist für die Erklärung von Offenbarung 13 hier tatsächlich im präteristischen Sinne unbrauchbar. Und der Kaiserkult ist auch nicht etwas, was das Römische Reich initiiert hat, um damit alle Länder zu integrieren. Das ist das ist historisch geschichtswissenschaftlich falsch. Der Kaiserkult ist etwas, was aus dem Osten an die Kaiser herangetragen worden war. Das war nämlich eine hellenistische Tradition. Ist zum Teil von manchen Kaisern auch sehr kritisch gesehen oder zumindest, das falsche Wort, äh, sehr nur mäßig angenommen worden. Ja, gerade Tiberius zum Beispiel hat das öfter auch wieder abgelehnt. Auch Augustus hat sich natürlich aus politischen, ideologischen Gründen manchmal auch sehr demütig gezeigt. Man hat dann immer sozusagen angenommen, man hat es dann immer so ein bisschen akzeptiert, vielleicht besser gesagt, aber das ist nicht etwas, was die Kaiser eingesetzt haben, um all die Gebiete zu integrieren. Das sieht man daran, dass es ganz große Gebiete gibt wie Gallien oder im Westen auch auf Spanien, wo der kaum eine Rolle gespielt hat und trotzdem Rom sehr gut dort eine Integration vorgenommen hat, nämlich neben dem Handel vor allem über den Transfer der römischen Lebensweise, der sogenannten Romanisierung. Das nur so am Rande.

[1:15:12] Auf Seite 87 heißt es: „Weil auch Päpste sich jahrhundertelang die Herrschaft über Europa, so über Glauben und Gewissen der Menschen anmaßten, kamen Protestanten zu Überzeugung, dass mit dem Tier das Wirken des geistlichen Roms beschrieben wird. Adventisten erwarten zudem, dass in Zukunft auch die Heiligung des Sonntags erzwungen wird. Die Bildersprache der Offenbarung ist offen für ähnliche Situationen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Hier wird zumindestens mal die Möglichkeit eröffnet, dass der Text irgendwie auch mit dem adventistischen äh Auslegungsprinzip – nein, mit der adventistischen Auslegung, nicht mit dem Auslegungsprinzip, muss mich korrigieren, mit der adventistischen Auslegung in Verbindung stehen könnte. Allerdings nicht auf Grundlage von Exegese, von Bibelauslegung, sondern nur darüber, dass die Bildersprache halt so vage ist, dass man halt auch bestimmte spätere Ereignisse damit verbinden könnte. Das ist nicht unsere Überzeugung. Unsere Überzeugung ist nicht, dass die Bildersprache so offen ist, dass man neben einer präteristischen Exegese auch zukünftige Ereignisse da hinein interpretieren könnte. Unsere Auslegungsmethode ist der Historizismus, der uns sagt: Es gibt verschiedene Zeitabschnitte in der Offenbarung, die prophetisch bestimmt werden können. Und Offenbarung 13 kann nicht exegetisch auf das Kaisertum im ersten Jahrhundert bezogen werden.

[1:16:40] Auf Seite 88 als Kommentar zu Offenbarung 13 Vers 11 bis 18, also Kommentar zu dem Bild des Tieres hier insbesondere und dem zweiten Tier: „Die Städte in der Provinz Asia wetteiferten um die Gunst des Kaisers. Zum städtischen Leben gehörten regelmäßige Feste, Umzüge und Wettkämpfe zu seinen Ehren. Und der Kult selbst Propagandamaschine dafür war die Kaiserpriesterschaft, die den Kult durchführte und überwachte. Priesterämter wurden von Vertretern der Oberschicht teuer erkauft und steigerten ihr Ansehen. Weil diese Kreise von der Kaiserverehrung profitierten, verführten sie das Volk zur Teilnahme am Kult auch mit Täuschung. Man präparierte Kaiserstatuen so, dass sie sprachen und orakelten, Arme und Zunge bewegen konnten. Mit Feuerillusionen sowie Blitz- und Donnermaschinen erzeugte man die Illusion der Gegenwart der Götter.“ Das soll die Erklärung für Offenbarung 13 sein?

[1:17:31] Ehrlich, wo von einem Tier aus der Erde gesprochen wird, das große Zeichen, sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabfallen lässt vor den Menschen, die Vollmacht des ersten Tieres hat, das erste Tier, das eine Wunde hat, die wieder heilt, und dem dann ein Bild gemacht werden soll, das einen Geist bekommt, sodass es tatsächlich redet und bewirkt und alle tötet, die das Bild des Tieres nicht anbeteten.“ Das soll die Erklärung sein? Halt fest: Das zweite Tier ist so mächtig wie das erste. Aber die Kaiserpriesterschaft in Asia ist nicht so mächtig wie der römische Kaiser. Hier steht, dass sie tatsächliche Wunder, das zweite Tier tatsächlich verifizierbare Wunder tut, keine, keine Taschenspielertricks, die man so auf dem Jahrmarkt irgendwie der dummen Masse vorführt. Der Bezug hier ist zu Matthäus 24 Vers 24, wo Jesus selbst vor den falschen Christussen und Propheten warnt, deren Wunder so krass sein werden, dass sogar die Auserwählten verführt werden könnten. Hier wird gesagt, dass das Bild lebendig gemacht wird, nicht dass es nur den Anschein erweckt.

[1:18:43] Und das Bild selbst bewirkt den Todesbefehl. Und kann man ernsthaft exegetisch sagen, dass das Kaisertum eine tödliche Wunde bekommen hat, die dann wieder heil wurde im ersten Jahrhundert? Hier stimmt so vieles nicht mit dem exegetischen, mit dem, mit dem biblischen Befund überein, dass das als exegetischer Unsinn abgetan werden muss. Wir wollen die Bibel so ernst wie nur irgendwie möglich. Und in diesem präteristischen Auslegungsansatz sind viele Details auf Reizen komplett ohne Entsprechung. Wo ist die tödliche Wunde zum Beispiel in Bezug auf das erste Tier?

[1:19:22] Und dann im Bezug auf das Malzeichen heißt es auf Seite 88 in Bezug dann auf das Anbeten dieser Kaiserstatuen: „Mit der Teilnahme aber machten sie, das heißt die Christen, gleichsam wie ein Jude beim Anlegen der Gebetsriemen sich selbst ein Zeichen an Stirn und Hand.“ Auch hier wird aus meiner Sicht nicht ausreichend auf den, den biblisch-theologischen Hintergrund von Stirn und Hand schon im Alten Testament, wir denken an 5. Mose 6 zum Beispiel, eingegangen. Dann heißt es weiter: „Der kaiserliche Stempel heißt Charagma, Zeichen, Kennzeichen, Mal.“ Das stimmt zwar, aber natürlich ist Charagma nicht einfach das Wort für Stempel, sondern Charagma heißt einfach ein Stich, ein eingegrabenes Bild, eine Prägung. Und deswegen heißt natürlich auch der Stempel Charagma. Das heißt aber nicht, dass Charagma in Offenbarung jetzt den Stempel des Kaisers meint. Das ist eine, eine so eine, eine Suggerierung von falschen Zusammenhängen, die so auch sprachlich gar nicht zwingend ist. In der Offenbarung ist das Malzeichen Offenbarung 13 eingeführt. Direkt danach in Offenbarung 14,1 finden wir die 144.000, die den Namen des Vaters auf ihren Stirnen geschrieben haben. Das ist offensichtlich ein Symbol. Und dementsprechend finden wir in Offenbarung 7 auch schon die gleichen 144.000 mit dem Siegel des lebendigen Gottes, auch ein Symbol. Dann wird das Malzeichen auch ein Symbol sein. Wenn diese Parallele so klar und theologisch so als Kontrast gesetzt wird, dann kann es sich nicht um den kaiserlichen Stempel handeln. Denn wie sollten wir sonst Offenbarung 16 auslegen, wo es von dem Malzeichen des Tieres spricht, dass nämlich die erste Plage, das böse und schmerzhafte Geschwür auf die Menschen fällt, die das Malzeichen des Tieres hatten. Dann müssten ja die Plagen zur Zeit des ersten Jahrhunderts gefallen sein. Und das ist genau das, was dann Präteristen tatsächlich auch als echte Präteristen dann schlussfolgern. Aber den Weg können wir nicht gehen. Das heißt, wir finden hier in diesem Studienheft nicht einfach eine, nicht einfach den Raum für Fragen zu einer Anpassung des Endzeitszenarios. Wir finden hier einen völlig anderen präteristischen Auslegungsansatz, der übrigens aus der historisch-kritischen Schule kommt. Damit möchte ich nicht behaupten, dass die Person, die diese Lektion bearbeitet hat, historisch-kritisch denkt, obwohl das, was sie hier geschrieben hat, sich eindeutig der historisch-kritischen Methode auch zuordnen lässt.

[1:21:49] Und damit ist das für uns als Adventgemeinde, die wir eine hohe Sicht der Bibel als inspiriertes Wort Gottes, vollständig inspiriertes Wort Gottes hochhalten, nicht akzeptabel. Das ist nicht akzeptabel. Es untergräbt eine ganze Reihe von, von Glaubenspunkten und macht unsere spezifische Adventbotschaft null und nichtig.

[1:22:15] Ganz am Rande sei noch erwähnt auf Seite 89: „In der Offenbarung drücken Wort Gottes, Gebote Gottes und Zeugnis Jesu übereinstimmend dasselbe aus, nämlich die Offenbarung, die Johannes gegebene Offenbarung Jesu Christi.“ Nun in Offenbarung 19 Vers 10 steht, dass das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung. Dazu gehört die Offenbarung. Das heißt, das Zeugnis Jesu beinhaltet die Offenbarung des Johannes, ist aber nicht darauf beschränkt. Ja, übrigens auch gar nicht die Offenbarung des Johannes, sondern besser gesagt die Offenbarung Jesu. Wann immer Gott Prophetinnen und Propheten inspiriert, sprechen wir vom Zeugnis Jesu, vom Geist der Weissagung. Da spricht die, da ist die Offenbarung natürlich absolut mit dabei, aber nicht darauf beschränkt.

[1:22:56] Das heißt übrigens auch, dass das Zeugnis Jesu eben eine Prophetie ist und nicht eine demaskierende Schilderung der Zustände zur Zeit des Johannes, sondern eine Prophetie, eine Weissagung. Und wenn es eine Weissagung ist, dann muss auch sie als Weissagung, als Prophetie, als zukünftige Ereignisse vorhersagend ausgelegt werden. Wenn das nicht der Fall ist, dann nimmt man das biblische Zeugnis hier aus Offenbarung 19 Vers 10 nicht ernst.

[1:23:28] Und dann heißt es möglicherweise, weil man vermutet hat, dass diese Auslegung auf Widerstand stößt. Und ähm das kann ich jetzt nicht beurteilen, aber das ist sicherlich nicht abwegig, dass dieser Gedanke auch mit im Raum stand: „Der Blick auf die Christen in der Provinz Asia mindert in keiner Weise die Bedeutung der Offenbarung für uns.“ Das heißt, der Studienheft möchte uns sagen, auch wenn wir jetzt die Offenbarung 13 präteristisch auslegen und allgemein noch von einer zeitlosen Botschaft des Trostes und der Hoffnung auf eine bessere Welt ausgehen, dann ist es immer noch genauso, hat es immer noch die gleiche Bedeutung für uns als Adventisten wie vorher. Und das lässt sich theologisch nicht halten. Das ist nicht wahr, bei allem Respekt, das ist nicht dasselbe. Und ich glaube, es auch nicht fair gegenüber Lesern, die sich vielleicht nicht so tief theologisch mit den Sachen befasst haben, das ihnen so zu suggerieren, dass das Gleiche wäre und dass sich eigentlich ja im Grunde genommen nichts wirklich ändern würde. Das ist nicht wahr. Und dann wäre es besser, auch ganz ehrlich zu benennen und zu sagen: Okay, wir möchten diese klassische Auslegung nicht mehr haben aus diesen, diesen, diesen, diesen exegetischen Gründen. Und deswegen wollen wir etwas ändern. Dann könnten nämlich alle auf der gleichen Ebene mitdiskutieren.

[1:24:42] Also, wie ist das jetzt hier? Eine kleine theologische Analyse: Eine historizistische Prophetieauslegung, bei der bestimmte Abschnitte des Textes eine konkrete, spezifische und damit auch einmalige Erfüllung in der Geschichte haben, ist etwas völlig anderes als eine präteristische Auslegung, bei der man dann einige allgemeine, zeitlose Prinzipien allgemein zu jeder Zeit anwenden kann. Ich möchte das illustrieren an einem Beispiel: In Daniel 9 und Jesaja 53 werden prophetische Aussagen gemacht. Daniel 9 wird das Kommen des Messias zeitlich vorhergesagt. In Jesaja 53 wird das Leiden des Messias prophetisch vorhergesagt.

[1:25:28] Historizistisch bedeutet das, dass ich glaube, dass es irgendwann einen Zeitpunkt gibt, der von Jesaja der Zukunft ist, wo sich das Kommen des Messias einmalig, spezifisch, historisch erfüllt. In Jesaja 53 glaube ich, dass es als Historizist irgendwann einen Zeitpunkt geben wird, wo in der Geschichte nachweisbar einmalig, spezifisch sich diese Prophezeiung des Leidens des Messias erfüllt. Das ist Historizismus.

[1:25:54] Eine präteristische Auslegung, die es übrigens auch gibt und die auch von den meisten wissenschaftlichen Exegeten des Alten Testamentes heutzutage in den theologischen Universitäten der Welt vertreten werden, würde sagen: Nein, Daniel 9 bezieht sich auf die Zeit des Abfassers. Die meisten würden dann nicht mal mehr von Daniel sprechen, sondern vielleicht im zweiten Jahrhundert vor Christus in der Zeit Griechenlands. Nicht unser Thema jetzt, aber es würde dann gesagt werden, dass es sich um, dass Daniel 9 sich, dass Daniel 9 von der Zeit des Abfassers, der Zeit spricht und eine Auslegung auf Jesus nur noch möglich wäre, wenn man sozusagen allgemeine Prinzipien entdeckt, von dem man sagt: Okay, das bei Jesus passt das halt auch dann irgendwie, aber Daniel spricht oder der, der Verfasser von Daniel will nicht Jesus vorhersagen, der will seine eigene Zeit beschreiben. Aber wenn man jetzt das Leben von Jesus sich anschaut, dann, dann passt das eigentlich auch ganz gut. Genauso mit Jesaja. Da gibt es dann auch die Auslegung, dass es zur Zeit von Jesaja irgendeinen leidenden Menschen gegeben hat, den jetzt Jesaja oder in dem Fall dann wieder ein, ein späterer Schreiber, der sich als Jesaja ausgibt. Das ist dann immer noch wieder die Sache bei den Präteristen, bei der historisch-kritischen Methode, dass sich das dort eigentlich erfüllt, dass das eigentlich gemeint ist, und dass man dann allgemeine Prinzipien des Leids vielleicht entwickeln kann, die sich auch auf Jesus beziehen. Aber das ist dann keine Grundlage mehr für einen fundierten Glauben an Jesus Christus als den Messias. Das ist dann Beliebigkeit. Und deswegen ist ein solcher Ansatz katastrophal und kann nicht in der Adventgemeinde geduldet werden. Nun, ich möchte das ganz deutlich sagen: Jeder Mensch ist frei zu glauben, was er möchte.

[1:27:41] Jeder Mensch ist frei zu glauben, was er möchte. Jeder Adventist ist frei zu glauben, was er möchte, aber es kann nicht geduldet werden, dass ein solcher Ansatz in einer offiziellen Publikation oder das Adventvolk gebracht wird und dann noch gesagt wird, es wird im Wesentlichen sich eigentlich nichts ändern. Das ist nicht richtig und bedarf einer konkreten Wiedergutmachung und Richtigstellung.

[1:28:09] Eine präteristische Auslegung mindert die Bedeutung der Offenbarung für uns massiv, weil sie dann nicht mehr konkrete Vorhersagen für uns zur Zeit macht, auf die wir uns spezifisch vorbereiten können und sollen, sondern nur noch allgemein Trost vermittelt. Sie untergräbt außerdem weite Teile der konkreten Adventbotschaft und führt zu einer völligen Verwässerung der dreifachen Engelsbotschaft. Nimmt der Adventbewegung ihre historische Dringlichkeit und führt zum Verlust der spezifischen adventistischen Identität.

[1:28:36] Liebe Zuhörer, ich möchte Alarm geben, nicht Panik machen, nicht menschliche Emotionen schüren, aber ich möchte theologisch die rote Flagge hissen und sagen: Achtung, das ist eine Überschreitung jeder roten Linie, die man ziehen kann. Das darf nicht weiter in unseren Publikationen vertreten werden.

[1:29:03] Es ist etwas, was auch nicht in der Auslegungsform, nicht mit dem offiziellen Dokument, dem sogenannten Rio-Dokument von 1986, in Übereinstimmung steht, in der die Adventgemeinde sich allgemein auf biblisch-hermeneutische Grundlagen geeinigt hat.

[1:29:23] Ganz kurz am Ende noch ein kleiner Exkurs, der auf Seite 90 geführt wird im Studienheft. Dort wird gesagt: „Es gehört zur gegenwärtigen Wahrheit, neue Entwicklungen zur Kenntnis zu nehmen. Dazu gehört die Erklärung über die Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanischen Konzils vom 7.12.1965.“

[1:29:44] Überschrieben ist dieser Exkurs mit „Freiheit statt Zwang“. Und dieses vatikanische Dokument ist dann auch ähm, wird auch eine Quelle angegeben hier, nur kurz und etwas kursorisch zitiert. Der letztendlich suggerierte Eindruck ist, dass das Vatikanische Konzil seine Position zur religiösen Freiheit geändert hat.

[1:30:05] Eine Entwicklung gegeben: statt dem Zwang, den es früher gab, gibt es jetzt Freiheit auch in der katholischen Kirche in ihrer Theologie. Was im Hinblick auf das Thema von Offenbarung 13, im Hinblick auf dessen, was auch im Standardlektionsheft und in der adventistischen Prophetieauslegung gelehrt wird über die prophetische Bedeutung des Papsttums in der Endzeit, nichts anderes bedeuten kann, als dass hier ausgesagt wird: Die katholische Kirche hat sich in ihrer theologischen, in ihrem theologischen Verständnis von der Religionsfreiheit grundsätzlich geändert.

[1:30:39] Und deswegen muss auch die Deutung der Prophetie von Offenbarung 13 geändert werden. Und deswegen möchte ich nur ganz kurz, obwohl die Zeit hierfür nicht ausreicht, darauf eingehen. Es geht um das Dokument „Dignitatis Humanae“, eine Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils, kurz vor dem Ende noch verabschiedet nach hitziger Debatte. Keine Konstitution, das ist kirchenrechtlich ein Unterschied, das ist eine Erklärung, nur eine Erklärung, keine Konstitution.

[1:31:09] Und wenn man einen kirchlichen, einen kirchenrechtlichen Text liest, dann muss man sehr genau hinschauen. Wir haben ja die Zeit nicht, das alles im Detail zu analysieren, aber man muss sehr genau hinschauen. Ich hatte die Gelegenheit in Tübingen für ein Semester an der Universität dort katholisches Verfassungsrecht zu hören. Und wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es, dass unser Professor uns immer wieder eingeschärft hat, dass man gerade bei rechtlichen, kirchenrechtlichen Dokumenten der katholischen Kirche sehr genau auf die kleinen Worte, die die scheinbar nebensächlichen Formulierungen achten muss, weil sie den gesamten Text oft in ein ganz bestimmtes juristisches Licht ähm bringen oder weil dort manchmal dann Vorverständnisse mitschwingen, die in anderen Dokumenten gegenwärtig sind. Man muss sich also sehr genau anschauen.

[1:32:03] Und dann lesen wir hier am Anfang des Dokuments: „Die Würde der menschlichen Person kommt den Menschen unserer Zeit immer mehr zum Bewusstsein, und es wächst die Zahl derer, die den Anspruch erheben, dass die Menschen bei ihrem Tun ihr eigenes Urteil und eine verantwortliche Freiheit besitzen und davon Gebrauch machen sollen, nicht unter Zwang, sondern vom Bewusstsein der Pflicht geleitet.“

[1:32:22] Weiter unten heißt es: „Das Vatikanische Konzil wendet diesen Bestrebungen seine besondere Aufmerksamkeit zu in der Absicht, eine Erklärung – keine Konstitution, eine Erklärung – darüber abzugeben, wie weit diese Ansprüche der Wahrheit und Gerechtigkeit entsprechen.“ Also eine Abschätzung, wie weit dieser Anspruch letztlich ähm zu, also gegeben werden kann. Und deshalb befragt es die heilige Tradition und die Lehre der Kirche.

[1:32:46] Übrigens, also nicht die Bibel, sondern die heilige Tradition und die Lehre der Kirche. Also die Bibel gehört natürlich mit zur heiligen Tradition, aber ähm, die hat natürlich eine ganz andere Grundlage, weil die ganzen Kirchenväter mit dazu kommen und die Lehre der Kirche, aus denen es immer Neues hervorholt, das mit dem Alten in Einklang steht. Also, dass die Idee ist also keineswegs, dass sich hier das Alte ändert in etwas Neues, sondern dass es hier zu einer Neubewertung kommt, die mit dem Alten in Übereinstimmung steht.

[1:33:17] Das wird auch deutlich, wenn man hier weiterliest im selben Abschnitt noch: „Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist wirklich in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten.“ „Alle Menschen sind ihrerseits verpflichtet, die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und Seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren.“ Alle Menschen sind also verpflichtet, Katholiken zu werden. Das ist letztendlich die theologische Grundlage in der katholischen Theologie.

[1:33:51] „In gleicher Weise bekennt sich das Konzil dazu, dass diese Pflichten die Menschen ihrem Gewissen berühren und binden, und anders erhebt die Wahrheit nicht Anspruch als Kraft der Wahrheit selbst, die sanft und zugleich stark den Geist durchdringt.“ Also, das ist schon eine sehr wichtige und bemerkenswerte Aussage, dass diese Pflicht über das Gewissen geht und man das Gewissen nicht zwingen kann.

[1:34:13] Halten wir aber trotzdem hier auch weiterhin fest: „Dann nun die religiöse Freiheit, welche die Menschen zur Erfüllung der pflichtgemäßen Gottesverehrung beanspruchen, sich auf die Freiheit von Zwang in der staatlichen Gesellschaft bezieht.“ Sehr genaue Formulierung: „Sie lässt die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi unangetastet.“ Das heißt, worüber diese Erklärung handelt, ist die Freiheit des Staatsbürgers gegenüber dem Staat. Unangetastet von dieser Erklärung bleibt aber die Pflicht des Bürgers und der Gesellschaft gegenüber der katholischen Kirche. Daran ändert sich nichts.

[1:35:13] Dieses Dokument ist hitzig debattiert worden, auch hinterher. Es gab verschiedene Auslegungstraditionen, insbesondere in der modernen Theologie, der modernen katholischen Theologie hat man versucht, es als möglichst, möglichst als Neuanfang, als Bruch mit der oder als Diskontinuität mit der Vergangenheit zu werten. Lehramtlich, das heißt also durch die Päpste und auch durch Kirchenrechtler zum Teil, ist es ganz anders gesehen worden, sondern hat man die Kontinuität betont und gesagt, man hat einfach nur sozusagen auf veränderte Rahmenbedingungen die alte Lehre neu formuliert, sodass sie jetzt unter anderen Umständen immer noch das Gleiche aussagt, nur halt neu formuliert.

[1:35:50] Als Beispiel dafür sei Papst Benedikt der XVI. genannt, der am 22. Dezember 2005 zum Kardinalskollegium Folgendes sagte über die Rezeption des Konzils vom Vatikan: „Die Probleme der Rezeption entsprangen der Tatsache, dass zwei gegensätzliche Hermeneutiken, also Auslegungen, Auslegungsprinzipien, miteinander konfrontiert wurden, und im Streit die eine hat Verwirrung gestiftet, die andere hat Früchte getragen, was in der Stille geschah, aber immer deutlicher sichtbar wurde und sie trägt auch weiterhin Früchte.“

[1:36:22] „Auf der einen Seite, das ist die Verwirrung, gibt es eine Auslegung, die ich Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruches nennen möchte.“ Also diejenigen, die gesagt haben, das Vatikanische Konzil ändert etwas fundamental, da ist etwas anders als vorher lehramtlich. Papst Benedikt sagt: „Nein, das ist eine Auslegung, die es zwar gibt, aber die stiftet Verwirrung.“ „Sie hat sich nicht selten das Wohlwollen der Massenmedien und auch eines Teiles der modernen Theologie zunutze machen können.“ Also bei den Theologen, auch katholischen Theologen, ist das sehr beliebt, und deswegen auch kein Wunder, dass das hier auch im Studienheft Eingang findet, weil das sich an vielen theologischen, ähm, katholischen Werken so lesen lässt.

[1:37:01] „Auf der anderen Seite gibt es die Hermeneutik der Reform, die der Erneuerung des einen Subjekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, und der Wahrung der Kontinuität.“ Das heißt also, die Idee ist, es bleibt im Grunde genommen, es ist eine Kontinuität, es wird nur sozusagen geupdatet. Das ist also kein Neuanfang, kein Bruch, keine Veränderung, sondern nur eine Reform des Bestehenden, des Gleichen. „Die Kirche ist ein Subjekt, und das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg.“ „Die Hermeneutik der Diskontinuität birgt das Risiko eines Bruches zwischen vorkonziliarer und nachkonziliarer Kirche.“ Er sagt also, wenn wir diese erste Hermeneutik annehmen würden, dann würde es ja bedeuten, dass die Kirche nach dem Konzil eine andere ist als vor dem Konzil. Und genau das, sagt er, ist es nicht.

[1:37:51] Aber wir sehen, es gibt eine theologische und auch eine kirchenrechtliche Debatte darum. Und auch das wäre im Studienheft natürlich schon interessant gewesen, das wenigstens mal anzudeuten, anstatt dass suggeriert wird, dass sich in der katholischen Kirche was fundamental geändert hat, was sich so kirchenrechtlich auch mit Blick auf „Dignitatis Humanae“ nicht wirklich gleich ohne Weiteres belegen lässt. Das ist eine sehr komplexe Sache.

[1:38:17] Wenn man den Benedikt dann weiterliest, dann führt er aus, dass die Verurteilung der Religionsfreiheit im 19. Jahrhundert der spezifischen Situation im 19. Jahrhundert unterliegt, und weil sich die spezifischen historischen Situationen im 20. Jahrhundert geändert haben, deswegen gelten jetzt die Annahme der Religionsfreiheit den spezifischen Situationen im 20. Jahrhundert. Das bedeutet aber, dass man im Grunde genommen gar nicht abgekehrt ist von der Verurteilung der Religionsfreiheit unter den Bedingungen des 19. Jahrhunderts, sondern die These ist: Die historischen Bedingungen haben sich geändert, deswegen muss das gleichbleibende Prinzip jetzt neu formuliert werden, um den jetzigen Bedingungen zu genügen. Das bedeutet, dass sich weiterhin ändernde historische Bedingungen auch zu einer Neuformulierung des immer Gleichen Prinzips führen kann. Das sollte man dabei bedenken, wenn man solche kirchenrechtlichen Texte genauer anschaut.

[1:39:22] Ich möchte enden mit einem kurzen Hinweis auf das Schreiben der Baden-Württembergischen Vereinigung vom 29.05.2024, in der sie noch einmal darauf hinweist, dass seit einigen Jahren das Studienheft zur Bibel, das deutsche Studienheft, keine offizielle Sabbatschullektion mehr darstellt. Das hat mit immer wieder auftretenden theologischen Problemen zu tun, die immer wieder über Jahre hinweg angemahnt worden sind, die sich aber in der Masse noch eher verstärkt haben über die Jahre, bis dann die Division, die Mitteleuropa betreut als Teil der Generalkonferenz, dann 2018 die Entscheidung getroffen hat, das deutsche Studienheft nicht weiter herauszugeben. Es wird jetzt nur noch als sozusagen eigenes Projekt der deutschen Verbände weitergeführt.

[1:40:15] Die Ermutigung an alle ist es hier im Schreiben der Vereinigung, für die Glieder unserer Gemeinde der Vereinigung Baden-Württemberg, und ich würde hier als Vertreter von Jul Media diese Einladung auch auf überhaupt alle Geschwister ausweiten: die Standardausgabe des Studienhefts der GK für das Bibelgespräch in den Gemeinden zu verwenden. Das ist genau das, was wir hier bei Jul Media auch tun: Wir verwenden die Lektionsausgabe der weltweiten Adventgemeinde für unsere Christ Study Hour, denn sie präsentiert tatsächlich den adventistischen Glauben biblisch fundiert.

[1:40:47] In diesem Hirtenbrief, der dann dem Schreiben angehängt ist, formulieren die Pastoren der Baden-Württembergischen Vereinigung: „Uns erfüllt die tiefe Sorge, dass es aufgrund der theologischen Ausrichtung des Studienheftes zur Bibel zu einer weiteren Entfremdung von unserer Weltkirche und einer Aufweichung der adventistischen Identität kommt.“ „Wir glauben, dass wir als Pastorinnen und Pastoren in der großen Verantwortung stehen, uns für die theologische Einheit der Gemeinde einzusetzen. Wir ermutigen euch, dem biblischen Auftrag der Prüfung aller Lehre zu folgen und an der Gewissheit unserer prophetischen Botschaft festzuhalten.“ Dem kann ich nichts hinzufügen, genauso ist es, kann ich nur Amen dazu sagen.

[1:41:25] Ganz zum Schluss möchte ich noch mit wenigen Ellen White Zitaten schließen, die uns ermutigen wollen, an der Wahrheit festzuhalten. „In der Offenbarung, die ihm gegeben worden ist, sind Szene für Szene von beeindruckendem Interesse, von ja, von erregendem Interesse ihm entfaltet worden in der Erfahrung des Volkes Gottes und in der Geschichte der Kirche.“ „Und die Geschichte der Kirche ist bis an das Ende vorhergesagt worden.“ Das ist eindeutig eine historizistische Interpretation, die wir haben. Und dann sagt sie hier weiter, dass wir ein intelligentes Verständnis der Gefahren und Konflikte vor uns haben sollen.

[1:42:03] Noch ein wichtiges Zitat, ebenfalls aus dem „Wirken der Apostel“: „Die Wahrheiten der Offenbarung sind an diejenigen gerichtet, die in den letzten Tagen der Geschichte dieser Erde leben, genauso wie an jene, die in den Tagen des Johannes gelebt haben.“ Jetzt erklärt sie, dass einige der Szenen, die beschrieben sind in dieser Prophezeiung, in der Vergangenheit sind, andere finden jetzt statt. Einige bringen das Ende des großen Konfliktes zwischen den Mächten der Finsternis und dem Fürsten des Himmels zum Ausdruck, und manche offenbaren die Triumphe und die Freuden der Erlösten in der neu erschaffenen, der neugemachten Erde. Also die Offenbarung hat verschiedene Abschnitte zeitlich, und wir müssen herausfinden, wo wir stehen und was jetzt spezifisch für uns gilt.

[1:42:54] Weiterhin heißt es hier: „Alles, haben wir gelesen, die großen Wegmarken der Wahrheit, die unsere Position in der prophetischen Geschichte zeigen, müssen sorgfältig bewacht werden.“ Und liebe Freunde, das ist der Grund, warum wir dieses Thema machen. Es ist uns keine Freude, öffentlich das Studienheft zur Bibel zu kritisieren. Wir haben das bisher in all den Jahren auch noch nie getan, aber die Abweichungen sind mittlerweile so fundamental, so krass und so einschneidend, dass man sich die Frage stellen kann, ob es nicht schon früher notwendig gewesen wäre, davor zu warnen.

[1:43:46] Es ist unsere Aufgabe, auf die Adventbotschaft aufzupassen. Und wenn die Adventbotschaft unter der nicht stichhaltigen Begründung beiseitegeschoben wird, weil sie angeblich nur aus soziokulturellen, historischen Erwägungen entstand, was nachweislich nicht der Fall ist, und dafür nicht einfach eine Anpassung unserer historizistischen Auslegung vorgenommen wird, sondern unter dem Deckmantel einer Anpassung in Wirklichkeit, ohne es so zu erklären, ein präteristischer Ansatz, ein völlig anderes Auslegungsprinzip, ausgebreitet wird, ohne den Leser darauf vorzubereiten, welche weitreichenden Konsequenzen das für die Offenbarungsauslegung hat, dann ist es Zeit zu sagen: „Hierhin und nicht weiter!“ Nicht weiter, eine rote Linie, die überschritten worden ist.

[1:44:53] Und ich rufe die Verantwortlichen im Arbeitskreis der Sabbatschule, die verantwortlichen Leiter der verschiedenen Vereinigungen und Verbände in Deutschland dazu auf, dieses Abweichen, dieses massive Abweichen von der Adventbotschaft zu korrigieren. Ich bin mir sicher, dass nicht alle Verantwortlichen theologisch hinter dem Studienheft Lektion 11 stehen. Mir ganz sicher, ganz sicher, dass es einige gibt, auch in der Leitung des Arbeitskreises der Sabbatschule, die nicht glücklich sind mit dem, was dort abgedruckt worden ist.

[1:45:41] Ich möchte die Adventgemeinde, die Adventgemeinden in Deutschland, aufrufen, für die prophetische Auslegung der weltweiten Adventgemeinde einzutreten. Wenn es exegetisch-biblische Gründe gibt, warum wir das eine oder andere verändern müssen, sind wir als Adventgemeinde ein offenes Volk des Buches. Wir haben keine Dogmen, unsere Glaubenspunkte sind für Veränderung offen. Gute biblische Gründe werden nicht zurückgewiesen werden, aber die Art und Weise, wie mit der dreifachen Engelsbotschaft in dieser Lektion umgegangen wird, ist einer Publikation von Siebenten-Tags-Adventisten nicht würdig. Das ist keine Aussage über die Absicht, die Motivation, die Intention, sondern eine Aussage über die theologische, technische, hermeneutische und auch ja, die auslegungstechnische Qualität dieser Lektion. Diese Lektion ist nicht akzeptabel und darf sich so nicht verbreiten, und dagegen müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

[1:47:02] Ein Zitat hier noch: „Die Beweise der bleibenden, ewig lebenden Wahrheit dieser großen Botschaften, die uns so viel bedeuten, die drei Engelsbotschaften, die einen solchen intensiven Widerstand, eine solche intensive Opposition von der religiösen Welt erweckt haben, diese Beweise sind nicht ausgelöscht, sie sind noch immer da, liebe Freunde.“ Und dann heißt es hier so: „Dass der Satan versucht ständig, seinen höllischen Schatten über diese Botschaften zu werfen, sodass das Gottesvolk der Übrigen nicht deutlich ihre Wichtigkeit, ihre Zeit und ihren Ort erkennt.“

[1:47:49] Hier wird uns durch die Inspiration gesagt, dass Satan versucht, uns so zu verwirren, dass wir nicht mehr die Bedeutung der drei Engelsbotschaften verstehen, nicht mehr ihre zeitliche Verordnung, nämlich zur Zeit des Gerichtes ab 1844, wie der erste Engel sagt, und nicht mehr ihren Ort. „Aber diese Botschaften leben, und sie werden ihre Kraft auf unsere religiöse Erfahrung ausüben, solange die Zeit andauert.“

[1:48:23] Lieber Freund, liebe Freundin, wir geben unsere dreifache Engelsbotschaft nicht auf. Ich möchte jeden dazu aufrufen, die Prophetie selbst zu studieren, zu wissen, warum wir die prophetische Auslegung haben, wie wir sie haben, die erste, zweite, dritte Engelsbotschaft gut zu kennen, die Prophetie in Daniel und Offenbarung gut zu kennen. Das Evangelium, das wahre Evangelium, das ewige Evangelium gut zu kennen, den neuen Bund, denn damit haben wir unser Fundament.

[1:48:55] „Prediger sollten das wahre Wort der Prophetie als das Fundament des Glaubens der Siebenten-Tags-Adventisten präsentieren.“ Wenn uns im Studienheft gesagt wird, dass es sich eigentlich nur um eine Darstellung der Zeit von Johannes handelt, ohne eine direkte prophetische Zukunftsvorhersage, dann bedeutet das, dass das Fundament des Glaubens weggerissen wird.

[1:49:23] Und deswegen können wir nicht schweigen, deswegen dürfen wir nicht schweigen, und deswegen fordere ich auch alle Geschwister auf, alle Freunde der Adventgemeinde, die an dieser Botschaft festhalten, mit Nachdruck, mit Liebe, mit Demut, aber mit Überzeugung dafür zu dringen, darauf zu dringen, dass an dieser Adventbotschaft nicht gerüttelt wird. Wenn jemand sie nicht glauben möchte oder glauben kann oder glauben will, ist er frei, das zu tun. Aber er möge bitte so aufrichtig sein, sich dann nicht vom Zehnten treuer Adventisten bezahlen zu lassen, die davon ausgehen, dass ihr Zehnter zur Verbreitung dieser Adventbotschaft verwendet wird.

[1:50:17] Niemand wird einen Menschen schlecht ansehen, wenn er sagt: „Ich kann das nicht glauben, ich will das nicht glauben, ich kann mich damit nicht identifizieren.“ Das ist das gute Recht von jedem. Aber es besteht kein gutes Recht, die Botschaft der Adventgemeinde von innen zu verändern und dabei noch zu suggerieren, es würde sich nichts verändern. Dazu besteht kein moralisches Recht.

[1:50:44] Und ich bitte jeden, der diese Adventbotschaft, wie wir sie weltweit vertreten, der sie nicht mehr glauben kann, das Aufrichtige zu tun und seinen Platz zu räumen, damit Menschen die Gemeinde führen können, die die Adventbotschaft auch vollumfänglich glauben und die zu allen unseren 28 Glaubenspunkten vollumfänglich stehen. Das ist mein Wunsch, mein Gebet.

[1:51:15] „Prediger sollten das wahre Wort der Prophetie als das Fundament des Glaubens für Siebenten-Tags-Adventisten präsentieren. Die Prophezeiungen von Daniel und Offenbarung sollten sorgfältig studiert werden, und mit ihnen in Verbindung die Worte: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegträgt.“ Warum ist mir das alles so wichtig? Weil es ist die Prophetie, die uns zeigt, dass Jesus Christus unser Erlöser ist. Von dem ersten prophetischen Ausspruch in 1. Mose 3 Vers 15 bis in die letzten Kapitel der Offenbarung ist es die Prophetie, die uns das Evangelium von allen Seiten beleuchtet. „Die Heilsbotschaft“, sagt Offenbarung 10, „ist den Propheten verkündigt worden.“ Und die Prophezeiung, so wie wir sie auslegen, historizistisch, weisen auf Jesus, auf seine Geburt, auf seinen Tod, auf seine Auferstehung, auf seinen Dienst im himmlischen Heiligtum, auf die Botschaft, die verbreitet wird, auf den Kampf der Gemeinde, auf die Widerstände gegen...

[1:52:12] der Gemeinde auf die Widerstände gegen das Evangelium, auf die Verfälschungen des Evangeliums, auf die Wiederherstellung des wahren Evangeliums, auf die Zeit des Gerichtes vor der Wiederkunft, auf die Wiederkunft Jesu. Alle Aspekte des Evangeliums von Jesus werden durch die Prophetie erklärt, beleuchtet und fundamentiert. Niemand wird errettet, weil er prophetische Daten kennt, aber die prophetischen Daten sind Wegweiser zu dem wahren biblischen Jesus. Und deswegen wollen wir die Prophetie als das studieren, was sie ist: als ein integraler, unverzichtbarer Bestandteil des ewigen Evangeliums in Offenbarung 14. Hier stehen wir. Gott möge uns helfen, dass die Adventbotschaft auch in Deutschland bestehen bleibt. Und das hängt an dir und an mir, lieber Freund, liebe Freundin. Wenn wir sie kennen, wenn wir sie weitergeben und wenn wir für sie einstehen, wird Gott diese Botschaft auch in Deutschland an ihr Ziel bringen. Bist du dabei?

[1:53:24] Lass uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen Dank sagen, dass du uns dein prophetisches Wort gegeben hast, dass du uns Klarheit geschenkt hast über die Ereignisse der Endzeit. Und auch wenn wir nicht alles wissen, wissen wir doch das, was du uns offenbart hast. Wir wollen es im Glauben annehmen, weil es uns die Inspiration gezeigt hat. Wir wollen das, was Bibelstudium eindeutig ergeben hat, nicht verwerfen, sondern festhalten, Herr. Und ich möchte dich von ganzem Herzen bitten, dass du uns hilfst, echte Liebe zur Wahrheit und echte Liebe auch zu Irrenden zu haben, dass wir niemandem feindliche Motive unterstellen, weil er etwas anderes denkt, dass wir niemand beschimpfen, uns nicht über Menschen aufregen, sondern dass wir mit Geduld, mit Sanftmut, mit Deutlichkeit, mit Demut für deine Wahrheit eintreten und Menschen zur Verantwortung auch ziehen, wenn sie in verantwortlicher Position ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Herr, wir möchten dich bitten, dass du uns Weisheit schenkst und dass du die Adventgemeinde auch in Deutschland behütest und bewahrst, dass die Botschaft wieder ihre Kraft entfalten kann im Leben von unseren Geschwistern, in unserem Leben, unseren Familien, unseren Gemeinden, auf dass du bald wiederkommen kannst. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[1:54:58] [Musik] [Applaus]


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