[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.julmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt natürlich wie immer auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort zur vierten Folge unserer Serie „Gottes Liebe und Gerechtigkeit“. Wir wollen uns den Charakter und das Wesen Gottes genauer anschauen. Wir wollen ihn besser kennenlernen, um in unserer Freundschaft zu ihm, in unserer Beziehung zu ihm, zu wachsen. Heute in dieser vierten Folge, mit der wir uns vorbereiten wollen auf das Bibelgespräch am 25. Januar, ist das Thema: „Gott ist mitfühlend und barmherzig“. Ich weiß nicht, wie es dir persönlich gerade geht, aber ich habe in meinem Leben schon oft erlebt, dass genau diese Botschaft, dass Gott Mitgefühl hat, er barmherzig ist, genau das ist, was mein Herz schon oft hören musste – echter Balsam für die Seele. Und heute wollen wir uns Bibelstellen anschauen, die genau das sein werden für uns, die uns tief bewegen werden und uns daran erinnern werden, dass wir einen guten Vater im Himmel haben, der uns lieb hat.
[1:53] Bevor wir beginnen, möchten wir mit einem Gebet starten, und dazu lade ich dich, lieber Freund, liebe Freundin, ein. Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir dich Vater nennen dürfen. Hab Dank, dass du in deinem Wort uns zeigst, wie du wirklich bist und was du wirklich mit uns vorhast, was deine Pläne und deine Gedanken sind. Herr, wenn wir jetzt dein Wort aufschlagen, dann möchten wir dich bitten, dass du zu uns sprichst, dass nicht unsere Gedanken sind, sondern dass wir deine Gedanken in deinem Wort entdecken, verstehen, glauben, annehmen und in unserem eigenen Leben erleben. Herr, ich möchte dich bitten, dass du jetzt durch mich zu uns sprichst, dass dein Wort unser Herz erfüllt, dein Geist uns stärkt und wir uns erneut daran erinnern oder vielleicht zum ersten Mal richtig entdecken, wie du wirklich bist, dass wir deine Güte und Barmherzigkeit sehen dürfen. Herr, das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[3:11] Jesaja 49, dort ab Vers 14. Dort heißt es: „Zion sprach: Der Herr hat mich verlassen und der Herrscher hat mich vergessen.“ Hast du dich schon einmal von Gott verlassen gefühlt? Hast du schon einmal den Eindruck gehabt, zu weit gegangen zu sein, zu viel gesündigt zu haben, dass der Graben zwischen dir und Gott so unüberwindlich groß ist, dass es eigentlich keinen Sinn mehr hat, sich noch an Gott zu wenden? Das sind keine theoretischen Gedanken, das sind Gedanken, die uns durchaus im Leben kommen können. Die Israeliten dachten zur Zeit von Jesaja genauso. Der Eindruck im Volk Gottes war gewesen, dass die vielen Sünden, die vielen Rebellionen, das viele, was man falsch gemacht hatte, eine solch unüberwindliche Mauer gebaut hatte, dass Gott sie verlassen hätte.
[4:33] Aber auf Jesaja 49, Vers 14, folgt Jesaja 49, Vers 15. Gott lässt Jesaja sagen. Er weiß, was die Israeliten denken, was sie sagen, aber Gott hat eine andere Meinung über dieses Thema. In Vers 15 heißt es: „Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über ihren leiblichen Sohn? Selbst wenn sie ihn vergessen sollte, ich will dich nicht vergessen.“ Ich glaube, wir alle haben schon Mütter gesehen mit einem neugeborenen Baby. Und wenn es nicht absolute Rabenmütter sind, die es natürlich leider manchmal auch gibt, dann wissen wir, dass intuitiv, instinktiv, eine Frau für ihr Kind im Grunde genommen alles tun würde. Sie würde sich sogar selbst opfern. Die Liebe einer Mutter für ein kleines, hilfloses Baby ist unbeschreiblich groß. Gott sagt: „Kennt ihr diese Liebe? Meine Liebe zu euch ist noch größer. Denn selbst wenn es eine Rabenmutter gibt, die vielleicht tatsächlich ihr Baby aussetzt, vergisst, nicht mehr haben möchte – bei Gott gibt es so etwas nicht.“ Er sagt: „Ich will dich nicht vergessen.“
[5:45] Und dann sagt er in Vers 16: „Sieh!“ Mit anderen Worten: „Schau mal her! Sieh, in meine Hände habe ich dich eingezeichnet, deine Mauern sind allezeit vor mir.“ Hast du das schon mal gesehen, vielleicht in der Schule? Manchmal machen das auch erwachsene Menschen noch, die, wenn sie dazu neigen, Dinge zu vergessen, sich die wichtigsten Dinge auf die Hand schreiben, damit sie – da sie ihre Hände nicht vergessen können, da man die Hände nicht verlegen kann, man hat sie immer bei sich – dass sobald man irgendetwas mit den Händen tut, durch das Anschauen der Hände erinnert wird: „Ach ja, ich wollte den anrufen“, oder „Ach ja, das wollte ich kaufen“, oder „Ich wollte noch diese Erledigung tun.“ Gott sagt: „Ich habe dich auf meine Hände eingezeichnet.“ Mit anderen Worten: Wann immer Gott etwas tut, denkt er an dich. Wann immer Gott etwas unternimmt, wann immer er sozusagen in Anführungsstrichen seine Hände benutzt, sieht er dich und mich. Wir sind in seinen Händen eingezeichnet.
[6:49] Das ist nicht nur eine Metapher, die Gott hier verwendet, sondern als Jesus Christus auf die Welt kam und für uns starb am Kreuz von Golgatha, da hat er buchstäblich sozusagen unsere Namen eingezeichnet in seine Hände. Bis heute trägt er die Wundmale an seinem Körper. Bis heute, wenn Jesus auf seine Hände schaut, sieht er, was er für dich getan hat, lieber Freund, liebe Freundin, wie sehr er dich liebt. Und, lieber Freund, liebe Freundin, das tut er nicht nur jetzt, sondern er wird es für alle Ewigkeit tun. Denn auch wenn alle anderen Folgen, Konsequenzen und ja, Resultate der Sünde ausgemerzt sein werden in der Ewigkeit auf der neuen Erde, wird diese eine Konsequenz für immer in den Händen und Füßen, der Seite von Jesu eingezeichnet bleiben, so dass nicht nur Gott immer, wenn er sozusagen – wenn Jesus immer auf sie – dass nicht nur Jesus, wenn er immer auf sich schaut, sich daran erinnert – nicht, dass er es vergessen würde – sondern auch wir uns immer daran erinnern werden, wenn wir Jesus in einigen Trillionen Jahren sehen werden, mal wieder im neuen Jerusalem, dann werden wir immer noch sehen, dass er uns lieb hat, dass er für uns gestorben ist. Jesus gibt dich und mich nicht einfach auf.
[8:44] Gott ist mitfühlend und barmherzig. Einer der schönsten Psalmen der Bibel ist, wie ich finde, Psalm 103. Wir können heute hier nur einige wenige Verse lesen. Psalm 103, ein Psalm von David. Dort heißt es in Vers 1 bis 3, so berühmt und so wunderschön: „Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen!“ David hatte dieses innere Bedürfnis: Ich möchte mit jeder Faser meines Lebens Gott loben. Warum? „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Gott hat uns Gutes getan. Was hat er denn getan? Vers 3: „Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen.“ David hat erlebt, was es bedeutet, von Gott Sündenvergebung zu bekommen. Er hat erlebt, was es bedeutet, dass Gott die Sünde nicht zurechnet und wirklich von Herzen vergibt. Das hat David freudig gemacht. Und ich glaube, wenn wir in unserem Leben erleben, dass Gott unsere Sünde vergeben hat, dann werden wir auch fröhlich sein, dann werden wir freundlich sein, dann werden wir Gott loben wollen.
[10:08] In Vers 10 heißt es: „Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten.“ Gott behandelt dich und mich, lieber Freund, liebe Freundin, weitaus besser, als wir es jemals verdient hätten. Er schaut nicht einfach unsere Sünden an und handelt dann einfach nur im Sinne einer technischen Gerechtigkeit, sondern er hat uns lieb, er will uns retten. Er hat Barmherzigkeit und Mitgefühl. Er behandelt uns nicht nach unseren Sünden, er hat uns nicht vergolten nach unseren Missetaten. Wenn Gott einfach nur streng gerecht immer die Strafe für unsere Sünde geben würde, keiner von uns wäre noch am Leben. Aber Gott ist nicht so, er ist gnädig und barmherzig.
[10:59] Vers 11 sagt die Begründung: „Denn warum hat er nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden? Warum hat er uns nicht nach unseren Missetaten vergolten?“ Darum, Vers 11: „Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten.“ Ich weiß nicht, wann du das letzte Mal zum Himmel geschaut hast. Wenn du das nächste Mal die Gelegenheit hast, weil du aus dem Fenster schaust oder hinausgehst, um einen Spaziergang zu machen, schau mal nach oben und frage dich: Wie hoch ist der Himmel über der Erde? Kann man das messen? Kann man sagen: Hier ist die Erde und da ist jetzt der Himmel? Wo ist, wie hoch ist der Himmel über der Erde? Schau mal in den Himmel und guck mal, wo der zu Ende ist. Irgendwann brauchst du ein Teleskop, irgendwann brauchen wir Satelliten, Raumschiffe, die Bilder machen von den entferntesten Galaxien, und immer noch kein Ende. Der Himmel, je weiter wir nach oben schauen, er hat einfach kein Ende, unendlich. Lieber Freund, liebe Freundin, Gottes Gnade ist ewig, unendlich. Nein, das heißt nicht, dass wir bis in alle Ewigkeit sündigen können und Gnade bekommen können, denn unser Herz ist nicht ewig. Unser Herz ist irgendwann vollkommen verstockt. Aber Gottes Bereitschaft, seine Liebe zu uns, ist unauslöschlich. Seine Gnade ist so hoch wie der Himmel über der Erde.
[12:47] Vers 12: „So fern der Osten ist vom Westen – 180 Grad in die andere Richtung – hat er unsere Übertretung von uns entfernt.“ Lieber Freund, liebe Freundin, wenn Gott meine und deine Sünde vergibt, dann sagt er nicht nur: „Na ja, ich drücke mal ein Auge zu, versuch’s besser zu machen.“ Er nimmt deine Sünde und meine Sünde und er tut die Sünde in die eine Richtung und uns in die andere Richtung, sodass wir von der Sünde getrennt sind. Geht es dir auch manchmal so, dass wir vielleicht eine Sünde getan haben, dass wir uns falsch verhalten haben, dass wir Falsches gedacht oder gesagt oder getan haben und wir dann um Vergebung gebeten haben, aber immer noch so ein bisschen das mit uns rumschleppen und sagen: „Na ja, jetzt habe ich das aber getan.“ Und jetzt wir lassen es an uns kleben. Aber Gott sagt: „Nein, ich möchte das von dir trennen, so wie der Osten vom Westen getrennt ist.“
[13:39] Gottes Gnade ist so hoch wie der Himmel über der Erde. Er entfernt unsere Übertretung, unsere Sünde, von uns, soweit wie der Osten vom Westen entfernt ist. Gott ist gut. Es heißt in Vers 13: „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, welche ihn fürchten.“ Wir haben gesehen in Jesaja, wie es heißt, wie eine Mutter sich über Kindlein erbarmt. Hier in Psalm 103 heißt es, wie sich ein Vater über die Kinder erbarmt. Die Liebe von Eltern zu ihrem Kind ist vielleicht ein schwaches, aber doch ein schönes und wichtiges, eines der stärksten in menschlichem Kontext. Schwach deswegen, weil Gottes Liebe so unfassbar viel größer ist, aber stark deswegen, weil es kaum etwas in unserem menschlichen Erfahrungsbereich gibt, was stärker wäre. Ein Beispiel, eine Illustration dafür, wie sehr Gott uns liebt. Und mögen wir, wenn wir Eltern sind, solche Eltern sein, die schon als menschliche Eltern ein Stück weit von dem weitergeben, was Gott für uns [tut].
[15:17] Jeremia 31 und dort Vers 20, eine ganz bewegende Stelle. Jeremia 31, Vers 20. Das ganze Kapitel – Jesaja, Verzeihung – Jeremia 30, 31, 32 sind unfassbar schöne, kostbare, wertvolle Kapitel. Die Zeit reicht nicht, die alle jetzt hier zu lesen, aber wenn ihr ein bisschen Zeit habt, lest das mal. Vor allem Jeremia 31 und 32 sind ganz, ganz wunderbar. Jeremia 31, Vers 20: „Ist mir Ephraim ein teurer Sohn? Ist er mein Lieblingskind? Denn so viel ich auch gegen ihn geredet habe – so, Verzeihung – muss ich doch immer wieder an ihn denken. Darum ist mein Herz entbrannt für ihn. Ich muss mich über ihn erbarmen“, spricht der HERR.
[16:03] Ephraim ist ein Synonym in den Propheten, nicht nur hier, auch an anderer Stelle, für das Nordreich Israel. Nun, das Interessante ist, diese Worte werden dem Propheten Jeremia gegeben. Gott spricht durch den Propheten Jeremia zu einer Zeit, als das Nordreich Israel, als Ephraim, schon längst vollständig im assyrischen Exil ist. Das Nordreich ist bereits zugrunde gegangen, es ist untergegangen, es existiert gar nicht mehr. Und Gott denkt immer noch an das Nordreich Israel. Das ist hier kein Versehen mit dem Ephraim. Es kommt immer wieder in dem Kapitel 31, dass Gott hier durch den Propheten Jeremia, der in Juda lebt und eigentlich zu König und zu den Menschen von Juda spricht, immer auch das bereits gefallene und zerstörte Nordreich noch vor Augen hat. Jeremia 31, Vers 1: „Zu jener Zeit“, spricht der HERR, „werde ich der Gott aller Geschlechter Israels sein, also aller Stämme, nicht nur des einen oder der zwei im Süden, und sie werden mein Volk sein.“ Oder in Vers 5: „Du wirst auf den Höhen Samarias“ – das ist die Hauptstadt vom Norden, vom Nordreich Israel – „du wirst auf den Höhen Samarias wieder Weinberge pflanzen, die sie angelegt haben. Sie sollen sie auch genießen.“ Vers 6: „Denn es kommt ein Tag, da die auf dem Bergland von Ephraim rufen werden: Macht euch auf und lasst uns nach Zion gehen zu dem Herrn, unserem Gott!“
[17:39] Also eine Vision, wo das Nord- und das Südreich wieder miteinander verbunden sind, das gesamte Volk Gottes wieder hergestellt ist. Gott denkt an das Nordreich, an Ephraim. Und ist es nicht interessant, wie er dieses Nordreich hier bezeichnet? Er sagt: „Ist mir Ephraim ein teurer Sohn? Ist er mein Lieblingskind? Denn so viel ich auch gegen ihn geredet habe.“ Gott musste dem Nordreich zahlreiche dramatische Warnungen geben, Tadel, Gerichtsandrohungen. Bücher wie Amos oder wie Hosea sind voll davon. Aber hier wird deutlich, dass all die Tadel und all die Gerichtsbotschaften und all die Warnungen nichts an der Liebe Gottes geändert haben. Heute wird oft versucht, das gegeneinander auszuspielen, zu sagen: „Ja, rede nicht so viel von den Gerichtsbotschaften, rede mehr von der Liebe Gottes.“ Wenn man die Warnung und den Tadel hört, hat man das Gefühl, dass Gott einen gar nicht liebt. Aber hier wird deutlich: Gott bekennt sich dazu. Er sagt: „Ich habe gegen das Nordreich gesprochen, ich habe es gewarnt und getadelt und gleichzeitig habe ich es lieb.“ Es ist auch eine tragische Stelle, denn es bedeutet, dass Gott dieses Volk geliebt hat und deswegen es gewarnt hat, und trotzdem hat das Volk nicht gehört. Es ist ja ins assyrische Exil gekommen, das Nordreich ist ja untergegangen, aber Gottes Liebe ändert sich nicht.
[19:22] Da schauen wir zum Propheten Hosea, zu einer Zeit, als das Nordreich noch existierte, als noch die Möglichkeit bestand, als das Volk umzukehren zu Gott. Wie Gott es dort ausgedrückt hat, was für eine Liebe er die ganze Zeit für sein rebellisches Kind, Nordreich, sozusagen für Ephraim gehabt hat. Schauen wir uns an, wie diese Liebe hier ausdrückt in Hosea Kapitel 11, ein ganz bewegender Abschnitt. Hosea Kapitel 11, ab Vers 1: „Als Israel jung war, liebte ich ihn.“ Er sagt: „Ich habe Israel geliebt und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Wir lesen in 2. Mose 4, dass damals schon die Israeliten von Gott als sein Kind bezeichnet wurden. Gott hatte Mose den Auftrag gegeben, noch bevor er nach Ägypten kam. In 2. Mose 4, Vers 22, dort heißt es: „Und du sollst zum Pharao sagen: So spricht der HERR: Israel ist mein erstgeborener Sohn.“ Gott hat von Anfang an sein Volk als sein Kind betrachtet und damit deutlich gemacht: Ich bin euer Vater. Das, was Jesus später den Jüngern neu erklären musste in der Bergpredigt und dann später in Lukas 11, das war eigentlich von Anfang an Gottes Ansinnen, dass sie verstehen, dass er ihr Vater ist. Er sagt: „Ihr seid mein Kind, und zwar ein ganz besonderes.“ Er sagt: „Israel ist mein erstgeborener Sohn.“ Ich bin auch ein Erstgeborener, aber damals zur Zeit der Bibel war das Erstgeburtsrecht etwas sehr Besonderes. Man bekam das doppelte Erbe, man bekam einen besonderen geistlichen Segen in der Heilsgeschichte, die von ja, von Adam bis letztlich bis zu Jesus führt. Da bedeutet das Erstgeburtsrecht sogar, in der Linie zu sein, die auf den Messias hinweist. Der Erstgeborene hat eine besondere Stellung. Jesus sagt: „Ihr seid nicht für mich nur irgendwie ein Kind, ihr seid ein besonderes Kind.“
[21:45] „Als Israel jung war, liebte ich ihn und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Dann heißt es weiter in Hosea 11, Vers 2: „Aber sobald man sie rief, wandten sie sich vom Angesicht ab. Den Baalen opferten sie und den Götzenbildern räucherten sie.“ Das Volk hat Gott sehr enttäuscht. Er hatte zu ihnen gesprochen und trotzdem haben sie lieber Götzendienst betrieben. Das ist ein Muster, das sich durch viele Jahrhunderte der Geschichte Israels hindurchzieht. Gerade vor wenigen Tagen ist die Nachricht publik geworden, dass man in Israel, diesmal in Juda, in Jerusalem eine Struktur archäologisch ausgegraben hat, mitten in Jerusalem, wenige hundert Meter entfernt vom Tempel, wo offensichtlich rituelle, gottesdienstliche Handlungen stattfanden, die offensichtlich nicht zum Tempel gehörten. Der Tempel war sogar in Sichtweite und trotzdem hat man Götzendienst betrieben. Das war dann, wie gesagt, im Südreich. Interessanterweise haben die Ausgräber festgestellt, dass diese Struktur aus dem 8. Jahrhundert vor Christus datiert und in diesem Jahrhundert auch aufgegeben wurde. Und sie verbinden das mit dem Namen Hiskia, der in diesem Jahrhundert dann die Reform durchgeführt und alle anderen Gottesdienstorte geschlossen hat, die nicht – also außer den Tempel – [dazu gehörten]. Ich erwähne das hier, das ist ganz, ganz frisch in der archäologischen Welt jetzt herausgefunden und publiziert worden. Ich erwähne das, weil das genau das illustriert, was hier in Vers 2 steht: „Sobald man sie rief, wandten sie sich vom Angesicht ab. Den Baalen opferten sie und den Götzenbildern räucherten sie.“ So wie dort in Jerusalem in Sichtweite des Tempels man anderen Göttern gedient hat, so haben die Israeliten allgemein, teilweise in Sichtweite dessen, was Gott für sie getan hat, wieder sich von ihm abgewandt – eine herbe Enttäuschung.
[25:13] Vers 3: „Und ich war es doch, der Ephraim gehen lehrte, der sie auf seine Arme nahm, aber sie haben nicht erkannt, dass ich sie halte.“ Das Bild, das hier verwendet wird, ist uns allen gut bekannt. Wir alle haben Eltern gesehen. Ich bin momentan einer von solchen Eltern, die ihrem kleinen Kind so das Laufen – ja, also wenn es gerade so anfängt zu laufen und so vor sich hin tapselt – an die Hand nimmt. Und wenn es...
[25:33] die es an die Hand nimmt und wenn es hinfällt, wieder aufnimmt. Und so ein schöner Moment, wenn man so ein kleines Kind hat, das anfängt, laufen zu lernen und die Welt zu erkunden. Gott sagt: So habe ich mich gefühlt, als ich euch an die Hand genommen habe, aus Ägypten geführt habe, um euch in eure Heimat zu bringen, das gelobte Land.
[25:58] Lieber Freund, liebe Freundin, so hat Gott auch dich und mich an die Hand genommen, als wir ihn kennengelernt haben, als er uns aus der Sklaverei der Sünde befreit hat, aus der Welt herausgerufen hat, als er uns in sein Volk gerufen hat, als er uns zu sich gezogen hat, als er uns erlöst hat. So hat er uns als seine Kinder gerufen. Glaubst du nicht, dass du und ich – also ich auf jeden Fall – ihn schon sehr viel und sehr stark enttäuscht haben, dass wir manchmal in Sichtweite dessen, was Gott gerade für uns getan hat, wir uns doch wieder von ihm abgewandt haben und Dinge getan haben, die ihm nicht wohlgefallen? Hat Gott nicht auch uns wie kleine Kinder an die Hand genommen, als wir noch so die ersten Schritte gemacht haben im Glauben, uns einfach so wunderbar geführt, ohne uns zu hetzen, wenn wir gefallen sind, aufgenommen? Hat Gott nicht verdient, wirklich wie ein echter Vater behandelt zu werden von uns? Sie haben nicht erkannt, dass ich sie halte. Gott hat so viel für sie getan, aber sie haben es nicht einmal wahrgenommen. Lieber Freund, liebe Freundin, kann es sein, dass Gott so viele Dinge für mich getan hat und auch für dich getan hat, die wir nicht einmal wahrgenommen haben und stattdessen wir so oft murren, unzufrieden sind,
[27:23] beschweren? Ich möchte lernen, das zu sehen, was Gott Gutes für mich tut, die Heilung, mit der er mich geheilt hat. Vers 4: „Mit menschlichen Banden zog ich sie mit Seilen der Liebe.“ Gott zieht uns nicht mit eisernen Ketten. Er schleift uns nicht hinter sich her, damit wir zu unserem Glück gezwungen werden. Er zieht uns mit Seilen der Liebe. Er wirbt um uns. Er ist nicht einfach strategisch neutral und guckt mal, was wir machen und überlegt, ob er uns dann mit uns zusammenarbeiten möchte. Er wünscht sich, dass wir ihm folgen und er wirbt um uns, aber niemals so stark, dass wir chancenlos wären, um uns anders zu entscheiden. Zwingt uns nicht. Er lädt uns nur ein. Er wirbt um uns. Er zieht sanft, aber nie so stark, dass wir nicht widerstehen könnten. Wenn wir uns einfach ihm übergeben, dann reicht es aus, dann zieht er uns so, dass wir zu ihm kommen.
[28:38] wollen, dann bleiben wir, wo wir sind. „Mit menschlichen Banden zog ich sie mit Seilen der Liebe. Ich hob ihnen gleichsam das Joch auf vom Kinn und neigte mich zu ihnen, um ihnen Nahrung zu geben.“ Gott hat sanft an uns gezogen. Gott übt niemals Druck aus. Wir sind es gewohnt, von überall Druck zu bekommen. Manchmal werden wir sogar von Leuten oder von Systemen manipuliert, aber Gott manipuliert nicht. Er drückt nicht, er pressiert nicht. Er lädt sanft
[29:11] ein und er lädt alle Menschen ein. Jesus selbst hat gesagt in Johannes Kapitel 12, wie wir gezogen werden, wodurch wir gezogen werden. Johannes 12 Vers 32. Jesus sagt: „Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Lieber Freund, liebe Freundin, das Kreuz von Jesus zieht dich und mich. Darf es dich ziehen? Jeder, der mit dem Kreuz Jesu, mit dem Evangelium von Jesus Christus in Berührung kommt, der merkt, dass etwas an ihm zieht. Die Frage ist: Darf es uns ziehen oder widerstehen wir, widersetzen wir uns? Wir lesen weiter hier in Hosea 11, dass er uns nahekommt, dass er uns das Leben leicht machen möchte. Er hob sozusagen das Joch auf vom Kinn. Er möchte nicht, dass wir uns verbissen zu Tode arbeiten. Er neigt sich zu uns, um uns Nahrung zu geben. Er kommt uns nah, um uns das zu geben, was wir brauchen. Das sehen wir von Anfang an in der Bibel bei der Erschaffung des Menschen in 1. Mose Kapitel 2 und dort Vers 7. Dort sehen wir Gott, wie er den Menschen schafft und ganz nahe zu Menschen kommt, sich über ihn beugt, Gesicht an Gesicht, um ihm den Lebensatem zu geben, das, was der Mensch braucht. Wenn Gott dem Menschen das gibt, was der Mensch benötigt, dann nicht so aus der Ferne, so: „Hier, nimm das mal, das könnte für dich sein“, sondern er kommt uns nah. Und so kam Jesus uns auch nah, um uns das zu geben, was wir brauchen. So wie im Garten Eden, als er uns nahekam, um uns den Lebensatem zu geben, damit wir leben
[31:13] können. So kam er uns nah, indem er Mensch wurde. Die Bibel sagt in Johannes 1 Vers 14: „Das Wort wurde Fleisch.“ Er kam uns nah. Er wurde einer von uns. Immanuel: „Gott mit uns“, um uns zu erretten von unseren Sünden. Matthäus 1 Vers 21 und 23 sagt: Er wurde einer von uns, damit wir diesmal nicht den Hauch des Lebens erhalten, sondern den Hauch sozusagen des ewigen Lebens. Johannes 3 Vers 16: „Denn so auf diese Weise hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Lieber Freund, liebe Freundin, wir brauchen Leben, wir brauchen ewiges Leben. Jesus kommt uns nahe, um uns das zu geben, was wir brauchen. Gott ist nicht jemand, der aus der Ferne für uns sorgt, wie jemand, der Alimente zahlt und seiner Pflicht nachkommt. Gott sorgt für uns, indem er dir und mir nahekommt. Darf er das heute in deinem Leben und in meinem?
[32:33] Hosea 11 Vers 5 bis 7: „Er soll nicht nach dem Land Ägypten zurückkehren.“ Es geht immer noch um Israel hier. „Sondern der Assyrer soll ihr König werden, weil sie nicht umkehren wollen. Und das Schwert soll in ihren Städten umgehen und ihre Riegel vernichten und sie wegen ihrer Ratschläge verzehren. Mein Volk hält am Abfall von mir fest. Ruft man es nach oben, so erhebt sich gar niemand.“ Das, was ein Evangelist am meisten fürchtet, ist, wenn man einen Aufruf macht und niemand sich meldet. Aber Gott selbst erlebt das. Er sagt hier: „Wenn ich einen Aufruf mache, wer möchte mit mir leben?“, erhebt sich niemand. Das Volk hält am Abfall von mir fest. Und hier sehen wir: Gott liebt uns, er kommt uns nah, er möchte, dass wir bei ihm sind. Er zieht uns mit menschlichen Banden, aber wenn wir in Rebellion verharren wollen und uns für den Abfall entschließen, dann folgen die Konsequenzen, die Gott eigentlich unbedingt vermeiden wollte. In diesem Fall für die Israeliten: Unterdrückung durch die feindlichen Assyrer, die das Land verwüsten. Lieber Freund, liebe
[33:47] Freundin, es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die Assyrer kommen. Unvorstellbar, dass Menschen, weil sie an der Sünde festhalten wollen, lieber die Assyrer wählen als Gott. Aber so sind wir Menschen: Wenn wir uns für die Sünde entscheiden, dann wählen wir unseren Untergang, obwohl Gott uns das Beste geben möchte. Und deswegen hasst Gott die Sünde. Er hasst sie wie die Pest, weil Menschen dann solch schrecklich schlimme, falsche Entscheidung gegen ihr eigenes Wohl treffen. Aber selbst angesichts dieser Tatsache, dass Gott ruft und niemand antwortet – es ist ja dieses Nordreich Israel, zu dem der Prophet Hosea gesandt ist, wo wir, wenn wir die Königslisten anschauen, dann sehen wir bei dem Südreich: böser König, guter König, böser König, böser König, guter König, böser König, guter König. Wir sehen ein Auf und Ab, ein Hin und Her, einen Kampf zwischen Gut und Böse sozusagen im Südreich. Aber im Nordreich da ist die Liste ziemlich eindeutig: böse, böse, böse, noch mehr böse, besonders schlimm, am schlimmsten, dann nicht ganz so schlimm wie vorher, aber trotzdem noch böse, böse, böse, böse, böse, böse. Das Nordreich war in kontinuierlicher Abfallsbewegung. Und Gott sagt in Hosea 11 Vers 8: „Wie könnte ich dich dahingeben, Ephraim? Wie könnte ich dich – Verzeihung – wie könnte ich dich preisgeben, Israel? Wie könnte ich dich behandeln wie Adama, dich machen wie Zebojim?“ Das sind Orte, die damals bei Sodom und Gomorra mit vernichtet worden sind. Er sagt: „Mein Herz räubt sich dagegen, mein ganzes Mitleid ist erregt.“ Gott möchte niemanden vernichten. Mit jeder Faser seines Wesens wünscht er sich, dass wir bei ihm sind und dass wir ewig leben. Er hat auch für die verhärteten Rebellen Mitleid, nicht nur für die, die auf der Kippe stehen, die auf dem Zaun sitzen, die mit einem Bein in der Gemeinde, mit einem Bein in der Welt sind. Er hat auch für die härtesten Rebellen immer noch den Wunsch, dass sie vielleicht doch noch umkehren. Und lieber Freund, liebe Freundin, vielleicht sollten wir mehr von Gott lernen, wenn es darum geht, auch über Menschen zu denken, die sich in schwerer Rebellion befinden. Gott hat niemals auch nur mit einem Wimpernschlag die Rebellion gutgeheißen, sie niemals gefördert, niemals auch nur als okay, irgendwie so toleriert. Gott hat mit einer Inbrunst vor der Rebellion gewarnt und gleichzeitig sich gewünscht von Herzen, dass die Rebellen trotzdem doch noch zu ihm zurückkehren, dass die Rebellen die Rebellion aufgeben. Können wir nicht einiges von Gott lernen: die Sünde beim Namen nennen, die Sünde hassen, vor der Sünde warnen und gleichzeitig das tiefste Mitgefühl für die Sünder haben, damit sie doch noch vielleicht Buße finden und umkehren?
[37:35] 9: „Ich will nicht handeln nach der Glut meines Zorns, will Ephraim nicht wiederum verderben; denn ich bin Gott und nicht ein Mensch. Als der Heilige bin ich in deiner Mitte und will nicht in grimmigem Zorn kommen.“ Gott sagt: „Mein Zorn ist anders, als ihr das kennt.“ Gottes Zorn ist nicht so, wie Menschen zornig sind. Gott verliert nicht aus Wut einfach die Kontrolle. Wenn wir an Zorn und Wut denken, dann denken wir an jemanden, der vielleicht rot anläuft, der rationales Denken plötzlich ausschaltet, einfach um sich schlägt, laut schreit und alles Maß verliert. Gott ist nicht so. Gott kennt Zorn, so wie Gott auch eine Reue kennt, aber die Reue Gottes ist nichts zu vergleichen mit der menschlichen Reue. Das macht die Bibel ganz deutlich. Und das Problem ist, dass wir oft haben, dass wir sozusagen nur den menschlichen Zorn kennen und deswegen diesen menschlichen Zorn auf Gott projizieren und dann einige sagen: „Ja, das kann ja nicht sein.“ Deswegen glauben, dass Gott gar nicht zornig sein kann und gar nicht strafen kann. Aber das stimmt nicht. Gott ist zornig und er straft auch, aber anders als wir Menschen das tun. Gottes Zorn ist nicht impulsiv. Gott ist niemals brutal. Gott hat niemals Freude daran, wenn andere leiden. Es bricht ihm selbst das Herz.
[39:33] Und doch gibt es Strafe. Das Nordreich ging ins Exil. Die Assyrer kamen. Das hat Gott zutiefst betrübt. Hast du Mitleid mit Menschen, die auf dem falschen Weg sind, mit Menschen, die die Orientierung verloren haben? Jesus ist uns ein gutes Vorbild in Matthäus Kapitel 9 und dort Vers 36. Matthäus 9 Vers 36 lesen wir über Jesus: „Als er aber die Volksmenge sah, empfand er Mitleid mit ihnen, weil sie ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ Jesus hat Mitleid mit den Menschen, die ohne geistliche Führung sind, die ohne geistliche Orientierung sind. Wir finden, dass Jesus ganz oft in den Evangelien charakterisiert wird als jemand, der Mitleid hat, der barmherzig ist, der mitfühlend ist. Ein paar andere Beispiele sollen das zeigen. Matthäus 14 und dort Vers 13 und 14: „Und als Jesus das hörte, zog er sich von dort in einem Schiff abseits an einen einsamen Ort zurück. Und als die Volksmenge es vernahm, folgte sie ihm aus den Städten zu Fuß nach.“ Jesus will eigentlich für einen Moment mal seine Ruhe haben. Er möchte ein bisschen private Zeit mit seinen Jüngern verbringen. Er hat viel gearbeitet und er braucht gerade eigentlich eine Auszeit. Vers 14: „Als nun Jesus ausstieg, sah er eine große Menge und er erbarmte sich über sie und heilte ihre Kranken.“ Jesus hat auch dann Mitleid mit den Hilfesuchenden, mit den Kranken, mit denen, die geistliche Speise brauchen. Er hat Mitleid mit ihnen, auch wenn er eigentlich jetzt gerade Ruhe haben möchte. Und hier ertappe ich mich sehr, einfach Mitleid zu haben, wenn man sowieso gerade Zeit hat, um Mitleid zu haben, wenn man sowieso gerade Menschen helfen will, vielleicht hinausgeht, etwas Missionarisches unternehmen möchte und dann trifft man jemanden, der Hilfe braucht, dann ist es nicht so schwer Mitleid zu haben. Aber was ist, wenn man nach einem schweren Arbeitstag jetzt einfach nur mal eine Stunde für sich haben möchte? Was ist, wenn man gerade mal ein bisschen Ruhe braucht, wenn man erschöpft ist? Haben wir dann auch noch Mitleid und Mitgefühl mit den Menschen, die Jesus uns in den Weg stellt? Jesu Mitleid war nicht davon abhängig, ob er gerade Zeit dafür hat oder nicht. Und ja, Jesus musste sich auch Zeit nehmen für seine Beziehung zu Gott dem Vater. Jesus konnte nicht nur anderen helfen, aber er hatte Mitleid, hätte Mitleid auch dann, wenn es menschlich gesehen gerade ungelegen kam.
[43:03] Erbarmen. Und ja, Jesus hat die Nöte von anderen über seine eigenen Interessen gestellt. Das Wesen der Liebe. Deswegen leben du und ich, weil Jesus unsere Nöte über seine eigenen Interessen gestellt hat, am Kreuz von Golgatha für dich und mich gestorben ist. Markus Kapitel 1 und dort Vers 40 und 41: „Und es kam ein Aussätziger zu ihm, bat ihn, fiel vor ihm auf die Knie und sprach zu ihm: ‚Wenn du willst, kannst du mich reinigen.‘“ Es gibt andere Stellen der Bibel, z.B. in Lukas 9, wo der Vater des besessenen Knaben fragt, ob Gott denn etwas, ob Jesus etwas kann. Aber der Aussätzige ist sich ganz sicher: „Jesus kann es. Du kannst mich reinigen.“ Die Frage, die er stellt, ist: „Willst du es?“ Vielleicht gehörst du auch zu den Menschen, die sich sicher sind, dass Gott die Welt geschaffen hat, dass Jesus einmal wiederkommen wird, dass Gott Kraft und Macht hat, aber die sich vielleicht die Frage stellen: „Will er diese Kraft auch für mich einsetzen oder ist sie nur allgemein für die Welt, für jeden anderen, aber nicht für mich?“ Will Jesus seine große Macht, Güte, Herrlichkeit, Weisheit, Wahrheit, Liebe – will er sie für mich einsetzen? Die Antwort finden wir in Vers 41: „Da erbarmte sich Jesus über ihn, streckte die Hand aus, rührte ihn an.“ Jesus hat nicht eine distanzierte Antwort gegeben und sagen: „Ja, ja, passt schon.“ Er erbarmt sich über ihn. Er kommt ihm nah. Das ist das, was wir gesehen haben von Anfang bis zum Ende der Bibel. Jesus, wenn er uns etwas Gutes tun möchte, wenn er uns segnen möchte, wenn er uns Mitgefühl zeigen möchte, er kommt uns nah. Er streckt seine Hand aus, er rührt ihn an, ihn, den Aussätzigen, den niemand sonst angerührt hätte. Zeigt: „Ich habe dich lieb. Keine Angst vor deinem Aussatz.“ Er rührt ihn an und sprach zu ihm: „Ich will, sei gereinigt.“ Hätte auch sagen können: „Sei gereinigt.“ Aber weil dieser Mann die Frage gestellt hat: „Willst du, dass ich gerettet werde? Willst du, dass ich geheilt werde?“, sagt Jesus: „Ja, ich will es.“ Lieber Freund, liebe Freundin, es reicht nicht nur aus zu wissen, dass Gott uns retten kann. Wir dürfen wissen: Er möchte dich retten. Es ist sein Wunsch. Er will, dass du erlöst
[45:55] bist. Lukas Kapitel 7. Lukas Kapitel 7 und dort Vers 13. Jesus kommt in eine Stadt namens Nain. Und als er dort einen Trauerzug sieht, der gerade aus der Stadt herauskommt mit einer Witwe, die ihren einzigen Sohn zu Grabe trägt, da heißt es in Lukas 7 Vers 13: „Und als der Herr sie sah, erbarmte er sich über sie und sprach zu ihr: ‚Weine nicht!‘“ Jesus hat Mitgefühl. Er kennt ihren Schmerz, sie, die schon ihren Mann verloren hat und jetzt ihren einzigen Sohn zu Grabe tragen soll. Jesus kennt den Schmerz. Er sieht den Schmerz, hat Mitleid mit dieser trauernden Witwe. Wenn wir Jesus nachfolgen, wenn wir auf Jesus schauen, dann werden wir von diesem Mitgefühl und diesem Erbarmen verwandelt
[47:13] werden. Denn wenn dieses Erbarmen für mich gilt und ich es erlebt habe, möchte ich es nicht dann auch anderen auch weitergeben? In 1. Korinther 13 da wird beschrieben, wie Gottes Liebe ist, aber nicht nur eine theoretische Abhandlung von dem, was abstrakt oben im Himmel theologisch zu beschreiben wäre, sondern etwas ganz Konkretes, dass wir hier auch im Alltag erleben können. Ja, was wir nicht nur, was nicht nur als Gottes Liebe an uns erleben können, sondern auch etwas, das in uns auch geschieht. Charaktereigenschaften, Wesensmerkmale, die wir mit Gottes Hilfe ihm nachahmen können. In 1. Korinther 13 Vers 4 heißt es: „Die Liebe ist langmütig.“ Mit anderen Worten: Sie ist geduldig. Gott hat eine unfassbar große Geduld mit mir, mit seinem Volk durch all die Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder bewiesen. Gott ist langmütig, er ist geduldig. Und Gott ist gütig. Er meint es nicht böse, er meint es gut. Er will das Beste für uns. Das heißt: „Die Liebe beneidet nicht.“ Gott versucht nicht, uns irgendwie klein zu halten, damit er größer dasteht. Im Gegenteil: Gott wurde Mensch und war bereit, als Verbrecher dazustehen, damit wir ewiges Leben haben können. „Die Liebe beneidet nicht.“ Die Liebe prahlt nicht. Wenn wir das Leben von Jesus anschauen, dann sehen wir, dass er nirgendwo versucht hat, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Wir können so viel von ihm lernen. „Die Liebe bläht sich nicht auf, sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre.“ So schwer für uns, das richtig zu durchdringen, aber Gott denkt nicht zuerst an sich. Er denkt zuerst an dich und an mich. „Sie lässt sich nicht erbittern.“ Jahrhunderte, Jahrtausende hat Gott gesehen, wie Menschen ihm ins Angesicht widerstehen, wie Menschen all das Gute, das er möchte, beiseitestoßen, es besser wissen, meinen, besser zu wissen und damit sich selbst und andere ruinieren. Wir wären schon alle entweder verzweifelt oder so verbittert, dass wir mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben wollten. Aber nicht so Gott. Nach Jahrtausenden schaut er noch immer auf die Erde und geht jedem einzelnen Menschen nach, trotz all dem Leid, das Menschen sich gegenseitig und ihm zugefügt haben. Seine Liebe lässt sich nicht erbittern. „Sie rechnet das Böse nicht zu.“ Sie ist bereit, sich selbst zu opfern, damit der Böse, wenn er es dann haben möchte, wieder gut gemacht werden kann, dass er gerettet werden kann, dass er ein weißes Kleid der Gerechtigkeit bekommen kann. „Sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit.“ Gottes Liebe ist in völliger Harmonie mit seiner Gerechtigkeit. Deswegen hasst sie die Sünde, weil die Sünde so ungerecht ist. „Sie freut sich aber an der Wahrheit.“ Liebe und Wahrheit kann man nicht trennen, denn Liebe freut sich über Wahrheit. Wenn du Gottes Liebe etwas Gutes tun möchtest, wenn du der Liebe Gottes eine Freude machen möchtest, dann liebe die Wahrheit, lebe in der Wahrheit, interessiere dich für die Wahrheit, gib die Wahrheit weiter. Gottes Liebe wird begeistert sein, denn die Liebe freut sich an der Wahrheit. „Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“ Am Kreuz von Golgatha hat das gesamte Universum gesehen, dass Gottes Liebe alles erduldet. In einigen Übersetzungen steht in 1. Korinther 13 Vers 4: „Die Liebe – bei mir steht in der Schlachter 2000: ‚Die Liebe beneidet nicht.‘“ Bei einigen steht hier z.B. in der Luther 2017, der Einheitsübersetzung: „Sie eifert nicht.“ Und das wirft die Frage nach diesem Eifern auf. Das Wort, das hier im Griechischen verwendet wird, „zelo“, hat verschiedene Aspekte: nacheifern, auch bewundern jemanden, aber auch beneiden, eifersüchtig sein. Hier in 1. Korinther 13,4 geht es offensichtlich um eine negative Art zu eifern, neidisch zu sein, eine negative Form, die mit Gottes Liebe
[53:02] eine negative Form, die mit Gottes Liebe nicht vereinbar ist, denn Gottes Liebe beneidet nicht. Es gibt so eine Art von Eifersucht, die völlig unbegründet und egoistisch ist. Aber derselbe Paulus schreibt an dieselben Korinther in seinem nächsten Brief, in 2. Korinther 11 Vers 2: „Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer, denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen.“ Es gibt also einen göttlichen Eifer. Hier wird dasselbe Wort „zelo“ verwendet wie auch in 1. Korinther 13. Paulus sagt: „Ich eifere um euch.“ Es gibt also einen negativen Eifer und einen positiven, einen, der mit der Liebe Gottes unvereinbar ist, und einen, der dem göttlichen Wesen entspricht. Er eifert für die Gemeinde der Korinther. Paulus eifert nicht für sich selbst, er eifert für die Gemeinde der Korinther. Er möchte, dass sie gerettet werden. Dieser Eifer ist mit der Gottesliebe in völliger Harmonie. Er hofft, dass sie sich nicht von Satan abbringen lassen, wie Vers 3 deutlich zeigt und auch das restliche Kapitel.
[54:27] Wiederum eine falsche, egoistische Form des Eiferns finden wir in Galater Kapitel 4 Vers 17 beschrieben. Dort heißt es, Galater 4 und dort Vers 17: „Sie, die Irrlehrer, die die Galater in die Irre führen, sie eifern um euch, nicht in edler Weise.“ Wir haben schon diese Idee: Man könnte nämlich – das impliziert das ja – in edler Weise um sie eifern, so wie Paulus in edler Weise um die Korinther geeifert hat. Er sagt: „Sie eifern um euch, nicht in edler Weise, sondern wollen euch ausschließen, damit ihr um sie eifert.“ Mit anderen Worten: Die Irrlehrer wollen die Galater von der Christengemeinde abtrennen, eine eigene Gruppe bilden, eine eigene Splittergruppe sozusagen, damit die Galater jetzt den Irrlehrern nacheifern. Das heißt, der Eifer dieser Irrlehrer bezieht sich darauf, dass sie selbst angesehen sein wollen, dass sie selbst als Leiter anerkannt werden wollen, dass sie selbst von den Galatern irgendwie hoch angesehen sein wollen. Ein egoistischer Eifer, der gottlos ist und mit der Liebe Gottes nicht in Übereinstimmung steht.
[55:43] Aber schauen wir zurück zum ersten Korintherbrief, direkt bevor Paulus diese berühmten Worte über die Liebe Gottes sagt und ausführt, schreibt er in demselben Brief an die Korinther, im ersten Korintherbrief in Kapitel 12 Vers 31, folgende Überleitung von Kapitel 12 zu Kapitel 13 sozusagen: „Strebt aber eifrig – wieder 'zelo' – strebt aber eifrig nach den vorzüglicheren Gnadengaben! Und ich will euch einen noch weit vortrefflicheren Weg zeigen.“ Hier gibt es also wieder einen gesunden, einen biblischen Eifer, nämlich effektiv für Gott zu wirken. Wir müssen also deutlich unterscheiden: Es gibt einen göttlichen Eifer der Liebe, der für den anderen – dieser Eifer denkt für den anderen und hofft das Beste für den anderen. Und dann gibt's den sündigen, egoistischen Eifer, der auf sich selbst konzentriert ist und der mit der Liebe nichts zu tun hat. Das müssen wir deutlich unterscheiden. Göttlicher Eifer liebt den anderen, ist bereit, ein Opfer für sie zu geben. Sündiger Eifer liebt sich selbst.
[56:59] In den zehn Geboten finden wir deswegen – das ist deswegen wichtig –, weil wir in den zehn Geboten eine sehr interessante Beschreibung Gottes finden, nämlich als ein eifersüchtiger Gott. Das heißt, in 2. Mose 20, in Vers 4 bis 6, im zweiten Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht, denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“
[57:51] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn es einen tatsächlichen Treuebruch gibt, aber der Betrogene gar nicht eifersüchtig ist, dann würde man sich doch fragen, ob seine Liebe wirklich echt war. Echte, wahre Liebe ist auch wirklich eifersüchtig, wenn sie tatsächlich betrogen wird.
[58:15] Die göttliche Eifersucht, die hier beschrieben wird, ist ein Beweis für die Echtheit seiner Liebe. Gottes Liebe ist nicht abstrakt theologisch am grünen Tisch zusammengezimmert, sondern die ist ganz wirklich aus seinem Herzen empfunden. Und wenn wir, obwohl wir ihm versprochen haben, ihm zu folgen, uns von ihm abwenden und ihn beleidigen und ihn wie tot behandeln, dann ist er wirklich in seinem Herzen tief betrübt, er ist gekränkt, er ist eifersüchtig. Und es wäre sehr merkwürdig, wenn das nicht wäre, denn es würde ja bedeuten, dass er uns eigentlich gar nicht wirklich geliebt hat.
[59:01] Gottes Eifersucht, wenn wir ihn verlassen, beweist also seine Liebe, die er noch immer hat, in dem Wunsch, so wie er eine Liebe hatte für das Volk Israel zur Zeit der Propheten, zur Zeit, als zum Beispiel das Nordreich in die Irre ging. Diese Liebe hat er tatsächlich gehabt, und diese Liebe hätte ausgereicht, wenn man sie angenommen hätte, wieder zurückzukehren.
[59:28] Lieber Freund, liebe Freundin, selbst wenn wir Gott den Rücken kehren und er eifersüchtig ist, diese Eifersucht ist immer noch der Beweis für uns, dass er uns wirklich liebt und wirklich wieder zurückhaben möchte.
[59:50] Wir haben die Beschreibung der Liebe Gottes in 1. Korinther 13 gelesen. Vielleicht wäre es interessant, einmal diese Verse noch einmal für sich alleine in einer stillen Minute zu reflektieren, durchzulesen. Gottes Namen einzusetzen und dann vielleicht auch mal seinen eigenen Namen mit der Frage: „Bin ich langmütig und gütig? Prale ich? Bäume ich mich auf? Bin ich unanständig? Bin ich so, wie es hier steht, dass ich nicht das Meine suche, mich nicht erbittern lasse, nicht das Böse zurechne?“ und so weiter. Denn Gottes Liebe, die ist nicht fern dort oben im Universum allein, sondern durch den Heiligen Geist, wie Römer 5 Vers 5 sagt, wird sie in unser Herz gegossen. „Die Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.“
[1:01:06] Lieber Freund, liebe Freundin, bist du Gott von Herzen dankbar, dass er dich lieb hat, dass er sich um dich sorgt und für dich da ist? Ich möchte ihm auch von Herzen danken, dass er barmherzig ist zu mir, dass er mich niemals aufgibt und dass er sich wünscht, dass ich wieder bei ihm bin. Ich habe mir vorgenommen, ich möchte dieses Mitgefühl und diese Liebe nicht enttäuschen. Ich möchte ihm glauben und seine Erlösung in Anspruch nehmen. Ich möchte seine Liebe lernen. Du auch? Dann lass uns gemeinsam beten.
[1:01:55] Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir heute sehen durften, wie sehr Du uns lieb hast. Danke, dass Dein Wort zu uns gesprochen hat. Herr, wir möchten Dich bitten, dass wir diese Liebe lernen, die Du für uns hast, dass wir dieses Mitgefühl und diese Barmherzigkeit in unserem Alltag wahrnehmen und durch das Anschauen Deiner Barmherzigkeit auch verwandelt werden in dasselbe Bild, das ja auch Mitgefühl und Geduld und Güte und Barmherzigkeit mit anderen Menschen haben. Das heißt, glückselig sind die Barmherzigen, sie sollen Barmherzigkeit erlangen. Herr, wir wünschen uns, dass wir Deine Gnade wirklich lernen, Deine Liebe lernen. Hab Dank, dass Du wie ein Vater, wie eine Mutter für uns bist, und hab Dank, dass mein Name, dass unsere Namen auf Deiner Hand stehen. Das alles bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[1:03:23] Nächste Woche wollen wir weiter studieren, was die Bibel uns über Gott und seinen Charakter, sein Wesen, offenbart. Bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.