[0:00] Hallo und herzlich willkommen. Wir sind froh, dass ihr euch wieder eingeschaltet habt zu einer weiteren Folge der Cannstatt Study Hour. Wir wollen uns heute auf das Gespräch, das Bibelgespräch am 29. Oktober vorbereiten. Es ist die fünfte Lektion in unserem großen Studienthema zum Buch Hiob und zum Leben Hiobs. Und das Thema heißt: "Verfluche den Tag".
[0:47] Und wie immer, wie es unsere Gewohnheit ist, möchten wir zu Beginn beten. Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir uns Zeit nehmen können, dein Wort zu studieren und bitten dich darum, dass du uns segnest durch deinen Heiligen Geist, dass du uns Weisheit schenkst, dass du uns Erkenntnis schenkst und dass das Thema vielleicht genau das ist, was uns heute ansprechen soll und auch in der Zukunft. Und so bitten wir dich, dass du uns auch dort vorbereitest, genauso wie für das Bibelgespräch. In deinem Namen bitten wir darum. Amen.
[1:21] Und dieses Thema, muss ich gestehen, war auch ein sehr schwieriges zu studieren, zumindest für mich. Wir haben uns ja mit den Kapiteln 3 und 7 hauptsächlich auseinandergesetzt und auch ganz kurz mit dem Kapitel 6 aus dem Buch Hiob. Und bevor wir in diese Kapitel einsteigen, möchte ich noch mal kurz ein paar wichtige Punkte herausgreifen, die vorher geschehen sind in Kapitel 1 und 2, die Vorgeschichte. Weil in Kapitel 3 fängt Hiob ja an, wirklich zu reden und zu klagen, diese Klage. Aber es gibt einige wenige Stellen, wo er auch schon davor redet, allerdings sehr wenige.
[2:10] Zum einen sehen wir das im Kapitel 1 und dort in Vers 21. Er hat gerade diese Hiobsbotschaften bekommen und da heißt es in Vers 21: "Ich bin nackt von meiner Mutterleibe gekommen, nackt werde ich wieder dahin fahren. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt." Also eine ganz, ganz kurze Äußerung von Hiob, die uns hier nun berichtet ist. Und in Vers 22, was ebenfalls sehr interessant ist, heißt es: "In diesem allen sündigte Hiob nicht und hat nichts Törichtes wie Gott."
[2:54] Und dann bekommt er ja diese schlimme Krankheit in Kapitel 2 und erneut spricht er danach. In Vers 10 heißt es, spricht er, und was ja eigentlich eine Antwort ist auf die Äußerung von seiner Frau. Ja, in Vers 9 hat sie gesprochen: "Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!" Und das war eigentlich genau das Gleiche, was Satan eben zu Gott gesagt hatte, dass früher oder später, wenn man genug Leid dem Hiob zufügt, wird er dir direkt ins Gesicht absagen. Und das wurde sicherlich auch angeleitet, diese Aussage von seiner Frau, durch denselben Geist.
[3:40] Und er antwortet, Hiob antwortet in Vers 10: "Er aber sprach zu ihr: Du redest wie die törichten Weiber reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?" Und wieder haben wir eine ganz, ganz kurze Aussage von Hiob, sehr prägnant. Und dann heißt es wieder: "In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen."
[4:01] Und ich fand es interessant, dass zweimal spricht Hiob als Antwort sozusagen auf diese schlimmen Tragödien, die er erlebt hat. Und zweimal wird gesagt: "Trotzdem sündigt er nicht." Und es wird sogar speziell auch beim zweiten Mal erwähnt: "Sündigt er nicht mit seinen Lippen." Und ja, in diesem Hintergrund sollten wir vielleicht dann auch dieses Kapitel 3 lesen, wo wir dann auf einmal, ja, Hiob wirklich das Schweigen bricht und sehr viel spricht. Und interessanterweise wird hinter diesen Aussagen nicht mehr gesagt: "In diesem allen versündigt er sich nicht", was vielleicht einfach mal im Hinterkopf zu behalten ist.
[4:50] Und am Ende von Kapitel 2 lesen wir dann auch von den Freunden, die dann gekommen sind und die mit ihm ja, sieben Tage eigentlich in Schweigen halten. Und er ist derjenige, der dieses Schweigen dann bricht. Und ein Punkt, bevor wir da noch einsteigen: Man sieht eigentlich in diesem ersten, ja, eineinhalb Kapiteln, kann man eigentlich sagen, nicht mal zwei Kapiteln, wie sich das Leben von Hiob direkt umdreht und diese schlimmen Tragödien einbrechen. Und es sind nicht nur wenige Verse, sondern es war auch in der Tat eine kurze Zeit, in der das alles passiert ist. Und das zeigt eigentlich, wie schnell diese heile Welt, könnte man sagen, von Hiob aus den Fugen geraten ist.
[5:35] Aber wir wissen, dass das Buch dann nicht nur noch ein, zwei Kapitel weitergeht, sondern wir haben dann sozusagen noch fast 40 Kapitel danach. Und das zeigt eigentlich, dass obwohl diese schlimmen Tragödien sozusagen vorbei sind, bis auf die Krankheit, die hat sich noch weitergezogen, und diese harten, ja, diese schlimmen Tragödien, die Satan eben über ihn hereingebracht hat, vorbei sind, trotzdem haben sie eine so große Auswirkung auf ihn. Und man sieht richtig, wie der Kampf von diesem, vom physischen Leid verlagert wird, ja, in das Herz von Hiob. Und er jetzt wirklich mit dieser Frage ringen muss: All diese Themen, wo wir auch schon teilweise in vorigen Lektionen gesehen haben: Ja, ist Gott gerecht? Ist es ein liebender Gott? Wie kann das sein?
[6:20] Und ja, das ist eigentlich für uns auch ein Beispiel vielleicht, oder zeigt uns zumindest: Physisches Leid ist eine Sache und Sünde ist eine Sache vielleicht. Aber die Auswirkungen dafür, die können ja verheerend sein. Und man braucht vielleicht, ja, etwas kann sehr schnell aus den Fugen geraten, aber es braucht sehr, sehr lange Zeit, um das aufzuarbeiten. Und da war wirklich ein großer emotionaler Kampf im Hiob, der da stattgefunden hat. Und wir beginnen mit diesen Kapiteln sozusagen, erst Kapitel 3, 6 und 7, diesen Kampf, den er da führen musste.
[7:03] So viel zum Anfang. Und wenn man dann dieses Kapitel 3 liest, ja, wie schon gesagt, stellt man sich vielleicht auch manchmal die Frage: Ist es eigentlich der gleiche Hiob? Ja, es startet in Vers 1: "Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag." Also es scheint so im Kontrast zu stehen und es geht dann auch so weiter zu dem, was wir von Hiob so gewohnt sind. Und vielleicht ist es uns da auch wichtig, im Hinterkopf zu halten, dass es jetzt so richtig das erste Mal ist, wo er sein Leid ausdrückt. Und irgendwann hat er dieses Schweigen dann halt gebrochen und fängt dann mit dieser Klage an.
[7:56] Und man kann das so ein bisschen aufteilen, dieses Kapitel. Also von Kapitel 3, Vers 1 bis 10 haben wir sozusagen die Beschwerde von Hiob, dass er geboren ist. Und dann von den Versen 11 bis 19 lesen wir davon, dass er sagt: Okay, er ist geboren, aber wäre es nicht besser gewesen, wenn er direkt bei der Geburt gestorben wäre. Und dann von Vers 21 bis zum Ende des Kapitels sehen wir, wie Hiob in seinem jetzigen Leben damit ringt und sagt: Ist es nicht besser, wenn ich zumindest jetzt sterbe. Ja, und so haben wir da eine Staffelung drin.
[8:36] In Vers 2, in Kapitel 1 lesen wir: "Und Hiob sprach." Und ich fand es interessant, die Freunde, die zu ihm gekommen sind, die haben ja dann auch das Schweigen danach gebrochen und haben viel über Gott gesprochen. Und vielleicht sind wir da auch schnell im Urteil, wenn wir dann über Hiob, was er dort sagt, wie kann er sowas sagen. Aber er hat immer noch mit Gott gesprochen. Er hat zu Gott gesprochen. Seine Freunde haben mehr über Gott gesprochen. Aber er war wirklich im Diskurs mit Gott. Und ja, das fand ich eine interessante Sache, die wir auch beachten möchten.
[9:19] Und wo er dann so angefangen hat, ja, in Vers 3: "Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt." Und er so seinen Tag, diesen Tag verflucht, seinen Geburtstag. Da kann ich mir vorstellen, da hat der Satan schon angefangen, sich die Hände zu reiben und gesagt: Ja, jetzt habe ich ihn gleich. Aber wie gesagt, Hiob hat sich mit Gott immer noch auseinandergesetzt. Und er hat vielleicht seinen Tag verflucht, aber er hat Gott nicht direkt verflucht. Er hat ihm nicht ins Angesicht direkt abgesagt, so wie es Satan vorhergesagt hat.
[10:08] Und ja, das können wir dann auch sehen in diesen Versen. Dann heißt es weiter, wenn wir mal bis Vers 10 lesen: "Jener Tag soll finster sein und Gott droben frage nicht nach ihm. Kein Glanz soll über ihm scheinen. Finsternis und Dunkel sollen ihn überwältigen. Und düstere Wolken über ihm bleiben und Verfinsterungen am Tage mache ihn schrecklich. Jene Nacht, das Dunkel nehme sie hinweg. Sie soll sich nicht unter den Tagen des Jahres freuen, noch in die Zahl der Monde kommen. Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin. Es soll sie verfluchen, die deinen Tag verfluchen können und die da kundig sind, den Leviathan zu wecken. Ihre Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, doch es komme nicht. Und sie sehe ich nicht die Wimpern der Morgenröte, weil sie nicht verschlossen hat den Leib meiner Mutter und nicht verborgen das Unglück vor meinen Augen."
[11:04] Wenn wir das lesen, sehen wir die tiefe Verzweiflung, in der Hiob sich befand. Und in diesen Kapiteln ist wirklich sehr, sehr, sehr wenig Hoffnung zu finden. Und er klagt darüber und denkt sich so: Wäre es nicht besser, wenn ich tot wäre, wenn ich gestorben wäre. Und das erinnert uns vielleicht an einige in der Bibel, von denen das auch berichtet wird. Und im Laufe des Studiums werden uns auch immer hier und da Aussagen von diesen Leuten über den Weg laufen.
[11:43] Einer wäre zum Beispiel Jona. Und wenn wir in Jona Kapitel 4 lesen, da lesen wir auch die Verzweiflung, aus der Jona gesprochen hat und sich eigentlich gewünscht hat: Ist es nicht besser, ist es nicht besser, dass ich tot bin? In Kapitel 4 Vers 1 heißt es: "Das aber verdross Jona sehr und er war zornig und betete zum Herrn und sprach: Ach Herr, das ist ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war, weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte. Denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. So nimm nun her meine Seele von mir, denn ich möchte lieber tot sein als leben." Also Jona hat auch diesen Wunsch geäußert. Sicherlich war die Ausgangslage eine andere. Für ihn war Gott zu gnädig und er wünscht sich den Tod.
[12:37] In Vers 4 heißt es: "Aber der Herr sprach: Meinst du, dass du mit Recht zürnst?" Und Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte. Darunter setzte er sich in den Schatten, bis er sehe, was der Stadt widerfahren würde. Ja, dieses Schattenspenden kommt uns auch später im Hiob noch mal vor. Sehen wir noch mal.
[13:00] Dann heißt es: "Gott der Herr aber ließ eine Staude wachsen, die wuchs über Jona, dass sie Schatten gebe seinem Haupt und ihm Hilfe von seinem Unmut. Und Jona freute sich sehr über die Staude, aber am Morgen, als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen, der stach die Staude, dass sie verdorrte. Als aber die Sonne aufgegangen war, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen und die Sonne stach Jona auf den Kopf, dass er matt wurde. Da wünschte er sich den Tod und sprach: Ich möchte lieber tot sein als leben." Und also er wünschte sich noch mal den Tod und Gott sagt noch mal: "Meinst du das mit Recht?" Und wir sind froh, dass er diese Gebete, diese Wünsche nicht erhört hat.
[13:38] Eine andere Stelle, die vielleicht ein ähnliches Leid hat wie Hiob, in den 2. Samuel 19, da lesen wir von König David, als sein Sohn Absalom gestorben war, heißt es: "Der erbebte der König und ging hinauf in das Obergemach des Tores und weinte und dem Gehen rief er: Mein Sohn Absalom, mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben, o Absalom, mein Sohn, mein Sohn!"
[14:18] Und ja, noch eine Person ist vielleicht Jeremia, der sogar fast die gleichen Worte verwendet hat, wie der Hiob in Jeremia 20, um mal drei Personen zu nennen, die auch in einem, zumindest in dem gleichen Punkt waren, dass sie gesagt haben: Wären sie doch lieber gestorben. In Kapitel 20 Vers 14 von Jeremia, da heißt es: "Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin." Also die gleiche Redewendung: "Der Tag soll ungesegnet sein, an dem ich meine Mutter geboren hatte." Und bei Jeremia war das so, dass er eben diese, wir haben es auch schon mal, ich glaube vor drei, vier Quartalen studiert, dass er eben immer diese schlechte Botschaft bringen musste und deswegen auch sehr viel Leid erfahren hat, durch die, die diese Botschaft eben gehört haben. Und so wünscht er sich dann, lieber gestorben zu sein und verflucht sogar den Tag.
[15:15] Und das zeigt zum einen, dass in dieser Zeit hat Gott ja immer zugehört. Er hat nicht diese Gebete direkt erhört, er hört, aber er zugehört und hat sie auch nicht zum Schweigen gebracht, wenn sie diese Aussagen gemacht haben. Und das zeigt auch, dass Gott auch in einer gewissen Weise auch zulässt und weiß, in welcher Situation wir uns gerade befinden und auch dementsprechend reagiert, wenn wir in dieser emotionalen Lage auch Dinge sagen, die wir sonst so nicht sagen würden.
[15:59] Und im Gegenteil ist er sogar froh, wenn wir in dieser Situation mit entsprechend einem Psalm 50 lesen: "Rufe mich an in der Not." Das heißt, Gott möchte, dass wir in dieser Notzeit auch zu ihm kommen. Und ja, wenn wir zurück zum dritten Kapitel gehen und wir so die Klage anschauen, in der sich der Hiob gerade befindet und wie er äußert, kann man sich eigentlich vorstellen, dass, wenn man ihn so in den vorigen Kapiteln betrachtet hat, dass er, er war reich und es wurde ihm genommen, aber ohne diesen Reichtum hätte er sicherlich immer noch gut leben können, hat er immer noch seine Freude behalten.
[16:55] Aber ich glaube, das, was ihn wirklich zu schaffen gemacht hat, ist eben auch nicht nur seine Gesundheit, sondern eben, dass er seine Kinder, seine eigenen Kinder verloren hat und zwar nicht nur ein paar und nicht nur eins, sondern alle. Und dementsprechend war er wirklich in einer Situation, wo sich, ich würde sagen, sehr wenige Leute mit identifizieren können. Und das Lektionsheft hat es auch angedeutet, wir wollen uns auch in diesem Studium mit Hiob beschäftigen und versuchen zu verstehen, wie es ihm ging. Aber wir können, ich glaube, wir können einfach nicht so verstehen, wie es ihm wirklich ging.
[17:39] Und ich glaube, deswegen sagt er dann auch in Kapitel 6, Vers 1 oder Vers 2: "Wenn man doch meinen Kummer wegen und mein Leid zugleich auf die Waage legen wollte. Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer, darum sind meine Worte noch unbedacht." Sieht man eigentlich, welche Verzweiflung er hatte. Sicherlich stimmt das nicht, was er gesagt hat. Sicherlich ist es nicht so schwer wie der Sand, wie jeder Sand. Aber er hat sich so gefühlt. Und ich glaube, das ist auch ein wichtiger Punkt, dass die Realität und die Vernunft manchmal dann auch ein bisschen verdreht ist, wenn man in so einem schwierigen Schicksalsschlag ist. Und er merkt es ja auch selber. Er sagt: "Meine Worte sind noch unbedacht."
[18:26] Wenn man dann weiterliest in Kapitel 3 von den Versen 11 bis 18, da heißt es: "Warum bin ich nicht gestorben bei meiner Geburt? Warum bin ich nicht umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam? Warum hat man mich auf den Schoß genommen? Warum bin ich an den Brüsten gesäugt? Dann läge ich da und wäre still und schliefe ich und hätte Ruhe. Mit den Königen und Ratsern auf Erden, die sich Krüfte erbauten oder mit den Fürsten, die Gold hatten und deren Häuser von Silber waren. Wie eine Fehlgeburt, die man verscharrt hat, hätte ich nie gelebt, wie Kinder, die das Licht nie gesehen haben. Dort haben die Gottlosen aufgehört mit Hoben. Dort ruhen die, die viel Mühe gehabt haben. Da haben die Gefangenen allesamt Frieden und hören nicht die Stimme des Treibers."
[19:12] Also er drückt es sehr poetisch aus, was ihm hier passiert. Aber ich glaube, ein Thema kommt sehr stark durch. In Vers 13 lesen wir von der Ruhe, in Vers 17 lesen wir von der Ruhe, in Vers 18 lesen wir von dem Frieden. Hiob wollte wirklich Frieden haben und aus diesem emotionalen Kampf, dieser Kampf, der sich jetzt in sein Herz verlagert hat, hatte er noch größeres Bedürfnis nach Frieden und nach Ruhe.
[19:40] Und in Vers 11 haben wir gelesen, ja, das, also eigentlich durchs ganze Kapitel lesen wir, dass er sehr ungeduldig wirkt und dass er sich nicht gefühlt hat, als ob er viel Geduld hat. Und dennoch hat er es geduldig ertragen. Aber das Schlimme ist eigentlich, dass er sich so ein bisschen an diesem Gedanken festfährt. Ich habe schon diese Struktur aufgeklärt. Zum Ersten sagt er: Besser wäre es, ich wäre nicht geboren. Oder dann: Ich wäre zumindest bei meiner Geburt gestorben. Und er vertieft sich in diesen Gedanken des Todes. Und dass man Ruhe findet im Tod.
[20:34] Und in gewisser Weise ist das richtig, aber das ist eigentlich, was Gott nicht möchte, dass wir uns den Tod herbeisehen und dass wir die Ruhe herbeisehen im Tod, sondern dass wir uns diese ewige Ruhe herbeisehen. Aber Hiob hat wirklich schwer zu kämpfen. Und dieser Tod beschäftigt ihn mit der Vergänglichkeit.
[21:03] In Kapitel 7, wenn ich kurz springen kann zu Kapitel 7, da lesen wir das in Vers 7: "Bedenke, dass mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nichts wieder Gutes sehen werden. Und kein lebendiges Auge wird mich mehr schauen. Sehen deine Augen nach mir, so bin ich nicht mehr. Eine Wolke vergeht und fährt dahin, so kommt nicht wieder herauf, wer zu den Toten hinunterfährt." Also dieses Thema mit Tod und Vergänglichkeit, ja, nur ein Hauch zu sein, das beschäftigt ihn sehr.
[21:36] Und auch Jakobus, im Jakobus wird dieses Thema aufgegriffen. Und dort in Kapitel 4, wo auch diese Vergänglichkeit zum Ausdruck kommt. Jakobus Kapitel 4 und dort in Vers 14, da heißt es: "Und wisst, was morgen sein wird, und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet." Also genau dieses Thema, der Hauch oder der Rauch, dieses Vergängliche.
[22:32] Und in Vers 15 heißt es: "Dagegen sollt ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun." Im Prinzip, so hart es klingt, diese Vergänglichkeit, diese Kurzfristigkeit, könnte einem eigentlich auch in einem Moment der Trauer helfen. Weil man eben dann vor Augen geführt bekommt, und hier hat sich diese Gedanken gemacht, dass das Leid eigentlich nur eine kurze Zeit ist und dass nicht nur das Leben vergänglich ist, sondern auch der Schmerz, der leider oft empfunden wird, vergänglich ist. Und so können wir auch, wenn wir uns dessen bewusst sind, aus diesen Situationen ja trotzdem Hoffnung finden.
[23:19] Es zeigt uns, dass die Dinge, mit denen wir täglich zu kämpfen haben, nicht ewig sind und dass wir vielleicht manchmal nicht so fühlen in dieser Situation, aber dass wir uns daran erinnern, dass diese Probleme vergänglich sind. Und der Glaube ist ja nicht nur ein Gefühl. In 2. Korinther 4 heißt es in Vers 16: "Darum werden wir nicht müde, sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert."
[24:13] Wenn uns Dinge beschäftigen und externe Probleme uns versuchen niederzudrücken, dann dürfen wir nicht müde werden, weil wir sehen, dass es eine Möglichkeit ist, oder dass wir trotzdem in dieser Lage, dass das Innere erneuert werden kann, dass Gott uns erneuern möchte. In Vers 17 heißt es: "Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit." Das heißt, genau dieser Gedanke, dass auch das Leid vergänglich ist und dass es uns hilft, eben in dieser Zeit nicht müde zu werden, obwohl es extrem schwierig ist in dieser Situation und wir uns manchmal gar nicht so fühlen.
[25:03] Wir brauchen diesen Glauben, von dem wir auch wissen, dass er sich nicht auf das Sichtbare beschränkt, sondern auf das Unsichtbare, auf die Ewigkeit. Und so sehen wir, dass die Realität, in der wir uns vielleicht jetzt befinden, wenn es eine missliche und schwierige Situation ist, dass auch die Ewigkeit eine Realität ist, an die wir durch den Glauben denken dürfen.
[25:25] Wenn wir zurück zu Kapitel 3 gehen im Buch Hiob, da heißt es in Vers 20: "Warum gibt Gott das Licht den Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen?" Und der Punkt, den er hier macht, ist eigentlich, wenn es mir schlecht geht, habe ich immer noch das Gefühl, dass Gott mir die Taschenlampe kommt und dann genau dorthin zeigt. Wieso gibt der Licht den Mühseligen? Wieso muss man sein eigenes Elend noch genauer sehen?
[25:57] Und ein gleiches Prinzip sehen wir auch im Gesetz. Paulus hat sich viel damit beschäftigt. Wenn das Gesetz weg ist, geht es uns dann vielleicht nicht sogar besser? Dann haben wir keinen Spiegel, der uns zeigt, wie schlecht wir sind. Und trotzdem möchte Gott uns darauf hinweisen, nicht weil er unseren Zustand, unseren elenden Zustand so schön findet, sondern weil er eben uns etwas Besseres zeigen möchte, dass es einen Ausweg gibt aus diesem Zustand. Und so ist das Licht nichts Schlechtes.
[26:34] In Johannes 3, eine sehr bekannte Stelle, Vers 20 heißt es: "Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, dass seine Werke nicht aufgedeckt werden." Man möchte nicht, dass das Elend aufgedeckt wird. Aber im Fall von Hiob hat er nicht mal gesündigt oder war sich keiner Sünde bewusst. Und dann ist es natürlich noch schwieriger, damit zu kämpfen, wenn man dann trotzdem Leid erfährt. Wir kommen nachher noch mal zu diesem Thema.
[27:11] In Vers 23 sehen wir auch einen Gedanken, der oft Menschen bewegt, die in elenden und schlimmen und tragischen Situationen sich befinden. Da heißt es: "Dem Mann, dessen Weg verborgen ist, dem Gott den Pfad ringsum verzeugt hat." Und so stellt er sich die Frage: Was passiert hier eigentlich mit mir? Und er sieht den Weg nicht mehr. Für ihn ist der Weg verborgen. Und trotzdem hörte Hiob nicht auf, an ihn zu glauben. Aber er fing an zu glauben, dass Gott nicht mehr an ihn glaubt. Und dass er keinen Plan mehr für ihn hat, dass es keinen Weg mehr für ihn gibt. Und dass diese schlechte Situation doch jetzt lieber beendet sein sollte, durch seinen Tod.
[28:06] Und obwohl er dort in diesem Moment keine Antwort gefunden hat, wissen wir, wenn wir dieses Buch bis zu Ende lesen, dass es eine sogar sehr wichtige Antwort gab auf diese Frage, die er gestellt hat. Dass man sehen hat, dass Hiobs Situation sogar mehrere Antworten auf wichtige Fragen gegeben hat. So war seine Situation ein Beispiel dafür, wie Satans Herrschaft aussieht. Sie war auch ein Beispiel dafür, dass Gott sich durch rechtschaffende Menschen rechtfertigen lässt.
[28:44] Sie war ein Beispiel für all die Welten und Engel, die zugeschaut haben. Und vor allen Dingen war es auch für uns persönlich immer wieder ein Beispiel, zu dem wir zurückkommen können, wenn wir sehen, wenn es uns schlecht geht und dann sehen, wie Hiob gelitten hat. Und dann auf das Ende sehen, im letzten Kapitel, was wir dann auch schon am Anfang der Lektion, in der ersten Lektion betrachtet haben und auch am Ende nochmal sehen dürfen.
[29:19] Und so gibt es, obwohl er in dieser Situation keine Antwort hat, doch eine Antwort. Und Gott hat die Antwort schon zu diesem Zeitpunkt. Später lässt er ihn sogar daran teilhaben. Aber oftmals kann es sogar sein, dass wir in unserem Leben vielleicht nicht alle Antworten bekommen auf unsere Fragen. Vor allen Dingen in dem Leid fällt es uns sehr schwer. Aber wir dürfen Gott vertrauen und er wird uns mit Sicherheit in der Ewigkeit Antworten zeigen.
[29:47] In Vers 25, 26 heißt es dann: "Was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen und wovor mich graute, hat mich getroffen." Er hat sich schon teilweise Gedanken gemacht, was kommen könnte. Und dann ist es sogar gekommen. Und das Elend. Vielleicht auch eine Referenz zu der Tatsache, dass er für seine Kinder geopfert hat, weil er Angst hatte, vielleicht haben sie etwas gemacht und dass ihm etwas Schlimmes passieren konnte. Und dann ist es trotzdem passiert.
[30:25] Und in Vers 26 heißt es: "Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe. Da kam schon wieder ein Ungemach." Auch diese Sequenz, in der das Unheil auf ihn eingestürmt ist, hat ihn wirklich sehr schwer zu schaffen gemacht. Und Kapitel 6 hatten wir vorhin schon den Anfang angesprochen. Kapitel 6 und 7 sind ja eine Antwort auf die Rede von Eliphas, der erste Freund, der angefangen hat zu sprechen. Und viele sagen ja auch, viele Kommentatoren sagen, dass die Freunde auch lieber hätten schweigen sollen. Weil was er im Prinzip gesagt hat, Eliphas, ist: Das ist eigentlich mit Recht passiert. Dass es dir schlecht geht, wundere dich darüber nicht. Das musste er so kommen.
[31:20] Und in der Situation, in der er sich hier befindet, ist es natürlich kein sehr schöner Freund. Und in der nächsten Lektion werden wir uns mehr mit den Freunden auch auseinandersetzen. Und in Kapitel 7 heißt es in Vers 1: "Muss nicht der Mensch immer im Dienst stehen auf Erden und sind seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners?" Dieser Dienst steht vom Urtext her auch im Zusammenhang mit dem Militärdienst. Und auch der Dienst des Tagelöhners passt dazu, dass er sich in einer Situation befindet, wo er eigentlich gar nicht sein möchte. Dass er da unfreiwillig drin ist, dass er den ganzen Tag eigentlich nur leidet, schuftet. Und am Ende geht es ihm doch schlecht. Er ist sozusagen nicht mehr sein eigener Herr.
[32:11] In Vers 2 heißt es: "Wie ein Knecht sich sehnt nach dem Schatten. Und ein Tagelöhner auf seinen Lohn wartet." Ja, wir hatten es schon angesprochen über Jona, der auch in dem Schatten dieser Staude saß. Und Gott wollte ihm eigentlich etwas zeigen. Gott wollte ihm zeigen, wie gut Gott eigentlich ist, wie gut er ist. Und dass er sich kümmert. Und dass er eigentlich diesen Schatten spenden möchte.
[32:42] Weiter heißt es in Kapitel 7 in Vers 4: "Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Wann werde ich aufstehen? Bin ich aufgestanden? So wird mir es lang bis zum Abend. Und mich quälte die Unruhe bis zur Dämmerung." Ja, also er hat dann natürlich mit mangelndem Schlaf zu kämpfen gehabt.
[33:02] In Johannes 11 lesen wir auch über den Schlaf. In Vers 12, da ist von Lazarus die Rede. Und dann sprachen seine Jünger: "Herr, wenn er schläft, wird es besser mit ihm." Ja, also wir wissen, wenn man schläft, dann wird vieles besser. Selbst nicht nur Krankheiten und so weiter, sondern auch wenn man einfach, man sagt ja auch, man schläft mal eine Nacht drüber und dann geht es einem am nächsten Tag schon besser. Aber selbst damit hat er hier zu kämpfen, weil er einfach nicht schlafen konnte. Und dementsprechend ging es ihm immer schlechter. Und gesundheitlich hatte er auch immer noch mit dieser Krankheit zu kämpfen.
[33:54] In Vers 5 heißt es: "Mein Fleisch ist um und um eine Beute des Gewürms und faulig. Meine Haut ist verschrumpft und voller Eiter." Und diesen Text würde ich gerne auch im Vergleich lesen zu Psalm, Kapitel 38. Und dort in Vers 6, da heißt es: "Meine Wunden stinken und eitern um meiner Torheit willen." In Vers 5 heißt es: "Denn meine Sünden gehen über mein Haupt. Wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden."
[34:25] Das heißt, auf der einen Seite, und David ist es, der das hier schreibt, auf der einen Seite sehen wir das Elend aufgrund von Sünde. David hat gesündigt und aufgrund dessen geht es ihm so schlecht. Bei Hiob war es so, wissen wir, dass Satan derjenige war, der diese Krankheiten verursacht hat. Also Hiob hat nicht direkt gesündigt und dann diese Krankheit bekommen.
[34:52] Und da ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt drin versteckt, dass wir nicht diesen Umkehrschluss machen dürfen. Mir geht es schlecht, vielleicht bin ich krank und irgendwo muss ich gesündigt haben und irgendwo muss ich doch falsch was gemacht haben und deswegen geht es mir schlecht. Es stimmt, dass Sünde zur Folge hat, dass es uns schlecht geht, aber es muss nicht heißen, dass wenn es uns schlecht geht, dass wir gesündigt haben.
[35:17] Und das ist für uns persönlich, aber auch vor allen Dingen, wenn wir mit Mitmenschen reden, zum Beispiel beim Thema Gesundheit. Wenn wir sehen, es geht den Menschen schlecht und dann anfangen über sie zu urteilen und sagen: Ja, du hast das, das, das, das falsch gemacht. In der Situation, in der sie sich gerade befinden und vielleicht auch emotional dadurch viel durchmachen, ist es natürlich nicht hilfreich, wenn sie dann solche Sachen an den Kopf geworfen bekommen. Und es ist möglich, dass es vielleicht so ist, dass sie sich falsch verhalten hatten und dass ihre Gesundheitszustand aufgrund von falscher Verhaltensweise ist. Es muss aber nicht sein und deswegen sollte man da auch aufpassen.
[36:08] Und das lässt sich natürlich auf viele Bereiche übertragen. Wir sollten, ja, viel Leid passiert einfach aufgrund der Sünde, die in die Welt gekommen ist, aber vielleicht nicht aufgrund der persönlichen Verfehlungen, die man gemacht hat. Und dementsprechend sollten wir auch ja, sensitiv mit den Menschen umgehen.
[36:33] Weiter in Kapitel 7 in Vers 6 heißt es: "Meine Tage sind schneller dahin geflogen als ein Weberschiffchen und sind vergangen ohne Hoffnung." Also wieder dieser Gedanke der Vergänglichkeit. Und eine weitere Person, die sich auch eben damit beschäftigen musste, war der König Hiskia. Und das lesen wir in Jesaja 38, wo auch von dem Weber gesprochen wird. Das ist also ein Bild auch für das Vorbeirauschen des Lebens.
[37:13] Kapitel 38 und dort vor Vers 12 heißt es: "Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie ein Hirtenzelt. Zu Ende gewebt habe ich mein Leben wie ein Weber. Er schneidet mich ab vom Faden. Tag und Nacht gibst du mich preis." Und wir wissen, dass Hiskia darum gebeten hat, dass ihm noch was hinzugefügt wird an Lebenszeit. Und Gott hat diesen Wunsch nachgegeben, aber so richtig zum Segen ist es ihm nicht geworden. Und das spielt wieder in diesen Gedanken mit. Manchmal kann es auch besser sein, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass auch das Leid vergänglich ist zusammen mit unserem Leben. Und dass wir aber eine Hoffnung haben auf eine ewige Ruhe.
[38:00] In Psalm 4 Vers 7 heißt es: "Wer wird uns Gutes zeigen?" Und Gott gibt uns die Antwort darauf, dass er es ist. Und im Glauben dürfen wir in diesen schlechten Zeiten auch darauf sehen, dass er uns das Gute zeigt, nämlich die Zukunft.
[38:15] Zurück in Hiob Kapitel 7, dort Vers 16 heißt es: "Ich vergehe, ich lebe ja nicht ewig. Lass ab von mir, denn meine Tage sind nur noch ein Hauch." Also dieses Thema hat ihn wirklich beschäftigt. Und er drückte diesen Wunsch aus, zu sterben. Er war lebensmüde sozusagen. Und eingangs haben wir schon ein paar Personen besprochen, aber eine hatten wir noch nicht genannt. Und das war der Elia.
[38:53] In 1. Könige 19 lesen wir davon. Und das zeigt uns eigentlich, dass selbst gottesfürchtige Männer, die zu gewissen Zeitpunkten wirklich sehr, sehr nah bei Gott waren, doch auch zur Verzweiflung kommen können. In 1. Könige 19 Vers 4 heißt es: "Er aber ging hin, also Elia, in die Wüste, eine Tagesreise weit, und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun her, meine Seele, ich bin nicht besser als meine Väter." Und das war erst kurz darauf, wo er Gott kennengelernt hat, seine Macht, in Kapitel 18.
[39:51] Und trotzdem waren beide, Hiob und Elia, nicht davor geschützt, diese Gedanken zu bekommen. Aber glücklicherweise hat Gott diese Gebete nicht erhört, sondern hat sich um beide gekümmert.
[40:09] In Hiob 7, wenn wir weitergehen, in Vers 17 heißt es: "Was ist der Mensch, dass du ihn groß achtest und dich um ihn bekümmerst?" Und ein Thema war ja, Hiob hatte keine Antworten darauf, wieso es geschieht. Und eine Sache ist sicherlich, wenn wir Psalm 8 lesen und David hier genau dieses Thema aufgreift: Was ist der Mensch? Und er aber daraus eigentlich ein Loblied stimmt, sieht man eben, dass auch das Leid Hiobs für viele Menschen ein Stück weit eine Inspiration war, dass sie selber mit diesem Leid umgegangen sind. Und so hat David dann eben dieses Loblied angestimmt, mit denselben Worten eigentlich am Anfang. Hiob hatte aber trotzdem, er war noch nicht an diesem Punkt, wie es David war.
[41:11] Und in Vers 20 lesen wir auch einen weiteren Punkt, den viele Menschen auch haben, wenn es ihnen schlecht geht. Es ist in Vers 20, in Kapitel 7: "Habe ich gesündigt? Was tue ich dir damit an, du Menschenhüter? Warum machst du mich zum Ziel deiner Anläufe, dass ich mir selbst eine Last bin?" Und Hiob hat angefangen, oder hat auch schon davor, hier wird es nur sehr deutlich, zu sagen: Okay, das Leid kommt von Gott. Und obwohl Satan war, der all dieses Unheil über Hiob gebracht hatte, war Hiob der Meinung, dass es von Gott kommt. Und das ist natürlich sehr tragisch dann.
[42:14] Auf der anderen Seite sehen wir auch: "Habe ich gesündigt", heißt es hier, "was tue ich dir damit an, du Menschenhüter?" So nach dem Motto, diese kleine Sünde vielleicht, könnte man das so deuten, diese kleine Sünde, die hat doch eigentlich gar keine so große Auswirkung. Und eigentlich tue ich dem großen Gott mit meiner kleinen Sünde, ich als kleiner Mensch, doch eigentlich gar nichts an. Und da ist eben deutlich, macht die Bibel auch deutlich, dass die Sünde eben doch so eine große Auswirkung hat. Genauso wie sie am Anfang bei Satan eben diese große Auswirkung hatte, dass der ganze Himmel in Aufruhr gekommen ist, so ist dieser Gedanke der Sünde eben immer gegen das Gesetz Gottes.
[43:00] Und obwohl es noch so ein kleiner Gedanke sein kann, und wir meinen, wir sind nur so kleine Menschen, hat es doch große Auswirkungen. Und das sehen wir eben hier ganz deutlich. Und der andere Punkt ist auch noch, dass er sagt: Wieso machst du gerade mich zum Ziel davon? Und ich glaube, das ist auch was, wenn man in so einer Situation ist, dann schnell kommt als Gedanke, dass es gerade mir so schlecht geht und dass keiner wirklich sich in meine Lage versetzen kann.
[43:39] Was ja auch stimmt. Keiner kann sich in deine Lage versetzen von den Menschen, die um dich versammelt sind. Und sie können viel sagen in dem Moment und versuchen, dich zu trösten. Aber so richtig versteht dich keiner. Aber es gibt eine Ausnahme und an die müssen wir uns in so einer Zeit erinnern. Und davon lesen wir in Hebräer Kapitel 4 und dort in Vers 14.
[44:26] Heißt es: "Weil wir denn einen großen, hohen Priester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohen Priester, der nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde." Auch wenn es Menschen gibt, die dich nicht verstehen können und es genau gesagt keinen gibt, der dich verstehen kann, so gibt es Jesus, der das kann. Und er hat mit dir gelitten in jeder deiner Schwachheit und ist versucht worden in allem wie wir.
[45:06] Und wenn wir das lesen, dann dürfen wir auch sagen: "Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben." Das heißt, genau in diesen Situationen, wo es uns schlecht geht, sollten wir uns daran erinnern, dass Gott uns immer versteht und dass er uns nicht nur versteht, sondern dass er auch die gleichen Leiden durchgemacht hat und uns deswegen versteht wie kein anderer.
[45:37] Und aus diesem Grund lesen wir auch in Römer Kapitel 8 und dort in Vers 26: "Desgleichen hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf, denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen." Wieso kann der Geist uns mit unaussprechlichem Seufzen vertreten? Weil er genau weiß, wie es uns geht, weil er weiß, was wir fühlen. Und selbst, wenn wir selber nicht mal in der Lage sind, uns auszudrücken vor Gott und unsere Schwachheit vor ihn legen, so können wir sicher sein, dass er uns vertritt.
[46:31] Und dass Gott genau weiß, in was für einer Situation wir uns befinden und wie es uns geht und wie es uns ja, vor allem auch wie es unserem Herzen geht. Und so haben wir gesehen, dass hier einer von vielen Menschen war, dessen Leben sich auch radikal verändert hat zum Schlechten. In sehr kurzer Zeit. Josef ist ein Beispiel. Er war der Sohn eines wohlhabenden Mannes und auf einem Schlag war er in einer Grube gelandet. Dann war er in einem Haus als Sklave gelandet und dann hatte man kurz vielleicht den Anschein, dass es ihm wieder besser geht und dann ist er ins Gefängnis gegangen oder ist ins Gefängnis geworfen worden.
[47:20] Und trotzdem sieht man dann, wenn man das weiterverfolgt, was Gott eigentlich bewirkt hat. Und wir sehen das auch in Daniel. Auch er wurde gefangen genommen. Und so gab es auch viele Menschen, die ähnlich wie Hiob, dessen Leben sich radikal verändert hatte, die aber trotzdem geduldig blieben und wussten, dass Gott etwas Besseres für sie vorbereitet hat.
[47:41] Und ich möchte dieses Studium mit einem Zitat, ein bisschen längeres Zitat abschließen aus dem Buch "Propheten und Könige". Und ich lese dort ab Seite 114, das genau diese Thematik anspricht. Da heißt es: "Zur Erfahrung eines jeden gehören Zeiten bitterer Enttäuschung und tiefste Entmutigung. Tage, in denen Leid des Menschen los ist und man kaum zu glauben vermag, dass Gott noch immer der gütige Wohltäter seiner irdischen Kinder ist. Tage, da Sorgen die Seele beunruhigen, bis es scheint, als sei der Tod dem Leben vorzuziehen. Dann verlieren viele ihren Halt an Gott und geraten in die Sklaverei des Zweifels, in die Knechtschaft des Unglaubens. Könnten wir aber in solchen Zeiten mit geistlichem Scharfblick wahrnehmen, welches Ziel Gottes Fügungen haben, dann sehen wir, wie Engel sich bemühen, uns vor uns selbst zu bewahren und wie sie danach trachten, unsere Füße auf eine Grundlage zu stellen, die festgefügter ist als die ewigen Hügel. Neuer Glaube und neues Leben würde entstehen."
[48:58] "Der treue Hiob erklärte am Tag seiner Trübsal und Finsternis: 'Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin. Wenn man doch meinen Kummer wägen und mein Leiden zugleich auf die Waage legen wollte, könnte meine Bitten doch geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe, dass mich doch Gott erschlagen wollte und seine Hand ausstreckte und mit den Lebensfaden abschnitte. So hätte ich noch diesen Trost.' Obgleich Hiob lebensmüde war, durfte er doch nicht sterben. Ihm wurden die Möglichkeiten der Zukunft gezeigt und die Botschaft der Hoffnung wurde ihm gegeben. Dann würdest du festgegründet und ohne Furcht dastehen. Dann könntest du der Gemüse vergessen und würdest daran denken, wie an ein Wasser, das zerrinnt. Heller als der Mittag stünde dann dein Leben da und seine Schatten wären so hell wie der Morgen. Dann magst du Vertrauen hegen, weil du Grund zur Hoffnung hast. Du kannst lagern und niemand wird dich erschrecken. Ja, viele werden dich umwerben, die Augen der Gottlosen erlöschen. Ihre Zuflucht geht verloren und ihre Hoffnung ist ihr letzter Atemzug." Das lesen wir später im Buch Hiob in Kapitel 11 und es geht weiter.
[50:02] "Hoffnung und Mut sind unerlässlich für einen uneingeschränkten Dienst für Gott. Sie sind eine Frucht des Glaubens. Verzagtheit ist sündhaft und unvernünftig. Gott ist imstande und auch bereit, seinen Knechten überschwänglich die Kraft zu gewähren, deren sie in Prüfungen und Anfechtungen bedürfen. Es mag so scheinen, als seien die Pläne der Feinde seines Werkes gut gelegt und fest abgesichert. Doch Gott selbst kann die stärksten Pläne zunichte machen. Er tut dies zu seiner Zeit und auf seine Weise, wenn er sieht, dass der Glaube seiner Knechte hinlänglich erprobt ist. Für die Entmutigungen gibt es ein sicheres Heilmittel: Glaube, Gebet und Arbeit. Glaube und Tätigkeit verleihen Zuversicht und Zufriedenheit, die sich von Tag zu Tag steigern werden."
[50:51] "Bist du geneigt, trüben Vorahnungen oder völliger Niedergeschlagenheit freien Lauf zu lassen? Fürchte dich nicht, auch nicht in den dunkelsten Tagen, wenn alles äußerst bedrohlich erscheint. Glaube an Gott. Er weiß, was du brauchst. Er verfügt über alle Macht. Seine unendliche Liebe und seine Barmherzigkeit erlahmen nie. Fürchte nicht, dass er versäumen könnte, seine Verheißungen zu erfüllen. Er ist die ewige Wahrheit. Niemals wird er den Bund ändern, den er mit denen gemacht hat, die ihn lieben. Er wird seinen treuen Dienern so viel Leistungsfähigkeit verleihen, wie sie brauchen."
[51:26] "Der Apostel Paulus hat bezeugt: 'Er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten und Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.' Das lesen wir in 2. Korinther 12, Verse 9 und 10."
[51:50] Obwohl es mir schlecht geht in manchen Situationen meines Lebens vielleicht, so kann Gott doch immer etwas tun. Er kann uns im Inneren erneuern und diese Situation, wie wir mit diesen Leitsituationen auch umgehen, ist entscheidend, wie sich unser weiteres Leben entwickeln wird. Viele haben in dieser Situation von Gott abgelassen, aber viele haben auch noch stärker zu Gott gefunden.
[52:23] So möchte ich dich fragen, ob du Gott einladen möchtest, selbst in deinem Leben, wenn es mal nicht so gut läuft, vor allen Dingen im Leid und im Schmerz, ihm zu vertrauen. Manchmal sehen wir den Weg nicht mehr. Manchmal bekommen wir auch nicht alle Antworten auf unsere Fragen. Gerade in diesen Situationen wünschten wir das uns vielleicht. Aber so können wir doch sicher sein, auch am Beispiel Hiobs, dass es sich lohnt, geduldig zu sein und das mit der Kraft Gottes durchzustehen. Und dass wir sicher sein können, dass er in dieser Situation, wo wir schwach sind, dass er uns doch Stärke verleihen kann.
[53:06] Und wenn das dein Wunsch ist, lade ich dich jetzt ein, mit mir zu beten. Vater im Himmel, wir danken dir dafür, dass du in deinem Wort nicht nur immer die schönen Seiten aufgezählt hast, sondern dass du uns auch zeigst, wie Menschen leiden mussten und wie sie damit umgegangen sind. Und uns so auch ein Beispiel gibst und dass wir sehen, dass wir nicht allein sind. Und vor allen Dingen, dass wir uns immer sicher sein dürfen, dass du alles erlebt hast. Dass du alles Leid, was man sich vorstellen könnte, erlebt hast. Und dass du durch jede Versuchung gegangen bist. Und dass wir uns darauf stützen dürfen, dass du uns verstehst.
[54:00] Und dass du uns auch diesen Blick in die Zukunft geben darfst, selbst in diesen Zeiten des Leides und des Schmerzes. Und dass wir auch die Zusicherung und die Verheißung haben, dass du uns keine Versuchungen zulässt, dass sie uns treffen, die wir nicht bewältigen können. Sondern dass du treu bist und machst, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass es uns nicht schadet. Und so danken wir dir dafür, dass du auch diese Geschichte von Hiob hast festgehalten. Dass es eine der ersten Geschichten ist überhaupt, die uns überliefert sind. Und die ja nicht nur der Welt und den Welten und den Engeln ein Beispiel war, sondern auch vielen Menschen, die von dieser Geschichte gehört haben, eine Hoffnung gegeben hat. Und auch uns persönlich eine Hoffnung geben möchte.
[55:06] Und so bitte ich dich, dass du uns beistehst, auch in den schwierigen Zeiten des Lebens. Und dass du uns immer den Blick vor allen Dingen auf die Zukunft schenkst. Auf die Vergangenheit, wie du uns geführt hast. Und auf die Zukunft, was noch bevorsteht. Dass auch das Leid vergänglich ist. Und dass du in unserer Schwachheit uns Stärke geben möchtest. Darum bitten wir dich in deinem Namen. Amen.
[55:32] Ja, wir sind froh, dass ihr euch eingeschaltet habt für dieses Studium. Und wünschen euch Gottes Segen. Bis zum nächsten Mal bei der Cannstatt Study Hour.