Gerhard Erbes beleuchtet die „Emerging Church“-Bewegung und ihre tiefen historischen und theologischen Wurzeln. Er analysiert, wie sich das Verständnis von Autorität und Wahrheit über Jahrhunderte hinweg verändert hat, von der Prämoderne über die Moderne bis hin zur Postmoderne. Dabei wird die zentrale Rolle der Bibel und der Erfahrung im christlichen Glauben beleuchtet und die zunehmende Hinwendung zu Mystizismus und subjektiver Erfahrung kritisch hinterfragt.
Das Lächeln der Schlange: 3. Die Christenheit im Würgegriff des Zeitgeistes
Gerhard Erbes · Das Lächeln der Schlange (Symposium über Mystizismus und die Emerging Church-Bewegung) ·Themen: Adventgeschichte, Bibel, Christlicher Lebensstil, Erweckung, GemeindeWeitere Aufnahmen
Serie: Das Lächeln der Schlange (Symposium über Mystizismus und die Emerging Church-Bewegung)
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Transkript
[0:00] Ja, danke vielmals für die Einladung, dass ich auch an diesem Nachmittag teilnehmen darf, an diesem sehr relevanten und höchst aktuellen Thema, das wir heute Nachmittag an diesem Themen-Sabbat hier in Stuttgart-Wangen miteinander betrachten.
[0:33] Ich weiß nicht, ob manche von euch mich vielleicht schon kennen, manche vielleicht nicht. Ich bin zum ersten Mal hier in Stuttgart-Wangen heute. Mein Name ist eben Gerhard Erbes und wie ihr merkt, ist mein Akzent nicht schwäbisch. Und vielleicht überlegst du dir jetzt die ganze Stunde, woher das kommt, und dann möchte ich dir den Stress abnehmen, damit du dann dich auf das Thema fokussieren kannst. Ich habe österreichische Eltern, aus Wien ursprünglich, die sind nach Schweden ausgewandert, für Studium damals, in den 60er-Jahren. In der Zeit bin ich dann zur Welt gekommen und bin in Uppsala in Schweden aufgewachsen. So habe ich einen österreichisch-schwedischen Akzent, vielleicht klingt das nachvollziehbar für dich, auch wenn du das jetzt mitbekommen hast. Habe meine Jugendzeit in Schweden verbracht, bin dann mit meinen Eltern nach Amerika ausgewandert, nachdem mein Vater den Ruf bekommen hat, an der Andrews-Universität zu unterrichten dort, an einem Seminary, habe mich dort taufen lassen, war eine schöne Zeit dort für mich, eine sehr bewegende Zeit in Amerika, hat es viel für mich persönlich bedeutet. Bin dann zurückgekehrt nach Schweden für mein Studium in Physik. Bevor ich Prediger geworden bin, war ich ja Naturwissenschaftler, habe einen Doktorat in Physik abgeschlossen, in der Physik-Atmosphäre, war dann 10 Jahre, 15 Jahre in dem Bereich tätig, bis Gott mich gerufen hat für den Dienst, für ihn einzutreten, habe dann die Karriere aufgegeben, bin dann nach Bogenhofen gegangen, für die theologische Ausbildung, bin seit 13 Jahren jetzt Pastor, zunächst einmal 10 Jahre in Österreich und jetzt seit drei Jahren im Bezirk Ulm. Und mittlerweile fühle ich mich auch wohl hier in Schwaben, komme mit der Schwabensuppe zurecht, und ja, es ist ein interessantes Gebiet, ein schönes Gebiet in Deutschland.
[2:20] Das Thema heute hat auch ein bisschen Verwandtschaft mit dem, was mich schon seit Langem interessiert, nämlich die charismatische Bewegung, da habe ich mich schon seit 10 Jahren mit dem Thema eingehend beschäftigt. Und Emerging Church und Charismatik haben interessante Verbindungen, die wir heute auch ein bisschen entdecken werden. Das Thema für heute Nachmittag ist Emerging Church, Christenheit im Würgegriff des Zeitgeistes. Und die Aufgabenstellung, die ich habe, jetzt ein bisschen über die geschichtliche, theologische Hintergründe aufzuzeigen, woher Emerging Church kommt, ist ein großes Thema. Also eigentlich reichen die 45 Minuten jetzt nicht. Wir können nur hier und dort etwas anschneiden, vielleicht punktuell ein bisschen reinschauen. Es soll einfach eine Anregung für dich sein, dass du ein bisschen so eine Orientierung hast, worum es im Groben geht. Aber es gibt sehr, sehr viele, es ist auch ein sehr komplexes Thema, weil es ja eigentlich nicht um eine Kirchenbewegung in sich, eine Organisation geht, sondern um ein Phänomen.
[3:25] Vielleicht steigen wir hinein, also die Präsentation jetzt, wir mussten leider ein bisschen die Technik umstellen, das kann sein, dass die Farben und Formatierungen jetzt nicht mehr so optimal sind, wie ich gedacht habe, aber hoffentlich passt es hier. Wir werden zunächst einmal ein bisschen eine Einleitung haben, dann die Geschichte der Weltbilder. Emerging Church, wenn wir verstehen möchten, was da läuft, müssen wir die Geschichte der Weltbilder seit den letzten 500 bis 600 Jahren verstehen, die philosophischen, theologischen, ideologischen Weltbilder, damit wir erkennen können, woher es kommt und wohin es geht. Dann möchten wir dann auch über die Entstehung der Emerging Church selbst ein bisschen nachdenken. Punkt drei, gefolgt von Emerging Church-Merkmalen, was sind so die Hauptmerkmale in der Emerging Church-Bewegung? Da werden wir auch interessante Zitate und Aussagen von manchen der führenden Personen kennenlernen, die euch sicherlich sehr erstaunen werden. Dann fünftens möchten wir ein bisschen auch aus biblischer Perspektive und ein paar ähnliche Aussagen von Ellen White auch noch heranziehen, um das ein bisschen abzurunden und in Perspektive zu setzen, wie wir das einordnen sollen, und schließen dann mit einer Zusammenfassung ab. Das ist ungefähr so der Ablauf von diesem Teil von heute Nachmittag, aber bevor wir anfangen, möchte ich, wie ich in jeder Predigt auch mache, auch wenn wir vorher gebetet haben, ist es für mich persönlich ein Bedürfnis, dass wir uns zu Gott ausrichten im Gebet.
[4:51] Unser lieber Herr Jesus, wir möchten heute Nachmittag erneut jetzt ein ganz wichtiges und entscheidendes Thema betrachten, wir werden erkennen, dass es um ganz große und historische Phänomene geht, die engstens mit dem großen Kampf verbunden sind, und da brauchen wir deine Erleuchtung, deine Weisheit. Und so bitten wir dich, dass du bei uns bist, dass wir alles so verstehen, wie du es uns sagen möchtest, dass ich die richtigen Worte bekomme, dass du mich reinigst, dass keine menschlichen Worte zwischen dir und uns stehen mögen, sondern dass es deine Worte an uns alle sind. Und so möchten wir dich bitten, dass du gegenwärtig unter uns bist und unsere Gedanken auch leiten und führen möchtest. In deinem Namen, Herr Jesus, Amen.
[5:43] Es geht um ein einziges Schlagwort. Wir stehen, liebe Geschwister, vor einem historischen Paradigmenwechsel. Was bedeutet Paradigmenwechsel? Das ist vielleicht ein schwieriges Wort. Paradigmen bedeutet grundsätzliche, großräumige Bewegungsrichtungen der Weltgeschichte, wo historische Umbrüche stattfinden, die man so alle paar hundert Jahre oder vielleicht alle paar tausend Jahre nur erlebt. Und wir stehen heute im 21. Jahrhundert vor einem historischen Paradigmenwechsel, und die Emerging Church spielt eine ganz entscheidende Rolle hier im Rahmen der Christenheit. Wir reden nicht von einer Gemeinschaft, so wie die Adventgemeinde oder die Baptisten oder Methodisten, wir reden hier von einer philosophisch-theologischen Strömung, die die ganze Welt umfasst, egal in welchen Gemeinschaften die Menschen gerade Mitglied sind. Deswegen ist es eine sehr große Sache. Man kann es eigentlich vergleichen, was wir jetzt erleben, ist in der Größenordnung das Gleiche wie die Reformation von 500 Jahren. Wir werden heute entdecken, in welche Richtung Reformation 2.0 geht. Vielleicht könnte man die Emerging Church so auch bezeichnen. Ja, historischer Paradigmenwechsel, das ist das, was wir haben.
[7:07] Ich habe gerade gesehen hier, das war die Vorschaufolie, ich habe gar nicht gesehen, das war die Folie, die ich eigentlich zeigen wollte hier. Es gibt jetzt einige Begriffe, die im Emerging Church wichtig sind zu verstehen. Das eine heißt Emerging Church selbst. Emerging bedeutet etwas, was am Entstehen ist, etwas, was gerade am Auftreten ist, eine neue Erscheinung. Neue Spiritualität, New Spirituality, ist auch ein Begriff, der oft vorkommt. Das ist ein Begriff, der eigentlich sehr beliebt ist. Das heißt, wir leben in einer Zeit, in der Spiritualität neu definiert wird. Und das ist nicht das Gleiche wie die Religiosität, von der wir bisher gesprochen haben im Christentum, das wird eh Emerging Church sehr negativ betrachtet, sondern Spiritualität geht viel weiter, viel grenzüberschreitender, als was Religiosität, wenn man gläubig ist als Christ, klassisch-traditionell bisher war. Weitere Begriffe oder Inhaltspunkte, die ganz entscheidend sind, ist der Mystizismus. Das Mystische, diese geheime Erfahrung mit Gott, die jetzt nicht unbedingt mit einer Bibel oder mit einer anderen schriftlichen Offenbarung verbunden sein muss, aber eine persönliche Begegnung und Erfahrung mit Gott, die sehr intensiv und tief ist und was Geheimnisvolles über sich hat, der Mystizismus ist auch ein wichtiger Begriff in der Emerging Church Bewegung.
[8:31] So, jetzt möchten wir über Weltbilder nachdenken. Wir möchten das ein bisschen gründlich machen, aber trotzdem relativ schnell und zügig, weil, wenn wir das verstehen, fallen fast alle anderen Puzzleteile automatisch auf ihren Platz. Manchmal beobachten wir Dinge, wir sehen mehr die Symptome nach außen und können das nicht so richtig einordnen, aber wenn wir kennen, welche Weltbilder dahinten sind, und das sind Weltbilder, die über Jahrhunderte entstanden sind oder in Veränderung gewesen sind, dann erkennen wir, aha, das ist eigentlich die Grundlage, die ideologische Grundlage, die hier die Emerging Church Bewegung vorantreibt. So, jetzt möchten wir hier ein bisschen da in diesen Bereich hineintauchen. Ich denke, jeder wird verstehen, ungefähr, worum es geht. Da kann man ja unendlich sich hier vertiefen, aber das möchten wir heute auf keinen Fall.
[9:26] Wir können die Epochen unserer Weltgeschichte in mehreren Zeitabschnitten einteilen. Wenn wir jetzt vom 5. Jahrhundert nach Christus bis in die Gegenwart gehen, dann haben wir drei Hauptabschnitte in unserer Weltgeschichte. Der erste ist die sogenannte Prä-Moderne, oder die Vor-Moderne Zeit, Pre-Modern, Pre-Modern Time auf Englisch. Das geht ungefähr von dem Jahr 600 nach Christus bis 1500, kurz vor der Reformation. Also etwa 1.000 Jahre. In diese Zeit hatten dann die klassischen Philosophen und auch die Theologen gewisse Vorstellungen von was ist Wahrheit, was hat jetzt die Autorität in meinem Glaubensleben, wonach richte ich mein Glaubensleben aus, was sind so die Richtlinien und die Grundlagen dafür. Das Zweite, was nach Prä-Moderne kommt, Prä-Moderne bedeutet vor der Moderne, dann kommt jetzt die Moderne selbst. Die Moderne, das war die Zeit von 1500 bis 1900, etwa 400 Jahre, und die hat mehrere Unterphasen gehabt, die wir kurz anschauen werden, was so die ideologischen Hauptrichtungen waren in der Theologie. Und zum Schluss dann, wenn etwas danach kommt, heißt es Post, so Post-Moderne ist dann das Zeitalter, in dem wir heute leben, die Zeit nach der Moderne, ab etwa 1900 bis in die Gegenwart. Das sind also jetzt die drei hauptsächlichen Zeitepochen, um die es geht, und man muss die Unterschiede verstehen, um zu erkennen, was Emerging Church eigentlich bedeutet, woher es kommt und wohin es führt.
[11:03] Jetzt möchten wir diese drei Abschnitte alle im Einzelnen anschauen, aber es gibt einen besonderen Gesichtspunkt, den wir hier betrachten möchten. Weil es gibt ein Thema in allen diesen Epochen, die drei Epochen, das immer wieder im Mittelpunkt gestanden ist. Und wo immer die Meinung dazu sich verändert hatte. Und was könnte das für ein Thema gewesen sein? Das Thema der Autorität der Bibel. Das war eigentlich die theologische Kernfrage in der Prämoderne, in der Moderne und in der Postmoderne. Aber wir werden merken, jede Epoche hat eine andere Sichtweise zur Bedeutung und Stellung der Bibel. Und das möchten wir jetzt kurz im Einzelnen anschauen, wir möchten jetzt jede Epoche im Einzelnen anschauen, damit wir das ein bisschen besser verstehen können.
[11:56] Wir gehen also jetzt von links nach rechts und fangen mit der Prämoderne an. Das war die Zeit von 600 bis 1500. Das sind wir im klassischen Mittelalter. Im Hochmittelalter, so um 800 bis 1000. Wenn man damals sich eine Kirche aussuchen musste, wie viele gab es zur Auswahl? Von den offiziell anerkannten Kirchen gab es eigentlich bis 1054 nur eine, dann ab der Spaltung mit Ost- und Westkirche gab es zwei. Also es gab die römisch-katholische Kirche und ab 1054 mit der Ost-West-Spaltung gab es auch noch die orthodoxe Kirche. Das waren grundsätzlich die zwei Optionen, die du hattest, wenn du überlegen wolltest, in welchen Gottesdienst gehe ich heute? Heute haben wir 42.000 Glaubensgemeinschaften. Da hat sich etwas radikal verändert.
[12:55] So, was, wenn wir jetzt in einen römisch-katholischen Gottesdienst gehen, und das ist ganz wichtig, das hier zu beleuchten, um die Emerging Church Bewegung zu verstehen, wo liegt der Kern dort? In dem gesprochenen, gelesenen oder in dem erfahrenen? Was würdest du sagen? Steht das Wort Gottes mehr im Mittelpunkt, oder damals, oder stand mehr die Erfahrung im Mittelpunkt, was ich erlebe? Wenn wir das Ausmaß im Gottesdienst betrachten, wie viel Zeit damit verbunden war, Predigt und die Liturgie und die Eucharistie, dann merken wir ganz eindeutig, dass die Erfahrung absolut im Mittelpunkt gestanden ist. In der Liturgie wurden alle Sinne angesprochen. Wenn ich reingekommen bin in die Kirche, die Sehsinne, die Bilder, die Ikone vielleicht in der Doxenkirche, die Statuen, meine Hörsinne durch die Musik, die Gehalt hat in der Kirche, dann mein Geruchsinn durch den Weihrauch. Alle Sinne werden angesprochen im römisch-katholischen Gottesdienst. Das ist ein sehr erfahrungsausgerichteter Gottesdienst. Die Predigt, war das im Mittelpunkt vor der Reformation? Oder war das mehr so eine Begleiterscheinung, dass man vielleicht einen Bibeltext auf Latein gelesen hat und das war es? Das Wort Gottes hat eigentlich eine sehr untergeordnete Rolle. Dafür gab es dann viele geistliche Disziplinen, die ich ausüben konnte. Kontemplation, Meditation, Lectio Divina, eine besondere Art über das Wort Gottes zu reflektieren in meditative Form und auch den Mystizismus. Auf der anderen Seite gab es die Bibel, die war völlig zweitrangig und somit stand Erfahrung über die Bibel und das ist jetzt wichtig. Darum geht es eigentlich hier in der ganzen Diskussion oder ist ein Kerngedanke in meinem Thema heute. Was ist das Verhältnis zwischen Erfahrung und Bibel? Was ich erlebe, ist das mehr maßgeblich für was ich glaube oder was im Wort Gottes steht? Wonach orientiere ich mich? Was mich emotional anspricht oder was Gott in seinem Wort offenbart hat? Und damals in der Prämodernen, in der katholischen Kirche, war das eindeutig, war die Erfahrung über das Wort.
[15:27] So hat also das Christentum ausgeschaut bis zur Reformation. Wir merken ja auch, dass die Kirche diese Unterordnung der Bibel ganz vehement auch durchgesetzt hat. Wenn wir nur ein Beispiel, die Synode zu Toulouse 1229. Wir verbieten, sagte der Papst dort, auch den Laien den Besitz von Büchern des Alten und des Neuen Testaments. Es war sogar verboten, eine Bibel zu haben. So wenn ich nicht einmal eine Bibel haben darf zu Hause, ja dann bleibt nur noch die Erfahrung übrig. Die römisch-katholische Kirche ist also zutiefst erfahrungsorientiert und in zweiter Linie erst, weit dahinter, kommt die Bibel vielleicht dort hinein.
[16:13] Interessant ist dann, was der Bernard McGinn, er ist ein Experte im Bereich Emerging Church, gesagt hat, hier lesen wir das, im Mittelalter lebt die persönliche mystische Gotteserfahrung schon in dieser Zeit vor allem in den Klöstern. Höchstes Ziel des monastisch-mystischen Strebens bleibt diese Gotteserfahrung in der Unio Mystica, diese mystische Verbindung, Vereinigung zwischen mir und Gott, der mystischen Vereinigung mit Gott. Im weiteren Sinn, die Suche nach einem Bewusstsein der unmittelbaren Gegenwart Gottes. Das ist das, worum es bei der Mystik geht. Gott jetzt und hier zu leben auf einem mystischen, geheimnisvollen, vielleicht undefinierbaren Art.
[16:57] Die Sache ist ja die, wenn ich Gott auf diese Art erlebe, spüre ich überhaupt einen Bedarf nach einem Wort. Oder erfüllt mich das ausreichend? Wenn ich jetzt nicht weiter darüber nachdenke, dann würde ich sagen, ja, das erfüllt mich und eigentlich brauche ich kein Wort mehr. Ich habe diese Erfahrung, diese Begegnung mit Gott ja auch ohne das Wort. So, wozu brauche ich dann das Wort?
[17:24] So, wir sehen also, dass die katholische Kirche mystisch erfahrungsorientiert ist. Ein paar Mystiker, vielleicht sind ein paar Namen hier bekannt. Bernhard von Clairvaux, 1090 bis 1153, hat viele Beiträge gemacht zum Bereich Mystik und Erfahrungen mit Gott. Dann Franziskus von Assisi, der jetzige Papst hat ja auch seinen Namen genommen, Papst Franziskus, 1182 bis 1226. Er hat auch einen Orden, den Franziskusorden, gegründet. Und dann haben wir auch Thomas Aquinas, einige Zeit später. Einige Namen zu erwähnen, die wirklich Mystiker waren und hier große Beiträge gemacht haben im Bereich der Mystik für die katholische Kirche.
[18:08] Dann gab es auch geistliche Disziplinen, die auch diesen erfahrungsorientierten Gottesbegegnungen auch begleitet haben, wie zum Beispiel Lectio Divina, das ist eine besondere Art, jetzt über das Wort Gottes nachzusehen und zu kontemplieren. Dann haben wir die Kontemplation an sich, das heißt, wo ich jetzt über das Wort Gottes reflektiere und mache vielleicht verschiedene Übungen dazu, körperliche Übungen oder andere Übungen, damit das Wort Gottes irgendwie mich erreichen kann und ich es verstehen kann. Dazu kommt auch mir die klassische Meditation, wo ich dann eh in mich selbst versinke und dadurch auch die Begegnung mit Gott suchen möchte. Das ist so das, was wir in der prämodernen Zeit in der Kirche vorgefunden haben.
[18:54] Dann, wenn wir weitergehen jetzt zu der Moderne, was hat sich jetzt geändert bei der Reformation? Was war der ausschlaggebende Unterschied zwischen der Zeit vor der Reformation und dann im Protestantismus? Was war der Unterschied? Was wurde gefunden, wiederentdeckt? Das Wort Gottes, das war eigentlich der Hauptbeitrag von der Reformation. Dass das Wort Gottes abgestoppt wird, offiziell zugelassen wird und dass jedermann in seiner Sprache dieses Buch bekommen kann und für sich selbst Gott in seinem Wort begegnen kann.
[19:27] Und so sehen wir das jetzt hier in der Moderne, zur Zeit der Reformation in der Kirche, da war plötzlich die Erfahrung jetzt zweitrangig. Vergleich mal den protestantischen Gottesdienst mit den katholischen. Da gibt es keinen Weihrauch, da gibt es keine Bilder und Statuen, also die Sinne sind schon mal ausgeschaltet, der Geruchssinn, der Sehsinn. Dann gibt es auch nicht die Eucharistie, was übrigens sehr mystisch auch ist. Die Menschwerdung Jesu in der Hostie ist eine höchst mystische Erfahrung auch. Eigentlich eine pantheistische Sache, wo Gott sich verkörpert in der Materie. Das gab es auch alles nicht im protestantischen Gottesdienst. Also der protestantische Gottesdienst war sozusagen ziemlich nüchtern im Vergleich zu dem katholischen Gottesdienst. Und was war jetzt der Mittelpunkt? Luther und der Reformator und andere Pastoren haben aus dem Wort Gottes eine Stunde lang gepredigt. Das war völlig ungehört bis dahin. Da war es vielleicht eine Minute auf Latein, was vorlesen, Dekorative aus den Psalmen. Jetzt eine Stunde lang in deiner Sprache das Wort Gottes zu hören. Das heißt, die Pult, die Verkündigung war ein Mittelpunkt des Wort Gottes. Das ist der Grund, warum unsere Pulte immer in der Mitte der Gemeinde sind. Das Wort Gottes ist das Zentrum und geht von dort in der Gemeinde aus.
[20:46] Also die Disziplinen und der Mystizismus, wie wir hatten in der katholischen Kirche, gab es dann hier wirklich nicht. Sondern die Bibel war der Mittelpunkt und die Bibel stand über die Erfahrung. In der katholischen Kirche war die Erfahrung über die Bibel. Die Tradition war über die Bibel. Die Tradition sagte, wie hast du die Bibel zu verstehen? Jetzt sagt der Reformator, nein, die Bibel legt sich selber aus. Die Bibel steht also über die Erfahrung, über die Tradition. Sola Scriptura. Und somit wurde der Protestantismus eine kognitive Glaubensausrichtung, wobei der Katholizismus eine erfahrungsorientierte Glaubensausrichtung ist. Und das ist wichtig, das zu beobachten. Dann werden wir verstehen, warum die Berlin Church gerade jetzt am Entstehen ist.
[21:34] Luther sagte zur Bibel, da merkt man, wie seine Stellung zur Bibel war, die Schrift allein ist der wahre Herr und Meister über alle Schriften und Lehren der Welt. Eindeutig. Das Wort Gottes steht im Mittelpunkt.
[21:49] Jetzt kam aber dann, 150 Jahre später, also um 56 kam ein großes Problem. Jetzt kam die Aufklärung. Es kam die Zeit der Aufklärung und die Zeit der Wissenschaft. In dieser Zeit sind ja viele Wissenschaftler, die haben gelebt wie Newton und Laplace und viele andere bekannte Mathematiker und Physiker und auch Chemiker später, sind alle in diesen Zeiten groß geworden, haben Großes geleistet für die Wissenschaft, grundlegend bis heute. Aber das Problem bei der Moderne war jetzt was? In der katholischen Kirche davor war jetzt die Erfahrung und die Tradition über das Wort. Was hat die Aufklärung jetzt gemacht? Das Wort Gottes wurde befreit, wurde in der Reformation als oberstes angesetzt. Was macht jetzt die Aufklärung mit dem Wort Gottes? Sie haben gesagt, nein, die Vernunft steht eigentlich über dem Wort. Das ist der Mittelpunkt. Der Rationalismus. Jetzt müssen wir logisch nachdenken. Ist das nachvollziehbar? Oh, heute sehen wir keine Wunde geschehen, dann können es damals in der Bibel auch keine Wunde gegeben haben. Das heißt, wahrscheinlich haben wir hier eher Mythen als Wahrheiten. Und so hat man anhand von rationellen Beobachtungen der Gegenwart Schlüsse gezogen, dass es damals genauso gewesen sein muss wie heute. Wenn wir heute keine Wunde sehen, dann haben wir es damals auch nicht gegeben haben. Und so weiter und so fort. Vernunft im Mittelpunkt. Und jetzt war die Bibel wieder zweitrangig.
[23:22] 150 Jahre, also zwischen der Reformation bis zur Aufklärung, 1500 bis 1650, hat es die Bibel geschafft, an erstem Platz zu stehen. Davor war die Erfahrung, Tradition. Und jetzt war die große Bedrohung bei den Protestanten, dass die Vernunft eintritt. Und da haben wir auch bekannte Philosophen in der Zeit, die hier auch, sie waren vielleicht jetzt nicht bekennende Protestanten, aber sie waren Philosophen. René Descartes, Thomas Hobbes und John Locke haben alle große Beiträge gemacht, wo sie dann eben die Vernunft etabliert haben, damals in der Gesellschaft, als das höchste Maßgebende. Und die Bibel hat darunter sehr gelitten.
[24:05] Dann haben die protestantischen Theologen jetzt gedacht, oh Mann, wie begegnen wir dem jetzt? Wir sind bedroht. Und statt wirklich jetzt die Aufklärung zu begegnen, wurde der Protestantismus einvernommen. Das heißt, dieses kritische, rationale Denken wurde dann umgewandelt in der Kirche zu der historisch-kritischen Methode, der Bibelauslegung. Also das heißt, wenn wir das Wort Gottes lesen, dann ist es nicht das Wort Gottes. Das sind Geschichten, die Menschen damals geschrieben haben, in ihrem Kontext, in ihrer damaligen Situation, aber ob es da etwas Übernatürliches gab, wissen wir nicht. Ob es wirklich das Wort Gottes ist, wissen wir nicht. Das sind nur Storys aus der damaligen Zeit. Und die historisch-kritische Methode ist eine Dekonstruktion, also eine Auseinanderlegung, Zerlegung des Wortes Gottes als Autorität. Aber das haben die Theologen, vor allem die protestantischen Theologen jetzt übernommen. Das ist eigentlich der krasse Widerspruch. Die Protestanten haben die Welt befreit, dass sie die Bibel bekommen können, haben 150 Jahre später aber begonnen, dieses Wort, das jetzt frei Verfügung war für alle, inhaltlich zu zerstören. Du konntest überall eine Bibel kaufen, aber jetzt hatte sie keine Bedeutung, weil sie doch Legenden sind. Und so merken wir, immer wieder steht das Wort Gottes im Mittelpunkt in dieser Ideologiegeschichte der Welt. Immer wieder ist das das Zentrum, um das es sich dreht.
[25:39] Man sagt in der historischen kritischen Methode, die Bibel ist ein Produkt seiner Umgebung, wie jedes andere Buch zu behandeln, wie eine Tageszeitung, wie ein normaler Roman oder Lektüre, hat keinen höheren Stellenwert als das. Und es gibt eigentlich kein übernatürliches Wirken. Und wenn wir davon lesen, dann sind es eigentlich Erfindungen und nicht reale Berichte. Das war jetzt so kurz zusammengefasst ein bisschen zu den Auswirkungen der historisch-kritischen Methode, die damals zur Zeit der Aufklärung gekommen ist.
[26:09] So, jetzt haben manche Christen gesagt, oh, jetzt haben wir das Wort verloren, das müssen wir jetzt zurückgewinnen. Und das war der Auslöser dann um 1800, also gegen Ende jetzt der Aufklärungszeit, für den Fundamentalismus. Also Fundamentalismus in dem Sinne, wir möchten zurück zu den Fundamenten, das Wort Gottes als Fundament. Das ist eigentlich ein positives Begriff, Fundamentalismus. Nur heute, zur Zeit des Islams, ist es sehr negativ belegt, durch das, was wir alles in den Medien jetzt bekommen, in den Nachrichten. Aber eigentlich ursprünglich war das ein positives Wort. Wir möchten zu den Grundsätzen, zu den Fundamenten des Glaubens zurückkehren. Und dann sagten die im Fundamentalismus, die Vernunft müssen wir zweitrangig machen. Die Bibel muss wieder in den Mittelpunkt zurückkehren. Wir müssen die Bibel zurückgewinnen von den Effekten der Aufklärung. Und da hat man in Amerika das sogenannte Niagara Statement verfasst, 1878, der Versuch jetzt, die Bibel wieder zurückzugewinnen. Weil die lutherischen Kirchen sind in der historischen Kritik aufgegangen und haben sich dort völlig verirrt. Bis heute. So der Fundamentalismus war jetzt eher auf der evangelikalen Seite, auf der freikirchlichen Seite, die Antwort auf die historische Kritik seitens der Lutheraner und den Großteilen der Protestanten. Das Niagara Statement sagt zum Beispiel, dass die Schrift unfehlbar ist und dass Jesus wirklich Gott ist und dass er auferstanden ist und dass er wiederkommt. Dinge, die die historische Kritik nicht wirklich so betrachtet haben.
[27:49] Ja, jetzt sind wir dann im 20. Jahrhundert angekommen und merken diese Auseinandersetzung, das Wort Gottes geht weiter und jetzt landen wir plötzlich in der Postmoderne ab 1950. Und der Rabbi hat jetzt über die Postmoderne gesprochen, ihr habt euch ein bisschen gehört, worum es da geht. Und ab etwa 1950 befinden wir uns jetzt in der postmodernen Zeit, das ist die Zeit nach der Moderne. Und die Postmoderne reagiert auf die Zeit der Moderne. Die Moderne hat gesagt, das Wort Gottes bei der Reformation soll ein Mittelpunkt sein, da kam die Vernunft und jetzt sagt die Postmoderne, wir haben genug von Wort Gottes gehört und wir haben auch genug von Vernunft. Wir wollen einfach frei sein vom Wort Gottes und von der Vernunft. Ein bisschen grob formuliert jetzt.
[28:36] So, das bedeutet, wenn die Vernunft weg ist und das Wort Gottes weg ist, was kehrt jetzt an erster Stelle wieder zurück? Erfahrung, da sind wir bei der Erfahrung. Ah, okay, das heißt, irgendwie indirekt sind wir jetzt wieder dort, wo wir waren, vor 500 Jahren. Nur in einer anderen Erscheinungsform. Die Erfahrung, was ich erlebe, was ich fühle, und das ist ja gang und gäbe heute, wenn man unterwegs ist und fragt, hey, was denkst du zu dem und dem? Ist das wahr oder nicht wahr? Dann wird die Antwort sein, vielleicht ist es für dich wahr, für mich ist etwas anderes wahr, aber jeder, der so denkt, für sich, was für ihn wahr ist, ist für ihn wahr. Habt ihr die Argumente schon mal gehört, oder? Jeder definiert seine eigene Wahrheit. Und so bedeutet das jetzt, in der Postmoderne, die Bibel wieder zweiter Rang geworden ist, und alle Wahrheitsquellen eigentlich relativ sind. Es gibt keine absoluten Bezugspunkte mehr. Die Reformation hat gesagt, die Bibel ist die Grundlage, das Fundament, da kann ich unterscheiden, was ist richtig, was ist falsch. Heute kann alles richtig und kann alles falsch sein, oder eine Mischung davon. Und keiner hat das Recht, dem anderen zu sagen, das ist falsch, was du denkst, und es ist richtig, was ich denke. Jeder definiert für sich, was wahr oder falsch ist. Deswegen hört man heute auch oft, ich fühle und ich meine. Das ist so 90% Argumentation, läuft heute so, oder? Ich fühle, ich meine, ich denke. Aber man erzählt dann, es steht geschrieben, der Herr sagt, alles verschwunden aus der Gesellschaft.
[30:21] Und interessant ist jetzt, was im 20. Jahrhundert, welchen Bereich, das ist jetzt aus der Welt, die säkulare Perspektive hier, aber welcher Bereich jetzt in der Christenheit war besonders erfahrungsorientiert im Protestantismus? Die orthodoxe Kirche und die katholische Kirche sind ja unverändert weiterhin, da hat sich ja nichts geändert. Aber welcher Bereich im Protestantismus seit etwa 100 Jahren ist sehr eindeutig erfahrungsorientiert? Die charismatische Bewegung. Die charismatische Bewegung war eigentlich die erste richtig intensive Wiedereinführung in der Christenheit, was die Erfahrung betrifft. Und so haben die Charismatik ab dem Jahr 1900, und dort ist der Erfahrungsmittelpunkt, da geht es um, was ich fühle, in der Worship, in der Anbetung, in der Musik. Und das, was die charismatische Bewegung jetzt hier 100 Jahre in sich aufgenommen hat, sie waren die ersten, die die postmoderne Kultur eigentlich in die Gemeinde hineingebracht haben, das hat einen Einfluss auf alle anderen Gemeinden gehabt. Das heißt, die anderen Gemeinden des Christentums wurden durch die Charismatik vorbereitet darauf, die Erfahrung als erstes wieder einzuführen. Wir haben gemerkt, es funktioniert ja. Dass in der Kirchenseele voll am Sonntagvormittag, bei uns, zu uns kommt keiner, aber das liegt vielleicht an der Musik, an den Anbetungsstilen oder was anderes, was sie da machen. Und da haben viele Kirchen, Baptisten, Methodisten und Freikirchen und andere evangelikale Kirchen eben diesen Anbetungsstil angenommen, wo alles zu höchst erfahrungsorientiert ist. Wenn ich jetzt erlebe, wow, ich werde jetzt erfüllt vom Heiligen Geist, ich spreche vielleicht in Zungen, ein höchst erfahrungsorientiertes Erlebnis, oh, dann ist der Gott mit mir, dann brauche ich eigentlich das Wort eigentlich gar nicht mehr lesen, ich habe ja schon die Erfahrung, auch ohne das Wort.
[32:25] Und so ist die Christenheit charismatisiert worden, wenn man es auf Deutsch sagen kann, charismatized, gibt es vielleicht ein gutes deutsches Wort, charismatisiert, also ist charismatisch geworden durch den Einfluss damals.
[32:41] Interessant ist, wenn man jetzt John Wimber fragt, das war der Begründer von Vinyard, die dritte Welle 1981, und auch die Entstehung der charismatischen Bewegung 1900, dort, wo das erste Mal entstanden ist, aber 1981 mit John Wimber in der Vinyard-Bewegung, hat man ihn gefragt, nachdem sie seltsame Erscheinungsformen hatten am Abend davor, wo Jugendliche auf dem Boden gekrabbelt sind, geheult haben, gebellt haben wie Hunde, gejault haben wie Katzen und alle möglichen komischen Laute gemacht haben, das wirklich sehr, wie sagt man, sehr chaotisch ausgeschaut hat, und er fragte John Wimber eine ganze Nacht lang, ist das von Gott oder nicht, und sucht das Wort Gottes, die Bibel, eine ganze Nacht lang und findet keine Antwort und stellt fest, da gibt es eigentlich nicht so etwas Entsprechendes in der Bibel. Und dann ruft ein Kollege an um 5 Uhr in der Früh und sagt zu ihm, hey John, ich habe das Gefühl, ich sollte dich anrufen und einfach Folgendes sagen, es kommt von mir. Ah, das ist die Antwort von Jesus, denkt er. Es kommt von Jesus. Hat aber die ganze Nacht nichts im Wort Gottes vorgefunden und dann seine Aussage, die ich jetzt leider hier nicht jetzt hier schriftlich habe, aber er sagt, und das zitiere ich, wenn ich die Wahl habe, mich zwischen der Theologie, das Wort Gottes, und meiner Erfahrung zu entscheiden, dann wähle ich die, was? Erfahrung. Ein klares, offenes Statement. Also wenn ich etwas erlebe, auch wenn es in der Bibel gar nicht belegbar werden kann und vielleicht sogar die Bibel widerspricht, aber wenn ich etwas erlebe, hat es für mich eine höhere Bedeutung als das Wort Gottes. Und er hat somit die Bibel abgelehnt in dem Punkt, wo er damals gesucht hat.
[34:38] So durch die Charismatik und durch die dritte Welle von Vinyard, wo durch die Musik und die Worship-Stile jetzt in alle christlichen Gemeinden hinausgegangen sind, wurde das protestantische Christentum, das evangelikale Christentum vorbereitet auf Emerging Church. Erfahrung über das Wort.
[34:58] Und so können wir jetzt das zusammenfassen und so haben wir alle drei Epochen hier auf einen Blick. Also in der Zeit bis zur Reformation, da war die Kirche, die Erfahrung in der katholischen Kirche über die Bibel. Die Reformation hat die Bibel wieder über die Tradition, über die Erfahrung, über die Kirche gestellt. Aber dann kam die Aufklärung, da wurde die Vernunft über die Bibel wieder gestellt. Und dann kam letztlich in der Postmoderne durch die charismatische Erfahrung vor allem die Erfahrung wieder einmal zurück und über die Bibel gestellt. So, auf Englisch sagt man we are back in square one. Wir sind jetzt wieder dort, wo wir angefangen haben. Erfahrung über die Bibel. Und jetzt versteht man, warum Emerging Church so gut kommen kann und wohin es letztendlich führen wird.
[35:55] Was meint ihr? Welcher Bereich des Christentums ist das Hauptziel, ist der Hauptzielscheibe der Emerging Church? Welche Bereiche im Christentum sind nicht erfahrungsorientiert, sondern wortorientiert? Es ist nicht die katholische Kirche. Sie ist schon immer erfahrungsorientiert gewesen bis heute. Es ist nicht die orthodoxe Kirche. Es sind nicht die evangelischen Kirchen wie Lutheranismus und so weiter. Aber sie haben durch die Vernunft die Bibel schon längst abgeschafft. Wo ist der einzige Bereich im Christentum, wo halbwegs noch das Wort Gottes als solches autoritativ betrachtet wird? Es gibt nur einen kleinen Bereich im Christentum, und das ist im evangelikalen Bereich. Das bedeutet, das ist der Bereich der Kirchen, wo Emerging Church den größten Effekt haben wird, die größte Veränderung, den stärksten Paradigmenwechsel. Wobei alle Gemeinschaften auch hier mitspielen, aber das ist die Richtung, wo die Auswirkungen am stärksten zu sehen sind.
[37:20] So, Bereich drei, Entstehung der Emerging Church. Was waren die Auslöse jetzt ursprünglich? Im Jahr 2001 kamen viele Prediger zusammen, um über den Umgang mit der Postmoderne nachzudenken. Entschuldigung, das sollte 1965 stehen, habe ich vergessen, das zu verändern. 1965 soll das stehen. Die katholische Kirche kam zusammen bei Vatikan II, um über den Umgang mit der Postmoderne zu überlegen. Wie gehen wir mit diesem neuen Zeitalter um? Und da spielte das Zweite Vatikanische Konzil eine große Rolle. Das Zweite Vatikanische Konzil war eigentlich deshalb einberufen, um jetzt die Antwort auf die Postmoderne zu finden. Wie sollen wir uns positionieren für die nächsten 500 Jahre? Damit wir relevant werden können, bleiben können und einen Einflussfaktor behalten können. Und ein wichtiger Teil da war auch die Schriftwerke von Pierre Teilhard de Chardin, ein jesuitischer Mystiker, der jetzt vor 60 Jahren gelebt hat. Er hat seine Werke damals geschrieben in den 60er Jahren, aber die katholische Kirche hat sie damals nicht getraut zu veröffentlichen. Aber dann erst, nachdem er gestorben ist, wurden sie dann veröffentlicht. Und Pierre Teilhard de Chardin hat eigentlich den Roadmap, den weiteren Vorgehensplan vorgelegt. Den ideologischen, für die katholische Kirche. Und er teilt die ganze Weltgeschichte in einen evolutionären Prozess ein. Und er hat diesen Gedanken der theistischen Evolution eingeführt. Das heißt, Evolution und Gott verbunden. Gott macht den Startschuss und Evolution hat dann seinen eigenen Verlauf. Und hat dann eigentlich das theistisch-evolutionistische Weltbild für die katholische Kirche formuliert. Das schaut wie folgt aus. Also lange zurück in der Zeit, dann wurde, das ist auf Englisch leider, dann wurde, habe ich einen Pointer da oder nicht? Habe ich nicht. Da unten rechts, birth of matter, Materie entstand. Der große Knall vielleicht. Dann danach, birth of life, die Entstehung des Lebens. Das ist die Biogenese. Zuerst war es die Kosmogenese. Dann kam die Noogenese, die Entstehung des Denkens, des Bewusstseins. Und dann Christogenesis, die Entstehung des Geistes. Und letztendlich sagte Pierre Teilhard de Chardin, dass letztendlich endet alles in dem großen Christus Omega, irgendwann in Zukunft, am Ende dieses milliardenlangen evolutionären Prozesses.
[42:25] Das wäre jetzt die ideologische Hauptausrichtung, die Pierre Teilhard de Chardin aufgestellt hat damals in den 60 Jahren. Und er war einer der Ersten, die den Begriff emerging church erwähnt hat. Viele sagen, das kam erst 2001, wo diese Pastoren da in dem Hotel zusammengekommen sind. Das stimmt nicht. Das war schon 40 Jahre vorher. Und zwar im Rahmen vom Vatikan II. Das heißt, die große Agenda für die nächsten hunderte von Jahren wurde dann so ausgelegt, wir legen uns auf diesen Prozess aus. Und das bedeutet, wir möchten jetzt hier eine Bewegung, ein Weltbild in Gang setzen, installieren, wo es geht, wir haben hier eine Gesamtevolution mit Glaube verbunden und Gott, und das geht alles dahin, dass wir so in einem verschmelzen in der fernen Zukunft. Wir gehen alles in diesem Omega auf. Das klingt ein bisschen so nach östlichen Religionen. Er hat viele Jahre in China gewohnt, eigentlich seine Jahre als Missionar in China waren die Jahre, wo er dann diese Ausrichtung aufgestellt hat.
[43:35] Und da gab es dann viele andere Autoren in den 60er- und 70er-Jahren, fast ausschließlich alle aus dem katholischen Bereich, wo sie sagten, das neue Zeitalter ist das christogenesische Zeitalter. Das heißt, es entsteht etwas Geistliches, the birth of the spirit, Erfahrung kommt in den Mittelpunkt wieder, dieses mystische Element. Aber nicht nur im Rahmen der katholischen Kirche, sondern als Gesamtbewegung für die Welt.
[43:59] Dann im Jahr 2000 sollte es da stehen, Entschuldigung, nicht 2000 Jahre, Jahr 2000 war jetzt dann dieser Tag, wo diese sogenannten heimatlosen Pastoren, das waren einige evangelikale Pastoren aus Amerika, so 10 bis 20 von ihnen, die zusammenkamen in ein Hotel und haben gedacht, Mann, wir gehören keiner Gemeinschaft an. Wir sind weder Baptisten noch Methodisten noch Pfingstler noch Presbyterianer, wir sind einfach Christen, aber konfessionslos, non-denominational sagt man auf Englisch. Heimatlose Pastoren, wir sollten ein Netzwerk binden und da sollten wir schauen, was daraus entsteht, emerge, was sich daraus entwickelt. Aber die Idee kam nicht ursprünglich von ihnen, sondern eben 40 Jahre vorher aus der Zeit vom Vatikan II, als Weltbild für die nächsten Jahrzehnte und vielleicht Jahrhunderte.
[45:01] So, einige Namen, die dann zusammengekommen sind, war Leonard Sweet, er ist Dozent an der George-Fox-Universität, das ist eine Universität der Quaker, die Quaker sind auch sehr mystisch ausgerichtet, kommen aus England ursprünglich, dann haben wir den Brian McLaren, ist eine wichtige Figur in der Emerging Church-Bewegung, dann haben wir Dan Kimball, dann haben wir Doug Padgett, Mark Driscoll und im deutschen Bereich ist Johannes Reimer eine wichtige Person. Und das war eine der federführenden Persönlichkeiten, die jetzt dieses Gedankengut von Emerging Church weitergebracht haben.
[46:00] Jetzt möchten wir ein paar Aussagen kennenlernen von diesen Personen hier, von Leonard Sweet und Brian McLaren und vielleicht einige andere, und dann werdet ihr kennen, dass das, was Pierre Teilhard de Chardin gesagt hat, eingeschlagen ist voll in der Emerging Church. Das heißt, die Symptome nach außen werden jetzt in dem evangelikalen Bereich sichtbar. Okay, wir haben ein paar Zitate hier. Unitarisches Denken, das heißt, alles ist eins, Universum und Kosmos und lebendige Materie und Gott, alles ist eins, ist die höchste Ebene des Verständnisses. Es öffnet uns für die mystische Dimension, es heilt auch unsere Schmerzen, es heilt auch unsere Spaltungen, die uns trennen. Und da möchte ich stehen bleiben, das ist eine Aussage von Leonard Sweet in seinem Buch Quantum Spirituality, der Titel allein klingt schon New Age-mäßig, also Quantenspiritualität. Das heißt, wir machen es mit Quantensprung zu einer völlig anderen, höheren, vielleicht metaphysischen Ebene, erleben Spiritualität auf eine Art und Weise, wie wir es bisher noch nicht gekannt haben.
[47:00] Das mit den Spaltungen ist interessant, weil was Emerging Church sagt, ist, was war der Grund für all diese Streitigkeiten damals zur Zeit der Reformation? Auf welche Basis haben die Protestanten untereinander gestritten oder vielleicht mit der katholischen Kirche gestritten? Ja, das war eigentlich, weil sie sich immer auf das Wort Gottes bezogen haben. Davor gab es nicht wirklich Streitigkeiten, aber dann, wo das Wort Gottes der Mittelpunkt war, dann gab es überall Streitigkeiten und das haben wir 42.000 verschiedene Kirchengemeinschaften. Das heißt, wir müssen uns mystisch ausrichten, das Wort soll zweitrangig werden und dann können wir anfangen zu heilen. Das bedeutet, da sehen wir eine Ökumene daraus kommen, aber nicht eine Ökumene nur unter Christen, sondern unter allen Religionen.
[47:39] Einige weitere Aussagen hier, die Spiritualität bedeutet in erster Linie das universelle Geschenk, das am Leben sein in allen Religionen und außerhalb aller Religionen. Wow, das heißt, ich kann spirituell sein, ob ich Christ bin oder Buddhist bin oder Moslem bin oder Hare Krishna oder Hindu. Wir sind alle spirituell. Neue Spiritualität bedeutet, wir begegnen uns über alle Religionen. Wir reden nicht mal über unter Christen, sondern unter Weltreligionen. Da verbindet uns etwas. Sind wir doch nicht alle spirituell ausgerichtet? Das ist die neue Spiritualität.
[49:52] Hier eine andere Aussage von Leonard Sweet, auch im gleichen Buch. Die postmoderne Kultur ist hungrig nach der Intimität der psychospirituellen Transformation. Also wenn man New Age-Bücher gelesen hat, dann kommt einem das Vokabular sehr ähnlich vor. Das ist nicht typisches christliches Vokabular. Psychospirituelle Transformation. Also er meint die Zeit heute. Die Menschen sind hungrig und möchten hier einfach etwas erleben auf der psychischen und spirituellen Ebene.
[50:59] Was denke ich zur folgenden Aussage? Die Theorie des Alles oder die Theorie von Allem, also das Hauptwort Allem, besagt, dass die ganze Schöpfung, die Göttlichkeit Gottes begleitet wird. Und das ist eine Göttlichkeit Gottes beinhaltet. Also es ist wieder der Pantheismus. Gott ist in der Materie, überall zu finden. In diese Richtung geht es dann. Oder eine andere Aussage hier von Leonard Sweet. Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein. Jetzt verstehen wir vielleicht, wir stehen hier vor einem Paradigmenwechsel, den es seit Jahrhunderten nicht gegeben hat. Christentum wird völlig neu definiert. In Zukunft sind Christen Mystiker, laut Leonard Sweet, einer der Hauptbegründer der evangelikalen Emerging Church.
[51:49] Dann möchte ich noch ein paar weitere Aussagen lesen, die ich leider nicht geschafft habe, hier reinzuschreiben, aber die möchte ich euch nicht entgehen lassen. Die postmoderne Leonard Sweet aus dem Buch Soul Tsunami, Seelen Tsunami. Ist ja auch ein interessanter Titel, oder? Seelen Tsunami. Sink or swim in the new millennium. Schwimme oder versinke im neuen Millennium. 1999. Da schreibt er auf Seite 74, die postmoderne Kultur ist eine lasst dich verändern oder werde verändert Kultur. Es gilt folgendes Wort. Erfinde dich selbst neu im 21. Jahrhundert oder sterbe. Erfinde dich selbst neu im 21. Jahrhundert oder sterbe. Reinvent yourself for the 21st century or die. Heftige Aussage.
[52:51] Also wir stehen hier vor einer höchst interessanten Entwicklung, die es seit Jahrhunderten nicht gegeben hat. Hier eine andere Aussage von Leonard Sweet aus dem Buch Quantum Spirituality, Seite 129. Ich lese es zuerst auf Englisch One can be a faithful disciple of Jesus Christ without denying the sacredness in the followers of Yahweh, Kali or Krishna. We are capable of talking across the fence with Hindu, Buddhists, Sikh and Muslims without assuming superiority and power. Auf Deutsch. Man kann ein treuer Nachfolger Jesus sein ohne jetzt und zugleich geistlich mit Nachfolgern von Yahweh, Kali und Krishna sprechen. Wir können über den Zaun miteinander reden mit Hindus, Buddhisten, Sikhen und Moslems ohne jetzt zu behaupten, dass wir den besseren Glauben haben, dass wir jetzt die Besseren sind oder ein besseres Angebot haben.
[54:51] Eine weitere Aussage, die ich da gefunden habe. Du hast, das ist hier in Bezug auf eine geistliche Disziplin, wenn du mit der Bibel herumgehst, dann soll man diese geistliche Übung machen, tief einatmen, steht hier. Atme tief ein, währenddessen du die Bibel hältst. Und dann sagt der folgende Satz, der gleich danach kommt. Du hast in dir selber nicht nur die Kräfte des Guten, sondern auch große geistliche Führer wie Mose, Jesus, Mohammed, laut zu. In jedem Atemzug, den du machst, ist eine Menge an Engeln wie der Joan von Ark und auch Teufeln wie Gilles de Rais, Genghis Khan, Judas Iscariot, Herod und Hitler und Stalin und alle anderen auch noch dabei. Ja, ich weiß nicht, das klingt schon ein bisschen seltsam, aber das ist die Richtung, in die es geht. Es ist eigentlich New Age in christlicher Form, was wir hier sehen in Emerging Church auf Basis der alten Mystik.
[55:14] Noch eine Aussage. Die Mystik fängt mit der Erfahrung an und endet mit Theologie. Das ist eine hochinteressante Aussage. Also das heißt, wir fangen damit an, Dinge zu erfahren und nachtäglich später verenden sich auch unsere Glaubensüberzeugungen, unsere Theologie, unsere Dogmen entsprechend der Erfahrungen. Das ist ja genau das Gegenteil, als was Luther gesagt hat, dass die Schrift über alles steht, oder? Das ist genau auf den Kopf gestellt.
[55:50] Weitere Aussage hier. Schau mal hier, welche wir nehmen. Hier, Arlen Jones, auch einer der Mitbegründer, sagt in seinem Buch Reimagining Christianity, also das Christentum neu definieren oder neu sich vorstellen, auf Seite 279. Es gibt keine objektive Autorität. Also wir merken eindeutig, in Emerging Church wird das Wort Gottes völlig entkräftigt. Und da merken wir, das ist eigentlich der gleiche jahrhundertelange Kampf, den wir haben, seit der Reformation, ist das Wort Gottes jetzt gültig oder nicht? Um dieses Buch dreht sich die ganze Auseinandersetzung. Nur immer wieder aus verschiedenen Perspektiven.
[56:39] Dann gehen wir weiter, vielleicht noch ein, zwei Zitate. Brian McLaren, ein anderer Mitbegründer, sagt in seinem Vortrag an Princeton Theological Seminary im November 2005, Was wäre, wenn es Tausende von Johannes Calvin, das war der Mitreformator von Luther, geben würde und Gott sich entscheiden würde, sie alle schwul zu machen? Oder er sagte in einem Christianity Today, das ist eine Zeitschrift im Jahr 2004, Ich glaube nicht, dass wir das Evangelium noch verstanden haben. Was bedeutet es, erlöst zu werden? Das ist interessant hier, das heißt, die Emerging Church Bewegung hat ein Problem mit dem stellvertretenden Tod Jesu. Sie sagen, es kann nicht sein, dass Gott Sünde als Strafe auf Jesus Christus, seinen Sohn legt, damit wir freigesprochen werden können. Das passt nicht zu einem Gott der Liebe. Das lenkt sogar die Weltreligionen von der Liebe Gottes ab, schreckt sie von diesem Gott ab. Das heißt, sie können sich nicht klar zu denen bekennen, dass Jesu Tod ein stellvertretender, übertragender Tod war, wo unsere Strafe übertragt werden, auf Jesus persönlich.
[57:06] Vielleicht noch ein, zwei Aussagen hier. Hier, das ist eine interessante Aussage, Brian McLaren in seinem Buch Generous Orthodoxy, Seite 260, großzügige Orthodoxität. Ich glaube nicht, dass wenn wir Jünge machen, dass das das Gleiche bedeuten muss, dass man sie zu Christen machen muss. Es würde ratsam sein, in vielen Fällen, einfach den Menschen helfen, Jesus nachzufolgen und sie in ihrem buddhistischen, hinduistischen oder jüdischen Glauben bleiben zu lassen.
[57:44] Wir merken hier eindeutig, dass wir hier in eine Richtung gehen, wo das Wort Gottes aufgelöst wird und eigentlich eine Weltreligionsökomäne hier am Entstehen ist. Ja, das waren einige Aussagen, die wir da haben. Und so haben wir einige Merkmale, die wir aus diesen Aussagen auch schließen können, die sind befolgt. Also, die Stellung der Bibel ist zutiefst untergraben im Emerging Church. Es ist nicht das Wort Gottes, sondern die Erfahrung, die Mystik, das ist entscheidend und ausschlaggebend. Deswegen haben wir geistliche Disziplinen und suchen uns auch die Mystik aus. Und das ist der Grund, warum die Emerging Church Bewegung immer wieder geistliche Disziplinen einführt, wie wir sie bei den Mystikern im Mittelalter vorgefunden haben. Meditatives Spazierengehen, kontemplatives Beten und viele andere mystische Formen und geistliche Disziplinen führen Sie ein und empfehlen Sie dann den Nachfolgen von Emerging Church.
[59:55] So, es ist eigentlich eine Vorwärts in die Vergangenheit, so könnte man Emerging Church bezeichnen. Vorwärts in die Vergangenheit. Dazu natürlich, was man nach außen am meisten sieht, ist natürlich dann die Worship und die Musik, die Sie übernommen haben aus dem charismatischen Bereich. Und der Bereich Ökumene ist natürlich sehr entscheidend. In Emerging Church ist Ökumene eine der Grundsäulen. Es gibt keine Emerging Church ohne Ökumene. Wir müssen eins werden, nicht nur als Christen, sondern überhaupt unter den Religionen auf lange Sicht gesehen. Dazu kommt noch die theistische Evolution. Gott ist nicht der Schöpfer, sondern er hat nur die Schöpfung ausgelöst und danach hat die Evolution alle weiteren Prozesse übernommen, so wie Darwin das beschrieben hat und die Wissenschaft es heute behaupten möchte. Aber worum es vor allem geht, ist die neue Philosophie. Emerging Church ist eine neue Philosophie, das ist eine Reformation 2.0. Aber nicht zurück zu den Wurzeln der Reformation, sondern zurück zu den Wurzeln vor der Reformation. Ein Vorwärts in die Vergangenheit, nur in etwas moderner Fassung. Nicht in der Fassung vom Jahr 1400, sondern in der Fassung vom Jahr 2000 mit der Gesellschaft, die wir heute haben.
[1:01:32] Vielleicht können wir uns noch kurz abschließen und die Frage noch stellen, ja, was ist es mit die Bibel und Ellen White? Dann nur ein paar kurze Gedanken, da die Zeit eigentlich schon abgelaufen ist. Wenn wir in das Wort Gottes hineinschauen, erkennen wir, dass der Kampf um das Wort Gottes immer der Kern war. Emerging Church ist ein weiteres Phänomen, um das Wort Gottes zu neutralisieren. Wenn wir das Buch Mose, erstes Buch Mose, Kapitel 3 aufschlagen, erkennen wir schon am Anfang, vielleicht hat Christopher Kramp das heute früh schon erwähnt, kann sein, dass ich seine Gedanken da wiederhole, dass er das Buch Mose immer wieder aufschlägt. In Kapitel 3 vom ersten Buch Mose lesen wir Folgendes. Eva begegnet die Schlange. Gott hat zuvor zu Eva gesagt, in Kapitel 2 und Vers 16, Und Gott, der Herr, gebote Menschen und sprach, das Wort Gottes jetzt, Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Kenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tag, an dem er davon isst, musst du des Todes sterben. Das war das Wort Gottes, das gesprochene Wort Gottes.
[1:02:49] Jetzt kommt dann einige Zeit später die Begegnung mit der Schlange am Baum, der Erkenntnis vom Guten und Bösen in Kapitel 3 und Vers 1. Das erste, was Eva hört, ist, sollte Gott gesagt haben. Also was wird in Frage gestellt? Das Wort Gottes. Der erste Angriff, den der Satan in der Weltgeschichte der Menschheit gemacht hat, war auf das Wort Gottes. Er weiß, alles steht und lebt mit dem Wort Gottes, sei es das gesprochene Wort Gottes von Gott selbst oder das geschriebene Wort Gottes wie in der Bibel. Das bedeutet, das Wort Gottes wird immer Angriffspunkt Nummer eins sein für ihn. Hat schon so angefangen von Anfang an.
[1:03:37] Er hatte was anderes auch in Aussicht gestellt, wenn wir weiterlesen in Vers 5. In Vers 4, dort in Kapitel 3, da sprach die Schlange zur Frau, ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß, an dem Tag, an dem ihr davon ist, werden eure Augen aufgetan und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist. Wir werden, sagt Ellen White, so hatte Eva das verstanden, sie wird eine höhere Existenzebene erreichen. Eine höhere Daseinsebene. Und sie dachte, wow, die schaut aber sehr attraktiv aus. Da kann ich ja viel, viel mehr sein und ganz was anderes, als ich jetzt bin. Und genau das möchte die Emerging Church uns auch verkaufen. Wir könnten eine höhere Daseinsebene erreichen, als Christen, als Welt, in diesem einen Zusammen, wo die Erfahrung, das mystische Teil unserer Erfahrung wird, das Hauptteil, und das Wort Gottes-Ehe dann vernachlässigt wird. Das gleiche Angebot gab es damals. Es hat sich nichts verändert in 6.000 Jahren.
[1:04:41] Wie Paulus schreibt in 2. Timotheus Kapitel 3, und das steht so bis heute, da hat sich nichts daran geändert, 2. Timotheus Kapitel 3, und Vers 16, da steht, denn alle Schrift, nicht manche Schrift, nicht die Mehrheit der Schrift, nicht die, mir am meisten gefallenden Schrift, alle Schrift, von Gott eingegeben, ist Nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung, in die Gerechtigkeit. Warum? Dass der Mensch Gottes vollkommen sein, zu allem guten Werk geschickt. Nur in dem Wort Gottes kann Gott das in dir und mir erfüllen, was er wirklich vorhat. Und nicht durch die Erfahrung, nicht durch die Mystik und die geistlichen Disziplinen, die in der Merging Church vertreten werden.
[1:05:32] Interessant ist der Parallel zur Adventgemeinde, die Gabi wird ein bisschen darauf eingehen im nächsten Vortrag, und Kellogg, ich weiß nicht, ob du auf Kellogg eingehen wirst. Willst du auf Kellogg eingehen? Das Buch, Living Temple, 1903, da ging es ja bei Kellogg darum, dass es pantheistische Ideen gab, dass Gott auch in der Materie und in uns vorhanden und präsent ist. Das war der Grund, warum das Verlagshaus dann später abgebrannt worden ist, weil in der Nacht, wo es begonnen, wo sie das Drucken dieses Buches begonnen wollten, dann das Verlagshaus abgebrannt ist. Und jetzt macht es einen Ausschlag dazu, weil dieses Jesus und Gott in uns inkarniert zu werden, ist der gleiche Gedanke, den wir jetzt gelesen haben, hier bei den Gründen von der Merging Church, war das nicht so? Aufgehen, diese kosmische Spiritualität, diese Christogenesis, von der Pierre Teilhard de Chandon gesprochen hat.
[1:06:30] Und jetzt sagt Eleanor White etwas Interessantes in Bezug auf Living Temple, aber das können wir übertragen auf Emerging Church auch. Lasst euch nicht verführen, sagt sie hier in Selected Messages, also Erwählte Botschaften, Band 1, Seite 197. Lasst euch nicht verführen. Viele werden vom Glauben weggehen und werden verführerische Geister hören und auf die Lehren von Teufeln eingehen. Wir haben jetzt vor uns den Alpha, aber der Omega wird ganz erschreckend werden. Sie spricht von den zwei Abfällen, den Alpha-Abfall und den Omega-Abfall. Alpha-Abfall war der Living Temple, das Buch von John Harvey Kellogg damals, und das heißt, am Ende der Zeit wird etwas Ähnliches kommen. Deshalb sind wir als Adventgemeinde gefragt, uns wirklich zu belegen, ist Emerging Church ein Weg, den wir gehen möchten? Kann das der Weg für das Volk Gottes in der Endzeit sein? Oder hat es eher mit einem Omega-Abfall zu tun? Interessant ist, dass Pierre Teilhard de Chardin auch von der Omega-Erfüllung am Ende gesprochen hat, das ist nicht interessant, wo alles so ineinander aufgeht.
[1:07:54] Eine andere Aussage von Ellen White, und da spricht sie über Mystizismus direkt, interessant, das war ein Artikel in Review & Herald am 22. Oktober 1903, also fast genau 60 Jahre nach der Enttäuschung, das war der 22. Oktober 1903. Wir brauchen nicht den Mystizismus, das wir in diesem Buch Living Temple vorfinden. Und jetzt, passt genau auf, das ist der letzte Zitat von heute. All jene, die sich diese Theorien anschließen und hören, werden sich bald darin finden, dass sie direkt angesprochen werden können vom Teufel. Das heißt, diesen Weg zu gehen, öffnet die Türen für die okkulte Erfahrung, ist was sie sagt. Das ist klar, wenn das Wort Gottes einfach unterm Teppich landet und die mystische Erfahrung hochkommen wird, dann kann es nur in die Richtung gehen letztendlich. Das Wort Gottes ist der einzige Schutz.
[1:08:02] So, wie können wir alles zusammenfassen für heute? Es ist ganz einfach, das fasst alles zusammen. Wenn du dieses Bild verstehst, verstehst du Emerging Church. Was ist jetzt das Entscheidendere? Die Bibel oder die Erfahrung? Schwierig ist es nicht, es ist ganz einfach eigentlich. Aber alles andere kann nach diesem Schema eingeordnet werden, die ganzen letzten 500 Jahre. Und wir merken, dass Gott in unserer Zeit ein Volk aufrufen möchte, der das Wort Gottes aufhält, das Wort Gottes aufrichtet. Ich frage mich, wo wird in 5 oder 10 oder 15 Jahren es noch eine Bewegung geben, die sich für das Wort einsetzt? Wenn die Kirchen alle den Weg der Emerging Church gehen, wer bleibt noch übrig? Wir haben eine Verantwortung, eine große Verantwortung gegenüber des ganzen Christentums und auch der Welt, eine Alternative anzubieten. Also Stellung der Bibel gegenüber der Erfahrung, darum geht es. Und das Interessante ist, dass 500 Jahre Jubiläum nächstes Jahr der Reformation wird kein Jubiläum sein, sondern eine Verabschiedung. Das Timing ist ja faszinierend, oder? Emerging Church vor 40 Jahren bei Vatikan II und jetzt ist es gerade so in Schwung gekommen, dass es fast perfekt, termingenau auf 2017 hinkommt, um dann eigentlich die Ablöse der Reformation zu feiern. Das ist, was gefeiert wird, die Ablöse der Reformation. Die Evangelikalen, die Vertreter der weltweiten Evangelikalen Allianz und Evangelikalen sind ja die Hauptzielscheibe eigentlich in der Emerging Church, sie sind am meisten betroffen, waren im Juni 2014 persönlich beim Papst Franziskus zu Besuch und haben gebeten und gesagt, wir möchten am 31. Oktober 2017, das ist der 500-Jahrestag, wo die Thesen in Wittenberg an die Kirchentür angeschlagen wurden, sie von Martin Luther, an dem Tag möchten wir ein Dokument mit dir, Papst Franziskus, gemeinsam unterzeichnen. So feiern sie die 500 Jahre, die Evangelikalen. Und das Dokument wird Folgendes sein, dass wir ab jetzt gemeinsam Mission machen. Reformation 2.0 steht vor der Türe, die Reformation 1.0 von Martin Luther wird abgelöst von Emerging Church und wir gehen in eine völlig neue Ära hinein, eine völlig neue Christenheit, die wir vorher noch nicht gekannt haben. Wir als Adventgemeinde sind aufgerufen, den Weg mit Gott klar weiterzugehen, anhand des Wortes Gottes und uns nicht fehlen zu lassen, sondern klares Zeugnis zu sein für uns selbst und für all die Menschen auf dieser Welt. Amen.
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