In dieser Folge von „Der Ersehnte“ vertieft Christopher Kramp die Missionsanweisungen Jesu an seine 70 Jünger aus Lukas 10, Verse 5-8. Er beleuchtet die Bedeutung des Friedensgrußes und erklärt den biblischen Begriff „Sohn des Friedens“ im Kontext semitischer Sprachgebräuche. Zudem wird die theologische und praktische Pflicht der Gläubigen erörtert, Missionare zu unterstützen, um selbst Teil der Wahrheitsverkündigung zu werden. Ein spannender Einblick in Jesu Missionsstrategie und die frühe Kirchengeschichte.
Der Ersehnte: 229. „ein Sohn des Friedens“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus ChristusPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Der Ersehnte
„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
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Transkript
[0:33] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr wieder dabei seid hier auf www.joelmedia.de. Wir wollen weiterstudieren im Leben von Jesus, wollen ihn besser kennenlernen, sein Wort in uns aufnehmen und Freude dabei haben zu verstehen, wie die Botschaft der Bibel, die Botschaft der Evangelien, unser Herz verändert. Wir sind gerade dabei zu sehen, wie Jesus 70 Jünger aussendet auf eine Missionsreise. Wir haben das letzte Mal die ersten vier Verse von Lukas 10 unter anderem studiert und wollen da heute weitermachen. Bevor wir dort aber einsteigen, möchten wir Gott einladen, unser Denken zu leiten, uns mit seinem Heiligen Geist zu erfüllen, damit wir die Wahrheit verstehen, wie er sie gemeint hat. Wollen wir dazu gemeinsam niederknien?
[1:37] Lieber Vater im Himmel, danke, dass wir dein Wort haben. Danke, dass du zu uns sprichst und dass du uns immer wieder und immer wieder und immer wieder daran erinnerst, wie gerne du uns hast und was du für uns tun kannst und tun möchtest und tun willst. Herr, wir möchten dich bitten von ganzem Herzen, dass wir jetzt zu deinen Füßen sitzen dürfen, dass wir dein Wort verstehen können und dass vor allem wir lernen, wie wir im Alltag mit dir leben und gestärkt werden können, um auch die Botschaft anderen Menschen weiterzugeben. Herr, halt uns ganz fest bei dir. Hab Dank, dass du uns ermutigst und dass du für uns da bist. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt unser Studium segnest, denn du hast versprochen, dass dein Wort nicht leer zurückkehren wird, sondern ausführen wird, wozu du es gesandt hast, und darum bitten wir dich jetzt.
[2:33] Amen. Wir sind in Lukas Kapitel 10. Wir haben gesehen in Vers 1, da hieß es ja: "Danach aber bestimmte der Herr noch 70 andere und sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er selbst kommen wollte." Ich wollte noch gerne etwas nachtragen, was wir das letzte Mal vergessen hatten, nämlich einen Hinweis aus dem Buch "Der Sieg der Liebe" oder "Das Leben Jesu" über diese 70 Jünger: Woher kamen die eigentlich? Es wird uns hier gesagt: "Diese Jünger hatten bereits einige Zeit mit ihm, also mit Jesus, verbracht." Er hat also hier nicht Leute losgeschickt, die er gerade zum ersten Mal gesehen hat. Es waren Menschen, die neben den zwölf Aposteln auch in einem größeren Kreis um ihn herum gewesen waren, immer mal wieder. Wir haben ja auch Geschichten gesehen, wo Jesus seine zwölf Apostel dann zur Seite genommen hat, nur sie gelehrt hat, hat ihnen bestimmte Dinge beibringen wollen. Aber er hat auch immer wieder eine größere Gruppe um sich gehabt, und das sind hier diese Jünger gewesen und haben ein Training, eine Ausbildung für ihre Arbeit erhalten.
[3:47] Sie sagt dann auch: "Als die zwölf, das heißt die Apostel, auf ihre erste eigene Missionsreise gesandt worden sind – das war ja gegen Ende des Dienstes in Galiläa gewesen – haben andere Jünger Jesus auf seiner Reise durch Galiläa begleitet." Also wir haben gesehen, Jesus war ja ein ganzes Jahr, von dem Frühjahr 29 bis zum Frühjahr 30, in Galiläa aktiv. Und gegen Ende hat er dann seine zwölf, die Apostel, die sozusagen dann die Stütze der zukünftigen Gemeinde bilden sollten, die hat er auf eine erste Missionsreise ausgesandt. War dann allerdings nicht alleine, sondern hat weitere Jünger gehabt, die um ihn waren, die ihn begleitet haben, die dann immer noch gelernt haben von ihm. Und so heißt es hier: "So hatten sie das Vorrecht einer sehr, sehr engen Verbindung mit ihm und direkter persönlicher Unterweisung." Das heißt, das waren hier nicht nur Menschen, die ab und zu Predigten von Jesus gehört haben, sondern die auch neben den zwölf Aposteln direkt bei Jesus, sozusagen in der Schule, man könnte sagen in der Missionsschule, gewesen sind. Und dann sagt sie: "Nun ging diese, nun sollte diese größere Anzahl ebenfalls auf eine eigene Missionsreise gehen." Und das ist, was wir jetzt hier vorfinden.
[5:19] Also wir sehen auch, dass Jesus diese Missionsreisen immer sehr gut vorbereitet hat. Er hat nicht Leute einfach ins kalte Wasser geschickt, sondern er hat sie vorher mitgenommen, hat sie ausgebildet, und als der richtige Zeitpunkt gekommen war, hat er sie losgesandt. Auch das können wir von ihm lernen.
[5:37] Wir steigen heute ein in Lukas 10 und dort in Vers 5. Lasst uns gemeinsam Lukas 10, Vers 5 lesen: "Wo ihr aber in ein Haus hineingeht, da sprecht zuerst: Friede diesem Haus!" In Matthäus 10 – wir haben gesehen, dass ja auch die Anweisungen an die zwölf Jünger für deren Missionsreise ganz ähnlich waren wie die Anweisungen, die jetzt diese 70 Jünger erhalten – in Matthäus 10, wo die Ausbildung oder die Anweisungen an die zwölf Jünger enthalten sind, finden wir einen ganz ähnlichen Satz. In Matthäus 10, Vers 12: "Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßt es." Und gemeint ist natürlich mit dem Friedensgruß, wie dann auch der nächste Vers deutlich macht.
[6:30] Das war der übliche Gruß im Alten Orient, dort in der Kultur. Nur zwei Beispiele sollen das illustrieren, ohne dass wir jetzt die Geschichten dahinter ausführlicher uns anschauen. In 1. Samuel 25 und dort Vers 6 lässt David Boten senden zu Nabal, auf deren Schafe er aufgepasst hat. Und es heißt hier in Vers 5 und 6: "Sandte er zehn Burschen aus und sprach zu ihnen: Geht hinauf nach Karmel, und wenn ihr zu Nabal kommt, so grüßt ihn freundlich in meinem Namen und sagt: Mögest du lange leben! Friede sei mit dir und Friede sei mit deinem Haus und Friede mit allem, was du hast." Das ist also der typische Gruß damals gewesen, aus Höflichkeit.
[7:21] Auch in Richter 19, Vers 20, haben wir ein anderes Beispiel: "Der alte Mann sprach: Friede sei mit dir! Alles, was dir mangelt, findest du bei mir. Bleibe nur nicht über Nacht auf dem Platz." Der Gruß damals war "Shalom", "Friede sei mit dir", "Friede sei mit dem Haus". Das war also der Hintergrund. Aber natürlich steckt da sicherlich noch mehr dahinter, denn die Botschaft Gottes ist eine Botschaft des Friedens.
[7:52] In Jesaja 57 und dort Vers 19 – Jesaja 57 und dort Vers 19 lesen wir. Wir können ab Vers 18 lesen: Gott sagt: "Seine Wege, die Wege Israels, habe ich gesehen; dennoch will ich es heilen und es leiten und ihm und seinen Trauernden mit Tröstungen vergelten, indem ich Frucht der Lippen schaffe: Friede, Friede den Fernen und den Nahen, spricht der HERR. Ja, ich will es heilen." Mit anderen Worten, wenn ein Missionar unterwegs ist, soll er höflich sein, er soll tatsächlich auch grüßen, er soll sagen: "Friede sei mit euch." Aber für den Missionar, für den Boten Gottes, ist das nicht einfach nur eine bedeutungslose Floskel, sondern in der Höflichkeit, die auch kulturell ihren Ausdruck findet, sieht er eigentlich ein Bild für die Tiefe des Evangeliums. Indem er sagt: "Friede sei diesem Haus", will er nicht einfach nur einen kulturellen Code erfüllen. Er hat die Möglichkeit, Gottes Botschaft sogar in die Begrüßung hineinzulegen. Und ich glaube, wenn wir so an das Leben herangehen, dann werden wir viele Gelegenheiten finden, wo in scheinbar alltäglichen Dingen wir Möglichkeiten sehen werden, Gottes Botschaft damit zu verbinden. Der Friedensgruß ist eine Möglichkeit, Menschen auf den Frieden hinzuweisen, den allein Gott kann.
[9:34] Vers 6, Lukas 10, Vers 6: "Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren." Hier sehen wir schon, dass es eben nicht nur darum geht, einfach nur den richtigen Gruß auszusprechen, sondern Friede hat hier eine tiefe Bedeutung. Gibt es dort in dem Haus einen Sohn des Friedens? Nun, zunächst einmal ist die Aussage so ähnlich wie auch schon in Matthäus 10, als sie an die zwölf ergingen. In Matthäus 10, Vers 13, heißt es: "Und wenn das Haus es wert ist, so komme euer Friede über dasselbe; ist es aber dessen nicht wert, so soll euer Friede wieder zu euch zurückkehren." Es geht also nicht nur darum, dem Haus Frieden zu wünschen als Formel, sondern dass tatsächlich dort auch Frieden entsteht. Gott wünscht sich, dass seine Boten die Botschaft des Friedens so präsentieren, dass tatsächlich auch der Friede Gottes in die Heime hineindringt.
[10:43] Interessant ist, dass Lukas hier eine Formulierung hat, die sonst in den Evangelien nicht auftaucht, nämlich während Matthäus, oder während es bei den zwölf hieß: "Wenn jemand dort wert ist", heißt es hier: "Wenn es dort einen Sohn des Friedens gibt." Nun, was heißt das, ein Sohn des Friedens? Das bedeutet natürlich nicht, dass der Friede der buchstäbliche Vater dieses Menschen ist. Es gibt in der Bibel interessanterweise auch einen Kontrast zu dem Sohn des Friedens. Es gibt andere Bezeichnungen, die das Gegenteil ausdrücken. Auch hier gehen wir noch mal zu 1. Samuel 25, der Geschichte von David, Nabal und Abigajil. In 1. Samuel 25, Vers 17, heißt es: "So bedenke nun und sieh, was du tun kannst; denn es ist gewiss ein Unglück beschlossen über unseren Herrn und über sein ganzes Haus", also den Nabal, "und er ist ein solcher Sohn Belials, dass ihm niemand etwas sagen kann." Hier haben wir also einen Sohn Belials. Das ist natürlich das Gegenteil. Man könnte sagen, ein Sohn des Teufels. Und wir erinnern uns, wie auch Jesus in Johannes 8, Vers 44, den Schriftgelehrten, den Pharisäern, dort sagt: "Ihr habt den Teufel zum Vater, ihr seid quasi Söhne des Satans."
[12:24] Noch ein Beispiel in Epheser Kapitel 2 und dort Vers 2 und 3. Epheser Kapitel 2, Vers 2 und 3. Wir können Vers 1 lesen: "Auch euch, die ihr tot wart durch Übertretung und Sünden, in denen ihr einst gelebt habt nach dem Lauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geist, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt. Unter ihnen führten auch wir alle einst unser Leben in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und wir waren von Natur Kinder des Zorns wie auch die anderen." Wir haben hier also auch noch die Söhne des Ungehorsams, die Kinder des Zorns. Nun, all das ist natürlich ganz offensichtlich nicht so gemeint, dass der Ungehorsam Kinder hat und dass der Belial buchstäblich biologische Kinder hat und dass der Frieden buchstäbliche Söhne hat, sondern diese Formulierung ist eine ganz typische Formulierung nicht nur im Hebräischen eigentlich, sondern auch in anderen semitischen Sprachen gibt's auch im Akkadischen zum Beispiel, wo man einfach ausdrücken möchte: Jemand ist friedlich, jemand handelt so wie der Belial, jemand ist ungehorsam. Und weil er ungehorsam ist, wird er genannt ein Sohn des Ungehorsams. Und weil er friedlich ist, ist er ein Sohn des Friedens. Weil der Luzifer leuchtete, hieß er der Sohn der Morgenröte. Weil Abraham 75 Jahre alt war, heißt es im Hebräischen: "Er war ein Sohn von 75 Jahren."
[14:05] Und es ist ganz wichtig, dass wenn wir die Bibel lesen, wir das zur Kenntnis nehmen, dass das Wort "Sohn" ein sehr viel breiteres Spektrum hat an Bedeutung, als wir das im Deutschen in der Regel so ausdrücken und verwenden. Und das ist natürlich enorm wichtig, auch wenn es um die Frage geht, was bedeutet es, dass Jesus der Sohn des Menschen ist und der Sohn Gottes? Biblisch bedeutet das, dass so wie der Sohn des Friedens eben friedlich ist und so ein Sohn des Ungehorsams eben ungehorsam ist und so wie Abraham als ein Sohn von 75 Jahren 75 Jahre alt ist, so ist Jesus als der Sohn des Menschen eben ein Mensch und als Sohn Gottes eben Gott. Und genau diesen Sprachgebrauch, den kann man hier an diesem Beispiel von dem Sohn des Friedens sehr schön sehen. Wie gesagt, in Matthäus 10 wurde das so ausgedrückt als jemand, der es wert ist. Und das zeigt also jemand, der tatsächlich es wert ist, der diesen Frieden auch wirklich wertschätzt, der diese Botschaft gerne aufnimmt, der ihr gerne ein Heim bereitet.
[15:25] Lesen wir weiter, was in Lukas 10 gesagt wird, was Jesus diesen 70 Jüngern mit auf den Weg gab. Also in Vers 7: "In demselben Haus, wo der Sohn des Friedens ist, also ein würdiger Mensch, der tatsächlich die Missionare gerne aufnimmt, in demselben Haus aber bleibt und esst und trinkt das, was man euch vorsetzt; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Geht nicht aus einem Haus ins andere." Jesus erklärt ihnen also ganz praktisch jetzt, wie sie, oder besser gesagt, wie Gott für sie sorgen wird. Er hat ihnen ja vorher gesagt in Vers 4, dass sie keinen Beutel, keine Tasche, keine Schuhe, dass sie keinen Proviant, also keine extra Ausrüstung mitnehmen sollen, sondern dass Gott für sie sorgen wird. Als praktische Illustration dessen, was Jesus in Matthäus 6 in der Bergpredigt auch immer wieder angesprochen hat: Gott sorgt für uns.
[16:32] Wie tut er das hier im Fall dieser Missionare? Indem er Menschen beeindrucken wird, die diese Missionare unterstützen werden, ihnen eine Basis bieten, von der aus sie dann ihre Mission ausführen können. Offenbar ist genau das die Praxis von Jesus gewesen, der ja nicht mal ein eigenes Haus hatte. Wir wissen zum Beispiel, dass wenn er in Kapernaum gewesen ist, dass er dann immer im Haus des Petrus offensichtlich seine Basis gehabt hat. Wir sehen zumindestens, dass er nach dem Synagogenbesuch dorthin zurückkehrt oder wenn er dann mal in die Stadt zurückkommt nach Kapernaum, dass er sich dort im Haus des Petrus aufgehalten hat. Das war also sozusagen ein Beispiel für seinen Sohn des Friedens, der diese Botschaft von Jesus gerne aufgenommen hat.
[17:23] Wichtig ist hier, dass die Missionare in einem solchen Haus bleiben sollten. Sie sollten also, wenn sie einmal eine Person gefunden haben, einen Haushalt, wo sie wirklich eine Basis hatten für ihre Mission, dann sollten sie dort auch bleiben. Und das war auch schon eine wichtige Anweisung an die zwölf Apostel. In Lukas 9, Vers 4, heißt es: "Und wo immer ihr in ein Haus eintretet, da bleibt und von da zieht weiter." Der Gedanke ist also: Wenn ihr in eine neue Stadt kommt, wo ihr missionieren wollt, dann sucht euch dieses Haus, und da bleibt, und verlasst dieses Haus erst, wenn ihr auch die Stadt verlasst. Ähnlich auch in Matthäus 10, Vers 11, und Markus 6, Vers 10.
[18:07] Ein Beispiel dann später in der Apostelgeschichte für diese Praxis findet sich in Apostelgeschichte 16. Dort haben wir nämlich Paulus, der dort nach Philippi kommt. Und dort heißt es dann in Vers 15 über die Lydia: "Als sie aber getauft worden war und auch ihr Haus, bat sie und sprach: Wenn ihr davon überzeugt seid, dass ich an den Herrn gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt dort! Und sie nötigte uns." Und dann passieren einige Dinge in Philippi. Unter anderem werden Paulus und Silas ins Gefängnis geworfen. Als sie dann durch das Erdbeben freikommen und dann wieder auch die Stadt verlassen sollen, lesen wir in Vers 40: "Da verließen sie das Gefängnis und begaben sich zu Lydia; und als sie die Brüder sahen, trösteten sie sie und zogen fort." Offensichtlich war der Haushalt der Lydia so eine Basis für Paulus und Silas in ihrer Mission auf dieser zweiten Missionsreise in der Stadt Philippi. Die Lydia war also in dem Fall eine Tochter des Friedens. Das ist sehr schön, wenn man sozusagen in der Bibel auch praktisch sieht, wie das dann auch von den Jüngern tatsächlich buchstäblich so umgesetzt worden ist.
[19:31] Weiter heißt es ja hier in Lukas 10, Vers 7: "Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert." Das ist nur eine Variante von dem, was Jesus in Matthäus 10 gesagt hatte, als er in Matthäus 10, Vers 10, gesagt hat: "Keine Tasche auf dem Weg, auch nicht zwei Hemden, weder Schuhe noch Stab; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert." Das ist natürlich dasselbe gemeint. Jesus hat diese Predigt ja jetzt mindestens zweimal gehalten: einmal an die zwölf, einmal an die 70. Und das sind unterschiedliche Formulierungen im Detail, natürlich ganz selbstverständlich.
[20:06] Es gibt eine Pflicht der Gläubigen, die den Dienst von Missionaren erleben, auch diese Verkündiger zu versorgen. Wir wollen ganz kurz dazu ein paar Bibelstellen lesen, weil das hier ganz gut zu diesem Thema passt. In Galater 6 und dort Vers 6 heißt es: "Wer im Wort unterrichtet wird, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern." Weil ein echter Vollzeitmissionar eben nicht nebenbei noch für seinen Lebensunterhalt sorgen kann, ist es die Aufgabe derer, die von seinem Dienst profitieren, ihm die nötige Unterstützung zu geben.
[20:46] Interessant ist 1. Timotheus 5, Vers 17 und 18, weil Paulus hier Folgendes macht: Er sagt in 1. Timotheus 5, Vers 17 und 18: "Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wert geachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten. Denn die Schrift sagt: Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt." Das ist das Alte Testament, das er zitiert. Und dann sagt er: "Und der Arbeiter ist seines Lohnes wert." Und das ist kein Zitat aus dem Alten Testament, sondern das ist ein Zitat aus dem Neuen Testament, nämlich ein Zitat aus Lukas 10. Das heißt, diese Stelle hier in Lukas 10, Vers 7, wird jetzt von Paulus in seinem Brief an Timotheus in 1. Timotheus 5, Vers 18, zitiert, und zwar als "die Schrift". Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zur Zeit, als Paulus den Brief an Timotheus schreibt, das Lukasevangelium erstens schon existiert haben muss und zweitens, dass es bereits als ein inspiriertes Evangelium anerkannt war, das ist bereits sozusagen zu diesem Zeitpunkt als zur Bibel dazugehörig angesehen worden ist. Ein ganz schönes Beispiel innerhalb der Bibel, wo man sehen kann, dass also nicht, wie es manchmal moderne Theologen behaupten, die Evangelien erst sehr später geschrieben worden sind, sondern dass das bereits dann hier vorhanden gewesen ist und auch schon von den allerersten Christen als Grundlage des Glaubens angesehen worden ist und sogar zitiert worden ist für Paulus hier als ein Beleg dafür, dass, was er sagt, auch inspiriert ist und entsprechend wahr ist.
[22:38] Schauen wir noch in 3. Johannes, wo dieser Gedanke, dass es wichtig ist, die Verkündiger der Wahrheit zu unterstützen, da ist. 3. Johannes ist ein ganz wesentliches Buch, auch weil es dort auch um dieses Thema insbesondere geht. In 3. Johannes, Vers 5 bis 8, dort schreibt Johannes an den Gaius: "Mein lieber, du handelst treu in dem, was du an den Brüdern tust, auch an den Unbekannten, die von deiner Liebe Zeugnis abgelegt haben vor der Gemeinde. Du wirst wohltun, wenn du ihnen ein Geleit gibst, wie es Gottes würdig ist." Also ein Geleit bedeutet eine Unterstützung, die ihnen hilft, sozusagen ihre Reise fortzusetzen. "Denn um seines Namens willen sind sie ausgezogen, ohne von den Heiden etwas anzunehmen. So sind wir nun" – und jetzt kommt das entscheidende Wort – "so sind wir nun verpflichtet, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden." Die Gläubigen sind verpflichtet, die Missionare, die Verkündiger, zu unterstützen, und dadurch werden sie Mitarbeiter der Wahrheit. Und er sagt, diese Unterstützung, die du ihnen gibst, die soll gotteswürdig sein, weil...
[23:48] die du gibst, soll Gottes würdig sein, weil diese Missionare ja eben gerade nicht sich von der Welt unterstützen lassen. Soll deutlich werden, dass Gott, wer auf Gottes Wort vertraut, der wird Gottes Verheißung in seinem Leben erleben. Und Gott lädt seine Gemeinde ein, ja, erwartet von seiner Gemeinde, dass sie sich an diesem Werk beteiligt, dass Gott durch die Gemeinde auch diese Verheißung wahrmachen kann.
[24:14] Gott hat tausend Wege, er ist auf die Gemeinde nicht angewiesen. Er kann Elia auch lange Zeit durch Raben füttern. Ja, Gott ist nicht auf die Gemeinde angewiesen, aber er möchte, dass wenn Missionare seinem Wort vertrauen und dem Glauben vorangehen und nicht mal für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen, weil sie sich Vollzeit der Verkündigung hingeben, dann möchte er, dass auch die Gemeinde erkennt, dass sie diese Verkündiger unterstützen soll, und dass diese Verkündiger erleben, dass Gott für sie sorgt. Und er sorgt für sie dann auch durch die Gemeinde. Wir werden dann also wirklich Mitarbeiter Gottes, Mitarbeiter der Wahrheit.
[24:57] Interessant ist auch, dass Jesus die Siebzig ausdrücklich davor warnt, innerhalb der einen Stadt ständig die Missionsbasis zu wechseln. Er sagt ja in Vers 7: „Geht nicht aus einem Haus ins andere.“ Das bedeutet nicht, dass wir nicht von Haus zu Haus Missionsarbeit machen sollen, sondern es bedeutet, dass wir, wenn wir einmal eine Basis haben, von der wir aus arbeiten, nicht einfach ständig diese Basis wechseln, weil dann unguter Eindruck entstehen könnte. Dann könnte der Eindruck entstehen, dass erstens Gott nicht richtig für uns sorgt, und das würde die Mission nicht fördern, sondern dann nur behindern.
[25:33] Lesen wir weiter in Lukas 10 und dort Vers 8: „Und wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, da esst, was euch vorgesetzt wird.“ Wir haben bisher die Frage besprochen: In welches Haus soll ich gehen? Also, wenn ich jetzt in eine Stadt komme, welches Haus soll ich auswählen? Wo bekomme ich die Unterstützung, die ich brauche? Ich habe ja nicht noch extra Sandalen und nicht noch extra Tasche und einen Beutel. Wo bekomme ich dann die Dinge, die ich benötige? Und Jesus sagt: „Finde das Haus, wo ein Sohn des Friedens ist, und dort wirst du unterstützt werden.“ Jetzt geht es auch um die Frage über die Städte selbst: In welche Städte sollen wir gehen? Jesus sagt: „In die Stadt, wo man aufgenommen wird, dort soll man auch dann entsprechend sich versorgen lassen.“
[26:29] Einen Apostel Jesu aufzunehmen, ist eine ganz wichtige und große Sache. Wir denken an Lukas 9 Vers 48 zurück, wo Jesus gesagt hat in Lukas 9 Vers 48: „Und er sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat; denn wer der Geringste unter euch allen ist, der wird groß sein.“ Das heißt, wenn ich in mein Haus einen Missionar aufnehme – das kann natürlich in heutiger Zeit auch übertragen gemeint sein – wenn ich ihn sozusagen so unterstütze, dass er seine Mission, die er tut, was immer das im Einzelnen jetzt auch ist, weitertun kann, dann nehme ich eigentlich nicht nur diesen Missionar auf. Ich nehme ja den auf, der ihn gesandt hat, nämlich Jesus. Und wenn ich den aufnehme, wenn ich Jesus aufnehme, dann nehme ich auch den auf, der Jesus gesandt hat, nämlich Gott der Vater.
[27:46] Unser Einsatz für die Verkündigung des Werkes und damit auch für die Verkündiger, die das im Namen Gottes im Auftrag Jesu tun, unser Einsatz ist eigentlich eine Einladung an Gott, in unser Heim zu kommen. Und ich glaube, jeder, der sich für die Verkündigung einsetzt und auch indem er Verkündiger unterstützt, sodass die Verkündigung weitergehen kann, der wird erleben, dass Gott ihn in reicher Weise segnet.
[28:23] Schauen wir weiter in Lukas 10 Vers 9: Was ist der Auftrag, den die Siebzig von Jesus bekommen? Er sagt zunächst einmal in Vers 9: „Und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch herbeigekommen.“ Dieser Auftrag ist ganz ähnlich oder im Prinzip identisch mit dem Auftrag, den die Zwölf empfangen haben. Wir sehen hier immer wieder diese starken Parallelen, die wir schon das letzte Mal betont haben. Lukas 9 Vers 2, da heißt es über die Zwölf, denen er Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten gab. In Vers 2 Lukas 9 Vers 2: „Und er sandte sie aus, das Reich Gottes zu verkündigen und die Kranken zu heilen.“
[29:14] Die Mission, die Jesus uns aufträgt, ist nicht nur eine Mission theologischer Art, sondern auch praktischer Art. Die Methode Jesu war immer so, dass er die Predigt des Wortes Gottes verknüpft hat auch mit Gesundheitsmission. Das heißt, indem er Menschen geholfen hat, ihre gesundheitlichen Probleme zu überwinden. Er hat sie dann meistens konkret geheilt und hat ihnen aber auch Ratschläge gegeben, wie sie entsprechende Dinge in Zukunft vermeiden können. Jesus war ein Gesundheitsmissionar, und seine Jünger sollen auch Gesundheitsmissionare sein. Sie sollen nicht nur für das theologische, sondern auch für das gesundheitliche Wohl der Menschen sich interessieren. Ich glaube, wir müssen in dieser Richtung mehr tun. Das sage ich mir selbst, das sage ich uns allen: Wir müssen die Methode von Jesus – ja, das Heilen und das Predigen, wenn man Matthäus 4 dazunimmt, kann man auch noch das Lehren dazunehmen – ja, noch dazu das Lehren, das ist alles eine Einheit.
[30:35] Und Jesus, wann immer er Jünger aussandte, hatte immer, also er hat es selbst so praktiziert, und wenn er Jünger aussandte, hat er es ihnen immer als Auftrag gegeben. Er hat nicht gesagt zu einigen: „Ihr heilt“, und zu anderen: „Ihr predigt“, sondern die, die predigen sollten, auch heilen, und die, die heilen sollten, auch predigen.
[30:52] Und wir erleben es heute oft leider so, und das geht mir ja auch so, dass man sich auf eine Sache konzentriert und dann die andere Sache anderen überlässt, die sich dann vielleicht da besser auskennen. Aber vermutlich ist es – oder nicht vermutlich, es ist selbstverständlich viel besser – wenn wir einen symmetrischen Charakter haben wollen, dass wir uns auch für die Dinge im Werk Gottes interessieren, die uns vielleicht natürlicherweise nicht so sehr liegen oder wo wir vielleicht der Meinung sind, nicht die größten Gaben zu haben.
[31:18] Der Auftrag Jesu an mich und an dich geht, dass wir die Gesundheitsbotschaft und die Predigt der Prophetie des Evangeliums miteinander verbinden.
[31:36] Es heißt ja hier in Lukas 10 und dort Vers 9: „Das Reich Gottes ist nahe zu euch herbeigekommen.“ Was heißt das, dass das Reich Gottes, oder dass Jesus ihnen diese Botschaft gegeben hat? Wir haben gesehen, oder wir können das noch mal sehen, dass das die Botschaft von Johannes dem Täufer war in Matthäus Kapitel 3 und dort Vers 2. Dort heißt es: „Johannes der Täufer und spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.“ Wenn wir Jesus anschauen, sehen wir, dass es seine Botschaft war. Matthäus 4 Vers 17: „Von da an begann Jesus zu verkündigen und zu sprechen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.“ Und es war die Botschaft, Verzeihung, der Zwölf. Denn es heißt in Matthäus 10 Vers 7, Verzeihung, Vers 7: „Aber hin verkündigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.“ Wir sehen also, wir haben Johannes den Täufer, dann haben wir Jesus, dann haben wir die zwölf Apostel, dann haben wir die Siebzig Jünger. Sie alle predigen dieselbe Botschaft.
[32:52] Die Botschaft ändert sich nicht von Zeit zu Zeit, und jetzt machen wir was Neues oder jetzt probieren wir was anderes aus. Es ist immer dieselbe Botschaft. Wir sehen in der Zeit von Jesus eine absolute Konstanz der zu predigenden Botschaft. Es war die Botschaft, die auf der Prophetie basierte: „Die Zeit ist erfüllt“, das, was Markus 1 Vers 14 und 15 sagt: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nah herbeigekommen.“ Die Jünger sollten predigen, was Jesus gepredigt hat, sollten predigen, was die Apostel gepredigt haben, was Johannes der Täufer gepredigt hat.
[33:48] Sie hatten kein Mandat in ihrer Missionsarbeit, die Botschaft zu verändern, anzupassen, irgendwie relevanter zu machen, indem man sozusagen Dinge jetzt verdreht oder auslässt oder verändert. Dazu hatten sie kein Mandat. Die Botschaft war immer dieselbe Botschaft. Auch wir haben nicht das Mandat, an der Botschaft herumzudoktern und da irgendwas zu ändern. Wir haben die Botschaft, die uns die prophetische, die Jesus gepredigt hat, die die Lehre der Apostel, heißt es später auch zu Pfingsten von der Urgemeinde in Jerusalem: Sie blieben einmütig in der Lehre der Apostel. Sie blieben da drinne. Das war auch das Geheimnis ihrer großen Einigkeit. Die Lehre ist also nicht zweitrangig, sie ist ganz entscheidend für die Mission. Wenn wir Mission machen wollen wie Jesus, müssen wir das Praktische und das Theoretische miteinander verbinden, und wir müssen bei der Lehre bleiben, die Jesus selbst gelehrt und ausgelebt hat.
[34:26] Was soll nun ein Gläubiger, ja, ein Gläubiger, ein Missionar machen, wenn er aber abgelehnt wird in der Stadt, in die er kommt? Die Antwort finden wir in Lukas 10 Vers 10 und 11. Dort heißt es: „Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und sie euch nicht aufnehmen, da geht auf ihre Gassen hinaus und sprecht: Auch den Staub, der sich aus eurer Stadt an uns gehängt hat, streifen wir ab gegen euch. Doch sollt ihr wissen, dass das Reich Gottes nahe zu euch herbeigekommen ist.“ Das ist noch etwas ausführlicher, als es den Zwölfen gesagt worden ist, wo es in Lukas 9 Vers 5 heißt: „Und wo man euch nicht aufnehmen wird, da geht fort aus jener Stadt und schüttelt auch den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie.“ Aber es ist genau derselbe Gedanke. Wir können ein konkretes Beispiel dafür wieder in der Apostelgeschichte finden, in Apostelgeschichte 13 und dort Vers 51. Da geht es um die Stadt Antiochia in Pisidien, wo Paulus und Barnabas letztlich dann abgelehnt worden sind und vertrieben worden sind. Es heißt in Vers 51: „Da schüttelten diese den Staub von ihren Füßen gegen sie“, genau das, was Jesus gesagt hatte, „und gingen nach Ikonium.“ Wir sehen hier also, wie die Worte Jesu, die Ausbildungs-Einheiten, die den Zwölfen gegeben hatte, die er dann den Siebzig gegeben hatte, auch weitergetragen worden sind, sodass auch Leute wie Barnabas und Paulus das genauso umgesetzt haben.
[36:22] Im Buch „Vom Schatten zum Licht“ heißt es hier an dieser Stelle: „Als Jesus die Siebzig aussandte, bat er sie, so wie auch schon die Zwölf gebeten hatte, ihre Gegenwart nicht dort Menschen aufzudrücken, wo sie nicht willkommen geheißen wurden.“ Das heißt, wenn wir merken, Menschen wollen uns nicht als Missionare hören, sie wollen die Botschaft nicht hören, sie haben kein Interesse, dann sollen wir uns nicht aufdrängeln. Wir sollen uns nicht aufdringlich ihnen quasi in den Weg stellen. Das hat Jesus auch nie gemacht. Eine wichtige Lektion: Wenn wir merken, Menschen wollen nichts hören, dann müssen wir weitergehen. Es ist vielleicht schmerzhaft, weil wir sie auch mit dem ewigen Evangelium bekannt machen wollen, aber wir können niemanden zu seinem Glück zwingen. Gott zwingt niemanden zu seinem Glück, denn dann das wäre kein Glück, denn Glück ist per Definition zwanglos.
[37:31] Der Staub, der hier erwähnt wird in Vers 11, das ist im Griechischen der aufgewühlte Staub. Also, man ist sozusagen durch die Stadt gelaufen, man ist auf den Straßen gegangen, und während man auf den Straßen gegangen ist, ist der Staub aufgewühlt worden, hat sich an die Kleidung gehängt. Und jetzt ist das Bild sozusagen, dass man genau diesen Staub wieder abstreift.
[37:53] Aber, und das ist sehr interessant, in Vers 11 heißt es dann: „Doch sollt ihr wissen.“ Also, das ist das, was die Apostel dann sagen sollten. Die Apostel sollten also dann denjenigen, die es nicht hören wollten, sagen: „Doch sollt ihr wissen, dass das Reich Gottes nah zu euch herbeigekommen ist.“ Die Menschen würden die Botschaft ablehnen, aber sie sollten zumindestens wissen, dass ihnen das wahre Evangelium angeboten worden ist. Wir dürfen das Evangelium niemandem aufdrängen. Wir müssen ihm aber sagen, dass es zur Verfügung stünde, wenn er wollte. Wir können nicht einfach gar nichts sagen, weil wir denken: „Na, die wollen sowieso nichts hören.“ Die Menschen müssen wissen, dass es das ewige Evangelium gibt und auch für sie zur Verfügung steht, wenn sie es denn möchten. Wenn sie es nicht möchten, werden wir es ihnen nicht aufdrängen, aber wir müssen ihnen deutlich machen, dass es existiert. Wir müssen ihnen überhaupt diese Option vor Augen halten, dass sie sich dafür entscheiden können. Wenn wir von vorneherein diese Option ihnen gar nicht zeigen, dann haben wir den Auftrag Jesu nicht erfüllt. Wir müssen den Menschen das Angebot machen, jedem Menschen, dass er das ewige Evangelium hören kann, wenn er möchte. Und wenn Menschen Nein sagen, müssen wir das akzeptieren, aber wir dürfen nicht ihr Nein schon antizipieren und deswegen ihnen gar nicht erst das Angebot machen. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, an den ich mich auch besser halten möchte.
[39:32] Und dann gibt's hier einen interessanten Kommentar von E. G. White. Sie sollten das, also dieses Abschütteln des Staubes, sie sollten das nicht aus Motiven der ähm, ja, dass man so aufgebracht ist oder ähm, dass man das sozusagen nachtragend, ja, das aus nachtragenden Motiven machen oder aufgrund einer verwundeten Würde, sondern sie sollten dadurch zeigen, was für eine schlimme Sache es ist, die Botschaft des Herrn oder seine Boten abzulehnen. Die Diener des Herrn zu verwerfen bedeutet, Christus selbst zu verwerfen. Ziemlich starker Satz: Die Diener Christi abzulehnen bedeutet, Christus selbst abzulehnen. Das zeigt uns auch, was für eine große Verantwortung wir haben als Verkündiger, als Missionare, als Menschen, das Evangelium weiterzugeben.
[40:39] Denn wir sollen tatsächlich Christus den Menschen repräsentieren.
[40:51] Schauen wir noch in Vers 12 in Lukas 10 Vers 12, und damit wollen wir dann heute hier enden. Vers 12: „Ich sage euch aber: Es wird Sodom an jenem Tag erträglicher gehen als dieser Stadt.“ Jesus macht deutlich: Wenn man die Gelegenheit gehabt hat, das rettende Evangelium zu erfahren, und man will das nicht hören und verjagt die Boten Gottes, dann ist das schlimmer als die Sünden, die Sodom und Gomorra begangen haben. Hier wird zwar nur Sodom erwähnt, aber in Matthäus 10 hatte Jesus gegenüber den Zwölf auch Gomorra erwähnt. Natürlich in Matthäus 10 und dort Vers 15 heißt es: „Wahrlich, ich sage euch: Es wird dem Land Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als dieser Stadt.“ Er hatte dann einen ähnlichen Gedanken auch bei den Weherufen über die Städte in Galiläa ausgedrückt, als er in Vers 23 von Matthäus 11 gesagt hat, Matthäus 11 Vers 23: „Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, du wirst bis zum Totenreich hinabgeworfen werden; denn wenn in Sodom die Wundertaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, es würde noch heutzutage stehen.“ Also, er hat öfter Sodom und Gomorra sozusagen als einen Vergleichspunkt gewählt, um auch die Schwere der Schuld der zeitgenössischen Menschen, die das Evangelium abgelehnt haben, zu illustrieren.
[42:50] Und das ist jetzt ein interessanter Punkt: Die Menschen, von denen es hier in Lukas 10 jetzt spricht, die haben ja dann das Evangelium abgelehnt, ohne es im Detail gehört zu haben, denn sie haben ja die Jünger nicht einmal angenommen. Und das zeigt uns, dass in Gottes Augen schon die Gelegenheit, das Licht haben zu können, sehr wertvoll ist und entsprechend auch bewertet wird. Nicht nur diejenigen, die viel Licht erkannt haben und es dann abgelehnt haben, sondern auch diejenigen, die viel Licht hätten erkennen können, aber es gar nicht wollten, werden von Gott besonders zur Verantwortung gezogen werden.
[43:43] Manchmal gibt es Leute, die denken: „Ich möchte einfach gar nicht viel Wahrheit erfahren, weil ich habe gehört, je mehr Licht ich habe, desto größer ist meine Verantwortung. Deswegen mache ich meine Augen zu und will einfach nichts hören.“ Aber das ist ein grobes Missverständnis, denn Gott wird nicht fragen, wie viel ich verstanden habe. Er wird fragen, was hätte ich denn verstehen können? Und ein Mensch im 21. Jahrhundert, der umgeben ist von Bibeln, von Bibelstudienmaterial, der quasi den Rest seines Lebens gute Predigten hören könnte, wenn er wollte, der, wenn er aber sich am Ende für nichts davon interessiert hat, der nichts hören wollte, nie ein Buch aufgeschlagen hat, wo es um Jesus geht, nie die Bibel aufgeschlagen hat, die er zu Hause hat, so ein Mensch wird nicht auf der gleichen Stufe behandelt werden wie ein Indianer im mexikanischen Urwald im 5. Jahrhundert vor Christus, der nichts anderes wusste, als das, was er in der Natur sehen kann. Und es ist gerecht.
[44:48] Das heißt, wir können uns nicht darauf berufen und sagen: „Ich weiß ja nicht so viel, ich habe mich halt damit nicht beschäftigt.“ Die Frage ist: Wollen wir die Wahrheit kennen? Haben wir eine Liebe zur Wahrheit? Interessieren wir uns für das, was Gott uns sagen möchte? Denn wenn es uns so möglich gewesen wäre, uns über das ewige Evangelium zu informieren, aber wir haben es nie getan, wir haben es abgelehnt, dann wird Gott uns entsprechend auch zur Rechenschaft ziehen.
[45:17] Nicht nur, wenn wir viel Licht hatten, sondern auch, wenn wir viele Gelegenheiten hatten, Licht zu erhalten, ist unsere Verantwortung vor Gott umso größer. Liebe Freunde, hast du Gelegenheiten, Gottes Wort kennenzulernen, die du nicht nutzt, die du ignorierst, weil du vielleicht hoffst, wenn du nicht so viel weißt, hast du nicht so viel Verantwortung? Nimm diesen Irrtum und schmeiß ihn weg und lass ihn nie wieder in dein Herz! Nutze die Gelegenheit, die Gott dir gibt. Gott wird dich nicht überfordern. Wenn Gott uns führt, führt er uns Schritt für Schritt. Er führt uns Satzung für Satzung, hier ein wenig, da ein wenig. Gott tut niemanden überrollen mit Wahrheit. Die einzige Frage ist: Haben wir Liebe zur Wahrheit? Wollen wir die Gelegenheiten, die Gott uns schenkt, wahrnehmen, um immer mehr von ihm zu erfahren?
[46:09] Am Ende wollen wir noch auf einen interessanten Punkt aufmerksam machen. Wir haben gesehen, dass diese Siebzig, die jetzt losgezogen sind, in ihrer Vorbereitung im Wesentlichen dieselben Ratschläge, dieselben Anweisungen erhalten haben wie auch die Zwölf, die damals in Galiläa ausgesandt worden sind. Jesus hat ihnen dasselbe gesagt. Es gibt aber einen bemerkenswerten Unterschied: Wenn wir in Matthäus 10 noch einmal uns das vor Augen führen, dann finden wir eine Aussage, die den Zwölf gegeben worden ist, die den Siebzig nicht gegeben worden ist. Es heißt in Matthäus 10 und dort in Vers 5 und 6: „Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Begebt euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter; geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ Diese Anweisung hat Jesus den Siebzig nicht gegeben.
[47:38] Und es ist nicht einfach nur eine zufällige Beobachtung, sondern es sagt im „Leben Jesu“: „Die Anweisung an die Siebzig waren denen ähnlich, die auch den Zwölf gegeben worden waren, aber der Befehl an die Zwölf, nicht in irgendeine Stadt der Heiden oder der Samariter zu gehen, wurde den Siebzig nicht gegeben.“ Das war eine Intention. Obwohl Christus gerade von den Samaritern abgelehnt worden war – hatten wir in Lukas 9 ja gerade am Ende gelesen – war seine Liebe zu ihnen unverändert. Und als die Siebzig dann in seinem Namen losgingen, besuchten sie vor allem Städte der Samariter. Sie sind also nicht…
[48:05] Städte der Samariter. Sie sind also nicht nur in Perea gewesen. Wir haben gesehen, der Dienst von Jesus hat sich jetzt dann Richtung Perea verschoben. Das haben wir das vorletzte Mal uns angeschaut, dass jetzt diese Zeit des Dienstes in Perea beginnt. Aber diese 70 sind offensichtlich in verschiedene Himmelsrichtungen ausgesandt worden und Jesus wollte ja noch eine große Rundreise machen und ganz offensichtlich, wie es hier sagt, oder ganz sicher sind viele Städte der Samariter jetzt bereist worden von diesen 70 Missionaren. Und das finde ich noch eine ganz bemerkenswerte Sache.
[48:47] Das nächste Mal werden wir in Lukas 10 weiter studieren und dann auch sehen, wie Jesus dann nach dem Ende dieser Missionsreise mit diesen 70 Jüngern das Ganze auswertet. Wir werden auch sehen, was er in der Zwischenzeit noch Entscheidendes gesagt hat.
[49:05] Heute wollen wir uns mitnehmen, dass wenn wir Menschen unterstützen, die Jesus gesandt hat, dann nehmen wir Jesus auf, dann nehmen wir seinen Vater auf. Das ist genau das, was Jesus sich in Johannes 14 wünscht, dass wir durch den Heiligen Geist erleben, dass sein Vater und er in uns wohnen. Wir wollen uns vornehmen, dass wir in unserem Dienst für Jesus, was immer wir tun, ausgewogener werden. Wenn wir mehr predigen, dann wollen wir uns mehr mit der Gesundheitsbotschaft beschäftigen. Wenn wir mehr praktisch arbeiten, dann wollen wir noch mehr von der Verkündigung auch in unseren Dienst einbinden. Wir wollen das gesamte Paket darbringen. Das ist auch mein Wunsch, den ich persönlich habe. Und wir haben gelernt, dass die Botschaft immer dieselbe gewesen ist. Wir wollen die unsere Gegenwart den Menschen nicht aufdrücken. Wir wollen das ewige Evangelium predigen, aber nur dort, wo es willkommen ist, aber allen Menschen zeigen, dass sie das ewige Evangelium hören könnten, wenn sie möchten. Sie müssen vor diese Wahl gestellt werden und unser Leben soll es ihnen so leicht wie möglich machen, so attraktiv wie möglich, eine gute Wahl für die Wahrheit zu treffen.
[50:20] Wir wollen noch gemeinsam Gott danken, dass er uns so viele praktische Tipps und Anweisungen für unseren Dienst für ihn gibt. Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir im Lukasevangelium sehen können, wie du die 70 Jünger ausgebildet hast und sie vorbereitet hast. Und wir können so viel Parallelen für unser Leben ziehen. Herr, wir möchten lernen. Wir danken dir, dass du zu uns gesprochen hast und vor allem möchten wir dich jetzt um Kraft bitten, dass das, was wir heute in diesem Studium gesehen und gehört haben, was du persönlich zu uns gesprochen hast, was du zu mir gesprochen hast persönlich, dass wir das umsetzen, dass wir an den Stellen, die du uns gezeigt hast, Veränderung erleben und danken dir dafür im Namen Jesu.
[51:12] Amen. Damit sehen wir uns nächste Woche wieder, dann wie gesagt mehr aus Lukas 10. Bis dahin wünsche ich euch Gottes reichen Segen, viel Freude im Studium des Wortes Gottes. Gott segne euch. Amen.
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