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In dieser Predigt aus der Serie „Der Ersehnte“ von Christopher Kramp geht es um die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Der Vortrag beleuchtet die historische und kulturelle Bedeutung Samarias und Sichems, die tiefen Gräben zwischen Juden und Samaritern und wie Jesus diese durch seine Begegnung überwindet. Es wird erklärt, warum Jesus durch Samaria reisen musste und welche Erwartungen die Samariter an den Messias hatten. Die Predigt zeigt auf, wie Jesus durch seine einfühlsame und strategische Gesprächsführung die tiefsten Sehnsüchte der Frau anspricht und ihr das lebendige Wasser des ewigen Lebens anbietet.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Wir haben heute die 40. Folge und wollen heute mit der bekannten Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen beginnen. Das wird uns ein paar Wochen kosten, die genau auseinanderzunehmen, aber heute wollen wir damit anfangen. Und ich möchte euch begrüßen, die jetzt auf joelmedia.de zuschaut, oder die später das Video anschaut. Herzlich willkommen, dass ihr da seid. Und bevor wir beginnen, möchten wir ein Gebet sprechen. Dazu lade ich euch ein, niederzuknien.

[1:05] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für diesen schönen Tag. Wir möchten dir Danke sagen, dass du uns heute gesegnet hast und dass du bei uns gewesen bist, dass du jetzt auch durch dein Wort zu uns sprechen möchtest. Bitte hilf uns, dass wir, wenn wir jetzt diese Geschichte lesen, dass wir von dir lernen, dass wir Weisheit lernen, Nächstenliebe, Takt, Gefühl und dass wir selbst sehen, wie du um uns wirbst, jeden Tag aufs Neue. Schenkt uns deinen Heiligen Geist, das alles so zu erkennen, wie du es möchtest, im Namen Jesu. Amen.

[1:50] Johannes Kapitel 4. Wir haben das letzte Mal schon die ersten drei Verse gelesen. Wenn ihr euch daran erinnern könnt, im Zusammenhang mit dem Ende von Johannes 3, da haben wir festgestellt, dass Jesus so populär wurde, dass die Pharisäer gehört haben, dass er berühmter geworden ist als Johannes der Täufer. Er hat mehr Leute getauft als Johannes der Täufer. Und was hat Jesus gemacht, als er gehört hat, dass die Pharisäer da vorne mitbekommen haben? Was hat er getan? Er zog weg nach Richtung Galiläa, hat sich wieder aus Judäa erst einmal entfernt. Und in diesem Kontext, in Vers 3 hieß es ja, da verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa. In diesem Kontext, dass Jesus jetzt von Judäa nach Galiläa zieht, spielt die Geschichte in Johannes 4. In Johannes 4 ist Jesus eigentlich nur auf der Durchreise. Es heißt hier in Johannes 4, Vers 4: Er musste aber durch Samaria reisen. Warum musste Jesus durch Samaria reisen? Fangen wir mal ganz simpel am Anfang an.

[3:28] Ja, ganz einfach. Jesus war in Judäa, er will nach Galiläa. Warum muss er dann durch Samaria? Es liegt dazwischen. Also halten wir fest, da war Galiläa, Samaria und Judäa. Er musste dadurch. Also für die Jünger war das offensichtlich nichts weiter als eine Notwendigkeit, aber für Jesus offensichtlich, wie wir gleich sehen werden, mehr. Erzählt mir mal etwas über Samaria. Was wisst ihr über diesen Landstrich und die Menschen, die Samariter, die dort gewohnt haben? Wer waren die Menschen von Samaria? Die kommen ja später immer wieder vor in der Bibel. Aber hier ist zum ersten Mal, wo sie eine Rolle spielen, richtig. Genau, wir werden feststellen, da gab es den Jakobsbrunnen. Aber den gab es lange, bevor es Samariter gab. Samaria ist erstmal eine große Gegend mit Bergen und Tälern und Höhlen, so ähnlich groß wie Judäa. Ja, also halten wir mal fest, kommen wir gleich dazu. Es war ein Mischvolk. Das waren die Sadduzäer. Ja, genau, da kommen wir gleich zu. Aber halten wir es mal Samaria. Woher kommt der Begriff Samaria? Weiß das jemand zufällig von euch? Ja, sicher ist nachher später die Stadt. Aber Samaria ist das Land. Galiläa war ein Land, Samaria war ein Land, Judäa war ein Land. Warum? Du hast richtig gesagt, ursprünglich war ja alles mal ein Volk, Israel. Zur Zeit von Rehabiam und Jerobeam hat sich das Land in zwei Teile gespalten. Da gab es dann das Nordreich und das Südreich.

[6:01] Jetzt gehen wir mit mir zu Erste Könige 16. Erste Könige 16, ein bisschen historischen Hintergrund bekommen. Erste Könige 16 und dort Vers 24. Da geht es um den König Omri. Omri war einer der schlimmsten Könige des Nordreiches. Das war der Vater von Ahab. Und da heißt es in Erste Könige 16, Vers 24: Er kaufte aber den Berg Samaria von Semer um zwei Talente Silber und baute auf dem Berg und er nannte die Stadt, die er baute, Samaria nach dem Namen Semers, des Herrn des Berges. Also das Nordreich war vom Südreich getrennt. Das Südreich hatte eine Hauptstadt, wie hieß die Hauptstadt? Das Südreich hatte eine Hauptstadt, wie hieß die Hauptstadt? Jerusalem. Aber das Nordreich hatte zwar ein Königreich, aber keine Hauptstadt. Und im Laufe der Zeit kam dann irgendein König auf die Idee, wir bräuchten auch eine richtige Hauptstadt. Er sieht diesen Hügel, der Hügel gehört einem Semer. Er kauft von Semer den Hügel und nennt dann die Stadt auf dem Hügel Samaria. Es war also ursprünglich eine Stadt. Es war die Hauptstadt vom Nordreich.

[7:34] Was ist mit dem Nordreich passiert dann im Laufe der Geschichte? Das Nordreich wurde zerstört von den Assyrern. Lange vor Babylon kamen die Assyrer und haben in mehreren Wellen das Nordreich zersplittert, zerstört. Und dann, was hat man mit den Menschen gemacht, die im Nordreich gelebt haben? Man hat sie gefangen, weggeführt in alle möglichen Länder, die Assyrien besetzt hatte. Und stattdessen hat man jetzt aus anderen Ländern Völker nach Samaria gebracht in das Nordreich. Ihr könnt das lesen in Zweite Könige 17, Vers 24. Aber der König von Assyrien ließ Leute aus Babel und aus Kuta, aus Avar, Hamad und Sefer Wajim kommen und siedelte sie anstelle der Kinder Israels in den Städten Samarias an. Und sie nahmen Samaria in Besitz und wohnten in dessen Städten. Also man hat die Nordreich-Israeliden weggeschleppt und dafür aus verschiedenen heidnischen Nationen Leute in die Gegend von Samaria gebracht. Das ist dann ganz interessant. Die Bibel sagt, die Leute wussten nicht, wie man dann Gott anbetet. Dann kamen Löwen, dann haben sie sich beschwert und haben gesagt: "Sendet uns einen Priester, der uns beibringt, wie man den Gott des Landes verehrt, weil wir von den Löwen geplagt werden." Und dann hat der assyrische König einen Priester, einen Gottespriester aus dem Ausland wieder zurückbringen lassen nach Samaria. Der hat ihnen dann beigebracht, wer eigentlich Jahwe ist und wie man zu Jahwe betet, wie man Opfer bringt. Aber sie haben halt immer ihre heidnische Religion im Hinterkopf gehabt. Und so entstand dieses Mischvolk, lange bevor Judäer überhaupt nach Babylon kamen und dann später wieder zurückkamen.

[9:37] Als Judäer, dann die Juden, nach Babylon geführt worden sind und wieder zurückkamen, wollten die Samariter sich erst ihnen anschließen. Und die Juden haben sich aber von ihnen distanziert. Und so kam es dann nach dem babylonischen Exil zu dieser Spaltung zwischen den Völkern im Norden, die gemischt waren, und den in Anführungsstrichen reinrassigen Juden, die den Glauben des Alten Testamentes aufrechterhalten haben. Die Samariter haben eine ganz interessante Religion gehabt. Die Samariter glaubten an die Bibel. Sie glaubten an die ersten fünf Bücher Mose und zwar vollständig. Aber alles, was danach kam, die ganzen Propheten und Geschichtsbücher, die haben sie abgelehnt. Sie haben sich nur auf die fünf Bücher Mose berufen. Die Samariter glaubten auch an einen Messias. Könnt ihr euch überlegen, wenn sie nur die fünf Bücher Mose hatten, aber nicht Jesaja und nicht Jeremia und nicht die Psalmen, welche Art von Messias haben sie erwartet? Ein König? Auf keinen Fall. Ihr könnt auch überlegen, warum. Auf keinen Fall ein König. Also was für eine Art von Messias wären wohl die Samariter? Einen Propheten. Warum? Genau, weil Mose hatte schon in den fünf Büchern Mose gesagt: "Einen Propheten wie mich wird der Herr erwecken." Aber von einem König steht in den fünf Büchern Mose noch nichts. Das kommt erst mit David, wo es dann heißt: "Ein Sohn Davids wird König werden." Das kommt erst bei den Propheten. Da sie die aber abgelehnt haben, haben die Samariter nie auf einen König gewartet, sondern nur auf einen Propheten. Das ist interessant, weil eigentlich, wenn man das durchdenkt, waren die Samariter, so abgeschnitten, wie sie waren, der Wahrheit fast ein bisschen näher als die Juden. Das werden wir dann später noch im Laufe der Geschichte sehen, wie sich das auswirkt.

[11:34] Da die Samariter dann von Judäern getrennt waren, haben sie auch nicht mehr in Jerusalem angebetet, sondern sie haben sich einen anderen Tempel gebaut. Auf welchem Berg haben sie den Tempel gebaut? Auf dem heiligen Berg Garizim. Und da kommen wir gleich dazu. Garizim und Ebal waren die Berge, wo Segen und Fluch ausgesprochen worden waren. Und deswegen haben sie gesagt: "Auf dem Garizim, da hat Gott das Volk gesegnet, da soll der Tempel sein." Nicht in Jerusalem, weil Jerusalem war ja zu der Zeit noch gar nicht Teil von Israel. Das hat er später erst David erobert. Das hat er erst später dazu gekommen.

[12:15] Also zurück zu Johannes 4. Die Samariter waren wirklich eine interessante Gruppe. Es heißt hier in Vers 5: "Da kommt er in eine Stadt Samarias, genannt Sichem, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab." Frage Nummer 1: Weiß jemand von euch, welche Stadt Sichem gewesen ist? Die traditionelle Zuordnung ist Sichem, dass eine Stadt im Alten Testament ganz oft vorkommt. Weiß jemand von euch, wo Sichem eine besondere Rolle spielt? Ja, also das war, als Jakob zurückkam, genau, als Jakob zurückkam aus Padan Aram in 1. Mose 35 oder 34 ist das, glaube ich. Da hat er dort ein Feld gekauft von den Söhnen Hamors und dann hat man sich mit der Stadt Sichem dort angefreundet. Und dann wisst ihr, dann ist die Tochter von Jakob vergewaltigt worden und dann haben die Söhne Jakobs die ganze Stadt ruiniert. Das war Sichem. Okay, wo kommt Sichem noch vor? Für die Israeliten war Sichem ein wirklich bedeutungsschwangerer Ort.

[14:10] Schaut man in 1. Mose 12. 1. Mose 12 und dort Vers 6. 1. Mose 12, Vers 6. Da heißt es: "Und Abram durchzog das Land bis zur Ortschaft Sichem, bis zur Terebinthe More. Damals aber waren die Kanaaniter im Land." Sichem war der erste Ort, an dem Abraham in Kanaan sich gelagert hat. Als er von Ur in Chaldäa kam, über Haran dann nach Kanaan eingemarschiert kam, war Sichem der erste Ort, wo er einen Altar gebaut hat, wo er sich niedergelassen hat. Es war quasi der erste Ort, wo Abraham so richtig gewohnt hat. Also von daher ein bedeutungsschwangerer Ort. In Sichem, wie ihr richtig gesagt habt, das war in dem Tal von den beiden Bergen Ebal und Garizim. Das ist jetzt ganz wichtig. Wenn Jesus an diesem Ort ist, dann ist das alles quasi so im Hinterkopf. Das ist dieser bedeutungsschwangere Ort, wo Abraham zum ersten Mal gewesen ist, wo Jakob damals das Feld gekauft hat und wo damals auch das Volk Israel Segen und Fluch ausgesprochen hat. Interessanterweise scheint es Sichem eine leichte Veränderung zu sein. Das Wort Sichem selbst heißt "die betrunkene Stadt", was auch immer das bedeuten mag. Oder "die lügnerische Stadt".

[15:32] Noch ein Punkt mit Sichem. 1. Mose 48. 1. Mose 48 und dort Vers 22. 1. Mose 48 und dort Vers 22. Das heißt es, 1. Mose 48, Vers 22. Das ist 1. Mose 48, wo Jakob, der sterbende Jakob, jetzt zu Josef spricht. 1. Mose 48, Vers 22. Jakob spricht zu Josef: "Und ich schenke dir einen Bergrücken, den du vor deinen Brüdern voraus haben sollst. Ich habe ihnen den Amoriter mit meinem Schwert und meinem Bogen aus der Hand genommen." Das Wort Bergrücken, hebräisch "Schechem". Deswegen heißt der Ort Schechem, weil es ein Bergrücken war. Weil dort, wo der Jakob gewohnt hat, hat er sich das Feld gekauft und offensichtlich hat er dann die angrenzenden Hügelgegenden in einer militärischen Aktion von den Amoriten erobert. Und das ist also das, was er dann dem Josef geschenkt hat. Josef ist übrigens dort auch begraben worden in der Nähe. Und einige Traditionen sagen sogar, dass alle zwölf Söhne Jakobs dort in diesem Tal begraben worden sind. Das heißt, schon als die Israeliten dann nach Kanaan eingezogen sind und diesen Ort besucht haben, dann war das für sie schon bedeutungsschwangerer, historischer Ort.

[17:14] So viel mehr jetzt für Jesus. Ganz, ganz aufgeladene Geschichte dahinter. Jetzt zurück zu Johannes 4. Wir sehen gleich, wie sich das dann entwickelt. Johannes 4 und dort Vers 6. Da kommt an diesen Ort, den Ort, an dem der Jakob damals dem Josef geschenkt hat. Vers 6: "Es war aber dort Jakobs Brunnen." Das Wort Brunnen hier könnte eigentlich auch Quelle heißen. Also man ist nicht ganz sicher, ob es jetzt ein echter Brunnen war oder ob sozusagen da eigentlich eine Quelle gewesen ist, die man dann noch vertieft oder ausgebaut hat. Es könnte sein, dass es ein Brunnen war, der allerdings, man hat ja öfter Brunnen gegraben, die waren Zisternen. Und dann hat man manchmal beim Zisternengraben Quellwasser gefunden, Grundwasser. Und wahrscheinlich hat man hier so eine Quelle gefunden, die dann den Brunnen gespeist hat. Ist gleich noch wichtig für die Geschichte. "Es war dort ein Brunnen von Jakob."

[18:14] "Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich so an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde." Wann ist die sechste Stunde ungefähr? Sechste Stunde. Genau, es muss sehr heiß sein zu der Zeit. Mittags zwölf, zwischen elf und zwölf, die sechste Stunde. Genau, neunte Stunde, 15 Uhr. Sechste Stunde gegen 12 Uhr. Jesus war müde. Ist das nicht interessant? Was sagt uns das über Jesus? Er war wirklich echter Mensch. Wenn er kilometerweise marschiert ist, bei sengender Hitze durch den Wüstensand, dann war er auch kaputt. Jesus war hungrig, wenn er gefastet hat, und wenn er viel gelaufen ist, war er müde. Das sind so Verse, die sollte man immer im Hinterkopf haben, dass sie wirklich die volle Menschlichkeit Jesu zeigen. Und deswegen auch deutlich machen, er ist wirklich unser Vorbild. Wenn wir mal müde sind, seid ihr mal müde? Kommt das mal vor? Dann kann man sagen: "Herr Jesus, du weißt jetzt, wie es ist. Du weißt, wie es müde ist. Du weißt, dass wenn man müde ist, man auch in Gefahr ist, vielleicht nicht so gute Entscheidungen zu fällen, weil man halt nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte ist." Und Jesus ist uns ein Beispiel, wie man selbst, wenn man müde ist, noch gut denken kann. Die Müdigkeit jedenfalls, die Müdigkeit war offensichtlich kein Hindernis für ihn, Zeugnis zu geben. Manchmal sagen wir: "Ich bin so müde, ich kann es nicht zu Gott machen. Ich muss mich erst mal ausruhen." Er war müde, er musste sich ausruhen, aber er hat nicht das als Entschuldigung genommen.

[20:00] Ganz genau. Übrigens, wollte Jesus gerne trinken? Was meint ihr? Wollte Jesus gerne trinken? Hier ist eine interessante Situation. Jesus ist kilometerweise gelaufen und er sitzt am Brunnen. Warum trinkt er nicht einfach? Er hat kein Gefäß. Da kommt der König des Universums, der das Wasser geschaffen hat, sitzt am Brunnen. Er ist durstig, die Sonne drückt auf sein Gehirn und er hört ja das Wasser rauschen. Er sieht es wahrscheinlich sogar und er denkt: "Meine Güte, wäre das schön, kühles Wasser zu haben." Aber auch das ist ein Zeichen seines Opfers. Er beschränkt sich so, dass er jetzt in seiner Menschlichkeit nichts tun kann. Ich meine, er hätte natürlich umzwitschen können, das war göttliche Kraft, kein Problem. Aber als Mensch ist er angewiesen, dass jemand ihm jetzt das Wasser gibt, das er selbst geschaffen hat.

[21:31] Vers 7: "Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken." Fangen wir erst mal damit an. Könnt ihr irgendwelche Kontraste sehen zwischen der Geschichte von Nikodemus und der Geschichte von der Frau hier am Jakobsbrunnen? Gibt es da irgendwelche Kontraste, Gegensätze? Ja, Nikodemus kommt bei Nacht und die Frau mittags. Okay, klarer Gegensatz. Erst die Gegensätze. Was sind die Gegensätze? Nikodemus ist ein Mann, die Frau ist eine Frau. Okay, was noch? Noch mehr? Sie kommt zum Arbeiten, er kommt zum Reden. Ja, Nikodemus spricht Jesus an, die Frau wird von Jesus angesprochen. Sie hätte ihn nicht angesprochen. Ja, Nikodemus hat ihn gesucht, sie hatte nichts von ihm gewusst. Okay, noch ein Gegensatz. Was noch? Wer ist Nikodemus? Nikodemus war ein Führer des Volkes, die Frau, sie war verachtet, wir abschauen. Nikodemus war ein Jude, die Frau war eine Samariterin. Nikodemus, seinen Namen kennen wir, die Frau ist völlig namenslos. Also, je mehr man darüber nachdenkt, diese beiden Geschichten präsentieren den totalen Gegensatz und trotzdem sind sie so ähnlich, wenn wir gleich feststellen. Ich glaube, der Johannes macht das aus einem bestimmten Grund. Er will deutlich machen, dass egal wer wir sind, er präsentiert quasi zwei Extreme. Ja, den Führer des Volkes Gottes und eine Frau, die selbst bei den Heiden noch verachtet ist, den größtmöglichen Gegensatz und trotzdem ist Jesus für beide da.

[23:37] So weit sind wir noch nicht. Wir gehen für fest. Aber dankeschön. Frage: Wo im Alten Testament gibt es eine Geschichte, wo ein Mann zu einer Frau sagt: "Gib mir Wasser zu trinken"?

[24:07] Genau, es gibt zwei Geschichten. Die erste ist, Elieser, der Knecht von Abraham, wird gebeten, eine Frau für Isaak zu finden. Er kommt an den Brunnen und sagt zu der Frau, die dort kommt: "Gib mir zu trinken." Natürlich hat er im Hinterkopf, wenn sie ihm zu trinken gibt, soll sie auch die Kamele trinken. Das ist die eine Geschichte. Welche Geschichte kennt ihr noch, wo ein Mann zu einer Frau sagt: "Gib mir zu trinken"? Elieser, wen hat er gefragt? Die Witwe von Zarpat. Es gibt nur drei Geschichten der Bibel, wo ein Mann, also Geschichten mit Brunnen gibt es noch häufiger. Es gibt auch Jakob, der dann am Brunnen ist und so weiter. Das stimmt. Aber es gibt nur drei Geschichten der Bibel, ganz interessant, könnt ihr mal ein eigenes Studium zu machen, was die drei Geschichten gemeinsam haben. Drei Geschichten, wo ein Mann eine Frau fragt: "Bitte Wasser." Elieser fragt die Rebekka, Elieser fragt die Witwe von Zarpat und Jesus fragt die Samariterin.

[25:16] In allen drei Geschichten hat die Frau nicht geahnt, wie sehr diese Geschichte ihr Leben verändern wird. Rebekka hat kurze Zeit später den Mann ihres Lebens. Die Witwe von Zarpat wird wenige Jahre später ihren Sohn sterben sehen und auferstehen sehen wegen dem Propheten und die Frau findet ihr ewiges Leben. Lebensverändernde Begegnungen, die alle damit anfangen, dass ein Mann fragt: "Gib mir Wasser zu trinken." Eine kleine Sache, die aber in jeder Geschichte eine unglaubliche Änderung des ganzen Lebens nach sich zieht. Dahinter steckt eine Lektion: Wenn man in den kleinen Dingen freundlich ist und nett, kann sich das ganze Leben positiv verändern. In allen drei Geschichten hätten sie das nicht gemacht. Rebekka wäre nicht die Frau, die Vorfahrin des Messias geworden. Die Witwe hätte vielleicht niemals ihren Sohn zurückbekommen, wenn er gestorben ist und was aus der Folge wäre, die hätte vielleicht für ewig verloren gewesen. Aber alle drei, als sie gebeten wurden: "Gib mir doch Wasser zu trinken", haben sie auf die Person gehört.

[26:25] Übrigens, jetzt bin ich mal gespannt, warum sagt Jesus zu der Frau: "Gib mir zu trinken." Also diese Geschichte, genauso wie die von Nikodemus, ist ja ein Musterbeispiel, wie man ein Gespräch führt. Jetzt möchte ich mal von euch wissen, warum sagt Jesus: "Gib mir zu trinken." Er wollte einen Kontakt knüpfen. Ja, ganz genau. Also das war ihm bewusst, dieser große Kontrast und diese Spannung. Wusste Jesus schon, was das Problem der Frau ist? Absolut. Jesus hat also vom ersten Schritt an irgendwie strategisch gedacht. Wir werden gleich später sehen, wie. Also Jesus redet nicht einfach drauf los, er verwendet ein Bild aus der Alltagssprache, aus der direkten Situation, aber schon mit einem Plan. Er redet nicht, er plappert nicht einfach drauf los.

[27:42] Übrigens, wie stark war der, wenn ihr wissen wollt, wie stark der Hass zwischen Juden und Samaritern war, schaut mal in Johannes 8, ganz kurz. Johannes 8 und dort Vers 48, nur dass man ein Gefühl hat, wie heftig das gewesen ist. Johannes 8, Vers 48: "Da antworten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht mit Recht, dass du ein Samariter bist und einen Dämon hast?" Johannes 8, Vers 48. Also die Juden zumindest haben gesagt: "Wenn du ein Samariter bist, dann bist du vom Teufel besessen." Das war so ungefähr das Level an Kommunikation, was die hatten.

[28:21] Jetzt zurück zu Johannes 4. Es war offensichtlich erlaubt von Seiten der Juden, zumindest mit den Samaritern zu handeln. Schaut mal in Vers 8: "Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen." Die Rabbis hatten gesagt, wenn man etwas zu essen braucht, dann darf man mit den Samaritern Handel treiben. Man darf ihnen aber keine Freundlichkeit erweisen. Man darf auch keine Freundlichkeit entgegennehmen. Man darf jetzt nicht irgendwie versuchen, dann nett mit ihnen zu sein oder so. Man muss sie wie Abschaum behandeln, am besten gar nicht anschauen, wenn man das Brot von ihnen kauft. Und das galt natürlich rückwärts auch. Die Samariter waren genauso schlecht zu sprechen auf die Juden. Es gibt antike Berichte, die sagen, die Samariter, die hatten es sich zur Aufgabe gemacht, wenn immer Pilger von Galiläa zum Beispiel nach Jerusalem gegangen sind, dann lagen sie auf dem Weg und haben auf sie gewartet und haben sie dann manchmal sogar auf dem Weg nach Jerusalem getötet oder gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft. Oder sie haben zum Beispiel, es gab damals immer so Lichter, so Leuchtfeuer. Mit diesen Leuchtfeuern sollte dann im ganzen Land bekannt gemacht werden, wann ein neuer Monat beginnt, der Kalender. Und die Samariter haben es sich einen Spaß gemacht, die haben dann zur falschen Zeit Feuer angemacht, um quasi die Juden zu verwirren, wann jetzt der Kalender ist und so. Also wirklich so hinterhältig und auf beiden Seiten.

[29:55] Jesus wusste, jetzt achtet darauf, das ist sehr interessant. Jesus wusste, die Frau hat so wenig Respekt vor ihm, wenn er ihr etwas Gutes tun möchte, was wird sie sagen? Nein, danke. Kennt ihr das? Wenn man einem Menschen was Gutes tun will, sagt er: "Lass mich in Ruhe. Ihr seid bestimmt eine Sekte, lass mich in Ruhe." Jesus wusste, wenn er jetzt etwas Gutes ihr sagt, hat er keine Chance. Was macht er also? Er macht was Außergewöhnliches. Er sagt: "Hilf mir." Er sagt: "Ich möchte dir gerne helfen." Dann sagt sie: "Ich brauche nicht." Er sagt: "Hilf mir." Indem er sagt: "Ich habe Vertrauen, dass du mir helfen könntest, ich habe Vertrauen in dich", damit kann man Vertrauen in den anderen erzeugen. Wenn ihr das nächste Mal jemandem helfen wollt, der sich nicht helfen lassen will, bittet ihn um Hilfe. Macht euch so klein, dass er euch helfen muss.

[31:02] Es war so gewesen, dass wenn man jemanden um Hilfe, um Wasser bittet, das war das heiligste Ding im ganzen Nahen Osten. Die Araber in der Wüste, die würden einen Umweg machen, um einem anderen Menschen Wasser zu geben, wenn er sie darum bittet. Wasser war das Kostbarste, was es gibt. Das durfte man, selbst einem größten Feind durfte man das nicht verweigern. Hätte er ihr Wasser angeboten, hätte sie gesagt: "Brauche ich nicht." Aber zu bitten: "Ich brauche Wasser, hilf mir", das konnte sie nicht wirklich ignorieren. Und wisst ihr, was das Interessante ist? Er tut das, nicht nur ist er der König des Universums, nicht nur hat er sie geschaffen und das Wasser, er bittet um Wasser, obwohl er weiß, dass sie in offener Sünde lebt. Das ist interessant, oder? Der Prediger der Wahrheit, er weiß, sie lebt in offener Sünde und sagt: "Hey, bitte hilf mir, ich brauche deine Hilfe." Also niedriger kann man sich gar nicht machen, oder?

[32:05] Schauen wir mal in Vers 9. Die Frau ist sichtbar überrascht. "Nun spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie erbittest du als ein Jude von mir etwas zu trinken, da ich doch eine samaritische Frau bin?" Und Johannes erklärt: "Denn die Juden haben keinen Umgang mit den Samaritern, wie wir gesehen haben." Nichts. Übrigens, hat die Frau ihm jemals das Wasser gegeben? Elenweit sagt, sie war so überrascht, sie hat vergessen, was sie eigentlich machen wollte. Sie wollte wissen: "Wie kommst du darauf, mich zu bitten? Wie kommst du darauf, dich unter mich zu stellen?" Das Wort "bitten" hier, das Wort "bitten", "wie erbittest du?". Das Wort "erbitten" bedeutet, dass jemand, der unter einem steht, einen anderen um Hilfe bittet. Das ist also nicht: "So, könntest du mir mal einen Gefallen tun?", sondern "Du kannst mir helfen, du bist größer als ich, bitte hilf mir." "Ich habe noch nie einen Juden gesehen, der sich unter mich stellt und mich um etwas bittet." Sie ist überrascht.

[33:08] Vers 10: "Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht, gib mir zu trinken, so würdest du ihn bitten und er gebe dir lebendiges Wasser." Jetzt, was sagt Jesus da?

[33:38] Genau, er sagt, also warum sagt er das? "Wenn du wüsstest, wer ich bin?" Ja, wie hat er mit Nikodemus gesprochen in dieser Hinsicht? Da geht es ja auch um einen ähnlichen Punkt. Was hat er zu Nikodemus gesagt? Nikodemus hat gesagt: "Du bist der Lehrer Israels und weißt es nicht." Aber zu dieser Frau sagt er nicht: "Weißt du nicht, wer ich bin?" Er sagt: "Wenn du wüsstest." Warum macht er einen Unterschied? Sie kann nichts dafür. Das Volk Israel ist so neben der Spur, Jesus weiß, sie kann ihn eigentlich fast gar nicht erkennen. Zu Nikodemus, der die Bibel vor Augen hat, der von 1. Mose bis Maleachi alle Bücher kennt, zu dem sagt er: "Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht." Aber zu der Frau, die nur so wenig weiß von der Bibel, sagt er: "Ich bin mir sicher, dass wenn du wüsstest, dann würdest du mich erkennen." Das ist übrigens interessant. Jesus hat offensichtlich ein ganz großes Vertrauen in diese Frau, dass wenn sie etwas mehr Erkenntnis hätte, sie auch den richtigen Weg wählen würde, was übrigens auch zeigt, dass zum ewigen Leben muss man irgendwas schon auch wissen. Ja, wir sind ja manchmal immer dabei, die Theorie ganz unwichtig zu machen und die Praxis zu betonen, aber hier ist ein typisches Beispiel dafür, dass man, wenn man wenig weiß, kann man auch wenig erkennen. Da kann man auch wenig richtig machen.

[35:24] Ja, schauen wir in Vers 10 nochmal. Er sagt ja, was sollte sie wissen oder was hätte sie wissen können? Er sagt: "Wenn du wüsstest, die Gabe Gottes." Was meint er denn mit der Gabe Gottes? Was könnte er damit meinen, ganz konkret? Woher wissen wir das? Genau, welcher Vers ist das? Johannes 3, Vers 16: "So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab." Die Gabe Gottes, Johannes 3, Vers 16. Und Jesus sagt: "Wenn du das wüsstest, was Gott gibt." Übrigens, die meisten Stellen, in denen deutlich wird, dass Gott der Menschheit etwas gibt, im Alten Testament, die sind alle erst in den Propheten, zum Beispiel: "Ein Kind ist uns geboren." Wie heißt es, lesen wir das mal ganz kurz. Jesaja 9, Vers 5. Das ist ein Beispiel. Ein Jude hätte das wissen können, aber die Samariter, die kannten natürlich Jesaja jetzt nicht.

[36:38] Jesaja 9, Vers 5: "Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben." Die Gabe Gottes. Aber sie war eine Samariterin, sie kannte Jesaja nicht. Man hat ihr erzählt, Jesaja wäre ein abgefallener Prophet. Man hat ihr erzählt, Jesaja ist späterer Abfall, den braucht man nicht. Wir bleiben bei den fünf Büchern Mose. Nichts anderes. Hör bloß nicht auf die Juden mit dir. Jerusalem, das ist alles spätere Erfindung von Menschen. Kein Wunder, dass es für sie fast unmöglich war, Jesus zu erkennen. Wie denn auch? Aber Jesus hat trotzdem eine Hoffnung gesehen, dass diese Frau, die mit so viel Irrlehre auch behaftet ist durch ihre Erziehung und dann natürlich auch noch diese Situation hat mit ihrer offenen Sünde, dass sie ihn erkennen kann.

[37:29] Genau. Frage: Woher kommt dieses Bild von dem lebendigen Wasser? Hat im Alten Testament Gott schon mal von der Erlösung als von Wasser gesprochen? Könnt ihr Stellen im Alten Testament, wo Erlösung mit Wasser dargestellt wird? Ja, da war die Teilung des Wassers, die Erlösung, genau. Aber wo Wasser selbst als Stoff H2O, also als Wasser, selbst Erlösung repräsentiert.

[38:06] Ganz genau, Psalm 36, glaube ich. "In deinem Licht sehen wir das Licht, du bist die Quelle des Lebens." Okay, mehrere Stellen. Eine Stelle kann ich euch noch zeigen, Zeitgründen können wir nicht alle anschauen. Jesaja 12, Vers 3 zum Beispiel. Also wiederum hat Jesus hier eigentlich etwas ganz Bekanntes, zumindest für die Juden, aufgegriffen. Johannes 12, Vers 3: "Und ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils." Jesaja 12, Vers 3. Und ihr kennt vielleicht auch die Geschichte von dem von Mose, der mit seinem Stab auf den Felsen haut und da kommt Wasser heraus, frisches Wasser, Symbol für die Erlösung. Oder ihr kennt vielleicht auch Jesaja 13, Vers 1, da wird ein Quell für Israel sein, für Jerusalem und für die Sünde, dass man die Sünde daran abwaschen kann. Viele Stellen, aber die vielleicht bekannteste ist Jeremia 2.

[39:21] Schaut mal Jeremia 2, und dort Vers 13. Jeremia 2, und dort Vers 13. Jeremia 2, Vers 13. Gott sagt hier: "Denn mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten." Also hier sagt Gott: "Ich bin die Quelle des lebendigen Wassers." Übrigens, wir machen, ich habe immer so mittlerweile diese Angewohnheit, wann immer ich das finde, dann betone ich das. Was sagt uns das über Jesus, wenn er sagt: "Ich könnte dir lebendiges Wasser geben?" Er ist Gott. Also ihr seht, wenn man ein bisschen darauf achtet, man sieht es ständig, dass er Bilder von sich verwendet, die im Alten Testament auf Gott gemünzt sind. Gott sagt im Alten Testament: "Ich bin die Quelle des Lebens, die Quelle des lebendigen Wassers." Und Jesus sagt: "Von mir könntest du lebendiges Wasser bekommen." Jesus muss Gott sein, schon wieder. Nur, dass ihr das hier gesehen habt.

[40:38] Also zurück zu Johannes 4. Jesus bietet ihr also lebendiges Wasser an, Wasser des Lebens. Aber ihr wisst vielleicht, dieses Wort "lebendiges Wasser", hieß damals umgangssprachlich auch einfach Wasser, das sprudelt, also aus einer Quelle kommt. Man hatte Zisternen, wo einfach das Regenwasser aufgefangen worden ist, das war stilles Wasser. Und wenn es aber aus der Quelle kam, dann war es lebendig. Also offensichtlich hat die Frau, wie wir jetzt sehen, nicht an das Wasser des Lebens gedacht, sondern an Quellwasser, so wie da in dem Brunnen.

[41:18] Schaut mal, was sie jetzt sagt. Sie hat, wie du richtig gesagt hast, Maria, sie hat die Worte nicht wirklich verstanden, aber sie hat zumindest gemerkt, dass sie wichtig waren, oder? Vers 11: "Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast ja keinen Eimer und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn das lebendige Wasser?" Woran erinnert euch diese Haltung? Jesus sagt was und sie sagt: "Das geht doch gar nicht, überleg doch mal." Nikodemus macht genau dasselbe. Jesus spricht von hohen geistlichen Dingen und er sagt: "Wie soll denn jetzt der Mensch wieder in den Leib hineingehen?" Ich glaube, das lehrt uns etwas ganz Interessantes. Da ist der Theologie-Professor, der die Bibel auswendig kennt, dort ist die Frau, die selbst in ihrer abgefallenen Religion noch eine Ausgestoßene ist, aber beim Thema Erlösung sind sie beide gleich blind. Egal, wer wir sind, ob Mann, Frau, egal, ob wir bei Nacht oder zu Mittag zu Jesus kommen, egal, ob wir zu Jesus gehen oder Jesus zu uns kommt, egal, ob wir im Volk Gottes groß geworden sind oder bei den Heiden, beim Thema Erlösung haben wir alle dieselben Probleme. Und deswegen ist das Evangelium auch für alle gleich, weil wir alle mit den grundsätzlichen Fragen zu kämpfen haben, ob Gott mich angenommen hat, ob der Heilige Geist meine Sünden vergeben hat. Die Fragen, die ein Mensch bei der Erlösung hat, sind immer dieselben. Die Verständnisschwierigkeiten sind dieselben, die Erfahrungswerte sind dieselben und der Sieg kann für alle derselbe sein. Alle Menschen sind vor dem Evangelium gleich.

[42:53] Ganz interessant. Also, aber jetzt kommt Vers 12 und Vers 12 ist der Hammer. Schaut mal, was er sagt. Und jetzt versetzt euch in die Lage von Jesus. "Bist du größer als unser Vater Jakob?" Übrigens, im Griechischen heißt das eigentlich: "Du bist doch wohl nicht größer." Also da ist die Implikation schon: "Auf keinen Fall. Du bist auf keinen Fall größer als Jakob, oder? Unser Vorvater, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, samt seinen Söhnen und seinem Vieh."

[43:30] Jetzt mal ganz ehrlich, wenn ihr Jesus gewesen wärt in der Situation und da kommt diese Frau, der ihr helfen wollt, die in offener Sünde lebt, die vom Evangelium keine Ahnung hat und dann stellt sie euch diese Frage: "Du bist doch bestimmt nicht größer als Jakob." Was hätte Jesus sagen können? Was hätte er sagen können? Er hätte sagen können: "Weißt du was? Ich habe mit Jakob gekämpft und rate mal, wer gewonnen hat. Der Jakob, der lag winselnd zu meinen Füßen. Du fragst, wer größer ist? Ich habe ihn einmal angezippt, da war er zeit seines Lebens gehbehindert." Das wäre die Wahrheit gewesen. Jesus hätte ihr die Wahrheit sagen können, aber was hätte sie dann gesagt? "Du bist ja völlig durchgeknallt. Du hast doch nicht mit Jakob gekämpft." Das heißt, es gibt Situationen, da werden wir angegriffen, sozusagen, und wir könnten die Wahrheit sagen, aber es würde gar nichts nützen. Es würde gar nichts nützen.

[44:34] "Bist du größer?" "Du bist doch nicht größer als Jakob." Und dann, ich meine, sie zählt ja nicht nur Jakob auf, sondern auch den Brunnen und die Söhne und das Vieh. Jesus hätte sagen können: "Weißt du was? Jakob hat zu mir gebetet, damit seine Rahel schwanger wird. Ich habe ihm die Kinder gegeben. Ich habe ihm Reichtum gegeben. Ich habe mit ihm gekämpft. Ich bin stärker als er." Aber es ist interessant, oder? Jesus sagt nichts davon. Er geht nicht mal auf die Frage ein. Und das zeigt die Demut von Jesus. Also ich kann mir vorstellen, dass der Satan, der Satan hat Jesus ja nicht nur die drei Mal in der Wüste da versucht oder in Matthäus 4, dass der Satan hier eine Gelegenheit gesucht hat, Jesus herauszukitzeln. Jetzt sag doch mal, wer du bist. Aber es ist Jesus vollkommen egal. Ihm geht es nicht um sich. Ihm geht es nicht darum, zu zeigen, was er alles schon getan hat. Ihm geht es einzig darum, diese Frau zu retten. Und wenn das bedeutet, dass sie ihn gerade diskriminiert und er das gerade nicht auflösen kann, egal. Hauptsache, ich rette sie. Und ich glaube, da kann man so viel von lernen.

[45:48] Übrigens, wisst ihr, dass die Juden fast dieselbe Frage gestellt haben? Schaut mal in Johannes 8. Das ist so kurios. Johannes 8, Vers 53. Die Juden haben genau dieselbe Frage später gestellt. Johannes 8, Vers 53: "Da sagen sie: Bist du größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist?" Sie fragt: "Bist du größer als Jakob?" Die Juden fragen: "Bist du größer als Abraham?" Interessanterweise ist Jesu Antwort dann bei den Juden ein bisschen anders. Die Juden, die so viel mehr wissen, denen sagt er dann: "Wer Abraham war, bin ich." Jesus wusste ganz genau, dass man auf dieselbe Frage unterschiedlich antworten kann, je nachdem, was der andere verstehen kann oder wo er sich geistlich befindet. Das ist eine wichtige Lektion, die man da lernen kann.

[46:38] Übrigens, ist das nicht interessant? Hat die Frau an den Messias geglaubt? Sie hat gewartet auf den Messias. Hat die Frau einen Stolz gehabt auf ihre geistliche Vergangenheit? Hier war eine Frau, sie hat betont, die Väter ihres Glaubens, die Glaubensväter, sie hat gewartet auf den Messias und als der, auf den ihre Vorväter gewartet haben, der Messias vor ihr stand, hat sie ein Brett vorm Kopf. Sie sieht ihn nicht. Wie viele Menschen sind stolz auf ihre geistliche Vergangenheit und erwarten von Gott große Dinge in der Zukunft, aber sehen nicht, wenn Jesus direkt vor ihnen ist, in den kleinen Dingen des Lebens. Wir sind vielleicht stolz darauf, dass wir Adventisten sind oder zur Gemeinde der Übrigen gehören. Wir erwarten große Dinge von Gott in der Zukunft, aber dann kommt Jesus am Mittag und bittet uns um ein bisschen Wasser. Jetzt mal übertragen, und wir merken gar nicht, dass er da ist.

[47:45] Schaut mal mit mir in 5. Mose. 5. Mose Kapitel 30. Da gibt es dieses schöne Wort. 5. Mose 30. 5. Mose 30 und dort Vers 11 bis 14. 5. Mose 30, Vers 11 bis 14: "Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns zum Himmel fahren und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Es ist doch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Sondern das Wort ist sehr nah bei dir in deinem Mund und in deinem Herzen, sodass du es tun kannst." Gottes Wahrheit, Gottes Wort ist nicht fern in der Vergangenheit, fern in der Zukunft, irgendwo ganz weit oben. Gott ist uns meistens viel näher, als wir das glauben, oder? Er ist meistens viel näher, als wir das überhaupt uns vorstellen können. Die Bibel sagt nicht, dass wir nur ein bisschen umher tapsen müssen, bis wir ihn finden. Er ist nicht fern von uns. Wir müssen nach ihm suchen, aber er ist nicht fern von uns. Die Frau im Jakobsbrunnen ist da ein interessantes Beispiel.

[49:19] Zurück zu Johannes, kommen wir gleich zum Schluss hier. Johannes Kapitel 4. Jesus geht, wie gesagt, auf ihre ganze Fragerei nicht ein bisschen ein und geht es nicht darum, sich jetzt zu definieren, wie sehr er über Jakob steht oder vor Jakob war oder was auch immer. Er sagt, Vers 13: "Fast so wie bei Nikodemus, wo er auch einfach das Gespräch in eine andere Richtung lenkt." Jesus antwortete und sprach zu ihr: "Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten." Das ist so brillant, das kann man gar nicht besser machen. Was macht Jesus hier?

[50:04] Ja, das kommt danach, aber was macht er hier in dem Vers? Er bringt sie zum Nachdenken. Worüber denkt sie jetzt wahrscheinlich nach? Wovon redet er? Ja, vielleicht die Bedeutung des Jakobsbrunnens.

[50:31] Kennt ihr das, dass man trinkt und dann hat man wieder Durst? Das ist ein ganz normales Gefühl, oder? Man trinkt und hat wieder Durst. Man trinkt und hat wieder Durst. Man trinkt und hat wieder Durst. Man muss immer wieder neu trinken.

[50:56] Die Frau geht ja in Platz 12 drauf ein und sagt: "Bist du der Größte als Jakob, der uns den Brunnen gegeben hat?" Also er hat daraus getrunken. Und Jesus, so habe ich jetzt gerade die Gedanken, spricht sie darauf an und sagt: "Ja, Jakob hat zwar hier daraus getrunken, aber nicht dieses Wasser, das er getrunken hat."

[51:14] Denkt doch mal in den Schuhen von Jesus. Er will ja dieser Frau helfen. Was ist das Problem der Frau? Sie tut immer wieder dieselbe Sünde. Warum tut sie immer dieselbe Sünde? Ist sie einfach dumm? Warum tut sie immer dieselbe Sünde? Warum rennt sie von einem Mann zum nächsten? Weil sie Gott nicht kennt, das stimmt. Ja, aber warum? Ein Hilferuf für was? Sie sucht etwas?

[52:11] Sie hat ein Verlangen. Dieses Verlangen wird kurz gestillt und danach ist wieder vorbei. Dann geht sie zum nächsten, sie ist wieder durstig und sie trinkt und sie ist wieder durstig. Jesus hat noch nicht mit einer Silbe ihre Sünde angesprochen, aber er hat schon das Kernproblem umrissen. Sie trinkt und trinkt und trinkt und ist immer durstig, wie ein Kreislauf von einem Mann zum nächsten. Sie sucht etwas und findet es nicht. Sie hat eine Sehnsucht und diese Sehnsucht wird in ihrem Leben momentan nicht erfüllt. Und es hat gerade nichts mit Theologie zu tun, hat nichts mit Nationalität zu tun, hat nichts damit zu tun, welcher Berg der richtige ist zur Anbetung, wo man sich trefflich streiten kann.

[53:03] Jesus weiß ja, er könnte von einer Sekunde auf die nächste eine theologische Debatte mit ihr anfangen. Das will sie später übrigens auch, das kommen wir nächstes Mal drauf, sie fängt ja von alleine an. Jesus könnte sich stundenlang mit ihr streiten, ob Jesaja ein Prophet ist oder nicht. Das macht er aber nicht. Er bringt es auf eine Ebene, die wirklich ihr Herz berührt, nämlich: "Ich habe eine Sehnsucht und weder meine Religion noch meine Ehemänner noch irgendetwas hat diese Sehnsucht bisher gestillt." Und Jesus ist so geschickt, dass er die Alltagssituation mit dem Wasser sprachlich verbindet jetzt mit diesem Gefühl, das eigentlich hinter ihrer Sünde ist, um ihr dann quasi den Erlösungsplan anzubieten.

[53:47] Denn Vers 14 sagt er: "Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt." Wir werden über die genauen Inhalte nächstes Mal noch genauer sprechen, was das heißt. Aber hier ist der einfache Punkt: Jesus sagt: "Schau, du rennst und rennst und rennst und rennst und wenn du es weiter machst wie bisher, wirst du immer durstig bleiben. Es wird immer was fehlen. Das Loch in deinem Herzen kann nicht durch irgendeinen gewöhnlichen Mann ausgefüllt werden. Der Einzige, der die Sehnsucht des Herzens stillen kann, das bin ich." Ich biete dir an, dass du dauerhaften Frieden, dauerhafte Erfüllung hast.

[54:38] Ich glaube, das ist eine ganz grundlegende Sache. Ganz egal, wer wir sind, egal, ob wir Nikodemus heißen oder diese Frau am Jakobshorn, egal, ob wir Juden sind oder Samariter, egal, ob wir zu Jesus bei Nacht oder Mittag kommen und egal, ob wir jung oder alt sind, egal, ob wir zu Jesus kommen oder er zu uns, das ist, wonach wir alle uns sehnen. Nach diesem inneren, bleibenden Frieden. Und Jesus sagt: "Ich weiß, du hast ihn schon überall gesucht, hast alles ausprobiert und bist durstig. Komm zu mir."

[55:09] Das kommt das nächste Mal. Aber ist es nicht interessant? Ja, ganz genau.

[55:20] Aber ist es nicht interessant? Ja.

[55:34] Ist es nicht interessant?

[55:39] Ja.

[55:41] Ist es nicht interessant, wie Jesus es schafft, sie vom Evangelium zu überzeugen, ohne dass sie es richtig fast merkt? Dass er ohne gleich mit dem Holzhammer zu kommen, zeigt: "Ich weiß genau, was du fühlst, ich weiß genau, was dein eigentliches Problem ist und hier ist die Lösung." Und ich glaube, das ist, was wir lernen müssen. Wir müssen lernen, auch wenn wir natürlich nicht Jesus sind, wir wissen nicht, was die Menschen denken, aber wir können oftmals, je besser man Menschen kennt, desto mehr sieht man: Das ist eigentlich, was ihr Problem ist. Wir sehen oft nur die Fehler, die sie haben, die Sünden, die sie tun, aber die Herausforderung ist zu sehen, warum tun sie die Sünden. Natürlich, Sünde ist letztendlich nie immer ganz erklärbar, aber es gibt meistens eine Motivation. Sie suchen irgendwas, sie suchen Liebe, sie suchen Geborgenheit, sie suchen Freude, sie suchen was auch immer. Und wenn man dieses Bedürfnis identifiziert und sagt: "Schau mal, wo du es jetzt suchst, kann es gar nicht gefüllt werden, aber bei Jesus kann es gefüllt werden." Das ist der Weg des Evangeliums.

[56:37] Nächstes Mal schauen wir, wie das weitergeht. Das Gespräch wird nämlich noch ziemlich interessant. Aber jetzt wollen wir gemeinsam beten. Lassen wir uns zu Nierk hin, dann haben wir eine kurze Pause.

[56:52] Lieber Vater im Himmel, hab Dank für diese wunderbare Geschichte, die so einfach und doch so herzerwärmend ist. Wir alle kennen dieses Gefühl, nach diesem inneren Frieden zu suchen und oft durstig zurückzubleiben. Und manchmal ist es selbst so, dass man, wenn man in der Gemeinde ist, wieder abdriftet und diesen tiefen Frieden mit dir verliert. Heute wollen wir zu dir kommen, dich bitten, dass du erneut uns dieses lebendige Wasser schenkst, Tag für Tag. Dass wir wissen dürfen, dass bei dir alle unsere Sehnsüchte, alle unsere Sorgen, alle unsere Nöte gestillt werden. Wir danken dir, dass du trotz all unserer Angriffe auf dich und mit all dem, womit wir dich beschämt haben, durch unsere Worte und Taten, du nicht Rache übst, sondern du alles auf dich nimmst, um uns zu retten. Danke, dass du uns auch beibringen möchtest, wie wir anderen Menschen, die uns vielleicht völlig missverstehen und uns vielleicht sogar angreifen, wie du uns hilfst, mit ihnen umzugehen. Wir danken dir von ganzem Herzen für die Lektion, die wir heute lernen durften und bitten dich, dass du uns hilfst, Tag für Tag mit dir zu leben. Im Namen Jesu. Amen.

[58:23] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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