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Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Predigt aus der Serie „Der Ersehnte“ beleuchtet Christopher Kramp die tiefere Bedeutung von Jesu Worten in der Bergpredigt, insbesondere die Auslegung von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Er erklärt, dass diese alttestamentliche Regelung ursprünglich ein Maßstab für Richter war und keine Erlaubnis zur Selbstrache darstellte. Jesus fordert seine Nachfolger auf, über dieses Prinzip hinauszugehen und stattdessen auf Rache zu verzichten, das Böse nicht mit Bösem zu vergelten und stattdessen Großzügigkeit und Opferbereitschaft zu zeigen.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass ihr da seid zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Heute zum letzten Mal in diesem Jahr 2017, 77. Folge. Und wir wollen heute weiter studieren in der Bergpredigt. Schön, dass ihr auch jetzt live zugeschaltet seid oder dann später das Video anschaut auf joelmedia.tv.de. Wir haben heute einige Verse vor uns, die besonders interessant und zu den wichtigsten überhaupt gehören, die in der Bergpredigt stehen. Und ich meine, die Bergpredigt ist voller wichtiger Verse. Bevor wir beginnen, wollen wir nach guter Gewohnheit niederknien für ein Anfangsgebet. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen. Danke für die Zeit, die wir jetzt hier gemeinschaftlich verbringen können und danke für die Gelegenheit, aus deinem Wort etwas zu lernen. Bitte schenke uns Weisheit, schenke uns deinen Heiligen Geist. Gebe, dass wir die Wahrheit verstehen, wie sie dort in Matthäus und in Lukas gemeint ist, dass diese Bergpredigt für uns etwas ganz Reales, etwas ganz Greifbares, etwas ganz Praktisches wird, was wir in unserem Glaubensleben tatsächlich täglich erleben. Bitte hilf uns auch zu erkennen, wo wir vielleicht von diesem Maßstab noch deutlich abweichen und dass wir dann zu dir kommen und alles dir übergeben, dass du das in uns realisieren kannst, was wir jetzt gleich lesen und studieren werden. Darum bitten wir dich von ganzem Herzen, halte alle störenden Fähren, reinige uns vollkommen, so wie du es verheißen hast. Im Namen Jesu, Amen.

[2:03] Matthäus, Kapitel 5. Vor zwei Wochen in der letzten Folge haben wir über zwei Aussagen von Jesus nachgedacht, wo es um die Ehescheidung und um das Schwören ging. Könnt ihr euch daran erinnern? Wir haben festgestellt, dass Jesus in der Bergpredigt nach den Seligpreisungen und nach dem grundlegenden Prinzip, wie er die Jünger in die Welt sendet, über das Gesetz gesprochen hat. Das war ja das Ziel eigentlich der Bergpredigt, das Gesetz Gottes zu erläutern, das zu sagen, was am Sinai nicht mehr gesagt worden ist, weil die Israeliten nicht zuhören wollten, den Sinn des Gesetzes zu geben. Zuerst hat er einige der zehn Gebote illustriert, um zu zeigen, was ist der geistliche Inhalt der zehn Gebote. Und dann haben wir das letzte Mal gesehen, dass Jesus dann auch über einige andere mosaische Gesetze gesprochen hat, um zu zeigen, wie das Verhältnis von Altem und Neuem bunt ist. Und an der Stelle wollen wir jetzt weitermachen. Es kommt jetzt zu einem Musterbeispiel für die Bergpredigt, wo die allermeisten Menschen denken, naja, hier war das alte Testament und jetzt bringt Jesus was Neues. Aber wir wollen uns das genau anschauen und sehen, was hier wirklich in der Bergpredigt gemeint ist. In Vers 38 in Matthäus 5 und dort Vers 38, dort heißt es: "Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn." Auge um Auge, Zahn um Zahn, das ist natürlich ein Zitat aus dem Alten Testament. Und das wollen wir gleich mal anschauen und zwar in dritte Mose. Schauen wir mal, dritte Mose und dort Kapitel 24. Ist das dritte Mose 24? Nein, fünfte Mose, wir müssen erst mal fünfte Mose aufschlagen. Fünfte Mose 21, genau, fünfte Mose 21, genau, Vers, bin ich hier richtig? Nein, nein, ja, ja, stimmt schon, aber ich habe hier einen falschen Text. Verzeihung, ich meinte eigentlich, warte einen Moment, ich habe jetzt falsch aufgeschrieben. Genau, zweite Mose, das ist der eigentliche Text, aus dem er zitiert. Zweite Mose 21, Entschuldigung, ich habe hier fünfte Mose geschrieben. Zweite Mose 21 und dort Vers 23 und 24 und 25. Zweite Mose 21, Vers 23 bis 25: "Wenn aber ein Schaden entsteht, so sollst du geben: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Beule um Beule." Dieses Gesetz oder dieses Prinzip findet sich mehrmals im Alten Testament, auch in dritte Mose 24, Vers 19 und 20. Und interessant ist, man findet ganz ähnliche Vorschriften auch bei den nicht-israelitischen Gesetzen der Antike. Vielleicht habt ihr was gehört von dem Kodex Hammurabi, von Hammurabi, dem großen babylonischen König, der altbabylonische König Hammurabi, der ungefähr im 18. Jahrhundert vor Christus ein Gesetz veröffentlicht hat, in dem es auch dieses Prinzip gibt: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wir finden das gleiche Prinzip auch bei den alten griechischen Gesetzen oder auch beim römischen Zwölftafelgesetz. Also mehrere Kulturen im Nahen Osten oder in der Antike kannten dieses Prinzip: Auge um Auge, Zahn um Zahn, oft auch genannt das Gesetz der Vergeltung.

[6:14] Die Frage aber ist, ob hier in der Bibel tatsächlich eigentlich so eine Vergeltung gemeint ist. Wisst ihr eigentlich, was der Kontext ist von dieser Verordnung "Auge um Auge, Zahn um Zahn"? Worum geht es hier eigentlich in diesem Abschnitt? Ja, also was ist der Kontext hier in 5. Mose 21, wo dieses 23-24, wo das steht? Was ist der Fall? In welchem Zusammenhang wird das hier genannt? Ja, das sind Rechtssatzungen, die die 10 Gebote illustrieren sollen. Schaut man Vers 22. "Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Beule um Beule." Das heißt, dieses Gebot ist im Kontext einer Gerichtsentscheidung. Hier sind also zwei Männer, die sich streiten und da können bestimmte Dinge passieren. Und je nachdem, was passiert, bekommt jetzt der Richter als Zivilrichter in einem Strafgesetz, in einem Strafgerichtsverfahren einen Maßstab, wie er entscheiden soll. Er darf keine stärkere Strafe auflegen als das, was das Verbrechen gewesen ist.

[8:00] Also halten wir fest, dieses Gebot war schon im Alten Testament eigentlich nicht etwas, was ich als Beschuldigter in Anspruch nehmen konnte. Der Text sagt nicht: "Wenn mir jemand ein Auge ausreißt, darf ich dem anderen ein Auge ausreißen." Das steht da nicht, sondern es war eine Handlungsanweisung für den unabhängigen Richter, um jetzt sozusagen das Strafmaß zu bestimmen. Die Interpreten des Alten Testaments, die streiten sich natürlich, was jetzt genau damit gemeint ist, ist nicht unser Thema heute. Aber halten wir erst einmal fest, dieses "Auge um Auge, Zahn um Zahn" war für den Richter zur Strafbemessung.

[8:41] Jetzt gehen wir zu Jesus zurück in die Bergpredigt. Jesus sagt: "Ihr habt gehört, das Prinzip ist, der Strafrichter soll entsprechend des Verbrechens urteilen." In Matthäus 5 und dort Vers 39 sagt Jesus wieder sein Berühmtes: "Ich aber sage euch." Er offenbart jetzt wieder, was ist eigentlich Sinn des Gesetzes, was ist die Grundlage des Reiches Gottes, wie funktioniert der neue Bund. "Ich aber sage euch: Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen, sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, so biete ihm auch die andere dar." Nun, wenn hier steht, wenn dich jemand auf die Backe schlägt, dann könnte man denken, naja, das ist so, wie wenn eine Frau Böses auf ihren Mann und sie so einen Klaps gibt, so auf die Wange schlägt. Das griechische Wort für Backe ist eigentlich Kiefer. Hier geht es also nicht um so einen Schlag, hier geht es darum, dass jemand dich auf den Kiefer schlägt, eine echte Gewalttat begeht. Das ist der erste Punkt. Also, was würde man normalerweise machen, wenn man irgendwo ist und jemand kommt mit der Faust und schlägt auf den Kiefer? Man würde denken, man hat ein Verbrechen erlitten, jetzt ist es doch mein Recht, irgendetwas ähnliches ihm zurückzutun.

[10:07] Nun, schon im Alten Testament verbietet Gott die Selbstrache. Schauen wir mal ein paar Beispiele an. 3. Mose, also genau dort, wo ja auch dieses "Auge um Auge, Zahn um Zahn" steht, in 3. Mose 19, Vers 18. Sogar eben, ja, nicht im selben Kapitel, aber in der Nähe. 3. Mose 19 und dort Vers 18. Da sagt Gott durch Mose: "Du sollst nicht Rache üben, noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes, sondern du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Also, es stimmt zwar, Gott hatte gesagt "Auge um Auge, Zahn um Zahn", aber er hatte im selben Buch in 3. Mose gesagt: "Du sollst dich nicht selbst rächen." Also, "Auge um Auge, Zahn um Zahn" war nie gedacht, dass ich als Beschädigter mich rächen kann. Das war nie gedacht, schon das Alte Testament verbietet Widerstand gegen das Böse.

[11:04] Das heißt, Jesus hat wiederum, das werden wir gleich sehen, wiederum in der Bergpredigt nur das gepredigt, was eigentlich im Alten Testament schon stand. Kennt ihr Geschichten in der Bibel, wo jemand die Gelegenheit hatte, sich bei seinem Feind zu rächen und sich entschieden hat, es nicht zu tun? David und Saul. Schlag mal auf, 1. Samuel. Das ist ganz interessant, da gibt es nämlich drei Geschichten hintereinander, die ihr wahrscheinlich alle gut kennt. In 1. Samuel 24, da ist David in der Höhle, ihr kennt die Geschichte, und dann kommt der Saul da, und der David hat die Gelegenheit, ihn in der Höhle umzubringen, aber stattdessen, was macht er? Er schneidet den Zipfel ab und sagt: "Wie könnte ich meinen Feind, wie könnte ich mich selbst rächen? Der Herr möge rächen." Zwei Kapitel später finden wir den David wieder in der Wüste, und diesmal liegt der Saul unten im Tal, und der David schleicht nachts herunter mit einem Kollegen, und sie haben die Gelegenheit, den Saul umzubringen, und was macht er? Tut es nicht. Sie nehmen ein paar Utensilien mit, nicht mehr, um zu sagen, wir sind da gewesen. Und David macht wieder deutlich: "Wie könnte ich mich selbst rächen an dem gesalbten Herrn?"

[12:37] Jetzt zwischen 1. Samuel 24 und 1. Samuel 26 ist welche Geschichte? 1. Samuel 25, und da geht es um den Nabal, und was möchte David da machen? Er möchte sich selbst rächen. Bei Saul will er sich nicht selbst rächen, danach bei Saul will er sich selbst nicht rächen, aber in der Mitte, da ist er so ärgerlich, dass der Nabal, für den er so viel investiert hat, ihn nicht unterstützen will, dass er sagt, und ihr kennt vielleicht den Text, der ist fast nicht jugendfrei, was er sagt, aber er rächt sich nicht. Warum? Was oder wer hält ihn davon ab? Die Frau Abigail kommt und sagt, schaut mal in Vers 31. Und dann sagt David in Vers 33: "Das heißt, die Idee ist, der David wollte das tun, was er in 24 und 26 nicht tun wollte, nämlich mit seiner eigenen Hand deinem Feind vergelten. Und was jetzt deutlich wird, in 24, 25, 26, jedes Mal wäre es verkehrt, sich selbst zu rächen. Das, was 3. Mose sagt, räche dich nicht selbst, steht auch hier in den Geschichten des Alten Testaments."

[14:28] Schauen wir noch ein paar Beispiele an. Sprüche 20, Vers 22. Es gibt also eigentlich eine ganz klare biblische Lehre, dass wir uns nicht selbst rächen sollen, schon im Alten Testament. In Sprüche 20, Vers 22. Also, ihr versteht das, was Jesus sagen will. Die Pharisäer haben gelesen "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und dachten, damit ist Vergeltung gerechtfertigt. So wie die Heiden auch Vergeltung rechtfertigen mit "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Aber Jesus sagt: "Nein, nein, nein, ihr kennt die Bibel nicht gut, denn die Bibel kennt zwar das Prinzip 'Auge um Auge, Zahn um Zahn', aber nur als Maßstab für einen Richter, nicht zur eigenen Vergeltung."

[15:08] Denn Sprüche 20, Vers 22 sagt sehr deutlich, Sprüche 20, Vers 22: "Du sollst nicht sagen: Ich will Böses vergelten. Hör auf den Herrn, der wird dir helfen." Die Idee ist also, nicht sich selbst rächen, auf Gott harren. Und Sprüche 24, nur vier Kapitel weiter, Sprüche 24 und dort Vers 29, da heißt es: "Sage nicht: Wie er es mit mir gemacht hat, so will ich es mit ihm machen. Ich will dem Mann vergelten nach seinem Werk." Das ist das, was das unbegehrte Herz, das fleischliche Herz sagt: "Der hat mir das angetan, jetzt zahle ich es ihm rein." Das Alte Testament in der Tora, in den Geschichten, in der Weisheitsliteratur, überall heißt es: "Räche dich nicht selbst."

[16:06] Im gleichen Kapitel finden wir noch Vers 17, da heißt es sogar, und das wird sehr interessant, da heißt es: "Freue dich nicht über den Fall deines Feindes." Jemand könnte sagen, ich räche mich nicht, aber wenn es dem anderen schlecht geht, dann sage ich: "Geschieht ihm recht." Schon wenn ich mich über meinen Feind, also wenn ich mich darüber freue, dass es meinem Feind schlecht geht, schon das ist verkehrt. "Wenn er strauchelt, so frohlocke dein Herz nicht."

[16:38] Der Paulus greift das auf, das haben wir jetzt ja wohl, jetzt glaube ich, diese Woche eine Lektion, in Römer 12, ganz genau Vers 17 und 19. Römer 12, Vers 17 und 19: "Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf das bedacht, was in den Augen aller Menschen gut ist." Und dann heißt es hier in Vers 19: "Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn."

[17:06] Was heißt das denn, "rächt euch nicht selbst, sondern gebt Raum dem Zorn"? Was stellt euch darunter vor, "gebt Raum dem Zorn"? Also hier ist die Idee, schaut mal in Vers 19: "Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes." Denn es steht geschrieben: "Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr." Gott ist nicht gegen Rache, aber er möchte eine Vergeltung üben, die absolut gerecht ist. Und so gerecht, dass heilige Engel sagen können: "Genau so ist es richtig." Das kann aber nur Gott und nicht wir. Warum? Weil wir können nicht genau beurteilen, was der andere sich dabei gedacht hat. Wir können nicht in das Herz schauen, nur Gott kann ein gerechtes Gericht haben. Und jetzt ist die Idee, wenn ich mich selbst räche, dann springe ich vor Gott. Also Gott sieht das Unheil und Gott sagt: "Ich weiß alles und ich werde zur rechten Zeit ein richtiges Urteil fällen." Aber wenn ich jetzt im Namen Gottes vielleicht noch oder auch einfach nur aus eigenem Stolz mich selbst räche, dann stelle ich mich in den Weg Gottes. Und ich verhindere jetzt das gerechte Urteil Gottes oder verzerre es. Und deswegen sagt er: "Macht Raum für den Zorn Gottes." Stellt euch nicht Gott in den Weg, greift ihm nicht voraus.

[18:27] Aber ganz kurz, da. Genau, da steht auch, wir sollen nicht Böses mit Bösem vergelten. Das heißt, der Paulus hat das aus dem Alten Testament und von Jesus natürlich sofort übernommen. Wir sollen das Böse nicht mit Bösem vergelten.

[18:48] Die Bergpredigt ist hier also kein neuer Punkt, sondern sie bestätigt nur das, was im Alten Testament schon da war. Kennt ihr übrigens jemand im Alten Testament, der tatsächlich auf die Wange oder auf die Backe geschlagen worden ist? Ein Prophet, genau, wer war das? Das war Micha, und zwar der Micha zur Zeit von Ahab. Da gibt es die Geschichte, wo dann der Ahab die ganzen Propheten kommen lässt, nicht wahr? Und der Micha ist der Einzige, der die Wahrheit sagt. Und dann gibt es den falschen Propheten Zedekia. Und dann sagt Micha: "Ich sah einen Lügengeist vom Herrn ausgehen und der hat euch alle erfasst, nicht wahr?" Und dann kommt der Zedekia und schlägt ihm auf die Backe und sagt: "Auf welchem Weg ist denn der Geist des Herrn von mir gewichen, dass er zu dir redet?" Also, der Zedekia sagt, ich bin auch mit dem Heiligen Geist erfüllt. Ich bin ein Prophet des Herrn und du bist ein Störenfried und schlägt ihn auf die Backe. Das heißt, hier wird der Prophet von einem vermeintlichen Gemeindeglied, von einem falschen Propheten auf die Backe geschlagen. Er gibt eine Antwort, aber er schlägt nicht zurück.

[19:55] Wer hat denn noch seine Backe hingehalten, seine Wange? Schaut mal in Jesaja 50 Vers 6. Jesus hat diese Worte nicht nur gesagt in der Bergpredigt. Jesaja 50 und dort Vers 6. Jesus macht sehr deutlich, dass Jesus selbst diese Lehre der Bergpredigt verinnerlicht hatte. Er hat sich nicht selbst gerecht.

[20:43] Schaut mal in Jesaja 53 und dort Vers 7. "Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut." Ist Jesus auch buchstäblich geschlagen worden auf die Wange? Jesus hat das mit sich machen lassen.

[21:23] Paulus auch ganz genau. Wusstet ihr, dass Jesus in der Bergpredigt aus einem alttestamentlichen Buch zitiert? Als er sagt: "Halte deine Wange hin", diesen Gedanken "halte deine Wange hin, die andere Wange", der kommt aus einem alttestamentlichen Buch. Und zwar aus dem Buch Klagelieder. Schauen wir mal in das Buch Klagelieder. Wer hätte gedacht, dass Jesus in der Bergpredigt bei "Auge um Auge, Zahn um Zahn" sich auf das Buch der Klagelieder bezieht. Schaut mal in Klagelieder Kapitel 3. Klagelieder ist natürlich zwischen Jeremia und Hesekiel und ein Buch, das man nicht so oft liest, obwohl es sehr, sehr interessant ist. Wir fangen mal in Vers 22 an. Da werdet ihr einen Vers finden, den ihr oft kennt oder oft gehört habt. Klagelieder ist eigentlich ein sehr trauriges Buch. Es ist nämlich, wie der Name sagt, viel Klage dabei. Kapitel 1, 2, 4 und 5 sind fast nur Klage. Aber in der Mitte, im Zentrum, in Kapitel 3 und dort genau in der Mitte, da gibt es so einen Hoffnungsschimmer. Die Hoffnungsbotschaft ist genau im Zentrum, in der Mitte von Kapitel 3. Und das lesen wir mal. Klagelieder 3 ab Vers 22. Habt ihr es? Klagelieder 3, 22.

[22:50] Der Kontext von den Klageliedern ist was? Jeremia schreibt die Klagelieder, weil Jerusalem angegriffen und zerstört wird. Ja, der Kontext ist die Zerstörung Jerusalems. Jetzt schaut man in Vers 23 über die Barmherzigkeit Gottes. "Sie ist jeden Morgen neu und deine Treue ist groß." Jedes Mal, wenn wir beten: "Gottes Gnade, Barmherzigkeit ist jeden Morgen neu", zitieren wir Klagelieder 3, Vers 23.

[23:38] Und jetzt Achtung, Vers 30. Also, wenn ihr gedacht habt, Jesus hat sich das, "die andere Wange hinhalten", ausgedacht. Nein, nein, nein, nein. Er kannte sich nur besonders gut in der Bibel aus und zitiert Klagelieder. Durch den Angriff Jerusalems sind viele Menschen schwer verletzt worden. Geistlich, körperlich, moralisch, mental. Denkt an Daniel. Daniel hat viel verloren durch den Angriff der Babylonier. Aber Daniel hat sich nicht gerecht. Daniel hat sich demütigen lassen. Und viele andere auch. Und der Punkt hier ist also: Schlägt ihn jemand, so bietet er ihm die Wange dar. Wenn wir auf Gott hoffen, brauchen wir nicht rebellieren. Wenn wir auf Gott vertrauen, dass er uns retten wird, müssen wir uns nicht selbst verteidigen. Das ist die Idee in den Klageliedern.

[24:54] Wenn wir jemanden zurückschlagen, ist es doch peinlich. Es ist doch peinlich. Wir schlagen ihn an. Das heißt, wir sind auch nichts Besseres. Ganz genau. Das heißt nicht, dass wir nicht sagen, warum Jesus uns an die Wange schlägt. Man soll auch erstellen, dass man Jesus begibt, dass wir ihm die Wange machen müssen. Absolut. Aber der Punkt, den Jesus hier machen möchte, ist ganz entscheidend. Er möchte sagen: "Statt wie ein Weltmensch einfach nur auf dein Recht zu pochen, ist das Prinzip im Himmel: lieber Unrecht zu erleiden für jemand anderen." Das ist das, was Jesus gemacht hat. Wie Ellen White so schön sagt: "Wenn uns etwas erreicht, und sei es eine Faust auf unseren Knochen, dann ist es an Jesus vorbeigegangen." Und wie sagt die Bibel: "Denen, die Gott lieben, geschehen alle Dinge zum Besten", auch eine Faust auf den Kiefer. Und wenn ich das weiß, muss ich mich nicht vor Gott stellen und sagen: "Jetzt räche ich mich", sondern ich weiß, Gott wird das rächen. Es gibt eine Herzenseinstellung.

[26:11] Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und schauen mal den nächsten Vers an in der Bergpredigt. In Matthäus 5 und dort Vers 40. "Und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Hemd nehmen will, dem lass auch den Mantel." Die Bibel sagt ja, wie oft sollen wir mit Gläubigen vor Gericht gehen? Nicht, wir sollen nicht vor Gericht gehen. Aber wenn mich jetzt jemand vor Gericht zerren will, und warum würde jemand jetzt ein Mantel von mir nehmen wollen oder ein Hemd? Das ist vielleicht heute etwas unverständlich, weil das macht heute keiner mehr. Aber warum hat man damals von jemandem ein Hemd genommen im Fall eines Gerichtsfalls? Was hat das mit dem Gericht zu tun? Die Idee war, dass man, wenn man ein Pfand haben wollte, eine Sicherheit, hat man etwas genommen, was dem anderen gehörte, z.B. sein Gewand. Sodass er das Gewand erst zurückbekommen hat, wenn er z.B. seine Schuld bezahlt hat, als Sicherheit.

[27:13] Und das Alte Testament sagt sogar etwas ganz Interessantes dazu. Schaut mal in 2. Mose 22. Da gab es nämlich sogar eine spezielle Rechtsvorschrift, wie man mit so einem Pfand umgehen sollte, wenn es ein Kleid war oder ein Obergewand. Schaut mal in 2. Mose 22 und dort Vers 25 und 26. "Wenn du je das Obergewand deines Nächsten als Pfand nimmst, so sollst du es ihm wiedergeben bis zum Sonnenuntergang. Denn es ist seine einzige Decke, das Gewand, das er auf der Haut trägt. Worin soll er sonst schlafen? Wenn er aber zu mir schreit, so erhöre ich ihn, denn ich bin gnädig." Also, das ist jetzt, was Gott sagt. Er sagt im Alten Testament, wenn jemand Schulden hat, dann darfst du als Gläubiger ihm sein Gewand nehmen, den ganzen Tag über, als Pfand, dass er das bezahlen muss. Aber bevor die Sonne untergeht, musst du ihm zurückgeben, ihm das Gewand geben, damit er auch schlafen kann. Und am nächsten Morgen kannst du es halt wiederholen. Aber du darfst es nicht über Nacht haben, weil es ist immer noch sein Gewand und er braucht was zum Schlafen. So gnädig ist eigentlich Gott. Das ist eigentlich so, wie Gott denkt.

[28:30] Jetzt kann es aber passieren, dass ich der Schuldner bin und der andere kümmert sich nicht um das Recht. Jetzt kommt er, nimmt mir den Mantel oder das Hemd und bringt es mir am Abend nicht wieder. Jetzt könnte ich ja sagen: "Moment mal, du verstößt gegen die Bibel, denn hier steht in 2. Mose 22, du musst es mir wiedergeben." Ich könnte vor Gericht ziehen und sagen: "Er hat es mir nicht wiedergegeben." Und wie oft machen wir das, oder? Wie oft pochen wir auf unser Recht, haben den Bibelfest parat und sagen: "Das ist mein Recht und der da hat es mir genommen." Und was sagt Jesus? "Lass ihm das Gewand und gib ihm noch den Mantel dazu."

[29:28] Es geht also um die Frage, wie sehr darf ich auf mein Recht pochen? Das ist mir "Auge um Auge, Zahn um Zahn". "Auge um Auge, Zahn um Zahn" ist der Maßstab für den Zivilrichter. Und Jesus sagt: "Das stimmt zwar, der Richter zwischen den Parteien wird nach diesem Maßstab urteilen und Gott selbst wird im Gericht urteilen nach dem Maßstab 'Auge um Auge, Zahn um Zahn'. Jedes Werk wird ein entsprechendes Gericht bekommen. Aber das ist Gottes Sache im letztendlichen Gericht. Nicht meine Sache." Ich als der Beschuldigte habe nicht die Aufgabe, mich zu verteidigen, sondern auf Gott zu hoffen. Ich bin mit Gott zu hoffen, weil Gott selbst letztendlich auf sein Recht verzichtet hat, indem er Mensch geworden ist.

[30:16] Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter. Matthäus 5 Vers 41. Drittes Beispiel. Jesus gibt mehrere Beispiele, um diesen Punkt zu illustrieren. "Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile weit zu gehen, so geh mit ihm zwei." Wie war das? Warum wurde jemand genötigt, eine Meile zu gehen? Weiß jemand von euch, was dahinter steckt? Was war damals der Brauch? Das Problem war, damals war das Land Palästina besetzt von den Römern. Und die Römer hatten viele Posten, die hatten Militärlager, Garnisonen und das römische Reich war groß. Wenn eine Nachricht vom Kaiser kam, dann gab es noch kein Handy, es gab kein Twitter, es gab kein Facebook, es gab nur Pferde und Reiter. Und man musste immer die Nachrichten von einem Posten zum nächsten weitergeben, man musste Waren von einer Stadt zur nächsten weiterleiten usw. Und oft brauchte die Armee Träger oder Boten oder irgendwas, Hilfsdiener. Und die römische Armee hatte die Angewohnheit, das war römisches Recht, wenn die jetzt jemanden brauchten und sagten: "Wir müssen jetzt diese 10 Säcke Getreide dort zu dem Militärlager bringen. Hey du Bauer, der du gerade auf deinem eigenen Feld dort arbeitest, du gehst jetzt 1,5 Kilometer in die Richtung und schleppst das." Und er konnte nicht sagen: "Aber Moment mal, ich muss heute noch fertig werden, ich muss noch die Ernte einbringen, sonst habe ich nichts zu essen, ich suche dir jemand anderes." Wenn jemand dagegen revoltiert hat, dann gab es vielleicht einen Schlag auf die Backe. Die Juden haben das gehasst natürlich. Und sie haben immer gehofft, dass Jesus in der Bergpredigt jetzt irgendwie diese Römer angreift und stattdessen sagt er ihnen noch: "Halt die andere Wange hin." Und wenn dir jemand sagt: "Geh 1,5 Kilometer zum nächsten Militärlager, zur nächsten Garnison, zum nächsten Kastell", dann sagst du: "Hey, kann ich dir noch 1,5 Kilometer weiterlaufen? Kann ich noch eine Meile machen."

[32:18] Das heißt, das Prinzip hier ist nicht nur das geringste Zähneknirschen zu tragen, sondern darüber hinaus. Kennt ihr jemanden in der Bibel, der gezwungen worden ist, ein Stück weit etwas zu tragen? Der Simon von Kyrene ist gezwungen worden. Das war so ein Beispiel, wo die Römer gesagt haben: "Okay, der Jesus kann das Kreuz nicht tragen, irgendjemand muss es tragen, du trägst es." Da konnte man sich nicht gegen wehren. Der Simon von Kyrene war so jemand, der wurde gezwungen zu tragen.

[32:51] Also, Vers 42. "Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der von dir borgen wird." Es geht also eigentlich um die Bereitschaft zu geben. Nicht auf sein eigenes Recht zu pochen, sondern eben dem anderen zu geben. Wenn dieses wiederkommt, sagt er in Matthäus 25, was wird das Kriterium sein, um die Böcke von den Schafen zu scheiden? Was ist in Matthäus 25 das Kriterium? Was habt ihr den Armen gegeben, den Gefangenen gegeben, den Nackten gegeben? Was habt ihr gegeben, wenn ihr gefragt worden seid? Und Jesus zeigt, dass das der Sinn des Gesetzes ist.

[33:36] Schaut mal in Sprüche 19, Vers 7, 17. Sprüche 19, und dort Vers 17. "Wer sich über den Armen erbarmt, der leiht dem Herrn." Das ist ja auch die Idee in Matthäus 25: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

[34:23] Schaut mal in 5. Mose 15. 5. Mose 15, und dort Vers 7 und 8. Da wird übrigens auch deutlich, nach welchem Maßstab wir geben sollen. 5. Mose 15, Vers 7 und 8. "Wenn aber ein Armer bei dir ist, irgendeiner deiner Brüder, in einem deiner Tore, in deinem Land, das der Herr, dein Gott dir gibt, so sollst du dein Herz nicht verhärten, noch deine Hand vor deinem armen Bruder verschließen, sondern du sollst ihm deine Hand weit auftun und ihm reichlich leihen, so viel er nötig hat." Also seht ihr die wunderbare Ausgewogenheit? Wir sollen nicht wenig geben, wir sollen nicht knausrig geben, wir sollen reichlich geben, aber, wie viel soll er geben? So viel er nötig hat. Wir sollen nicht denjenigen fördern, der selbst arbeiten könnte und der sich selbst, wir sollen nicht dort unser Geld verpulvern, wo jemand einfach nur durch Faulheit. Wir sollen ihm so viel geben, wie er nötig hat.

[35:43] Leihen? Ja, Leihen, genau. Aber das Leihen meint hier nicht gegen Zinsen. Schaut mal in, ist das, warte, lass mich kurz schauen, in Lukas, das ist glaube ich in 6, warte, Lukas 6, genau, Lukas 6, Vers 35 erklärt das, was dieses Leihen bedeutet in diesem Kontext. Lukas 6, Vers 35. Das Interessante ist, wir werden es heute nicht mehr schaffen mit dem nächsten Abschnitt von der Bergpredigt, aber in Lukas 6, erkläre ich dir, in Lukas 6 werden auch diese Gedanken aufgegriffen von dem Geben und während bei Matthäus dieser Aspekt von "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und dann die Feindesliebe nacheinander kommen, sind die bei Lukas miteinander vermischt, wie ihr jetzt sehen werdet. Schaut mal in Lukas 6 und dort Vers 35. "Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen." Also, es ist nicht ein Leihen im Sinne von, ich leihe das dir und dann musst du mir Zinsen zahlen, ich mach und so, sondern es ist ein Ausleihen im Sinne von, ich leih es dir für immer aus. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und gegen die Bösen.

[37:02] Wenn wir jetzt schon in Lukas 6 sind, schaut mal in Vers 30, Lukas 6, Vers 30. Da sagt Jesus hier, das ist auch aus der Bergpredigt. "Gib aber, wie viel, wie viele Menschen? Gib aber, wem? Jedem, der dich bittet und von dem, der das Deine nimmt, fordere es nicht zurück." Also, das ist die Idee, das verbindet diese beiden Gedanken. In den ersten Versen hat Jesus gesagt: "Wenn dir jemand etwas nimmt, deine Gesundheit, deine Zeit, also Schlag auf die Wange ist, ich nehme dir deine Gesundheit. Dann das Kleid wegnehmen bedeutet, ich nehme dir dein Besitz. Jemanden zu zwingen, eine Meile zu gehen, bedeutet, ich nehme dir deine Zeit." Fordere es nicht zurück. Aber im Gegenzug, gib gerne.

[37:53] Also, wenn ihr Vers 30 genau anschaut, sehr interessant: "Gibt jedem, der dich bittet, aber wenn dir selbst etwas geschieht, fordere nicht zurück." Das ist das Prinzip des Himmels. Interessanterweise heißt es: "Gib aber jedem, der dich bittet", aber dort steht nicht: "Gib jedem alles, was er bittet." "Gib jedem, der dich bittet", aber wie gesagt, in dem Sinn von 5. Mose 17, 8, "so viel er nötig hat" und natürlich auch "so viel du geben kannst". Das selbstverständlich, so wie es deine Hand dann möglich macht.

[38:31] "Gib jedem, der dich bittet und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück." Jetzt schaut mal noch ganz kurz in Hebräer 13, Vers 16. Das ist nicht immer einfach. Bis zu einem gewissen Grad ist das, gehört das vielleicht dazu? Gott sagte, er liebte einen fröhlichen Geber. Ja, einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, sagt Paulus im Korintherbrief. Hebräer 13, und dort Vers 16. Dort sagt er: "Wohlzutun und Mitzuteilen, vergesst nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl."

[39:25] Das heißt, wenn Jesus sagt: "Gebt jedem, der euch bittet, Leid, ohne wieder zurückzuhoffen." Was ist das dann gemäß dieses Textes? Wenn wir geben, anderen etwas ausleihen, ohne es zurückzuhoffen. Was ist das nach diesem Text? Es ist ein, in Vers 16, es ist ein, haben wir gerade gelesen, nicht nur lesen, auch denken. Ja, es ist ein Opfer. Genau, ein Opfer ist ein Opfer. Nicht nur ein Almosen ist ein Opfer. "Wohlzutun und Mitzuteilen, vergesst nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl." Das heißt, es geht um eine Herzenseinstellung, wo ich bereit bin, etwas zu geben. Wenn mich also jemand zwingt, anderthalb Meilen zu gehen, und ich nochmal anderthalb Meilen extra gehe, dann ist das ein Opfer von Zeit, das ich bringe. Wenn mir jemand ein Kleid nimmt, als Pfand im Gerichtsurteil, und ich ihm noch ein extra Kleid dazugebe, ist das ein Opfer. Wenn mich jemand auf die Wange schlägt, und schaut, die Idee ist jetzt nicht, dass ich sage, ich möchte noch eine andere Verletzung haben, sondern die Idee ist einfach, aus Klagelieder, statt mich selbst zu rächen, hoffe ich auf Gott. Ich lasse es eher zu, dass er mich nochmal schlägt, als dass ich mich rette. Das ist Rache, das ist die Idee. Ich warte einfach, ich mache nichts, ich bin wie tot für den Angriff sozusagen. Dann ist es ein Opfer. Denn ich könnte ja rein juristisch sagen: "Auge um Auge, Zahn um Zahn, ich gehe jetzt zum Richter und klage dich an, und du zahlst es mir zurück." Und das Recht habe ich auch, theoretisch unter dem alten Bund. Aber wenn ich im neuen Bund lebe, und ich weiß, Jesus wird Gericht halten, muss ich meinen Bruder jetzt nicht mehr vor Gericht zerren, sondern ich kann auf mein Recht verzichten. Und das ist das Opfer.

[41:50] Jesus hat das Opfer gebracht, er hat auf sein eigenes Recht verzichtet, er hat sich schlagen lassen, hat nicht zurückgeschlagen. Er sagte: "Ich könnte eine Legion Engel holen, wir könnten zu Wort Gericht halten", aber er hat es nicht getan. Und in diesem Sinne hat Jesus jetzt dieses Gebot ausgelegt. Und in diesem Sinne müssen wir uns fragen, wie viel sind wir bereit im Alltag, so ein Opfer zu geben. Das nächste Mal werden wir dann anschauen, wie Jesus noch einen Schritt weiter geht und aus diesem Gebot dann das Gebot der Nächstenliebe und der Feindesliebe ableitet, aber da haben wir heute keine Zeit mehr zu. Das machen wir dann im neuen Jahr.

[42:27] Halten wir also fest: Jemand, der im Evangelium lebt, der mit Christus lebt, der im neuen Bund lebt, der braucht sich nicht selbst zu rächen. Egal, ob er körperlich angegriffen worden ist, egal, ob ihm Material etwas weggenommen wird, egal, ob er gezwungen worden ist, ihm Zeit gestohlen ist, was auch immer, er muss es nicht zurückfordern. Gott wird gerecht richten. Und wiederum, wie auch bei den anderen, ist es so, nicht nur muss ich nicht mich rächen, sondern ich darf sogar selbst aktiv geben. Nicht nur soll das Böse, das Selbsträchen verhindert werden, sondern im Gesetz Gottes zu leben, bedeutet immer aktiv das Gute wollen. Das eine ist es, mich nicht selbst zu rächen und passiv zu bleiben, was die Angriffe angeht. Das andere ist es, gleichzeitig aktiv das Gute zu wollen, aktiv zu geben, aktiv andere Menschen zu segnen. Wie der Paulus sagt: "Wenn ihr verfolgt werdet, dann segnet." "Segnet und flucht nicht." Also nicht fluchen, aber segnen. Das eine ist, ich könnte fluchen, aber ich tue es nicht. Aber das ist nur die halbe Seite der Medaille. Das andere ist, aktiv segnen. Manchmal kann man ja sagen: "Naja, mir ist so viel Unrecht geschehen und ich habe einfach nicht zurückgeschlagen, ich war einfach neutral." Aber das ist nicht, was Gott sagt. Das Unheil geschehen lassen und dann aktiv das Gute tun, das ist der Inhalt der Werkpredigt.

[44:13] Er sagt: "Statt vor Gericht zu gehen, lasst euch das Unrecht tun. Denn es ist euch zwar Unrecht getan, aber Gott wird es ohnehin richten. Warum müsst ihr jetzt selbst Gottes Rolle einnehmen und versuchen jetzt irgendwie Recht zu schaffen?" Wir sollen immer für den Anderen Recht schaffen. Wenn ich sehe, dass meinem Bruder Unrecht geschieht, soll ich für ihn kämpfen. Wir sollen den Rechtsstreit der Witwe und des Weisen führen. Das sagt die Bibel sehr deutlich. Aber um mich selbst muss ich mich nicht so kümmern. Der Herr ist meine Vorhut, der Herr ist meine Nachhut, der Herr kümmert sich um mich. Und vielleicht gibt es einen anderen Gläubigen, der sich für mich einsetzt. Aber ich muss mich nicht selbst rechtfertigen. Das ist ja das Prinzip Gottes. Gott hat sich selbst gegeben, damit dann die Engel und die Menschen bezeugen: Gott ist gut. Gott hat nicht gesagt: "Ich bin gut, ich verteidige mich jetzt." Gott hat sich gegeben als Opfer. Und das wird die anderen dazu führen, dass sie sagen: "Gott ist gerecht."

[45:07] Mein Bruder, der hat sich geboren, er kannte nichts. Er kannte nichts, weil Hass hatte. Und das ist Hass-Ruhe. Aber so hast du Ruhe. Du bist besser gehoben, als du nicht gehoben bist.

[46:07] Und wenn ich mit Jesus lebe und ihm glaube, werde ich nicht davor springen, sondern ihn machen lassen. Und dann ist das, was hier steht, einfach Ausdruck der Erkenntnis: Gott wird richten. Ich vertraue ihm. Und weil ich ihm vertraue, brauche ich mich nicht selbst zu rechtfertigen. So lebt ein Mensch in der Bergpredigt. Und so wollen wir doch auch leben, oder? Jetzt wollen wir doch gemeinsam...

[46:37] Absolut. Ganz genau.

[47:01] Das ist so leicht. Ja. Ganz genau. Wollen wir uns vornehmen, durch Gottes Geist, das nicht nur zu verstehen, sondern wenn wir das nächste Mal in so einer Situation sind, dass jemand uns etwas Schlechtes tut, statt uns selbst zu rächen, statt selbst Gefühle der Rache zu haben, noch lieber ihm etwas Gutes tun, so wie Jesus hier offenbart. Da wollen wir doch gemeinsam beten, oder?

[47:38] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir in der Bergpredigt so wunderbare Prinzipien finden, die uns zeigen, wie wir leben können. Herr, wir möchten um Vergebung bitten, wo wir in der Vergangenheit uns angegriffen gefühlt haben und dann zurückgeschlagen haben, sei es durch Worte, durch Gedanken, durch Einstellungen, durch Blick oder vielleicht sogar durch Fäuste. Wir möchten dich bitten, dass du uns solch ein neues Herz schenkst, dass das, was wir gerade in der Bergpredigt gelesen haben, in unserem Leben wirklich Realität wird. Dass wir noch eine Meile extra gehen. Dass wir, statt zurückzuschlagen, einfach auf dich hoffen und notfalls unsere andere Wange hinhalten. Dass wir vor Gericht nicht gegen andere streiten, sondern noch mehr abgeben, als notwendig wäre. Und dass wir gerne bereit sind zu geben, wann immer uns jemand fragt. Gib, dass wir Menschen sind, die nicht auf ihr Recht pochten, sondern gerne auf ihr Recht verzichten, zugunsten von anderen. Weil du, Herr, du bist so. Und wir wollen deinen Charakter haben. Und wir danken dir, dass du uns das zeigst und durch deinen Geist auch möglich machst. Wir danken dir für all das, was wir in diesem Jahr in den Evangelien lernen durften, in der Bergpredigt lernen durften. Und sind schon gespannt auf das, was du uns auch nächstes Jahr alles zeigen wirst. Und bis dahin möchten wir jeden Tag mit dir leben, aus deiner Kraft. Und diese Lektionen Tag für Tag erleben und sie umsetzen in der Kraft des Heiligen Geistes. In deinem Namen beten wir, Herr Jesus. Amen.

[49:23] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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