Veröffentlicht am
2.874 Klicks

Manuskript zur Sendung >>> Römer Teil 1

In dieser ersten Folge der Cannstatt Study Hour zum Römerbrief beginnt Christopher Kramp mit einer tiefgründigen Einführung, die die Essenz des Briefes zusammenfasst. Er beleuchtet die Eingangsworte Martin Luthers und präsentiert eine eigene Interpretation, die den Fokus auf Gottes Weisheit und Gerechtigkeit legt. Das Studium wird mit einem Gebet eröffnet, bevor Paulus‘ Vorstellung in Römer 1,1-7 analysiert wird, wobei sein Name, seine Beziehung zu Jesus, seine Berufung und der Inhalt dieser Berufung detailliert betrachtet werden.


Weitere Aufnahmen

Serie: Cannstatt Study Hour 2017 Q4: Der Römerbrief (Reformations-Spezial)

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:00] Die Summe dieses Briefes ist, einzupflanzen, aufzurichten und groß zu machen die Weisheit und Gerechtigkeit Gottes, wie unbekannt sie auch in den Augen des Menschen auch bei uns selbst sein mag und zu zerstören, auszurotten und zu vernichten die Sünde, wie sehr man auch der Meinung sei, dass dies nicht möglich sei.

[0:42] Hallo und herzlich willkommen zu diesem CSH Reformationsspezial. Herzlich willkommen hier bei joelmedia.tv.de zu einer ganz besonderen Studienreihe über den Römerbrief. Martin Luther begann seine erste Vorlesung 1515 über den Römerbrief mit diesen schweren, klassischen, ja fast schon niederdrückenden und doch so wahren Eingangsworten. 500 Jahre später, nach den ersten Anfängen der Reformation, wollen wir uns erneut diesen Römerbrief, der im Leben von Martin Luther so eine gigantische Rolle gespielt hat, ganz systematisch und praktisch anschauen. Wir wollen Vers für Vers hindurchgehen, wir wollen den Gedankengang des Apostels Paulus genau nachvollziehen, aber vor allem wollen wir das Evangelium entdecken, das Martin Luther dort entdeckt hat.

[1:42] Und auch wir wollen uns mit einem Eingangssatz in dieses Studium eindenken, ein Eingangssatz, der ganz an Luther angelehnt ist und doch den Akzent etwas anders verlagert. Hier sind unsere Eingangsworte zu unserem Studium des Römerbriefes.

[2:01] Die Summe dieses Briefes ist, einzupflanzen, aufzurichten und groß zu machen die Weisheit und Gerechtigkeit Gottes, wie unbekannt sie auch in den Augen des Menschen auch bei uns selbst sein mag und zu zerstören, auszurotten und zu vernichten die Sünde, wie sehr man auch der Meinung sei, dass dies nicht möglich sei. Bevor wir unser Studium beginnen, möchte ich dich lieber Freund, liebe Freundin einladen, dass wir gemeinsam beten.

[2:31] Lieber Vater im Himmel, was für ein Vorrecht ist es, dass wir heute diesen Römerbrief haben und jeder Christ, so es uns gesagt hat, Grund genug für diesen Brief zu danken. Wir möchten dich bitten, dass du uns neue Einsichten schenkst, die unser praktisches Glaubensleben wirklich reformieren, dass wir dich, dein Wesen und den Erlösungsplan klarer sehen als jemals zuvor. Bitte führe uns durch deinen heiligen Geist in alle Wahrheit, wie du es verheißen hast und lass, dass das, was wir lesen, in unserem Leben tatsächliche Realität wird. All das bitten wir im Namen unseres Erlösers und Fürsprechers, Jesus Christus, Amen.

[3:17] Römer 1, Vers 1 Paulus, Knecht Jesu Christi, berufender Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes. Der Autor stellt sich mit vier Dingen vor: sein Name, seine Beziehung zu Jesus, seine Berufung und der Inhalt seiner Berufung. Sein Name Paulus heißt der Geringe oder der Kleine. Es ist die heidnische Variante von, oder die lateinische Variante sozusagen, von Saulus, mit dem er in der Bibel bis zu dem Beginn seiner ersten Missionsreise immer benannt wird. Paulus ist ein häufiger Name in der Gegend, in der er vorkommt. Es kann gut sein, dass er beide Namen eigentlich fast gleichzeitig verwendet hat, Saulus für den jüdischen Kontext und Paulus für den internationalen. Seine Lebensgeschichte ist gut bekannt aus der Apostelgeschichte und Paulus ist der Autor der meisten Briefe des Neuen Testamentes.

[4:09] Seine Beziehung zu Jesus ist das Zweite, was hier angesprochen wird. Er ist ein Knecht, das griechische meint ein Diener, ein Doulos, ein Diener Jesu, so bezeichnet er sich dann auch später im Römerbrief in Römer 15, Vers 6. Nach der Bibel muss der Diener Jesu, der Knecht Jesu ihm nachfolgen, wohin Jesus auch geht. Er steht nicht über dem Meister, sondern Jesus steht also über Paulus. Paulus sagt selbst, als Diener Jesu kann er nicht versuchen, den Menschen zu gefallen. Er versucht im Römerbrief nicht, Menschenmeinung wiederzugeben. Auch andere Autoren des Neuen Testamentes haben sich als Knechte Gottes und Knechte Jesu Christi bezeichnet. Sogar ein Engel sagt das von sich und den anderen Engeln in der Offenbarung.

[4:51] Als Drittes haben wir seine Berufung. Er ist Apostel, was wörtlich übersetzt heißt, er ist ein Delegierter, ein Botschafter, ein Abgesandter. Wir lernen aus dem Leben des Paulus, dass er besonders für die Heiden als Apostel wirken sollte. Berufend durch den Willen Gottes, trotz seiner schlimmen Vergangenheit, sagt er, dass Gott ihn berufen hat. Durch Gnade bin ich, was ich bin, sagt er im 1. Römer 15 und macht deutlich, dass er kein Apostel zweiter Klasse war. Er hatte seine Botschaft direkt von Jesus erhalten und bei seiner Bekehrung bereits die Berufung erhalten, als Apostel zu dienen.

[5:29] Der Inhalt seiner Berufung, abgesondert oder ausgesondert für das Evangelium, die Idee der Aussonderung, ist sehr bekannt in der Bibel. Das Volk Israel war ausgesondert von den anderen Heiden, die Leviten waren ausgesondert für den Heiligtumsdienst, Aaron und seine Familie waren ausgesondert für den Priesterdienst, Jeremia war ausgesondert für das Amt eines Propheten. Paulus wurde in einem speziellen technischen Sinne abgesondert oder ausgesondert, als er formal ordiniert worden ist, in der Apostelgeschichte 13 und dort Vers 2-4, wo wir lesen, dass der Heilige Geist ihn und Barnabas erwählt hatte als Missionare in die heidnischen Gebiete und dort sind ihnen dann die Hände aufgelegt worden. Von diesem Zeitpunkt an hat Paulus seinen Aposteldienst ganz offiziell betrachtet.

[6:18] Er ist ausgesondert für das Evangelium Gottes und das Wort Evangelium bedeutet eine gute Nachricht. Diese gute Nachricht, dieses Evangelium wird jetzt in den nächsten Versen durch einen Einschub erklärt. In Vers 2 von diesem Evangelium heißt es, dass er, also Gott, zuvor verheißen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten. Das Evangelium des Paulus ist nicht seine eigene Erfindung. Heutzutage wird oft in der Theologie von der paulinischen Theologie gesprochen, als ob er eine eigene Theologie verkündet hätte, aber Paulus sagt deutlich, das was ich im Römerbrief sage, steht so genau schon im Alten Testament, wenn auch mit anderen Worten. Das ist das Evangelium des Alten Testamentes. Jesus schon hatte mit Hilfe der Propheten und der alttestamentlichen Schriften das Evangelium erklärt in Lukas 24 und in der Apostelgeschichte lesen wir, dass alle Propheten des Alten Testaments bezeugen, dass durch Jesus und durch den Glauben an Jesus Vergebung der Sünden erhältlich ist.

[7:19] Das Evangelium wird noch ein bisschen konkretisiert jetzt in Vers 3 und 4. Dort heißt es, das Evangelium von seinem Sohn, der hervorgegangen ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten, Jesus Christus, unseren Herrn. Das Evangelium, die gute Nachricht, bezieht sich auf den Sohn Gottes. Diese Idee kommt aus Psalm 2, Vers 7, wo Gott sagt, dass er seinen Sohn gezeugt hat, eingesetzt hat als König. Als Folgerichtig sehen wir auch im Neuen Testament, dass der Begriff Sohn Gottes ein Titel ist für den erwarteten König Israels, so zum Beispiel bei Nathanael. Und wir lesen in der Bibel auch, dass Jesus, weil er durch den Heiligen Geist gezeugt worden ist, der Sohn Gottes war. Von Anfang an war das übrigens das Hauptthema der Predigten Paulus seit seiner Bekehrung, dass Jesus der Sohn Gottes ist.

[8:16] Zwei Dinge werden über Jesus in diesen beiden Versen gesagt, die enorm entscheidend sind für das Verständnis des Evangeliums. Erstens, er ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch. Hier bezieht es sich auf die alte Vorhersage, die dem David gegeben worden war, dass einer seiner Söhne, dass sein Sohn für ewig auf dem Thron Israels sitzen werde. David wusste, so sagt unsere Apostelgeschichte, dass damit der zukünftige Messias gemeint war. Immer wieder finden wir bei Jesaja und Jeremia die Ankündigung des kommenden Messias, des kommenden Königs, als jemand, der als Spross Davids im Hause Davids geboren werden würde, der das Haus David wiederherstellen würde, wie es in Amos heißt. Auch im Neuen Testament sieht man das immer wieder, dass man den Messias aus der Linie Davids erwartete. Und aus Lukas wissen wir, dass Jesus tatsächlich über die Linie Marias genetisch ein Nachkomme Davids war. Jesus ist der Sohn Davids, selbst die Heiden haben ihn so genannt, und zwar ist er der Sohn Davids nach dem Fleisch. Johannes 1, Vers 14 sagt, das Wort wurde Fleisch. Hier wird also die Menschlichkeit, die volle, uneingeschränkte Menschlichkeit Jesu dargestellt, die das große Gesetz der Vererbung akzeptierte. Jesus kam nicht als Klon des sündlosen Adam, er kam als genetischer Nachfahre von David.

[9:52] Aber er ist eben nicht nur Mensch nach dem Samen Davids, er ist auch Sohn Gottes und als solcher erwiesen. Als Jesus gefragt worden ist, was seine göttliche Autorität ist, hat er auf seine Auferstehung verwiesen. Johannes 2, wo er sagte, brecht diesen Tempel ab und ich will ihn in drei Tagen wieder aufrichten. Seine Auferstehung sollte beweisen, wer er wirklich ist. Jesus sagt in Johannes 10, Vers 17, 18, dass niemand das Leben von ihm nimmt, sondern er Vollmacht hat, es zu lassen und auch Vollmacht hat, es zu nehmen. Und Offenbarung 1, Vers 18 sagt er, dass er den Schlüssel des Totenreiches hat, dass Jesus die Auferstehung und das Leben selbst ist, sagte er in Johannes 11, 25. Jesus ist auferweckt worden, weil Gott ihn rief, aber nicht wie bei Mose oder bei Lazarus durch die Kraft und das Leben Gottes Vaters, sondern durch das Leben, das in Jesus selbst ist. Damit wurde seine Göttlichkeit bewiesen und zwar, wie es hier heißt, erwiesen in Kraft. Dieses in Kraft bezieht sich grammatisch auf das Erweisen, mit anderen Worten, die Auferstehung Jesu hat machtvoll demonstriert, dass Jesus wirklich ganzer Gott ist. Er ist ganzer Mensch ohne Abstriche, er ist ganzer Gott ohne Abstriche und diese fundamentale Wahrheit bildet das Rückgrat des Evangeliums, das Paulus uns nahe bringen möchte.

[11:24] Interessanterweise wird sehr deutlich auch in der Apostelgeschichte gesagt, dass die Auferstehung Jesu beweist, dass Jesus der Sohn Gottes ist als Erfüllung von Psalm 2. Und dann in Vers 5 erleben wir noch ein paar weitere Erläuterungen über diesen Jesus und sein Wirken im Leben auch von Paulus. Vers 5. Durch welchen wir Gnade und Aposteldienst empfangen haben zum Glaubensgehorsam für seine Namen unter allen Heiden. Die Gnade ist das, was jeder Gläubige von Jesus erhält. Der Aposteldienst verweist darauf, dass Jesus für jeden Menschen noch eine ganz spezifische Aufgabe hat. Mit anderen Worten, Gnade bezieht sich darauf, dass Jesus generell jedem Gläubigen seine Gnade zukommen lässt, aber nicht jeder wird Apostel. Das heißt, in unserer Beziehung zu Jesus gibt es das, was er allgemein jedem Menschen geben möchte und dann das, was er auch ganz speziell für mein Leben vorhat.

[12:23] Dieser Aposteldienst, mit dem er den Apostel Paulus ausgestattet hatte, hatte ein großes Ziel. Wir haben gelesen in Vers 5 zum Glaubensgehorsam für seine Namen unter allen Heiden. Das Ziel des Evangeliums, das darin besteht, dass Gottes Sohn, ganzer Mensch und ganzer Gott für uns das Evangelium ausgelebt und möglich gemacht hat, das Ziel dieses Evangeliums ist Glaubensgehorsam. Das ist wie eine Klammer um den Römerbrief herum, denn ganz am Ende in Römer 16, Vers 26 kommt dieser Glaubensgehorsam wieder ins Spiel, wenn es heißt, dass jetzt aber offenbar gemacht worden ist und durch prophetische Schriften auf Befehl des ewigen Gottes bei allen Heiden bekannt gemacht worden ist zum Glaubensgehorsam. Halten wir fest, die große Klammer um den Römerbrief, das worum es wirklich geht, das Endziel des gesamten Evangeliums ist der Glaubensgehorsam und das, so sagt uns Offenbarung 14, wird erreicht am Ende der Zeit, ganz besonders, wenn das ewige Evangelium davon spricht, dass die Heiligen die Gebote Gottes halten und den Glauben Jesu haben, die wahre Gerechtigkeit aus dem Glauben.

[13:39] Das Evangelium soll zu allen Heiden gepredigt werden, das war Gottes Wunsch schon im Alten Testament und dann natürlich ganz offensichtlich auch im Neuen und dann macht Paulus noch einen Einschub im Einschub in Vers 6, als er dann bezüglich der Heiden sagt, unter denen auch ihr seid berufene Jesu Christi, ihr die Römer gehört zu diesen Heiden und deswegen schreibe ich auch euch. Berufene sind berufen zur Gemeinschaft mit Jesus Christus in der Bibel, berufen zum Reich seiner Herrlichkeit, sie werden berufen durch das Evangelium, aber die Berufung müssen sie auch festmachen, weswegen Paulus diesen Brief schreibt, sie sind berufen durch die Gnade Christi aus der Finsternis in sein wunderbares Licht.

[14:26] Hier in Vers 6 endet dieser Einschub über das Evangelium, denn eigentlich ist Herr Paulus noch gar nicht bei seinem Hauptthema angelangt, er ist eigentlich immer noch in der Begrüßung, er ist immer noch in der Anrede, das Bedeutliche in Vers 7, denn jetzt folgt, nachdem er sich selbst vorgestellt hat in Vers 1 und dann diesen langen Einschub von Vers 2 bis 6 gemacht hat, der Adressat, Vers 7. An alle in Rom anwesenden, geliebten Gottes, an die berufenen Heiligen, Gnade sein mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

[14:58] Dieser Brief im alten Rom, alten Griechenland, hatte drei Details: die Subskriptio, den Absender, die Adskriptio, den Adressaten und die Salutatio, den Gruß und das finden wir in 1 und 7, man nennt das Ganze das Präskript, die Vorrede, das wörtlich das davorgeschriebene und in dieses Präskript, das eigentlich nur eine Adresszeile sein sollte, eine Betreffzeile, fügt Paulus schon einmal das gesamte Evangelium hinein. Die beiden Naturen Jesu, was er von uns getan hat, das Ziel des Evangeliums, die Grundlage im Alten Testament, all das ist schon in diesem Gruß hineingewoben worden.

[15:39] Jetzt, nach dem Präskript, folgt in einem klassischen antiken Brief das Prämium, die Vorrede, der einleitende Gesang, wo der Schreiber erstmal ein paar persönliche Worte schreibt, um dann zur eigentlichen Kernsache zu kommen. Paulus nutzt diese Gelegenheit, um ein paar persönliche Dinge an die Römer zu schreiben, die wir jetzt ab Vers 8 sehen werden.

[16:06] Dort heißt es: Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus um euer aller Willen, weil euer Glaube in der ganzen Welt verkündigt wird. Interessant ist, dass Paulus mit einem Dank beginnt. Wir wissen aus 2. Chronik 20, dass Dank und Lob die allererste Frontlinie des Volkes Gottes sein sollte. Paulus verstand offensichtlich den Mittlerdienst von Jesus, wenn er sagt, ich danke meinem Gott durch Jesus Christus. Er hatte ein Verständnis von dem Dienst, den Jesus im himmlischen Heiligtum tut. Und dann sagt er interessanterweise, dass euer Glaube in der ganzen Welt verkündigt wird. Wer das vergleicht mit Römer 16, Vers 19, stellt fest, dass er dort sagt, denn euer Gehorsam ist überall bekannt geworden. Also wiederum sehen wir diese Verbindung von Glaube und Gehorsam und damit eine Bestätigung für den Glaubensgehorsam.

[17:00] Vers 9: Denn Gott, dem ich in meinem Geist diene, am Evangelium seines Sohnes ist mein Zeuge, wie unablässig ich an euch gedenke, versehen, indem ich alle Zeit in meinen Gebeten flehe, ob es mir nicht endlich einmal durch den Willen Gottes gelingen möchte, zu euch zu kommen. Paulus denkt ständig an die römische Gemeinde. Das ist keine höfliche Formel, sondern er ruft Gott als seinen Zeugen an. Das kann man in den Briefen des Paulus immer wieder sehen. Das macht er öfter, diese Idee. Schon hier ruft er Gott als seinen Zeugen an und er sagt, dass ich ihm diene in meinem Geist.

[17:42] Paulus, so wissen wir, auch aus der Apostelgeschichte, hat er sich schon längere Zeit vorgenommen, nach Rom zu gehen. Er hat also nicht einfach nur mit seinen Händen gedehnt, er hat auch sozusagen in seinen Gedanken sich überlegt, wie er Gott am besten dienen kann. Er hat Missionsreisen geplant und dann sich aber führen lassen, ob sie auch Gottes Wille seien. Interessant ist, dass er sagt, dass er unablässig für die Römer gebetet hat. Anderer Stelle sagt er, dass wir ohne Unterlass beten sollen. Jesus hat dasselbe in dem berühmten Gleichnis dargestellt von der Witwe und dem ungerechten Richter. Und Samuel sagte einmal, als er dann als Herrscher des Volkes quasi abgewählt worden war, dass er nicht aufhören würde, für die Gemeinde zu bitten, weil das eine Sünde wäre, mit der Fürbitte zu stoppen. Paulus hat übrigens viel für andere gebetet, seine Briefe sind voll von dieser Idee.

[18:40] Aber so sehr sein Wunsch auch war, nach Rom zu gehen und dort das Evangelium zu predigen, war sich doch dessen gewiss, dass es der Wille Gottes sein müsse. Er hat seine Reiseplanung immer wieder mit Gott abgestimmt. Wir finden verschiedene Beispiele in der Apostelgeschichte dafür und auch Jakobus empfiehlt uns, nicht zu detailliert unser Leben im Voraus zu planen, sondern immer wieder darauf zu achten, was Gottes Wille sei.

[19:03] Warum wollte Paulus nach Rom? Was war sein Ziel eigentlich dort in der Gemeinde? Vers 11. Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, um euch etwas geistliche Gnadengabe mitzuteilen, damit ihr gestärkt werdet. Er hatte diesen Wunsch seit vielen Jahren. Übrigens so liest man später dann in Kapitel 15 des Römerbriefes. Er wollte Gnadengabe geben, er wollte die Gemeinde befähigen, denn die Gnadengaben werden vom Heiligen Geist gegeben, um die Gemeinde auszurüsten für den Dienst. Sie hatten ja offensichtlich schon Jesus angenommen, sie waren ja Heilige und Berufene und Geliebte Gottes, übrigens eine Formulierung, die im Neuen Testament nur an dieser Stelle vorkommt und ein bisschen auch an Daniel 9 erinnert, wo Daniel der Geliebte Gottes genannt wird. Sie waren also nicht fremd im Evangelium, aber Paulus wollte sie in diesem Evangelium stärken und sie befähigen für noch größeren Dienst.

[20:01] Und ich denke, in der Hinsicht ist das vielleicht auch sehr aktuell für uns, die das Evangelium schon ein wenig kennen und angenommen haben und darin leben und doch Stärkung brauchen und Befähigung für die großen Aufgaben, die vor uns liegen. Interessanterweise sagt er nicht, dass er die Römer stärken will, sondern er möchte kommen, damit sie gestärkt werden, passiv. Er wusste, dass es das Evangelium selbst ist, das festigt, so sagt er dann später auch in Römer 16, Vers 25. Und der Grund, warum Gott uns stärken möchte, wird von Paulus an anderer Stelle auch immer wieder ausgeführt. Gott stärkt uns, damit wir heilig sind, damit wir untadelig sind, dass wir bewahrt werden vor dem Bösen. Und er sagt in Hebräer 13, dass die Festigung des Herzens durch Gnade geschieht. Das heißt, die Gnade des Evangeliums soll uns nicht nur aus der Finsternis zum Licht bringen, sondern die Gnade des Evangeliums soll uns auch in diesem Licht festigen.

[20:58] Dieser Gedanke wird in Vers 12 noch etwas genauer erklärt. Vers 12. Das heißt aber, dass ich mitgetröstet werde unter euch durch den gegenseitigen Austausch eures und meines Glaubens. Paulus macht ganz deutlich, dass er nicht einfach nur als allwissender Lehrer kommen möchte, sondern dass auch er, der große Apostel, etwas von den Erfahrungen lernen kann, die die neuen Gläubigen in Rom gemacht haben. Er ist sehr taktvoll. Und da seine Leser ihn noch nicht persönlich kennen, möchte er unter keinen Umständen einen falschen Eindruck aufkommen lassen. Er möchte nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass er ihre christliche Erfahrung gering schätze oder verbessern wolle. Und es ist eine interessante Idee, dass Paulus auch getröstet worden ist durch das, was andere Gläubige ihm mitgeteilt haben und wie sie den Glauben erlebt haben.

[21:48] Vers 13. Ich will euch aber nicht verschweigen, Brüder, dass ich mir schon oftmals vorgenommen habe, zu euch zu kommen. Ich wurde aber bis jetzt verhindert, um auch unter euch etwas Frucht zu wirken, gleich wie unter den übrigen Heiden. Ich will euch aber nicht verschweigen, auch das ist eine Formulierung, die man bei Paulus ganz gut und ganz oft findet. Und ein Grund, warum er bisher verhindert gewesen ist, der scheint sich in Römer 15, Vers 20 bis 22 zu finden. Paulus sagt dort nämlich, dass er es zu einem Grundsatz gemacht hat, immer erst dort Gelegenheiten wahrzunehmen, wo noch niemand gepredigt hat, statt zu Leuten zu predigen, die das Evangelium schon einigermaßen kennen. Weswegen er immer, wenn er die Option hatte, immer für absolute Neulandprojekte gebrannt hat. Insofern, als die Römer schon das Evangelium kannten, vielleicht auch deswegen bisher nicht auf seinem Reiseweg gelegen haben.

[22:48] Er möchte trotzdem auch etwas Frucht unter ihnen wirken. Und die Frucht ist auch bei Paulus immer wieder eine Metapher für die Heiligung. Er möchte also den Römern helfen, in der Heiligung zu wachsen. Und wenn er sagt, wie unter den übrigen Heiden, dann macht er damit deutlich, dass er schon in vielen heidnischen Gebieten gewirkt hat. Wir lesen im Römerbrief, dass er bis nach Illyrien, das heißt im ehemaligen Jugoslawien, gewirkt hat.

[23:15] Vers 14. Hier legt Paulus jetzt seine umfassende Bürde im Detail dar, die er hat für die heidnischen Menschen. Ich bin ein Schuldner sowohl den Griechen als auch den Barbaren, sowohl den Weisen als auch den Unverständigen. Ein Schuldner. Paulus sagt an anderer Stelle, dass er verpflichtet ist, das Evangelium zu predigen, weil er von Gott dazu berufen ist. Es ist Gottes Auftrag.

[23:43] Die Griechen, wörtlich die Hellenen, das sind die, die die hohe klassische griechische Antike, ihre eigene Kultur nennen, die Gebildeten. Und diese Kultur ist auch gerade von den Römern übernommen worden.

[23:57] Barbaren. Barbar ist eigentlich ein griechischer Ausdruck für Menschen, die nur sehr gebrochen griechisch sprechen. Barbar, so als Nachahmung des Stammelns und des Stotterns, zählt also eigentlich, darunter zählen eigentlich alle nicht griechischsprachigen oder griechisch kulturierten Volksgruppen. Paulus war für alle da.

[24:20] Für die Weisen, die zu der Zeit ja in der Philosophie sich sehr umgetan haben und die Philosophie sehr geschätzt haben, die Philosophie ist ja die Liebe zur Weisheit, als auch für die Unverständigen, die eigentlich intellektuell dem hohen philosophischen Niveau der antiken Weisen nicht gewachsen waren. Das Evangelium ist für alle da. Nicht nur für die Hochgebildeten, sondern auch für die ganz einfach Gestrickten. Deswegen muss auch der Brief des Paulus, so oft er von Theologen bis ins Netz zerlegt worden ist, eigentlich eine klare, einfache Botschaft haben, die jeder verstehen kann, auch wenn er kein Philosoph ist.

[25:01] Vers 15 und deswegen Schlussfolgerung, der aus all dem, aus seinem Wunsch und aus seinen Planungen, aus seiner Berufung, darum, Vers 15, bin ich bereit, so viel an mir liegt, auch euch, in Rom, das Evangelium zu verkündigen. Er sagt, ich bin, ich stehe in den Startlöchern. Wenn es um mich geht, ich wäre sofort bereit, aber er weiß auch, es gibt im Leben unkontrollierbare Faktoren, die er nicht beherrschen kann.

[25:24] Hier endet jetzt dieses Proömium, dieser einleitende Gesang, aber ohne erkennbaren Bruch geht er direkt über jetzt in das eigentliche Hauptthema. Es kommen Vers 16 und 17, die zwei vielleicht gewichtigsten Sätze überhaupt des ganzen Briefes, die den gesamten Brief zusammenfassen, und doch sind diese beiden Sätze eigentlich nur die Begründung des Verses vorher. Das ist vielleicht ganz interessant zu bedenken, wenn man die Verse jetzt im Zusammenhang liest, wenn er sagt, auch euch, in Rom, das Evangelium zu verkündigen, mit anderen Worten, ich bin bereit, auch nach Rom zu kommen und dort zu predigen, denn, Vers 16, ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht.

[26:05] Mit anderen Worten, er sagt nicht, ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, weil es so viel Sinn macht, sondern er sagt, ich schäme mich nicht, ich bin bereit, selbst in Rom es öffentlich zu predigen. Er sagt, ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn, und jetzt kommen wir zu einem entscheidenden Punkt in diesem gesamten Brief, er definiert das Evangelium nicht nur als eine Nachricht, eine Botschaft, eine Theorie, er sagt, denn es ist Gottes Kraft zur Rettung für jeden.

[26:53] Die Kraft, die kommt schon im Alten Testament beschrieben vor, die Kraft Gottes ist in seinem Wort zu finden, so wie auch dann Hebräer 4, Vers 12 sagt, dass das Wort Gottes lebendig und mächtig und wirksam ist. Paulus schreibt an anderer Stelle, dass das Evangelium, die Botschaft vom Kreuz, eine Kraft ist. Und im zweiten Korinther 10 sagt er, dass die Kraft darin besteht, dass sogar unsere Gedanken gefangen genommen werden können. Also ganz praktisch bedeutet das Evangelium, es ist eine Kraft, die wirklich bis in die tiefsten Ebene unseres Denkens und Wollens sich spüren lässt und erfahren lässt.

[27:31] Und diese Kraft kommt zu jedem, der glaubt. Damit ist Paulus in völliger Harmonie mit Johannes 3, Vers 16, dass jeder, der glaubt, ein ewiges Leben haben kann und dann heißt es zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen. Und die Erklärung hierfür ist ganz ersichtlich, wenn man Vers 1 und 2 nochmal im Hinterkopf hat. Denn das Evangelium, das er predigt, war ja schon im Alten Testament gegenwärtig. Das heißt, die Juden hatten zuerst die Gelegenheit, weil sie die Schriften hatten, sie hatten es quasi vor der Nase. Die Heiden sind erst später damit vertraut gemacht worden.

[28:02] Vers 17 ergänzt jetzt seine Definition durch einen biblischen Beleg. Denn es wird darin geoffenbart, die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht, der Gerechte wird aus Glauben leben. Im Evangelium, sagt Paulus, und damit hat der Luther auch so sehr gerungen, bis er es endlich verstanden hat, im Evangelium offenbart sich die Gerechtigkeit Gottes. Wir werden das im Laufe der Folgen dann genauer analysieren und feststellen. Aber soviel können wir heute schon sagen. Die Gerechtigkeit Gottes ist nicht nur etwas, das außerhalb von uns ist, sondern dass unser Leben wirksam, kraftvoll bereichern möchte.

[28:40] Aus Glauben zum Glauben bedeutet, dass es nicht ein einmaliger statischer Punkt ist, sondern der Glaube, den ich jetzt habe, kann noch wachsen, er kann noch klarer werden, wie Paulus das formulieren würde. In dem, was ich noch alles über Gott lerne, aus seinem Wort, der Glaube wächst, aus Glauben zum Glauben. Und dann zitiert er Habakuk 2, Vers 4, eine Schlüsselstelle für Paulus, die er an drei großen Momenten seiner Briefe zitiert, in Galater 3, in Hebräer 10 und hier in Römer 1. Er sieht dort im Habakuk, dass ein Mensch, der dem Wort Gottes glaubt, dort soll er die Vision aufgeschrieben werden, auf Tafeln, damit jeder sie lesen kann, wer dem Wort glaubt, wer es beim Wort nimmt, der wird aufgrund seines Glaubens leben. Das Leben hängt davon ab, ob wir Gott beim Wort nehmen, ob wir glauben, was dort steht oder ob wir unsere eigenen philosophischen Gedanken machen, die uns nicht retten können.

[29:36] Interessanterweise fügt Paulus direkt einen weiteren Gedanken an, der oftmals weggelassen wird. Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her, über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten. Nicht nur wird Gottes Gerechtigkeit geoffenbart im Evangelium, es wird auch Gottes Zorn geoffenbart. Gottes Zorn, so sagt uns die Bibel, ist das Gegenteil von Leben. So sagt es Johannes 3, Vers 36, wer nicht glaubt, das Evangelium nicht annimmt, bei dem bleibt der Zorn und wird das Leben nicht sehen. Gottes Zorn offenbart sich in den sieben letzten Plagen, so Offenbarung 16.

[30:14] Was macht Gott so zornig? Die Wahrheit wird aufgehalten. In 2. Thessalonicher spricht Paulus über die Menschen in der Endzeit, die keine Liebe zur Wahrheit haben. Die Ungerechtigkeit der Menschen sorgt dafür, dass Gottes Wahrheit behindert wird und nicht so zum Zuge kommt, wie Gott das eigentlich gedacht hat.

[30:37] Das wird jetzt genauer erklärt. Vers 19, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbarster Gottes ihnen offenbar gemacht hat. Vers 20 erklärt und präzisiert diesen Gedanken direkt, denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, sodass sie keine Entschuldigung haben.

[31:01] Hier ist eine interessante Idee, das unsichtbare Wesen ist klar sichtbar, nicht indem Gott sich einfach in seiner tatsächlichen Gestalt offenbart, sondern durch die Schöpfung. Durch die Schöpfung spricht Gott zu uns und durch die Schöpfung können wir zwei Dinge erkennen, nämlich dass es einen Gott gibt und dass er Kraft hat. Und diese Kraft haben wir gerade gesehen, ist im Wesentlichen die Essenz des Evangeliums. Das heißt, jeder Mensch, der in der Schöpfung ist, der selbst Schöpfung ist, und das gilt für jeden Menschen, hat ein Minimum, ein Mindestmaß, eine Kenntnis darüber, dass es einen Gott gibt und dass er Kraft hat. Deswegen ist es übrigens theologisch unabdingbar für das Evangelium der Bibel, dass man die Idee der Schöpfung hochhält und nicht verleugnet. Das Evangelium des Paulus ist nicht kompatibel mit jeglicher Form von Evolutionstheorie, kann nicht funktionieren. Es basiert eindeutig auf der Idee der Schöpfung.

[32:00] Und wir lesen in der Bibel an vielen Stellen, dass die Schöpfung für alle Menschen gemacht worden ist. Wir lesen im Psalm 19, dass die Schöpfung von der Herrlichkeit Gottes erzählt. Und in Johannes 15 wird uns gesagt, dass wenn Gott nicht gesprochen hat, gibt es kein Fehlverhalten. Da allerdings offensichtlich die Menschen, dass den Menschen Fehlverhalten vorgeworfen wird hier, zeugt das dafür, dass Gott in der Schöpfung zu uns spricht.

[32:32] Nun, was ist passiert mit der Offenbarung Gottes in der Schöpfung? Vers 21, denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahnen verfallen und ihr unverständliches Herz wurde verfinstert. Das Problem ist also nicht Mangel an Erkenntnis, sondern ein Mangel an Liebe zur Wahrheit. Paulus scheint hier ganz offensichtlich auch die Geschichte der vorsintflutlichen Menschheit zu beschreiben. Die wussten, dass es Gott gibt, die die alten Patriarchen ja noch mit ihren Geschichten gehört haben, die sich aber wissentlich gegen Gott gewandt haben und dann natürlich auch nach der Sintflut und so weiter.

[33:10] Interessant ist, dass die Bibel uns an vielen Stellen offenbart, dass Gott den Menschen ihre freie Entscheidung lässt. Gott zwingt sie nicht anzuerkennen, dass er der Schöpfer ist, obwohl er ihnen genügend Beweise in der Natur gibt, dass das der Fall ist. Und so weigern sie sich, ihn zu danken und ihn zu ehren. Das ist deswegen interessant, weil Gott die Ehre zu geben nach Offenbarung 14, Vers 7 Teil des ewigen Evangeliums ist. Dank und Ehre sind unmittelbar miteinander verbunden. Weil sie aber Gott nicht für das gedankt haben, was er für sie getan hat, ist ihr Herz verfinstert worden.

[33:50] Diese Finsternis, so sagt uns Jesaja 60, ist ein weltweites Phänomen. Finsternis bedeckt die Völker und die Finsternis nach Apostelgeschichte 26 ist eine Metapher für die Herrschaft des Satans, weil man Gott nicht dankte für das, was er getan hat, begann man in der Finsternis der Herrschaft des Satans zu sein. So begann ja auch die Rebellion Luzifers im Himmel. Er, das Geschöpf Gottes, dankte Gott nicht für das, was Gott ihm gegeben hatte und sein Herz wurde verfinstert. Und das hatte enorme Konsequenzen in der Geschichte dieser Welt, in der Religionsgeschichte dieser Welt sozusagen.

[34:33] Paulus macht hier eine sehr klare Analyse dessen, was in den verschiedenen Religionen passiert ist. Vers 22, da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden. Die intellektuelle Selbstüberschätzung der Menschen hat noch zugenommen mit ihrer Verfinsterung des Herzens. Und doch, sagt die Bibel immer wieder, dass gerade die Menschen, die sich selbst für weise halten, für klüger als das, was Gott ihnen in seinem Wort oder Natur offenbart, dass diese Menschen eigentlich ziemlich tief gesunken sind. Immer wieder zeigt die Bibel, wie dumm eigentlich auch der Götzendienst war und wie die vermeintlich großen, weisen Philosophen der Zeit Jesu Gottes Weisheit nicht erkannt haben. In Gottes Augen ist die Weisheit der Welt Torheit, so sagt es Paulus an anderer Stelle in 1. Korinther 3.

[35:21] Und hier illustriert er das jetzt sehr plastisch durch Vers 23. Und sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. Sie hielten sich für weise, sind aber zu Narren geworden und das erklärt er jetzt dadurch durch den Fakt des Götzendienstes.

[35:47] Sprachlich bezieht er sich hier auf eine Stelle auch in Psalm 106, Vers 20, wo diese Idee auf das Volk Israel bezogen wird, die die Herrlichkeit Gottes mit der Herrlichkeit eines Kalbes, eines Stieres, eines Ochsens, der Gras frisst, vertauscht haben. Und jeder, der objektiv einen Moment darüber nachdenkt, muss zugeben, dass es eine äußerst dumme Idee ist, die Herrlichkeit des wahren Gottes, der den Himmel und Erde geschaffen hat, zu vertauschen mit einem goldenen Kalb, vor dem man niederfällt. Das ist kein Beweis für objektive Intelligenz. Und Götzendienst widerspricht allen schon deswegen dem Gesetz Gottes. Die Nutzlosigkeit der Götzen wird immer wieder betont, in der Bibel die Sinnlosigkeit zum Teil fast schon polemisch dargestellt in Jesaja 44.

[36:32] Paulus selbst hatte, als er in Athen war, den griechischen Philosophen das deutlich machen wollen, als er sagte, wenn wir, die Menschen, von göttlicher Hand gemacht sind, was ja selbst die griechischen Philosophen anerkannten, er hat ja griechische Philosophen dort auch zitiert, wenn wir also von göttlicher Hand gemacht sind, dann können doch die Götter nicht aus totem Material sein. Ein sehr einfacher, profunder Punkt. Wenn wir durch göttliche Hand gemacht sind, können die Götter nicht aus totem Material sein.

[37:01] Und doch ist genau das in der Welt passiert. Menschen haben die Anbetung, den Drang zur Anbetung, den Gott eigentlich in sich hineingelegt hat, um Gott anzubeten, umgelenkt auf Geschöpfe. Und das hat Konsequenzen gehabt, Vers 24.

[37:18] Und darum hat sie Gott auch dahingegeben, in die Begierden ihrer Herzen, zur Unreinheit, sodass sie ihre eigenen Leiber untereinander entehren. Gott gab sie dahin, Gott respektiert den freien Willen. Jesus hat einmal gesagt, dass er die geistlich Blinden sich selbst überlassen wird. Und in Apostelgeschichte 14 wird deutlich, dass Gott über Jahrtausende hinweg den Heiden erlaubt hat, das zu tun, was sie für richtig hielten. Gott hat sich in der Weltgeschichte, das ist vielleicht ein interessanter Punkt, Gott hat sich in der Weltgeschichte nie massiv aufgedrängt. Er hat ein Volk erwählt, um dort seine Weisheit zu zeigen, aber die meisten Völker hat er gehen lassen, als sie unbedingt gehen wollten. Und sie konnten über Jahrhunderte und Jahrtausende den Götzendienst ausprobieren und das Resultat war eine Katastrophe. Die Entehrung des Leibes hat sie selbst getroffen. Wie Paulus uns sagt, dass Unzucht dem eigenen Körper schadet.

[38:18] Vers 25 fasst jetzt eigentlich so den gesamten Gedankengang ab Vers 18 zusammen, als er sagt, sie welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschen und dem Geschöpf Ehre und Gottesdienst erwiesen, anstatt dem Schöpfer, der gelobet in Ewigkeit. Amen. Hier sehen wir, wie wichtig und wie entscheidend die Frage der Anbetung ist und auch die Frage der Anbetung mit der Schöpfung wiederum verknüpft ist. Und wenn die Idee der Schöpfung geleugnet wird, macht der ganze Römerbrief schon an dieser Stelle gar keinen Sinn mehr.

[38:50] Vers 26 macht jetzt noch ein bisschen deutlicher, was die Konsequenzen dieser Veränderung der Sicht auf die Schöpfung, dieser Veränderung der Anbetung bewirkt haben. Vers 26. Darum hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften, denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem übernatürlichen, dem, Verzeihung, dem wieder natürlichen. Das ist interessant, dass Paulus jetzt insbesondere sexuelle Sünden und Verfehlungen als offensichtlichen Beweis anführt, dass die Ablehnung des Schöpfers und die Ablehnung der wahren Anbetung schädlich für den Menschen selbst ist. Die Leidenschaften, wir wissen von Sodom und Gomorra, wo das ein großes Thema gewesen ist. Wir wissen auch, dass die abnormale Sexualität ein Gräuel war, das für die Heiden generell sehr charakteristisch war. Und wir wissen auch aus 1. Korinther 6, dass das aus dem Reich Gottes ausschließt.

[39:53] Man sollte an dieser Stelle auf jeden Fall beachten, dass Paulus an diesem Punkt hier der abnormalen Sexualität nicht in den Kontext seiner Zeit stellt und nicht von der sozialen Struktur argumentiert, sondern von der Schöpfungsordnung und von der großen Heilsgeschichte. Das ist sehr wichtig, weil dieses Thema sehr brisant ist und immer wieder auch anders versucht wird zu interpretieren.

[40:16] Vers 27, gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen. Wenn also, aber jetzt sollten wir das hier noch kurz erklären, das Wort verdient ist besser übersetzt mit den Worten notwendig, das heißt eine logische Konsequenz, die auch von Gott nicht aufgehalten werden kann, die unvermeidliche Konsequenz der Sünde, eine korrespondierende Bezahlung zu dem Verhalten, entbrannt, wörtlich eigentlich ausgebrannt, eine extrem intensive Wortwahl im griechischen Paulus nimmt und das muss man wirklich erst mal verdauen, er nimmt das Phänomen der Homosexualität als einen offensichtlichen Hinweis auf die Falschheit der Anbetung der Heiden und das religiöse System der Heiden, etwas, von dem er offensichtlich selbst bei den Römern auf Zustimmung stoßen würde. Er benutzt es quasi als sein wesentliches Argument, das ist in der heutigen Zeit sicherlich sehr brisant, aber es lohnt sich einmal den Paulus so zu verstehen, wie er den Gedankengang aufbaut.

[41:38] Und dann sagt er in Vers 28, und gleich wie sie Gott nicht der Anerkennung würdigten, hat Gott auch sie dahingegeben in unwürdige Gesinnung zu verüben, was sich nicht geziemt. Hier wird also ein wirklicher Zusammenhang hergestellt zwischen der Weigerung Gott die Ehre zu geben und unwürdiger Gesinnung und abnormaler sexueller Praxis. Das heißt also im Umkehrschluss, dass wenn Offenbarung 14 Vers 6 und 7 davon spricht, dass das ewige Evangelium auch die Botschaft in sich trägt, fürchtet Gott und gibt ihm die Ehre, dann hat das auch explizit etwas mit der Sexualmoral zu tun.

[42:16] Unwürdig, das Wort unwürdig bedeutet auch ohne Verstand oder den Test nicht bestehend. Und dann folgen eine ganze Reihe von anderen Sünden, die alle Folge dieser einen Tatsache sind, dass man den Schöpfer nicht anerkennt, dass man, obwohl man sehen kann, dass es einen Gott gibt und dass er Kraft hat, was ja für das Evangelium schon entscheidend wäre, dass man ihm nicht dankt, ihn nicht ehren will, ihn nicht anbeten will, sondern lieber sich selbst für weise hält, dieses grundlegende Prinzip des Satan, sich selbst für klüger zu halten als das, was Gott sagt und dann in den Gedanken verwirrt wird, verfinstert wird und Dinge plötzlich tut, die eigentlich objektiv gesehen von der Schöpfungsordnung Gottes aus betrachtet entehrend sind.

[43:07] Vers 29, 30 und 31 gibt es eine Liste von mehr als 20 solcher Sünden, als solche, die voll sind von aller Ungerechtigkeit, Unzucht, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, Vollneid, Mordlust, Streit, Betrug und Tücke, solche, die Gerüchte verbreiten, Verleumder, Gottesverächter, Freche, Übermütige, Prahler, Erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unverständlich, treulos, lieblos, unversöhnlich, unbarmherzig und man hätte die Liste sicherlich weiterführen können. Sie ist nicht als abschließend gedacht, es gibt mehrere solcher Listen im Neuen Testament, im Griechischen gibt es sogar einige Wortspiele, die sich im Deutschen nicht so wiedergeben lassen, aber das ist auch nicht so entscheidend.

[43:46] Paulus kommt dann zur entscheidenden Feststellung in Vers 32 und die ist jetzt sehr interessant. Obwohl sie das gerechte Urteil Gottes erkennen, dass die des Todes würdig sind, welche so etwas verüben, tun sie diese Dinge nicht nur selbst, sondern haben auch Gefallen an denen, die sie verüben. Das heißt, hier wird jetzt wieder eine gedankliche Klammer zurück zu Vers 18 gebildet, wo der Zorn Gottes geoffenbart wird über die Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, die die Wahrheit zwar sehen könnten, aber nicht sehen wollen und deswegen die Wahrheit verhindert wird durch ungerechtes Leben, durch Ungerechtigkeit.

[44:31] Damit wird deutlich, dass dieser Zorn Gottes etwas zu tun hat mit dem Urteil, das heißt mit dem Gericht. Das ist ein Gedanke, den wir in der nächsten Folge dann weiter ausbreiten werden, in den nächsten Versen, denn Paulus zeigt ja dann eine ganz enge Verbindung zwischen der Schöpfungsordnung Gottes und der Schöpfung an sich und der Idee eines Gerichtes, so wie sie auch in Offenbarung 14 Vers 7 zusammenhängt. Mit anderen Worten, schon die grundlegende Erkenntnis Gottes in der Natur, wie das in Vers 20 beschrieben wird, ermöglicht es selbst einem Heiden, ein grundlegendes Konzept zu haben über Gottes Gericht, wenn auch nicht das genaue Datum und nicht die genauen Details, aber es gibt eine grundlegende Wahrheit in der Natur verborgen über das Evangelium und die führt zu einer grundlegenden Erkenntnis, dass Gott Gericht halten wird und das zeigt, wie sehr tatsächlich die Schöpfung und das Gericht verbunden sind.

[45:30] Interessanterweise genau die beiden Dinge werden von Satan besonders attackiert, die Wahrheit der Schöpfung und die Wahrheit eines tatsächlichen Gerichtes, das der Wiederkunft vorangeht. Interessant ist hier, dass nicht nur diejenigen das Urteil empfangen, die diese Dinge tun, sondern auch die sie anschauen und Gefallen daran haben, sozusagen Second-Hand-Sünden, wo man das im Fernsehen anschaut, vielleicht gibt es manche dieser Dinge, die wir selbst nicht tun würden, aber Gefallen daran haben sie anzuhören, anzuschauen oder uns davon berichten zu lassen, weil uns die Ohren nach solchen Gerüchten und Lästerungen jucken. Aber dann macht Paulus eine wirklich erschütternde Diagnose, die uns alle ins Herz und Mark treffen sollte.

[46:19] In Römer 2, Vers 1 sagt er: Darum bist du nicht zu entschuldigen, oh Mensch, wer du auch seist, der du richtest. Es ist fast so, als ob er sagen würde, du hast diese Liste gerade gesehen und wahrscheinlich beim Lesen dieser Liste sind dir verschiedene Menschen eingefallen, die das tun. Ganz egal, ob es jetzt hier um die Homosexualität geht, Betrug, die Unzucht, die Schlechtigkeit, die Habsucht, Bosheit, Neid, Ungehorsam, Tralerei, Erfindung im Bösen, Treulosigkeit, Lieblosigkeit, du hast bestimmt Menschen in deinem Kopf gehabt, Menschen, wo du diese Dinge gesehen hast und wo du selbst gemäß deines Gewissens und deines moralischen Empfindens gesagt hast, das ist verkehrt. Und Paulus sagt genau in dem Moment, hast du dich selbst gerichtet.

[47:04] Denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst, denn du, der du richtest, verübst dir dasselbe. Mit anderen Worten, wenn du irgendwann einmal irgendwelche dieser Sünden als ungerecht bezeichnet hast, hast du dir selbst das Urteil gesprochen, denn du hast selbst solche Sünden begangen. Gegenüber Gott wollen wir unsere Sünden immer gerne rechtfertigen und sagen, es ist gar nicht so schlimm. Aber wenn sie bei anderen geschehen, wissen wir ganz genau, dass sie doch schlimm sind, dass sie doch dem Leben schaden, dass sie anderen schaden, dass auf Grundlage solcher Sünden keine Gemeinschaft auf Dauer möglich ist. Wir wissen zumindest noch im Leben der anderen, dass diese Dinge ungerecht sind. Und weil wir das wissen, weil wir das auch gerne sagen, verurteilen wir uns selbst.

[47:51] Paulus zeigt hier eigentlich einen interessanten Weg, um Menschen davon zu überzeugen, dass sie Sünder sind. Auch wenn sie vielleicht die Bibel nicht in allen Einzelheiten kennen. Das Gewissen, da wird er später noch darüber mehr schreiben, klagt sie ja selbst an, indem sie vergleichen, was andere getan haben und was sie selbst getan haben. Wer das machen möchte, wer so ehrlich mit sich selbst ist, kann erkennen, es betrifft mich ohne Entschuldigung. Ansonsten kommt dieses Wort nur ja noch einmal in Vers 20 vor, wo es auch hieß, ohne Entschuldigung, das heißt wörtlich unverteidigbar. Man hat keine Verteidigungslinie mehr, kein Argument mehr in der Tasche. Jeder, der das zugibt, dass er schuldig ist, ist bereit für das Evangelium.

[48:49] Aber wir müssen erkennen, und das ist das Fazit für heute, dass Gott in der Natur gesprochen hat. Wir müssen erkennen, dass es ihn gibt, dass er Kraft hat und dass die Probleme unserer Welt nicht dadurch entstanden sind, dass sie einfach so gekommen sind, sondern dass wir uns von Gott und der wahren Anbetung des Schöpfers abgewendet haben, weil wir uns selbst für klüger hielten als das, was Gott uns zeigt und gesagt hat. Und dabei haben wir die Gerechtigkeit und Wahrheit aufgehalten und Gott wird darüber ein Urteil sprechen. Aber es gibt das Evangelium und jeder, der daran glaubt, wird die Kraft Gottes erhalten und spüren und erleben, dass er leben kann. Dieses Evangelium von dem Sohn Gottes, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist, der auf diese Welt kam, um allen Menschen den Glaubensgehorsam möglich zu machen. Von diesem Jesus werden wir auch in der nächsten Folge mehr hören und mehr sehen und mehr studieren.

[50:00] Wir wollen jetzt mit einem Gebet abschließen. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr für das, was du in dein Wort hast schreiben lassen, was wir im Römerbrief erkennen können über dich und dein Wesen. Bitte gib, dass wir selbst erkennen, dass wir schuldig sind, dass wir ohne dich ungerecht und lieblos sind und dass wir Teil des Problems sind und dass wir deine Kraft, dein Evangelium und deine Gnade brauchen, die du uns aus Glauben schenken möchtest. Hilf uns, wenn wir weiter studieren werden, in diesem Brief, diese Dinge klar und deutlich zu verstehen, sodass wir sie im praktischen Leben anwenden können. All das bitten wir im Namen unseres Erlösers und Fürsprechers. Jesus Christus. Amen.

[50:53] Gott segne euch bis zur nächsten Woche. Bis dahin wünschen wir euch viel Freude im Studium des Briefes und auch des Sendemanuskriptes und sehen uns dann wieder hier auf www.joelmedia.tv. Bis dahin wünschen wir euch viel Freude im Studium des Briefes und auch des Sendemanuskriptes und sehen uns dann wieder hier auf www.joelmedia.tv.


Lizenz

Copyright ©2017 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.