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Manuskript zu Sendung >>> Römer Teil 2

In dieser Cannstatt Study Hour-Episode taucht Christopher Kramp tief in Römer 2:2 bis 3:6 ein. Er beleuchtet die unumgängliche Realität des göttlichen Gerichts, die Bedeutung von Gottes Güte und Langmut und die Unterscheidung zwischen äußerer und innerer Beschneidung. Die Ausführungen zeigen auf, dass Gottes Gericht universell ist und auf unseren Werken basiert, unabhängig von unserer Herkunft oder unserem Wissen über das Gesetz. Ein besonderer Fokus liegt auf der Definition eines wahren Juden als jemand, dessen Herz beschnitten ist und der im Geist lebt, nicht nur dem Buchstaben nach.

Die Lektion betont, dass Gottes Wort und sein Evangelium unabhängig von der Glaubwürdigkeit der Verkündiger Bestand haben und dass das Gericht Gottes eine unumstößliche Wahrheit ist, die seit 1844 im Gange ist. Dies unterstreicht die Aktualität und Relevanz des Römerbriefs für unsere Zeit und bereitet auf die Frage vor, wie wir angesichts des unausweichlichen Gerichts ewiges Leben erlangen können.

In dieser Lektion des Römerbriefs, die sich auf Kapitel 2, Verse 2 bis Kapitel 3, Vers 6 konzentriert, vertieft Christopher Kramp die biblische Lehre vom Gericht Gottes. Er erklärt, wie Gottes Gerechtigkeit und sein Zorn mit seiner unendlichen Güte und Geduld zusammenhängen und warum das Gesetz Gottes nicht nur für Juden, sondern auch für Heiden relevant ist. Die Ausführungen beleuchten die Bedeutung des Herzens und des Geistes im Gegensatz zu rein äußerlichen Zeichen und betonen, dass Gottes Urteil auf unseren Werken basiert, unabhängig von unserer ethnischen Zugehörigkeit.

Die Studie untersucht auch die Rolle des jüdischen Volkes und die Bedeutung der Beschneidung im Lichte des Gesetzes. Kramp argumentiert, dass wahre Jüngerschaft im Inneren liegt und dass Gottes Treue auch dann Bestand hat, wenn Menschen untreu sind. Die Lektion schließt mit der Frage nach der Rechtmäßigkeit des göttlichen Gerichts und betont, dass die Tatsache, dass Gott auch auf krummen Linien gerade schreiben kann, die Realität des Gerichts nicht aufhebt.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2017 Q4: Der Römerbrief (Reformations-Spezial)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.tv.de zu unserem Reformationsspezial. Ein Studium, ein Vers-für-Vers-Studium des gesamten Römerbriefs chronologisch. Schön, dass ihr eingeschaltet habt, dass wir gemeinsam das Wort Gottes tiefer verstehen können. Und heute in diesem zweiten Teil wollen wir uns von Römer 2 Vers 2 bis Römer 3 Vers 6 fortbewegen. Wir haben im ersten Teil gesehen, wie Paulus schon in die Ansprache, in die Einleitung des ganzen Evangeliums hineingepackt hat, wie er erklärt hat, wie unbedingt gerne er nach Rom kommen wollte. Wir haben gesehen, wie er das Evangelium als die Kraft Gottes zusammenfasst, die durch den Glauben Leben schenkt und wirksam wird. Und dann hat er eine erste grundlegende Darlegung gebracht, warum alle Menschen etwas von Gott wissen. Nämlich durch die Schöpfung, dass sie allerdings Gott als Schöpfer nicht geehrt haben, ihn nicht gedankt haben und deswegen in ihrem Herzen verfinstert worden sind, wodurch die verschiedensten abartigen Sünden im Leben der Menschheit entstanden sind. Und wir haben damit geschlossen mit dem Gedanken von Paulus, dass jeder Mensch eigentlich weiß, dass diese Dinge falsch sind, weil er sie bei anderen verurteilt und sich damit letztendlich auch selbst das Gericht spricht, das Urteil spricht. An der Stelle wollen wir jetzt weitermachen und diese wunderbare Erklärung des Evangeliums weiter nachvollziehen.

[1:51] Und bevor wir beginnen, möchte ich euch liebe Zuschauer, liebe Zuschauerinnen einladen zu einem Gebet. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir den Römerbrief haben und dass wir darin sehen können, wie du uns retten möchtest, wie deine Kraft im Evangelium sich in unserem Leben praktisch zeigt. Schenk uns jetzt deinen Heiligen Geist, gib, dass wir verstehen, was wir lesen. Halte du alle Störende fern und schenke uns die Weisheit, die du uns versprochen hast, wenn wir darum bitten. Im Namen Jesu. Amen.

[2:30] Römer 2 und dort Vers 2. Paulus sagt, wir wissen aber, dass das Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, welche so etwas verüben. Er bezieht sich darauf natürlich auf die Liste der Sünden, die er vorher am Ende von Kapitel 1 so ausführlich dargelegt hat. Die Bibel sagt an vielen Stellen, dass es ein Gericht geht. Paulus erinnert an diese wichtige biblische Lehre und macht deutlich, dass das Evangelium, das er predigen wird, auf Grundlage dieses Gerichts Gottes basiert. Man kann den Römerbrief nicht verstehen, wenn man nicht im Hinterkopf behält, dass Gott Gericht halten wird, wie es im Alten Testament und auch im Neuen Testament bestätigt wird. In Apostelgeschichte 17 hat Paulus den Athenern gesagt, dass Gott einen Tag bestimmt hat, an dem er die Welt in Gerechtigkeit richten wird durch Jesus Christus. In der Prophetie in Daniel 7 wird dieses Gericht beschrieben und auch in Prediger 12 haben wir den Hinweis auf dieses Gericht, in dem die Taten alle zum Vorschein kommen. Und Gott wird der Wahrheit entsprechend richten. Er wird kein Ansehen der Person haben, wie wir das auch in der Bibel an verschiedener Stelle sehen.

[3:44] Jetzt stellt Paulus aufgrund dieser Tatsache, dass es ein Gericht geben wird, eine rhetorische Frage in Vers 3. Denkst du etwa, oh Mensch, und auch hier sehen wir noch einmal, dass er hier eigentlich alle Menschen, sowohl die Heiden als auch die Juden anspricht. Denkst du etwa, oh Mensch, dass du die richtest, welche so etwas verüben und doch das Gleiche tust, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Mit anderen Worten, wenn wir, die wir sündig sind und das Gesetz Gottes übertreten, bei anderen die Sünde schlecht finden und sie verurteilen, glauben wir dann ernsthaft, dass ein gerechter Gott, ein sündloser Gott die Sünde bei uns einfach so übersieht und nicht ahndet. Denkst du etwa, in der Bibel finden wir immer wieder die Idee, dass der Sünder die Geduld Gottes missachtet und glaubt, dass es kein Gericht gibt. Auch hier ist dieser Gedanke quasi mit angesprochen. Glaubst du etwa, dass es kein Gericht für dich geben wird? Dieser Ausruf, oh Mensch, erinnert natürlich an den selben Ausruf schon in Vers 1 des selben Kapitels. Und du ist im griechischen hier mit Emphase, mit Betonung, also eine direkte Ansprache. Die Bibel sagt in den Sprüchen, dass der Stolze gestraft wird, dass der Böse gestraft wird. Darauf kann er sich verlassen. Die Menschen glauben, in 1. Thessalonika 5 wird das gesagt, bis zum Eintreffen des Verderbens, dass es kein Verderben geben wird. Und aber außerhalb des Evangeliums gibt es keine Möglichkeit, dem Verderben zu entfliehen. So sagt es Hebräer 2, Vers 3.

[5:31] Und Paulus macht dann in Kapitel 2, Vers 4 einen interessanten Punkt, wenn er sagt, oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet. Er stellt eine zweite Frage, die quasi den Grund erörtern will, warum viele Menschen glauben, dass es kein Gericht geben wird und auch übrigens viele Christen glauben, dass Gott am Ende gar kein Gericht halten wird oder das Gericht ausblenden. Könnte es sein, dass die außergewöhnliche Geduld und Gottes missachtet wird, dass sie falsch interpretiert wird und dass man deswegen sich im Herzen verhärtet. Schon in den Predigen 8, Vers 11 wird so eine Falschinterpretation beschrieben, wo das Ausbleiben der Strafe den Sünder nur mehr verhärtet. Aber die Bibel sagt uns, Gott lässt sich nicht spotten. So im Galaterbrief, da sagt es der Paulus ganz deutlich, was der Mensch seht, wird er ernten. Wir finden in der Bibel Berichte von Menschen, die an der Sünde festhalten und gleichzeitig die Rettung in Anspruch nehmen. Die behaupten, sie sind gerettet, obwohl sie die Sünde nicht aufgeben wollen. Und Paulus schneidet dieses Argument hier durch und sagt, glaubst du ernsthaft, dass du nicht gerichtet wirst? In Matthäus 24 haben wir den bösen Knechten, der glaubt, dass das Gericht nicht nahe ist. In Ezekiel 12 hat man dieses Sprichwort, dass die Prophezeiung nicht eintreffen. Auch heute gibt es oft diese Idee, dass man das Gericht von sich wegschiebt.

[7:02] Der Reichtum der Güte zeigt, dass Gott wirklich sehr viel Gnade hat. Gott ist gut, vergibt jedem, der ihn anruft. Der Reichtum der Gnade Gottes ist die Grundlage unserer Erlösung. Er ist reich an Erbarmen, sagt Epheser 2 Vers 4. Die Herrlichkeit Gottes ist ein Reichtum, Christus und euch die Hoffnung der Herrlichkeit. Das Wort Geduld an der Stelle könnte besser übersetzt werden, auch mit Zurückhaltung. Im klassischen Griechisch wird das für den Waffenstillstand gebraucht. Also Gott wartet mit dem Urteil. Er könnte es sofort umsetzen, aber er wartet. Er schiebt es auf, damit der Sünder noch zur Umkehr findet, zur Buße. Das Wort Buße heißt entweder als Umkehr, dass er von seinem Weg umkehrt. Diese Geduld Gottes ist Teil seines Charakters, wie 2. Mose 34 sagt. Die zeigt sich in der Wüstenwanderung Israels, wo Gott mit den Sünden Israeliten sehr geduldig umgegangen ist oder auch in der Zeit Noahs, als Gott 120 Jahre lang gewartet hat, dass die Menschen vielleicht doch noch umkehren. Aber, das ist der Punkt von Paulus hier, die Geduld Gottes löscht nicht den Zorn aus. Der wird nur zurückgehalten. Der wird nur aufgeschoben, um dem Menschen noch eine ausreichende, eine überaus ausreichende Chance zu geben. Die Gnade Gottes hebt den Zorn nicht auf. Die Güte Gottes lässt das Gericht nicht einfach nicht stattfinden, sondern schiebt es nur auf bis zu einem Zeitpunkt, über den wir gleich noch sprechen werden. Wenn also die Gnade Gottes verachtet ist, die Güte trifft das Gericht in vollem Umfang ein. Die Güte leitet zur Buße. Mit anderen Worten, es ist Gott, der uns schon die ersten Schritte schenkt. Wir müssen nicht alleine zu Gott zurückkehren, sondern wenn wir sein Wesen verstehen, sagt der Paulus, wir seine Güte, seine Geduld erkennen, dann soll uns das zur Umkehr leiten. Die Vergebung Gottes, sagt Psalm 130, führt zur Furcht des Herrn. Gottes Gnade soll zu einem Schuldbekenntnis führen, so in Jeremias 3. Und, dass Jesus so gütig zu Zachäus gewesen ist, führt dazu, dass der echte Buße hat. Gott wünscht sich übrigens, dass alle Menschen zur Buße kommen und ist deswegen auch sehr geduldig, so sagt nun 2. Petrus 3 Vers 9.

[9:29] Was passiert aber, wenn man diese Güte missachtet und nicht annimmt, wenn man nicht Buße tun möchte? Vers 5 in Römer 2. Aber aufgrund deiner Verstocktheit und deines unbußfertigen Herzens, also einem Herzen, Gedanken, die nicht bereit sind umzukehren, heust du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes. Hier sehen wir sehr deutlich, dass der Zorn, der geoffenbart werden sollte, oder wird in Römer 1 Vers 18, dass hier wirklich das Gericht gemeint ist. Also schon in Römer 1, wo die Gerechtigkeit Gottes im Evangelium geoffenbart wird und der Zorn Gottes spielt das Gericht eine besondere Rolle. Das verstockte Herz, da erinnert man sich natürlich an den Pharao, der nicht umkehren wollte und dadurch immer mehr verstockt wurde, bis das Zorngericht Gottes in Fülle über ihn ausgegossen worden ist. Es gibt noch andere Beispiele in der Bibel. Daniel 5 Vers 20 sagt, dass Stolz das Herz verhärtet. Hebräer 3 Vers 13 sagt, dass es die Sünde ist, was letztendlich auf dieselbe Sache hinausläuft. Und auch in Zacharia finden wir einen Zusammenhang zwischen der Herzensverhärtung und dem Zorn.

[10:47] Gott bewahrt die Sünden der Menschen in Archiven auf, so sagt es 5. Mose 32. Es gibt also in der Bibel immer wieder so Hinweise auf ein Untersuchungsgericht, das auch hier in Römer 2 im Hintergrund mitgedacht werden muss. Halten wir also fest, der Sünder verachtet den Reichtum der Gnade und häuft sich dafür Zorn auf. Dieser Tag des Zornes, letztendlich gipfelt er in die Wiederkunft. Offenbarung 6 Vers 17 beschreibt von diesem Tag des Zornes bei der Wiederkunft Jesu, der Tag des Gerichts wird ein Tag der Strafe sein, so sagt es auch 2. Petrus 2 Vers 9.

[11:38] Was ist die Grundlage des Gerichts Gottes? Dazu sagt uns Römer 2 Vers 6 Folgendes. Über Gott heißt es hier, der jedem vergelten wird nach seinen Werken. Das, was der Mensch getan hat, wird letztendlich die Grundlage dessen sein, wie er im Gericht Gottes beurteilt wird. Das ist kein Gegensatz zur Gnade Gottes, wie wir noch sehen werden. Und die Bibel macht deutlich, was wir tun entscheidet über unsere Zukunft. Jesus sagt selbst in Matthäus 16, dass die Werke entsprechend vergolten werden bei der Wiederkunft, so auch Offenbarung 22 Vers 12, wo Jesus sagt, ich komme bald, mein Lohn ist mit mir. Werke meint hier nicht nur äußerliche Taten, sondern geht bis zu den geheimsten Motiven, den Gedanken, den Gefühlen in das Innere des Menschen hinein. Deswegen prüft Gott das Herz vorher gründlich.

[12:40] Wir werden jetzt sehen, dass es im Gericht Gottes, das der Paulus hier beschreibt und die Römer daran erinnert, zwei Urteile geben wird. Vers 7. Denen, nämlich die mit Ausdauer im Wirken des Guten, Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit, Erstreben, ewiges Leben. Das ist also das eine Urteil, das gegeben wird, dass man ewiges Leben bekommt. Und auch die Bedingung wird in diesem Vers genannt, nämlich das ausdauernde Wirken des Guten und auch die Motivation. Also in dem Vers die Motivation, nämlich das Erstreben von Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit. Das möchte man haben, die Bedingung, das Ausdauernde, das beständige Wirken des Guten und dann das Urteil selbst, ewiges Leben. Wer also ewiges Leben haben möchte, muss nach Römer 2, nach dem Evangelium des Paulus, beständig das Gute wirken. Matthäus 24 sagt uns, wer ausharrt bis ans Ende und zwar gemeint ist damit der Liebe, die ja in der Zeit des Endes erkalten wird, der wird gerettet werden. Lukas 8, Vers 15 spricht von diesem beständigen Guten tun auch als Erklärung für den guten Boden, auf den der Samen fällt. Immer wieder werden wir ermahnt, nicht müde zu werden im Gutes tun, damit wir auch ernten können. Galater 6, Vers 9 zum Beispiel.

[14:01] Und die Herrlichkeit, von der hier die Rede ist, die beschreibt der Paulus später in Römer 8, Vers 18 und sagt, dass sie sehr viel gewichtiger ist, als die Schwierigkeiten in unserem Leben. Jetzt Ehre und Herrlichkeit finden sich auch an anderen Stellen der Bibel, zum Beispiel Klasse 1, Vers 27, die Hoffnung der Herrlichkeit Christus in uns. Die Unsterblichkeit oder die Unvergänglichkeit, die hier erwähnt wird, derealisiert sich bei der Wiederkunft Jesu, wenn wir einen neuen Körper erhalten werden. Das ewige Leben ist, und das ist jetzt sehr wichtig, nach der Bibel, nach Römer 6, ein Geschenk Gottes. Es wird nicht verdient durch das beständige Wirken des Guten. Andersherum ist das beständige Wirken des Guten die Bedingung für das ewige Leben, wie wir gleich noch genauer sehen werden.

[14:48] In Römer 2, Vers 8 wird dann das gegenteilige Urteil als Kontrast eingeführt. Denen aber, die selbstsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, dagegen der Ungerechtigkeit gehorchen, Grimm und Zorn. Entweder ewiges Leben oder Zorn. Deswegen haben wir in Römer 1, Vers 17, den Vers, dass die Gerechtigkeit Gottes offenbart wird für die, die glauben, die aus dem Glauben leben. Und dann im Vers 18, dass geoffenbart wird der Zorn Gottes. Dieser Zorn und dieser Grimm gilt denen, die egoistisch sind und die der Wahrheit nicht gehorchen, aber der Ungerechtigkeit eher gehorchen. Das Wort selbstsüchtig beschreibt im Griechischen einen Parteigeist. Die Idee von Spaltung ist eng verknüpft auch mit Übermut und Stolz. Das Gegenmittel wäre nach der Bibel, den anderen höher zu achten als sich selbst. Dem Evangelium der Wahrheit zu gehorchen, bedeutet der Verkündigung zu glauben. So sagt es Römer 10, Vers 16. Der Gehorsam der Wahrheit gegenüber ist ja das Ziel, das Paulus mit dem Evangelium verbindet, wie wir ja schon in Kapitel 1, Vers 5 gesehen haben. Und auch 2. Thessalonicher sagt in Kapitel 1, dass Gott denen vergelten wird, die nicht dem Evangelium gehorcht haben. Wer der Wahrheit nicht gehorcht, gehorcht trotzdem und zwar der Ungerechtigkeit, der Sünde. Die Gottlosen haben Freude an der Ungerechtigkeit gehabt, sagt 2. Thessalonicher 2. Und Jesus sagt, dass die Menschen, die das Licht ablehnen, sagt Johannes 3, die lieben die Finsternis.

[16:32] Übrigens können wir lesen Psalm 90, dass die Stärke des Zornes Gottes unterschätzt wird. Und Nahrung 1, Vers 6 stellt die Frage, wer kann vor Gottes Zorn und Grimm bestehen? Die Ausgießung des Zornes Gottes in den Plagen, Offenbarung 14, ist eine direkte Ablehnung des Schöpfergottes und eine direkte Ablehnung des Gehorsams zu den 10 Geboten. Und gleichzeitig ist die Ausgießung der Plagen eine direkte Folge dafür, dass die Menschen der Ungerechtigkeit, den Menschen der Sünde gehorchen und ihm folgen. Also dort wird der Wahrheit nicht gehorcht, aber der Ungerechtigkeit, der Gottlosigkeit, der Verführung wird gehorcht. Und so ist dann also die Ausgießung der sieben letzten Plagen in völliger Harmonie mit dieser Idee hier in Römer 2. Die dritte Engelsbotschaft wird also im Prinzip ganz gut hier durch Römer 2, Vers 7 und Römer 2, Vers 8 beschrieben.

[17:37] In Vers 9 und 10 finden wir eigentlich denselben Gedanken nochmal, nur in umgekehrter Reihenfolge. Dort heißt es, zunächst mit dem negativen Urteil, Drangsal und Angst über jede Menschenseele, die das Böse vollbringt, zuerst über den Juden, dann auch über den Griechen festziehen, Herrlichkeit aber und Ehre und Friede jedem, der das Gute tut, zuerst dem Juden, dann auch dem Griechen. Halten wir fest, noch einmal wird hier betont, dass die Werke am Ende der Indikator sind, das woran man erkennen kann, ob wir ewiges Leben oder ewigen Zorn haben werden. Vernichtung. Und in beiden Fällen fällt natürlich auf, dass es hier heißt, zuerst für die Juden, dann auch für die Griechen und das erinnert uns an Römer 1, Vers 16, wo über das Evangelium gesprochen worden ist, dass eine Kraft zur Rettung ist für jeden, der glaubt, also ohne Unterschied und trotzdem zuerst für die Juden, dann auch für den Griechen. Wir haben das damals erklärt damit, dass die Juden diejenigen waren, die das Evangelium ja schon kannten, schriftlich, indem sie das alte Testament gehabt haben und deswegen die Grundlage hatten, auf der dann das Gericht stattfindet. Deswegen sowohl bei dem positiven als auch bei dem negativen Urteil, die Juden zuerst, weil sie nämlich die Wahrheit schon kannten. 1. Petrus 4, Vers 17, das Gericht Gottes beginnt bei denen, die die Wahrheit kennen. Und das also hier der Punkt.

[19:04] Vers 11, Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Paulus zieht also aus den folgenden Versen jetzt den Schluss. Sowohl die Belohnung des ewigen Leben als auch der Zorn gelten für alle Menschen gleich. Es hätte ja sein können, dass jemand diese Ausdruck für den Juden zuerst missdeutet und einen Vorrang für die Juden daraus abgeleitet hätte. Aber das ist nicht der Fall. Gott behandelt alle gleich. Die Juden werden hier nur zuerst gewähnt, weil sie schon vor den Heiden Kenntnis hatten über das Evangelium und über die Tatsache eines Endgerichtes. Und dass es kein Ansehen bei Gott gibt, wird sich an vielen Stellen deutlich in der Bibel. Es ist ein wichtiges Prinzip. Gott richtet nach dem nach den Werken ohne Ansehen der Person, so sagt das 1. Petrus 1, Vers 17. Und das bedeutet auch nach Apostelgeschichte 10, dass alle Nationen gleichrangig vor Gott sind.

[20:00] Jetzt beginnt Paulus das vorhergehende etwas zu präzisieren, etwas genauer noch zu erklären. Vers 12, Alle nämlich, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen. Und alle, die ohne dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden. Er erklärt jetzt, warum sowohl die Heiden, die das Wort Gottes nicht kannten, als auch die Juden, die das Wort Gottes kannten, beide verloren gehen können. Das heißt, das Wort Gesetz an dieser Stelle meint vom Kontext her das, was die Juden kannten und was die Heiden nicht kannten. Und wir haben ja schon vorher gesehen in Römer 1, dass die Heiden auch ohne das Gesetz vom Sinai und ohne die schriftliche Offenbarung Gottes einiges von Gott wussten, sodass auch ihre Verurteilung gerecht sein wird. Nur der, der den, also andersrum gesagt, in Lukas 12 finden wir diesen Gedanken, dass sowohl der, der den ausdrücklichen Willen des Herrn kannte, als auch der, der ihn nicht kannte, aber dennoch bestrafungswürdige Dinge tut, beide bestraft werden.

[21:06] Was also hier die Phrase unter dem Gesetz bedeutet, ist klar. Es bedeutet nicht, dass man gehorsam ist, sondern es bedeutet, dass man Kenntnis hat von den göttlichen Weisungen vom Sinai.

[21:24] Jetzt in Vers 13 bis 15 kommt ein Einschub, ein Gedankenexkurs, der jetzt etwas mehr über die Heiden uns erklärt. Lesen wir das mal in Vers 13. Denn vor Gott sind nicht die gerecht, welche das Gesetz hören, sondern die, welche das Gesetz befolgen, sollen gerechtfertigt werden. Das ist ein hochinteressanter Satz, der regelmäßig im Studium des Römerbriefes umgangen wird und übersprungen wird, obwohl er so entscheidend ist für das wahre Verständnis des Evangeliums. Paulus hat auch später in den kommenden Kapiteln nicht vor, die Werke abzuwerten. Er macht ganz deutlich, dass die letztendliche Rechtfertigung damit zu tun hat, ob wir das Gesetz Gottes befolgen oder nicht. Ganz, ganz simpel. Im Kontext des Untersuchungsgerichtes gilt es also, dass wir das Gesetz Gottes befolgen müssen. Es reicht nicht, wenn wir es nur hören und kennen. Es geht also nicht darum, eine Gesetzlichkeit anstelle der Erlösung zu beschreiben, sondern es geht um die Basis des Gerichtes. Das Gericht basiert auf den Werken Gottes und nur gehorsam dem Gesetz gegenüber kann zum Freispruch führen. Die Frage des restlichen Römerbriefes ist dann natürlich, wie komme ich zu diesem Gehorsam aus Glauben? Diesem Glaubensgehorsam, den er von Anfang an als das Ziel beschrieben hat.

[22:55] Und das Hören bezieht sich natürlich auf die Synagogen, wo die Juden das Gesetz Gottes gehört haben und dann doch nicht immer halt befolgt haben. Vers 14. Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz. Wir haben also gesehen, warum auch Menschen, die das Evangelium kennen, verloren gehen können, weil es nicht reicht, das zu kennen, sondern man muss es tun. Jetzt beschreibt der Paulus umgekehrt, warum Menschen gerettet werden können, die das Evangelium nicht schriftlich kennen. Es geht nämlich darum, ob sie das tun, was der geistliche Inhalt des Evangeliums, des Gesetzes Gottes ist. Es ist also möglich, dass Menschen, ohne den spezifischen Willen Gottes zu kennen, ihn doch tun. Sie haben zwar das schriftliche Wort Gottes nicht, aber und Gott hat sie lange Zeit ihre eigenen Wege wählen lassen, so sagt es Apostelgeschichte 14. Aber wie wir gesehen haben, haben die Heiden Basiswissen über Gott, nämlich dass er existiert und dass er Kraft hat. Das zeigt die Schöpfung sehr deutlich, haben wir in Kapitel 1 gesehen. Und manche Dinge werden von der Natur uns gelehrt und können selbst bei Heiden vorausgesetzt werden. Paulus bezieht sich zum Beispiel in 1. Runde 11 auf so eine Sache, die uns die Natur lehren könnte.

[24:25] Vers 15 erklärt dann, noch etwas genauer, da sie ja beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihrer Herzen geschrieben ist, was ihr Gewissen bezeugt, dazu ihre Überlegungen, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen. Sie sind sich selbst eingesetzt, was bedeutet das? Das bedeutet, dass sie zwar den Inhalt des Gesetzes nicht vor Augen haben, im Sinne von 10 Geboten auf Steintafeln oder in Schriftrollen, aber sie kennen die Prinzipien des Gesetzes in ihrem Gewissen, in ihrem Herzen. Und Paulus belegt das damit, dass auch Heiden ein Gewissen haben und bestimmte Dinge als falsch einschätzen, obwohl sie nie von den 10 Geboten gehört haben, zum Beispiel Mord oder ein Diebstahl oder Ehebruch. Das ist in vielen Kulturen ganz selbstverständlich eigentlich falsch. Das liegt daran, dass der Heilige Geist nicht nur an denen wirkt, die eine schriftliche Offenbarung Gottes haben. Der Heilige Geist wirkt an jedem Menschen und der Heilige Geist überführt von Sünde, so sagt es Johannes 8, Vers 9. Und wir haben ja schon gesehen, dass Sünder sich auch gegenseitig anklangen. Sie sehen die Sünde auch beim anderen, sie sehen, dass Sünde falsch ist. Und wir finden sogar in der Bibel Beispiele, wo auch eine Heide wie Abimelech zum Beispiel in 1. Mose 20 sich rechtfertigt und begründen kann, dass er, obwohl etwas Falsches getan hat, in 1. Mose 20 er doch ein gutes und reines Gewissen hatte und sich deswegen entschuldigen kann und keine Sünde begangen hatte.

[26:07] In Vers 16 nimmt Paulus jetzt den Gedankengang von Vers 12 auf, nachdem er noch etwas genauer erklärt hat, warum Gott Menschen, die das Gesetz Gottes kennen, trotzdem verloren gehen lassen kann, weil sie es nämlich nicht befolgen und warum Menschen, die das Gesetz Gottes nicht kennen, gerettet werden können, weil sie es nämlich dem Herzen nach durch den Heiligen Geist befolgen. Kommt er jetzt wieder auf das Gericht zu sprechen, im Prinzip vervollständigt Vers 16, Vers 12. Man könnte das also nochmal zusammenlesen, Vers 12, 16. Alle nämlich, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden, an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird, nach meinem Evangelium.

[26:40] Paulus sagt hier unmissverständlich, es wird ein zukünftiges Gericht geben. Paulus hat nicht geglaubt, dass das Gericht am Kreuz stattgefunden hat für die Menschen. Er glaubt an ein zukünftiges Gericht, das auf seinem Evangelium basiert und mit seinem Evangelium zusammenpasst. Ein Gericht, das Jesus Christus halten wird und das auf einen Tag festgelegt ist, dass es sich zeitlich definieren lässt. Und da sind wir natürlich bei der ersten Engelsbotschaft in Offenbarung 14, Vers 7, wo es heißt, fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre. Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen, das auszurechnen bedeutet, das Gericht zu lokalisieren, dass der Paulus hier zu Beginn seines Evangeliums so eindeutig als grundlegende Wahrheit ausbreitet. Mit anderen Worten, wer das Gericht Gottes studiert, wer weiß, dass seit 1844 dieses Untersuchungsgericht auf Grundlage des Gesetzes Gottes begonnen hat, der wird den Römerbrief jetzt mit ganz frischen aktuellen Augen lesen können, in einer Art und Weise, wie es dem Luther, der von diesem Gericht noch nicht so viel wusste, nicht möglich gewesen ist. Wie wir gesehen haben, hat auch Paulus an anderer Stelle, zum Beispiel in Apostelgeschichte 17, davon gesprochen. In 2. Korinther 5 sagt er, dass wir alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden müssen. Gott wird das Verborgen offenbaren. An vielen Stellen spricht Paulus über dieses Gericht.

[28:14] Jetzt in Vers 17 macht Paulus einen Gedankensprung, ein neuer Gedankengang kündigt sich an. Er spricht jetzt die Juden besonders an, nachdem er jetzt also die Universität des Gerichts Gottes und die theologische Grundlage dafür gelegt hat, spricht er jetzt die Juden an, die sich für besonders hielten, weil sie das Wort Gottes ja hatten, das Gesetz Gottes schriftlich kannten. Römer 2, Vers 17. Siehe, du nennst dich einen Juden und verlässt dich auf das Gesetz und rühmst dich Gottes. Schon Johannes der Teufel hatte diese trügerische Einstellung der Juden angegriffen. Du nennst dich einen Juden, wörtlich könnte man setzen, du trägst den Namen Jude, du wirst Jude genannt. Wie wir später feststellen, ist das offensichtlich nicht eigentlich immer inhaltlich zutreffend. Du verlässt dich auf das Gesetz, da haben wir gute Beispiele im Johannesevangelium, wo Jesus sagt, dass die Juden auf Mose vertrauen und auch tatsächlich selbst sagen in Johannes 8, dass sie Jünger des Mose sind.

[29:21] Paulus führt weiter aus, Vers 18, und kennst seinen Willen und verstehst zu prüfen, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet worden bist. Schon im 5. Mose sagt Gott dem Volk Israel durch Mose, dass es kein anderes Volk gibt, das so gute Gesetze hat und den Willen Gottes so genau kennt. Aber den Willen Gottes so genau zu kennen, macht auch die Übertretung umso schwerwiegender. Deswegen glückselig sind diejenigen, die praktizieren, was Gott ihnen geoffenbart hat.

[29:56] Vers 19, und du traust dir zu, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in der Finsternis sind. Weil die Juden so genau Bescheid wussten über Gottes Gesetz, über sein Handeln in der Geschichte, über seine Gebote, haben sie den Eindruck gehabt, dass sie berufen sind, andere zu führen und Lehrer zu sein. Da sie den Eindruck hatten, dass sie es besser wissen als die anderen. Die Blinden sind hier natürlich eine Metapher für die Heiden, die das Wort Gottes nicht sehen. Jesus nennt dann interessanterweise die Pharisäer, die Blinden, Blindenleiter. Und oftmals finden wir in der Bibel diese Tatsache, dass die Pharisäer einen hohen Lehranspruch für sich selbst in Anspruch genommen haben, aber selbst unbelehrbar gewesen sind. Licht ist ja eigentlich eine Metapher, die auch im Altennis der Menschen vorkommt, für den Knecht Gottes, der sich aufmachen soll, der ein Licht sein soll für die Heiden.

[31:03] Vers 20 geht weiter in diesen Gedankengang und wiederholt letztlich die Gedanken von Vers 18 und 19 nur mit anderen Worten. Ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat. Unmündige ist ein Wort, das übrigens nicht nur für Heiden verwendet wird, sondern an der Stelle eher sogar auch für Menschen, die neu im Glauben sind, die frisch bekehrt sind, Proselyten, Novizen, so zum Beispiel auch in Hebräer 5, Vers 13, die also glauben, aber sich in der Bibel nicht besonders gut auskennen.

[31:32] Und nachdem Paulus jetzt einige Verse lang sozusagen die Grundeinstellung der Juden eigentlich recht treffend bezeichnet hat und die letztendlich sich übertragen lässt auch auf jeden Christen heute, der die Bibel gut kennt und intensiv studiert hat und sich gut auskennt so in den Satzungen und Regeln und Geboten Gottes und den Schriften, macht er jetzt einen wirklich dramatischen Punkt in Vers 21 und den folgenden Versen. Nun also, du lehrst andere dich selbst, aber lehrst du nicht. Du verkündigst, man solle nicht stehlen und stiehlst selber. Vers 22, du sagst, man solle nicht Ehe brechen und brichst selbst die Ehe. Du verabscheust die Götzen und begehst dabei Tempelraub, du rühmst dich des Gesetzes und verunerst doch Gott durch Übertretung des Gesetzes. Eine ganze Reihe von rhetorischen Fragen ziehen quasi der traditionellen jüdischen Frömmigkeit der damaligen Zeit den Boden unter den Füßen weg und genauso gut auch für viele Menschen, die heute vielleicht die Bibel gut kennen, aber eigentlich auch nicht wirklich nach ihr leben. Gott möchte nicht, dass Menschen über seinen neuen Bund, seinen ewigen Bund reden und dabei gleichzeitig in offener Rebellion gegen ihn leben. Das passiert leider zu oft auch in unserem Leben, dass wir über Gottes Gebote reden, über Gottes Gesetz reden, aber gar nicht uns selbst daran halten. Das war der Hauptgrund, warum Jesus die Pharisäer getadelt hat. Und Paulus wusste selbst, er muss auch so leben, wie er anderen predigt. Er sagt, ich knechte meinen Leib. Israel, so sagt uns hier Remyer, sieben, hat die zehn Gebote übertreten und glaubte trotzdem, trotz der offenen Rebellion, gerettet zu sein. Möge uns das heute nicht passieren, dass wir in offener Rebellion gegen Gott leben und trotzdem davon reden, dass wir sicherlich gerettet sind und dabei vielleicht sogar noch den Römerbrief zitieren, obwohl er uns schon in Römer 2 genau das Gegenteil sagt.

[33:30] Und Paulus gibt ja einige Beispiele hier, die offensichtlich alle aus den zehn Geboten kommen. Das Stehlen, das Ehebrechen, der Götzendienst und der Tempelraub ist eine interessante Sache. Aus Apostelgeschichte 19 kann man ableiten, dass vermutlich einige Juden Tempelraub begangen haben. Sie haben zwar keine Götzendienst mehr angebetet, haben aber heidnische Tempel geraubt und dort dann diese wertvollen Gold- und Silberstatuen an sich gerissen. Nicht wegen einem religiösen Wert, sondern einfach wahrscheinlich wegen dem finanziellen Wert. Und auch das ist natürlich dann eine Übertretung des Gesetzes.

[34:20] Vers 23, den wir gerade gelesen haben, sozusagen nochmal diese gesamte Idee zusammen. Wie kann man sich des Gesetzes rühmen und gleichzeitig es übertreten? Paulus will damit deutlich machen, dass wirklich jeder, nicht nur die Heiden, sondern auch die, die die Gebote Gottes kennen, tatsächliche Bedürftigkeit der Erlösung haben. Das Wort Übertretung hier in Vers 23 beschreibt letztlich das Übertreten einer Linie. Man ist außerhalb der Linie. Das Gesetz Gottes ist eine Linie, die die Juden zwar kennen, die sie auch beschreiben können, aber sie sind trotzdem nicht innerhalb dieser Linie. Sie haben dieses Niveau, das Gott von ihnen im Wort Gottes verlangt, selbst nicht erreicht. Wer das Wort Gottes nur hört, aber nicht tut, ist verführt, sagt Jakobus 1, 22.

[35:27] Und es hat Konsequenzen, Vers 24. Denn der Name Gottes wird um euret Willen gelästert unter den Heiden, wie es geschrieben steht. Der Ungehorsam zum Gesetz Gottes macht bei einem Bibellehrer einen absolut negativen Eindruck auf die Ungläubigen. Und da gibt es eine ganze Reihe von Beispielen. Davids Sünde hat den Feinden Gottes Anlass zur Lästerung gegeben, sagt uns die Bibel. Die Gefangenschaft des Volkes Israel in Babylon hat dazu geführt, dass die Heiden Gottes Namen gelästert haben, so sehr, dass Gott gesagt hat, dass er allein schon deswegen die Israeliten wieder aus Babylon zurückführen wird, um seine Namen zu rechtfertigen. Und auch unser alltäglicher Lebenswandel, so 1. Timotheus 5, 14, kann Anlass zur Lästerung geben. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, ob wir nur das Wort Gottes anderen predigen wollen oder ob unser Leben tatsächlich so ist, dass es mit dem Gesetz Gottes, wenn wir von dem Gericht Gottes anderen sagen, dass unser Leben mit dem Gesetz Gottes in tatsächlicher Übereinstimmung ist.

[36:38] Paulus gibt jetzt in den nächsten Versen eine theologische Begründung, warum das so ist für die Juden. Vers 25. Die Beschneidung, die hier zum ersten Mal jetzt im Römerbrief erwähnt wird, der das äußere Zeichen für das Judentum war, an dem man sich festhalten konnte und sagen konnte, ich bin beschnitten, ich bin Jude, ich gehöre zum Volk Gottes. Die Beschneidung nämlich hat nur Wert, wenn du das Gesetz hältst. Bist du ein Übertreter des Gesetzes, so ist deine Beschneidung zur Unbeschnittenheit geworden. Mit anderen Worten, die Beschneidung ist eigentlich ohne besonderen Wert. Sie war eingesetzt worden in 1. Mose 17 eigentlich als Zeichen des Glaubens an Gott und sie war ein heißes Eisen in der damaligen Zeit. In fast allen Gemeinden wurde darüber diskutiert, bei den Judenchristen soll man jetzt die Heiden beschneiden oder nicht. Galater gibt davon ja reiche Auskunft von dieser Debatte und die Heiden wurden oft auch einfach nur als die Unbeschnittenen bezeichnet. Paulus macht jetzt einen genauen interessanten Punkt. Er sagt, wenn du dich beschneiden lässt und sagst, ich gehöre zu dem Volk des Buches, ich gehöre zu dem Volk des Gesetzes, dem Volk, dem Gott das Gesetz Gottes gegeben hat, dann musst du auch das Gesetz halten. Weil wenn du es nicht hältst, wenn du es übertrittst, wenn du sündigst und du bist beschnitten, bist du eigentlich unbeschnitten. Das heißt de facto sind die Juden genauso unbeschnitten, weil sie nämlich genau dieselben Sünden tun wie die Heiden. Gott macht keinen Unterschied zwischen sündigen Heiden, die äußerlich unbeschnitten sind und äußerlich beschnittenen Israeliten, die dieselben Sünden tun. Jeremiah 9, Vers 24. Deswegen sagt auch Stephanus beim Hohen Rat, ihr seid unbeschnitten an Herz und Ohren, weil sie gegen den Heiligen Geist streben, der alleine in ihnen den Gehorsam im Herzen bewirken würde.

[38:25] Vers 26, Paulus führt dieses Argument weiter aus. Wenn nun der Unbeschnittene die Rechtsbestimmung des Gesetzes befolgt, wird ihm dann nicht seine Unbeschnittenheit als Beschneidung angerechnet werden. Wieder haben wir dieselbe Idee wie schon vorher in Vers 13 und 14. Jemand, der nicht beschnitten ist, aber Gottes Gesetz im Inneren hält, der gilt vor Gott als de facto beschnitten. Jesaja 56. Gott nimmt die Heiden an, wenn sie ihn lieben, ihm dienen und seinen Sabbat halten, egal ob sie beschnitten sind oder nicht. Und Matthäus 8. Viele, die nicht zum Volk Israel gehören, werden mit Abram, Isaac und Jakob die Verheißung empfangen. Die geistliche Beschneidung des Christus, so sagt Kolosser 2, Vers 11, das ist auch Paulus interessanterweise, sorgt dafür, dass der fleischliche Leib der Sünde abgelegt wird. Und dann ist Gehorsam die natürliche Folge. Um diese Beschneidung geht es dem Paulus im Römerbrief. Das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünde. Es geht nicht darum, dass die Menschen theologische Wahrheit wissen und dann weiter sündigen, sondern es geht darum, dass sie errettet werden von der Sünde durch die Kraft des Evangeliums.

[39:39] Das Argument wird von Paulus weiter zugespitzt in Vers 27. Und wird nicht der von Natur Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, dich richten, der du trotz Buchstabe und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist, mit anderen Worten, der Unbeschnittene, der das Gesetz Gottes durch den Heiligen Geist im Herzen hält, steht weit über dem, der das Gesetz Gottes zwar kennt, aber trotzdem übertritt. Am Ende ist also die Beschneidung eigentlich nur ein äußeres Zeichen, das an sich für sich genommen keine große Bedeutung hat. Jesus sagt dann in Matthäus 12, dass Ninive und die Königin von Saba, die jüdischen Zeitgenossen von Jesus im Gericht richten werden.

[40:33] Vers 28 und 29. Aufgrund all dessen kommt jetzt Paulus zu einer äußerst kühnen Definition des biblischen Begriffes Juden. Diese Definition sollte dann später mitbedacht werden, wenn man dann in Kapitel 19 und 11 sich nochmal ausführlich mit Israel beschäftigen wird. Er formuliert das auf zweierlei Weisen. Vers 28 zeigt er, was einen Juden nicht ausmacht, obwohl das oftmals so zu seiner Zeit gedacht worden ist und auch heute noch manchmal so gedacht wird. Und dann sagt er in Vers 29, was die biblische Definition eines Juden ist. Also erst einmal negativ formuliert. Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht. Auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht. Also äußerlich, äußerliche Kennzeichen Beschneidung machen keinen Juden. Nicht jeder Israelit gehört zu Israel, sagt er später in Römer 9. Gott selbst sagt in Jesaja 1, dass Israel eigentlich Sodom und Gomorra ist und eine Berufung auf ethnische Abstammung ist nutzlos, so sagt Johannes der Täufer in Matthäus 3, Vers 9.

[41:36] Positiv formuliert klingt das so in Vers 29, sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott. Denn Gott schaut auf das Herz, nicht auf die Augen. So wissen wir das schon von David in 1. Samuel 16. Psalm 73, Vers 1, einen wahren Israeliten erkennt man an dem reinen Herzen. Nathanael war so ein wahrhaftiger Israelit, in dem keine Falschheit war. Die Pharisäer waren zwar ethnisch abstammend von Abraham, waren aber innerlich böse, Lukas 11, Vers 39. Was Gott schätzt, ist nicht eine äußere Beschneidung, sondern ein sanfter und stiller Geist. Und diese Herzensbeschneidung ist keine neue Erfindung des Paulus, sondern es ist das Evangelium schon im Alten Testament. Wir finden in 5. Mose 10, in Jeremia 4 immer wieder die Hinweise darauf, dass Gott sagt, beschneidet euer Herz. Er verheißt sogar in 5. Mose 30, Vers 6, dass er selbst die Herzen beschneiden wird, sodass die Gläubigen ihn von ganzem Herzen lieben werden. Und wir wissen ja von Jesus, wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.

[42:41] Im Geist, das heißt hier wird deutlich, dass ohne den Heiligen Geist nichts zu machen ist. Jesus sagt, dass wir wieder geboren werden müssen aus Wasser und Geist. Es gibt einen Kontrast zwischen dem Buchstaben, das heißt der Kenntnis, der intellektuellen Kenntnis von schwarzen Buchstaben auf weißem Papier oder Einritzung in einer Tontafel und dem, was der Geist wirklich in meinem Leben bewirkt. Dieselben Prinzipien, da gibt es einen Kontrast. So macht es Paulus immer wieder deutlich, wer Gott im Geist anbietet, so sagt es Philippa 3, Vers 3, der ist de facto beschnitten.

[43:21] Nach all dem könnte man die Frage stellen, ja wozu hat es überhaupt das Volk Israel, das ethnische Volk Israel gegeben? Paulus stellt genau diese Frage in Römer 3, Vers 1. Was hat nun der Jude für einen Vorzug oder was nützt die Beschneidung? Und er beantwortet seine Frage zum Glück selbst in Vers 2 viel in jeder Hinsicht. Denn vor allem sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden. Es war also eine von Gott durchaus gute und richtige Bestimmung, so ein ethnisches Volk Israel zu haben, so ein sichtbares Volk Israel, wissend, dass nicht alle, die dort dazugehören, tatsächlich auch im Herzen beschnitten sind. Warum? Gott hat hier ein Volk gehabt, dem er die Aussprüche Gottes geben konnte. Sie kannten den offenbarten Willen Gottes, so haben wir in Vers 18 gelesen. Er hat sie zu einer unvergleichlichen Nation gemacht, 5. Mose 4. Er hat ihnen sein gutes Gesetz offenbart, Nehemiah 9. Kein anderes Volk kannte Gottes Willen so sehr wie Israel, Psalm 147. Und das, was sie bekommen hatte, wies sie ja auf Jesus hin. Das sagt Jesus ganz deutlich in Johannes 5, Vers 39, ihr forscht die Schriften und meint in ihnen ewiges Leben zu haben und sie sind es, die von mir Zeugen. Denn das inspirierte Wort Gottes, so sagt er Paulus auch an Timotheus, enthielt ja alles, was das Evangelium ausmacht. Es enthielt alles, was wir wissen müssen.

[44:41] Das Wort anvertraut ist sehr interessant, denn dieses selbe Wort wird dann im Neuen Testament verwendet, um zu beschreiben, wie den Aposteln die Botschaft des Neuen Testamentes anvertraut worden ist. Das heißt, so wie Gott dem Petrus und dem Johannes und dem Paulus die Botschaft von Jesus und dem Kreuz und der Auferstehung anvertraut hat, hat er auch den Juden die Botschaft vom Evangelium dargestellt durch den Heiligtumsdienst, dargestellt durch die Prophezeiung, dargestellt durch den Opferdienst und so weiter, hat er ihnen das Evangelium anvertraut. Daraus folgt, wenn die Juden dasselbe Evangelium hatten wie auch im Neuen Testament, was wir aus Römer 1, Vers 1 und 2 wissen, dann hätten sie auch dasselbe tun müssen, was er Paulus mit diesem Evangelium getan hat, nämlich allen, den Heiden und den Juden, den Barbaren, den Waisen, dieses Evangelium zu verkündigen, damit alle Menschen zum Glaubensgehorsam finden, so wie Paulus das in Römer 1, Vers 1 sagt. Aber genau das haben sie nicht getan. Und das ist das Problem. Sie haben das Wort Gottes gehabt und das war gut und es brauchte eine sichtbare Gemeinde sozusagen, damit die Heiden jemanden haben, der ihnen das Evangelium bringt. Aber genau das haben sie nicht getan.

[46:03] Und Paulus spielt jetzt auf dieses Versagen, dieses größtenteils Versagen des jüdischen Volkes an, wenn er sagt in Vers 3, wie denn, wenn auch etliche Untreue waren, hebt etwa ihre Untreue, die Treue Gottes auf. Mit anderen Worten, wenn die Juden das Evangelium nicht geglaubt haben im Alten Testament, bedeutet das dann, dass das Evangelium nicht mehr gilt? Man könnte auch anders formulieren. Was wäre passiert, wenn Paulus und Petrus und Johannes abgefallen wären vom Glauben? Hätte das das Evangelium verändert? Denn es steckt die Idee, dass das Wort Gottes unabhängig gilt, unabhängig von dem moralischen Charakter dessen, der das Wort Gottes predigt. Das ist ein sehr wichtiger Gedanke. Das Wort untreu hier in Vers 3 kann besser übersetzt werden mit ungläubig. Die Bibel sagt uns Hebräer 4, Vers 2, dass die Juden dasselbe Evangelium, das Volk Israel dasselbe Evangelium gepredigt bekommen hat, aber es nicht geglaubt hat. Und deswegen hat es nichts geholfen. Aber das führt nicht dazu, dass das Evangelium aufgehoben ist. Denn Gott lügt nicht, so 4. Mose 23. Und Gottes Wort kehrt nicht leer zu ihm zurück, sondern führt aus, wozu er es gesandt hat, Jesaja 55. Weil Gott treu ist, selbst wenn wir untreu sind. So sagt es so schön 2. Timotheus 2, Vers 13. Wenn wir untreu sind, ist er doch treu. Er kann sich nicht verleugnen.

[47:29] Und Paulus beantwortet also seine Frage direkt in Vers 4. Er sagt, das sei ferne. Eine ganz typische Phrase von Paulus, die wir noch oft im Römerbrief finden werden. Er sagt, vielmehr erweist sich Gott als wahrhaftig. In jedem Fall, egal ob das Evangelium von dem Verkündiger selbst geglaubt wird oder nicht, kann man am Ende immer nachweisen, dass Gott wahrhaftig ist. Jeder Mensch aber als Lügner, wie geschrieben steht, damit du recht behältst in deinen Worten und siegreich hervorgehst, wenn man mit dir rechtet. Dass Gott wahrhaftig ist, finden wir durch die ganze Bibel, 5. Mose 32. Gott ist ein Gott der Treue. Seine Gnade und Treue gelten für alle Zeiten. Titus 1, Vers 2. Gott kann nicht lügen. Wer nicht an Gott glaubt, der stellt ihn zwar als Lügner dar, aber das ist er nicht. Und alle Menschen sind Lügner, so auch Psalm 116, Vers 11. Paulus zitiert hier aus Psalm 51.

[48:23] Und da lohnt es sich, ganz kurz den Kontext anzuschauen, wenn wir das aufblättern im Psalm 51 und dort Vers 6. Da geht es natürlich um den Bußpsalm, den David geschrieben hat, wegen der Sünde mit Bathseba, nachdem Nathan ihn überführt hat und die Güte Gottes ihn zur Buße geleitet hat. Dann bittet Gott um Vergebung, er nimmt das Evangelium, das wahre Evangelium in Anspruch. In Vers 3 und 4 bittet er um Gnade, Barmherzigkeit, um Reinwaschung von der Schuld. Und dann sagt er in Vers 5, denn ich erkenne meine Übertretung und meine Sünde ist alle Zeit vor mir. Dann kommt ein kleiner Einschub in Vers 6a, an dir allein habe ich gesündigt und getan, was böse in deinen Augen. Und dann kommt 6b, damit du Recht behältst, wenn du redest. Dieses damit du Recht behältst bezieht sich nicht, an dir habe ich gesündigt, damit du Recht behältst, sondern es bezieht sich darauf, ich erkenne meine Übertretung, damit du Recht behältst. Mit anderen Worten, David sagt, ich bin schuld, es ist mein Vergehen gewesen, du Gott hast mich nicht dahin geleitet, du hast mich nicht verführt, du bist gerecht. Was David ausdrücken möchte ist, obwohl ich, der ich ein Prophet Gottes bin, der ich das Wort Gottes anderen gesagt habe, gesündigt habe, möchte ich sehr deutlich machen, dass Gott mit meiner Sünde nichts zu tun hatte. Es ist allein meine Schuld. Gott ist immer noch genauso treu und verhaftig und vertrauenswürdig, obwohl ich gefallen bin. Interessant ist, dass Paulus in der Übersetzung, hier natürlich der griechischen Übersetzung, dann das Wort rein, hier im Römer übersetzt wird, mit siegreich hervorgehen, Überwinder sein, bezieht sich im Griechischen auf einen Gerichtsfall, wo man freigesprochen wird, wo man Recht bekommt. Das ist natürlich auch für uns interessant, die wir auch überwinden sollen, die wir siegreich leben sollen, die wir rein sein sollen.

[50:17] Mit anderen Worten, wenn Menschen das Evangelium kennen und vielleicht sogar anderen predigen und selbst sündigen, ist das, brauchen sie einen Erlöser. Aber das ändert nichts an der Wahrhaftigkeit des Evangeliums. Manche Menschen lehnen das Evangelium ab, weil die Verkündiger in schwere Sünden gefallen sind. Aber Paulus macht ja deutlich, das Evangelium, das den Juden gegeben worden ist, ist eins zu eins gültig und wird eintreffen, selbst wenn die Juden es an vielen Stellen selbst nicht umgesetzt haben oder nicht geglaubt haben. Genauso, wenn heute Menschen die Bibel gut kennen und nicht danach leben, gilt trotzdem die Bibel. Wir können uns nicht daran festhalten, dass viele die Bibel kennen, falsch leben, schlecht leben, gottlos leben. Das Wort Gottes gilt unabhängig als wahrhaftig, auch wenn alle Menschen Sünder sind, selbst die, die das Wort Gottes kennen. Und damit wird ein wesentlicher Punkt beantwortet, der für viele Menschen ein Hindernis ist, sich mit der Bibel zu beschäftigen, weil sie immer die Christen sehen, die die Bibel kennen und auch nicht umsetzen.

[51:18] Vers 5. Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit beweist, was sollen wir sagen? Ist Gott etwa ungerecht, wenn er das Zorngericht verhängt? Ich rede nach Menschenweise. Das ist auch eine Formulierung von Paulus, die er oft gebraucht. Er will hier sozusagen zeigen, wie ein Mensch, der sich in geistlichen Dingen jetzt nicht wirklich gut auskennt, vielleicht die Sache sehen könnte. Menschliche Logik könnte vielleicht ableiten, dass wenn Menschen sündigen und trotzdem, trotz der Sünde des Menschen Gottes, Gerechtigkeit sich ja trotzdem offenbart durch das Evangelium, wie wir es ja auch beim Psalm 51 sehen, warum bestraft Gott dann die Sünde? Ist es nicht ungerecht, dass er die Sünde bestraft, wenn er doch trotzdem, trotz der Sünde, seine Gerechtigkeit offenbar wird? Und dieses Zorngericht, das hier erwähnt wird, bezieht sich natürlich auf das Zorngericht, das er vorher in Römer 1 und 2 so ausführlich beschrieben hat, wörtlich, der den Zorn zufügt. Paulus hat also die Tatsache des Gerichtes schon gelegt, aber jetzt soll die Rechtmäßigkeit noch mal kurz hier angesprochen werden. Interessanterweise wird das in der Offenbarung auch noch mal aufgegriffen, wenn in den sieben letzten Plagen eindeutig gesagt wird, dass Gott wahrhaftig und gerecht ist in seinem Gericht, so auch in Offenbarung 15 Vers 3.

[52:47] Paulus selbst verneint auch diesen Gedanken sehr emphatisch wieder in Vers 6, selbe Formulierung, das sei ferne. Wie könnte Gott sonst die Welt richten? Er sagt also, wenn das so wäre, wie jetzt ein Mensch denken würde, dann gäbe es keine Grundlage für das Gericht. Aber die haben wir bereits deutlich gelegt in Kapitel 1 und Kapitel 2 und zeigt also, dass dieser Gedanke absurd ist und dem biblischen Zeugnis widerspricht. Denn es gibt ein Gericht und das haben wir bereits ausführlich angesprochen. Mit anderen Worten könnte man also diesen Gedanken auch so ausdrücken, die Tatsache, dass Gott auf krummen Linien gerade schreiben kann, ändert nichts daran, dass die krummen Linien dennoch ins Gericht kommen. Das Gericht ist eine Realität und Römer 1, Römer 2 und Römer 3 erwähnen alle diese absolute theologische Grundwahrheit, dass Gott ein Gericht halten wird, basierend auf unseren Werken, basierend nicht auf der Kenntnis des Gesetzes, sondern basierend auf der Befolgung des Gesetzes und zwar basierend auf der Tatsache, dass auch jemand, der das Gesetz Gottes nicht schriftlich kennt, es trotzdem halten kann, weil der Heilige Geist an jedem Menschen wirkt. Wir glauben, dass dieses Gericht seit 1844 begonnen hat. In Daniel 7, 8 und 9 Offenbarung 14 kann man das nachrechnen und nachstudieren und deswegen hat dieser Römer eine so unglaubliche Relevanz, eine so praktische Aktualität für unsere Zeit. Es ist die Botschaft, deswegen heißt Offenbarung 14 auch das ewige Evangelium und in der nächsten Woche wollen wir weiter studieren, wie angesichts der Unausweichlichkeit des Gerichtes Gottes, bei dem es nur zwei Optionen gibt, ewiges Leben oder Zorn, wir ewiges Leben haben können, die wir alle, egal ob wir die Bibel nicht kennen oder doch kennen, Sünder sind, wie wir jetzt deutlich und unmissverständlich gesehen haben. Bis dahin wünsche ich euch Gottes Segen und freuen uns, wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet hier auf Jule Media TV zum Reformationsspezial der Cannstatt Study Hour. Gottes Segen für euch!


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