In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ tauchen wir in die Ereignisse der Jahre 1825 und 1826 ein. Wir verfolgen die abenteuerlichen Reisen des Missionars Josef Wolff durch den Nahen Osten und erfahren von den spirituellen Entwicklungen bei Joseph Bates in Südamerika. Die Folge beleuchtet auch wichtige Ereignisse in Europa, wie die Gründung der ersten Eisenbahn und die Anfänge der europäischen Adventbewegung, die in der Albury Park Konferenz ihren Höhepunkt findet.
Die Zeit des Endes: 16. Albury Park (1825 – 1826)
Christopher Kramp · Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er) ·Themen: AdventgeschichteWeitere Aufnahmen
Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)
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Transkript
[0:00] Einen wunderschönen guten Abend. Heute hier live aus Stuttgart Bad Cannstatt. Bei hochsommerlichen Temperaturen haben sich einige noch aus dem Haus getraut und sind hierher gekommen. Alle anderen versuchen es zu Hause oder bei einer späteren Aufzeichnung. Seid herzlich willkommen auf joelmedia.de und seid natürlich herzlich willkommen heute hier zu unserer nächsten Folge von "Die Zeit des Endes". Heute haben wir ganz enorm viel vor und wir werden gar keine lange Vorrede halten. Unser Thema wird sein Albury Park 1825-1826. Wir werden mit einem Gebet starten und dann direkt hineingehen. Möchte ich einladen dazu mit mir zu beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir zu dir kommen können und dass wir von dir lernen dürfen. Und wenn wir das Leben von einigen Männern und Frauen betrachten, die du geführt hast durch die Jahre und Jahrzehnte hindurch, um dein Wort und dein Werk besser zu verstehen, so bitten wir dich um Weisheit, damit wir erkennen können, wie du deine Gemeinde führst und wie die Wahrheit entdeckt worden ist Schritt für Schritt. Und wir danken dir im Namen Jesu. Amen.
[1:04] Wir müssen eigentlich noch etwas nachtragen aus dem Jahre 1824, obwohl wir heute mit 1825 beginnen. Es gibt nämlich noch einige kleine Geschichten zu erzählen von Josef Wolf aus dem Jahre 1824, die sozusagen dann hinführen auf das, was 1825 passiert ist. Im Jahre 1824, in den letzten Monaten, hat er nämlich eine weite Reise unternommen von Aleppo in Syrien, wo wir ihn das letzte Mal gesehen hatten, bis nach Shiraz in damals Persien, heute Iran. Also die Ländergrenzen, die dort angezeichnet sind, gab es natürlich damals nicht. Das war alles osmanisches Reich hier und es war eine viele Monate währende Reise. Er hat hier bei Biri den Euphrat überquert, ist dann nach Orfa gekommen, das damals man noch für das Ur aus Chaldäa gehalten hat. Man wusste damals noch nicht, es gab noch kaum Archäologie, dass Ur in Wirklichkeit da gelegen hat und nicht da. Und so glaubte er, diesen Ort, den Heimatort von Abram, gefunden zu haben. Als er dort in Orfa ist, passiert etwas Interessantes. Ein tartarischer Abgesandter des Sultans kommt aus Konstantinopel, um den Tribut einzufordern und die Bewohner von Orfa sind ganz entsetzt, weil seit 25 Jahren haben sie keinen Tribut zahlen müssen. Und was macht man dann mit dem Abgesandten des Sultans? Man hängt ihn auf. In Orfa hat er sich dann auch mit den Jakobitern beschäftigt. Weiß jemand, wer die Jakobiter sind? Die Jakobiter sind eine Ostkirche, eine christliche Kirche im Osten, die sich von Jakobus herleiten, nach ihrer eigenen Tradition und die ethnisch wohl zu den Israeliten gehören. Von dort reist er dann weiter nach Haran. Dort besucht er das Grab von Terach, der dort ja damals gestorben ist, viele Jahrtausende vorher. Und dann weiter nach Padan Aram. Irgendwann wird der Weg aufgrund der vielen Regenfälle so unübersichtlich und so unauffindbar, dass man eigentlich gar nicht mehr weiß, wo man lang gehen muss in der Wüste. Und dann finden sie einen Kurden und fragen ihn: "Könntest du uns bitte sagen, wo der Weg lang geht?" Der Kurde sagt: "Du musst mir erst Geld geben." Wolf gibt ihm einen Taler Geld, darauf reitet der Kurde weg. Und er sagt: "Hey, gib mir den Taler zurück!" Und er sagt: "Naja, wenn du diesen Taler sehen willst, dann wirst du niemals sterben." Und dann treffen sie noch eine andere Kurdin, die ihnen genau das gleiche macht. Und dann entscheiden sie sich, sie gehen einfach auf gut Glück und werden dann kurze Zeit später von Kurden gefangen genommen, an eine Oase gebracht. Und Wolf, wie es seine Gewohnheit ist, Josef Wolf, fängt an mit den Kurden aus der Bibel zu lesen und mit ihnen zu predigen. Und einer seiner Karawanen-Mitreisenden steckt dann den Kurden, dass es sich hier um einen christlichen Missionar handelt. Und diese Kurden gehören zu den Jesiden, den Teufelsanbetern. Und als sie hören, es ist ein christlicher Missionar, flippen sie aus, rauben ihn komplett aus und geben ihm 200 Schläge auf die Fußsohlen. Daraufhin kann er nicht mehr laufen, hat auch nichts mehr, was er tragen kann. Er wird von der Karawane dann auf den Rücken eines Maultieres gebunden und reist dann mit der Karawane weiter nach Mardin, hier oben im Norden. Und auch dort begibt er sich in die Obhut der Jakobiter. Unter den Jakobitern gibt es zu der Zeit gerade einen heftigen Streit, wann man und wie lange fasten sollte. Und Josef Wolf schlichtet diesen Streit, indem er Jesaja 58 liest und ihnen erklärt, dass das wahre Fasten nicht aus Abstinenz von Essen besteht, sondern aus gutem Tun. Und dort in Mardin hat er einen ganz folgenschweren Fehler gemacht. Er hat gerade eine Diskussion mit den Jakobitern und den Katholiken und jedes Mal, wenn es so hitzig wird und er diskutiert, hat er eine ganz schlechte Angewohnheit. Er hat die Angewohnheit schon aus alten Zeiten, dass wenn er ganz erregt wird, er Papier kaut. Er nimmt Papier, beißt rein und kaut darauf rum. In dem Moment hat er nicht realisiert, dass das Papier, auf das er kauen wollte, auf der Rückseite ein Bild von Jesus hatte. Und als das dann die Gesprächsteilnehmer sehen, dass er auf dem Bild von Jesus rumkaut, was er selbst nicht bemerkt hat, flippen die völlig aus und beschuldigen ihn, er würde ein Antichrist sein und so weiter und schmeißen ihn aus dem Ort förmlich heraus. Und er kann sie kaum richtig beruhigen. Jedenfalls trifft er dort, diesem Ort, auch eine andere Gruppe von Jakobitern, eine kleine Untergruppe der Jakobiter, die eigentlich gar keine Christen sind, sondern die Sonnenanbeter sind, die aber vor Jahrhunderten einfach den Jakobitern sich angeschlossen haben, weil man sie ansonsten hätte ausrotten. Und wenn man sie fragt, seid ihr Christen? Dann sagen sie ja. Und wenn man sie fragt, wen sie wirklich anbeten, dann erzählen sie von Sonne, Mond und Sterne, von ihrem großen Malech, dem König, die Sonne. Und Wolf glaubt dann, es handelt sich um Nachfahren der alten, alttestamentlichen Moloch-Anbeter. Dann jedenfalls weiter von Mardin aus reist er mit einer großen, 5000 Mann starken Karawane Richtung Bagdad. In der Nähe kommen sie an einem ganz schrecklichen Ort vorbei, an dem sogenannten Schrecken aller Karawanen. Ein Ort, wo am Berg Sanja, wo ebenfalls Jesiden, die sogenannten Teufelsanbeter wohnen. Und sie bleiben da nicht lange. Selbst mit 5000 Mann ist es da kein geheurer Ort. Und auf der Weiterreise sterben dann 20 Maultiere an Wassermangel. Und als sie dann irgendwann in Bagdad ankommen, Verzeihung, in Mosul ankommen, ist Wolf schon ziemlich fertig mit den Nerven. In Mosul, das ist hier, in der Nähe des alten Ninivehs, wird er von Jakobitern überzeugt, dass nach der Bibel man eigentlich kein Schweinefleisch essen sollte. Und bis zu seinem Lebensende hat er das so als die Wahrheit angesehen, der Josef Wolf. Er verteilt dort auch neue Testamente an die Juden, wird von den Christen heftig kritisiert. Und dann geht es weiter bis nach Bagdad. Und in Bagdad ist er so völlig erschöpft, dass er fast denkt, er muss sterben.
[7:07] Dort in Bagdad bleibt er einen Monat, predigt zu den Juden und verteilt hunderte von Bibeln. Auf dem Boot geht es dann weiter auf dem Tigris, Richtung Bassora, dem heutigen Basra. Und auch dort predigt er. Er trifft dort auch auf die alten Sabäer, die sich als die Nachfahren oder die ehemaligen Jünger von Johannes dem Täufer verstehen und die alle Beschneidung und alles Fleischessen ablehnen. Und dort in Bassora gründet er auch eine christliche Schule und reist dann weiter hier nach Persien, unter anderem nach Buschehr, wo ebenfalls eine Schule gegründet wird. Und dann über Bassora und Katsrun in das besagte Schiras. Und da treffen wir ihn jetzt im Januar 1825. Und Schiras war eine ganz berühmte Stadt, hochgebildet. Und in diesem Teil des Osmanischen Reiches, da sind die Schiiten und auch die Sufis. Und Wolf hat lange Gespräche mit diesen muslimischen Gruppen und predigt unter anderem auch in den Ruinen von Persepolis zu Tausenden von schiitischen Muslimen. Und naja, hat er wirklich ein Abenteuer nach dem anderen erlebt.
[8:22] Wir springen ganz kurz von Josef Wolf zu Josef Bates. Der befindet sich immer noch in Südamerika, in Brasilien, handelt dort mit verschiedenen Lebensmitteln und ist ja seit einiger Zeit auf dem Weg, ein Christ zu werden und hat sein Leben Gott übergeben. Und in dieser Zeit, Anfang 1825, ist es seine Gewohnheit, wann immer er Zeit hat, frühmorgens in den Dschungel zu gehen, in den Regenwald und dort Andacht zu machen. Er liest dort die Bibel, er betet und was für einen schöneren Ort gibt es als für seine Morgenandacht, sich in den Dschungel zu begeben. Manchmal klettert er auf die Bäume, weil er Angst hat vor den Reptilien, die da manchmal so kommen. Aber ansonsten sagt er, es war eine der schönsten Zeiten seines Lebens. Und er findet unter all den Katholiken niemanden, mit dem er dort über den Glauben sprechen kann. Und nach wie vor ist er nur selbst und mit sich und kann niemandem sagen, wie er sich fühlt und ob er jetzt schon bekehrt ist oder nicht. Und endlich kommt ein amerikanischer Kapitän dann in Brasilien an und mit ihm kann er zum ersten Mal, seit er den Bund mit Gott geschlossen hat, mit einem bekennenden Christen sprechen. Und er entwickelt dort richtig die Gewohnheit, jeden Tag am frühen Morgen Andacht zu machen. Das hilft ihm sehr, sehr viel.
[9:31] Im Januar 1825 ist dann auch diese Expedition, von der wir letztes Mal gesprochen haben, zu Ende gegangen, in Australien. Man hat ein bisschen mehr das Hinterland Australiens entdeckt. Und Josef Wolf macht sich dann im Februar auf, von Schiras jetzt nach Isfahan, hier durch das persische Bergland. Also wirklich in Gebiete, in denen vorher so gut wie kein Missionar jemals gewesen ist. Nur Henry Martyn war vorher da und hat schon die ersten Pionierarbeit gemacht. Und auch dort erlebt er ganz außergewöhnliche Dinge. Er bleibt dort einen Monat und predigt zu den Armeniern und zu den Juden. Ebenfalls im Februar kommt es zu einer der größten Flutkatastrophen in der Nordsee jemals. Die sogenannte Halligflut 1825 kostet 800 Menschen das Leben. Hamburg, das ist hier übrigens Hamburg, weiß nicht, ob man es sehen kann, die Deiche brechen auf allen Ebenen. Teile Sylt gehen unter. Und diese Flut ist der Grund dafür, dass Nord-Dänemark-Jütland ab diesem Zeitpunkt bis heute eine Insel ist, wird abgetrennt vom Festland.
[10:45] Im März reist dann Wolf noch weiter von Isfahan nach Teheran. Und dort in Teheran wird er wiederum das Zentrum von allgemeiner Aufmerksamkeit. Egal wohin kommt und weil er mit allen Religionen dort redet und spricht und auch meistens die Sprachen beherrscht, sind alle Leute völlig baff, wenn sie ihn sehen. Und unter allen Gelehrten gibt es großes Aufsehen, als er kommt. Sogar die Prinzessin des persischen Königs erbittet sich von Wolf ein Neues Testament. Als er dann von Teheran hier nach Kasvin kommt, dort residiert zu dem Zeitpunkt der persische König. Und wie gesagt, die Prinzessin möchte von Wolf ein Neues Testament haben. Von dort reist er noch weiter über Kasvin dann nach Täbris Richtung Kaukasus. Und dort wird er ebenfalls förmlich angefleht, eine christliche Schule zu gründen. Von Täbris geht es dann weiter hier über Salmas nach Urmia. Und überall predigt er zu Tausenden von Muslimen, verteilt Bibeln. Und dann geht es wieder zurück nach Täbris. Von dort geht es dann weiter nach Jerewan. Und Jerewan, das ist Armenien. Ganz in der Nähe ist der Ararat, wo man damals vermutet hat, auf dem Berg Ararat, dass dort die Arche ist. Heute weiß man wahrscheinlich sie dort nicht. Aber dort in der Nähe, in Etschmiadsin, gibt es einen Ort, wo angeblich Holz von der Arche ist. Und das schaut er sich natürlich auch an.
[12:14] Weiter reist er dann nach Tiflis, Georgien. Und dort kommt er dann an einigen Dörfern vorbei, die ihm ganz bekannt vorkommen. Denn dort im Kaukasus gibt es etliche Deutsche, die aus Württemberg ausgesiedelt waren, weil sie sich für die Gemeinde in der Wüste hielten. Das waren Menschen, die an die baldige Wiederkunft Jesu glaubten. Unter anderem durch das Wirken von Bengel und von Ignaz Lindel und anderen, die jetzt hier im Kaukasus so württembergische Dörfer gehabt haben. Das heißt, direkt aus Persien kommend, muss Wolf jetzt wieder auf Deutsch predigen. Und er freut sich dort Adventgläubige zu finden, mitten im Kaukasus. Er predigt dort auf Deutsch, auf Englisch und sogar auf Jiddisch zu den polnischen Juden dort. Und er erkrankt dort an Typhusfieber, entscheidet sich aber trotzdem, den Kaukasus zu überqueren. Und als er dann in, wie heißt der Ort, in Wladikawkas ankommt, ist er so beinahe tot, dass er keinen Schritt weitergehen kann. Er legt sich auf die Straße und sagt seinem Reisegefährten: "Ich werde jetzt hier sterben." Und just in diesem Moment, wie er es so oft erlebt hat, kommt ein britischer Offizier vorbei und nimmt ihn auf und bringt ihn zum nächstgelegenen Ort. Das war nämlich der Ort Modstock. Und dort wird er in ein Kloster gebracht, ein jesuitisches Kloster. Die versuchen, ihn wieder aufzupäppeln, allerdings mit unguten Motiven. Denn immer wenn er unter Delirium ist, wenn jemand krank war, hat man ihm oft Alkohol gegeben. Dann versuchen sie ihn zum Katholizismus zurückzubekehren. Und der Wolf bemerkt das und flieht dann krabbelnd, kriechend aus diesem jesuitischen Kloster. Wird dann von diesem britischen Offizier wieder aufgegriffen und dann zu einem deutschen Arzt gebracht, der sich besser um ihn kümmert. Dann reist er weiter nach Kurs, wie heißt der Ort, genau, Kurskaya und dort bekommt er erneut Fieber und muss erneut gepflegt werden. Dort wird er auch Zeuge, wie deutsche Kinder von Tscherkessen, also ein kaukasisches Volk hier, geraubt werden auf den Kamelen und entführt werden. Also wirklich eine raue Zeit dort.
[14:30] Und dann lassen wir ihn erstmal dort, springen weiter in den März. Am 4. März wurde dann John Quincy Adams US-Präsident, hatte seine Wahl dann doch noch gewonnen, obwohl bei der offiziellen Wahl Jackson mehr Stimmen bekommen hatte, aber keiner hatte die absolute Mehrheit erringen können. So wurde dann im nächsten Jahr nochmal eine Stichwahl gemacht im Repräsentantenhaus. Im Mai wurde eine Denomination in Amerika gegründet, die so ein Gegenpol war zur Erweckung. Noch immer befindet sich Amerika in einer ganz großen religiösen Erweckung und im Mai wurde die sogenannte Amerikanische Unitarische Gesellschaft gegründet oder Assoziation. Das waren vor allem liberale Geistliche, die etwas gegen die Erweckung hatten. Sie mochten keine Erweckung und schon gar nicht diese Emotionalität. Und sie haben eine Denomination gegründet, die freier, freidenkerischer ist und die sich bald gegen alle typischen Wundergeschichten gewandt hat und mehr rational gedacht hat. Zum Beispiel auch gesagt hat, Jesus hat nicht existiert, bevor er geboren wurde und so weiter. Das war so der Beginn des Liberalismus in Amerika zu dieser Zeit, als diese Erweckungsbewegung immer noch anhielt. Ebenfalls im Mai wurde die Amerikanische Traktatgesellschaft gegründet, die es jetzt zur Aufgabe gemacht hat, die verschiedenen lokalen Gesellschaften, die es schon gab, zusammenzuführen, um vor allem die armen Familien mit religiöser Literatur zu versorgen. Wir sehen, wie sowohl pro Erweckung als auch gegen Bewegung sich dort zu dieser Zeit befanden. Am 22. Juni das große, schwere Massaker in Tripolis in Griechenland, wo osmanische Truppen 10.000 Griechen töten.
[16:14] Und eine interessante Geschichte am Rande. Am 30. Juni berichtet William Miller, der immer noch sich nicht traut, über diese Dinge, die er gefunden hat, zu predigen, in einem Brief an eine Schwester von einer interessanten Begebenheit. Und zwar ist in jenen Tagen der alte General Lafayette in Amerika unterwegs. Er war einer der französischen Generäle, die der US-Armee damals geholfen hatten im amerikanischen Bürgerkrieg. Und er wurde von den Amerikanern verehrt als ein Held der Nation. Und als er durch Amerika tourt, wird er auch von William Miller begrüßt. Und sie haben ein Abendessen zusammen, was ein Zeichen dafür ist, dass William Miller zu seiner Zeit eine relativ hochgestellte Persönlichkeit in seinem Ort gewesen sein muss. Relativ bekannt und angesehen. Ansonsten hat Miller vor allem eines vor Augen. Er möchte seine Verwandten, seine Familienangehörigen für Christus gewinnen. Er schreibt Briefe an seine Schwester zum Beispiel und sagt: "Hast du wirklich eine christliche Hoffnung? Bist du dir sicher, dass wenn du stirbst, das alles mit Gott im Reinen ist?" Ich denke, jeder von uns, der zum Glauben gekommen ist, kann sich daran hineindenken, diesen Wunsch, seine Familienangehörigen zu Christus zu führen. Und William Miller in dieser Zeit hat diesen Wunsch. Und er zeigt, oder versucht zu zeigen, dass es wichtig ist, heilig zu leben.
[17:39] Im August stellt der Christian Observer in England gleich zwölf neue Bücher profitiv vor. Nur einige habe ich hier aufgezählt. Zum Beispiel hier eine konzise Auslegung der Offenbarung, soweit die Prophezeiungen bereits erfüllt sind und hier die Krise. Oder ein Versuch aus der Prophezeiung, illustriert durch die Zeichen der Zeit, was die Aussichten und die Pflichten der Kirche Christi sind und was das wahrscheinliche Schicksal Englands sein wird. All das im Jahre 1826, hier von Edward Cooper und von Park. Interessanterweise ist Park vor allem, er sagt nämlich, dass die sechste Posaune bis 1844 geht. Auch er hat dieses Datum. Und für ihn gehen die 1260 Jahre bis 1866. Ansonsten haben sie meistens so die Standardinterpretation von dem Papsttum als dem Antichristen, die zwei Zeugen, das Alte und Neue Testament und so weiter. Und auch Cooper hat so ganz ähnliche Dinge. Er glaubt, dass es im 1867 beginnt und auch er hat 457 als Anfangspunkt für die 70 Wochen.
[18:53] Am 27. September dann eine Weltsensation in England, die erste öffentliche Eisenbahnfahrt. Weiß jemand, wie man die Eisenbahn damals genannt hat? Das eiserne Pferd. Das war nicht viel mehr als Kutschen damals mit so einem eisernen Pferd vorne dran. Von Stockton nach Darlington. Da geht die erste Eisenbahn der Welt. 27. September. Kurz vorher war das noch für unmöglich erklärt worden, aber der technische Fortschritt ist in dieser Zeit rasant. Und auch das ist ein Zeichen der Zeit, so wird es von vielen gesehen. In jener Zeit, im August und September, erklären auch mehrere südamerikanische Nationen ihre Unabhängigkeit. Bolivien, Uruguay. Und Bates bekommt das alles hautnah mit, dort bei seinem Brasilienaufenthalt.
[19:58] Im November ist Joseph Wolff dann am Schwarzen Meer angekommen, in Taganrog. Das ist ganz interessant deswegen, weil an diesem Ort zur gleichen Zeit der Zar Alexander I. residiert. Er ist todkrank und als Joseph Wolff nach Taganrog kommt, dort am Schwarzen Meer, bekommt er eine Nachricht vom Zaren, dass der Zar ihn gerne sehen würde. So berühmt ist Joseph Wolff. Und er freut sich schon darauf, aber in den nächsten Tagen stirbt genau in diesem Haus hier der Zar, bevor Wolff mit ihm gesprochen haben kann. Stattdessen muss Wolff dann zu Tausenden von Deutschen predigen und reist danach auch auf der Krim herum, hier nach Kertsch und nach Theodosia und nach Simferopol. Unter anderem auch hier an einem Ort, wo es eine Gruppe von karäischen Juden gibt. Die haben wir schon kurz mal gesprochen. Die karäischen Juden sind sozusagen die Protestanten unter den Juden. Das sind diejenigen, die den Talmud ablehnen und alle anderen Traditionen, sich nur auf die Bibel berufen. Und zu denen hat Joseph Wolff immer schon ein interessantes Verhältnis gehabt. Die werden auch später für die Adventbewegung ganz wichtig werden, diese Karäer, die hier eines ihrer Hauptzentren haben auf der Kriminsel. Und von dort reist er dann weiter mit der Kutsche nach Odessa. Übrigens, diese Karäer, noch ganz kurz, sind so aufrichtige Juden und so geschätzte Juden, dass obwohl es verboten ist, in Russland Menschen zum Judentum zu bekehren, viele Russen von alleine Juden werden. Einfach nur, weil sie diese Karäer beobachten. Und das ist ganz interessant, weil viele andere jüdische Gruppen ja meistens eher ausgestoßen in der Gesellschaft sind. Aber diese Karäer, in denen sie einfach nur der Bibel folgen und keine Tradition haben, sind so ein gutes Vorbild, dass viele Russen einfach durch ihr Vorbild Juden werden.
[21:45] Aber wie gesagt, der Zar Alexander der Erste, der übrigens ein sehr religiöser Mann gewesen war, der auch in seinen politischen Aktionen immer das Werk Gottes im Auge hatte, fast schon zum Mystizismus neigte, der war gestorben. Und der neue Kaiser war der hier, Nikolaus der Erste. Und der war nicht sehr beliebt. Als bei seiner Amtseinführung am 25. Dezember die russischen Offiziere den Eid auf ihn ablegen sollen, weigerten sich mehrere hundert, das zu tun. Und was macht man mit Offizieren, die sich weigern, den Eid abzuleisten? Die obersten wurden gehängt, die anderen nach Sibirien verschifft. Und damit war der Aufstand zu Ende. Aber das Weihnachten 1825 geht noch wegen einer anderen Sache in die Adventgeschichte ein. Und das hat mit diesem Mann hier zu tun, Edward Irving. Sie haben es ja schon vor kurzem schon mal kurz behandelt. Jener junge schottische Prediger, der zum Star-Prediger von London avanciert war, erhält 1824, 1825, eben zu Weihnachten, seine erste Predigt über die Wiederkunft Jesu. In dieser großen Kirche hier in London. Tausende, wie schon gesagt, Tausende, aber Tausende kommen zu seinen Predigten, sitzen stundenlang vorher auf den Stühlen mit Ticket, um seine Predigt zu hören. Und die geht nicht nur 30 Minuten, sondern meistens drei Stunden. Das waren noch Zeiten, oder? Und wie gesagt, Weihnachten 1825, seine erste Predigt über die Wiederkunft Jesu. Ab diesem Zeitpunkt fängt er an, über dieses Thema regelmäßig zu predigen. Und er wird eine der führenden Figuren in der Adventbewegung Englands. Als dieser Star-Prediger gewonnen wird für die Adventbewegung, da nimmt das ganze Fahrt auf. Gleich im nächsten Jahr, wie wir sehen werden.
[23:37] Zuvor aber noch ganz kurz zu diesen beiden Männern hier. Joshua Himes, das sind beides ältere Bilder dann, wo sie älter sind. Zu dem Zeitpunkt 1825 ist Joshua Himes 20 Jahre alt. Er war dieser junge, talentierte Mann, der als Prediger eingesetzt worden war in der Christian Church. Und er ist jetzt 20 Jahre alt und wird zum Missionar der Vereinigung aller Christian Churches in Süd-Massachusetts ernannt. Er war derjenige, der, wir hatten glaube ich letztes Mal oder vorletztes Mal über ihn gesprochen, der so begeistert war von dem Evangelium, dass er fünf Tage die Woche gearbeitet hat oder vier Tage mit Überstunden und die restliche Zeit Menschen für Christus gewonnen hat. Und er wird jetzt zum Missionar ernannt für seine Kirche in Süd-Massachusetts, wird aber nicht bezahlt. Also arbeitet er trotzdem weiterhin und predigt, so viel er kann. Und auch George Storrs, der später noch für die Adventbewegung in Amerika von großer Bedeutung sein wird. Er beginnt in diesem Jahr seinen Dienst als reisender Prediger für die Methodisten.
[24:48] Ach ja, und noch jemand. Robert Harmon, der Hutmacher, 39 Jahre alt zu diesem Zeitpunkt, zieht mit seiner Familie von Portland, Maine nach Gorham. Robert Harmon hat zu diesem Zeitpunkt mit seiner Frau sechs Kinder. Caroline, Harriet, John, Mary, Sarah und Robert, der in diesem Jahr gerade geboren worden ist. Und ein anderes Kind oder noch ein anderes Kind wird bald folgen hier in Gorham, wo die Familie jetzt 1825 hingezogen ist. Nächste Woche mehr dazu.
[25:16] Ansonsten war das Jahr 1825 auch deswegen bekannt, weil die katholische Kirche ein heiliges Jahr ausrufen lassen hatte. Papst Leo hat das einzige heilige Jahr im ganzen 19. Jahrhundert dort gefeiert und hat eine Jubiläumsmünze rausgegeben. Auf dieser Jubiläumsmünze war auf der einen Seite er selbst zu sehen und auf der anderen Seite die Kirche dargestellt als eine Frau mit einem Kreuz in der Hand und einem Becher. Und darunter stand: "Die ganze Welt ist ihr Sitz." Also die Wunde begann schon ganz wesentlich wieder zu heilen, zumindest im Denken des Papstes. Es war auch das Jahr, wo zum ersten Mal in Preußen mit großem Erfolg Hydrotherapie angewendet worden ist. Und es war das Jahr, wo aus New York eine Weltstadt werden sollte. Das hatte zu tun mit diesem Bauwerk hier, dem Erie-Kanal. Bis zu dem Zeitpunkt war New York eigentlich nur eine größere Provinzstadt gewesen, aber für fast 8 Millionen Dollar war dieser Kanal fertiggestellt worden, der New York mit dem Westen verbinden sollte. Und dadurch ergaben sich nun gewaltige wirtschaftliche Möglichkeiten und New York stieg ganz rasch auf zu einer der größten Städte der Zeit.
[26:38] Springen wir ins Jahr 1826. In diesem Jahr ist Wolf dann von Odessa mit dem Schiff nach Konstantinopel, heute Istanbul, gefahren. Er wollte zunächst auf ein englisches Schiff gehen und hat sich angeboten, dort mitfahren zu wollen. Und der Besitzer des Schiffes sagt: "Nein, du fährst nicht mit. Wir haben keinen Platz für dich." Und Josef Wolf sagt: "Na okay, dann eben nicht" und nimmt sich ein anderes Schiff. Und als sie auf dem Weg auf dem Schwarzen Meer so dahin schippern, kommen sie in schweren Nebel. Und keiner weiß, wo es lang geht. Und Josef Wolf kniet sich nieder und betet und fragt Gott um seinen Schutz. Und sie kommen dann sicher an. Als sie dann ankommen in Konstantinopel, erkundigen sie sich nach dem anderen Schiff und stellen fest, dass dieses Schiff niemals den Hafen erreicht hat, sondern untergegangen ist. Und Josef Wolf ist, glaube ich, ganz froh gewesen, dass Gott ihn hier bewahrt hat. In Konstantinopel hört er dann von einigen Juden, zu denen er in Jerusalem gepredigt hat, die seitdem Christen geworden sind und jetzt nach Konstantinopel gekommen sind. Also er sieht die Frucht seiner Arbeit. Er begibt sich dann auch nach Adrianopel und begeht eine große Dummheit. Denn zu jener Zeit ist in dieser Gegend ja gerade griechische Revolution, die Griechen gegen die Türken. Und die Türken hassen die Griechen und damit alle Christen. Und Josef Wolf hat nichts Besseres zu tun, als inmitten dieser Revolution sich dort auf der offenen Straße hinzustellen und Christus zu predigen. Was zur Folge hat, dass die Muslime völlig austicken und er gerade noch so die Stadt verlassen kann. Eine halbe Stunde später kommen die Janitscharen mit dem Ziel und dem Befehl, ihn in Stücke zu hauen. Aber er kann sich gerade noch wieder nach Konstantinopel retten. Und er bekommt dann von den Armeniern den guten Ratschlag: "Predige erst mal nicht zu den Türken hier in dieser Gegend zu diesem Zeitpunkt." Und er hält sich dran. Er besucht dann auch hier Gebze und dort bekommt er in Kontakt mit den Predigten von jenem berühmten Prediger Edward Irving. Er bekommt dort Bücher über ihn und liest sie und ist ganz begeistert von jenem Star-Prediger dort aus London und möchte ihn gerne mal kennenlernen, sollte er mal wieder nach England reisen. Und weiter geht es dann auch noch nach Izmir, das damalige Smyrna, wo er ebenfalls predigt zu den Juden und Vorträge hält vor den Italienern und den Briten.
[29:24] Dann ist es soweit, im März 1826 kommt Joseph Bates nach langer Reise wieder in New York an. Gleichzeitig war Joseph Wolff von Smyrna losgereist mit dem Schiff Richtung England und Joseph Bates kommt in New York an. Nach langer Reise, wie gesagt, in Südamerika und er hat hier, bevor er in Fairhaven, seinem Heimatort ankommt, zum ersten Mal in der Nähe von London einen Gottesdienst besucht. Er war ja seit einigen Monaten eigentlich schon Christ, aber war noch nie mit seinem Gottesdienst gewesen. Er geht dort in den Gottesdienst der niederländisch-reformierten Kirche und kehrt dann nach Hause zurück. Wiederum 20 Monate war er nicht zu Hause gewesen. Und das Erste, was er jetzt macht, sagt: "Ich will jetzt Christ werden, ich muss jetzt mit meiner Familie Andacht machen." Deswegen nimmt er sich vor, bei der nächstbesten Gelegenheit mit der ganzen Familie am Tisch Andacht zu machen und die Bibel zu lesen. Und er ist gerade dabei, das zu tun, als ein alter Freund an der Tür klopft, der kein Christ ist, und hineinkommt und sich mit ihm unterhalten will. Und jetzt kann man sich vorstellen, wie es ihm ging. Er hat kurz überlegt, ob er jetzt noch Andacht machen soll oder nicht, weil es ist ja vielleicht nicht so angenehm. Und er überlegt, soll er das machen oder nicht. Aber er entscheidet sich trotzdem Andacht zu machen und betet dann mit seiner Familie. Er liest die Bibel, der Freund verlässt relativ schnell wieder das Haus und er ist froh, dass er treu zu seiner Überzeugung steht.
[30:51] Und dann passiert etwas sehr Schönes. Seine Frau versucht ihn zu überreden, dass er wirklich bekehrt ist. Joseph Bates hat das Problem, er hat zwar einen Bund mit Gott gemacht, aber er hat niemals gefühlt, dass Gott ihm seine Sünden vergeben hat. Seit mittlerweile 18 Monaten ist er quasi Christ, aber glaubt nicht, dass er Christ ist. Er glaubt immer noch, irgendwas muss geschehen. Er hat seine Sünden schon bekannt, aber sie sind ihm nicht vergeben worden. Er hat kaum jemanden gehabt, mit dem er drüber sprechen konnte. Und seine Frau sagt: "Joseph, du bist bekehrt, du bist ein Christ." Er sagt: "Das glaube ich nicht, ich fühle es nicht." Und sie sagt: "Wenn du kein Christ bist, dann bin ich auch keine Christin, weil so wie du bist, bin ich auch. Ich habe deine Briefe gelesen, du bist wirklich bekehrt." Er sagt: "Nein, ich glaube es nicht." Und dann wird er von einem Prediger eingeladen, an einen Nachbarort und dort gibt es eine Erweckungspredigt und Erweckungsveranstaltung und es gibt eine Stunde, wo Neubekehrte ihre Zeugnisse geben. Und ein Neubekehrter nach dem anderen erzählt sein Zeugnis, wie er seine Sünden Gott übergeben hat, wie er ein Frieden im Herzen gehabt, wie er die Bibel gelesen hat. Und während er das so hört, überlegt Joseph: "Moment mal, was die da erzählen, das kenne ich doch auch. Genauso geht es mir auch."
[32:02] Schauen wir mal mit seinen eigenen Worten. "Nachdem ich eine Weile diesen einfachen Zeugnissen zugehört hatte, wurde mir klar, dass ich dieselbe Sprache verstand und ich begann zu überlegen und mich selbst zu fragen: Ist das die Bekehrung von der Sünde? Ist es das wirklich? Dann habe ich genau das erlebt." Und dann sagt er was ganz Schönes. Er sagt: "Mein Herz wurde heiß in meinem Inneren." 18 Monate war er eigentlich schon ein Christ gewesen und hat es selbst nicht geglaubt. Und plötzlich merkt der Herr: "Ich bin wirklich ein Christ. Das ist es schon. Ich bin bekehrt. Christus liebt mich." Für etwa 18 Monate hatte ich nicht glauben wollen, dass der Herr meine Sünden vergeben hatte, weil ich nach Beweisen oder Manifestationen seiner Kraft ausschlaggebend, die mich über jeden Zweifel erhaben überzeugen würden. Meine begrenzte Sicht der Bekehrung und mein starker Wunsch, in dieser wichtigen Angelegenheit nicht verführt zu werden, hatten dazu geführt, dass ich die einfache Methode, mit der Gott gnädig herabkommt, um dem schuldigen, bittenden Sünde zu vergeben, übersehen hatte. Er wollte nicht verführt sein, er wollte es irgendwie spüren und hat dabei verpasst, dass Gott ihm schon längst vergeben hatte. Ich glaube, Gott musste wahrscheinlich etwas schmunzeln in diesen 18 Jahren über diesen Joseph Bates, der gar nicht begriffen hatte, dass er schon bekehrt war. Ich glaube, das ist eine interessante Lektion, von der man lernen kann, wenn es um das Thema Bekehrung geht. Und er sagt: "Ab diesem Zeitpunkt kam ein tiefer Frieden in mein Herz." Diese Verse wurden besonders wichtig für ihn. "Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben gekommen sind." Und dieser Vers: "Darum ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." Zu diesem Zeitpunkt ist Joseph Bates jetzt 34 Jahre alt und er preist den Herrn für seine neue Erfahrung.
[33:51] Am 2. Mai wird Maria Isabella von Portugal Königin, anstelle der siebenjährigen Maria der Zweiten, die noch zu klein ist. Und ebenfalls im Mai wird ebenfalls im Christian Observer wird hier wieder schwer diskutiert über die 2300 Abend und Morgen. Seit Jahren ist das das Thema, das in England in den christlichen Zeitschriften diskutiert wird.
[34:12] Und im Mai kommt dann auch Joseph Wolff wieder nach Europa. Nach fast fünf Jahren Nahost-Missionsreise kommt er in Irland, in Dublin an und predigt hier in der Rotunda, in einem Krankenhaus, hält dort Vorträge. Und Irland ist was für eine Denomination, was für eine Konfession? Katholisch. Und als er dort seine Erfahrung berichtet, als Protestant, werden die Katholiken ganz wütend und kritisieren ihn scharf, bezeichnen ihn als Baron Münchhausen, als Lügner und als sonst was. Und Wolf schreibt dann etwas scharfzüngig, er hat auch nicht mit Kritik zurückgehalten, was die Katholiken angeht. Zu diesem Zeitpunkt war er nämlich ganz fest der Überzeugung, dass die katholische Kirche der Antichrist ist und hat das auch dementsprechend nicht zurückgehalten. Er kommt dann nach London auf Einladung von Edward Irving, den er dort persönlich trifft und auch sein alter Weggefährte Henry Drummond, den er ja gesponsert hatte, trifft er dort in London.
[35:33] Und etwas Schönes passiert dort in London, als der Wolf dort ankommt. Er lernt bei einem Dinner eine gewisse Lady Georgiana Walpole kennen. Dazu gibt es folgende Geschichte: Als er als Zwölfjähriger ein Buch gelesen hat über die englische Geschichte von einem Deutschen, da kam der Name eines gewissen Sir Walpole vor. Und er hat sich damals als Zwölfjähriger entschieden: "Sollte ich jemals eine Frau finden, die mit Namen Walpole heißt, werde ich sie heiraten." Er kommt dort in England in dieses Dinner und wird dieser Georgiana Walpole vorgestellt und er erinnert sich daran und sagt: "Ich werde sie heiraten." Und ob er sie geheiratet hat oder nicht, werden wir nächstes Mal sehen.
[36:20] Noch etwas Interessantes. Edward Irving lädt ihn dann zu sich zu Hause ein und sagt: "Du kannst bei mir wohnen, solange du in London bist." Und Wolf sagt: "Es gibt nur ein Problem, ich kann mich selbst nicht rasieren." Das war sein großes Handicap, er hat das ja schon auf der Missionsschule nicht gelernt. Er musste sich mal von anderen rasieren lassen, von Barbieren. Und Edward Irving sagt dann: "Okay, ich werde dir ein Barbier besorgen, wann soll er denn morgen da sein?" Und Wolf sagt: "Um sieben Uhr." Und zu Wolfs großen Überraschung kommt dann am nächsten Morgen um sieben Uhr Edward Irving selbst als Barbier und rasiert ihn. Und das macht er dann immer, sie werden gute Freunde. Allerdings gibt das Ganze auch Anlass zu Spott und Heme. Als sie mal gemeinsam auf der Straße gehen, sehen sie eine Karikatur in einem Zeitungsladen, wo man den großen Prediger Irving sieht, wie er einen Wolf rasiert. Aber Wolf lässt sich dadurch nicht weiter irritieren.
[37:03] In dieser Zeit werden von ihren Freunden Louis Weil und Frere auch eine weitere Missionsgesellschaft gegründet, eine Gesellschaft zur Untersuchung der Prophetie. Und es ist in jener Zeit, dass Edward Irving zum ersten Mal das Werk von La Cunza, "La Venida del Mesías", liest. Und er ist so beeindruckt von diesem Werk, dass er beschließt, das Werk zu übersetzen auf Englisch. Im gleichen Jahr erscheint bereits eine andere englische Übersetzung, die Ackermann Edition. Und damit wird dieses bedeutende Werk von La Cunza jetzt auch in Englisch weit verbreitet, 1826 im Sommer. Es ist zwar nach wie vor verboten in katholischen Ländern, wird aber dort im Untergrund weiter verbreitet. Vor allem in Südamerika, sagt ein Schreiber, von Havanna bis zu den Falklandinseln gab es keinen Ort, wo dieses Buch nicht hingekommen ist. Und wie gesagt, jetzt auch durch Edward Irving wird es verbreitet.
[38:03] Und der Sommer 1826 ist diesbezüglich wahrscheinlich ein Meilenstein in der Adventgeschichte, denn zu diesem Zeitpunkt 1826 entsteht das, was man die europäische Adventbewegung nennt. All diese verschiedenen Leute, Irving, Cunningham, Frere, Bayford, Wolf, und wie sie alle heißen, treffen sich jetzt ab und zu in kleinen Gruppen und sprechen über Prophetie. Etliche Bücher entstehen. Hier Cunningham zum Beispiel schreibt ein Buch, in dem er seine eigene Auslegung korrigiert und von die 2300 jetzt auf 1843 festlegt und frühere Auslegung revidiert. Andere Bücher sind von Edward Irving zum Beispiel hier: "Ein Babylon und Unglaube von Gott verurteilt und dem Schicksal preisgegeben." Oder hier ein anderes Buch von Alexander Keith, "Die Zeichen der Zeit und historische Vorhersagen." Aber es ist zu jener Zeit, als die Adventbewegung in England wirklich zusammenkommt und eine Bewegung entsteht, dass auch der Satan nicht unaktiv ist. Und zur gleichen Zeit im gleichen Jahr entsteht hier ein Buch von Reverend S.R. Maitland, der der erste Protestant in der Geschichte der Kirche ist, der den Futurismus predigt. Futurismus ist jener katholische Auslegung, die sagt, der Antichrist kommt erst noch in die Zukunft. Und es ist genau in diesem Jahr, wo die Adventbewegung in England wirklich große Macht gewinnt und zusammenkommt, dass der erste Protestant auf diese katholische Theologie umschwenkt. Und das hat zur Folge, dass er sagt, der Papst ist nicht der Antichrist und das Tag-Prinzip gilt nicht. All diese Prophezeiungen müssen als Tage und nicht als Jahre verstanden werden. Und auch das ist eine ganz interessante Entwicklung.
[40:06] In jener Zeit schreibt Miller ein kleines Gedicht, ich werde es nicht übersetzen, weil es dauert jetzt zu lange, aber es ist so ein Ausdruck seines Glaubens. Er ist ja so ein bisschen poetisch begabt.
[40:24] Und dann, wir müssen nämlich zum Ende kommen, zwei kleine Dinge noch. Zunächst einmal ist in jedem Jahr das Streichholz erfunden worden. Und es ist ein bisschen symptomatisch für die Zeit, denn Gott sendet in diesem Jahr enormes Licht. Es ist auch das Jahr der ersten Fotografie, die erste Fotografie jemals, die gemacht worden ist. 1826, kann man nicht so viel darauf erkennen. Aber das Licht des Evangeliums, vor allem der Prophetie, wird jetzt sehr, sehr hell scheinen. Fast so hell wie in Stuttgart zu jenen Tagen. Es gab einen Bericht am 14. Dezember, soll angeblich 1826 in Stuttgart drei Sonnen zu sehen gewesen sein. In dieser Zeit gibt es viele solche merkwürdige Berichte. Ob sie wahr sind oder nicht, kann kein Mensch so wirklich sagen. Aber jedenfalls von 39 bis zum Mittag am 14. Dezember soll das so gewesen sein.
[41:13] Übrigens eine Sache noch, bevor wir dazu kommen. Ein deutsches Buch ist im Jahre 1826 auch erschienen. Ignaz Nindl schreibt den "Leitfaden zur einfachen Erklärung der Apokalypse". Also auch in Deutschland war die Adventbewegung agil. Aber das Eigentliche, und das ist das, worum es ja eigentlich heute gehen soll, und in den letzten drei Minuten auch geht, ist das gewesen.
[41:36] Ganz am Ende des Jahres gibt es die erste Prophetiekonferenz der modernen Zeit. Auf Einladung von Henry Drummond, jenem reichen, bekehrten Banker, versammeln sich 20 der besten Prophetieausleger in Albury Park unter der Leitung von Hugh Mac Neill, einem Prediger dort in der Gegend, um gemeinsam ihre verschiedenen Positionen zu besprechen. Zunächst war die Adventbewegung ja im 18. Jahrhundert begonnen, hatte begonnen mit einzelnen Leuten, die hier mal was gesagt haben, da mal was gesagt haben, hier ein Buch geschrieben haben, dann ging es los, dass man sich ausgetauscht hat, Bücher gegeneinander geschrieben hat, füreinander Zeitungsartikel geschrieben hat, und jetzt kommen zum ersten Mal alle zusammen und besprechen, was sie herausgefunden haben. Das ist ein absoluter Meilenstein der Adventgeschichte, und zu diesem Zeitpunkt war England den Amerikanern weit voraus, was die Adventhoffnung angeht. Wir haben hier einige der führenden Leute, hier haben wir Drummond, das ist Edward Irving, dieser Star-Prediger aus London, hier haben wir Joseph Wolff, der auch mit eingeladen war, weil er ein Hebräisch-Experte war.
[42:48] Und die Art und Weise, wie dort diese ungefähr 20 Leute studiert haben, ist wirklich bemerkenswert, wir wollen das ganz kurz hier erwähnen. Und zwar, man hat sich jeden Morgen getroffen, um 8 Uhr, nach dem Aufstehen, noch vor dem Frühstück, für jemand gesorgt, sobald die Augen richtig sehen konnten, dann hat einer von den 20 einen Vortrag gehalten, über ein Thema, über ein Prophetiethema, die anderen haben sich Notizen gemacht, dann hat man mit Frühstück gehabt, zwei Stunden lang Pause, wo jeder Einzelne vor sich selbst und vor Gott sich selbst prüfen sollte, damit dann in der anschließenden Diskussion man keine Meinung sagt, sondern nur das, was man selbst wirklich tief überzeugt glaubt. Und dann um 11 Uhr sind wir zusammengekommen und haben stundenlang diskutiert, miteinander gesprochen, ausgetauscht und verschiedene Dinge zusammengetragen. Dann gab es Abendbrot und dann nochmal bis 23 Uhr am Kamin Fragen und Antworten. Und das Ganze für sechs Tage. Und am Ende war man sich völlig einig, dass man mit dieser unerfüllten Prophezeiung tatsächlich die historisch-grammatische Methode anwenden soll. Was bedeutet das? Bis dahin war es unter den meisten Christen üblich zu sagen, alle Prophezeiungen, die sich erfüllt haben, die waren genauso buchstäblich gemeint, und alle Prophezeiungen, die sich nicht erfüllt haben, die sind geistlich gemeint. Das heißt, man musste nicht mehr warten. Wenn es also heißt, Jesus soll von einer Jungfrau geboren werden, dann ist das eine buchstäbliche Prophezeiung. Wenn es aber heißt, er wird auf dem Thron Davids sitzen, ist das nur geistlich gemeint. Weil es hat sich ja noch nicht erfüllt. Und dann ist man irgendwie in der Bredouille, wie soll man das erklären? Aber diese Leute waren sich sicher, auch die Prophezeiungen, die sich noch nicht erfüllt haben, werden sich buchstäblich erfüllen. Jesus wird buchstäblich wiederkommen. Er wird buchstäblich regieren. Es wird eine buchstäblich neue Erde geben. Und das hat man felsenfest gemeinsam erkannt.
[44:39] Man hat ausführlich das Buch von Lacunza studiert hier. Und man hat dann sich geeinigt und ist übereingekommen, dass die 1260 Jahre vorbei sind. Und man war sich auch einig, dass die 1290 Jahre vorbei sind aus Daniel 12. Und dass die 1335 Jahre bald enden werden. In Daniel 8 gab es zwei unterschiedliche Fraktionen, die niemals ganz einig wurden. Die einen, das waren die um Cunningham und andere, die gesagt haben, es sind 2300 Abend und Morgen. Aber dann gab es unglücklicherweise eine Fraktion, vor allem angeleitet durch Frere und Irving, die gesagt haben: "Nein, es sind 2400 Jahre." Basierend auf jenem einem Manuskript, das im Vatikan liegt. Kurioserweise sind beide Gruppen zum gleichen Datum gekommen, nämlich 1843 und 1847. Weil die, die 2400 favorisiert haben, 100 Jahre vorher angefangen haben ihre Berechnungen. Von daher war die Differenz nicht so groß. Aber das war der große Spaltkeil in der englischen Adventbewegung. Man konnte sich bei den 2300 nicht wirklich auf diese Zahl einigen. Obwohl sie so klar in der Bibel belegt ist. Und das hat der ganzen Adventbewegung von Anfang an in England so eine gewisse Schwäche verliehen. Und das ist, glaube ich, auch eine interessante Lektion, um diese Adventbewegung besser zu verstehen.
[45:59] Josef Wolff übrigens hat sich in dieser Frage mehr zu der Seite Irvings und Freres hinführen lassen.
[46:07] Gut, damit wollen wir es heute bewenden lassen. Mit jenen wichtigen Tagen Ende des Jahres 1826. Als zum ersten Mal in der Neuzeit die Prophetieauslegung tatsächlich zu einer Bewegung wurde. Hier in dieser Albury Park Konferenz hat man auch überlegt, was kann man tun, um das zu den Kirchen zu bringen. Was kann man tun, um das nach Kontinentaleuropa zu bringen. Wie können wir dieses Wissen, dass Jesus bald wiederkommen wird und dass die Zeitprophezeiungen bald ablaufen. Wie kann man das verbreiten. Und die Adventbewegung hat hier zum ersten Mal, wie gesagt, eine konkrete echte Form angenommen. Und seit diesem Zeitpunkt, seit 1826, kann man von einer sichtbaren, festen, greifbaren Adventbewegung in Europa reden und sprechen.
[46:59] Was daraus geworden ist. Und ob Joseph Wolff wirklich seine Lady Walpole geheiratet hat. Und was mit William Miller passiert ist. Und mit Joseph Bates. Und was vor allem mit Robert Harmon, diesem Hutmacher, und seiner Familie in Gorham passiert ist. Das werden wir nächstes Mal erfahren, wenn es heißt: "Die Geburt von Ellen." 1827 und 1828. Und auch das wird ein kleiner Meilenstein in der Adventgeschichte werden. Bis dahin wünschen wir euch Gottes Segen. Auch bis zum nächsten Mal, wenn es dann, wir uns um dieses Thema kümmern werden. Und auch angesichts dieser großen Konferenz, die wir heute studiert haben, können wir uns sicher sein, wir haben nichts zu befürchten. Es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Wir haben jetzt eine kleine Pause und werden uns dann gleich wiedersehen zum Offenbarungsseminar. Amen.
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