Veröffentlicht am
884 Klicks

Nach der großen Enttäuschung von 1844 stehen die Adventisten am Scheideweg. Dieses Video beleuchtet die turbulenten Monate Anfang 1845, in denen sich die Bewegung spaltet. Es werden die unterschiedlichen Interpretationen der prophetischen Zeitlinien, die Debatte um die „geschlossene Tür“ und die aufkommenden neuen Lehren wie der Sabbat und das himmlische Heiligtum dargestellt. Gleichzeitig kämpft die junge Ellen Harmon mit ihren Visionen und dem aufkommenden Fanatismus.


Weitere Aufnahmen

Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu Die Zeit des Endes. Schön, dass ihr da seid. Herzlich willkommen hier in Stuttgart, Bad Cannstatt. Schön, dass ihr eingeschaltet habt auf joelmedia.tv.de oder wenn ihr später die Aufnahme anschaut zu einer neuen Folge. Heute mit dem Thema Am Scheideweg. Wir werden heute sehen, wie es nach der großen Enttäuschung 1844 weitergegangen ist und jeder, der sich für die Adventgemeinde interessiert, jeder, der sich für seine eigene Geschichte interessiert, der muss dieses Thema heute und in den nächsten Wochen gründlich kennen. Denn wir werden heute sehen, wie aus jener großen Miller-Bewegung das entstanden ist, was wir heute vor uns haben. Aber dazu gleich mehr. Wir möchten beginnen mit einem Gebet. Ladet euch ein mit mir, euer Haupt zu neigen und dann wollen wir ins Thema starten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen Dank sagen, dass wir jetzt die Zeit finden können, dieses Thema zu studieren. Bitte sei du bei uns und führe uns nach deiner Verheißung durch den Heiligen Geist, dass wir die kostbaren Lektionen, die du uns hast, aufschreiben lassen in der Adventgeschichte, dass wir sie lernen und dass wir vorbereitet sind auf die Krisen, auf die wir noch zusteuern werden. So bitten wir alles im Namen Jesu. Amen.

[1:17] 1844 ist wie eine Wasserscheide und trennt all das, was davor war, von all dem, was danach war. Deswegen nur zwei Minuten kurzer Rückblick auf das, was die Bibel über diese Bewegung gesagt hat. In Offenbarung 10 Vers 1 hat Johannes einen starken Engel aus dem Himmel herabsteigen sehen, mit Wolke, Regenbogen, Sonne und Feuersäulen bekleidet. Dieser Engel hatte ein geöffnetes Büchlein in seiner Hand und dieses geöffnete Büchlein war ein Hinweis auf das Buch Daniel, das bis zur letzten Zeit, bis zur Zeit des Endes versiegelt werden sollte. Wir haben gelernt und lange studiert: 1798 war diese Zeit des Endes gekommen. Deswegen haben wir unser Seminar vor über einem Jahr 1798 begonnen. Es waren Leute wie William Miller und andere, die aufgrund des Studiums von Daniel die Zeitprophezeiung studiert haben und vor allem die 2300 Abend und Morgen und zu dem Schluss kamen, erst 1843, dann 1844 sei das Datum der Wiederkunft. Eher gesagt war das in diesem Vers, wo es heißt: „Nimm es, dieses Buch, und iss es auf, und es wird deinen Bauch bitter machen, aber deinen Mund wird es süß sein wie Honig.“ Es war wirklich süß wie Honig. Wir haben in den letzten Monaten gesehen, wie sehr sie begeistert waren und gewartet haben auf diese Wiederkunft. Und wir haben auch gesehen, das vorletzte Mal, das letzte Mal, wie bitter die Enttäuschung war, als am 22. Oktober 1844 Jesus nicht wiederkam. Und auch in den nächsten Tagen und Wochen, als man auch glaubte, eventuell würde er sehr bald wiederkommen, nichts passiert ist.

[2:57] So hatte man den 1. Januar 1845 festgelegt als einen besonderen Gebets- und Fastentag. Und so treffen sich alle Adventisten in den ganzen USA, wo sie auch verstreut sind, zum Beten und Fasten. Noch sind sie fast alle vereint. Einige wenige haben den Glauben schon ganz aufgegeben, haben behauptet, sie hätten nie was damit zu tun gehabt. Aber die meisten sind noch mehr oder weniger einer Meinung. Wir lesen im Januar im Advent Herald von Enoch Jacobs, einem Herausgeber einer adventistischen Zeitschrift und auch einem Adventisten-Prediger im Westen der USA: „Unsere Versammlungen sind gut besucht. Unter uns wird fest geglaubt, dass der Herr noch vor dem Ende des gegenwärtigen jüdischen Jahres kommen wird.“ Soll heißen, bis zum Frühling 1845 muss er doch kommen, oder? Noch ist diese Naherwartung eine Sache von Wochen, von Monaten. Hier am 1. Januar heißt es: „Die Adventisten glauben, dass das Millennium mit der Erscheinung Jesu zu beginnen wird, wenn er die Toten auferwecken und die lebenden Heiligen verwandeln wird.“ Deswegen sind sie auf den alten Pfaden, während jene, die sie bekämpfen, neue Wege eingeschlagen haben. Wir haben letztes Mal schon gesehen, dass das Bewusstsein ganz tief verankert war nach der Großenttäuschung: „Wir sind jetzt in der urchristlichen, in der originalen Position des Christentums.“

[4:19] Und so finden wir Anfang 1845 im Wesentlichen zwei Gruppierungen, die noch relativ nah beieinander sind, aber dieser Riss ist schon deutlich spürbar hier und dort. Einmal die Adventisten der sogenannten geschlossenen Tür. Für sie war der 22. Oktober nicht nur ein Test, sondern dort hat sich wirklich Prophetie erfüllt. Unter ihnen finden sich Samuel Snow, der natürlich die siebte Monatsbewegung angeführt hat. Unter ihnen befinden sich Joseph Marsh vom Voice of Truth, Apollos Hale, einer der Editoren des Advent Herald. Auch Joseph Turner, der Adventisten-Prediger in Portland, wo Ellen Harmon Teil der Gemeinde ist. Auch Joseph Bates und so ungefähr auch William Miller, von dem wir letztes Mal gelesen hatten. Er war auch der Meinung: „Die Tür ist geschlossen.“

[5:04] Auf der anderen Seite finden wir Adventisten, die glauben, das 22. Oktober-Datum war letztendlich ein Irrtum, das aufgrund menschlicher Irrtümer in der Chronologie, Fehler bei den Historikern, dieses Datum nicht zu sagen hat. Und bei ihnen finden wir nicht nur einige der führenden Leute, wie Josiah Litch und Josiah Himes, sondern auch die Mehrzahl der Adventisten. Noch wird diese Sache nicht groß diskutiert, aber schon ist diese Meinung ausgedrückt worden. Die schlimmste Position von allen hat er hier eingenommen: George Storrs. Noch wenige Wochen zuvor hat er verkündet: „Könnt ihr euch noch erinnern, diesen Flat Rock, an diesen Felsen, auf dem jeder Adventist stehen muss? Und wenn er dort steht, muss er noch die Seile abschneiden.“ George Storrs gibt wenige Wochen nach dem 22. Oktober seine gesamte Adventerfahrung auf und sagt: „Es war alles ein Irrtum und ich wurde von den Adventisten mesmerisiert.“ Das heißt, die haben mich durch Spiritismus sozusagen beeinflusst und distanziert sich von allen adventistischen Gruppen. Einer der führenden Leute, einer der Leute, die Gott am meisten benutzt hat, um den Zustand der Toten den Adventisten deutlich zu machen, der in der siebten Monatsbewegung eine führende Rolle eingenommen hat, ist einer der ersten, der sofort von dem Felsen runterspringt. Und man hört nicht mehr viel in adventistischen Kreisen von ihm. Ziemlich traurige Geschichte.

[6:33] Aber während diese Position des Wartens gerade eingenommen wird von den meisten, gibt es, und das haben wir das letzte Mal gesehen, an drei völlig unterschiedlichen Orten, drei kleine Pflanzen, die anfangen zu wachsen. Wir hatten gesehen, dass hier in Port Gibson ein Mann namens Hiram Edson seine erste Idee gehabt hat über ein himmlisches Heiligtum und seit einigen Wochen, im November, Dezember, studieren er und zwei andere Leute mit Namen Crozier und Hahn diese Sache. Des Weiteren, hier in New Hampshire gibt es ungefähr 200 Leute in der Umgebung, die den siebten Tag Sabbat halten. Und von ihnen haben wir auch gehört: Rachel Oakes Preston, Frederick Wheeler und andere. Und dann, hier in Portland, hat Mitte Dezember das junge Mädchen Ellen Harmon, 17 Jahre alt, eine Vision empfangen. Und so finden wir das Heiligtum, den Sabbat und den Geist der Weissagung an drei verschiedenen, unabhängigen Orten voneinander. Keiner weiß vom anderen. Und vor allem die meisten Adventisten wissen von keinem der drei. Finden wir diese drei Dinge, die ganz sanft anzuwachsen und jetzt in den nächsten Wochen an Bedeutung gewinnen werden.

[7:47] Schauen wir uns das mal genauer an. Gehen wir jetzt mal zu Ellen Harmon, die in Portland zu dieser Zeit ganz, ganz niedergeschlagen ist, denn sie möchte den Auftrag nicht annehmen, den Gott ihr gegeben hat. Sie sagte: „Die Schar der Gläubigen zu Portland wusste nichts um die Vorgänge meiner Seele, die mich in diesen Zustand der Verzagtheit gebracht hatten. Aber sie wussten, dass mein Gemüt aus irgendeinem Grunde bedrückt worden war und sie fühlten, dass dies angesichts der gnädigen Art und Weise, in der der Herr sich mir offenbart hatte, eine Sünde meinerseits sei. Es wurden in meines Vaters Hause Versammlungen gehalten, aber meine Gemütsunruhe war so groß, dass ich sie eine Zeit lang nicht besuchte.“ Sie kämpft so sehr mit sich selbst, dass sie nicht einmal mehr zum Gottesdienst geht. Anfang 1845. „Meine Bürde wurde schwerer, bis die Qual meines Herzens größer schien, als ich sie ertragen konnte.“ Die große Frage ist: Wird sie denselben Fehler machen wie Hazen Foss einige Wochen zuvor?

[8:44] In der Voice of Truth heißt es noch: „Wir sind zweifellos am 1. Januar nahe der glücklichen Stunde, wenn die Ernte der Erde geerntet wird.“ Und dann heißt es hier: „Das ewige Evangelium, wie es in Offenbarung 6 Vers 6 und 7 beschrieben wird, ist jede Nation, jedem Stamm, jeder Sprache und jedem Volk gepredigt worden. Mit anderen Worten, wir haben unsere Aufgabe getan.“ Voice of Truth gehört zu den Adventisten, die sagen: Tür geschlossen, unsere Arbeit ist getan, jetzt heißt es nur noch warten. Aber jenes Kapitel in Offenbarung 10 sagt das, nachdem es bitter im Magen ist und sie sagen mir: „Du musst wieder weissagen über Völker und Sprachen und Könige.“ Offenbarung deutet an, dass nach der großen Enttäuschung noch eine Botschaft, noch eine letzte Botschaft in die ganze Welt getragen werden musste und keiner von den Adventisten, niemand hat bis zu dem Zeitpunkt eine Idee, was für eine Botschaft das eigentlich sein sollte.

[9:41] Im Januar kommen dann zwei junge Prediger mit Namen Joseph Turner, das ist der aus Portland, und Apollos Hale, mit einer eigenen Zeitschrift heraus. Sie nennt sich Advent Mirror und sie präsentieren jetzt zum ersten und ausführlichsten Mal diese Idee, dass die Tür geschlossen ist. Achtung: Sie fragen: „Ist der Bräutigam gekommen?“ Mit anderen Worten: Hat sich Matthäus 25 erfüllt? „Die Entscheidung dieser Frage hängt davon ab, was unter seinem Kommen zur Hochzeit zu verstehen ist. Wenn es bedeutet, dass er in Herrlichkeit kommt, dann ist er nicht gekommen. Jesus ist nicht gekommen. Aber wenn es ein anderes Ereignis meint, das seinem Kommen in Herrlichkeit vorausgeht, obwohl eng damit verbunden, dann könnte der Bräutigam im Sinne des Gleichnisses gekommen sein.“

[10:32] Warum? Die beiden hatten etwas entdeckt, was heute noch wenigen bekannt ist. Matthäus 25, Vers 10 sagt: „Während sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam, und die Bereitwahren gingen mit ihm hinein zur Hochzeit.“ Was haben wohl die meisten Adventisten vorher gedacht, was die Hochzeit bedeutet? Die Wiederkunft. Aber jetzt entdecken Turner und Hale, dass in Lukas 12 steht: „Und seid Menschen gleich, die ihren Herrn erwarten, wenn er von der Hochzeit aufbrechen wird, damit, wenn er kommt.“ Beide Texte nebeneinander belegen eindeutig: Es gibt eine Hochzeit vor der Wiederkunft. Und Matthäus 25 mit den Jungfrauen, die ausgehen dem Bräutigam entgegen, die alle einschlafen, dann mit dem Mitternachtruf und dann dem Kommen des Bräutigams, all das weist auf die Hochzeit hin, nicht auf die Wiederkunft. Und deswegen möchten sie die Adventisten dafür sensibilisieren: Es gibt einen Unterschied zwischen Jesus dem Bräutigam und Jesus dem König.

[11:35] „Das Kommen des Bräutigams würde also auf einen Wechsel des Dienstes unseres Herrn in der unsichtbaren Welt hinweisen und das Hineingehen mit ihm in eine korrespondierende Veränderung bei seinem wahren Volk.“ Sie sind sich nicht ganz sicher, ob es passiert ist, ob die große Transaktion, die durch die Hochzeit angedeutet wird, stattgefunden hat oder nicht. „Können wir nicht entscheiden, wir können nicht in den Himmel gucken. Aber dass der Bräutigam gekommen ist, ist zumindest möglich und es gibt einige Gründe zu glauben, dass dies ein Fakt ist.“ Und das waren keine unbedeutenden Leute. Hale war einer der Haupteditoren des Advent Herald und deswegen ist das eine so wichtige Aussage hier. Sie machen also ganz deutlich: Wiederkunft erst nach der Hochzeit und die Braut ist nicht die Gemeinde, sondern das Neue Jerusalem. Die Hochzeit ist also nicht, dass Jesus seine Gläubigen trifft, sondern die Hochzeit ist, dass Jesus irgendwo im Himmel das Neue Jerusalem bekommt. Und wenn das so ist, folgt daraus, dass die Tür geschlossen ist. Denn das heißt: Der Bräutigam kam und die Tür wurde geschlossen. Man nennt diese Theorie die Shut-Door-Theory. Und ebenfalls schreiben sie, dass der 22. Oktober Daniel 7, Vers 13 und 14 entspricht. Das heißt, jenem Statement, wo Jesus gesehen wird, wie er auf den Wolken des Himmels zu wem kommt? Zu dem Uralten, zu dem Vater. Also wo Jesus nicht zur Erde kommt, sondern eine bestimmte Sache bekommt, nämlich das Königtum. Das ist die Hochzeit vor der Wiederkunft.

[13:18] Und dann schreiben sie: „Aber zu glauben, wir könnten in solch einer Zeit die große Masse der Welt bekehren, wäre genauso unnütz, als wenn die Israeliten versucht hätten, am Roten Meer umzukehren, um die Ägypter zu bekehren.“ Halten wir folgendes fest: Es gibt einige Leute, die verstehen, am 22. Oktober ist etwas passiert, und sie verstehen richtigerweise: Die Hochzeit hat begonnen. Und weil sie Matthäus 25 lesen, schlussfolgern sie ganz natürlich: Deswegen muss die Tür geschlossen sein. Frage: Ist die Schlussfolgerung richtig? Die ist hundertprozentig richtig. Die Frage ist nur: Was ist mit der geschlossenen Tür gemeint? Denn was sie unter geschlossener Tür verstehen, was verstehen wohl die allermeisten Christen unter geschlossener Tür? Und auch ihr wahrscheinlich? Und auch die damals? Gnadenzeit ist zu Ende. Und sie haben selbst Angst vor dieser Schlussfolgerung. Hier, ich zeige das mal. Sie sagen: „Unsere Hauptaufgabe ist nun, einander zu trösten, festzuhalten. Es scheint so, dass wir nur noch wenig für die Kirche und die Welt tun können. Wir fürchten, die große Masse der Unbekehrten hat sich selbst des ewigen Lebens unwürdig geachtet.“ Also die befürchten, die Gnadenzeit ist vorbei. Aber es könnte ja noch sein, dass der eine oder andere gerettet wird. „Diejenigen, die jetzt noch gerettet werden mögen, müssen wir wie ein Holzscheit aus dem Feuer geholt werden. Lasst uns so viel wie möglich retten. Jeder Einzelne ist von ewigem Wert.“ Also sie sind noch unentschieden in dieser Frage. Aber eins ist für sie sicher: Der Bräutigam ist wohl gekommen und dessen muss die Tür in irgendeiner Weise geschlossen sein.

[14:50] Andere haben noch ganz andere Probleme. Zum Beispiel Weston hat noch Anfang Januar 1845 Probleme, das Jahr Null zu verstehen. Er hat noch einen Tag zuvor, war sich ganz sicher, 1845 ist wirklich 1844, bis er sich das mal aufschreibt und so wie wir es in der Evangelisation auch machen, minus zwei, minus eins, null und dann rechnet und sieht tatsächlich, man muss immer ein Jahr hinzuaddieren. Und als er das dann entdeckt, sagt er: „Okay, jetzt habe ich es verstanden. In jedem Fall muss eins hinzuaddiert werden, um das wahre Jahr anzugeben.“ Es dauert also bis Anfang Januar, bis dieses Jahr Null wirklich bei allen durchgesickert ist.

[15:22] Mitte Januar macht Joshua Himes einen Spendenaufruf für die hinterbliebene Witwe von Charles Fitch, der am 14. Oktober verstorben war und seine Witwe, seine Frau, hatten kein Geld, nichts, viele kleine Kinder und Himes macht einen Aufruf, um sie zu unterstützen, finanziell. Es ist Mitte Januar und Ellen Harmon lässt sich endgültig darauf ein, zumindest mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen. „Zuletzt wurde ich bewogen, eine der Versammlungen in unserem eigenen Heim beizuwohnen. Die Gemeinde machte einen Fall, meinen Fall zu einem besonderen Gegenstand des Gebets. Vater Pearson, der in meiner früheren Erfahrung sich der Bekundung der Kraft Gottes in mir widersetzt hatte, betete jetzt ernstlich für mich und riet mir, meinen Willen dem Willen des Herrn unterzuordnen. Wie ein liebevoller Vater versuchte er mich zu mutigen und zu trösten und bat mich zu glauben, dass ich von dem Freunde der Sünder nicht verlassen sei. Ich fühlte mich zu schwach und zu niedergeschlagen, um eine besondere Anstrengung für mich selbst zu machen.“ Vergesst nicht, sie war todkrank, hat Tuberkulose gehabt. „Aber mein Herz vereinigte sich mit den Gebeten meiner Freunde. Ich gab nun wenig um den Widerstand der Welt und fühlte mich willig, jedes Opfer zu bringen, wenn mir nur die Gunst Gottes wieder zuteilwerden würde.“

[16:47] Und in diesem Moment passiert etwas, was in die Adventgeschichte eingeht als die Feuerballvision. „Während man für mich betete, dass der Herr mir Stärke und Mut geben möchte, die Botschaft zu verkündigen, rollte die dichte Finsternis, die mich umgeben hatte, zurück und ein plötzliches Licht kam über mich. Etwas, das wie ein feuriger Ball schien, traf mich gerade über dem Herzen. Sie sagt, meine Kraft wurde weggenommen und ich fiel auf den Boden. Ich schien in der Gegenwart der Engel zu sein. Eins dieser heiligen Wesen wiederholte von neuem die Worte: ‚Verkündige anderen, was ich dir offenbart habe.‘“ Der Inhalt der Vision ist derselbe, aber er dient dazu, jetzt den Umstehenden etwas deutlich zu machen. Schaut mal, was hier steht. Sie erklärt später: „Vater Pierson, der wegen seines Rheumatismus nicht knien konnte, war Augenzeuge dieser Begebenheit. Als ich genügend zu mir gekommen war, um zu sehen und zu hören, stand er von seinem Stuhl auf und sagte: ‚Ich habe etwas gesehen, was ich nie zu sehen erwartete. Ein feuriger Ball kam vom Himmel hernieder und traf Schwester Ellen Harmon gerade ans Herz. Ich saß, ich saß, ich kann es nicht vergessen. Es hat mein ganzes Wesen verändert. Schwester Ellen, sei mutig im Herrn. Nach diesem Abend will ich nie wieder zweifeln. Wir werden dir von nun an helfen und dich nicht entmutigen.‘“ Gerade am Anfang ihres Dienstes lässt Gott zum Teil sehr spektakuläre Visionen zu, um den Menschen um ihn, um sie herum, deutlich zu machen, dass diese Dinge wirklich von Gott sind.

[18:18] Ein großes Problem hatte Ellen Harmon, die beschreibt es ja. „Eine große Furcht, die mich bedrückt hatte, war, dass wenn ich dem Rufe der Pflicht gehorchen und hinausgehen und erklären würde, dass ich vom Allerhöchsten mit Gesicht und Offenbarung fürs Volk begünstigt worden sei, ich mich sündlicher Erhebung hingeben und über die Stellung erhoben werden würde, die ich rechtmäßigerweise einnehmen sollte.“ Was ist ihre Angst? Auf Deutsch: Stolz zu werden. „Und dass ich mir das Missfallen Gottes zuziehen und meine eigene Seele verlieren würde. Und dann sagt: Ich hatte von solchen Fällen gehört, mein Herz bebte vor der schweren Probe zurück. Ich bat jetzt den Herrn, dass wenn ich hingehen und erzählen müsse, was mir der Herr gezeigt hatte, ich vor ungebührlicher Erhebung bewahrt werden möchte.“ Der Engel sagte: „Deine Gebete sind gehört und werden erhört werden. Und jetzt, wenn dieses Übel, das du fürchtest, dich bedroht, wird sich die Hand Gottes ausstrecken, um dich zu retten.“ Durch was? „Durch Leiden wird er dich zu sich ziehen und deine Demut bewahren.“ Das ist ein Schlüssel, eine Schlüsselvision, auf die sie hat. Ihr wird gesagt: Wann immer du in Gefahr stehst, dich zu erheben, wirst du leiden. Vergesst das nicht, wenn wir in den nächsten Wochen und Monaten, die nächsten Jahre ihres Lebens betrachten. Denn Ellen Harmon hat viel gelitten. Was also zeigt, dass dort ständige Gefahr war, auch für sie, sich zu erheben und stolz zu werden. Und Gott macht seine Verheißung wahr. Durch Leiden bewahrt er sie vor Demut. Ganz tolle Lektion, die wir lernen können, dass auch Gott in unserem Leben ganz oft Leid benutzt, um uns vor Stolz zu bewahren. „Verkündige die Botschaft getreulich, halte bis zum Ende aus, so wirst du von dem Frucht des Baumes essen und von dem Wasser des Lebens trinken.“

[20:11] Nachdem ich das Bewusstsein wiedererlangt hatte, befahl ich mich dem Herrn an und war bereit, seine Befehle, was sie auch sein mochten, auszuführen. Mitte Januar 1845 sagt Ellen Harmon: Okay, hier bin ich, Herr, sende mich.

[20:26] Gleiche Zeit, Edmund Harold, die Adventisten kommen zu einem wichtigen Schluss. „Wir sind deswegen in aller Ehrerbietung dem Wort Gottes gegenüber gezwungen, die Idee einer festgelegten Zeit aufzugeben, zumindest bis wir neues Licht erhalten. Wir glauben, es liegt außerhalb der menschlichen Möglichkeit, das Jahr, den Monat oder den Tag der Erfüllung der prophetischen Zeitketten zu zeigen.“ Gut oder schlecht? Teilweise gut, weil sie endgültig zu dem Punkt kommen: Wir können die Wiederkunft nicht berechnen. Das war eines der größten Hauptpunkte, der sie ein Stolperstein für sie war. Aber schlecht, weil sie alle Zeitprophezeiungen mit der Wiederkunft verknüpfen. Und da sie die Wiederkunft jetzt nicht mehr berechnen wollen, verlieren sie auch ihr Interesse so ein wenig für biblische Zeitprophezeiungen. Was in diesen Wochen passiert ist: Vorher hatte man immer deutlich gezeigt, die 2300 Jahre fangen 457 vor Christus an. Deswegen, deswegen, deswegen, deswegen und deswegen. Jetzt heißt es ja: Also die meisten Historiker sagen 457, aber es gibt auch einen, der sagt 456 und es gibt einen Historiker, der sagt 454. Und deswegen können wir es nicht genau sagen. Es ist so innerhalb von vier oder fünf Jahren. Und das ist natürlich ein Schritt zurück, obwohl es auf der anderen Seite ein Schritt vorwärts ist.

[21:54] Weiterhin wird berichtet von dieser Auseinandersetzung hier zwischen dieser Idee von der geschlossenen Tür. „Unsere Treffen waren von tiefem religiösem Interesse gekennzeichnet. Es schien kein Aufgeben zu geben. Einige glaubten aber, unsere Arbeit bezüglich der Rettung von Sündern sei getan. Aber im Laufe der Versammlung wurde diese Ansicht von den meisten aufgegeben und alle sagten, sie wünschen sich richtige Ansichten über diese alles entscheidende Frage.“ Man kämpft Anfang 1845 mit dieser Frage: Ist die Tür geschlossen, ist sie nicht geschlossen? Und wenn sie geschlossen ist, was bedeutet es? Und was bedeutet es nicht? Einer, der am meisten gegen diese geschlossene Tür kämpft, ist Joshua Himes. Er ist Realist. Er sieht: Jesus ist nicht wieder gekommen. Es gibt ein Werk zu tun. Also muss weiter gepredigt werden. Es muss veröffentlicht werden. Es müssen Bücher geschrieben werden und damit hat es sich. Aber mit dieser Ansicht kommt er auch zur Schlussfolgerung, dass natürlich der 22. Oktober keine Bedeutung hat. Und das führt notwendigerweise in die Sackgasse.

[22:57] Derweil kämpfen beide Parteien um die Gunst von William Miller. Also schreibt Turner, einer der Autoren vom Advent Mirror, an Miller einen Brief am 18. 20. Januar und sagt: „Schau mal her, kannst du nicht sehen, wir haben keinen Unterschied gemacht zwischen dem Bräutigam und dem König. Wir müssen verstehen: Jesus ist gekommen als Bräutigam und hat sein Königtum jetzt bekommen und bald wird er wiederkommen als König.“

[23:32] Derweil wird berichtet, dass an manchen Stellen Adventisten sogar für zehn Tage ins Gefängnis gesteckt werden. So sehr ist der Hass der Öffentlichkeit angewachsen. Insbesondere auch deswegen, weil zu jener Zeit immer mehr Fanatismus an bestimmten Stellen um sich greift. Fanatismus deswegen, weil es einige gibt, die sagen: Okay, der 22. Oktober hat eine prophetische Bedeutung und vielleicht ist Jesus ja nicht als Bräutigam gekommen irgendwo hin, sondern vielleicht ist er ja wirklich wiedergekommen in unseren Herzen. Und das ist nur ein geistliches Ereignis und dieser Fanatismus führt bald zu schweren Auswüchsen, wie wir sehen werden.

[24:11] Am 24. Oktober ist Himes in New York und er reist von Ort zu Ort und versucht, die Adventgläubigen wieder zu sammeln. Das überspringen wir, weil Ende Januar bekommt Ellen Harmon die erste Gelegenheit zu reisen. Sie hat ja gesagt: Okay, ich werde gehen, wo immer Gott mich sendet. Und am Ende Januar wird sie eingeladen von ihrem Schwager. Ihre Schwester, ihre ältere Schwester Mary Harmon, hatte einen gewissen Samuel Voss geheiratet. Klingt der Name Voss bekannt? Und das wiederum ist ein Verwandter von Hazen Voss. Das heißt, interessanterweise sind Hazen Voss und Ellen Harmon angeheiratet, verwandt miteinander gewesen. Sie wusste aber nicht von deren Vision, dessen Vision. Und dieser Samuel Voss hat in Portland zu tun und lädt sie ein: „Hey, komm uns doch mal besuchen für ein paar Tage.“ Und für Ellen Harmon ist das das Zeichen, dass sie sagt: Okay, Gott möchte, dass ich dorthin gehe nach Portland. An dem Ort übrigens, wo Hazen Voss damals seine Vision bekommen hat. Und so reisen sie etliche Kilometer im tiefsten Schnee im Schlitten dort nach Portland und sie kommen dort an. Und es ist Anfang Januar, dass sie dort zum ersten Mal ihr Zeugnis gibt außerhalb von Portland.

[25:43] So wie auch vorher schon ist es der Fall, dass sie kaum sprechen kann. Sie sie flüstert und hat eine gebrochene Stimme. Aber nachdem sie fünf Minuten vorne steht, ändert sich ihre Stimme und sie predigt zwei Stunden lang mit bester Stimme, als der Vortrag zu Ende ist, ist die Stimme wieder weg. Für die Gläubigen in Portland ist es eine große Ermutigung, denn sie zeigt aufgrund ihrer ersten Vision, dass der Mitternachtsruf immer noch ein Licht auf dem Weg ist. Und selbst wenn George Storrs den gepredigt hat, den Glauben aufgegeben hat, selbst wenn andere wie Himes sich distanzieren, der 22. Oktober ist ein entscheidendes Datum. Und wisst ihr, wer um das Haus, Versammlungshaus herum gelaufen ist, ohne sich hineinzutrauen? Hazen Voss. Damals war er 24 Jahre alt. Er hatte nie wieder, habe ich ja gesagt, nie wieder eine Adventversammlung besucht, nie wieder eine Kirche. Aber er steht an diesem Tag draußen vor der Tür, hört, was sie sagt und erinnert sich, dass das genau dieselbe Vision ist, die er zuvor gehabt hat. Und am nächsten Morgen sucht er sie auf und sagt folgendes: „Ich war stolz. Ich war unzufrieden mit der Enttäuschung. Ich motzte gegen Gott und wünschte, ich sei tot. Dann fühlte ich ein seltsames Gefühl über mich kommen. Ich werde hinfort für geistliche Dinge unempfänglich sein. Ich glaube, die Visionen sind von mir genommen und dir gegeben worden. Weigere dich nicht, Gott zu gehorchen, denn dies würde deine Seele aufs Spiel setzen. Ich bin ein verlorener Mann. Du bist von Gott auserwählt. Sei treu in deinem Werk und die Krone, die ich hätte haben können, wirst du bekommen.“

[27:21] Ellen Harmon hat das nie vergessen. Wie dieser junge Mann ihr sagt: „Ich bin ein verlorener Mann und du hast die Vision, die ich hätte haben können.“ Sie kehrt zurück nach Portland und interessanterweise, da fehlt mir die Folie, zur gleichen Zeit passiert es, dass William Miller mit etlichen anderen Adventisten in seiner Heimatstadt in Lohmen aus der baptistischen Kirche ausgeschlossen wird. Er hatte bis dahin die Kirche nicht verlassen wie die meisten anderen, aber er wird jetzt ausgeschlossen und hat dann das selbe Schicksal wie die meisten anderen auch.

[28:06] Anfang Februar bekommt Ellen Harmon erneut die Gelegenheit zu reisen. Diesmal ist es ein gewisser Willi Jordan und seine Schwester. Sie sind beide in Portland und Willi Jordan hat geschäftlich zu tun in Orrington und außerdem hat er ein Pferd von einem jungen adventistischen Prediger ausgeliehen und das will er zurückbringen. Dieser adventistische Prediger heißt James White und so sagt er zu Ellen: „Du hast nicht Lust mit nach Orrington zu kommen und dort bei den Adventisten dein Zeugnis zu geben.“ So reisen sie Anfang Februar 100 Meilen im Schnee auf dem zugefrorenen Penobscot River. Ellen Harmon nur in ein Büffelkleid eingehüllt, todkrank wie gesagt, dorthin nach Orrington und dort trifft sie zum ersten Mal James White. Sie 17, er 23. Er kannte sie schon aus Portland. Er hatte schon das Jahr zuvor und das Jahr und das Jahr davor Portland mehrmals besucht und hatte sie dort als 15, 16-Jährige kennengelernt, aber sie konnte sich nicht an ihn erinnern. Aber an diesem Punkt treffen sie sich und dieses Treffen ist eines der entscheidenden für die gesamte Adventgeschichte, denn hier treffen sie sich und so schnell werden sie sich nicht mehr verlassen, ohne dass es ein besonders romantisches Gefühl gerade ist, denn für das haben sie gerade keine Zeit. Jesus kommt ja bald wieder.

[29:47] Wird deutlich, dass ihre Vision und das, was ihm auf dem Herzen liegt, nämlich gegen Fanatismus zu kämpfen und trotzdem am 22. Oktober festzuhalten, dass es wunderbar passt und so bietet er sich an, mit einer anderen Schwester, die sie begleitet, ihr zu helfen und mit ihr mitzureisen. Gott zeigte dort in Oregon Folgendes: „Mir wurde gezeigt, dass Gott inmitten von Gefahren und Schwierigkeiten ein Werk für mich hatte, aber ich solle nicht zurückweichen. Ich müsse zu den Orten gehen, wo der Fanatismus am schlimmsten gebütet hatte und meine Botschaften des Tadels denen weitergeben, die andere versuchen zu beeinflussen.“ Das heißt, Gott sendet sie genau an die Stellen, wo am meisten Fanatismus ist. „Gleichzeitig sollte ich jene trösten und ermutigen, die schüchtern und aufrichtig, aber verführt von jenen waren, die sie für gerecht hielten. Ich sah, dass wir Gefahr laufen würden, ins Gefängnis gesteckt und geschlagen zu werden. Obwohl ich keine Sympathie mit den verführten Fanatikern habe, würde man keinen Unterschied zwischen uns machen.“ Heißt auf Deutsch: Gott sagt, dort gibt es etliche fanatische Gruppen. Geh dorthin und rette jeden, den man aus den Fängen der Fanatiker nur retten kann. Aber wenn du hingehst, wisse, dass alle anderen Nicht-Adventisten euch in einen Topf schmeißen und euch zu Fanatikern erklären werden und ihr Gefahr lauft, ins Gefängnis gesteckt zu werden.

[31:01] „Ihr sagt, ich war jung und schüchtern und war sehr traurig, dorthin gehen zu müssen, wo der Fanatismus regiert. Ich bat Gott, mich davor zu verschonen. Er solle jemand anders nennen.“ Also nach wie vor hat sie echte Probleme mit ihrem Ruf. „Der Geist des Herrn kam auf mich und mir wurde gezeigt, dass mein Glaube, mein Mut und mein Gehorsam getestet werden würde. Ich müsse gehen. Wer von uns hätte ein 17-jähriges, todkrankes Mädchen benutzt, um Fanatismus zu bekämpfen? Gott würde mir die Worte zur richtigen Zeit geben. Und wenn ich auf ihn harren würde und seinen Verheißungen glaube, würde ich dem Gefängnis und der Gewalt entkommen. Ich warte nicht länger, sondern ging im Vertrauen auf Gott.“

[31:42] Von Anfang Februar bis in den weiten April hinein, für fast drei Monate, ist Ellen Harmon unterwegs Tag und Nacht und besucht praktisch jede adventistische Versammlung in Ostmain. Des Nachts reist sie, des Tags spricht sie und bekämpft den Fanatismus. Für drei Monate. „Ich sah die meisten Geschwister. Als ich sie vor ihren Gefahren warnte, freuten sich einige, dass Gott mich gesandt hatte. Andere weigerten sich, mein Zeugnis zu hören, sobald sie erfuhren, dass ich nicht ihren Geistes war.“ Interessantes Phänomen. Passiert im Laufe der Geschichte dann immer wieder. Sie sagten: „Ich würde zurück in die Welt gehen und wir müssen so geradeaus und voller Herrlichkeit sein, wie sie rufen und Lärme nannten, dass die Welt uns verfolgt.“ Also da gibt es einige, die glauben, wir müssen so uns verhalten, dass die Welt uns unbedingt verfolgt. Wenn wir nicht verfolgt werden, sind wir nicht heilig. Deswegen müssen wir so laut Lärm machen und so laut schreien und Halleluja rufen und singen bis tief in die Nacht, bis die Polizei kommt und uns ins Gefängnis steckt für zehn Tage. Dann sind wir sicher, dass wir heilig sind. Und Ellen Harmon ist bei solchen Versammlungen und tadelt sie. Aber für viele Außenstehende sieht es natürlich so aus, als ob sie Teil der Versammlung ist. Und das ist sehr wichtig zu bedenken.

[32:53] Während sie unterwegs ist, findet in Portland am 6. Februar eine Konferenz der Adventisten statt. Und Miller bestätigt in einem Brief, dass er glaubt, der siebte Monat, diese siebte Monatsbewegung war von Gott. Und ob die Gnadenzeit zu Ende gegangen ist, da ist er nicht ganz so sicher. Er schreibt es in so einer Art und Weise, dass beide Seiten, sowohl die mit der geschlossenen Tür als die mit der offenen Tür behaupten, Miller ist auf ihrer Seite. Miller selbst kämpft. Und von all dem, was wir aus seinen eigenen Zeugnissen wissen, scheint er in dieser Zeit mehr Richtung geschlossene Tür geneigt zu haben, weil er gesehen hat, wie Gott in dieser siebten Monatsbewegung gewirkt hat.

[33:48] Jemand, der ebenfalls eine große Bürde auf dem Herz hat, ist T. M. Preble. Er ist derjenige, der einzige bis dahin bekannte Adventisten-Prediger, der den Sabbat hält. Und inmitten der entstehenden Konfusion denkt er sich: Jetzt ist es Zeit, jetzt kann ich länger warten. Ich muss etwas über dieses Thema schreiben. Und am 13. Februar setzt er sich hin und schreibt einen Artikel über den siebten Tag und zeigt, dass der siebte Tag der Samstag, der wahre Sabbat der Bibel ist.

[34:12] Die Ereignisse überschlagen sich. Nur wenige Tage später, Mitte Februar, hier dort, wo das rote Kreuz ist, in Ostmain, in Exeter, in Maine, hat Ellen Harmon eine ihrer wichtigsten Visionen dieser Anfangszeit. Diese Vision wird später genannt: Das Ende der 2300 Tage. Und schaut mal, was sie sagt: „Ich sah einen Thron, auf dem der Vater und Sohn saßen. Ich betrachte die Erscheinung Jesu und bewunderte seine heile Gestalt. Des Vaters Gestalt konnte ich nicht sehen, denn eine Wolke strahlenden Lichtes bedeckte sie. Ich fragte Jesus, ob sein Vater eine Gestalt habe wie er selbst.“ Warum? Viele Fanatiker behaupten, Gott ist keine Person, sondern er ist nur ein Geist, der in uns wohnt. „Er sagte, dass es so sei, also dass Gott auch eine Person ist und dass er Gestalt hat, aber dass ich ihn nicht sehen könne, denn wenn ich die Herrlichkeit seiner Person sehen würde, müsste ich sterben.“

[35:11] „Vor dem Throne sah ich das Adventvolk, die Gemeinde Gottes und die Welt. Und ich sah jetzt was? Ich sah was? Zwei Abteilungen, die einen in tiefer Teilnahme vor dem Throne geborgt, während die anderen teilnahmslos und sorglos dastanden. Diejenigen, die vor dem Throne geborgt waren, brachten Jesu ihre Gebete dar und blickten nur auf ihn. Dann schaute er auf seinen Vater und schien für sie zu bitten. Ein Licht ging von dem Vater auf den Sohn und von diesem auf die betende Schar. Dann sah ich ein besonders helles Licht von dem Vater auf den Sohn kommen und von dem Sohn ergoss es sich über das Volk vor dem Throne. Aber nur wenige nahmen dieses große Licht an. Viele traten aus dem Bereich desselben und wiesen es zurück. Andere waren sorglos und achteten es nicht und es verließ sie. Manche aber achteten es und gingen hin und beugten sich mit der kleinen betenden Schar. Alle in dieser Schar empfingen das Licht und freuten sich desselben und ihre Angesichter strahlten mit seiner Herrlichkeit.“

[36:04] Und jetzt Achtung! „Ich sah den Vater sich von dem Thron erheben und in einem Feuerwagen wohin? In das Allerheiligste hinter den Feuerwagen gehen und sich niedersetzen.“ Ellen Harmon hat so etwas noch nie gehört. Sie kennt das gar nicht. Sie weiß auch nicht, dass seit etlichen Wochen im Westen des Bundesstaates New Yorks Hiram Edson und Crozier und Hahn genau diese Sache studieren. Gott zeigt es hier unabhängig von ihnen.

[36:29] „Dann erhob sich Jesus von dem Thron und die meisten, die vor demselben gebeugt waren, erhoben sich mit ihm. Ich sah keinen Lichtstrahl, der sich von Jesu über die sorglose Schar goss, als er sich erhob. Sie befanden sich in völliger Finsternis. Diejenigen, die mit Jesus erhoben hatten, hielten ihre Augen auf ihn gerichtet, als er den Thron verließ und eine Strecke wegging. Dann erhob er seinen rechten Arm und wir hörten ihn mit lieblicher Stimme sagen: ‚Wartet hier, ich will zu meinem Vater gehen, um das Reich zu empfangen. Haltet eure Kleider rein und bald will ich wiederkommen von der was? Von der Hochzeit. Ohne euch zu mir nehmen.‘“

[37:12] Diese Vision bestätigt die Bräutigams-Interpretation von Turner und Hale. Sie bestätigt, es gibt eine Hochzeit vor der Wiederkunft und damit bestätigt sie letztendlich die geschlossene Tür. Da aber die allermeisten Adventisten zu dem Zeitpunkt, die an eine geschlossene Tür glauben, sie mit Ende der Gnadenzeit gleichsetzen, glauben fast alle, inklusive Ellen Harmon, dass diese Vision bestätigt, dass die Gnadenzeit zu Ende ist. Nun, das sagt die Vision aber nicht wirklich.

[37:41] „Dann kam ein Wolkenwagen mit Rädern, gleich Feuer, von Engeln umgeben, dahin, wo Jesus war. Er stieg in den Wagen und wurde zu dem Allerheiligsten getragen, wo der Vater saß. Dann sah ich Jesus, den großen Priester, vor dem Vater stehen.“ Und das ist jetzt ein entscheidender Punkt, den kaum einer damals richtig gleich gesehen hat. Wie wird Jesus beschrieben? Als Hoher Priester. Das heißt, als Hoher Priester ist er immer noch im Dienst. „Diejenigen, die sich mit Jesus erhoben hatten, folgten ihm im Glauben in das Allerheiligste und beteten: ‚Vater, gib uns deinen Geist.‘ Dann goss Jesus den Heiligen Geist über sie. In diesem Hauch war Licht, Macht, viel Liebe, Freude und Friede. Ich wandte mich nach der Schar um, die noch vor dem Throne lag. Sie wusste nicht, dass Jesus sie verlassen hatte. Da war eine Bewegung. Dann schien Satan bei dem Throne zu sein und zu versuchen, das Werk Gottes zu treiben. Ich sah sie zu dem Thron aufschauen und beten: ‚Vater, gib uns deinen Geist.‘ Satan hauchte dann einen unheiligen Einfluss über sie aus. In demselben war Licht und viel Macht, aber keine süße Liebe, keine Freude und kein Friede. Satans Werk war sie zu betrügen und Gottes Kinder irre zu führen.“

[38:50] Mit anderen Worten: Diejenigen, die Jesus nicht folgen im Glauben ins Allerheiligste, die ihm nicht folgen im Glauben zur Hochzeit, werden von Satan verführt werden. Damit wird dieses Thema der Bräutigams-Interpretation zu einer entscheidenden Frage. Sie hat wie gesagt keine Ahnung, dass schon seit etlichen Wochen Crozier und Edson und Hahn dieses Thema hier studieren, während sie hier gerade die Vision hat.

[39:16] Himes ist währenddessen unterwegs, hat keine Ahnung von der Vision von Ellen White und versucht, die Leute zu überzeugen: Die Tür ist offen, nichts ist passiert. Es war alles ein Irrtum. Aber Miller schreibt am 19. Februar an Bruder Marsh: „Ich nehme an, Bruder Marsh, du hast den Advent Mirror von Bruder Hale und Turner bezüglich der Hochzeit im Gleichnis der jungen Frauen gesehen. Ich glaube, im Wesentlichen haben sie recht. Es kann nicht das persönliche Kommen Christi sein. Wie du siehst, kann sein Kommen, nachdem wir ausschalten, erst nach der Hochzeit stattfinden. Ist Christus im Sinne von Matthäus 25,10 gekommen? Ich glaube, er ist es.“ Februar 1845. Miller stellt sich deutlich auf die Seite der Bräutigams-Adventisten. So werden sie genannt. Es ist eine Minderheit, aber eine starke, die unter großem Bibelstudium herausfindet: Da gibt es eine Hochzeit vor der Wiederkunft. Und damit verboten ist die sogenannte geschlossene Tür. Und er sagt: „Ich weiß, viele meiner Brüder, die ich hoch schätze, er meinte mit Litsch, Himes und andere, stimmen darin mit mir nicht überein.“

[40:24] Die USA annektieren Texas und am 28. Februar wird der Artikel von Preble veröffentlicht. Und Preble geht aufs Ganze. Er schreibt: „So sehen wir Daniel 7, Vers 25 erfüllt. Das kleine Horn ändert Zeiten und Gesetz. Deswegen erscheint es mir, dass alle, die den ersten Tag als Sabbat halten, des Papstes Sonntagshalter und Gottes Sabbatbrecher sind.“ Und er hat großen Erfolg unter etlichen Adventisten. Es gibt einige Führer, führende Prediger, zum Beispiel Cook, der sofort den Sabbat annimmt. Und der Sabbat verbreitet sich relativ schnell dort in der Gegend. Hope of Israel wird auch in Portland veröffentlicht. Aber Ellen Harmon kriegt nichts davon mit, weil sie auf Reisen ist. Einer, der diese Zeitschrift auch bekommt, ist Joseph Bates. Und als Joseph Bates das liest, ist er völlig von den Socken. Und er studiert es und fängt sich an die Frage zu stellen: Stimmt das wirklich? Müssen wir vielleicht den Samstag halten statt den Sonntag?

[41:13] Anfang März bringt dann Preble auch ein Traktat heraus. Ein Traktat, das zeigt, dass der siebte Tag der Sabbat sein sollte von T. M. Preble und als, kann man schlecht lesen, als Motto: 2. Mose 20, Vers 8 bis 11, das vierte Gebot. Währenddessen wird Florida 27. Bundesstaat und der neue Präsident James Polk verkündet die Idee, die USA müssen sich ausbreiten bis zum Pazifik. Spannende Zeiten. Neues Licht kommt sowohl in der Politik als auch in dem Adventismus.

[41:53] Im März 1845 wird diese Spannung jetzt weiter. Apollos Hale stellt im Advent Herald in zwei Artikeln diese Bräutigams-Interpretation vor. Bliss, der andere Editor vom Advent Herald, argumentiert dagegen. So haben wir jetzt Hale gegen Bliss und beide kommen von verschiedenen Seiten. Und viele haben jetzt die Gelegenheit, dieses Thema zu studieren. Und fast alle Adventisten gruppieren sich jetzt auf eine der beiden Seiten. Entweder ja, Jesus ist als Bräutigam gekommen oder nein, ist nichts passiert. Interessanterweise distanziert sich Miller nur wenige Tage später nach seinem anderen Brief wieder etwas von seiner Zustimmung. Warum? Weil Professor Whiting, ein großer, gelehrter Theologe, ihn fragt: „Sag mal, glaubst du das wirklich?“ Und es scheint so zu sein, dass Miller tatsächlich von Leuten wie Whiting, Litsch, Himes und anderen mehr oder weniger überzeugt worden ist, diese Bräutigams-Interpretation aufzugeben.

[42:53] Aber just zu dieser Zeit, genau in dieser Krise, veröffentlichen Hiram Edson, O. L. Crozier und Dr. Hahn diese kleine Studiengruppe dort im Westen New Yorks. Sie veröffentlichen ihre Ergebnisse in einer Kleinzeitschrift, die heißt The Day Dawn. Und darin zeigen sie folgendes: Sie sagen, die Wiederkunft hat noch nicht stattgefunden. Sie zeigen ebenfalls wie Hale und Turner, dass es verschiedene Bräute in der Bibel gibt und dass Christus vor der Wiederkunft zum König gekrönt wird. Aber sie zeigen etwas, was weder Turner noch Hale noch irgendjemand anderes bisher studiert hat. Etwas, was revolutionär ist. Hier steht es: „Der Zweck der typologischen Institution war es, unserem eingeschränkten Verständnis der beiden Dienste, die Christus als Erlöser der Menschheit zu verrichten hatte, nahezubringen. Sie wurden dargestellt durch die was? Zwei Abteilungen beziehungsweise die zwei Dienste in den zwei Abteilungen der Stiftshütte.“ Diese heiligen Orte waren Symbole des Wahren. Wenn es zwei Symbole gibt, muss es auch was geben? Zwei Realitäten.

[43:59] Crozier, Edson und Hahn sind die allerersten, die einer staunenden Öffentlichkeit präsentieren: Es gibt zwei Abteilungen auf dem irdischen Heiligtum. Es muss auch zwei Abteilungen im himmlischen Heiligtum geben. Und beide haben ihren Dienst. In der ersten Abteilung gibt es Vergebung der Sünden. In der zweiten gibt es das Auslösen der Sünde. Und Jesus ist in das Allerheiligste gegangen. Und das Geheimnis Gottes, das Evangelium, wird im Allerheiligsten vollendet. Daniel 7, Vers 13, 14 stellt nicht die Wiederkunft, sondern die Krönung dar und so weiter und so fort. Und dann zeigen sie auch, das Hineingehen mit in die Hochzeit bedeutet nicht eine persönliche Gegenwart, sondern die Menschen warten draußen, so wie auf einem Heiligtum die Menschen draußen gewartet haben, während der Hohepriester hineingegangen ist. Und natürlich heißt das: Die Tür ist geschlossen. Und für sie heißt es zu dem Zeitpunkt auch: Die Gnadenzeit ist zu Ende. Ganz interessante Sache.

[45:05] Was macht eigentlich Snow? Samuel Snow befindet sich mittlerweile regelrecht im Krieg mit Himes und anderen. Er veröffentlicht eine, er hält eine Predigt in New York, in der er sagt, die drei falschen Hirten aus Sacharja 9 bis 11, die drei falschen Hirten. Er sagt, diese drei falschen Hirten, er benennt sie nicht bei Namen, aber er beschreibt sie so deutlich, dass jemand im Publikum schreibt, fragt: „Meinst du damit Himes und Litsch und Storrs?“ Er sagt: „Ja, die falschen Hirten, weil sie das aufgeben. Sie geben den siebten Monat auf.“ Und Snow ist sehr, sehr fest an diesem Punkt.

[45:55] Währenddessen wird Miller immer, immer mehr müde zu sehen, dass es so viele Konfusionen gibt. Und er sehnt sich zurück nach der Zeit, als es nur wenig Adventisten gab und alle eine Meinung hatten. Und irgendwann kommt er zu dem Punkt, dass er die ganze Matthäus 25 Debatte aufgibt und sagt: „Hey, ich glaube, ich hatte damals recht mit meiner ursprünglichen Auslegung, dass es nur allgemein von der Wiederkunft spricht.“ Ohne Verzögerungszeit, ohne Mitternachtsruf, ohne alles. Und er ist so müde, er gibt es einfach auf. Aber Crozier und Hahn und Edson studieren weiter und sie kommen zu genau diesen Punkten, die wir gerade angesprochen haben.

[46:28] Derweil wird der Fanatismus immer schlimmer, just in dieser Zeit. Einige Leute behaupten, Jesus ist geistlich wiedergekommen, deswegen hat Gott keinen Körper. Der wahre Himmel ist im Herzen. Und wenn jemand auf den Himmel schaut für die Wiederkunft, dann ist er ein Antichrist. Und wenn er auf die buchstäbliche Wiederkunft wartet, dann ist er fleischlich gesinnt. Krass, nicht wahr? Es wird noch schlimmer werden.

[46:56] Währenddessen hat Bates alle Augen nur für den Sabbat. Und er entscheidet sich: Ich möchte dieses Thema genauer studieren. Er stellt fest, dass es eine Gruppe von Adventisten gibt, hier in Washington, in New Hampshire, und die will er besuchen. Diese Sabbat-haltenden Adventisten. Er macht sich auf den Weg nach Hillsborough, kommt dort an, 10 Uhr in der Nacht, 22 Uhr, klopft bei diesem Prediger, Frederick Wheeler, der der erste war, den Sabbat angenommen hat, klopft an seine Tür. Der macht die Tür auf und sagt: „Hey, was, wer bist du denn? Was machst du so spät um diese Uhrzeit?“ Er sagt: „Ich möchte alles über den Sabbat wissen.“ Wheeler sagt: „Komm rein.“ Und sie studieren die gesamte Nacht. Bates schreibt alle Sachen auf, die er lernt, stellt alle Fragen, und Wheeler versucht so gut zu antworten, wie er kann, gibt ihm auch noch das Traktat, das neue Traktat von Preble. Und als am frühen Morgen die Sonne aufgeht über den Hügeln von New Hampshire, knien sich Wheeler und Bates hin und sagen: „Wir wollen uns vornehmen, den Sabbat allen Adventisten zu bringen. Das ist unsere Mission.“

[48:03] Am nächsten Tag trifft er die Farnsworth-Brüder, Kairos Farnsworth und seinen Bruder, die die ersten Laien-Adventisten waren, die den Sabbat angenommen hatten, hier damals 1844. Und als er dann mit dem Zug zurückfährt, drei Tage lang, und Zeit genug hat, über das Thema nochmal nachzudenken, ist er so fest entschlossen, dass folgendes passiert. Als er ins Haus ankommt in Fairhaven, da geht er auf dieser Brücke zur Nachbarstadt in New Bedford. Und auf der Brücke trifft er seinen Nachbarn, James Hall. Und er fragt ihn: „Hey Bruder Bates, was ist die gute Nachricht?“ Und Bates antwortet: „Die gute Nachricht ist, der siebte Tag ist der Sabbat.“ Und Hall steht da und sagt: „Was?“ Und Bates sagt: „Weißt du was, lass uns nächstes Wochenende treffen, ich halte euch ein Thema und ich präsentiere euch das.“ Und Hall wird einer der ersten in der Gegend, die den Sabbat annehmen. Bates nimmt sich vor, der Apostel des Sabbats zu werden.

[49:00] Crozier schreibt dann einen wichtigen Punkt hier am 17. April. Das ist gleich am Ende angelangt. „An jenem Tag hat Jesus die Verzögerungszeit beendet, indem er das Amt des Bräutigams, beziehungsweise die finale Versöhnung übernahm. Unser großer Hoher Priester erwirkt nun Versöhnung für ganz Israel, während wir uns der wichtigsten Aufgabe, dem Gebet widmen sollten.“ Einige haben angenommen, dass Christus den Gnadenthron verlassen hat, als er sein Versöhnungswerk am 10. begann. Aber der Gnadenthron ist wo? Im Allerheiligsten. Was Crozier sagt ist: Die Tatsache, dass Jesus ins Allerheiligste gegangen ist, bedeutet nicht, dass es keine Gnade mehr überhaupt gibt, sondern der Gnadenthron ist im Allerheiligsten.

[49:46] Und so finden wir März, April eine Spaltung unter den Bräutigams-Adventisten. Die Mehrheit, inklusive Samuel Snow und auch Leuten wie James White und Joseph Bates, sie glauben, dass der 22. Oktober der Versöhnungstag war und dass die Versöhnung an diesem Tag zu Ende war, weil der große Versöhnungstag auf Erden war ja auch nur ein Tag und deswegen Jesus jetzt als König regiert. Aber was Edson, Crozier und Hahn so brillant zeigen und warum sie so wichtig sind: Sie zeigen, der große Versöhnungstag im Antitibus ist nicht nur ein Tag, sondern ein längerer Zeitraum. Die gleiche Idee findet sich nur noch bei einer Dichterin namens Emily Clemens, die allerdings weniger theologisch und mehr persönlich mit persönlicher Heiligung argumentiert und bei Ellen Harmon in ihrer Exeter-Vision. Aber Ellen Harmon hat keine Ahnung von Crozier und von Hahn und von Clemens. Das ist alles unabhängig voneinander.

[50:42] Derweil wird dieser Krieg zwischen Snow und Himes immer schlimmer und zum Teil unter der Gürtellinie, sie attackieren sich gegenseitig. Himes warnt vor Snow und vor allen Dingen dieser Bräutigams-Adventisten mittlerweile und sagt, es ist falsche Lehre. Und Snow macht ganz deutlich: „Der Zeitpunkt kam am 10. Tag des siebten Monats, als die Versöhnung vollendet wurde und natürlich kann niemand mehr versöhnt werden.“ Ende der Gnadenzeit.

[51:11] Ellen Harmon kommt noch einmal zurück hier nach Orrington auf ihrer Reise und sie hat eine Vision. „Es heißt, die armen Seelen, die seit langem keine Versammlung haben konnten, wurden sehr erquickt. Während wir in dieser Nacht beteten und weinten, bekam ich eine Vision und mir wurde gezeigt, dass ich am nächsten Morgen abreisen müsse. Unser Weg hier war getan. Wir konnten gehen.“ Früh am Morgen wird sie von den Geschwistern zu einem Boot gebracht mit James White und der Schwester, die sie begleitet.

[51:36] Was passiert ist dann folgendes. Als die Geschwister zurückkehrten, wurden sie von einigen aufgebrachten Bürgern gefunden, die früh sich aufgemacht hatten, um diejenigen zu suchen, die es gewagt hatten, in Orrington eine Versammlung abzuhalten. „Unsere Geschwister informierten die zornigen Männer, dass wir nicht mehr in Orrington seien, sondern weit entfernt. Sie peitschten die Männer, die uns zum Brot gebracht hatten, aus. Das Haus, in dem wir übernachtet hatten, wurde vergeblich nach uns abgesucht und sie waren schwer enttäuscht, dass sie uns nicht finden konnten.“ Das war eine reale Gefahr für Ellen Harmon. Und Gott hat sie durch eine Vision davor bewahrt.

[52:09] Sie kommt in Portland an und ist zutiefst erschrocken, dass die Fanatiker, die sie in Ostmain getroffen hat, mittlerweile ihren Weg nach Portland gefunden haben und in Portland Fanatismus anfangen. Und bis zu dem Punkt, dass sogar Joseph Turner selbst, der Adventisten-Prediger, Fanatiker geworden ist. Und dieser Fanatismus nimmt zum Teil extreme Formen an. Einige glauben, es gibt eine geistliche Ehe. Ich bin mit einer Frau verheiratet, aber mit einer anderen geistlich verheiratet. Und dass wir so heilig sind, dass wir nicht mehr sündigen können. Und wenn ich mit einer Frau eine geistliche Ehe habe, dann sind alle meine Gedanken, die ich habe, nicht sündig. Und wo das endet, könnt ihr euch vorstellen. Es kommt so weit, dass einige nackt zur Versammlung kommen und Partnertausch praktizieren. Jetzt versteht ihr auch, warum Adventisten von den Nicht-Adventisten zum Teil als die schlimmsten Verbrecher angesehen werden und warum Leute ins Gefängnis kommen, weil die Nicht-Adventisten alle in einen Haufen schmeißen. Und Ellen Harmons Kampf geht jetzt sogar in ihre eigene Heimatstadt, in ihre eigene Gemeinde gegen diesen Fanatismus.

[53:11] Noch einmal wird sie gerufen nach Topsam, wo sie erlebt, wie durch Gebet Menschen geheilt werden von der Ruhe und auch von Rheumatismus. Das ist bei der Familie Hauland, Stockbridge Hauland. Und sie sagt später selbst, dass sie als 17-jähriges Mädchen in der Gefahr stand, selbst vom Fanatismus weggeschweppt zu werden, umgestoßen zu werden. Sie sagt: „Ihre falschen Impressionen hätten mich von meiner Pflicht abbringen können, hätte der Herr mir nicht gezeigt, wohin ich gehen und was ich tun soll. Obwohl ich jung und unerfahren war, wurde ich durch die Gnade Gottes davor bewahrt, in die Schlinge des Feindes zu geraten, da er mir spezielle Instruktionen gab, wen ich zu fürchten habe und wem ich vertrauen konnte.“ Gott sagt dir: Vertrau nicht dem Joseph Turner. Gott sagt dir: Vertrau James White. „Ohne diesen Schutz, so sehe ich es heute, wäre ich wohl mehrmals vom Pfad der Pflicht abgelenkt worden.“

[54:10] Um den Graben deutlich zu machen, der sich Ende April zwischen den beiden Gruppen befindet, der Adventisten: Samuel Snow sagt im Jubiläumstandard, 24. April: „Was folgt daraus? Es folgt, dass der mystische Körper Christi vollständig ist. Das letzte Glied ist hinzugefügt worden. Der siebte Engel hat begonnen, seine Posaune zu blasen und das Geheimnis Gottes ist vollendet. Der Meister des Hauses ist aufgestanden und hat die Tür geschlossen. Der Bräutigam ist zur Hochzeit gekommen und die Tür ist geschlossen.“ Selber Tag, andere Zeitschrift. Josiah Litsch über die siebte Monatsbewegung: „Wir haben uns geirrt und sind vom Weg abgekommen. Es war alles ein Irrtum.“ Und diese beiden Positionen lassen sich nicht mehr, nicht mehr zusammenbringen. Es ist zu weit auseinander.

[54:54] Miller und Himes gehen nach Albany, um dort eine Generalkonferenz abzuhalten. Es wird die letzte oder die erste Generalkonferenz nach der großen Enttäuschung. Das Ziel ist, so viel Einheit wie möglich wiederherzustellen. Sie treffen sich vom 29. April bis zum 1. Mai. Elon Glusch hat den Vorsitz und ein Komitee, in dem Miller, Litsch, Himes, Whiting, Bliss und andere anwesend sind, sollen ein generelles Statement verabschieden: Was ist der originale Adventglaube? Die repräsentieren etwa 30.000 Adventisten, die große Mehrheit. Und das wichtigste Ergebnis der Albany-Konferenz: Der 22. Oktober ist kein prophetisches Datum. 1844, das wird aufgegeben. Und damit wird die Albany-Konferenz zu einem ganz offiziellen Stolperstein und zu einer Trennlinie zwischen den Bräutigams-Adventisten und der Mehrzahl der Adventisten, die jetzt das alles aufgeben. Sie bestätigen die Grundlehren des Adventismus: Wiederkunft, Millennium, Israel, aber es gibt kein Datum mehr, sondern einfach nur baldige Wiederkunft und damit auch keine Berechnung mehr erstmal von prophetischen Zeiten. Und die Bekehrung ist bis zum Ende möglich, bis Jesus wiederkommt. Es gibt keine Gnadenzeit, die vorher abläuft. Die Frage des Zustands der Toten ist umgangen worden. Man möchte Streit vermeiden, weil viele eigentlich mehr auf Storrs-Linie sind, aber Leute wie Litsch und Miller dagegen sind. Man versucht so weit wie möglich Einigkeit zu haben, aber dann wenden sie sich gegen die neuen Testfragen. Gegen spezielle Erleuchtung, das ist eine Formulierung für Vision. Wir sind gegen Vision, sagen sie. Wir sind auch gegen fanatische Praktiken und wir sind, sagen sie, gegen jüdische Fabeln und Menschengebote. Und alle Historiker sind sich einig, dass das eine versteckte Anspielung auf den Sabbat ist.

[56:58] Die Albany-Konferenz entscheidet: Oktober 48 war ein Fehler. Sabbat unwichtig, Vision brauchen wir nicht und Fanatismus ist auch falsch. Indem sie alles zusammenmixen, gehen sie ein Stück über das Ziel hinaus. Und damit enden wir heute.

[57:14] Anfang Mai 1845 finden wir vier Gruppen von Adventisten dort sich aufgesplittert. Die Hauptgruppe sind die der geöffneten Tür. Das ist die Albany-Gruppe. Litsch, Himes, Miller ist mittlerweile dort jetzt dabei, Whiting ist dabei, Galusha Bliss, Marsh ist dabei. Und das sind ungefähr 30.000 Adventisten, die sagen: Es war alles ein Fehler. Gott hat es irgendwie benutzt, diesen Fehler, aber es hat nichts zu sagen, was wir erlebt haben 1844. Und er kommt jetzt bald, wir warten einfach und damit bleibt es. Dann gibt es die Bräutigams-Adventisten a la Samuel Snow. Sie sagen: Die Tür ist geschlossen, die Versöhnung ist vollendet. Und das ist die Mehrheit dieser Minderheit. Und James White, Bates, der den Sabbat schon hält und natürlich Samuel Snow und viele andere sind auf dieser Linie. Dann gibt es die Bräutigams-Adventisten, die sagen: Die Tür ist geschlossen, aber die Versöhnung geht noch weiter. Und das sind Edson, Crozier, Hahn, die das Heiligtum studiert haben, die das Heiligtum jetzt versuchen in den Vordergrund zu bringen. Und Ellen Harmon aufgrund ihrer Vision. Und dann gibt es die Fanatiker: Turner, Pearson und andere, die sagen: Die Tür ist geschlossen und Jesus ist geistlich gekommen.

[58:21] Und das große Versagen von Himes und Miller war das, dass sie diese drei Gruppen in einen Topf geworfen haben und umgerührt haben. Sie selbst hatten erlebt in den Jahren zuvor, dass es Fanatiker unter den Adventisten gab, unter den Milleriten. Und sie hatten sich beschwert, dass die anderen Christen alle Milleriten über einen Haufen gescherrt haben und gesagt haben: Wir sind nicht so wie die Fanatiker. Aber genau diesen Fehler, den sie selbst an sich erlebt haben, den begehen sie jetzt an diesen Bräutigams-Adventisten. Was uns zu der wichtigen Lehre führt: Es lohnt sich zweimal hinzuschauen. Es lohnt sich hinzuschauen und nicht alles über einen Kamm zu scheren. Denn wegen dieser Fehleinstellung haben sich die Mehrzahl aller Adventisten von dem neuen Licht, das jetzt anfängt zu scheinen, über den Sabbat, das Heiligtum und den Geist der Weissagung abgeschnitten. Die Albany-Konferenz sagt: Nur die hier sind, sind die wahren Adventisten, alle anderen sind falsch. Aber unsere Wurzeln liegen eindeutig hier. Und das ist der Scheideweg, der Anfang 1845 beginnt. Und für diese Menschen hieß das hier, an etwas festzuhalten, obwohl selbst die Mehrzahl der eigenen Freunde, der eigenen Brüder und Geschwister es nicht glaubt. Und das ist eigentlich die Wurzel unserer Gemeinde, dass in einer Zeit, als die meisten Adventisten die Prophetie aufgegeben haben, einige wenige festgehalten haben. Sie haben nicht alles verstanden, sie waren nicht in allem richtig, aber sie haben festgehalten und haben weitergemacht.

[59:55] Nächste Woche: Tage des Zweifels. Trotz allem Mut und allem Festhalten waren sie auch nicht immer so sicher. Und wir werden sehen, wie gerade diese jungen Pflänzchen unter schwerem Sturm zu leiden haben in den nächsten Monaten. Bis dann haben wir nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, dass wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Gott segne euch und wir treffen uns in fünf Minuten zu unserem Offenbarungsseminar. Amen.


Lizenz

Copyright ©2014 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.