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In diesem Teil der Serie „Die Zeit des Endes“ wird das Jahr 1836 beleuchtet, ein Jahr, das von wachsender Erwartung auf zukünftige Ereignisse geprägt war. Der Vortrag diskutiert die unterschiedlichen Prophezeiungen und Erwartungen bezüglich des Endes der Zeit, die von verschiedenen Persönlichkeiten und Bewegungen geäußert wurden. Gleichzeitig wird das alltägliche Leben von Schlüsselpersonen wie Ellen Harmon und die sozialen Reformbewegungen jener Zeit dargestellt.

Die Ereignisse des Jahres 1836 werden in einem globalen Kontext betrachtet, von Missionarsreisen in Afrika bis hin zu politischen Umwälzungen in Südamerika und Europa. William Miller setzt seine Vortragsreihen fort und veröffentlicht sein wegweisendes Buch, während Charles Darwin nach seiner Weltreise seine Erkenntnisse zu verarbeiten beginnt. Die Serie beleuchtet, wie diese scheinbar unabhängigen Ereignisse und Entwicklungen Teil eines größeren historischen und prophetischen Bildes sind.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu unserem neuen Seminar, die Zeit des Endes. So neu ist es auch wieder nicht, sondern wir haben nur vier Wochen Pause gehabt, haben uns da auch viel mit der Zeit des Endes befasst. Schön, dass ihr da seid und schön, dass ihr wieder live dabei seid auf www.joelmedia.de.

[0:22] Wir werden heute mit dem nächsten Thema weitermachen, und zwar mit dem Jahre 1836 und es wird heißen, das Ende naht. Und wir werden uns immer mehr jetzt diesem großen Datum nähern, 1843 und sehen, was passiert ist. Es wird immer spannender und spannender und spannender werden und wir wollen beginnen mit einem Gebet und dann hineintauchen in das Thema.

[0:47] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir jetzt zu dir kommen können. Wir möchten dich bitten, dass du uns durch den Heiligen Geist führst und leitest, dass wir verstehen dürfen, was du uns zu sagen hast, dass wir aus der Geschichte lernen dürfen, aus deinem Wort lernen dürfen und danken dir für alles, was du uns heute Abend bereithältst. Amen.

[1:11] 1836 war ein Datum, auf das die Welt gewartet hatte und zwar in einem besonderen Maße. Es gab einige Leute im 18. Jahrhundert, die das Datum 1836 sehr prominent gemacht hatten. Unter ihnen diese beiden hier. Jetzt bin ich mal gespannt, wer die letzten vier Wochen da gewesen ist, hat jetzt einen Vorteil und kann mir sagen, wer sich hier hinter diesem Bild verbirgt. Das ist John. Viele sind John nicht mehr. John Wesley. John Wesley war einer von denjenigen, die im 18. Jahrhundert, er war ja der Begründer des Methodismus, der Methodisten, einer derjenigen, der gesagt hat, 1836 wird das Ende der Welt sein.

[2:02] Er hatte diese Idee von ihm hier, von einem deutschen Lutheraner, der hier in Württemberg oder Württemberg, wie es heute heißt, gewirkt hat und das war Johann Albrecht Bengel. Genau. Der aufgrund der Jahreszahl, oder nicht der Jahreszahl, der aufgrund der Zahl 666 angenommen hatte, dass 1836 das Ende kommen würde. Er hatte geglaubt, diese 666 sind eine Jahreszahl und viele, viele Menschen, gerade in Deutschland, aber zum Teil auch in England, aufgrund der Schriften von Bengel, hatten diese Sicht angenommen, dass 1836 das Ende kommen würde. Und so gab es im Jahre 1836, gerade hier in Württemberg, eine ganze Reihe von Gläubigen, die tatsächlich das als das Enddatum angenommen hatten, obwohl wir das letzte Mal gesehen hatten, ich glaube, ich hatte es erwähnt, dass 1835 auch einige deutsche Bücher geschrieben hatten, die gesagt haben, hey, Moment mal, wir haben da Bücher aus England gelesen, es ist nicht 1836, es ist 1843 oder 1846 oder 1847. So gab es da noch eine ganz beträchtliche Anzahl von Leuten, die an diesem Datum 1836 festgehalten hatten, obwohl Bengel selbst nicht geglaubt hätte, dass an dem Datum die Wiederkunft sein würde, sondern er dachte, dass dann die 1000 Jahre beginnen. Und Bengel selbst hat sogar an zweimal 1000 Jahre geglaubt, etwas merkwürdig, aber das ist nicht unser Thema heute.

[3:21] Und Josef Wolff hat auf seinen Reisen in Persien auch Dervische gefunden, die ebenfalls geglaubt hatten, dass 1836 etwas Besonderes passieren würde. So war dieses Datum also schon mit einiger Bedeutung aufgeladen, als es dann kam. Und selbst für diejenigen, die nicht an 1836 glaubten, sondern an 1843 und 1847, war natürlich die Zeit schon sehr nahe und die Spannung stieg in vielen Teilen der Weltbevölkerung, vor allem unter denen, die sich mit der Bibel auseinandergesetzt hatten und die Bischöpophetie studiert hatten.

[3:52] Es gab aber jemand, der von all dem noch gar nichts wusste und nicht den blassesten Schimmer hatte und dieses kleine Mädchen lebte hier. Wir haben schon öfter über sie gesprochen. Ihr Name war Ellen. Wie heißt denn ihr Nachname? Harmon. Ganz genau, Ellen Gould Harmon. Sie lebte hier in Portland mittlerweile und 1836 war sie jetzt, wir nehmen an, man kann es nicht genau sagen, in der dritten Klasse. Ich weiß nicht, wer von uns sich erinnern kann, wie es war, als sie in der dritten Klasse war.

[4:20] Ellen war eine sehr gute Schülerin. Sie hatte es geliebt, zur Schule zu gehen und ganz besonders hat sie sich gefreut, dass im Jahre 1836 das alte Holzschulhaus abgerissen wurde und dieses Gebäude hier als Schulhaus gebaut wurde. Damals hatte es nur zwei Etagen und es hatte natürlich auch keine Autos hier, aber das Haus hier, zwei Etagen, in dem Ellen Harmon zur Schule ging. Sie war so gut, dass sie schon in der dritten Klasse dann von der Lehrerin gefragt wurde, den jüngeren Schülern vorzulesen. Sie konnte sehr gut lesen, war sehr begeisterungsfähig für Schulwissen, kam schnell voran. Das Lesen hatte besonders viel Spaß gemacht, weil in ihrer Schulfibel die Heldin Ellen hieß, da war sie ganz begeistert und hat gut aufgepasst, war eine gute Schülerin. Und neben den Fibeln war besonderer Lehrstoff die Bibel. Man musste, wenn man lesen konnte, gab es dann immer im Unterricht am Anfang einige Verse, die man lesen musste und vor allem Bücher über besonders tugendhafte Kinder. Also das methodistische Sabbatschulsystem war so, dass man immer erfundene Geschichten erzählt hat über Kinder, die so gehorsam waren und so wunderbar und so tugendhaft, dass Ellen weit später gesagt hat, als sie dann älter war, dass sie so viele Geschichten von Kindern gelesen hat, die nur gut waren und nie was Böses gemacht haben, dass sie völlig verzweifelt war und gesagt hat, so werde ich nie. Ich weiß nicht, ob jemand von uns auch so eine Erfahrung gemacht hat, aber mit ihren acht Jahren war sie da schon ziemlich aufmerksam dieser Sache gegenüber.

[5:59] Sie war außerdem schon eingespannt in den Beruf ihres Vaters. Weiß jemand noch, was der Vater für einen Beruf hatte? Der war Hutmacher. Ganz genau. Und so ist sie ganz oft mit ihm und ihren Geschwistern dann zum Marktplatz dort in dieser Hafenstadt und hat Biberfälle gekauft und Hasenfälle und sie konnte schon mithelfen, mit ihren acht Jahren so Kleinigkeiten machen und das ist ja keine einfache Sache, so einen Hut herzustellen, aber so Kleinigkeiten konnte sie mithelfen. Und so war das Leben 1836 für sie. Und warum erzähle ich das alles? Weil eines Tages kam sie wieder von der Schule, hat wahrscheinlich wieder vorgelesen, war begeistert über was Neues, was sie gelernt hat und als sie so durch die Straßen von Portland geht, damals sah das mehr so aus wie hier, passiert etwas, was ihr Leben verändern wird.

[6:51] Sie geht durch die Straßen und findet auf der Straße einen Fetzen Papier. Was macht man als achtjähriges Mädchen? Hebt den auf und was sie da gelesen hat, hat sie schockiert. Lassen wir sie selbst mal zu Wort kommen. Sie sagt, auf meinem Weg zur Schule hatte ich einen Papierfetzen aufgehoben, der einen Bericht von einem Mann in England enthielt, der predigte, dass die Welt in etwa 30 Jahren zugrunde gehen würde. Ich nahm dieses Papier mit nach Hause und las es der Familie vor. Als ich über die Vorhersage nachdachte, ergriff mich Schrecken. Die Zeit erschien so kurz, um die Welt zu bekehren und zu erlösen. Der kurze Absatz auf diesem Papierfetzen machte einen solchen tiefen Eindruck auf mich, dass ich für mehrere Nächte kaum schlafen konnte und ständig betete, dass ich bereit sein möge, wenn Jesus kommt.

[7:41] Was war passiert? Da gab es irgendwo so einen kleinen Zeitungsfetzen auf der Straße, den hat sie gelesen. Auf diesem Zeitungsfetzen stand zufällig eine Auslegung von einem englischen Theologen. Wir wissen nicht genau, wer es war. Man vermutet Edward Bickerstaff, der davon ausgegangen war, dass Jesus 1866 wiederkommen würde und bestimmte Prophezeiung. Und sie hat das gelesen und zum ersten Mal kommt diese Idee in ihr kleines Gehirn hinein, dass irgendwann in naher Zukunft die Welt zugrunde gehen könnte. Und das hat sie, wie gesagt, ihrer Familie vorgelesen. Auch das Beweis, dass sie schon gut lesen konnte mit acht Jahren. Und wie wir gesehen haben, sie konnte nächtelang nicht schlafen. Und das hat sich wohl ziemlich tief hineingebrannt in ihr Gehirn. Und naja, wir werden später sehen, in den nächsten Folgen, wie sich das weiterentwickelt hat, diese Idee. Jesus kommt vielleicht in meiner Lebenszeit wieder.

[8:31] Wir haben über andere Leute gesprochen und wir wollen auch da ein bisschen weiter in der Lebensgeschichte von diesen Leuten gehen. Einer von ihnen war Joseph Bates. Joseph Bates war Käpt'n gewesen und hat sich jetzt in den letzten Jahren als Farmer versucht. Und Joseph Bates war ein großer Anhänger der Mäßigkeitsbewegung. Und die Mäßigkeitsbewegung hatte sich auf die Fahnen gesetzt: Kein Alkohol mehr. Aber Joseph Bates geht im Jahre 1836 einen Schritt weiter. Nachdem er erst aufgehört hatte, starken Alkohol zu meiden und dann Wein zu meiden und dann Bier zu meiden und überhaupt alles Alkohol zu meiden, entscheidet er sich im Jahre 1836, nachdem er das gründlich studiert hat, auch Kaffee zu meiden und Tee, also Tee, also Schwarztee und grünen Tee. Und so sehen wir, dass über viele Jahre hinweg er einen Schritt nach dem anderen gemacht hat und einer der Vorreiter der Gesundheitsreform war. Hier haben wir ein Bild von ihm, von Joseph Bates aus späteren Jahren.

[9:38] Die Mäßigkeitsbewegung in jenen Jahren war mittlerweile zu einer nationalen Bewegung angewachsen. Hier mal ein kurzer Bericht über das, was man 1836 an Statistiken vorweisen konnte. Es gab zu diesem Zeitpunkt 5000 lokale Mäßigkeitsgesellschaften, die gesagt haben, kein Alkohol mehr. Eine Million Mitglieder. Das heißt, es gab eine Million Amerikaner, die in einem Verein organisiert waren, der gefördert hat, kein Alkohol mehr zu trinken. Man hatte mittlerweile es geschafft, tausenden von Herstellern alkoholischer Getränke, die zu überzeugen, das Geschäft aufzugeben. 6000 Händler hatten den Verkauf eingestellt, 5000 Alkoholiker waren geheilt worden und 700 Schiffe fuhren mittlerweile auf den Weltenmeeren ohne einen Tropfen Alkohol. Also diese Bewegung hatte nationale Züge und Joseph Bates war einer der Vorreiter. Und im Jahre 1836 hat sich dann auch der große Dachverband, die American Temperance Union, entschieden, allen Alkohol zu meiden. Es gab also diese zwei Bewegungen. Die eine hat gesagt, gar kein Alkohol. Die anderen haben gesagt, nur keinen starken Alkohol. Und diese zweite Bewegung hat sich entschieden, doch auch ganz den Alkohol zu lassen. Das war natürlich sehr zu seiner Freude. Und man hat sich jetzt entschieden, um 1836 Richtung Gesetzgebung zu gehen. Man wollte die Gesetzgebung dahingehend verändern in Amerika, dass Alkohol illegal wird, dass Verkauf von Alkohol illegal wird. Und das hat ziemlich Aufruhr gesorgt.

[11:02] Der hier neben ihm, das ist George Storrs, auch jemand, der in den nächsten Jahren noch recht wichtig werden wird. Er war die letzten elf Jahre als Methodistenprediger unterwegs, als Reiseprediger und hat 1836 einen Job angenommen als lokaler Ortsprediger für die Methodisten. Er war sehr beliebt und hatte quasi den Bischofstitel schon als zukünftige Erfolgsaussicht. Er hatte nur ein Problem. Er hatte ein Lieblingsthema, das bei den Methodisten gar nicht gern angesehen war. Er predigte gern gegen die Sklaverei. Und das sollte ihm später noch zum Verhängnis werden. Er hat also alle seine Macht und Mittel eingesetzt, um die Menschen zu überzeugen, dass Sklaverei schlecht ist. Das war ja auch etwas, was Joseph Bates sehr bekämpft hat, die Sklaverei. Und das war die Zeit, in der diese Miller-Bewegung dann später fruchtbaren Boden gefroren hat. Die Zeit von sozialen Reformen, die immer stärker agitiert worden sind.

[12:00] Was man auch über Joseph Bates berichten kann, ist, dass er jetzt, nachdem die Farmerei nicht so wirklich Erfolg gebracht hat, auf die Idee kam, vielleicht mit Seitenspinnerei Geld zu machen. Er hat sich Maulbeerbäume kommen lassen. Er hatte das Thema gründlich studiert. Er war ja ein sehr akkurater Mann gewesen. Und er hatte festgestellt, dass man diesen Baum oder diese Seidenspinne, die in China ja so erfolgreich sind, auch durchaus in Neuengland anbauen könnte. Und so hat er dann Maulbeerbäume sich besorgt. Und diese Maulbeerbaumblätter sind ja das Futter für diese Seidenspinne, die dann die Seide produzieren. Und so hat er dann einige Jahre lang diese Seidenspinnerei versucht aufzubauen. Und das als sein zukünftiges Geschäft gesehen. Seefahrer wollte er nicht mehr sein. Und irgendwie musste er sein Geld verdienen. Und das bot sich an. Genau.

[12:51] Noch jemand, mit dem wir demnächst öfter sprechen werden, ist Charles Fitch. Wer bei der Serie "Der Marknap Conflict Survivor" hat sich an ihn vielleicht auch erinnern können. Und Charles Fitch war Prediger bei den Kongregationalisten. Das sind die, die keine höhere Kirchenstruktur haben, sondern einzelne Gemeinden wieder für sich eigenständig. Und er war gut befreundet mit Charles Finney. Und Charles Finney war einer der größten Erweckungsprediger jener Zeit, der 1836 eine gewaltige Kirche in New York eingeweiht hat, und zwar am Broadway. Die Broadway Tabernacle Church mit 3000 Sitzplätzen. Das war damals ganz schön gewaltig. Und Finney war der berühmteste Prediger überhaupt. Und hat Charles Fitch eingeladen, die Öffnungsansprache zu halten für diese große Kirche. Und das zeigt auch, wie eng die beiden zusammengearbeitet haben.

[13:47] Und Finney war ebenfalls ein Mäßigkeitsreformer. Er hat nicht nur gegen Alkohol gepredigt, er hat ebenfalls gegen Kaffee gepredigt, 1836. Gegen Tee, und jetzt Achtung festhalten, nicht nur gegen Tabak, auch gegen Fleisch. Evangelikaler, Evangelist, der zu diesem Zeitpunkt der Erweckungsbewegung sagt, Fleisch, wir sollten Fleisch verlassen, wir sollten so leben wie Adam und Eva im Garten Eden. Ich war vegetarisch, vegan. Spannende Zeiten waren das gewesen.

[14:26] Was ist eigentlich aus der großen Adventbewegung in England geworden? Wir hatten ja gesehen, dass dort um Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre das ein nationales Thema war. Es war immer noch sehr, sehr wichtig, obwohl einige wie Irving in eine fanatische Richtung abgedriftet waren, das Ganze etwas schwieriger geworden war. Einige der ursprünglichen Adventgläubigen und Prediger waren immer noch aktiv. Einer von ihnen war Daniel Wilson. Er war mittlerweile Bischof in Calcutta geworden, der anglikanischen Kirche. Und Calcutta liegt wo? In Indien, genau. Und jetzt war er in Indien. Und ein sehr berühmter Bischof. Er war zu seiner Zeit einer der berühmtesten anglikanischen Kirchenmänner überhaupt. Ein hochberühmter Mann. Und er schreibt 1836 ein Traktat mit dem Titel "On the Numbers of Daniel", über die Zahlen des Daniel. Und er beschreibt dann die Endzeitereignisse. Und über diese Endzeitereignisse sagt er, 1836, diese ganze Zeitperiode wird vor dem Jahre 1847 beendet sein. Also ein ähnliches Datum wie auch Joseph Wolff. Und damit ist ihr Beginn sehr nah. Er sagt also, all die Endzeitereignisse werden 1847 beendet sein und sie müssten schon vorher beginnen. Es könnte vielleicht schon in diesem Jahr beginnen, denn alle vorbereitenden Zeichen sind um uns herum. Und obwohl wir nicht den Tag noch die Stunde des tatsächlichen Beginns kennen, ist die Zeit des Wachens und Wartens gekommen. Alles, was wir sehen, spricht die der deutlichsten Sprache. Bereite dich deinem Gott zu begegnen.

[15:57] Also die britische Adventbewegung war lange nicht ausgestorben. Wenn auch einige in den Fanatismus abgedriftet waren, sind andere aufgestanden und haben diese Botschaft weiter gepredigt. Und zum Teil in ganz unterschiedlichen Gebieten der Welt, wie Daniel Wilson hier in Kalkutta. Dankeschön.

[16:17] Joseph Wolff war immer noch unterwegs. Nachdem er im letzten Jahr 1835 kurzzeitig mal wieder in Europa war, hat es ihn 1836 wieder auf eine neue Missionsreise verschlagen. Was wäre jetzt ein gutes Ziel, nachdem er schon quasi bis nach innen gegangen war, den ganzen Nahen Osten und Fernosten erobert hat. Wohin könnte man sonst noch gehen als Missionar? Afrika, genau. Und so hat er das Ziel, nach inner Afrika, nach Schwarzafrika zu gehen. Aber da muss man erstmal im Norden anfangen. Und so reist er von Malta nach Alexandria. Im Januar ist das gewesen. Januar 1836 beginnt seine Reise jetzt hier in Alexandria und dann geht er nach Suez und so weiter. Und macht etwas, was er schon 15 Jahre vorher getan hat. Er ist ja mittlerweile schon 40 Jahre alt. Joseph Bates ist schon 43 und Wolff, wie gesagt, 40 Jahre alt. Und er möchte noch einmal dem Berg Sinai einen Besuch abstatten. Das hat er ja vor 15 Jahren schon gemacht und hatte damals, 1821, dort in der Nähe vom Sinai hebräische Testamente, neue Testamente, dagelassen. So in der Hoffnung, vielleicht gibt es da jemanden, der das findet und liest. Und als er 15 Jahre später dort im Kloster ankommt, entdeckt er ein Buch von einem Juden aus Myrna, der in der Zwischenzeit am Berg Sinai gewesen war, dort das Neue Testament von Wolff gefunden hatte, es gelesen hatte, Christ geworden war und aufgrund dessen ein Buch geschrieben hatte, das jetzt im Kloster da zu finden ist. Also das war ziemlich beeindruckend für ihn, als er da dem Berg Sinai nochmal einen Besuch abgestattet hat. Und dann ging es auch schon weiter Richtung Arabien, nach Jeddah, hier in der Nähe von Mekka, hat er in der Nähe von Mekka auch gepredigt zu den Mullahs. Das war aber nur Durchreise, denn er wollte Richtung Äthiopien, Richtung Abessinien, was ihm dann auch gelungen ist. Und von dort wollte er weiter Richtung Schwarzafrika.

[18:19] Übrigens, in Äthiopien dort hat er dann nicht mehr viele Kamele gesehen, sondern vor allem viele Elefanten. Und in einem Dorf, in einem Hirtendorf, mussten sie unter, er mit seiner Reisegesellschaft, unter Bäumen schlafen. Und die Hirten hatten drumherum ihre Schafhürden und er sagt, die ganze Nacht haben die Löwen gebrüllt. Und da hat man ab und zu ein, zwei Löwen gehört, die in die Schafherden hinein sind. Da hat man die Hirten gehört, die die Löwen versucht haben, zu vertreiben. Und dann musste er unter offenem Himmel schlafen. Das waren so die Gegebenheiten eines Missionars im Jahre 1836.

[18:51] Was war mit William Miller? Der war mittlerweile schon 53, im Jahre 1836, und war weiter unterwegs, Vorträge zu halten, in seinem Bundesstaat dort in New York und in Vermont. Hier zum Beispiel wieder in Dresden war er unterwegs am 24. Januar. Und er hat im Frühjahr nicht zu viele Vorträge gehalten, weil er beschäftigt war an seinem Buch. Im Laufe des Jahres sollte ein neues Buch herauskommen. Er hatte ja ein kleines Pamphlet schon drucken lassen, 1836, mit 64 Seiten, wo er seine Auslegungen über Daniel 7, 8, 9 und 11 gegeben hatte. Aber jetzt wollte er mal alle seine Vorträge zusammenfassen. So ein richtig, so ein dickes Buch, wo so alles, was er geglaubt, was er so an Vorträgen hat, der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Und das sollte 1836 herauskommen. Und da hat er dann geschrieben. Und was da drin steht in dem Buch, werden wir nächstes Mal dann sehen. Aber das hat ihn am Anfang des Jahres sehr in Anspruch genommen.

[19:51] Denn er hatte schon gemerkt, dass nur durch das Predigen allein erreicht man nicht so viele Leute, als wenn man vielleicht Bücher verkaufen kann, die an ganz andere Orte gehen können.

[20:00] In der Zwischenzeit gab es auch Probleme im Amerikaner, auf dem amerikanischen Kontinent. Texas hatte sich nämlich losgelöst von Mexiko. Die texanische Revolution begann und die Mexikaner haben die Texaner hier in Fort Alamo, das war im Februar, am 23. Februar, eingeschlossen und belagert. Texas hatte dann am 2. März seine Unabhängigkeit erklärt und Mexiko versucht dann mit einer militärischen Übermacht Fort Alamo zu besiegen. Und Miller predigt weiter, im März auch, an verschiedenen Orten und schreibt dann am 2. April seinem Brieffreund Hendricks Folgendes.

[20:39] Er sagt, dass er ein Buch schreiben möchte, das ungefähr 200 Seiten hat. Ein richtig dickes Buch. Und dass auch sein altes Pamphlet, dieses 64 Seiten Buch, schon ohne sein Wissen weitergedruckt worden ist, von anderen Leuten. Und das zeigt das Interesse daran. Und mittlerweile gibt es acht Prediger, acht Baptistenprediger, die seine Theorie predigen. Das heißt, er ist nicht mehr der Einzige. Er hat mittlerweile acht Leute gefunden, die dieselben Theorien in der Umgebung verkündigen. Es gibt außerdem zehn weitere Prediger, die davon überzeugt sind, aber sich noch nicht trauen, es zu predigen. Unter ihnen sein Brieffreund Hendricks, der auch das glaubt, aber sich nicht traut, darüber zu predigen.

[21:18] Am 20. April macht die USA einen weiteren Schritt Richtung Westen. Das Wisconsin Territory wird hier gegründet. Und da werden natürlich die Indianer weiter weggetrieben. Es ist eine Zeit, wo nicht nur der technische Fortschritt, sondern auch allein die Möglichkeit, so viel unorganisiertes Territorium hier, so viele Möglichkeiten noch den Menschen viel Hoffnung geben und viel Zukunftssinn.

[21:47] Es ist am 21. April, dass in einer überraschenden Wendung der Geschichte Texas, die kleine texanische Armee, gegen die Übermacht Mexiko in der Schlacht von San Jacinto siegt. Die Mexikaner hatten die Texaner die ganze Zeit verfolgt und verfolgt und verfolgt und verfolgt. Und irgendwann waren die Texaner, die waren nur 900 Mann, so müde vor dem Weglaufen, dass sie ihrem eigenen General, dem Houston, gesagt haben, wir wollen nicht mehr weglaufen, wir kämpfen jetzt. Er hat gesagt, nein, macht das nicht, ihr habt keine Chance. Die Mexikaner haben eine viel größere Übermacht. Da haben sie gesagt, ist egal, wir wollen nicht mehr weglaufen, wir wollen kämpfen. Der mexikanische General war so sicher, dass mit dieser kleinen Armee die Texaner niemals angreifen würden. Deswegen hat er nicht mal wirklich Verteidigung aufgestellt. Und dann haben die Texaner tatsächlich mit neun Mann Verlust oder so die Mexikaner platt gemacht. Folge war, ein neuer Staat war entstanden, die Republik von Texas. Neben Mexiko und den USA gab es jetzt Texas. Und da gab es ein großes Gebiet, was irgendwie zwischen Mexiko und Texas noch umstritten war. Und das hat natürlich auch die USA interessiert. Da gibt es jetzt so ein neues Land. Das waren natürlich vor allem amerikanische Siedler. Und die Idee war natürlich, warum die nicht auch bald noch einbinden. Und naja, wenn sie in die Geschichte weitergegangen ist.

[23:02] Von Josef Wolf, der mittlerweile in Afrika unterwegs ist, heißt es folgendermaßen einem Zeitungsartikel im April 1836. Vielleicht hat niemand der Lehre von der Wiederkunft Jesu größere Publizität, also Öffentlichkeitswirksamkeit eingebracht, als dieser gut bekannte Missionar der Welt. Wohin immer er auch geht, verkündigt er die Ankunft des Messias in Herrlichkeit. Zusammen mit anderen Begleitumständen des prophetischen Wortes, die seiner Meinung nach den Tag Gottes begleiten oder aber diesem direkt vorausgehen. Also Josef Wolf war wirklich weltbekannt. Jeder kannte seinen Namen. Man wusste, der Mann bringt die Botschaft von der Wiederkunft Jesu um das Jahr 1847 herum in der ganzen Welt umher.

[23:55] Er war nicht so weltbekannt, aber zumindest lokal dort in Neuengland sehr beschäftigt. Hat im Mai mehrere Vortragsserien gehalten in New Haven, in Weybridge, in Moncton und so weiter und so fort.

[24:11] Im Juni ist dann Wolf weiter eingedrungen in das äthiopische Hochland und hat dort die äthiopischen Christen, die äthiopische Kirche kennengelernt, die ja über tausend Jahre von Rom und von Europa völlig getrennt war. Und er stellt fest, dass die Christen dort viel jüdischer sind als normalerweise Christen. Sie halten sich an viele jüdischen Riten. Die Priester sehen aus wie Leviten. Es gibt dort, die Gotteshäuser sehen aus wie Tempel. Es gibt dort ein Heiliges und ein Allerheiligstes und der Allerheiligste darf nur der Priester hinein. Und er hatte vorher Amharisch gelernt, das ist die Sprache, die alte Sprache der Äthiopien. Auf seiner Überfahrt von Arabien nach Äthiopien hat er die Sprache gelernt und zwar so schnell, dass er in der Sprache predigen konnte. Auf Amharisch. Und natürlich gab das ein großes Hallo.

[24:56] Interessanterweise haben die Äthiopier noch an das Taufen durch Untertauchen geglaubt. Allerdings an die Babytaufe. Das heißt, man hat die Babys untergetauft ins Wasser. Und man hat sie auch noch beschnitten, wie die Juden das auch machen. Und es gab dort andere Sitten. Wenn er also gesagt hat, ich habe Hunger, dann hat man ihm eine lebende Kuh gegeben. Dann musste er selbst die Kuh schlachten. Das hat er mit Hilfe von Freunden auch gelungen.

[25:24] Was ganz besonders dramatisch war, in Äthiopien gab es einen bestimmten Herrscher, der alle paar Jahre dann wechseln sollte. Und wenn da kam so ein Gesandter von Ägypten aus, dann waren die Äthiopier, die haben diesen Herrscher so unglaublich geliebt. Und die waren so begeistert von ihm. Und wenn dieser neue Herrscher aus Ägypten dann kam und seine Stelle dort antreten sollte, dann war es Usus, dass dieser Herrscher sich verkleiden würde, damit niemand ihn erkennt. Denn wenn er ganz offen als Herrscher dort nach Äthiopien einreiten würde, bräuchte er ein Jahr, bis er zur Hauptstadt kommen würde, weil alle Leute sich vor ihm niederwerfen würden und ihn bitten würden, ihn anzuspucken. Also sie liebten es, angespuckt zu werden von ihrem Herrscher und ihm dann Geschenke machen würden. Er würde einfach nicht vorwärts kommen, weil die Leute ihn einfach aufhalten würden, ihm die Füße waschen würden und so weiter. Und es kommt, wie es kommen muss. An einem Ort, wo Wolf predigt, ruft jemand aus, das ist unser neuer Herrscher, er ist versteckt. Und es dauert nur wenige Augenblicke, da wird er mit Kühen überschüttet. Die Leute bringen ihre Kühe vor ihm und bitten ihn, bitte spuck uns an. Er sagt, er musste so viel spucken, dass ihm der Mund trocken wurde. Und naja, sie zwingen ihn, ihm die Füße zu waschen. Er will das gar nicht, aber sie zwingen ihn. Dann waschen sie ihm die Füße und trinken das Wasser und wollen also ihre Demütigung ausweichen. Er protestiert dagegen und protestiert dagegen. Er hat dann eine Idee. Er weiß, dass eigentlich die äthiopischen Christen nicht rauchen. Und um deutlich zu machen, dass er nicht zu ihnen gehört, nimmt er sich seine Pfeife und raucht. Und dann sagen sie, ja, das macht er nur, um sich zu verstecken. Das macht er nur, um davon abzulenken. Naja, hat er jedenfalls spannende Sachen erlebt.

[27:10] In Äthiopien entdeckt er auch, es gibt immer noch Blutrache, es gibt immer noch dieses Prinzip, dass wenn man in einer Provinz jemanden um totgeschlagen hat, dann darf man nicht mehr zurück, dann muss man in eine andere Provinz fliehen, so wie damals mit den Bluträchern auch in Israel. Und Kriminelle werden nicht begraben, sondern einfach liegen gelassen, damit die Hyänen sie fressen. Also interessante Umstände dort.

[27:36] Ebenfalls im Juni machen die Amerikaner noch einen Schritt weiter Richtung Westen. Der neue Bundesstaat Arkansas kommt hinzu und hat sich die USA jetzt schon in den letzten Jahrzehnten wesentlich ausgeweitet. Und damit gehen natürlich viele Siedler in dieses Gebiet. Und naja, die USA wächst und wächst und wächst.

[27:50] Miller hält eine weitere Vortragsreihe in Lansingburg, in New York. Und hier hält er zum zweiten Mal in seinem Leben Reisekosten zurückerstattet. Letztes Jahr in Kanada mal zweieinhalb Dollar bekommen. Hier bekommt er sogar vier Dollar. Ich meine, vier Dollar sind mehr damals gewesen, als es heute klingt. Wenn man zehn Stunden hart gearbeitet hat, hat man einen Lohn von 75 Cent bekommen. Das war so, also für einen guten Arbeiter. Also vier Dollar war schon ein bisschen was. Mehrere hundert, hundert Euro sozusagen. Aber es war das zweite Mal, wie gesagt, ansonsten hat er immer aus eigener Tasche das finanziert. Und während er dort predigt, wird er krank, hat Gallenleiden. Er entscheidet sich trotzdem, die Serie noch zu Ende zu führen. Bis zum 26. Juni geht er dann aber nach Hause und muss mehrere Wochen zu Hause bleiben.

[28:40] Währenddessen trifft Wolf am 26. Juni dort in Äthiopien den berühmten Missionar Samuel Gobar. Samuel Gobar war Schweizer gewesen. Und es war übrigens derjenige, vielleicht kann ich mich noch erinnern, der diese berühmte Bibelstunde dem Minister des ägyptischen Herrschafts gegeben hatte, woraufhin dann der Krieg zwischen Ägypten und der Türkei entstanden war. Und er war mittlerweile Missionar in Äthiopien. Und die beiden wussten voneinander. Und Wolf hatte geplant, ihn zu besuchen, sich kurz bei ihm aufzuhalten und von dort weiter nach Innerafrika zu gehen. Aber als er dort ankommt, stellt er fest, dass Gobar seit etlichen Monaten krank im Bett liegt und nicht mehr irgendwo hingehen kann, schwer krank ist und auf Hilfe angewiesen ist. Er hat keine Hilfe. Er hat nur eine Frau, die ein kleines Kind hat und schwanger ist, dort mitten in Afrika. Und einen deutschen Gehilfen, einen deutschen Württemberger, der sich allerdings als großer Heuchler herausstellt und völlig, naja, also nicht vertrauenswürdig ist. Wolf sagt es öfter in seinem Buch, dass die Leute, die Diener, die besonders gläubig sein wollten, am unzuverlässigsten waren. Und die ungläubigen Diener meistens sehr treu waren. Und es war doch der Gobar das Pech, einen Diener zu haben, der ihm nicht wirklich hilft. Und so entscheidet sich dann Wolf, bei ihm zu bleiben für einige Zeit. Und als er sieht, dass Gobar nicht besser wird, entscheidet er sich, ihn wieder zurückzubringen und dafür zu sorgen, dass er nach Arabien transportiert wird. Und er verspricht ihm sogar, falls Gobar sterben sollte, würde er Gobars Frau bis in die Schweiz zurückbringen. Weil ansonsten hätte die keine Chance, dort alleine zu überleben. Da aber dann im Juli die Regenzeit beginnt, müssen sie sowieso noch einige Zeit dort im Inneren Äthiopiens bleiben.

[30:39] Hier berichtet Miller dann im Juli, 21. Juli, schreibt einen Brief von seinem Freund Hendricks von seiner Krankheit. Er sagt, ich war gezwungen, die drei letzten Wochen zu Hause zu bleiben, wegen Gallenbeschwerden. Während der Vorträge in Lansingburg, New York, bin ich krank geworden. Aber ich habe die Vorträge beendet, bin dann nach Hause zurückgekehrt und habe mich seitdem noch nicht wiederholt. Meine Vorträge wurden dort sehr gut angenommen und haben Aufmerksamkeit erregt. Acht aufeinanderfolgende Tage war das Haus zum Überfließen gefüllt. Ich habe das Gefühl, dass Gott zugegen war und glaube, in seinem verherrlichten Königreich die Früchte zu sehen. Ungläubige Deisten, Universalisten und Anhänger der verschiedenen Denominationen waren alle für Stunden, ja Tage, in vollkommenem Schweigen an ihre Sitze gekettet.

[31:23] So eine kleine Idee, was seine Vorträge ausgemacht haben. Er sagt, Haus war brechend voll und egal welcher Denomination, egal welcher Weltanschauung, die saßen alle da und wussten nicht, was er sagen sollte. Totenstille. Und dann sagt er, warum? Um einem alten, stammelnden Mann zuzuhören, der über die Wiederkunft Jesu spricht und die Art, den Zweck, die Zeit und die Zeichen angibt. Oh, mein Bruder, es gibt mir das Gefühl, ein Wurm zu sein. Eine arme, schwache Kreatur. Das ist interessant. Er sagt, schau mal, wie toll ich predigen kann. Er sagt, kannst du dir vorstellen, was das für eine Wirkung auslöst? Das muss nur Gott sein. Er sagt, denn nur Gott kann solch einen Eindruck auf ein Publikum machen. Aber es gibt mir Zuversicht, denn ich glaube feierlich, dass es die Wahrheit ist. Und Gott wird sein Wort unterstützen und gegenwärtig sein, wo es gepredigt wird, wie schwach das Instrument auch sein mag. Denn siehe, ich bin bei euch bis an das Ende der Welt. Deshalb selbst, wenn ich vor allen Königen der Erde predigen sollte, warum sollte ich mich fürchten? Denn der König, der Könige ist mit mir. Wenn alle Herren zugegen wären, er ist doch der Herr aller Herren.

[32:33] Ansonsten, wie wir schon gesagt haben, war die Sklavereifrage eine wichtige. George Storrs und Joseph Bates haben dagegen gepredigt. Es gab aber viele andere Christen, die mehr für die Sklaverei waren. Ein Beispiel ist uns überliefert aus der Generalkonferenz der Methodisten vom Jahre 1836. Generalkonferenz, oberste Einheit der Methodistischen Kirche. Dort wurde der Antrag gestellt, dass alle Kirchenangestellten, Prediger, Bischöfe usw. Sklaven halten dürfen. Und es ist zwar nicht ganz angenommen worden, aber doch hat die Methodistische Kirche dann eine Notiz an die Kirchen, an die Gemeinden weitergegeben, wonach es erlaubt sei, für einen Christen Sklaverei zu haben. Und selbst Predigern wird es stillschweigend erlaubt, Sklaven zu halten. Und das ist natürlich manch einem der Antisklavereigegner ein Dorn im Auge, dass gerade die Kirchen dieses Übel unterstützen.

[33:27] Übrigens bricht im gleichen Jahr auch Massachusetts ein Gesetz raus, wonach jede Ehe zwischen einem Weißen und einem Angehörigen einer anderen Rasse nicht nur null und nichtig ist, sondern bestraft wird. Also man darf weder Indianer heiraten, noch Schwarze, noch egal, welche andere Rasse. Alles unter Strafe gestellt. Ja, im gleichen Jahr wird übrigens auch der Triumphbogen in Paris fertiggestellt, das nur so nebenbei.

[33:50] Und Miller ist auch im Sommer und Spätsommer wieder unterwegs. Predigt am 7. August wiederum mal wieder in Dresden. Er geht auch an viele Orte wieder zurück, wo er gewesen ist, um dort die Arbeit zu vertiefen. Und dann ebenfalls im August, 15. August, bricht Krieg in Südamerika aus. Bolivien marschiert in Peru ein, in Lima und teilt das Land in Nordperu und Südperu, um das Ganze dann zu beherrschen.

[34:26] Weiß jemand, zu welchem Land diese Flagge gehört? Nach welchem Kontinent sieht sowas aus? Afrika. Afrika ist falsch. Das ist die Republik Piratini. Schon mal gehört? Die Republik Piratini gründet sich im Jahre 1836 und zwar auf brasilianischem Boden. Das ist Südbrasilien, eine Provinz von Brasilien, so ähnlich wie Uruguay früher auch eine Provinz von Brasilien war und bis heute noch ein eigener Staat ist, haben die sich in Piratini gedacht, wir wollen auch ein eigener Staat sein und gründen den Staat Piratini. Hat auch einige Jahre existiert, ist dann aber später offensichtlich wieder untergegangen. Ansonsten hätten wir was von ihm gehört. Genau.

[35:09] Ist überhaupt immer noch das Zeitalter der Revolution. Zum gleichen Zeitpunkt bricht auch in Portugal wieder eine Revolution aus, die September-Revolution. Die Welt kommt diesbezüglich nicht zur Ruhe. Und nicht zur Ruhe kommt auch William Miller, der im September dann etliche Vortragsreihen hält. Geht nach Vermont, nach Orwell, nach Keithwell. Eine lange Vortragsreihe in Lawrence, eine lange Vortragsreihe in Stockholm, nicht in Schweden, sondern in einem Ort in der Bundesstadt New York. Und im Herbst hält er innerhalb von acht Wochen 82 Vorträge.

[35:43] Das Buch ist mittlerweile fertig, es ist gedruckt. Und wie man wohin geht, bringt er dieses Buch mit. Es heißt "Evidences from Scripture and History". Also Beweise von der Schrift und von der Geschichte über die Wahrscheinlichkeit, dass Jesus 1843 wiederkommen wird. Und das Buch ist ein Renner, es verkauft sich sehr gut. Er macht zwar damit nicht wirklich Gewinn, weil das möchte er nicht, aber es verbreitet die Botschaft noch sehr viel schneller. Und deswegen ist 1836 auch wieder ein echter Meilenstein in dieser Miller-Bewegung, die nach wie vor mehr oder weniger noch seine eigene Bewegung ist, mit einigen wenigen Pastoren, die das auch predigen, wie wir gesehen haben. Aber es ist vor allem noch immer noch sein eigener Name, der dahintersteckt.

[36:22] Ende September, nach ungefähr einem Monat Reise, kommt Joseph Wolf mit Gobars Familie wieder in Arabien an. Sie haben das Schiff genommen und sind jetzt in Jeddah. Und er kann dort Gobar zurücklassen. Der bedankt sich ganz, ganz herzlich. Er weiß sonst nicht, wie es ausgegangen wäre mit ihm. Und Gobar hat da noch viele Jahrzehnte länger gelebt. Das nur so nebenbei. Und Wolf entschließt sich, anstatt nochmal direkt nach Afrika zu gehen, erstmal vielleicht nochmal nach Südarabien zu gehen, und zwar nach Jemen. Dort in Jemen hat er gehört, dass dort auch Juden sind, die einiges über die Wiederkunft zu sagen haben. Und da möchte er mal eine Expedition hinmachen. Das nimmt er sich für den Rest des Jahres vor.

[37:09] Ebenfalls ankommen tut im Jahre 1836 Charles Darwin. Und zwar nach dieser langen Reise mit der HMS Beagle. Fünf Jahre war unterwegs. Kommt er 1836 im Oktober in Falmouth in England wieder an und hat natürlich massig Material gesammelt. Hier sehen wir einige der Werke, die da entstanden sind. Zum Beispiel hat man ja auch kartografisches Material angefertigt. Das ist hier die Karte von Kap Horn, die man angefertigt hat dort auf der HMS Beagle. Und hier sehen wir einige Proben. Hier zum Beispiel vom Kap Horn von Darwin. Originalprobe, die er mitgenommen hat. Oder hier Pflanzen von den Galapagos Inseln. Hier Graswurzeln zum Beispiel auch von Darwin. Und er hat fünf Jahre lang gesammelt, Aufzeichnungen gemacht, Zeichnungen gemacht, geschaut, geguckt. Und jetzt ist die Zeit gekommen, das alles auszuwerten. Und wir kennen ja den Lauf der Geschichte. Aber das ist interessant, wie diese Zeit jetzt zusammenkommt. Noch weiß ja keiner von dem, was in seinem Kopf sich abspielt.

[38:19] Bolivien und Peru gehen dann hier diese bolivisch-peruanische Konföderation ein, die später von Chile angegriffen wird, weil man befürchtet, die wollen das Inka-Reich wieder aufbauen und das ganz ganz Südamerika beherrschen. Also Südamerika schwer im Trubel. Und währenddessen geht Josef Wolf Richtung Südarabien und kommt dann im November in Sanaa an. Das ist die Hauptstadt von Jemen. Heute wahrscheinlich einer der gefährlichsten Orte der Welt. Damals auch nicht ganz ungefährlich. Allerdings viel schöner wohl.

[39:00] Auf dem Weg dorthin wird er zum Teil sehr schlecht behandelt von den Arabern. Einige geben ihm kein Essen und so muss er manchmal mehrere Tage nur von ungesäuertem Brot und Feldkräutern leben. Aber das hat er schon schlimmere Sachen überlebt. Und auf dem Weg nach Sanaa kommen ihm all die Karawanen entgegen und sagen, du kannst nicht nach Sanaa, denn Sanaa wird belagert von den Rechabiten. Die Rechabiten sind Nachfahren des alten Hobab, des Schwiegervaters von Mose. Und er sagt, kein Problem. Und er reitet auf die Stadt zu, ganz alleine. Und als er dort gesehen wird von den Belagerern, von diesen Rechabiten, diesem machtvollen Stamm, dann kommen die mit großer Armee auf ihn zu und rufen und schreien. Und hat er einen Trick, er hält seine Bibel ausgestreckt auf sie zu. Und als sie die Bibel sehen, rufen sie, ein Jude, ein Jude, ein Jude. Als würde es keine Juden geben sonst in Jemen. Und setzen ab und setzen sich auf die Erde. Er setzt sich zu ihnen und sie erzählen und erhalten erstmal einen Schnack, wie das unter den Orientalen dann üblich ist. Und die Araber sind ganz erstaunt. Und es stellt sich heraus, dass diese Rechabiten tatsächlich die Nachfahren sind vom Schwiegervater von Mose. Dass sie bis heute keinen Wein trinken. Und dass sie auch eine Vorstellung von der Wiederkunft haben, von der Wiederkunft Jesu. Und dass es Juden sind, die als Esra damals nach Jerusalem zurückgegangen ist, niemals aus dem Exil zurückgegangen sind, aus Arabien. Und naja, sehr interessant.

[40:37] Dort in Arabien entdeckte er übrigens auch ein Buch mit dem Namen Sera. Das ist kein rechabitisches Buch, das ist ein arabisches Buch. Und in diesem arabischen Buch wird ebenfalls von der Wiederkunft Jesu gesprochen. Und dass große Ereignisse im Jahre 1840 stattfinden würden. Das hat ihn natürlich sehr gefreut. Und hat auch die Weltbevölkerung ziemlich begeistert, als er es in einem Journal dann schreibt und veröffentlicht.

[40:57] In Sanaa bekommt er dann Fieber, muss dann weiterreisen, wird auf dem Weg von wütenden Wahhabiten überfallen. Wahhabiten, das sind so die strengsten aller Strengen, das sind so die superstrengen Araber. Und das sind die, die heute noch in Saudi-Arabien herrschen. Saudi-Arabien ist wahhabitisch. Also Saudi-Arabien ist eines der strengsten Länder überhaupt. Und naja, sie hatten von ihm Bücher bekommen. Er hatte diesen Wahhabiten Büchern gegeben. Und gesagt, schau, das sind tolle Bücher, lest mal. Und die haben das gelesen, auf Arabisch, das waren arabische Bücher. Und haben festgestellt, dass in den Büchern Mohammed gar nicht vorkommt. Und waren dann sehr böse und haben gesagt, wieso gibst du uns Bücher, in denen Mohammed nicht vorkommt. Und dann hat er gesagt, naja, ihr müsst zu einer Entscheidung kommen. Und dann haben sie gesagt, wir haben eine Entscheidung getroffen. Und dann haben sie ihn ausgepeitscht. Naja, kurze Zeit später ist er von Beduinen überfallen worden, die ihn ebenfalls dann bedroht haben. Er gesagt, aber hey, ich bin ein Engländer. Und dann haben sie gesagt, weißt du was, hier im Jemen zählt das nicht, ob man Engländer ist oder nicht. Für einen Ungläubigen gibt es drei Dinge: Glaubensbekenntnis, Tribut oder Tod. Naja, und dann musste er seinen letzten Pfennig bezahlen und ist ohne Geld dann weitergereist.

[42:11] Ende des Jahres sagt William Miller, ich habe nicht einen Ort besucht, wo der Herr mir nicht ein oder zwei Seelen als Lohn gegeben hat. Ich habe acht Wochen im St. Lawrence County verbracht und diesen Herbst 82 Vorträge gehalten. Nächste Woche gehe ich nach Shaftesbury und Umgebung, ohne Ruhe, immer weiter voran.

[42:34] Und zum Schluss ein Zitat von dem Mann, der vermutlich den Artikel geschrieben hat, den Ellen White gefunden hat auf der Straße von Portland. Er ist der englische Theologe, ist Leiter der ehemaligen Continental Society. Das war die Gesellschaft, die man in England gegründet hatte, um die Christen in Europa zu bekehren. Weil die deutschen Christen waren ja fast alle abgefallen. Die waren, glaube ich, eine historisch-christliche Methode. Die Franzosen waren sowieso alle im Atheismus. Und diese Missionsgesellschaft war 1836 umbenannt worden in European Missionary Society, war aber immer noch dieselbe Gesellschaft. Und dann sagt der Leiter, der Edward Bickersteth, angesichts der 18. Jahresversammlung Folgendes: Die gegenwärtige Verkündung des Evangeliums unter den Heiden, die beispiellose Erregung unter den Juden, die Serie von Gerichten über Europa in den letzten 40 Jahren ausgegossen worden ist, der Verfall der Ressourcen des Osmanischen Reiches, was dem Vertrocknen des Euphrates auf dem Morgen 16 entspricht, die unreinen Geister, die jetzt unterwegs sind, die Erschütterung von allem auf der Erde, haben alle eine Stimme, die die Ankunft des Tages des Herrn bezeugen. Die chronologischen Prophezeiungen, die der Kirche gegeben sind, um ihr zu helfen, die Zeit zu erkennen, bestätigen diese Sicht.

[45:37] Diese Gesellschaft wurde gegründet, also diese Gesellschaft zur Missionierung Europas, angesichts des bösen Zustandes Europas aufgrund des Abfalls vom wahren Gott, um den treuen Predigern und Dienern Christi in ihren Arbeiten zu helfen, damit sie Menschen dahin bringen, sich zu bekehren, Gott zu fürchten und ihm die Ehre zu bringen, dass sie den göttlichen Gerichten des schnellkommenden Tages des Traumes entkommen mögen. Kann mir damit helfen, wo denn immer diese Formulierung, Gott zu fürchten, ihm die Ehre zu bringen und göttliche Gerichte? Erst Engelsbotschaft. Also man könnte stundenlang eine Rede nach der anderen einbuchen, eine andere zitieren. Diese Sprache war quasi Fleisch geworden in diesen Männern und Frauen, die das verkündigt haben. Es war ganz selbstverständlich, dass in jener Zeit diese Engelsbotschaft verkündigt werden sollte. Und auch Edward Bickersteth macht da keine Ausnahme und sagt, das ist unsere Aufgabe, wir müssen Europa warnen. Jesus, komm bald. Das Ende naht sich.

[44:53] Und wir wollen schließen mit einer kleinen Geschichte noch, die auch nicht ganz unwichtig ist. Entweder im Jahr 1836 oder 1837, wir wissen es nicht genau, wird ein junger Mann getauft, eigentlich ist er noch ein Jugendlicher, der ist 15 Jahre alt. Und dieser Jugendlicher hat keine Ahnung von Weltuntergangsszenarien und Prophezeiungen. Er hat seit seinem dritten Lebensjahr schwere Anfälle. Er hat im dritten Lebensjahr Wurmfieber gehabt und hat seitdem immer wieder Anfälle. Außerdem hat er so ein großes Schielen, dass er nicht lesen kann. Wann immer er nur einen Vers liest in der Bibel, muss er für eine Stunde aufhören und sich erholen. Er kann nicht lesen, ist sehr schwach, fast blind sozusagen. Und dieser junge Mann wird in diesem Jahr getauft. Kein Mensch nimmt irgendwelche Notiz davon, aber sein Name ist James White. Und den werden wir auch des Öfteren jetzt hören werden, aber dazu dann das nächste Mal.

[45:55] Nächste Woche werden wir uns ein bisschen gründlicher beschäftigen mit dem Buch, das 1836 von Miller herausgekommen ist. "Beweise aus der Schrift und Geschichte". Wir hatten ja damals uns auch Zeit genommen, sein kleines Pamphlet bei Daniel anzuschauen. Wir wollen sehen, was war jetzt der milleritische Glaube in diesem Zeitpunkt bezüglich all der verschiedenen Lehren, die er verkündigt hat. Denn das Buch war die Grundlage des Millerismus. Die gesamte Miller-Bewegung basiert auf diesem Buch. Und wenn man das weiß, was da drin steht, dann hat man ein gutes Konzept von dem, was Miller gepredigt hat. Denn das Buch war im Wesentlichen eine Sammlung all seiner Vorträge. Wenn man wissen will, was hat er so an Vorträgen gehalten, welche Themen, was wäre sein Magna-Konflikt gewesen sozusagen, wenn er eine Vortragssache gehalten hätte, dann muss man dieses Buch lesen. Und das werden wir machen gemeinsam und uns anschauen, wie die Geschichte dann weiterging.

[46:44] Und wir haben nichts zu befürchten, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Wir wollen jetzt eine kurze Pause haben und dann werden wir uns in die Offenbarung wagen, Offenbarung 13 betrachten. Und in wenigen Minuten sind wir live hier vor Ort aus Stuttgart zugegen. Gottes Segen in euch. Amen.


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