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In diesem Teil von „Die Zeit des Endes“ beleuchtet Christopher Kramp die Ereignisse des Jahres 1843 im Kontext der Adventbewegung. Es werden die Herausforderungen durch Spott und Skepsis thematisiert, aber auch die ungebrochene Begeisterung und die weltweite Verbreitung der Botschaft. Der Vortrag thematisiert zudem die Entstehung von fanatischen Auswüchsen und die Bemühungen, diese einzudämmen, sowie die wachsende Erkenntnis über biblische Prophezeiungen und die Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Einen wunderschönen guten Abend, heute hier live aus Stuttgart-Bad Cannstatt. Schön, dass ihr eingeschaltet habt, schön, dass ihr da seid, zu einer weiteren Folge von "Die Zeit des Endes". Und ich möchte noch all diejenigen begrüßen, die die Aufnahme später anschauen.

[0:15] Wir haben heute noch einmal einige Monate aus diesem schicksalsschweren Jahr 1843, das Jahr, auf das sie seit Jahren gewartet hatten. Es war länger gegangen, als man geglaubt hatte. Man hatte schon gehofft, längst im Himmel zu sein, schon im Frühjahr oder vielleicht im Anfang Herbst. Aber jetzt, Anfang Oktober, wo wir heute einsteigen wollen, waren sie immer noch auf der Erde. Und so langsam wurde es wirklich kribbelig. Und heute wollen wir das Thema haben: "Der Schatten der Wahrheit". Einige hochinteressante Dinge haben sich in diesen Monaten ereignet. Möchten gemeinsam zu Beginn beten und dann einiges lernen, was wir heute lernen können.

[0:55] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir auch heute zu dir kommen können, dass wir heute von dir lernen können, dass wir heute zurückschauen dürfen. Denn wir wissen, wir haben nichts zu befürchten, es sei denn, wir vergessen, wie du uns in der Vergangenheit geführt hast. Und wir möchten heute etwas lernen über deine Führung aus der Vergangenheit, möchten heute etwas lernen über dein Wesen, deinen Charakter und über auch die Fehler, die Menschen machen können. Und wir bitten dich, dass du mit deinem Heiligen Geist diese Lektion uns ins Herz legst, damit wir den richtigen Weg gehen, damit du bald wiederkommen kannst. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[1:32] Nach wie vor war der Spott enorm groß. Unter anderem war folgendes passiert: In New Orleans hatte es das ganze Jahr über extrem geregnet. Und die Zeitungen haben dann berichtet: "Leider kann dieses Jahr die Welt nicht untergehen, sie kann nicht verbrannt werden, weil die Erde ist zu nass." Und das waren so Dinge, die in den Zeitungen standen. Trotzdem war natürlich das Interesse an Miller und an seiner Botschaft ungebrochen bei vielen Leuten.

[2:05] Am 2. Oktober bekommt Miller eine Einladung. Man sieht es, es ist ziemlich schlecht, es ist aus einem ganz alten Bild rausgeschält, von diesem Mann hier. Es ist Elon Galusha. Elon Galusha war der Sohn des ehemaligen Gouverneurs des Bundesstaates Vermont. Er war einer der bekanntesten baptistischen Prediger der Vereinigten Staaten, ein ganz hohes Tier. Und er bittet Miller: "Komm doch bitte in meine Kirche nach Lockport und bitte predige dort. Ich bin interessiert an dieser Lehre." Und Miller versucht, das dann in seinen Terminkalender aufzunehmen. Werden wir später sehen, was daraus geworden ist.

[2:44] Am 2. Oktober ebenfalls ist Miller gerade in Exeter auf einem der letzten großen Campmeetings des Jahres. Und dieses Zelt ist nach wie vor unterwegs. So Anfang Oktober ist dann die Zeit langsam zu Ende. Und dieses Campmeeting ist besonders groß, viele Redner kommen zusammen von nah und fern. Und auch gut zu hören ist, dass der Fanatismus, der vorher bei einigen Campmeetings zu beobachten war, jetzt nicht mehr so stark ist und nicht mehr anzutreffen ist. Dadurch, dass viele leitende Brüder ziemlich schnell die Handbremse angezogen haben, konnte man das einigermaßen in den Griff bekommen.

[3:25] Am 3. Oktober wechseln wir nach Europa. Da hält dieser gute Mann, sein Name ist Francois Gossin, er ist letztendlich der Adventprediger der Schweiz, einen Vortrag an der Theologischen Hochschule in Genf über Daniel 7, also zuvor Rom besucht und predigt über das kleine Horn, die 14 identifizierenden Merkmale. Er ist derjenige, der seit einigen Jahren immer wieder die baldige Wiederkunft Jesu dort in Genf predigt und deswegen auch große Probleme hat und so ein bisschen ein Einzelkämpfer dort ist.

[3:58] Ebenfalls am 3. Oktober gibt es ein schweres Erdbeben in Mississippi. Und das reiht sich natürlich ein in diese Zeichen der Zeit, die man damals beobachtet hat.

[4:11] Am 4. Oktober gibt es Berichte davon, dass auf diesen Inseln hier, weiß jemand, wo das ist? Irgendeine Ahnung? Vielleicht die Galapagos-Inseln. Die hießen früher die Sandwich-Inseln. Aber heute heißen sie Hawaii. Ein Bericht sagt, dass dort auf Hawaii, den damaligen Sandwich-Inseln, die ersten Adventgläubigen zu finden sind, die durch Literatur dort sich zur Miller-Lehre, zum Adventglauben bekehrt haben. Also die Botschaft breitet sich aus.

[4:46] Himes ist Anfang Oktober immer noch im Westen, gemeinsam mit George Storrs sind sie nach Cincinnati gegangen, um dort im wilden Westen einen Banner für die Adventbotschaft aufzurichten. Storrs bleibt hier in Cincinnati und soll dort die Nacharbeit leisten, während Himes noch weiter geht nach Kentucky, nach Louisville. Das ist so ziemlich am äußersten Ende der Zivilisation. Die ganze Breite der USA soll erobert werden für die Adventbotschaft.

[5:20] Währenddessen, nach wie vor sind die Kinderprediger in Schweden aktiv. Wir haben ja letztes Mal schon ein paar Mal darüber gesprochen. Und auch am 4. Oktober berichtet eine Stockholmer Zeitung erneut über dieses Phänomen und was man dagegen tun könnte. Es gibt nach wie vor eine hitzige Debatte, ob man die wegsperren sollte oder einfach in Ruhe lassen sollte. Viele, viele Menschen der Landbevölkerung sind überzeugt, dass bald etwas Gewaltiges geschehen wird, denn diese Kinderpredigen: "Macht euch bereit, die Stunde seines Gerichts ist gekommen."

[5:48] Himes berichtet davon am 5. Oktober, dass ständig Zeitschriften der Milleriten, vor allem "The Voice of Elijah", das war die kanadische Zeitschrift, nach Europa gesandt werden. Es gibt seit vielen Monaten den Aufruf: "Aus Europa sendet jemand rüber", aber sie kriegen es irgendwie nicht hin. Und so senden sie einfach Material und Literatur. Durch Literatur ist auch der Adventist auf Hawaii gewonnen worden. Und so versucht man durch Medien das zu erreichen, was man durch persönliche Präsenz nicht erreichen kann.

[6:21] 6. Oktober. Miller ist mittlerweile auf seiner Tour, nachdem er lange krank gewesen ist, im ganzen Osten des Landes angekommen und ist in Boston, wo er im Zentrum der Adventbotschaft drei Vorträge hält und danach reist er nach Hause zurück. Und auf dieser Ost-Tour im Herbst, im September und Oktober, hatte er überall, hier und dort, bei einigen wenigen, aber doch merklich vorhanden, hat er diese fanatischen Auswüchse festgestellt. Da er ja vorher Monate krank war, war ihm das vorher gar nicht so aufgegangen. Und jetzt ist er damit konfrontiert worden und das hat ihm natürlich zu denken gegeben. Und er hat sich überlegt, was er dagegen auch noch tun kann.

[7:05] Eines der letzten Campmeetings des Jahres, 10. Oktober in Londonderry. Und wir sehen hier schon diese Gegend um Boston herum, da waren die allermeisten der Milleriten, da waren auch die meisten Menschen damals in den USA. Das war alles hier Neuengland, da hat es sich gehäuft mit den Campmeetings.

[7:23] 11. Oktober. "Science of the Times" haben einen ausführlichen Artikel gleich vorne auf der ersten Seite über die Wiederkunft. "The Lord shall come." Der Herr wird kommen. Ausführlich wird beschrieben, wann, wie, warum, alle Bibeltexte. Und nachdem schon einige vorgedacht haben, ist man jetzt soweit zu verstehen, dass die Zeichen, von denen Jesus gesprochen hat im Himmel, sich alle schon erfüllt haben, unter anderem an diesem schwarzen Tag von 1780, von dem wir heute auch in den Offenbarungsseminaren immer reden. Das war diese Zeit, als man festgestellt hat, dieser schwarze Tag von 1780, das ist die Erfüllung des sechsten Siegels. Und hier, da haben wir das sechste Siegel, und hier, das Erdbeben von Lissabon, 1755, das ist die Erfüllung gewesen. Miller hat ja noch geglaubt, dass das alles mehr so geistlich in der Französischen Revolution gewesen ist. Aber jetzt zementiert sich dieses Verständnis: All diese Zeichen haben sich buchstäblich erfüllt im Erdbeben von Lissabon, im schwarzen Tag von 1780, natürlich im Sternfall von 1833. Und das untermauert natürlich nur die Feststellung: Jesus muss jetzt wirklich bald kommen.

[8:35] 12. Oktober, letztes Campmeeting, von dem wir einen Bericht haben, beginnt in Vermont, in Castleton. Und wenn man sagt, Campmeeting, das geht schon hier rein und da raus. Jedes Mal tausende Leute, große Zelte, riesen Infrastruktur, keine Technik. Jedes einzelne dieser kleinen Punkte hier steht für eine absolute Meisterleistung an Logistik und das innerhalb von wenigen Monaten. Ziemlich unfassbar, ziemlich unfassbar.

[9:01] Miller hat dann ein bisschen Zeit gehabt, über diese Dinge nachzudenken, die er da beobachtet hat, hier und dort bei einigen Leuten. Und er schreibt einen Brief an Himes, das ist der Brief hier, am 12. Oktober. Er sagt: "Verzeihlich an Himes, an Bruder Bliss."

[9:17] "Lieber Bruder Bliss, es scheint, dass etwas getan werden sollte, um unsere lieben Brüder vor Ablenkung und Fanatismus zu retten. Ich weiß, dass unser Feind sich freuen wird, wenn er uns dazu bringt, unangemessene Dinge zu glauben oder praktizieren. Mein Herz hat mir sehr geschmerzt, als ich auf meiner Osttour einige wenige meiner früheren Freunde mit einer Neigung zu den wilden und törichten Extremen einer fruchtlosen Täuschung gesehen habe. Zum Beispiel Wunder wirken, Geister unterscheiden oder vage und lose Ansichten über Heiligung." Und das ist etwas, was wir lernen können, dass wenn man wirklich für Menschen wirkt und sie zu Christus führt, dann hat man eine besondere Bürde auch, dass sie dann nicht ins Anzeigestreben gehen. Und das kann leicht passieren, das ist damals passiert bei einigen, nicht bei vielen, aber bei einigen.

[10:08] Und er nennt sie einige Dinge, die da so als Täuschung aufgetreten sind. Da haben einige Leute gedacht, dass sie Wunder wirken können. Wir haben letztes Mal schon erzählt, wie die Frau versucht hat, über den Connecticut River zu laufen. Eine andere Geschichte ist die, dass ein junger Mann behauptet hat, er könnte die Eisenbahn aufhalten. Er hat sich vor die Eisenbahn gestellt und gesagt: "Fahr doch nicht los." Und die Eisenbahn hat gestartet, hat aber ein bisschen gebraucht, bis sie dann losfährt zur damaligen Zeit, ehe dann die Räder so in Betrieb waren. Und als er dann gemerkt hat, dass die Räder schnell genug waren, hat er gesagt: "Und jetzt fahr los." Und es gab Leute, die dann geglaubt haben, er hatte die Möglichkeit, der Eisenbahn zu bestimmen, wann sie losfährt und nicht. Der Vater selbst von diesem jungen Mann hat das geglaubt. Und als dann der junge Mann gesagt hat: "Pass auf, fahr mit dem Pferdefuhrwerk dort auf die Felsen drauf zu", dann war das Ganze natürlich nicht so glücklich. Es ist alles passiert.

[11:01] "Vage und lose Ansichten über Heiligung", das heißt, Leute haben geglaubt, sie sind so heilig, dass sie nicht mehr sündigen können. Haben wir letztes Mal schon angesprochen. Miller sagt bezüglich Wunderwirkung: "Ich glaube niemandem, der ihm vorhin vorgeht, Wunder wirken zu können." Interessantes Prinzip, oder? Also Miller sagt nicht: "Ich glaube gar nicht an Wunder", aber: "Ich glaube den Menschen nicht, die kommen und sagen: 'Ich werde jetzt Wunder wirken.'"

[11:24] "Die Geisterunterscheidung ist, so fürchte ich, eine andere fanatische Bewegung, um Adventisten von der Wahrheit abzuziehen und Menschen daran zu führen, sich von ihren Gefühlen und der Ausübung und der Einbildung ihres eigenen Denkens mehr abhängig zu machen, als vom Wort Gottes." Das Problem damals war: Menschen haben sich gefühlt oder gedacht: "So könnte es doch sein. Ich glaube, der Heilige Geist hat zu mir gesprochen." Und haben dieses Sprechen des Heiligen Geistes zu ihrem Denken höher eingeschätzt, als das, was die Bibel gesagt hat. Und Miller hat das Sorgen bereitet.

[11:58] "Es baut einen Geist des Stolzes und der Selbstgerechtigkeit auf und verliert damit die demütigende Leere aus den Augen, andere höher zu achten als uns selbst."

[12:08] "Über Heiligung habe ich momentan nur wenig zu sagen. Heiligung hat zwei herausragende Bedeutungen in der Schrift: für heiligen Zweck absondern und von aller Sünde und Verunreinigung gereinigt sein. Jede zu Gott bekehrte Seele ist im ersten Sinne geheiligt. Jeder, der die völlige Erlösung von Körper, Geist und Seele erhält, ist im zweiten Sinne geheiligt." Also diese vollständige Heiligung, hat Miller gesagt, bekommt man erst, wenn unser Körper verwandelt wird bei der Wiederkunft, dann sind wir völlig geheiligt. Aber viele unter uns, die vorgeben, völlig geheiligt zu sein, folgen den Traditionen von Menschen.

[12:45] Immer wieder erreicht Amerika solche Briefe wie "Letter from London", ein Brief aus London. Immer wieder berichten Adventisten dort aus England, wie sehr sie unbedingt Leute bräuchten.

[13:03] T.M. Prebble berichtet zu jener Zeit, ebenfalls am 18. Oktober: "Diejenigen, die dachten, dass der Millerismus, wie sie nennen, tot ist, waren sehr enttäuscht." Er spricht von einer Konferenz, wo er gewesen ist und wo er gepredigt hat. "Es gab einen so großen Hilferuf, dass es sehr schwer war, nach New Hampshire zurückzukehren. Aufrufe zur Hilfe wurden gemacht, wie ich sie noch niemals vorher gehalten hatte. Überall rufen Leute: 'Komm doch zu uns predigen!'" Ein Mann stand auf in der Versammlung und bot an, seine einzige Kuh zu verkaufen, um meine Kosten zu tragen, einzige Lebensgrundlage, die er hatte, wahrscheinlich als Bauer, nur um einen Prediger zu bezahlen, damit er in die eigene Heimatstadt kommt, damit ich in seine Stadt komme und dort predige, dass seine Freunde und Nachbarn noch nicht über dieses Thema gehört hatten. So war die Atmosphäre in der Versammlung. Nur wenige haben nicht geweint. Das war die Atmosphäre da.

[14:01] Und dann sagt er, der Tim Preble: "Aber ich, ich musste sagen, so wie ich jetzt hier sage, dass nicht die Kosten das Problem sind, sondern die fehlende Zeit und ein Körper, der dorthin gehen kann." Und jetzt schaut man, was er sagt: "Ich würde freudig die Schmerzen auf mich nehmen, in tausend Stücke gehauen zu werden, wenn jedes Stück ein Botschafter werden würde, um die Wiederkunft des Erlösers anzukündigen." Er sagt: "Hey, hau mich doch in tausend Stücke, damit ich tausend Prediger sein kann." Das wäre eigentlich notwendig, um alle Hilferufe bedienen zu können. Oh, dass doch mehr der schläfrigen Wächter aufwachen würden.

[14:37] Interessant, nicht wahr, dass zu einer Zeit wie dieser, selbst mit den vielen Leuten, die schon den Ruf angenommen hatten, es immer noch nicht genug war. Was hätten sie tun können, wenn sie nicht hunderte gehabt hätten, sondern tausende? Vielleicht hätten tatsächlich innerhalb kürzester Zeit die ganze Welt gewarnt werden können, dass Jesus bald wiederkommt, und Jesus wäre bald wiedergekommen. Die Zeit war reif, das können wir auf jeden Fall hier sehen.

[15:09] Naja, Himes kommt zurück. Am 21. Oktober ist er zurück aus seiner Tour aus dem Wilden Westen, aus Ohio, Cincinnati. Und er berichtet davon, was passiert ist und gibt bekannt, wie sie eine weitere Zeitschrift dort gegründet haben im Westen und hält Bericht sozusagen.

[15:30] Genau, das haben wir hier. Das ist mir so ein Beispiel. In der Zeitschrift "Science of the Times" sieht man mal hier so einen Artikel, der heißt "State of the Course", das heißt, wie geht es der Sache, was ist der Zustand unserer Bewegung gerade. Und dann wird berichtet aus jedem einzelnen Ort, hier aus Buffalo zum Beispiel, der Bruder Skinner schreibt so und so, und aus Rochester, Bruder Galusha schreibt so und so, und aus Albany, da wird das und das berichtet. Also immer mehr kommen die Berichte von den verschiedenen Orten, dass das Werk voranschreitet, immer mehr Menschen sich zu dieser Botschaft bekehren.

[16:03] Und noch ein Aufruf an die Geschwister am 25. Oktober. "Brüder, unsere Feinde fanden keine Antwort auf unsere Argumente, und nichts bringt ihnen jetzt so viel Freude wie das ungebührliche Verhalten bekennender Adventisten." Man sieht an der Menge der Artikel, die darüber geschrieben werden, dass das eine Sache war, die durchaus nicht nur ein Zufall hier und dort war, sondern dass wirklich Satan es geschafft hat, einige wenige, aber doch systematisch damit zu infiltrieren. Dieses ungebührliche Verhalten wird natürlich vielfach überzogen von der Kanzel, das heißt von den anderen Christen und der Presse, der Zeitung, in der Öffentlichkeit verbreitet.

[16:46] Man muss Folgendes jetzt einfach als Lektion festhalten: Wenn sich die Adventbewegung noch einmal in der ganzen Welt verbreiten wird, dann wird es Leute geben, vermutlich mit Analogie dazu, die extrem werden. Und dann werden wir damit rechnen müssen, dass sowohl die Kirchen als auch die öffentlichen Medien das als das Beispiel für Fanatismus entstehen. Und wenn ich selbst zu einem Extrem neige, könnte ich sein, dass ich nicht nur mich selbst in Gefahr bringe, sondern auch Tausende daran hindere, wirklich die Botschaft anzunehmen, so wie es damals gewesen ist. Weil gerade durch dieses ungebührliche Verhalten von einigen Schmach und Schande über viele gekommen ist. Sie wünschen gar nicht, dass es anders ist, denn sie wissen, diese Dinge sind fatal für die Botschaft, die sie hassen. Das heißt, das Verhalten einiger bekämpft die Botschaft, die sie eigentlich vorgeben zu glauben.

[17:36] Wir müssen in Liebe und in der Furcht Gottes über uns selbst wachen. Unsere Verantwortung ist groß, unsere Gefahr ist groß, denn wir sind nur Menschen. Ganz wichtige Lektion. Selbst wenn man alle Wahrheit der Welt hat, und diese Milleriten, diese Adventisten damals hatten die meiste Wahrheit, die zu dem Zeitpunkt verfügbar war. Aber sie mussten sich eingestehen: Wir sind nur Menschen, und es ist eine Gefahr, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

[18:01] Groß wird unsere Schuld oder Herrlichkeit sein. Die führenden Brüder Miller, Himes und andere wussten, dass wenn sie nicht entschiedene Maßnahmen dagegen ergreifen, geht das Ganze aus dem Ruder. Und es passiert das Gleiche mit der englischen Adventbewegung, die sich irgendwann so zersplittert hat. Und vielleicht, wenn das passiert wäre, wäre am Ende die Adventgemeinde in China entstanden oder ich weiß nicht wo. Groß wird unsere Schuld oder Herrlichkeit sein.

[18:27] Lasst mich es allen sagen: Hütet euch vor jenem Geist, der euch verführt, Prophet zu werden oder etwas zu behaupten, das über das Wort Gottes hinausgeht oder davon abweicht. Hütet euch davor, allen Gedanken, wunderwirkende Kräfte des Heiligen Geistes zu erwarten oder auszuüben. Hütet euch vor jenem Geist, ist das Perfektionismus, der euch verführt zu denken, dass ihr euch nicht irren könnt. Hütet euch, und jetzt Achtung: Hütet euch, die Verkündigung der Adventlehre zu durchsäuern, indem ihr gegen bestehende Organisationen predigt. Weil natürlich, Fitch hat angefangen zu sagen: "Kommt auf sie heraus, mein Volk." Und andere wie Himes, die kriegen jetzt ein bisschen kalte Füße und sagen: "Moment mal, lass uns das nicht so..." Und das ist natürlich eine spannende Frage, wie soll man damit umgehen, wenn die Bibel da zeigt: "Geht heraus."

[19:20] Der schmale Grat, der Grat zwischen biblischer Wahrheit und Fanatismus ist manchmal ziemlich schmal.

[19:28] Miller schreibt am 26. Oktober einen Brief und sagt: "Meine Gesundheit ist besser." Nachdem er im Sommer noch fast gestorben war, waren das natürlich gute Botschaften. "Meine Gesundheit ist besser, mein Glaube stärker, meine Hoffnung stabiler, meine Aussichten auf Herrlichkeit hellen sich auf, meine Erwartungen nehmen zu, dass ich bald den König in all seiner Herrlichkeit sehen werde. Wir müssen uns nicht fürchten. Der Herr weiß, dass wir die Wahrheit haben. Unsere Feinde haben Angst davor, ansonsten würden sie sich nicht zu solch niedrigem Missbrauch, Falschdarstellung und pöbelhafter Redeweise herablassen." Ihm geht es besser, und das ist gut so.

[20:04] Im "Midnight Cry" erscheint ein Bericht über Miller. Jemand hat ihn besucht und wollte mal wissen, wie er eigentlich wohnt. Denn in der Presse in der ganzen USA gibt es Gerüchte, dass er eine luxuriöse Farm hat mit einer großen Steinmauer und dass er viel Geld verschwendet hat und dass er ganz niederlich lebt und alles Mögliche. Und so ist jemand ihn mal besuchen gegangen und hat festgestellt, dass natürlich von all dem nichts stimmt. Die Farm ist natürlich sauber und schön gut gemacht, aber ziemlich einfach.

[20:40] Miller hatte ursprünglich 10 Kinder, davon sind 2 gestorben. Ursprünglich waren es 7 Söhne und 3 Töchter. Weiß jemand, wer in der Bibel auch 7 Söhne und 3 Töchter hatte? Hiob, genau. So wie Hiob. Aber 2 sind gestorben, so sind nur 8 knöprig geblieben. 4 davon sind zu dem Zeitpunkt schon erwachsen. Der älteste ist übrigens Postmeister dort im Dorf in Lowhampton. Und einer der Besucher, er bekommt ja ständig Besucher, die irgendwas von ihm wollen, kam mal in das Haus und hat gefragt, ob Miller da ist. Und er stellte sich raus, er ist nicht da, er ist auf Reisen. Und dann hat er gefragt: "Kann ich mal seine Bibliothek sehen, weil Miller hat bestimmt eine große Bibliothek?" Und dann kommt die Tochter und sagt: "Na, komm rein, ich zeige dir seine Bibliothek." Sie gehen in den Raum und in der Bibliothek befinden sich genau 2 Bücher: eine Bibel und eine Konkordanz. Das ist seine Bibliothek. Und er stellt sich raus, dass er in den letzten 30 Jahren überhaupt nur 2 andere Werke über Prophetie gelesen hat: eins von Isaac Newton und eins von Faber. Das war vor etwa 30 Jahren. Ansonsten liest er eigentlich sehr gerne die adventistischen Zeitungen, aber ansonsten nur die Bibel. Und da ist eine gewisse Kraft dahinter.

[21:54] Naja, und dann kommt das, warum wir heute diesen Abend genannt haben: "Schatten der Wahrheit". In jener Zeit im Jahre 1843 gab es neben vielen anderen Reformbewegungen, über die wir schon oft gesprochen haben, wie die Antisklavereibewegung und die Mäßigkeitsbewegung, gab es auch eine Bewegung in der Christenheit, die gerade im Jahre 1843 stark sich ausgeprägt hat. Und das war die Sonntagsbewegung. Die Christen verschiedener Denominationen haben dafür gekämpft, den Sonntag gesetzlich zu verankern. Den Milleriten war das jetzt egal, weil die haben sowieso nicht erstens den Sonntag gehalten, aber zweitens sowieso damit gerechnet, dass jeden nächsten Sonntag schon der letzte Sonntag sein könnte. Das heißt, sie haben sich da nicht so sehr beteiligt. Aber es gab eine Gruppe von Christen, die ganz, ganz große Probleme damit hatten, und das waren die Siebentags-Baptisten. Die haben eines ihrer ersten Gotteshäuser auf Rhode Island gebaut, Anfang des 18. Jahrhunderts. Zu dem Zeitpunkt 1843 gab es wahrscheinlich nicht mal 2000, ungefähr 2000 oder so Siebentags-Baptisten in ganz Amerika. Und die merken, dass in der ganzen Presse und in den christlichen Kirchen diese Sonntagsfrage thematisiert wird und es sollen Gesetze erlassen werden. Und sie wissen nicht, was sie tun sollen. Und dann tun sie etwas Unglaubliches: Sie bestimmen den 1. November 1843 zu einem landesweiten Fastentag und Gebetstag. Und an diesem 1. November beten alle Siebentags-Baptisten in ganz Amerika um eine Sache: "Herr, tu etwas für deinen Sabbat. Herr, wirke für deinen Sabbat, dass dein Sabbat der Welt bekannt gemacht werde."

[23:41] Wenn diese wenigen Tausend Siebentags-Baptisten nur geahnt hätten, wie sehr Gott dieses Gebet einmal erhören würde. Am 1. November 1843, die Wahrheit, die in kürzerer Zeit sich verbreiten würde über die ganze Welt, wirft schon ihre Schatten voraus. Und schon während sie beten, ist Gott schon am Wirken, noch völlig unscheinbar. Aber die erste Schachfigur ist schon an der richtigen Stelle. Und zwar eine Siebentags-Baptistin mit Namen Rachel Oakes Preston. Sie, eine junge Witwe mit ihrer Tochter Delight, war Siebentags-Baptistin geworden seit einigen Jahren schon und ist im Jahre 1843 an diesen Ort hier gezogen, an dieses kleine Dorf, und zwar an das Dorf Washington, das nicht das Washington, wo die Hauptstadt ist, sondern das ist Washington in New Hampshire. Und dort im Dorf Washington gab es keine Siebentags-Baptisten-Gemeinde. Es gab aber eine Gruppe von Adventisten unter dem Prediger Frederick Wheeler dort. Und so schließt sie sich erstmal sporadisch dieser Gruppe an, weil die natürlich auch viel Bibel studieren und Prophetie studieren, das fänden sie spannend. Sie hat aber bis zu dem Zeitpunkt noch nichts über den Sabbat gesagt, immer nur Privatien für sich gehalten. Aber hier haben wir die erste Siebentags-Baptistin, die einen direkten Kontakt mit den Adventisten hat. Und währenddessen betet die gesamte Kirche: "Herr, tu etwas für deinen Sabbat." Und wie der Herr dieses Gebet erhört hat, das wird noch in den nächsten Wochen und Monaten unser Studium sein.

[25:34] Die Adventisten kommen auf die Idee, dass jeder Prediger, der umhergeht, und es sind mittlerweile Hunderte von Predigern, die für die Adventisten durchs Land ziehen, auch als Agent für diese Zeitschriften agiert. Das heißt, wo immer sie hingehen, predigen sie, und dann werben sie für die Zeitschriften und sagen: "Kauft die 'Signs of the Times', kauft 'The Midnight Cry', damit ihr diese Sachen auch nachvollziehen könnt, dass ihr, wie soll man sagen, das nacharbeiten könnt und damit ihr nicht nur eine Predigt hört, sondern dass ihr euch selbst das studiert."

[26:05] Dann passiert etwas, was nicht hätte passieren sollen. Auch interessante Lehre. In Boston hatten ja die Adventisten dieses Kirchengebäude errichtet, das Tabernakel. Und das steht unter der Woche manchmal leer. Und so hatte man es sich zur Angewohnheit gemacht, für angemessene Angelegenheiten es auch zu vermieten. Und so kommt eines Tages ein Konzertveranstalter zu einem der Komiteemitglieder und sagt: "Hey, wir würden gerne ein Konzert machen, drei Tage lang." Und berichtet, was das Konzert sein wird. Da werden noch ein paar Spirituals gesungen, also geistliche Lieder der Schwarzen. Und das Komiteemitglied sagt: "Kein Problem, ihr kriegt unser Adventgebäude, könnt ihr haben." Dann werden die Werbeplakate dafür gedruckt und es stellt sich heraus, es ist eine, wie soll man sagen, Unterhaltungsshow unteren Levels, sozusagen. Und innerhalb von Tagen weiß es die ganze USA: "Die Milleriten fördern das Theater, die Milleriten fördern die Unterhaltungsindustrie und das ist ihr moralischer Charakter." Man kann das nicht mehr rückgängig machen, weil der Vertrag unterschrieben ist. Man kann nur, also man hat den dritten Abend abgesagt, aber das war natürlich eine wichtige Lehre, da besser aufzupassen. Und man sieht, wie der Satan jedes kleine Detail benutzt hat, um die Adventisten dort irgendwie in die Ecke zu treiben.

[27:20] Dann eine traurige Nachricht, ebenfalls am 1. November. Dort schreibt es hier in den "Science of the Times" unter der Überschrift "Die englische Mission". "Wir haben uns lange gewünscht, dass treue und effektive Männer nach Europa gesandt werden, um den Mitternachtsruf zu geben", also Mission nach Europa. "Alle uns zur Verfügung stehende Kraft ist eingesetzt worden, um dieses äußerst wichtige Vorhaben zu bewerkstelligen, aber nun haben wir es aufgegeben als etwas, was nicht realisiert werden kann." Warum? Die Zeit ist zu kurz. Sie haben sich so auf den Westen der USA und den Süden der USA konzentriert, dass sie jetzt feststellen: "Hey, dieses kommt aller aller spätestens in dem Zeitpunkt. Fünf Monate, da bringt es nicht mehr jemand nach England zu verschiffen." Die Zeit ist ausgelaufen. Und dann ein paar Sätze weiter: "Naja, außerdem ist Europa in den letzten zehn Jahren treu gewarnt worden, dass der Bräutigam zu jetzigem Zeitpunkt kommen wird. Sie haben ihre Warnung gehabt durch die englischen Adventisten, das muss jetzt reichen." Ganz interessant.

[28:19] Es kam der Zeitpunkt, wo sie realisiert haben, es ist so viel, man kann es gar nicht schaffen. Es hat sich förmlich überrollt, dieser Sinn für das alles, was getan werden muss. Dabei waren sie relativ gut organisiert. Was ihr hier seht, sind alle Orte, wo die Adventisten Ende 1843 ein Büro hatten, wo man sozusagen hingehen konnte, wo Bücher verkauft wurden und von wo aus Zeitschriften verteilt wurden. Also hier in Philadelphia für die Gegend und hier in New York, in Boston, in Portland, in Albany, Utica, Rochester, Buffalo, in Montreal, in Kanada, in Cincinnati, in Louisville und in St. Louis für den Westen. Also das war ihre Präsenz. Man sieht nach wie vor, es war eine Nord-USA-Bewegung. Also der Süden war weitaus schwerer zu erreichen. Natürlich auch deswegen, weil viele der Führer dieser Miller-Bewegung auch gleichzeitig Antisklaverei-Gegner waren und namentlich bekannt waren. Wenn die in den Süden gegangen wären, dann wäre es wahrscheinlich ans Leder gegangen, die hätten sie umgebracht. Ihr kennt ja diese Nord-Süd-Thematik mit der Sklaverei. Aber da sieht man, wie systematisch sie auch versucht haben, die USA abzudecken mit ihrer noch nicht vorhandenen Organisation.

[29:38] Am 3. November schreibt Miller, dass er in den letzten Jahren mehr als 100 Prediger getroffen hat, die seine eigene Botschaft besser verkündigen als er selbst. Interessant. Und ich erwarte, dass wir alle schon bald sagen werden, dass wir alle noch 100 Leute treffen werden, die noch neu dazukommen werden, die die Botschaft noch besser verkündigen werden als wir selbst. Und da haben wir einige von denen, die wirklich brillante Leute waren. Und ihr kennt sie natürlich schon: Fitch und Litch und Storrs und Himes und Bliss und so weiter und so fort.

[30:11] Ein Bericht aus England. Robert Winter schreibt: "Die Adventlehre ist nun das Hauptgesprächsthema in diesem Land, in England. Und die Zeitungen enthalten oft kurze Berichte über die Menschen in Amerika, insbesondere Mr. Miller." Wenn ihr in London gelebt habt, 1843, hättet ihr in den Tageszeitungen immer wieder Berichte von Miller gelesen. Verschiedene Berichte über ihn sind in diesem Land verbreitet worden. Einige sagen, er sei im Gefängnis. Andere sagen, er sei tot. Wie die anderen behaupten, er habe seine Lehre verleugnet und seine Berechnung geändert. Einige behaupten, er und viele andere seien ungläubig geworden und dass Amerika in einem Zustand wie nie zuvor ist. Aber Gott sei Dank, nichts davon kümmert mich. Robert Winter, der Missionar der Adventisten dort, sagt: "Unsere Mission in Norfolk geht es ausgesprochen gut. Fast 1000 haben kürzlich die Lehre in Norfolk angenommen. Wir hatten eines der größten und machtvollsten Campmeetings in Litscha. Ich reise gerade in Norfolk und an vielen Orten sind die Kirchen für mich geöffnet. Mein Freund Mr. Burgess reist mit mir und einige andere Prediger reisen und geben den Mitternachtsruf. Aber wir brauchen mehr Arbeiter, denn die Felder sind weiß zur Ernte."

[31:14] Was man immer wieder liest in jedem Zeitschriftenartikel, egal in Amerika oder England: Man bräuchte mehr Leute. Was wäre passiert, wenn in Jahren vorher sich mehr Menschen Gott wirklich übergeben hätten, wenn Gott mehr Menschen hätte benutzen können als Instrumente? Er wäre schon längst gekommen. Und ich glaube, da gibt es eine ganz, ganz tiefe Lehre für uns. Könnte es sein, dass wir die Vorbereitungen jetzt versäumen, dass wenn dann plötzlich das Interesse auf allen Seiten da ist, wenn alle Menschen hören wollen: "Warum seid ihr Adventisten?", dass dann plötzlich wir gar nicht wissen, wo wir zuerst hingehen sollen.

[31:52] Ein Beispiel da, wie die damit umgegangen sind mit der Tatsache, dass man ja nie weiß, ist nächste Woche schon die Wiederkunft. Den Geschwistern in Portsmouth möchte ich sagen, dass wenn die Zeit noch weiter geht und der Verkehr erlaubt, ich den Sabbat des 5. November mit ihnen verbringen werde und den folgenden Sabbat in Boston. Sagt Joseph Turner, merkt euch mal den Namen vielleicht für später.

[32:11] Erdbeben in Messina, Messina am 8. November. Und dann macht sich Miller auf auf eine West-Tournee hier Richtung Rochester. Dazu muss er auf dem Champlain-Kanal mit einem Boot fahren. Und als die Passagiere auf dem Boot merken, dass Mr. Miller in ihrer Mitte ist, sagen sie: "Hey, könntest du nicht predigen?" Und das macht er natürlich gerne, predigt über Titus 2, Vers 13: "die glückselige Hoffnung der Erscheinung unseres Erlösers und Gottes, Jesus Christus", predigt er dort auf dem Weg.

[32:47] Litch besucht am 11. November Boston und hält weitere Vortragsreihen in der Gegend. Miller kommt in Rochester an und hat einen gigantischen Erfolg. Das liegt natürlich daran, dass in den Monaten vorher erst ein Campmeeting dort gewesen ist und dass dann eine Zeitschrift etabliert worden ist und ein anderer Prediger mit Namen Barry dort Monat für Monat gearbeitet hat. Und als jetzt Miller kommt, ist das Feld schon vorbereitet. Also so quasi nebenbei haben die Milleriten auch so eine Art Evangelisationszyklus entwickelt und Miller kann natürlich jetzt ernten.

[33:21] Er bekommt hier in Rochester und auch an den anderen Orten, wo er gleich hinreisen wird, immer wieder Einladungen für öffentliche Debatten. Die Universalisten, also diejenigen, die glauben, alle kommen in den Himmel, egal ob du gut oder böse bist, fordern ihn raus und sagen: "Komm, lass uns eine öffentliche Debatte machen." Was meint ihr, hat er das getan oder nicht? Miller hat das jedes Mal abgelehnt. Ganz interessant. Miller war der Meinung, dass wenn man mit jemandem debattiert, von dem man weiß, dass er sowieso im Irrtum ist, dann gibt man nach außen hin den Eindruck, er könnte eventuell ja sogar recht haben mit all dem, was er sagt. Und hat die Debatten immer abgelehnt, hat einfach nur selbst gepredigt.

[34:00] 15. November. Im Hintergrund studieren einige Leute wie Sylvester Bliss weiter diesen Problem mit Daniel 9 und mit der Mitte der Woche und dem Kreuz, Kreuzigung und so weiter. Und sie kommen da auch auf die Schriften von einem Dr. Hales, einem Gelehrten. Er sagt, er, Dr. Hales, gibt zu, dass die eine Woche 27 nach Christus begann und 34 nach Christus Ende. Das ist das erste Mal, dass ich in den "Science of the Times" die korrekten Daten gelesen habe, obwohl das im Prinzip nur ein Zitat von jemand anders ist, als Stephanos getötet wurde und der Sanhedrin das Christentum formal abgelehnt hatte. Hier zum ersten Mal die biblisch korrekten Daten ganz genau festgehalten, aber noch in der Studienphase sozusagen. Und sie beschäftigen sich doch mehr und mehr mit der Frage: Sind wir die Einzigen oder gibt es andere, die es auch schon gesehen haben?

[34:46] Dr. Hales sagt: "Diese einfache und geistreiche Angleichung der 70 Wochen als ein Teil der 2.900 Tage geht originalerweise zurück auf die Weisheit von Hans Wirt von Rossmann in Westmeth County, Irland und wurde von ihm in einem anonymen Offenbarungskommentar 1787 in London veröffentlicht." Das lieben die Milleriten, wenn sie Beweise dafür finden, dass Millers Theorie schon vorher von anderen Leuten festgehalten worden ist. Was sie da noch nicht wissen ist, dass es einen gab, der noch fast zehn Jahre vorher in Deutschland dieselbe Theorie als erste aufgestellt hat.

[35:25] Gleichzeitig wächst das Verständnis für diese Engelsbotschaft aus Offenbarung 14. Schaut man hier. Aber dieses Evangelium vom Reich, woher kommt das? Aus welchem Bibelfers? Das ist Matthäus 24, Vers 14. Ja, verkündigt die Stunde seines Gerichts ist gekommen, Offenbarung 14, Vers 7. Es soll verkündigt werden durch den Fluge eines Boten oder Engels, der es zu jedem Volk, jeder Sprache, jedem Stamm und jeder Nation trägt. Wenn dies vollendet ist, wird das Ende kommen. Das ist jetzt wieder Matthäus 24. Also die Verbindung Matthäus 24, Offenbarung 14, die wird immer deutlicher. Wird diese ewige gute Botschaft nun in der ganzen Welt als Zeugnis für alle Völker verkündigt? Soweit wir es wissen können, ja. In den letzten Jahren gab es ein ständiges Bemühen derjenigen, die in das schnelle Kommen des Herrn glauben, Licht über dieses Thema in der ganzen Welt zu senden. Soweit sich Gelegenheiten angeboten haben, sind Publikationen an jede englische und amerikanische Missionsstation der Welt gesandt worden. Die englischen Adventisten haben sich ebenfalls in den letzten etwa 20 Jahren an diesem Werk beteiligt und ihre Bemühungen sind in die ganze Welt gegangen.

[36:29] Interessant, dass sie die auch Adventisten nennen, obwohl sie keine organisatorische Verbindung zu denen hatten, zu Irving und Wolf und so weiter. Joseph Wolf ging vor etwa zehn Jahren durch das Innere und die südlichen Teile Asiens und verkündete das kommende Königreich Gottes. Ungefähr vor 20 Jahren schrieb ein englischer Missionar, dass man glaubte, dass zu dieser Zeit, also um 1844, Christus kommen würde. Der kürzliche Bericht von Emigranten aus Norwegen über die Verbreitung der Lehre in diesem Land ist nur ein Beispiel für ihre weltweite Verbreitung.

[37:02] Die Milleriten hatten das Problem, dass sie wussten, das Evangelium muss in der ganzen Welt verkündigt werden, bevor Jesus wiederkommt. Aber Jesus kommt ja in ein paar Wochen wieder. Also haben sie nach Beweisen dafür gesucht, dass das Evangelium schon überall verkündigt worden ist. Und das war das, was sie gesehen haben.

[37:18] Gleichzeitig nimmt der Druck von den Kirchen immer mehr zu. Beispiele wie diese häufen sich. Eine Kirche entscheidet Folgendes: "Weil Mrs. Hannah Dunning, nachdem sie die Lehren der Wiederkunft des Erlösers, wie sie vor kurzem in dieser Stadt gepredigt worden sind, angenommen hat, von jenen, diese Lehre predigen, getauft worden ist und damit ihre erste Taufe geleugnet hat und außerdem mit ihnen Abendmahl gefeiert hat und um das Ganze noch zu krönen und deren Liederbuch benutzt hat. Und weil dies alles den Lehren und Praktiken der assoziierten reformierten Kirche widerspricht, zack, wird beschlossen, dass Mrs. Hannah Dunning von allen Kirchenprivilegien ausgeschlossen ist, bis sie bereut." Ja, das, was also den den Harmons passiert ist im September, passiert jetzt immer mehr Menschen in verschiedenen Kirchen, dass sie ausgeschlossen werden wegen ihrem Glauben. Und der Kommentar in der adventistischen Zeitschrift kommt aus ihr heraus: "Mein Volk, auf Offenbarung 18, Vers 4." Diese Idee von Babylon, nicht wahr? Und jetzt sagen sie es auch zum ersten Mal selbst, zumindest macht es Bliss.

[38:28] 15. November. Diese letzte Woche muss also 27 oder 28 nach Christus begonnen haben, als unser Erlöser etwa 30 Jahre alt war und seinen Dienst begann. Hier haben wir also den einzigen fixierten Punkt in der Chronologie der 70 Wochen. Miller geht weiter und kann jetzt diese Einladung von diesem Elon Galusha, von dem ich vorhin berichtet habe, annehmen. Er geht dorthin nach Lockport, predigt und das Resultat ist was? Elon Galusha, einer der bekanntesten Baptisten der USA, wird Millerit. Das war natürlich eine Sensation. Das war wirklich eine Sensation. Nicht zuletzt deswegen, weil dieser Galusha auch Vorsitzender, wo habe ich denn das hier, genau, unter anderem Präsident der amerikanischen baptistischen Antisklaverei-Bewegung ist und sozusagen der Vorsteher aller Baptisten hier in ganz New York. Das ist nicht nur ein Prediger, das ist der Vorsteher des ganzen Bundesstaates. Und der wird Millerit. Und das schlägt natürlich ein wie eine Bombe.

[39:33] Die Milleriten, die Adventisten beschäftigen sich nach wie vor auch mit der Idee von den 6.000 Jahren. Und viele, werden viele Leute zitiert, die es auch schon geglaubt haben, dass die Welt nur 6.000 Jahre alt werden wird. Man zitiert sogar Martin Luther hier. "The voice of the great reformer, Martin Luther." Daniel 8, seine Auslegung über das kleine Horn, wird hier lang und breit auseinandergenommen. Das Interesse an Geschichte, das Interesse an Kirchengeschichte war damals schon gigantisch groß. Und gleichzeitig das Interesse an dem, was in England geschieht oder geschehen ist, immer wieder werden Artikel von englischen Adventisten abgedruckt.

[40:11] Ein neues Gerücht entsteht: Die Wiederkunft sei erneut verschoben worden, diesmal auf den 4. Juli 1844. Also die Zeitschriften, die Zeitungen der damaligen Zeit haben eine Freude daran, immer wieder neue Daten zu erfinden, weil das natürlich viele Leute verwirrt. Ein weiteres Buch wird gegen Miller geschrieben, hier von Isaac Taylor hinten. Er reiht sich ein in eine ganze Reihe von berühmten Leuten, die versuchen, Miller zu widerlegen. Auch ihm gelingt es nicht wirklich.

[40:41] Dagegen ist dieser Mann hier, Joseph Marsh, der Editor einer christlichen Zeitschrift, so begeistert von Miller, hat schon immer wieder, auch in seiner Zeitschrift, obwohl sie gar nicht Milleritisch ist, so Miller-Theorien reingebracht, dass er irgendwann abgesetzt wird. Und man entreißt ihm diese Zeitschrift. Und naja, er wird dann Prediger für die Adventisten.

[40:59] Nach wie vor Prediger für die Adventisten auch ist der 22-jährige James White, der in der Abgeschiedenheit des Winters von Maine, hier ganz weit oben in der Wildnis, von Dorf zu Dorf reist und dort seinen kleinen, unscheinbaren, aber wichtigen Dienst leistet, um die dortigen Adventgläubigen im Glauben zu erhalten.

[41:28] Im Winter 1843 ist es auch der Fall, dass, wie ist sein Name nochmal? George Storrs, ganz genau, dass er immer weiter diese Sache pusht mit dem Zustand der Toten. Auch als er in Cincinnati war, hat er wieder Bücher verteilt und drucken lassen. Und das verbreitet sich immer mehr unter den Adventisten, vor allem unter der Bevölkerung, also unter dem Fußvolk. Während alle Leiter dagegen sind, sein einziger Mitstreiter Calvin French, der durch diese Sache mit dem Ehebruch so ein bisschen ausgeschieden ist, hat er doch Erfolg unter den einfachen Gläubigen. Und bald sollte es da auch zu einer Entscheidung kommen.

[42:05] Miller geht weiter, hier von Lockport nach Buffalo. Das ist dann schon Ende, also Anfang Dezember schon. Das haben wir gesprungen, genau. 1. bis 10. Dezember. Bericht wird gegeben in der "Buffalo Gazette". "Vater Miller", so wird er genannt. "Vater Miller macht ziemlich Furore in dieser Stadt. Das Theater war am Sonntagabend von Parkett bis zur Galerie restlos überfüllt und Hunderte konnten nicht mehr reingelassen werden. Aber trotz dieser großen und gemischten Zuschauerschaft gab es vollkommene Ordnung. Die ganze Zeit über. Miller ist wieder bei Kräften und tut das, was er seit Jahren getan hat, mit dem gleichen Erfolg."

[42:48] Und dann eine ganz traurige Nachricht. Charles Fitch verliert seinen kleinen Sohn Willie. Zehn Tage vor dessen siebten Geburtstag stirbt der kleine Willie, im Alter von sechs Jahren. Und das so kurz vor der Wiederkunft. Übrigens, wir haben ja schon gesehen, nicht nur Fitch hat ein kleines Kind verloren, sondern Litchi auch. Erneut ein interessanter Punkt innezuhalten, dass auch diejenigen, die an der Front für Gott arbeiten, nicht vor Leid und Verlust verschont bleiben, notwendigerweise.

[43:26] Die Diskussion geht weiter über die Kreuzigung. Bliss sagt: "Bezüglich der Länge des Dienstes Jesu sind wir schon seit einiger Zeit geneigt zu glauben, dass es nur dreieinhalb Jahre waren." Miller hat ja gedacht, es waren sieben Jahre. Jesus hat sieben Jahre auf der Erde gewirkt. Wenn wir sagen "wir", dann meinen wir damit nur den Junior-Editor dieser Zeitung, also er selbst, Bliss. "Die Kreuzigung wurde niemals vor dem 13. Jahrhundert in das Jahr 33 gelegt." Obwohl Litchi und Himes und Miller alle an das Kreuzigungsdatum 33 glauben, weil es in den Bibeln so steht, in den Fußnoten, fängt Bliss an zu studieren und zu sagen: "Hey, Moment mal, das ist nur eine Tradition."

[44:03] Dr. Hayles, der annimmt, dass die Kreuzigung in der Mitte der Woche war, im Jahre 31 nach Christus, gibt folgendes Argument, um seine Position zu beweisen. Und dann kommt da ein ewig langes astronomisches Argument, erspare ich euch. Aber der Bliss, der ist an diesem Zeitpunkt ziemlich weit vorne, sehr gut und versucht das jetzt ganz, wie soll man sagen, subtil einzubauen in die Prophetüberechnung.

[44:27] Miller geht weiter hier nach, wie heißt der Ort? Penfield, genau. Vom 20. bis 27. Dezember, also Weihnachten haben sie damals wohl nicht gefeiert, hält er eine weitere Vortragsreihe in der Nähe von Rochester. Und dann heißt es hier am 27. Dezember: "An die verstreuten Adventgläubigen. Dieses herrliche und allerwichtigste Thema wird immer interessanter, je näher das Ende der Zeit heranrückt. Die Idee, dass das Interesse abstirbt, ist nicht wahr. Berichte aus dem ganzen Land zeigen, dass sie, die Adventisten, ihre Häupter erheben und in der Erwartung der Nähe ihrer Erlösung aufschauen." Das jüdische Jahr 1843 endet ja erst im Frühjahr 1844. Noch bleiben ein paar Wochen, vielleicht ein paar Monate. Und überall, nachdem dieses kleine Loch im Sommer gewesen ist mit dem Fanatismus und einigen Enttäuschungen, das Ganze hatte wieder eine Aufwärtskurve. Die Adventisten erheben ihre Häupter und warten darauf, dass Jesus jetzt bald wiederkommen wird.

[48:29] Und einer schreibt hier: "Es sollte noch viel mehr Redner geben. Jeder wahre Gläubige, der eine Gabe zum Lehren hat, sollte diese Gabe mit großem Fleiß und Eifer nutzen. Niemand sollte die Arbeit verlassen. Unsere Arbeit ist nicht beendet, bis der Meister erscheint. Brüder und Schwestern sollten alles in ihrer Macht Stehende tun, um privat das Licht von der Ankunft des Herrn zu verbreiten. Am wichtigsten ist es, dass wir in stündlicher Vorbereitung auf dieses Ereignis leben. Alles in die Wachstelle werfen." In diesen letzten, letzten Minuten der Weltgeschichte. So haben sie geglaubt.

[49:04] Miller ist dann die letzten Tage des Jahres in Rochester, wo er ab dem 29. Dezember einige Vorträge hält und dann über das Jahr hinüber. Also von wegen Weihnachtsferien oder sonst was. War ja keine Zeit. Jesus kommt bald wieder. Ferien hat man im Himmel.

[49:16] Wir können damit eine Bilanz ziehen über das Jahr 1843. Allein im Jahr 1843 wurden 40 Campmeetings abgehalten. Das sind noch mehr als 1842, wo es 31 waren. Und ich wiederhole jetzt nicht, was das für ein Aufwand war, so ein Campmeeting zu halten. 40 Stück. Mittlerweile gibt es acht verschiedene adventistische Zeitschriften in den verschiedenen Teilen des Landes. Es gibt mittlerweile hunderte reisende Prediger im Feld. Darunter sind Bekannte wie Fitch und Litch und Storrs und viele, viele Unbekannte wie James White, die in kleinen, unbekannten Gebieten von Dorf zu Dorf reisen. Mit geliehenen Pferden, mit geliehenen Satteln, ohne irgendwas vielleicht, um den Mitternachtsruf zu geben. Und es gibt einen neuen Fokus auf die Frage von Daniel 9. Ist Jesus im Jahre 33 gestorben oder im Jahre 31? Ist es das Ende der 70. Woche oder in der Mitte der letzten Woche? Und das hat natürlich alles noch ein bisschen, ja, ein Fragezeichen um sich herum. Und es war Fanatismus aufgetreten und ist größtenteils abgewehrt. Das ist das Jahr 1843. Und die Frage bleibt für die wenigen Wochen, die noch übrig bleiben: Was ist der Plan?

[50:25] Und wer könnte einen besseren Plan erfinden als Joshua Himes, der schon immer der Stratege war. Und seinen Plan, er verkündet ihn am 28. Dezember. Er sagt: "Pass auf, wir werden eine Million Traktate drucken, eine Million Traktate unter das Volk bringen. Das ist das, was wir noch machen können, damit jeder Mensch, soweit es uns möglich ist, die Botschaft hört. Denn wir leben in einem Countdown in die Ewigkeit."

[50:47] Nächste Woche, wenn wir sehen, wie diese letzten, scheinbar letzten Wochen der Welt abgelaufen sind. Und ich glaube, wir haben wieder einiges gelernt, oder? Es ist so interessant, wenn man schaut, wie diese Menschen gehandelt haben, als sie wirklich überzeugt waren, dass Jesus bald wiederkommt. Und aus ihren Fehlern und aus ihrer Begeisterung dürfen wir einiges lernen. Und wir haben nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Lasst uns eine kurze Pause haben und dann in unser Offenbarungsseminar hinübergehen. Amen.


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