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In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ beleuchtet Christopher Kramp das Jahr 1827 und die Geburt von Ellen Gould Harmon. Er gibt einen Überblick über die englische Adventbewegung und die führenden Köpfe, die sich auf die baldige Wiederkunft Jesu vorbereiteten. Gleichzeitig wird die zweite große Erweckungsbewegung in Amerika thematisiert, mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Charles G. Finney und Harriet Livermore. Die Reise von Joseph Bates und Joseph Wolf wird ebenfalls verfolgt, mit Einblicken in ihre persönlichen Entwicklungen und missionarischen Tätigkeiten.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Die Zeit des Endes". Wunderschönen guten Abend, schön, dass Sie eingeschaltet haben und schön, dass ihr auch live dabei seid zu unserer nächsten Folge. Heute mit dem Jahr 1827. Die Folge heißt "Die Geburt von Ellen". Und wer diese Ellen ist und warum wir heute ihre Geburt besprechen wollen, das werden wir in einigen Minuten sehen, nachdem wir jeden Abend gemeinsam beten wollen, um den Heiligen Geist zu bitten, uns zu erleuchten.

[0:31] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dich bitten, dass du jetzt bei uns bist durch den Heiligen Geist. Wir danken dir, dass wir zu dir kommen können und dass du uns die Gelegenheit gibst zu lernen. Wir möchten dich bitten, dass wir aus den Erfahrungen anderer Menschen, aus den Geschichten lernen dürfen, wie wir an deiner Hand gehen können. Bitte ermutige uns durch diese Geschichten und zeige uns, wie du uns führen möchtest. Jetzt bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.

[1:05] Letztes Mal haben wir damit aufgehört, über die Adventbewegung in England zu sprechen, die im Jahr 1826 sich so richtig geformt hat. Alle, die da gewesen sind, können sich noch daran erinnern, dass Ende des Jahres 1826 sich dort die führenden Männer der englischen Prophetieauslegung getroffen haben. Männer wie Edward Irving, dieser Star-Prediger aus London, Henry Drummond, Joseph Wolfe und viele andere, die dort zusammengekommen sind, um über Prophetie zu sprechen und die sich dort beraten haben, wie sie die Ansicht, dass Jesus bald wiederkommen wird, und zwar noch vor dem Millennium, in die englische Welt hinaustragen können.

[1:57] Und um so einen Überblick zu bekommen, was bis dahin alles so in dieser Adventbewegung so gesagt worden ist, hier mal eine Übersicht der führenden Leute, angefangen von Lacunza, der schon 1799 gesprochen hat, und dann haben wir hier einige Namen und die Daten, wo sie zum ersten Mal ein Buch geschrieben haben. Das ist alles so zwischen 1799 und 1830. Und nur so ein paar Dinge rausgegriffen, man könnte das sehr erweitern. Z.B. hier in Daniel 2, mit Ausnahme von Lacunza, der als Katholik das nicht so klar gesehen hat, haben alle anderen die Reihenfolge Babylon, Persien, Griechenland, Rom, die Standardreihenfolge, ohne jegliche Ausnahme. In Daniel 7 z.B. ebenfalls die gleiche Reihenfolge, ohne jegliche Ausnahme. Egal aus welcher Kirche die kam, mit welchem Hintergrund die geschrieben haben, alle haben das gleiche gesehen. Z.B. dann ist hier das kleine Horn, Babylon, Papacy, das Papsttum oder das christliche Rom, ohne jeglichen Unterschied. Kleine Variationen bei den 1260 Tagen, manch einer bis 1880 oder 1866, die meisten aber 1792, 1792, hier 1848, 1792, 1844, 1789, 1791. Also da gab es schon durchaus ein bisschen Unterschiede, 1797 hier. Dann Daniel 8, immer entweder Persien, Griechenland, Moslems oder Persien, Griechenland, Rom. Da gab es große Unterschiede, ob das kleine Horn Daniel 8 der Islam oder der Katholizismus ist. Und dann die große Frage mit den 2300 Tagen, am Anfang noch relativ Unklarheit, 1880, 1966, aber dann anfangen mit Leuten wie Cunningham und anderen, 1843, 1847, 1847, 1843, 1844, 1819, 1791, 1847, 1847, 1847, 1844, 1843, 1843, 1847 und entsprechend zum Teil dann auch die 70 Wochen aus Daniel 9.

[4:03] Wir sehen also in vielen Punkten eine große Übereinstimmung und man könnte jetzt für die weiteren Prophezeiungen das durchgehen. Nur eine wirklich große Dissonanz hatte sich schon eingeschlichen und das ist der hier, Maitland, der 1826, wird letztes Mal kurz besprochen, als allererster Protestant in der Geschichte der Kirche den Futurismus angenommen hat und gesagt hat, Daniel 2 ist noch in der Zukunft, Daniel 7, alles noch in der Zukunft und das sind alles buchstäbliche Tage und keine Jahre. Und er war der erste und sein Same ist bald darauf aufgegangen. Aber um 1827 herum war das die Position von vielen Männern in England und Amerika, vor allem in England, wo die bekanntesten Prediger zum Teil das verkündigt haben. Und von einem menschlichen Gesichtspunkt ausgesehen, war diese englische Adventbewegung wirklich sehr gesegnet. Sie hatten Leute, die reich waren, sie hatten Leute, die sehr gut predigen konnten, sie hatten zahlreiche Leute, das heißt, es war nicht nur an einer Person ausgerichtet. Sie hatten hervorragende Missionare wie Joseph Wolf und nach menschlichem Ermessen war das die Bewegung, die diese Botschaft in die Welt hätte tragen sollen und können. Was damit passiert ist, werden wir in den nächsten Jahren sehen.

[5:15] Es ist in dieser Zeit auch, dass Joseph Wolf jetzt 1827, Anfang des Jahres, durch England, durch Schottland und durch Wales reist, um dort als Abgesandter der Gesellschaft zur Förderung des Evangeliums an die Juden zu sprechen und auch zu predigen. Anfang des Jahres heiratet er dann seine Lady Georgiana Walpole, von der wir letztes Mal gehört haben, sie war gleichen Sinnes und er nennt sie dann immer den "reizenden Engel in irdischer Form". Er hat sie geheiratet, er war zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt.

[5:55] Das nächste, was in seinem Leben passiert ist, er wurde – und das müssen wir mit einer traurigen Stimme festhalten – er wurde Engländer. Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft aufgegeben und ist Engländer geworden. Er war ja eigentlich sowieso Jude, seiner ethnischen Herkunft her, aber hat sich jetzt vor dem Repräsentantenhaus einbürgern lassen, um jetzt als Engländer alle Rechte zu genießen dort und als englischer Missionar auch ausgesandt werden zu können.

[6:22] Als dann in Deutschland die Nachricht verbreitet wird, dass Wolf eine Adelige geheiratet hat, denn Lady Walpole war tatsächlich eine Adelige, ihr Vater war Earl of Oxford, da verbreitet sich das unter den Juden, dass Josef Wolf eine Adelige in England geheiratet hat. Und er schreibt dann, dass er eine ganze Reihe von Glückwunschbriefen bekommen hat von allen möglichen Juden, die dann geschrieben haben: "Wir beglückwünschen dich nicht so sehr, und kannst du dich nicht daran erinnern, wir sind doch miteinander verwandt?" Und er hat sich kaum retten können vor solchen Briefen. Ein Brief war besonders interessant, da hat jemand ihm geschrieben: "Kannst du dich erinnern, wie wir damals vor vielen Jahren zusammen im Kaffeehaus in Frankfurt gesessen haben und ich dir einen Kaffee ausgegeben habe und wir waren noch gute Freunde, magst du mich nicht zum Stadthalter machen?" Und Wolf schreibt dann zurück: "Ich mache dich gerne zum Stadthalter über die ägyptische Wüste." Woraufhin dann jener Jude ihm alle Flüche des Gesetzes Moses zurückschreibt, wie Wolf geschrieben hat.

[7:19] Wie auch immer, in anderen Kreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Wolf Kardinal in Rom geworden sei. Jedenfalls war er eine ganz bekannte Person, wie man daraus erkennen kann.

[7:31] Es ist in dieser Zeit, also 1827, die Zeit, wo diese verschiedenen Prediger und Prophetieausleger jetzt wirklich daran gehen, in England, in Großbritannien die Botschaft der baldigen Wiederkunft zu verbreiten. Und es ist gleichzeitig die Zeit, wo die allgemeine Erweckungsbewegung, was noch nicht wirklich was mit der Wiederkunft zu tun hatte, in Amerika noch einmal einen letzten Höhepunkt nimmt. Einer der ersten Höhepunkte war so 1816 gewesen, die Zeit, als Miller sich bekehrt hat. Und jetzt ab 1826, 1827 gibt es nochmal so einen letzten großen Schub, der zigtausende, hunderttausende in die Kirchen bringt. Das hat vor allem zu tun mit jenem Mann, Charles G. Finney, einer der bedeutendsten Evangelisten seiner Zeit. Beginnt mit den großen Evangelisationen im Osten der Vereinigten Staaten und er bringt einige Neuerungen in die Evangelisation.

[8:21] Zum Beispiel ist er derjenige, der einführt, dass auch Frauen bei Gebetsstunden beten dürfen, was natürlich Leute auch begeistert. Und er hat eine besondere Form des Aufrufes. Wenn er Aufrufe macht, dann hat er vorne an der Plattform besondere Stühle und besondere Sitze, die sogenannten "Anxious Seats". Wenn jemand überzeugt ist, dass er noch nicht wirklich bekehrt ist oder dass er eine Entscheidung für Christus treffen muss, dann lädt Finney die Leute nach vorne ein, auf diesen Stühlen Platz zu nehmen, dass dann für sie speziell gebetet wird und speziell sie dort ihr Zeugnis geben können. Und das hat großen, großen Erfolg und er wird in den nächsten Jahren einer der wichtigsten Erweckungsprediger in Amerika sein.

[9:07] Eine andere Frau, die wirklich von Interesse ist in dieser Zeit, ist Harriet Livermore. Sie geht ein in die Geschichte, als sie am 8. Januar 1827 die erste Frau ist, die im US-Kongress redet. Und was sie da redet, hat es in sich. Sie ruft nämlich vor versammelter Mannschaft, nicht nur die Politiker, sondern sogar den anwesenden US-Präsidenten zur Buße auf und sagt, wenn sie sich nicht bekehren, wird Gott Gerichte senden. Harriet Livermore war früher als junges Mädchen eine gern gesehene Dame bei gesellschaftlichen Anlässen und Gesellschaften, so ein bisschen, heute würde man sagen, "Partygirl". Und als dann ihr Liebhaber an Gelbfieber gestorben ist, hat sie sich der Religion zugewandt, hat sich bekehrt, ist dann Sonntagsschullehrerin geworden, hat angefangen auch zu predigen, was damals als extrem unschicklich galt. Eine Frau hatte nicht zu reden. Und ihr erstes Buch war dann "Beweise dafür, dass Frauen auch predigen dürfen oder ein Zeugnis geben können". Und sie hat dann ab 1825 ist sie Baptistin geworden und hat dann ihr Leben als Evangelistin verbracht. Das war für die damalige Zeit absolut außergewöhnlich. Harriet Livermore, sie gilt als eine der besten Rednerinnen ihrer Zeit, also Männer und Frauen verglichen, und war eine äußerst schillernde Figur, etwas exzentrisch auch, aber dazu können wir später nochmal kommen.

[10:34] Im Januar des selben Jahres 1827 gab es eine der wichtigsten Schlachten im brasilianisch-argentinischen Krieg, der wird noch gleich ganz wichtig werden in unserer Weltgeschichte, wie wir sehen werden. Da ging es um den kleinen Flecken Uruguay. Jeder, der mal Südamerika gesehen hat, weiß, da gibt es das große Land Brasilien, da gibt es das andere große Land Argentinien und mittendrin diesen kleinen Fetzen Uruguay. Der gehörte damals zu Brasilien, die wollten aber die Uruguayer nicht mehr zu Brasilien gehören und die Argentinier wollten sich gern Uruguay einverleiben und haben dann den Uruguayern geholfen. Aber am Ende wurde Uruguay unabhängig. Und in jener Zeit kommt es hier zur großen Schlacht von Ituzaingó, die die Brasilianer verlieren.

[11:19] Im März sind zwei Dinge zu berichten. Eine Sache noch im Februar, die ganz interessant ist, am 28. Februar wird in Amerika die erste Eisenbahngesellschaft per Gesetz gegründet. Seit einigen wenigen Jahren gab es ja schon in England eine Eisenbahn und jetzt sollen auch hier Schienen verlegt werden in Amerika. Die werden auch verlegt, aber zunächst einmal werden die Wagen noch von Pferden gezogen. So, an die Lokomotive glaubt man auch nicht so wirklich.

[11:48] Im März dann berichtet die Gesellschaft zur Verbreitung des Evangeliums unter den Juden davon, dass zahlreiche Gesellschaften jetzt auch in Schottland gegründet worden sind für die Judenmission. Und Joseph Wolf, einer ihrer Missionare, predigt dort in dieser Zeitschrift auch gegen die katholische Kirche und ruft heraus aus Babylon, wie er sie nennt.

[12:15] Dann im März ist noch ein anderes wichtiges Ereignis, das für die englische Adventbewegung von nicht geringem Interesse ist, und zwar beginnt hier die Kontroverse, aber gar nicht so sehr um die Adventbotschaft selbst, sondern um eine andere Lehre, die einer der wichtigsten Prediger, Edward Irving, beginnt zu vertreten. Edward Irving hält im März eine Predigt in London und sagt, dass Jesus in die gefallene Natur des Menschen kam, also in die Natur, die Adam nach dem Fall hatte. Das war eine relativ unorthodoxe Position. Die meisten Christen seiner Zeit und auch heute glauben, Jesus kam in die Natur vor dem Fall. Ohne dass wir jetzt hier in diese Debatte eingehen wollen, Edward Irving ist derjenige, der das gesagt hat. Jesus kam also nicht der Erste auf jeden Fall, aber jemand, der es zu diesem Zeitpunkt erwähnt hat und dadurch jetzt in Konflikt kam mit zahlreichen anderen Predigern seiner Zeit.

[13:10] Im Frühjahr 1827, und damit springen wir jetzt zu Joseph Bates, der sich noch zu Hause befand in Neuengland und dort die Zeit mit seiner Familie genoss. Er war ja vor kurzem sich endlich gewiss geworden, dass er bekehrt ist. Und im Frühjahr 1827 schwappt diese neue Erweckungswelle auch dort in seinem Ort über. Verhefen gibt es eine große Erweckung und auch Will und Joseph Bates ist wirklich erfasst davon. Und es gibt einen Gedanken, den er nicht mehr unterdrücken kann: Er möchte sich taufen lassen. Er hat sich noch keiner eigenen Kirche zugehörig richtig gefühlt, hat noch keine Entscheidung für eine Denomination getroffen und überlegt sich jetzt, wohin soll er gehen? Alle seine Verwandten, seine Eltern und auch seine Geschwister sind alle in der kongregationalistischen Kirche. Die Kongregationalisten sind diejenigen, die keine übergeordnete Kirchenstruktur haben, sondern einzelne Ortsgemeinden haben. Aber seine Frau gehört zur Christian Church und die Christian Church ist eine Kirche, die keinerlei Denomination anerkennt, sondern allein die Bibel. Das ist ihr Wahlspruch. Und Joseph Bates kennt die Christian Church schon so ein wenig, weil er jedes Mal, wenn er zu Hause gewesen ist, mit seiner Frau in die Kirche gegangen ist. Aber seine Eltern möchten natürlich, dass sowohl er als auch seine Frau zu den Kongregationalisten kommt.

[14:34] Da wird jemand ein Christ, aber dann ist die Frage: Was für ein Christ bist du jetzt? Bist du Christ in der Richtung oder in der Richtung oder in der Richtung? Und sein Vater, der versucht ihn jetzt zu überzeugen und zu sagen: "Joseph, komm zu uns, wir haben die richtige Lehre und es kommt schon darauf an, dass du der richtigen Lehre folgst."

[14:53] Joseph Bates hat mit zwei Lehren der Kongregationalisten Probleme. Das eine ist die Kindertaufe und das andere die Dreieinigkeit. Und wir wollen jetzt selbst zu Wort kommen lassen und erklären, warum er mit diesen beiden Probleme hatte. Es heißt hier: "Mein Vater, der seit langem ein Diakon bei ihnen, den Kongregationalisten, gewesen war, bemühte sich, mich davon zu überzeugen, dass ihre Lehrpunkte richtig seien. Es ist ja auch selbstverständlich, dass man der Meinung ist, die eigenen Lehrpunkte sind richtig. Er sagte ihm, dass ich mir Gedanken wegen der Taufe machte. Er sagte: 'Ich habe dich als Kind taufen lassen.' Ich antwortete, dass das zwar nach seiner Überzeugung richtig sei, aber dass die Bibel lehrte, dass wir erst glauben müssen und dann getauft werden. Aber ich konnte noch nicht glauben, als ich ein Kleinkind war."

[15:38] Und dann bezüglich der Dreieinigkeit, jetzt Achtung, gut zuhören: "Schlussfolgerte ich, dass es mir unmöglich war zu glauben, dass der Herr Jesus Christus, der Sohn des Vaters, gleichzeitig ein und dasselbe Wesen wie Gott, der Vater, der Allmächtige sei. Ich sagte zu meinem Vater: 'Wenn du mich überzeugen kannst, dass wir in diesem Sinne eins sind, dass du mein Vater und ich dein Sohn und gleichzeitig ich dein Vater und du mein Sohn bist, dann kann ich an die Dreieinigkeit glauben.'"

[16:05] Warum hat Joseph Bates die Dreieinigkeit abgelehnt? Das ist sehr wichtig, weil es gibt heute einige Leute, die sagen, der Joseph Bates war ein Antitrinitarier. Ja, das war er. Warum? Weil er geglaubt hat, Dreieinigkeit bedeutet, dass Jesus dieselbe Person ist wie der Vater und der Vater dieselbe Person ist wie Jesus, dass es also nur eine Person gibt. Und das hat er abgelehnt. Das hat er zu Recht abgelehnt. Also mit all dem, was er gesagt hat, kann ich vollkommen übereinstimmen. Alles, was er ablehnt, lehne ich auch ab. Das heißt nicht, dass man nicht noch mehr dazulernen kann, aber das ist so ein bisschen der Punkt.

[16:42] Und er hat sich, das war der Text, den er hier bezüglich der Taufe sehr studiert hat: "Der glaubt und getauft wird, Markus 16, Vers 16, der wird gerettet werden. Der aber nicht glaubt, wird verdammt werden." Er wusste, ich muss mich taufen lassen. Auch ein anderer Text hier, in 1. Petrus 3, 21, war für ihn sehr wichtig geworden: "Welches jetzt auch uns in einem bildlichen Sinn rettet, in der Taufe, die nicht ein Abtun der Unreinheit des Fleisches ist, sondern das Zeugnis eines guten Gewissens vor Gott durch die Auferstehung Jesu Christi." Er wusste, ich habe ein gutes Gewissen und ich möchte das zeigen durch die Taufe.

[17:14] Und er hat so ein bisschen hin und her überlegt, denn er wusste, seine Eltern sind vielleicht traurig, sie haben ihn ja schon als Kind taufen lassen, soll er sich jetzt taufen lassen nochmal oder nicht. Aber er konnte das aus der Bibel nicht anders erkennen. Und er betet viel, er betet und betet: "Gott, zeig mir den richtigen Weg." Und dann passiert etwas sehr, sehr Schönes. Er sagt: "Während er so betet und fragt: 'Gott, zeig mir, was soll ich tun?', da fällt sein Blick in der Bibel auf den 27. Psalm." Und ich lese nur einige Auszüge daraus, was er in diesem Moment liest, ist folgendes: "Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Und dann weiter in Vers 3: Selbst wenn ein Heer sich gegen mich lagert, so fürchtet mein Herz sich dennoch nicht. Wenn sich Krieg gegen mich erhebt, so bin ich auch dabei getrost. Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten, dass ich bleiben darf im Haus des Herrn, mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des Herrn anzuschauen und ihn zu suchen in seinem Tempel. Und dann Vers 8: Mein Herz hält dir vor dein Wort, sucht mein Angesicht, dein Angesicht, oh Herr, will ich suchen. Verbirt dein Angesicht nicht von mir, weist deinen Knecht nicht ab im Zorn. Meine Hilfe bist du geworden, verwirf mich nicht und verlass mich nicht, du Gott meines Heils. Wenn auch mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nimmt doch der Herr mich auf. Vers 11: Zeige mir, Herr, deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen. Vers 14: Hare auf den Herrn, sei stark und dein Herz fasse Mut und hare auf den Herrn."

[18:48] Und als er diesen letzten Vers 14 gelesen hat: "Hare auf den Herrn, sei stark und dein Herz fasse Mut", klappt er die Bibel zusammen und sagt: "Ich lasse mich taufen." Und er lässt sich taufen, innerhalb weniger Tage. Dieser Vers hier wird ihm sehr wichtig: Korinther 2, Vers 12: "Da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe." Und nach wenigen Tagen, wie gesagt, wird er getauft 1827 und wird jetzt Mitglied der Christian Church.

[19:13] Und am Tag seiner Taufe fällt er den Entschluss, eine Gesellschaft zu gründen, nämlich eine Mäßigkeitsgesellschaft, um den Alkoholgenuss einzudämmen. Er fragt den Bruder, der ihn tauft, ob er mitmachen würde, der hat kein Interesse. Aber er findet innerhalb kurzer Zeit verschiedene Christen unterschiedlicher Kirchen am Ort, die alle gemeinsam mit ihm zusammen diese Gesellschaft gründen. Und die meisten von ihnen sind Kapitäne, die also gesehen haben auf hoher See, was passiert, wenn man hochprozentigen Alkohol trinkt. Und so gründen sie dann die "Fairhaven Temperance Society", die Mäßigkeitsgesellschaft von Fairhaven. Und sie machen eine Satzung und sagen, wir wenden uns gegen den Verbrauch von Whisky, Brandy, Rum, Gin und so weiter.

[20:03] Er möchte auch gerne Wein und Bier auf der Liste haben, aber die meisten in dieser Gesellschaft trinken selbst noch so viel Wein und Bier, dass das nicht durchzusetzen ist. Und so beschränken sie sich erstmal darauf, gegen den starken Alkohol zu sein. Aber nach kurzer Zeit zeigt sich, dass das nicht wirklich funktioniert, denn einer der Mitglieder wird betrunken aufgefunden und man sagt: "Das kannst du nicht machen, du bist eine Mäßigkeitsgesellschaft, du kannst ja nicht betrunken sein." Und seine Frau hat sich vierteljährlich beschwert und dann sagt er: "Aber ich habe die Satzung nicht gebrochen, ich habe nur leichtprozentigen Alkohol getrunken." Und naja, man musste ihn dann aus der Gesellschaft rausschmeißen. Das haben sie gemacht, weil er sich das nicht einsehen wollte. Und man hat gesehen, man kann nicht wirklich gegen hochprozentigen Alkohol sein und gleichzeitig niederprozentigen Alkohol fördern. Und so hat diese Gesellschaft als erste Mäßigkeitsgesellschaft Amerikas die totale Abstinenz propagiert. Sie wurden später auch die "Tee-to-Tailor" genannt, die total jeglichen Alkohol abgelehnt haben. Sie hielten sich sogar für die allererste Mäßigkeitsgesellschaft in Amerika überhaupt. Das stimmte nicht ganz, es gab noch einige andere, aber wie so oft, Gott hat an verschiedenen Stellen solche Dinge ins Leben gerufen, ohne dass sie voneinander wussten. Und ihre Mäßigkeitsgesellschaft wurde enorm populär. Also sie haben Vorträge gehalten, sie haben Aktionen durchgeführt und immer mehr Menschen haben so eine Unterschrift geleistet, es gab damals so Zettel, so Urkunden, die man unterschreiben konnte, ja, auch ich werde mich abstinent, also der Abstinent verhalten, ich werde keinen Alkohol mehr trinken. Und dadurch sind bald neue Gesellschaften entstanden in New Bedford und in anderen Orten und irgendwann sogar für den ganzen Bundesstaat eine Mäßigkeitsgesellschaft.

[21:48] Besondere Freude hatte auch die Kinderarbeit. Einige dieser Mäßigkeitsarbeiter haben gesagt: "Es ist einfacher, Kinder gleich zur Abstinenz zu erziehen, als die Alkoholiker zu reformieren." Und so hat man dann Kinderchöre gegründet, die von Ort zu Ort gezogen sind und bei Versammlungen gesungen haben, und zwar über den Wert von reinem Wasser. Man nannte diese Kinderchöre die "Cold Water Army", die Kaltwasserarmee. Das waren Kinderchöre mit bis zu 300 Kindern, die dann auf großen Versammlungen gesungen haben über den Wert von reinem Wasser, dass sie nichts anderes trinken wollen als Wasser. Und das hat die Erwachsenen so sehr berührt, dass sie dann mitgemacht haben. Und allein in Fairhaven, dem Ort von Bates, hatten sie einen Kinderchor von 300 Leuten.

[22:36] Lassen wir Joseph Bates dort und gehen zu Joseph Wolf, der sich im April mit seiner Frau auf den Weg nach Amsterdam macht. Gemeinsam reisen sie auf ihre erste Reise nach Amsterdam und dort predigt er zu den Juden und hält einige Vorträge an Universitäten, wie in Utrecht zum Beispiel. Und dann reist er weiter nach Deutschland. Er war schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr in Deutschland und er reist nach Düsseltal, das ist ein kleiner Ort vor Düsseldorf. Und dort trifft er seine Mutter zum ersten Mal seit 18 Jahren. Schon krass, oder? 18 Jahre lang hat er sie nicht gesehen. Und er predigt dort in der Lutherischen Kirche, hat große Freude, das Evangelium zu predigen. Und seine Mutter, die ja Jüdin ist, weint die gesamte Predigt. Und sie fragt ihn hinterher: "Sohn, warum bist du Christ geworden? Willst du damit sagen, dass Abraham und Jakob und all die ganzen Patriarchen des Alten Testamentes falsch gelegen haben?" Und Joseph Wolf muss natürlich nicht lange warten, um ihr zu zeigen, dass Abraham und Jakob und Isaak und all die Patriarchen des Alten Testamentes alle Christen geworden wären, wenn Christus schon da gewesen wäre, weil die alle auf Christus hingewiesen haben. Und diese Argumente überzeugen seine Schwester, die er dort auftrifft, Jette, die kurze Zeit später sich bekehrt und auch Christin wird. Kurz danach reist er mit seiner Frau wieder zurück nach London.

[24:00] Eine Kleinigkeit, im Mai weist eine englische Zeitschrift darauf hin, dass die 39 Glaubenspunkte der anglikanischen Kirche fast identisch Wort für Wort kopiert sind von einem Glaubensbekenntnis, nämlich dem Glaubensbekenntnis der Waldenser. Es ist jene Zeit, wo sich die Menschen mehr und mehr befassen mit den frühen Christen des Mittelalters, wie den Waldensern. Einer von ihnen ist der ehemalige General Beckwith, der sich an diesem Jahr beginnt für die Waldenser zu interessieren und dann sein ganzes Leben widmet, dort in den Tälern von Piedmont Schulen zu gründen und diesen Menschen zu helfen.

[24:43] Am 11. Mai ist dann soweit, wegen enormen Besucherandrangs musste eine neue Kirche gebaut werden. Edward Irving hat so viele Menschen in London durch seine Predigten erreicht, dass die Kirche ständig überfüllt war. So wird am 11. Mai die neue Kirche eingeweiht. Er unternimmt auch Predigtreisen nach Schottland, wo er vor zum Teil 15.000 Menschen über die Wiederkunft Jesu predigt. Das war wirklich eine gewaltige Sache um 1827 und Edward Irving war einer der Hauptprediger dieser englischen Adventisten, auch wenn sie vielleicht diesen Namen nicht selbst verwendet haben, aber sie waren adventgläubig, es war eine Adventbewegung.

[25:17] Und dann noch etwas Kurioses. Am 30. Juni befindet sich die erste Giraffe der modernen Zeit auf europäischem Boden. 300 Jahre zuvor hat es schon mal eine Giraffe in Italien gegeben, das hat man aber wieder vergessen. Und dieses Tier löst einen totalen Hype in Europa aus, vor allem in Paris, wo sie hinkommt. Es ist ein Geschenk des ägyptischen Pashas und insbesondere in Paris flippen die Menschen aus, als sie dieses Tier sehen, das da durch die Straßen geführt wird in den zoologischen Park. Es wird sogar eine Mode nach der Giraffe getragen. Die Frauen tragen jetzt die Haare à la Giraffe, das heißt, sie tun ihre Haare so in kleinen Zöpfe nach oben, damit sie wie eine Giraffe aussehen. Das war ziemlich modern zu der Zeit. Wenn dann später einige Adventisten von den Modetorheiten ihrer Zeit reden, dann kriegt man so einen Eindruck, was das bedeutet hat. Auch nach Wien und London kommen kurze Zeit später solche Giraffen und naja, wie auch immer.

[26:09] Am 6. Juli entscheiden sich dann die Großmächte Europas, die Engländer und die Briten, äh, die Briten und die Russen und die Österreicher und so weiter, dass man Griechenland, einen unabhängigen Staat schenken möchte, dass dort ein unabhängiger Staat entstehen soll. Die Griechen waren unter enormem Druck seit einiger Zeit. Athen war eingenommen worden von den Osmanen. Und wir werden gleich sehen, wie das noch von Bedeutung ist.

[26:54] Am 26. Juli macht sich dann Joseph Wolf, wie wir ihn jetzt nennen müssen, auf zu einer neuen Missionsreise mit seiner Frau und jetzt als offizieller Missionar der Gesellschaft zur Förderung des Evangeliums unter den Juden. Vorher war er ja quasi privat unterwegs, gesponsert von seinem Freund Henry Drummond und Bayford, aber jetzt ist er offizieller Missionar und das erste Ziel, nachdem er Zwischenstopp in Lissabon und Cadiz hat, ist Gibraltar. Dort in Gibraltar richtet er einen machtvollen schriftlichen Aufruf an die Juden. Wenn wir mehr Zeit hätten und es nicht so Stunden dauern würde, das zu übersetzen, diese vielen Seiten, hätte ich das gerne euch mal vorgelesen. Das ist wirklich gewaltig, wie er quasi die gesamten alttestamentlichen Schriftstellen einbaut in diesen Aufruf, um zu zeigen, dass Christus der Messias ist. Wirklich äußerst gewaltig. Nach einiger Zeit, nach etwa zwei Wochen auf Gibraltar, reisen sie weiter nach Malta und dort auf Malta bleiben sie einige Zeit, einige Monate. Er findet dort alte Freunde wieder und das Paar, das junge Paar bekommt das erste Kind.

[27:54] Ebenfalls auf Reisen geht Joseph Bates am 9. August. Er muss wieder Geld verdienen und in See stechen. Diesmal, sagt er, fällt ihm der Abschied so viel schwerer. Jetzt, wo er Christ geworden ist, wo er mit seiner Familie so richtig Freude hat, wo er diese Mäßigkeitsarbeit begonnen hat, ist er wirklich traurig, jetzt wieder Amerika verlassen zu müssen. Mit seinem Schiff "Empress" segelt er am 9. August davon. Aber diesmal ist alles anders. Joseph Bates ist Kapitän und er ist jetzt Christ, er ist getaufter Christ und er ist Mitglied einer Mäßigkeitsgesellschaft und jetzt muss er Regeln aufstellen an Bord.

[28:46] Und so finden wir Joseph Bates, wie er dort eines Morgens an Bord folgende Regeln aufstellt: Erstens, Männer müssen mit ihrem richtigen Namen angesprochen werden. Auf See ist es ja so Usus, Leute einfach irgendwelche Spitznamen zu geben, um sie zu ärgern. Joseph Bates verbietet das. Weiterhin verboten ist Kleider waschen am Sonntag. Der Tag des Herrn muss heilig gehalten werden. Es gibt am Sonntag auch keine Landgänge mehr, sondern die Matrosen dürfen sich aus seinem Reservoir an Büchern und Zeitschriften religiös betätigen und dort religiöse Bücher lesen. Außerdem gibt es keine alkoholischen Getränke an Bord. Es gibt ein paar Matrosen, die versuchen dagegen zu rebellieren, aber die haben keine Chance. Und jeden Morgen und jeden Abend gibt es gemeinsames Gebet an Deck, wo sie gemeinsam für die Reise beten und jeden Sonntag einen Gottesdienst, entweder auf Deck oder im Schiffsinnenraum, wo dann eine vorgefertigte Predigt gelesen wird, aus der Bibel gelesen wird. Und Bates beobachtet über die Wochen der Reise, wie tatsächlich der Charakter der Matrosen sich bessert und positiv verändert.

[29:56] Es ist im August, dass dieser Herr, den wir schon öfter mal betrachtet haben, Elias Smith, das war der, der geglaubt hatte, dass die 2300 Abend und Morgen 1819 zu Ende gegangen sind, als die griechische Revolution begonnen hat, ein neues Papier rausbringt, "The Morning Star". Und weiterhin ist er ein ganz aktiver Vertreter der These, dass die katholische Kirche Babylon ist und dass man aus ihr herausrufen muss. Und er tut das wirklich militant. Und auch diese neue Zeitschrift gibt dieser These und dieser Wahrheit viel Auftrieb.

[30:34] Am 4. September, eines der schlimmsten Unglücke der europäischen Brandgeschichte, die finnische Stadt Turku geht fast vollständig in Flammen auf. Und Mitte September kommt dann Joseph Bates in Brasilien an, hier in Paraiba, an der Küste. Und dort geht es weiter, dann hier nach Bahia. Kurz bevor er am 5. Oktober in Bahia ankommt, wird er von einem argentinischen Schiff beschossen. Jetzt bin ich gespannt, kann mir helfen, warum. Warum wird Joseph Bates von einem argentinischen Schiff beschossen? Sehen wir, wer am Anfang gut aufgepasst hat. Genau, weil er Brasilien anläuft und weil sich Brasilien und Argentinien hier unten im Krieg befinden. Und dieses Schiff vermutet, dass Joseph Bates Waffen an die Brasilianer liefert. Aber nach kurzer Zeit kann er zeigen, dass das falsch ist. Hier in Bahia findet er keinen Käufer für seine Ware, segelt weiter und Richtung geht es dann nach Rio de Janeiro. Und dort passiert ihm fast das gleiche nochmal, aber diesmal ist es schlimmer. Wieder kommt ein argentinisches Schiff, wieder feuert es und wieder werden sie eingeholt von diesem Schiff. Und diesmal wird es übel, denn dieses Schiff sind richtiggehend Piraten, argentinische Piraten. Und 8 Stunden werden sie verhört, gefangen genommen und das gesamte Schiff Bates wird geplündert. Sie haben vorher ihr Geld gut versteckt und Bates wollte auch von niemandem wissen, wer sein Geld hat, damit er auch nichts verraten kann. Sie haben allerdings an Bord einige brasilianische Geschäftsmänner und die sollen als Kriegsgefangene genommen werden, was zu dieser Zeit eigentlich sicheren Tod bedeutet. Und Joseph Bates versucht mehrmals, diese rauen Piraten davon zu überzeugen, dass er doch diese 8 brasilianischen Geschäftsmänner wieder mit an Bord nehmen darf. Und letztendlich gelingt es ihm tatsächlich und er kann diese Männer vor dem Tod retten und mit einem zwar beschädigten, aber doch noch seetüchtigen Schiff Rio de Janeiro anlaufen.

[32:38] In Rio de Janeiro sind sie so begeistert mittlerweile von Gottesdiensten, dass sie dort einen Gottesdienst eines Nachbarschiffes besuchen, der ist aber so langweilig und so trocken, dass sie das in Zukunft sein lassen. Joseph Bates bekommt dort keine Erlaubnis, seine Ladung zu verkaufen und segelt dann zurück und bekommt dann die Erlaubnis für die Truppen Brasiliens hier am Rio Grande eine Lebensmittellieferung zu tätigen.

[33:02] Es ist am 16. Oktober, dass William Miller seinen Geburtsort besucht. Er ist jetzt 45 Jahre alt, seit vielen Jahren davon überzeugt, dass Jesus 1843 wiederkommt. Er hat keine Ahnung, dass zum gleichen Zeitpunkt etliche bedeutende Prediger in England genau etwas ähnliches predigen. Er hat keine Ahnung, dass auch andere Bücher zur Zeit in Amerika im Umlauf sind, wo das auch so ähnlich drinsteht. Er traut sich kaum damit zu reden. Er hat diese Bürde auf seinem Herzen, aber er macht nichts. 45 Jahre ist er alt, 1827 und das wird noch ein bisschen so gehen.

[33:44] Am 20. Oktober, hier ist ein Bild verrutscht, nämlich das hier, am 20. Oktober passiert etwas, was für die europäische Geschichte von Bedeutung ist, nämlich die europäischen Nationen entscheiden, Griechenland zu helfen. Was war passiert? Die Osmanen hatten mithilfe ägyptischer Truppen Griechenland eingenommen, nicht eingenommen, aber begonnen eine Invasion zu machen und die Griechen selbst hatten eigentlich nicht mehr wirklich militärische Chance und jetzt kamen die Europäer zur Hilfe. Die Engländer, die Franzosen und die Russen haben Kriegsschiffe geschickt, weil sie verhindern wollten, dass die Ägypter sich in Griechenland breit machen und haben die komplette Osmanische Flotte vernichtet. Und das war für viele Leute ein gewaltiges Ereignis, weil seit vielen Jahren haben Menschen durch das Bibelstudium gesagt, bald wird das Osmanische Reich zugrunde gehen und das schien jetzt einer der entscheidenden Schritte darauf zu sein. So sehr, dass manche Leute glaubten, dass in wenigen Tagen, wenigen Jahren bereits ein christlicher Herrscher vielleicht in Konstantinopel regieren könnte. Aber einige Prediger haben auch davor gewarnt und gesagt, wenn das passiert, dann nicht vor 1843, weil die meisten ja geglaubt haben, dass diese 2300 Abend und Morgen etwas zu tun haben vielleicht mit dem Islam, vor allem dann, wenn sie geglaubt haben, dass das kleine Horn aus einer Art der Islam ist.

[35:10] Und dann war es soweit. 26. November. Es ist kalt im Bundesstaat Maine und zwar genau genommen im kleinen Ort Gorham, etwas nordwestlich von Portland. Kleine Stadt von etwa 3000 Einwohnern, dass der Familie Harmon Nachwuchs beschert wird. Und diesmal kommt es ganz dicke, denn diesmal gibt es Zwillinge. Zwei kleine Mädels werden geboren von Eunice Harmon. Die eine wird Elisabeth getauft und die andere Ellen, Ellen Gould Harmon. Sie haben eine Reihe von Geschwistern. Caroline ist schon 15 und Harriet ist 13. Die haben sich wahrscheinlich gefreut, dass sie jetzt so kleine Geschwister haben, für die sie sich kümmern können. John ist 11, Mary ist 6, Sarah ist 5. Die haben wahrscheinlich das mehr von der spielerischen Seite betrachtet. Robert mit 2 hat wahrscheinlich, war nicht so begeistert, denn alle Aufmerksamkeit von Mama galt jetzt der kleinen Ellen und der Elisabeth.

[36:30] Und das ist hier der Ort ungefähr. Der ganz genaue Ort lässt sich nicht mehr identifizieren. Das Haus, in dem sie geboren sind, ist 1971 bei einem Brand zerstört worden. Es muss aber hier auf der Fort Hill Road gewesen sein, also gar nicht mal genau in Gorham, sondern so drei Meilen nördlich. Auf einer Farm, denn der Vater, Robert, ist Farmer. Ist eigentlich Hutmacher, aber versucht sich dort als Farmer. Und Maine ist wirklich ein schwerer Brocken. Kerkliche Ernten im Winter bis zu 30 Grad minus. Das war wirklich ein hartes Los, dort zu leben. Und sie sind auch nicht besonders reich. Die Familie lebt auf so einem 1,5 Stockwerk Häuschen, dort in der Nähe von Fort Hill. In der Nähe stand das alte Fort vor Schutz von den Indianern, die es natürlich jetzt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gibt, also nicht mehr dort.

[37:31] Und übrigens, der Name Harmon ist relativ gut bekannt hier im ganzen Gebiet westlich von Portland. Das hängt damit zusammen, dass die Vorfahren ziemlich weit zurückgehen in amerikanische Geschichte zu den alten Puritanern. So war zum Beispiel der Ur-Ur-Ur-Großvater von Ellen, John Harmon, ein Kämpfer im Indianerkrieg von 1675. Hat dort in den Sümpfen von Massachusetts gegen den sogenannten King Philip, einen der Indianerhäuptlinge, gekämpft. Ihr Großvater Daniel war ein Korporal im Unabhängigkeitskrieg. Und so waren einige bedeutende Harmons in amerikanischer Anfangsgeschichte dabei gewesen. Fast alle Harmons in den Generationen vorher waren Kongregationalisten gewesen. Aber Allens Vater Robert, gemeinsam mit seiner Frau, hatten sich bewusst entschieden Methodisten zu werden. Und so wird dann Ellen auch in der Methodistenkirche aufwachsen.

[38:28] Zum Ende kommend für heute. Im Dezember reist Joseph Wolff alleine von Malta nach Smyrna, heute Izmir. Seine Frau lässt er schwanger, also nicht schwanger, mit Baby zurück. Für sie ist die Reise zu anstrengend. Aber dort in Smyrna ist der ganze Hafen voller Kriegsschiffe, französische, britische und russische Schiffe, die ja gerade die Schlacht bei Navarino gewonnen hatten. Und ihm wird der Rat gegeben: "Wenn du jetzt hier in der Türkei das Christentum predigst, wo gerade die christlichen Griechen die Osmanen besiegt haben, dann gnade dir Gott." Und so lässt er es lieber. Bleibt nur wenige Tage dort. Genau.

[39:10] Und dann am Ende des Jahres wird die Albury Park Konferenz wiederholt. Die 1826 ist so ein großer Erfolg gewesen. Die ganzen Prophetieausleger aus England kommen wieder zusammen hier an diesen Ort, abgeschieden, wo sie gemeinsam beten, gemeinsam studieren. Diesmal sind noch mehr Leute dabei und diesmal werden sie noch konkreter. Sie eilen sich darauf, dass Jesus wirklich bald wiederkommen wird. Sie eilen sich auch darauf, und das ist interessant, dass sie glauben, dass die Juden in Palästina alle wiederhergestellt werden. Sie eilen sich sogar auf das Datum 1843 oder 1847. Wie gesagt, bis zu diesem Zeitpunkt immer noch keine Einigung, ob es jetzt 2300 oder 2400 Jahre sind. Und die, die 2400 Jahre sagen, die haben ein anderes Anfangsdatum und kommen zu 1847. Die, die 2300 sagen, kommen auf 1843. Und das wird bis zur nächsten Zeit ein Spaltkeil sein in der englischen Adventbewegung. Aber sie sind sich einig, dass 1798 das Zorngericht Gottes über das Papsttum gekommen ist. Das ist der Platz hier, Albury Park. Man kann sich vorstellen, wie sie dort in Abgeschiedenheit Tag für Tag gebetet haben und studiert haben und Pläne gemacht haben, wie sie diese Botschaft der baldigen Wiederkunft Jesu verbreiten können.

[40:31] Es ist in jener Zeit, dass Edward Irving, jener große Prediger in London, seine eigene Übersetzung von Lacunzas berühmtem Werk "La Venida" rausgibt. Und er sagt im Vorwort: "Wir stehen jetzt, 1827, an der Schwelle der siebten Plage, die allen Zorn vollenden und die Empörung vollends zum Abschluss bringen wird."

[41:01] Andere Leute, die zu dieser Zeit von großer Wichtigkeit sind, ist Cunningham. Er gründet in jener Zeit, obwohl er kein Theologe ist, seine eigene kongregationalistische Kirche und dient ihr als Pastor. Das habe ich noch gefunden, das fand ich sehr interessant. William Davis, auch 1827. Das war derjenige, der ungefähr zehn Jahre vor William Miller als ersten Amerikaner herausgefunden hat, dass Daniel 9 mit Daniel 8 zusammenhängt und dass es ungefähr 1847 Daniel 8 zu Ende gehen wird. Er schreibt William Davis ein "Versuch über das Millennium", was das Millennium sein wird, wann es beginnen wird, wie lange es dauern wird und wie es enden wird. Und er hat eines der witzigsten Vorworte, die ich jemals im Leben gelesen habe. In seinem Vorwort hat er einen Dialog zwischen einem Bürger und dem Buch. Also ich versuche ein paar Sachen hier zu übersetzen. Der Bürger sagt: "Na, du Kleiner, was hast du mir zu sagen?" Das Buch sagt: "Viel, Sir, sehr viel. Ich bin wie Elihu, voller Stoff." Und dann der Bürger: "Aber ich denke, ich muss dich bezahlen. Also wirst du mir neue Dinge zu Ohren bringen und wirst du fremde Götter hier mir vorsetzen?" Und dann sagt das Buch: "Ich werde versuchen, dir über das Millennium zu erzählen. Ich pfeife noch heiß aus der Presse, aber du kennst das alte Sprichwort: Der beste Beweis für einen Pudding ist, wenn man ihn isst." So geht das die ganze Zeit weiter, sehr, sehr amüsant. Aber das Buch selbst ist sehr, sehr gut. Und William Davis bleibt dabei. Er sagt, das Millennium wird ungefähr 1847, 1848 beginnen.

[42:40] Weitere Bücher aus der Zeit, alle 1827. Archibald Mason schreibt ein Buch über die sechste Posaune und den Fall des türkischen Reiches. John Aquila Brown, auch 1827, schreibt ein Buch "Der Jude, der Hauptschlüssel für die Offenbarung". Und in diesem Buch verweist er ebenfalls auf das Datum 1843 und sagt, dass er einer der ersten gewesen ist, die das rausgefunden haben. George Crowley schreibt ein Buch ebenfalls 1827, "Die Apokalypse des heiligen Johannes oder eine Prophezeiung des Aufstiegs, Fortschritts, Fall der Kirche und Rom, der Inquisition, der Revolution in Frankreich, des universellen Krieges und des endgültigen Triumphs der Christenheit", eine neue Interpretation und so weiter und so fort. Und er ist einer derjenigen, der als erster eine sehr ausführliche Auslegung von Offenbarung 11 vornimmt, der sogar die dreieinhalb Tage dort präzise auf November 1793 bis November 1797 auslegt.

[44:02] Und ja, damit wollen wir es heute bewenden lassen, mit der Sicht, dass immer mehr Leute immer klarer auf diesen Punkt kommen. Um 1843, 1847, 1844 passiert irgendetwas. Diese Stimme ist in England schon gar nicht mehr zu überhören und auch in Amerika wird sie immer lauter. Und wie lange William Miller noch ruhig halten kann und wie Ellen Harmon aufwachsen wird und was aus den Mäßigkeitsbestrebungen von Joseph Bates geworden ist und aus der Missionsreise von Joseph Wolf, das sehen wir alles nächstes Mal, wenn es heißt: "Das Feuer der Prophetie". Wenn ihr wissen wollt, warum Prophetieauslegung sogar Kriege anfangen kann und entzünden kann, dann nächstes Mal nicht verpassen. Eine der bemerkenswertesten Ereignisse, wenn wir das studieren, die sich in der ganzen Weltgeschichte jemals ereignet haben. Das Feuer der Prophetie 1828, 1829. Bis dann wünsche ich euch Gottes Segen und wir werden jetzt eine kurze Pause haben, um dann das Offenbarungsseminar zu haben. Bis dahin sind wir uns sicher, dass wir nichts zu befürchten haben für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Gottes Segen euch.


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