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Das Jahr 1815 markiert einen Wendepunkt in der Adventgeschichte. Nach Jahren des Krieges kehrt der Frieden in Europa ein, doch die Nachricht davon erreicht die Menschen nur langsam. Gleichzeitig erleben wir die Rückkehr Napoleons, die letzte Schlacht von Waterloo und die Verbannung des Kaisers. Parallel dazu verfolgen wir die persönlichen Entwicklungen von William Miller, Joseph Bates und Joseph Wolff, die sich mit unterschiedlichen Herausforderungen und Erkenntnissen auseinandersetzen. Von Vulkanausbrüchen bis hin zu theologischen Debatten und der Gründung von Gesellschaften für Mäßigkeit und Frieden – das Jahr 1815 ist geprägt von dramatischen Ereignissen und tiefgreifenden Veränderungen.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Einen wunderschönen guten Abend, schön, dass ihr gekommen seid heute auch wieder zu unserer nächsten Folge von "Die Zeit des Endes". Schön, dass ihr auch zuschaut auf www.joelmedia.tv.de und auch die, die später sich die Aufzeichnung anschauen. Herzlich willkommen. Bevor wir nächste Woche eine Pause haben, haben wir quasi jetzt sozusagen unsere letzte Folge und dann in zwei Wochen werden wir weitermachen. Und wir werden heute ein Jahr besprechen, das sozusagen einen ersten Abschluss bildet, wenn man so die Adventgeschichte in größere Zeitepochen einteilen würde, würde man sagen, so zwischen 1815 und 1816 ist ein Einschnitt. Und so kommen wir heute so ein bisschen an ein Ende einer Epoche und werden in zwei Wochen mit so dem nächsten großen Abschnitt beginnen.

[0:42] Bevor wir damit aber anfangen, wollen wir wie jeden Abend gemeinsam beten und ich möchte euch einladen dazu, auch euer Haupt zu neigen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir uns wiederum Zeit nehmen dürfen, um Lektionen zu lernen aus der Geschichte. Wir möchten dich bitten, dass, wenn wir sehen, wie Männer und Frauen versucht haben, dein Wort besser und besser zu verstehen und mit ihrer Zeit zu vergleichen, dass wir lernen, wie auch wir dir vertrauen können, um sicher sein zu können, dass du uns bis ans Ziel führst. Hab Dank, dass du alle Störende fernhalten wirst und dass du bei uns sein wirst. Im Namen Jesu, Amen.

[1:19] 1815, als das Jahr begann im Januar, da war ja Friede und zwar überall. Nicht nur war ja in Europa schon seit einigen Monaten Frieden, auch in Amerika hat es Frieden gegeben. Wir haben letztes Mal damit aufgehört, dass am 24. Dezember 1814 der Friedensvertrag zwischen Großbritannien und Amerika unterzeichnet worden ist, hier in Belgien, in Gent. Das heißt, nach vielen, vielen Jahren war zum ersten Mal auf der ganzen Welt überall Frieden. Fast. Denn was nützt der beste Friedensvertrag, wenn nicht alle davon wissen, dass er schon unterzeichnet ist? Das war damals nicht so wie heute, wo man innerhalb von fünf Sekunden per Internet dann weiß, was in der Welt passiert. Das hat damals viele Tage, manchmal Wochen gedauert. Und während also Ende Dezember bereits der Friedensvertrag in Europa unterzeichnet worden ist, hatte sich immerhin noch ein 10.000 Mann starkes britisches Invasionsheer Richtung Amerika aufgemacht und die saßen da irgendwo auf dem Schiff und haben davon nichts mitbekommen und haben dann Anfang Januar die Vereinigten Staaten nochmal angegriffen, obwohl es ein Frieden war. Und zwar jetzt auf einem ganz anderen Teil der Vereinigten Staaten, nämlich bei New Orleans in Louisiana, diesem neuen Bundesstaat, den die Amerikaner kurz vorher gekauft hatten. Und da sind die mit nochmal 10.000 Soldaten einmarschiert. Das war am 1. Januar und dann am 8. Januar, eine Woche später, kam es zu dieser letzten Schlacht im Krieg, die eigentlich schon vorbei war, in New Orleans. Und wiederum war es eine große Überzahl der Briten. 10.000 von ihnen haben versucht, dort New Orleans einzunehmen und immerhin 5.000 Amerikanern ist es gelungen, die hier so alle in einer Reihe und Glied aufgestellt waren, denen ist es gelungen, die Briten zurückzuschlagen. Ganz besonders berühmt Andrew Jackson, der später auch US-Präsident geworden ist, der dort die Verteidigung heldenhaft gehalten hat. Und als dann die Schlacht vorbei war, hat man erfahren, eigentlich war schon Frieden. Und das ist natürlich eine krasse Sache. Krieg ist immer schlimm und Todesfälle sind immer schlimm, aber wenn die für nichts gestorben sind, dann ist das wirklich fragwürdig. Die allerletzte Kriegshandlung, die war dann sogar noch eine Woche später, da ist dieses amerikanische Schiff am 15. Januar, die USS President, noch erobert worden. Und dann haben spätestens auch die ganzen Schiffe mitbekommen, es ist Frieden.

[3:59] Und Anfang Februar war es dann tatsächlich so weit. Wir wollen die Zeit kurz nutzen, um über die drei Personen nachzudenken, die wir bisher immer so ein bisschen verfolgt haben in ihrem Leben. Das waren welche drei Personen? Joseph Bates, William Miller und Joseph Wolff, ganz genau.

[4:16] Wir fangen an mit William Miller. Der war zu dieser Zeit immer noch im Lager bei Plattsburg, obwohl ja die Briten schon längst vertrieben waren und in Kanada waren, hat man diese Lagerstellung nicht gleich aufgegeben, weil man wusste nicht, was passiert, nicht wahr? Und obwohl der Friede da war, mussten sie immer noch da bleiben und so hat er noch seinen 33. Geburtstag am 15. Februar dort irgendwo in der Nähe der kanadischen Grenze verbracht. Und das war schon fünf Monate seit dieser berühmten Schlacht von Plattsburg, konnte aber noch nicht nach Hause und musste dort weiterbleiben, ist dann kurze Zeit später hier von Plattsburg wieder zurück verlegt worden nach Burlington, wo das Hauptlager der Amerikaner war und hat dort gewartet, bis er endlich aus dem Kriegsdienst entlassen werden kann.

[5:02] Gleichzeitig hat Joseph Bates, der war eben im Gefängnis gewesen, dort in England, als Kriegsgefangener. Die hatten bereits im Februar davon gehört, dass Frieden sei, Verzeihung, im Dezember letzten Jahres und hatten sich gefreut, dass sie jetzt endlich frei kommen können, nicht wahr? Wenn Frieden ist, können auch die Kriegsgefangenen frei. Und das ging aber nicht so schnell, weil dieser Friedensvertrag, der in Belgien gemacht worden ist, der musste erst nach Amerika gebracht werden, dort vom US-Präsidenten unterzeichnet werden und dann wieder zurückgebracht werden und das hat so seine Wochen gedauert und dann im Februar ist dann dieser Friedensvertrag, ich glaube, das war der 17. Februar, offiziell in Europa angekommen und das hieß jetzt, Bates ist eigentlich frei. Theoretisch. Als erstes hat er mit 200 anderen ehemaligen Kriegsgefangenen eine Petition geschrieben an das Parlament in London, mit der Bitte darum, bitte anzuerkennen, dass sie ungerechtfertigt hier festgehalten worden sind und ehrenhaft entlassen werden und das britische Parlament hat das einfach abgelehnt und er kam aber noch nicht frei und so langsam wurden sie etwas unruhig. Und zur gleichen Zeit befand sich, also Bates war übrigens 22 Jahre, der war jetzt 5 Jahre lang Kriegsgefangener gewesen, von 17 bis 22, hat so die besten Jahre seines Lebens im Gefängnis gebracht und auf Kriegsschiffen.

[6:30] Und Joseph Wolff, der war 19 und wir hatten ja gesehen, wie er in den letzten Jahren in Wien gewesen ist, Theologie studiert hat, angefangen hat die Bibel zu übersetzen und ein richtiger Katholik geworden ist mit all dem Wunderglauben und dem Stigmata und so weiter. Er ist Anfang des Jahres von einem Grafen nach Westfalen eingeladen worden, zwar von diesem Grafen hier, Friedrich Leopold Graf zu Stolberg. Das war ein recht bekannter Graf in Deutschland, er war früher auch der Freund von Wolfgang Goethe gewesen und hat sich dann später durch den Einfluss von Klopstock und von Matthias Claudius und anderen, die man auch gut kennt, zum Katholizismus bekehrt. Und Wolf lernt jetzt bei Friedrich Leopold von Stolberg eine neue Art von Katholizismus kennen. Der Stolberg war zwar ein treuer Katholik, was die Dogmen anging, hielt aber nichts von den sogenannten katholischen Sonderlehren. Das heißt, er war gegen die unbefleckte Empfängnis, gegen die Anbetung Marias, gegen die Unfehlbarkeit des Papstes, das waren ja damals noch keine festgeschriebenen Dogmen, und er war weitaus nüchterner und hat viel mehr sich für die Bibel interessiert als für die Tradition. Er hasste das Mittelalter und fand Martin Luther und Jan Hus ganz toll. Und Josef Wolf, der jetzt einige Monate bei ihm verbracht hat, hat jetzt diese Art von Katholizismus kennengelernt und kam zur Überzeugung, dass das die wahre Art des Katholizismus ist, das, was dieser Graf Stolberg hier vertritt. Und während er dort ist, hat Josef Wolf weiter an seiner Bibel, an der Übersetzung weitergearbeitet, hat vor allem mit dem Grafen oft zusammen das Neue Testament studiert, sie haben sich ausgetauscht und er hat sich so ein bisschen von seinem Wunderglauben, den er vorher gelernt hatte in Wien, wieder entfernt.

[8:22] Und eines Tages, da kam der hier zu Besuch, den hat er auch kennengelernt, das ist General Blücher, einer der großen Helden der Befreiungsschlachten, ein preußischer General, der auf dem Durchmarsch war und gleich in den nächsten Monaten noch von großer Bedeutung werden sollte. Und während er dort war, hat der Graf auch ein eigenes Buch geschrieben, "Die Geschichte der Religion Jesu Christi". Das war wirklich ein gläubiger Mann, hat viele Gedichte auch geschrieben, so ein bisschen romantischer gewesen und wie gesagt, er hat dort der junge Josef Wolf eine Form des Katholizismus kennengelernt, die er vorher nicht kannte, die weitaus aufgeklärter sozusagen war und biblisch orientierter.

[9:03] Und während sie dort im Februar zusammen die Zeit verbringen, an einem Frühstücksmorgen, da ist wohl dem Josef Wolf wahrscheinlich der Teller aus der Hand gefallen oder die Tasse, denn da kam eine ganz erstaunliche Nachricht nach Deutschland hinein, nämlich, dass der wieder zurück ist. Napoleon hat es tatsächlich noch einmal versucht, am 26. Februar hat er mit 1000 Soldaten seine kleine Insel, auf der er Herzog sein sollte, Elba verlassen. Er hatte nämlich gehört, dass die Franzosen mit ihrem alten König unzufrieden sind und dass es auch auf dem Wiener Kongress Meinungsverschiedenheiten gab, wie es weitergehen sollte und er dachte, das ist meine Gelegenheit, vielleicht schaffe ich es ja noch einmal, die Macht an mich zu reißen. Und während Wolf und der Graf Stolberg das so diskutieren, soll wohl der Graf Stolberg gesagt haben, es ist sein letzter Versuch. Er sollte recht behalten haben. Jedenfalls ist Napoleon dann am 1. März in Frankreich gelandet und hat es innerhalb von sieben Tagen geschafft, mit seinen wenigen Mann ganz Frankreich einzunehmen. Jemand hat das bezeichnet, eine Ein-Mann-Invasion. Er ist da gelandet mit seinen 1000 Soldaten und ist einfach losmarschiert auf Paris zu und jedes Mal, wenn dann feindliche Soldaten kamen von einem König, hat er sie kurz angesprochen, hat sie überredet, auf seine Seite zu kommen und so hat sich seine Armee von Tag zu Tag vergrößert, innerhalb einer Woche ist er im Triumphzug in Paris einmarschiert, der König hat gerade noch so seine Sachen packen können, ist wieder geflohen ins Exil und schon war Napoleon wieder Herrscher. So schnell ging das und ich glaube, so manch einer in Europa hat sich wirklich am Kopf gekratzt und gesagt, hey, Moment mal, das hatten wir doch schon, ein Déjà-vu.

[10:57] Und so gab es also Aufruhr in Europa, kurze Zeit später, 5 Tage später, 4 Tage später, am 5. März ist der hier gestorben. Weiß jemand, wer das ist? Der Name ist relativ bekannt und zwar ist das Dr. Friedrich Anton Mesmer. Schon mal gehört? Genau, Mesmer. Er stirbt in Meersburg. Hier ist das Haus, in dem er gestorben ist. Er ist ein alter Mann zu der Zeit. Er ist der Erfinder des sogenannten animalischen Magnetismus, so heißt es offiziell, wir nennen es heute meistens Mesmerismus, eine Form der Hypnose, bei der er glaubte als Arzt, Menschen, alle Krankheiten heilen zu können. Das war eigentlich mehr eine Form von Okkultismus. Leute, die das beobachtet haben und aufgeteilt haben, berichten, dass seine Patienten meist in seiner Trance gefallen sind, viele sind rückwärts gefallen, haben gezittert und einige komische Sachen gemacht, viele Phänomene, die wir heute zum Teil in der charismatischen Bewegung sehen. Das hatte damals aber keinen christlichen oder sonstigen religiösen Hintergrund, das war einfach Parapsychologie sozusagen. Und der Mesmer hatte seine Theorie schon 40 Jahre vorher vorgestellt, 1775 und hatte kurz vor der Französischen Revolution eine Sensation kreiert in Frankreich und selbst Leute wie Schopenhauer, wie Goethe haben das für wahre Münze genommen und haben das geglaubt und für gut befunden, war also ganz, ganz berühmt, dieser Mesmerismus. Er ist gestorben am 5. März.

[12:25] Dann am 13. März haben sich die europäischen Herrscher von ihrem Schock erholt. Sie waren ja gerade dabei gewesen auf dem Wiener Kongress Europa wieder aufzuteilen und wieder zu ordnen und plötzlich ist der Napoleon wieder da und so mussten sie ihn erst einmal ächten und gesagt, wir werden mit dem nicht mehr verhandeln, wir werden ihn platt machen, bevor er eine Armee wieder aufstellen kann. Und zwei Wochen später, am 25. März, haben dann Großbritannien, Russland, Österreich und Preußen nochmals eine Koalition geschlossen gegen Napoleon und um diesmal wirklich sicher zu gehen, haben sie etwas aufgeboten, was es vorher noch nie gab: 700.000 Soldaten, eine Armee, die es in Menschengedenken wohl so noch nicht gegeben hat, war vorgesehen, sollte mobilisiert werden und weitere 250.000 Soldaten für die Reserve. Das Problem war natürlich nur, die mussten erst einmal alle da Richtung Frankreich kommen. Deswegen hat Napoleon gedacht, wenn die alle zusammen da gefasst sind, die Armeen, habe ich keine Chance, das ist unmöglich, aber wenn ich sie alle einzeln schlage, nacheinander, dann könnte ich sie besiegen. Und so hat er sich dazu entschieden, die Initiative zu ergreifen und sofort die nächstliegenden Armeen anzugreifen und dafür Vorbereitungen zu treffen.

[13:38] Das waren wirklich außergewöhnliche Monate, eine Superlative jagt die nächste. Schon am nächsten Monat, am 5. April bricht dieser Vulkan aus und das ist der Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Und das hier ist der größte Vulkanausbruch wahrscheinlich der modernen Geschichtsschreibung der letzten 2000-3000 Jahre. Hat es davor und danach nie wieder so einen großen Vulkanausbruch gegeben. Man sagt, es waren ungefähr 100.000 Todesopfer auf einmal und die Aschewolke hat sich so weit verbreitet. Da sieht man, also diese Zentimeterangaben, in diesem Radius war halt die Aschewolke 50 Zentimeter hoch und selbst hier noch, also unglaublich viele Kilometer entfernt gab es immer noch 1 Zentimeter, 5 Zentimeter hohe Aschestaub, unfassbar, was da in die Atmosphäre geschleudert worden ist und wir werden nächstes Jahr mal sehen, was das noch bewirkt hat, also dass dieser gewaltige Ausbruch des Tambora.

[14:45] Josef Wolf musste dann im April weiterziehen. Die Familie Stolberg hat sich nach Holstein zurückgezogen, aus Angst vor Napoleon und er hätte gerne noch mehr Zeit dort verbracht. Er hat es ganz toll gefunden dort, gemeinsam mit den Grafen auszureiten, wie in alten Zeiten und intellektuelle Gespräche zu führen über Gott und die Welt, aber er muss weiterziehen. Er geht nach Süden, nach Ellwangen und dann nach Tübingen, die ganz in der Nähe. Und dort studiert er jetzt weiter Theologie. Das Problem war nur, Tübingen war damals ausschließlich eine protestantische Fakultät. Er hat sich dort eingeschrieben für orientalische Theologie, hat Persisch belegt, Arabisch belegt, Kirchengeschichte belegt, biblische Auslegung und er hat dort immer versucht, so sein moderates katholisches Verständnis einzubringen und ist dafür immer auf Gegenwehr gestoßen. Keiner wollte das so wirklich annehmen, selbstverständlich, es war ja auch eine protestantische Fakultät. Und er war schon fast völlig verarmt, hat sich dann um ein Stipendium beworben und es ist ihm abgelehnt worden mit folgender Begründung: Du bist ein Katholik, du kriegst kein Stipendium. Der Aufenthalt hat gesagt, das geht nicht, damit finde ich mich nicht ab. Und dann hat Josef Wolf mit seinen 19 Jahren an den König von Württemberg geschrieben, an Friedrich, den König, und hat gesagt, ich möchte hier studieren und hat seine Referenzen vorgelegt, ist ja schon viel erlebt, viele bedeutende Leute kennengelernt und siehe da, da hat er sein Studium finanziert bekommen vom König selbst, hat ein Stipendium bekommen. Und das Ziel, das er hatte jetzt hier in Tübingen war, er wollte sich mit diesem zweijährigen Studium vorbereiten, um nach Rom zu gehen. Sein großes Ziel war es, ein bedeutender katholischer Missionar zu werden, so wie einst Ignatius von Loyola, jedenfalls das, was er von Ignatius von Loyola verstanden hatte, oder Franz Xaver. Und dazu musste er nach Rom dann gehen, um auf dem Kollegium der Propaganda ausgebildet zu werden und so hat er sich in Tübingen darauf vorbereitet, wollte schon so viel wie möglich studieren, um dort dann bessere Chancen zu haben. Die Professoren in Tübingen haben immer gesagt: "Du Josef, das wird nichts bringen, weil die Art von Katholizismus, die du jetzt vertrittst hier, ist eine ganz andere als die in Rom. Was du vertrittst, das ist, was Stolberg glaubt, nicht wahr, was ein paar Intellektuelle hier in Deutschland glauben. Wenn du nach Rom gehst, wirst du enttäuscht sein." Aber Josef Wolff hat das nicht geglaubt und hat sich davon nicht abbringen lassen.

[17:21] Er hatte auch gehofft, dass er Geld verdienen kann mit Hebräischunterricht, aber zu seinem großen Erstaunen musste er feststellen, dass die deutschen Studenten in Tübingen besser Hebräisch konnten als er selbst. So hoch war das Niveau, er konnte nicht mal unterrichten. Was er auch gemerkt hat, dass die Protestanten in Tübingen keine Bibelkritiker waren. Sie haben die Bibel genommen, wie sie war. Eigentlich hat er sich sehr angezogen gefühlt. Das Einzige, was ihn abgestoßen hat, war, dass diese protestantischen Professoren und Studenten sehr antikatholisch waren. So wie er mitbekommt, dass er Katholik war, haben sie ihn abgelehnt. Das hat ihn dann doch nicht so behagt.

[18:02] Gehen wir zurück zu Joseph Bates. Immer noch April. Der saß im April immer noch im Gefängnis. So langsam wurden diese US-Kriegsgefangenen unruhig. Sie sind schon lange eigentlich frei, aber keiner lässt sie frei. Er hat sich beschwert und nicht nur er, sondern viele. Es ging so weit, dass einige der Kriegsgefangenen dort eine Puppe gebaut haben vom amerikanischen Konsul, weil der sich einfach nicht gekümmert hat. Da gab es einen amerikanischen Konsul in London. Der hätte einfach nur mal vorbeikommen müssen und sie freilassen müssen. Der hat sich einfach nicht darum geschert. Dann haben die amerikanischen Soldaten dort eine Puppe gebaut von diesem amerikanischen Konsul und haben die im Hof des Gefängnisses verbrannt. Einen richtigen Aufstand gemacht. Das haben natürlich die britischen Zeitungen sofort aufgegriffen. Und der Gefängniswärter dort war auch nicht besonders gut auf die zu sprechen. Und es gab immer wieder Provokationen, sei es durch irgendwelche Ballspiele, durch irgendwelche Dinge, Nahrungsrationen usw. Sie haben sich immer wieder provoziert. Und dann kommt es am 6. April zu einem offensichtlich geplanten Massaker an Amerikanern dort im Gefängnis. Das muss man sich vorstellen. Die sind alle frei. Die könnten alle gehen. Der amerikanische Konsul weigert sich, sie frei zu kaufen. Und dann lässt der britische Gefängniswärter auf die amerikanischen Soldaten schießen. Und sieben Leute sterben, 60 werden verwundet. Da bricht die totale Panik aus. Aber es gelingt ihnen, aufgrund dieser ganzen Panik einen britischen Offizier gefangen zu nehmen. Und dann sind sie in ihre Verliesse wieder geführt worden und sie haben diesen einen Gefangenen mit. Und jetzt entsteht eine Diskussion unter den amerikanischen Kriegsgefangenen. Was sollen wir mit diesem Briten machen? Sollen wir ihn umbringen als Rache? Oder sollen wir ihn laufen lassen? Da es Amerikaner sind, wird das nicht einfach so entschieden. Als Amerikaner haben wir die Demokratie gelernt. Also wird erstmal gewählt. Es gibt einen ersten Wahlgang, keine ausreichende Mehrheit. Zweiter Wahlgang. Und nach vier Wahlgängen haben sie sich dann entschieden, ihn laufen zu lassen. Mitten im Gefängnis dort. Und das ist von den englischen Zeitungen dann sehr positiv wohlwollend aufgegriffen worden, wie sich diese Amerikaner dort verhalten haben. Und es wird ein Untersuchungsgericht dann eingesetzt unter Leitung eines Amerikaners, Quincy Adams, der später auch Präsident geworden ist, und eines englischen Admirals. Und das stellt dann fest, ja, das war nicht richtig, dass man auf die Gefangenen dort hat schießen lassen. Und man bestimmt, dass die Witwen Geld bekommen werden. Und dann hat es sich erledigt gehabt.

[20:44] Einen Tag später, am 7. April, wird auf dem Wiener Kongress ein neues italienisches Königreich geschaffen. Europa wird ja neu geschaffen und neu strukturiert. Und im Zuge dieser ganzen Neustrukturierung wird auch der Kirchenstaat wieder in seine alten Grenzen eingesetzt und der Papst wieder offiziell anerkannt. Der Papst ist zwar nicht besonders beliebt in Europa, aber man gibt ihm das dann doch. Und so sehen viele Ausleger zu der Zeit schon das erste Heilen der Wunde. Hier 1815.

[21:15] Am 24. April bricht dann der zweite serbische Aufstand aus, gegen die Türken. Aber das werden wir später mal weiter verfolgen. Am 27. April, Ende April dann, genau nach 5 Jahren, kommt Beethoven raus. Genau vor 5 Jahren, ebenfalls am 27. April, war er damals von solchen Pressgangs eingefangen worden und auf ein britisches Schiff gebracht worden. Und jetzt, am 27. April, wird er offiziell frühmorgens freigelassen. Er hatte genau zweieinhalb Jahre aktiv auf einem Kriegsschiff verbracht und dann zweieinhalb Jahre als Kriegsgefangener. Und Freilassung bedeutet, er konnte mit all dem, was er hatte, noch die Tür passieren.

[22:01] Viele der amerikanischen Soldaten, ich sag mal Soldaten, der Kriegsgefangenen, hatten dann extra solche T-Shirts gemacht, solche Schilder und solche Fahnen, wo draufsteht: "Erinnert euch an das Massaker vom 6. April" und haben ein bisschen Politik dort betrieben. Und dann mussten sie zu Fuß dort von Dartmoor hier zum Hafen laufen. Das hat einige Stunden gedauert. Und dort ist dann ein Schiff für sie bereitgestellt worden, mit dem sie nach Amerika segeln konnten. Und auch dort wären sie beinahe noch ums Leben gekommen, denn der Kapitän des Schiffes war so unfähig, dass er nicht glauben wollte, dass es vor Neufundland Eisberge gibt. Joseph Bates, der schon selbst dort gewesen ist und auch mit Eisbergen gekämpft hat, wusste das und einige andere auch, aber der Kapitän hat sich da nicht von beeindrucken lassen. Und so wäre dieses Schiff beinahe mit einem Eisberg kollidiert. Und kurz darauf kommt es dann zur friedlichen Meuterei auf dem Schiff. Bates und einige andere, die Ahnung haben, wie man sowas macht, die übernehmen einfach die Kontrolle über das Schiff, setzen den Kapitän nicht fest, aber sagen ihm, was er zu tun und zu lassen hat, und sorgen dafür, dass das Schiff jetzt sicher nach Amerika kommt.

[23:14] Gut, wir kommen in den Mai. Im Mai werden einige interessante Bücher geschrieben. Eines davon ist dieses hier zu meiner Linken. Ich übersetze das gleich mal, das ist wie so irre lange Titel: "Bemerkung über die Ausgießung der fünften apokalyptischen Schale und die kürzliche außergewöhnliche Wiederherstellung der kaiserlichen revolutionären Regierung Frankreichs, mit einer zusätzlichen kritischen Examination, also Auseinandersetzung von einigen anderen kritischen Auslegern usw." Herr George Stanley Faber bringt 1815 im Mai ein Buch raus und sagt: "Schau her, ich hab's gewusst, der Napoleon kommt zurück." Und er hat jetzt angefangen, den Napoleon fast überall in der Prophetie zu sehen, in allen Endzeit-Prophezeiungen, Napoleon, Napoleon. Und er sagt voraus, Napoleon wird noch einmal ein großes Reich aufbauen. Das ist wie gesagt im Mai 1815. Und sagt: "Schau her, die anderen haben es nicht entdeckt, ich hab's gewusst." Und naja, lag wohl nicht so ganz richtig.

[24:20] Daneben hier ebenfalls ein anderer. Sein Name war James Hadley Freer. Ebenfalls ein sehr wichtiges und bedeutsames Buch. Sein Titel ist nicht minder lang: "Eine kombinierte Ansicht der Prophezeiung von Daniel und Esra und Sankt Johannes, die zeigen, dass die prophetischen Schriften alle auf einen Plan gebaut sind, außerdem begleitet durch eine erklärende Karte. Außerdem eine genaue Auslegung der Prophezeiung Daniels und dann noch weitere Erklärungen usw." Und meistens haben die sich dann gegenseitig auch noch kritisiert. Also der hat geschrieben, der hat nicht recht, und der hat geschrieben, der hat nicht recht. Und dann haben sie sich gegenseitig zitiert. Also da ging in der Zeit wirklich was los. Und wenn man sich mal so ein bisschen durch das Inhaltsverzeichnis durchschaut, dann sieht man hier ständig alle möglichen Ereignisse aus dem Leben von Napoleon. Er hat auch geglaubt, dass Napoleon ganz, ganz wichtig ist in der Prophetie. Und er war übrigens auch jemand hier, der Herr Freer, der festgehalten hat an dieser Idee, dass es nicht 2300 Jahre sind, sondern 2400 Jahre. Der Grund, ich glaube, wir hatten es ja schon mal angedeutet, es gab im Vatikan eine einzige Kopie der Septuaginta, der griechischen Abschrift des Alten Testaments, wo nicht 2300 steht, sondern 2400. Das haben einige der Gelehrten, wie er, zum Punkt genommen, um zu sagen, es sind nicht 2300 Jahre, sondern 2400 Jahre. Da er aber auch gleichzeitig die Verbindung von Daniel 8 und Daniel 9 nicht kennt, glaubt er, die 2400, die vermeintlichen, fangen früher an, und er kommt ungefähr auf das gleiche Datum, auf 1847. Das ist ganz kurios. Obwohl sie eine falsche Zahl haben, kommen sie fast auf das gleiche Datum, 1847. Er hat nämlich einige andere Prophetieausleger dann in England beeinflusst. Und ab diesem Zeitpunkt entwickeln sich so zwei Schulen, die die 2300 befürworten und die die 2400 befürworten. Die kommen in den nächsten Jahren nicht mehr wirklich überein. Und dieser John James Hadley Freer ist dort einer der wichtigsten von ihnen. Ansonsten, was uns um die Französische Revolution geht, sind sich alle ganz deutlich, das Offenbarung 11 das beschreibt. Und er erwartet für 1867 dann den Beginn des Millenniums. Das ist eine Zahl, die immer wieder aufkommt, 1867, 1866 in der Zeit.

[26:44] Aber da immer mehr, nicht nur in England, sondern auch in Amerika, jetzt Napoleon zum Zentrum der Prophetieauslegung gemacht wird, hat dieser gute Mann, zählen wir noch dieses Zitat ganz kurz: "Die erstaunlichen Ereignisse, die seit 1792 stattgefunden haben, haben die Anzahl prophetisch relevanter Fakten so stark ansteigen lassen" – also gemeint ist die ganze Zeit der Französischen Revolution und von Napoleon Bonaparte – "dass eine neue Ära der prophetischen Geschichte eingeführt worden ist. Und Autoren der Gegenwart haben in ihrem Versuch, die Prophezeiung zu erhellen, weit größere Vorteile als ihre Vorgänger." Mit anderen Worten, all das, was wir jetzt in letzter Zeit gesehen haben, seit 1792, ist eine Erfüllung der Prophetie und deswegen macht es jetzt so viel Spaß, die Prophetie auszulegen.

[27:28] Dagegen warnt dieser Mann hier, er hebt, er warnt seine Stimme. Elias Smith, den wir schon öfter gesehen haben, in einem Artikel in seinem Gospel Herald of Gospel Liberty sagt, es ist schon merkwürdig, so mit eigenen Worten zusammengefasst: Über Jahrzehnte und Jahrhunderte haben wir immer geglaubt, der Papst ist der Antichrist. Und jetzt, nach den Jahren der napoleonischen Kriege, fangen immer mehr Protestanten an, Napoleon zu sehen. Und er sagt: "Wer Napoleon als Antichristen sieht, dem fehlt das geistliche Unterscheidungsvermögen." Denn immer mehr Protestanten in Amerika und in England fangen jetzt an, vom Papst auf Napoleon überzulenken. Nicht zuletzt, weil er jetzt auch wieder zurückgekommen ist. Aber der hat gesehen, das ist nicht der Punkt. Der Antichrist ist jemand anders. Und warnt seine Kollegen: Hört auf damit.

[28:23] Im Juni, ganz nebenbei nur gesagt, wird der Deutsche Bund gegründet auf dem Wiener Kongress. Das ist die Gründungsakte. Übrigens, solche Dokumente, auch wenn das reine politische Dinge waren, waren immer recht religiös geprägt. Hier zum Beispiel heißt es: "Im Namen der allerheiligsten und unteilbaren Dreieinigkeit." Und dann festgelegt, dass die Grenze des Deutschen Reiches, des Deutschen Bundes genau von hier geht. Ganz genau. Und einen Tag später, am 9. Juni, endet dann der Wiener Kongress. Und man hat auch keine Zeit mehr weiter zu diskutieren, weil man muss sich jetzt um Napoleon kümmern. Man muss ihn jetzt in Schach halten. Der Papst hat übrigens die Kongressakte nicht akzeptiert, obwohl er seinen Kirchenstaat zurückbekommen hat. Das war ihm wohl noch nicht gut genug. Spanien hat es auch abgelehnt, aus dem einfachen Grund, weil sie Brasilien verloren haben. Das wurde nämlich ein unabhängiges Königreich. Da sehen wir, wie ungefähr Europa nach dem Wiener Kongress aussah. Da haben wir den Deutschen Bund und Frankreich wieder auf seine alten Grenzen zurückgesetzt.

[29:30] Ein Buch, das noch entstanden ist hier, 1850 von Andrew Fuller. Dort sagt er ganz am Ende seines Buches. Er hatte schon 1810 ein ganzes Jahr lang in seiner Heimatgemeinde in England über die Offenbarung gepredigt. Damals war es so, dass ein Prediger in seiner Gemeinde ständig gepredigt hat. Da gab es nicht so ein rotierendes System. Man hat also jeden Sonntag den gleichen Prediger gehabt. Und wenn einem der nicht gefallen ist, muss man in eine andere Kirche gehen. Und er hat ein ganzes Jahr lang 1810 über die Offenbarung gepredigt, jeden Sonntag. Und hat da fünf Jahre lang geprüft, was er da gepredigt hat, ob das auch stimmt. Und hat dann ein Buch rausgegeben. Und das Buch ist in dem gleichen Jahr auch noch gestorben. Hat ganz gute Ansichten gehabt. Und er hat auch geschrieben, dass offensichtlich die römische Kirche nochmal zu größerer Macht kommen wird. Und er hat das ja gesehen anhand des Wiener Kongresses. Der Kirchenstaat wird wieder bestätigt. Und so sagt er, Offenbarung 17 wird sich erfüllen. Die Kirche kommt nochmal zu neuer Macht.

[30:44] Dann, am 13. oder 14. Juni, Joseph Bates ist sich nicht mehr ganz so sicher, wann es genau gewesen ist, ist er endgültig dann hier angekommen in Boston. Und er musste dann hier noch seine Kleider wechseln, hat noch ein bisschen Sachen eingekauft. Und hatte dann die Gelegenheit, mit einer Kutsche nach Hause zu fahren. Und dann ist er am 14. oder 15. Juni, nach über sechs Jahren Abwesenheit, endlich wieder mal zu Hause gewesen. Und was das bedeutet hat für die Familie, kann man sich nur erahnen, wenn der junge Mann über sechs Jahre lang nicht da gewesen ist. Das ist sein Haus übrigens, dort, wo sie gewesen sind, in Fairhaven, an der Küste von Massachusetts. Und er schreibt folgendes: "Am nächsten Abend, am 14. oder 15. Juni, hatte ich die unbeschreibliche Freude, in meinem Elternhaus zu sein, umgeben von meiner Mutter, Brüdern, Schwestern und Freunden, alle überaus froh, mich wieder im Familienkreis zu sehen. Und alle außerordentlich gespannt, einen Bericht meiner Leiden und Schwierigkeiten während meiner Abwesenheit von sechs Jahren und drei Monaten zu hören. Denn meine Position an Bord der britischen Kriegsschiffe macht es extrem schwierig, dass irgendeiner meiner Briefe sie erreichte." Kannst du dir das vorstellen, wie es für die Familie gewesen ist, dieser junge Mann, 17, 18, 19, 20, 21 Jahre alt, sechs Jahre lang fast nichts von dem gehört, der hätte auch tot sein können.

[32:12] Und wenige Tage später trifft er dann auf seinen Vater, der war zu der Zeit gerade verreist gewesen. Und der Vater hatte große Besorgnis gehabt. Und zwar wird die hier ausgedrückt: "Meinem Vater war von solchen, die es zu wissen meinten, gesagt worden, dass, falls ich je zurückkehren sollte, ich ein trinkender Kriegssägler sei." Ich meine, das ist ja auch nicht so abwegig, nicht wahr? Die meisten, die in Kriegsgefangenschaft gekommen sind, oder auf Kriegsschiffen gewesen sind, nicht wahr? Das war ganz allgemein gültig oftmals. Aber dann heißt es hier: "Unser Treffen hat ihn ziemlich überwältigt. Schließlich hat er sich gefasst und fragte mich, ob ich meiner Gesundheit Schaden zugefügt hätte." "Nein, Vater", war meine Antwort. "Mir wurden die unmäßigen Gewohnheiten meiner Kollegen zuwider. Ich habe kein besonderes Verlangen nach starkem Getränk." Das hat ihn sehr erleichtert. Nun, zu der Zeit hat Joseph Bates natürlich hin und wieder auf starkes Getränk getrunken, aber er war nicht abhängig geworden, hatte das nicht zum Exzess getrieben. Und sein Vater war einer der ganz wenigen, die schon von frühen Zeiten an sehr christlich dort in diesem Ort gewesen ist. Und das hätte ihm schon Kummer bereitet.

[33:14] In derselben Nacht, wo Bates nach Hause kommt, auf der anderen Seite des Kontinents überschreitet Napoleon mit insgesamt 120.000 Mann noch einmal die Grenze Frankreichs, um Richtung Niederlande zu gehen, ins heutige Belgien hinein, um dort die dort stationierten Engländer anzugreifen. Da haben wir ihn. Das ist sein letzter Versuch mit seiner Hauptarmee. Da sind die Engländer, da sind die Preußen. Das ist der General Blücher, den auch Joseph Wolf getroffen hatte, vorher in Westfalen. Und Napoleons Plan war erst, die Preußen zu schlagen, vernichten, um mit einer kleinen Armee die Engländer aufzuhalten und danach die Engländer zu vernichten. Und dann hätte er schon mal wieder eine gute Ausgangsbasis gehabt. Und am 16. Juni siegt er auch tatsächlich gegen die Preußen in der Schlacht bei Ligny. Aber er siegt nicht so vollständig, wie es nötig gewesen wäre. Er treibt sie zwar in die Flucht, er erringt einen Sieg, aber es gibt immer noch genügend Preußen, die sie zurückziehen können. Und das wird gleich sein großes Problem sein. Gleichzeitig hat es auch diese andere Einheit geschafft, die Engländer in Schach zu halten, hier in der Schlacht von Quatre Bras. Und dann ziehen sie alle gemeinsam nach... Weiß jemand den Ort? Waterloo. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das im Belgischen eigentlich Waterloo ausgesprochen wird, aber man sagt immer Waterloo. Und dort kommt es dann zur letzten Schlacht. Es ist so gewesen, dass die Franzosen eigentlich überlegen waren gegen den Briten. Und sie hatten sie beinahe besiegt. So gegen 16 Uhr sah es so aus, als ob die Franzosen siegen würden. Und der englische General Wellington soll ausgerufen haben: "Ich wünschte, es wäre Nacht oder die Preußen kommen." Einer der beiden Wünsche ist in Erfüllung gegangen. Es wurde nicht Nacht, aber die Preußen kamen. Und als die Preußen dann auf dem Schlachtfeld ankamen, hat er von zwei Fronten Krieg und es war plötzlich ein Unterliegen. Und verlor so vollständig, dass das seine letzte und endgültige Niederlage war. Seine sogenannte Herrschaft der 100 Tage war damit ans Ende gekommen. Und damit auch ein ganzes Zeitalter. In diesen napoleonischen Kriegen seit 1803 sind sage und schreibe 15 Millionen Menschen umgekommen. Und die Kriegskosten überschritten alles, was jemals vorstellbar war. Die Weltgeschichte hat so etwas bis dahin nie erlebt gehabt. Und selbst den Monaten danach hat man sich nur mühsam davon erholen können. Man kann sagen, dass Europa und dadurch die ganze zivilisierte Welt bis ins Mark erschüttert worden sind.

[36:07] Aber just an diesem Tag, das ist so interessant, wie die Geschichte ist, es hat völlig nichts mehr dazu zu tun, aber just an diesem Tag, wo Napoleon seine Macht endgültig und für alle Zeiten auf ewig verliert, just an diesem Tag kehrt der zurück. Burlington, 18. Juni. Captain Miller hat die Erlaubnis abzureisen bis zu weiteren Befehlen. Während also am 18. Juni auch in Waterloo die militärische Karriere von Napoleon endet, endet am gleichen Tag die militärische Karriere von William Miller. Der war zwar nicht so berühmt, hat aber auch nicht so viel Dreck am Stecken gehabt. Schon interessant, wie das manchmal so zusammenkommt.

[36:45] Am 21. Juni hat dann die Nachricht London erreicht, dass Waterloo gewonnen worden ist von den Briten. Das war nach drei Tagen. Und das galt damals als extrem schnell. Es hat nur drei Tage gedauert, bis das von Waterloo bis nach London kam. Das war ein Zeichen des modernen Fortschritts, dass es nur drei Tage gedauert hat und nicht drei Wochen. Dann am 22. Juni hat Napoleon abgedankt und er wurde jetzt wiederum verbannt. Nicht auf die Insel Elba im Mittelmeer, sondern auf diese Insel hier. Weiß jemand, wie die Insel heißt? St. Helena. Weiß jemand, wo die liegt? Da. Im Atlantik. Und zwar weit weg von Europa, dass egal, was jemals passieren sollte, der Napoleon nie wieder nach Europa kommt. Vielleicht hat er ja noch Afrika angreifen können.

[37:30] Am 25. Juni hat dann Miller auch die Armee tatsächlich verlassen, nachdem er den Befehl eine Woche vorher bekommen hatte. Und ist zurück nach Pultney zu seiner Familie hier in Vermont. Und hat sich dann entschlossen, mit seiner ganzen Familie, mit Kindern, zurückzuziehen an seinen Heimatort seiner Kindheit, nach Lowhampton. Das ist sechs Meilen hier nördlich, auf der anderen Seite der Grenze von Vermont zu New York. Und dort hat er sich dann ein Häuslein gebaut, seine Farm, so wie sie Ende des 19. Jahrhunderts aussah. Zunächst einmal hatte er die Schulden bezahlt, die auf dem Haus der Familie waren. Sein Vater war mittlerweile ja schon gestorben. Hat die Schulden bezahlt des alten Hauses. Hat dann seine Mutter und seinen Bruder dort mietfrei wohnen lassen. Und hat sich sein eigenes Haus gebaut.

[38:26] Miller hatte eigentlich ziemlich genug vom Leben. Mit dem Deismus hat es nicht so richtig geklappt. Mit dem Patriotismus auch nicht. Und eigentlich, was er jetzt noch machen wollte, er wollte zurückgehen, ein friedliches Leben als Farmer verbringen den Rest seines Lebens, die Kinder großziehen und irgendwo dort in der Wildnis ein ruhiges Leben haben. Vielleicht ein paar Bücher lesen. Und die Sturm und Drang Jahre waren ja vorbei. So hat er sich das gedacht. Und er ist so sesshaft geworden, dass er sogar angefangen hat, ab und zu die Kirche zu besuchen. Seine Mutter war ja streng baptistisch gewesen. Und seit einiger Zeit gab es dort auch seit 1812 schon eine kleine baptistische Kirche im Ort. Und er ist dort immer hingegangen. Sein Onkel Elisha Miller war dort der Pastor. Und jedes Mal, wenn er gepredigt hat, hat er sich dort mit reingesetzt. Er hat zwar nicht wirklich an Gott geglaubt. Er hat an einen Gott irgendwo geglaubt, aber er hatte keine wirkliche christliche Bekenntnis oder so. Aber er hat es schon ganz interessant gefunden, dort in der Kirche zu sitzen und Sonntag für Sonntag die Predigt zu hören. Das Einzige, was er nicht mochte, ist, wenn der Prediger nicht da war, dann musste nämlich eine Predigt vorgelesen werden. Es gab damals so Bücher, da waren dann so vorgefertigte Predigten. Und wenn kein Prediger gerade da war, dann wurde jemand ausgewählt, ein Diakon, der hat sich dann vorne hingestellt und hat die Predigt abgelesen. Und das fand er aber ganz langweilig. Er ist dann zu Hause geblieben. Er hat seine Frau sich beschwert und hat gesagt: "Warum bleibst du zu Hause?" Er hat gesagt: "Das sind so langweilig abgelesene Predigten, das ist ja zum Einschlafen." Und dann hat er gesagt: "Ich komme nur, wenn ich sie selbst vorlesen darf." Und dann haben sie gesagt: "Ja, warum dann nicht?" Und dann hat das dann den Ältesten der Kirche vorgeschlagen. Und dann hat er dann ab und zu auch selbst Predigten vorgelesen. Aber zu mir hat es momentan noch nicht gereicht.

[40:08] Es war auch im Sommer, als dann Joseph Bates nach einigen Wochen hier zu Hause verbracht hat, es ihn dann doch wieder zurückgezogen hat aus weitem her. Er war halt tief in seinem Herzen ein Seemann. Und so hat er als zweiter Matrose angeheuert bei einem Schulfreund, um eine Ladung von Alexandria in der Nähe von Washington nach Bremen zu verschiffen. Und so hat er sich dann auf den Weg gemacht nach Bremen.

[40:33] 26. September, wir springen ein bisschen vorwärts, ist in Europa die Heilige Allianz gegründet worden zwischen Preußen, Österreich und Russland. Ein wichtiges Bündnis, das jetzt Stabilität bringen sollte in diesem krisengeschüttelten Kontinent. Und am 15. Oktober, nach langer, langer Fahrt, ist Napoleon auf seiner Insel angekommen, auf Helena, St. Helena. Da steht noch das alte Gebäude heute. Die Fahne ist auch noch da und noch eine Kanone für den Fall, dass irgendjemand versucht hätte, St. Helena anzugreifen. Aber da hat er dann sein Leben gefristet. Er hätte beinahe ganz Europa beherrscht, nicht wahr? Und sein Lebensende verbrachte er auf einer abgelegenen, unbekannten, auf einem Felsen irgendwo im Atlantik. Naja, was soll man dazu sagen? So kann es kommen, wenn man sich selbst überschätzt.

[41:31] Am 3. November dann passierte etwas sehr Schönes. Und zwar gab es ein sogenanntes Duldungs-Edikt für die Schweizer Täufer. Seit ungefähr 300 Jahren hat es in der Schweiz und von dort aus dann auch in andere Gegenden weiterstreuend Täufer gegeben. Menschen, die an das Taufen durch Untertauchen geglaubt haben. Die waren damals ja schwer verfolgt worden. Es handelte sich bei diesen Täufern um Anhänger oder Gruppen, die im Bereich von Zwingli gewesen sind und von ihm auch ein bisschen beeinflusst worden sind. Obwohl sich dann die Reformatoren auch gegen die Täufer gewandt haben und die ständig verfolgt worden sind. Und 300 Jahre lang sind sie verfolgt worden. Von ihnen stammen dann auch die Mennoniten ab und auch dann von denen später die Amish. Weiß nicht, ob jemand die kennt, die Amish-People. Und 1815 ist jetzt diesen Täufern in der Schweiz erlaubt worden, Täufer zu sein. Also man hat sie nicht weiter verfolgt. Und das war natürlich eine gute Sache.

[42:32] Am 20. November ist dann nochmal Frieden geschlossen worden, der zweite Pariser Frieden. Frankreich wurde noch einmal verkleinert und der König kam zurück. Und in der Zwischenzeit war Joseph Bates in Bremen angekommen. Er hatte seine Ladung und alles abgeliefert. Sie wollten sich auf den Weg zurück machen, aber dann ist die Weser zugefroren. Und so musste Joseph Bates den Winter in Deutschland verbringen, in Bremen.

[42:59] Einige ganz wenige Schlussbemerkungen noch für das Jahr 1815. In diesem Jahr sind wieder einige Gesellschaften gegründet worden. Zum Beispiel die isländische Bibelgesellschaft und die französische Bibelgesellschaft. Also jedes Jahr kam da mehr dazu. Außerdem auch die amerikanische Erziehungsgesellschaft, die jetzt versucht hat, das Erziehungssystem in Amerika auf ein neues Level zu bringen. Und einige Friedensgesellschaften. Das hat man vor allem nötig gehabt, Frieden. In einigen US-Bundesstaaten sind Friedensgesellschaften gegründet worden, die sich darum bemüht haben, das Konzept des Friedens wieder in der Bevölkerung klar zu etablieren. Und im Jahre 1815 konnte man bereits 33 Mäßigkeitsgesellschaften zählen. Das war eine Bewegung, die auch gerade in den letzten Jahren aufgekommen worden ist, wo man versucht hat, die Leute zu sensibilisieren: Trinkt keinen Alkohol mehr, vermeidet den Tabak, trinkt keinen Kaffee, trinkt keinen schwarzen Tee und grünen Tee. All diese Dinge sind in Amerika und in anderen Ländern zum Teil auch stark propagiert worden. Und im Jahre 1815 konnte man bereits 33 solche Gesellschaften an verschiedenen Orten zählen, die sich dafür stark gemacht haben, für Mäßigkeit. Zum Teil auch damit verbunden, vegetarisch zu leben. Und das sind ganz interessante Sachen. Das ist schon über 200 Jahre her.

[44:23] Der letzte Punkt für heute betrifft dieses Buch. "Die Wiederkunft" heißt es, oder auch "Das Kommen des Messias in Herrlichkeit, bewiesen als Schrift, also als Lehre der Schrift, und gelehrt durch göttliche Offenbarung seit Anfang der Welt." Geschrieben, wie es hier heißt, by an American layman. Was heißt layman? Weiß jemand? Von einem Laien. Ich war kein Theologe. Ein ganz tolles Buch über die Wiederkunft Jesu, geschrieben von einem Laien. Und das ist der Laie. Und dieser Laie ist tatsächlich kein Theologe. Er ist Elias Boudinot. Und Elias Boudinot war einer der wichtigsten Staatsmänner in ganz Amerika. Er war derjenige gewesen, der nach dem Unabhängigkeitskrieg den Friedensvertrag mit den Briten unterzeichnet hat. Er war der erste Interimspräsident der Vereinigten Staaten gewesen, vor George Washington, also in der Zeit vom Frieden mit Britannien bis zur ersten Präsidentschaftswahl war er der Präsident gewesen unter dem Kontinentalen Kongress. Also eine der wichtigsten Personen in der Frühgeschichte der US-Politik. Er hat übrigens auch die Bibel übersetzt in die Sprache der Cherokee, der Indianer. Hat sich sehr für die Bibel interessiert. Und seit der Französischen Revolution hat er versucht, die Prophetie besser zu verstehen. Und er schreibt dieses Buch als bekannter, angesehener Staatsmann, den alle lieben und verehren. Er war schon 75 Jahre alt zu dem Zeitpunkt. Und er schreibt über Daniel 2, über Daniel 7, genauso wie wir es heute auch kennen. Er schreibt, dass die 70 Wochen im siebten Jahr des Artaxerxes beginnen müssen. Das war ihm alles klar. Dass die Kreuzigung im Jahre 1933 gewesen ist. Da war er ganz knapp daneben, aber soweit er das damals wissen konnte. Er hat auch gewusst, dass das kleine Horn in Daniel 8 das Papsttum ist. Er schreibt über Daniel 11. Ich meine, können wir uns heute vorstellen, dass amerikanische Top-Politiker über Daniel 11 schreiben? Das war damals der Fall. Das waren noch wirkliche Staatsmänner, die wussten, wo die Weisheit zu finden ist. Er hatte interessante Auslegungen zu den zwei Zeugen aus Daniel 11. Er hatte geglaubt, die zwei Zeugen sind der wöchentliche Gottesdienst und der wöchentliche Ruhetag, die angegriffen worden sind. Ansonsten war er ganz klar auch in Offenbarung 11 über die Französische Revolution. Und er sagt, es gibt noch vier Dinge, die passieren müssen: Erstens müssen diese beiden Zeugen wieder richtig auferstehen. Zweitens muss das Papsttum vernichtet werden. Drittens wird die Türkei vernichtet werden, das Osmanische Reich. Und viertens werden die Juden wiederhergestellt werden. Das ist, was er erwartet hat. Und mit diesem ganz klaren Ausblick auf die baldige Wiederkunft Jesu, geschrieben von einem der größten Staatsmänner der amerikanischen Geschichte, begeben wir uns in eine zweiwöchige Pause. Nächste Woche werden wir unser Seminar haben: "Es ist Gott mit uns". Und dann in zwei Wochen werden wir die Adventgeschichte wieder aufnehmen mit dem Titel "Es werde Licht". Was wir bis jetzt gemacht haben, wir haben den Acker bereitet. Alles, was wir bisher gemacht haben, war nur das Vorspiel. 1816 beginnt die Adventgeschichte richtig. Es wird Licht im Leben eines Mannes und von dort geht es dann los. Wir werden sehen, wie all das, was wir bisher behandelt haben, all die ganze Prophetiebewegung, die Missionsbewegung, die Mäßigkeitsbewegung und so weiter und so fort, wie das den Weg bereitet hat für diese Bewegung, die sich jetzt quasi nicht ins gemachte Nest setzt, aber schon dieses Momentum aufgreifen kann. Und das werden wir nächste Woche nicht betrachten, sondern in zwei Wochen unbedingt nicht verpassen. "Es werde Licht". Was ist mit William Miller passiert? Und ich denke, wir können jetzt schon sagen, wir haben nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Amen.


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