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In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ tauchen wir in das Jahr 1835 ein und beleuchten die Reisen und Erlebnisse von William Miller. Wir erfahren, wie Miller durch Amerika reiste, um seine Botschaft zu verkünden, und wie seine Vorträge auf unterschiedlichste Weise aufgenommen wurden. Gleichzeitig werfen wir einen Blick auf die weltweiten Ereignisse und intellektuellen Strömungen dieser Zeit, die die Vorbereitung auf die Endzeit beeinflussten. Von politischen Umwälzungen über theologische Debatten bis hin zu technischen Fortschritten – das Jahr 1835 war ein Jahr des Wandels und der wachsenden Erwartung.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu unserer Serie "Die Zeit des Endes", hier live aus Stuttgart, Bad Cannstatt. Schön auch, dass Sie zugeschaltet sind auf www.joelmedia.tv.de oder wenn Sie diese Aufnahme später anschauen auf unserer Website. Heute eine weitere Folge und die heißt so: "Ein Jahr mit Miller auf Reisen". Wir wollen uns heute ein bisschen mit William Miller ausführlich beschäftigen, wie er so von einem Ort zum anderen gereist ist und was er erlebt hat und natürlich vieles andere dazu. Wir wollen uns heute das Jahr 1835 zur Gemüte führen. Stück für Stück kommen wir näher an das große Datum 1843 und die Spannung steigt. Wir wollen jeden Abend beginnen mit einem Gebet und dann hineinsteigen in das, was wir heute zu besprechen haben.

[0:55] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir auch heute wieder dein Volk studieren können und sehen können, wie du es geführt hast. Wir möchten dich bitten, dass du uns Weisheit schenkst, dass wir daraus lernen dürfen und dass wir auch motiviert werden, genauso zu dem Wort Gottes zu stehen, unserer Prophetie, wie es auch einige unserer Pioniere getan haben. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt alle Störungen fernhältst und dass durch deinen Heiligen Geist wir sehen, was wir zu lernen haben. In deinem Namen beten wir, Jesus. Amen.

[1:28] 1835 war allein schon deswegen ein besonderes Jahr, weil Joseph Wolff mal endlich wieder in England war. Nachdem er ja ungefähr die halbe Welt bereist hat, hat er sich größtenteils 1835 in England aufgehalten und hat natürlich, was wohl gemacht? Genau, Predigten gehalten über all seine Erlebnisse, seine Abenteuer, also all das, was in den letzten Folgen so ausführlich besprochen wurde, hat er jetzt auch dem britischen Publikum ausgiebig erklärt und nahegelegt. Er hatte natürlich vorher schon Briefe geschrieben und Journale geführt, die auch veröffentlicht waren, aber er war natürlich ein sehr, sehr gefragter Mann. Alle haben sich um ihn gerissen, vor allem die vielen abenteuerlichen Geschichten dort aus Turkmenistan und aus Afghanistan und so weiter, haben es den Briten angetan. Er hat also die Vorzüge seiner Reise beschrieben. Er hat am Ende seiner Reise 1834 festgestellt, dass er wohl mehrere hundert Juden getauft hat, etliche Muslime haben ein Interesse an der Bibel bekommen, er hat die Bibel in Gegenden verbreitet, wo sie vorher noch nie gewesen sind, hat also wirklich Neulandarbeit erreicht und hat bestimmte Religionen zum ersten Mal richtig entdeckt. Also er wurde als der Apostel seiner Zeit bezeichnet in der damaligen Presse. Er beschreibt sogar, dass in den östlichen Nationen, wie in Indien und auch im Jemen und so weiter, dass dort die Gelehrten seinen Namen neben den Namen von Plato und Aristoteles und Sokrates gesetzt haben. Das waren ja bekannte Gelehrte und man hatte geglaubt, dass über Jahrhunderte aus Europa nichts Gutes kommt, da war er ja im Mittelalter gewesen und jetzt kam da so ein bibelversierter Mann daher und hat sie eines Besseren belehrt. Naja, wie dem auch sei.

[3:22] Allerdings schlug ihm in England doch ein bisschen auch der Gegenwind ins Gesicht. Das hatte damit zu tun, dass das England von 1835 nicht mehr das England war von 1825 oder 1828. Während England, als er es verlassen hatte, noch völlig ungetrübt von der Begeisterung, was diesen Adventglauben anging, unter vielen, vielen Leuten, hat sich da mittlerweile ja so ein bisschen Abkühlung eingestellt, vor allem, weil einige der besten Adventausleger abgefallen waren, wie Irving zum Beispiel, der mittlerweile gestorben war. Und wo immer er hinkommt, wird auch behauptet, der Joseph Wolff, das ist auch nur einer von den Anhängern von Edward Irving. Und obwohl Wolff niemals diese seltsamen Lehren von Irving, wie die Zungenrede und so weiter, angenommen hatte, hat er damit jetzt zu kämpfen gehabt und da sieht man so ein bisschen, wie das ja, dem Adventglauben in England so einen Stich gesetzt hat. Er wurde auch von einigen als zu extrem angesehen. Man hat ihn oft gebeten: "Komm doch und erzähl doch von deinen Abenteuern in Afghanistan und in Turkmenistan, aber bitte erwähne nichts von der Wiederkunft Jesu, das wollen wir nicht hören." Und dann haben sie gesagt: "Also, dann komme ich nicht. Ich habe genügend andere Einladungen." Und dann haben sie ihn trotzdem eingeladen und hat dann trotzdem noch viele bekehrt zur Wiederkunftshoffnung, aber es gab jetzt schon in England diese Spannung dagegen in immer größeren Kreisen.

[4:41] Diese Spannung dagegen gab es in Amerika noch nicht und William Miller war das ganze Jahr beschäftigt zu reisen. Hier sehen wir seine Reiseziele in den ersten beiden Januarwochen. Im tiefsten Winter hat er hier einige Meilen Aufsicht genommen und von seinem Heimatort in Lowhampton zunächst einmal nach Addison und dann nach Cornwall, nicht Cornwall in England, sondern Cornwall in Vermont zu reisen und dann ist er noch einige Wochen in Lowhampton geblieben. Es war in jenem Jahr 1835, im Januar, dass zum allerersten Mal etwas öffentlich publiziert wurde in Amerika, was seit einigen Jahren schon in England für Aufsehen gesorgt hat, nämlich die Idee, dass die langläufige oder traditionelle Prophetieauslegung gar nicht stichhaltig sei. Wir erinnern uns vielleicht, dass einige Jahre zuvor in England ein Mann namens Maitland aufgestanden war und gesagt hat: "Das Jahr-Tag-Prinzip gilt nicht und die 1062 Tage sind buchstäbliche 1062 Tage und die 2300 Tage sind buchstäbliche 2300 Tage." Das war zunächst auf wenige Leute in England konzentriert, die da sehr viel Werbung für diese Idee gemacht haben und jetzt im Januar 1835, gerade zu dem Zeitpunkt, wo Miller anfängt, ganz regelmäßig durch die Lande zu ziehen, beginnt Professor M. Stuart in einem Fachartikel das als allererster zu betonen und dem Volk zu bringen. Und er erwähnt in seinem Artikel auch, dass er schon oft gehört habe, aufgrund dieses Jahr-Tag-Prinzips, dass die Welt 1843 zu Ende gehen würde. Also, das kann er nicht von Miller gehört haben, weil die beiden hatten wohl keinen Kontakt zueinander. Es muss also etliche Leute gegeben haben, die auch in Amerika so etwas ähnliches wie Miller gepredigt haben und dieser Professor wendet sich jetzt dagegen und sagt: "Tage in der Bibel heißen Tage oder unbestimmte Zeitperioden, aber niemals Jahre." Und er verwendet ein interessantes Argument, was bis heute gern verwendet wird. Er sagt nämlich: "All diese Prophetieausleger, die da diese Dinge schreiben, dass Jesus 1843 oder 1847 kommen würde, die können ja alle gar kein Hebräisch und Griechisch. Man kann die gar nicht ernst nehmen." Und weil er Professor ist, weil er Hebräisch und Griechisch kann, suggeriert er dem Leser: "Also, ich weiß, wovon ich spreche und ich sage euch, Tage bedeuten Tage und nicht Jahre." Und das sind so die allerersten Anfänge von etwas, was sich dann innerhalb von einigen Jahren und Jahrzehnten durch die ganze Christenheit ziehen wird und dieses Jahr-Tag-Prinzip irgendwann später völlig verworfen wird, bis auf einige wenige, obwohl das mal eine ganz anerkannte Auslegung gewesen ist.

[7:23] Ebenfalls im Januar finden wir, hier finden wir noch eine Kirche, in der Miller in dieser Zeit gepredigt hat. Das ist, wenn ich mich recht entsinne, die Kirche in Addison in Vermont, eine baptistische Kirche. Also, wir können davon ausgehen, die ist 1803 gegründet worden, dass er genau hier in dieser Kirche gepredigt hat, dort im Januar. Und hier eine andere, das ist die von Cornwall, hat er auch hier in dieser Kirche gepredigt. Schöne Gebäude, nicht wahr? Weiß jemand, wer das hier ist? Das ist der US-Präsident zur damaligen Zeit, Andrew Jackson. Ein kontroverser Mann, so kontrovers, dass auf ihn das erste Attentat auf einen US-Präsidenten in der Geschichte der USA verübt worden ist. Allerdings war das recht harmlos, was passiert ist. Er ist aus dem Weißen Haus, glaube ich, ist es gewesen, herausmarschiert mit seinem Spazierstock und ein etwas geistig verwirrter Engländer, der dort als Anstreicher gearbeitet hat, ist auf ihn zugerannt und hat zwei Pistolen auf ihn gehalten, war aber nicht in der Lage, die abzufeuern. Aus irgendeinem Grund hat er es nicht geschafft und die Geschichte geht so, dass Jackson dann etwas ärgerlich seinen Spazierstock genommen hat und diesen armen Mann dann verprügelt hat. Der wurde dann auch eingewiesen, allerdings nicht ins Gefängnis gesteckt, weil man ihn für unzurechnungsfähig hielt.

[8:44] Am 11. Februar schreibt dann Miller an seinen langjährigen Brieffreund Hendricks. Wie gesagt, aus diesen Briefen lernen wir sehr viel aus dieser Zeit. Er sagt hier: "Der Herr öffnet schneller Türen, als ich wahrnehmen kann." Und er sagt dann: "Ich habe Einladungen aus Scroon, Ticonderoga, Moriah, Essex, Chasey, Champlain, Plattsburgh, Peru, Moortown, Chanton, Kenton, Potsdam, Hopkinton, Stockholm, Perisville und anderen Orten, die ich nicht alle aufzählen kann." Übrigens, hier sieht man, dass viele Amerikaner nicht besonders einfallsreich waren, als sie ihre Orte benannt haben, haben einfach dann europäische Namen genommen. Also, der Miller hat ein interessantes Problem, er kam gar nicht hinterher mit all den Einladungen. Überall hagelte es Einladungen aus allen Ecken und Enden, vor allem aus dem Bundesstaat New York oder Vermont. Die ganzen Ortschaften um sein Heimatort herum wollten ihn alle haben. Und dann sagt er: "Der Herr hat mich bisher gesegnet, an fast jedem Ort, wo ich Vorträge gehalten habe, hat der Geist Frucht gegeben." Und dann sagt er: "Bete für mich, dass mein Glaube nicht versagt, dass ich stets meine Schwachheit fühle." Das ist ein Thema, das in seinen Briefen immer und immer wieder vorkommt, vor allem da, wo er als alleiniger Prediger – denn momentan ist die Adventbewegung ja eine Millerbewegung, außer Miller gibt es keinen, der das so richtig als reisender Prediger verkündigt – und dass ich mich vom Gott Israels abhängig mache. "Bete für mich, dass ich meine Pflicht in der Furcht Gottes und in der Liebe zur Wahrheit erfülle." Er weiß ganz genau, er braucht Gebet auch von Freunden für diese gewaltige Aufgabe, denn wenn man den Menschen sagt, dass die Welt in acht Jahren untergeht, dann hat man Versuchungen auf allen Ebenen.

[10:27] Da finden wir ihn wieder einen Tag später, nachdem er diesen Brief geschrieben hat, wieder unterwegs. Hieß man nach Whiting und nach Shoreham, wiederum um Vorträge zu halten. Und auch das war wieder, also wie gesagt, er wohnte hier an der Grenze zwischen dem Bundesstaat New York und dem Bundesstaat Vermont und er war viel unterwegs hier in dieser ganzen Gegend immer wieder. Da haben wir einen der Kirchen, der das auch gepredigt hat.

[10:54] Dann im März des selben Jahres, 1835, am 2. März stirbt Franz I., Kaiser von Österreich. Weil das war der Kaiser, der auch am Ende, zur Zeit Napoleons, die Fäden in der Hand gehabt hat. Und sein behinderter Sohn Ferdinand wird dann Kaiser von Österreich. Ganz interessant, der kam etwas unglücklich auf die Welt, mit einem viel zu großen Kopf, hat an vielen Krankheiten gelitten, ist aber trotzdem zum Kaiser ernannt worden.

[11:25] Und Miller berichtet dann nur vier Tage später, am 6. März, wieder in einem Brief an Hendricks über wachsenden Erfolg. Er sagt, dass in der Regel, wenn er Vorträge hält, vier bis fünf Pastoren in seinen Vorträgen sitzen. Und wie gesagt, er hat keine Theologie studiert. Das ist natürlich eine besondere Herausforderung. Also, wenn man zu einer Gemeinde spricht als Nicht-Trainierter, dann ist das schon eine Herausforderung, aber wenn dann die Pastoren der Gemeinde drin sitzen und wie gesagt, meistens auch etwas kritisch sind, dann ist das gar nicht so einfach. Und er sagt, seine Vorträge erregen großes Aufsehen und er macht sich große Sorgen, dass er stolz werden könnte. Schreibt dann den Brief und sagt: "Bete für mich." Und er berichtet jetzt, dass es einen anderen Pastor gibt, einen Pastor Fuller, der mit großem Erfolg dieselbe Botschaft in einem anderen Bundesstaat in Connecticut verkündigt.

[12:14] Außerdem berichtet er in diesem Monat im März, dass dieses Pamphlet, dieses kleine Büchlein, was wir uns letztens angeschaut haben, "Evidences from Scripture and History", dass dieses kleine Büchlein mit 64 Seiten nochmal neu aufgelegt werden soll. Es soll eine zweite Edition geben, weil sein Büchlein schon verkauft ist und diesmal sollen erneut 1500 Stück gedruckt werden. Also, das sind noch nicht die großen Massen, aber seine Botschaft kommt an.

[12:48] Am 19. März erhält er dann ein weiteres Empfehlungsschreiben. Er war ja seit 1833 offiziell lizenzierter Prediger der Baptisten und zwei Jahre später jetzt erhält er ein weiteres Schreiben, wo andere Prediger der Baptistengemeinde ihm bescheinigen, ein guter Prediger zu sein oder ein guter Sprecher zu sein. In dem Dokument heißt es: "Dies soll zertifizieren gegenüber jedem, den es betrifft, dass wir deren Namen unten gegeben sind, Prediger der Denomination der regulären Baptisten mit Bruder Miller, dem Träger dieses Zertifikats, persönlich bekannt sind, dass er ein Mitglied und lizenzierter Prediger in gutem Ansehen in der baptistischen Kirche von Lohempton, New York ist, dass wir seine Vorträge über die Wiederkunft und Regierung unseres Herrn Jesus Christus gehört haben, jetzt Achtung, und dass wir glauben, dass seine Ansichten auf diesem Gebiet, wie auch auf anderen, die zum Evangelium gehören, es wert sind, von allen gekannt und gelesen zu werden." Das ist ganz interessant. Sie schreiben nicht alle, dass sie diese Ansicht übernommen haben, aber sie sagen, seine Ansichten sind so, dass es sich lohnt, sie zu studieren. Also, das sind nur einige der Namen, die Liste geht dann weiter mit viel mehr Namen. Das heißt, die Prediger, die ihn gehört haben, die meisten von ihnen konnten dann zumindest schreiben: "Also, was er vorträgt, ist absolut sicher anzuhören. Das ist keine Häresie, das ist kein Schwachsinn, sondern wir empfehlen jedem Christen, der die Möglichkeit hat, das sich mal anzuschauen und selbst zu prüfen." Und deswegen sagen sie dann: "Als solchen anempfehlen wir ihnen Gott und der herzlichen Akzeptanz unserer Brüder im kostbaren Erlöser."

[14:21] Es ist deswegen auch nicht ganz unwichtig, das immer wieder anzuführen, weil es in jener Zeit eine ganze Reihe von selbsternannten Propheten gab und Predigern, die durch die Lande gezogen sind. Aber Miller war jemand, der auf sowas durchaus auch Wert gelegt hat, dass er eben nicht nur seine persönliche Meinung dort kundtut, sondern dass andere Leute, die vielleicht auch inhaltlich nicht ganz mit ihm übereinstimmen, doch sagen können, dass es etwas prinzipiell Gutes und Anerkennenswertes ist.

[14:46] Interessanterweise nur einen Tag später ist er ziemlich schwer krank geworden, hat sich eine schwere Grippe geholt und war dann für einige Tage außer Gefecht gesetzt. Auch das hat jetzt mit der Zeit ein bisschen zugenommen. Er war ja auch schon über 50 Jahre alt, nicht mehr der Jüngste. Und dort im Norden Amerikas ist es gerade auch im Winter und Frühjahr ganz empfindlich kalt. Das hat ihm dann auch immer mehr zugesetzt.

[15:12] Ansonsten hat er sich wieder auf Reisen begeben. Im April ging es nach Granville, diesmal Richtung Süden, und dann am 26. April sogar ziemlich weit. Also, der Bundesstaat New York ist ja ein ziemlich großer Staat, da ging es mal richtig weit in den Süden nach Middletown. Also, die Einladungen jetzt auch aus ferneren Gegenden häufen sich. Größtenteils ist er immer noch so in dieser Gegend hier gewesen und hat dort so seine Predigten gehalten und Vorträge gehalten. Da haben wir so die Gegend, wo das gewesen ist, eigentlich ganz schöne Landschaften dort.

[15:53] Und dann schreibt er am 28. April: "Habe dreimal letzten Sabbat gepredigt." Übrigens, wenn er Sabbat sagt, welchen Tag meint er? Sonntag. Der Sonntag wurde damals von allen Christen als der christliche Sabbat bezeichnet. Deswegen findet man in der Literatur meistens Sabbat, aber gemeint ist immer Sonntag. "Habe dreimal letzten Sabbat, also Sonntag, gepredigt. Es war eine feierliche Zeit. Gott war gegenwärtig." Zeitgenossen berichten, dass wenn Miller gepredigt hat, die Leute absolut begeistert waren. Nicht begeistert im Sinne von, dass sie einfach rausgerannt sind und das war eine tolle Predigt, sondern man konnte buchstäblich einen Nadel fallen hören bei seinen Predigten. Und Leute sagen, dass wenn er gepredigt hat und man seine Anfangsideen angenommen hat, konnte man seinen Schlussfolgerungen nicht mehr ausweichen. Es war so logisch, es war so auf den Punkt, dass wenn man auch nur einigermaßen gesagt hat: "Okay, diese Anfangsbehauptung stimmt, die stimmt auch und man hat sich darauf eingelassen", war es so auf den Punkt, es war so logisch, dass man einfach dem nicht entweichen konnte. Und viele dieser Predigten und dieser Vorträge müssen eine ungeheure Wirkung gehabt haben. An vielen Stellen haben sich die Geschwister dann getroffen und haben dann weiter die Bibel studiert oder haben dann ihn gebeten, einige Tage länger zu bleiben, um Vorträge zu halten. An vielen Stellen gab es, wie gesagt, Erweckung und Reformation.

[17:15] Am 3. Mai war er in Fort Anne, New York. Das ist da die Gegend. Übrigens, das hier, wenn er mal zu Hause war, er war jetzt ganz selten noch zu Hause, auch natürlich sicherlich zum Leidwesen seiner Frau und seiner schon erwachsenen Kinder. Das ist hier auf seiner Farm, so ein klein abgelegener Ort. Das ist der Ort, an dem er immer gebetet hat. Interessanterweise habe ich jetzt vor kurzem das Bild gefunden. Das ist übrigens auch der Ort, wo er hingelaufen ist, als er gefragt worden ist, ob er predigen möchte. Da hat er hier irgendwo gebetet, vielleicht da oder da oder da. Ist ja vollkommen egal. Das sagt das Schild: "Er ging als ein Farmer und kam heraus als ein Prediger." Und wann immer er zu Hause ist, ist das der Ort, wo er sich zurückzieht, wo er Bibel studiert und vor allem betet und Gott um Weisheit bittet.

[18:11] Er predigt weiter in Westhaven, in Middlebury. Hier haben wir auch so eine baptistische Kirche. Die Gebäude sehen alle relativ gleich aus. Und dann im Juni macht er sich auf auf eine größere Reise, die ihn sogar bis nach Kanada bringt. Hier haben wir so die ganzen Reiserouten. Es ging so und so und so und so und so und so und so und so wieder zurück. Hat eine ganze Reihe von Orten besucht. Die Liste klingt wie folgt: Es waren Vorträge in Middlebury, Bolton, Harting, Derby, Churchill, Bolton, Outlet, Stanced Plain, Derby, Troy, Lowell, Eden, Cambridge, Jericho und Orwell. Teilweise ein Tag nach dem anderen im Juni und Juli.

[18:50] Und, das ist jetzt sehr interessant, alles auf eigene Kosten. Es war auf dieser Kanada-Reise, dass er zum allerersten Mal überhaupt von irgendjemand aus irgendeiner Gemeinde Fahrtkostenzuschuss bekommen hat. Reisekosten. Was würdet ihr schätzen, wie viel? Es war eine Schwester, die ihm was zukommen lassen. Was würdet ihr schätzen, wie viel hat es ihm gegeben? Was würdet ihr geben, wenn jemand so Wochen und Monate von zu Hause weg ist, um die Botschaft zu predigen, was würdet ihr geben? Genau, es war ein Dollar. Ein Dollar. Das war das allererste und auch das einzige, was er bis zum Jahr 1836 in all den fünf Jahren seines Dienstes bis dahin erhalten hat. Alles andere hat er aus eigenen Kosten, was er aus der Farm erwirtschaftet hat, bezahlt. Und auch das ist interessant, weil auch damals natürlich Leute, die durch die Gegend gezogen sind und Geld verlangt haben, ein bisschen suspekt waren. Miller war in solchen Dingen ziemlich seriös. Es ging ihm nicht darum, Geld zu machen, es ging ihm darum, die Leute zu warnen. Weil er diesen Drang gehabt hat. Naja, kann man was von lernen. Wenn man die Möglichkeit hat, also das Bibel sagt natürlich, wer das Evangelium predigt, soll vom Evangelium leben, aber wenn jemand die Mittel besitzt, soll er sich auch selbst unterstützen.

[20:14] Ah, bevor wir dazu kommen. Er hatte eigentlich vorgehabt, als er auf dem Rückweg war von Kanada zurück, hat er den Plan gehabt, noch einige andere Orte hier zu besuchen. Die hatte er auch schon angeschrieben und die Meetings waren auch schon festgelegt. Aber als er auf dem Weg war, hatte er so einen innerlichen Drang, unbedingt schnell nach Hause zu müssen. Er wusste nicht warum, es gab keine schlechten Nachrichten. Er war so in einer geistlichen Haltung drin, er muss unbedingt zurück, irgendwas ist, es drängt ihn zurück, er wusste auch nicht warum. Und so hat er dann, weil es so dringend sein schien, dieses Gefühl: "Du musst jetzt schnell nach Hause", hat er einige dieser Vorträge abgesagt und ist auf dem schnellsten Weg nach Hause. Hat nur noch einen Vortrag hier gehalten, in Orwell, hat aber den auch nur den Vortrag gehalten, ist danach sofort weitergereist und ist nach Hause gekommen. Hatte erst vermutet, dass vielleicht irgendwas mit seiner Familie ist, aber Familie war gesund, alles wunderbar. Und am nächsten Tag hat er seine Mutter besucht, hat einen schönen Tag mit ihr verbracht, aber einige Tage später ist seine Mutter gestorben. Und er hat bis an sein Lebensende gesagt, dass er das als eine besondere Gnade Gottes empfunden hat, dass Gott ihn quasi nach Hause getrieben hat, um noch ein, zwei Tage mit seiner Mutter zu verbringen. Die übrigens niemals seine Ansichten übernommen hat, bezüglich 1849, allerdings ihn immer aufgefordert hat und ihn ermutigt hat, die ganze Wahrheit zu predigen, so wie er sie entdeckt hat. Und sie hat ihn unterstützt, aber wie gesagt, diese speziellen prophetischen Auslegungen nicht angenommen. Und sie ist gestorben, Ende Juli.

[21:52] Gestorben ist im Ende Juli auch etwas ganz anderes, nämlich eine Adventszeitschrift in Großbritannien, nämlich genau genommen in Irland. Der "Christian Herald" ist einer der ersten, der seine Produktion einstellen muss. Noch einige Jahre zuvor waren ja diese Zeitschriften aus dem Boden geschossen, aber der "Christian Herald" stellt die Produktion ein, weil es kaum noch Leser gibt, die sich für Prophetie interessieren. Das hat natürlich damit zu tun, dass einige Extremisten jetzt Prophetie ganz extrem auslegen, vor allem die Anhänger Irvings und mit vielen seltsamen Dingen zu tun haben. Aber in dieser letzten Ausgabe im Juli versucht der Editor noch einmal die restlichen Leser aufzurufen und sagt: "Jesus kommt bald wieder, verliert die Prophetie nicht aus den Augen."

[22:38] Derweil rumort es in Europa, Kontinentaleuropa immer weiter. Am 28. Juli wird ein Attentat auf den französischen König ausgeübt. Hier nicht von einem inkompetenten englischen Anstreicher, sondern von jemandem, der sein Handwerk versteht. Mehr als zwölf Leute aus der Gefolgschaft des Königs sterben. Der König selbst kommt leicht verletzt davon, aber das ist natürlich ein Zeichen davon, dass es in der Gesellschaft rumort und es rumort gewaltig.

[23:09] Im August ist Miller dann wieder unterwegs, diesmal Richtung Westen, ein ganzes Stück unterwegs nach South Bay, um dort zu predigen. Und auch in Berlin bricht wiederum eine Revolution aus, die sogenannte Feuerwerksrevolution. Hier der berühmte Sturm auf die Kartoffelstände. Damals war wirklich was los in Deutschland und in Frankreich und vielen anderen Ländern. Das war so diese Zeit, wo dieser Unterschied zwischen der Arbeiterklasse und der herrschenden Klasse immer deutlicher sichtbar wurde und auch die Menschen diese Endzeiterwartung hatten.

[23:51] Dann ebenfalls im August kam Miller wieder an den Ort seiner allerersten Predigt, wo er vier Jahre zuvor seine erste Predigt gehalten hat, hier in Dresden. Er ist immer wieder auch gerne an die Orte zurückgekehrt, wo er schon gewesen ist. Das sagt uns zwei Dinge: Erstens, die Leute wollten ihn wieder gerne hören. Und zweitens hat er auch ein Interesse daran gehabt, dass die Arbeit sozusagen nachhaltig ist. Er wollte nicht einfach nur von Ort zu Ort gehen, die Leute entflammen. Er wollte auch, dass sie dabei bleiben und hat sie sozusagen immer mal wieder besucht, diese Gemeinden, wo er gewesen ist, um die Botschaft zu verfestigen. Auch das ist, glaube ich, eine wichtige Lehre, die wir von ihm lernen können.

[24:33] Dann war er wiederum, wie gerade gesagt, kurze Zeit später wieder in South Bay gewesen. Das war dann schon am 23. August. Und hier am 27. schreibt er an einem Brief, wiederum an seinen Brieffreund Hendricks. "Noch immer bin ich damit beschäftigt, die Bewohner zu warnen, sich auf den großen Tag Gottes des Allmächtigen vorzubereiten. Und ich versuche, aus der Schrift zu beweisen, dass er nahe ist." Und hier sieht man, was seine eigentliche Motivation ist. Er will nicht einfach nur Daten und Fakten präsentieren. Er sagt: "Ich präsentiere, dies steht als ein Anreiz, Buße zu tun. Ich rufe sie im Namen meines geliebten Meisters auf, umzukehren, Buße zu tun und ihm zu gehorchen. Ich beschwöre sie bei dem Wert ihrer Seelen an Christus zu glauben. Ich flehe sie an, sich Schätze im Himmel anzulegen. Ich bedränge sie nochmals und noch einmal zu lesen, zu reflektieren, zu untersuchen und zu sehen, ob das Wort Gottes nicht wahr ist." Wenn also ein Baptist oder Methodist oder Kongregationalist aus so einem Vortrag von Miller herausgekommen ist, dann kam er nicht raus und hat gesagt: "Wow, jetzt weiß ich alle Daten, die ganzen Erlasse von Artaxerxes und jetzt kann ich euch was erzählen über die Geschichte." Wenn so ein Christ aus so einem Vortrag von Miller herausgekommen ist, in der Regel hat der Mensch gesagt: "Gott sei mir Sünder gnädig." Natürlich hat der Miller all diese Prophezeiungen und diese Daten und Fakten benutzt, aber er hat sie nicht benutzt, um die Leute zu intelligenten Sündern zu machen, sondern hat sie nur benutzt als ein Mittel zum Zweck, um ihnen zu zeigen: Jesus kommt bald wieder. Die Prophetie erfüllt sich, die Bibel ist Gottes Wort. Das sieht man an der Prophetie, also ist sie auch vertrauenswürdig, wenn es darum geht, um unser persönliches Seelenheil. Sein großes Ziel war nicht einfach, die Leute in Geschichte zu unterrichten. Sein großes Ziel war, Menschen zu Christus zu führen und genau so sollten wir auch Prophetie lehren und predigen. Nicht einfach, um die Leute zu intelligenten Geschichtsfanatikern zu machen, sondern um sie zu Christus zu führen. Wenn Menschen durch das Studium der Prophetie nicht Christus näher kommen, dann hat die Prophetie ihr Ziel nicht erreicht. Und das ist, glaube ich, eine ganz, ganz entscheidende Lehre, die in all den Briefen von Miller immer und immer wieder deutlich hervorkommt. Und ich glaube, je mehr man das liest und studiert, desto mehr bekommt man so ein Bild von diesem Miller, der ganz nüchtern, ohne große Emotionen das Wort Gottes präsentiert, aber damit zeigt, wie wahrhaftig das Wort Gottes ist und mit seiner Ernsthaftigkeit den Leuten ins Gewissen redet: "Macht euch bereit, Jesus kommt wieder, ihr habt ein ewiges Leben zu gewinnen und einen ewigen Tod zu vermeiden."

[27:13] Und so ist er weiter gereist. Hier zum Beispiel am 30. August wieder Richtung Süden nach Stillwater, da zum Beispiel eine ganze Woche lang eine Vortragsreihe. Also, ohne große Pausen ist er das ganze Jahr unterwegs, wie wir sehen.

[27:32] Es ist dann im September, wo in Frankreich aufgrund dieses Attentats Pressezensur wieder eingeführt wird. Die herrschenden Klassen versuchen, die Revolution zu unterdrücken. Und Revolution gibt es übrigens auch hier. In welchem Land ist das? Das ist in Brasilien. Das ist in Brasilien. Sieht aus wie Deutschland, ich weiß. Das ist die Farrapen-Revolution. Nicht nur in Europa ist die Gesellschaft äußerst unruhig, auch dort in Brasilien, in diesem Grenzgebiet zwischen Uruguay, Argentinien und Brasilien, da geht einiges los und auch dort bricht eine neuerliche Revolution aus.

[28:15] Im Oktober reist Wolff dann wieder nach Malta. Nachdem er über ein Dreivierteljahr jetzt in England gewesen ist, macht er sich langsam bereit für seine nächste Missionsreise. Die soll dann im Jahre 1836, im Januar, beginnen. Und so macht er sich nach Malta auf, um dort alles vorzubereiten.

[28:35] Ansonsten ist Miller weiter unterwegs. Am 1. November geht es erneut nach Middletown für eine achttägige Vortragsreihe. 15. November eine fünftägige Vortragsreihe in Bristol. Dann am 29. November eine fünftägige Vortragsreihe in Middletown wieder. Und wenn es heißt fünf Tage oder acht Tage, dann bedeutet das, dass er an jedem Tag zwei Vorträge hält. Wo immer er ist, hält er mindestens zwei Vorträge pro Tag. Er nutzt seine Zeit gründlich und effektiv.

[29:01] Und dann, im Dezember, auch relativ bekannt, kommt es zum berühmten Großbrand von New York. 16. und 17. Dezember. Ungefähr 530 bis 700 Gebäude, man ist nicht ganz sicher, werden zerstört. Was vor allem daran liegt, dass im Dezember dort in New York alles wassergefroren ist und man kaum löschen kann. Und der Schaden beträgt ungefähr 5 bis 10 Millionen Dollar, was damals enorm viel ist. Heute ist das natürlich relativ wenig für den Amerikaner. Der hat heute mit anderen Summen zu kämpfen. Aber damals war das enorm. Und naja, das sind alle die Zeitereignisse gewesen, die natürlich ihren Einfluss gehabt haben.

[29:39] Am 20. Dezember war Miller dann nochmal in Pultney. Und am 27. Dezember nochmal unterwegs in Westhaven in New York. Also, von Januar bis Dezember durch, ohne Pause hat er gepredigt. Und das zeigt einfach, ohne dass es zu großen Höhepunkten gekommen war, wie systematisch und gründlich er einfach seiner Pflicht nachgekommen ist. Währenddessen wissen wir auch aus späteren Schriften von ihm, dass er sich schon währenddessen gewünscht hätte, dass viel mehr Leute das predigen und ihm helfen würden. Aber was er nicht findet, sind Leute, die ihm helfen. Er findet Leute, die begeistert sind. Er findet Leute, die ihn einladen. Er findet Leute, die dann auch sich bekehren. Aber er findet kaum Leute, die bereit sind, ihn zu unterstützen in diesem Werk. Und so ist es im Wesentlichen Miller, der alleine von Ort zu Ort predigt. Wie gesagt, es gibt so ungefähr acht Prediger, die er überzeugt hat, die in ihren Ortsgemeinden dasselbe predigen. Aber das Werk geht sicher aber doch noch relativ langsam voran.

[30:33] Und jetzt geht ihm ja langsam die Zeit aus. Denn 1836, das nächste Jahr, bedeutet noch sieben Jahre bis zur Wiederkunft. Und wenn nicht bald was geschieht, dann wird es eng, alle Menschen zu warnen. Was er natürlich nicht weiß zu diesem Zeitpunkt, weil natürlich damals es noch kein Internet gab und viele dieser Informationen nicht so schnell zur Verfügung standen, ist, dass auf der ganzen Welt natürlich andere dasselbe tun wie er.

[30:59] Hier nochmal wiederum, wie jedes Mal, und das sind immer nur ausgewählte Dinge, man könnte mehr anfügen, aber aus Zeitgründen tun wir das nicht. Hier zum Beispiel von Reverend John Fry, 1835, ein ellenlanger Titel wie jedes Mal: "Beobachtung über die unerfüllten Prophezeiungen der Bibel, welche sich noch erfüllen müssen, bevor der Herr in Herrlichkeit kommen wird und sein ewiges Königreich etablieren wird." Oder hier, Reverend William Pym, ganz interessanter Mann. Er schreibt das Buch "Ein Wort der Warnung in der letzten Zeit" und zitiert dann einige Verse, unter anderem: "Der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht." Oder: "Könnt ihr das Aussehen des Himmels beurteilen, könnt ihr nicht die Zeichen der Zeit beurteilen?" Das ist eine Aussage von Jesus, Matthäus, nicht wahr? Dieser Pym ist übrigens sehr, sehr interessant. Er hatte in früheren Jahren Bücher geschrieben, wo er sich vor allem auf die Zeitprophezeiung der 1335 Jahre aus Daniel 12 fokussiert hatte. Aber in den letzten Jahren hat er sich mehr und mehr mit den 2300 Jahren beschäftigt und ist ebenfalls zur Überzeugung gekommen, dass diese im Jahre 1847 zu Ende gehen werden. Er sieht auch die Verbindung zwischen Daniel 8 und Daniel 9. Und er erwartet für 1847 den Aufbau des Jerusalemer Tempels und die Wiederherstellung der Juden nach Palästina. Und er ist interessanterweise, deswegen haben wir ihn ja auch hier drin, einer derjenigen, der als allererstes erkennt, dass Jesus buchstäblich in der Mitte der Woche gekreuzigt worden ist. Und er hat noch die Daten ein bisschen falsch. Er hat die letzte Woche nicht zwischen 27 und 34 nach Christus, sondern zwischen 30 und 37. Aber er ist schon diesen Schritt weiter, dass er sieht, die Kreuzigung war nicht am Ende der 490 Jahre, sondern so ein bisschen davor, in der Mitte der Woche. Das war eine der großen Entdeckungen von Reverend William Pym.

[33:15] Übrigens, es ist kaum, ich habe es glaube ich nicht gesagt, dieser Frey hier erwähnt auch, interessanterweise das Jahr 1844. Er sagt: "1844 wird die Erfüllung der 2300 Jahre sein. Es wird auch die Erfüllung der 6. Posaune sein. Und er erwartet für 1844 die Rückkehr der Juden ebenfalls." Er sagt sogar, dass er gehört hat, dass einige Muslime für 1844 die Wiederkunft Jesu erwarten. Aber, wie einige andere auch, ist das für ihn noch nicht der Zeitpunkt der Wiederkunft, sondern er erwartet die Wiederkunft und das Millennium für 1872, 1873, basierend auf einer anderen Vorstellung der 1335 Jahre.

[33:57] Hier noch mehr. Da haben wir zum Beispiel M. Harrison. Und ich glaube, wenn man das alles so sieht, ist man wirklich beeindruckt, wie Gott versucht, die Menschheit auf das Kommende vorzubereiten. Harrison in seinem Buch "Ein Führer zum Studium der chronologischen Prophezeiung" haben wir hier in seinem Inhaltsverzeichnis auch die Daten 1843, 1844. Wobei er sogar noch das Datum 1918 kennt. Also, die meisten Ausleger kannten das Datum 1843, 1844, haben es nicht mit der Wiederkunft, sondern eher mit der Wiederherstellung der Juden nach Palästina verknüpft und haben das Millennium erst für spätere Daten erwartet. Hier auch wieder 1843, 1844 mit 1457. Also, diese Verbindung von Daniel 9 zu Daniel 8 war ganz, ganz deutlich jetzt erkannt. Hier sehen wir auch 1843, 1844. Und hier auch noch mal 1844 im Zusammenhang mit der 6. Posaune. Also, das Datum zieht sich durch.

[34:58] Und dann ein besonderer Leckerbissen. Das ist nicht Englisch, sondern was für eine Sprache? "Consulta a los..." Das ist Spanisch, aber das ist Mexikanisch. Mexikanisches Spanisch. "Consulta a los sabios sobre la aproximación de la segunda venida", sagen die Südamerikaner, "de nuestro señor Jesucristo." Von einem mexikanischen Magister. Also, ich kann kein Spanisch, aber es sieht so aus wie die Nähe... "Approximately", nicht wahr? Die Nähe der zweiten Ankunft unseres Herrn Jesucristo. Das war ein waschechter Katholik. Kein Protestant, der in Toluca in Mexiko hier im Jahre 1835 schreibt, dass Jesus bald wiederkommen möchte. Und für welches Datum erwartet er es? 1847. Warum? Weil er durch ein einiges Studium, ohne Kenntnis der Briten und Amerikaner, zur Überzeugung gekommen ist, dass Daniel 9 die Erklärung zu Daniel 8 ist. Und er hat sogar den Sternenfall aus 1833, der zwei Jahre vorher war, den er auch mit beobachtet hat, als ein Endzeitzeichen in seinem Buch erwähnt. An manchen anderen Stellen, weil er Katholik ist, hat er eine etwas seltsame Auslegung. Also, das, was wir kennen aus Daniel 2 und 7 mit den Weltreichen, was typisch protestantische Auslegung ist, das kennt er nicht. Er glaubt sogar, dass die Heuschrecken aus der 5. Posaune die Protestanten sind. Also, ein bisschen seltsam an manchen Punkten. Auch in der Offenbarung ist er meistens nicht so deutlich wie in Daniel. Aber es zeigt sich, dass Gott überall, Norden, Süden, Osten, Westen, seine Leute gehabt hat. Und er war natürlich auch etwas beeinflusst von Lacunza und hat entsprechend hier dieses Werk geschrieben.

[36:51] Naja, es gab übrigens auch einige Bücher von Leuten, die sich weiterhin für die Nicht-Unsterblichkeit eingesetzt haben. Zum Beispiel "The Intermediate State" von Henry Grew oder "Christ Our Life", ein anonymes Traktat.

[37:06] Und dann gab es eine interessante Begebenheit, die ich kurz berichten möchte. Und zwar über einen Mann, den wir auch später noch öfter hören werden, der sich dann auch im Zusammenhang mit der Miller-Bewegung hervorgetan hat. Sein Name ist George Storrs. George Storrs ist zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre alt. Er ist seit ungefähr 10 Jahren Prediger, Wanderprediger der Methodisten. Und jemand, der in den letzten Jahren, genauso wie Joseph Bates, sich sehr für die Sklavenbefreiung eingesetzt hat. Sklavenbefreiung wird ja zu dieser Zeit eine immens hoch diskutierte Sache. Auf einige der Führer dieser Antisklaverei-Bewegung werden sogar hohe Kopfgelder ausgesetzt, wie zum Beispiel auf William Lloyd Garrison. Also, der Bates hat auch ziemlich gefährlich gelebt. Und George Storrs hat Folgendes erlebt. Er wurde nämlich wegen eines Gebets für die Sklaven festgenommen. Und zwar während des Gebetes. Was passiert ist? Bei einer Konferenz einer Antisklavereigesellschaft hat er einen Vortrag gehalten und hat dafür geworben, dass man die Sklaven freilässt. Und hat dann nach dem Vortrag ein Gebet gesprochen und hat in dem Gebet einen Segen erbeten für den Präsidenten der Vereinigten Staaten und für den Kongress und für die Sklaven. Und weil er in einem Gebet für den Präsidenten, den Kongress und die Sklaven gebetet hat, ist er noch während des Gebetes verhaftet worden. Und ist dann in eine Gerichtsverhandlung gekommen, ist aber in der Gerichtsverhandlung freigesprochen worden. Und naja, da sieht man, was für eine enorme Brisanz dieses Thema gehabt hat. Und wie gesagt, Joseph Bates, genau derselbe, war ebenfalls in dieser Zeit, in diesen Jahren, ganz heftig darin involviert. Wir werden ihn später dann mal wieder genauer unter die Lupe nehmen.

[38:52] Die andere große Bewegung momentan in dieser Zeit war ja die Mäßigkeitsbewegung. Und die war mittlerweile so populär, dass in den letzten zehn Jahren, von 1825 bis 1835, 5000 Mäßigkeitsgesellschaften entstanden sind. Und mit ihnen eine Million Mitglieder. Wenn man weiß, dass zu der Zeit die USA vielleicht, jetzt schätze ich, ungefähr 10 Millionen oder vielleicht höchstens 15 Millionen Einwohner gehabt haben, dann sind eine Million Leute, die sagen: "Wir trinken kein Alkohol mehr", eine ziemlich große Nummer. Das hat dazu geführt, dass viele Hersteller aufgehört haben, alkoholische Getränke herzustellen und den Beruf gewechselt haben. Das hat dazu geführt, dass viele Händler gar nicht mehr mit Alkohol gehandelt haben. Es sah zu jener Zeit aus, als hätte Amerika eine Chance, den Alkoholhandel fast komplett zu stoppen. Es gab in der Mäßigkeitsgesellschaft zwei Bewegungen. Da gab es die eine, die gesagt haben: "Wir verzichten auf jeden Fall auf Whisky und auf die starken alkoholischen Getränke, aber den Wein, das lassen wir nicht, und das Bier." Und dann gab es andere, die gesagt haben: "Moment mal, das ist natürlich totaler Unfug, also entweder ganz oder gar nicht." So war es im Jahre 1835, wo die berühmteste Zeitschrift der Mäßigkeitsgesellschaften, "The Temperance Record of Albany", sich jetzt eingesetzt hat für den völligen Verzicht auf alle alkoholischen Getränke. Das war nicht bei allen so, aber bei immer mehr jetzt, die sich dafür entschieden haben.

[40:26] Etwas, was auch im Jahre 1835 von großem Interesse ist, ist, dass dieser Mann, Charles Finney, einer der größten Erweckungsprediger jener Zeit, der in den Jahren zuvor die gesamte Ostküste der USA wirklich zu Christus geführt hat, dass er eine Schule gründet, die in den nächsten Jahren sehr berühmt werden wird, und zwar Oberlin College. Oberlin College war nicht nur eine Schule, die sich extrem für die Sklaven eingesetzt hat, sondern eine Schule, die dafür stand, dass man nicht mehr jahrelang irgendwelche griechischen und lateinischen Klassiker lesen muss, sondern dass man praktische Dinge lernt und neben dem Klassenstudium auch praktische Arbeit hat. Gartenarbeit, Feldarbeit, handwerkliche Arbeiten. Das war ein Konzept, was Oberlin College entdeckt hat, was später auch in der Adventbewegung eine Rolle gespielt hat. Das geht zurück auf das Jahr 1835, wo diese Erziehungsreform zum ersten Mal deutlich ausgeführt wird.

[41:28] Und weiß jemand, wer das hier ist? Der hat natürlich nicht 1835 gelebt, das sieht man schon an der Frisur. Das ist Bengel, Johann Friedrich Bengel. Und das ist der, der schon im folgenden Jahrhundert gesagt hatte, ein Württemberger Prediger, der Name wird sogar im Großen Kampf erwähnt, der im folgenden Jahrhundert gesagt hatte, Jesus würde 1836 wiederkommen. Und er hat den Pietismus in Baden-Württemberg sehr geprägt. Ich habe es schon oft gesagt, das Gegenstück zu den amerikanischen und den britischen Adventisten wären in Deutschland die Württemberger gewesen. Hier im Stuttgarter Raum gab es große Zellen und große Gruppen von sehr treuen, bibeltreuen Christen, die auf die Wiederkunft gewartet haben. Und im Jahre 1835 war da natürlich sonst was los. Die Adventbewegung in Deutschland hat vor allem auf das Jahr 1836 gehofft. Es gab auch eine ganze Reihe von Erweckungsbewegungen, nicht nur in Baden-Württemberg, auch im Rheinland und in verschiedenen anderen Gegenden. Und eine ganze Reihe von Predigern wie Lindel, Lilienstern, Leutwein, Stirling, Norke, Rohrborn und Wurm haben diese Auslegung im Volk verbreitet. Und zu dieser Zeit findet man viele Werke, die also davon sprechen: "Jesus kommt nächstes Jahr wieder." Aber es war interessanterweise ein Bayer und nicht ein Schwabe, der dann folgendes Buch geschrieben hat. Wo habe ich es? Hier, genau. Das Buch hieß "Das Ende kommt". Sein Name war Leonard Heinrich Kelber und er war früher auch ein Anhänger von Bengel gewesen. Aber im Jahre 1835, ein Jahr bevor die große Enttäuschung für die württembergischen Pietisten kommen würde, schreibt er ein Buch mit dem Titel "Das Ende kommt" und korrigiert das Datum 1836 auf 1843. Und er kennt auch und zeigt darin ganz deutlich, wo die Berechnungsfehler von Bengel waren, weil Bengel hat sich auf die Jahreszahl 666 gestürzt, die ja gar keine Jahreszahl ist. Und zeigt, dass also Bengel in vielem richtig lag, aber die Jahreszahl muss 1843 sein. Und damit ist der bayerische Schulmeister Leonard Heinrich Kelber sozusagen das Fondant zu William Miller in Amerika und zu vielen anderen in England, die wir erwähnt haben. Und sein Buch wird allerdings nicht in Bayern gedruckt, sondern in Stuttgart.

[44:03] Es war hier in Stuttgart, dass eines der wichtigsten Werke über 1843 gedruckt worden ist. Halleluja, Preis den Herrn, nicht wahr?

[44:12] Ansonsten, was sonst noch passiert, 1835 erreicht das Evangelium diesen Flecken der Erde. Das sind, weiß jemand, was das ist? Das sind die Fidschi-Inseln. Der erste Missionar kommt zu den Fidschi-Inseln. Und ebenfalls interessant, Richard Owen, einer der berühmtesten Anatomisten seiner Zeit, entdeckt das hier. Weiß jemand, was das sind? Das sind die Trichinen. In Schweinefleisch, genau. Es ist in jener Zeit, dass plötzlich den Medizinern bewusst wird, dass Schweinefleisch extrem ungesund ist. Wahrscheinlich nicht ganz zufällig in dieser Zeit. Wie auch immer, das ist, was passiert ist.

[44:52] Vielleicht noch zwei Dinge, bevor wir zum Schluss kommen. Der technische Fortschritt ist absolut überwältigend. Während es im Jahre 1830 in den USA nur 23 Meilen Schienennetz gegeben hat, 23 Meilen, gibt es im Jahre 1835 schon 1098 Meilen. Ein exponentielles Wachstum. Und das ist auch notwendig, denn Gott braucht das Schienennetz in wenigen Jahren, wie wir sehen werden. Ohne Schienennetz keine Verbreitung des Evangeliums. Und so nimmt das an Fahrt auf wie nichts Gutes.

[45:26] In Amerika gibt es noch eine Tendenz, die wir, glaube ich, letztes Mal schon angesprochen haben. In den letzten 10 Jahren sind über 50.000 irische Katholiken in die USA ausgewandert. Was dazu führt, dass immer mehr Protestanten in Amerika sagen: "Ja, Moment mal, was werden die Katholiken hier tun?" Vor allem, weil sie sich nicht besonders in die amerikanische Gesellschaft einfügen wollen. Und vor allem in den Westen ziehen, wo es auch wenig Protestanten gibt. Und so werden immer mehr Bücher geschrieben: "Wir müssen den Westen retten für den Protestantismus." Und auch das ist eine Zeiterscheinung, die dazu führt, dass der Protestantismus sehr stark bleibt in Amerika, während er in Europa nicht so sich halten kann.

[46:05] Von all dem bekommt Ellen Harmon relativ wenig mit. Zu ihrer Zeit ist sie ein kleines Schulkind und geht jetzt wahrscheinlich in die zweite oder dritte Klasse. Und zwar in dieser Schule hier in Portland. Damals war das Schulgebäude nur bis hier hin. Und das war ihr Schulgebäude. Und hier, das ist ein Park in Portland, wo sie höchstwahrscheinlich oft langspaziert ist, im Alter von sieben, acht Jahren. Nichts ahnend von dem, was um sie herum passiert. Und naja, das wird sich bald ändern.

[46:39] Denn nächstes Mal haben wir die Folge noch sieben Jahre. 1836. Und nächstes Mal wird übrigens nicht nächste Woche sein. Leider, leider, leider, leider. Die Vorbereitung für die Vortragsreihe "Magna Conflictio" machen es notwendig. Und dann natürlich auch nicht in zwei Wochen, weil dann haben wir schon "Magna Conflictio". Das heißt, und jetzt müssen wir tief durchatmen und einmal oszillieren. Diese Folge werden wir erst haben Ende November. So lange, genau. Aber bis dahin können wir alles nochmal in Ruhe zu Hause nachschauen. Und dann werden wir uns dem Endspurt der Miller-Bewegung widmen. Und wie es dann weitergegangen ist. Das wird sehr, sehr, sehr spannend werden. Und viele Geschichten, die wir noch zu erzählen haben. Und wir haben, glaube ich, heute eine ganze Menge gelernt von Miller. Und dürfen, wie jedes Mal sagen: Wir haben nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Gott ist gegen uns. Und in wenigen Minuten startet das Offenbarungsseminar. Amen.


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