[0:00] Das war die Zeit, die gerade am Umschlagspunkt war, von der alten Zeit, dem alten Mittelalter hin zur modernen Zeit. Und deswegen lohnt es sich ein bisschen, über die Zeit nachzudenken in dieser Zeit, in der William Miller groß geworden ist. Denn all das, was er in dieser Zeit aufgesogen hat, mit seinen 18 Jahren, er war ja sehr, wie wir gesehen haben, ein richtiger Bücherwurm, hat alles gelesen, was er konnte. Alles, was er mitbekommen hat, hat ihn geprägt für sein späteres Leben.
[1:08] Und dieser 15. Februar war nicht nur sein Geburtstag. Es war ja auch der Jahrestag der Gefangennahme des Papstes. 1798 war der Papst gefangen genommen worden. Und ein Jahr später hatten wir, wie wir gesehen haben, die Österreicher all die Gebiete, die Frankreich vorher erobert hatte, wieder in ihren Besitz genommen. Und jetzt war die Gelegenheit günstig. Die Römische Republik war aufgelöst worden, schon wieder. Und all das war jetzt unter österreichischer Kontrolle.
[1:37] Weiß jemand, welche Religion damals in Österreich Staatsreligion war? Das war der Katholizismus. Und so haben sich die Österreicher gedacht, jetzt, wo wir schon Italien unter Kontrolle haben, vielleicht gelingt es uns, wieder einen Papst wählen zu lassen. Und so trafen sich Anfang 1800, nicht in Rom, weil das war noch nicht möglich, das wäre noch zu auffällig gewesen, aber in Venedig, alle verfügbaren Kardinäle zu einem geheimen Konklave unter dem Schutz der österreichischen Militärmacht.
[2:10] Und sie haben lange gebraucht, weil auch den Österreichern war nicht jeder Kandidat genehm. Und nach drei Monaten ungefähr, am 14. März, dann erklang der Ruf, den wir auch bald wieder vernehmen werden, Habemus Papa. Und diesmal hatten sie folgende Person gefunden. Sein Name war Giorgio Barnabas Luigi Chiaramonti. Das ist dieser gute Mensch hier. Und er gab sich den Namen Papst Pius VII. Vorher war der Sechste ja gerade gestorben und von dem Sechsten hatte man gesagt, es wäre der Letzte gewesen. Und indem er schon sagt, Pius VII, wollte er deutlich machen, hey, es geht weiter.
[2:48] Wir sehen hier also den nächsten kleinen Schritt, wie diese tödliche Wunde, die gerade erst geschlagen worden war, schon wieder anfängt, so ein wenig zu heilen. Noch kann der Papst nicht in Rom residieren. Er kann auch keinerlei Macht, aber er ist schon mal wieder ein Papst da. Und das, wie gesagt, nur deswegen möglich, weil ja jetzt in diesem zweiten großen Koalitionskrieg, der seit letztem Jahr begonnen hatte, 1799, die Österreicher alles in ihrem Besitz hier hatten.
[3:13] Und das hatte ja schon Napoleon aufgebracht, der deswegen extra aus Ägypten angereist war, als er gehört hat, dass die Österreicher alles eingenommen hatten, all die verschiedenen Republiken soll er ausgerufen haben. Himmel, diese Trottel haben unser gesamtes, also gemeint waren die anderen französischen Generäle, die haben die ganzen Republiken wieder verloren. Und so hat er ja, wie wir gesehen haben, seine ägyptische Armee verlassen und hat die französische Revolution im Alleingang beendet und hat sich da zum mächtigsten Mann Frankreichs gemacht.
[3:46] Und nun war es sein erklärtes Ziel, diese ganzen Gebiete wieder zurückzuobern. Also es ging immer hin und her, hin und her. Und so hat er sich am 20., Verzeihung, am 5. Mai aufgemacht. Die ägyptische Armee brauchte ihn auch nicht wirklich. Die haben auch Ägypten alleine erobert, ohne ihn. Und am 5. Mai hat er sich jetzt auf den Weg gemacht, Italien zurückzuerobern. Das ist ein berühmtes Gemälde, wo man ihn sieht, wo er die französische Armee jetzt über die Alpen führt, über den verschneiten St. Bernhard Pass. 40.000 Franzosen sind ihm gefolgt.
[4:23] Am gleichen Tag hat eine andere französische Armee bei Messkirch die Österreicher geschlagen und aus Süddeutschland verbannt. Und dann ging es so richtig los. Napoleon hat die Alpen überquert, ist in die Po-Ebene gekommen, hat dann eine Schlacht bereits gewonnen. Und dann am 14. Juni, das ist eine sehr entscheidende Schlacht, wie wir gleich sehen werden, bei Marengo, am 14. Juni, schlägt er die Österreicher vollständig.
[4:53] Und in dieser Schlacht geht es um nichts weniger als um den Einfluss in ganz Italien. Und er siegt so vollständig, dass ein britischer Staatsmann später ausrufen wird, als er davon hört, klappt eure Karten zusammen, für die nächsten 20 Jahre wird sich nichts mehr ändern in Italien. Er wird 20 Jahre lang Italien beherrschen. Und das bedeutet, dass der Papst, der gerade gewählt worden ist, jetzt wieder keinen Rückhalt hat. Unter den Österreichern, die gerade in Italien geherrscht haben, konnte er gewählt werden, aber jetzt kommt Napoleon und besiegt die Österreicher, vertreibt die aus Norditalien wieder.
[5:23] Also muss der Papst wieder um sein Leben fürchten. Und es geschieht genau das, was man erwartet hat. Die Österreicher müssen jetzt Italien wieder räumen und die Franzosen stellen all die Republiken wieder her. Die Ligurische Republik und die Subalpinische Republik und die Cisalpinische Republik und all die verschiedenen kleinen Tochterrepubliken, die sie damals schon mal installiert hatten. Und so denkt man auch, dass natürlich jetzt auch die Römische Republik, die er Berthier damals geschaffen hatte, 1798, wiederhergestellt wird.
[5:53] Aber etwas Merkwürdiges passiert. Nachdem die Franzosen dann nach der Schlacht bei Hohenlinden auch die Donau überschritten haben und Turin erobert haben, gibt Napoleon den Befehl, dass die Römische Republik nicht wiederhergestellt werden soll, sondern dass man den Papst nach Rom lassen soll. Da waren alle ziemlich erstaunt. Das hätte keiner erwartet. Und keiner weiß genau, warum Napoleon sich geändert hat in seinem Denken.
[6:22] Fakt ist, im Juli sah die Welt zwei Triumphzüge. Am 2. Juli ging Napoleon im Triumphzug nach Paris als Held von Marengo, der Italien zurückerobert hat. Und eine Woche später, am 9. Juli, kam Papst Pius VII. im Triumphzug nach Rom eingezogen. Sozusagen mit dem Segen von Napoleon. Also wirklich was Großartiges hat er bisher nicht geleistet. Warum er im Triumphzug eingemarschiert ist, weiß ich nicht. Aber das war vor allem ein bisschen merkwürdig.
[6:56] Und da zeigt sich wieder so ein wenig dieses Prinzip des Heilens der Wunde. Auch wenn natürlich der Papst jetzt einzig und allein auf Gedeih und Verderb abhängig ist von Napoleon. Mit anderen Worten, nur weil Napoleon ihn lässt, darf er jetzt nach Rom. Und Napoleon gibt sogar ein Edikt heraus und sagt, der Papst soll nicht angetastet werden. Er soll jetzt weiterregieren. Und er hat natürlich keine politische Macht so und keine staatliche Macht, aber er soll jetzt die katholische Kirche weiterführen. Und es scheint so zu sein, dass Napoleon den Papst als Verbündeten haben wollte, wie wir gleich sehen werden.
[7:37] Und am 22. Juli betritt dann Papst Pius VII. auch den Vatikan und beginnt wieder mit dem Gottesdienst in der katholischen Kirche. Und all die Rituale beginnen wieder von vorne. Machen wir hier gleich eine kurze Pause in Europa und springen dann ganz schnell nach Amerika. Denn im Sommer 1800 passierte etwas sehr Wichtiges hier an der Westgrenze von Amerika in Kentucky, dort wo der Wilde Westen war. Wir hatten ja schon letztes Mal gesehen, dass dort so die ersten kleinen Erweckungsbewegungen stattfanden.
[8:14] Und hier im Juli 1800 fand das erste offizielle organisierte Campmeeting statt. Wir haben glaube ich kurz letztes Mal schon darüber gesprochen, über die ersten inoffiziellen Campmeetings. Und hier wurde ein erstes von der presbyterianischen Kirche organisiert. Das ist ein Bild von einem anderen, einige Jahre später. Aber so muss man sich das vorstellen. Diese Campmeetings bedeuteten, dass zigtausend Menschen irgendwo in den Wald gezogen sind für einige Tage.
[8:42] Die haben dann solche großen Zelte aufgestellt. Und diese Zelte waren nicht nur für einzelne Familien, wie man es heute vielleicht von Zeltlagern kennt. In diesen Zelten haben manchmal ganze Gemeinden geschlafen. Schauen wir uns mal vor, Gemeinde Stuttgart-Vatikan-Stadt hat ein großes Zelt, alle schlafen da drin. Weiß nicht, ob das eine schöne Vorstellung ist. So war das damals. Manchmal haben ganze Ortschaften in so einem Zelt geschlafen. Und dann wurde so ein Holzverschlag aufgebaut. Und dann wurde da gepredigt.
[9:08] Jetzt, Kentucky war also wirklich, wie wir gesehen haben, am äußersten Ende der Zivilisation. In ganz Kentucky lebten ungefähr 220.000 Menschen. Und bei diesen Campmeetings kamen regelmäßig bis zu 20.000, manchmal sogar mehr als 20.000 Menschen, die dort sich versammelt haben, Predigten gehört haben. Es gab ja meistens keine Kirchen in den Ortschaften. Da waren sie froh, wenn jetzt reisende Evangelisten von den Presbyterianern, von den Methodisten kamen und gepredigt haben, Erweckungspredigten gehalten haben.
[9:35] Und man sagt, dass dieses Campmeeting 1800 so der offizielle Startpunkt sozusagen ist. Ich meine, man kann das nicht so genau festlegen auf ein Datum. Man sagt, dass dieses Campmeeting 1800 der Startpunkt war für The Great Revival, die große Erweckung, die die nächsten 30 Jahre ganz Amerika wie sagt man, ergriffen hat. Was ganz besonders charakteristisch ist, sind die Lieder auf diesen Campmeetings. Während man ja in den großen Kirchen zu der Zeit meistens so einen liturgischen Singsang gehabt hat, wird auf diesen Campmeetings mit Feuer und mit Seele gesungen.
[10:13] Man singt ganz einfache Volkslieder, dichtet meistens etwas raue Verse dazu und wenn dann 20.000 singen, dann hat das wahrscheinlich fast geklungen wie im Fußballstadion. Aber allein deswegen waren diese Campmeetings so beliebt. Und das war wohl ganz, ganz großartig. Oftmals sind nicht nur Leute gekommen, die das Christentum interessiert hat, sondern auch ganz andere, die einfach nur aus Kuriosität da waren und dann auch noch gleich bekehrt wurden, weil es einfach so spannend war, mit so vielen Menschen gemeinsam an einem Ort zu sein.
[10:41] Und diese Campmeetings waren also sehr erfolgreich. Es hat sich wie ein Flächenbrand ausgeweitet. Noch ein bisschen was zu zu Amerika und der der Prophetie. Ein interessantes Buch, das im September 1800 geschrieben worden ist, war ein Buch über die Prophezeiung von Benjamin Farnham. Und er war einer der ersten, der versucht hat, die 2300 Abend und Morgen auszulegen. Nachdem jetzt also diese 1260 Tage aus Daniel 7, aus Offenbarung 12 und so weiter beendet waren in 1798, hat sich der Fokus der meisten Prophetieausleger jetzt gelenkt auf Daniel 8, auf diese 2300 Abend und Morgen.
[11:23] Keiner wusste so richtig, wie man sie berechnen sollte, weil da gibt es ja keinen Anfang, nicht wahr? In Daniel 8, jeder der schon mal studiert hat, und wer es nicht studiert hat, der sei auf unseren Vortrag auf Joelmedia verwiesen. Jeder, der schon mal studiert hat, weiß, dass diese 2300 Abend und Morgen in Daniel 8 keinen Anfangszeitpunkt haben. Und so gibt es unterschiedliche Auslegungen. Und dieser Benjamin Farnham glaubt, dass 1819 schon das Ende kommen würde. Er hat ein Buch darüber geschrieben und er glaubt auch, dass Offenbarung 11 die französische Revolution darstellt und dass wir bald das Millennium haben werden. So sagt er.
[11:59] Im Herbst gibt es einige politische Veränderungen. Thomas Jefferson wird als dritter Präsident gewählt und dann wird dieses Haus eingeweiht. Weiß jemand, was das für ein Haus hier ist? Sieht aus, als ob es mitten in der Prärie ist, nicht wahr? Das ist das neue Regierungsgebäude. Das ist das Kapitol in Washington DC. Und das war Washington DC im Jahre 1800. Dazu vielleicht mal eine kleine Statistik über die Stadtgröße oder die Größe von Städten in Amerika zu der Zeit. New York hatte zum Beispiel knapp 80.000. Kennt jemand eine Stadt mit 80.000 in Deutschland? Das ist eher so eine Mittelstadt heutzutage. Hat Ludwigsburg 80.000? Esslingen vielleicht. New York war so groß wie Esslingen ungefähr. Philadelphia 41.000, Baltimore und so weiter. Und Washington hatte genau 3.210. Das sind weniger als in Obertürkheim. Bisschen mehr als in Uhlbach. Also Washington war wirklich ein Dorf. Das war ein Dorf.
[13:01] Und wenn man dann überlegt, dass dort 20.000 auf einem Campmeeting waren, dann bekommt man erst eine richtige Vorstellung. Das waren also ganze Großstädte, die da versammelt waren. Das sind die Relationen. Also 5,3 Millionen lebenden in ganz Amerika. Ich glaube, das sind weniger als in Baden-Württemberg, oder? Also wenn man die gesamte Gesamtbevölkerung von Baden-Württemberg hier auf diese ganzen 16 Staaten verteilt, dann hat man ungefähr so die Bevölkerungsdichte von Amerika zu der Zeit. Da gab es viel Platz. Viel Wald und viel Wildnis. Ja, so war das.
[13:38] Das Jahr ging zu Ende noch ein bisschen mit Krieg in Europa. Die Franzosen griffen erneut an und haben jetzt sogar Österreich angegriffen, direkt auf ihrem eigenen Territorium in der Schlacht von Hohenlinden. Haben die Franzosen die Österreicher so vollständig besiegt, dass die Österreicher zum Teil panisch weggelaufen sind. Und der österreichische Kaiser hat Angst bekommen, dass wenn er nicht bald Friedensverhandlungen anstrebt, sogar Wien eingenommen wird. Und so wurde schon bald ein Waffenstillstand vereinbart.
[14:11] Und am 25. Dezember kam es dann zum Waffenstillstand. Hier sehen wir so rot eingefärbt all das, was Frankreich unter Napoleon in diesem einen Jahr wieder zurückerobert hat oder neu erobert hat. Recht gewaltig, nicht wahr? Der Mann hatte einiges drauf militärisch und das hat natürlich seine Position auch in Frankreich sehr gestärkt. Die waren alle ganz stolz auf ihn. Und auch seine Position in Europa. Die Österreicher haben schnell Frieden mit ihm geschlossen. Ganz genau.
[14:42] Vielleicht noch einige zusätzliche Hinweise zum Jahr 1800. Es gab noch einige Bücher, die jetzt zum Beispiel dieses Buch haben wir glaube ich letzte Woche schon angeschaut, wo ein Londoner Anwalt ganz deutlich festgestellt hat, dass 1798 das Ende der 1260 Jahre sind. Das wurde jetzt in Amerika auch gedruckt. Und so gab es immer mehr Publikationen in Amerika. Verschiedene Magazine, die herausgebracht wurden, die sich jetzt der Prophetie gewidmet haben. Ein interessantes, aber das können wir lassen, ist jetzt nicht so wichtig. Gehen wir gleich ins Jahr 1801.
[15:22] Das hier ist Timothy Dwight und er war Präsident von der Yale damals war es noch College, heute ist es University. Weiß jemand, was Yale University ist? Eine der Elite-Universitäten Amerikas. Schon damals gewesen. Und gerade die intellektuellen Eliten von Amerika waren natürlich völlig durchseucht mit der ganzen Philosophie der Französischen Revolution und dem Deismus, den wir angesprochen haben, dem Atheismus. Man sagt, dass es kurz vor 1800 es kaum noch einen Christen gab an diesen Elite-Universitäten.
[15:59] Und dann kam Timothy Dwight, er wurde Präsident dieser Universität und er war ein Prediger, er war ein Evangelist und ein Bibelausleger. Und er hat es fertiggebracht, dass dieses und viele andere Universitäten wieder christlich wurden. Und die Erweckung nicht nur am Rande der Zivilisation bei der Landbevölkerung stattfand, sondern auch unter den intellektuellen Amerikas. Hier haben wir ein Buch, eine Predigt, der er gehalten hat. Und er sagt hier etwas Interessantes.
[16:30] Von all den Erweckungen, oder von der letzten dieser Erweckung, also er spricht von der Erweckung, die gerade stattfindet, dieser Great Revival, sagt er, diese, die gerade existiert, eine von der es wichtig ist, dass man es bemerkt, dass sie absolut oder fast vollständig frei ist von jeder Extravaganz, von jeder Übertreibung. Es ist eine echte, wirkliche christliche Erweckung, die stattfindet, auch an seiner Universität.
[16:53] Und weiter später sagt er hier diese entscheidende Frage, er sagt, wenn wir das alles anschauen, wie die Gesellschaft ist, wie alle, wie viele Meinungen, die früher mal Standard waren, weggeworfen werden, wenn so viel Sensualität und Gewalt und all diese Dinge jetzt plötzlich in der Welt stattfinden, was soll das Ende dieser Dinge sein? Das ist ein Zitat aus Daniel 12, die Zeit des Endes, was was soll das Ende sein?
[17:21] Und dann sagt er etwas Interessantes, er sagt, die gegenwärtige Zeit ist zumindest in meiner Ansicht ausdrücklich dargestellt in der Prophetie als eine Zeit der außergewöhnlichen Verführung, Sünde und Feindschaft gegen die Religion und gegen ihren Autor. Und dann beschreibt er dann die verschiedenen Symbole der Offenbarung und ihre Auslegung und so weiter. Also die haben sich wirklich intensiv mit der Prophetie beschäftigt und die wussten, sie leben in einer besonderen Zeit, sie wussten, diese letzte Zeit hat angebrochen. Was genau kommen würde, das konnten sie noch nicht wirklich sehen, aber sie hatten alle dieses Gefühl, wir haben gerade so die Schwelle überschritten zur Endzeit, spannende Zeit, in der wir leben.
[18:05] Am 9. Februar 1801 ist dann Frieden geschlossen worden und so sah Europa jetzt aus nach dem Friedensschluss von Lüneville. Österreich und Frankreich haben Frieden geschlossen, all die verschiedenen Republiken wurden wiederhergestellt, die Österreich, äh, Verzeihung, die Frankreich unterstellt waren, aber wie gesagt, der Kirchenstaat blieb jetzt bestehen. Der war auch ein bisschen abhängig von Frankreich natürlich, aber er war eigenständig.
[18:28] Der einzige Kriegspartner, Russland war ja schon neutral geworden, Österreich hat Frieden geschlossen mit Frankreich, der einzige Kriegspartner, der noch übrig blieb, waren die Briten. Die waren Dauerkriegspartner mit den Franzosen, die mögen sich gar nicht, nicht wahr? Briten und Franzosen. Und die haben jetzt angefangen Ägypten anzugreifen, weil daher waren ja die Franzosen, nicht wahr? Und sind dann gelandet, am 8. März haben dann sogar einige Städte eingenommen.
[18:57] Und in dieser Zeit fällt dann die Amtseinführung vom dritten Präsidenten der USA, das ist sein Name, Thomas Jefferson ist jetzt offiziell Präsident und das hier ist der neue Zar von Russland und das wäre eigentlich nicht so wichtig, wenn es da nicht eine interessante Geschichte darum gibt. Er ist, ähm, Alexander I. und sein Vorgänger, der wurde nämlich am 23. März 1801 ermordet und es ist deswegen so interessant, weil sein Vorgänger, Paul I., der Erste war in der modernen Zeit, der den Jesuitenorden wiederhergestellt hatte.
[19:32] Vielleicht ganz kurz dazu, der Jesuitenorden war 1773 verboten worden und zwar vom Papst selbst. Der Jesuitenorden war ja mal gegründet worden in der Zeit der Reformation, um die Protestanten zurückzuholen zur katholischen Kirche. Das liebste Kind sozusagen des Papstes und sie waren dem Papst zu absoluter Treue geschworen, aber sie hatten es mit der Zeit so weit übertrieben, dass sogar die katholische Kirche den Jesuitenorden verboten hatte, 1773.
[19:58] Und selbst zu diesem Zeitpunkt war der noch verboten, hat nur im Geheimen operiert, aber in Russland hat der Zar sie schon wieder hergestellt, weil er wusste, er kann politisch auf sie zählen. Für seine politischen Machenschaften kann er den Jesuitenorden gebrauchen und so war das das erste Land, wo die Jesuiten wieder offiziell agieren durften, wir werden in den nächsten Folgen sehen, da kamen ganz schnell mehr Länder dazu.
[20:23] Ansonsten waren, wie gesagt, die Briten jetzt in Kriegslaune. Sie hatten auch Angst gehabt, weil sie jetzt der einzige Gegner waren von Frankreich. Alle anderen waren entweder im Frieden oder waren neutral. Und wenn, also Preußen war neutral, Russland war neutral, Schweden war neutral, Dänemark war neutral und alle, die neutral waren, könnten ja potenzielle Verbündete Frankreichs werden. Und da hat man sich überlegt, naja, bevor die uns angreifen, greifen wir die an.
[20:48] Und von all denen, welcher ist wahrscheinlich der einfachste Gegner gewesen? Schätzen, wer ist von allen eins, zwei, drei... der leichteste Gegner? Die hier. Denen. Dänemark. Da hat man sich angegossen, greifen wir mal die Dänen an. Der Admiral Nelson soll wohl gesagt haben, das Land ist sowieso viel zu klein, um eine große Flotte zu haben. Und so hat man einfach an einem Tag am 2. April die gesamte Flotte Dänemarks vernichtet. Das ist die gesamte englische Flotte gekommen, ist nach Kopenhagen geschippert, hat sich dahingestellt und hat dann die gesamte Flotte Dänemarks einfach vernichtet.
[21:29] Das war eine interessante Zeit, nicht wahr? Kriegerisch. Auch Amerika war in Kriegslaune. Es gab hier in Nordafrika eine Reihe von Staaten, die lose mit dem Osmanischen Reich verbunden waren. Das waren größtenteils Piratenstaaten. Hier so in Algier und in Tripolis. Das waren alles Staaten, die haben dann im Mittelmeer immer Piraterie betrieben und gegen die hat dann Amerika Krieg geführt mit Schiffen im Mittelmeer.
[21:57] Aber jetzt kommen wir noch, genau, hier haben wir noch zwei Seeschlachten, die sind jetzt nicht so wichtig, in der Nähe von Gibraltar. Einmal haben die Franzosen gewonnen, einmal haben die Briten gewonnen, das ging immer ein bisschen hin und her. Aber hier kommt ein wichtiges Ereignis. Am 15. Juli 1801 kommt es zu einem Vertrag und zwar zwischen den beiden interessantesten Männern der damaligen Zeit, nämlich zwischen Napoleon und dem Papst.
[22:29] Das Konkordat von 1801 stellt die katholische Kirche in Frankreich wieder her. Nun, es ist nicht besonders schmeichelhaft für den Papst, er muss nämlich zugestehen, dass Napoleon alle Kardinäle, also alle Bischöfe, einsetzt und dass Napoleon nicht nur den Katholizismus zulässt, sondern auch alle Religionen sonst. Aber es zeigt zumindest, dass der Papst wieder so ein bisschen wahrgenommen wird als politische Macht.
[22:56] Und spätestens seit dem Zeitpunkt fangen mehrere Beobachter an zu überlegen, hey, Moment mal, da ist doch was geschrieben von der tödlichen Wunde, die wieder heilen soll. Und das war natürlich viele ziemlich aufgeregt, dieses Konkordat. Aber im Grunde genommen blieb dem Papst nichts anderes übrig. Wenn er sich geweigert hätte, hätte Napoleon ganz schnell einsacken können, wie das Berthier einige Jahre zuvor auch gemacht hat. So war er im Prinzip jetzt nicht wieder in alter Machtstellung, sondern war im Prinzip wie eine Marionette des Napoleon. Aber er war jetzt da und das war schon ein wichtiger Punkt.
[23:40] Gehen wir wieder in den Sommer. Sommer 1801, die Erweckung in Amerika geht über alle Grenzen weg. Wir haben hier ein kurzes Zitat, aber es ist auf Englisch nur. Da heißt es, die Straßen waren regelrecht überfüllt mit Wagen und mit Kutschen und mit Pferden und mit Menschen, also Reitern und mit Fußgängern, die alle zu diesen Zeltlagern marschiert sind. Und es heißt hier, dass bei militärischen, also bei Militärsoldaten, die da auch in der Gegend waren, man geschätzt hat, dass da zwischen 20.000 und 30.000 Leute allein bei einem Zeltlager gewesen sind. Können Sie sich das vorstellen?
[24:21] Auf diesem Campmeeting in Kentucky haben gleichzeitig vier bis fünf Prediger gepredigt, heißt es hier, und es gab trotzdem keine Verwirrung. Und zwar nicht nur Presbyterianer, sondern Methodisten und Baptisten. Das war so ein bisschen fast wie so eine ökumenische Bewegung. Aus allen Kirchen kamen sie zusammen und haben gepredigt, und da wurden viele, viele Menschen bekehrt. Und sie haben gesungen, waren vereint im Gebet und es gab ein paar Übertreibungen.
[24:50] Gerade bei diesem Lager gibt es ein paar Berichte, dass es soll wohl einige Predigten gegeben haben, wo plötzlich auch Leute dann in Trance gefallen sind. Die waren das vielleicht nicht gewohnt. Vielleicht war es auch ein bisschen übertrieben an manchen Stellen. Es gibt auch Berichte von Leuten, die angefangen haben nach hinten zu fallen und so weiter. Also es war so ein bisschen an der Kippe. Es war viel echte Erweckung dabei und an manchen Stellen gab es auch so ein bisschen Hysterie und Übertreibung.
[25:17] Und es hat dazu geführt, dass manche Kirchen sich ein bisschen davon distanziert haben. Vor allem die Presbyterianer haben gesagt, nee, das ist uns vielleicht doch ein bisschen zu heiß. Das geht nicht mehr mit rechten Dingen hierzu. Aber die Methodisten haben das aufgenommen und die Methodisten haben die Campmeetings in ganz Amerika verbreitet. Und das ist der Grund, warum bis heute die Methodisten die größte Kirche Amerikas sind. Die haben in dieser Zeit unglaublich viele Menschen gewonnen. Genau.
[25:42] Schauen wir uns das hier an. Es kam dann im im August, im ersten Oktober zu einem Waffenstillstand zwischen England und Frankreich und auch ein Friedensvertrag, ein richtiger Friedensvertrag zwischen Frankreich und Russland. Die Welt ging so ein bisschen Richtung Frieden, vor allem in Europa. Und jetzt möchte ich noch vielleicht eine Person anschauen, die unglaublich wichtig ist für die Adventbewegung, obwohl sie kaum einer kennt. Weiß jemand, wer das hier ist? Wer das interessante Buch der große Kampf gelesen hat, weiß nicht, wer das gelesen hat. Ich kann es nur empfehlen. Buch der große Kampf, ein wunderbares Buch. Der wird über diesen Namen gestolpert sein. Da wird er kurz erwähnt.
[26:23] Das ist Lacunza. Und Lacunza stirbt im Jahre 1801. Das heißt, von all dem, was die Adventgeschichte mit sich bringt, kriegt er gar nichts mit. Aber es ist eine der wichtigsten Gründungs- oder Denkfeder der Adventgeschichte. Und das kommt so. Lacunza war schon 1731 geboren worden in Chile. Also er war ein Chilele. Und er war Jesuit. Jetzt kann man sich die Frage stellen, was hat ein Jesuit mit der Rennbewegung zu tun? Und hier sieht er es auch. Hier ist sein Bild. Es steht Gesellschaft Jesu Christi. Er war ein Jesuit.
[27:02] Und schon 1767 war der Jesuitenorden von den Spaniern verboten worden. So musste er Chile verlassen. Chile war ja damals eine spanische Kolonie, ganz Südamerika. War eingeteilt in spanische Kolonien und portugiesische Kolonien. Und er musste nach Europa fliehen. Kam dann nach Italien. Dort ist ja der Jesuitenorden auch verboten worden. Und was soll man machen als Jesuit, wenn der Orden verboten ist? Entweder man arbeitet im Geheimen weiter. Aber er hat sich gesagt, nein, das mache ich nicht. Ich verlasse die Welt, gehe in ein Kloster und widme mich dem Studium.
[27:34] Und er hat sich dann eine Bibel genommen und alle Kommentatoren, die er finden konnte. Und die die katholischen Bibliotheken sind reich an Büchern. Er hat wohl gesagt, er hat wahrscheinlich mehr als tausend Bücher gelesen. Sämtliche Kirchenväter. Sämtliche Kommentatoren. Damit hat er 1772 angefangen. Aber nach sieben Jahren hat er festgestellt, das ist wohl besser, als wenn er nur die Bibel liest. Er hat ab 1779 nur noch die Bibel gelesen.
[28:01] Und als er das gemacht hat, er hat mit keinem Menschen ja großartig gesprochen. Er hat nur die Bibel gelesen und wenn er was nicht verstanden hat, hat er gebetet. Stundenlang gebetet und die Bibel studiert. Und er hat etwas entdeckt, was für ihn absolut revolutionär war. Nämlich, dass das Millennium noch zukünftig ist. Seit Augustinus hat jeder einzelne katholische Theologe gelehrt und gelehrt bekommen, dass die katholische Kirche selbst das Millennium ist. Also seit der Papst im Mittelalter seine Macht bekommen hat, herrscht das Millennium. Das Gottesreich auf Erden.
[28:37] Und er ist der erste seit über tausend Jahren katholische Theologie, der die Bibel liest und sagt, Moment mal, das Millennium kommt ja noch in der Zukunft. Und bevor das losgeht, gibt es eine Wiederkunft. Das war völlig von den Socken. Und er hat dann nochmal die Kirchenväter studiert und hat festgestellt, dass alle Kirchenväter vor Augustinus das auch so gesehen haben. Dass erst Augustinus damit angefangen hat zu sagen, naja, das Mittelalter, also die Kirche selbst ist das Millennium. Und das hat ihn ziemlich von den Socken gehauen.
[29:07] Und er hat ein Manuskript verfertigt, er hat nicht mal ein Buch geschrieben, nur ein Manuskript. Das heißt auf Spanisch, wir haben es, es ist ein Originalmanuskript hier eingescannt, La Benida del Messias en Gloria y Majestad. Oder so ähnlich, ich kann kein Spanisch. Observaciones, nicht wahr? Beobachtung. Und er hat das alles aufgeschrieben. Er hat auch weiter Daniel und Offenbarung studiert und er ist sogar zu dem Schluss gekommen, als Jesuit, dass die Hure aus Babylon die katholische Kirche ist. Allein durch Bibelstudium.
[29:37] Er ist zu dem Schluss gekommen, dass der falsche Prophet die römische Priesterschaft sein muss. Und er ist sogar zum Schluss gekommen, dass Eisen und Ton das geteilte Europa sind. Er wusste natürlich, dass wenn er das schreibt als Jesuit, ist sein Kopf kürzer. Also hat er sich einen Namen gegeben, er hat sich genannt Josefa de Benesse. Er hat also vorgegeben, er wäre ein Jude, der zum Christentum bekehrt ist. Und unter diesem Pseudonym hat er das hat er das veröffentlicht.
[30:03] Das war schon geschrieben 1791. Und als er 1801 tot war, gab es immer noch kein gedrucktes Buch. Es gab es nur als Manuskript, es wurde aber abgeschrieben wie sonst was. Es hat sich verbreitet, es wurde in Südamerika gelesen, es wurde in Spanien gelesen, es wurde in Italien gelesen, in den ganzen katholischen Ländern, wo ja sonst die ganzen protestantischen Prophetieausleger gar nicht hinkamen. Ich meine in England und in Amerika, wo die Protestanten die Kontrolle hatten, war Prophetieauslegung selbstverständlich, aber in den katholischen Ländern gab es das gar nicht.
[30:31] Und das war eine totale Bombe. Es ist vor allem besonders von Geheimgesellschaften gern gelesen worden, die unzufrieden waren mit der mit der gegenwärtigen Lage. Und naja, so hat er diese Theorie angenommen. Und das Interessante ist, dass jetzt zu dieser Zeit selbst die meisten Protestanten nicht mal mehr an das biblische Millennium geglaubt haben. Die meisten Protestanten hatten ja eine Theorie angenommen, die sagt, das Millennium ist ein Friedensreich hier auf der Erde und Jesus kommt erst nach dem Millennium wieder. Erstmal werden sich die Juden bekehren und die Heiden werden sich bekehren und dann wird es Frieden geben.
[31:03] Ich glaube, wir haben letzte Woche schon kurz darüber gesprochen. Das war so die gegenwärtige Vorstellung bei den Protestanten. Und Gott hat einen Jesuiten benutzt, der 30 Jahre die Bibel studiert hat, nicht nur, um die Katholiken auf diesen Punkt zu bringen oder sie dahin zu zu führen, dass Jesus bald wiederkommt, sondern auch viele Protestanten. Das Werk wurde bald in viele Sprachen übersetzt. Wir werden es in den nächsten Wochen noch sehen und hat dann etliche Prophetieausleger, vor allem in England, beeinflusst.
[31:28] Aber das war nicht das Einzige, was 1801 eine wichtig war in Bezug auf biblische Lernung. Es gibt noch zwei andere Ereignisse, die sehr, sehr spannend sind. Das andere hat das Erste zu tun mit dem biblischen Ruhetag. Und zwar wurde 1801 die Generalkonferenz der Siebenten Tags Baptisten gegründet. Lustig, oder? Zum gleichen Zeitpunkt. Die hat es schon über 100 Jahre in Amerika gegeben. Die fingen an mit fünf Leuten. Und dann hatten sie 100 Jahre lang schon in Amerika sich versammelt. 1801 waren es immerhin schon 1031 Gläubige, die glaubten, dass der Ruhetag nicht der Sonntag, sondern der Samstag ist. Sie hatten acht Kirchen, neun Pastoren und wie gesagt, 1801 haben sie ihre eigene Denomination gegründet.
[32:15] Und das andere hat zu tun mit dem Zustand der Toten. Da gab es nämlich Aber Entschuldigung, das ist hier noch die, habe ich vergessen zu zeigen, das ist die Kirche, wo Lacunza begraben liegt in Imola. Das andere hat zu tun mit dem Zustand der Toten und mit diesem netten Herrn hier. Er heißt Dr. Joseph Priestley. Er ist besser bekannt als ein Wissenschaftler, der den Sauerstoff erfunden hat. In diesem Zimmer hat er den Sauerstoff erfunden. Erfunden hat ihn jemand anderes, nämlich Gott. In diesem Zimmer soll er den Sauerstoff gefunden haben, entdeckt haben. Also den Stoff.
[32:46] Aber er war nicht nur ein brillanter Wissenschaftler, er war auch jemand, der sich für die Bibel interessiert hat und weil er Wissenschaftler war, konnte er sich so wirklich sich anfreunden mit dieser Idee von einer unsterblichen Seele. Und so schrieb er ein Buch, es heißt An Enquiry into the Knowledge of the Ancient Hebrews concerning a future state, also eine Untersuchung des Wissens der alten Hebräer bezüglich des zukünftigen Stadiums oder was nach dem Leben passiert.
[33:15] Und er hat damals die Position eingenommen, dass der Mensch keine unsterbliche Seele hat, sondern dass er, wenn er tot ist, schläft und dass dann am Ende der Zeit die Bösen endgültig vernichtet werden. Und das war für die meisten Christen so der Schock, die haben gedacht, dass er ein Deist ist oder ein Atheist, weil er nicht an die unsterbliche Seele glaubt. Er ist mehrmals sogar fast ums Leben gekommen in Attacken, weil man ihn für einen Ungläubigen gehalten hat. Aber das waren die Zeiten. Damals ging das so los.
[33:48] Ganz wenig noch zu den letzten beiden Jahren, da haben wir weniger. In 1802 den Mann kennen wir schon, das war der Präsident von Yale. Timothy Dwight berichtet im Juli 1802 von einer Erweckung, die Erweckung, die durch ganz Amerika geht, hat jetzt seine Schule erfasst und er berichtet, dass in diesem Jahr sich ein Drittel aller Studenten bekehrt haben. Kann man sich das vorstellen? Wenn heute an einer Elite-Universität sich jeder dritte Student bekehren würde, also bekehren wirklich, also eine echte, zum echten Bibelchristentum, nicht nur zum Namenschristentum. Allein 30 Studenten wollten Prediger werden.
[34:26] Und das zeigt so diese Aufbruchsstimmung, geistlich gesehen, die dort herrschte. Das Jahr 1802 war geprägt vom Frieden, denn am 27. März hat sogar Britannien mit Frankreich Frieden geschlossen. Und zum ersten Mal seit zehn Jahren gab es Frieden in ganz Europa. Es gab keinen Krieg mit keiner einzelnen Partei. Und die Franzosen haben dann Ägypten wieder geräumt. So war es eigentlich eine Zeit, in der das Evangelium sich ausbreiten konnte.
[35:01] Wie gesagt, es gab Erweckungsveranstaltungen überall. Und auch Napoleon dachte, die Zeit ist günstig. Vielleicht noch für eine wichtige Entscheidung, nämlich ob man mich mal abwählen sollte oder ob ich auf Lebenszeit erster Konsul bleiben soll. Und so hat er eine Wahl veranstaltet, hat auf den Stimmzettel schreiben lassen, so nach dem Motto wollt ihr mich für immer? Und drei Millionen haben Ja gesagt, unter 1600 Nein. Er war sehr populär. Und so war er quasi Diktator jetzt geworden. Innerhalb kürzester Zeit mit seinen militärischen Mitteln.
[35:35] Es wäre so schön gewesen, das Jahr hätte so ein friedliches Jahr sein können, wenn es da nicht die Schweizer gegeben hätte. Die Schweizer, die hatten ja schon 1798 ihre eigene Republik bekommen von den Franzosen. Aber die konnten mit dieser eigenen Republik nichts anfangen. Weil die Schweizer haben ja so eine besondere Identität mit ihren ganzen Kantonen, nicht wahr? Sie sind eine Eidgenossenschaft, aber zu einen eigenständigen Staat wollen sie ihn auch nicht haben. Und 1798 war dieser eigenständige Staat geschaffen worden und innerhalb von vier Jahren haben sie es geschafft, vier Staatsstreiche zu haben. Kein Mensch sieht da richtig durch.
[36:06] Jedenfalls 1802 gab es eine größere Revolution in der Schweiz. Und weil bei dieser Revolution Knüppel verwendet wurden, die im Schweizerdeutsch Steckli heißen, heißt es auch der Steckli-Krieg. Da sieht man, wie sie kämpfen. Aber die Franzosen sind dann einmarschiert, haben dem Ganzen ein Ende bereitet und haben gesagt, wir nehmen jetzt das Ruder in die Hand und haben dann kurze Zeit später auch die Schweizer Republik aufgelöst und haben dann sozusagen einfach die Schweiz besetzt. Genau, das haben wir.
[36:40] Das ist noch interessant. 1802 erscheint auch ein theologisches Wörterbuch. Die haben immer so lange Titel gehabt, nicht wahr? Ein ganz besonderes Kennzeichen der damaligen Zeit, dass die theologischen Bücher immer ewig lange Titel hatten. Von Charles Burke. Und in diesem Wörterbuch sagt er etwas ganz Interessantes. Das ist ja ein Artikel über den Mahometanismus, also den Islam. Und neben vielen anderen Informationen hat er auch einen Abschnitt über das Ende des Islam. Wie es nach der Prophezeiung bald kommen würde.
[37:17] Und da schreibt er natürlich, es ist schwer etwas zu sagen über Dinge, die noch nicht gekommen sind und so weiter und so fort. Aber dann sagt er, wir haben einen Grund zu glauben, dass auch diese Prophezeiung sich erfüllen wird. Er beschreibt, wie in der sechsten Posaune da 391 Jahre stattfinden sollen bis zum Ende der türkischen Macht. Und da hat er vollkommen recht. Das war übrigens damals bei allen protestantischen Auslegern ganz klar die sechste Posaune, fünfte, sechste Posaune, sprechen vom Islam.
[37:48] Und dann sagt er etwas Interessantes, er sagt, wenn man sie dann ausrechnet, die 391 Jahre, bringen sie uns wohin? 1844. Nun, er hat natürlich nicht recht gehabt, aber es ist das erste Mal, dass dieser Jahreszahl 1844 im Zusammenhang mit Endzeit-Prophezeiung hier auftaucht. Und er sagt, oder ungefähr so um die Zeit herum. Er gibt nicht genau an, wie er darauf gekommen ist, aber er hat schon mal diese Ahnung, dass da wird irgendwas passieren. Und er sagt, aber es ist natürlich unsicher und wir wissen es nicht genau und man sollte jetzt nicht zu dogmatisch drüber sein.
[38:16] In der Zeit im Dezember 1802 begann auch eine Zeitschrift zu erscheinen in England, der sogenannte Christian Observer und die haben jeden Monat Artikel über Prophetie gemacht. Kann man sich vorstellen? Jeden Monat gab es da jetzt Artikel, die in England und Amerika erschienen, über den Islam, dass der Islam bald, dass das Osmanische Reich bald untergehen würde und dass der Papst und das kleine Horn ist aus Daniel 7 und all das, was wir in unseren Prophetie-Seminaren behandeln, das stand da in diesen Zeitungen. Monat für Monat.
[38:51] Und dann kommen wir zu dem Jahr 1803 und da kommen wir zu einer ganz besonderen Geschichte, ganz zum Ende. Am 2. Januar, muss noch kalt gewesen sein, da schreibt ein 20-Jähriger in sein Tagebuch, möge dieser Tag, möge man sich immer daran erinnern, dass an diesem Tag, der Sonntag, am Nachmittag des 2. Januar, ich mich verbunden habe mit Frau, oder Miss, Lucy Smith aus Pulteney. Willy Miller, 20 Jahre alt, schwer verliebt, wie heißt es, er, nicht verheiratet, er verlobt sich, genau.
[39:39] Er verlobt sich mit der gleichaltrigen Lucy Smith aus Pulteney, die wohnte sechs Meilen, also ungefähr neun Kilometer entfernt von ihm, auf der anderen Grenze, auf der anderen Seite der Staatsgrenze in Vermont. Und dann sagt er, bei diesen Geschenken möchte ich mich mit ihr verbinden und sie mich mit mir bis unserem Tod, bis der Tod uns scheiden soll, und in Klammern, wenn wir davon ausgehen, dass sie die gleiche Meinung hat wie ich. Und da setzte ich meine Hand und mein Siegel drunter.
[40:09] So wurden also Hochzeitsvorbereitungen getroffen, aber bevor die dann auch stattfanden, wurde, wie gesagt, die Schweiz aufgelöst noch schnell, hier haben wir eine Karikatur wie Napoleon, die Föderalisten und die Unionisten, die dann auch spielt und sich selbst dann der Schweiz bemächtigt. Das müssen wir noch ganz kurz erzählen, das ist so interessant.
[40:32] Das ist die USA, wie wir sie kennen, bis dato, bis 1803. In dem Jahr haben die USA ein Interesse, sie möchten gerne hier eine Stadt kaufen. Weiß jemand, welche Stadt hier liegt? New Orleans. New Orleans ist eine wichtige Handelsstadt und sie wollen New Orleans kaufen von den Franzosen, das ist die französische Kolonie. Und so gehen einige Gesandte nach Paris und sagen, hey, wir würden gern New Orleans kaufen. Und dafür haben sie den Auftrag vom Kongress und sie haben das Geld und so weiter.
[41:02] Die Franzosen sagen ihnen, das könnt ihr gerne machen, aber würdet ihr nicht gerne unsere gesamte Kolonie kaufen? Für 15 Millionen Dollar. Und die Gesandten Amerikas haben sich angeguckt und gesagt, und ohne eine Erlaubnis vom Senat oder vom Kongress stimmen sie zu und kaufen die gesamte Kolonie Louisiana und verdoppeln damit das gesamte Territorium der USA quasi über Nacht. Und das für immerhin 15 Millionen Dollar. Das war der größte Grundstückskauf der Geschichte und auch der billigste, wenn man das umrechnet, sind das 7 Dollar pro Quadratkilometer.
[41:43] Normalerweise geht man ja pro Quadratmeter an und ein Quadratkilometer sind eine Million Quadratmeter. Man muss ehrlich sagen, weder die Franzosen noch die Amerikaner sind jemals hier gewesen bis zu dem Zeitpunkt. Denn das ist alles Prärie, da gibt es nur Indianer und Bisons. Und eigentlich weiß auch keiner so genau, wo die Grenze ist. Aber so ungefähr hat man es ausgerechnet und das kaufen die. Und in den USA ist es etwas umstritten, weil man sagt, das ist gegen die Verfassung. Aber die Bevölkerung ist natürlich begeistert. Wir haben jetzt ein doppelt so großes Land. Und da ist viel Platz fürs Wachstum.
[42:20] Die 5 Millionen hatten es ja auch schwer, sich hier schon einen Platz zu finden. Aber das ist die Grundlage für den Weg nach Westen. Das ist das, was das ganze weitere Jahrhundert die amerikanische Politik bestimmt wird. Der Weg nach Westen. Und das war dieser Louisiana Kauf. Übrigens, zehn Tage vorher, das war am 30. April gewesen, gab es schon einen kleinen Meteoritenregen hier in Amerika. Und das hat einige schon zu überlegen gebracht, ob das nicht die Erfüllung des sechsten Siegels wäre. Aber das war es natürlich noch nicht.
[42:46] Und am 18. Mai dann, vielleicht noch ganz kurz dazu, am 18. Mai wurde dann Krieg erklärt. Die Zeit des Friedens war vorbei. Die Engländer haben den Franzosen wieder Krieg erklärt. Aber das soll uns heute nicht mehr stören. Wir interessieren uns auch noch für die beiden. Das sind ältere Aufnahmen, okay? Die sahen dann mit 20 nicht so aus. William Miller. Und das ist das einzige Bild, das ich von ihm gefunden habe. Ich finde es nicht besonders schön. Der Künstler ist nicht der Beste, mein Lieblingskünstler. Aber es ist das einzige Bild von ihm, das es gibt.
[43:14] Die war bestimmt eine schönere Frau. Lucy Page Smith heiratet William Miller und er zieht nach Pulteney zu ihr. Das tut er aus einem guten Grund, denn die Stadt hat eine Bibliothek. Und wann immer er eine freie Zeit hat, findet man ihn in der Bibliothek. Und da habe ich ein Zitat gefunden, das fand ich so toll. Sein Biograph sagt, jetzt Achtung, zuhören, nicht meine Worte, okay? Seine Frau hat so ein tiefes Interesse an seinem Studium, an seiner Verbesserung, an seiner Entwicklung genommen, dass es ihre Freude war und ihre Aufgabe, ihn von allen Hausarbeiten so weit wie möglich zu befreien, die ihn sonst von seinen Büchern weggerufen hätten. Das war noch eine Frau.
[44:10] Aber ich muss zur Ehrenrettung sowohl von ihr als auch von William Miller sagen, er war ein sehr häuslicher Mann, der auch sehr viel als Farmer dann später gearbeitet hat. Er war ein sehr tüchtiger Mann, also nicht, dass man den Eindruck bekommt, er wäre faul gewesen. Aber er hatte so ein brennendes Interesse an Büchern und hat alles gelesen, was er finden konnte. Voltaire und Hume und Paine und all die großen Schriftsteller seiner Zeit. Und in dieser Zeit beginnt wirklich der Kampf in seiner Seele, denn er war ja christlich erzogen worden von seiner Mutter und er hatte so immer wieder Predigten gehört als kleines Kind, aber all die Bücher, die er dort liest, sind ungläubig, sind skeptizistisch.
[44:38] Und dieser Kampf wird ausgedrückt in einem seiner frühen Gedichte. Come, blessed religion, with thy angel's face dispel this gloom and brighten all the place, drive this destructive passion from my breast, compose my sorrow and restore my rest, show me the path that Christian heroes trod, wean me from earth and raise my soul to God, heißt übersetzt, komm, gesegnete Religion, mit deinem Engelsgesicht, vertreibe diese Finsternis und erhelle den Platz, vertreibe diese zerstörerische Leidenschaft aus meiner Brust und nehme meine Sorgen, stelle die Ruhe wieder her, zeig mir den Weg, den christliche Helden gegangen sind und nehme mich von der Erde und hebe meine Seele zu Gott.
[45:18] Man sieht richtig, wie er gekämpft hat. Er wusste, da gibt es das Christentum, er war auch bekannt damit, aber er hat im Herzen es sich nicht wirklich vorstellen können. Und so beginnt in diesem nächsten Jahr ein Kampf in seinem Herzen, soll er Christ werden, soll er nicht Christ werden? Und wie das ausgeht, werden wir das nächste Mal sehen. Nur eine letzte Bemerkung, weil die Franzosen wieder im Krieg waren mit den Engländern, haben sie jetzt Hannover eingenommen. Weiß jemand, warum? Was hat Hannover mit England zu tun? Sind verwandt, das ist Königshaus, deswegen haben sie gesagt, bevor wir England angreifen, greifen wir erst mal Hannover an.
[45:47] Übrigens, in der Zeit, wo das erste Dampfschiff konstruiert, ein amerikanischer Erfinder ist nach Paris gegangen, hat gesagt, schau her, Napoleon, hier ist ein Dampfschiff, Napoleon hat gesagt, so einen Quatsch brauchen wir nicht. Man kann sich irre, nicht wahr? Und wie gesagt, in der Zeit, ich habe nicht die Zeit, das alles zu zeigen, jeden Monat Profitierartikel, wie sich Profitier erfüllt in der Zeit.
[46:13] Letzter Punkt, vorletzter Punkt, auch das gehört dazu, Revolution of Haiti, 1803, das waren wirklich bewegte Zeiten, nicht wahr? Die Franzosen wurden vertrieben und sie hatten jetzt schon ihre Kolonie in Nordamerika verloren, sie verloren jetzt auch Haiti, sie haben dann auch an anderen Staaten in der Karibik ihre Vormacht verloren. Sie hatten erst die Idee gehabt, auch in der neuen Welt ein Imperium aufzurichten, aber es wurde jetzt ganz deutlich, das wird nichts und so hat sich Napoleon jetzt völlig auf Europa konzentriert.
[46:38] Letzter Punkt, es geht aus Statistiken hervor, dass allein seit 1799 bis 1803, sich allein in diesem Bundesstaat 10.000 Menschen allein der baptistischen Kirche angeschlossen haben. Das sind noch nicht die Methodisten, nicht die Presbyterianer, es war eine gewaltige Erweckung, die jetzt ihren Lauf nimmt und die auch dazu geführt hat, dass die Staaten das ein bisschen politisch aufgenommen haben. Georgia, South Carolina und auch Tennessee haben Sonntagsgesetze erlassen und gesagt, ihr müsst jetzt auch am Sonntag in die Kirche gehen und das zeigt, diese Zeit, von der wir heute gesprochen haben, ist die Zeit, das ist der letzte Satz für heute, das kriege ich Ärger mit der Technik, die Zeit, von der wir heute gesprochen haben, ist der Grund, warum Amerika heute eine christliche Nation ist.
[47:27] Denn die gleichen Einflüsse, die uns, Europa, zu einem säkularen Kontinent gemacht haben, nämlich die nationalistische Revolution, waren auch eigentlich hier gegenwärtig, um 1800 herum, waren genau die gleichen Einflüsse. Aber Amerika hat etwas erlebt, was Europa nicht erlebt hat, nämlich eine gewaltige Erweckung zum Christentum, sowohl in der Landbevölkerung als auch in den Eliteuniversitäten. Und das ist der Grund bis heute, kann man das nachweisen, dass deswegen Amerika eine christliche Nation geblieben ist, während Europa das nicht wirklich geworden ist.
[47:59] Was mehr passiert und wie der Kampf in der Brust von Miller weiterging und was übrigens auch aus den Seefahrerplänen von Joseph Beetz geworden ist und so weiter und so fort, das sehen wir alles nächste Woche, wenn es heißt, auf zu neuen Ufern, 1894 bis 1897. Und da sind Sie herzlich wieder eingeladen, denn wir haben nichts zu befürchten, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Gottes Segen. Amen.