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In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ tauchen wir in die Jahre 1818 und 1819 ein und beleuchten die Entwicklungen in der Adventgeschichte. Wir beginnen mit William Millers tiefgreifenden biblischen Erkenntnissen und setzen dann die Spuren anderer wichtiger Persönlichkeiten wie Joseph Bates und Joseph Wolff. Die Episode deckt eine breite Palette von Ereignissen ab, von politischen Umwälzungen und religiösen Bewegungen bis hin zu persönlichen Reisen und Entdeckungen, die alle Teil des größeren Bildes der Vorbereitung auf die Endzeit sind.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Einen wunderschönen guten Abend, allen, die hier live in Stuttgart-Bad Cannstatt anwesend sind. Einen wunderschönen guten Abend auch euch, die hier zuschaut auf joelmedia.tv.de zu unserer Serie "Die Zeit des Endes". Ich hoffe, ihr freut euch schon auf die heutige Folge und wir haben heute einiges vor. Wir werden heute über die Jahre 1818 und 1819 sprechen.

[0:24] Letzte Woche, weiß jemand, was wir uns letzte Woche angeschaut haben? Was haben wir letzte Woche gemacht? Wir haben letzte Woche ausführlich angeschaut, was William Miller im Jahr 1818, in den Jahren 1816, 1817 und 1818 entdeckt hat. Und wir wollen heute den Geschichtsfaden wieder aufgreifen und anschauen, was in dem Jahr sonst so noch passiert ist unter all den anderen Menschen, die wir kennengelernt haben und sowieso in der weiten Welt und sozusagen an das anknüpfen, was wir zuvor gemacht hatten.

[0:58] Und dazu möchten wir Gottes Heiligen Geist einladen, dass er uns bei uns ist. Wir möchten gemeinsam im Gebet sprechen und dann geht es los. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir jetzt zu dir kommen können. Wir möchten dich bitten, dass du bei uns bist, dass du uns hilfst zu verstehen, wie du dein Volk geführt hast und wie die Wahrheit für unsere Zeit entdeckt worden ist. Wir möchten dich bitten, dass du alle Störenden beiseite hältst und dass wir jetzt von dir lernen dürfen und aus der Geschichte lernen dürfen nach deiner Verheißung. Amen.

[1:39] Wie gerade angesprochen, haben wir letztes Mal ausführlich über ihn hier gesprochen, über William Miller. Wie er 1818 nach zwei Jahren Bibelstudium zu einigen interessanten Auslegungen gekommen ist. Wir haben uns ausführlich angeschaut, nach welchen Prinzipien er die Bibel ausgelegt hat und wir haben die ganzen Auslegungsmethoden einzeln angesprochen und besprochen. Wer nicht dabei gewesen ist, sei auf die Aufnahme verwiesen, die wir gemacht haben.

[2:12] Und während er so die Bibel studiert hat, da hat er auf was verzichtet? Weiß das jemand, was er auf jeden Fall nicht zurate gezogen hat? Sekundärliteratur, Kommentatoren. Wenn man sich sonst so die theologischen Werke der damaligen Zeit anschaut, dann waren die alle ganz toll darin, die anderen großen Kommentatoren zu zitieren und gegeneinander auszuspielen und dann auch eine eigene Meinung mit hineinzubringen. Miller war wohl einer der ganz, ganz wenigen seiner Zeit, der wirklich nur die Bibel und die Bibel allein studiert hat und nichts weiter zur Hilfe genommen hat als nur eine Konkordanz. Und er ist dann in diesen zwei Jahren bis 1818 zu einigen erstaunlichen Entdeckungen gekommen.

[2:51] Und die wichtigste war vielleicht welche? Weiß das jemand noch, was seine wichtigste Entdeckung war, die er gemacht hat, die er im Jahre 1818 festgemacht hat? Die wichtigste, die der ganzen Bewegung dann auch den Namen gegeben hat: Die Wiederkunft, die buchstäbliche Wiederkunft Jesu mit all den Details, die damit zusammenhängen. Und er hatte gesehen, dass diese Lehre eines Friedensreiches, eines tausendjährigen Friedensreiches vor der Wiederkunft nicht biblisch ist, dass auch die Lehre von der Bekehrung der Juden nicht biblisch ist, jedenfalls nicht als ganze Nation, die nach Jerusalem zurückkommen würden, sondern stattdessen lehrt die Bibel eine direkte buchstäbliche Wiederkunft in Kürze. Und er hat ja dann sogar durch eine Prophezeiung ein Datum sich errechnet. Weiß jemand noch, welches Datum das war? 1843.

[3:42] Wir wollen hier den Faden nochmal aufgreifen mit einer Aussage von ihm aus der Zeit: „Ich muss nicht erwähnen“, sagt er, „welche Freude mein Herz angesichts dieser erfreulichen Aussichten erfüllte und wie sehr ich mich danach sehnte, an den Freuden der Erlösten teilzuhaben. Die Bibel war nun ein neues Buch für mich. Und das finde ich einen ganz tollen Satz hier, was er sagt: Sie war wirklich ein Fest des Verstandes.“ War nicht einfach nur, naja, interessante Geschichten, wer möchte, kann es glauben, sondern dieser denkende William Miller, er erkannte, dass die Bibel ein Buch ist, das einem wirklich den Verstand anregt, ein Fest des Verstandes.

[4:23] Er sagt dann: „Alles, was mir an ihren Lehren dunkel, mystisch oder unverständlich vorkam, war in meinem Kopf vor dem klaren Licht, das jetzt von ihren heiligen Seiten schien, entwichen. Und oh, wie hell und herrlich erschien die Wahrheit. All die Widersprüche und Ungereimtheiten, die ich zuvor im Wort gefunden hatte, waren verschwunden.“ Und dann schließt er hier und sagt: „Und obwohl es viele Abschnitte gab, die ich noch nicht völlig zufriedenstellend verstand.“ Also er hat durchaus nicht alles auf einmal begriffen. Er war auch nur ein ganz normaler Mensch, so wie wir auch. Und auch wenn wir die Bibel noch so gründlich studieren und noch jedes Wort nachschauen und uns so viel Zeit nehmen wie möglich, wir werden nicht alles zufriedenstellen. Und jeder, der das behauptet, der das tun würde, der lügt. Und auch Miller hat natürlich nicht alles sofort verstanden. Und auch bis an sein Lebensende nicht alles verstanden.

[5:18] Aber er sagt dann interessanterweise: „Obwohl es viele Abschnitte gab, die ich doch nicht völlig zufriedenstellend verstand, hatte sie doch so viel Licht zur Erleuchtung meines zuvor verfinsterten Verstandes ausgestrahlt, dass ich eine Freude beim Bibelstudium empfand, von der ich vorher nicht geglaubt hätte, dass sie von den Lehren der Bibel herrühren könnte.“ Was hat er wahrscheinlich vorher gedacht? Was macht Bibelstudium? Langeweile, nicht wahr? Irgendwie trocken. Er hätte sich nicht vorstellen können, dass Bibelstudium spannend sein kann, dass es Freude machen kann. Und er war selbst ganz überrascht, dass das so gekommen ist.

[5:58] So im Jahre 1818, als er dann seine Schlussfolgerungen so ein bisschen für sich festgesetzt hatte, hat er dann angefangen, diese Dinge zu prüfen und sich die Frage zu stellen: Ist das, was ich herausgefunden habe, auch wirklich wahr? Und wir werden im Laufe der Zeit dann jetzt gleich noch später mehr darauf zu sprechen kommen in den nächsten Folgen. Aber wir wollen erst mal William Miller dort in Lowhampton lassen, auf seiner Farm mit seiner Bibel, und gemäß unseres Titels „Ein sicherer Hafen“ uns Joseph Bates zuwenden.

[6:26] Der erreicht nämlich im Januar 1818 glücklich den Hafen von Baltimore. Das ist nicht der Hafen von Baltimore, sondern dann danach hier der Hafen von Fairhaven, seinem Heimatort. Das ist ein kürzlich entstandenes Bild von diesem Ort. Joseph Bates war jetzt erneut zweieinhalb Jahre nicht zu Hause gewesen, war zweieinhalb Jahre durch die Weltmeere gesegelt nach Europa, nach Südamerika und kommt jetzt im Januar 1818 nach Hause. Da haben wir noch ein Bild hier vom Hafen und dort ein ganz frisches Bild von dem Bateshaus. Dort hat er gelebt, in der Nähe von Boston, an der Atlantikküste.

[7:18] Ebenfalls im Januar, da haben wir hier Joseph Wolff. Weiß ich noch, wo Joseph Wolff sich befand, als wir ihn zuletzt gesehen haben? In Rom. Kann man sich erinnern, dass er nach Rom gekommen war und beim Papst gewesen ist und angefangen hat, dort am Collegio di Romano zu studieren. Ende 1817, Anfang 1818 ist dann das jesuitische Collegio di Propaganda Fide, die Kongregation der Verbreitung des Glaubens, wieder etabliert worden. Das war sozusagen wie eine Missionsschule der Jesuiten. Dort wurden die Top-Leute des Katholizismus ausgebildet, um als jesuitische Missionare in die ganze Welt hinausgesandt zu werden und Joseph Wolff wollte ja so ein jesuitischer Missionar werden. Und er hat dort jetzt ab 1818 studiert.

[8:12] Seine Studienkollegen kamen aus Irland, Armenien, Bulgarien, Syrien, Algerien, Marokko, Äthiopien, Schwarzafrika. Nur die Chinesen, die haben an einer anderen Stelle studiert, weil die konnten das Klima nicht vertragen von Rom. Und wie schon vorher an dem Collegio di Romano, hat auch er hier wieder große Schwierigkeiten mit den Lehrern, aber noch mehr mit den Lehren, die dort verkündet werden. Da haben wir noch ein Bild von diesem Collegio, der Propaganda Fide.

[8:42] Und eines Tages kommt dieser Mann, ich weiß nicht, ob sich jemand erinnern kann, vor zwei Wochen haben wir über ihn gesprochen, das war Henry Drummond, ein Banker aus England, der sich bekehrt hatte 1817 zum biblischen Glauben, aus der anglikanischen Kirche ausgetreten ist. Und der hatte von Wolff gehört und war auf dem Weg, ja eigentlich nach Jerusalem gewesen, wollte dort sein neu gefundenen Glauben ausleben, war dann in Italien stecken geblieben und war jetzt auf dem Weg nach Rom und hatte von Wolff gehört und wollte diesen Wolff besuchen. Und da ist sich Folgendes zugetragen.

[9:17] Der Drummond ging in dieses Collegio di Propagandaphide hinein, in das Gebäude und wusste an dem einen Gebäude, da ist der Wolff in einem Zimmer und er wartet draußen vor der Tür, weil er hört den Wolff diskutieren mit einem Lehrer. Und zwar geht es gerade um die Frage: Darf die Kirche Häretiker verbrennen? Und der Lehrer sagt: „Ja, selbstverständlich darf sie das.“ Und Wolff ruft: „Nein, das darf sie nicht, denn die Bibel sagt: Du sollst nicht töten.“ Und der Lehrer sagt: „Doch, das ist ganz erlaubt, denn 17 Päpste haben es für richtig beschrieben.“ Und Wolff antwortet zurück: „Dann liegen die 17 Päpste falsch.“ So ging das hin und her.

[9:59] Und draußen steht der Drummond, der später noch sehr wichtig wird in der Adventgeschichte und hört das an und sagt: „Meine Güte, was für ein toller Kerl, der Wolff.“ Und später sagte er, er hat sich an dieser Tür geschworen, ein Freund von Joseph Wolff zu bleiben bis ans Lebensende und er hat es gehalten. Er ist dann in den Raum hineingegangen, er hatte Briefe mit von einigen Schweizer Freunden, von Pestalozzi und von einigen anderen, die er Wolff übergeben hat. Und er hat dann auch Wolff aufgefordert und hat gesagt: „Komm hier raus aus Rom und komm mit mir nach England. Werde Protestant und du wirst Missionar.“ Aber Wolff war noch nicht dafür bereit, hatte dafür kein Interesse. Er wollte ja unbedingt jesuitischer Missionar werden.

[10:42] Aber in dieser Zeit hat Wolff schon immer mehr Konflikte gehabt und einige seiner Freunde haben ihn gewarnt, er sei in Gefahr. Die Jesuiten an der Schule dort würden das nicht gerade billigen, was er so im Unterricht von sich gebe. Und er solle sich im Ernstfall an den preußischen Palast wenden und dort Unterschlupf suchen, falls er festgesetzt werden sollte. Und in dieser Zeit beschäftigt er sich zum allerersten Mal oder wird er darauf gestoßen auf die Prophezeiung der Bibel. Ein ungläubiger Baron fordert ihn heraus und sagt: „Wolff, wie interpretierst du diese Prophezeiung hier?“ Und Wolff, weil er wusste, es ist eine unerfüllte Prophezeiung, sagt: „Naja, sie ist halt geistlich zu verstehen, muss man halt geistlich deuten.“

[11:33] Darauf sagt dieser ungläubige Baron: „Das ist nicht richtig, dass ihr jede Prophezeiung, die sich erfüllt hat, buchstäblich deutet und dann jedes Mal, wenn sie sich nicht erfüllt hat, sagt, es muss geistlich verstanden werden. Das seid ihr genauso wie die Juden.“ Und seit dem Zeitpunkt fängt Joseph Wolff an zu überlegen und zu denken: Ja, meine Güte, das stimmt eigentlich. Wie ist das eigentlich mit den Prophezeiungen? Er hat noch keine richtigen Antworten darauf, aber es ist so diese Zeit, wo er anfängt, überhaupt mal über Prophetie nachzudenken.

[11:59] Ebenfalls im Januar 1818, in diesem Journal hier, „Der jüdische Ausleger“ oder „Der Freund Israels“, da berichtet der neue Chef der Missionsgesellschaft zur Bekehrung der Juden, Louis Way, der ein Jahr zuvor die Gesellschaft der Judenmission, da gab es in London so eine Gesellschaft, die sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Juden in Europa und in der ganzen Welt zu Christus zu führen, der hatte die übernommen, hatte mit viel Geld die Schulden bezahlt und war jetzt der Chef dieser Gesellschaft. Und in diesem Artikel berichtet er davon, wie er auf seinen Reisen durch Europa in Rotterdam mit Rabbis über Daniel 12 und über die Prophezeiung diskutiert hat und wie ein Interesse unter den Juden an der Prophetie wohl in Europa stattfindet.

[12:54] So Louis Way war sogar bis nach Russland vorgestoßen und hatte sogar mit Zar Alexander tatsächlich die Bibel studiert und gesagt: „Vielleicht könntest du so wie Kyros damals ein großer Herrscher für die Juden sein, vielleicht könntest du jetzt etwas bewirken, dass die Juden zu Christus geführt werden.“

[13:13] Ebenfalls im Januar, dieser junge Mann, Edward Stalibras, wurde von der London Missionary Society ausgesandt in ein Land, das man wahrscheinlich nicht als das typische Missionsland empfinden würde. Als Missionsland denkt man meistens an Indien, China, vielleicht irgendwo Südafrika, wo es warm und heiß und tropisch ist. Dieser Missionar ging hier in das südliche Sibirien, in ein Gebiet der Mongolei. Ich weiß nicht, wer von uns bereit wäre, dorthin zu gehen. Ich meine, nach Indien wäre es vielleicht noch ganz in Ordnung, oder in die Dominikanische Republik, als Missionar unter Haydn, aber nach Sibirien unter die Mongolen, die so aussahen. Und wenn man die Berichte liest, was er erlebt hat, ist es wirklich herzerreißend. Aber wir haben nicht die Zeit, das alles anzuschauen.

[14:10] Ebenfalls im Januar ist einer der ersten deutschen Missionsvereine gegründet worden, der Missionsverein Barmen im Rheinland, ein Zweig der Basler Mission gewesen. Und so sehen wir also, wie die Missionsbestrebungen sich immer mehr ausgebreitet haben.

[14:27] Im Februar hat dann Chile seine Unabhängigkeit von Spanien erklärt und gleichzeitig Joseph Bates seine Abhängigkeit von einer jungen Frau. Er hat nämlich geheiratet. Der Schiffsmann Bates segelt in den Hafen der Ehe. Er ist 25 Jahre alt jetzt und heiratet Prudence. Was für ein schöner Name für eine Freundin, oder? Prudence. Ich weiß nicht, wer von uns gerne einen Seemann heiraten würde, der so alle drei Jahre mal nach Hause kommt. Sicherlich auch nicht ein einfaches Los gewesen für diese junge Frau.

[15:08] Dann im Februar ereignet sich etwas sehr Spannendes, Ende Februar. Joseph Wolff wird von dem Papst Pius VII. höchstpersönlich vor diesem Bischof hier gewarnt. Freiherr von Heffelin sei nämlich so der Papst ein Mitglied des Illuminatenordens. Was ich jetzt erzähle, habe ich nicht von irgendwelchen verschwörungstheoretischen Internetseiten, sondern das kann man alles in der Literatur des 19. Jahrhunderts nachlesen. Also wir haben dort den Papst, wie er einen Studenten vor einem Mitglied des Illuminatenordens warnt. Und Joseph Wolff hört das durch so an und sagt: „Okay, naja, halt, ich gehe ein bisschen auf Abstand.“ Wir werden gleich darauf zurückkommen in wenigen Minuten.

[15:51] In dieser Zeit rebellieren die Studenten enorm gegen die Regeln dort an diesem jesuitischen Kolleg. Und auch Wolff ist dabei, ist jung und dynamisch und ist in dieser Studentenrevolte richtig mit involviert. Und in dieser Zeit bekommt er den Brief, den ich hier falsch eingeordnet habe, einen Brief von Drummond, dem englischen Bankier, mit den Worten: „Wolff, komm heraus aus Babylon.“ Das Problem an Briefen, die man an ein jesuitisches Kolleg schickt, ist, dass sie nicht nur den Adressaten erreichen, sondern auch alle anderen, die dort was zu sagen haben. Und als dann diejenigen, die was zu sagen haben in dieser Schule, das Verhalten von Wolff sahen und dann diese Briefe, dann konnten sie eins und eins zusammenzählen.

[16:41] Wolf hat immer mehr Konflikte gehabt, unter anderem, weil er geglaubt hat, dass Jesus für alle Menschen gestorben ist. Er hat mit einem Lehrer diskutiert, da ging es folgendermaßen. Der Lehrer fragt: „Ist es ein Dogma, dass Jesus für alle Menschen gestorben ist?“ Wolf sagt: „Ja, natürlich, er steht in der Bibel.“ Der Lehrer sagt: „Nein, es ist kein Dogma. Die Kirche hat sich noch nicht so entschieden. Das einzige Dogma, was die Kirche hat, ist, dass Jesus nicht nur für einige gestorben ist.“ Und dann denkt sich Wolf: „Moment mal, das ist doch totaler Unsinn. Die Bibel sagt, er ist für alle gestorben.“ Und der Lehrer sagt: „Nein, erst wenn die Kirche es per Dogma so sagt, dann ist es ein Dogma. Und dann ist es die Wahrheit, wenn ein Papst das mit Ex-Kathedra spricht.“ Und über solche Sachen hat er sich natürlich fürchterlich aufregen können.

[17:25] Und er hat dann mitbekommen, dass alle anderen Studenten einzeln befragt worden sind über dieses Thema, um herauszufinden, ob sie Wolfs Meinung mittlerweile teilen. Und dem Joseph wurde es da richtig ungemütlich. Er ist richtig in Konflikt gekommen mit der Inquisition und hat dann sogar vom Privatsekretär des Papstes einen Warnungsbrief bekommen. Nach dem Motto: „Sieh dich vor, pass auf, was du sagst.“ Und das war dann schon auch ganz richtig so, dass er gewarnt worden ist.

[18:01] Im März 1818 war der Satan in einer besonderen Weise aktiv. Weiß nicht, wer diese drei Damen hier kennt? Weiß jemand, wer das sind? Das sind die berühmten Fox-Schwestern in Amerika. Am 31. März, so behaupten sie jedenfalls, war der Tag, wo sie zum ersten Mal diese Klopfzeichen gehört haben. Was allgemein als der Beginn des modernen Spiritismus zählt. Es ist also in dem selben Jahr übrigens, wo William Miller zu seinen Thesen kommt, dass hier der moderne Spiritismus beginnt. Ich glaube, auch das ist kein Zufall.

[18:37] Dann Anfang April, sechs Wochen nach der Hochzeit, geht Joseph Bates wieder auf See. Als erster Matrose an Bord der Francis, die von New Bedford nach Baltimore fährt, entlädt dort Tabak und dann soll es wieder nach Bremen gehen. Von Bremen geht es dann weiter nach Göteborg und dort wird dann Eisen verschifft. Interessanterweise berichtet er in seinem Buch, auf dem Weg nach Göteborg ist ihm etwas ganz Seltsames passiert. Sie hatten nämlich einen Kapitän, der schlafgewandelt ist manchmal. Er hatte gerade die Nachtwache gehabt und da kam der Kapitän schlafgewandelt heraus und hat Befehle erteilt. Joseph Bates hat die dann befolgen müssen, bis er dann den Kapitän angeschrien hat und der dann aufgewacht ist und gesehen hat, was er für komische Befehle ergeben hat und dann war alles wieder gut. Er hat wirklich einiges erlebt.

[19:31] Ebenfalls im April haben die Spanier versucht, nochmal die chilenische Unabhängigkeit rückgängig zu machen, sind aber in der Schlacht von Maipú geschlagen worden. Und dann am 6. April ist der Wolff fast aus allen Wolken gefallen, aus den Latschen gekippt, denn jener besagte Freiherr von Heffelin, Mitglied des Illuminatenordens, wird von dem Papst, der Joseph Wolff vor dem Freiherr von Heffelin gewarnt hat, zum Kardinal erhoben. Und Wolff fragt jetzt einen der Kardinäle: „Wie kann das sein? Ihr warnt mich vor dem und dann macht ihr ihn zum Kardinal?“ „Ja, er hat uns geholfen, das Konkordat mit Bayern abzuschließen und das war sehr gut.“

[20:10] Wolf fragt sich also: Was ist hier los? Seine Tage waren ohnehin in Rom gezählt, denn nur neun Tage später wird er von einem Kardinal zitiert und es wird ihm verlesen, dass er per Dekret des Papstes aus Rom verbannt wird. Und aus Rom verbannt zu werden heißt nicht, du kannst jetzt frei gehen, sondern aus Rom verbannt zu werden ist, du wirst jetzt einige Stunden hier eingesperrt und dann wartest du, bis jemand dich aus Rom begleitet und zwar bis nach Wien. Dieser jemand war ein Mitglied der Inquisition und Wolf wurde jetzt richtig ungemütlich und hat fürchterliche Angst gehabt, dass er dort in Wien ins Gefängnis geworfen wird, was damals durchaus möglich gewesen wäre. Todesstrafe gab es nicht mehr in der Inquisition, aber Gefängnisstrafe wäre noch gut möglich gewesen.

[20:58] Er kommt dann über Umwege auch nach Wien, über Bologna und Venedig. In Wien wird er dann aber recht freundlich aufgenommen von alten Weggefährten, die ihn aber warnen und sagen: „Du bist zu papstkritisch. Als guter Katholik musst du der Kirche in Rom vertrauen und Rom hat recht, egal was sie sagen.“ Und er ist nicht so richtig überzeugt und er ist sehr, sehr niedergeschlagen. Er wollte großer Weltmissionar werden, das ist jetzt verbaut. Er kann da nicht weiter studieren, er ist mit dem Bann belegt. Und so hofft er, seinen Seelenheil darin finden zu können, jetzt ins Kloster zu gehen.

[21:31] Er verbringt einige Monate in Wien und weil er dort immer schlechter behandelt wird von einigen der Oberen, beschließt er dann in ein Kloster zu gehen.

[21:46] Im Juni 1818 ist in dieser Zeitschrift „Christian Observer“ ein Artikel zu finden von einem anonymen Artikelschreiber, der sagt, die 6. Posaune wird bis 1844 gehen und auch Daniel 8, Vers 14 würde sich auch 1844 erfüllen. Leider ist dieser anonyme Artikelschreiber der Meinung, dass es nicht 2300 Jahre sind, sondern 2400 Jahre. Wie wir schon ein paar Mal angesprochen haben, gibt es hier dieses eine vatikanische Manuskript, der Septuaginta, wo 2400 statt 2300 steht. Aber interessanterweise hier auch in dieser Zeitschrift ein Hinweis auf 1844, schon mal.

[22:31] Ansonsten, in diesem Jahr, am 1. August, wurde der erste Teil der National Road in Amerika gebaut. Da man sich immer weiter nach Westen vordringt, müssen jetzt auch Highways gebaut werden, um den Westen zu erschließen. Von Cumberland nach Wheeling, der erste Highway, der von den Vereinigten Staaten von Amerika gebaut worden ist, am 1. August. Und am 16. August, auf einem der Campmeetings, die es immer noch gab und die mittlerweile in den Jahren 1816, 17, 18 zu absoluter Höchstblüte gefunden haben, da gibt es einen Prediger mit Namen Jacob Gruber, der gegen die Sklaverei predigt und damit als erster Pastor danach eingesperrt wird, weil er sich gegen die Sklaverei wendet. Also auch dieses Thema der Sklaverei und der Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß beginnt in dieser Zeit sich zu entwickeln.

[23:24] Dann interessanterweise, noch kleine Nebenbemerkungen, am 29. September begann dann ein großer Fürstenkongress in Aachen, wo die Fürsten von Preußen, von Großbritannien, von Österreich, von Russland zusammengekommen sind. Und sie haben beraten, wie kann man nur die Demokratie stoppen in Europa. Wie kann man nur diese ganzen revolutionären Bewegungen in Schach halten. Und am Rande dieses großen Kongresses hat besagter Louis Way, dieser Chef dieser Juden-Missionsgesellschaft, der in Europa unterwegs war, um die Juden zu bekehren, eine Petition eingereicht an den Zaren von Russland, auf diesem Kongress, wo es um die Situation der europäischen Juden ging. Und er hat sich dort an sämtliche europäischen Herrscher gewandt, an die Könige und Zaren und Kaiser, und hat sich darum gebeten, etwas zu tun für die Juden in Europa, damit sie sich zum Christentum bekehren. Und in dieser Petition hat er sich explizit auch auf die biblische Prophetie bezogen.

[24:24] Und man muss sich das vorstellen, während dieser großen europäischen politischen Konferenz ist diese Petition bearbeitet worden. Da saßen also die Fürsten und Kaiser und Zaren Europas zusammen und haben darüber debattiert, wie man jetzt der Prophetie helfen kann und die Prophetie erfüllen kann und die Juden zu Christus führen kann. Und sie haben dann tatsächlich auch eine Übereinkunft diesbezüglich getroffen.

[24:49] Im Oktober hat dann Wolff endgültig Wien verlassen, um in die Schweiz zu gehen, in das Kloster Walzend. Und er hat auf dem Weg dorthin in Salzburg einen Gelehrten getroffen, Sandbichler, und der hat zum ersten Mal seine Aufmerksamkeit direkt auf die Offenbarung gelenkt, auf das Buch Offenbarung. Und seit der Zeit fängt Josef Wolff an, sich mehr Gedanken zu machen über dieses Buch, die Offenbarung. Dieser Sandbichler sagt ihm, er glaube an eine buchstäbliche Herrschaft Christi, an die Wiederkunft Jesu, er glaube an ein Millennium, an eine Wiederherstellung der Juden und an das Kommen eines Antichristen. All das Dinge, die Josef Wolff aus Rom und vom Katholizismus gar nicht kennt.

[25:34] Und dann, als er nach einigen Wochen und Monaten in der Schweiz angekommen ist, in Walzend, da kommt er in dieses Kloster hinein, er darf dort Deutsch und Latein unterrichten und lebt jetzt quasi als Mönch. Er findet einen Weg, er ist ja immer recht gewitzt gewesen, wie er die Selbstkasteiung umgehen kann. Jeden Freitagabend ist da Selbstkasteiung gewesen, das heißt die Mönche kommen zusammen und müssen sich dann schlagen. Und er hat das jetzt auch mal ausprobiert, wie das ist, sich selbst zu schlagen. Er hat sich einmal geschlagen und hat gesagt: „Das ist nicht besonders schön.“ Hat er folgende Idee gehabt: Es war alles dunkel, und er hat dann seine Lederhose ausgezogen, bis auf die Knie, und hat dann diese Rute auf diese Lederhose geschlagen. Das klang sehr laut, das klang sehr schmerzhaft, aber war für ihn natürlich völlig wunderbar.

[26:25] Und seine Mitkollegen, Mitmönche, die haben das dann mitbekommen, haben das auch so gemacht. Und der Rektor des Klosters hat gedacht: „Meine Güte, die sind besonders demütig und schlagen sich und schlagen sich.“ Und sie haben sich einen Spaß gemacht. Ansonsten ist dem Wolff da zum Teil wirklich übel ergangen. Es war durchaus üblich, dass der Rektor ihn geschlagen hat. Man hat auch von ihm verlangt, gegenseitig mussten sie sich einander die Füße küssen, den anderen Mönchen, um Demut zu lernen. Wolf hat das zur Gelegenheit genommen, manchmal in die Zehen zu beißen. Das ist kein Scherz. Wirklich ein lustiger Gesell.

[27:04] Und irgendwann ist es ihm so zuwider, er hat versucht, jede Regel zu brechen. Und er hat gemerkt, er ist nicht fürs Kloster gemacht. Und auch die Mönche haben gemerkt, das ist ja kein wirklicher Mönch, der muss Missionar werden. Der muss unter Menschen. Er hat auch zu der Zeit schwere, schwere Kopfschmerzen gehabt. Und nachdem er ungefähr 20 Mal darum gebeten hat, ist er dann Ende 1818, zum Übergang 1819, entlassen worden. Von dort ist er dann weitergegangen nach Lausanne. Und wie das weiter ausgegangen ist, das sehen wir dann gleich, wenn wir uns das nächste Jahr anschauen.

[27:39] Am 20. Oktober ist ein Vertrag geschlossen worden zwischen den USA und Großbritannien. Man hat hier den 49. Breitengrad als Grenze festgelegt. Bis dahin ist ja kaum ein Mensch hier jemals gewesen. Und man hat sich entschieden, dieses Land hier, Oregon Country, dass es beiden gehören sollte. Das ist natürlich nicht lange gut gegangen, aber das hat man erst mal hier so entschieden. Und dann am 21. November übrigens war tatsächlich dieses Protokoll von der Aachener Konferenz, wo die Emanzipierung der Juden anerkannt worden ist und wo man sich um sie mehr kümmern wollte.

[28:14] Dann Winter 1818, vielleicht im Leben von Joseph Bates, ein ganz besonderer Moment. Er ist auf dem Weg von Göteborg zurück nach Amerika. Sie sind schon kurz vor der Küste Amerikas und sie geraten in einen schrecklichen Sturm. Joseph Bates hat viele schreckliche Stürme erlebt. Wer sein Buch liest, der wird von einem Sturm zum nächsten weitergereicht. Aber dieser Sturm ist alles andere als normal. Das Schiff ist innerhalb kürzester Zeit völlig manövrierunfähig. Mehrere Tage lang sind sie völlig dem Wind ausgeliefert und werden in vier Tagen über 100 Meilen von der Küste weggetrieben, hin und her gewirbelt.

[28:55] In der Zeit lernt er wieder zu beten. An Bord des Schiffes gibt es nur einen Christen, einen farbigen Koch, der inmitten des Sturmes anfängt zu beten. Das erinnert natürlich an alte Kindheitstage. Er ist ja eigentlich auch christlich aufgewachsen. Er hatte sich niemals zum Christentum bekehrt. Und wie er später erfährt, hat gerade zu der Zeit, als der Sturm am schlimmsten war, seine Frau aus irgendeinem Gefühl, Frauen haben das ja manchmal so im Blut oder wo auch immer, das Gespür. Sie hat sich mit einem methodistischen Pastor niedergekniet und hat für ihren Mann gebetet. Sie wusste nicht, was da draußen auf der See los ist.

[29:35] Sie haben dann über 40 Tonnen Eisen, das sie in Schweden geladen hatten, über Bord geworfen. Ist auch noch nicht besser geworden. Entgegen des Befehls des Kapitäns hat er dann von einem vorbeifahrenden Schiff mit einem Beiboot Proviant geholt, hat das überlebt. Insgesamt haben sie siebenmal von anderen Schiffen Proviant bekommen. Sie waren völlig manövrierunfähig eine ganze Zeit lang und sind dann immer weiter nach Osten zurückgeworfen worden, bis sie dann sich entschieden haben: „Wir können Amerika nicht ansteuern, wir müssen Richtung Karibik.“ Dort sind sie dann auf die dänischen St. Thomas Inseln. Das ist bei den Jungferninseln.

[30:13] Und dort hat der Joseph Bates etwas beobachtet, nämlich den 13-jährigen Sohn des Kapitäns, der dort zum totalen Alkoholiker geworden ist. Und da beginnt so ein bisschen die Geschichte mit Joseph Bates und dem Alkohol, die wir in den nächsten Wochen noch genau untersuchen werden.

[30:28] Am 3. Dezember ist noch ein Bundesstaat dazugekommen, der 21. mittlerweile, Illinois. Und wir sehen also, die Westbewegung geht Jahr für Jahr voran. Wer kann sich noch an La Kunz erinnern? Besagter Jesuit, der 1801 gestorben ist, sein berühmtes Buch geschrieben hat, „La Benida, die Wiederkunft“. Mittlerweile war das Buch so weit verbreitet, dass die mexikanische Inquisition in Südamerika darauf aufmerksam geworden ist und es untersucht hat, aber weil es so populär war und von so vielen Menschen gelesen worden ist und so viele Leute sich darauf gefreut haben, auf die Wiederkunft, haben sie es erstmal nicht verdammt.

[31:11] Gleichzeitig, hier haben wir einige der Ausgaben dieses Buches, gleichzeitig ist auch eine Ausarbeitung in Frankreich erschienen, mit dem Titel „Vue sur le second avènement de Jésus-Christ ou analyse de l'ouvrage de La Kunz“, heißt so viel wie „Ansichten über die Wiederkunft des Jesus Christus“ oder „Eine Analyse des Werkes von La Kunz“. Dieses Buch wurde jetzt in verschiedene Sprachen übersetzt und der, der das gemacht hatte, war niemand anderes als Pierre-Jean Agier, ein 70-jähriger Jurist und Theologe, der sich sehr für La Kunz eingesetzt hat und auch jetzt diese Ansichten, dass Jesus vor einem Millennium wiederkommen wird und zwar sehr bald in Frankreich versucht, publik zu machen.

[32:03] Ein Werk, das wir bereits angeschaut hatten, damals im Jahre 1810, war „The Millennium“ von William Davis. Vielleicht können wir uns daran erinnern, er war der allererste Amerikaner, der die 2300 Abend und Morgen mit Daniel 9 verknüpft hat, Daniel 8 und Daniel 9, vielleicht können wir uns daran erinnern. Und dieses Werk wurde jetzt 1818 in England nachgedruckt, wodurch dieser Gedanke, den William Miller auch dann in diesen Jahren hatte, ohne von Davis zu wissen, auch jetzt in England nachgelesen werden konnte und dann auch dort seinen Einfluss gehabt hat. Wir sehen also, wie an verschiedenen Punkten der Welt gleichzeitig diese Ideen aufgekommen sind.

[32:47] Des Weiteren sind natürlich etliche andere Bücher geschrieben worden, eines wollen wir noch kurz erwähnen, ein englischer Theologe schreibt das Buch „The Day At Hand“, „Der Tag kommt bald“. Und in diesem Jahr 1818 hat die London Missionary Society ihren ersten Missionar nach Madagaskar geschickt und mit Dr. John Scudder ging der erste US-amerikanische medizinische Missionar nach Indien. Also nicht nur die theologische Mission, sondern auch die medizinische Mission nahm jetzt an Bedeutung zu. Steckt noch in den Anfängen, zumindest haben die ersten Ärzte darüber nachgedacht, warum hier in Amerika berühmt werden als Arzt und Chirurg, wenn ich doch nach Indien gehen kann, um dort als medizinischer Missionar für Gott zu wirken.

[33:33] Im gleichen Jahr ist die Pariser Bibelgesellschaft gegründet worden und die Jesuiten sind in Belgien mal wieder verboten worden. Es war ein Auf und Ab mit ihnen.

[33:45] Das Jahr 1819 war ein besonderes Jahr. Es gab eine ganze Reihe von Christen in Nordamerika, die mit großem Enthusiasmus auf das Jahr 1819 geschaut hatten. Vor allem die Anhänger von diesem Mann, den wir schon öfter angeschaut haben, nämlich Ethan Smith, der eine der ersten war, die in Amerika die Sterblichkeit der Seele richtigerweise betont haben, der durch sein Prophetiestudium zur Ansicht gekommen war, dass die 2300 Abend und Morgen im Jahre 1819 enden. Er war der Meinung, dass das kleine Horn nicht das Papsttum sei, sondern der Islam. Und er war auch der Meinung, dass Daniel 8 nichts mit Daniel 9 zu tun hat, sondern dass Daniel 8 für sich steht und dass man die 2300 Abend und Morgen von den Perser-Kriegen anzählen muss. Persien und Griechenland, das kommt ja auch in Daniel 8 vor. Und das hat er dann ausgerechnet und kam zu dem Schluss: 1819 müsste der Islam aufhören zu existieren.

[34:42] So gab es in Amerika eine ganz große Gruppe und er war nicht der Einzige. Es gab etliche Theologen, die ähnliche Dinge gesagt haben, die jetzt darauf gehofft haben und gewartet haben, dass 1819 irgendetwas mit dem Islam, mit dem Osmanischen Reich passiert. Und gleichzeitig gab es auch im Islam eine große Erwartungshaltung. In dieser Zeit wurde weltweit im islamischen Raum die Ankunft des 12. Imam erwartet. Ich glaube, sie warten immer noch. Da gab es auch einen Mirza Ali Muhammad, der gab sich als der Bab aus. Er ist nicht der Bab, der später die Baha'i gegründet hat, das war schon ein Voriger, der sich auch schon als Bab ausgegeben hat. Interessante Zeit damals gewesen.

[35:22] Das Jahr 1819 ist auch deswegen von großer Bedeutung, weil diese beiden Männer, Henry Drummond, den wir vorhin schon mehrmals zitiert haben, und Robert Haldane, ein schottischer Missionar in Kontinentaleuropa, die Continental Society gegründet haben. Eine Gesellschaft, die sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht Indien zu missionieren oder Afrika, sondern Kontinentaleuropa. Man hatte gemerkt, dass auf dem Kontinent Europa das Evangelium fast vollständig verloren gegangen war. Einerseits gab es in Frankreich und den abhängigen Gebieten den Atheismus. In Deutschland gab es viel Bibelkritik und Philosophie. Dann in den Gebieten, die traditionell sehr reformatorisch waren, wie der Schweiz, da hatte sich auch Arianismus breitgebracht. Man hatte nicht mehr geglaubt, dass Jesus Gott ist. Außerdem gab es viel Mystizismus, vor allem unter den unteren Gesellschaftsschichten.

[36:20] Die Engländer haben gesagt: Was können wir nur tun, um den wahren biblischen, evangelischen Glauben wieder auf den Kontinent zu bringen? So haben sie diese Gesellschaft gegründet, die Bibeln verbreitet hat und die Prediger unterstützt haben, die tatsächlich die Bibel predigen. Robert Haldane war in Genf ziemlich mit den Oberen aneinandergeraten, als er dort gearbeitet hatte. Einer ihrer Mitarbeiter war auch Samuel Robert-Louis Gossin, ein 29-jähriger Franzose, der dort in Genf die Fahne Calvins noch hochgehalten hat.

[36:56] Im Jahre 1819 haben sich dann auch Kolumbien und Venezuela von Spanien unabhängig gemacht, haben das Königreich Neu-Granada oder Großkolumbien gegründet. Und dann am 20. Februar ist Joseph Bates wieder nach Hause angekommen. Für diesen Weg von Göteborg nach Amerika hätte man normalerweise ein bis zwei Monate gebraucht. Sie haben sechs Monate gebraucht, ein halbes Jahr. Und er schreibt in seinem Buch: „Es gibt wahrscheinlich wenig Fahrten in der Geschichte der gesamten Seefahrt, die so gefährlich waren, so lange gedauert haben und trotzdem glücklich ausgegangen sind.“ Er kennt selbst keine, die vergleichbar gewesen wäre. Und er kommt nach Hause, er ist jetzt innerhalb von zehn Jahren das dritte Mal zu Hause gewesen. Wie gesagt, das sind jetzt 26 Jahre. Und er bleibt noch einige Monate zu Hause und genießt dort die Gemeinschaft mit seiner Frau. Hoffentlich. Genau, hier in seinem getrauten Heim, im sicheren Hafen sozusagen.

[38:07] 22. Februar, Spanien und die USA machen einen Vertrag und entscheiden sich: Okay, ihr gebt uns ein bisschen was von eurem Gebiet hier ab, dafür schenken wir euch Florida. So kam also Florida an die Vereinigten Staaten von Amerika und dafür mussten sie hier ein paar Gebiete abgeben. Das war jetzt eine neue Grenze.

[38:33] Es war dann im Juni, wo das erste Schiff jemals von Amerika nach England gesegelt ist, das halt nicht nur Segel hatte, sondern auch, kannst du mal sehen, Dampfantrieb. Das war die SS Savannah, auch ein Zeichen des technischen Fortschritts, der schon bald die Welt erobern sollte.

[38:53] Und jetzt bin ich gespannt, wer sich an die noch erinnern kann. Ah, jetzt steht der Name hier unten, okay. Donald Judson, weiß noch jemand, wer das war? Kann jemand sich an das Bild noch erinnern, das wir den mal besprochen hatten? So ein bisschen, so dumpf, nicht wahr? Das war derjenige, der 1812 der erste US-amerikanische Auslandsmissionar gewesen ist, der nach Indien gehen sollte und von dort dann nach Birma geschickt worden ist und dann sein Leben lang dort in Birma verbracht hatte. 1812 ist er angekommen, jetzt im Jahre 1819 hat er den ersten Menschen getauft, nach sieben Jahren. Erste Taufe, nach harter Arbeit, zahllosen Entbehrungen, die erste Frucht. Nur dass man so eine Vorstellung hat, man hört nicht weiter, die gehen nach Indien, die gehen nach Südafrika, die gehen nach Birma oder in die Mongolei. Da werden wahrscheinlich innerhalb von zwei Wochen dann bestimmt so eine Gemeinde gegründet haben, nicht wahr? Nix da. Das hat Jahre gedauert, bis die ersten sich bekehrt haben.

[39:55] In der Zwischenzeit hatte Joseph Wolff die Schweiz verlassen und war nach Lausanne gegangen. Er wollte in Lausanne Hebräisch und Aramäisch unterrichten, um sich Geld zu verdienen, um dann nach Jerusalem zu gehen, auf eigene Faust. Und als er da so durch Lausanne, durch die Straßen geht, sieht er eine Frau, die Englisch aussieht. Und er fragt sie: „Sind Sie Engländerin?“ Die Frau antwortet: „Ja, ich bin eine Engländerin.“ Joseph Wolff sagt: „Dann kennen Sie Henry Drummond?“ Sie sagt: „Ja, ich kenne ihn, ich bin gut mit ihm befreundet.“ „Sind Sie Joseph Wolff?“ Er sagt: „Ja, ich bin Joseph Wolff.“ Sie sagt: „Das gibt es ja gar nicht, ich habe schon so lange nach Ihnen Ausschau gehalten. Denn der Drummond sucht Sie. Wir haben aus Rom gehört, dass Sie verbannt worden sind, dass Sie bespitzelt werden und so weiter.“ „Wolff möchte Sie nach London einladen und wir würden Ihnen anbieten, auf unsere Kosten nach London zu fahren.“ Und Joseph Wolff sagt: „Das mache ich.“

[40:52] Und so macht er sich auf den Weg über Genf, Lyon und Paris nach London. In Paris trifft er dann jenen Prediger Haldane, diesen einflussreichen schottischen Missionar, der ihm auf dem Weg von Paris nach Calais, wo er dann das Schiff nimmt nach Dover, eine Bibelstunde hält. Ein Bibelstudium über Gerechtigkeit aus Glauben. Das protestantische Prinzip Gerechtigkeit aus Glauben. Und Wolff versteht es und Wolff ist begeistert. Und Wolff kommt dann mit Haldane nach London an.

[41:30] In London wird er dann von Drummond herzlich aufgenommen und dann in London eingeführt. Wolff lernt innerhalb kürzester Zeit Englisch. Ich meine, er hat ja schon viele andere Sprachen beherrscht. Das war jetzt für ihn kein großes Problem, noch Englisch zu lernen. Und Drummond möchte ihn jetzt in eine protestantische Kirche bringen. Die Frage ist nur, welche. Es gibt ja viele Denominationen. Erstmal gehen sie zu den Baptisten, aber Wolf sagt: „Ach, die Baptisten, das ist mir zu unandächtig, der Gottesdienst. Gefällt mir nicht.“ Dann gehen sie zu den Quäkern und da sitzen sie zwei Stunden rum, ohne dass überhaupt irgendwas gesagt wird. Sagt Wolf: „Das ist erst gar nichts für mich.“ Die Theologie der Methodisten sagt ihm schon sehr gut zu, findet er ganz toll, aber ist immer noch nicht ganz zufrieden. Schließlich entscheidet er sich für die anglikanische Kirche, bleibt aber den anderen Konfessionen sehr aufgeschlossen.

[42:21] Drummond macht dann Wolf mit allen großen Protestanten in London bekannt. Mit Louis Way, jenem Leiter der Gesellschaft zur Bekehrung der Juden. Und der hat großes Interesse an Joseph Wolff, denn Joseph Wolff war Jude und ist Christ und will Missionar sein. Er wäre also der geeignete Mann für diese Gesellschaft. Wolf ist jetzt übrigens erst 23 Jahre alt. All das, was wir in den vielen Wochen schon studiert haben, hat sich alles innerhalb dieser paar zehn Jahre abgespielt. 23 Jahre alt und er trifft jetzt einige der einflussreichsten Leute im Weltprotestantismus. Die sagen: „Wir haben eine Aufgabe für dich, wir möchten, dass du Weltmissionar bist für die Juden. Dazu musst du aber ausgebildet werden und wir möchten, dass du jetzt zwei Jahre hier in Cambridge studierst. Du wirst Persisch lernen, du wirst Aramäisch studieren, du wirst Syrisch studieren, Arabisch, alles, was du brauchst, um in den Nahen Osten zu gehen. Und gleichzeitig wirst du Privatunterricht bekommen beim Theologen in protestantischer Theologie.“ Und Wolf ist total begeistert, er stürzt sich in seine Studien. Er steht jeden Tag um zwei Uhr morgens auf, um zu studieren. Das ist kein Scherz. Er wirft sein ganzes Herzblut hinein, protestantischer Missionar für diese Missionsgesellschaft zu werden. Und die nächsten zwei Jahre wird er sich damit beschäftigen.

[43:45] Im Sommer segelt Bates erneut los. Es geht nach Bermuda. Es sollte nach Europa gehen, aber von Bermuda geht es dann weiter zu den Turksinseln. Also, das ist eine Strecke.

[44:04] Wir müssen langsam zum Schluss kommen. Am 2. August begehen in Deutschland die Bürger auf die Straße und protestieren gegen die Juden. Die sogenannten Hep-Hep-Unruhen. Erst in Würzburg und dann in anderen Teilen Deutschlands. Im August werden die sogenannten Karlsbader Beschlüsse gefasst. Ich weiß nicht, wer die mal gehört hat. Die ganz enorm die Pressefreiheit einschränken. Und nationale Tendenzen. Und die Karikatur sagt: Naja, wie lange möchte uns das Denken wohl noch erlaubt bleiben. Ich kann Ihnen mal sagen, was er denkt.

[44:40] Hier in Kolumbien, das neu gegründete Großkolumbien, verteidigt seine Unabhängigkeit über die Spanier in der Schlacht von Boyacá. Und dann, was ganz interessant ist, im Oktober entdeckt William Smith die südlichen Shetland-Inseln. Bis dahin weiß noch kein Mensch, dass es die Antarktis gibt, übrigens. Das war einer der ersten Hinweise, dass es da unten noch was gibt aus ewigem Eis. Die Shetland-Inseln werden entdeckt. Und das fördert jetzt so die Expeditionsneugier von manch anderem Abenteurer. Ob es da vielleicht nicht noch mehr gibt.

[45:19] Übrigens, im November wird in Amerika von einer weiteren Verfinsterung von Sonne und Mond berichtet. Ähnlich wie 1780, nicht ganz so spektakulär, aber 1819 soll sich da noch einmal Sonne und Mond verfinstert haben. Und dann am 14. Dezember kommt ein neuer Bundesstaat zu Amerika hinzu, nämlich Alabama. Und Amerika breitet sich aus.

[45:44] In diesem Jahr 1819 ist auch die Ionische Bibelgesellschaft gegründet. Ion, heute bekannt als die griechische Bibelgesellschaft. Und in Frankreich, im Pariser Journal „Chronique Religieuse“, empfiehlt man das Buch von Lacunza. Da wird gesagt: „Lest das Buch von Lacunza, das seit einigen Jahren im Umlauf ist. Und es ist bereits mittlerweile auch in Italien übersetzt worden, ins Lateinische.“ Aber mittlerweile ist der Katholizismus auf die Gegenseite aktiv. Die spanische Generalinquisition ordnet die Beschlagnahmung aller Lacunza-Bücher an, bis eine vollständige Untersuchung angestellt worden ist. Und dann verbietet auch die mexikanische Inquisition und auch die peruanische Inquisition das Werk.

[46:29] Noch eine ganz tolle Sache, zu der es leider kein Bild auf dieser Welt gibt. Ein relativ unbekannter holländischer Bibelausleger mit Namen Heinz Peter, das ist der Nachname, Heinz Peter, der schreibt ein Buch mit dem Namen, ich kann kein Holländisch, also wenn ich es deutsch aussprechen würde, wäre es sowas wie „De Grote Wereldgebeurtenissen“. Das wird bestimmt ganz anders ausgesprochen. Die Holländer haben da so einen eigenen Weg. Aber in diesem Buch, das heißt übersetzt „Die großen Weltereignisse“, sagt dieser Heinz Peter, wie gesagt, ein Jahr nach William Miller, dass Daniel 8 und Daniel 9 zusammen gehen. Und dass diese Zeitperiode der 2300 Abend und Morgen von 457 vor Christus bis 1843 geht. Er gehört damit zu den ersten Menschen auf der Welt, die das tun. William Miller war ein Jahr vor ihm und wie gesagt, wir haben drei, vier Menschen kennengelernt, die schon einige Jahre vor ihm das entdeckt haben. Der erste war ein Deutscher, wir erinnern uns.

[47:24] Und das ist sehr, sehr signifikant, dass innerhalb kürzester Zeit jetzt an verschiedenen Orten, völlig unabhängig, Leute auf die gleiche Idee kommen, die gleichen Ergebnisse haben und immer diesen Punkt Daniel 8, Vers 14. Mit dieser Tatsache wollen wir uns verabschieden. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass wir nächste Woche wieder eine Folge haben werden. Da geht es dann zum Thema Zweifel und Verantwortung. Was macht man mit Erkenntnissen, die man gewonnen hat, wenn man sich nicht ganz sicher ist, ob sie nicht vielleicht doch falsch sein könnten. Wir werden die Jahre 1820 und 1821 studieren, dann auch wieder mehr zu William Miller erfahren. Wir werden sehen, ob Joseph Wolff tatsächlich zu einem Missionar für diese Gesellschaft geworden ist im Nahen Osten. Und wir werden sehen, wie das Leben von Joseph Bates weitergegangen ist auf der Hohen See. Und vieles, vieles mehr. Dazu laden wir euch ein, nächste Woche wieder einzuschalten. Und wir schließen, indem wir uns noch einmal vergewissern, dass wir nichts zu befürchten haben für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat.


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