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In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ taucht Christopher Kramp tief in das Jahr 1833 ein. Er beleuchtet die Kindheit von Ellen Harmon, die von Naturerlebnissen und frühen Lektionen über Pflicht und Mitgefühl geprägt war. Ein weiterer Schwerpunkt ist das erste Buch von William Miller, „Evidences from Scripture and History of the Second Coming of Christ about the year 1843“, in dem Miller seine prophetischen Auslegungen darlegt. Die Analyse zeigt Millers Denkweise, seine Stärken und auch die Bereiche, in denen spätere Erkenntnisse zu Korrekturen führten.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Einen wunderschönen guten Abend hier aus Stuttgart-Bad Cannstatt. Schön, dass ihr wieder dabei seid bei "Die Zeit des Endes". Schön, dass ihr live zugeschaltet seid oder später euch die Aufnahme auf joelmedia.tv.de anschaut. Heute sozusagen mit einer Sonderausgabe. Ich hoffe, ihr freut euch schon darauf. Wir werden uns heute nur peripher mit dem Jahr 1833 beschäftigen. Das haben wir eigentlich das letzte Mal schon ausführlich getan. Wir werden noch einige wenige Dinge nachtragen. Vor allem aber wollen wir uns beschäftigen mit Ellens Kindheit, die sich nicht immer ganz genau in Jahreszahlen ausdrücken lässt. Und wir wollen heute einen Blick werfen in das erste Buch, das William Miller herausgebracht hat, nämlich im Jahre 1833. Wir wollen uns anschauen, was stand da drin. Wir wollen uns zurückversetzen in die Zeit und uns überlegen, was wäre gewesen, wenn wir zum ersten Mal dieses Buch gelesen hätten. Und das wird, glaube ich, sehr spannend werden.

[0:51] Zuerst wollen wir natürlich wie jeden Abend Gott bitten, dass er uns durch seinen Heiligen Geist führt. Und dazu lade ich uns alle ein, gemeinsam zu beten. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass wir zu dir kommen können, dass wir lernen dürfen. Und wenn wir sehen, wie du deine Diener geführt hast von Kindheitstagen an und wenn wir auch sehen, wie die Wahrheit nach und nach entdeckt worden ist, dass wir Mut bekommen und Zuversicht, dass du auch uns führen wirst in unserem Leben bis zu dem großen Höhepunkt der Weltgeschichte deiner Wiederkunft. Und wir danken dir von ganzem Herzen, dass wir kostbare Lektionen heute lernen dürfen und dass sie uns vorbereiten auf das, was noch vor uns liegt. In deinem Namen beten wir Jesus. Amen.

[1:33] Ellens Kindheit und Millers Buch. Weiß jemand noch zufällig, das ist ja schon einige Wochen her, dass wir darüber gesprochen haben, in welchem Jahr die Ellen Harmon geboren worden ist? Genau, 1827 im November. Das heißt, im Jahre 1833 ist sie wie alt ungefähr? Sechs wird dann im November sechs. Genau, sie ist fünf und wird dann im November sechs. Dankeschön für den Hinweis. Hier, ich glaube, das Bild hat ihr schon gezeigt, ist ungefähr der Platz, wo das Haus mal stand, wo sie geboren ist. Das Ganze befindet sich ungefähr hier in den Vereinigten Staaten von Amerika im Bundesstaat Maine, den es ja einige Jahre zuvor erst gegründet worden ist. Ungefähr hier, da liegt Gorham. Nur so zur Orientierung, der William Miller ist ungefähr in dieser Gegend unterwegs. Da liegt ungefähr Lowhampton und so in dieser ganzen Gegend, da hält er so seine Vorträge, ab und zu auch im größeren Rahmen, bis nach Ostkanada hinein, aber so New York, Vermont, das sind so die Gegenden, wo William Miller aktiv ist zu jener Zeit. Joseph Bates ist ungefähr so hier in der Gegend hier, Massachusetts und Ellen Harmon, damals noch ein kleines Kind, hier in Gorham.

[2:56] Ein kleiner, kleiner Ort in der Nähe von Portland. Da sieht man es ein bisschen genauer. Hier ist die Stadt Portland, die damals schon eine vergleichsweise größere Stadt war und nur einige Meilen entfernt dort dieses kleine Dörfchen Gorham. Und ungefähr hier, noch etwas von Gorham entfernt, an der Straße, an so einem kleinen Hügel, da ungefähr stand das Haus, wo sie die ersten Jahre ihres Lebens verbracht hat. Wir haben ja gelernt, sie hatte eine ganze Reihe von älteren Geschwistern und eine Zwillingsschwester mit Namen, weiß es jemand noch? Elizabeth, ganz genau. Und das ist ungefähr so die Gegend, wie es da aussieht. Viel Wald, damals wahrscheinlich noch mehr als heute und in der Ferne die White Mountains, so ein kleines Mittelgebirge, das da sich so entlang zieht. Eine sehr schöne Gegend. In der Nähe gibt es auch den Sebago See, damals natürlich noch ohne Motorboot. Also wirklich eine interessante Gegend, um eine unbeschwerte Kindheit zu genießen und die hat sie wirklich gehabt.

[4:04] Natürlich gab es eine ganze Reihe von Pflichten auch zu tun, aber sie liebte es dort in den Wäldern, die sie vor allem im Herbst immer besonders farbenprächtig schmücken, das auch aus der Gegend dort, mit ihrer Schwester zusammen in den Wäldern zu sein und dort Dinge zu unternehmen. Eines Tages zum Beispiel berichtet sie davon später mal, wie sie, hier sehen wir noch typische Pflanzen aus der Gegend, so Waldveilchen, wie sie auf dem Weg war, diese Nüsse hier zu sammeln. Das sind sogenannte Hickory-Nüsse von dem amerikanischen Walnussbaum und die haben sie folgendermaßen gesammelt, als kleine Kinder, so im Alter von drei, vier, fünf Jahren, sind durch den Wald gezogen und haben dann in den hohlen Baumstämmen gesucht, wo die Eichhörnchen diese kleinen Nüsse versteckt haben, aber weil sie ja christlich erzogen worden sind, haben sie nicht einfach die Nüsse geklaut, sondern sie haben die Nüsse genommen und hatten immer so ein kleines Säckchen mit Weizenkörnern dabei und haben dann für jede Nuss Weizenkörner da hinein getan, damit die armen Eichhörnchen dann im Winter auch überleben können.

[5:08] Genau eine interessante Geschichte, fand ich ganz interessant, als sie so, naja, so drei, vier Jahre alt war, ist sie mit ihrer Schwester Elisabeth durch den Wald marschiert und während Ellen sehr aufgeschlossen und sonnig und fidel war, war ihre Schwester Elisabeth ein bisschen weinerlich und auch mollig und nicht so gelenkig und die kam nicht so leicht über die Baumstämme rüber und so hat sie dann der Ellen zugerufen, "Help over log", das heißt so übersetzt, Hilfe über Baumstamm, sozusagen, ja, und Ellen hat ihr über den Baumstamm geholfen und sagt später, seit diesem Tag hat sie ihr Leben lang Menschen über Baumstämme geholfen. Eine besondere Geschichte, die ich auch sehr interessant fand, es war ihre Aufgabe, die Kuh zu melken, die sie gehabt haben und eines Tages, als sie in den Stall ging, um die Kuh zu, auf die Wiese, um die Kuh dann zum Stall zu führen, war die Kuh verschwunden und sie musste dann durch den Wald marschieren, um die Kuh zu suchen, hat die Kuh nicht gefunden, bis sie irgendwann im Tal unten die Kuh gehört hat, wie sie in einem Flussbett gestanden hat, mit allen vier Beinen im Schlamm und dann hat sich die Kuh nicht mehr rühren können und wusste nicht mehr, hat geblöckt und gemuht, um Hilfe gemuht und klein Ellen, die damals so vielleicht vier oder fünf Jahre alt war, hat eine kluge Idee, sie hat sich Gras genommen und hat die Kuh gefüttert, so bis die Kuh dann wirklich Vertrauen hatte, dass sie Gras bekommt und dann, nachdem es ein paar Mal so gemacht hat, hat sie sich wieder mit dem Gras zu der Kuh genähert und hat dann aber das Gras etwas von der Kuh weggehalten und dadurch hat die Kuh Motivation bekommen, dieses Gras zu fressen und eine Anstrengung zu unternehmen, sich Richtung Gras zu bewegen und auf diese Art und Weise hat sie es dann geschafft, mit List und Tücke der Kuh beizubringen, wieder aus dem Morast herauszukommen.

[6:58] Also sie hat eine ganz unbeschwerte Kindheit gehabt, viel in der Natur und viel mit Tieren. Es war natürlich nicht ganz einfach mit vielen Geschwistern und auch einer, sagen wir mal, nicht besonders reichen Elternschaft. Vater Robert hatte sich ja versucht als Farmer, hat sich dann später wieder auf seine eigentliche Berufung als Hutmacher besonnen. Da hat man jetzt kein Vermögen mit verdient. Aber der Vater und auch die Mutter Eunice haben ihm beigebracht, fleißig und diszipliniert zu sein und wann immer es eine Pflicht gab und Ellen keine Lust hatte, das zu tun, sagt sie, hat sie dann gemurrt und hat sich beschwert, ist aus dem Zimmer heraus gelaufen und dann war es die Angewohnheit der Mutter, sie zurückzuzitieren und nochmal zu fragen, Ellen, was hast du gerade gesagt? Und dann musste Ellen es wiederholen. Und dann hat die Mutter ihr deutlich, aber liebevoll erklärt, dass sie eine Großfamilie sind und dass man natürlich in einer Großfamilie nicht nur angenehme Dinge hat, sondern auch Pflichten und dass genauso wie die Eltern sich um die Kinder kümmern, auch die Kinder ihren Beitrag zu leisten haben. Und so sagt sie, ja, es war eine schöne Zeit zu Hause, aber ungehorsam, damit kann man nicht leicht durch. Und das war vielleicht auch ganz gut so. Eine gute Erziehung, die sie da genossen hat. Sie hat aber genügend Zeit auch für Freizeit gehabt.

[8:15] Dann irgendwann zwischen 1831 und 1833, man kann das nicht mehr so genau rekonstruieren aus den Quellen, ist die Familie umgezogen, nämlich eben dort aus der ländlichen Gegend bei Gorham nach Portland. Der Grund war, dass der Vater wieder als Hutmacher arbeiten wollte und dort in Portland ein besseres Geschäft war. Portland, das ist heute natürlich eine gewaltige Stadt, dort am Atlantischen Ozean. Damals war die Stadt natürlich noch bedeutend kleiner, so ungefähr sah sie 1844, also nur gut zehn Jahre später aus. 13.000 Einwohner lebten in der Stadt, was damals schon relativ viel war. Es gab eine wachsende Wirtschaft, natürlich wegen dem Hafen, der dafür berühmt war, dass man von Portland aus vor allem mit der Karibik gehandelt hat. Das heißt, wenn wir uns Klein Ellen im Alter von fünf oder sechs Jahren vorstellen, wie sie da an der Promenade entlang spaziert ist mit ihrem Vater, können wir sehen, wie da viele Schiffe gewesen sind, Walfangschiffe, vor allem Handelsschiffe mit fluchenden spanischen Seemännern voller Tattoos, die dann den Jamaika herum verladen haben. Das ist so das Flair, in dem eigentlich Ellen Harmon damals groß geworden ist.

[9:33] Genau, hier noch ein Bild von dem Leuchtturm von Portland. Das war ungefähr die Größe von Portland damals und als die Familie hingezogen ist, haben sie ziemlich im Westen hier, so am äußersten westlichen Rand der Stadt, Richtung den Hügeln gelebt und zwar in der, Moment, in der Spruce Street, genau, kann man heute noch, gibt es heute noch, da haben sie gelebt und einige Jahre später sind sie dann umgezogen, hier nur ein paar Straßen weiter in die Clark Street, dort, also ganz nah am Ufer, ganz nah an der Promenade. Ellen hat die meiste Zeit ihrer Kindheit, tatsächlich da in ihrer späteren Kindheit, in einer Seefahrerumgebung quasi eigentlich verbracht. Von Portland aus ist Holz exportiert worden, in alle Herren Länder und vor allem importiert worden sind Zucker, Tabak, Kaffee, Gewürze und Rum. Und weil so viel Tabak und Kaffee und Rum dort gehandelt wurde, war natürlich auch die Christen sehr bemüht, dort die Mäßigkeit, die seit einigen Jahren schwer im Kommen war, dort auch durchzusetzen. So gab es in Portland auch schon relativ früh Mäßigkeitsgesellschaften und das, was der Joseph Bates und andere in Massachusetts getan haben, gab es natürlich hier auch in Portland. Und entsprechend war dort die Diskussion auch im Gange. Außerdem wurden in Portland viele Schiffe gebaut.

[11:01] Die klimatischen Bedingungen damals waren anders als heute noch. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag damals bei 6 Grad. Im Juni, im Juli konnte es manchmal bis 20 Grad werden, das war so Höchsttemperatur und im Winter natürlich ging es in die Minusgrade, aber es war ein raues Klima. Dann natürlich das Meer dazu, war jetzt ein bisschen anders als dort im schönen unberührten Wald von Maine vorher. Und dann ab Herbst 1833, wir wissen es nicht ganz genau, aber wir vermuten es ziemlich stark, dass ab Herbst 1833 sie in die Schule gegangen ist und das wird in den nächsten Wochen noch ganz interessant werden. Warum? Die Schule war nur eine Straße weiter, ganz angenehm, weil man nicht mit dem Schulbus fahren muss, den es ja damals sowieso noch nicht gab, in der Brackett Street, das war so ungefähr ihr Schulweg, entweder da lang oder da lang, keine Ahnung. Da gab es eine Schule und dort ist sie hingegangen und da wurde vor allem Lesen und Schreiben, Buchstabieren unterrichtet und Ellen White soll in den ersten 1-2 Jahren ihrer Schulaufbahn eine äußerst kluge und intelligente Schülerin gewesen sein. So klug, dass sie schon bald auch denen in der zweiten Klasse zum Beispiel geholfen hat, beim Unterrichten der ersten Klasse, weil damals war ein leerer Mangelwache und dann hat man die klügsten Kinder schon genommen gleich zum Helfen. Also Ellen White hat eigentlich ein relativ, ein helles Köpfchen sozusagen und hat eine gute Zukunft vor sich und natürlich werden wir sehen, was daraus geworden ist. Soviel also ein bisschen zur Kindheit von Ellen Harmon.

[12:38] Hier haben wir noch ein paar Bilder von Portland aus der Zeit damals, das ist alles noch, das ist so ungefähr das Stadtbild und die Lebensatmosphäre, die mit der Ellen aufgewachsen ist. Und da genau haben wir die. Was wir natürlich letztes Mal schon gesagt haben, was sie wohl nicht mitbekommen hat, aber was dann vielleicht jetzt den Anknüpfungspunkt für uns wieder bildet für das Jahr 1833, ist dieser Sternenfall, der sich dort vom 12. zum 13. September ereignet hat und der natürlich eine ganze Reihe von Menschen noch mal richtig wachgerüttelt hat. Und es war eine Zeit, wo ja, wie wir gesehen haben, viele christliche Gruppierungen auf die Wiederkunft gewartet haben, unter anderem auch diese etwas obskure Gruppierung hier, das sind Mitglieder der Molokanen. Und die Molokanen sind eine russische christliche Gruppe, die ihren Ursprung haben in der Nestorischen Kirche, also der Kirche des Ostens, die zur Zeit des Mittelalters eine ganze Reihe von urchristlichen Werten aufrechterhalten hat. Sie orientieren sich stark am Urchristentum und distanzieren sich von der russisch-orthodoxen Kirche. Und sie hatten für das Jahr 1833 die Wiederkunft erwartet. Interessanterweise ist natürlich ausgeblieben, aber sieht man, dass in sehr versprengten Gebieten, sehr unterschiedlichen Gruppen, diese Idee wirklich da war, um diese Zeit herum muss etwas Gewaltiges passieren.

[14:06] Und natürlich hat es auch Ausdruck gefunden in den verschiedensten Publikationen, zum Beispiel hier von unserem schon mehrfach angesprochenen William Cunningham. Da heißt es, "Das politische Schicksal der Erde, wie es sich in der Bibel offenbart." Und er zitiert dann aus dem Buch Daniel, hier ist ein längerer Abschnitt, und richtet einen regelrechten Aufruf an die Christen, an die Politiker, an die Staatsmänner, auch an die Ungläubigen, darüber nachzudenken, was sie jetzt tun sollen, denn in wenigen Jahren wird das Ende kommen. Anderes Buch, ebenfalls aus England, "The Time of the End", die Zeit des Endes, eine Serie von Vorträgen über die prophetische Chronologie von Reverend W.H.A. Holmes. Und er war der einzige Engländer, den ich bisher gefunden habe, der nicht von einem Endzeitereignis um 1843 oder 1847 ausging, sondern der noch an dem alten Datum 1836 festgehalten hat, was ungefähr 100 Jahre vorher von Dengel, hier in Baden-Württemberg mal errechnet worden war. Und deswegen war natürlich sein Buch auch besonders kontrovers diskutiert worden, weil im Jahre 1833, wo er das rausbringt, da nur noch drei Jahre blieben, bis zur vermeintlichen Wiederkunft.

[15:27] Ein anderes interessantes Buch, auch 1833 erschienen von Samuel Smith, einem ehemaligen römisch-katholischen Priester, der ein Buch schreibt, "Renunciation of Popery", also die Ablehnung oder die Widerlegung des Papsttums. Und er schreibt dort, wie er aus der katholischen Kirche ausgetreten ist und Protestant geworden ist. Es gab ja vor allem in Amerika eine recht anti-katholische Stimmung auch durch diese protestantische Erweckung. Aber diese Bücher wollen uns nur überleiten zu dem eigentlichen Buch, das für uns interessant ist, im Jahre 1833. Und das war Millers erstes Buch. Obwohl er in seinen Recherchen ja kaum von anderen abhängig war und alles ziemlich selbst entdeckt hat, hat er eine Sache gemeinsam mit den anderen Autoren auch. Auch sein Buch hat einen langen Titel. Sein Buch hieß "Evidences from Scripture and History of the Second Coming of Christ about the year 1843, and of his personal reign of a thousand years", heißt auf deutsch "Die Beweisgründe von der Schrift, also der Bibel, und der Geschichte über die Wiederkunft Jesu, die sich ungefähr im Jahre 1843 ereignet wird und von seiner persönlichen, also direkten Regierung über tausend Jahre."

[16:40] Was habe ich gesagt? Ah, seine Zeit ist gekommen, also seine Wiederkunft. Und dieses Buch, das er geschrieben hat, hatte ungefähr 64 Seiten, aufgeteilt in einen Vorwort und sechs Kapitel. Und was wir jetzt machen wollen, wir wollen uns mal vorstellen, wir sind im Jahre 1833 und kaufen uns dieses Buch, haben keine Ahnung, was sonst in der Welt passiert an Prophetieauslegung und vor allem haben auch nicht das ganze Vorwissen, das wir jetzt haben. Und schauen mal, was hat er alles geschrieben. Wir werden feststellen, etliches von dem, was wir heute verstehen, hat er auch schon verstanden, aber es gibt auch einige Kuriositäten, die wir mittlerweile aufgegeben haben oder die wir heute anders sehen würden und das ist ganz spannend. Also alles, was wir jetzt sagen, ist sein Verständnis 1833 und nicht notwendigerweise das, was ich jetzt glauben würde, aber sehr, sehr spannend zu sehen.

[17:31] Zunächst einmal gibt es eine Einleitung. In dieser Einleitung zitiert er noch einmal die Auslegungsprinzipien, die er angewendet hat und die haben wir schon im Detail angeschaut. Diese 20 Auslegungsregeln, die sehr gut sind und er betont noch einmal die Notwendigkeit, dass sich Prophetie buchstäblich erfüllt. Das heißt, all die Prophezeiungen über das erste Kommen Jesu haben sich buchstäblich erfüllt. Er war buchstäblich durchbohrt worden. Er hat buchstäblich gesagt, Vater, mein Vater, warum hast du mich verlassen? Er ist buchstäblich nach Jerusalem gekommen, er saß auf einem buchstäblichen Esel und so weiter und so fort. Das waren buchstäbliche, eine echte Zeitprophezeiung, die sich dort erfüllt hat. Und im selben Sinne müssen sich auch die Prophezeiungen auf die Wiederkunft buchstäblich erfüllen und nicht einfach nur vergeistigt auf ein tausendjähriges Friedensreich, so wie es die meisten Christen der Zeit damals sehen. Also hier noch ein paar Gedanken aus dem Vorwort und die finde ich sehr interessant, weil sie eine Grundhaltung zeigen, die man heute nur noch kaum antrifft. Und wenn man allein diese Gedanken sich einverleiben könnte, hätte man, glaube ich, schon viel gelernt aus diesem Buch.

[18:39] "Wenn ich mich geirrt habe, hoffe ich, dass andere sehen, wo, so dass sie der Gefahr ausweichen können. Ich habe kein Verlangen, irgendjemanden in die Irre zu führen, sondern mein hauptsächliches Ziel ist es, andere, die fähiger sind als ich, anzuregen, dieses Thema zu studieren." Das war sein eigentliches Ziel. Er wollte gar nicht, denn wir wissen, er wollte gar nicht so viel predigen, er wollte gar nicht da irgendwas los treten. Er hat nur was entdeckt und hat sich gewundert, warum kein anderer das entdeckt. Jedenfalls hat er noch nichts gewusst von all den anderen Leuten in der ganzen weiten Welt, die er für sich isoliert. Und er wollte nur die Theologen und die großen Prediger der Zeit anregen, jetzt das weiter zu studieren.

[19:17] Er sagt, das finde ich besonders interessant, "Ich habe äußerst großes Misstrauen mir selbst gegenüber. Ich weiß nicht, wer das von sich aus behaupten kann, aber das Wort Gottes wird sich erfüllen. Im Studium des Wortes habe ich versucht, mich von allen vorgefertigten Meinungen zu befreien. Ich habe über dieses Thema seit mehr als 14 Jahren täglich gebetet." Also wir wissen, er hat lange studiert, das haben wir schon herausgefunden, aber hier sagt er, ich habe jeden Tag seit über 14 Jahren über dieses Thema gebetet. Wer von uns kann sagen, ich habe die letzten 14 Jahre ein biblisches Thema studiert und jeden Tag in meinem Gebet Gott gefragt, ob es richtig ist. Heutzutage werden Theorien viel schneller und mit viel weniger Vorbereitung vorgetragen. Der Mann hat wirklich eine gründliche Vorarbeit geleistet.

[20:04] Er sagt, "Ich habe oft meine Schwachheit gefühlt und wünschte, ich könnte sie öfter spüren. Ich habe mir vorgenommen, keine Meinung hastig zu bilden." Achtung, das ist sehr interessant. "Ich habe mir vorgenommen, keine Meinung hastig zu bilden, bevor sie nicht gut ausgewachsen ist und durch biblische Beweise gut unterstützt wird." Etwas, wozu wir Menschen so leicht neigen, ist, dass wir ein paar biblische Texte lesen und dann schnell unsere Meinung formen und dann kaum noch davon weg zu bewegen sind. Und er hat sich vorgenommen, ja, ich möchte viele Dinge beobachten, aber warten, bis ich eine echte Schlussfolgerung ziehe. "Ich war nur dann zufrieden, wenn ich biblische Beweise oder gut belegte Fakten hatte. Ich habe es niemals gewagt, bewusst einen Schritt weiter als die Offenbarung, also das, was Gott offenbart hat, meint er hier, zu gehen, weil ich fürchtete, mein Ich würde dann dominieren. Nichts aus eigener Überlegung."

[20:57] Also, hier sind die sechs Kapitel. Jetzt gehen wir mal durch und schauen, was wir mit ihm übereinstimmen würden und wo wir sagen würden, Mensch, Miller, das verstehen wir heute sogar vielleicht noch ein bisschen besser, aber mit aller Demut, denn wer von uns hat dieses Thema selbst 14 Jahre studiert, nicht wahr? Und nicht vergessen, er war ein Pionier, nicht wahr? Und die Pioniere, die entdecken erst mal so die großen, entscheidenden Dinge und dann kommt das, wie man es nennt, das Feintuning, nicht wahr? Die Details. Und es lohnt sich vielleicht sogar, die Bibel zur Hand zu nehmen und ein bisschen mit zu verfolgen. Wir werden die Bibeltexte nicht alle lesen, aber wir werden durch die Prophezeiung ein bisschen durchgehen und dann vor allem dort, wo es auch vielleicht Abweichungen zu unserem normalen Verständnis gibt, so ein bisschen das kommentieren.

[21:38] Das erste Kapitel und im Wesentlichen ist ein Buch ein Kommentar zu Daniel und einigen Offenbarungskapiteln. Das erste der sechs Kapitel steht ganz im Zeichen von Daniel 2, 7 und 8. Über Daniel 2 verliert er kaum einen Absatz, weil das so generell klar war in der ganzen protestantischen Welt, dass man da nicht weiter Großes beweisen musste. Jeder wusste und er erwähnt es nur kurz, dass in Daniel 2 die vier Weltreiche, natürlich Babylon, Medopersien, Griechenland, Rom sind und dann natürlich Gottes Reich kommt durch die Wiederkunft. Und Daniel 7, er geht ein bisschen ausführlicher darauf ein, beschreibt dann noch einmal die gleichen Weltreiche. Übrigens, wir wissen ja, dass beim ersten Weltreich, welches Tier ist das erste Weltreich? Genau, der Löwe, dass so die Flügel ausgerissen worden sind und es ist vielleicht interessant zu wissen, dass auch Miller verstand, dass dieses Ausreißen der Flügel bedeutet, dass Nebukadnezar gedemütigt wurde. Wann wurde er gedemütigt? Diese sieben Jahre, als er wie ein Ochse gelebt hat. Genau, also Miller geht relativ schnell in Daniel 7, eines seiner absoluten Lieblingskapiteln.

[22:41] Das war interessant, die drei Rippen hat er nicht ausgelegt als die drei Nationen, die Medopersien dann erobert hat, sondern er hat es ausgelegt als die drei Teile von Medopersien. Und er hat Babylon noch dazu gezählt, also Babylon, Medien und Persien. Bisschen kurios. Dann natürlich das kleine Horn, das hat er ganz genau, auch wie wir es heute sehen würden, als das Papsttum interpretiert. Das war auch etwas, was ganz selbstverständlich war im Protestantismus. Auch kurios ist seine Auslegung der drei ausgerissenen Hörner. Wer sind die drei ausgerissenen Hörner eigentlich? Die Ostgoten, die Vandalen und die Heruler. Das sollte aber späteren oder in einer späteren Zeit vorbehalten bleiben. Für ihn waren die drei ausgerissenen Hörner Spanien, Italien und Deutschland. Und zwar dadurch, dass durch das Wirken des Papstes diese drei Regionen alle dem Frankenreich, also Frankreich unterworfen worden sind. Und das war für ihn dieser Vorgang. Das kleine Horn natürlich, das Papsttum.

[23:47] Dann beschreibt er ebenfalls, sehr interessant, in Daniel 7 Vers 9, dass diese Stelle, wo er dann sieht "und ich sah, wie Throne aufgestellt wurden und ein Alter sich setzte", dass das das Endgericht darstellt. Und in Daniel 7, vielleicht können wir das gemeinsam oder kurz mal reinschauen, da sagt er, und das ist interessant, er sagt, Daniel 7 Vers 13, 14 ist ganz definitiv die Wiederkunft. Wenn jemand das mal sich anschaut, warum sagt er wohl, dass Daniel 7 Vers 13 die Wiederkunft ist? Genau, "es kam mit den Wolken des Himmels gleich einem Sohn des Menschen." Selbst heute kenne ich viele Menschen, die beim ersten Lesen sofort sagen, ja, das muss die Wiederkunft sein. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass dort der Menschensohn nicht zur Erde kommt, sondern zum Alten an Tagen. Das war das kleine Detail, was er übersehen hat, was natürlich dann zu vielen Folgefehlern auch geführt hat.

[24:38] Dann, interessant, seine zehn Hörner hat die gleichen modernen Nationen aufgeschrieben. Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Britannien. Stimmen wir wahrscheinlich zu, aber kurios sind die fünf anderen. Da ist er sich unsicher und zitiert dann einen Historiker und meint, es könnten vielleicht Dänemark, Polen, Portugal, Schottland und Schweden sein. Das ist interessant, oder? In Vers 22 er kommentiert dann über den Antichristen und bringt ein brillantes Argument gegen die Millenniumstheorie. Er zeigt nämlich in Vers 22, dass das kleine Horn kämpfen wird, Vers 21, bis Jesus wiederkommt. Bis das Endgericht stattfindet. Was bedeutet, dass wenn das kleine Horn kämpft, bis Jesus wiederkommt, kann es vor der Wiederkunft niemals ein tausendjähriges Friedensreich geben? Logisch, oder? Das war ein ziemlicher Schlag natürlich in diese populäre Irrlehre vom tausendjährigen Friedensreich, den er da gefunden hat.

[25:43] Dann Vers 25, uns gut bekannt. Die dreieinhalb Zeiten, das war für ihn auch selbstverständlich und hat es sehr deutlich dargelegt, dass das Zeitprinzip aus Hesekiel 4 Vers 6 und 4. Mose 14 zu gelten hat, dass es 1260 Jahre sind und hat noch einen großen Punkt darüber gemacht, dass die Prophetie verstanden werden kann, weil natürlich viele Christen auch gesagt haben, Daniel und Offenbarung, das sind versiegelte Bücher, die sind nur deswegen so schwierig, damit wir verstehen, dass es schwierig ist und dass wir denken, Gott ist allmächtig, wir können es aber nicht verstehen und damit ist der Sinn und Zweck des Buches erfüllt. Und Miller sagt, nein, man kann sie verstehen und das ist sogar wichtig.

[26:22] Und William Miller gehört zu denjenigen, die ganz deutlich das Jahr 1798, also das Ende der 1260 Jahre erkannt haben, was nicht so selbstverständlich war in den Jahrzehnten vorher, wie wir gesehen haben. Viele haben sich da ein bisschen schwergetan in der britischen Adventbewegung, haben es eher auf 1793 oder auf andere Daten gelegt. Dann weiter in Daniel 8 und da gehört dann nicht viel Bibelkenntnis dazu, den Widder zu Medo-Persien und den Ziegenbock zu Griechenland zuzuordnen, weil der Text sagt es ja selbst und auch, dass die Perser das höhere Horn waren, war selbstverständlich, das erklärt er alles. Er geht dann auch auf Alexander den Großen ein. Man hat so, wenn man das liest, so den Eindruck, als wäre man in einer Evangelisation.

[27:07] Dann interessant auch, ganz richtig, die vier Diadochen, die er aufteilt auf Ägypten, Syrien, Mazedonien, die griechischen Inseln und dass das kleine Horn Rom ist, das herrliche Land, das dort in Daniel 8 beschrieben wird, Jerusalem. Und vielleicht lesen wir das mal gemeinsam in Daniel 8, Vers 10. Das ist nämlich sehr interessant. Da beginnt es nämlich jetzt etwas sehr interessant zu werden. Es heißt da von dem kleinen Horn: "und es wagte sich bis an das Heer des Himmels heran und warf von dem Heer und von den Sternen etliche auf die Erde und zertrat sie." Da hat Miller gesagt, dieses Heer des Himmels ist das Volk Gottes und das Volk Gottes damals zur Zeit Roms war Israel und die Sterne sind sozusagen die Führer des Volkes, weil wenn man in den Himmel schaut, dann sind die Sterne, die führen einen. Und es ist die römische Armee, die hier die Führer des Volkes, die jüdischen Könige absetzt und dann das Volk unterdrückt.

[28:16] Vers 11, auch sehr interessant, weil es heute in manchen Kreisen eine Diskussion über diesen Vers gibt und ich möchte das ganz kurz hier erwähnen, weil das glaube ich ein bisschen Licht auf die Sache wirft. In Daniel 8, Vers 11 heißt es: "bis zum Fürsten des Heeres erhob es sich und es nahm ihm das Beständige weg und seine heilige Wohnung wurde verwüstet." Ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch schon mal etwas über diese Diskussion über das Beständige gehört hat oder das Tägliche. Da ist in manchen Kreisen eine gewaltige Diskussion darüber entbrannt, will ich jetzt gar nicht darauf eingehen und manche Leute stützen ihre These, dass hier das Tägliche das Heidentum ist, auf die Behauptung, dass Miller das so gesagt hätte. Fakt ist aber, in seinem Buch sagt Miller, dass das Tägliche und er sagt sogar Opfer, weil er gar nicht wusste, dass das Wort Opfer gar nicht drinsteht, dass das Tägliche oder Beständige das Zeremonialgesetz ist, das jüdische Zeremonialgesetz, das abgeschafft worden ist und dass dieser Kampf gegen das Heiligtum ein Kampf gegen das irdische Heiligtum war. Nach seiner Theorie hat Rom natürlich, und das ist ja auch wahr, das irdische Heiligtum zerstört und damit dem Zeremonialgesetz endgültig ein Ende bereitet.

[29:28] Ebenfalls interessant, dann in Vers 12 und da würden wir ihm auf jeden Fall zustimmen, egal wie wir uns zu Vers 11 stellen, ob wir das so annehmen oder nicht. In Vers 12 wird dann der Abfall des römischen Papsttums beschrieben, wo es dann heißt: "das Heer wurde dahingegeben samt dem beständigen Opfer wegen des Frevels und das Horn warf die Wahrheit zu Boden und sein Unternehmen gelang ihm." Und genau das würden wir natürlich ganz genau so sehen. Also hier sehen wir, wie er in Daniel 8 das auslegt. Dann im zweiten Kapitel beschäftigt er sich ausschließlich und ausführlich mit Daniel 8, Vers 13 und 14. Das ist ja sein großer Text, die 2300 Abende und Morgen und auch da ist ja die Frage in Vers 13, wie lange gilt dieses Gesicht, nämlich das von dem beständigen Opfer und dem verheerenden Frevel, das sowohl Heiligtum als auch Opferdienst der Zertretung preisgegeben wird.

[30:20] Und Miller legt aus und sagt, das tägliche ist der irdische Priesterdienst, das war der jüdische Dienst und der verheerende Frevel, das ist dann die Verfolgung durch das kaiserliche und päpstliche Rom. Und die gesamte danielische Prophezeiung bezieht sich sowohl auf die Zeit des Judentums als auch dann auf die Zeit des Christentums, wo das Christentum verfolgt worden ist von den Kaisern und von den Päpsten. Und dann, ganz interessant, in Daniel 8, Vers 14, das Fundament der ganzen Adventbewegung, da heißt es ja und ihr kennt es vielleicht auch auswendig, "er sprach zu mir: Bis zu 2300 Abende und Morgen, dann wird das Heiligtum gerechtfertigt werden." Miller hat gedacht, dass das Heiligtum die Kirche des lebendigen Gottes ist. Frage, ist das richtig oder falsch?

[31:20] Frage, wenn ihr das so seht, sieht das unbiblisch aus? Heiligtum? Es gibt gute Gründe. Welche guten Gründe könnte man dafür anführen, dass es die Kirche des lebendigen Gottes ist? Wir sind der Tempel des Heiligen Geistes, nicht wahr? Es gibt mehrere neutestamentliche Texte, die ganz deutlich sagen, wir sind der Tempel des Heiligen Geistes. Das heißt, er liegt gar nicht so falsch. Und ich glaube selbst persönlich, dass die Gemeinde, die Kirche Gottes mit eine Rolle spielt, denn was immer passiert im himmlischen Heiligtum, hat eine Korrespondenz zu dem, was auf der Erde passiert, nicht wahr? Das himmlische Heiligtum wird ja nicht nur gereinigt an sich, sondern auch wir sollen gereinigt werden.

[32:07] Das eigentliche Problem war, dass er nicht entdeckt hat, dass der primäre Sinn natürlich das himmlische Heiligtum ist. Er hat sozusagen nur den sekundären Sinn erkannt und weil natürlich damals von einer Heiligtumslehre noch nichts, keinerlei irgendwie, es war noch gar nicht in Sicht, nicht wahr? Also für ihn war das die Kirche des lebendigen Gottes und das ist wirklich gar nicht so falsch. Es fehlt halt nur was, nicht wahr? Es fehlt halt nur was Entscheidendes. Aber das, was er sagt, ist eigentlich nicht wirklich unbiblisch. Es ist eigentlich richtig in einem gewissen Sinne. Und was viele oft später den Milleriten vorgeworfen haben, dass nämlich das Wort "gereinigt" eigentlich besser "gerechtfertigt" heißen müsste, das hat der Miller selbst gewusst. Das habe ich bis vor kurzem auch nicht gewusst, dass er das schon geschrieben hat. Er wusste, dass das Wort mehrere Bedeutungen haben kann.

[32:51] Es gab vor einiger Zeit mal, also nicht in unserer Ortsgemeinde, aber in unserer weltweiten Gemeinde, einen Mann mit Namen Desmond Ford, ich weiß nicht, ob ihr von ihm gehört habt, der aufgrund dieser Wortspielerei 1000 Prediger aus der Gemeinde rausgeführt hat und behauptet hat, der Miller hat das falsch verstanden. Ich habe jetzt, als ich das studiert habe, festgestellt, der Miller wusste das und hat entsprechend darauf seine Theorie aufgebaut. Aber das nur am Rande. Also der Miller war schon ziemlich, ziemlich fit in dem, was er studiert hat. Nur mal so am Rande, es gibt wahrscheinlich auch Leute, die zuschauen, die jetzt wissen, wovon ich rede, die vielleicht sich sehr damit beschäftigt haben und für die diese Information vielleicht besonders auch interessant sein kann. Obwohl sie jetzt für uns jetzt nicht so von Lebensnotwendigkeit ist.

[33:33] Und natürlich, William Miller hat sehr viel Zeit darauf verwandt, dem Leser zu zeigen, warum Daniel 8 und Daniel 9 miteinander verknüpft werden müssen. Was würdet ihr sagen, was ist der Grund, warum sind Daniel 8 und Daniel 9 miteinander verknüpft? Wie kann man das zeigen? Hm? Was ist der Grund, dass man Daniel 9 und Daniel 8 miteinander verknüpfen muss?

[34:02] Genau, die Zeitrechnung aus Daniel 9 erklärt dann die aus Daniel 8, aber das ist das Ziel, wo wir hinkommen wollen. Das will er auch dann erreichen. Aber aus welchem Grund dürfen wir diese Zeitprophezeiung von Daniel 9 mit der von Daniel 8 verknüpfen? Aus welchem Grund wissen wir, dass Daniel 9 eine Erklärung von Daniel 8 ist? Das stimmt, aber in Daniel 8 geht es noch nicht so. Ja, es gibt einen Grund, warum wir wissen, dass beides miteinander zusammenhängt. Ja, aber das wusste er nicht, weil er Hebräisch konnte nicht.

[34:33] Es gibt einen ganz einfachen Grund. Ja. Genau, Daniel sucht eine Antwort und von wem bekommt er die Antwort? Von welchem Engel? Gabriel. Und was heißt dann, was sagt der Gabriel? Daniel sagt, es ist derselbe Engel, den er vorgesehen hat in der Vision und jetzt kommt der Engel, sagt er, um dir jetzt das Verständnis mitzuteilen. Also einfach, wenn man die beiden Kapitel liest, ohne weitere Auslegungen, stellt man fest, in Daniel 8 spricht Gabriel und erklärt ihm alles bis auf die 2.300 Abende und Morgen und in Daniel 9 kommt Gabriel wieder und sagt, jetzt erkläre ich es dir. Und daher wissen wir, dass Daniel 9 und Daniel 8 zusammengehören und das, wie gesagt, ist ja eine Erkenntnis, die erst wenige Jahre zuvor, wenige Jahrzehnte zuvor überhaupt erstmals in verschiedenen Teilen der Welt aufgekommen ist und auch Miller alleine drauf gekommen. Das könnte man sagen, ist wahrscheinlich einer der entscheidendsten Punkte der Adventbewegung.

[35:25] Diese Erkenntnis, die der Heilige Geist mehreren Leuten gleichzeitig gegeben hat, das ist so ein Angelpunkt, an dem vieles, vieles hängt. Und er beschreibt das sehr deutlich. Wir sollten diese Dinge wissen, weil das sind so echte Fundamente unseres Glaubens. An solchen Dingen hängt die Adventbewegung. Die hängen daran, an solchen Erkenntnissen. Und dann in Daniel 9, natürlich geht er dann auf Daniel 9 ein, zeigt er die Prophetie über den Aufbau von Jerusalem und das Kommen Jesu, das kennt ihr alles. Vielleicht interessant, was er damals noch nicht so gesehen hat, das ist ein bisschen kurios, wir kennen das ja mit den dreieinhalb, mit der letzten Woche, nicht wahr? In der Mitte der Woche ist das Kreuz, dreieinhalb Zeiten für den Dienst von Jesus, dreieinhalb Zeiten, also dreieinhalb Jahre für die, für die, bis Stephanus. Das hat er nicht so gesehen, sondern für ihn war das Kreuz ganz am Ende. Und er teilt die letzten sieben Jahre in dreieinhalb Jahre Johannes den Täufer und dreieinhalb Jahre Jesus ein. Fand ich ganz interessant.

[36:15] Und dann, die Wegnahme des Opfers ist natürlich die Kreuzigung und von der Kreuzigung rechnet er dann 1810 Jahre weiter, weil 2300 minus 490 sind natürlich 1810. Und Jesus war 33 Jahre alt, als er starb und das Kreuz ist der Endpunkt der 490 für ihn. Und so kam er auf 1843. Da haben wir nochmal diesen Punkt. Also an sich ist das alles, es sind also zu diesem Zeitpunkt um 1833 sind also quasi zwei Fehler, die wir sehen. Der erste Fehler ist der, natürlich das fehlende Jahr Null, dass er nichts mitbrechend hat. Wir müssten hier im Jahre 34 rauskommen und dann entsprechend 44. Der zweite Fehler ist, dass das Kreuz eigentlich hierhin gehört. Die letzte Woche hier. Aber da war noch nicht so tief drin. Das war erstmal so der Grundstock, dieses Wissen, dass diese beiden Prophezeiungen zusammenkommen. Ganz richtig das hier und ganz richtig das hier, fast richtig das hier. Und naja, Folgefehler, nicht wahr? Folgefehler. Das ist wie in der Mathearbeit, wenn man am Anfang einen Fehler macht und dann kriegt man trotzdem noch nur eins Minus, nicht wahr? Weil es halt Folgefehler ist.

[37:26] Genau. Und das finde ich so toll. Er geht in Kapitel 2, hört er nicht bei Daniel 9 auf, sondern er geht weiter und geht dann in Daniel 2 hinein, wo noch dann die weiteren Informationen kommen. Und er zeigt, dass Daniel 10 und Daniel 11 weitere Auslegungen von den folgenden Prophezeiungen sind. Und er geht sogar ein bisschen durch Daniel 11 hindurch und das werde ich mit euch ganz kurz hier ohne jetzt eine lange Auslegung von Daniel 11 zu machen, auch machen, weil das wirklich spannend ist und vielleicht auch dem einen oder anderen Prophetiekenner am Livestream vielleicht auch helfen kann. Mal einfach zu wissen, was Miller gesagt hat. Das fand ich sehr, sehr interessant.

[38:00] In Daniel 2 wird von vier persischen Königen gesprochen. Er sagt, der König, der jetzt ist, Kyros, und dann kommen noch drei weitere. Es werden also vier Könige erwähnt, Kyros, Kambyses, Darius und Artaxerxes. Und Miller war der Meinung, dass durch diese Anzahl der vier Könige der persische König erwähnt wird, der am Ende den Befehl gibt. Denn wir wissen, es gab mehr als vier persische Könige hinterher. Aber er erwähnt nur vier, um zu zeigen, der vierte wird dann den Befehl geben, den berühmten, auf den Daniel 9, Vers 25 bezieht. Dann natürlich in Vers 3 erklärt er Alexander den Großen, und das ist vollkommen richtig. In Daniel 4 die Teilung Griechenlands durch die vier Diadochen. Und dann in Vers 5 bis 13 die Geschichte der Diadochenkriege. Da geht er nicht ins Detail, sondern verweist auf die einschlägigen Geschichtsbücher. Wenn ihr mal wissen wollt, was Vers 5 bis 13 bedeutet, dann wendet euch an meine liebe Frau, die ist Expertin daran.

[39:04] Und Vers 14, wenn ihr das mal anschaut, da heißt es: "Auch zu jener Zeit werden viele gegen den König des Südens aufstehen, auch gewalttätige Leute aus deinem Volk werden sich erheben." Im Englischen ist es eher "gewalttätige Leute gegen dein Volk." Und aus dem Grund hat er hier angenommen, dass ab diesem Zeitpunkt, ab Vers 14, die römische Herrschaft beginnt. Also Rom jetzt in die Prophetie einsteigt. Vers 16, ich gehe da nur ganz kurz durch, ihr könnt es ja dann später nochmal euch anschauen oder runterladen und dann mit dem Bibeltext vergleichen. Vers 16, Pompejus erobert Palästina. Vers 17, Cäsar und Kleopatra. Vers 19, Ermordung von Cäsar. Vers 20, Kaiser Augustus. Vers 21, Kaiser Tiberius. Das ist im Wesentlichen so die klassische Auslegung von Daniel 11, die wir mit vielen Punkten heute wahrscheinlich auch so übernehmen würden.

[40:01] Vers 22, sehr wichtig und sehr gut von ihm, sieht er ebenfalls die Kreuzigung von Jesus. Wenn ihr Vers 22 schaut, das ist so der Höhepunkt von Daniel 11, da heißt es: "Und die Streitkräfte, die wir in der Flut daherfahren, werden vor ihm weggeschwemmt und zerbrochen, werden dazu auch ein Fürst des Bundes." Und der Fürst des Bundes ist natürlich Jesus, der im Jahre, also wie wir wissen heute, 31 n. Chr. gekreuzigt worden ist.

[40:23] Was Miller dann macht, ist etwas ungewöhnlich und so ein bisschen aus der Not herausgeboren. Wenn man das liest, merkt man, dass er die nächsten Verse nicht so richtig... Er fängt nämlich jetzt an, ab Vers 23, nach der Kreuzigung, wieder zurückzuspringen in der Zeit. Übrigens, Vers 23 bis 29 oder bis 30 sind meiner Meinung nach die wahrscheinlich dunkelsten Verse in ganz Daniel Offenbarung. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine einzige überzeugende biblische Auslegung dieser Verse gefunden. Also wenn ihr mal wirklich euch verdient machen wollt, studiert 14 Jahre, betet jeden Tag drüber und dann schreibt ein Buch über diese Verse. Also das ist wirklich noch ein bisschen unklar. Jedenfalls, das ist, was Miller geschrieben hat. Er springt quasi zurück, weil er dadurch meint, am ehesten das erklären zu können.

[41:08] Vers 23 sieht er die Verbindung zwischen den damals noch etwas schwächeren Römern, die sich mit den jüdischen Truppen verbunden haben, im Jahre 158 vor Christus und damit der erste Kontakt zwischen Gottes Volk und Rom hergestellt worden war. In Vers 24, den Charakter des römischen Reiches. Vers 25, dann der römisch-ägyptische Krieg zwischen, zur Zeit von Cäsar und Pompejus. Intrigen römischer Generäle. Vers 27, Augustus. Vers 28, Augustus, der erste Kaiser. Und dann springt er, da sieht man wieder die Schwäche dieser Sache, dann springt er plötzlich ungefähr 500 Jahre oder 400 Jahre in Vers 29, weil er merkt, das was jetzt kommt, das geht jetzt schon bald Richtung Papsttum. Das hat jetzt zu tun mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches. Und ab Vers 29, glaube ich, kann man ihm wieder gut folgen.

[41:56] Vers 29 und die folgenden erscheinen ziemlich gut recherchiert zu sein. Die Barbaren, das heißt die germanischen Stämme überrennen das römische Reich. Vers 30, das ist ein bisschen merkwürdig. Attila und die Hunnen, weil dort spricht es von den Schiffen von Kittim und aus irgendeinem Grund, ich weiß nicht warum, verbindet er Kittim mit Ungarn und weil die Hunnen aus Ungarn kommen, sieht er das als die Interpretation. Sehr interessant zumindest. Ich habe das noch nicht genau studiert, was die Verbindung zwischen Kittim und Ungarn ist. Vielleicht gibt es die ja.

[42:29] Vers 31 beschreibt das sehr richtig und sehr genau, den Untergang von Rom. Und hier, und das wird für alle, die sich mit der Materie schon beschäftigt haben, interessant sein, hier erwähnt er, dass das Beständige oder das Tägliche ein heidnisches Ritual ist. Das heißt für ihn ist das Beständige Daniel 8 etwas anderes als das Beständige Daniel 11. Und das haben viele, viele in der gegenwärtigen Diskussion übersehen, dass Miller das getrennt hat. Und er beschreibt hier, dass die heidnischen Rituale abgeschafft wurden durch die Christianisierung des römischen Reiches. Und dann beschreibt er den Abfall der römischen Kirche. Das ist jetzt ziemlich klassisch und ziemlich eindeutig. Könnte man alles eins zu eins unterschreiben.

[43:14] Vers 32, Abfall der römischen Kirche, die Verfolgung Andersdenkender, das ist so diese Zeit der Waldenser, über die wir vor kurzem auch eine Predigt hatten. Die Zeit 1062 Jahre. Übrigens die Hilfe, von der wir heute meistens entweder annehmen, dass es Amerika ist oder die Reformation, legt er einfach auf die Gnade Gottes aus. Die Hilfe, mit der ihm geholfen worden ist. Und auch sehr interessant, er bleibt in Vers 36 beim Papsttum, der das Gesetz ändert, übrigens, obwohl er selbst noch nicht genau weiß, was das für eine Gesetzesänderung ist. Aber er sagt in seinem Buch, dass der Papst das Gesetz geändert hat. Er deutet auch diese ganzen Verse auf die Heiligenverehrung.

[43:49] Und dann ab Vers 40 wird es wirklich interessant, weil in Vers 40 kommt die Zeit des Endes. Wenn ihr Vers 40 lest, heißt es: "Zur Zeit des Endes aber wird der König des Südens mit ihm zusammenstoßen." Und die Zeit des Endes, das weiß er ja aus seinem Prophetiestudium, ist 1798. Und jetzt gehen mit ihm die Pferde durch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn 1798 ist wer der große Weltherrscher? Napoleon! Und so ist für ihn jetzt ab Vers 40, also bis Vers 40 kann man wirklich getrost folgen, den Versen vor. Ab Vers 40 merkt man jetzt plötzlich, wie die Tagesschau übernimmt sozusagen. Das, was er selbst miterlebt hat, das steckt jetzt in die Prophetie rein. Für ihn ist jetzt die alles entscheidende Macht hier Napoleon und der Frankreich.

[44:27] So weit, dass er sogar den König des Nordens und den König des Südens andere Nationen gibt und quasi den Napoleon als dritte Macht etabliert. Ihr wisst vielleicht, in Daniel 11 gibt es immer nur Norden und Süden, Norden und Süden. Aber hier hat er jetzt Napoleon als die Macht plus Norden und plus Süden. Bisschen merkwürdig. Der Süden ist für ihn Spanien, der Norden Britannien. Von Frankreich aus gesehen natürlich. Und wirklich kurios ist, da muss ich ein bisschen schmunzeln, das herrliche Land in Vers 41 sagt, er ist Italien. Was natürlich passt, weil dieser Napoleon hat sich natürlich zum König von Italien krönen lassen. Schau her, da hast du es nicht wahr? Außerdem war er ja auch in Ägypten. Und der Vers sagt natürlich in Vers 42, dass er Ägypten erobern wird. Und Edom und Moab werden ihm entfliehen. Edom und Moab schaut man auf der Karte, das ist heute das Osmanische Reich. Hat Napoleon niemals besiegen können, passt auch.

[45:23] Und so ging das dann Stück für Stück. Dann gab es Gerüchte, Vers 44, da heißt es aber: "Gerüchte aus Osten und Norden werden ihn erschrecken." Klar, Osten Russland, Norden Britannien. Die Allianz zwischen Großbritannien und Russland hat sich zusammengeschlossen gegen Napoleon, hat er selbst miterlebt. Sonnenklar, oder? Und das ist eine wichtige Lehre für uns, denn für all das, was er schreibt, konnte er Zeitungsartikel noch und noch präsentieren. Hat alles Sinn gemacht, war aber leider trotzdem alles falsch. Weil natürlich das herrliche Land nicht Italien ist und natürlich es nur den König des Nordens und des Südens gibt, keine Extramacht. Und das Ganze natürlich eine geistliche Bedeutung hat, als einfach nur die Politik. Aber da sieht man mal, deswegen haben wir auch so ausführlich in den früheren Folgen über Napoleon gesprochen, da sieht man, welche gewaltige Kraft diese Ereignisse gehabt haben auf das Denken eines Menschen, der 14 Jahre lang nur die Bibel studiert hat. Und jetzt stellt euch vor, wir machen uns daran, Offenbarung zu studieren und haben noch nicht 14 Jahre Erfahrung, wie leicht wir uns von Weltereignissen beeinflussen lassen und alles mögliche hineinreportieren. Eine ganz interessante Lehre, die wir daraus ziehen können.

[46:24] Also das war für ihn alles Napoleon und dann heißt es in Vers 45, "er wird sein Prachtzelt aufschlagen" und Vers 44 heißt es, Verzeihung, "er wird mit großer Wut aufbrechen." Braucht man nicht lange schauen in der Geschichte. Napoleon ist mit großer Wut nach Moskau gezogen, Moskau fällt zurück und natürlich heißt es, "er wird vernichtet werden." Logisch, hat alles verloren in Waterloo, schreibt alles ausführlich in seinem Buch. Ich kann es ihm nicht verdenken, ich habe Menschen getroffen, die noch viel abstrusere Sachen hineinreportiert haben, aber da sieht man so ein bisschen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch bei jemand, der wirklich die Bibel kennt wie kaum ein anderer.

[46:57] Daniel 12, Vers 1 und das war interessant. Wenn ihr Daniel 12, Vers 1 lest, da heißt es: "Zu jener Zeit wird sich der große Fürst Michael erheben, der für die Kinder eines Volkes einsteht." Wir würden wahrscheinlich sagen, es ist das Ende der Gnadenzeit. Er hat gesagt, das ist der Beginn der Erweckungsbewegung seit 1798, die er auch am eigenen Leib miterlebt hat, mit allen Endzeitzeichen, die dort kommen und erst Vers 2 ist für ihn zukünftig. Das heißt, für William Miller war Daniel 11 komplett erfüllt bereit zu seiner Zeit, was natürlich nicht ganz stimmt, wie wir irgendwann mal sehen werden. Vielleicht sollten wir das mal auch gemeinsam studieren, kommt mir gerade so in den Sinn, wäre vielleicht ganz interessant.

[47:39] Und dann, in Daniel 12 zeigt er dann noch die 1290 Jahre, wie sie von 508 begonnen haben, weil dort das Heidentum abgeschafft, also wie er damals dachte, das Heidentum abgeschafft worden ist und dann 1538 das Papsttum aufgerichtet worden ist und 1843 erwartet er die Auferstehung von den Toten, wenn dann auch die 1335 Jahre zu Ende gehen. Darüber haben wir schon in einer früheren Folge gesprochen.

[48:10] In Kapitel 4, gehen wir noch ganz schnell da durch, spricht er über Offenbarung 13. Das ist auch sehr interessant, weil natürlich von Amerika hat er noch keine, also das war ihm völlig fremd. Offenbarung 13 war für ihn das Papsttum in zwei Aspekten sozusagen. Das erste Tier aus Offenbarung 13 war für ihn der politische Aspekt des Papsttums und das zweite Tier aus Offenbarung 13, das aus der Erde kommt, war für ihn der geistliche Aspekt des Papsttums. Das Meer war sogar für ihn das Römische Reich, aus dem das Papsttum hervorkommt und jetzt Achtung, das ist super spannend, er hat zwar die tödliche Wunde selbst miterlebt, aber er hat die tödliche Wunde nicht als solche erkannt. Als er eine tödliche Wunde das gelesen hat, hat er die tödliche Wunde nicht auf das Papsttum interpretiert, sondern auf das Heidentum, das eine tödliche Wunde bekommen hat, als das Papsttum kam, aber dann geheilt worden ist, weil nämlich das Heidentum Einzug gehalten hat im Papsttum. Interessant, nicht wahr? Ganz interessante Auslegung. Leider nicht richtig, aber zumindest ziemlich logisch in sich.

[49:15] Genau, die Einführung heidnischer Elemente war für ihn das heilende Wunde. Und dann, ganz richtig, das hat er richtig gesehen, Vers 10, die Gefangennahme des Papstes, wenn es heißt, wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen und so weiter. Das hat er richtig entdeckt. Ganz interessant auch, was war für ihn das Mahnzeichen des Tieres? Mit dem Wissen, was er hatte, konnte er nicht zu unserer Überzeugung gekommen sein. Also, was hat er sich gedacht? Mahnzeichen des Tieres ist genau das Kreuz an der Stirn bei der Absolution. Wenn der Priester dir die Absolution gibt, dann ist das an der Stirn, nicht wahr? Das ist das Mahnzeichen des Tieres. Und wer jeder, der das annimmt, wer zur Messe geht, wer zur Beichte geht, bekommt das Mahnzeichen des Tieres. Also hat er zumindest so was nicht.

[49:50] Und das fand ich am allerbesten. Die 666, hat er sich Gedanken gemacht, und da muss man erstmal drauf kommen, dass von dem Zeitpunkt an, wo die Römer zum ersten Mal mit den Juden zusammenkommen, Kontakt haben, im Jahre 158 bis zum endgültigen Zerfall des römischen Reiches, sind sage und schreibe 666 Jahre. Deswegen hat er die Zahl 666 als eine Zeitprophezeiung auf das gesamte römische Reich interpretiert. Nee, hat er nicht. Dadurch passt natürlich wieder nicht. Also die Anode ist wieder mal wieder so. Aber hätte er das rausgerechnet, dann hätte er woanders auch seine Fehler entdeckt.

[50:33] Und dann, ganz interessant auch noch, das ist so kurios, in Hosea 6 hat er eine interessante Prophezeiung gefunden. Schaut mal mit mir. In Hosea 6, da gibt es diesen berühmten Vers. Schaut mal in Hosea 6, Vers 1 bis 3. "Kommt, wir wollen wieder umkehren zum Herrn. Er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Nach zwei Tagen wird er uns lebendig machen, am dritten Tag wird er uns aufrichten, dass wir vor ihm leben. So, lasst uns ihn erkennen. Nach der Erkenntnis des Herrn, sein Hervorgehen ist so sicher wie das Licht des Morgens." Dann hat er gesagt, okay, da gibt es zwei Tage und einen dritten Tag. Und das ist bezogen auf die Kirche, auf die Gemeinde. Dann hat er gesagt, okay, es sind zwei Tage, symbolische Tage unter Bedrückung. Daniel spricht von der Bedrückung durch das Kaisertum Roms und durch das Papsttum. Und dann Heilung durch das Evangelium und Auferstehung nach den zwei Tagen. Und es gibt auch die Wiederkunft, die angekündigt wird. Sein Hervorkommen wird sein. Und am dritten Tag werden wir bei ihm sein. Also hat er gesagt, sagt nicht die Bibel, dass ein Tag sind wie tausend Jahre. Dann sind zwei Tage wie viel? 2000 Jahre. Und jetzt raten wir, wenn ihr den Beginn des römischen Reiches, wo das Volk Gottes unterdrückt worden ist, nehmt als Startpunkt 158 vor Christus und 2000 Jahre zurechnet, ratet mal, wo ihr rauskommt. 1842. Und dann wäre 1843 das erste Jahr des dritten Tages von der tausend Jahre aus Offenbarung 20. Das ist faszinierend, oder? Ich glaube, es ist noch nicht richtig, aber es ist wirklich faszinierend. Sehr interessant. Und er hat so eine ähnliche Prophezeiung gefunden, Lukas 13, Vers 32 und 33.

[52:17] Und ja, genau. Ganz kurz noch, wir müssen zum Ende kommen in Kapitel 5. Nimmt er sich Zeit für die Posaunen aus Offenbarung 9. Er beschreibt die Entstehung des Islam. Er spricht vor allem über die drei letzten Posaunen. Und das ist ganz klassisch und würden wir heute auch in vielem so zustimmen. Die fünf Monate bis ungefähr 1453, die Eroberung von Konstantinopel. Dann die Beschreibung der türkischen Armee. Für ihn ist der Euphrat die Nation des Nahen Ostens. Und er sagt, die sechste Posaune beginnt 1448 und hat 391 Jahre und 15 Tage und die enden im Jahre 1839. Also in seinem Buch sagt er, in sechs Jahren wird da was passieren mit dem Osmanischen Reich, mit der Türkei. Und ab 1839 wird dann die letzte Posaune schallen und das wird dann die Evangeliumsverkündigung sein in alle Welt. Und da wird er, obwohl es nicht direkt die Auslegung der Prophetie ist, doch ungefähr recht haben wird.

[53:13] Außerdem sagt er ein bisschen was über Offenbarung 11. Und das ist ziemlich klassisch, so wie wir es auch kennen und wie es auch viele andere zur gleichen Zeit erkannt haben, dass es sich um die Französische Revolution hier dreht. Ihr kennt es ja wahrscheinlich noch aus unserem Offenbarungsseminar. Altes Testament, Neues Testament, die zwei Zeugen. Auch die dreieinhalb Jahre, wo die Bibel verboten worden war, zur Zeit der Französischen Revolution. Gemeinde in der Wüste und die Himmelfahrt der zwei Zeugen. Das ist etwas, was er selbst miterlebt hat. Die Entstehung der Bibelgesellschaft, wie die Bibel plötzlich in der gesamten Welt mit überwältigendem Erfolg verbreitet worden ist. Das ist ganz spannend, glaube ich, für ihn auch zu schreiben, weil er das selbst alles miterlebt hat.

[53:50] Genau, das überspringen wir. In Offenbarung 12, ah, vielleicht das noch. Offenbarung 11, Vers 19 sagt uns, dass der Himmel geöffnet wird und die Lade des Bundes sichtbar wird. Und für ihn bedeutet das eine Erweckung im Volk Gottes, dass die Bibel besser verstanden wird. Er hat noch nicht so den Blick für das Gesetz Gottes, wie wir noch sehen werden, aber zumindest für die gesamte Bibel an sich erstmal. In Offenbarung 12 sieht er natürlich die Frau auch, als die Gemeinde Gottes. Die Sonne ist das Evangelium, der Mond das jüdische Zeremonialgesetz und die Sterne die zwölf Patriarchen. Ganz interessant.

[54:32] Oh, das müssen wir noch anschauen. Wir sind gleich am Ende, ich verspreche es. In Offenbarung 12, und wir kennen die Offenbarung 12 wirklich gut, das ist ja so ein Leib und Magen-Kapitel für uns. Und wir haben sie auch gerade auch ausführlich studiert. Und schaut mal, was er dort in Vers 3 sagt. Es hängt natürlich damit zusammen, dass William Miller noch kein ausgearbeitetes Konzept hatte von einem großen Kampf sozusagen. Also er war natürlich als Christoph überzeugt, dass es einen Satan gibt und dass der Satan im Kampf mit Jesus steht. Aber diese Idee von diesem himmlischen Kampf, das war noch nicht so wirklich klar in seinem Kopf. Und da sagt er in Vers 3, dass Vers 3 der Drache natürlich das römische Reich darstellt und dass die Sterne, ein Drittel der Sterne, die dort vom Drachen mitgezogen werden, dass das die Führer Israels sind. Weil die Sterne sind Führer und es gibt Könige und Priester und Älteste. Und ein Drittel der Sterne ist ein Drittel dieser Führer, das sind nämlich die Könige. Die Auslegung wäre demzufolge, dass die Römer die Könige aus Judäa verbannt haben und noch die Priester und Ältesten belassen haben.

[55:31] Und im selben Sinne sagt er, dass Vers 7 der Kampf im Himmel in Wirklichkeit ein Kampf zwischen Christus und seinen Jüngern gegen die Prinzipien des römischen Reiches war. Also keine Idee von einem Kampf dort vor langer Zeit im Himmel, sondern der Kampf fand auf der Erde statt, als Jesus den Satan besiegt hat und die Prinzipien des römischen Reiches. Und natürlich hat er ja nicht so Unrecht, dass zu der Zeit auch der Satan letztendlich aus dem Himmel verbannt worden ist. Also da gibt es schon viele richtige Ideen, viele richtige Konzepte, es fehlt noch manchmal an manchen Stellen an notwendiger Vertiefung. Und dann in Vers 15 die Inquisition, Vers 16 die militärische Kraft des Papsttums, das ist dieser Wasserschwall, der versiegt, wird entscheidend geschwächt. Und in Vers 17, den Vers, den wir heute noch anschauen werden, da spricht er auch, es ist die letzte Auseinandersetzung zwischen Gottes wahrer Gemeinde und dem sterbenden Antichristen.

[56:27] Ganz schnell, Offenbarung das sechste Kapitel, Offenbarung 20. Und auch das ist interessant, er sieht in Offenbarung 20 den Satan, aber Satan nicht nur als den persönlichen Satan, sondern mit Satan sind auch die Königreiche der Welt, das Papsttum etc. gemeint. Und die werden alle zerstört bei der Wiederkunft. Und da er ja fest überzeugt ist, dass die Seele nach dem Tod weiterlebt, glaubt er auch, dass der Abgrund der Ort ist, wo die Seelen der Gottlosen nicht aufhalten. Das war sein Verständnis. Er glaubt natürlich an die Wiederkunft Jesu vor den tausend Jahren und eine erste Auferstehung. Das war die Errungenschaft, die er damals entdeckt hat. Und dass die Auferstehung der Gottlosen dann aus diesem Ort der Seelenqual nach den tausend Jahren stattfindet.

[57:11] Und interessanterweise, da sieht man noch sein etwas unklares Verständnis vom Gesetz. Er sagt in Vers 12, Christen werden nach dem Gesetz des Glaubens gerichtet, Ungläubige nach dem Gesetz der Werke. Weil es ja zwei Bücher gibt, das Buch des Lebens und das Buch der Werke. Das war so das, was er sich bis dahin studiert hatte. Und dann das letzte und das natürlich schönste ist das Thema der Wiederkunft, eine Reihe von Texten, die wir nicht lesen brauchen, die ihr alle kennt. Weil da war er ziemlich klar und das war ja sein Kernthema. Denn all das, die Posaunen, Daniel 8 und

[57:39] All diese verschiedenen Themen führen ja alle immerhin zur Wiederkunft. Und das war sein großes Thema. Er beantwortete noch einige kritische Anfragen in Bezug auf die Lehre von dem Millennium. Und dann schließt er mit folgenden Worten: Als er den Menschen die Wiederkunft vor Augen malt, dass Jesus wirklich bald wiederkommen wird, sagt er: „Und nun, lieber Leser, will ich es dir überlassen, fleißig nach der Wahrheit zu suchen.“

[58:05] Und wenn ich sie in Bezug auf diese Passagen, die wir betrachtet haben, gefunden habe, was dann? Letzter Satz des Buches. Und ich denke, das ist eine gute Sache. Wir sollten uns auch fragen: Was dann? Wir werden nächste Woche weitersehen, wie er diese Dinge unter das Volk gebracht hat, mit dem Textbuch unterwegs. Bis dahin sind wir froh und dankbar, dass wir sehen können, dass die Wahrheit nicht einmal vom Himmel gefallen ist, sondern dass es Jahre gebraucht hat, um sie dort zu haben, wo wir sie jetzt haben. Und dass selbst Menschen, die sich irren in der biblischen Auslegung, manchmal doch die besseren Bibelstudenten sind als wir. Und vielleicht mehr Männer Gottes und Frauen als wir.

[58:45] Und wir danken Gott, dass wir nichts zu befürchten haben für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Lass uns beten. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr für die Zeit, die wir gemeinsam verbringen konnten. Und wir möchten dich bitten, dass du uns diese Lektion, die wir gerade lernen durften, fest in unser Herz schreibst. Und dass wir selbst zu echten Bibelstudenten werden, die wir uns in deine Offenbarung begeben, um selbst zu entdecken, was du uns gegeben hast. Sei du bei uns weiterhin auch beim Rest des Abends und führe und leite uns. Amen.


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