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In diesem Teil der Serie „Die Zeit des Endes“ wird das ereignisreiche Jahr 1842 beleuchtet, insbesondere die Monate September bis Dezember. Die rasante Ausbreitung der Miller-Bewegung durch zahlreiche Campmeetings, die wachsende Bedeutung von Zeitfestlegungen und die Auseinandersetzung mit Widerständen werden thematisiert. Zudem werden wichtige Persönlichkeiten wie James White und die Anfänge von George Storrs‘ Einfluss auf die Adventbewegung vorgestellt. Auch die weltpolitische Lage und die Entstehung neuer Ideen wie das Vorwiederkunftsgericht werden beleuchtet.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Die Zeit des Endes". Schön, dass ihr da seid und schön, dass wir weitermachen können. Letzte Woche hat der Ronny übernommen und ich habe gehört, das war sehr interessant. Heute wollen wir uns wieder beschäftigen mit der Miller-Bewegung und der Adventbewegung und wollen das Ende des Jahres 1842 betrachten. Wir haben im letzten Mal aufgehört, vor zwei Wochen, Ende August, und wollen heute die Monate September bis Dezember betrachten in diesem äußerst ereignisreichen Jahr und sehen, was in den letzten Monaten vor dem letzten Jahr der Welt passiert ist.

[0:44] Und damit wir wie jedes Mal gute Lektionen auch daraus lernen können, möchten wir die Gegenwart des Heiligen Geistes einladen und ich möchte euch einladen, mit mir gemeinsam zu beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir zu dir kommen können. Wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir alles dir sagen dürfen und mit unserem Herzen zu dir kommen können und dich um Vergebung bitten können und dass du uns jetzt lehren möchtest, dass du uns zeigen möchtest, wie dein Werk in die ganze Welt gehen kann und wie du dein Volk geführt hast in der Vergangenheit. Sei du bei uns, halte alle Störenden fern und gib, dass wir uns gut konzentrieren können auf das, was wir heute lernen dürfen. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[1:29] Wie gesagt, das Thema ist "Furchtlos voran" und beschreibt so die Einstellung der Adventgläubigen in jenen Monaten. Wir hatten ja gesehen, dass im Juni und im Juli die Idee geboren worden war, eigentlich schon im Mai, Zeltlager zu organisieren, Campmeetings. Und man hatte gedacht, vielleicht schaffen wir es, drei Campmeetings über das Jahr verteilt zu organisieren. Und dann schon in den ersten Monaten, im Juni, im Juli, August, nimmt das so überhand, so viele Campmeetings, dass das Ganze förmlich explodiert. Dann hatten wir auch gesehen, dass dieses große Zelt angeschafft worden ist, wo viele Tausend hineingepasst haben, das größte Zelt Amerikas zur damaligen Zeit.

[2:14] Und am 1. September kommt William Miller hier nach Chicopee Falls zu einem weiteren großen Campmeeting. Dort gibt es innerhalb von wenigen Tagen 400 Bekehrungen. Neben Miller ist auch Himes, einer der Hauptsprecher dort und auch der hier, ich frage immer wieder nach dem Namen, Storrs, ganz genau, nachdem er sich vor kurzem zum Millerismus bekehrt hat, ist er jetzt gleich einer der Hauptredner dort auf dem Campmeeting, weil er halt so ein bekannter und begnadeter Prediger ist und nachdem er jetzt diese Adventbotschaft angenommen hat, wird er gleich mit dazu gezogen. Als Verkündiger Charles Fitch ist auch mit dabei.

[3:11] Und, naja, wenige Tage nachdem dieses Campmeeting hier vorbei ist, beginnt am 6. ein Campmeeting hier in, wie heißt der Ort, in Taunton in Massachusetts mit Josiah Litch als Hauptsprecher. In einem seiner Vorträge macht er einen Aufruf und 30 Prediger kommen nach vorne und bitten, dass für sie besonders gebetet wird und wer weiß, wie schwer es ist, Pastoren, egal welcher Gemeinschaft, zu erreichen, hat eine ungefähre Vorstellung, was das für ein Vortrag gewesen sein muss, wenn 30 christliche Prediger verschiedener Denominationen nach vorne kommen und sagen, wir sind nicht vorbereitet auf die Wiederkunft.

[3:56] Am selben Tag beginnt nicht nur hier ein Campmeeting, sondern ein anderes Campmeeting mit dem großen Zelt hier in, die Namen kann ich nicht auswendig, in Castine in Ost-Maine. Also 1. September hier, 6. September gleichzeitig hier und hier. Das Zelt wird von hier nach da gekarrt. Und dieses Campmeeting ist deswegen interessant, weil hier einer der vielen tausend Teilnehmer den Namen James White trägt. Der 21-Jährige ist zum ersten Mal auf einem Campmeeting, er hatte vorher schon an anderen Orten, in Bangor zum Beispiel, Josiah Himes predigen hören und hatte schon im Sommer versucht, mal hier und dort eine selbst eine Predigt zu halten über die Wiederkunft, mal war es geglückt, mal nicht so sehr, wir haben das letzte Mal das schon angesprochen. Und jetzt hört er zum ersten Mal, hier haben wir ein Bild von Castine aus der damaligen Zeit, direkt am Meer gelegen, hört er zum ersten Mal Miller selbst und ist ganz angetan von diesem großartigen Prediger.

[5:02] Er ist so begeistert, dass er sich Bücher kauft und auch die 1843 Chart, die ganz frisch von der Presse gekommen ist und er studiert jetzt die Sachen noch intensiver und möchte sie besser verstehen, um dann vielleicht möglicherweise auch mal Predigten mehr zu halten. Naja, gut.

[5:24] Während der selben Zeit gibt es in Schweden weiterhin das Phänomen der Kinderprediger, die Diskussion hält an und die Stimmen mehren sich, dass das kein Fanatismus ist und auch keine Krankheit, von der man die Kinder heilen kann, sondern dass hier wirklich Gott am Wirken ist und diese Kinder eine besondere Botschaft haben, nämlich bereitet euch vor auf den Tag des Herrn, just in dieser Zeit.

[5:50] Vor dem großen Campmeeting in Castine muss dann Miller wieder Richtung Boston reisen. Er reist mit dem Schiff und wird sogar gebeten, am 12. September auf dem Schiff einen Vortrag zu halten über die Wiederkunft. Also egal wo er ist, unter welchen Umständen, er hat nichts anderes zu tun, als zu predigen und Menschen zu Christus zu führen. Am 12. wie gesagt, war er noch auf dem See hier, er kommt am 13. dann nach langer Reise schon in Albany an, wo er am Abend predigt und dann am nächsten Tag dann weiterreist Richtung Norden.

[6:28] In jener Zeit sind in den Signs of the Times immer mehr Artikel zum Thema Zeitfestlegung zu finden, denn wenn das Datum 1843 mehr und mehr in den Fokus rückt, dann formiert sich auch der Widerstand gegen das Datum, denn es ist relativ einfach, dagegen Widerstand zu leisten, indem man sagt, Jesus Christus hat gesagt, von dem Tag und der Stunde weiß niemand. Und so mehren sich jetzt die Artikel von Miller und von anderen, die deutlich machen, ja, es stimmt, Tag und Stunde weiß niemand, aber trotzdem können wir wissen, dass es sehr nah ist. Wir haben die Zeichen der Zeit und selbst die Texte, die sagen "Zeit und Stunde weiß niemand", sagen im direkten Zusammenhang, ihr könnt wissen, wenn es kurz vor der Tür ist. Und so wird dieses Thema von der Zeit immer mehr zu einem Fokus. Kein Wunder, ich meine, ein Jahr später ist ja 1843, nicht wahr?

[7:23] Es ist auch in dieser Zeit, dass man sich Gedanken macht, ja meine Güte, wenn nächstes Jahr Jesus wiederkommt und die Plagen zukünftig noch sein sollen, wann finden dann die Plagen statt? Und so entwickelt man die Idee, Litch hatte schon darüber geschrieben, ein gewisser Levi Fisk spricht auch darüber, dass die Plagen erst nach der Wiederkunft stattfinden. Also die Idee ist, Jesus kommt, sichtbar für alle, bringt dann die Gläubigen in den Himmel und dann fallen erst die Plagen. So versucht man sich das zusammenzureimen. Und naja, stimmt natürlich nicht ganz, aber es war irgendwie die einzige Möglichkeit, wie sie all das, was sie bisher verstanden hatten, so unter einen Hut kriegen konnten.

[8:03] Mitte September sind die beiden schwer beschäftigt, Himes predigt in Piedmont und Miller hat eine Vortragsreihe in Granville, also sie teilen sich sogar auf und versuchen gleichzeitig an verschiedenen Orten zu sein und von Urlaub oder von freier Zeit oder sonstigem Ding kann da keine Rede sein. Hier haben wir Miller, der dann innerhalb von wenigen Tagen von hier nach da, nach da, nach da und dann hier in den Norden gereist ist, um dort in Granville zu predigen.

[8:43] Und am 20. September hat es das nächste Campmeeting hier in New Ipswich. Nur nochmal, um das ganz klar zu machen, so ein Campmeeting, das sind immer so 3000, 5000, 7000 Leute, die da zusammenkommen, samt Pferden, samt Kutschen, samt Zelten, das alles ohne unsere moderne Logistik und Technik. Wir stöhnen schon, wenn wir so Veranstaltungen für 200 Leute planen sollten, einmal im Jahr oder so, und sind danach völlig fertig, brauchen zwei Wochen Urlaub. Woche für Woche finden solche Veranstaltungen statt, irgendwo in der Pampa, irgendwo im Wald, wo zigtausende Leute kommen. Logistisch ist das wirklich absolut haarsträubend und unvorstellbar, aber es ist passiert und es zeigt, wie sehr Gott die Sache gepusht hat und gerade im Sommer und Herbst 1842 hat das Ganze ein Tempo drauf, das alle Welt wirklich zugeben muss. Das ist außergewöhnlich, wenn wir gleich noch mehr dazu sagen.

[9:42] Im September ist dann auch die neue Reihe der Signs of the Times zu Ende und nach einem halben Jahr lang hat man jetzt, das letzte halbe Jahr hat man die Zeitschrift nicht mehr alle zwei Wochen, sondern jede Woche rausgebracht und Himes schreibt jetzt am Ende dieser sechs Monate: "Wenn wir zurückschauen, haben wir reichlichen Grund, unserem himmlischen Vater dankbar zu sein für seine große Güte, indem er uns den Weg geöffnet und uns unter den entmutigendsten äußeren Umständen erhalten hat. Wir haben aber die Befriedigung zu wissen, dass in den zweieinhalb Jahren seit dem Beginn dieser Zeitung unsere Sache einen Triumph gehabt hat, der ohne Beispiel in der Geschichte der moralischen oder theologischen Reform ist." Das muss man erst mal schreiben, sodass gegenwärtig sowohl die Gläubigen als auch die Förderer oder Vertreter der Theorie sich wie die Morgentropfen unter allen evangelikalen Denominationen vermehren, während die Ungläubigen und Universalisten, also die, die glauben, alle kommen in den Himmel, in großer Zahl in ihrem sandigen Fundament erschüttert worden sind und nun auf den Felsen der Wahrheit bauen.

[10:50] Also Himes kann schreiben 1842, er kennt keine Reformbewegung, weder in der Religion noch auf sonstigem Gebiet, die in zweieinhalb Jahren so viel erreicht hat wie die Adventbewegung. Und man kann die Vertreter und die Gläubigen der Adventbewegung mittlerweile wie Sternen am Himmel. Weil der Widerstand immer heftiger wird und zwar nicht nur von der weltlichen Presse, sondern auch von den Kirchen, der Gestalt, dass alle verschiedenen Kirchen sich zusammentun, obwohl die sonst gegeneinander kämpfen und sich mit den Ungläubigen zusammentun, um alle gemeinsam gegen die Miller und seine Anhänger zu kämpfen, sieht man es angebracht, eine neue Kolumne einzurichten, eine neue Rubrik in der Zeitschrift und die hat einen Bibeltext zur Überschrift und zwar den hier: "Und alle Lügner werden ihren Teil haben am See, der mit Feuer und Schwefel brennt. Das ist der zweite Tod."

[11:44] Dann heißt es hier: "Die Zeiten scheinen eine neue Kolumne in unserer Zeitschrift zu verlangen. Der Geist des Lügens ist so verbreitet, vor allem unter den Pressemitarbeitern, dass wir von nun an einen Teil unserer Zeitung, der Dokumentation der Taten unserer Gegner, hätte ich sagen sollen, Gegner widmen werden, die keine Argumente gegen die Wahrheit haben, außer Lügen und Spotten. Die veröffentlichen ihre Schande in ihren eigenen Worten, in der Regel ohne Kommentar." Der einzige Kommentar ist der Bibelfers, nicht wahr? Da gibt es zum Beispiel Gerüchte, dass Himes eigentlich das Ganze nur organisiert, um Geld zu machen. Dass man einfach nur durch den Verkauf der Bücher und durch die Spenden sich selbst bereichern will. Fakt ist, dass die Anti-Miller-Prediger, die mittlerweile zunehmen und die Bücher schreiben und durch die Lande ziehen, um gegen Miller zu predigen, allein in Boston werden in einem Jahr 22 verschiedene Vorträge gehalten gegen Miller, dass diese Prediger Geld verlangen für die Vorträge, während die Milleriten-Prediger teilweise Hunderte von Dollars aus eigener Kasse bezahlen, um ihre Transportkosten zu bezahlen, die sie niemals zurückbekommen. Viele der Prediger sind sogar so arm, dass sie sich nicht mal ein Pferd leisten können und gehen von Fuß zu Fuß, von Tür zu Tür und von Ort zu Ort. Und naja, so werden diese Dinge dann aufgedeckt. Aber das stört natürlich die Gegner nicht, trotzdem diese Dinge zu behaupten und damit viele Leute zu irritieren.

[13:09] Tja, übrigens, am 21. September treffen sich auch 16 Theologen der Free Will Baptist, eine Untergruppe der Baptisten, um in einer besonderen Konferenz, unabhängig von Miller, zu studieren, was Miller so alles predigt. Und das führt zu dem Schluss, dass Miller in Bezug auf Daniel 7 und Daniel 8 und Daniel 2 recht hat und dass Jesus 1843 wohl wiederkommen wird.

[13:35] Derweil, Ende September findet ein weiteres Campmeeting in Kanada statt und ein Campmeeting hier in Exeter in Massachusetts und ein Campmeeting, Moment, woanders kommen wir gleich zu. Ein Zitat noch von Litch über diese Entwicklung im Herbst. Er sagt: "Das Werk verbreitete sich mit einer Kraft, die ohne Parallele in der Geschichte religiöser Erregung ist und wenn die Adventisten das Ziel gehabt hätten, eine neue Gemeinschaft zu gründen, damals 1842, hat es nie zuvor eine günstige Gelegenheit gegeben. Aber höhere und heiligere Ziele hatten sie im Blick, die Erlösung von Sünden aus dem Tod und die Vorbereitung für das Kommen des Herrn waren Ziele ihrer höchsten Ambitionen."

[14:33] Im Herbst 1842 ist die Miller-Bewegung auf einem absoluten Peak und hätte Miller gesagt, wir gründen jetzt eine neue Kirche, es wären über Nacht zigtausend aus ihren Kirchen ausgetreten und wären beigetreten. An anderer Stelle sagt er: "Im Herbst 1842 hat diese Bewegung die Vereinigten Staaten von Amerika erschüttert durch diese Campmeetings." Also aus dem einen Miller, der jahrelang von Dorf zu Dorf ging, ist innerhalb von kurzer Zeit eine nationale Bewegung geworden, die überall bekämpft wird oder halt gefördert.

[15:08] Eine Sache noch, die wir unbedingt erwähnen wollen, ist, es gibt zwei interessante Menschen, die wir noch ganz kurz ansprechen wollen. Der eine ist Robert Winter. Robert Winter ist ein Brite, der sich in Amerika aufgehalten hat und hier während dieser Campmeetings den Adventglauben kennengelernt hat und jetzt 1842 am Ende nach England zurückreist und damit technisch gesehen der erste Missionar der Miller-Bewegung wird, der ins Ausland geht, um die spezifischen Miller-Lehren oder die Adventlehren nach England zu bringen, wo es jetzt schon lange so ein allgemeines Bewusstsein für die Wiederkunft gibt. Das ist das eine.

[15:57] Das andere ist ein Herr namens John Starkweather. Das ist ein ganz junger, begabter, methodistischer Prediger, der ebenfalls im Herbst 1842 sich zu Miller und der Adventbewegung bekennt und der ist so begabt, dass Himes eine Idee bekommt, weil Himes selbst so viel unterwegs ist und hier ein Campmeeting nach dem anderen organisieren muss und auch noch selbst andere Vorträge hält und noch die Zeitschrift herausbringt einmal pro Woche und dementsprechend Bücher lesen muss und Kommentare schreibt und so weiter und so fort, hat er keine Zeit, seine Gemeinde in Boston noch zu betreuen. Man darf ja nicht vergessen, Himes war immer noch Prediger einer Gemeinde. Und so lädt er John Starkweather ein, als Assistenzprediger seiner Gemeinde zu fungieren. Ganz intelligente Entscheidung.

[16:49] Das Problem ist nur, dass Starkweather einige sehr eigentümliche Ansichten hat, die zuerst mal nicht so wirklich an die Oberfläche kommen. Er glaubt nämlich, dass es ganz wichtig ist, dass man neben der Rechtfertigung auch Heiligung erlebt. Das ist erstmal ganz richtig. Aber er glaubt, dass man nur dann Heiligung wirklich erlebt, wenn es da auch gewisse äußere, sichtbare Merkmale gibt, so körperliche Manifestationen. Und das ist in seinem Hinterkopf drin und das möchte er dort hineinbringen. Kommen wir gleich noch mehr dazu.

[17:27] Dann am 5. Oktober, was findet hier wohl statt? Ein Campmeeting, ganz genau. In Cornwall, in Maine und wieder sind einige Prediger da, wie Spaulding und Preble und wieder ist James White gegenwärtig, der hier in Maine wohnt, in Palmyra. Und der bei diesen Campmeetings jetzt hier die Entscheidung trifft, weil er so begeistert ist von der Botschaft und jetzt auch sie einigermaßen so versteht, dass er sie anderen weitergeben kann, dass er unbedingt Prediger werden möchte für die Adventbewegung.

[18:04] Er beschreibt selbst die Erfahrung: "Im Oktober 1842 besuchte ich ein Advent-Campmeeting in Exeter, Maine. Die Versammlung war groß, es gab zahlreiche Zelte, waren wieder so 6000 Leute da. Die Predigten waren klar und vollmächtig und das Singen der Wiederkunftsmelodien hatte eine Kraft, wie ich sie noch nie zuvor in geistlichen Liedern gehört hatte. Meine Wiederkunftserfahrung wurde bei dieser Versammlung sehr vertieft und gegen Ende fühlte ich, dass ich unverzüglich in das Arbeitsfeld hinausgehen musste, um im Geben der Warnung zu tun, was ich konnte." Also was war das? Was konnte er geben als 21-jähriger Lehrer einer Schule, der eigentlich bis vor kurzem noch gedacht hat, er könnte Karriere als Lehrer machen?

[18:46] Er sagt: "Ich bereitete also drei Vorträge vor", jetzt erklärt er, welche das sind. "Um die Einwände auszuräumen, der Zeitpunkt der Wiederkunft sei nicht offenbart in Verbindung mit dem zeitlichen Millennium. Einen über die Zeichen der Zeit und einen über die Prophezeiung Daniels." Drei Vorträge, mehr hat er nicht gehabt, mehr wusste er nicht. "Ich hatte weder Pferd, noch Sattel, noch Zaumzeug, noch Geld, doch ich fühlte, ich müsse gehen. Ich hatte meinen Lohn vom letzten Winter für notwendige Kleidung und den Besuch der Wiederkunftsversammlung sowie den Kauf von Büchern und der Chart ausgegeben." Alles Geld in adventistische Literatur ausgegeben. Und jetzt wollte er Missionar sein, hatte kein Geld mehr.

[19:36] "Aber mein Vater bot mir ein Pferd für den Winter an und Pastor Polly gab mir einen Sattel, von dem beide Polster abgerissen waren, sowie einige Teile eines alten Zaumzeugs. Ich nahm dies freudig an, nagelte die Polster auf einen Buchenstamm wieder an den Sattel, pflegte das Zaumzeug mit verformbaren Nägeln, rollte meine Karte zusammen und verließ auf dem Pferd mein Vaterhaus mit einigen wenigen Pamphleten unter meinem zugeknöpften Mantel."

[20:02] Oktober 1842, ein 21-jähriger junger Mann gibt seine ganze Karriere als Lehrer auf. Hat kein Geld, borgt sich ein Pferd, borgt sich ein wenig Zaumzeug, einen Sattel, einen alten Sattel, hat ein paar Pamphlete, eine Karte, ein paar Bücher und reist von Ort zu Ort, um zu predigen.

[20:24] Er sagt: "Ich gab in vier verschiedenen Städten um Palmyra drei bis sechs Vorträge. Mit dem Segen Gottes hatte ich Freiheit und Vertrauen im Sprechen und als das Thema sich mir durch Studium, Nachdenken und Vorträgen eröffnete, sah ich es als notwendig an, die Themen anders aufzuteilen." Ja, auch eine interessante Erfahrung. Man fängt erstmal ganz klein an, nicht wahr? Und dann merkt man durch das Vortragen und durch die Themen, man müsste es eigentlich ein bisschen anders machen und man arbeitet an den Themen und so versteht man mehr und mehr, die Themen anders aufzuteilen. Und ich fügte mindestens einen weiteren Vortrag zu meiner kleinen Serie an jedem Ort hinzu.

[21:00] Und jetzt ist interessant, was er sagt: "Überall hatte ich eine gute Zuhörerschaft, aber sah keine besonderen Resultate." Was macht man in so einem Fall? Man macht weiter, nicht wahr? Das hat James White gemacht. Einfach den nächsten Ort aufsuchen, solange bis irgendwann mal Resultate zu sehen waren. Das war der Geist dieser jungen Adventpioniere. Ziemlich interessant.

[21:25] Übrigens, sein Name taucht sogar auf in der Zeitschrift Signs of the Times. Da berichtete mich der Spalding in einem Brief von diesem Campmeeting: "Beglauben und zu arbeiten war nicht völlig umsonst, auch wenn keine besondere Erweckung zu beobachten war. Ein junger Bruder mit Namen White hat sich als fester Gläubiger in 1843 bekannt. Er sagte der Versammlung, er möchte den Mitternachtsruf Vollzeit geben, wenn er von seinen Lehrverpflichtungen an der Schule entbunden werden kann."

[21:55] Und James White ist nie zu großer Prominenz gekommen in der Miller-Bewegung. War nur einer von vielen Dutzenden, irgendwann später Hunderten Predigern. Aber hier haben wir ihn zumindest mal erwähnt.

[22:09] Und dann? 6. bis 14. Oktober, Campmeeting in Salem, hier in Massachusetts in der Nähe von Boston. Wie gesagt, es wollten ja eigentlich nur drei Campmeetings über das ganze Jahr stattfinden. Und selbst das war noch zu viel eigentlich, nach menschlicher Planung.

[22:30] An diesem Campmeeting ist Joseph Bates auch mit dabei. Und wir lassen ihn mal berichten, was er davon erlebt hat. "Nach etwa vier Wochen begann ein anderes Campmeeting etwa drei Meilen hinter Salem. Dieses übertraf alle anderen, die ich bisher besucht hatte, an Interesse und Teilnehmerzahlen. Elder Himes hatte die Verantwortung und errichtete sein großes Zelt dort. Man sagt, es fasst bis zu 7.000 Menschen. Wurde dann auch sogar ein bisschen erweitert."

[22:53] Jetzt Achtung. "Bei der Anreise zur Versammlung waren alle Hauptstraßen, Kreuzungen und Nebenpfade bis zum Äußersten mit Kutschen voller Menschen überfüllt, neben dem Stau der Fußgänger, die alle durch den dichten Staub zum Zeltplatz drängten." Wann war das letzte Mal, dass wir zu einem Vortrag über die Wiederkunft Jesu gegangen sind und alle Straßen waren überfüllt? Das war damals so, als wenn Fußball im Stadion war.

[23:22] Er sagt weiter: "Hier wurden auf dem steil umzäunten Weideland, das mit hohen Felsen, Büschen und Bäumen übersät und an zwei Seiten vom Wald und einer vom Wasser begrenzt war, wurden die zahlreichen Zelte für die Versammlung aufgebaut. Das große Zelt überragte alle anderen wie ein Leuchtturm."

[23:38] "Die Predigten behandelten die großen Hauptlehren der Wiederkunft. Prediger und Laien hörten mit der tiefsten Aufmerksamkeit zu. Sie wünschten zu wissen, ob die Dinge sich so verhielten und was sie tun müssten, um sich auf diesen Tag vorzubereiten. Die anwesenden Prediger waren Elder Himes, Litch, Fitch, Hale, Plumer, Cole und viele andere."

[24:00] "Die Menschen waren so interessiert, dieses gewaltige Thema zu hören, dass diejenigen, die nicht in das Zelt passten, in einiger Entfernung unter den Bäumen gesehen wurden, wo ausgewählte Prediger ihnen die an den Bäumen angebrachte 1843-Karte erklärten." Also, die große Masse im Zelt, da werden die großen Predigten gehalten und alle, die nicht reinpassen, die versammeln sich am Waldesrand und da stehen dann so Assistenzprediger an einem Baum und erklären dann Daniel 2 und Daniel 7 und die 2300 Jahre und die 70 Wochen usw. Hochinteressant.

[24:37] Bei diesem Campmeeting in Salem verabschiedet sich dann Charles Fitch. Er hat den Ruf vernommen, in den Wilden Westen zu gehen. Bis dahin ist die Adventbewegung, das sind die USA 1842. Also, das sieht zwar relativ groß aus, aber die Masse der Bevölkerung lebt eigentlich hier in den Neuenglandstaaten an der Küste. Hier sind die Berge, die Appalachen, und das ist der Wilde Westen hier. Und der ist sehr, sehr spärlich besiedelt. Selbst eine Hauptstadt hier in Ohio, Cleveland zum Beispiel, hat nur 5000 Einwohner, 6000 Einwohner. Hier ist die große Masse. Und die Adventbewegung bisher spielt vor allem in diesem Bereich statt, der im Norden. Da sind die ganzen Campmeetings und da. Aber Fitch sagt, wir müssen auch in die anderen Bereiche vorgehen.

[25:26] Und so entscheidet sich Charles Fitch, sein Haus, seine Farm, alles im Osten aufzugeben und nach Ohio zu ziehen, um dort das Evangelium zu verkündigen und die Menschen auf die Wiederkunft vorzubereiten. Der Plan ist außerdem, dass andere Leute in den Süden ziehen sollen, um dort das Gleiche zu tun.

[25:47] Ebenfalls im Oktober, 12. Oktober, bringt Josiah Litch ein neues Buch heraus, "The Prophetic Expositions". Das Buch war gedacht sozusagen als Zusammenfassung all dessen, was die Milleriten bisher studiert hatten und herausgefunden hatten. Denn aufgrund der vielen Kritik, die es gab, hat man ja viele Dinge noch von neuen Seiten behandelt und von neuen Gesichtspunkten ausgesehen. Und so stellt das sozusagen die verbesserte und gründlich überprüfte Gesamtdarstellung da.

[26:18] Ich möchte das kurz erwähnen, weil dort etwas drin vorkommt, was äußerst interessant ist für unsere Zwecke. Zunächst mal erzählt er hier in diesem Buch: "Innerhalb der letzten drei Jahre sind von unserem Büro in Boston Wiederkunftspublikationen zu fast allen englischen und amerikanischen Missionsstationen auf Erden gesandt worden." Die haben also nicht nur für Amerika gewirkt. "Sie wurden nach China, nach Burma, nach Hindustan, nach Persien, Ägypten, Palästina, Syrien, Kleinasien, Griechenland, Konstantinopel, nach Afrika, in die Karibik und die Inseln des Pazifiks gesandt. Inklusive die Sandwich-Inseln, was damals, also was heute Hawaii heißt." Das heißt, die Miller-Bewegung, obwohl sie personell auf Amerika beschränkt waren, haben sie das, was in ihrer Macht stand, getan, um wirklich die ganze Welt zu erreichen.

[27:06] Und in seinem Buch erwähnt er etwas Interessantes. Im ersten Kapitel geht es um das Königreich Gottes, was ist das Reich Gottes und wann wird das Reich Gottes kommen und was sind die Bedingungen, um im Reich Gottes zu sein, das Millennium, die neue Erde. Und dort erwähnt er etwas, was bis dahin kein Millerit jemals vorher überlegt hat, aber was eigentlich total logisch ist, nämlich, dass es ein Gericht geben muss vor der Wiederkunft. Ein Vorwiederkunftsgericht.

[27:37] Er sagt das folgendermaßen: "Die Verhandlung muss der Vollstreckung vorausgehen. Er sagt, die Behauptung ist so klar, dass es ausreichend ist, sie zu nennen. Kein menschliches Tribunal würde auf die Idee kommen, ein Urteil an einem Gefangenen zu vollstrecken, wenn die Verhandlung noch nicht abgeschlossen ist, umso viel weniger dann Gott. Er wird jedes Werk in ein Gericht bringen, mit allem Geheimen, es sei gut oder böse." Wann wird das sein? Wenn Jesus 1843 wiederkommt, dann muss das ja bald sein, oder? Dann sagt er: "Es ist während der Öffnung des sechsten Siegels und auf dem Morgen sieben, dass die Diener Gottes in Vorbereitung auf die Auferstehung versiegelt werden. Und unter dem siebten Siegel, Kapitel 8, Vers 1, wenn es für etwa eine halbe Stunde still im Himmel gibt und der große Fürsprecher aufhört, für Sünder zu bitten, endet die Gnadenzeit, dann, so hat er sich das überlegt, dann wird das Gericht oder die Verhandlung über die Lebenden ergehen. Wenn das geschehen ist, wird Christus in den Wolken des Himmels erscheinen und zu dem Alten an Tagen kommen."

[28:37] Er hat ganz deutlich verstanden, es muss ein Gericht geben vor der Wiederkunft. Und er hat sich überlegt, das Einzige, das muss halt dann das Ende der Gnadenzeit sein. Kurz vorher, bevor Jesus wiederkommt, gibt es Ende der Gnadenzeit, dann findet das Gericht an den Lebenden statt. Also zeitlich war das ihm noch nicht ganz so deutlich, wie es uns heute deutlich ist, weil das ist ja logisch. Aber das ist der erste Samen dieser Idee, dass ein Vorwiederkunftsgericht stattfinden muss. Wir sind jetzt gerechtfertigt durch den Glauben, müssen aber noch am Tag des Gerichts gerecht gesprochen werden.

[29:08] Dann das zweite Kapitel des Buches handelt von Israel und die Tatsache, dass Israel nicht nach Palästina zurückkehren wird. Römer 9 bis 11 legt er dort aus. Das dritte Kapitel ist Daniel 7, Offenbarung 12 und 13, das Papsttum, die 1062 Jahre und die tödliche Wunde, wo er seine Theorie verfestigt, dass Napoleon das zweite Tier aus Offenbarung 13 darstellt. Im vierten Kapitel haben wir dann Daniel 8, die klassische Theorie, Verbindung mit Daniel 9 und so weiter und so fort. Und auch die Bedeutung des Heiligtums, dass es die Erde sein muss, nach der Vorstellung Millers und von ihm.

[29:43] Fünftes Kapitel sind dann die Zeichen der Zeit. Später Matthäus 24, Lukas 21 und er erwähnt auch den schwarzen Tag von 1780, Matthäus 25, die 10 Jungfrauen. Sechstes Kapitel, die sieben Plagen, noch zukünftig und auch hier wieder dieselbe Idee, erst nach der Wiederkunft. Weil sie vorzustellen, dass in den nächsten Monaten jetzt alle sieben Plagen fallen, bevor Jesus wiederkommt, denn 1843, das haben die sich irgendwie auch nicht vorstellen können. Deswegen dieser Umweg, das einfach nach der Wiederkunft zu buxieren. Und das siebte Kapitel handelt von Jerusalem und im zweiten Band geht es um Daniel 11 und 12, fast so ähnlich wie Miller. Nur mit dem Unterschied, dass er hier Konstantinopel hineinbringt in Vers 29 und schon ab Vers 36 die Französische Revolution sieht für alle diejenigen, die sich in Daniel 11 auskennen und das vielleicht von Interesse finden. Daniel 2. Kapitel ist sieben Posaunen gewidmet. Das ist natürlich Litchs Lieblingsthema mit dem Fall des Osmanischen Reiches. Und dann haben wir auch noch 10 und 11 und die Auslegung von Matthäus 24. Das ist sozusagen der Zusammenhang der ganzen Miller-Theorie, wie sie von all den Predigern in diese Bewegung, an all den Campmeetings gepredigt wird.

[30:54] Interessanterweise, für alle, die zuschauen, Litch macht keine Erwähnung der sieben Zeiten. Es ist übrigens eine Zeit, die auch weltpolitisch von höchster Bedeutung ist. Es ist die Zeit, wo in England schwere Hungersnot herrscht und aufgrund der industriellen Revolution, das ist unsicherlich ein Begriff, in diesen Jahren ein enormer Kontrast sich abzeichnet zwischen den verschiedenen Klassen. Die Arbeiterklasse, das ist ein Thema, das immer mehr Menschen beschäftigt. Hier haben wir einen großen Aufstand an jener Zeit, wo viele Menschen gegen die Regierung in England protestieren. Städte wie Manchester und Birmingham sind sogenannte Schock Cities, weil dort Hunderttausende in den allerschlimmsten Bedingungen arbeiten müssen für profitgierige Unternehmen. Und das bringt natürlich Leute auf den Plan, darüber nachzudenken. Die soziale Frage wird zu dem Thema jener Zeit und einer von ihnen ist der hier.

[31:52] Jetzt bin ich mal gespannt, kann mir jemand sagen, wer das ist? Irgendeine Idee? Du hast bewusst ein Jugendbildnis genommen. Die Rheinische Zeitung könnte ein Hinweis sein. Das ist Karl Marx, der 1842 im Oktober zur selben Zeit, als James White sich entscheidet, Prediger für die Milleriten zu werden, entscheidet sich der fast genauso alte Karl Marx, der ist nur drei Jahre älter, 24. Er wird Chefredakteur der Rheinischen Zeitung und geht damit in die totale Opposition zur preußischen Regierung. Er macht diese Zeitung noch liberaler, als sie ohnehin schon ist und stößt Woche für Woche mit der preußischen Zensur zusammen, um die oppositionelle Position zugunsten der Arbeiter zu fördern.

[32:50] Kommunismus an sich gibt es noch nicht, aber diese Idee, die greift schon um sich. Kein Wunder, der Satan muss ja auch versuchen, neue Dinge hervorzubringen, um die Menschen abzulenken. Und hier haben wir schon so ein erstes Samenkorn. Der Karl Marx engagiert sich in dieser Frage und die weitere Geschichte ist ja gut bekannt.

[33:11] In den selben Tagen, als er sich hier für diese Zeitschrift engagiert, ist James White unterwegs und hat mittlerweile statt drei Vorträge sechs Vorträge. Und mittlerweile hat er auch schon Erfolg. Nachdem die ersten Vortragsreihen etwas erfolglos waren, hat er mittlerweile mehr Erfolg, als er sich vorstellen kann. Bei einer Vortragsreihe passiert es ihm, dass er einen siebten Vortrag halten muss. Und dann klappt er sich noch den siebten Vortrag irgendwie zusammen und dann bekehren sich 60 Menschen. Und er weiß nicht, was er machen soll mit diesen 60 Menschen. Und er sagt, ich müsste eigentlich jetzt weiter predigen, ich müsste irgendwie eine Gemeinde gründen. Ich habe nichts, ich habe nur meine sieben Vorträge, was soll ich jetzt machen? Und dann ruft er seinen Bruder zu Hilfe, der ein bisschen mehr Erfahrung hat und der auch theologisch ausgebildet ist. Und der hilft ihm dann, eine Gemeinde zu organisieren und dort eine Gemeinde zu gründen an dem Ort in Maine.

[34:08] Also interessante Lektion, auch wenn wir nicht am Anfang gleich Erfolg haben. Wenn wir weitermachen, haben wir manchmal mehr Erfolg, als wir uns zu träumen wagen würden.

[34:18] Übrigens, in der gleichen Zeit, während in England die Gesellschaftskrise sich erweitert, hat man in Bayern ganz andere Probleme. In Bayern möchte man den deutschen Genius ehren und so wird im Oktober 1842 Walhalla eingeweiht. Eine große monumentale Einrichtung, um deutsche Dichter und Denker und so weiter zu ehren.

[34:53] Und dann am 20. bis 30. Oktober haben wir Miller hier in Benson auf einem Campmeeting. Und wiederum ist auch Storrs zugegen und Himes ist Prediger. Und während all das stattfindet, ist Charles Fitch sicher angekommen im Westen. Er zieht nach Cleveland, um dort Vorträge zu halten. Er wird auch eingeladen an das berühmte Oberlin College. Oberlin College ist die Vorzeigeschule der Erziehungsreform. Also alles, was wir so an Erziehungsreform auch später umgesetzt haben, auch übernommen haben, wie zum Beispiel, dass es körperliche Arbeit geben sollte neben der Schulausbildung und dass man nicht heidnische Klassiker studieren sollte, sondern die Bibel und dass die Bibel zum Textbuch gemacht werden sollte, all das hat schon Oberlin College in Ohio gemacht. Der Leiter war Charles Finney, einer der großen Erweckungsprediger Amerikas. Und Charles Fitch ist sein Freund. Und er wird eingeladen, dort unter den Top Notch, den besten Studenten, den gläubigsten Studenten Amerikas, Vorträge zu halten über die Wiederkunft.

[36:07] Diese Schule ist auch diejenige, die eine strikte vegane Ernährung vorschreibt für die Studenten. Also ganz, ganz fortschrittlich. Und interessanterweise ist es diese Schule, wo Charles Fitch den größten Widerstand erlebt mit seinen Vorträgen. Ausgerechnet die, die am meisten nach der Bibel leben und am stärksten auch moralische Reformen vertreten, leben vegan, leben gesund, machen alles, was sonst so die Bibel sagt, aber mit der Wiederkunft wollen sie nichts am Hut haben. Und das hat ihm natürlich sehr weh getan, dem Charles Fitch. Aber so ist das manchmal nicht.

[36:46] Übrigens, bei einem Vortrag ist es passiert, dass Charles Fitch einen Aufruf macht und Menschen einlädt, nach vorne zu kommen für die Entscheidung, sich Christus anzuvertrauen. Und wie es so ist, es passiert, dass ein Mann aufsteht und nach vorne kommen will und während er nach vorne kommt, stolpert und hinfällt. Und dann die umliegenden Personen anfangen zu lachen und sich lustig zu machen. Und dann sagt Fitch: "Also, es ist besser, in den Himmel zu stolpern, als geradeaus in die Hölle zu rennen." Und da hat er natürlich vollkommen recht gehabt.

[37:25] Und dann kommt das letzte Campmeeting des Jahres im November, am 3. November. Da trauen wir uns nochmal gar nicht mal vor die Haustür zu gehen. Da sind die immer noch draußen, in Zelten haben die da übernachtet. Dieses Campmeeting findet hier in Newark statt, in der Nähe von New Jersey. Es ist das, halten wir uns fest, 31. Campmeeting seit Juni. Drei hatte man geplant, schon eins wäre fast zu viel gewesen und es waren 31. Und das sind hier nur einige der Hauptcampmeetings, die wir aufgezeichnet haben. Man sieht auch, es ist gut verteilt über die ganze Gegend. Hier ist jetzt dieses in New York.

[38:13] Und das ist besonders interessant, weil ein Reporter der örtlichen Zeitung dort einen täglichen Bericht gegeben hat. Wir können das nachvollziehen. Tag für Tag hat er in der Presse berichtet, wie es dort gewesen ist auf dieser Zeltversammlung. Hauptprediger waren wieder Miller und Litch und Himes und Storrs und Apollo Sale und wie sie alle heißen. Hier haben wir sie. Und wir haben so einen kleinen Eindruck aus dieser Reporter-Serie, wie das da so von sich gegangen ist.

[38:48] Interessanterweise gibt es dort neben dem großen Zelt auch so Erfrischungsstände. Und da wird auch unter anderem von einigen wenigen auch Alkohol verkauft. Viele haben zwar eine Position gegen Alkohol eingenommen, aber nicht alle. Das ist zum Beispiel sehr interessant. Der typische Tagesablauf ist, am Morgen gibt es Gebetstreffen. Dann am Vormittag eine Predigt von Josiah Litch oder einem anderen. Dann gibt es ein Mittagessen. Um 13 Uhr gibt es besondere Gebetsgruppen. Und am Nachmittag gibt es, was man nennt, Vater Millers Predigt. Und an manchen Tagen sind bis zu 12.000 Menschen gegenwärtig bei diesem Campmeeting.

[39:23] Und alle Prediger in der Stadt, egal ob Baptisten, Methodisten oder wo auch immer, predigen gegen dieses Campmeeting. Und je mehr sie predigen, desto mehr Leute kommen zu diesem Campmeeting und wollen wissen, wie es dann wirklich ist. Und am besten ist es, dass dann wird sogar extra ein Doktor eingeladen. Sein Name ist Dr. Brownlee. Und er wird eingeladen, in einer der Kirchen gegen Miller zu predigen. Und einige der Christen wollen wirklich sehen, gibt es Argumente gegen Miller. Und man sagt, dass niemand mehr Werbung für Miller gemacht hat, als dieser Dr. Brownlee. Indem er nämlich sagt, wenn Gott wirklich wiederkommt nächstes Jahr, dann ist er der allergrößte Lügner. Dann kann man der Bibel nicht glauben und so weiter. Und man sagt, dass die Atheisten, die zu seinen Vorträgen kamen, aus seinen Vorträgen herausgegangen sind und gesagt haben: "Wir wussten schon immer, warum wir Atheisten sind." Und die Christen, die hingegangen sind, haben gesagt: "Also meine Güte, wenn wir das uns anschauen, dann müssen wir da wirklich recht haben." Und so hat der Guten genau das Gegenteil bewirkt von dem, was er wollte.

[40:32] Es ist halt November und deswegen regnet es öfter mal. Und deswegen kann das Campmeeting nicht so stattfinden, wie es eigentlich geplant war. Immer wieder bricht das Zelt auch zusammen und muss wieder aufgerichtet werden. Der Platz ist dann feucht, man muss dann in Kirchen ausweichen, versucht dort Räumlichkeiten zu bekommen. Aber all das stört die Gläubigen nicht, die trotz all dieser Schwierigkeiten das Beste draus machen.

[40:56] Das überspringen wir nicht, weil das sehr interessant ist. Während dieser Zeit im November kommt eine Beschwerde an die Signs of the Times. Einer der Prediger, der Calvin French, hat ja, wie wir letztes Mal gesehen haben, persönlich herausgefunden, dass die Toten schlafen, wenn sie tot sind und nicht gleich in den Himmel gehen. Hat ein kleines Buch geschrieben und gesagt, das ist nur meine Position. Die anderen Milleriten glauben das nicht. Aber er fängt auch an, diese Dinge zu verkündigen und zu verbinden mit der Wiederkunft. Und es gibt die Beschwerde jetzt von einigen Zuhörern, die sagen, der macht so tolle Vorträge über die Wiederkunft, aber leider predigt er diesen Unsinn mit dem Zustand der Toten.

[41:40] Und jetzt schauen wir mal, was Joshua Himes diesbezüglich uns sagen möchte. "Als Antwort darauf möchten wir anmerken, dass unser genannter Bruder nicht unser Redner ist und niemand außer ihm selbst für besondere Ansichten, die er vertreten mag, verantwortlich ist. Das besagte Pamphlet behauptet, dass Gläubige und Gottlose gemeinsam im Grab in einem unbewussten Zustand bis zur Auferstehung ruhen und die Gottlosen nach ihrer Auferstehung vernichtet werden. Diese Ansichten sind nicht unsere Ansichten. Noch sind wir in irgendeiner Weise mit ihnen zu identifizieren. Wir glauben, dass unser Bruder ein hingegebener und frommer Mann ist und seine Arbeit viel Gutes bewirkt hat. Aber dieses Pamphlet wurde von ihm selbst veröffentlich, entgegen unseres Rates und unseren dringenden Wünschen. Das fortgesetzte Vermischen dieser Lehren mit der baldigen Wiederkunft Christi ist ebenfalls entgegengesetzt zu unseren ernsten Bitten."

[42:35] Also hier haben wir die Signs of the Times. Joshua Himes, der sagt, wir wollen nicht, dass diese Lehre über den Zustand der Toten gepredigt wird. Das ist eine der ersten Krisen der Adventbewegung. Gott bringt die Wahrheit durch diesen, naja, ein Prediger zweiter Ranges, Calvin French, nicht der allerbekannteste, aber sehr, sehr fleißig, hat ganz, ganz viel getan für die Adventbewegung, bringt das vor die Leute und hier haben wir Himes, der das blockt und sagt, wir wollen das nicht.

[43:02] Und diesen Zeitungsartikel liest George Storrs, der das Thema schon lange studiert hatte, Millerit geworden war, aber bisher nicht darüber gesprochen hatte, weil er gedacht hat, naja, ist jetzt nicht so wichtig, wir wollen erst mal, dass Jesus wiederkommt. Aber als er sieht, wie dort mit diesem Calvin French umgegangen wird, sagt er: "Moment mal, da müssen wir was tun." Und er erfasst einen Plan, gleich kommen wir zu dem Plan.

[43:27] Schauen wir uns das noch zu Ende an. Am 11. November geht Josiah Litch nach Philadelphia wieder hin, um dort Vorträge zu halten und dann endet auch das letzte große Campmeeting in New York. Am letzten Tag predigt Miller in der städtischen Halle und am Nachmittag auf den Stufen des Gerichtshauses vor 5000 Menschen. Es endet am 13. November und am 14. November ist Miller schon in New York City und hält die nächste Vortragsreihe. Jetzt kann man keine Campmeetings mehr halten, aber man kann ja Vortragsreihen halten. Und weil die so wunderbar sind, diese Vorträge, möchte man das Resultat maximieren.

[44:16] Man hat mittlerweile die ganzen Bücher, die man bisher rausgebracht hat, jetzt als handliche Missionsausgabe. Hier zum Beispiel Millers Vorträge für 37 Cent oder Litchs Buch für 18 ein Viertel Cent. So billig gedruckt, dass man sie weiter verteilen kann wie Blätter im Wind. 21 Stück davon. Und man hat eine neue Methode.

[44:41] Während dieser Vortragsreihe in New York City kommt Himes auf die Idee, eine neue Zeitschrift zu etablieren in New York City, die, Achtung, jeden Tag herauskommt. Es wird jetzt jeden Tag eine neue Tageszeitung, quasi eine milleritische Tageszeitung, die jeden Tag von diesem Zeitungsjungen in New York City, die schreien dann auf dem Marktplatz: "Die Welt geht unter." Die heißt die Zeitschrift "The Midnight Cry". Wird für 30 Tage lang in Verbindung mit der Vortragsreihe eingesetzt. Und dort werden alle Hauptartikel von Litch und von Miller herausgebracht. Biblische Auslegungsprinzipien und Bibeltexte zu verschiedenen prophetischen Symbolen usw.

[45:31] Dann haben wir Miller, der von New York City weiterreist nach New Haven in Connecticut, dort eine weitere Vortragsreihe hält. Dort haben wir ihn, oh das müssen wir noch lesen. "Mr. William Miller, der gefeierte Autor und Redner über die Wiederkunft unseres Erlösers und die baldige Vernichtung der Welt, hat vor kurzem unsere Stadt besucht und eine Vortragsreihe vor einer immensen Menge an interessierten Zuhörern in der ersten Methodistischen Kirche gehalten. Es wird geschätzt, dass nicht weniger als 3000 Menschen jeden Abend anwesend waren in der Kirche. Und wenn die fast atemlose Stille über der gesamten Menge für 2 oder 3 Stunden..." Also, wenn sich noch jemals jemand beschwert, wenn ich mal 1,5 Stunden predige, 2 oder 3 Stunden, atemlose Stille, 3000 Menschen usw.

[46:15] Er sagt hier: "Wir besuchten nicht die ganze Reihe, sondern konnten nur die letzten drei Vorträge hören. Wir waren äußerst enttäuscht. Warum? So viele extravagante Dinge waren in der Presse über diese Fanatiker behauptet worden und solche verdrehten Aussagen über ihre Glaubenspunkte gemacht worden, dass wir uns darauf vorbereitet hatten, abstoßende und vielleicht sogar gotteslästerliche Auswüchse des Millerismus, wie die Lehre genannt wird, zu beobachten." Der Redakteur kommt und denkt, dort wird wirklich Schwachsinn behauptet und ist ganz enttäuscht. Der Miller ist ein ganz vernünftiger Mensch und predigt ganz sinnvoll. Er sagt gerechterweise: "Gegenüber Mr. Miller müssen wir zugeben, dass er einer der interessantesten Redner ist, an die wir uns überhaupt erinnern können."

[46:54] Und weil das mit den Zeitschriften dort in New York so gut läuft, geht Miller direkt von New Haven wieder zurück nach New York und hält dort wieder Vorträge, weil das gerade so gut funktioniert. Und durch diese Maßnahme wird endlich die Stadt New York geknackt für die Milleriden.

[47:14] Es wird dort übrigens auch berichtet davon, dass zur gegenwärtigen Zeit in England und Schottland eine Erweckung stattfindet, wie sie bisher noch niemals gesehen worden ist und dass Hunderte von Menschen, Hunderte von Predigern in diesen Gegenden predigen, dass Jesus nächstes Jahr oder demnächst wiederkommen wird.

[47:33] Miller schreibt noch ein kleines Buch. Eine Antwort auf das vielleicht wichtigste Werk gegen Miller, das jemals geschrieben worden ist, von einem Dr. Stuart. Das wird von ganz, ganz vielen zitiert und Dr. Stuart behauptet, dass das kleine Horn in Daniel 8 gar nicht das römische Reich ist, sondern Antiochus IV. Epiphanes und ist damit einer der ersten präteristischen Ausleger in Amerika, die also alles in die Vergangenheit legen und sagen, Offenbarung spricht gar nicht von der Zukunft, sondern nur von der Zeit von Johannes und Daniel spricht nur von der Zeit Daniels. Und Miller muss sich damit auseinandersetzen.

[48:11] Und dann haben wir die letzte Ausgabe der Tageszeitung. Und diese Tageszeitung wird dann umgewandelt in eine wöchentliche Zeitung, nachdem die Vorträge vorbei sind. Und hier sehen wir etwas, nämlich dass George Storrs morgen beginnt mit einer Vortragsreihe. Also Miller raus, George Storrs rein. Die haben sich die Klinken in die Hand gegeben. Und dieser George Storrs nutzt die Gelegenheit, als er in New York City ist und lässt dort in New York seine sechs Predigten drucken. Und zwar 15.000 Stück. Die sechs Predigten über den Zustand der Toten. Und das ist der Moment, wo dieses Thema unaufhaltsam jetzt in die milleritischen Zirkel hineinkommt. Den Calvin French, den konnte man auch maßregeln sozusagen, aber das nicht. Erstens ist Storrs zu bekannt und zweitens ist das die Gelegenheit zu günstig. Und er macht das. Und wie das dann sich auswirkt, werden wir nächstes Mal sehen. Aber das ist der Moment, wo dieses Thema jetzt prominent vor die Menschen gebracht wird. Der Zustand der Toten, wie die Bibel ihn lehrt.

[49:18] Übrigens, es gibt viele Leute, die behaupten, man wird durch Millerismus verrückt. Und deswegen berichtet man in einer Zeitschrift das Gegenteil. "Dies bestätigt, dass meine Mutter verrückt war und unter Dr. Ann Butler in der Ehrenanstalt in Pepperell behandelt wurde. Die Lehre der Wiederkunft war ihr so angenehm, dass Dr. Butler empfahl, ich sollte dieses Thema immer wieder ihr gegenüber ansprechen. Das Resultat war überaus freudig und nun hat sie ihren Verstand völlig wiedergewonnen." Interessanterweise.

[49:57] 1842 im Sommer und im Herbst ist die Adventbewegung so im Vormarsch und so viel Wahrheit strömt auf die Leute zu. Tausende über Tausende bekehren sich, dass spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen war, für Satan etwas Spezielles zu tun. Und es ist genau im Winter 1842, dass ausgerechnet nicht irgendwo in der Peripherie, sondern ausgerechnet in Boston Fanatismus aufkommt. Kann jemand raten, durch wen? Ah, die kommen später. Durch den jungen Prediger, von dem wir gerade gesprochen haben vorhin, John Starkweather, der als Assistent dorthin berufen worden war, der seine besonderen Vorstellungen hat bezüglich der Heiligung. Er fängt an zu predigen, man muss irgendwie umfallen, man muss irgendwelche zittern am Körper, um zu wissen, dass man heilig ist. Und so beginnt im Winter 1842, Dezember 1842, beginnt in Boston, im Zentrum der Adventbewegung, in der Gemeinde dort, einige anzufangen, dort solche Erfahrungen zu machen, umzufallen, charismatische Erfahrungen.

[51:13] Und das ist natürlich von größerem Interesse, denn viele wissen, dass durch eine ähnliche Sache schon die britische Adventbewegung zusammengebrochen ist. Vielleicht erinnern wir uns an Irving und an die Zungenrede und so weiter, wie das alles in sich zusammengefallen ist. Und er sagt dann, versucht genau dasselbe hier auch, nicht irgendwo, sondern genau im Zentrum. Durch diesen jungen, begabten, hochtalentierten, applaudierten Prediger, der aber relativ wenig Erfahrung mit der Adventbewegung bisher gehabt hat und jetzt seine Sache durchdrücken will und damit ein bisschen die Kontrolle fehlt. Er versucht zuerst, ihn davon zu überzeugen, dass es falsch ist, aber so richtig lässt er nicht mit sich reden. Und wir werden das nächste Woche dann weiterführen müssen.

[51:59] Das letzte Ereignis des Jahres ist, dass Miller von New York dann hier wieder nach Norden fährt, um dort in Granville, glaube ich es ist, ne, in Waterford, eine letzte Vortragsreihe zu beginnen und zwar am 31. Dezember. Und während er dort auf der Reise ist, ist sein Gehirn mit einer Frage beschäftigt. In wenigen Tagen beginnt das Jahr 1843. Was soll ich all den Menschen schreiben? Wie soll es jetzt weitergehen? Wir haben noch ein paar Monate wahrscheinlich. Er macht sich also Gedanken, was er den Menschen mitgeben soll und darüber werden wir das nächste Mal sprechen.

[52:43] Der letzte Punkt für heute und dann schließen wir. Was hat eigentlich Ellen Harmon gemacht in diesen Monaten? Lesen wir einfach vor, was sie nach ihrer Taufe erlebt. "Unter den Methodisten hatte ich viel über die Heiligung, das Geheiligtsein gehört. Man sagt, man wird gerechtfertigt und dann kommt die Heiligung. Hat aber keine klare Idee davon. Diese Segnung schien mir außerhalb meines Bereichs zu sein, ein Zustand der Reinheit, den mein Herz nie erfahren werde. Ich hatte Personen gesehen, die unter dem Einfluss starker geistiger Erregung ihre körperliche Kraft verloren." Eine ähnliche Sache wie mit dem Starkweather. "Und ich hatte gehört, wie man dies als einen Beweis der Heiligung bezeichnete. Aber ich konnte nicht begreifen, was notwendig sei, um Gott völlig geweiht zu sein."

[53:26] "Meine christlichen Freunde sagten mir: Du musst nur glauben. Das habe ich vergessen zu schreiben. Dies versuchte ich zu tun, fand es aber unmöglich zu glauben, dass ich einen Segen empfangen habe, welcher, wie es mir schien, mein ganzes Wesen ekstatisch machen sollte. Ich wunderte mich über meine eigene Herzenshärte. Da ich ja unfähig war, die Erhabenheit des Geistes zu erfahren, die andere bekundeten, es schien mir, dass ich anders sei als sie und dass ich auf immer von der vollkommenen Freude der Heiligkeit und Herzensreinheit ausgeschlossen sei. Meine Begriffe betreffend der Rechtfertigung und der Heiligung waren verwirrt. Diese zwei Zustände waren mir getrennt und abgesondert voneinander vorgeführt worden. Dennoch aber begriff ich den Unterschied oder nicht oder verstand die Bedeutung der Ausdrücke nicht. Und alle Erklärungen der Prediger vermehrten nur meine Schwierigkeiten. Ich war nicht imstande, den Segen für mich selber zu beanspruchen und wunderte mich, ob er nur unter den Methodisten zu finden sei."

[54:21] Werden nur die Methodisten geheiligt? Und ob ich mich beim Besuchen der Adventistenversammlung nicht gegen das verschließe, was ich vor allem anderen wünschte, nämlich den Heiligen Geist Gottes? Muss ich vielleicht doch immer treu zu den Methodisten gehen, um heilig zu werden? Das fragt sich die 14-jährige Ellen Harmon.

[54:42] Dennoch beobachtete ich, dass einige von denen, die da behaupteten, geheiligt zu sein, einen bitteren Geist bekundeten, wenn über die baldige Wiederkunft Christi gesprochen wurde. Dies schien mir keine Bekundung der Heiligung zu sein, die sie zu haben bekannten. Ich konnte nicht verstehen, warum Prediger von der Kanzel so gegen die Lehre von der Nähe der Wiederkunft Christi kämpfen sollten. Der Predigt dieses Glaubens waren Reformationen gefolgt und viele der fremdesten Prediger und Leidengüter hatten es als Wahrheit angenommen. Es schien mir, als ob diejenigen, die Jesus aufrichtig liebten, bereitwillig die Kunde von seinem Kommen annehmen und sich freuen sollten, dass es nahe sei.

[55:16] Ich fühlte, dass ich nur das beanspruchen konnte, was sie als Rechtfertigung bezeichneten, also Vergebung. Ich las dem Worte Gottes, dass niemand ohne Heiligung den Herrn sehen wird. Also war noch eine höhere Stufe zu erreichen, die ich erreichen musste, ehe ich des ewigen Lebens sicher sein konnte. Ich studierte beständig über diesen Gegenstand nach, denn ich glaubte, dass Christus bald kommen werde, nächstes Jahr, nicht wahr? Und fürchtete, er werde mich unvorbereitet finden, ihm zu begegnen. Worte der Verdammung klangen Tag und Nacht in meinen Ohren und ein beständiger Herzensschrei zu Gott war: Was soll ich tun, dass ich selig werde?

[55:52] Ich weiß nicht, wie es oft noch anderen so gegangen ist, dass durch seltsame Erklärungen wir manchmal gar nicht genau wissen, was muss ich eigentlich tun, um heilig zu werden? Was ist Heiligkeit? Nächste Woche mehr davon, wenn wir das letzte Jahr der Welt betrachten. Dann werden wir sehen, ob Ellen Harmon ihre Konflikte mit der Heiligung gelöst bekommen hat und wie das ausgegangen ist mit diesem Fanatismus in der Adventbewegung.

[56:18] Jetzt haben wir eine kurze Pause, aber vorher wollen wir natürlich festhalten, dass wir nichts zu befürchten haben für die Zukunft. Es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Gottes Segen euch und gleich sehen wir uns wieder. Amen.


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