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In diesem Teil der Serie „Die Zeit des Endes“ wird das Jahr 1813 beleuchtet, das maßgeblich vom Krieg geprägt war. Der Vortrag schildert die Ereignisse rund um den Krieg zwischen Amerika und England sowie die Befreiungskriege in Europa gegen Napoleon. Gleichzeitig wird auf die bedeutende prophetische Arbeit von William Cunningham eingegangen, der wichtige Erkenntnisse über die biblische Prophetie veröffentlichte. Die Darstellung umfasst auch die persönlichen Erfahrungen von William Miller im Krieg und die Entwicklungen in der religiösen und missionarischen Landschaft.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Einen wunderschönen guten Abend, heute hier aus Bad Cannstatt. Schön, dass ihr gekommen seid und schön, dass ihr jetzt live zuschaut auf joelmedia.tv.de oder wenn ihr dann später die Aufnahmen euch anschaut. Und eine weitere Folge unserer Serie, die Zeit des Endes. Und bevor wir beginnen, wollen wir wie jeden Abend mit einem Gebet starten. Mein Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für die Gelegenheit, jetzt wieder zusammenzukommen. Wir möchten dich bitten, dass du uns Weisheit schenkst aus der Geschichte, die Lektionen zu lernen, die wir lernen dürfen. Und wir bitten dich, dass du uns hilfst, das Entscheidende zu erkennen und Vertrauen in deine Führung zu bekommen. In deinem Namen beten wir, Herr Jesus. Amen.

[0:47] Heute werden wir uns das Jahr 1813 zu Gemüte führen. Wir haben es überschrieben: Im Sog des Krieges. Wer die letzten Wochen hier gewesen ist, hat den Eindruck, es war bisher immer nur Krieg. Und das wird noch ein, zwei Jahre so weitergehen. Also von diesem Jahr, nicht von den Jahren, die wir hier noch weiter studieren werden.

[1:13] 1813, zu Beginn des Jahres, befindet sich Joseph Bates immer noch als Kriegsgefangener im Mittelmeer. Wir haben es ja gesehen, auf so einem englischen Kriegsschiff in der Nähe von Mallorca und Minorca. Das ist ihr Winterquartier. Und während des Jahres haben sie die Aufgabe, hier so die französischen Häfen zu blockieren. Da die Engländer weitaus mehr Schiffe haben als die Franzosen, ist das auch recht erfolgreich. Und wir haben gesehen, dass letztes Jahr, 1812, Bates seinen amerikanischen Pass und alle seine Dokumente bekommen hatte, aber nicht mehr freigelassen werden konnte, weil jetzt ja England mit Amerika im Krieg ist. Er ist Kriegsgefangener und muss nur noch pumpen. Aber dann, Anfang 1813, passiert etwas Merkwürdiges. Hier bei der Blockade des Hafens in Toulon scheint es so zu sein, dass ein ganzer französischer Schiffsverband ausgebüxt ist und jetzt frei im Mittelmeer hier irgendwo kreuzt. Das bedeutet, dass die Briten dem nachsetzen müssen und jetzt alle Mann gebraucht werden in der Verfolgung der französischen Schiffe. Und alle anderen US-amerikanischen Kriegsgefangenen sagen: Okay, jetzt, in dem Fall, helfen wir doch mit und wir arbeiten mit und kämpfen gegen die Franzosen. Nur einer sagt: Nee, das mache ich nicht. Joseph Bates. Er sagt: Ich bin Kriegsgefangener und als Kriegsgefangener bleibe ich dabei und ich werde nicht mithelfen. Daraufhin ist einer der Offiziere so erbost, dass er ihn gefangen setzt und zwar in den Kanonenraum. Jetzt, warum ist das gefährlich? Sollten sie mit den Franzosen in Kontakt treten und dann die Franzosen sie beschießen, dann bombardiert man in aller Regel erstmal den Ort, wo die Kanonen sind, nicht wahr? Und da sitzt er jetzt gefangen, angekettet an so einer Kanone. Und einer seiner US-amerikanischen Freunde kommt und sagt: Mensch Joseph, jetzt hör doch auf, sei doch nicht so ein Sturkopf, du riskierst dein Leben. Und er sagt: Nein, ich habe gesagt, ich bin ein Kriegsgefangener und wenn mir das zum Vorteil gereicht, dann bin ich das, aber ich bin das genauso, wenn es mir zum Nachteil gereicht. Ich habe mich dafür entschieden und so bleibe ich dabei. Die Jungs hatten damals echte Prinzipientreue, nicht wahr? Er war übrigens 20 Jahre alt zu dem Zeitpunkt und kurze Zeit später ist er wieder freigelassen worden, weil der Kapitän nicht so begeistert davon war, von diesem Offizier, den er gefangen gesetzt hat. Und man hat dann festgestellt, dass diese Schiffe aus Toulon gar nicht rausgekommen sind, sondern es war nur eine Täuschung der Franzosen und alles war halb so schlimm. Es zeigt aber ein bisschen was von dem Charakter, den Joseph Bates gehabt hat.

[3:49] Springen wir nach Amerika. Dort haben wir im letzten Jahr gesehen, wie Amerika versucht hat, gleich dreimal erfolglos Kanada zu erobern. Und das ist jedes Mal gescheitert. Und jetzt Anfang 1813 haben sie versucht, das wieder gut zu machen und wiederum hier in der Nähe von Detroit anzugreifen und diese Stadt Detroit, das war ja damals so ein Dorf, wieder zurückzugewinnen. Um das zu tun, wurde eine Miliz aus Kentucky hier nach Frenchtown geschickt. Die hat das auch einnehmen können, ist aber vier Tage später am 22. Januar wiederum besiegt worden. Und das war deswegen so wichtig, weil die Indianer, die daran beteiligt waren und die Briten unterstützt haben, dann ein Massaker an den verwundeten Soldaten durchgeführt haben. Das hier ist Tecumseh, der Indianer-Häuptling dort in der Gegend. Die Indianer haben für ihren eigenen Staat gekämpft und dieses Massaker ist in die Geschichte der US-Geschichte eingegangen als besonders grausam.

[4:49] Weiterhin Ende Januar, 25. Januar, haben die beiden wieder etwas miteinander zu tun gehabt, nämlich Napoleon und Papst Pius. Der war schon lange nicht mehr auf seinem Thron, da war er gefangen in Frankreich, seit 1809 zuletzt in Fontainebleau. Und Napoleon hat ihn am 25. Januar zu einem weiteren Konkordat gezwungen, das den Papst sehr erniedrigt hat, also Napoleon hat sich wirklich einiges mit ihm erlaubt. Und der Papst hat dann dieses Konkordat aber im März wieder widerrufen. Des Weiteren ging es hier munter weiter an der Grenze im Krieg zwischen England und den USA. Im Februar haben die Briten den Fluss überschritten und haben die Stadt eingenommen. Hier sehen wir den Vormarsch derselben.

[5:49] Und während das so vor sich hin ging, immer hin und her und vor und zurück, hat sich in Europa einiges getan. Wir haben ja letztes Jahr gesehen, also letztes Mal, im letzten Jahr, 1812, dass die Franzosen hier schwer gescheitert sind in Russland. Und die Russen haben sich jetzt nicht damit begnügt, einfach nur ihr Vaterland verteidigt zu haben, sondern sie sind ihrerseits jetzt hier im Februar nach Warschau einmarschiert und haben angefangen, sich jetzt auch den Preußen anzunähern. In Norddeutschland gab es eine unglaublich antifranzösische Stimmung, das ging los in der schönen Hafenstadt Hamburg. Da begann ein antifranzösischer Aufstand gegen die Besetzer und das sprang dann auch über auf Lübeck und auf andere norddeutsche Städte im März. Am 28. Februar haben dann Preußen und Russland ein Bündnis geschlossen gegen die Franzosen, um sie, wenn möglich, zurückzuwerfen. Die Russen sind auch in Berlin einmarschiert und haben sozusagen militärische Stärke gezeigt. Und ganz besonders interessant, obwohl eigentlich völlig unwichtig, fand ich, dass am 14. März einige russische Kosaken in der kleinen schönen Stadt Ludwigslust aufgekreuzt sind. Ludwigslust war die Residenz der mecklenburgischen Herzöge. Mecklenburg war eine der ersten deutschen Herzogtümer, die sich auf die Seite der Russen geschlagen haben. Sie wurden ein bisschen gezwungen durch die Kanonen der Russen. Aber die Mecklenburger waren die ersten, die neben den Preußen gegen Napoleon gekämpft haben. Da kann man doch stolz drauf sein, oder? Wie auch immer, 16. März, Kriegserklärung der Preußen an Frankreich.

[7:42] Am 17. März hat sich der König Friedrich Wilhelm III. an sein Volk gewandt. Das ist eine gute alte deutsche Schrift. An mein Volk. Und er wendet sich nicht nur an die Preußen, sondern an alle Deutschen. Und das Jahr 1813, ich weiß nicht, ob wir das wissen, ist auch für uns, die wir Deutsche sind, gar nicht so unwichtig. Es war das erste Jahr, wo so ein deutsches Nationalgefühl aufgekommen ist. Nicht, weil man sich plötzlich so liebgehabt hat, sondern weil man den gemeinsamen Feind Napoleon gehabt hat. Und der preußische König wendet sich nicht nur an die Preußen, sondern an das ganze deutsche Volk, um jetzt Widerstand gegen Napoleon zu leisten.

[8:26] Lassen wir den Krieg für eine Minute mal sein. Und kommen wir im März zu diesem Herrn hier, William Cunningham. Wir haben schon mehrmals von ihm gehört. Er war Laie gewesen. Hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder mit aufsehenerregenden Artikeln in Zeitschriften wie dem Christian Observer für Aufsehen gesorgt. Und er schreibt 1813 das vielleicht beste Buch über Prophetie, das bis dahin geschrieben worden ist. Es heißt: Eine Dissertation über die Siegel und die Posaunen. Und in seinem Vorwort schreibt er folgendes, fand ich ganz interessant. Ich glaube, das könnte manch einer sich heute noch zu Gemüte führen. Er sagt: Ich betrachte es als selbstverständlich, dass die vier Tiere, die von Daniel im siebten Kapitel seiner Prophezeiung gesehen worden sind, das Babylonische, das Medo-Persische, das Griechische und das römische Königreich darstellen. Und dass das kleine Horn des vierten Tieres ein Symbol der päpstlichen Macht ist. Wie gesagt, das waren Anglikaner. Er sagt: Es ist so selbstverständlich, da rede ich gar nicht mehr groß drüber. Das müssen wir nicht beweisen. Und dann sagt er weiter: Und dass das Babylon der Offenbarung die Kirche von Rom ist, diese können als die ersten Prinzipien im Studium der Prophetie angesehen werden, die keinem gut informierten Protestanten unbekannt sein sollten. Das war mal die protestantische Position vor genau 200 Jahren, im Jahre 1813.

[9:46] Dieses Buch ist wirklich wegweisend, denn es bringt von all dem, was bisher studiert worden ist, das Beste zusammen. Nur um einige Sachen noch zu nennen, dass wir so einen Eindruck bekommen, wo 1813 die Marksteine der protestantischen Prophetieauslegung gewesen sind. Neben den Sachen, die wir gerade gesehen haben, war es selbstverständlich auch das Jahr-Tag-Prinzip. Da hat keiner daran gezweifelt. Er selbst hat es ja auch noch einmal bestätigt. Das Buch war deswegen auch berühmt, weil zum ersten Mal er ein neues Konzept über die Siegel und Posaunen vorgestellt hat. Vorher haben die meisten Prophetieausleger geglaubt, naja, erst kommen die Siegel, und wenn die Siegel vorbei sind, dann kommen die Posaunen. Und wenn die vorbei sind, dann kommen die Plagen. Demzufolge hat man die sieben Siegel in die frühchristliche Ära gelegt, bis zum Aufstieg des Papsttums, dann die Posaunen danach ins Mittelalter, und dann die Plagen in die Zeit danach. Und er war einer der Ersten, die gesagt haben: Halt, Stopp! Die Siegel und die Posaunen laufen alle parallel. So wie wir es auch heute kennen aus unserer Prophetieauslegung. Und das war damals eine relative Revolution. Und auch dafür ist sein Buch zu rühmen. Er hat übrigens interessanterweise auch über Daniels Offenbarung 10 gesprochen, dieses kleine Büchlein in der Hand. Und er sagt, dieses kleine Büchlein hat zu tun mit der Zeit des Endes. Das schreibt er in seinem Buch, 1813. Und er sagt, diese Ausführung in Offenbarung 10: Es wird keine Zeit mehr sein, bedeutet, dass die Zeitprophezeiungen von Daniel bald an ein Ende kommen werden. Er glaubt noch, dass die Plagen gerade fallen, wegen der französischen Revolution und Napoleon. Und er ist der Meinung, dass die 1260 Jahre vorbei sind. Es gab ja einen großen Streit: Sind sie schon vorbei, sind sie nicht vorbei? Und er ist ganz knapp an der Wahrheit dran vorbei, also ziemlich dran. Er sagt, die 1260 Jahre begannen 533, nicht 538. Die meisten haben damals geglaubt, es war 533. Das lag daran, dass 533 der Erlass von Justinian ergangen worden ist, dass der Papst Oberhaupt der Kirche sei, aber erst 538 konnte der Erlass umgesetzt werden. Und das hat damals noch nicht jeder begriffen, er auch noch nicht. Und deswegen gab es diese Abweichung von ungefähr fünf Jahren. Aber ansonsten ist er ziemlich solide. Er sagt auch, dass die 2300 Abende und Morgen tatsächlich 2300 sein müssen. Das haben wir gesehen, es gab in den letzten Jahren da immer Diskussionen drum. Sind das jetzt 2300, 2200, 2400? Und er ist einer derjenigen, die wirklich das Fundament legen und deutlich nachweisen, es müssen nach allen Manuskripten, die zur Verfügung stehen, 2300 sein. Er selbst glaubt, dass das Millennium erst gegen 1867 kommen wird. Und er ist der Erste, und das ist vielleicht auch sehr interessant, der Erste, der in einem Buch schreibt, dass wir zur Zeit des ersten Engels leben. Also seine Generation. Das hatten, wie gesagt, im Jahr zuvor die ersten Prediger mündlich verkündigt. Und er ist der Erste, der es schriftlich niederlegt. Also dieses Buch 1813 ist gemeinsam mit dem Buch von Lacunza, das 1812 gedruckt worden ist, so ein Markstein in der Geschichte der Adventbewegung. Denn es versammelt so das Beste der protestantischen Prophetieauslegung zusammen.

[13:20] Er hat auch noch einen anderen Aufsatz geschrieben im gleichen Jahr, wo er darauf hingewiesen hat, dass immer mehr Theologen, er war selbst keiner, konnte das dann tun, immer mehr Theologen die persönliche Wiederkunft vor dem Millennium von Jesus nicht mehr predigen, nicht mehr beachten, für lächerlich halten. Und er war ein klarer Verteidiger dieser Lehre, dass Jesus wiederkommt sehr bald und dass das Millennium erst danach kommt. Das ist also William Cunningham, wirklich ein feiner Mann. Und wie gesagt, ein Laie. Einer der wenigen seiner Zeit. Und wirklich, man kann sagen, im Jahre 1813 gab es niemanden, der im ausgewogenen, auch wenn er nicht alles richtig gesehen hat, ausgewogen die Prophetie verstanden hat, als William Cunningham dort in England, schottische Herkunft ist er gewesen, lebte in London.

[14:06] Gehen wir weiter. Im April war Europa dann endgültig in Flammen. In Lüneburg kämpfen Preußen und Russen gegen die Franzosen, die versucht haben, Lüneburg wieder zurückzuerobern. Und an diesem Gefecht nehmen erstmals auch Bürger teil, nicht nur Söldner und Soldaten, sondern auch Bürger und sogar, so sagt es die Geschichte, eine Frau. Und die Preußen und Russen gewinnen und das löst eine enorme Euphorie aus in Norddeutschland. Denn zum ersten Mal scheint es so zu sein, dass man die Franzosen tatsächlich besiegen könnte, endgültig, und sie vertreiben könnte. Genauso fünf Tage später, am 5. April, bei Möckern in der Nähe von Magdeburg. Auch dort siegen die Russen und Preußen. Und das hat eine enorme psychologische Wirkung. Man glaubt in Deutschland jetzt endlich daran, den Napoleon abschütteln zu können.

[15:00] Währenddessen gibt es ein paar Kampfverhandlungen hier in Amerika. Die Amerikaner besetzen Westflorida, das gehörte damals noch zu Spanien. Sie werden hier in Delaware von den Briten bombardiert, weisen das zurück, und besetzen dann York. Weiß jemand, welche Stadt heute York ist in Kanada? Das heutige Toronto. So sah das damals aus. Hieß noch York und wurde kurze Zeit von den Amerikanern besetzt. Musste sich dann wieder zurückziehen. Wie gesagt, es ging immer hin und her.

[15:32] Währenddessen war dann Napoleon in Deutschland wieder auf dem Kriegsfeld erschienen und konnte hier in der Nähe von Leipzig bei Großgörschen einen entscheidenden Sieg erringen, die Russen erstmal wieder vertreiben und die Preußen. Hat aber enorm viele Leute verloren, über 20.000. Und sein Ziel, sie vernichten zu schlagen, nicht erreicht. Da haben wir ein Bild von der Schlacht. Und hier sehen wir die Briten, die dann versucht haben, dieses Fort einzunehmen. Sind auch gescheitert. Es ging, wie gesagt, immer hin und her.

[16:13] 20. und 21. Mai in Bautzen hat Napoleon noch einmal gewonnen, aber so viele Leute verloren, dass er erstmal auf einen Waffenstillstand gedrungen hat. Und dieser Waffenstillstand ist dann am 4. Juni in Kraft getreten. Er hat später gesagt, das war der größte Fehler meines Lebens. Hätte er jetzt weitergemacht, dann hätte er wahrscheinlich die Preußen und Russen endgültig besiegt. Und wir wären wahrscheinlich bis heute noch alle französischsprachig. Aber durch diesen Waffenstillstand konnten sich die Gegner erstens wieder aufrüsten und zweitens mit anderen Nationen verbinden. Und das hat Napoleon dann zu spät erkannt. Dazu gleich mehr.

[16:55] Die Amerikaner haben versucht, in die Offensive zu gehen. Im Mai war das gewesen. Hier haben sie nochmal versucht, wie im Vorjahr den Niagara zu überqueren und haben Fort George eingenommen, 25. bis 27. Mai. Und dieses Schiff haben sie verloren, die USS Chesapeake. Und es war im Mai, wo William Miller seine letzte Amtshandlung als Sheriff hatte. Wir haben gesehen, er lebte hier als Sheriff, ungefähr hier in Pulteney, in Vermont. Und er war ja schon in der Miliz von Vermont, aber er war bisher noch nicht eingezogen worden. Und all diese Kampfhandlungen, die wir gesehen haben, führten dazu, dass auch hier jetzt die Miliz von Vermont eingezogen werden muss. Und im Juni musste sich William Miller dann auf den Weg machen zur Front. Und das ist immer ein harter Moment. Seine Frau zurücklassen, seine Kinder zurücklassen. Und er hat sich auf den Weg gemacht.

[17:58] Das ist der Weg, den er gegangen ist, ungefähr 23 Stunden zu Fuß, mit seiner Miliz von Pulteney nach Burlington. Das ist hier am Lake Champlain, ein Fluss, wie man leicht sehen kann, der bis über die kanadische Grenze geht und deswegen von enormer militärischer Bedeutung ist, weil die Briten dadurch in die Lage versetzt worden sind, weit ins Land vorzustoßen mit Schiffen. Und so musste hier ein Lager besetzt werden. Hier war ein Militärlager und Miller ist auf dem Weg dorthin beinahe gestorben. Er ist mit einer Kutsche umgekippt, hat sich den Kopf gestoßen und lag 15 bis 20 Minuten lang bewusstlos am Boden. Und wenn er da gestorben wäre, dann wäre unser Vortrag jetzt schon zu Ende, unser Seminar. Ist es aber nicht, er ist nämlich nicht gestorben, er hat sich erholt.

[18:52] Er schreibt dann am 13. Juni folgenden Brief an seine wartende Frau zu Hause. Liebe Lucy, ich bin nun am Ort nach einem ermüdenden Marsch. Auf unserem Weg von Benneken hierher hatte ich einen Unfall, der mich fast das Leben gekostet hat. Das beschreibt er dann. Und dann sagt er: Wir erwarten stündlich die Ankunft der Briten hier in Benneken. Die waren wirklich ganz gespannt, jede Stunde konnten die kommen. So haben sie gemeint. Er hat diesen Brief am 13. Juni geschrieben, wahrscheinlich früher morgen, denn am weiteren Tag ist er von der Miliz in die reguläre Armee eingezogen worden. Er war jetzt regulärer Soldat und er wurde zum Lieutenant des 30. Infanterieregiments bestimmt. Ich habe ein bisschen gegoogelt und ich habe mir die Finger wund gegoogelt und nicht nur habe ich hier die Listen gefunden und da gibt es auch das 30. Regiment mit 274 Leuten, ich habe sogar seinen Namen gefunden. Das sind aus amerikanischen Listen vom Kriegsministerium, aus dem Archiv. Hier ist einer der ersten Lieutenants, sein Name ist William Miller. Was ich euch erzähle, ist tatsächlich wahr.

[20:08] Eingezogen worden für die Armee. Und das Tolle an der Sache war, als Lieutenant des 30. Infanterieregiments wurde er berufen, Leute zu rekrutieren. Das macht man nicht an der Front, sondern zu Hause. Er konnte also postwendend wieder nach Hause zurückkehren und dort in Vermont Leute für den Krieg rekrutieren. Und weil er so ein großer Patriot war, hat er das auch gerne gemacht.

[20:38] Am 21. Juni haben die Franzosen auch in Spanien die entscheidende Schlacht verloren in Vitoria. Die Schlacht war so berühmt, dass sogar Beethoven seine Schlachtensinfonie danach komponiert hat. Aber das ist völlig unwichtig. Aber dadurch hat Frankreich den kompletten Einfluss in Spanien auch verloren.

[20:59] Ansonsten waren die Amerikaner nicht wirklich sehr erfolgreich. Auch am Niagara-Fluss, wo sie vorgedrungen waren, mussten sie wieder zurückziehen, weil eine Frau, die dann in die kanadische Geschichte eingegangen ist, ihre Pläne gehört hat. Sie hat in einer Pension geschlafen. Im Nebenzimmer hat ein amerikanischer Offizier geschlafen. Sie hat an der Wand gehört, was er vorhat. Sie ist dann des Nachts durch den kanadischen Wald marschiert, hat den entsprechenden Offizieren das Bescheid gesagt. Die haben dann Indianer losgeschickt. Diese Indianer haben dann eine zahlenmäßig weit überlegene US-Armee in die Flucht geschlagen. Wie gesagt, so wie Indianer in der Nähe waren, haben die Amis das Rennen bekommen. Jeder einzelne Versuch, Kanada zu erobern, ist gescheitert, obwohl jedes Mal die Amerikaner in gewaltiger Überzahl gewesen waren. Das hat natürlich die Kriegsstimmung im Land sehr gedrückt. Das wird wahrscheinlich auch an William Miller nicht spurlos vorbeigegangen sein. Das war die Schlacht an den Beaver Dams.

[22:09] Und dann am 7. Juli musste Miller schon wieder zurück. Wurde zurückgeordnet nach Burlington und musste da jetzt im Camp hausieren. Und hat sich dort das Armeefieber eingefangen. Wenn so viele Leute zusammen sind und in damaligen sanitären Verhältnissen, kein Wunder. Da sind viele Soldaten nicht gestorben an Feindeseinwirkungen, sondern entweder an der Krankheit oder an den Ärzten. Und da lag er auch krank. Daniel war so schwach geworden, dass er nicht mehr verlegt werden konnte in bessere Luftverhältnisse. Und das Einzige, was er noch wusste, ist: Nimm nicht die Medizin. Denn da gab es Ärzte, die haben so Medizin verteilt. Die Leute sind dann reihenweise an der Medizin gestorben. Und er hat sich dagegen gewehrt und hat die Medizin nicht genommen. Und er hatte dann das Glück, dass man haben muss in einer solchen Situation. Er hatte eine tolle Frau. Als die Frau nämlich davon erfahren hat, was mit ihm passiert ist, hat sie den Haushalt Haushalt sein lassen und ist den ganzen Weg nach Burlington geritten und hat sich seine angenommen. Hat gesagt: Du, jetzt bin ich für dich da und ich kümmere mich darum, dass du gut versorgt wirst. Hat dann im Dorf einen Arzt gefunden, der einigermaßen vernünftig war. Und hat dann ihn versorgt im Armeelager. Das war eine toughe Frau, nicht wahr?

[23:26] Leider hat sie sich dann selbst angesteckt im August mit dem Fieber. Und musste dann notgedrungen wieder nach Hause. Und interessanterweise, sie war ebenfalls so schwach, dass man geglaubt hat, sie würde den Weg nicht mehr nach Hause schaffen. Die vielen Stunden zurückreiten. Aber sie ist geritten durch die Sonne, durch die gute Bergluft. Und als sie zu Hause angekommen war, war sie gesund. Kraft der Bewegung, der Sonne und der guten Luft, nicht wahr? Das war ein interessantes Beispiel für das Newstart-Konzept, obwohl das noch keiner damals kannte.

[23:59] Am 12. Juli begann dann auch der Friedenskongress. Die Preußen und die Russen haben versucht jetzt, Frankreich zum Frieden zu bewegen. Österreich hat versucht zu vermitteln. Das ist dann aber gescheitert. Und am 10. 11. August hat dann Österreich auch Frankreich den Krieg erklärt. Und eine gesamte Koalition von Russen, Preußen, Schweden, Portugiesen, Spaniern, Engländern und Österreichern haben sich jetzt gegen Frankreich gestellt. Zum ersten Mal war der gesamte europäische Kontinent jetzt gemeinsam verbunden gegen Napoleon. Um ihn ein für alle Mal zu besiegen und ihm den Garaus zu machen. 400.000 Franzosen gegen etwa 500.000 Alliierten. Das wäre jetzt der große Showdown. Mitten in Zentraleuropa sollte es jetzt um die Zukunft Europas gehen.

[24:54] Noch ganz kurz zu Bates. Im Sommer ist er dann mit vielen Kriegsgefangenen aus dem Mittelmeer nach Gibraltar gebracht worden und von dort dann nach England. Ungefähr sieben Meilen vor London gab es da so ein Kriegsgefangenenschiff und da haben die hausiert. Wurden unter Deck gehalten und haben ab und zu dann mal ein bisschen was zu essen und zu trinken bekommen. Und weil ihnen das die vielen Wochen nicht gefallen hat, was macht man? Man versucht zu fliehen. Also haben sie versucht ein Loch zu schneiden in die Schiffswand. Und sie mussten da vorsichtig sein, weil es gab natürlich Wachen an Bord. Und es ist dann tatsächlich 18 Leuten gelungen, dort das Schiff zu verlassen. Der 19. es hätte noch viel mehr sein können, aber der 19. war betrunken und wollte unbedingt hinaus. Und als er dann, als man gesagt hat: Nee, du noch nicht, ist er laut geworden, hat man Angst bekommen. Okay, dann geh, bevor du jetzt alles verrätst. Dann ist er raus und konnte dann nicht mehr schwimmen, hat laut geschrien: Hilf, ich ertrinke! Und dann war natürlich klar, was passiert ist. Und dieses Loch wurde geschlossen und der Versuch war gescheitert. Und Bates war immer noch in diesem gefangenen Schiff.

[26:02] Und naja, übrigens, wir werden nicht müde es zu erwähnen, auch in diesem Jahr gab es Campmeetings. Zum Beispiel im Sommer 3000 Teilnehmer in einem Campmeeting in Pennsylvania. Also während in Europa der ganze Kontinent sich die Köpfe eingeschlagen hat und auch in Amerika Krieg war, diese Erweckungsbewegung hat nichts aufhalten können. Und Dorf für Dorf, Bundesstaat für Bundesstaat, Region für Region ist erfasst worden von dieser großen Erweckung.

[26:33] Jetzt die Kriegserklärung in Zentraleuropa hat jetzt den ganzen Kontinent in Flammen aufgehen lassen. Am 25. August die Schlacht bei Großbeeren, die Preußen verhindern den Vormarsch Napoleons auf Berlin. Gleichzeitig am 26. August, drei Tage später, die Schlacht bei der Katzbach, Preußen und Russland sichern Schlesien. Ein Tag später, 27. August, Schlacht bei Dresden, das ging wirklich wie das Scheibenschießen. Hier siegt Napoleon, es ging immer hin und her, es war ein gewaltiges Ringen, zigtausende Soldaten, zigtausende Tote. Wieder nur zwei Tage später die Schlacht bei Kulm, hier gewinnen wieder die Alliierten und so geht das immer weiter.

[27:20] Währenddessen am 30. August das schlimmste Massaker in der Geschichte der Indianerkriege. 500 Amerikaner werden im Süden Amerikas, im Fort Mims von, ich glaube es war ein Creek, Indianer massakriert. Das ist auch so ein Teil der Geschichte, der mitten in diese Zeit hineingehört. Der Kampf gegen die Indianer, die natürlich zum Teil auch einfach ihr Land verteidigt haben. Das hat immer so zwei Seiten, die Medaille.

[27:49] Seegefechte gab es natürlich auch, wie wir gesehen haben. Und dann am 6. September, Schlacht bei Dennewitz, die Preußen drängen Napoleon jetzt in die Defensive. Und das wird langsam der Anfang vom Ende.

[28:05] Im September können die Amerikaner einen ganz entscheidenden Sieg erringen auf dem Eriesee. Und dadurch, dieses ganze Gebiet, das vorher, das ist der Eriesee hier, und durch den Sieg hier auf dem See, können sie das gesamte Gebiet, was vorher britisch besetzt war, wieder befreien und dann später auch Detroit einnehmen und zurückerobern.

[28:25] Und am 19. September wird es jetzt ernst für Miller. Er hat sich ja wieder genesen von seinem Armeefieber. Und da nach vielen Monaten Warten die Briten hier niemals gekommen sind, haben sich die Amerikaner gedacht: Na gut, wenn die Briten nicht kommen, dann kommen wir. Sie haben den See überquert hier und haben dann hier im Westen Quartier aufgeschlagen, um von dort dann die kanadische Grenze zu erkunden. Und dort war Miller dabei gewesen, hat dort mit diesem See überquert, hat sich aber bei einem Manöver den Arm verletzt. Und was passiert im Militär, wenn man sich einen Arm verletzt hat und das nicht gleich halt? Dann kommt irgend so ein junger Chirurg, der dort hingesandt worden ist, um zu lernen für später, und sagt: Hey, vielleicht müssen wir den Arm amputieren. Wenn das in ein paar Tagen nicht besser wird, dann... Und Miller hat große Angst gehabt, dass er den Arm verliert. Das war sein linker Arm, glaube ich, gewesen. Und glücklicherweise heilt die Wunde so schnell wieder, dass eine Amputation nicht vorgenommen wird. Ansonsten hätte er keinen Arm mehr gehabt. Aber es dauert noch ein bisschen, bis er sich davon erholt.

[29:38] 28. September, dann wie gesagt, Detroit wird zurückerobert. Und die Amerikaner haben jetzt einen Plan. Nachdem schon so viele Invasionsversuche gescheitert sind, nehmen sie einen neuen Plan und sagen: Okay, wir wollen jetzt hier in der Gegend, das ist die Gegend, wo Miller gewesen ist, jetzt hier Kanada einnehmen. Und zwar, wir haben zwei Armeen, eine Armee hier, da wo Miller gewesen ist, und eine Armee hier. Und beide Armeen rücken gleichzeitig vor. Und hier vor Montreal vereinigen wir uns, und dann nehmen wir Montreal ein, und das könnte den Sieg herbeiführen. Und Miller konnte aber bei diesem Vormarsch seiner Truppen nicht mit dabei sein, weil sein Arm noch verletzt war. Preist den Herren für Armverletzung manchmal nicht, oder? Und das ist, was passiert ist.

[30:20] Bevor das aber passiert ist, ganz kurz noch, das müssen wir unbedingt vorher noch erzählen. 16. bis 19. Oktober. Wer weiß, was das hier gewesen ist. Vier Tage. Das war die größte Feldschlacht in der Geschichte der Menschheit. Die sogenannte Völkerschlacht bei Leipzig. Schon gehört, Völkerschlacht bei Leipzig? Nicht gehört? Da gibt es so ein Gemälde, genau, da gibt es viele Gemälde. Wie gesagt, es waren ungefähr zwölf Nationen beteiligt, über 600.000 Soldaten. Sowas hat die Welt bislang noch nicht erlebt. Das war der Plan ungefähr. Napoleon war mittlerweile eingekreist worden und in seiner Verzweiflung ist er dann besiegt worden. 90.000 Soldaten sind gestorben. Nach der Schlacht brach eine Typhus-Epidemie in Leipzig aus. Ganz Mitteleuropa war förmlich verwüstet. Da sehen wir Napoleon in den letzten Tagen. Hier in Leipzig auch noch Bilder davon. Das war die Siegesparade nach vier Tagen Schlacht um Leipzig in der Völkerschlacht. Dann die Siegesparade der Alliierten, die Deutschland zurückgewonnen haben. Und Napoleon musste sich jetzt zurückziehen nach Frankreich.

[31:52] Es war just in dieser Zeit, nur einen Tag später, dass ein Prediger in Amerika, sein Name ist Edward Griffin, eine Predigt gehalten hat und gesagt hat: Das Millennium ist zwar noch nicht bald auf dem Weg, aber schon 1866 enden die 1060 Jahre, eventuell schon 1847 und wir sind in einer neuen Ära der Weltgeschichte, Missionsgesellschaften, Bibelgesellschaften. Das war so das Thema die ganze Zeit.

[32:22] Kommen wir jetzt mal zurück zu Miller, der hier stationiert war in Chateau-Groix-Four-Corners, so hieß der Ort, das ist hier der Fluss, das Montreal und der Auftrag der Armee war hier hinein in das Gebiet und dann Montreal erobern. Er musste erst zurückbleiben. Am 26. Oktober, das war ein Dienstag, kommt es dann zu einer Schlacht seiner Truppen am Chateau-Groix und wiederum gewinnen die zahlenmäßig weit unterliegenden Briten. Wieder schaffen es die Amerikaner nicht, das Land zu erobern. Und zwei Tage später, am Donnerstag, ist Miller so weit, dass er jetzt hinterherziehen kann, überschreitet die kanadische Grenze, um sein Regiment aufzusuchen, wird aber von einigen Offizieren zurückgeordert, da die Schlacht bereits schon verloren ist. Kommt also zu spät, aber das hat ihn davor bewahrt, hier vor so ein britisches Kanonenrohr zu gelangen.

[33:25] Und so schreibt er an seine Frau am 31. Oktober: Lucy, ich habe noch einmal die Freude, dir schreiben zu können. Und es tut mir sehr leid, dass ich dir nicht von haaresbreitem Entkommen, düsteren Aussichten, abscheulichen Schreien und Kriegsrufen berichten kann, aber so ist es nun mal. Ich habe keinen einzigen Feind gesehen, obwohl ich in Kanada gewesen bin. Letzten Donnerstag bin ich von hier aufgebrochen, um zu meinem Regiment zu stoßen, aber einige Offiziere, die wir trafen, beorderten uns zurück. In wenigen Stunden erwarten wir hier die Ankunft unserer Armee. Dann erzählt er noch, dass aus dem Ort Pultni niemand verloren gegangen ist und so weiter und so fort. Und die verschiedenen Geschichten, die mit so einer Schlacht natürlich immer zusammenhängen.

[34:10] Am 10. November hat dann auch die andere Armee, die von der anderen Seite kommen sollte, trotz zehnfacher Überlegenheit eine deutliche Niederlage einstecken müssen gegen die Briten. Und die Amerikaner reden nicht gerne über diesen Krieg von 1812. Sie reden gerne über den Revolutionskrieg. Sie reden dann auch gerne über den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Über den Krieg reden sie nicht gerne, weil sie ständig, trotz großer Überlegenheit, eine peinliche Niederlage nach der anderen erlitten haben und einfach ihre einfachsten Ziele nicht erreichen konnten. Das war am 10. November und damit musste man wiederum die Invasion von Kanada aufgeben.

[34:47] Am 10. November ebenfalls kam Napoleon dann in Paris an, völlig desillusioniert. Das Erste, was er gemacht hat, er hat die Steuern erhöht. Warum? Er brauchte mehr Geld für eine neue Armee, hat eine neue Armee gefordert. Und der Senat hat auch zögernd zugestimmt. Aber man konnte nicht so schnell jetzt neue Leute ausheben. Wie gesagt, er hat ja schon eine komplette Armee mit einer halben Million in Russland liegen lassen. Dann nochmal fast so eine gleiche Armee in Zentraleuropa jetzt. Und die Alliierten drückten weiterhin jetzt Richtung Frankreich. Die wollten jetzt wissen, was Sache ist. Und Napoleon lief die Zeit da weg. Er musste jetzt neue Leute gewinnen, um Frankreich zu verteidigen. Denn inzwischen waren weite Gebiete, ganz Deutschland, wieder von Frankreich abgefallen. Selbst Sachsen, Bayern und Württemberg, die haben so im Umfeld der Völkerschlacht von Leipzig die Seiten gewechselt. Am besten waren die Sachsen. Die haben die ersten beiden Tage der Völkerschlacht auf der Seite Frankreichs gekämpft. Und die nächsten beiden Tage auf der anderen Seite. Als sie gesehen haben, der Kampf geht gegen uns, haben sie die Seiten gewechselt. Sie haben gesagt: Wir kämpfen jetzt auch mit den Deutschen gegen Frankreich. Und die Bayern auch kurz vorher und die Württemberger eigentlich kurz erst danach. Sie haben also gemerkt, wenn wir nicht bald die Seiten wechseln, dann geht es uns an den Kragen. Und so haben sie alle Napoleon fallen lassen. Denn die Bibel hat vorher gesagt, sie werden nicht aneinander haften.

[36:11] Inzwischen war auch ganz Spanien wieder befreit worden. Und Napoleon musste zusehen, wie der ehemalige König wieder zurückkehrte nach Spanien. Die Schweiz hatte sich von ihm getrennt, die Niederlande hatten sich von ihm getrennt. Und es blieb nur noch so ein bisschen etwas vergrößertes Frankreich übrig.

[36:34] Der hier, den haben wir öfter schon gesehen, der Elias Smith. Er hat immer wieder in seinem Herald of Gospel Liberty Prophetieartikel geschrieben. Am 24. Dezember, also zu Weihnachten, schreibt er, dass es in der Zukunft nur noch Konflikte geben wird. Dass es keinen Frieden mehr geben wird. Die Prophetie sagt es voraus. Jesus kommt bald wieder. Bald wird auch das Osmanische Reich fallen. Die Juden werden zurückkehren und dann kommt das Millennium.

[36:58] Enden wir heute noch mit einigen kurzen Gedanken zu solchen Prophetieauslegern und zu Joseph Wolf. Den haben wir kennengelernt. Das ist nicht Joseph Wolf, keiner von den beiden. Wie er letztes Jahr getauft worden ist, 1812, richtig? Und jetzt nach Wien gehen wollte, um dort Arabisch, Syrisch, Aramäisch zu studieren. Das hat er auch gemacht. Und er hat in Wien Theologie studiert bei dem hier, bei Clemens Maria Hofbauer. Wien war bezüglich des Katholizismus sehr divers. Es gab so verschiedene Strömungen. Da gab es einige, die waren Hoftheologen. Die haben halt quasi den Prinzen zum Mund geredet. Dann gab es einige aufgeklärte Katholiken, die standen mehr so für den Rationalismus, dass man halt auch die Bibel ein bisschen in Frage stellen muss. Dann gab es Mystiker. Unter denen waren Leute, die haben gesagt: Wir müssen die Leiden Jesu nachempfinden. Und einige ihrer Anhänger haben das sehr deutlich genommen, sehr wörtlich genommen. Da gab es eine Gruppe in Wien zu der Zeit. Die haben sich einmal im Jahr getroffen und haben ausgelost, wer denn dieses Jahr am Karfreitag die Leiden Jesu nachempfinden soll. Also sich kreuzigen lassen. Und im ersten Jahr hat das eine junge Frau getroffen, die hat das auch tapfer ertragen. Im zweiten Jahr traf es dann einen etwas korpulenten, ich glaube, es war ein Bäcker oder ein Fleischer, ich weiß nicht mehr genau. Und als das Los auf ihn traf, war nicht so begeistert und ist dann schnell zur Polizei gelaufen und hat gesagt: Schau, die wollen mich kreuzigen. Und dann ist das Ganze aufgeflogen. Also es gab eine ganze Reihe von verschiedenen Strömungen im Katholizismus. Und der junge Josef Wolf hat jetzt versucht seinen Weg zu finden, welche Art von Katholizismus soll ich jetzt anhängen. Und der Clemens Maria Wolf, unter dem er studiert hat, das war ein ganz Papsttreuer, dessen Ziel es erklärtermaßen war, die Welt zurück ins Mittelalter zu führen. Seine Ansicht war: Im Mittelalter ging es den Leuten am besten und da müssen wir wieder hin. Weg mit der Aufklärung, weg mit all den Dingen, weg mit der Reformation. Und wann immer Josef Wolf im Unterricht etwas gesagt hat, was nicht ganz hundertprozentig orthodoxe katholische Lehre war, hat dieser Hofbauer gesagt: Du stinkst ja nach Lutheranismus. Aber Josef Wolf war noch jung, hat sich davon beeindrucken lassen und hat gesagt: Wahrscheinlich ist das so richtig. Weil dieser Hofbauer ein sehr begabter Prediger war und wirklich schauerliche Geschichten erzählen konnte. Er erzählt euch eine Geschichte, wo eines Tages in einer katholischen Kirche der Prediger die Gemeinde gefragt hat: Wollt ihr wissen, wie es Luther jetzt ergeht? Und dann sei wohl angeblich Luther aus der Hölle gekommen. Und solche Schauergeschichten erzählt er gerne und die haben natürlich die Leute in den Bann geschlagen. Josef Wolf berichtet selbst, dass er einige merkwürdige Geschichten dort erlebt hat. Wie zum Beispiel, als ein Ordenskollege von Hofbauer gestorben ist, soll sich eine kleine Tabakdose bewegt haben. Und dann habe Hofbauer gewusst: Mein Kollege ist gestorben. So ein bisschen spiritistisch war das schon. Hofbauer war übrigens sehr gewalttätig und zum Teil auch unbeherrscht, aber der bayerische König und die österreichischen Prinzen haben ihn geliebt und vergöttert. Und das war jetzt der Einfluss, der auf Josef Wolf eingedrungen ist.

[40:33] Der Mann hier neben, das ist Ignaz Lindl. Das war auch ein Katholik in Österreich, aber von einem ganz anderen Schlag. Er hat seit 1812 angefangen, biblische Prophetie zu verkündigen. Er hat gesagt: Schaut her, die Bibel hat recht, Jesus kommt bald wieder. Und hat damit für eine Erweckung gesorgt in katholischen Landen. Das ist nicht bei allen auf Gegenliebe gestoßen, aber er konnte noch einige Jahre damit fortführen. Das ist Ignaz Lindl, also der Erweckungsprediger Österreichs und Bayerns in dieser Zeit.

[41:11] Das haben wir letztes Mal schon gesehen, La Benvenida del Mesias von Lacunza. Und ein Jahr nach seiner Veröffentlichung war der Jesuitenorden jetzt total gespalten. Der General hatte das Buch verboten und hatte gesagt: Es ist nicht erlaubt, eine private Meinung zu veröffentlichen. Aber es gab etliche Jesuiten, die das gelesen haben und davon überzeugt waren. Und das drohte den Jesuitenorden fast zu spalten. Und weil das Buch so populär war, kam jetzt 1813 bereits die dritte Ausgabe heraus und hat für enormes Aufsehen gesorgt.

[41:47] Als letztes Samuel Mills, einer von denjenigen, die damals 1810 die amerikanische Auslandsmissionsgesellschaft gegründet haben. Und einige seiner missionsbegeisterten Freunde haben in diesem Jahr 1813 begonnen, eine Tour zu machen durch den Westen Amerikas. Und ja, einige Gegenden waren schon von Erweckung und Reformation betroffen und erfasst worden. Aber es gab gerade in den Gebieten, die noch nicht organisiert waren, wo es noch keine Bundesstaaten gab, sondern nur so Territorien. Da fanden sie eine Armut und vor allem eine geistliche Armut. Es gab fast nirgendwo Bibeln. Es gab fast nirgendwo Kirchen. Und sie haben einen Plan gefasst. Ein Plan für den Westen der USA, der dann auch die ganze Welt revolutionieren sollte. Was das gewesen ist, sehen wir beim nächsten Mal. Und beim nächsten Mal werden wir auch sehen, wie der Krieg zwischen England und Amerika auf ein Höhepunkt oder ein Ende zugesteuert ist. Das hat alles mit diesem Ort hier zu tun. Denn an diesem Ort entscheidet sich nicht nur das Schicksal von Joseph Bates, sondern vor allem auch das von William Miller. Und was damit auf sich hat, sehen wir nächste Woche. Bis dahin wünschen wir uns Gottes Segen. Denn wir haben nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Amen.


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