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In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ tauchen wir tief in das Jahr 1843 ein und beleuchten das sogenannte „Milleniumsfieber“, das die Adventgläubigen erfasste. Wir verfolgen die aufkommende Erwartung der Wiederkunft Jesu, die intensiven Diskussionen über prophetische Zeitperioden und die Herausforderungen, mit denen die Bewegung konfrontiert war. Von persönlichen Visionen wie denen der jungen Ellen Harmon bis hin zu öffentlichen Debatten und der Gründung eigener Strukturen wird die dynamische Entwicklung der Adventbewegung im Frühjahr und Sommer 1843 detailliert dargestellt.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Einen wunderschönen guten Abend. Herzlich Willkommen zu unserer Serie „Die Zeit des Endes“. Schön, dass ihr eingeschaltet seid oder später euch die Aufnahmen anschaut. Schön, dass ihr live vor Ort seid. Wir haben jetzt mehrere Wochen Pause gehabt. Ich hoffe, ihr könnt euch noch erinnern an das, was wir damals besprochen haben. Wir sind in einem entscheidenden Jahr in dieser Serie „Die Zeit des Endes“, nämlich im Jahre 1843. Vor drei Wochen haben wir uns die ersten Monate betrachtet, als die Adventgläubigen in dieses schicksalshafte Jahr hineingegangen sind. Heute soll es um die Mitte des Jahres gehen. Der Titel ist „Milleniumsfieber“. Wie lebt es sich, wenn man glaubt, dass Jesus jeden Moment wiederkommen kann? Es gibt ganz, ganz viel zu entdecken, sehr viele spannende Geschichten heute. Wir möchten wie jeden Abend gemeinsam beten und dann starten.

[1:00] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass wir uns heute wieder mit der Adventgeschichte beschäftigen dürfen, dass wir Lektionen lernen dürfen und dass wir sehen dürfen, wie du dein Volk führst, Schritt für Schritt. Und wie viel Anstrengung es auch kostet, Wahrheit wirklich als Wahrheit zu erkennen. Wir möchten dich bitten, dass du unsere Herzen anrührst durch die Erfahrungen, durch die Siege und Niederlagen dieser Menschen und dass wir dadurch motiviert und inspiriert werden, die Fackel aufzunehmen und weiterzutragen, bis du wiederkommst. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[1:36] Das letzte Mal haben wir die Monate Januar bis März behandelt. Und heute soll es im April weitergehen. Die Bibel hat ja gesagt: „Wohl dem, der aussaht und 1335 Tage erreicht, wohl dem, der dieses Jahr 1843 erreicht.“ Die Spannung war ins Unermessliche gestiegen. Seit Jahren stand auf all diesen Karten das Jahr 1843 drauf. Und wir hatten gesehen, dass als 1843 begann, hat der Miller das noch ein bisschen qualifiziert und gesagt: „Naja, ab Frühling 1843 bis Frühling 1844 gemäß des jüdischen Jahres, das ist das eigentliche Jahr 1843.“ Und so im April 1843 ist jetzt genau diese Zeit, auf die, so scheint es, alle Prophezeiungen der Bibel hinweisen. Und die Gläubigen können es kaum erwarten. Und viele von ihnen glauben, dass Jesus jetzt schon im Frühling kommen wird. Denn Jesus ist ja auch im Frühling gestorben und die 490 Jahre gehen bis zum Frühling. Warum sollen dann nicht auch die 2300 Jahre bis zum Frühling gehen? Und so hofft man schon in den nächsten Tagen oder Wochen Jesus zu begegnen.

[2:49] Es gibt aber auch Menschen, denen das Ganze noch etwas Unbehagen bereitet. Vor allem diejenigen, die sich unvorbereitet fühlen. Unter ihnen befindet sich auch die 15-jährige Ellen Harmon. Sie ist getauftes Mitglied der Methodistenkirche. Sie hat sich für Jesus entschieden und trotzdem fühlt sie sich nicht vorbereitet. Vielleicht kennt jemand von uns auch dieses Gefühl, dass man eigentlich offiziell zur Gemeinde dazugehört, offiziell sein Leben jetzt übergeben hat. Aber dann hat man dieses Gefühl von: „Ich bin nicht würdig genug, ich kann niemals heilig werden.“ Und wenn Jesus jetzt bald wiederkommt, dann bin ich nicht bereit. Und wir hatten das letzte Mal auch gesehen, wie sie solche Angst hatte vor der Hölle und vor dieser Höllentheorie, die dort überall gepredigt worden war. Lesen wir mal, was sie zu dieser Zeit schreibt oder dann im Nachhinein um diese Zeit herum.

[3:40] „Während ich mich in diesem Zustande der Niedergeschlagenheit befand, hatte ich einen Traum, der einen tiefen Eindruck auf mich machte. Mir träumt, ich sehe einen Tempel, in welchen viele Personen hineinströmten. Nur diejenigen, die in jenem Tempel Zuflucht suchten, würden errettet werden, wenn die Zeit abschließen werde.“ So ein Bild für das Ende der Gnadenzeit. „Alle, die draußen blieben, würden auf immer verloren sein. Die draußen befindlichen großen Massen, die ihren verschiedenen Wegen nachgingen, verspotteten und verlachten diejenigen, die in den Tempel hineingingen.“ Das war ja genau die Erfahrung der Milleriten. „Und sagten ihnen, dass dieser Plan der Sicherheit eine schlaue Täuschung und dass tatsächlich gar keiner Gefahr, irgendwelche Art zu entgehen sei. Sie ergriffen sogar einige, um sie daran zu verhindern, schnell in den Platz innerhalb der Mauern zu kommen.“

[4:27] „Da ich fürchtete, verhöhnt zu werden, hielt ich es für das Beste, zu warten, bis ich die Menge zerstreut habe oder bis ich unbeachtet von ihr eintreten könnte. Aber ihre Zahlen nahmen zu, anstatt abzunehmen. Und da ich fürchtete, zu spät zu kommen, verließ ich schnell mein Heim und drängte mich durch die Menge in meinem Streben, den Tempel zu erreichen, beachtete ich die mich umgebenden Massen nicht oder gab nichts um sie.“

[4:49] „Beim Betreten des Gebäudes sah ich, dass der große Tempel von einer einstigen großen Säule gestützt wurde. Und an diese war ein Lamm gebunden, welches ganz fest stimmelt war und blutete.“ Was soll das wohl darstellen? Das ist die einzige Säule. „Wir, die wir anwesend waren, schienen zu wissen, dass dieses Lamm um uns seit Willen verwundet und geschlagen war. Alle, die den Tempel betraten, mussten vor dasselbe kommen und ihre Sünden bekennen.“

[5:14] „Gerade vor dem Lamm waren erhöhte Sitze, auf welchen eine Schar saß, die sehr glücklich aussah. Das Licht des Himmels schien auf ihre Angesichter zu strahlen und sie lobten Gott und sangen frohe Danklieder, die wie Engelmusik klangen. Dies waren diejenigen, die vor das Lamm gekommen waren, ihre Sünden bekannt und Vergebung erhalten hatten und jetzt frohe Hoffnungen eines freudigen Ereignisses hatten.“

[5:37] „Selbst nachdem ich das Gebäude betreten hatte, kam eine Furcht und ein Gefühl der Scham über mich, dass ich mich vor diesen Leuten demütigen müsse. Aber ich schien gezwungen zu sein, vorwärts zu gehen und machte langsam meinen Weg um die Säule herum, um vor das Lamm zu treten.“

[5:51] „Als eine Posaune ertönte, der Tempel erbebte, Triumphesrufe stiegen auf, von den versammelten Heiligen eine furchtbare Helle erleuchtete das Gebäude. Dann war alles dichte Finsternis. Die glücklichen Leute waren alle mit der Helle verschwunden und ich war in dem stillen Schrecken der Nacht allein gelassen.“

[6:09] „Ich erwachte im Seelenschmerz und konnte mich kaum davon überzeugen, dass ich geträumt hatte. Es schien mir, dass mein Schicksal besiegelt sei, dass der Geist des Herrn mich verlassen habe, um nie zurückzukommen.“ Wow, was für ein Traum, 15 Jahre alt, das Mädchen. Aber sie sagt, bald darauf hatte ich einen anderen Traum.

[6:30] „Ich schien in großer Verzweiflung mit meinem Gesicht in meinen Händen dazusitzen und folgendermaßen nachzusinnen. Wenn Jesus auf Erden wäre, so würde ich zu ihm gehen, mich zu seinen Füßen werfen und ihm alle meine Leiden erzählen. Er würde sich nicht von mir abwenden, er würde mir Gnade erweisen und ich würde ihn immer lieben und ihm immer dienen.“

[6:49] „Gerade dann wurde die Tür geöffnet und eine Person von schönem Bau und Gesichtsausdruck trat herein. Sie sah mich mitleidsvoll an und sagte: ‚Wünschest du, Jesum zu sehen? Er ist hier und du kannst ihn sehen, wenn du es wünschst. Nimm alles, was du besitzt und folge mir.‘“

[7:04] „Ich hörte dies mit unaussprechlicher Freude und packte frohen Herzens alle meine kleinen Habseligkeiten, jeden kleinen Schatz zusammen und folgte meinem Führer. Er führte mich zu einer steilen und anscheinend gebrechlichen Treppe. Als ich die Stufen hinauf zu gehen begann, mahnte er mich, meine Augen aufwärts gerichtet zu halten, damit ich nicht schwindelig werde und falle. Viele andere, die den steilen Aufstieg hinauf kletterten, fielen, ehe sie die Spitze erreichten.“

[7:32] „Endlich erreichten wir die letzte Stufe und standen vor einer Tür. Hier wies mich mein Führer an, alle Dinge, die ich mit mir gebracht hatte, zu lassen. Ich legte sie alle freudig hin. Dann öffnete er die Tür und gebot mir einzutreten.“

[7:44] „In einem Augenblick stand ich vor Jesu. Man konnte jenes liebliche Angesicht nicht verkennen. Jener Ausdruck des Wohlwollens und der Majestät konnte keinem anderen angehören. Als sein Blick auf mir ruhte, wusste ich sofort, dass er mit allen meinen Lebensumständen und mit allen meinen inneren Gedanken und Gefühlen bekannt war.“

[8:03] „Ich versuchte, mich vor seinem Blicke zu verbergen, da ich mich unfähig fühlte, sein forschendes Auge zu ertragen. Aber er näherte sich mir mit einem Lächeln und sagte, indem er seine Hand auf meinen Kopf legte: ‚Fürchte dich nicht.‘“

[8:17] „Der Klang seiner lieblichen Stimme erfüllte mein Herz mit einem Glück und einer Freude, die ich nie zuvor erfahren hatte. Ich war zu freudig, um ein Wort zu sagen, sondern sank von Bewegung ganz erschöpft zu seinen Füßen hin.“

[8:31] „Während ich dort hilflos lag, zogen Szenen der Schönheit und Herrlichkeit an mir vorüber und ich schien die Sicherheit und den Frieden des Himmels erreicht zu haben. Zuletzt kehrte meine Kraft zurück und ich erhob mich. Die liebenden Augen Jesu ruhten noch auf mir und sein Lächeln erfüllte meine Seele mit Freude. Seine Gegenwart erweckte in mir eine heilige Ehrfurcht und eine unaussprechliche Liebe.“

[8:53] „Mein Führer öffnete jetzt die Tür und wir gingen beide hinaus. Er gebot mir, alle die Dinge, die ich draußen gelassen hatte, wieder aufzunehmen. Nachdem dies getan war, reichte er mir einen grünen Faden, der fest zusammengerollt war. Er wies mich dann an, diesen nahe an mein Herz zu legen und wenn ich Jesus zu sehen wünsche, denselben aus meinen Busen zu nehmen und bis zum Äußersten zu strecken.“

[9:14] „Er warnte mich, ihn nicht längere Zeit zusammengerollt zu lassen, damit er nicht verwickelt werde und schwer zu lösen sei. Ich legte den Faden nahe an mein Herz und schritt freudig die enge Treppe hinab, lobte den Herrn und erzählte allen, die ich traf, wo sie Jesus finden könnten.“

[9:28] „Dieser Traum gab mir Hoffnung. Der grüne Faden repräsentierte nach meiner Ansicht Glauben und die Schönheit und die Einfachheit wahren Gottvertrauens fingen in meiner Seele an zu dämmern. Dieser Traum von diesem grünen Kordel, diesem grünen Faden, der ein Symbol ist für den Glauben.“

[9:50] Nun, zurück zur Miller-Bewegung im Ganzen. Anfang April erscheint in einem nichtmilleritischen Magazin eine Stellungnahme von Alexander Campbell, der früher relativ viel auch in den „Signs of the Times“ geschrieben hatte, aber niemals wirklich sich überzeugen hatte lassen. Und er sagt etwas Interessantes. Er sagt nämlich, er hat relativ große Sympathie für Miller, aber er sagt, die Annahme, dass das Heiligtum die Erde sei, ist bloße Spekulation. Es gab also damals schon Menschen, die erkannt haben: Millers Idee und die der Milleriten, die Erde sei das Heiligtum, ist eigentlich biblisch nicht zu halten.

[10:32] Am 2. April kommt James White von seiner großen Predigtour zurück, die er gemacht hat. Er war ja mehrere Monate unterwegs dort in der Kälte Maine und hat viel erreicht. Und er kommt zurück und wird dann einige Wochen später ordiniert zum Prediger in seiner christlichen Kirche.

[10:56] Dann kommt der 3. April und der 3. April war eines von diesen Daten, auf die einige der Milleriten geschaut haben, ob vielleicht nicht Jesus schon am 3. April kommen würde, weil sie meinten, Jesus war auch damals am 3. April gekreuzigt worden. Aber der 3. April vergeht und Jesus kommt natürlich nicht wieder.

[11:13] Sogar in den „Signs of the Times“ vom 5. April wird ein Zeitungsartikel zitiert über das Glück der Milleriten. Das ist sehr interessant, schaut mal hier: „Niemals gab es eine Gruppe, die mehr Glück hatte, niemals eine Hypothese, die durch einen einzigartigeren Zufall von außergewöhnlichen Ereignissen bestätigt worden ist. Die Propheten des Millerismus scheinen Glückskinder zu sein.“ Warum denn das? „Um ihre Theorien zu bestätigen und ihre Vorhersagen zu bewerben, gibt es jetzt ein perfektes Anschwellen von Zeichen und Wundern.“ Sie sagen, die Milleriten haben einfach Glück. Weil jetzt gerade, wo 1843 um die Ecke kommt, da gibt es überall Zeichen und Wunder. Es gibt in jedem Teil der Welt Kriege und Kriegsgerüchte. „Einen Tag streut ein Hurrikan die Wracks an die Küsten des Ozeans, dann kommt eine Serie von Erdbeben, die den heilen Planeten erschüttern, Städte und Dörfer begraben, tausende Menschen töten und ganze Inseln unter den Wellen begraben.“ Als ob das nicht genug wäre, haben wir den Kometen. Ihr könnt euch noch erinnern, dass da im Frühjahr dieser Riesenkomet durch Nordamerika geschossen ist, der durch den Himmel schießt und mit seinem seltsamen Schein und Feuerschrecken verbreitet.

[12:24] Selbst die größten Kritiker müssen zugeben, also ist es ungewöhnlich, dass so viele Zeichen geschehen und so viel Zeichen der Zeit sich erfüllen, gerade jetzt in dieser Zeit, das kann doch nicht sein. Und die beste Erklärung, die sie haben, ist: Die Milleriten haben einfach unglaublich Glück.

[12:43] In der gleichen Ausgabe, da haben wir hier Sylvester Bliss, der neben Himes und Litch einer der Editoren ist, jemand, der in den letzten Jahren der Millerbewegung sehr viel Einfluss hat, weil er fast immer die Artikel schreibt, weil Litch und Himes unterwegs sind. Er wird später auch die Biografie von Miller schreiben. Und er fängt jetzt auch an, so ein bisschen zu überlegen: Könnte man nicht das auf ein bestimmtes Datum jetzt festlegen? Das Ende der prophetischen Periode und geht so ein paar Theorien durch und kommt dann zu dem Schluss: Die 2300 Tage scheinen also am 23. Mai zu enden. „So lasst uns nun auf die glückselige Hoffnung der herrlichen Erscheinung unseres großen Gottes und unseres Erlösers, Jesus Christus, schauen.“ Die Milleriten lassen sich anstecken von dieser Idee. Vielleicht kann man das ja auf den Tag zumindest andeutungsweise mal festlegen. Könnte ja sein, ja. Dieses Fieber erfasst sie.

[13:38] Und so gibt es einige, die jetzt auf diesen 23. Mai warten. Aber er sagt selbst in dem Artikel: „Andere vermuten, dass die Mitte der Woche, in Daniel 9, Vers 27, die Mitte der Woche sei, in der Christus getötet werden sollte, dass also Jesus gar nicht am Ende der 70 Wochen, sondern in der Mitte der Woche getötet wird und aufgrund dessen, dass die 70 Wochen dreieinhalb Jahre nach der Kreuzigung enden, als Paulus die Vision hatte.“ Dies ist die Ansicht von Josef Wolf und anderen, die auf 1847 als das Ende der 2300 Tage und der Welt schauen. Aber dann sagt er: „Das ist weniger klar als das, was wir glauben.“ Aber den Milleriten wird jetzt bewusst: Es gibt diese Möglichkeit, die Mitte der Woche zu berechnen. Das haben sie bisher nicht gemacht. Sie haben einfach nur die 490 Jahre als einen großen Bogen bis zur Kreuzigung gesehen.

[14:28] Während all dessen ist Miller zu Hause und zwar todkrank. Gerade jetzt zu dieser Zeit liegt er zu Hause und kann sich nicht mehr bewegen, kann keine Vorträge geben. Und auch das ist eine interessante Lehre, dass man jahrelang, fast jahrzehntelang arbeiten kann für Gott und dann beim großen Höhepunkt, plötzlich liegt man krank da. Und natürlich hat er sich vielleicht die Frage gestellt: Warum? Warum?

[14:57] Er schreibt in einem Brief an Himes: „Meine Gesundheit macht Fortschritte. Ich habe jetzt nur 22 Beulen von der Größe einer Traube bis zu einer Walnuss auf meiner Schulter, der Seite, dem Rücken und den Armen. Ich bin wirklich bedrängt wie Hiob. Und es gibt etwa genauso viele Tröster. Nur, dass sie mir nicht besuchen kommen und nicht annähernd so rationale Argumente haben wie die Freunde von Hiob. Ich möchte Bruder Bliss sehen. Ich hoffe, er hat recht bezüglich des Endes der Zeitperioden mit dem 23. Mai. Aber ich denke nicht.“

[15:30] Der Miller hat da ein bisschen weiter geschaut. Ich sage dir warum. Wenn du es untersuchst, und jetzt achtet mal genau, was der Miller in diesen Wochen rausbekommt: „Wenn du es untersuchst, wirst du entdecken, dass alle Zeremonien des typischen Gesetzes, also des Zeremonialgesetzes, die im ersten Monat, also zur Frühlingstag-Nachtgleiche, das sind Passahfest, Fest der ungesäuerten Brote, Erstlingsfrucht, die alle stattfanden, ihre Erfüllung in Christi erster Ankunft und Leiden hatten. Aber alle Fest- und Zeremonien des siebten Monats, das ist also Posaunenfest, Großer Versöhnungstag, Laubhüttenfest, das ist dann der Herbst, Tag-Nachtgleiche, können ihre Erfüllung nur in seiner Wiederkunft finden.“

[16:12] Also, während viele Milleriten jetzt auf den Frühling schauen und sagen: Könnte das passieren? Sagt Miller: „Moment mal, wenn wir jetzt in die Bibel schauen und diese Typologie der Feste sehen, die Frühlingsfeste deuten auf die Kreuzigung, auf die Auferstehung hin, aber die Wiederkunft wäre eher in den Herbstfesten zu finden. Also, wenn das eine Bedeutung hat, vom Datum her, müssten wir eher auf den Herbst warten, anstatt auf das Frühjahr.“ Das ist schon natürlich ein Gedanke, der später weiterentwickelt werden wird.

[16:37] Währenddessen gibt es einen gewaltigen Vulkanausbruch auf Guadeloupe am 8. April. Es gibt Bürgerkrieg in Haiti, die Welt steht an vielen Stellen Kopf. Und ein besonderes Thema, das mittlerweile viel studiert wird und wo es auch sehr unterschiedliche Auslegungen zu gibt unter den Milleriten, ist Matthäus 24. Was genau ist das Gräuelbild der Verwüstung und wie ist es die genaue Reihenfolge der Ereignisse? Das nimmt die Aufmerksamkeit immer mehr gefangen. Einige Leute schreiben Bücher darüber, Sylvester Bliss zum Beispiel schreibt eine Auslegung und George Storrs schreibt eine Auslegung. Sie sind sich nicht immer ganz hundertprozentig einig, aber sie diskutieren dieses Thema: Wie kann man Matthäus 24 am besten verstehen?

[17:22] 12. April, „Signs of the Times“. „In der Untersuchung der großen Frage der Zeit der Wiederkunft wollen wir unbedingt ruhig und unleidenschaftlich vorgehen, denn dieses Fieber beginnt jetzt wirklich, sich schwer kontrollieren zu lassen. Wir wünschen die Beweise von allen Seiten zu betrachten und alleine Beweise aus dem Wort Gottes zu vertrauen.“

[17:42] Wir machen uns nicht von Träumen, Visionen oder Eindrücken abhängig, weil das beginnt jetzt mehr und mehr zu werden, so diese Idee. Und Leute wie Himes wissen, wenn man das einfach zügellos laufen lässt, dann hat man in kürzester Zeit den blanken Fanatismus. Kommt zur Bibel zurück, die Bibel ist der Maßstab. „Soweit die Prophetie in Verbindung mit Geschichte Beweise liefert, die auf einen bestimmten Zeitpunkt hinweisen, ist es unsere Pflicht, dies treu zu bedenken, aber wir haben kein Recht, diesbezüglich dogmatisch zu sein und wir sollten bedenken, wie fehlbar wir sind.“ Also, 23. Mai hin oder her, kann sein, muss aber nicht. Bloß nicht dogmatisch werden, jetzt nicht irgendwie zu eng denken. Bei der Bibel bleiben.

[18:26] Währenddessen berichten Zeitschriften um sie herum ständig von diesem Kometen, von anderen Himmelszeichen. Die Milleriten selbst versuchen dann nicht, sich darauf so sehr zu konzentrieren. Sie verweisen auf Daniel 8, auf Daniel 9, aber gerade in Nordamerika ist dieses Thema von den Himmelszeichen in aller Munde.

[18:44] Das überspringen wir. Währenddessen ist in Boston nach wie vor das Zentrum der Miller-Bewegung und dort in Boston, in der Gemeinde, der Himes vorsteht, haben sich ja seit einigen Monaten auch solche leicht fanatischen Tendenzen gezeigt. Durch den Hilfspastor, der angestellt worden ist, Starkweather, der die Idee hat, dass wenn man wirklich geheiligt ist, dann hat man so eine bestimmte Kraftwirkung. Man fällt um oder die Kraft Gottes muss spürbar sein. Das kommt immer wieder vor und Himes und andere sind erstmal recht vorsichtig, versuchen mit Starkweather zu reden und sagen: „Hey, lass uns das nicht so sehr betonen, nicht wahr? Lass uns da jetzt nicht zu viel Aufmerksamkeit auf Emotionen legen und auf solche Dinge.“ Aber das lässt sich nicht ganz kontrollieren. Und so wird das mehr zum Problem.

[19:42] Ein noch größeres Problem entsteht jetzt, am 12. April, hier ebenfalls „Signs of the Times“. „Achtung, inmitten der ganzen Ankündigung für die Campmeetings heißt es: Mr. Calvin French, einer der bekanntesten Vortragsredner der Miller-Bewegung, der in verschiedenen Teilen Neuenglands über die Wiederkunft Vorträge gehalten hat, hat, so erfahren wir, einige der gräuelhaften und zügellosen Lehren der Cochran-Schule angenommen.“ Cochran war jemand, der war schon 1837 gestorben und gilt in manchen Kreisen als der Johannes der Täufer der Mormonen, also der Vorläufer der Mormonen. Seine Idee war: Man kann so heilig werden, dass man gar nicht mehr sündigen kann. Das heißt, man erreicht dann so einen Plateau-Zustand. Man ist dann so heilig, man kann nicht mehr sündigen. Und alles, was man dann denkt, ist sündlos. Und wenn dann der Mann eine Frau in der Gemeinde sieht, mit der er nicht verheiratet ist, und das Gefühl hat, da ist was zwischen den beiden, dann kann es ja keine Sünde mehr sein. Demzufolge gibt es dann sogenannte geistliche Ehen. Man ist dann mit einer Person verheiratet, aber mit einer anderen kann man eine geistliche Ehe eingehen. Und jetzt braucht ihr nicht viel Menschenkenntnis, um zu ahnen, wo das ausartet. Die haben dann so Kolonien gegründet, wo sie dann alle zusammen gewohnt haben, und er hatte dann die meisten Frauen. Und viele von den Cochran-Jüngern sind später Mormonen geworden. Man sagt, dass wahrscheinlich die Mormonen im Wesentlichen die Idee von der Polygamie von Cochran haben. Und Calvin French, einer der erfolgreichsten Prediger der Miller-Bewegung, fängt genau damit an.

[21:21] Und nicht nur das, er ist einer von nur zwei Predigern der Miller-Bewegung, der die Wahrheit über den Zustand der Toten kennt. Und bereits ein Buch darüber geschrieben hat. Und nachdem er jetzt entdeckt worden ist mit dieser Sache, wird er natürlich, also die Milleriten distanzieren sich sofort von ihm und sagen: „Hey, damit wollen wir nichts mehr zu tun haben.“ Damit bleibt George Storrs der Einzige, der weiß: Der Tod ist eigentlich nur ein Schlaf. Und es gibt keine ewig brennende Hölle und keine unsterbliche Seele. Das ist ziemlich tragisch. Also, das hat mir ziemlich zu denken gegeben, weil es zeigt, wie sehr der Satan arbeitet. Und diese Geschichte wiederholt sich seit Jahrhunderten, immer, immer wieder. Bestimmte Phänomene könnt ihr immer und wieder entdecken. Wann immer die Wahrheit mit besonderer Macht gepredigt wird, gibt es solche Fälle. Damals war keine Ausnahme.

[22:08] Und während all dessen, wie gesagt, ist Miller todkrank. Einige hatten auch auf das Datum 14. April gewartet, wo wir schon beim Fanatismus sind. In Kanada hatten einige sogar geglaubt, dass Gott ihnen gezeigt hat, dass der 14. April das Wiederkunftsdatum ist. Aber auch das war dann natürlich ein Irrtum. Aber zumindest ist da dann kein größerer Fanatismus ausgebrochen diesbezüglich. Man hat sich dann einfach entschuldigt und gesagt: „Ja, das war ein Fehler.“

[22:41] Apropos Fehler. Je mehr die Milleriten jetzt unter das Kreuz vor der Kritik geraten, werden auch kleine Details deutlich, die Miller wohl falsch sieht. Zum Beispiel muss man 26. April zugeben, und zwar Sylvester Bliss macht das, dass in der Chronologie, die Miller aufgestellt hat, er hat ja genau von der Schöpfung der Welt bis 1843 genau 6000 Jahre, dass er wohl ein paar Fehler gemacht hat in den Richtern, oder zumindest ein Datum ist da falsch berechnet. Zumindest könnte das so sein. Und das führt dazu, dass man diese Chronologie so ein bisschen in den Hintergrund rückt und sagt: „Naja, das ist ohnehin nicht das Entscheidende.“ Eigentlich ganz gut, weil damit wird der Blick wieder frei auf das eigentliche Fundament des Adventismus.

[23:28] Auch der 23. April war jetzt vorbeigegangen, der wiederum ein vermeintliches Wiederkunftsdatum war, vor allem von der Presse sehr verbreitet worden war. Hier haben wir nochmal ein Bild, so wie nach wie vor auch 1843 die Milleriten das sahen mit den 2300 Jahren. Von 457 vor Christus gehen einfach 490 Jahre bis zur Kreuzigung. Dass die Kreuzigung im Jahre 1933 war, waren sie felsenfest von überzeugt, weil in den englischen Bibeln zu der damaligen Zeit gab es eine Fußnote, wo stand: „Jesus wurde im Jahre 1933 gekreuzigt.“ Deswegen ist keiner auf die Idee gekommen, dass das falsch sein könnte, weil das waren astronomische Daten, von denen man gemeint hat, dass die richtig sind. Und von da hat man einfach die fehlenden 1800 Jahre weitergerechnet, 1843. Das war das Verständnis und das haben sie gepredigt.

[24:19] 26. April, eine Woche später, nachdem Calvin French entdeckt worden ist, schreibt er, und das gehört auch zur Geschichte, folgenden Brief: „An meine lieben Freunde in Providence und Boston, die in christlicher Treue und Liebe meinen Charakter untersucht haben. Ich bin zutiefst gedemütigt vor meinem Gott, dass ich gegen ihn gesündigt habe und offene Schande über die Sache meines lieben Erlösers gebracht habe. Mir ist äußerst bewusst, welch tiefe Wunde ich euren Herzen zugefügt habe, da die Irrtümer, in die ich gefallen bin, erst neueren Datums sind. Nur wenige Wochen von Dauer bin ich froh, dass sie so früh entdeckt worden sind, denn Sünde verblendet und verhärtet gleichzeitig das Herz, wenn sie nicht getadelt worden wäre.“

[25:01] „Da meine Augen geöffnet worden sind, um die Sünde der Täuschung, in die ich gefallen war, zu sehen und da ich demütig vor Gott und Menschen bereut habe und die Sünde in meinem Herzen und durch die Gnade Gottes für immer wegetan habe, ist meine einzige Hoffnung in der Gnade Gottes durch Christus.“ Das hat sich schnell bekehrt. Und dann kann man sagen: Gott sei gelobt. Aber was das für ein Gefühl sein muss, in der Zeit, wo man denkt, Jesus könnte morgen wiederkommen oder vielleicht auch in zwei Tagen, plötzlich in seine Sünde gefallen zu sein, das war emotional enorm aufwühlend.

[25:31] Und die Zeitschriften berichten weiter, auch am 28. April von Himmelsbeobachtung. Am 29. April sieht jemand ein extrem helles Licht auf Long Island, das heller ist als der Mond. Und dann nimmt sich Joshua Himes ein Herz und sagt: „Ich muss jetzt in meiner Gemeinde dort aufräumen.“ Er ist ja sonst immer unterwegs, von A nach Z gereist und hat gepredigt. Aber in seiner eigenen Ortsgemeinde sind diese charismatischen Tendenzen aufgekommen. Und er versucht, das Ganze jetzt reinen Tisch zu machen.

[26:03] Und es wird gesagt: „Himes entschied sich, den Strom des Fanatismus zu stoppen, der in seiner Abwesenheit begonnen hatte. In ruhiger Art und Weise präsentierte ihn die Geschichte verschiedener Bewegungen, die durch Fanatismus zerstört oder schwer beschädigt worden waren. Zum Beispiel die Reformation. Ihr wisst dann, als Thomas Müntzer anfing und die Propheten dort, die dann gegen Luther gearbeitet haben. Oder auch jüngeren Datums Irving. Vielleicht erinnert ihr euch noch an diesen englischen Prediger, der die britische Adventbewegung zu Fall gebracht hat durch seine Ideen.“ Und er ermahnte sie: „Von der Vergangenheit zu lernen. Wir haben nämlich nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in die Vergangenheit geführt hat und die Felsen zu meiden, an denen andere Schriftgelehrte erlitten haben.“

[26:52] Aber Mr. Starkweather, der assoziierte Pastor, den Himes ja eingestellt hatte, stand auf, um zu antworten und war so vehement. Er hat sich dagegen gewehrt. Er hat gesagt: „Was machst du?“ Dass Mr. Himes es für richtig hielt, noch einmal zu der Versammlung zu sprechen, indem er das Wesen der Phänomene, die aufgetreten waren, und ihre schädliche Tendenz aufdeckt. Jetzt wird er ganz deutlich. Er sagt: „Was hier passiert, ist schädlich. Ist nicht von Gott.“ Einige sprangen auf, andere rannten aus dem Haus und schrien: „Du vertreibst den Heiligen Geist!“, schrie einer. „Ein anderer rief: ‚Du wirfst kaltes Wasser‘, weil der Heilige Geist kommt ja als Feuer. Und wenn man dagegen predigt, dann ist das so, als ob man kaltes Wasser drauf tut. Man löscht den Heiligen Geist.“ Worauf Mr. Himes sagte: „Ich würde eher den Atlantischen Ozean hierauf werfen, als mit solchen Gräueln identifiziert zu werden.“ Also, der Himes war ziemlich klar.

[27:46] Als Folge dessen wird dann berichtet: Himes glaube nicht an den Heiligen Geist oder glaube nicht an Heiligung und wäre zu trocken usw. Muss sich mehrmals gegen dieses Gerücht wehren. Was dann passiert ist: Während viele sich haben überzeugen lassen, gibt es eine Gruppe, allen voran Mr. Starkweather, dieser Prediger, die sagen: „Ab heute haben wir nichts mehr mit euch zu tun.“ Starkweather verlässt den Saal, sagt: „Ab nächste Woche treffen wir uns so und so.“ Und damit entsteht die erste Splittergruppe der Atlantisten. Das Problem ist natürlich, die eigentlichen Atlantisten distanzieren sich von diesen charismatischen Starkweather-Leuten. Aber Starkweather selbst nennt sich einen Atlantist. Und die Presse behandelt ihn als einen solchen und sagt: „Schaut her, was die Milleriten wieder alles so treiben.“ Der Satan arbeitet immer auf dieselbe Art und Weise. Und dieses Phänomen könnt ihr heute sehen, immer wieder und immer wieder. Eigentlich passiert wirklich nichts Neues unter der Sonne. Und wenn wir nur einfach mal das wüssten und es zu Herzen nehmen würden, könnten viele Dinge besser vorbereitet sein.

[29:03] Am 1. Mai bringt Apollos Hale, einer der jüngeren führenden Miller-Prediger, das „Second Advent Manual“, also das Handbuch der Wiederkunft heraus. Da ist jetzt keine ausführliche Dissertation, sondern es ist ganz praktisch für jemanden, der wissen will, warum glaubt Miller das so und so. Alle Geschichtsfakten, die man braucht, so zusammengefasst als praktisches Taschenbuch, kann man überall mitnehmen und sagen: „Schau her, deswegen glauben wir, Jesus kommt dieses Jahr wieder.“ Ja, mittlerweile verbreitet sich die Adventbotschaft, die ja normalerweise hier in Neuengland ihren Sitz hat. Man bekommt Rufe, zum Teil aus Alabama, wo man sagt: „Wir brauchen unbedingt Prediger, sendet uns Leute.“ Und es gibt mittlerweile viele Zeitschriften, nicht nur „The Signs of the Times“ in Boston und „The Midnight Cry“ in New York, jetzt gibt es auch schon „The Trumpet of Alarm“ in Philadelphia seit April 1843 und dann gibt es „The Voice of Truth“ und „The Voice of Elijah“ in Kanada. Das wird eine richtige Batterie von Zeitschriften, die zigtausende Ausgaben in die Welt verbringen.

[30:06] Und auch die weltliche Presse sieht, dass die Zeit besonders ist. Wie die „St. Louis Gazette“ vom 21. März sagt: „Jeder, der nur irgendwie mit dem Geist der Presse oder der öffentlichen Meinung, die ihn jener Jehova findet, bekannt ist, wird die Einmütigkeit und Ernsthaftigkeit beobachtet haben, mit der die Übel, hätte das heißen sollen, der gegenwärtigen Zeit beschrieben und behandelt werden. Wir wollen nicht behaupten, dass die Existenz der Beschwerde neu ist, wir beziehen uns lediglich auf die Intensität und die Universalität.“ Soll heißen: Es gab schon immer Schlechtes, aber so schlecht wie jetzt war es noch nie. Es ist intensiv, es wird immer mehr.

[30:43] „Signs of the Times“ berichtet am 3. Mai stolz: „Innerhalb des letzten Jahres haben wir mehr als eine Million Publikationen in verschiedenen Teilen der Welt verbreitet, davon mehr als eine halbe Million in den letzten sechs Monaten allein aus dem Büro in New York.“ Und wie gesagt, nur wenige Leute. Und Miller selbst, die Gallionsfigur, liegt todkrank im Bett. Das liegt jetzt alles auf den Schultern von Bliss und von Himes und von wenigen anderen.

[31:08] Und jetzt in derselben Ausgabe, historischer Moment, Achtung. Man kriegt es gar nicht so mit, wenn man es auf das erste Mal liest, aber vielleicht entdeckt ihr, was der Punkt ist. „An Korrespondenten: Es ist wahr, dass von einem bestimmten Punkt im Jahre 457 v. Chr. bis zum selben Punkt im Jahre 1843 nur 2299 Jahre sind.“ Was soll das heißen? Irgendjemand, die wissen nicht, wer, weil es ist an Korrespondenten geschrieben, irgendjemand muss einen Leserbrief geschrieben haben und gesagt haben: „Hey, habt ihr mal nachgerechnet? Was bisher noch keinem aufgefallen ist, noch nicht mal den schärfsten Kritikern. Irgendjemand muss sie aufmerksam gemacht haben: Hey, wenn man von da nach da rechnet, da es ja das Null nicht gibt. Wir sind ein Jahr zu früh.“

[32:01] Jetzt wird das ganz sacht angefasst, mitten in dieser Krise, in dieser Situation: Jesus kann doch jeden Tag wiederkommen. Plötzlich: „Hey, wir haben uns ein Jahr verrechnet vielleicht.“ Dann sagen sie: „Die erste Annäherung an das Problem ist folgendermaßen: Wir finden deswegen, dass einige den Erlass des Artaxerxes Longimanus auf 458 v. Chr. datieren.“ Was ist die Lösung? Wir verschieben erst mal das Anfangsdatum, dann passt es wieder. Und wenn die 70 Wochen 33 n. Chr. enden, was alle zugeben, weil es steht ja als Anmerkung in unseren Bibeln, wir vertrauen ja den Fußnoten, was alle zugeben, dann müssen die 2300 Tage 1810 Jahre später enden und das wäre 1843, also Problem gelöst. Problem gelöst? Nee, Problem noch nicht gelöst. Aber das war zu viel auf einmal. Und ich kann mir vorstellen, das haben die erst mal so geschrieben, aber hinten erst mal weiter studiert. Interessant, nicht wahr?

[32:59] Übrigens, das fand ich ganz interessant, dass die auch damals genau dieselben Fragen hatten wie heute auch. „An einen Korrespondenten: Unser Erlöser wurde an einem Freitag gekreuzigt und stand am Sonntag auf. Er war nicht drei volle Tage im Grab, sondern nur Anteile von drei Tagen.“ Kann mir jemand raten, was die Frage gewesen ist? Warum sagt die Bibel drei Tage und drei Nächte, nicht wahr? Das haben die schon 1843 gefragt, nicht wahr? Aber heute kommen immer noch mehr Leute, Adventgläubige, nicht wahr, die immer wieder dieselben Fragen haben. Und ich denke, meine Güte, wir haben nichts zu befürchten. Der jüdische Sabbat war am Samstag und die Kreuzigung war der Tag vor dem Sabbat. Interessant, nicht wahr?

[33:41] Gleiche Ausgabe. „Alle Wiederkunftsgläubigen stimmen im Allgemeinen mit der Zusammenfassung von Millers Ansichten überein, wie sie veröffentlicht worden sind. Aber sie geben zu, in der Anwendung einzelner Prophezeiungen gibt es oft eine Auswahl an Ansichten, die aber keinesfalls die fundamentalen Prinzipien unseres Glaubens berühren.“ Man merkt schon, in den Details ist man sich oft nicht immer hundertprozentig einig. „Es ist allgemein angenommen worden, dass das bloße Verstreichen eines bloßen Zeitpunktes die Wahrheit oder Falschheit unserer Ansichten testen würde.“ Mit anderen Worten: Wenn jetzt 1843 vorbeigeht, fällt der ganze Adventglaube zusammen. Aber das ist keineswegs der Fall. „Unsere Ansichten basieren auf göttlichen Wahrheiten, die nicht weniger wahr werden, egal wie viel Zeit bis zu ihrer Erfüllung verstreichen mag.“ Da war irgendjemand klug genug, dort bei den „Signs of the Times“ zu wissen, es könnte ja sein, dass wir uns wirklich verrechnet haben. Und wenn wir uns verrechnet haben, dann bricht nicht plötzlich die ganze Theorie zusammen, sondern wir glauben nicht, dass viel Zeit verstreichen wird, aber wir warten einfach, bis es sich erfüllen wird. Weil, dass Jesus wiederkommt, hängt nicht von dem Datum 1843 ab.

[34:44] Und dann, am 3. Mai ist es soweit. Stimmt das? Nee, am 4. Mai. Am 4. Mai ist es soweit. In Boston wird das Millerite Tabernacle eingeweiht, die erste Kirche, das erste Gebäude, das die Milleriten erbaut haben. Die Predigt hält Silas Hawley mit dem Titel „Die Wiederkunftslehre bestätigt oder verteidigt.“ Eine zweistündige Predigt über Hesekiel 21-27. 3500 Menschen sind anwesend. Es hat enorme Gerüchte gegeben über dieses Gebäude. Zum Beispiel hat man behauptet, es wäre auf sieben Jahre versichert worden. Und das stimmt natürlich nicht, man hat es nur auf ein Jahr versichert. Und man behauptet auch, das Gebäude wäre so zusammengeschustert, dass wenn ein Fuchs dagegen rennen würde, es zusammenbrechen würde. Auch das erweist sich als falsch. Und das ist auch ein Meilenstein in der Adventgeschichte. Zum ersten Mal haben Adventgläubige so etwas wie eine eigene Struktur, ein eigenes Gebäude.

[35:44] Neun Punkte werden verlesen während dieser Eröffnungsfeier, die auch heute noch an ihrer Gültigkeit nichts verloren haben: „Erstens, wir sollten einen tadelnden Geist gegenüber denjenigen vermeiden, die nicht alles in demselben Licht sehen wie wir.“ Also, wenn jemand mit uns nicht übereinstimmt, nicht tadeln, nicht richten. „Zweitens, Wiederkunftsgläubige kommen aus allen religiösen Denominationen. Und um in Harmonie handeln zu können, ist es notwendig, sich auf gemeinsamen Grund zu treffen. Um sich zu treffen zu können, müssen alle speziellen denominationellen Ansichten beiseite gelegt werden. Drittens, wir sollten es vermeiden, andere Lehren, die nicht notwendigerweise damit verbunden sind, in Verbindung mit der Wiederkunft oder der Vorbereitung darauf zu bringen.“ Sie versuchen immer wieder, sich auf die Wiederkunft allein zu beschränken, weil es ja Leute gibt, wie Storrs, die sagen: „Hey, Zustand der Toten, nicht wahr?“ Oder jemand kommt und sagt: „Wie ist das eigentlich mit dem Sabbat?“ Viertens, sehr wichtig: „Wir sollten alle extravaganten Ideen vermeiden und alles, was zu Fanatismus führen könnte.“ Das schreiben die aus besagtem Anlass. Fünftens: „Wir sollten nicht allzu sehr uns auf Eindrücke stützen.“ Sechstens: „Es richte keinen Menschen.“ Siebtens: „Wir sollten vermeiden, unsere eigene Erfahrung zum Maßstab für andere zu machen.“ Achtens: „Wer meint, dass er stehe, sehe, dass er zu, dass er nicht falle.“ Neuntens: „Wir sollten in allem die Ehre Gottes im Blick haben. Ohne Heiligkeit kann niemand den Herrn sehen. Wir sollen uns deshalb sogar vom Anschein des Bösen fernhalten und so weiter. Aber wir sollten deshalb nicht denken, wir hätten einen Punkt erreicht, von dem wir nicht mehr fallen können.“ Auch aus gegebenem Anlass. Es ist jetzt eine Zeit, wo dieses Milleniumsfieber so stark geworden ist, dass man Richtlinien geben muss, damit das in den richtigen Hafen geht und nicht abdriftet.

[37:23] Neuntens, wir sollen arbeiten, bis Christus wiederkommt. Nicht, dass einer auf die Idee kommt, jetzt alles stehen und liegen zu lassen und irgendwie durch die Straßen zu rennen und fanatisch zu werden.

[37:33] Ein Brief erreicht Joshua Himes am 4. Mai aus Michigan, hier im Norden, wo es kaum Leute gibt, wo jemand sagt: „Ich habe Literatur geschenkt bekommen. Ich habe noch niemals eine Predigt gehört über das Thema, aber aufgrund der Literatur bin ich in 16 Ortschaften gewesen und habe über 100 Meilen Entfernung diese Botschaft gepredigt. Könnte jemand senden, der weiter zu uns predigen kann.“

[37:57] Am 7. Mai beginnt dann die 13. Generalkonferenz in New York City. Ab dann entscheiden sich die Milleriten, 5 Punkte, 5 Säulen zu formulieren, an denen sie alle zustimmen. Jedes Mal, in jeder Ausgabe stehen die vorne dran. Das ist die Plattform, auf der wir alle stehen. Hier sind die 5:

[38:23] „Erstens, das Wort Gottes lehrt, dass diese Erde bei der Wiederherstellung aller Dinge erneuert und wieder in den Edenzustand zurückversetzt werden wird, so wie sie aus der Hand ihres Schöpfers vor dem Fall kam und dass sie das ewige Heim der Gerechten in der Auferstehung sein wird.“ Also, neue Erde wird geschaffen werden.

[38:38] „Zweitens, das einzige Millennium, das im Wort Gottes zu finden ist, ist der ewige Zustand der Gerechten auf der neuen Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt. Nicht auf dieser Erde.“

[38:46] „Drittens, die einzige Wiederherstellung Israels, die noch in der Zukunft zu finden ist, ist die Wiederherstellung aller Heiligen. Ich meine nicht nur der Juden. Auf der neuen Erde, wenn der Herr, mein Gott, kommen wird und alle Heiligen mit ihm.“

[38:57] „Viertens, die Zeichen, die dem Kommen unseres Erlösers vorausgehen, sind alle gegeben worden und alle Prophezeiungen haben sich erfüllt, bis auf jene, die sich auf die Wiederkunft Christi, das Ende der Welt und die Wiederherstellung aller Dinge beziehen.“

[39:10] „Und fünftens, keine prophetische Zeitperiode, wie wir sie verstehen, geht länger als bis zum Jahr 1849.“ Und diese fünf Punkte, wer das geglaubt hat, der war Adventist im Jahre 1849. „Dies werden wir immer als unveränderbare Wahrheiten des Wortes Gottes festhalten und werden deshalb nach der Wiederkunft des Herrn als nächstes Ereignis der historischen Prophetie auch so halten, bis er kommt.“

[39:33] Also, man hört schon so ein bisschen raus, nicht wahr? Selbst wenn es 1843 nicht passieren sollte, falls wir uns verrechnet haben. Sie sind da vorsichtig.

[39:42] In der gleichen Zeit lesen wir von Ellen Harmon. „Ellen, du bist nur ein Kind. Du hast eine einzigartige Erfahrung für jemand in deinem zarten Alter. Jesus muss dich für ein was? Ein besonderes Werk vorbereiten.“ Sagt ihr dieser Adventprediger mit 15 Jahren. Dann sagt er mir, und dann erzählt er so ein bisschen, das überspringen wir. Doch, das lesen wir noch. Dann sagt er mir, dass selbst wenn ich eine Person von reiferen Jahren sei und in der Weise von Verzweiflung und Zweifel geplagt werde, er mir sagen würde, dass er wisse, dass durch die Liebe Jesu Hoffnung für mich da sei. Gerade die Herzensangst, die ich gelitten habe, sei ein bestimmter Beweis dafür, dass der Geist des Herrn an mir arbeite. Denn wenn jemand sündig ist, dann merkt er gar nicht, dass er, also wenn jemand von Gott entfernt ist, merkt er gar nicht, dass ihm was fehlt. Und wir bespringen das ein bisschen. Er sprach über die große Liebe Christi und den Erlösungsplan. Dann sagt er: „Geh frei deines Weges, Ellen. Gehe zurück zu deinem Heim und vertraue Jesus, denn er wird seine Liebe keinem wahren Suchenden vorenthalten.“

[41:12] Und dann sagt sie hier: „Während der wenigen Minuten, in denen ich Belehrung vom ältesten Stockmann erhielt, hatte ich mehr Kenntnis über die zärtliche und mitleidsvolle Liebe Christi Gottes erlangt, als aus allen Predigten und Ermahnungen, die ich jemals gehört hatte.“ Also, da ist ein Wert darin, wenn man einfach von eins zu eins mal wirklich ein gutes Wort über Jesus sagt. Manchmal kann man einem anderen mehr helfen, als mit allen Predigten, die er sonst sich anhören könnte.

[41:37] 14. Generalkonferenz in Philadelphia vom 14. bis 27. Mai. Mit Himes, Litch, Brown und anderen. Storrs ist auch da und er nutzt die Gelegenheit, dort in Philadelphia wieder sein Buch aufzulegen, diese sechs Predigten über den Zustand der Toten, und das fleißig zu verteilen. Er ist jetzt hier alleine in seinem Kampf für den Zustand der Toten. Und das macht er fleißig, obwohl die anderen das natürlich nicht so gerne sehen.

[42:00] Aus London kommt der Bericht von Robert Winter, der dort hingegangen war: „Wir arbeiten die ganze Zeit und viele Prediger haben die Wahrheit durch das Lesen der Werke angenommen. Ich predige auf der Straße mit meiner Karte, die ich auf einem Pfosten aufhänge. Ein anderer Prediger und ich reisen durch das Land. Anträge kündigen den Ruf, Methodisten, Baptisten und unabhängige Prediger haben die Lehre angenommen und sind an der Arbeit. Wir möchten im Mai ein Campmeeting abhalten in England, wenn die Zeit noch andauert. Der Weg ist bereit für jemanden hierher zu kommen, wenn die Zeit nicht zu kurz ist. Sie werden die Lehre hier in England viel bereitwilliger aufnehmen als in Amerika. Ich habe in den Straßen Londons gepredigt und so Bücher fliegen herum und produzieren durchaus eine Aufregung in dieser großen Stadt.“

[42:42] George Storrs bringt in jenen Tagen mit einem „Bible Examiner“ heraus ein Buch, in dem er aus seiner Sicht die ganze Adventlehre zusammenfasst. Das überspringen wir, tausendmal gemacht. Und es kommt zu einer Auseinandersetzung in den „Signs of the Times“ zwischen Bliss und Storrs. Irgendjemand fragt an, per Leserbrief: „Moment mal, kann es sein, dass wenn man an die Wiederkunft glaubt, dass man auch glauben muss, dass die Toten tot sind und dass sie keine unsterbliche Seele haben?“ Und Bliss sagt: „Nein, nein, nein, das ist Quatsch.“ Vielleicht könnt ihr euch noch erinnern, wir haben das wie ein Augapfel, wie hüten wir diese Lehre von einer sterblichen Seele. Und dieser Leserbrief sagt sogar, das wäre ja Unglaube, wenn man glaubt, dass es keine unsterbliche Seele gibt. Das wäre ja quasi Atheismus. Und dann schreibt Storrs einen Leserbrief und sagt: „Naja, wenn das also Atheismus ist, dann bin ich Atheist. Wenn das Unglaube ist, bin ich ungläubig. Könntest du wenigstens darauf hinweisen, dass man in dem Büro mein Buch haben kann, und zwar kostenlos.“ Also, der Storrs, der zieht alle Register. Er verteilt sein eigenes Buch kostenlos, auf eigene Kosten sozusagen, um diesen Samen zu streuen, was die Bibel über den Zustand der Toten sagt.

[43:58] Währenddessen ist Miller immer kränker, sodass man fürchten muss, dass er die nächsten Wochen und Monate nicht mehr übersteht. Er hat auch ein Fieber bekommen, und das hat ihn wirklich fast an den Rand des Grabes gemacht. Also, er wäre beinahe gestorben im Mai 1843.

[44:15] Währenddessen sind Bliss und auch Josiah Litch in Boston beschäftigt, mit Vortragsreihen gehen. Und dann findet die 15. Generalkonferenz in Boston statt, eine der größten überhaupt. Und den Hauptsprechern ist auch ein Professor Whiting, der im Jahre 1843 Millerit geworden war. Er war ein Hebräisch-Professor. Immer mehr hochkarätige Leute werden in diesen Tagen Milleriten. Vorsitz hat diesmal Apollo Hale, und es gibt einen Abendvortrag hier am 29. Mai zum Thema „Charakter der Einwände gegen die Adventlehre.“ Fitch berichtet am nächsten Tag von der Ausbreitung der Botschaft im Westen, in Ohio. Man hat ein Glaubensstatement nochmal zusammengefasst. Und dann hält Litch am Abend 1843 einen Vortrag über die Geschichte der Adventbewegung. Das war ja noch, da kam er angefangen. Da haben sie schon zurückgeschaut, wie Gott sie in den letzten Jahren schon geführt hat.

[45:15] 31. Mai, am nächsten Tag, haben sie Missionsplanung gemacht. Für Kanada, für den Westen der USA, für den Süden, für England. Sie überlegen: Sollen wir nicht den Litch vielleicht nach England senden? Und wie können wir eigentlich auch die Afroamerikaner erreichen? Sie studieren dann Daniel 8 und 9 und abends hält wieder Professor Whiting einen Vortrag über den Neologismus. Neologismus ist das damalige Wort für historisch-kritische Methode, wie sie in Deutschland erfunden worden ist. Man spricht vom deutschen Neologismus. Der sagt: Mose hat nicht Mose geschrieben. Daniel hat nicht Daniel geschrieben. In der Offenbarung geht es nicht um den Papst, sondern um Nero. Jesus ist nie auf Wasser gelaufen. Denn all das wird immer mehr auch von den Miller-Gegnern benutzt gegen die Miller-Theorie. Weil die Neologisten, also die historisch-kritischen Theologen in Deutschland, die sagen: Es gibt keine Prophetie. Die reden von Antiochus IV. Epiphanes und von Nero. Und in Amerika hat man keine Argumente gegen Miller. Deswegen greift man zurück auf die deutsche historisch-kritische Methode, um gegen Miller argumentieren zu können. Und damit schneiden sich die Protestanten endgültig langfristig ins Fleisch.

[46:19] Campmeetings fangen an im Mai. Hier zum Beispiel in Athos, wo es sehr schlechtes Wetter gibt, aber trotzdem tausende Menschen kommen. Und weiter in Boston bei der Generalkonferenz. Ein farbiger Missionar wird entsandt im Auftrag der Milleriten. J.W. Lewis ist der erste farbige Miller-Prediger im Wesentlichen. Und Litch hält einen Vortrag über die Wiederkunftlehre als Teil des Erlösungsplanes. Und auch sehr interessant: Storrs ist immer wieder auch für neue Ideen gut. Er hält einen Vortrag über 2. Thessalonicher II und sagt: Das kleine Horn bezieht sich nicht nur auf die katholische Kirche, sondern manchmal in bestimmten Fällen auch auf protestantische Kirchen. Das ist eine Idee, die noch relativ neu ist und wo man sich nicht ganz sicher ist. Aber das gewinnt an Überzeugung.

[47:20] Weitere Campmeetings in Malborough, in Chester Factories. Und man möchte nach Westen gehen jetzt. Die Idee wird gesagt: Komm, lass uns nach Rochester gehen, lass uns nach Cleveland gehen, lass uns nach Cincinnati gehen. Das sind ja die ganzen Campmeetings bisher gewesen. Wir müssen Richtung Westen, in den wilden Westen hinein. Die Leute erreichen, die dort noch sind. Buffalo müssen wir hin. Und so finden die Campmeetings statt. Und hier, das ist, Moment, welches? Genau, 14. Juni ist eines der ersten Zeitungsartikel, wo das Wort „Adventisten“ vorkommt. Bis dahin nannten sie sich meistens „Second Advent Believers“, die Wiederkunftsgläubigen. Oder halt Milleriten. Aber Milleriten war ja ein Begriff, den die Gegner verwendet haben. Und das ist auch nicht so toll, weil die haben ja Jesus nachgefolgt und nicht Miller. Und so beginnt der Begriff sich jetzt durchzusetzen von Adventisten. Die Adventisten haben entdeckt, dass sie einander als Brüder lieben können. Und so weiter.

[48:21] Springen wir. Noch mehr Campmeetings. Campmeeting in Rochester. Das große Zelt kommt. Riesensensation. Das Ganze ist Ende Juni. 17. Juni kommt Himes mit dem großen Zelt dort an. Die Stadt hat 25.000 Leute. Und was passiert ist? Während einer der Prediger dort predigt, sein Name ist Barry, gibt es einen riesigen Sturm und das gesamte Zelt bricht zusammen. Tausende Leute innen drin. Und es verletzen sich Null Personen. Und das war ein riesen Wunder. Das Zelt war Schrott. Aber die Einwohner von Rochester spenden so viel Geld, dass innerhalb von zwei Tagen das Zelt wieder aufgebaut werden kann, weil sie so begeistert sind von diesem Vortragsrein. Und sie möchten das unbedingt hören.

[49:17] In der gleichen Zeit, 22. Juni, gibt es zum ersten Mal einen Milleriten, den wir sonst nicht so gut kennen. Sein Name ist Weston. Und er schreibt in einer Zeitschrift in New York, im „Midnight Cry“, eine neue Auslegung der sieben Gemeinden. Miller hatte geglaubt, dass Philadelphia die Zeit der Reformation ist und Sardis die Zeit des Mittelalters. Aber er sagt: „Nehmt mal mit, Tyra geht schon bis 1798. Sardis wäre dann die allgemeine Erwerbungsbewegung. Und Philadelphia, das sind wir. Das sind wir Adventisten.“ Erstmalig kommt er auf die Idee und sagt: „Philadelphia, das sind wir. Laodicea, das sind die anderen Christen, die das nicht glauben. Das ist Laodicea.“ So das Verständnis damals. Das haben wir gesagt.

[49:59] Und wie gesagt, das Zelt zusammengebrochen. Es braucht zwei Tage, um es wieder aufzubauen. Aber die Zeit kann man ja nutzen. Am Tag dazwischen predigt Himes acht Stunden auf den Treppen der Stadt von Rochester. Drei Predigten von insgesamt acht Stunden. Die Leute haben nichts zu sitzen. Die stehen die ganze Zeit und es ist mucksmäuschenstill. Mal abgesehen davon, dass der Himes auch noch die ganze finanzielle Verantwortung hatte, die ganzen Zeitschriften ausgebracht hat, die ganzen Bücher hat drucken lassen und hat ja noch Zeit gefunden, acht Stunden am Tag zu predigen. Also, niemals war Himes mehr aktiv als in diesem Sommer 1843. Der Mann ist über sich hinausgewachsen. Und es braucht solche Leute auch, um solche Bewegungen voranzubringen.

[50:51] Letzter Punkt. Und dann schließen wir. 28. Juni. „Diejenigen, die auf die Ankunft des Herrn nicht warten und sie auch nicht lieben, haben geglaubt, dass wir ab 1843 aufführen, auf das Kommen des Herrn zu warten. Dies ist ein großer Irrtum. Dies ist das Jahr, in dem wir beginnen, nach ihm Aufschau zu halten. Wir glauben, dass er dieses Jahr kommen wird, aber wir warten, bis er kommt.“ Das ist eine sehr gesunde Einstellung.

[51:17] Und letztes Zitat. Und jetzt sehen wir schon, wie sie an diesem Problem gearbeitet haben mit dem Jahr Null. „Die 2300 Jahre müssen also die Gesamtheit der 457 vor Christus als auch die Gesamtheit der 1843 danach beinhalten. Sodass wir jetzt zwar im 2300. Jahr sind, die gesamte Zeitperiode erst mit der Frühlingstag-Nachtgleiche 1844 endet. Aber, da wir gesehen haben, dass die anderen Ereignisse der Zeitprophezeiung im letzten Jahr der Zeitperiode stattfinden, können wir nun täglich nach der Vollendung Ausschau halten.“ Was heißt das? Wir wissen jetzt, die 2300 enden erst 1844. Aber Jesus kommt bestimmt schon im 2300. Jahr und nicht erst nach 2300 Jahren. Deswegen können wir weiter nach dem Ausschau halten. Also, so tasten sie sich immer mehr an die Wahrheit heran. Es ist ein ganz schwieriger Prozess, wie man merkt. Es ist nicht einfach vom Himmel gefallen. Man muss auch ein bisschen kämpfen, bis man es richtig versteht, man hat sich geirrt.

[52:15] Nächste Woche: Das Geheimnis Babylons. Denn es gibt nämlich nicht nur eine erste Engelsbotschaft, es gibt auch eine zweite Engelsbotschaft und die wird jetzt immer dringlicher, wie wir schon an Storrs' Bemerkung gesehen haben. Jetzt haben wir eine kurze Pause, aber zuvor wollen wir natürlich nicht vergessen zu sagen, dass wir nichts für die Zukunft befürchten haben, es sei denn, sie vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Kurze Pause jetzt und dann geht es gleich weiter mit dem Offenbarungsseminar. Gottes Segen euch.


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