Im Jahr 1839 erhält William Miller zunehmend Unterstützung für seine Botschaft über die baldige Wiederkunft Christi. Während er unermüdlich predigt und von Ort zu Ort reist, machen bedeutende Erfindungen wie die Daguerreotypie die Welt aufmerksam. Gleichzeitig gerät die Weltpolitik durch den Opiumkrieg zwischen Großbritannien und China in Aufruhr. Ein entscheidender Wendepunkt tritt ein, als Joshua Himes, ein einflussreicher Prediger aus Boston, auf Miller aufmerksam wird und beschließt, ihn mit all seiner Kraft zu unterstützen. Dies markiert den Beginn einer neuen Ära für die Adventbewegung, die nun beginnt, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen.
Die Zeit des Endes: 30. Miller erhält Unterstützung (1839)
Christopher Kramp · Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er) ·Themen: AdventgeschichteWeitere Aufnahmen
Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)
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Transkript
[0:00] Hallo und herzlich willkommen im neuen Jahr 2014, das hoffentlich und ganz bestimmt auch für dich, liebe Zuschauer, und für euch, die ihr heute hier seid, ein gesegnetes sein wird. Herzlich willkommen zu "Die Zeit des Endes". Das neue Jahr beginnt. Wir machen weiter mit unserer Serie und werden uns heute mit dem Jahre 1839 beschäftigen und sehen, wie Miller Unterstützung bekommen hat. Allein heute, aus der heutigen Folge, können wir enorm viele Lektionen lernen, wie es darum geht, das Werk in kurzer Zeit sehr zu verbreiten und in die großen Städte zu bringen. Und wir wollen beginnen mit einem Gebet und dann hineintauchen in das Thema. Herzlich eingeladen, mit mir gemeinsam zu beten.
[0:47] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass in einer Zeit, wo wir selbst uns fragen, wie wir das Evangelium so vielen Menschen, die es noch nicht gehört haben, weitergeben können, wir heute lernen dürfen, wie damals schon, auf einer kleineren Skala vielleicht, aber doch modellhaft, du dafür gewirkt hast, dass deine Botschaft plötzlich zu vielen Menschen gekommen ist. Und wir möchten dich bitten, dass wir die Lektion daraus lernen, dass wir vertrauen dürfen, dass du dein Volk führst, Schritt für Schritt. Und wir möchten dich bitten, dass du jetzt bei uns bist und durch deinen Heiligen Geist zu uns sprichst. Im Namen Jesu, Amen.
[1:22] 1839 begann wie jedes Jahr davor und auch danach mit dem 1. Januar. Und William Miller hat den 1. Januar und auch den 2. Januar und auch den 3. Januar nicht einfach mit Ferien oder mit Familienbesuchen verbracht, so wie wir das vielleicht gemacht haben, sondern mit Predigen. Er war schon 1838 am 30. Dezember auf eine Vortragsreise nach Rochester in Vermont gefahren und hat einfach über den Jahreswechsel weiter gepredigt, Abend für Abend. Damals haben die Leute wohl noch nicht so viel Brimborium um den Jahreswechsel gemacht. Und so ist er dort gewesen, hier in Rochester, das ist gar nicht so weit entfernt von seiner Heimatstadt in Lowhampton. Und er schreibt dann am 7. Januar, nach einer Woche, seinem Sohn, nachdem die Vortragsreise zu Ende ist, dass er wiederum vor großen Menschenmengen gepredigt hat. Das sind alles so kleine Orte, wie wir schon öfter gesagt haben, kleine Städte hier so mehr im ländlichen Gebiet, aber wo er hin kommt, kommen viele Menschen zu ihm.
[2:31] Das Jahr 1839 ist auch in der Erfindungswelt berühmt geworden für eine Erfindung, die der Welt den Atem verschlagen hat, und zwar die hier. Das ist Louis Daguerre. Und Louis Daguerre beschreibt am 7. Januar vor einer wissenschaftlichen Akademie in Paris die sogenannte Daguerreotypie. Das ist so ein Vorläufer des Fotografen. Das ist so eine Daguerreotypie, die man gemacht hat. Und als er das vorstellt, 1839, ist das Patent schon so ausgereift, dass es sich innerhalb eines Jahres in der ganzen Welt verbreitet. Das ist die erste, eine der ersten Aufnahmen, die er gemacht hat, schon Ende 1838, die er dann 1839 vorgestellt hat, eine Fotografie von Paris. Und auch das war natürlich technischer Fortschritt, der die Welt im Atem gehalten hat, sodass auf dieser Karikatur zu sehen ist, dass alle nur noch Fotos machen wollten und jeder wollte fotografiert werden.
[3:30] Naja, währenddessen, das war bei Miller noch nicht wirklich angekommen, ist er weiter marschiert. Im Januar ging es dann von Rochester nach Woodstock, nicht in England, sondern in Vermont, in der Bundesstadt Vermont hier in den USA, und dann nach Pomfret. Und dann, mitten im Januar, als er da hier so mitten unterwegs ist, von einem, also wenn immer an einem Tag das fertig war, am nächsten Tag war er am nächsten Ort, erhält er eine Einladung in einen neuen Bundesstaat. Bisher war er in all den Jahren, die er gepredigt hat, das sind jetzt mittlerweile schon über sieben Jahre, war bisher nur im Bundesstaat New York hier und im Bundesstaat Vermont gewesen, so im Umkreis seines Wohnortes. Jetzt erhält er zum ersten Mal eine persönliche Einladung nach Massachusetts, diesem Bundesstaat hier. Ein Jahr zuvor, 1838, waren ja Bücher von ihm dorthin gelangt und hatten da schon ein bisschen Sensation ausgelöst. Und jetzt bekommt er die erste Einladung dorthin und die soll dann im Frühjahr angenommen werden. Zunächst hat er noch einige andere Appointments, einige andere Einladungen, zum Beispiel hier in Bethel, in Vermont und dann in Gatesville. Und damit ist der Monat Januar zu Ende. Er hat tatsächlich im gesamten Januar 1839 an einem Tag nicht gepredigt. Alle anderen Tage durch gepredigt, von Ort zu Ort, in der Regel zwei Vorträge pro Tag. Und sein Buch verkauft sich so gut, dass er manchmal 60 Bücher pro zwei Stunden verkauft. Er nennt sich selbst der alte Mann mit der Konkordanz. Wo immer er hin kommt, hat er seine Bibel und seine Konkordanz dabei und damit predigt er. Alter Mann, warum? Im nächsten Monat, zwei Monate später, wird er 57 Jahre alt. Ich weiß nicht, wer von uns sich erinnern kann, wie es war, als er 57 war. Oder wie wir uns vorstellen, wie es mal sein wird mit 57. Aber wer von uns stellt sich vor, im Januar, ja und das ist in den Breiten, ist da wirklich noch bis April tiefer Winter, im Januar zu Fuß oder zu Pferd oder mit der Kutsche den ganzen Monat hindurch nur durchzupredigen und das zweimal pro Tag.
[5:55] Einen Monat später, ach hier, das haben wir noch vergessen zu sagen, ein Brief an seinen Sohn, an seinen ältesten Sohn, das war noch Ende Januar, wo er folgendes sagt: An jedem Ort, an dem ich Vorträge gehalten habe, seitdem ich von zu Hause abgereist bin, hat es eine Reformation gegeben und das Werk schreitet rasant voran. Die Vortragsräumlichkeiten sind bis zum Überborden gefüllt. Unter den Menschen herrscht große Aufregung. Viele sagen, dass sie glauben, einige spotten, andere sind nüchtern und denken. Sagt allen liebe Grüße, Mutter und den Kindern. Also hat seine Familie kaum noch gesehen und hatte nur noch diesen einen Auftrag vor Augen: Reformationen zu bringen zu den Menschen der Umgebung.
[6:46] Im März ist er dann wieder unterwegs gewesen, diesmal weiter nach Norden, hier Richtung kanadische Grenze. In Essex und in Williston hat er dort jeweils eine einwöchige Vortragsreihe gehalten. In dieser Zeit ist die Weltpolitik wieder etwas ins Wanken geraten und zwar durch diese Person hier. Das ist der Kaiser. Kann jemand raten, von welchem Land? Der Kaiser von China, genau. Der Kaiser von China hat etwas gemacht, was den Zorn der Briten erregt hat, nämlich er hat den Opiumhandel verboten. Was nämlich passiert war in den Jahren zuvor: Großbritannien hat große Mengen an Tee und an Seide und an vielen kostbaren chinesischen Gütern eingekauft in China, weil das so in Europa begehrt war, aber es gab nichts, was man wirklich den Chinesen anbieten konnte, was die haben wollten. Und so haben die Briten immer Geld bezahlt und Güter gekauft, aber nicht wirklich was selbst verkaufen können und damit ist das Geld immer nach China geflossen. Da haben sich die Briten gesagt, was können wir tun? Wir müssen irgendwas haben, was wir den Chinesen verkaufen. Dann haben sie angefangen in den Jahren und Jahrzehnten zuvor Opium in Indien herzustellen und massenhaft nach China zu importieren und die Chinesen abhängig zu machen und damit einen Wirtschaftszweig aufzubauen. Und den Chinesen hat das nicht so gut gefallen, dass da ausländische Wirtschaftsleute ihre ganze Bevölkerung abhängig machen. Und so hat der Kaiser ein Opiumverbot ausgesprochen und das ist durch diesen Ministerpräsidenten hier, seinen Namen habe ich jetzt vergessen, irgendwas ist mit Li Xingzong oder so, auch durchgesetzt worden in Kanton, sodass man zum Teil bis zu 250 Händler interniert hat und das hat dann den Zorn der Briten auf sich gezogen, die dann eine Armee bereit gemacht haben, um mit Waffengewalt ihren Drogenhandel da durchzusetzen. Das war der Beginn dann des ersten Opiumkrieges, der dazu geführt hat, dass China zur Kolonie wurde, aber dazu dann das nächste Mal noch mehr.
[8:59] Währenddessen ist Miller weiterhin unterwegs. Ich wünschte, man könnte, ich wünschte nicht, aber man kann halt gar nichts anderes berichten, als dass er von einem Ort zum anderen gereist ist. Am Ende März, 26. März bis 1. April war er in Waterbury und hat auch dort gepredigt. Und was mittlerweile passiert ist, er hat so viele Einladungen bekommen, alle im Sinne von: Die ganze Gemeinde möchte dich unbedingt hören und die ganze Stadt ist in Aufregung, bitte komm und bitte komm und bitte komm. So viele Einladungen, dass er die meisten gar nicht mehr annehmen konnte. Allein in diesem Jahr hat er im Jahre 1839 77 Einladungen bekommen zu verschiedenen Vortragsreihen. Das kann man Menschen möglich gar nicht schaffen. Also das Interesse in diesen ländlichen Gegenden, diesem Bundesstaat New York und Vermont war mittlerweile so groß, dass ein Mensch das nicht mehr alleine schaffen konnte und er gemerkt hat, diese Bewegung platzt fast, wenn nicht irgendwie jetzt andere Menschen mir helfen und irgendwie das auf ein anderes Level kommt. Er hat dann keine weiteren Einladungen hier angenommen, sondern ist nach Hause gereist, um sich vorzubereiten auf seine Massachusetts-Tour, da jetzt diesen neuen Bundesstaat, und die sollte dann im April sein.
[10:12] Während er nach Massachusetts gefahren ist, hier ein kleines Detail noch, gab es ein christliches Magazin im Osten der USA, das zusammenhing mit der Christian Connection. Die Christian Connection war eine christliche Denomination, die damals sehr populär war, die gesagt hat: Nur die Bibel und die Bibel allein. Zum Beispiel der Bates war ein Mitglied davon und James White war ein Mitglied davon. Die haben eine Zeitschrift gehabt, die ab diesem Zeitpunkt, ab dem April 1839, sich mehr und mehr mit Prophetie beschäftigt hat und nach prophetischen Themen gesucht hat. Wir werden gleich sehen, dass in diesem Jahr Miller vor allem noch mit der Christian Connection immer mehr in Kontakt getreten ist.
[10:58] Noch ganz nebenbei, am 7. April ging die erste Langstrecken-, also Fernstrecke der deutschen Eisenbahn in Deutschland zwischen Leipzig und Dresden in Betrieb. Also der technische Fortschritt hat sich auch in Europa breit gemacht. Und dann kam Miller endlich nach längerer Reise, nach schweren Schneestürmen, noch im April wohlgemerkt, in Boston an. Boston war damals eine der größten Städte Amerikas, 93.000 Menschen. Das ist ungefähr so groß wie Zwickau heute oder Esslingen. Aber damals, also für die damaligen Verhältnisse war das gigantisch groß. Aber in Boston selbst hat er keine Einladung gehabt, sondern in einer Stadt etwas südlich davon, in Randolph. Trotzdem hat er da einen Tag verbracht, so sah Boston 1839 aus und hat so ein bisschen berühmte Orte sich angeschaut und das genossen und ist dann weitergereist und hat dann am 21. April seine Vortragsreihe dort, die allererste in Massachusetts, begonnen.
[12:08] Zwischenzeitlich, nur so nebenbei, ist Belgien als völkerrechtlicher Staat anerkannt worden, aber das war jetzt nicht so wichtig, nur so nebenbei. Und wie gesagt, dann am 21. April beginnt seine Vortragsreihe hier in Randolph. Das ist wieder ein kleiner Ort, ungefähr 4000 Einwohner. Und weil das so erfolgreich ist, so sah das damals aus, diese Stadt in Randolph, also kleines, verschlafenes Städtchen, aber die Menschen waren unfassbar erstaunt und begeistert von den Vorträgen Millers. Weil das so populär war, ging es gleich weiter von Randolph nach Stoughton und dann von Stoughton nach Braintree und von Braintree zurück nach Randolph. Und überall, wohin er kommt, gibt es machtvolle Erweckung. Und dann hat er eine Einladung bekommen nach Lowell. Das war ein bisschen weiter entfernt und der Pastor hier in Lowell, Lowell war eine größere Stadt, hatte so um die 20.000 Einwohner, hatte gehört von den großartigen Dingen, die der Miller da gemacht hat und sich vorgestellt, der Miller muss also ein wirklich gut aussehender, charismatischer Evangelist sein, den müssen wir auch in Lowell haben, hat ihn eingeladen. Und dann kam William Miller an in Lowell. Der Pastor dort, ein Pastor namens Cole, hatte gewartet an dem Ort, wo die ganzen Kutschen ankommen und hatte sich in seinem Bild, in seinem Kopf so vorgestellt, wie der Miller wohl aussehen würde. Und eine Person nach der anderen stieg aus aus den Kutschen. Da war aber keiner dabei, der so aussah wie ein großer Evangelist. Hat sich schon gewundert, der ist ja gar nicht gekommen. Und dann ganz am Ende steigt so ein alter 57-jähriger Mann aus mit Schüttellähmung und einem Bauernanzug. Wie ein Bauer sah der aus. Hat er sich so geschämt. Das ist William Miller? Komm mal her mit. Hat ihn ganz schnell durch die Straßen geführt, wollte kein Aufsehen erregen, hat ihn schnell zu sich nach Hause gebracht und hat die ganze Zeit überlegt, was mache ich denn? Jetzt habe ich den hier eingeladen. Das sieht aus wie ein Bauer. Meine ganze Gemeinde wird mich auslachen, wenn ich den predigen lasse. Und da hat er das gemacht, was sehr interessant ist. Sie haben kurz gegessen zu Hause und da hat er gesagt, wir müssen jetzt zur Gemeinde gehen, der Vortrag geht los. Und normalerweise ist es so in Amerika, wenn dort ein Sprecher spricht, sitzt meistens der Prediger oder Gemeindeleiter oder Älteste mit vorne auf dem Podium, um den Rücken zu stärken. Aber der Pastor hat sich bewusst nicht mit ihm nach vorne gesetzt, hat sich einfach mit ins Publikum gesetzt, um sozusagen zu signalisieren, ich habe mit dir nichts zu tun. Und Miller hat das gespürt, hat gesagt, was mache ich denn jetzt? Das ist ja ein bisschen merkwürdig. Hat dann ein Lied singen lassen, hat noch ein Lied singen lassen, hat gesagt, naja, was soll's. Hat seine Bibel genommen, hat angefangen zu predigen und hat gepredigt über Titus 2, Vers 13, über die Wiederkunft. Und als der Pastor gemerkt hat, dass der Miller nur einen Bibeltext nach dem anderen zitiert und ungeheuer biblisch predigt, dann ist er nach 15 Minuten aufgestanden während der Predigt und hat dann während der Predigt seinen Sitz vorne genommen, hat sich hingesetzt und gezeigt, ich bin dafür. Und dieser Pastor Cole wurde übrigens einer der besten Freunde Millers und einer der ersten Pastoren hier im Bundesstaat Massachusetts, der Millers Ansichten voll übernommen hat und auch dann ihm viele andere Türen geöffnet hat zu anderen Kirchen, insbesondere der Christian Connection, mit der Miller jetzt immer mehr zu tun hat, obwohl er selbst Baptist war und bisher vor allem bei Baptisten, aber auch bei anderen Kirchen gepredigt hatte.
[15:54] Naja, von dort ging es weiter hier, das sind so die Gegenden in Massachusetts, wo er so wahrscheinlich lang geritten ist. Von dort ging es weiter nach Groton, also das war jetzt schon Ende Mai. Und dann, weil der Erfolg in Lowell so groß war, gleich wieder nach Lowell zurück zu einer zweiten Vortragsreihe. Und im Laufe dieser Vorträge in Lowell werden 40 Menschen getauft, nach einer Woche, zwei Wochen Vortragsreihe, 40 Leute getauft, 20 andere bekommen Bibelstunden oder treten der Kirche bei, weil sie vielleicht woanders schon getauft worden waren. Und in dieser Zeit in Lowell trifft Miller einen besonderen Mann, der ein Jahr zuvor schon durch das Studium des Buches von Miller hier in Massachusetts sich zum Milleriten erklärt hat. Weiß jemand noch, wie dieser Prediger hieß? Wir haben in der letzten Folge über ihn gesprochen. Sein Name war Josiah Litch. Können wir uns erinnern an Litch und Fitch? Fitch hatte das wieder aufgegeben, aber Litch war dabei geblieben, hat ja selbst ein Buch geschrieben, das Millers Ansichten bestätigt hat, zum Teil ein bisschen auch noch verbessert hat. Und jetzt, er war ja noch ein junger Bursche, also ein junger Prediger, hat er die Gelegenheit gehabt und hat Miller getroffen. Und Miller nennt ihn seinen Bruder, der so viel getan hat für die Verbreitung des Werkes dort in Massachusetts.
[17:21] Und übrigens, während dieser Zeit dort in Lowell hört Miller von einem Gerücht. Es gibt immer wieder Gerüchte auch, denn der Satan hat natürlich auch Interesse, den Miller irgendwie zu stoppen. Und so gibt es zum Beispiel auch Gerüchte, hat es gegeben, dass Miller tot sei. Das konnte man relativ leicht widerlegen, weil er immer noch lebte. Jetzt kam das Gerücht auf und es war besonders wirksam. Man sagte nämlich, Miller hat sich verrechnet. Hast du gehört, dass Miller sich verrechnet hat? Und zwar um 100 Jahre. Es hieß, es kommt nicht 1843, sondern 1943. Und das war so ein effektives Gerücht, dass viele Leute das geglaubt haben. Miller hat das natürlich dann schnell entkräftet, aber es hat sich hartnäckig gehalten über die nächsten Jahre. Es gab auch die Variante, Miller habe sich um 1000 Jahre verrechnet. Dieses würde erst im Jahre 2843 wiederkommen. Also das sind so Dinge, die, wenn man sie hört, nicht wahr, gerne weitergibt. Und so haben solche Gerüchte ihm manchmal schwer zu schaffen gemacht.
[18:34] Dann von Lowell, von der zweiten Vortragsreihe, ging es dann weiter im Juni nach Lünn. Also er ist wirklich kreuz und quer durch diesen Bundesstaat gereist. Und in Lünn, da gab es eine lokale Zeitung, die sehr negativ eingestellt war eigentlich gegen ihn, aber dann hat der Redakteur sich dort einfach mal ein Herz gefasst und ist in den Vortrag gegangen und hat Folgendes dann geschrieben. Das ist ein etwas längerer Zeitungsartikel hier, einige Ausschnitte über Miller in der Zeitschrift, in der Zeitung von Lünn. "Wir hatten Vorurteile gegen diesen guten Mann, als er das erste Mal zu uns kam, da wir glaubten, er begehe einen eklatanten Fehler in der Interpretation der biblischen Prophezeiung, dass die Welt 1843 enden würde. Wir neigen immer noch dazu, dies als Irrtum oder Fehlberechnung zu betrachten." Das ist sehr interessant. Der Autor ist jetzt nicht überzeugt, der Redakteur, von dem Datum, aber er sagt: "Gleichzeitig haben wir unsere Vorurteile ihm gegenüber überwunden, indem wir seine Vorträge besucht haben und mehr über den exzellenten Charakter des Mannes und all das Gute, was er tut und getan hat, erfahren haben. Mr. Miller ist ein einfacher Farmer und macht keine Ansprüche, außer, dass er die biblischen Prophezeiungen viele Jahre intensiv studiert hat, einige von ihnen anders versteht als die meisten anderen Menschen und sich wünscht, seine Ansichten der Öffentlichkeit zu präsentieren, sodass andere davon profitieren können. Niemand kann ihm fünf Minuten zuhören, ohne von seiner Aufrichtigkeit überzeugt zu sein und von seiner Gedankenführung und Information belehrt zu werden. Alle geben zu, dass seine Vorträge mit nützlichen und interessanten Informationen vollgestopft sind. Wir haben ja seine Vorträge schon analysiert. Seine Kenntnis der Bibel ist sehr weitreichend und exakt. Besonders kennt er sich mit den Prophezeiungen überraschend gut aus. Seine Auslegung der Prophezeiung auf die großen Ereignisse der natürlichen und moralischen Welt überzeugt im Allgemeinen und gewinnt schnell die Zustimmung seiner Zuhörer. Wir haben Grund zu glauben, hätte das stehen müssen, dass die Predigtätigkeit von Mr. Miller weitreichendes und großartiges Gutes bewirkt hat. Erweckungen sind ihm gefolgt. Er ist überall mit Beachtung gehört worden, wo er gewesen ist." Und dann noch sehr interessant, was hier dieser Zeitungsredakteur schreibt: "Es gibt nichts Besonderes in der Art oder dem Auftreten von Mr. Miller. Beides ist mindestens vergleichbar mit dem Stil und dem Auftreten eines normalen Predigers. Seine Gesten sind einfach und ausdrucksvoll und sein persönliches Erscheinungsbild in jeder Hinsicht schicklich. Seine biblischen Erklärungen und Illustrationen sind überzeugend, einfach, natürlich und kraftvoll." Also die meisten Menschen, die tatsächlich gehört haben, haben gesagt, das ist ein ganz normaler Mann, der einfach nur die Bibel gut kennt und mit Überzeugung predigt. Die Leute, die meistens schlecht über ihn geredet haben oder Vorurteile gelegt haben, waren Leute, die nur vom Hören-Sagen Dinge aufgegriffen haben. Also das konnte man dort in der lokalen Presse 1839 über Mr. Miller lesen.
[21:36] Auf dem Rückweg hat er nicht wirklich den Rückweg eingeschlagen, sondern ist gleich wieder nach Vermont hoch, um dort Sprechereinladungen anzunehmen. Aber bevor wir das sagen, noch vielleicht eine Sache. Dort in Lünn endet sein Textbuch. Er hatte ja so ein kleines Textbuch gehabt, wo er seit 1834 jeden Ort eingetragen hat, das Datum und welchen Predigtext er verwendet hat, welches Predigthema. Und anhand dieses Textbuches können wir auch genau bestimmen, wann er wo gewesen ist. Und wir können berechnen, dass er seit dem 1. Oktober 1834 in etwas mehr als viereinhalb Jahren 800 Vorträge gehalten hatte. Und das als, wie gesagt, mit 50er. Bis zu diesem Zeitpunkt waren all diese Vorträge in kleinen Städten und Dörfern im östlichen Teil von New York, in Vermont und jetzt zum ersten Mal in Massachusetts. Und er beginnt ein neues Textbuch und beginnt neue Vorträge erst hier in Westford und dann in Cambridge und dann noch in Colchester.
[22:47] Währenddessen passiert im Juni etwas, was die Weltöffentlichkeit in Atem hält. Wir können uns erinnern, dass ein Jahr zuvor Josiah Litch eine Vorhersage gemacht hat bezüglich des Osmanischen Reiches. Er hat ja gesagt, dass 1840, und auch Miller hatte das ja schon gesagt, entweder 1839 oder 1840, und Litch hatte das dann konkretisiert aufgrund der 6. Posaune, hat gesagt, im Jahre 1840 muss etwas mit dem Osmanischen Reich passieren. Es wird seine Autonomie, seine Autorität verlieren. Und jetzt, ein Jahr zuvor, geschieht etwas Gewaltiges. Nämlich Muhammed Ali, dieser tyrannische Sultan, nicht Sultan, aber Herrscher von Ägypten, der sich nicht mehr dem Sultan des Osmanischen Reiches, Mahmud II., unterstellen will, fängt wieder Krieg an. Er hat ja in den letzten Jahren schon öfter mal Krieg geführt und wollte Ägypten eigenständig machen und jetzt führt er wieder Krieg gegen seinen eigenen Herrscher, den Mahmud II. Und in diesem Krieg kommt es zu einer großen Schlacht, der Schlacht von Nizip, und in dieser Schlacht verliert das Osmanische Reich faktisch seine gesamte Armee. Jetzt, das Osmanische Reich war damals eine große Nation, hatte ja noch zum Teil Europa, einige Teile in Osteuropa gehabt, dann natürlich Kleinasien und dann Nordafrika und den Nahen Osten. Aber wenn so ein großes Reich keine Armee mehr hat, dann ist es quasi kurz vor dem Niedergang. Und das wusste auch er. Er wusste, wie günstig die Gelegenheit ist, jetzt eventuell das ganze Osmanische Reich zu zerstören. Aber nicht nur das, es kam noch schlimmer.
[24:33] Moment. Verzeihung. Da kommen wir gleich dazu, was noch schlimmer kam. Das ist falsches Bild, das müsste hier sein. Okay, Verzeihung, hier. Nur sechs Tage später stirbt der Sultan auch noch. Er hat gerade seine ganze Armee verloren, dann ist er tot. Und sein Nachfolger wird der 16-jährige Abdul Mecid I. Und in dieser Lage ist es um das Osmanische Reich wirklich nicht gut bestellt. Der Herrscher tot, ein 16-jähriger Knabe auf dem Thron, keine Armee und zu allem Überfluss ist noch der Flottenadmiral des Osmanischen Reiches, ein Betrüger oder ein Verräter vielmehr, und bringt die gesamte Flotte des Osmanischen Reiches in ägyptische Hand. Segelt nach Ägypten. Und in ganz Europa weiß man, wenn jetzt nicht bald was passiert, dann geht das Osmanische Reich binnen Jahren zugrunde und dann würde Russland das Ganze übernehmen. Denn die Russen haben schon seit Jahrzehnten ein Auge geworfen auf das Osmanische Reich. Und so passiert etwas ganz, ganz Außergewöhnliches. Nämlich, dass alle vier Großmächte Europas, Frankreich, Großbritannien, Preußen und Österreich, trotz aller Gegensätze, gemeinsam erklären: Wir nehmen die Sache in unsere Hand. Und dadurch wird die ganze Sache mal noch aufgehalten. Und die ganze Welt schaut, wie wird es weitergehen, wie wird es weitergehen. Und in diese Phase hinein ist ja dieses Buch von Litch geschrieben worden. 1840 wird das Osmanische Reich seine Autonomie verlieren. Und naja, das hat natürlich den Vorträgen von Miller und auch von Litch, die da gehalten werden zu dieser Zeit in Amerika, enormes, enormes Aufsehen verschafft.
[26:23] Können wir uns heute fast gar nicht mehr so richtig vorstellen, aber damals ist das so gewesen. Jetzt kommen wir zu dem, was hier als Bild dazwischen geraten war. Genau zu jener Zeit, nämlich im Juli, bringt Josef Wolf sein Buch heraus. Er hatte sich jetzt zur Ruhe gesetzt, dort in jener Kirche in Mittelengland, um einfach als Pfarrer zu dienen, als Kurat. Und sein Buch heißt, oh, man kann es gar nicht so gut lesen, bei mir kann man es lesen, bei euch nicht, na egal. Es ist das Journal des Reverend Josef Wolf und geschrieben 1839 in London. Und da erzählt er jetzt all die Geschichten, die er erlebt hat, als er in fernen Landen, in Turkmenistan und Indien und Afghanistan und wo überall gewesen ist, das Wort Gottes gepredigt hat und verbreitet es damit in der Öffentlichkeit. Ja, ansonsten geht es ihm da ganz gut. Auf seine alten Tage, in Anführungsstrichen, hat er sich jetzt mehr zur Ruhe gesetzt.
[27:27] Miller, der noch viel älter ist als Wolf, denkt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen, sondern predigt ja immer fleißig weiter. Er bekommt eine weitere Einladung nach Randolph, nach Massachusetts, aber die kann er nicht wirklich annehmen. Das haben wir gesehen.
[27:47] Am 26. August erschüttert ein Vorfall die USA, nämlich der Fall des Sklavenschiffes Amistad. Ein Schiff, das mit Sklaven beladen worden ist in Kuba und das dann Richtung Amerika segelt, obwohl die Sklaverei eigentlich schon verboten ist. Und die Sklaven meutern, erschlagen den Kapitän und versuchen dann nach Afrika zu segeln. Wissen aber nicht, wie man nach Afrika segelt, weil sie keine Ahnung vom Segeln haben. Und sagen dann den übrig gebliebenen Matrosen: Segelt uns nach Afrika. Und des Tages segeln sie nach Afrika. Und dass nachts, wenn die Afrikaner schlafen, segeln die Matrosen wieder zurück nach Amerika. Und so kommt das Schiff nicht vorwärts, sondern vorwärts, rückwärts und treibt dabei nach Norden. Und wird dann in der Nähe von New York aufgegriffen. Und dann entsteht eine große politische Debatte, ob das Sklaven sind, die illegal ihre Herren ermordet haben. Oder ob das freie Menschen sind, die sich rechtens gegen ihre Unterdrückung gewehrt haben. Ein großer Prozess wird in Gang gesetzt und das geht durch alle Instanzen in Amerika. Und der Supreme Court, der oberste Gerichtshof, entscheidet dann: Es sind freie Menschen gewesen, die sich gegen ihre Unterdrücker zur Wehr gesetzt haben. Und das ist einer der entscheidenden Schritte, die später dann zur Abschaffung der Sklaverei im Ganzen geführt haben.
[29:13] Und dann ebenfalls im Spätsommer, ganz genau wissen wir nicht wann, aber ungefähr im Spätsommer 1839, tritt etwas im Leben von dem hier ein, den wir über die letzten Wochen etwas vernachlässigt haben. Nämlich Joseph Bates. Er hat ja seit einigen Jahren sich zur Ruhe gesetzt, hat einfach sich so ein bisschen mit Landwirtschaft die Zeit vertrieben und war ganz aktiv im Kampf gegen die Sklaverei und vor allem auch für die Mäßigkeit. Und im Spätsommer hört er, der damals 47-Jährige, in einer Unterhaltung, dass es da einen Farmer gäbe in der Bundesstadt New York, der sagen würde, dass Jesus 1843 wiederkommt. Sein Name sei William Miller. Und Joseph Bates sagt: Was ist das denn für ein Quatsch? Kein Mensch kann noch wissen, wann Jesus wiederkommt. Und wundert sich, wie jemand auf diese Idee kommen kann. Das ist das erste Mal, 1839, dass ihm das zu Ohren kommt. Aber das wird gleich noch ganz anders gehen.
[30:22] Währenddessen, am 6. September, kommt es in Zürich zum Aufstand, zum sogenannten Züri-Putsch. Putsch heißt eigentlich, ist Schweizerdeutsch und heißt stoßen. Und das Wort wird durch die Berichterstattung dann auch im Deutschen gängig, ein Putsch. Wenn jemand aufeinander stößt und etwas umgestoßen wird, dann nennt man das einen Putsch. Ist eigentlich Schweizerdeutsch.
[30:45] 5. oder 6. September sieht in London, so wie zwei Jahre zuvor in Amerika, außergewöhnliche Nordlichter. In London. Und auch das war bemerkenswert.
[30:59] Währenddessen hat William Miller was gemacht? Gepredigt. Sein ganzes Leben bestand nur noch aus evangelistischen Vorträgen halten. In diesem Fall war das jetzt im September. Hier ist sein Heimatort Lohentgen und hier ist Rutland. Eine kleine Stadt, dort in Vermont. Er hat dort enorm starke Anfrage gehabt und so ist er hingegangen, hat dort gepredigt. Und dann bereitet er eine zweite Reise nach Massachusetts vor. Da möchte er wieder hin.
[31:31] Zurück zu Joseph Bates. Es ist im Herbst, also einige Wochen nachdem er zum ersten Mal von Miller gehört hat, dass er gerade bei seinen Plantagen arbeitet und ein Bekannter vorbeikommt. Der Bekannte ist Pastor, ein Prediger in der Christian Connection, in jener Glaubensgemeinschaft, in der auch Bates Mitglied ist. Und dieser Prediger hat das Buch von Miller gelesen und möchte Vorträge darüber halten. Das ist diese Zeit, wo jetzt andere Prediger anfangen auch schon darüber zu predigen, hier und dort. Und dieser Pastor lädt Joseph Bates ein und sagt: Komm doch mit vorbei. Und die Vorträge sind nicht weit entfernt von hier in New Bedford und du kannst dir das mal anhören. Und er sagt: Okay, ich kenne den Pastor, ist ein guter Mann. Mal sehen, was er zu sagen hat über die Wiederkunft, obwohl ich mich schon frage, sagt er, was irgendjemand sagen könnte über den Zeitpunkt der Wiederkunft. Er kommt dorthin mit seiner Frau Prudence und nach dem ersten Vortrag ist er so tief beeindruckt, dass er eine ganze Zeit schweigend nach Hause reitet, aber wir können ihn auch selbst erzählen lassen. Er sagt: "Nach dem Vortrag waren wir bereits eine Strecke heimwärts geritten, versunken in dieses wichtige Thema, als ich endlich das Schweigen brach, indem ich sagte: Das ist die Wahrheit." Meine Gefährtin, also seine Frau, antwortete: "Oh, du bist immer so optimistisch." Ich argumentierte, dass Pastor R. es für mich ganz klar gemacht habe, aber dass wir mehr hören würden. Die Vortragsreihe ging mit überfülltem Zuhörerraum und steigendem Interesse bis zum Ende weiter. Und ich empfand, dass ich über dieses wichtige Thema viel Aufklärung erhalten hatte."
[33:15] Also Bates wird zum Milleriten, nicht durch Miller, sondern durch einen anderen Pastor, der sich diese Theorien angeeignet hatte. Er sagt dann: "Ich erwarte nun William Millers Buch mit den 19 Vorträgen, das wir vor kurzem Jahr auch analysiert haben, die ich mit größtem Interesse las, insbesondere seine Argumentation bezüglich der prophetischen Zeitketten in Daniels Vision, die zuvor, wenn ich die Bibel durchlas, so kompliziert vorgekommen waren und mich neugierig gemacht hatten, welche Bedeutungen jenen Tagen zugemessen werden können, die mit der bildhaften Prophezeiung der Kapitel 7 und 8 verbunden sind." Also was dann interessiert? Prophetie, Daniel 7, Daniel 8. Er sagt: "Aber nun begann ich zu lernen, dass diese Tage viele Jahre waren und diese Jahre um 1843 zu Ende gehen würden. Zu diesem Zeitpunkt würde Christus gemäß der Prophetieauslegung Millers zum zweiten Mal persönlich erscheinen." Es ist im Herbst 1839, dass Joseph Bates, dieser alte Kapitän, zum Milleriten wird und sagt: "Das ist die Reform schlechthin." Andere sagen: "Ja, warum beschäftigst du dich nicht mehr so viel mit der Mäßigkeitsbewegung und mit der Antisklaverei?" Er sagt: "Wenn man sich auf die Wiederkunft vorbereitet, kommen alle Reformen sowieso mit dazu. Wer sich auf die Wiederkunft vorbereitet, wird mäßig sein. Wer sich auf die Wiederkunft vorbereitet, wird gegen die Sklaverei sein. Aber das hier ist die eigentliche Grundreform. Alles andere ist nur zweitrangig und drittrangig." Und so wird Bates ein Adventist, nicht durch Miller persönlich, sondern durch einen anderen Pastor und durch das Buch, das er gründlich studiert.
[34:57] Währenddessen ist Miller im Oktober, 13. bis 22. Oktober, in Massachusetts angekommen und beginnt eine Vortragsreihe. Zunächst wieder in Groton, dann in Lowell, das ist bereits die dritte. Wir sehen, dass Miller ganz oft an die gleichen Orte zurückgekehrt ist, also nicht nur wahllos an Ort zu Ort gegangen ist, sondern immer wieder zu Orten zurückgekehrt ist, um damit das zu vertiefen und zu erweitern. Er hat mittlerweile die Reputation, auch in Massachusetts erworben, dass er ein Prediger ist, der Leute ansprechen kann, die kein anderer anspricht. Vor allem sagt man, dass junge Männer, also was heißt junge, nein, nicht junge Männer, Männer zwischen 30 und 50 Jahren, keine jungen Männer. Also die sonst besonders schwer für das Evangelium zu erreichen sind. Meistens sind sie eher junge Leute und dann ältere Leute, die für das Evangelium besonders aufgeschlossen sind. Oder Frauen. Aber Männer zwischen 30 und 50 sind traditionell die schwersten aus verschiedenen Gründen. Und gerade die bekehren sich scharenhaft durch Millers Dienst. Vielleicht, weil das so mit Prophetie und Weltgeschichte und Schlachten und so zu tun hat, keine Ahnung. Aber deswegen mögen ihn auch viele Kirchen, weil er Leute in die Gemeinde bringt, die sonst kein anderer erreichen kann. Das ist übrigens auch eine interessante Lehre, die wir lernen können von Miller.
[36:19] Und während er dort in Groton eine Vortragsreihe hält, bekommt er eine Einladung, die er gar nicht mal überachtet. Die Einladung ist von einem gewissen, Achtung, Joshua Himes. Joshua Himes ist Prediger in der Metropole Boston. Miller bekommt die Einladung und wir haben keinen Hinweis darauf, dass er sie jemals beantwortet hat. Und es scheint fast so zu sein, als ob der große Moment der Geschichte an ihm vorbeigelaufen ist. Aber Gott ist gnädig, wie wir gleich sehen werden.
[36:52] Von Lowell geht es dann aus nach Haverhill. Das ist Anfang November. Und hier schließt er die Bekanntschaft mit einem anderen Pastor der Christian Church, nämlich mit Henry Plummer. In der Zwischenzeit versucht der junge Herrscher des Osmanischen Reiches, einige Reformen durchzusetzen. Am 3. November verkündigt er, dass ab sofort jeder Untertan seines Lebens sicher sein kann im Osmanischen Reich und er auch garantiertes Vermögen hat. Das war vorher nicht so deutlich. Man kann auch nicht mehr sein ganzes Leben zur Armee eingezogen werden. Also das Osmanische Reich versucht sich jetzt verzweifelt doch noch zu modernisieren und irgendwie Anschluss zu bekommen an Europa. Und dann geht Miller jetzt vom Bundesstaat Massachusetts in den vierten Bundesstaat, den er jemals betreten hat, nämlich nach New Hampshire, dort in den Ort Exeter. Und dort in Exeter hält er eine neue Vortragsreihe und während dieser Vortragsreihe findet eine Konferenz statt, aller Pastoren der Christian Church, der Christian Connection, dieser Denomination. Und er bekommt dort die Gelegenheit, seine Ansichten zu präsentieren. Die meisten finden das seltsam, sind nur neugierig, aber nicht wirklich interessiert. Einige versuchen ihn herauszufordern und er kann viele Fragen sehr schnell beantworten mit der Bibel. Aber ein Pastor ist explizit gekommen, um ihn dort zu treffen. Sein Name ist Joshua Himes, dem die Einladung gegeben hat im Oktober. Und er trifft ihn dort im November und sagt: "Miller, du musst nach Boston kommen." Und er bearbeitet ihn so lange, dass Miller sagt: "Okay, ich komme nach Boston." Keiner von beiden ahnt, was das für eine Auswirkung haben wird auf die nächsten Jahre.
[38:40] Zuvor, da haben wir ihn, das ist Joshua Himes. Er war damals 34 Jahre alt, ein typischer Stadtmensch, ein ganz gewandter Prediger, ziemlich brillanter Mann und eigentlich ziemlich gegensätzlich zu Miller in dieser Hinsicht. Aber er wollte unbedingt Miller hören. Und das hat große Konsequenzen.
[39:00] Zuvor hat Miller noch eine Einladung in Stoughton, Ende November, die er auch noch ausführt. Und während er dort ist, wollen wir noch ganz kurz erwähnen, was mit Charles Fitch passiert ist. Fitch war ja der andere neben Litch. Können wir uns erinnern an Litch und Fitch? Während Litch Millerit geworden ist, hatte Fitch das wieder aufgegeben, aus Angst vor den anderen Pastoren, die ihn ausgelacht haben. Aber nachdem Fitch sich erstmal von dem Adventglauben distanziert hat, hat er sich einem anderen Thema zugewandt, nämlich dem Thema Heiligung. Und in diesem Thema studiert er, dass es möglich ist, auf dieser Erde Sieg über die Sünde zu bekommen. Und das predigt er. Und als er das so predigt, werden seine Kollegen etwas nervös und sagen: "Moment mal, wie kannst du sagen, dass man hier auf dieser Erde schon Sieg über die Sünde bekommen kann? Nenn mir mal jemanden, den du kennst, der die Sünde überwunden hat." Und so schreibt er ein Buch. Das Buch heißt "Views on Sanctification", also Ansichten über die Heiligung, in denen er ganz deutlich zeigt, dass durch Gottes Gnade und Gottes Gnade allein uns die Sünde nicht nur vergeben werden, sondern wir Sünde überwinden können und Sieg über die Sünde haben können. Und das wird sein großes Lieblingsthema. Und er ist nicht der Einzige in der Zeit, der das begriffen hat und predigt. Es gibt auch andere wie Charles G. Finney. Aber wegen solcher Ansichten werden ihm jetzt große Komplikationen in seiner Kirche gemacht. Und damit muss er sich auseinandersetzen.
[40:33] Miller von Stoughton aus geht da weiter nach Kenton und predigt auch dort, wiederum in vollgepackten Räumlichkeiten. Er erhält weitere Einladungen an andere Orte. Die nimmt er aber nicht an, weil er ja jetzt im Dezember nach Boston soll. Und deswegen muss er die anderen Einladungen ablehnen.
[40:53] In der Zwischenzeit stirbt der König von Dänemark. Das ist hier Friedrich VI. Und Christian VII. wird sein Nachfolger, so nebenbei. Und dann ist es soweit. Miller hält seine erste Vortragsreihe in einer echten Metropole, in Boston. Das ist wie gesagt die Kirche von Joshua Himes, in der berühmten Chardon Street Chapel. Da passen 500 Leute rein. Und Miller predigt zweimal pro Tag. Das ging los am 8. Dezember und dann 8 Tage bis zum 16. Er schreibt auch seinem Sohn vom Fortgang dieser Serie. Und während er dort ist, beginnt auch die Zeitschrift der Christian Connection seine Vorträge abzudrücken oder im Wesentlichen seine Ansichten weiterzugeben.
[41:53] Und dann am 16. Dezember, als die Vortragsreihe so am Ende ist, kommt der Prediger der dortigen Gemeinde, Joshua Himes, auf ihn zu und sagt Folgendes. Sie haben ein längeres Gespräch. Dieses Gespräch ist so wichtig, dass wir uns mal in der Gänze anschauen wollen, aus der Sicht von Himes. "Als Mr. Miller seine Vorträge beendet hatte, fand ich mich in einer neuen Position wieder. Ich konnte nicht so glauben und predigen, wie ich es vorher getan hatte. Das hat sein ganzes Leben durcheinander gemacht, was er dort gehört hat von Miller. Licht über dieses Thema leuchtete auf meinem Gewissen Tag und Nacht. Es gab eine lange Unterhaltung mit Mr. Miller über unsere Pflichten und Verantwortung." Also der Himes war jemand, der gesagt hat: Okay, ich habe das verstanden. Aber das hatte gewaltige Konsequenzen. "Wenn Jesus bald wiederkommt, was müssen wir dann tun?" "Ich sagte zu Mr. Miller, zu Bruder Miller: Glaubst du wirklich an diese Lehre?" Er antwortete: "Ganz bestimmt, sonst würde ich sie nicht predigen." "Was tust du, um sie in der Welt zu verbreiten?" Miller sagt: "Ich habe alles getan, was ich kann und tue es noch immer." Und dann sagt Himes: "Achtung. Nun, die ganze Sache ist noch immer in der Ecke. Es gibt nur wenig Kenntnis über dieses Thema. Nach all dem, was du getan hast, mit anderen Worten, Miller ist ja schön und gut, aber kaum jemand weiß davon. Hier und dort vielleicht einige. Wenn Christus in wenigen Jahren kommt, wie du glaubst, sollte man keine Zeit verlieren, die Kirche und die Welt in Donnertönen zu warnen, um sie zur Vorbereitung aufzurütteln." "Ich weiß, ich weiß", hat Miller gesagt, "Bruder Himes. Aber was kann ein alter Farmer tun? Ich war niemals an öffentliches Sprechen gewöhnt. Ich stehe ziemlich alleine da. Und ob ich viel gearbeitet habe und viele Beklärungen zu Gott gesehen habe, scheint bisher niemand das Ziel und den Geist meiner Mission aufgenommen zu haben, sodass ich Hilfe bekommen würde. Sie möchten gerne, dass ich predige und ihre Gemeinden aufbaue. Und damit endet es bei den meisten Predigern bisher. Die laden mich immer ein, weil da Leute kommen, weil da Erweckung kommt und dann werden die Leute getauft und dann sagen die Prediger: Danke, Miller, hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Aber keiner versteht, worum es wirklich geht. Keiner hat den Geist und das Ziel der Mission wirklich verstanden." Und dann sagt Miller: "Ich habe nach Hilfe gesucht, ich möchte Hilfe." Miller versteht auch, dass er zwar ein Prediger ist, aber kein wirklicher Manager. Er kann nur von einem Ort zum nächsten gehen, aber irgendwie, ja, überall gibt es Erweckung, aber es gibt keine große, breitflächige Bewegung.
[44:19] Und jetzt sagt Himes Folgendes: "Zu diesem Zeitpunkt, als er das gehört hat, als Miller sagt, ich brauche Hilfe, legte ich mich selbst, meine Familie, die Gesellschaft, meine Reputation, alles auf den Altar Gottes, um ihm bis zum Ende mit aller meiner Kraft zu helfen." Er war ein angesehener Prediger, einer der bekanntesten Prediger in Boston, bekannt in der Antisklavereibewegung, bekannt in der Mäßigkeitsbewegung. Er sagt: "Das ist mir alles egal. Und wenn die Leute mich auslachen, ich werde Miller helfen bis ans Ende meiner Kraft." "Ich fragte ihn dann, welche Teile des Landes er besucht hatte und ob er irgendeine der führenden Städte besucht hatte, Washington, New York City, Portland." Er informierte mich über seine Arbeiten. "Ja, ich war da in der Bundesstadt New York und in dem Dorf und in dem Dorf und in dem Dorf und dann war ich in Vermont und in dem Dorf und in dem Dorf und in dem Dorf." "Ich sagte: Aber warum bist du nicht in die großen Städte gegangen?" Er antwortete, dass er es sich zur Regel gemacht hatte, nur dorthin zu gehen, wohin er eingeladen wurde. Und dass er in keine große Stadt eingeladen wurde. "Gut", sagte ich, "wirst du mit mir dorthin gehen, wo sich Türen öffnen werden?" Miller sagt: "Ja, ich bin bereit, überall hinzugehen. Und soweit es mir möglich ist, bis ans Ende zu arbeiten." "Ich sagte ihm daraufhin: Er möge sich für die Kampagne vorbereiten." Mit anderen Worten: Mach dich bereit, Miller, jetzt geht's los. So ein Typ war Himes. Denn es würde sich in jeder Stadt der Union, das heißt der gesamten USA, Türen öffnen.
[46:10] Also Miller war ein Typ, okay, ich werde eingeladen, da gehe ich hin und predige. Himes war ein Typ, der gesagt hat: Okay, in vier Jahren kommt Jesus wieder, oder fünf Jahre. Wir müssen all die Städte erreichen, was müssen wir tun? Ein Stratege, ein Manager, ein Go-Getter. Und es war genau das, was Miller gebraucht hat. Eine der wichtigsten Lektionen, die wir daraus ziehen können, ist: Gott braucht nicht nur Prediger, die die Wahrheit kennen. Er braucht auch Leute, die strategisch die Mission voranbringen können. Leute, die unternehmerischen Geist haben. Die vielleicht selbst nicht die allerbesten Prediger sind, aber die ihr ganzes Ziel, ihr ganzes Herz, ihr ganzes Herzblut hineinstecken in die Förderung des Evangeliums. Er sagt: "Es würden sich in jeder Stadt der Union Türen öffnen und die Warnung würde bis an die Enden der Erde gehen." Damit begann ich, Vater Miller zu helfen.
[46:46] Im Dezember 1839 bricht die gesamte Adventbewegung in eine völlig neue Epoche ein. Vorher war es quasi eine Miller-Bewegung, weil Miller sich bewegt hat, von einem Ort zum nächsten. Und es gab ein paar Prediger, die gesagt haben: Das finde ich gut, wir helfen dir und wir schreiben ein Buch drüber. Aber nicht wirklich systematisch. Dr. Himes sagt: Nein, das muss auf ein ganz anderes Level. Wir müssen auf die Frontseiten der Tageszeitung. Wie kommen wir da hin? Wissen wir noch nicht. Aber ich schaffe das.
[47:17] Interessanterweise, das war am 16., einen Tag später, am 17. Dezember, will Miller dort in Westford predigen, weil dort eine neue Vortragsreihe beginnen soll. Und zum ersten Mal seiner Karriere wird ihm die Kirche verwehrt, wird geschlossen. Genau in jenem Moment, als man beschließt, die Arbeit auf ein ganz neues Level zu bringen, beginnt echte Opposition gegen ihn. Sehr interessant. Könnte passieren, dass uns das auch noch so gehen wird, dass in dem Moment, wo wir wirklich systematisch anfangen wollen zu arbeiten, die Opposition viel stärker wird. Die erste Kirche, die geschlossen wird in Westford, so muss er von Westford nach Linden gehen und dort seine Vortragsreihe halten. Und dann kehrt er Ende Dezember am 28. nochmal zurück nach Boston, um dort eine weitere Vortragsreihe zu halten. Er und Himes hacken jetzt aus. Sie wollen sein Buch neu herausbringen, und zwar von einem Bostoner Verleger. Und sie wollen eine Zeitschrift gründen, eine Zeitung, die überall erhalten werden kann, sodass man seine Ansichten jetzt als Zeitung lesen kann. Und wie das ausgegangen ist, werden wir das nächstes Mal sehen.
[48:31] Ganz am Ende wollen wir noch ganz kurz erwähnen, wie es Ellen Harman gegangen ist, die, wie wir letztes Mal gesehen haben, die Schule aufgeben musste. Sie hat, wie gesagt, nicht mehr zur Schule gehen können. Sie war jetzt mittlerweile elf, zwölf Jahre alt, zehn, elf Jahre alt. Und wurde zu Hause von ihrer Mutter unterrichtet in den praktischen Dingen des Haushalts und hat ihre ganze freie Zeit hier in diesem Park verbracht, im Deering Oaks Park. Sieht heute ganz anders aus als damals. Damals gab es noch mehr Bäume, weniger Tennisfelder. Das war so ihre Kindheit jetzt. Aber sie hat echte Depressionen gehabt. Und das schreibt sie folgendermaßen. Elfjähriges Mädchen: "Ich war mit meinem Schicksal nicht versöhnt und mochte manchmal gegen die Vorsicherung Gottes, die mich so plagte. Gott, warum hast du es zugelassen, dass ich diesen Unfall hatte? Warum kann ich nicht zur Schule gehen wie alle anderen Kinder? Warum geht es mir so schlecht? Warum bin ich so krank?" "Ich verbarg meine trüben Gefühle vor meiner Familie und meinen Freunden, da ich fürchtete, sie könnten mich nicht verstehen." "Dies war ein Fehler", schreibt sie im Nachhinein dann. "Hätte ich mich meiner Mutter gegenüber geöffnet, hätte sie mich leeren besänftigen und ermutigen können. Ich verschloss meinen geheimen Schmerz in meinem Herzen und suchte nicht den Rat von erfahrenen Christen, wie ich es hätte tun sollen. Niemand sprach mit mir über die Erlösung meiner Seele. Und niemand betete mit mir. Ich fühlte, Christen seien so weit von mir entfernt, so viel edler und reiner als ich selbst." Schon mal so gedacht? Dass ich es nicht wagte, sie wegen dem Thema anzusprechen, dass meine Gedanken einnahmen. Und ich schämte mich, den verlorenen und miserablen Zustand meines Herzens zu offenbaren.
[50:12] Während also Miller mit Himes einen besten Freund gewonnen hat, ist Ellen Hamel mit ihren 11 Jahren in echter Traurigkeit. Was soll einem das Leben, wenn man schon mit 11 Jahren nicht wirklich weiß, wie es weitergehen soll? Wie das ausgegangen ist, oder zumindest weitergegangen ist, sehen wir nächste Woche, wenn es heißt: "Ellen hört Miller." Und dann werden wir sehen, wie Gott auch dort gewirkt hat und das weitergeführt hat. Bis dann wünschen wir euch Gottes Segen. Und wir werden jetzt gleich eine kurze Pause haben. Aber ich glaube, wir haben heute einiges gelernt über die Art und Weise, wie Gott in der Lage ist, eine Bewegung, die lange Zeit relativ stabil im Kleinen gewesen ist und dort viel Gutes getan hat, über Nacht auf eine andere Ebene zu bringen. Wir werden sehen, im Jahre 1840 ist die Miller-Bewegung nicht mehr das, was sie vorher gewesen ist. Sie kommt plötzlich auf eine ganz andere Ebene. Das gibt mir die Hoffnung, dass auch wenn wir über einen langen Zeitraum einfach treu unsere Aufgabe tun, Gott zum richtigen Zeitpunkt die Menschen senden wird, die unsere Botschaft systematisch ganz schnell in die ganze Welt verbreiten können. Denn wir haben nichts für die Zukunft zu befürchten, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Gottes Segen, jetzt haben wir eine kurze Pause. Amen.
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