Veröffentlicht am
1.429 Klicks

In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ beleuchtet Christopher Kramp die turbulenten Jahre 1808 und 1809. Er thematisiert die politischen Umwälzungen unter Napoleon, die religiösen Entwicklungen in den USA und die wachsende Auseinandersetzung mit biblischer Prophetie. Die Episode wirft Licht auf wichtige Ereignisse wie das Verbot des Sklavenhandels in Amerika, die erneute Besetzung Roms durch die Franzosen und die Anfänge des Guerillakriegs in Spanien. Zudem werden theologische Debatten und die Entdeckung archäologischer Funde beleuchtet, die das Verständnis der biblischen Zeitlinien beeinflussten.


Weitere Aufnahmen

Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:00] Ja, einen wunderschönen guten Abend erneut zu unserer Serie "Die Zeit des Endes". Schön, dass ihr hier live vor Ort seid. Schön, dass ihr zuschaut auf www.joelmedia.de. Wir haben heute eine weitere Folge. Wir werden uns heute, entgegengesetzt der Ankündigung, nicht mit vier Jahren, sondern nur mit zwei Jahren beschäftigen, mit den Jahren 1808 und 1809. So viel Material, dass wir es niemals in der vorgegebenen Zeit geschafft hätten. Deswegen haben wir es einfach geteilt. Und heute heißt unser Thema: Wege und Irrwege.

[0:33] Wir haben jetzt ja schon in den wenigen Wochen, die wir behandelt haben, zehn Jahre abgehandelt. Wir haben zehn Jahre besprochen, seit 1798 bis 1807. Und ohne, dass wir sie lange zusammenfassen, sind ja im Internet dann alle nachzuvollziehen, haben wir gesehen, dass innerhalb dieser zehn Jahre ein Mann die ganze Welt verändert hat: Napoleon. Ich war von einem erfolgreichen Soldaten hin zu dem Diktator über ganz oder fast ganz Europa. Wir haben gesehen, dass es zeitgleich eine ganze Reihe von interessanten religiösen Entwicklungen gab, insbesondere im Land der USA. Und wir haben gesehen, dass überall verschiedene Leute immer mehr Interesse bekommen haben an der Prophetie.

[1:14] Eine Sache, die wir das letzte Mal noch vergessen haben, die möchte ich noch kurz nachreichen. Und dann werden wir in unser Thema hineingehen. Und bevor wir das tun, wollen wir ganz kurz ein Gebet sprechen, wie jeden Abend. Und dann geht es hinein ins Thema. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir auch heute uns wieder ein wenig Zeit nehmen dürfen, um über das nachzudenken, wie du in der Geschichte gewirkt hast und wie du dein Volk geführt hast, wie Stück für Stück bestimmte Wahrheiten entdeckt worden sind. Und wir bitten dich, dass wir auch heute wieder praktische Lektionen lernen dürfen und dass wir erkennen können, dass wir nichts zu befürchten haben, es sei denn, wir vergessen, wie du uns in der Vergangenheit geführt hast. Amen.

[1:55] Eine Sache, die wir letztes Mal nicht erwähnt haben, aus dem Jahre 1807 noch, und zwar, das fand ich noch ganz interessant: Ein schottischer Missionar hat in Indien Christen entdeckt, und zwar Überreste der sogenannten Sankt-Thomas-Christen. Als diese verschiedenen Missionare nach China und nach Indien gehen, zumindest in Indien, stoßen sie auf Überreste von ursprünglichen urchristlichen Gemeinden, die da seit dem ersten, zweiten, dritten, vierten Jahrhundert nach Christus gelebt haben. Und dieser spezifische Missionar, Claudius Buchanan, so wird er wahrscheinlich ausgesprochen, entdeckt dort an der Südwestküste von Indien Überreste dieser Sankt-Thomas-Christen, die ihre Kirche zurückverfolgen auf Thomas, den Missionar. Und sie haben noch eine Bibel in Aramäisch, halten ihre Gottesdienste sogar noch in Aramäisch ab, kann man sich das vorstellen, mitten in Indien. Und sie haben viele Überzeugungen, die noch ganz nah an der Bibel sind. So glauben sie, zum großen Erstaunen der Missionare, nicht, dass die Seele unsterblich ist. Wir haben ja gesehen, dass es gerade in dieser Zeit um 1800 die ersten Menschen gab, also nicht die ersten Menschen, aber die ersten der Neuzeit, die angefangen haben darüber nachzudenken, wie das mit dem Zustand der Toten ist. Und hier findet einer der Missionare, mitten im Dschungel Indiens, Christen, die seit Jahrhunderten davon überzeugt waren, dass die Seele nicht unsterblich ist. Das fand ich noch ganz interessant und das wollte ich noch kurz nachreichen.

[3:25] Jetzt gehen wir ins Jahr 1808, Wege und Irrwege. Der Weg von US-Präsident Jefferson war fast ans Ende angekommen, es war sein letztes Jahr. Und er hat hier in seinem letzten Jahr einen interessanten Ausspruch gemacht, der nicht ganz unwichtig ist, weil es schon zu dieser Zeit immer wieder Bestrebungen gab, das Christentum doch irgendwie als Staatsreligion in den USA festzusetzen. Wir haben es schon gesagt, in den Jahren zuvor gab es hier und da in einigen Staaten Bestrebungen, Sonntagsgesetze zu erlassen. Und US-Präsident Jefferson, der selbst kein überzeugter Christ war, sondern ein Deist, aber der sehr klare Prinzipien hatte, schreibt hier in einem seiner Werke: "Der Regierung der Vereinigten Staaten ist es durch die Verfassung verboten, sich in religiöse Institutionen, Lehren, Disziplinen oder Übungen einzumischen." Also gerade hier zu Beginn der Geschichte der Vereinigten Staaten gab es eine große Debatte, und einige dieser frühen Präsidenten haben sehr deutlich ein Zeichen dafür gesetzt, dass der Staat sich nicht in die Religion einmischen darf.

[4:27] Es war auch in diesem Jahr 1808, dass dann endlich die Sklaverei, zumindest die Einfuhr von Sklaven in Amerika verboten worden ist. Also bis 1808 war das noch erlaubt, und ich glaube, jeder von uns weiß, dass die Sklaverei in Amerika ein heiß debattiertes Thema war. Die Nordstaaten hatten keine Sklaven, die Südstaaten hatten Sklaven, und das hat noch für Jahrzehnte dann weiter dafür Trubel gesorgt.

[4:50] Und ebenfalls im Jahr 1808 passierte etwas, was bereits 10 Jahre zuvor passiert ist. Ich glaube, manch einer hat ein Déjà-vu gehabt, denn im Jahr 1808, wiederum im Februar, also ziemlich genau 10 Jahre danach, haben die Franzosen erneut Rom besetzt. Warum das? Die Franzosen und Napoleon hatten ja dem Papst Pius VII. ein paar Rechte eingeräumt, der durfte jetzt ja im Vatikan sein, und er hat ja sogar dem Napoleon den Papst bei seiner Kaiserkrönung zugelassen, mehr so als äußeres Spektakel. Aber irgendwie hat der Papst nicht ganz begriffen, dass Napoleon ihn nur als Untertan gesehen hat. Napoleon hat das immer wieder auch deutlich gemacht, hat dem Papst gesagt: "Nun bitte, trete in den Krieg gegen England ein, du bist mein Untertan, nicht wahr? Wie all die anderen Nationen, wie Bayern und Baden-Württemberg und all die anderen europäischen Länder." Und so hat er auch den Kirchenstaat gesehen und hat gesagt: "Nun, jetzt kämpf an meiner Seite, du bist mein Untertan." Das hat er 1807 gesagt, und der Papst hat natürlich dagegen protestiert. Der war der Meinung, dass er nicht der Untertan eines weltlichen Herrschers sein kann. Und das ist auch in der Presse damals verfolgt worden, dieser Kampf zwischen dem Papst und Napoleon. Hier in einer englischen Zeitung, Januar 1808, heißt es: "Diese Macht vom Papst war graduell verringert worden, bis sie durch den gegenwärtigen Kaiser von Frankreich ausgelöscht wurde. Erlaubte es ihm, die Schlüssel von St. Peter zu tragen unter einem Konkordat, das er vorgeschrieben hat." Also auch die Journalisten der damaligen Zeit, die Reporter, wussten, dass der Papst nur die Macht, die Napoleon ihm übergeben hat. Und weil der Papst das selbst nicht richtig einsehen wollte, hat sich Napoleon entschieden, dann 1808 wiederum Rom zu besetzen.

[6:32] Hier haben wir eine kurze Ausgangssituation, wie es Anfang 1808 aussah in Europa. Wie schon gesehen, quasi alles in Zentraleuropa bis runter nach Spanien gehörte... Also all diese Staaten hier, die wir hier sehen, sind alle entweder alliiert mit Frankreich oder sind direkt von Napoleon regiert, oder sie gehören einem der Brüder von Napoleon. Spanien war auch alliiert, Dänemark war alliiert. Die einzigen neutralen Staaten, die es noch gab, waren hier Schweden und Portugal. Und hier war ja bereits ein französisches Heer einmarschiert. Und Napoleon hat sich gedacht: "Ich muss irgendwie auch Schweden noch auf meine Seite kriegen." Und das kriegt man am besten durch Krieg. Aber in dem Fall hat er seine Alliierten verwendet. Er hat Russland befohlen, in den Krieg zu ziehen gegen Schweden. Und er hat Dänemark gezwungen, gegen Schweden Krieg zu führen. Und so kam es dann zu diesen Kriegserklärungen im Februar und im März. Und die Russen sind gleich kräftig marschiert, sind nach Finnland einmarschiert und haben dann auch einen Großteil Finnlands erobert.

[7:56] Das ist eine Zeitschrift, die, wie wir schon gesehen haben, in den letzten Jahren, ab 1804 regelmäßig erschienen ist, der "Christian Observer". Und ab 1807, Ende 1807 und Anfang 1808, begann sich hier eine ausgedehnte Diskussion zu entspannen über die Prophetie. Was vorher nur einzelne Prediger gewesen waren, die hier mal da ein Buch geschrieben haben und dort mal da ein Buch geschrieben haben, das begann jetzt auf einer monatlichen Basis, begann man jetzt die Prophetie zu studieren. Daniel 2 war bei allen klar: Babylon, Medopersien, Griechenland, Rom. Das haben alle so gesehen, geteiltes Europa. Obwohl sich natürlich alle gefragt haben, wie wird das jetzt mit Napoleon? Die großen Streitfragen waren in Daniel 7. Man hat sich gefragt, sind jetzt die 1062 Jahre vorbei oder sind sie noch nicht vorbei? Da gab es vor allem zwei bedeutende Leute. Den einen kennen wir schon, den Stanley Faber. Der hat gesagt: "Nein, nein, die 1062 Jahre, die enden erst 1866." Und ein anderer, der hier geschrieben hat, William Cunningham, einer meiner Lieblingsautoren aus der Zeit, ein schottischer Laie, kein Theologe, hat gesagt: "Nein, die 1062 Jahre sind schon vorbei." Und das ist der Punkt, wo er das schreibt: "Die 1062 Jahre sind schon vorbei."

[9:07] Ein anderer Streitpunkt war die Frage von Daniel 8. Denn Faber meinte, das kleine Horn von Daniel 8 ist nicht schon wieder das Papsttum, das ist ja langweilig. Das Papsttum ist zwar in Daniel 7 beschrieben, aber in Daniel 8 geht es um den Islam. Und hier in dieser Zeitschrift schreibt dann sein Gegenüber Cunningham: "Nein, das kleine Horn in Daniel 8 ist auch der Islam." So ging es also hin und her. Man hat jetzt vor allem über Daniel 8 diskutiert und insbesondere über die 2300 Abend und Morgen. Wobei immer noch nicht ganz klar war, ob das jetzt 2300 sind oder 2400. Faber meinte, es sind 2400, weil es da ein Manuskript gab. Und Cunningham meinte: "Nein, es sind 2300, weil alle anderen Manuskripte 2300 sagen." Man konnte also diese Zeitschriften lesen in England, in Amerika. Und jeden Monat konnte man Artikel lesen, die jetzt eine Sicht befürwortet haben. Und es gab Argumente dafür und dagegen. Es war wirklich spannend. Und wenn man wirklich mal nichts zu tun hat, kann man sich das alles aus dem Internet herunterladen und tausende Seiten von Artikeln lesen. Es ist wirklich spannend, wie die so hin und her argumentiert haben und wie sich so langsam, aber sicher durch wirkliches Ringen mit der Bibel so ein Verständnis herauskristallisiert hat über Daniel 8.

[10:20] Dann hat sich Napoleon gesagt, um den Einmarsch in Portugal zu unterstützen, muss ich mit meinen Truppen auch in das befreundete Spanien hineingehen. Und das haben die Spanier aber nicht so toll gefunden. Deswegen begann am 2. Mai 1808 der Spanische Aufstand. Und dieser Spanische Aufstand war deswegen so interessant, weil es war der erste Guerillakrieg, also ein Krieg, wo nicht ein Staat gegen den anderen kämpft, sondern wo die Bevölkerung oder die spanischen Soldaten sich in den Untergrund gezogen haben und dann die Franzosen aus dem Hinterhalt immer angegriffen haben. Und Napoleon hat dann gesehen, er muss da das Ganze beruhigen und muss da mit harter Hand eingreifen und hat dann den spanischen König abgesetzt. Und wen hat er wohl zum neuen König gemacht? Einen Bruder, ganz genau. Josef, der war vorher König von Süditalien, von Neapel gewesen, der hat dann nach Spanien geordert, der wurde jetzt König von Spanien. Das Dumme war, er musste sich sein eigenes Königreich erst noch richtig erobern, weil wie gesagt, die Spanier nicht davon begeistert waren. Und so musste er also sein eigenes Land erobern mit einer fremden Armee. Bisschen seltsam, aber so war das damals.

[11:29] Und mitten dieser Zeit, Mitte Mai, war dann die Zeit gekommen für unseren Joseph Bates, den wir letztes Mal auch wieder behandelt haben, diesen jugendlichen Seefahrer, seine zweite Schiffsreise anzutreten. Er war jetzt mittlerweile 16 Jahre alt und diesmal reist er von Amerika nach Archangelsk. Weiß jemand, wo Archangelsk liegt? Das liegt hoch oben im Norden. Ich weiß nicht, ob es auf der Karte, kann man es nicht mehr sehen, das liegt hier irgendwo da hinten. Im Norden Russlands. Also aus Amerika den ganzen weiten Weg nach Russland, ist er mit dem Schiff gefahren, das hat mehrere Monate gedauert. Aber sie sind beinahe gar nicht angekommen, weil schon vor Neufundland das Schiff mit einem Eisberg kollidiert ist. Die gibt es immer mal wieder da. Und er war noch relativ jung, wie gesagt. Und er hatte gemerkt, dass es ein Fehler des Kapitäns gewesen war, der nicht geglaubt hat, dass zu dieser Jahreszeit dort im Mai Eisberge im Wasser schwimmen könnten. Und als dann der Eisberg getroffen war, hat sich der Kapitän eines Besseren belehren lassen, aber dann war es schon zu spät. Und während alle anderen Seemänner versucht haben, das Schiff noch zu retten, kniete der Kapitän und betete zu Gott und flehte um Hilfe. Das hat dann den ersten Matrosen so sehr aufgebracht, dass er geschworen hat, den Kapitän über Bord zu werfen. Aber es war tatsächlich Joseph Bates, der mit einer klugen Idee das Schiff gerettet hat und so konnte man dann sich retten und vom Eisberg loskommen. Und dann in Irland haben sie Halt gemacht, haben das Schiff repariert und sind dann weiter nach Russland gefahren, an Norwegen vorbei.

[13:10] Auf dem Rückweg haben sie sich dann einer britischen Flotte angeschlossen. Das war, wie gesagt, sehr gefährlich in den damaligen Zeiten. Es war Wirtschaftskrieg und ganz Europa war ja gesperrt für britische Schiffe. Und auch amerikanische Schiffe waren nicht gern gesehen. Sie haben sich einer britischen Flotte angeschlossen, einem Konvoi und sind dann wiederum nur knapp einem Schiffsbruch entgangen. Aber das war noch nicht alles. Als sie dann so auf der Höhe Norwegen-Dänemark waren, sind sie von dänischen Kanonenbooten angehalten worden. Und die Dänen, wie gesagt, waren ja Verbündete von Napoleon und haben gesagt: "Seid ihr mit Briten zusammengefahren?" Was soll man sagen, nicht wahr? Und da die Kanonen hatten auf ihren Booten, konnte man jetzt nicht groß was Falsches behaupten. Und dann wurde das gesamte Schiff konfisziert und Joseph Bates war plötzlich Gefangener und wurde nach Kopenhagen geschleppt. Da wurden sie alle vor ein Gericht gebracht und mussten jetzt einzeln aussagen, ob sie mit den Briten gefahren waren oder nicht. Der Schiffseigentümer hatte ihnen gesagt: "Wenn sie euch erwischen, sagt auf keinen Fall, dass ihr mit den Briten gewesen seid." Okay. Und die Dänen, die das jetzt rauskriegen wollten, haben sich überlegt: "Wir fangen nicht die ganze Mannschaft zusammen, wir fragen jeden Einzelnen. Und wir fangen an bei dem Jüngsten." Wer war der Jüngste an Bord? Joseph Bates.

[14:35] Da kam er dann in diesen Raum hinein. Großes Gericht vor ihm, viele Leute, Admiral oder wer auch immer, haben ihn böse angeguckt und haben gesagt: "Sie müssen jetzt schwören auf die Wahrheit. Und wir haben hier eine Eidesmaschine, so eine mechanische Vorrichtung, da legt man drei Finger hinein. Und sollte sich herausstellen, dass sie irgendwann mal nicht die Wahrheit sagen, dann gibt es so eine Art Mini-Guillotine, da werden ihnen drei Finger abgeschnitten." Er hat nochmal kurz überlegt, hat sich an den Rat des Eigentümers erinnert und dann geguckt auf die drei Finger und hat sich gesagt: "Naja, Schiffseigentümer hin oder her, meine drei Finger sind mir lieb, ich erzähle ihnen einfach, dass wir mit den Briten gefahren sind." Es stellte sich heraus, dass alle Schiffsmänner der gleichen Meinung waren. Und so sind sie dann noch freigekommen. Sie haben dann festgestellt, sie haben einige holländische Seeleute getroffen, denen auch das gleiche widerfahren war, die sich nicht für die Wahrheit entschieden hatten und die dann plötzlich nur noch zwei Finger an der Hand hatten. Das waren harte Zeiten damals. Aber so hat Joseph Bates seine Finger retten können und er war dann erstmal in Dänemark festgesetzt, sozusagen.

[15:41] Währenddessen wurde Joseph Bonaparte jetzt zum König von Spanien gekrönt, musste aber erst sein eigenes Land erobern. Wie gesagt, hier zum Beispiel die Belagerung von Zaragoza. Die waren also wirklich nicht begeistert von den Franzosen. Die erste Belagerung ist auch erfolglos geblieben und auch die französische Armee hat zum Teil große Niederlagen erlitten. So zum Beispiel vom 18. bis 22. Juli. Hier ergeben sie sich in Südspanien. Aber Ende Juli gelingt es dann Josef doch, sein Land zumindest teilweise zu erobern. Er zieht in Madrid ein, ist König und schafft die Inquisition ab. Die Inquisition, interessanterweise, hat bis zu diesem Zeitpunkt 341.000 Ketzer verurteilt in den vergangenen Zeiten. Und wo die Franzosen hinkommen, man kann ja über sie denken, was man will, aber die Inquisition haben sie überall abgeschafft. Das war zumindest eine gute Sache.

[16:40] Es war dann ebenfalls im Juli, wo ein amerikanischer Pastor eine interessante Predigt gehalten hat. Wenn Pastoren damals Predigten gehalten haben, dann war eines ihrer Lieblingstitel meistens "Signs of the Times" oder "Signs of the Last Times". Die Zeichen der Zeit. Wenn man in der Zeit gelebt hat, konnte man die Zeichen der Zeit ja gar nicht übersehen. Kriege und Kriegsgeschrei auf allen Seiten. Und so spricht auch er von den erstaunlichen Umwälzungen der vergangenen Jahre. Und er sagt: "Der erste Engel aus Offenbarung 14 fliegt schon." Damit meint er die ganzen Missionsgesellschaften, die vor kurzem entstanden sind. Und das war so die gegenwärtige Meinung.

[17:19] Dann im August ist dieser Stein hier entdeckt worden. Weiß jemand, was das für ein Stein ist? Rosetta haben wir schon entdeckt, nicht wahr, 1799. Das war ein zweiter wichtiger archäologischer Fund. Das ist der sogenannte Moabiter Stein oder die Meschastele. Und zwar, hier ist sozusagen der Text in modernem Hebräisch abgeschrieben. Es war Moabitisch und Hebräisch quasi die gleiche Sprache, ganz wenig Unterschied nur. Und das war ein sensationeller Fund. Weil ja just in dieser Zeit, als so viele Menschen an der Bibel gezweifelt haben und ob das überhaupt die Wahrheit ist, wir haben über den Deismus gesprochen, wie auch Miller gesagt hat, man kann der Bibel nicht vertrauen, hat man diesen Stein hier gefunden. Und dieser Stein enthält einen Bericht vom moabitischen König, der quasi identisch ist mit einer Geschichte aus der Bibel in 2. Könige 3, Verse 4 bis 8. Das ist die Geschichte, wo Israel mit einigen Verbündeten gegen Moab Krieg führt und dann Moab besiegt und dann die letzte Stadt einnehmen will und dann der moabitische König seinen eigenen Sohn opfert auf der Stadtmauer. War die Geschichte gelesen? 2. Könige 3. Das wird hier nochmal beschrieben. Und das war natürlich ein schwerer Schlag für all die Bibelskeptiker, weil plötzlich man auch außerbiblische Quellen gehabt hat, die bewiesen haben, die Bibel beschreibt geschichtliche Fakten. War ganz interessant, wie das alles so zusammenkam in der Zeit.

[18:41] Am 1. August haben dann die Briten gedacht: "Wir müssen irgendwas tun, ansonsten erobert Napoleon den ganzen Kontinent." Am 1. August sind die Briten in Portugal gelandet, um den Portugiesen zu helfen, die Franzosen in die Flucht zu schlagen. Tatsächlich, drei Wochen später, in der Schlacht von Vimeiro haben sie die Franzosen besiegt und Portugal musste von den Franzosen erstmal wieder geräumt werden.

[19:04] Schauen wir uns den an. Ich glaube, den haben wir das letzte Mal schon angeschaut. Können wir uns den erinnern? Können wir uns an den Namen noch erinnern? So viele Namen nicht, weil die wir kennenlernen. Viele Namen können wir vergessen. Aber der ist ganz interessant. Sein Name ist Elias Smith. Er war derjenige, der durch Bibelstudium entdeckt hat, dass die Toten tot sind und schlafen. Er war ein Erweckungsprediger und hat dementsprechend diese Botschaft unter viele Leute gebracht. Er hat 1808 eine Zeitschrift herausgebracht. Er glaubte, es wäre die erste religiöse Zeitschrift der Welt. Das stimmt nicht ganz, es gab schon ein paar Jahre vorher. Aber es war eine der größten zu der Zeit. Zu der Zeit haben religiöse Zeitschriften manchmal eine größere Auflage gehabt als die weltlichen Zeitungen. Seine Zeitschrift hieß "Herald of Gospel Liberty", der Herald der Evangeliumsfreiheit.

[19:59] In dieser Zeit war er einer der Mitgründer einer neuen Denomination, die wir im Laufe der nächsten Jahrzehnte noch kennenlernen werden, die sehr wichtig war: die sogenannte Christian Connection. Es gab mehrere Bewegungen, die sich gemeinsam gefunden haben. Er war einer von ihnen, besonders aus dieser Erweckungsbewegung heraus. Viele von diesen Anhängern der Christian Connection, wie er Elias Smith, waren der Überzeugung, dass wenn man stirbt, man tatsächlich tot ist. Das war die erste Denomination in Amerika, die das so geglaubt hat. Das Kredo der Christians, wie sie auch genannt wurden, war: "Die Bibel und die Bibel allein." Klingt ganz bekannt, oder? Das war ein Wahlspruch von Eli Smith und anderen, die gesagt haben: "Wir wollen nicht mehr Glaubensbekenntnisse der Methodisten und der Baptisten und der Presbyterianer. Wir wollen nur die Bibel haben." Wir werden später sehen, dass etliche der Adventpioniere aus dieser Kirche kamen. Das war also für sie eine besondere Heimat. Und hier am 8.08 ist diese Zeitschrift gegründet worden. Es gibt noch andere Pastoren, wie zum Beispiel der Pastor Willie White aus Pennsylvania, der ebenfalls genau dieses Verständnis hat und einige andere.

[21:12] Smith beschreibt das so. Er beschreibt, es gibt fünf Höllen. Es gibt die heidnische Hölle, die mohamedanische Hölle, die päpstliche Hölle, die protestantische Hölle und die Hölle der Schrift, oder das, was in der Bibel erwähnt wird. Und er sagt, die ersten vier Höllen sind immer die gleichen: ein Ort, wo man auf ewig brennt. Und manchmal sind das, ob das nur in der griechischen Mythologie ist oder im Islam oder das Fegefeuer und dann die Hölle im Papsttum oder auch die kalvinistische Hölle, immer das Gleiche. Aber er sagt, die biblische Hölle ist ganz anders. Die biblische Hölle ist ein Ereignis, kein Ort, wenn am Ende der Zeit das Feuer vom Himmel fällt und man nicht ewig brennt, sondern verbrennt. Und das hat er, wie gesagt, 1808 schon in einem seiner Bücher, das er geschrieben hat, bekannt gegeben.

[22:00] Interessanterweise war derselbe Elias Smith auch jemand, der sich nach den Zeichen der Zeit ausgesehen hat und in einem seiner Predigten erwähnt er den schwarzen Tag von 1780. Haben wir davon gehört? Schwarzer Tag, 1780? Der Tag, als in Amerika am 19. Mai die Sonne völlig schwarz wurde. Übernatürliches Ereignis, keiner konnte es erklären. Eine Erfüllung einer Prophezeiung im sechsten Siegel. Und Elias Smith, der darüber gepredigt hat, gesagt hat: "Schaut her, es ist jetzt schon 28 Jahre her, dass dieser schwarze Tag gewesen ist." Er wusste, dass das sechste Siegel auch noch ein drittes Zeichen ankündigt, neben dem großen Erdbeben von Lissabon, 1755, dem schwarzen Tag, 1780. Er sagt, es muss auch noch einen Sternenfall geben. Irgendwann müssen auch noch die Sterne fallen. Da wird beschrieben, dass die Sterne fallen werden im sechsten Siegel. Und so schreibt er schon am 15. September in seiner Zeitschrift: "Ob es schon bestimmte Zeichen in den Sternen gab, kann ich nicht sicher feststellen, aber da es so viele andere Zeichen gibt, mögen wir es bald erwarten." Das heißt, noch lange bevor der Sternenfall tatsächlich stattfand, wir wissen ja, kommen wir noch später zu, wann er wirklich gewesen ist, gab es schon Leute, die durch das Studium vom sechsten Siegel gesagt haben: "Moment einmal, da müssen wir bald jetzt darauf warten, dass es einen Sternenfall gibt, bevor es wieder kommt." Ganz interessant, finde ich. Manchmal denkt man ja, diese Dinge hat man immer erst danach entdeckt, nachdem sie stattgefunden haben. Ich war in der Bibel. Aber die meisten Prophezeiungen sind vorher schon entdeckt worden, bevor sie stattgefunden haben.

[23:30] Genau, das haben wir. Kommen wir jetzt hierzu. Napoleon hat 1808 einen großen Fürstenkongress gegeben für all die Fürsten und Könige, die mit ihm alliiert waren in Zentraleuropa. In Erfurt hat er sogar eine Begegnung mit dem Zar gehabt, hat Goethe getroffen und soll ausgerufen haben: "Was für ein Mann!" Politisch war das völlig bedeutungslos. Er wollte einfach die Größe seines Imperiums zeigen. Es gab viele Theateraufführungen, Jagden usw. Er konnte sich aber nicht lange daran freuen, weil sein Bruder Josef Bonaparte es einfach nicht geschafft hat, Spanien zu befrieden. Und so musste er im Oktober selbst nach Spanien und da das Zügel in die Hand nehmen und Madrid erneut erobern und ein bisschen für Ordnung sorgen.

[24:19] Im Dezember dann gab es Wahlen und der nächste Präsident, der vierte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde gewählt und das war James Madison. Ganz genau.

[24:37] Vielleicht noch eine interessante Geschichte aus dem Jahr 1808. Und zwar folgende. Und die ist wirklich sehr, sehr wichtig. Achtung, aufgepasst. Ein Prediger. Sein Name war William C. Davis. Er war 48 Jahre alt und er kam aus dem Süden, also hier aus South Carolina. Und er hat mal wieder ein bisschen in der Bibel gelesen, hat Daniel studiert, wie das ja damals gang und gäbe war und hat sich gefragt, wie das mit diesen 2300 Abend und Morgen ist. Er hat schon vielleicht sicherlich einige Kommentare gelesen und wusste, es gibt unterschiedliche Theorien. Und während er das so liest und studiert, kommt ihm eine Idee. Er sieht etwas, was er vorher in keinem Kommentar jemals gesehen hat. Er kommt auf die Idee, dass der Anfangspunkt von Daniel 8, der 2300 Abend und Morgen, gar nicht in Daniel 8 zu finden sein könnte, sondern in Daniel 9. Und als er plötzlich diesen Geistesblitz hat, schreibt er später dann: "Es war für ihn plötzlich wie das Ei des Kolumbus." Kennt ihr die Geschichte mit Kolumbus? Alle Offiziere haben versucht, wie man ein Ei gerade hinstellen kann. Keiner hat es geschafft, Kolumbus hat draufgehauen und plötzlich stand es. Für ihn war das wie das Ei des Kolumbus, hat er geschrieben. Als er plötzlich gesehen hat, dass Daniel 9, die Erklärung von Daniel 8, sozusagen nur ein Anhang ist von Daniel 8, hat er sich gewundert, wie 1600 Jahre lang in der Kirchengeschichte das niemand hatte sehen können.

[26:08] Und er rechnet da so ein bisschen rum und er überlegt sich jetzt, ob man das sogar vielleicht das Datum dann ausrechnen könnte. Er geht davon aus, dass Jesus im Jahre 30 getauft worden ist. Kann sich jemand vorstellen, warum? Ganz einfache Logik. Jesus war wie alt? 30, nicht wahr? Und 30 nach Christus, dann ist er 30 getauft worden, nicht wahr? Er erkennt zwar schon diese Debatte, dass Jesus vielleicht sogar einige Jahre vor Christus geboren worden ist, weil das vor Christus, nach Christus nicht ganz exakt ist. Aber er sagt: "Okay, wenn ich mich irre, dann irre ich mich höchstens um 3-4 Jahre. Aber nehmen wir mal an, Jesus ist im Jahre 30 getauft worden, dann rechnet er ein bisschen rum, kommt mit den 70 Jahrwochen und 2300 Abend und Morgen, dann auf das Jahr 1847. Und er sagt: "Wenn ich mich geirrt habe mit dem Datum der Taufe, dann ist es vielleicht im Jahre 1843, aber ungefähr in dieser Zeit muss es sein." Und er beschreibt das als den großen Clou. Er schreibt noch kein Buch darüber, aber er hat es entdeckt ungefähr im Jahre 1808. Und wie gesagt, William Miller hat zu dem Zeitpunkt nicht mal geglaubt, dass die Bibel von Gott inspiriert ist. Gott hat seine Zeugen schon lange vorher an den unterschiedlichsten Stellen gehabt.

[27:23] Es gab übrigens noch einen Pastor, der im gleichen Jahr auf die gleiche Idee gekommen ist, aber der war so dumm, verzeihung, wenn ich das sage, dass er seine eigene Idee wieder verworfen hat. Das war der Pastor John King, er kam aus Pennsylvania und er kam auch auf diese Idee, dass eventuell die 70 Wochen aus Daniel 9 die Erklärung für die 2300 Jahre sein könnten, aber dann hat er diesen Gedanken verworfen und gesagt: "Nee, das ist Quatsch." Wir sehen also, wie Wege und Irrwege sich nicht mal kreuzen in diesen Jahren und das sich so langsam beginnt heraus zu kristallisieren.

[27:57] Vielleicht noch einige kurze Bemerkungen zum Jahr 1800. Also hier, das war jetzt 1808 am Ende des Jahres. Wir sehen Spanien noch lange nicht in französischer Hand. Das war noch schwer umkämpft. Und jetzt geht es ganz kurz ins Jahr 1809.

[28:08] In Spanien, wie gesagt, großer Aufstand. Das Bild ist, glaube ich, relativ bekannt, oder? Das ist ein Bild, das beschreibt, wie die französischen Soldaten die spanischen Aufständigen behandelt haben. Die haben sie nämlich alle erschossen. Da war natürlich ganz schön was los in der Zeit und die Spanier haben sich nicht ergeben. Sie haben weiter ihren Untergrundkrieg geführt. Anfang 1809 sind dann die Franzosen sehr energisch vorgegangen. Sie haben Zaragoza erobert. Sie haben dann verschiedene Siege gegen die Spanier errungen im Februar und sind im März auch wieder nach Portugal einmarschiert. Und Krieg war jetzt sozusagen an der Tagesordnung wieder. Man hat ja fast den Eindruck, es gab nur Krieg, nicht wahr? Und ich verspreche, es wird irgendwann auch aufhören. Aber in dieser Zeit gab es fast nur Krieg.

[29:02] Und zwar am 9. April begann der nächste Krieg mit Österreich. Die Österreicher hatten ja bereits schon einen Krieg. Die Österreicher hatten ja bereits schon, wie oft, dreimal verloren gehabt in den letzten Jahren. Aber irgendwie waren sie der Meinung, wenn sie jetzt noch mal Krieg führen, vielleicht haben sie jetzt eine Chance. Und so haben sie noch einmal begonnen, Krieg zu erklären gegenüber den Franzosen und den Bayern. Sind dann auch nach Bayern einmarschiert. Und Napoleon musste dann wieder in den Krieg ziehen. Hier spricht er zu einigen bayerischen Soldaten, die mit Napoleon verbündet waren. Das Problem, das er jetzt hatte, war, und das war der Grund, warum die Österreicher Krieg geführt haben, die wussten, dass ein Hauptteil der französischen Armee in Spanien steht und da sich mit den Rebellen rumschlägt. Und vielleicht hat man jetzt die Chance, haben sich die Österreicher gedacht, den Napoleon zu schlagen. Und Napoleon hatte jetzt eine Armee, die zur Hälfte aus nicht Franzosen bestand, sondern aus Bayern, aus Württembergern, aus Badenern und Italienern. Deswegen hat es ihn ein bisschen Mühe gekostet. Aber Napoleon war natürlich Napoleon. Und so hat er hier in einigen Schlachten, insbesondere bei der Schlacht um Regensburg, die Österreicher mal wieder geschlagen. Und wir sehen also, es ging heiß her in der Zeit. Krieg, Krieg und weiter Krieg.

[30:20] Hat wieder die österreichische Armee in zwei Teile zerschlagen. Und kurze Zeit später ist er in Wien einmarschiert. Und als er dann in Wien einmarschiert ist, das war 17. Mai, zum zweiten Mal, hat er dann ein Dekret erlassen und hat folgendes gesagt: Artikel Nummer 1: "Das päpstliche Territorium wird mit dem französischen Kaiserreich vereint." Heißt, Rom gehört jetzt plötzlich zu Frankreich. Das war zum ersten Mal in der Geschichte der Welt, dass Rom zu Frankreich gehört. Aber es war jetzt nicht mehr nur eine Republik oder sonst irgendwas, es gehörte jetzt tatsächlich zum französischen Reich. Aber dem Papst wollte er eigentlich gar nicht so wehtun. Er hat ihm dann weiter festgelegt: "Die Einnahmen des Papstes sollen auf zwei Millionen Franc festgesetzt werden, ohne Abgaben und Besteuerung." Klingt eigentlich ganz gut, oder? Wenn ich Papst gewesen wäre, hätte ich gesagt: "Naja gut, dann nehme ich das Geld, lass den Staat." "Das Eigentum und die Verlässlichkeit seiner Heiligkeit unterstehen keiner Jurisdiktion, Untersuchung oder Übernahme und sollen daneben besondere Vorrechte genießen." Also der Papst sollte in Ruhe gelassen werden, das Territorium, das er sowieso ja nur wieder geschenkt bekommen hatte von Napoleon, auf dessen Wohlwollen hin, sollte jetzt Frankreich gehören.

[31:31] Der Papst aber nicht so begeistert, dem hat das Geld nicht ausgereicht und er hat daraufhin Napoleon exkommuniziert. Ich weiß nicht, ob das Napoleon stark gestört hat, aber Rom gehörte jetzt zu Frankreich. Was Napoleon mehr gestört hat, war dieses Ereignis hier, denn die Österreicher waren noch nicht völlig besiegt. Und in Wien musste er noch eine Schlacht gegen sie schlagen und die hat er verloren. Es war die erste Niederlage, die Napoleon in seinem Leben hat einstecken müssen. Und das ist sein Besieger, der Napoleon-Besieger. Wie haben wir jetzt seinen Namen? Es war Erzherzog Karl. Der konnte sich natürlich jetzt was drauf einbilden, Napoleon besiegt zu haben. Und das hat in Europa natürlich eine Sensation ausgelöst, denn Napoleon hatte den Mythos der Unbesiegbarkeit. Der war jetzt verloren und daneben auch noch 30.000 französische Soldaten, die verloren gegangen sind, die gestorben sind oder in Gefangenschaft gegangen sind.

[32:34] Ansonsten gab es viel Aufstand und Revolution. Zum Beispiel hier in Polen. Die Österreicher hatten zeitgleich auch versucht, wieder Polen einzunehmen. Das war ein polnischer Revolutionsführer, der die Österreicher wieder zurückgeschlagen hat. Und dann gab es einen ganz vorwitzigen Preußen. Sein Name war Schill. Und er hat geglaubt, ganz im Alleingang Napoleon besiegen zu können. Er hat ein kleines Freikorps aufgestellt und wollte jetzt in Deutschland Krieg gegen Napoleon führen. Und weil er gemerkt hat, dass er keine Chance hatte, hat er sich auf Stralsund zurückgezogen. Und die Stralsunder haben gesagt: "Bitte komm nicht in unsere Stadt. Die Franzosen werden dich verfolgen, sie werden unsere Stadt einnehmen." Das war das gleiche wie damals in Lübeck. Das hat aber unseren Patrioten Schill nicht gestört. Er hat sich nach Stralsund zurückgezogen. Er wollte da eine Basis aufbauen für seinen Freiheitskampf. Und wie es kommen musste, kam es. Die Franzosen kamen und haben Stralsund eingenommen.

[33:33] Pius hier in seinen Worten, wie er dann Napoleon exkommuniziert, er hat dann im Juni davon erfahren, dass er von den Franzosen unter großen Kanonendonnern verlesen worden ist. Und er gibt jetzt den Grund an, warum er damit nicht einverstanden ist, dass Napoleon jetzt einfach seinen Staat hier einkassiert. Er sagt: "Unwürdig, wie wir sind, wir repräsentieren den Gott des Friedens. Da kann Napoleon nicht einfach uns den Staat wegnehmen, oder? Wir sind Gott", sagt er. Und er hat übrigens auch jeden mit Exkommunikation gedroht, der dieses Dekret mit umsetzt.

[34:06] Interessanterweise im Juli gibt es einen Artikel im "Connecticut Evangelical Magazine" über Offenbarung 14, Verse 6 bis 8. Immer mehr Ausleger fangen jetzt an, diese Botschaft von den drei Engeln zu studieren. Und sie sagen: "Der Fall Babylons ereignet sich vor unseren Augen." In dem Krieg in Europa, der gerade hier stattfindet. Und die ganzen Missionsgesellschaften und die Bibelgesellschaften, die kennzeichnen das gegenwärtige Zeitalter. Es hat noch niemals eine Zeit so gegeben, wie die jetzige Zeit.

[34:38] Dann 5., 6. Juli. Napoleon macht alles wieder gut. In der Schlacht von Wagram besiegt er endgültig die Österreicher. Es waren mehr als 300.000 Soldaten beschäftigt. Die größte Schlacht der damaligen Geschichte. Aber Napoleon verliert viele Männer und ist dadurch auch geschwächt. Am selben Tag, der Krieg in Europa, gibt es eine neue Botschaft von den drei Engeln. Sie sagen: "Der Fall Babylons ereignet sich vor unseren Augen." Am selben Tag, am 6. Juli, wird dann Papst Pius VII., der sich geweigert hat, das Dekret mit umzusetzen, gefangen genommen. Das heißt, wir haben ungefähr 11 Jahre nach der ersten Gefangennahme von Papst Pius VI. noch mal eine Gefangennahme. Und er wird jetzt wieder nach Frankreich gebracht. Und es ist sozusagen so, als ob die tödliche Wunde noch einmal aufreißt. Sie ist 1798 geschlagen worden. Ist dann schon mal ein bisschen geheilt. Und dann ist sie noch mal gerissen. Und das ist, glaube ich, ganz interessant zu wissen.

[35:36] Dann haben die Österreicher Frieden geschlossen. Nicht zuletzt, weil sie auch von England keine Hilfe bekommen hatten. Die hatten versucht, in Holland einzumarschieren. Das ist aber völlig misslungen, weil sie alle Fieber bekommen haben und an der Epidemie dann gestorben sind. Und Österreich verliert noch mehr von Gebieten. Hier sehen wir zum Beispiel, dass sie noch ein ganz großes Gebiet an Polen, also an Warschau, wie es damals hieß, abgeben mussten. Dann noch an Russland. Und noch mehr Gebiete an Frankreich bzw. die benachbarten Staaten. Und nachdem Österreich jetzt viermal innerhalb von ungefähr zwölf Jahren verloren hat gegen Napoleon, sind sie so geschwächt, dass sie hinfort keine Schwierigkeiten für Napoleon darstellen und sich bald mit ihm verbünden werden. Also er hat wirklich jetzt ganz Europa unter seiner Kontrolle. Und auf der Rückreise nach Paris, nachdem der Frieden jetzt in Schönbrunn festgestellt worden ist, sagt Napoleon: "Ich habe keinen Feind mehr auf dem ganzen Kontinent. Die einzigen Feinde, die ich noch habe, sind ein paar Banditen in Spanien, die sich mir nicht unterstellen wollen, und die Briten, die in Portugal stehen. Und wenn ich die noch ins Meer geworfen habe, dann ist Europa vereint." Das war schon jetzt wirklich kurz davor. Nach zwei, drei Schritten wäre ganz Europa unter ihm gewesen.

[36:52] An diesem Spätherbst 1809 hat Joseph Bates, den wir in Kopenhagen zurückgelassen haben, sich dann auf einem dänischen Schiff eingeschifft, um nach Preußen zu fahren, nach Pillau. Das liegt ungefähr hier nach Preußen. Von Kopenhagen nach Preußen. Er ist auch dort fast untergegangen. Als er dann heil in Preußen angekommen ist, hat er sich auf ein amerikanisches Schiff begeben, das zwar nicht untergegangen hatte, aber einen sehr stürmischen Kapitän. Das ist nach Irland gefahren, und damit ist er dann nach Belfast gekommen. Wir werden ihn nächste Woche weiter verfolgen.

[37:38] Neben Bates kennen wir noch eine ganz wichtige Person, deren Leben wir Stück für Stück verfolgen. Das ist nämlich Miller. Wir finden ihn am 6. Dezember bei seiner ersten Amtshandlung als neu eingesetzter Sheriff. Er war vorher schon Wachtmeister und Friedensrichter. Er war so angesehen in dem Dorf Pultney, wo er lebte, in Vermont, jetzt mit seiner Frau, dass er schon in jungen Jahren dieses Amt übertragen bekommen hat. Man hat ihm vertraut, er war wie gesagt Sheriff und hat dann auch noch viele Jahre später sich immer wieder als Friedensrichter betätigen müssen. Er war nicht nur äußerlich sehr beliebt in der Gesellschaft, er hat auch in den inneren Kreisen der Gesellschaft hohes Ansehen gehabt. Er war in einem Literaturclub und er wurde Mitglied bei den Freimaurern. Ich weiß nicht, ob wir das gewusst haben. Man würde jetzt schnell sagen, er ist wahrscheinlich nur auf dem ersten Grad stehen geblieben. Auch das ist nicht wahr. Er hat sich damals im Westen, an dem Rande der Zivilisation, an Freimaurer vergeben lassen. Das war natürlich nicht der 33. Grad, aber er ist da aufgestiegen. Er hat sich da voll hineinversetzt, weil durch das Lesen von Voltaire und von Hume und von Paine und all diesen Deisten und Philosophen er mit der Freimaurerei gut sympathisierte. Das war damals natürlich sehr gesellschaftsfähig und während andere Männer schon große Entdeckungen machen, beiderseits des Atlantiks, war er ein sehr angesehener, aber ungläubiger Bürger.

[39:17] Große Tragödie dann noch am 15. Dezember. Da haben wir wen? Napoleon und seine Josefine und die lassen sich scheiden. Weiß jemand warum? Das kommt nächste Woche genau. Die Josefine hat kein Kind bekommen. Ich weiß nicht, ob das ihre oder seine Schuld war, aber das war Grund genug für Napoleon, sich von ihr scheiden zu lassen, denn als Kaiser braucht es eine Nachfolgerin. So wurde diese Ehe geschieden und hat natürlich für große Aufmerksamkeit gesorgt.

[39:53] Unser Thema Wege und Irrwege führt uns auch zu diesem Mann hier noch. 1809, weiß jemand, wer das ist? Das ist Lamarck, ein französischer Biologe, der 1809 auf die Idee kommt und ein Buch verfasst mit dem Namen "Philosophie Zoologique", die Zoologische Philosophie. In diesem Buch vertritt er erstmals die Auffassung, wenn eine Giraffe einen kurzen Hals gehabt hat und die Blätter waren da weiter oben, dann hat es in der nächsten Generation einen längeren Hals gehabt. Dann streckt sich der Hals. Das sind die ersten Ansätze von evolutionistischem Denken. Er hat eine erste Abstammungslehre verfasst. 1809, da war von Darwin noch nichts zu sehen. Wir sehen, viele dieser Dinge, die dann später ganz prominent geworden sind, haben dort in dieser Zeit um 1800 ihren Anfang genommen.

[40:49] Wir sehen, wie dieser große Kampf sich auf beiden Seiten entwickelt hat. Während Stück für Stück Juwel um Juwel die Wahrheit entdeckt worden ist in harter Arbeit, so hat Satan auch Stück für Stück die Irrtümer gepflanzt, die sich bald weit ausbreiten sollten. Noch jemand, der auf der anderen Seite des Atlantiks erkennt, ganz unabhängig von Davis, hat keine Ahnung von dem amerikanischen Pastor gehabt, das ist William Hales. In seinem Buch "Eine neue Analyse der Chronologie" sagt er: "Diese chronologische Prophezeiung von den 70 Wochen war offensichtlich gegeben, um die vorhergehende Vision zu erklären, insbesondere den chronologischen Teil der 2300 Jahre." Wir haben einen in Amerika, einen in England. Er sagt, dass er das auch von einem Iren übernommen hat, den aber keiner so richtig kennt. Wir haben die ersten zwei, drei Leute, die in der Geschichte der Welt das entdeckt haben. Übrigens gab es noch einen, der vor ihm war, den werden wir nächste Woche kennen. Der kam weder aus England noch aus Amerika, wir werden den Punkt nächste Woche noch ausführlicher anschauen.

[41:56] Ganz am Ende noch etwas über ein ganz interessantes Buch, das dann 1809 neu aufgelegt worden ist. Und zwar dieses Buch hier: "Predictions". Das war ein Buch von Fleming, das war schon geschrieben 1701. In diesem Buch, im Jahre 1701, hatte der britische Prediger, er war in Schottland gewesen, Fleming gesagt, dass irgendwann demnächst eine Revolution in Frankreich stattfinden würde und dass der Papst seine Macht verlieren würde. Wie gesagt, 1701. Und als es dann passiert ist, 1793, hat man das Buch wiederentdeckt, hat den Staub sozusagen der Welt gewischt, gesagt: "Schaut mal her, der hat das schon 1701 aus der Prophetie erkannt." Und dann 1809 gab es eine neue Edition, und da schreibt man im Vorwort folgendes: "Wie blind müssen jene sein, die den Finger Gottes in all dem nicht erkennen, sondern immer noch sagen: Wo ist die Verheißung seines Kommens?" Und dann folgender interessanter Aufruf: "Christen, Protestanten, eilt aus Babylon!" Und vor allem in Amerika ist das ja wesentlich. Indianerdistrikt. Es fanden 17 methodistische Zeltlager allein im Jahre 1809 statt. Und in manchen dieser Campmeetings gibt es immer wieder auch seltsame Phänomene. Da gibt es immer wieder diese Sachen, dass auch Leute umfallen vom Heiligen Geist, wie sie behaupten, erschlagen werden. Es gibt also so eine breite, echte Erweckung, in der sich immer wieder auch so ein bisschen seltsame Elemente einmischen. Aber selbst die größten Skeptiker glauben, dass das von Gott ist. Und diese Erweckung breitet sich aus, Jahr für Jahr, Stadt für Stadt, Bundesstaat für Bundesstaat. Sie rollt und rollt und rollt.

[43:41] Ich habe gesagt, wir kommen zum Schluss. Dann kommen wir zum Schluss, wie versprochen. Thomas Paine stirbt im Jahre 1809. Der berühmteste Philosoph Amerikas. Einer derjenigen, die Miller so beeinflusst haben. Ich denke, Miller war sicherlich ziemlich traurig, als Thomas Paine gestorben ist. Sein Buch, wie gesagt, "Age of Reason", war das meistgelesene Buch Amerikas nach der Bibel. Er ist 21 Jahre alt, als er nach Amerika kommt. Und er ist einer der Gründer dieser Christian Connection, zusammen mit Elias Smith. Und er hat das Motto: "Die Bibel und die Bibel allein." Also hier haben wir Thomas Paine, der gesagt hat: "Die Bibel ist unglaubwürdig, brauchen wir nicht." Und er ist gestorben, 1809. Alexander Campbell, 1809, 1810, kommt nach Amerika. Sagt: "Die Bibel und die Bibel allein." Gründet mit einigen anderen eine neue Denomination, die Christian Connection. Wir sehen hier also, wie diese beiden Wege, Licht und Finsternis, miteinander immer wieder im Konflikt waren.

[44:47] Und was wir nächste Woche studieren werden, steht unter dem Motto: Zwang und Patriotismus. Was Joseph Bates an unglaublichen Abenteuern auf hoher See erlebt hat. Und wie Miller aus seinen Zweifeln noch nicht ganz herausgefunden hat, aber doch den Patriotismus entdeckt hat. Und was sonst noch passiert ist, sehen wir nächste Woche im Jahre 1810 und 1811. Und dazu lade ich uns natürlich alle wieder recht herzlich ein, auch diejenigen, die jetzt live zugeschaut haben. Und dann werden wir mehr kennen über diese wunderbare Adventgeschichte. Wir werden sehen. Wir werden sehen, dass Krieg aufziehen wird und dass dieser Krieg dann eine entscheidende Rolle hat, eine ganz entscheidende Rolle in der Adventgeschichte. Und wie jedes Mal, wollen wir auch diesmal festhalten: Wir haben nichts zu befürchten, es sei denn, dass wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Gottes Segen und bis zum nächsten Mal.


Lizenz

Copyright ©2013 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.