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In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ beleuchtet Christopher Kramp das Jahr 1844 und die damit verbundene „Zeit der Verzögerung“. Nach dem erwarteten Datum für die Wiederkunft Christi im Frühjahr 1844 erlebten die Adventisten eine tiefe Enttäuschung. Die Predigt zeigt, wie die Gläubigen mit dieser Enttäuschung umgingen, wie sie neue biblische Erkenntnisse gewannen und wie sich die Bewegung trotz Rückschlägen weiterentwickelte. Themen wie die Bedeutung von Habakuk 2, die Diskussionen über den Zustand der Toten und die Frage des Austritts aus den Kirchen werden beleuchtet.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Ein wunderschönen guten Abend. Schön, dass ihr da seid hier in Stuttgart. Herzlich willkommen zu unserem Seminar "Die Zeit des Endes". Heute mit der 43. Folge. Wir werden heute wieder in das Jahr 1844 gehen. Ein Jahr, das wirklich für uns von aller, allergrößter Bedeutung ist. Und wie jedes Mal möchten wir zu Beginn ein Gebet sprechen, denn auch was wir heute lernen, ist wirklich sehr instruktiv für uns. Und wir möchten den Heiligen Geist bitten, dass er uns hilft, diese Lektion zu verstehen. Ich lade euch ein, mit mir gemeinsam zu beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir uns wieder Zeit nehmen dürfen, zurückzuschauen auf das, was in der Vergangenheit gewesen ist. So wie Mose den Kindern Israel die Geschichte des Volkes immer wieder erzählt hat, so wollen auch wir uns die Geschichten unserer Vorväter immer wieder ins Gedächtnis rufen, um zu verstehen, wie du uns geführt hast. Und wir möchten dich bitten, dass wir aus ihren Fehlern und aus ihren Siegen lernen für unseren eigenen Weg mit dir. Sei du jetzt bei uns nach deiner Verheißung. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[1:05] Die Zeit der Verzögerung. Letzte Woche haben wir begonnen mit den ersten drei Monaten im Jahre 1844. Wir hatten gesagt und wir haben es schon lange behandelt, dass Miller und seine Anhänger in das jüdische Jahr 1843 hineingehhofft hatten und dass dieses jüdische Jahr im Frühjahr 1844 zu Ende sein sollte. Miller hatte geglaubt, dass es am 21. März zu Ende geht. Andere wie Bliss hatten dann kurz vorher herausgefunden, dass es eigentlich bis April geht, sodass wir jetzt die merkwürdige Situation haben. Wir fangen heute beim 1. April an, dass einige schon enttäuscht sind, wie Miller und wie James White und andere, während andere noch ein paar Tage warten, weil sie glauben, das jüdische Jahr geht erst im April 1844 zu Ende. Unter denen, die noch geglaubt haben, dass es bis April geht, waren noch die Adventisten in Portland und unter ihnen natürlich die 16-jährige Ellen Harmon. Sie spricht von diesen letzten Tagen, den ersten Wochen im April.

[2:08] "Diejenigen, die Jesus aufrichtig lieben, können die Gefühle derer, die mit dem sehnsüchtigsten Verlangen auf das Kommen ihres Heilands warteten, verstehen. Der erwartete Zeitpunkt näherte sich. Die Zeit, zu welcher wir ihm zu begegnen hofften, war nah. Wir näherten uns dieser Stunde mit einer stillen Feierlichkeit. Die wahren Gläubigen ruhten in süßer Gemeinschaft mit Gott, ein Pfand des Friedens, den sie in der herrlichen Zukunft haben würden. Niemand, der diese Hoffnung und dieses Vertrauen erfahren hat, kann jemals diese köstlichen Wartestunden vergessen. Weltliche Geschäfte wurden zum größten Teil auf einige Wochen beiseite gelegt. Diese letzten Wochen Anfang April hat man sich kaum noch mit weltlichen Dingen beschäftigt. Wir prüften jeden Gedanken und jedes Gefühl unseres Herzens sorgfältig, als ob wir auf unserem Sterbebett lägen und in ein paar Stunden unsere Augen auf immerirdischen Szenen schließen würden. Es wurde kein Himmelfahrtsgewand für das große Ereignis gemacht, aber wir fühlten die Notwendigkeit in ihrer Beweise, dass wir vorbereitet seien, Christus zu begegnen. Und unsere weißen Kleider waren seelenreinheit durch das versöhnende Blut unseres Heilandes von Sünde gereinigte Charaktere." Was für eine wunderbare Hoffnung sie gehabt haben.

[3:22] Aber wie gesagt, andere hatten bereits die Enttäuschung erlebt, wie zum Beispiel Miller, James White und andere, die auf den 21. März gewartet hatten. Und für diese Gläubigen wurde jetzt in dieser Zeit ein Bibelfers von ganz besonderer Bedeutung. Das war der hier in Habakuk 2, Vers 3. In Habakuk 2, Vers 2, da wird davon gesprochen, die Vision deutlich aufzuschreiben. Man hatte das 1842, als die Erfüllung gesehen, als diese großen Charts gemacht worden waren. Und hier heißt es jetzt im nächsten Vers: "Denn die Offenbarung wartet noch auf die bestimmte Zeit und doch eilt sie auf das Ende zu und wird nicht trügen, wenn sie sich verzögert. So warte auf sie, denn sie wird gewiss eintreffen und nicht ausbleiben."

[4:07] Im Frühjahr 1844 fangen die Adventisten an, Habakuk genauer anzuschauen und sagen: "Hey, Moment mal, hier ist eine Verzögerungszeit angesprochen." Am 3. April druckt man das Werk oder einige Auszüge von einem englischen Autor ab, Mr. Habershon, der die 70 Wochen erst im Jahre 1844, also die 2300 Tage natürlich, erst im Jahre 1844 enden lässt. Und da ist zwar kommentarlos abgedruckt, aber schon ein kleiner Hinweis auf das, was bald kommen würde. Hier ein Beispiel, gleiche Ausgabe, einer der Gläubigen mit Namen John Bell schreibt in Habakuk 2, Vers 3 bis 5, wird uns gelehrt, und dann wird das nochmal zitiert: "Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben." Und dann schreibt er: "So geht es nun vielen in Hartford." Das war nicht eine Idee von 1 oder 2, sondern fast alle Adventisten haben diesen Vers zu ihrem Fundament gemacht in diesen Tagen. Ebenfalls wird dort geschrieben in der gleichen Ausgabe: "Dies war die letzte Zeit, von der Mr. Miller geschrieben hat. In seiner Datierung der Ereignisse ist er den anerkanntesten Standardchronisten gefolgt. Noch nie konnte gezeigt werden, dass diese Chronisten sich in den Daten geirrt haben. Und davon ausgehend können die prophetischen Zeitketten, wie wir sie verstehen, nicht weiter als das jüdische Jahr 1843 gehen." Also, obwohl es schon vorbei ist, bleiben wir bei der Berechnung. Mr. Miller hat keine andere Zeit für das Ende jener Perioden als das jüdische Jahr 1843. Er bleibt also bei denselben Berechnungen, bis ein Fehler gezeigt werden kann, um zu warten und zu wachen. Die Adventisten haben es nicht sofort gleich alles aufgegeben, sondern gesagt: "Solange wir keinen Fehler entdecken, bleiben wir dabei."

[5:52] "Während der Bräutigam auf sich warten lässt." Das ist eine Formulierung aus welchem Kapitel? Weiß es jemand? Der Bräutigam, der auf sich warten lässt? Matthäus 25. Und dann heißt es hier: "Obwohl das jüdische Jahr noch nicht beendet ist, sondern bis zum Neumond im April geht, werden doch unsere Gegner annehmen, dass die Zeit abgelaufen ist. Wir haben dagegen kein Einwand. Wir haben kein Verlangen, die Krise hinauszuzögern." Aber in jener unklaren Situation sendet Gott schon einen ersten Lichtstrahl in die Konfusion. Und das hat mit diesem Mann zu tun. Weiß jemand noch vom letzten Mal, wer das ist? Das ist Samuel Snow, ganz genau. Und er hatte bereits im Februar einen persönlichen Brief geschrieben, der jetzt Anfang April abgedruckt wird. Und darin stellt er fest, dass der Erlass des Artaxerxes erst im Herbst 457 v. Chr. gewesen sein muss. Und dass die 483 Jahre demnach auch erst im Herbst 27 enden, wegen dem Jahr Null. Und auch die 2.300 Jahre erst im Herbst 1844.

[7:08] Er hat etwas entdeckt, was ich nochmal ganz kurz hier für euch skizzieren möchte. Wenn wir so eine Zeitlinie haben, und hier haben wir die Null, hier haben wir die Minus 1 und hier die Minus 2 und hier die 1 und hier die 2. Dann ist das hier das Jahr Minus 2, richtig? Das hier ist das Jahr Minus 1. Und wie heißt das hier? 1. Und das heißt 2. Wenn ich also im Herbst des Jahres Minus 2 ein Ereignis habe und dann drei Jahre vorwärts gehen will, komme ich dann raus: 1, 2, 3. Also hier im Jahre 2 sozusagen. Die Idee ist also ganz einfach die, dass obwohl in einem Zeitstrahl hier die Null ist und da die 1, das Jahr 1 schon hier beginnt und nicht erst da. Und deswegen, wenn ich also 2.300 Jahre vom Herbst aus gehe, ich tatsächlich im Herbst 27 rauskomme. Okay, wie auch immer.

[8:55] Und dann schreibt der Abergeliebte: "Denn die Offenbarung wartet noch auf die bestimmte Zeit und doch eilt sie auf das Ende zu und wird nicht trügen, wenn sie sich verzögert. So warte auf sie, denn sie wird gewiss eintreffen und nicht ausbleiben." Hat er schon im Februar 1844 geschrieben. Das heißt, noch vor dem Ablauf des jüdischen Jahres erkannt, dass im Frühjahr Jesus nicht wiederkommen kann, sondern dass die 2.300 gehen in den Herbst. Kommentar von den "Signs of the Times" von Edmund Himes: "Unser Bruder hat sich was? Könnt ihr es sehen? Was hat er gemacht? Er hat sich geirrt." Und was ist der Grund? "Außerdem kann nicht gezeigt werden, dass die 1.335 Jahre später als 508 begonnen haben. Deswegen können wir keine Zeit jenseits des jüdischen Jahres 1843 erkennen." Das Problem war, man hatte geglaubt, alle Zeitprophezien gehen auf dasselbe Jahr und da die 1.335 Jahre definitiv nur bis 1843 gehen und das stimmt auch, hat man sich halt gezwungen und gesagt, dann müssen auch die 2.300 nur bis 1843 gehen, statt zu erkennen, dass die 1.335 bis 1843 und die 2.300 bis 1844 gehen. Naja, so hat man erst mal den Samuel Snow wieder abgewiesen und gesagt: "Naja, hier unten, während wir diesen Artikel aufnehmen, stimmen wir unserem Bruder nicht zu." Und damit war das Licht erst mal wieder ein bisschen vertrieben. Aber es musste ja irgendwie weitergehen.

[10:26] Die ersten Konferenzen beginnen hier in New Hampton, die ersten am 5. April und noch einmal wird davor gewarnt, neue Zeiten in die Zukunft zu verlegen. "Unsere besten Autoritäten erlauben es nicht, über den gegenwärtigen Frühling hinauszugehen und es wäre nicht weise, anderen zu vertrauen. Wenn es Autoritäten, also Geschichtshistoriker gibt, die es uns ermöglichen würden, auf eine andere definitive Zeit in der Zukunft zu schauen, wäre dies unserer Meinung nach zu gefährlich, wäre jetzt zu gefährlich, einfach noch eine neue Zeit anzugeben. Wir wagen es nicht und ermutigen auch niemanden dazu." Also jetzt scheuen sie sich ein bisschen vor diesem neuen Licht. "Wir sollten uns vor allen Meinungen hüten, die uns erlauben, einzuschlafen, mit der Aussicht, zu einer späteren Zeit wieder aufzuwachen." Mit anderen Worten, wenn wir jetzt auf den Herbst warten, dann könnten wir denken: "Naja, dann warten wir bis Herbst." Und deswegen lehnen sie das erst einmal ab.

[11:22] Einer schreibt hier: "Ich habe nun begonnen, das baldige Kommen des Herrn zu verkünden. Sein Name ist Thomas Smith." Und dann sagt er hier unten: "Die Lampen von vielen flackern nur noch schwach. Ich möchte ihnen helfen, sie wieder anzufachen." Sprache aus Matthäus Kapitel 25, die Lampen.

[11:41] "Es war unsere aufrichtige und feierliche Überzeugung, immer noch 10. April, seit drei Jahren, dass die herrliche Wiederkunft des Erlösers der Welt vor dieser Zeit stattfinden würde. Ich warte noch immer auf dieses Ereignis und komme nicht darum hin, dass es das nächste große Ereignis sein muss und innerhalb sehr kurzer Zeit eintreffen wird. Mit diesen Ansichten können wir keine bestimmten Zukunftspläne machen, außer solche, die der Kürze und Unsicherheit der Zeit Rechnung tragen." Die gesamte Gruppe von Adventisten ist in so einer merkwürdigen Situation. Was sollen wir jetzt machen? Wir können nicht mehr groß für die Zukunft planen, aber das Feld, das wir bearbeitet haben, ist groß. Fast der gesamte Norden der USA sind erreicht worden. Dieser Einfluss wird verderben oder verloren gehen, wenn wir nicht durch kontinuierliche Bemühungen, die in der Nacharbeit eingesetzt werden, solange die Gnadenzeit noch währt. Und dann sagt er unten: "Wir müssen daher unsere Bemühungen mit Vorträgen, Campmeetings und Literaturverteilung fortsetzen." Auf Deutsch: Weiter geht's. Wir wissen nicht genau, was kommt, wir haben keine Zeit mehr, aber wir machen einfach weiter, weil in den Grundannahmen liegen wir immer noch richtig.

[12:49] Ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist Offenbarung 14 Vers 8: "Gefallen, gefallenes Babylon." Immer mehr Prediger fangen an zu predigen: "Kommt aus ihr heraus." Nicht nur Storrs, nicht nur Fitch, sondern auch Spalding wird aus seiner Baptistengemeinde rausgeschmissen und sagt dann: "Kommt aus ihr heraus." Und Joseph Marsh in seiner Zeitschrift "Voice of Truth" ruft offen zur Trennung von den Kirchen auf. Und es werden immer mehr. Und immer mehr Adventisten trennen sich jetzt von ihren Kirchen. Und dann endet Ende April, so um den 20. herum, auch das jüdische Jahr nach karaitischer Rechnung. Und jetzt ist es definitiv, jetzt gibt es kein Rumrechnen mehr. Die Zeit, die man ursprünglich berechnet hat, ist vorbei.

[13:31] Auch für Ellen Harmon ist das eine gewaltige Enttäuschung. "Die Zeit der Erwartungen verging. Dies war die erste wirkliche Prüfung, die diejenigen zu tragen hatten, die da glaubten und hofften, dass Jesus in den Wolken des Himmels kommen werde. Die Enttäuschung der wartenden Kinder Gottes war groß. Die Spötter triumphierten und gewannen die Schwachen und Feigen für ihre Reihen. Einige, die den Anschein gehabt hatten, als ob sie wahren Glauben besessen, schienen nur von Furcht beeinflusst gewesen zu sein. Und nun kehrte ihr Mut mit dem Verstreichen der Zeit zurück. Sie verbanden sich kühn mit den Spöttern und erklärten, dass sie niemals so getäuscht worden seien, dass sie wirklich der Lehre Millers geglaubt hätten, der ein wahnsinniger Fanatiker sei und so weiter und so fort. Wir waren bestürzt und enttäuscht, gaben aber dennoch unseren Glauben nicht auf. Viele hielten immer noch an der Hoffnung fest, dass Jesus sein Kommen nicht verzögern werde. Das Wort des Herrn sei sicher, es werde nicht fehlschlagen. Wir fühlten, dass wir unsere Pflicht getan hatten. Wir hatten unseren treuen Glauben gemäß gelebt. Wir waren enttäuscht, aber nicht entmutigt." Der wahre Glaubenstest ist dann, wenn man Enttäuschung erlebt, nicht wahr? Wenn man dann festhält am Wort Gottes, da zeigt sich wahrer Glauben.

[14:48] "Die Zeichen der Zeit zeigten, dass das Ende aller Dinge nahe sei. Wir müssten wachen und uns zu irgendeiner Zeit für das Kommen des Meisters in Bereitschaft halten", sagt sie. Und auch im "Advent Herald", 17. April wird gesagt: "Durch die Verzögerung in der Beendigung der prophetischen Perioden können wir sehen, wer sich über das Kommen des Herrn gefreut hätte. Denn viele Christen jubeln und sagen: 'Schaut her, Jesus ist nicht gekommen, haben wir doch gleich gesagt, wunderbar, nicht wahr? Wir haben es doch schon immer gewusst.'" Aber sie schreiben: "Jedes wahre Kind Gottes würde vielmehr weinen, dass der Bräutigam auf sich warten lässt." Aber wenn man diesen Test auf die Kirchen und die religiöse Presse anwendet, wie traurig wäre das Resultat. Gott hat offensichtlich einen Plan gehabt, warum er diese Enttäuschung zugelassen hat. Sie offenbart, wer wirklich Jesus liebt und wer eigentlich nicht möchte, dass er kommt.

[15:43] Und zu dieser Zeit sind es ungefähr 50.000 Adventisten in verschiedenen Kirchen und die zum Teil schon herausgekommen sind, die festhalten. Und durch diese Enttäuschung sieht sich so eine Gruppe heraus von 50.000 Adventisten, die jetzt wirklich dadurch noch enger zusammenhalten, gerade durch die Enttäuschung. Ganz interessant.

[16:09] Das berichtet Himes und Josiah Litch meldet sich auch zu Wort und bringt eine ganz kuriose Theorie ins Spiel. Und es zeigt ein bisschen die Verwirrung, die auch herrscht. Litch behauptet jetzt, er wäre schon immer davon überzeugt gewesen, dass die 2300 Jahre schon letztes Jahr im Mai abgelaufen sind. Er sagt, dass die 2300 Jahre schon im Mai 1843 geendet sind und dass das Heiligtum eigentlich Jerusalem sei und dass seit diesem Zeitpunkt die Stadt Jerusalem in Palästina unschuldig ist und dass der Herr begonnen hat, den Verwüster Jerusalems Rom zu geißeln. Das hat damit zu tun, dass in Italien Revolutionen ausbrechen und dem Papsttum es ein bisschen schlecht geht. Und Litch sagt, das ist eigentlich meine Überzeugung. Und so gibt es ein bisschen so hin und her. Und Himes schreibt: "Naja, wir drucken das ab, aber das stimmt eigentlich auch nicht." Und keiner weiß jetzt so ganz genau, wie es weitergeht.

[17:19] Und eine besondere Diskussion entfaltet sich zwischen den beiden, zwischen Storrs und Litch. Litch ist in diesen Tagen nicht mehr ganz auf der Höhe des Lichtes, das Gott schenkt. Er hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, gegen Storrs vorzugehen in Bezug auf den Zustand der Toten. Und Litch geht so weit, dass er eine Zeitung herausbringt, in der er gegen Storrs' Ansicht kämpft und für die Unsterblichkeit der Seele kämpft. Und während Storrs, unterstützt von Fitch, immer mehr Adventisten an der Basis gewinnt, versucht Litch, die alte Sicht aufrechtzuhalten.

[17:51] Im "Advent Herald" wird das folgendermaßen kommentiert: "Unsere Leser werden bemerkt haben, dass wir uns aus der Diskussion über die Frage des Zustandes der Toten und dem Ende der Gottlosen herausgehalten haben." Klingt schon ein bisschen neutraler, nicht wahr? Vor einem Jahr hieß es noch: "Wir halten die Lehre der Unsterblichkeit der Seele wie unseren Augapfel." Wir haben Bruder Storrs' Werke darüber angekündigt und Gerechtigkeitshalber kündigen wir auch das Werk von Bruder Litch an, sodass diejenigen, die das untersuchen wollen, beide Seiten der Fragen haben können. Wir fühlen mehr denn je die Wichtigkeit, bei der großen Adventsfrage zu bleiben. Wir können uns nicht abwenden, um andere Fragen zu diskutieren. Wir haben ein klares und wichtiges Werk vor uns, den Mitternachtsruf zu geben. Himes versucht immer wieder, das zu konzentrieren und zu sagen: "Hey, lasst uns bei der Wiederkunft bleiben, alleine die Wiederkunft." Da hat er ja prinzipiell recht. Allerdings muss man auch sagen, dass das Thema vom Zustand der Toten schon auch verknüpft ist mit der Wiederkunft. Denn es ist verknüpft mit dem Thema der Auferstehung. Es ist auch verknüpft mit der Frage, was passiert mit den Gottlosen, wenn Jesus wiederkommt und so weiter und so fort. Und man kann es verstehen, aber vielleicht ist es auch ein bisschen zu rigide.

[19:00] Er selbst reist ein wenig herum, hier zum Beispiel nach Haverhill. Dort zum Beispiel sind alle Adventisten aus den Kirchen ausgetreten, haben ein eigenes Gebäude gegründet und dann hier nach New Bedford und auch nach Albany. Ganz genau.

[19:26] "Nachdem das offensichtliche Ende der prophetischen Periode verstrichen ist, befinden wir uns in einer Position, die Gott vorhergesehen hat und für die er Vorsorge getroffen hat durch den Propheten Habakuk 2, Verse 1 bis 3." Also in fast jeder Ausgabe wird das jetzt dargelegt, studiert, untersucht. Es wird zur offiziellen Position der Adventisten: "Wir befinden uns in der Zeit von Habakuk 2, Vers 3." Und dass diese Ermahnung aus Habakuk Bezug zur gegenwärtigen Zeit hat, wird ersichtlich daraus, dass Paulus dieses Habakuk-Zitat in Hebräer 10 verwendet. Schaut mal, was dort steht: "Denn standhaftes Ausharren tut euch not, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung erlangt. Denn noch eine ganz kleine Weile, dann wird kommen, der kommen soll, und wird nicht auf sich warten lassen." Das spricht von der Wiederkunft, oder? Und in diesem Zusammenhang zitiert Paulus dann Habakuk 2: "Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Doch wenn er feige zurückweicht, so wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben."

[20:27] Der Frühling 1844 ist eine erste Wasserscheide, wo die, die echten Glauben haben, drinnen bleiben und diejenigen, die feige zurückweichen, wieder zurück in die Kirchen gehen und behaupten, sie hätten es nie geglaubt. "Wir aber gehören nicht zu denen, die feige zurückweichen, zum Verderben, sondern zu denen, die glauben zur Rettung der Seele." Wichtige Lektion. Gott sichtet damals das Volk Gottes durch eine Enttäuschung, durch einen Moment, wo keiner genau wusste, wie es weitergeht. Und die, die festhielten, ohne zu wissen, wie es weitergeht, blieben dabei. Und die, die einfach sich schnell beeindrucken ließen von Umständen, gingen. 50.000, wie gesagt, bleiben. Und es entsteht immer mehr so ein Gemeinschaftsgefühl der Adventisten.

[21:16] "Wir glauben, dass wir uns in jener Zeitperiode befinden, von der unser Erlöser gesprochen hat, wenn der Bräutigam auf sich warten lässt. Matthäus 25." Dort heißt es ja: "Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegen gingen." Jeder Adventist kann sich damit identifizieren. Schon damals dem Bräutigam, dem kommenden Jesus entgegen gehen, sich darauf freuen, das Vorbereiten, die Wiederkunft verkündigen. "Fünf von ihnen dabei waren töricht und fünf waren klug. Und dann heißt in Vers 5: Als nun der Bräutigam auf sich warten ließ." Und sie sagen: "Hey, Moment mal, wir sind dem Bräutigam entgegen gegangen und jetzt lässt er auf sich warten." Sie sehen also sowohl in Habakuk als auch in Hebräer 10, als auch in Matthäus 25 überall Hinweise auf eine Verzögerungszeit.

[22:09] Auch aus England gibt es ähnliche Nachrichten. Robert Winter schreibt: "Nachdem unsere Zeit verstrichen ist, sind wir nun vorbereitet, der Welt zu sagen, was wir tun werden. Eine Frage, die oft gestellt worden ist: Wir beabsichtigen, die Integrität unseres Glaubens ohne Wanken festzuhalten und unser Vertrauen nicht wegzuwerfen, das doch eine so große Belohnung hat. Wir beabsichtigen, uns gegenseitig mit den Worten des Kommens Christi zu trösten, der kommen wird und nicht verzögert. Wir glauben weiter an Gottes Wort und akzeptieren es als buchstäblich."

[22:45] Und dann sagt er: "Ich denke, dass nach dem 21. März wir jeden Tag erwarten können, unseren Herrn zu sehen. Dies sind meine Ansichten und die der Brüder in diesem Land, in England. Viele von ihnen denken, dass er wahrscheinlich einige wenige Monate auf sich warten lässt, um die Spötter zu offenbaren und den Glauben der Menschen, Entschuldigung, zu testen. Aber wir alle stimmen überein, auf ihn zu warten, bis er kommt." Und dann zitiert er auch Habakuk 2, Vers 3. Also an den verschiedenen Orten unabhängig voneinander kommen alle auf dieselbe Idee: Wir sind in der Zeit von Habakuk 2.

[23:17] Himes reist Ende April nach Lowhampton und besucht dort Miller. Es gibt dort eine kleine Konferenz am 27. 28. April und Himes nutzt die Gelegenheit, dort oben noch ein bisschen in der Nähe von Millers Gegend zu predigen, an verschiedenen Orten in Benson und Castleton. Und Miller schreibt dann am 1. Mai: "Die Adventssache hält sich selbst. Man hätte erwarten können, dass die allermeisten sich jetzt wieder distanzieren. Aber er sagt: 'Ich habe nicht von einem einzigen in dieser Gegend gehört, der seit Frühling uns verlassen hätte, obwohl unsere Zeit verstrichen ist. Die Spötter wundern sich, dass wir es nicht aufgeben. Nicht einer, der diese Hoffnung erhalten hat, scheint willig zu sein, sie aufzugeben. Sie erwarten geprüft zu werden und so verstehen sie es auch.'" Ja, es stimmt, es gab einige wenige, die die Gruppe verlassen haben, aber die Mehrheit bleibt dabei. Und das ist für viele äußerst interessant.

[24:14] Einer von denen, die dabei bleiben, ist der junge 23-jährige James White. Und am 1. April wird er gerufen zu einer besonders interessanten Gelegenheit. Er soll nämlich einige Kinder taufen hier im Bundesstaat Maine und die sind so zwischen 7 und 15 Jahre alt. Und da er ein Adventist ist, sind die Ortsprediger dort nicht besonders begeistert. Die Kinder hatten aufgrund seiner Predigten sich selbst zusammengetan und hatten jeden Tag oder alle paar Tage die Bibel gemeinsam studiert und dann selbst schlussfolgernd gesagt: "Wir müssen uns taufen lassen." Und sie wollten unbedingt von diesem jungen Prediger getauft werden, den sie so toll fanden. Und dann kommt er dahin und die anderen Prediger, die versuchen das alles zu verhindern und vor allem sagen sie: "Diese jungen Kinder hier, die sind so 10, 11, 12, manche sind 15, eine ist sogar 7, die können ja kein eigenes Zeugnis geben, die können ja nur stottern, weil die wissen gar nicht, wie man Zeugnis gibt vor der Taufe." Und naja, was dann der James White macht, er sagt, er holt sie nach vorne und er stellt ihnen mal Fragen. Wie ist es dir damit ergangen und wenn sie dann nicht weiter wissen, fragt er sie nochmal und er sagt, es war einer der schönsten Tage seines Lebens, diese jungen Menschen dort alle gemeinsam zu taufen im See. Und er hat so viel Spaß gehabt mit diesen Kindern und diesen Jugendlichen, hat ihm viel Mut gegeben in dieser schwierigen Zeit.

[25:37] Miller wendet sich an alle Adventisten mit folgendem Rundbrief: "Wenn ich mein Leben noch einmal leben sollte, mit denselben Beweisen, die ich hatte, würde ich, um ehrlich vor Gott und Menschen zu sein, genau das tun, was ich getan habe. Obwohl Gegner gesagt haben, es würde nicht eintreffen, haben sie keine gewichtigen Argumente vorgebracht. Und ich dachte und denke noch immer, ihre Ablehnung basierte mehr auf der Unwilligkeit, den Herrn kommen zu sehen, als auf irgendwelchen Argumenten." Es ging weniger um Theologie, es ging mehr um eine Herzenseinstellung und das hat diese Enttäuschung offenbart. Er sagt: "Ich bekenne meinen Fehler und gebe meine Enttäuschung zu." Keiner der Adventisten hat versucht irgendwie zu sagen: "Ach, wir haben sowieso was ganz anderes gesagt, wir haben das nie behauptet, wir nehmen einfach ein anderes Datum", sondern sie standen offen zu ihrem Fehler, zu dem Fehler, den sie gemacht haben, aber alles andere haben sie beibehalten. Da können wir ganz viel von lernen. Wenn wir einen Fehler gemacht haben, sollten wir offen zu dem Fehler stehen, aber nicht gleich alles über den Haufen werfen.

[26:42] Und dann sagt er: "Ich ermahne euch, meine Geschwister, wachsam zu sein, damit jener Tag uns nicht unerwartet trifft." Er sagt unten: "Ich bitte euch, vernachlässigt nicht die Bibel, sie ist in der Lage, euch weise zum ewigen Leben zu machen."

[27:05] Himes schreibt an Bliss, Sylvester Bliss, dass jetzt er selbst, Joshua Himes, Probleme bekommt mit seiner eigenen Kirche. Er ist in der Christian Connection eigentlich Prediger und sie hatten erwartet, dass er wieder zurückkommt und das tut er nicht und jetzt wollen sie ihn rausschmeißen. Er sagt: "Das Geheimnis hinter all dem Lärm um mich und meinen Kurs ist einfach dies: Ich habe es nicht als meine Pflicht angesehen, die Adventssache zu verlassen und zurückzugehen, um meine Energie exklusiv der Christian Connection zu geben, zu der ich gehöre und von der ich noch immer ein Mitglied bin." Himes war kein Freund von schnell aus den Kirchen raus. "Ich habe immer noch den selben Standpunkt, glaube an dieselben Ansichten und bekenne mich zu den Institutionen der Kirche und des Predigtdienstes. Aber er schreibt dann weiter: "Wenn sie mich zwingen, dann werde ich mich wohl zurückziehen müssen." Also selbst jemand wie Himes, der eigentlich gar nicht raus wollte aus den Kirchen, wird in dieser Zeit förmlich gedrängt, die Kirchen zu verlassen.

[27:57] Und alle Zeitschriften, egal welche, "Midnight Cry", "Signs of the Times", "Voice of Truth", sie alle verkünden übereinstimmend: "Wir sind in der Zeit von Habakuk 2. Wir sind in der Zeit der Verzögerung, in der Zeit von Matthäus 25." Trotzdem muss gearbeitet werden. Das große Zelt wird wieder aufgebaut in Cincinnati im Westen und man versucht so ganz langsam wieder diese Maschinerie ins Laufen zu kriegen. Weiß immer noch, wer der war? Das war Frederick Wheeler. Das war der erste adventistische Prediger, der den Sabbat gehalten hat. Können wir uns erinnern? Frederick Wheeler, ohne ganz uns bekannt. Er schreibt im Mai 1844 einen allerersten Brief an Himes. Mittlerweile gibt es so viele Prediger, Himes kennt nicht mal alle mit Namen. Und jetzt stellt sich der Wheeler vor und sagt: "Hey, schau mal, ich bin hier Prediger in Washington, New Hampshire und wir haben hier eine kleine Gruppe und des und jenes." Und wenn man den Brief liest, wird man ja denken, vielleicht erwähnt er schon den Sabbat, aber das tut er nicht. Kein Wort davon, dass er den Sabbat hält, kein Wort davon, dass er darüber predigt. Wahrscheinlich auch ganz klug, denn was hätte Himes wohl gesagt? Hat nichts mit der Wiederkunft zu tun, lass mal bleiben. Keine Nebenthemen.

[29:20] Die Zeit der Generalkonferenzen kommt. Im Frühjahr halten ja alle großen Gesellschaften immer ihre Jahresversammlungen ab und so auch die Adventisten. Die 17. Generalkonferenz in New York City kommt. Am Vormittag hält man Bibelklassen, nachmittags hat man Gebetsstunden, Konferenzen. Nachmittagsabends gibt es Vorträge über Daniel 2, über die Wiederkunft. Und Litch ist da, hält einen Vortrag über Offenbarung 9 und sagt: "Naja, vielleicht könnten ja die Türken vollständig 1844 untergehen." Hat da keine richtige biblische Prophezeiung, aber so ein paar Parallelen aus der Geschichte. Könnte ja passen. Und naja, nicht alle sind erfreut über die zweite Engelsbotschaft.

[30:04] Hier von ihm, Timothy Cole, auch ein Adventistenprediger, schreibt am 8. Mai: "Ich bin betrübt zu hören, dass einige wenige lehren, dass jede Kirche und alle Organisationen ohne Unterschied zu Babylon gehören und dass jeder Prediger ein Wolf ist und jeder Mensch, der sich um seine Farm oder seinen Laden kümmert, weltlich gesinnt sei." Also Wahrheit und Fanatismus liegen manchmal nah beieinander. Der zweite Teil hier auf jeden Fall ist großer Unfug. Und naja, das mit Babylon war eine harte Nuss für viele.

[30:30] Derweil kommen weitere Gerüchte auf, zum Beispiel, dass das Bostoner Tabernakel wurde zu einem Teppichgeschäft umfunktioniert. Die Adventisten haben aufgehört, sich zu treffen. Natürlich nur ein Gerücht, aber ein effektives.

[30:47] Derweil wird in England ein neuer Stützpunkt errichtet. Die Adventisten nisten sich hier in Bristol ein und bringen hier auch eine Zeitschrift heraus. Und in England geht zu dieser Zeit die Adventbewegung richtig rasant nach vorne. Und es gibt jetzt auch mehr Widerstand als in den zwei Jahren zuvor, gerade weil sie so viel Erfolg haben. Und jetzt geht es ihnen so ein bisschen so wie den Amerikanern in 1842.

[31:11] Dann, ebenfalls am 8. Mai, meldet sich der Papst zu Worte. Papst Gregor der 16. gibt eine Enzyklika heraus, in der er vor den Bibelgesellschaften warnt. Und diese Bibelgesellschaften sind eine Ketzerei. Und wer sie unterstützt, ist verdammt und so weiter und so fort. Die Bibel in der eigenen Landessprache ist eine Häresie. 1844.

[31:44] Derweil geht die Generalkonferenz weiter. Man studiert den Neuen Bund und Himes hält abends am 9. Mai einen Vortrag über Matthäus 28 Vers 20. Was steht dort? "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage." Jesus ist bei uns auch in dieser Zeit der Verzögerung, dieser Konfusion, wo keiner weiß, wie es weitergehen soll. Gott hat uns bis hierhin geführt und wir haben nichts zu befürchten für die Zukunft. Es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Und natürlich studiert man Habakuk 2 und Hebräer 10. Und Samuel Snow darf einen Vortrag halten, allerdings nicht über die 2300, sondern über die 7. Posaune.

[32:30] Und hier aus Kanada kommt der Bericht. Hutchinson: "Viele der besten Glieder verlassen hier ihre Kirchen und begeben sich auf die breite Plattform dieser gegenwärtigen Wahrheit." Eines der ersten Male, dass hier in der Literatur dieser Begriff vorkommt: "Gegenwärtige Wahrheit." Die Wahrheit, die zu diesem Zeitpunkt besonders wichtig ist. Obwohl ich es nie als mein Auftrag angesehen habe zu rufen: "Kommt aus hier raus, mein Volk", die Glieder kommen von alleine. Gerade in Bezug auf den Zustand der Toten und auf die Frage von Babylon sind oftmals die Glieder an der Basis schneller als die Leiter des Werkes. Und die Leiter kommen kaum hinterher mit den Gliedern, die einfach die notwendigen Schritte gehen. Und naja, sagt er hier: "Papsttum ist nicht auf die Kirche von Rom beschränkt. Die Töchter der alten Mutter sind nun auf der Bühne und spielen ihren hurerischen Part."

[33:22] 15. Mai. Edwin Harrod. "Die Gefahr. Gegenwärtig ist die größte Gefahr, die wir unter unseren Freunden sehen können, die das Einschläfrigwerden während der Bräutigam-Aufsicht warten lässt. Was ist denn mit den zehn Jungfrauen passiert? In der Wartezeit, in der Verzögerungszeit, die sind alle eingeschlafen. Alle zehn. Die Symptome dieser Schläfrigkeit, die besser in uns selbst als in anderen erkannt werden können, sollten in sich selbst als das allerletzte Zeichen des sicheren Kommens des Bräutigams begrüßt werden. Sind deine Gebete schwach? Beginnt deine Zuversicht, dahin zu schwinden? Sagst du: 'Wir hoffen, dass dieses gewesen sein würde?' Weck dich auf. Schau, das Öl in deiner Lampe ist. Zögere nicht."

[34:08] Denn bei aller Ermutigung fangen viele Adventisten an, sich zwar aus den Kirchen zurückzuziehen, aber doch Pläne zu machen für 1845, für 1846. Denn es könnte ja sein, dass es halt doch noch ein bisschen länger dauert, als man gedacht hat. Man merkt so ein bisschen das Einschlafen.

[34:33] Weil die christlichen Zeitungen zeigen, wie schlimm es um die allgemein christlichen Kirchen geht. "Aus jeder Himmelsrichtung hören wir den traurigen Klang, dass Lauheit, Anarchie, Spaltung und Verwüstung die Grenzen zieht und uns bedroht. Die Kirchen sind in einem großen, großen Tief." So hört man überall.

[35:06] Die Frage vom Zustand der Toten spaltet nach wie vor die Leiter der Adventbewegung. Im Mai schreibt Fitch an Storrs, dass Litch ihn angeschrieben hat und gesagt hat: "Hey, mein guter Freund, glaub dem Storrs nicht. Das ist Unsinn." Und Fitch schreibt an Storrs: "Hey, Litch hat mir geschrieben, aber ich kann das nicht aufgeben. Du hast recht." Das ist natürlich eine delikate Sache, weil Litch war derjenige, der Fitch überhaupt zum Adventisten gemacht hat. Aber Fitch sagt: "Ich schätze meine Freunde und ich habe sie lieb, aber mein allerbester Freund ist Jesus und dem muss ich folgen." Auch eine wichtige Lektion. Fitch geht den Schritt der Wahrheit, obwohl einer seiner besten Freunde ihn davon abhalten möchte.

[35:54] Naja, Ellen Harmon hat selbst lange gebraucht, bis sie das verstanden hat. "Es dauerte bis etliche Monate nach dieser Unterredung, ehe ich irgendetwas weiteres über diese Lehre hörte. Aber während dieser Zeit hatte ich viel über diesen Gegenstand nachgedacht. Wenn darüber gepredigt wurde, so glaubte ich, dass es die Wahrheit sei. Von der Zeit an, da mir das Licht über den Schlaf der Toten aufging, schwand das Geheimnis, welches mir die Auferstehung verhüllt hatte. Und dieses große Ereignis gewann eine neue und erhabene Wichtigkeit. Ich war aufdrücklich, ich versuche, gestört worden, die sofortige Belohnung oder Bestrafung der Toten mit der unzweifelhaften Tatsache einer zukünftigen Auferstehung und eines kommenden Gerichts zu harmonisieren. Wenn die Seele schon beim Tode in ewige Glückseligkeit oder ewiges Elend hineinkomme, warum ist da noch eine Auferstehung des armen, vermordeten Leibes notwendig?" Ja, das hat sie sich immer gefragt. Aber dieser neue und schöne Glaube gab ihr die Ursache an, weshalb inspirierte Schreiber so viel über die Auferstehung des Leibes gesagt hatten. Sie lag darin, dass das ganze Wesen im Grabe schlummert. Ich konnte nun klar die Hinfälligkeit unserer früheren Ansichten über diese Frage erkennen." So ungefähr so gegen Sommer 1844 dämmert es Ellen Harmon. Die Toten schlafen.

[37:16] Währenddessen steht es um die Kirchen ganz ganz schlecht. 1844 wird von vielen angegeben als das Jahr, wo die Frömmigkeit in den Kirchen der USA rapide gesunken ist. In jenem Jahr erfinden die Kirchen auch eine neue Möglichkeit Geld zu bekommen, indem man nämlich Feste ausgibt. Picknicks und Festmahle. Man lädt zu großen Festivitäten ein. Da werden Austern gereicht. Da werden Torten gereicht. Redner reden über soziale Themen. Und damit tut man jetzt so die Kirchen populär machen. Und die Adventisten sagen: "Moment mal, das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sollten das Wort Gottes predigen." Das verstärkt natürlich diesen Ruf: "Raus aus Babylon."

[37:52] Hier noch ein Bericht. 22. Mai. "Der Herr ist mit uns in dieser Stadt Rochester. Wir haben niemals einen unerschütterlicheren Glauben an das schnelle Christi, der den Heiligen hier lebt. In diesem und an vielen Orten, von denen wir hören, kommt Gottes Volk aus Babylon heraus. Woche für Woche mehren sich die Berichte, dass immer mehr sich aus den Kirchen trennen und jubeln in der Hoffnung, bald in Herrlichkeit auf der neuen Erde regieren zu können. Das Werk ist des Herrn und wird siegen." Gerade zu der Zeit nach der Enttäuschung kommen die Adventisten aus ihren Kirchen heraus. Das ist merkwürdig, nicht wahr? Die ganze Zeit, als sie gewartet haben auf 1844, sind sie in den Kirchen geblieben. Und als die Enttäuschung da ist und alle denken: "Na ja, jetzt werden sie wieder zurückkehren und nie mehr was davon sagen." Jetzt gehen sie aus den Kirchen raus und formieren sich noch viel mehr. Und das zeigt diesen unerschütterlichen Glauben: Gott kommt. Jesus kommt wirklich bald.

[38:56] In England hat man großen Erfolg hier im Süden. Viele Städte werden erreicht. Auch in Sheffield wird eine neue Mission aufgemacht und es geht voran. Campmeetings hier in Massachusetts ein neues.

[39:06] Und am 22. Mai hat ein gewisser Said Ali Muhammad im Iran, in Shiraz, in der Nacht vom 22. zum 23. Mai eine Offenbarung. Und ab diesem Zeitpunkt nennt er sich der Bab. Und der Bab gründet das Babitum. Und das ist der Prophet der späteren Baha'i. 22. Mai 1844, just in dieser Zeit. Eine Endzeitsreligion für den Nahen Osten sozusagen.

[39:47] Andere berichten auch von dem Abfall der Kirchen. Albert Barnes sagt, dass er seit 20 Jahren das geistliche Amt ausübe. Ein großer Prediger in Philadelphia. Und noch nie, bis auf die letzte Abendmahlsfeier, das Abendmahl ausgeteilt habe, ohne mehr oder weniger Glieder in die Gemeinde aufzunehmen. Aber nun gebe es keine Weckung, keine Bekehrung mehr. Nicht viel offenbares Wachstum in der Gnade unter den Bekennern. Und niemand kommt in sein Studierzimmer, um mit ihm über sein Seelenheil zu sprechen. Mit der Zunahme des Geschäftsverkehrs und den blühenden Aussichten des Handels und der Industrie gehe eine Zunahme der weltlichen Gesinnung Hand in Hand. So sei es mit allen religiösen Gemeinschaften. Die Kirchen werden tatsächlich in den USA zu Babylon.

[40:42] Und dann schreibt jemand, auch ein relativ unbekannter Prediger, Bruder Atkinson, er kommt auch aus Kanada. Auch ihm ist unabhängig von Snow aufgegangen, dass wirklich das Ganze bis 1844 gehen muss. Er sagt: "Wenn Jesus bei seiner Taufe 30 Jahre alt war, muss er das 31. Jahr begonnen haben. Und dann sagt er, dass wenn seine Geburt vier Jahre vor unserer Zeitrechnung begann, dann war sein 31. Jahr im Jahre 27. Und dann sagt er und so weiter, das bringt uns in dieses Jahr 1844." Also ein zweiter. Atkinson sagt: "Moment mal, 1843 war gar nicht das Datum. Es hätte 1844 sein müssen."

[41:25] 24. Mai 1844, ein Meilenstein der Weltgeschichte. Ein Mann namens Morse schickt das erste Morse-Telegramm von Washington D.C. nach Baltimore. Und der Text ist: "What has God wrought?" Was hat Gott bewirkt? Ganz interessant. Ich war unten. Hier können wir sehen, da sieht man hier sogar die langen und das ist das Original Morse, die Original Morse Nachricht. Was hat Gott die einzelnen Buchstaben. Naja, damit natürlich kündigen sich schon ganz neue Perspektiven in der Kommunikation an, die auch mal für die Adventbewegung von großer Bedeutung sein werden. Aber davon ist noch nicht die Rede.

[42:14] Vielmehr gibt man ein neues Buch heraus. Der Name ist "Advent Shield", das Schild der Wiederkunft. Schild ist mehr eine defensive Waffe. Was man machen möchte, man möchte all das zusammenfassen, woran man immer noch glaubt. Quasi als Verteidigung der Adventbotschaft. Die Themen sind von Apollo Hale, "Das Bekenntnis der Milleriten und Entschuldigung der Adventisten. Wir haben uns geirrt im Datum." Josiah Litch gibt eine "Entstehung und Fortschritt", eine Geschichte des Adventismus. Also das war sein Thema. Litch war ein Adventhistoriker, schon damals. Und der Professor Whiting gibt ein Thema über "Prophetische Chronologie", zeigt, dass nach wie vor man kaum einen Fehler hat finden können. Und Sylvester Bliss schreibt über "Den Fall Babylons".

[43:03] Dann kommt die Generalkonferenz in Boston. Die Hauptredner sind Miller, Alan Galusha, der ehemalige Baptisten-Vorsteher, Whiting und Litch. Man studiert natürlich Habakuk 2 und Hebräer 10. Man hat es mittlerweile zur Angewohnheit, dass jeden Tag solche Bibelklassen geformt werden, wo alle Anwesenden sich in kleine Gruppen aufteilen und die Bibel gemeinsam studieren. Man berichtet vom Westen, Süden, Osten und Himes wird noch einmal entlastet, weil immer noch das Gericht umgeht. Er würde sich finanziell bereichern. Und er sagt immer: "Schaut doch in meine Bücher. Da ist nichts. Schaut doch hinein." Und er wird ohne Fehl und Tadel entlastet.

[43:46] Am 28. Mai während dieser Generalkonferenz kündigt Miller ein Bekenntnis an. Geht nach vorne. Es war ein Tag vorher angekündigt worden. Viele Leute kommen nur deswegen. Sie wollen hören, dass Vater Miller jetzt erzählt, dass alles falsch war und dass er sich entschuldigt für all den Unsinn, den er erzählt hat. Aber das macht er natürlich nicht. Er sagt nur: "Ich habe mich getäuscht im Datum. Aber alles andere glaube ich immer noch." Und dann sagt er: "Vater Miller hat bewiesen, dass er nur ein armes, fehlbares Geschöpf ist. Und wenn ihr ihm geglaubt hättet als Milleriten, dann hättet ihr euren Glauben aufgegeben. Und ich weiß nicht, was aus euch geworden wäre. Aber nun steht ihr auf dem Wort Gottes und das kann euch nicht enttäuschen." Eins hat die Enttäuschung noch bewirkt: Sie hat deutlich gemacht, man kann Miller nicht in jedem Punkt glauben. Und was man jetzt glaubt, glaubt man aufgrund des Wortes Gottes.

[44:37] Noch so eine ganz nebenbei Notiz hier. Am 29. Mai heißt es hier: "Das Tier, das nach dem Papsttum hervorkommt, das Hörner wie ein Lamm hat und wie ein Drache spricht, von dem viele vermuten, dass es den Protestantismus darstellt." Das war eine ganz neue Idee. Bis dahin hatten, also Miller hatte geglaubt, es ist auch das Papsttum. Und der Rest der Adventprediger hat gesagt, es ist die französische Revolution. Es ist vor allem vielmehr Bonaparte, Napoleon. Aber jetzt 1844 kommt die Idee so ins Spiel: "Hey, das könnten doch die Protestanten sein, dieses zweite Tier aus Offenbarung 13."

[45:15] Hier heißt es weiterhin: "Der Glaube der Gläubigen hier an das nahekommende Wiederkunft ist durch die scheinbare Verzögerung der Zeit nicht beeinflusst. Im Gegenteil, sie denken, dass ohne diese scheinbare Verzögerung hätte es nicht gesagt werden können, dass die Vision sich verzögert. Daraus folgt, dass diese Verzögerung statt ein Hinweis darauf zu sein, dass wir uns irren im Glauben an die baldige Wiederkunft eine weitere Versicherung ist, dass nicht ein Pünktchen des Wortes Gottes verloren geht." Also die Verzögerung ist ein Teil der Prophetie.

[45:58] Das überspringen wir, kennen wir schon. Am 31. Mai bringen Miller, Himes, Hale, Whiting und Galusha einen Aufruf an alle heraus und darum geht es unter anderem auch um Folgendes: "Wir sollten uns deshalb hüten, die Zustimmung zu einem untergeordneten Punkt, zu einem Test des christlichen Charakters oder der Gemeinschaft zu machen." Worum geht es? Und um die Frage ganz direkt anzusprechen, die uns am ehesten betreffen, möchten wir die folgenden benennen, die unter uns eingeführt worden sind: "Der Zustand der Toten und das endgültige Schicksal der Gottlosen sowie die Pflicht der Adventisten bezüglich der Kirchen." Das sind die beiden Themen, die momentan für Unruhe sorgen. Zustand der Toten und sollen wir raus aus den Kirchen und drin bleiben? Und Miller, Himes, Hale und Whiting und Galusha sagen: "Mach das nicht zu einem Test. Sag nicht: 'Okay, du glaubst nicht wie ich über den Zustand der Toten. Wir sind nicht mehr in einer Gruppe.'" Sondern in Bezug auf diese beiden Fragen möchten wir einfach anmerken, dass es am sichersten und unserer Nützlichkeit am zuträglichsten ist, wenn wir diese Fragen, wenn wir sie denn überhaupt haben, als Positionen von minderer Bedeutung ansehen, da sie nicht Teil des Adventglaubens sind und alle zugeben, dass eine Annahme oder Ablehnung dieser Theorien keine Erlösungsfrage darstellt." Hätte es heißen müssen. Und wiederum kann man verstehen, was sie meinen. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass man hier so ein bisschen zu weit aus dem Fenster lehnt. Denn die Frage, was nach dem Tod passiert, ist schon eine wichtige Frage und mit dem Adventglauben verbunden. Und alle, die dort schreiben, sind natürlich überzeugt, dass die Seele unsterblich ist. Aber auch das ist zumindest interessant. Vor einem Jahr hätten sie doch gesagt: "Wir glauben gar nicht dran." Jetzt sind wir schon auf der Position von: "Naja, egal was du glaubst, mach es wenigstens nicht zur Hauptsache."

[47:53] "Über unsere Pflicht bezüglich der Kirchen möchten wir auch ein Wort sagen. Die Gefahr ist hier wie in den meisten Fällen in den Extremen. Die erste Form der Gefahr ist, wenn man der Autorität der Kirche, der man angehört, erlaubt, uns Schweigen aufzulegen." Also wenn die uns zum Schweigen bringen wollen, können wir nicht dulden. Die zweite Form der Gefahr ist das Hegen von Rachegefühlen gegen die Kirchen, wegen ihrer Ungerechtigkeit uns gegenüber und in einem unreflektierten Kampf gegen alle Organisationen. Wenn man uns fragen würde, was Adventisten für eine Pflicht gegenüber den Kirchen, denen sie angehören, haben, können wir keine Richtung vorgeben, die allgemein gültig ist. Sie müssen in der Furcht Gottes so handeln, wie es der Fall und die Umstände fordern." Drei Jahre zuvor hatte man doch gesagt: "Bleibt in den Kirchen." Hat sich auch aufgeweicht.

[48:40] 3. Juni 1844, bemerkenswert im Zusammenhang mit der Stunde des Verrats Christi, ist der schläfrige Zustand der Jünger. So auch im Gleichnis der Zehn Jungfrauen. Immer mehr wird dieses Schlafen studiert. Kurz vor der Kreuzigung haben die Jünger geschlafen. Übrigens danach gab es eine große Enttäuschung. Und jetzt könnte es wieder sein, diese Zehn Jungfrauen in dieser Zeit der Verzögerung, die schlafen. Er sagt: "Möge der Herr dem Schreiber und Leser einen guten Anteil an Öl in unseren Lampen schenken, dass wir bereit sind, wenn die Vision spricht." Zitiert er wieder Habakuk, Kapitel 2.

[49:11] Am 4. Juni bricht der schlesische Weberaufstand aus und Robert Winter sagt hier: "Das überspringen wir, aber das sagen wir, in England. Ich habe den Herrn vor 1844 erwartet, aber kürzlich habe ich das Thema gründlicher studiert und ich entdecke, dass das Ereignis niemals vor diesem Jahr, also 1844, hätte stattfinden können, da die ganzen 1843 Jahre und ein Teil von 1844 braucht, um die 2300 Jahre oder Tage zu beenden." Der dritte, nach Snow, nach Atkinson, jetzt Winter. Alles drei relativ unbekannte oder nicht so führende Leute, die unabhängig voneinander diese Idee reinbringen: "Hey, Moment mal, 1844 ist das Datum." Und dann sagt er: "Und jetzt schaut man hier, ich warte nun auf den September oder den siebten Monat." Merkt euch das, auf den siebten Monat. Siebter Monat. Er ist der Erste, der dies ins Spiel bringt in Bezug auf 1844. Siebter Monat. Habe ich bis vor einem Tag auch nicht gewusst, dass er das der Erste war. Ich habe nur gedacht, später Snow ist es gewesen. Snow hat noch nicht vom siebten Monat bis dahin gesprochen. Robert Winter war der Erste.

[50:20] Der Weberaufstand in Schlesien wird von den Preußen mit brutaler Gewalt niedergemacht und die soziale Frage fängt an, auch in Deutschland zu einem Brennpunkt zu werden.

[50:33] Litch besucht am achten Juni Miller bei ihm zu Hause und sagt: "Miller geht's gut. Er ist immer noch guter Dinge und trotz Enttäuschung nicht niedergeschlagen."

[50:45] Und dann am zehnten Juni geht es diesem Mann hier an den Kragen. Weiß jemand, wer das ist? Das ist Joseph Smith, Gründer der Mormonen und im Jahre 1844 Bürgermeister von Nauvoo. Das ist die Stadt am äußersten Ende der USA, kurz vor der Prärie, die von den Mormonen besiedelt worden ist, zunächst mal, nachdem sie von überall vertrieben worden sind, unter anderem wegen der Vielehe. Und dort hat Smith sich zum Bürgermeister machen lassen und es gibt sogar eine eigene kleine paramilitärische Einheit. Er ist der General und er regiert dort mit eisernem Zepter und alle Mormonen-Prediger ziehen durch das Land und versuchen die Gläubigen dort in diese Stadt zu ziehen nach Nauvoo. Und dort gibt es eine kleine Zeitung und die druckt etwas Negatives über Smith ab und nennt ihn einen gefallenen Propheten. Und als das der Smith mitbekommt, lässt er die Zeitschrift einstampfen. Das ist ein Problem, denn in den USA herrscht Pressefreiheit und demzufolge wird er vom Gouverneur von Illinois eingekerkert und ins Gefängnis gesteckt und das, obwohl er sich just in diesem Jahr auf das Präsidentenamt der USA bewirbt. Er war US-Präsidentschaftskandidat.

[52:02] Weitere Campmeetings hier in Vermont, das ist da, wo auch Miller und Himes teilgenommen haben, ebenfalls im Juni 1844. Die Zeitschrift für Kanada wird von Montreal nach Toronto verlegt, ist besser und in Philadelphia ist wirklich buchstäblich die Hölle los. Dort kommt es zu gewaltigen Auseinandersetzungen zwischen den Protestanten und den Katholiken. Viele Iren sind aus Irland geflohen in den letzten Jahren, weil in Irland schwere Hungersnot ist und überhaupt es den Iren dort sehr schlecht geht unter der englischen Herrschaft und sie bringen immer mehr ihre katholischen Glauben mit und die Protestanten in Amerika schauen mit Argwohn auf diese irischen Katholiken so sehr, dass jetzt sogar eine etwas nationalistische Partei geformt hat in Amerika, um diese Katholiken wieder aus dem Land zu treiben und das endet in Blutvergießen, Kirchen werden angezündet, Häuser werden angezündet und für einige Wochen gleicht Philadelphia einem Bürgerkriegsschauplatz.

[53:11] Auch das passiert, kleines Kuriosum, ein Adventprediger ist verloren gegangen. Kann einer unserer Freunde uns informieren, was aus Bruder Caldwell geworden ist? Nichts mehr gehört. In einer Zeit ohne Handy, ohne E-Mail, ohne Facebook kann es mal passieren, dass man nicht mehr weiß, wo der Prediger ist. Und weiteres Campmeeting hier in Maine in der Nähe von Bangor und genau das haben wir gesagt. Litch kehrt zurück nach Philadelphia.

[53:43] Dann und am 25. Juni passiert etwas sehr Trauriges. Der junge Prediger mit Namen Levi Stockman, das war der junge Mann, der Ellen Harmon geholfen hat, den Glauben richtig zu verstehen. Vielleicht könnt ihr euch erinnern, dass sie solche großen Glaubensschwierigkeiten hatte und lange Zeit nicht wirklich wusste, ob sie gerettet ist, dann ihre Träume gehabt hat und dann zu diesem jungen Levi Stockman gegangen ist, der ihr erzählt hat und gesagt hat: "Wenn du schon so ernste Gedanken hast, dann bereite dich Gott auf eine große Sache vor." Dieser junge Prediger, 30 Jahre alt, stirbt am 25. Juni an Tuberkulose und das muss natürlich auch ein großer Schock für Ellen Harmon gewesen sein, aber naja, es sind ja nur ein paar Tage vielleicht oder Wochen, allerhöchstens Monate, bis Jesus wiederkommen wird, oder? Und so stirbt er in dieser Zeit der Verzögerung. Levi Stockman, merkt euch den Namen gut.

[54:41] Zwei Tage später stirbt Joseph Smith und im Gegensatz zu Stockman erwarten wir ihn nicht im Himmel. Er wird von einer wütenden Menge bei einem Fluchtversuch aus dem Gefängnis ermordet. Die genauen Umstände sind etwas umstritten, aber Fakt ist, er stirbt.

[55:09] Letztes Ereignis, noch einmal zurück zu James White. Durch diese ganze Verzögerung ist auch er etwas niedergeschlagen. Er hat so viel gepredigt, hat wirklich sein letztes Hemd gegeben und jetzt im Juni ist er einfach so ein bisschen fertig mit den Nerven und es ist wieder ein Campmeeting und er sagt: "Okay, ich gehe zum Campmeeting, aber ich werde dort nicht predigen. Ich muss mal einfach wieder selbst Predigten hören." Und er sitzt da und hört sich die Predigten an, aber dann passiert etwas, was ihn so richtig wieder ermutigt.

[55:35] Und schaut mal, das ist die Geschichte. Es gibt dort nämlich einen Bruder mit Namen H. Den Namen wissen wir nicht genau. Dieser Bruder ist ein bisschen merkwürdig. So ein Beispiel für diesen Fanatismus, der auch zu dieser Zeit wieder ein bisschen aufbricht. Eines Morgens versammelt sich etwa 40 Schwestern und Brüder zur Andacht im Haus von Bruder Jordan, während Bruder H. das Gebet leitete. Ein Teil seines seltsamen Gebetes ging in etwa so: "Oh Herr, sei Bruder White gnädig. Er ist stolz und wird verdammt werden, wenn er sich nicht von seinem Stolz trennt. Sei ihm gnädig, oh Herr, und rette ihn vom Stolz. Oh Herr, sei gnädig und entwöhne ihn vom Stolz des Lebens. Brich ihn her und mache ihn demütig. Hab Erbarmen mit ihm, hab Erbarmen." Er fuhr fort, eine lange Geschichte von mir zu erzählen und den Herrn über meinen Stolz zu informieren. Und wie sicher meine Vernichtung sei, sollte ich nicht schnellstens bereuen und schloss mit vehementen Erbarmen, Erbarmen, Erbarmen rufen. Stellt euch mal vor, ihr sitzt da alle gemeinsam in der Gebetstunde und ein anderer betet und sagt: "Oh, er hat so viel Stolz, erbarme dich ja nicht." So ging er mit denen um, die ihn nicht wegen seiner besonderen Demut und extra Heiligkeit mit ehrfurchtsvollen Gedanken anschauten. Sein Ziel war es, Furcht unter den Umgebenden zu verbreiten und sie direkt unter seinen Einfluss zu bringen.

[56:54] Aber in meinem Fall gelang es ihm nicht. Nachdem die Gruppe sich gesetzt hatte und schmerzhaft nachsah, was dies zu bedeuten hatte, setzte ich mich neben Bruder H. und sagte freundlich zu ihm: "Bruder H., ich fürchte, du hast dem Herrn eine falsche Geschichte erzählt. Aber warum erzählst du es dem Herrn? Er weiß mehr von mir als du. Er muss nicht über meinen Fall instruiert werden, aber das war nicht dein Ziel. Du wolltest mich vor den Geschwistern als stolz darstellen und hast als Medium das Gebet gewählt. Nun, Sir, wenn ich stolz bin, so sehr, dass du den Herrn Informationen darüber geben kannst, dann kannst du es mir vor den Anwesenden mitteilen, worin ich stolz bin. Ist es mein Erscheinen, meine Art zu reden, beten, singen? Nein, Bruder White, es ist nicht in diesen Dingen. Vielleicht liegt es an meinen abgetragenen Sachen. Bitte schau mich an. Sind es meine gepflegten Schuhe, mein rostiger Mantel, diese abgetragene Weste, diese schmutzige Hose oder der alte Hut, den ich trage? Nein, aber Bruder White, als ich diesen gestärkten Kragen an dir sah, Gott allein weiß, wie ich fühlte." Und hier weinte der Mann, als würde ihm das Herz brechen. Er suchte den Effekt. Es war seine Gewohnheit. Aber einen rauen, hartherzigen Mann, dessen Natur nur wenig zärtlicher als ein Krokodil ist und der genauso wenig moralische und religiöse Erziehung hat wie eine Hyäne besitzt, heuchlerische Tränen vergießen zu sehen, ist genug, um auch im ernstesten Heiligen Heiterkeit zu erzeugen.

[58:23] "Lass mich dir erklären, Bruder, was es mit diesem Kragen auf sich hat." Und dann erzählt er, was passiert ist, nicht wahr, dass seine Schwester für die Wäsche gewaschen hat und er selbst nie einen Kragen gehabt hat, aber sie ihm diesen Kragen gemacht hat. "Du hast dem Herrn eine falsche Geschichte über mich erzählt und ich denke, deine erste Aufgabe ist es, das mit ihm zu klären." Haar fiel auf seine Knie und sagte in etwa: "Oh Herr, ich habe für Bruder White gebetet und deswegen ist er böse auf mich. Hab Erbarmen mit ihm, hab Erbarmen, Erbarmen, Erbarmen." Und als er das sagte, dass niemand und als er sah, Verzeihung, dass niemand mit ihm betete und noch nicht mal kniete, fühlte er, dass seine Bemühungen versagten und er sprach mit leiser Stimme zu mir: "Warum hast du nicht mit mir gekniet? Oh Bruder White, ich habe für dich gebetet und um dich geweint und ich hoffe, du bist nicht böse auf mich."

[59:09] "Ganz bestimmt bin ich nicht böse. Ich habe Mitleid mit dir. Du leidest von ungeheilten Gefühlen, die aus unglücklichen Anwendungen falscher Ideen kommen. Deine Gebete sind für mich nicht mehr als das Heulen des Windes. Ich rate dir, die Sache nicht weiterzutreiben und hoffe, dass du eine gute Lektion aus dem Unfug lernst, den du heute Morgen gezeigt hast." Und dann sagt er, er hat sich danach so gut gefühlt. All seine Entmutigung war vorbei. In diesem Kampf gegen Fanatismus hat ihn der Herr so richtig gestärkt und hatte wieder Mut und Freude zu predigen. Und so kann es manchmal sein, dass wir, dass Gott uns mit fanatischen Personen zusammenbringt. Einfach nur, dass wir wieder selbst uns an dem Herrn freuen können, dass wir mit gesundem Menschenverstand gesegnet worden sind.

[59:52] Aber währenddessen schlafen die Adventisten. Wie gesagt, ein bisschen Fanatismus hier und dort, ein bisschen Konfusionen hier und dort. Schon einige, die sehen: "Hey, da muss was im Herbst sein", aber die noch zurückgehalten werden. Streitigkeiten über den Zustand der Toten. Unklarheit, sollen wir die Kirchen verlassen oder nicht? Die Zeit der Verzögerung produziert Schläfrigkeit. Und in Matthäus 25 schlafen die Jungfrauen wie lange? Bis Mitternacht. Und um Mitternacht ertönt der Mitternachtsruf. Nächste Woche mehr zu diesem Mitternachtsruf. Dann, ja, dann geht's wirklich los. Jetzt haben wir eine kurze Pause, aber die werden wir nicht haben, bevor wir nicht festgestellt haben, dass wir nicht zu befürchten haben. Es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Selbst in Situationen, als man nicht mehr wusste, wie es weitergeht. Gottes Segen euch und bis in zwei Minuten.


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