In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ beleuchtet Christopher Kramp die Ereignisse des Jahres 1810-1811. Im Fokus stehen Napoleons politische Manöver, wie seine Heirat mit Marie-Louise von Österreich, und die daraus resultierenden Spannungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der erzwungenen Einziehung von Joseph Bates in die britische Marine und den damit verbundenen Strapazen. Gleichzeitig wird die aufkeimende Unabhängigkeitsbewegung in Südamerika thematisiert und die Anfänge des Missionswerks in den USA beleuchtet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung der prophetischen Auslegungen, insbesondere bezüglich der 2300 Tage aus dem Buch Daniel.
Die Zeit des Endes: 5. Zwang und Patriotismus (1810 – 1811)
Christopher Kramp · Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er) ·Themen: AdventgeschichteWeitere Aufnahmen
Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)
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Transkript
[0:00] Wie es zur Jahreswende 1809-1810 aussah. Sie haben dann relativ schnell auch den Süden eingenommen und haben dann im Februar begonnen, Cádiz, das ist so eine kleine Stadt an der Straße von Gibraltar, zu belagern. Da kommen wir gleich später noch drauf. Am 6. Februar begann die Belagerung von Cádiz dort im Süden von Spanien.
[0:25] Dann im März gab es etwas sehr, sehr Spannendes. Nicht nur, dass in London das erste Gaswerk an den Start gegangen ist, sondern es kam zu einer Hochzeit. Das haben wir das letzte Mal gesehen: Napoleon hat sich scheiden lassen von seiner Joséphine. Weiß jemand noch warum? Keine Kinder, keinen Thronfolger. Und so hat sich Napoleon gedacht: Wen heirate ich jetzt? Und als er sich die Landkarte von Europa angeschaut hat, hat er gesehen: Die Österreicher habe ich schon viermal besiegt und sie sind mir sozusagen untertan. Aber vielleicht kann man diese Bande noch etwas vertiefen. Und so hat er sich entschieden, die 18-jährige Prinzessin von Österreich zu heiraten, Marie-Louise. Und General Berthier, den kennen wir schon, der damals den Papst gefangen nehmen sollte, der wurde beauftragt, jetzt nach Wien zu reisen und um die Hand von Marie-Louise zu bitten.
[1:22] Erstmal waren die Österreicher ein bisschen schockiert, dass jetzt Napoleon ihre Prinzessin heiraten sollte. Aber dann haben sie eingewilligt, weil Napoleon regelrecht mit Krieg gedroht hat, frei nach dem Motto: Entweder gebt mir eure Prinzessin, oder ich kämpfe ein fünftes Mal gegen euch. Und dann haben die Österreicher gesagt: Dann soll halt die Prinzessin Napoleon heiraten. Für sie war das ein großes Drama. Die war, wie gesagt, 18 Jahre alt und hatte ihre ganze Kindheit ja immer nur mitbekommen, wie Napoleon Krieg geführt hat gegen ihren Vater, ja, gegen Österreich. Und so sagt man, dass sie eine kleine Puppe besessen hat, an der sie jedes Mal ihre Wut ausgelassen hat. Diese Puppe hat sie Napoleon genannt. Das heißt, als kleines Mädchen hat sie Napoleon gehasst wie die Pest. Und sie hat ihn genannt den Antichristen, weil er ein ums andere Mal, Jahr für Jahr, wir haben es ja alles angeschaut in den letzten Wochen, immer wieder die Österreicher besiegt hat, die Österreicher besiegt hat und sie gedemütigt hat. Und jetzt ist sie 18 Jahre alt, jetzt kommt Napoleon und sagt: Ich möchte dich heiraten. Also kann man sich vorstellen, wie die sich gefühlt hat. Es kam noch hinzu, dass sie ganz schwer verliebt war an jemand anderes. Also, es war wirklich hochdramatisch. Aber sie hat sich dann in ihr Schicksal gefügt und hat dann Napoleon geheiratet, allerdings nicht einmal in seiner Anwesenheit.
[2:33] Die Hochzeit fand in Wien statt. Und das ist hier die gute Marie-Louise, die mit 18 Jahren ihren Erzfeind heiraten musste. Weil Napoleon sich vielleicht gedacht hat, ich weiß nicht warum, aber dass es vielleicht auch wichtigere Dinge gibt, als bei seiner eigenen Hochzeit anwesend zu sein. Hat er jemanden, hat einige Abgesandte dorthin geschickt. Und das war damals gar nicht so unüblich, dass man eine Ferntrauung durchgeführt hat. Das heißt, die Marie-Louise hat dort in Wien einem Österreicher das Ja-Wort gegeben, der stellvertretend für Napoleon stand. Das ist auch sehr interessant, nicht wahr? Und dann ist sie nach Paris abgereist und hat dann im Louvre nochmal am 1. April dann Napoleon in seiner Anwesenheit geheiratet. Und die englische Presse hat das ein bisschen kommentiert, dass in dieser Ehe wahrscheinlich nicht viel los gewesen ist und dass die beiden sich sehr gelangweilt haben, weil sie sich eigentlich nichts zu sagen gehabt haben. Übrigens, die Engländer haben den Napoleon immer "Bonny" genannt, von Bonaparte. Lustig gemacht, aber sie wussten auch, es geht große Gefahr von ihm aus.
[3:47] Die Franzosen haben dann angefangen wiederum Portugal anzugreifen, wie man dort sieht, schön auf der Karte. Und im April fand dann ein Ereignis statt im Leben von Joseph Bates, das sein Leben völlig auf den Kopf gestellt hat. Wir erinnern uns, Joseph Bates war bereits ein paar Mal mit Schiffen unterwegs gewesen. Wir hatten ihn zuletzt gesehen auf der Fahrt von Preußen nach Irland, letzte Folge. Und jetzt, 1810, hatte er sich auf den Weg gemacht von Belfast nach Liverpool. Und am 27. April wacht er in seinem Zimmer auf, in seiner Pension wohl gewesen ist. Und zwar nicht, weil er ausgeschlafen hat, sondern weil er überrascht wird von einer Gruppe von zwölf Männern, die zu einer sogenannten Pressgang gehören. Was hat es damit auf sich? Die Engländer, die Briten hatten ja die absolute Seeherrschaft, sie hatten mehr Schiffe als alle anderen. Das Problem war, es gab nicht genügend Engländer, die freiwillig auf den Schiffen Dienst leisteten. Was macht man? Man geht durch die Hafenstädte und jeden, den man findet, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, den zwingt man zum Dienst in der Navy.
[5:00] Und so sind die dann in dieses Zimmer reingebrochen und haben gesagt: Wer bist du? Joseph Bates hat gesagt: Ich bin Joseph Bates. Er war damals 17 Jahre alt. Und sie haben gefragt: Von welchem Land bist du? Er hat gesagt: Ich bin Amerikaner. Dann haben sie gesagt: Können wir deinen Pass sehen? Er hat seinen Pass gezeigt, sie haben gesagt: Das glauben wir dir nicht. Du bist ab heute Soldat für die britische Marine. Und das ist kein Einzelfall gewesen, das ist immer und immer vorgekommen. Das lag zum Teil auch daran, weil man relativ einfach an amerikanische Pässe damals rankam und die Briten einfach gesagt haben: Fast alle, die einen amerikanischen Pass haben, sind halt nur Deserteure oder Leute, die sich in Wirklichkeit Briten, die sich vor dem Dienst scheuen. Und so hat man ihm das nicht geglaubt und so ist er wie ein Verbrecher behandelt worden und wie ein Verbrecher auf so ein Kriegsschiff gebracht worden. Der arme Joseph Bates mit seinen 17 Jahren hat wahrscheinlich gar nicht gewusst, wie ihm geschah.
[5:55] Er hat dann dort auf diesen Schiffen auch noch andere Amerikaner gefunden, über 60 Stück, die alle auch dort hineingepresst worden sind. Und das hat natürlich dieses Vorgehen, das in diesen Jahren immer wieder stattfand, 1809, 1810, 1811, hat natürlich auf amerikanischer Seite für große Proteste gesorgt. Und Joseph Bates hat sich gedacht: Was soll ich jetzt machen? Wenn ich hier eingesperrt bin auf diesem Kriegsschiff, dann werde ich vielleicht mein Leben lang für den englischen König auf Kriegsschiffen dienen müssen. Das hatte ich eigentlich nicht vor. Ich wollte die Welt bereisen. Wie wäre es mit einem Fluchtversuch? Er hat versucht zu fliehen, ist gefangen genommen worden und ist danach drakonisch bestraft worden. Daraufhin ist er dann an die Südküste Englands verlegt worden, auf ein großes Schiff, auf die San Salvador del Mondo, mit über 1500 anderen Seeleuten, die ebenfalls so gefangen genommen worden sind. Er hat wieder versucht zu fliehen, das ist im Jahre 1810. Er war ganz schön mutig und ist wieder gefasst worden mit seinen Kameraden. Und wenn man zweimal versucht aus dem Kriegsdienst zu fliehen, dann kann man sich vorstellen, wie man behandelt wird von den Kommandanten.
[7:02] Und so ist er dann auf ein Kriegsschiff gebracht worden, auf ein englisches Kriegsschiff, auf die HMS Rodney. Und der Kommandant hat dann die 150 Leute, die mit ihm auf dieses Kriegsschiff gekommen sind, alle einzeln gemustert. Und als sie dann alle nach unten gegangen sind, nach Unterdeck, sollte er stehen bleiben und dann sind alle Kommandanten des Schiffes herangerufen worden. Und der Hauptbefehlshaber hat gesagt: Wenn irgendwann mal Rettungsboote notwendig sind, dann stellt sicher, dass dieser Mensch hier, Joseph Bates, niemals in ein Rettungsboot kommt, als Strafe für seine Fluchtversuche. Und so hat er ein schweres Leben gehabt. Er musste dann mit diesem englischen Schiff Richtung Frankreich ziehen. Es ging jetzt in einem Krieg gegen Frankreich. Und sie sind dann Richtung Spanien marschiert. Dort, hier, das ist Cádiz, wie gesagt, im Süden Spaniens, das belagert worden war von den Franzosen. Und hier, ich kann das kurz zeigen, da ist die Stadt Cádiz, liegt am Ozean. Und hier haben sie Halt gemacht. Da ist Joseph Bates gewesen mit seinen 17, 18 Jahren. Er hat seinen 18. Geburtstag da irgendwo auf diesem Kriegsschiff verbracht. Und in der Nähe waren bereits die französischen Kanonen. Er war also richtig mitten im Krieg jetzt. Und das hat er sich natürlich nicht so gedacht, hat auch kaum noch Kontakt jetzt nach Hause gehabt. Und es sah so aus, als ob er sein Leben lang Soldat für die Engländer sein müsste.
[8:37] Und er hat dann weiter den Auftrag bekommen, dort in Südspanien ein spanisches, auf einem spanischen Schiff dann nach Minorca zu segeln mit einigen anderen. Weiß jemand, wo Minorca liegt? Nein, Mallorca, genau. Das kann man sich leicht merken. Mallorca ist die große Insel und Minorca die kleine. Da hatten die Briten einen Stützpunkt. Die Briten haben ja jetzt die Spanier unterstützt, die sich gegen Napoleon zur Wehr gesetzt haben. Und dort sollte eines der Schiffe begleiten, das in der Seeschlacht von Trafalgar, in der Seeschlacht von Trafalgar zerstört worden war. Und dort auf Minorca hat er seinen dritten Fluchtversuch unternommen, ebenfalls im Jahre 1810. Er hatte 24 Stunden Ausgang und ist nach zwei Tagen immer noch nicht zurück gewesen. Er hat verzweifelt versucht, dort einen Weg zu finden, irgendwo weg von den Briten, hat aber keinen Weg gefunden und ist nach zwei Tagen dann reumütig zurückgekehrt. Und weil er alleine zurückkam, ist ihm eine schwere Bestrafung erspart geblieben. Und so hat er sich damit jetzt begnügen müssen oder damit abfinden müssen, dass er wohl für den Rest seines Lebens dort in britischen Diensten kämpfen muss. Es gab auch immer wieder Gefechte. Er hat zum Beispiel in der Nähe von Malaga, auch in Südspanien, gegen französische Schiffe kämpfen müssen. Und war da tatsächlich beteiligt und hat dann im Jahre 1810 vor allem im westlichen Mittelmeer immer wieder operieren müssen auf verschiedenen Kriegsschiffen. Das also Joseph Bates mit seinen 17, 18 Jahren im Mittelmeer.
[10:18] Derweil, weil die Spanier, wie wir gesehen haben, kaum noch Kontrolle über eigenes Land hatten, konnten sie erst recht nicht mehr ihre Kolonien kontrollieren. Wie man ja wahrscheinlich weiß, war Südamerika aufgeteilt in Spanien und Portugal. Übrigens, weiß jemand, warum das so gewesen ist, wie diese Aufteilung kam? Zur Zeit der Kolonisation, als also die Kolonialisten kamen und die Spanier und die Portugiesen sich jetzt um Südamerika gestritten haben, da hat damals der Papst mal eine Linie gezogen auf der Karte und gesagt: Okay, alles westlich davon gehört Spanien, alles östlich davon Portugal. Und jetzt, als die Spanier selbst so in Bedrängnis waren, haben dort in Südamerika immer mehr Völker überlegt: Können wir nicht auch unabhängig sein? So kam es zum Beispiel am 25. Mai 1810 zu einer Revolution in Argentinien und der Vizekönig, der spanische Vizekönig, musste jetzt ein Parlament neben sich dulden.
[11:15] 29. Juni 1810 in Massachusetts. Und zwar hier, genau hier, dort im Nordwesten von Massachusetts, wird die erste Auslands-Missionsgesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika gegründet. Wir hatten vor zwei Folgen, glaube ich mal, über dieses Heuhaufen-Gebetstreffen gesprochen, kann sich jemand erinnern? Das war hier gewesen, in Massachusetts, genau an diesem Ort. Da stand damals ein Heuhaufen, dort, wo die Säule heute steht. Und vier Jahre später haben dann diese Studenten, die sich damals niedergekniet haben, in diesem Regen und gebetet haben: Gott, wie sollen wir die Heiden erreichen? Vier Jahre später haben diese Studenten dann die erste Auslands-Missionsgesellschaft gegründet. Bis dahin gab es nur Missionsgesellschaften, die für den Westen Amerikas zuständig waren, die versucht haben, das Christentum zu den Indianern zu bringen und zu den abgelegenen Siedlern. Und hier, 1810, die erste Missionsgesellschaft.
[12:14] 1810 war das Missionswerk noch ziemlich in den Anfängen. Zu dem Zeitpunkt waren fast alle Länder in Afrika und Asien verschlossen. Die meisten Kirchen haben auch nicht wirklich an Heiden-Missionen geglaubt. Die haben gesagt: So einen Quatsch brauchen wir nicht. Es war sogar so gewesen, als diese Gesellschaft gegründet worden ist, da gab es jemand, der bei der Gründungsversammlung sich gemeldet hat und gesagt hat: Entschuldigung, das Christentum in Amerika ist nicht stark genug, um es noch exportieren zu können. Wir brauchen alle Christen hier, wir können nicht noch Christen Wanders hin senden. Und das war so ein bisschen der Zeitgeist. Aber es war wirklich schwer, dort diesen Gedanken zu etablieren, auch in andere Länder zu reisen, um Missionen zu machen. Zu dem Zeitpunkt, 1810, gab es bisher erst 100 Missionare weltweit, die kamen meistens aus Großbritannien. Und es wurden nur etwa 1000 Dollar pro Jahr für Auslands-Missionen gespendet. Es gab keine medizinischen Missionare, keine Krankenhäuser, keine Waisenhäuser, keine Missionsbemühungen für Frauen, keine missionarische Literatur. Das Ganze steckte also wirklich in den Anfängen. Was es gab, waren, wie gesagt, einige Missionare, die irgendwo in China, in Indien steckten, versucht haben, die Sprache erstmal zu lernen. Das war die Zeit damals.
[13:27] 1. Juli. Gab es zu Streitigkeiten zwischen den beiden, zwischen Napoleon und seinem Bruder Louis. Und als Louis nicht einlenken wollte, hat er lieber freiwillig abgedankt. Und Napoleon hat sich gefragt: Was soll ich jetzt machen? Kein Problem. Louis war ja der König von Holland gewesen. Und so hat Napoleon einfach Holland annektiert. Es gehörte jetzt auch zu Frankreich.
[13:51] Am 4. Juli, drei Tage später, fand eine Hochzeit statt, ebenfalls in Massachusetts, und zwar im nördlichen Teil von Massachusetts, hier, in Portland, zwischen zwei Menschen, die eigentlich nichts Besonderes an sich hatten. Und zwar zwischen einem gewissen Robert Harman und einer Eunice Gould. Robert Harman, Eunice Gould, beide 24 Jahre alt, heiraten in Portland. Kein Mensch hat damit irgendwie was Besonderes verbunden, aber sie werden noch von Wichtigkeit sein. Robert Harman ist Hutmacher und Farmer. Mehr dazu in späteren Folgen.
[14:35] Ansonsten war der Juli weiterhin sehr bewegt. In Südamerika haben die Kolumbianer ihre eigene Republik ausgerufen und die Franzosen haben in Spanien eine Stadt erobert. Während das alles so stattgefunden hat, gab es jemanden, der sich mit schweren Gedanken getragen hat, nämlich William Miller. Wir haben über ihn schon gesprochen, gesehen, wie er in den letzten Jahren sich dem Deismus verschrieben hat und der Freimaurerei versucht hat, sein Leben in den Griff zu bekommen. Aber er schreibt hier, dass in dieser Zeit, um 1810 herum, etwas in seinem Kopf passiert ist. Er sagt: "In der Zwischenzeit führte ich meine Studien fort, indem ich meinen Kopf mit historischem Wissen anfüllte." Gibt es jemanden von uns, der auch so an Geschichte interessiert ist? Ich liebe Geschichte. Ich könnte den ganzen Tag lang nur Geschichtsbücher lesen. Jedenfalls war Miller ganz genauso. Und er sagt: "Je mehr ich las, desto schrecklicher verdorben erschien mir der Charakter der Menschen. Ich konnte keinen hellen Punkt in der Geschichte der Vergangenheit erkennen. Diese Welteroberer und Geschichtshelden waren offensichtlich Dämonen, Menschengestalt." Also, egal von wem man da liest, ob Alexander der Große oder Cäsar oder Nebukadnezar oder wer auch immer, die haben halt wirklich nicht viel Gutes an sich gehabt, diese sogenannten Welteroberer. Er sagt dann weiter: "All die Sorge, das Leiden und das Elend der Welt schienen sich nur zu vergrößern, je mehr Macht sie über ihre Mitmenschen gewann. Ich begann ein tiefes Misstrauen gegenüber allen Menschen zu hegen. In diesem Zustand meldete ich mich für den Dienst für mein Land. Ich hegte die Hoffnung, dass ich zumindest einen hellen Punkt im menschlichen Charakter finden würde, gleichsam einen Hoffnungsstern. Nämlich was? Vaterlandsliebe. Patriotismus."
[16:30] Während also Joseph Bates per Zwang in den Krieg gezwungen worden ist, hat William Miller gesagt: Vielleicht hilft mir der Patriotismus, wenn ich einfach für mein Land kämpfe, vielleicht wird das mir Frieden geben in mein Herz, wird das mir Glück geben, all das, was mir bisher die Philosophie und das Geschichtsstudium nicht geben konnte. Und so hatte er am 21. Juli 1810, also nur wenige Monate nachdem Joseph Bates mit seinen 17 Jahren in den Krieg gezwungen wurde, hat William Miller, er war jetzt schon 28, folgenden Schwur abgelegt: "Ich, William Miller, schwöre feierlich, dass ich dem Staate Vermont treu sein werde, dass ich weder direkt noch indirekt die Verfassung oder Regierung derselben gemäß Konvention durch irgendeine Handlung verletzen oder..." Genau, das hätte ich besser übersetzen sollen. "...verletzen sollte, so wahr mir Gott helfe. Ich schwöre außerdem, dass ich die Verfassung der Vereinigten Staaten unterstützen werde."
[17:25] Er wurde zum Leutnant der Miliz von Vermont. Also, die Vereinigten Staaten von Amerika hatten eine reguläre Armee und jeder einzelne Bundesstaat hatte solche Milizen, die dann im Kriegsfall helfen sollten. Und Miller wurde zum Leutnant der Miliz vom Bundesstaat Vermont ernannt. Dann man ging davon aus, dass diese Spannung mit England, unter anderem deswegen, weil Leute dort in die englische Navy hineingezwungen wurden, vielleicht irgendwann in Krieg enden würden und da bräuchte man dann alle verfügbaren Kräfte. Und William Miller hat sich freiwillig gemeldet und hat gesagt: Ich möchte für mein Land kämpfen.
[18:00] Weiter ging es kriegerisch in diesem Jahr zu. Im September, 16. September, 18. September, der Beginn des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges, der Beginn der chilenischen Unabhängigkeitsbemühungen. Während Spanien verzweifelt um sein eigenes Land gekämpft hat, haben die spanischen Kolonien in Südamerika ein zum anderen die Unabhängigkeit erklärt. Hier haben wir die Schlacht bei Busaque. Die Briten und Portugiesen haben es geschafft zum dritten Mal die Franzosen aus Portugal zu vertreiben und das hat Napoleon richtig genervt. Er hat immer wieder versucht mit Portugal das letzte Land an Kontinentaleuropa auf seine Seite zu bekommen und zu erobern und er hat es einfach nicht geschafft. Und ein Grund daran war, dass dort ein englischer General namens Wellington ganz erfolgreich die Verteidigung von Portugal übernommen hat. Und so kam Napoleon nicht so wirklich zu diesem letzten Ziel, ganz Europa zu vereinen.
[18:56] Das Ende des Jahres 1810 steht unter einem besonderen Schwerpunkt, nämlich im Bezug der biblischen Prophetie. Wieder in dieser Zeitschrift, Christian Observer, kam es zu einigen interessanten Artikeln, die es sich lohnt einmal genauer anzuschauen. Zunächst einmal hatte Cunningham, dieser schottische Laie, von dem ich schon erzählt habe, noch einmal bewiesen, dass die 2.300, diese Zahl, 2.300 Abend und Morgen, in Daniel 8 tatsächlich 2.300 heißen müssen. Ich glaube, ich habe es schon erwähnt in einigen der folgenden Folgen, dass es einige Leute gab, die gesagt haben, es müssen eigentlich 2.400 sein beziehungsweise 2.200. Der Grund dafür, es gibt ein einziges Manuskript in der Welt, wo 2.400 steht und ein anderes Manuskript, nämlich im Vatikan, da steht 2.200. Und einige der besonders hochgebildeten Theologen haben gesagt: Naja, vielleicht ist die Abschrift im Vatikan richtig, oder vielleicht ist diese eine Abschrift mit den 2.400 richtig. Und so hat es erstmal eine Zeit lang gedauert, bis man sich einigen konnte, zu sagen: Nein, die 2.300, das ist die richtige Zahl.
[20:01] Und dann im November, in der gleichen Zeitschrift, hat ein anderer Ausleger, vermutlich war es John Aquila Brown, keiner weiß es so genau, einen Artikel geschrieben, in dem er über die 2.300 Abend und Morgen jetzt gesprochen hat. Und als der erste überhaupt, soweit man das zurückverfolgen kann, das Jahr 1843 als Endpunkt angegeben. Und in der letzten Folge haben wir von, können wir uns erinnern, in der letzten Folge haben wir von Davis gehört in Amerika, der durch Bibelstudium drauf gekommen ist. Und hier haben wir jemanden jetzt in England, der völlig unabhängig von Davis auf die gleiche Idee gekommen ist, dass nämlich auch diese 2.300 Abend und Morgen wirklich durch die 70 Wochen erklärt werden. Er schreibt dort im November 1810: "So reichen die 70 Jahrwochen oder 490 Jahre bis an das Lebensende unseres gesegneten Erlösers und 1810 Jahre, der verbleibende Rest der 2.300 Jahrperiode, bringen uns in das Jahr 1843."
[21:06] Und so sehen wir also, wie sowohl in England als auch in Amerika fast gleichzeitig diese Idee plötzlich zum Vorschein kommt. Er war übrigens nicht der Erste, wie wir gesagt haben. Der Allererste, der das jemals entdeckt hat, dass die 70 Wochen aus Daniel 9 die Erklärung für die 2.300 Abend und Morgen sind, der kam aus welchem Land, kann das jemand raten? Wer war der Allererste, aus welchem Land ist er wohl gekommen? Aus Deutschland. Und zwar bereits schon 1768. Ein kleiner deutscher Pastor mit Namen, vor allem hier, Johann Petri aus Seckbach in der Nähe von Frankfurt. Das ist ein Haus, wo er gewohnt hat, das ist eine Kirche, wo er gedient hat. Er hat schon 1768, also ungefähr 20 Jahre vor Beginn der Französischen Revolution, als Allererster Mensch in der Geschichte der Menschheit, soweit wir es zurückverfolgen können, die Idee geäußert, dass Daniel 9 eine Erklärung für Daniel 8 ist. Und nach ihm kam dann, wie gesagt, hier dieser Autor im Christian Observer, 1810. Es gab auch noch jemanden in England, der es auch gesehen hat, ungefähr zur gleichen Zeit, wenn wir gleich noch drauf kommen.
[22:27] Und so ist diese Wahrheit also Stück für Stück von einigen Leuten erkannt worden. Im Winter hat dann Napoleon Schweden sogar gezwungen, England den Krieg zu erklären. Und er hat dann Napoleon auch die ganzen norddeutschen Gebiete, ja, nicht nur Holland, sondern auch ganz Norddeutschland zu Frankreich hinzugefügt. Das heißt, Hamburg gehörte jetzt zu Frankreich, die sogenannte Hamburger Franzosenzeit. Also, das war wirklich krass, wie er ganz Europa immer mehr unter seinen Einfluss bekommen hat. Und der Grund war, er wollte das so wirksam wie möglich machen, dass kein britisches Schiff Europa mehr ansteuern kann und dementsprechend dann die Wirtschaft zusammenbricht.
[23:17] Währenddessen, im Winter 1810, hat, wie gesagt, Joseph Bates irgendwo bei Minorca und Mallorca auf seinem Schiff gesessen und hatte gerade den Befehl bekommen, weitere drei Jahre im Mittelmeer bleiben zu müssen, um dort Krieg gegen die Franzosen zu führen.
[23:34] Im Jahre 1810 treffen wir auch wieder Wolf. Kannst du dich immer noch an Wolf erinnern? Den kleinen Juden, der Christ werden wollte? Den treffen wir 1810 wieder in Prag. Was war seitdem passiert, seitdem er 1806 in Stuttgart gewesen war? Er hatte dort 1806 seine Familie verlassen, im Alter von elf Jahren. Er hat zu seinem Vater gegangen, hat gesagt: Papa, ich möchte etwas lernen. Er hat gesagt: Was möchtest du denn lernen? Ich möchte Griechisch lernen. Und all die Freunde, all die Rabbis vom Vater haben gesagt: Lass ihn nicht ziehen, er wird heilig werden. Sein Onkel hat ihm gesagt: Wolf, Wolf, gib das Studieren auf, es wird dich zum Christentum führen und dich entehren. Das war sein Onkel Aschur von Weilersbach, 1806. Aber klein Wolf hat gesagt: Nein, ich möchte studieren, ich möchte mehr wissen, ich möchte das Christentum kennenlernen. So ist er nach Bamberg gegangen, zu einem Verwandten mit Namen Moses Kohen, der sich für Kant und Schiller und Goethe interessiert hat. Und dort hat er, ist er zum Gymnasium gegangen, hat einen katholischen Religionslehrer gehabt. Und dieser katholische Religionslehrer hat in seiner zweiten Unterrichtsstunde über Apostelgeschichte 9 gesprochen, über die Bekehrung von Paulus, der ein Jude gewesen war. Und dann hat er von vielen Missionaren der katholischen Kirche erzählt. Und es war diese Unterrichtsstunde, die Wolf bestätigt hat: Ich möchte Christ werden und ich möchte Missionar werden. Am besten katholischer Missionar, das war so seine Idee. Das hat er seinem Onkel in Bamberg erzählt, der hat gesagt: Du spinnst ja, du bist Jude, du kannst kein katholischer Missionar werden. Und als er das gemerkt hat, dass er auch von seinem Vater mit Enterbung bedroht wird, ist er ohne Geld einfach geflohen, Richtung Frankfurt.
[25:24] Ist dort von einem katholischen Hirten aufgenommen worden, der ihn da aufgepäppelt hat. Er ist nach Frankfurt gesandt worden, der katholische Hirte hat ihm Geld mitgegeben. In Frankfurt hat er dann Juden getroffen, die gar nicht mehr so wirklich an Gott geglaubt haben. Also so deistische Juden, die gab es nämlich auch, die dann gezweifelt haben an der Bibel und an Mose und so weiter. Deswegen hat er sich dann wieder mehr an die Christen gewandt. Und er hat einen Professor dort in Frankfurt gefunden, einen Christen, und hat gesagt: Ich möchte mich taufen lassen. Das war ein Protestant. Der Professor hat gesagt: Wolf, das ist nicht nötig. Du brauchst dich schon taufen lassen. Denn diese Protestanten zu der Zeit hatten schon angefangen, die historisch-kritische Methode anzunehmen, die höhere Bibelkritik, und sie waren eigentlich gar nicht mehr so sicher, ob das alles noch so notwendig ist mit der Taufe und mit den Wundern. Wolf war ein bisschen irritiert, er wollte Christ werden und jetzt sagen die christlichen Protestanten ihm: Ist eigentlich gar nicht so wichtig, lass mal gut sein, bleib mal Jude.
[26:23] Und so hat er sich dann da nicht lange aufgehalten in Frankfurt, hat ein bisschen Geld verdient mit hebräischem Unterricht und ist dann nach Halle gegangen. Sein Vater war mittlerweile gestorben. Und in Halle hat er sich wieder mit den Theologen angelegt, die das Christentum ausreden wollten. Dann ist er nach Prag gegangen. Das alles in diesen Jahren mit elf Jahren, zwölf Jahren, dreizehn Jahren, vierzehn Jahren, er hat wirklich ein bewegtes Leben gehabt. Er ist nach Prag gegangen und dort wollte er sich wieder taufen lassen. Jetzt haben aber die Katholiken ihm gesagt: Wolf, das glauben wir nicht. Heutzutage lässt sich fast jeder Jude taufen, wenn er mal einen Streit mit dem Vater hat. Das glauben wir nicht, dass du wirklich bekehrt bist. Und so hat er sich, das gibt es doch gar nicht.
[27:06] Dann ist er von Prag weiter gereist nach Wien und von Wien dann nach Pressburg, dem heutigen Bratislava, und wieder zurück nach Wien. Und irgendwann hat er gar kein Geld mehr gehabt. Und dann stand er da in Wien und war völlig verzweifelt. Die Katholiken wollten ihn nicht und die Protestanten wollten ihn nicht und mit den Juden konnte er auch nicht mehr. Und dort ist er von einem Kommandanten der österreichischen Armee aufgegriffen worden und hat ihn dann sechs Wochen lang versorgt. Er hatte nämlich gar nichts mehr gehabt, kein Geld, nichts. Und als er dann wieder ein bisschen zu Kräften gekommen war und ein bisschen besser versorgt war, hat er sich auf den Weg nach München gemacht, ist dann in ein Benediktinerkloster gegangen, sollte dort Hebräisch unterrichten, weil er als Jude das gut konnte und selbst ein bisschen Latein lernen. Sein Ansprechpartner war dort ein gewisser Vater Christopher.
[27:58] Und das ging ganz gut, bis dann die Studenten anfingen, ihn wegen seiner Rasse wieder zu meiden, insbesondere die Köchin. Da gab es folgende Begebenheit: Er saß einfach in der Mensa dort, hat gegessen. Dann kam die Köchin und hat ihn gefragt, ob er Schweinefleisch essen möchte. Vorher wusste schon, worauf das hinausgeht, hat einfach Ja gesagt. Und dann fing die Köchin an, ein Spottlied auf Juden zu singen: "Mauschel ist tot, Mauschel ist tot." Mauschel war damals so ein Spottname für Mose. Und er war so wütend, er war ja 15 Jahre alt, so wütend, ist aufgestanden, hat der Köchin eine geklebt ins Gesicht und hat das Benediktinerkloster verlassen.
[28:39] Und hat jetzt, ist dann nach München gegangen und hat sich da wieder mit den jüdischen Professoren gestritten, hat debattiert und hat dann die protestantischen Professoren aufgesucht, die waren aber alles Rationalisten, haben alles, haben alles das Christentum abgelehnt, nicht abgelehnt, aber sozusagen die Wunder der Bibel und haben alles sozusagen mit höherer Bibelkritik weg erklären wollen. Also hat er gesagt, das Einzige, was mir übrig bleibt, ist der Katholizismus. Hat also ein katholisches Gymnasium besucht und da sollte er vier Fächer studieren: Latein, Griechisch, Geschichte und Tanzen. Er hat gesagt: Geschichte studiere ich gerne, Latein und Griechisch noch mehr, aber Tanzen mache ich nicht. Interessiert mich nicht, will ich nicht, kann ich nicht. Und dann hat er das schriftlich eingereicht und der Direktor hat gesagt: Okay, dann lernst du halt Zeichnen dafür. Er hat gesagt: Zeichnen interessiert mich auch nicht, mache ich auch nicht. Er hat dann aber jemanden gefunden, der für ihn alle Zeichnungen gemacht hat, hat dann immer Einsen bekommen. Das Problem war nur, irgendwann war er so stolz auf seine tolle Erfindung, dass jemand anders für ihn zeichnet, dass er das erzählt hat. Daraufhin ist er dann für 24 Stunden bei Brot und Wasser eingesperrt worden. Das war damals noch härtere Bedingung als Schüler.
[29:51] Und dann ist er nach Ansbach gegangen, also er hat wirklich ein bewegtes Leben gehabt, alles in diesem Jahr 1810, und hat es noch einmal versucht mit den Protestanten und hat ein paar Vorlesungen gehört. Und als die dann erklärt haben, dass Jesus gar nicht vom Heiligen Geist gezeugt worden ist, sondern von irgendeinem Soldaten, all diese ganzen bibelkritischen Aussagen, die jetzt den Protestantismus in Deutschland zu der Zeit wirklich schon zersetzt haben, da hat er sich dann entschieden: Ich werde kein Protestant. Wenn ich mich taufen lasse, lasse ich mich nur als Katholik taufen. Interessant, wie man so als Jude in der Zeit wirklich es schwierig gehabt hat, dort den Glauben zu finden. Praktische Lektion für uns, könnte es sein, dass wir durch durch falsche Äußerungen manch einen, der sich zum Christen bekehren möchte, aufhalten? Und was mit ihm weiter passiert ist, werden wir das nächste Mal sehen.
[30:47] Zu der Zeit 1810 gab es eine ganze Reihe von Campmeetings, natürlich immer weiter, und diesmal sind sie nicht nur in Neuengland, in Amerika verbreitet worden, sondern sie kamen jetzt auch nach England. Die Methodisten in England waren nicht so begeistert, wollten es eigentlich verhindern, aber die ursprünglichen Methodisten, die sich dann davon abgespalten haben, haben diese Campmeetings auch nach England gebracht. Es war eine Zeit, in der sich viele kleine Denominationen abgespalten haben. Es gab zum Beispiel eine kleine Gruppe in London von Christen, die haben eine eigene Denomination gebildet, weil sie nicht geglaubt haben, dass die Seele unsterblich ist. Haben dann ihr eigenes Magazin rausgebracht. Wir haben letztes Mal schon gehört von der Christian Connection, Alexander Campbell und Stone, die auch die Disciples of Christ gegründet haben, eine neue Denomination, die gesagt hat: Nichts anderes als die Bibel, keine Glaubenspunkte mehr. Eine andere Gruppe, die gegründet worden ist, waren die Cumberland Presbyterianer. Aufgrund der Weckungsbewegung ist es jetzt immer zu neuen Denominationen gekommen, die es zum Teil bis heute gibt.
[31:54] Vielleicht noch ganz kurz dazu, genau, das machen wir das nächste Mal. 1811, vielleicht noch ganz kurz ein bisschen was zu 1811. Wiederum im Januar kam es zu einer Veröffentlichung in Bezug auf die 2300 Abend und Morgen. Der William Davis, den wir letztes Mal kennengelernt haben, hat jetzt mittlerweile ein Buch geschrieben. Er konnte seine Veröffentlichung, seine Herausfindung vorher nicht veröffentlichen, weil er Stress gehabt hat mit seiner eigenen Kirche. Die hat ihm nämlich Häresie vorgeworfen, nicht in Bezug auf die Prophetie, sondern in Bezug auf den Erlösungsplan. Und er hat dann seine eigene Kirche gegründet, auch eine eigene Denomination. Und im Kontext dieser Auseinandersetzung hat er das Buch veröffentlicht, "Das Millennium". Und darin schreibt er ebenfalls: "Der einzige Grund, warum die Theologen bei diesem Thema, den 2300 Jahren, so verwirrt waren, besteht darin, dass sie Daniels siebzigste Woche völlig übersehen haben, die so akkurat formuliert ist und deswegen hatten sie keine Zahl für ihre Kalkulation."
[32:57] Also, noch einmal können wir sehen, wie Menschen zu dieser Zeit zum ersten Mal entdeckt haben, dass diese siebzig Wochen die Erklärung sind für die 2300 Abend und Morgen. Und er kannte den Christian Observer nicht. Das heißt, es war alles fast gleichzeitig zueinander, unabhängig voneinander. Trotzdem war er mit vielen Dingen dann trotzdem nicht ganz richtig. Zum Beispiel hat er geglaubt, dass das Millennium 1922 anfängt. Er hat auch geglaubt, dass die sechste Plage bedeutet, dass die Türken Italien einnehmen und Rom verwüsten. Und er hat sogar aufgrund der Prophetie erwartet, dass Napoleon bald der König über die Moslems sein würde. Das heißt, die Lektion, die wir daraus lernen können: Obwohl dieser Mann und einige andere wirklich enorme Wahrheiten gefunden haben, waren sie nicht frei von großen Fehlern auf der anderen Seite. Und es hat wirklich gedauert, bis sich so die Wahrheit Schritt für Schritt durch den Wust von Irrtum herausgebildet hat. Praktische Lektion: Man kann also nicht alles glauben, was jemand schreibt, auch wenn er hervorragende Wahrheiten entdeckt. Oder anders ausgedrückt: Auch wenn jemand viel Wust an Unsinn schreibt, kann er doch ganz hervorragende Wahrheiten entdeckt haben zwischendrin.
[34:19] Und da jetzt diese, das ist ganz interessant, wie Gott das gemacht hat. Während also bestimmte Schreiber entdeckt haben, dass Daniel 9 eine Erklärung für Daniel 8 ist, gab es andere, die nicht einmal das geglaubt haben, die aber Daniel 9 immer besser verstanden haben. Es gab Leute wie er, die gesehen haben: Daniel 9 ist die Erklärung für Daniel 8. Dann gab es jemanden, wie hier, George Stanley Faber, von dem wir schon gehört haben, der hat das nicht geglaubt, dass Daniel 9 die Erklärung für Daniel 8 ist. Der hat aber Daniel 9 so gut ausgelegt, wie kein anderer. Und das konnten dann die anderen wieder verwenden. Unterschiedliche Leute haben mit unterschiedlichen Ergebnissen sich gegenseitig befruchtet. Er war derjenige, der als einer der ersten felsenfest belegt hat, dass der Beginn der 70-Jahr-Wochen das siebte Jahr von Artaxerxes ist. Er sagt: "Es folgt, dass der Erlass, von dem sie aus zu kalkulieren sind, der Erlass von Artaxerxes Longimanus, aus seinem siebten Regierungsjahr sein muss." Da hat er hier die verschiedenen Erlasse aufgeschrieben. Er hat noch geglaubt, das wäre das Jahr 458 gewesen, nicht 457. Aber wir sehen schon, wie es Stück für Stück immer näher zur Wahrheit kommt.
[35:24] Hier ein kleiner Überblick über all diejenigen, die über die 2300 Jahre geschrieben haben zu der Zeit. Der erste war, wie gesagt, Johann Petri aus Deutschland. Und einige wenige von ihnen hatten also geglaubt, es sind 2400, nicht 2300. Wir sehen an den Daten, viele von ihnen waren noch ziemlich weit weg. Hier und dann im Christian Observer 1843 zum ersten Mal 1843 und dann William Davis 1847. Das waren die, die zum ersten Mal erkannt haben, dass Daniel IX mit Esra und mit dem Beginn der Perser der Anfang ist für Daniel VIII.
[36:07] An einem Artikel von diesem guten Mann haben wir letztes Mal auch schon kennengelernt, von Elias Smith. Er war einer der Ersten, die dann doch beschrieben haben, dass das zweite Tier aus Offenbarung 13 vielleicht doch die protestantischen Denominationen mit einschließt. Er war ganz stark darin, die katholische Kirche als Babylon zu bezeichnen und hat da viele Traktate geschrieben und hat hier auch gegen die protestantischen Denominationen, von denen man sich ja abgrenzen wollte, bei der Christian Connection, hat gegen sie geschrieben.
[36:39] Ansonsten gab es natürlich weiter Krieg. Die Franzosen haben 1811 wieder einigen Boden gut gemacht, haben in der Nähe der portugiesischen Grenze einige Siege errungen, hier zum Beispiel am 19. Februar. Am 20. Februar ist Österreich bankrott gegangen, mussten so viel Geld an die Franzosen zahlen als Kriegsentschädigung, dass der ganze Staat bankrott gegangen ist. Und am 20. März war es dann soweit, Napoleon hatte seinen Thronfolger. Die Marie-Louise, die ihn gehasst hat, hat ihm ein Kind geboren und er hieß dann Napoleon II. Und er wurde bei seiner Geburt zum König von Rom getauft. Das ist dann da weiter, zum König von Rom. Übrigens, am gleichen Tag, so überliefert, sollen in Schlesien drei Sonnen gleichzeitig gesehen worden sein. Das stimmt, weiß ich nicht, aber es gab viele solche merkwürdigen Geschichten zu der Zeit.
[37:36] Und hier vielleicht noch ein Beispiel. Hier sehen wir die Situation in Europa 1811. Fast alles gehört zu Frankreich, entweder direkt oder halt als Verbündete. Preußen hat eigentlich fast keine Chance mehr, ist auch besetzt gewesen. Österreich jetzt durch die Heirat mit Frankreich auch verbunden. Russland einigermaßen noch alliiert, obwohl es schon Spannung gab. Der Krieg, der bald aufziehen sollte, zeichnet sich schon ab. Und momentan nur Portugal, die sich dem französischen Regime noch widersetzt haben, vor allem durch die Engländer, die sie unterstützt haben.
[38:13] Hier ein Beispiel für amerikanische Prophetieauslegungen zu der Zeit. Ein Buch von Ethan Smith, eine Dissertation über die Prophezeiung. Und darin schreibt er besonders viel hier über die französische Revolution, der Ursprung der französischen Revolution, die Wiederherstellung des Papsttums durch Bonaparte und so weiter, antichristliche Einflüsse in den Vereinigten Staaten. Dieses Buch, wie man sehen kann, geschrieben im Jahre 1811. Beispiel auch, wie man die sieben Plagen damals ausgelegt hat. Erste Plage sei die Reformation gewesen und so weiter und dann die fünfte Plage, die französische Revolution im Jahre 1789. Und man erwartet die Eroberung des Ottomanischen Reiches, des türkischen Reiches. Und dann irgendwann hier das Millennium.
[39:03] Das fand ich eine ganz interessante Geschichte. 24. April, ein Buch erscheint in London mit dem Titel "Return to Nature", Zurück zur Natur. Was ist passiert? Ein Laie, kein Mediziner, sein Name ist John Frank Newton, hatte ein Buch gelesen von einem Arzt, in dem der Arzt zwei Jahre vorher beschrieben hat, wenn man Krebs hat oder einige andere Krankheiten, könnte man geheilt werden, wenn man auf Fleisch verzichtet und viel Wasser trinkt. Dieser Herr Newton probiert das aus, wird von seiner chronischen Krankheit geheilt und schreibt ein Buch "Zurück zur Natur", wo er der breiten Öffentlichkeit das präsentiert und sagt: Lasst uns vegetarisch leben. 1810. Und das sind so die ersten Anfänge der vegetarischen Bewegung.
[39:48] Ansonsten, wie immer, viel Krieg. 3. bis 5. Mai. Die Briten und Portugiesen schlagen erneut die Franzosen und werfen sie aus Portugal heraus. Hier auch ein weiterer Sieg der Briten und Portugiesen in der Schlacht von Alguera gegen die Franzosen. Gleichzeitig gibt es viel Krieg auch in Südamerika. Paraguay wird unabhängig am 14. Mai. Am 18. Mai kämpfen uruguayische Truppen gegen die Spanier in Südamerika. 5. Juli. Venezuela wird unabhängig. Bolivien erklärt seine Unabhängigkeit und so weiter und so fort.
[40:26] Eine interessante Geschichte noch. Nein, die machen wir das nächste Mal. Die machen wir auf jeden Fall noch. Und zwar hier am 7. und 8. November kommt es zu einer Schlacht mit den Indianern in Amerika. Und zwar in Indiana. Wie gesagt, zu der Zeit ist William Miller ja sehr auf Patriotismus und auf Krieg eingestellt. Und so wird er sicherlich mit Interesse verfolgt haben, wie hier in Indiana die Schlacht von Tippecanoe an die Amerikaner geht, gegen den Häuptling Tecumseh, der mit seiner Föderation versucht hat, die Amerikaner anzugreifen.
[41:03] Und 1811 sind wir wieder bei Wolf. Wolf hat sich mittlerweile auf den Weg gemacht von Ansbach nach Weimar, um in Weimar an der Schule dort zu studieren. Und er hat einen guten Freund. Sein Freund ist Johannes Falk. Johannes Falk ist ein Pantheist, der später auch Christ geworden ist. Bei ihm führt ihn ein in die lateinischen Klassiker und in die Naturgeschichte. Und Weimar ist ja damals so ein Zentrum der der Geschichte und der Geistesgeschichte. Und Falk ist ein guter Freund von Schiller und von Wieland und von einigen anderen. Und unser kleiner Wolf, der jetzt mittlerweile schon 16 ist, fragt Falk: Was soll ich tun, damit ich Christ werden kann? Und Falk sagt: Nein, lass das mal bleiben. Wenn du Christ wirst, wirst du nicht berühmt, weil es gibt schon so viele clevere Christen. Bleib Jude und dann bist du ein berühmter Jude.
[42:06] Eines Tages gehen sie spazieren in Weimar und sie treffen den hier, diesen Mann hier. Und Wolf aus der Entfernung sagt zu Falk, er hat ihn nie gesehen: Das ist Goethe. Falk dreht sich um und sagt: Wo hast du das erkannt? Wolf sagt: Ich habe Egmont gelesen. Und so wie der aussieht, nur jemand, der so aussieht, kann Egmont geschrieben haben. Goethe kommt, das war Goethe, begrüßt seinen Freund Falk, Johannes Falk. Und der Falk erzählt mir schon mal her, der Jugendliche hier, der Wolf, der hat dich erkannt nur an deinem Gesicht, weil er Egmont gelesen hat. Und man kann sich natürlich vorstellen, dass Goethe recht beeindruckt gewesen war, hat sich ein bisschen geschmeichelt gefühlt. Und dann hat Falk ihm erzählt, dieser 16-jährige Jude, der möchte unbedingt Christ werden. Das ist doch so ein Quatsch, nicht wahr? Und dann hat Goethe seine Hand genommen, hat über Wolfs Haare gestreicht und hat gesagt: Hör nicht auf Falk, mach das, was du für richtig hältst. Eine ganz interessante Geschichte.
[43:12] Und Wolf hat aber nicht lange es in Weimar ausgehalten. Er sagt, das, was Schiller und Goethe und all die anderen dort geglaubt haben, wäre eine Mischung aus Philosophie, Poesie, Christentum und Hinduismus gewesen. Und damit konnte er nicht so viel anfangen. Er ist lieber in die Schweiz gegangen und ist dort in ein Kloster gegangen. Nee, er war noch in Heidelberg, hat dort den Übersetzer von Homer getroffen. Und ist dann in die Schweiz gegangen, in ein Kloster und hat dort Hebräisch und Aramäisch unterrichtet. Immer noch auf der Suche nach einer Gelegenheit, endlich getauft zu werden. Also, der hat mit 17 Jahren, mit 16, 17 Jahren mehr erlebt als der Rest der Menschheit im ganzen Leben, nicht wahr? Und das ist erst der Anfang. Wir werden noch viel mehr interessante Geschichten von ihm hören.
[44:00] Abschließend, letzte Punkte. Im Jahre 1811 wird die indische Bibelgesellschaft gegründet. Und die Methodisten in England gründen eine Missionsgesellschaft für Afrika, die Sierra Leone Missionsgesellschaft. In New Hampshire wird auch eine Missionsgesellschaft gegründet. New Hampshire liegt da. Also, fast alle Staaten hier in Neuengland haben jetzt ihre eigenen Missionsgesellschaften. Und der baptistische Pastor Henry Grew in Connecticut, auch in Neuengland, legt sein Predigtamt nieder. Er ist 30 Jahre alt, als er erkennt, dass der Zustand der Toten anders ist, als die Kirchen ihn lehren. Also, das ist eine ganz interessante Zeit.
[44:45] Und das ist der Zustand Europas 1811. Joseph Bates, wie gesagt, befindet sich irgendwo dort im Mittelmeer auf einem Kriegsschiff und möchte schnellstmöglich nach Hause, kann aber nicht, wird vielleicht nie nach Hause kommen können. Während gleichzeitig William Miller voller Vorfreude darauf wartet, dass bald Krieg ausbricht mit England. Und wie das weitergegangen ist und was die beiden erlebt haben, die beide jetzt im Kriegsdienst sind, der eine aus Zwang, der andere aus Patriotismus, das werden wir nächste Woche erleben. Das heißt, Krieg mit England 1812 bis 1813. Bis dahin wünschen wir viel Freude im Studium des Wortes Gottes und wir werden nächste Woche viele interessante Dinge...
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