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Dieser Vortrag beleuchtet die historische Entwicklung der Ordination in der Adventgemeinde, beginnend bei den frühen Pionieren bis hin zu modernen Debatten. Christopher Kramp analysiert die biblischen und historischen Grundlagen der Ordination und zeigt auf, wie sich die Praxis und das Verständnis von Ämtern und Ordinationen im Laufe der Zeit entwickelt haben. Dabei werden auch kontroverse Themen wie die Frauenordination und die Rolle von Ellen White thematisiert.


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Serie: Frauenordination und die Einheit der Gemeinde (Symposium)

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Transkript

[0:00] In diesem Thema wollen wir uns gemeinsam die Geschichte, die Adventgeschichte, in Bezug auf Frauenordination und überhaupt auf Ordination gemeinsam betrachten. Das Thema ist ja ein äußerst sensibles Thema. Ich denke, das haben wir in den bisherigen Themen bereits gesehen, und es ist ein Thema, das wir wirklich mithilfe der Bibel entscheiden wollen und mithilfe der Bibel studieren wollen und auch Ellen White als eine Bestätigung hier heranziehen möchten. Trotzdem ist es wichtig, dass man sich auch ein bisschen Gedanken macht über den geschichtlichen Hintergrund. Es gibt einige Argumente, die für die Frauenordination angeführt werden, die sich auf adventgeschichtliche Ereignisse beziehen. Und hier gilt es, ein wenig Licht hineinzubringen, einige Mythen, die die Zeit der Pioniere und auch die Zeit um 1900 herum dann betreffen.

[1:01] Die Fakten, die wir hier zusammentragen wollen, stammen im Wesentlichen aus Untersuchungen und Forschungen von David Trim, der als Historiker, als Geschichtswissenschaftler, Angestellter der Generalkonferenz ist und dort in der Abteilung Statistik wirkt und beim Studienkomitee der Theologie der Ordination diese Präsentation gehalten hat. Bevor wir beginnen, möchten wir ein Gebet sprechen und dann hineintauchen in die Adventgeschichte, denn wir wissen aus der Feder von Ellen White: Wir haben nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat.

[1:38] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen Dank sagen, dass wir von dir berufen worden sind, das Evangelium zu verkündigen. Wir möchten dir Danke sagen, dass du uns das Wort der Bibel gegeben hast als eine Grundlage unserer ganzen Erfahrungen, unserer Lehre, und wir sind bekannt geworden als das Volk des Buches. Wenn wir jetzt zurückschauen in die Geschichte der Adventgemeinde in Bezug auf Ordination, dann möchten wir dich bitten, dass du uns hilfst, zu erkennen, wie du uns geführt hast. Im Namen Jesu beten wir dies.

[2:13] Als die Adventpioniere aus den verschiedenen Kirchen kamen, da stand die Frage der Ordination nicht wirklich auf der Tagesordnung. Man hatte viel wichtigere Dinge zu studieren: den Sabbat, das himmlische Heiligtum, das Gericht, die dritte Engelsbotschaft. Und die Pioniere haben einiges von dem mitgenommen aus den Kirchen, was jetzt weniger wichtig erachtet worden ist. Einen ähnlichen Fall haben wir auch in der Frage der Dreieinigkeit. Das heißt, das Verständnis oder die Vorstellung über Kirchenstruktur, über Gemeindeordnung sind zunächst einmal bei den Pionieren durchaus von ihren jeweiligen Kirchen beeinflusst gewesen. Die protestantischen Kirchen zu der Zeit hatten in aller Regel eine Dreiteilung der Gemeindeämter: Da gab es die Pastoren, die Ältesten und die Diakone. Eine Besonderheit in Nordamerika war, dass viele protestantische Kirchen dort eine Unterscheidung zwischen zwei Arten von Pastoren hatten. Es gab die ordinierten Pastoren, die richtigen Pastoren, die Senior Pastors, die einer Gemeinde als Pastoren vorstanden, und dann gab es die lizenzierten Pastoren, die nicht ordiniert waren, die allerdings auch das Evangelium verkündigen sollten.

[3:25] Unsere Adventgeschichte beginnt mit solch einem lizenzierten Prediger. William Miller war nicht ordiniert, hatte nie Theologie studiert, aber er hatte eine Predigtlizenz von den Baptisten erhalten im Jahre 1833 und dann natürlich die Miller-Bewegung gegründet. Gerade Sabbat-Adventisten haben, wie einige andere protestantische Kirchen, statt dem Wort Pastor in aller Regel das Wort Prediger verwendet, weil sie das für angemessen hielten. Und schon lange vor der offiziellen Gründung 1863 gab es in der Adventgemeinde dann auch diese Struktur: Prediger, Älteste und Diakone, wie wir gleich sehen werden. Und wir werden sehen, dass auch von Anfang an Ordination durch Handauflegung als öffentliche Zeremonie geschah.

[4:08] Als die Pastoren aus den Gemeinden kamen, als die Pioniere aus den Gemeinden kamen, gab es einige, die bereits in ihren Kirchen ordiniert worden waren. Das waren zum Beispiel James White, Frederick Wheeler, John Byingdon, A.S. Hutchins, die natürlicherweise auch jetzt als Leitungsfiguren in Erscheinung traten. Es war in den 1850er Jahren, wo man aufgrund von falschen Lehrern, falschen Predigern, die sich als Sabbat-Adventisten ausgegeben haben, dazu überging, die echten Verkündiger mit Zertifikaten auszustatten. Am Anfang waren es vor allem Joseph Bates und James White, die diese Zertifikate unterschrieben haben. Sie waren die leading ministers, die führenden Prediger.

[4:53] Im Sommer 1851 kam es dann zu der ersten Ordination eines Sabbat-Adventisten. Washington Morse wurde durch Handauflegung ordiniert und damit verband man dann auch das Recht zur Austeilung des Abendmahls. In den nächsten Jahren hat dann James White ganz systematisch auf seinen Reisen durch die verschiedenen Gemeinden Männer zum Predigtdienst durch Handauflegung ordiniert. Er selbst war relativ frühzeitig zu der Erkenntnis gekommen, dass die junge Adventgemeinde eine Struktur braucht, eine Ordnung braucht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Ellen White diese Vision unterstützt hat, indem sie selbst eine tatsächliche Vision gehabt hat, von Gott bekommen. Sie hat diese Praxis der Ordination bestätigt im Herbst 1853. Kann man auch nachlesen im Buch Frühe Schriften, im englischen Early Writings, Seite 101. Sie hat damals die Gemeinde aufgerufen, zur Gemeindeordnung zu fliehen. Die Gemeinde hatte mit Ordnung und Kirchenstruktur eigentlich nicht viel am Hut gehabt. Zunächst einmal, man hatte geglaubt, dass das in sich schon Babylon sei. Und der Engel erklärt ihr dann, dass man in der Frühzeit unserer Pioniere die Gemeindeordnung übersehen hatte.

[6:15] Im Herbst 1853 war es dann noch James White, der bei der Ordination dieser Männer gesagt hat, sie seien abgesondert für den Evangeliumsdienst. So hat man Ordination verstanden, als eine Absonderung für den Dienst des Evangeliums. Und das sollte auch das Austeilen und das Leiten des Abendmahls mit beeinflussen und mit beinhalten. Im Dezember 1853, also nur wenige Wochen nachdem Ellen White diese wichtige Vision erhielt, hat James White eine vierteilige Artikelserie im Review and Herald geschrieben über das Thema Gemeindeordnung. Und im dritten Artikel dieser Serie geht er auch auf das Thema Ordination ein. Und dort beschreibt er Ordination als eine Absonderung speziell für die Lehre und für das Taufen. Und in seinem Verständnis handelte es sich damals schon um einen Vollzeitberuf, um eine Vollzeitberufung, vielmehr.

[7:17] Gleichzeitig sehen wir in dieser Zeit auch die allerersten Ordinationen von Diakonen in verschiedenen Sabbat-Adventistischen Gemeinden, zum Beispiel in Massachusetts oder in Michigan. Und diese Diakone übernahmen interessanterweise zunächst einmal die Rolle, die wir heute Gemeindeältesten geben würden. Es gab eine recht große Diskussion, ob man Diakone und Älteste braucht. Die allererste Annäherung an das Thema ergab, dass doch Diakone das machen könnten, was die Ältesten tun. Und die Ordinierung von Diakonen unterschied sich in der Zeremonie auch nicht wesentlich von der Ordination von Predigern.

[7:59] Im Januar 1855 hat dann John Frisbee einen längeren Artikel im Review and Herald geschrieben über das Thema Gemeindeordnung. Er war ein sehr wichtiger Pionier der damaligen Zeit. Heute ist er relativ unbekannt. Und er sprach in diesem Artikel auch über Ordination. Und hier wurde eine Weiche gestellt. Er zeigte in seinem Artikel, dass es im Neuen Testament sowohl Diakone als auch Älteste gab und dass das zwei getrennte Ämter sind, die man nicht einfach ungefragt vermischen kann. Und er zeigte auf, dass Älteste eine geistliche Aufsicht haben, eine Verantwortung für die Lehre in der Gemeinde, während die Diakone eher so die organisatorischen, die in Anführungsstrichen weltlichen Aufgaben der Gemeinde haben, also wie es in der Apostelgeschichte heißt, wo es um das Austeilen des Essens geht und verschiedene Dinge, die jetzt nicht direkt zunächst einmal zum biblisch-theologischen Bereich gehören. Und seiner Meinung nach sollten auch die Ältesten ordiniert werden, so wie es auch die Bibel sagt.

[9:02] Interessant ist, dass Frisbee zwischen reisenden Ältesten und lokalen Ältesten unterscheidet. Es scheint so zu sein, dass er mit den lokalen Ältesten die Gemeindeleiter meint und mit den reisenden Ältesten eigentlich Prediger. Evangelistische Prediger im englischen Sprachgebrauch werden ja oft ordinierte Prediger, dann auch Elder, also Älteste genannt.

[9:24] Ein Jahr später, anderthalb Jahre später, im Juni 1856, hat dann Frisbee einen weiteren Artikel im Review and Herald nachgeschoben und dort gezeigt, dass Ordination durch Älteste geschehen sollte. Das heißt, wenn man also einen Prediger, Diakon oder Ältesten ordinieren möchte, dann, so zeigt er, muss das durch Älteste geschehen. Und auch dort zeigt er, dass das Austeilen des Abendmahls eine wichtige Aufgabe von Predigern und auch von Ältesten ist. Die Ältesten sollten nur, so schreibt er, durch ordinierte Prediger ordiniert werden. Und diese, und das war auch ein interessanter und wichtiger Gedanke, haben das Vorrecht, das Privileg, dann auch neue Gemeinden zu gründen und zu etablieren.

[10:12] Im selben Jahr, wenige Wochen später, im Oktober 1856, hat der Sabbat-Adventistische Evangelist Roswell Cottrell den Frisbee unterstützt. Er hat ähnliche Gedanken geäußert und ebenfalls deutlich gemacht, dass man Älteste und Diakone nebeneinander braucht. Und die auch deswegen wichtig sind, weil die Prediger damals allesamt sich nicht wirklich um die lokalen Gemeinden intensiv kümmern konnten. Sie waren Reisendevangelisten, es gab keine Ortsprediger, wie wir das heute oft kennen. Und so brauchte man diese Ältesten und Diakone als diejenigen, die die geistliche und organisatorische Verantwortung für die Gemeinden hatten. Und Cottrell konnte bereits zurückblickend sagen, dass in den letzten drei Jahren zu seiner Zeit durch die Einführung der Ordination von verantwortlichen Geschwistern, von verantwortlichen Brüdern, viel Ordnung in das Gemeindeleben gebracht worden ist.

[11:10] Er zeigt, dass in der Abwesenheit des Predigers Älteste und Diakone anstelle des Predigers handeln. Und da die Prediger nur sehr selten in den einzelnen Gemeinden waren, weil sie ständig herumreisten, kam also dem Ältesten und dem Diakon eine sehr, sehr wichtige Rolle zu. Damit war eigentlich das Fundament für unsere Pioniere gelegt. Und diese Ideen wurden dann zur anerkannten Standardpraxis sehr, sehr schnell und sehr verbreitet in der Adventgemeinde.

[11:40] In den späten 50er Jahren finden wir dann ganz oft, dass sowohl Älteste und Diakone als auch Prediger und Diakone oder Prediger und Älteste gleichzeitig in einer Zeremonie ordiniert werden, trotzdem separat nach einzelnen Ämtern. Im Jahre 1858 ist dann auch die Frage der Taufe noch einmal aufgegriffen worden. Im Review and Herald gibt es eine Notiz, die deutlich macht, dass Taufe nur durch ordinierte Personen durchgeführt werden sollten, heißt also Prediger oder ersatzweise zum Beispiel der Älteste.

[12:14] 1860 findet dann die erste Ordination, die erste adventistische Ordination außerhalb der USA statt in Kanada. Und auch hier werden die gleichen Gedanken damit verbunden. Das Recht zum Austeilen des Abendmahls ist da ganz prominent. Im Oktober 1861 hat dann die neu gegründete Michigan-Vereinigung empfohlen, dass jede Gemeinde einen Ältesten und einen Diakon wählt. Die Gemeinden schlossen sich zusammen zu einer Vereinigung, und es wurde jetzt deutlich, dass jede Gemeinde solch eine Leitungsstruktur wirklich braucht. Es wurde auch festgehalten, dass wenn kein Prediger zugegen ist, Älteste durchaus auch taufen dürfen, so sie dann ordiniert sind.

[12:59] 1862 haben wir James White, der sich ganz vehement und deutlich gegen bezahlte Ortsprediger ausspricht, die an einem Ortssitz in einer Gemeinde nur vorstehen und dafür gutes Geld kassieren. Das war also etwas, auch wenn es heute uns so selbstverständlich erscheint, was den Pionieren nicht im Traum eingefallen wäre. Und ich glaube, hier ist ein wesentlicher Punkt, zu dem wir eigentlich auch wieder zurückkehren müssen: Vollzeit-Prediger zu haben, die als Evangelisten von Ort zu Ort gehen. Wir werden gleich sehen, warum das so wichtig ist.

[13:29] 1863 ist dann die Generalkonferenz gegründet worden, die eigentliche Gründung der Kirche der Sieben-Tags-Adventisten. Interessanterweise sagen die Statuten gleich von Anfang an aus, dass alle ordinierten Prediger per Definition Delegierte sind. Und das bedeutet natürlich, dass sie im ganzen Wahlprozess natürlich eine wichtige Rolle spielen, im Vergleich zu den Gemeindegeschwistern, die Delegierte ja dann erst einmal wählen aus ihren Gemeinden. Gleichzeitig wird offiziell die Unterscheidung eingeführt zwischen dem ordinierten und dem lizenzierten Prediger, so wie es auch die anderen protestantischen Kirchen so oft getan haben. Ordinierte Prediger erhielten dann ganz angemessene Beglaubigungsschreiben. Und man darf diese beiden Dinge nicht miteinander verwechseln. Die Verwechslung zwischen einem ordinierten Prediger und einem Prediger mit Predigerlizenz, der quasi ein Laie war, den man erlaubte, überall hinzureißen und zu predigen. Diese mangelnde Unterscheidung zwischen diesen beiden Begriffen hat zu viel Verwirrung dann geführt, auch in dem Thema der Frauenordination, wie wir gleich sehen werden.

[14:38] 1866 entscheidet im Mai die Generalkonferenz, dass eine Gemeinde ohne Älteste und Diakon keine echte, vollständig organisierte Gemeinde ist. Und das macht noch einmal deutlich, welchen Stellenwert jetzt die Ordination von Ältesten für die Gemeindestruktur bekommen hat. Interessant ist, dass diese Ordinationszeremonien im Laufe der 1860er Jahre immer häufiger auf Campmeetings durchgeführt worden sind. Der Grund war ganz einfach: Auf diesen Campmeetings waren möglichst viele ordinierte Prediger anwesend, die alle beteiligt waren an dieser Zeremonie. Und schon bald wurde das Ganze zu einem richtigen Akt, wo auch eine Ansprache gehalten wurde und das Ganze etwas zeremoniell wurde.

[15:22] Die große Frage, die immer gestellt wird, ist die Frage: Wie verhält es sich mit Ellen White? Ist sie ordiniert worden, ist sie nicht ordiniert worden? Im Jahre 1871 erhielt Ellen White erstmals eine schriftliche Beglaubigung. Interessanterweise nicht die Beglaubigung eines lizenzierten Predigers, sondern eines ordinierten Predigers. Trotzdem gibt es aber weder für dieses Jahr noch für irgendein anderes Jahr in der Folgezeit irgendeine Art von Bericht oder Hinweis darauf, dass eine Ordinationszeremonie durchgeführt worden wäre. Wir kommen gleich auf diesen Punkt noch weiter zurück im Laufe der nächsten Jahre.

[15:59] 1872 erhielt dann mit Sarah Lindsay die erste Frau außerhalb von Ellen White eine Lizenz für das Predigen. Und hier ist sehr wichtig, dass sie nicht ordiniert wurde, sondern sie erhielt solch eine Lizenz, wie auch andere Laien in der Adventgemeinde solch eine Lizenz erhalten haben für einen untergeordneten Dienst, der nicht zum Taufen und nicht zum Abendmahl austeilen und nicht zum Gemeindegründen berechtigte, aber zum evangelistischen Predigen an vielen Orten.

[16:35] Die entstehende Predigerschaft brauchte offensichtlich Ausbildung. So finden wir 1873 die erste offizielle Empfehlung für eine Ausbildungsschule für Prediger. Wie wichtig den frühen Adventisten dieses Thema Ordination gewesen ist, wird deutlich daran, dass wir sehen können, dass in Europa 1874, als Andrews als erster offizieller Missionar hier angekommen ist, es etliche Sabbat-Adventisten gibt, die schon von den Zeiten des Wirkens von Tchaikowsky hier gewesen sind, dass die jetzt zum allerersten Mal 1874 das Abendmahl nehmen. Sie waren jahrelang bereits in der gegenwärtigen Wahrheit, haben aber das Abendmahl nicht genommen, weil kein ordinierter Prediger oder kein ordinierter Ältester anwesend gewesen ist. Und das zeigt, mit welcher Bedeutung diese ganze Sache versehen gewesen ist.

[17:33] 1878 hat die Generalkonferenz dann beschlossen, dass auch Prediger, die nur eine Lizenz erhalten, also nicht ordinierte Prediger, zunächst geprüft werden müssen. Und diese Lizenz berechtigt sie dann, die dritte Engelsbotschaft zu predigen. Sie dürfen nicht taufen, sie dürfen kein Abendmahl austeilen und sie dürfen natürlich auch keine Gemeinde organisieren.

[17:55] Ein Jahr später, 1879, hat Ellen White in den Signs of the Times deutlich gemacht, dass die Handauflegung bei der Ordination eine anerkannte Form ist, um in einem Gemeindeamt bestätigt zu werden.

[18:10] 1879 war ein wichtiges Jahr in der Frage der Ordination und Adventgeschichte. Die Generalkonferenz beschloss eine Resolution bezüglich der Ordination. Man hat jetzt festgestellt oder nochmal deutlich in Form gegossen, dass für einen beglaubigten Prediger die Ordination unverzichtbar ist. Weiterhin hat man die Bedeutung von Predigern noch weiter herausgestellt und ihre Stellung über die von Ältesten und Diakonen erhoben. In diesem Zusammenhang hat man auch deutlich festgehalten, dass Prediger ein systematisches Studium absolvieren sollten, wobei nicht unbedingt diese Art von Studium gemeint gewesen ist, wie sie heute zum Teil durchgeführt wird. Und Prediger sollten also ganz systematisch auf den Predigtdienst vorbereitet werden. Noch einmal wurde deutlich gesagt: nur ordinierte Personen dürfen taufen oder das Abendmahl austeilen. Und es wurden auch Kriterien für die Auswahl bei der Ordination eingeführt. Da gab es sowohl geistliche Qualifikationen als auch praktische Fähigkeiten in der Etablierung und Gründung von Gemeinden und in dem Ordnung halten in der Gemeinde.

[19:24] Nach wie vor gab es keine Ortsprediger in der Adventgemeinde. Ellen White hat sehr deutlich davor gewarnt, sie spricht im Englischen vor der Gefahr, dass Prediger von diesem "hovering over the churches", wenn Prediger über den Gemeinden hängen und sich nur um die Gemeinden kümmern, statt evangelistisch tätig zu sein. Sie hat sehr deutlich und sehr klar dagegen gesprochen.

[19:45] Dann 1881 geschah etwas, was ziemlich außergewöhnlich gewesen ist und bis heute für viel Verwirrung gesorgt hat. 1881 gab es einen interessanten Vorschlag, der fast wie aus dem Nichts gegriffen erscheint. Ein Vorschlag bei der Generalkonferenz, die Frauenordination einzuführen. Und diese Generalkonferenz von 1881 wird oft als Paradebeispiel angeführt. Man sagt, dort sei die Frauenordination beschlossen worden, es sei nur nie durchgeführt worden. Das Problem ist, dass es zu dieser Generalkonferenz zwei Berichterstattungen gibt: Einmal im Review and Herald, der offiziellen Zeitschrift der Adventgemeinde, und dann in den Signs of the Times, dem Adventgemeindepapier an der Westküste Amerikas. Und der Review and Herald spricht davon, dass der Antrag weitergeleitet worden sei an ein Komitee, während die Signs of the Times sagen, der Antrag sei angenommen worden. Das Problem ist, dass die Signs of the Times nur eine gekürzte Berichterstattung geben, die offensichtlich, so auch am Anfang des Paragraphen, nur unvollständig ist und nicht korrigiert worden ist, während aber der Review and Herald die offizielle Wiedergabe der Ergebnisse darstellt. Das heißt, sogar die Generalkonferenz-Protokolle kopieren aus dem Review and Herald.

[21:11] Weiter zur Verwirrung beigetragen hat, dass es sich hierbei um einen Antrag handelte, der mit den Worten begann: "beschlossen". Es war ein Antrag, der nicht von einer Einzelperson gestellt worden ist, sondern von einem Komitee, das sich darüber Gedanken gemacht hat und so einen Antrag formuliert hat. Und der Beginn des formulierten Antrages, wie er den Delegierten vorgelegt wurde, war: "beschlossen, dass". Wenn man diesen Antrag also liest, könnte man fälschlicherweise der Meinung sein, dass das tatsächlich von den Delegierten beschlossen worden ist. Es war aber nichts weiter als die Formulierung, die dann bei einer Abstimmung dann bestätigt hätte werden sollen.

[21:48] Nun, was ist passiert mit diesem Antrag? Ein gründliches Studium der ersten 27 Jahre aller Generalkonferenzsitzungen ergibt, dass mit jedem Antrag fünf Möglichkeiten verbunden waren. Entweder ein Antrag wurde einstimmig angenommen, das ist mit der großen Mehrheit aller Anträge geschehen. Zweitens gab es die Möglichkeit, dass ein Antrag mit der Mehrheit angenommen worden ist. Auch das ist öfter mal passiert. Dann gab es Fälle, wo eine Veränderung, eine Hinzufügung vorgeschlagen worden ist, und das war manchmal erfolgreich und manchmal nicht. Viertens gab es die Möglichkeit, diesen Antrag wieder an das Komitee für die Resolutionen zurückzugeben, dass das noch einmal überarbeitet wird, dass es noch einmal von den Worten verändert wird oder auch ein anderes Studienkomitee wurde eingesetzt. In jedem dieser Fälle kam dann der Antrag in einer veränderten Form wieder in die GK-Sitzung zurück. Und dann gab es eine fünfte Möglichkeit, nämlich dass der Antrag direkt an das GK-Komitee weitergeleitet wird. Interessanterweise kamen diese Anträge nie wieder zurück. Es gibt in 27 Jahren GK-Sitzung nicht einen Antrag, der einfach mit Nein abgestimmt worden ist, wenn er von einem Komitee vorgeschlagen worden ist.

[23:10] Das heißt, es gab natürlich die Möglichkeit, einen Antrag abzulehnen. Was man damals gemacht hat: Man hat sehr höflich Anträge, die nicht eine Mehrheit fanden, an dieses Generalkonferenzkomitee weitergeleitet mit dem Verständnis, dass damit die Sache gestorben ist. Genau das ist mit dem Vorschlag der Frauenordination 1881 passiert. Interessanterweise ist dann für ein halbes Jahrhundert das Thema Frauenordination nicht existent. Für jeden und alle war klar, dass dieses Thema abgelehnt gewesen ist. Es gab nicht den geringsten Versuch, das irgendwo wieder aufzugreifen.

[23:54] 1882 ist dann ein Generalkonferenzkomitee zu Lizenzen und Ordination eingeführt worden. Und 1884 berichten uns die Statistiken, dass von den 130 Predigern mit Lizenz sechs Frauen angestellt waren. Ellen White hat das sehr gefördert, sie glaubte und viele andere Adventisten auch, sie glaubte daran, dass Frauen als Evangelistinnen, als Predigerinnen durchaus, als Wortverkündigerinnen durchaus eine Rolle im Werk Gottes haben. Aber die Ordination der Frau war mit 1881 vom Tisch.

[24:32] 1885 hat die GK entschieden, dass Predigerbeglaubigungen nur noch an fähige Vollzeitarbeiter ausgeteilt werden. Das heißt, die Möglichkeit als Teilzeitprediger zu arbeiten, bestand dann als ordinierter Prediger nicht mehr wirklich. Es gab nur noch gelegentlich sorgsam behandelte Ausnahmen. Gleichzeitig begann eine Auseinandersetzung über die Frage der Ältesten. Ist die Ordination eines Ältesten nur gültig für die lokale Gemeinde oder gilt sie auch für alle Gemeinden im ganzen Land oder der ganzen Welt? Es gab offensichtlich verschiedene Ansichten und Praktiken. Die Entscheidung war sehr interessant. Man hat festgehalten, dass wenn man einmal ordiniert ist, bleibt man ordiniert. Man muss nicht nach jeder Gemeindewahl neu ordiniert werden als Ältester. Ordination bleibt für die Taufe auf Lebenszeit erhalten. Aber die Autorität, die mit der Ordination verbunden ist, beschränkt sich auf die Ortsgemeinde und den Zeitraum der Wahlperiode. Das heißt also, wenn ein Gemeindeältester gewählt ist, er wird ordiniert und er wird dann nach einigen Jahren nicht mehr wiedergewählt, bleibt er ordiniert. Er hat aber dann nicht mehr die Autorität eines Gemeindeältesten.

[25:38] In diesem Jahr finden wir auch den Ordinationsschein von Ellen White, wo das Wort Ordination ganz deutlich durchgestrichen ist, um deutlich zu machen, dass sie nicht von menschlichen Händen ordiniert worden ist. Es ist nicht bei jedem Schein gemacht worden. Es war offensichtlich, aber es gibt solche Scheine wie hier 1885, die das belegen.

[25:57] 1886 hat dann die GK entschieden, dass selbst Prediger mit einer Lizenz durchaus einen Studienkurs belegen sollten, wenn sie ordiniert werden möchten. 1893 wurden weitere Spezifikationen für die Kriterien der Ordination vorgesehen. 1893 wurden weitere Spezifikationen für die Kriterien der Ordination hinzugefügt. Man sollte die gegenwärtige Wahrheit deutlich kennen. Und in den 1890er Jahren wurden dann auch Auslandsmissionare ordiniert, selbst dann, wenn sie nicht im theologischen Bereich arbeiteten, sondern zum Beispiel primär im medizinischen oder im schulischen Bereich. Dahinter stand die Idee, dass als Missionare sie oftmals keine Prediger vor Ort haben würden, die dann taufen könnten. Und so weiter und so fort. Aber trotzdem erhielten Missionsfrauen stets nur eine Missionslizenz, keine Ordination.

[26:49] Am 9. Juli 1895 machte Ellen White eine bedeutsame Aussage, die noch für viel Trubel gesorgt hat. Sie sagt dem Review and Herald, dass Frauen ordiniert werden können. Und das ist manchmal so aus dem Kontext gerissen worden, als generelles Statement. Sie sagt aber weiter: "Die Aufgaben, für die eine Frau ordiniert werden kann, sind Krankenbesuche, Armenpflege und so weiter und so fort." Das heißt, sie sprach deutlich von der Arbeit einer Diakonisse, einer Helferin. Und für diesen Aufgabenbereich, so sagt sie, dürfen Frauen durchaus ordiniert werden. Sie verwendet das Wort Handauflegen. Im gleichen Jahr wurden im August dann auch die ersten Diakonissen diesbezüglich ordiniert. Und 1898, 1899 haben wir S.M. Henry, die eine Predigerlizenz erhielt, allerdings nicht ordiniert worden ist, weil sie selbst persönlich dagegen gewesen ist. Willie White hat sogar 1900 in Australien Diakonissen ordiniert.

[27:49] 1904 gibt es einen Antrag von John Whiteman, einem Prediger, der bei der New York-Vereinigung die Ordination seiner Frau Lulu Whiteman beantragt. Das wird allerdings nicht, dem wird nichts stattgegeben. Als sie dann gemeinsam 1908 nach Kalifornien ziehen, wird für ein Jahr die Lulu Whiteman irrtümlicherweise als ordinierte Predigerin geführt, aber danach wieder als lizenzierte Predigerin. Es war offensichtlich ein Versehen. Ich erwähne das deswegen, weil solche Beispiele oft angeführt werden für angebliche Frauenordination in der Adventgemeinde.

[28:21] Im März 1909 musste die Sekretärin von Ellen White einen Berichtsbogen ausfüllen über die Biografien der Generalkonferenzmitarbeiter. Und als sie dann diesen Bericht für Ellen White ausfüllte und es zur Frage der Ordination kam, hat ihre Sekretärin ein X gemacht. Ellen White war nicht ordiniert, es gab keine Ordinationszeremonie, die hätte eingetragen werden können.

[28:41] Oktober 1914, Ole Olsen, der ehemalige Generalkonferenzpräsident, schreibt in einem Journal für Gemeindeadministratoren, dass weder Älteste noch Diakone ein Amt annehmen sollten, es sei denn, dass sie durch Handauflegung ordiniert wurden. Bis 1925 wurden alle Ordinationen übrigens durch die Generalkonferenz autorisiert und in diesem Jahr bringt dann die Generalkonferenz ihr erstes Predigerhandbuch heraus.

[29:09] Ein Jahr später kommt die erste Ausgabe der Working Policy und 1930 enthält diese Working Policy die ersten Abschnitte zur Ordination. Zu dem Zeitpunkt wird die Rolle der Verbände gestärkt, die diese Aufgabe auch durchaus mit zu übernehmen haben. Ordination wird hier noch einmal grundsätzlich als weltweit definiert, das war immer so und ist auch immer so geblieben. Es gab keine Ordination zum Verkündigungsdienst des Predigtamtes, die nur für bestimmte Bereiche gegolten hätte.

[29:40] 1932 ist dann das Gemeindehandbuch herausgegeben worden, dort wurde deutlich festgehalten, dass der Prediger der Vereinigung gegenüber verantwortlich ist, während der Älteste der Gemeinde gegenüber verantwortlich ist. Außerdem wurde das Konzept des Ortspredigers eingeführt, was dadurch die Rolle des Gemeindeältesten stark beschnitten hat und hier liegt eine Wurzel etlicher Übel aus dieser Zeit.

[30:06] 1935 haben wir Doris Robinson, die an Froome, den Theologen der GK, schreibt, sie war die Schwiegertochter von Willie White, dass Ellen White niemals von menschlichen Händen ordiniert worden ist, niemals getauft hat, niemals ein Abendmahl austeilte und niemals jemanden ordiniert hat. Ihr Beglaubigungsschein sollte lediglich ausdrücken, dass sie das Recht hatte, auf jedem Pult der Adventgemeinde weltweit zu sprechen, schließlich war sie die Prophetin.

[30:33] 1936 kam es zur interessanten Tatsache, die Heimatmissionsabteilung der GK ließ bei einem Abdruck von Ellen White Aussagen das Statement über die Ordination von Diakonissen löschen, aus Angst, damit Konfusionen zu erzeugen, und das war natürlich zu viel des Guten.

[30:55] 1942 warnt das Annual Council der Generalkonferenz vor Positionshunger unter Administratoren. Es wird gesagt, dass jeder Administrator immer wieder damit rechnen sollte, zurück ins Missionsfeld zu gehen als reisender Prediger.

[31:10] Es ist in den 1950er Jahren, dass die Frage der Ordination von Diakonissen wieder aufkommt, und zwar in Kalifornien, wo einige Frauen ohne weitere Absprache mit der GK für karitative Arbeiten ordiniert worden sind. Die Generalkonferenz hat darauf erste Studienkomitees eingesetzt. 1955 haben wir 13 Kriterien für die Ordination in der Working Policy und vier Jahre später, 1959, noch ein paar mehr. Ab jetzt wird die Ordination interessanterweise auch Schatzmeistern, Editorinnen und anderen Angestellten ermöglicht.

[31:46] Und dann sind wir fast am Ende unserer Reise angelangt, denn 1968 beginnt dann die moderne Frauen-Ordinationsdebatte, die wir an anderer Stelle, zum Beispiel in der Predigt, die als Bonusmaterial vorliegt, ja deutlich diskutiert haben. In Finnland ist die Frage aufgetaucht, wie es mit der Frauenordination steht. Die nordeuropäische Division wandte sich an die GK. Man hat dann zunächst ein Dreimannstudienkomitee eingesetzt, das die Frage beantwortet hat, dass Ellen White sich in ihrer Aussage auf Diakonissen bezieht und nicht auf Prediger.

[32:17] 1970 ist in der GK in Wien ein Papier in Auftrag gegeben worden zur Rolle der Frau. Es war wohl auch die Ordination ein Thema, das da mitgeschwungen ist. Ein, zwei Jahre lang hat man das wie eine heiße Kartoffel nicht anfassen wollen, bis dann 1972 auf Anfrage der Fernost-Division das Thema noch einmal zur Sprache kam, was dann zum ersten offiziellen Ad-hoc-Komitee in Mohaven geführt hat.

[32:48] Der Rest ist Geschichte. Wir wissen, dass 1990 und 1995 zweimal die GK in Session die Frauenordination abgelehnt hat. In wenigen Wochen wird es ein drittes Mal darüber abgestimmt werden in San Antonio. Es sind spannende Zeiten, vor denen wir stehen, und ich denke, es ist wichtig zurückzuschauen, wie es einmal gewesen ist, und es gibt gute Gründe, warum unsere Pioniere so gehandelt haben, wie sie gehandelt haben. Wir sollten uns nicht irritieren lassen von falschen Argumenten, die historisch nicht belegbar sind. In diesem Sinne wünsche ich euch noch viel Freude weiter im Studium dieses Themas bei unserem Symposium und Gottes Segen dabei, die Wahrheit wirklich zu erkennen und treu für sie einzustehen. Amen.


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