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In dieser Predigt von Christopher Kramp wird das kontroverse Thema der Frauenordination in der Siebenten-Tags-Adventisten-Kirche beleuchtet. Der Redner untersucht biblische Texte und historische Entwicklungen, um die verschiedenen Perspektiven und Streitpunkte darzulegen. Er betont die Bedeutung der Auslegung der Heiligen Schrift und die Verantwortung der Gemeinde in dieser wichtigen Debatte.


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Serie: Frauenordination und die Einheit der Gemeinde (Symposium)

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Transkript

[0:00] Gesegneten Sabbat!

[0:20] Es gibt Predigten, auf die freut man sich, weil man etwas Tolles herausgefunden hat und man ist begeistert und man möchte das allen mitbringen. Und dann gibt es Predigten, vor denen hat man Respekt, weil das Thema hochsensibel, sehr kontrovers und schwierig ist. Und heute gibt es so eine Predigt, ein Thema, das hochsensibel, sehr hochkontrovers, sehr delikat und schwierig ist, und ein Thema, um das viele gerne einen Bogen drum machen und es so an die gewählten Gremien und Theologen abgeben.

[1:05] Aber wenn dieses Thema so sehr die Adventgemeinde zerrüttet, dass wir mittlerweile in einer Situation sind, dass wir wahrscheinlich eine der größten Krisen in der Adventgemeinde seit 150 Jahren haben, dann ist es Zeit, zu diesem Thema zu sprechen. Ellen White sagt uns, in einer Zeit der Krise ist das, was Gott am allermeisten hasst, wenn man gar nichts macht, wenn man einfach still ist.

[1:32] Und ich hatte eine interessante Erfahrung vor wenigen Wochen. Ich saß in einer Predigt, kennt ihr das, wenn ihr in einer Predigt sitzt und ihr denkt, naja, mal sehen, was heute kommt und dann so innerhalb der ersten drei Minuten wird man aufmerksam und aufmerksamer und denkt, das gibt es doch gar nicht, der Prediger wird das Thema. Ich saß in Magdeburg in der Adventgemeinde in einer Predigt und die Predigt hielt ein junger Theologiestudent aus Friedensau, zweites Semester. Und ich saß da drin und das war seine Antrittspredigt, in dieser Gemeinde hat er da noch nie gepredigt, er sollte da ein Praktikum machen. Und ich saß in der Predigt und ich dachte, als es losgeht, naja, worüber wird wohl ein Friedensauer Theologiestudent im zweiten Semester predigen, wenn er eine neue Stelle anfängt, nicht wahr? Vielleicht Johannes 3, Johannes 4, vielleicht die Wiederkunft, nicht wahr, so Standardthemen, oder?

[2:26] Und dann hat er über das Thema gepredigt, über das ich seit Monaten studiere und immer noch nicht getraut hatte, mich zu predigen und mir schon vorgenommen habe, darüber mal zu predigen. Und Bea und ich, wir saßen erst so, dann saßen wir so, haben uns angestoßen. Der predigt doch nicht wirklich über das Thema jetzt? Doch, er hat es gemacht. Und Martin Neumann, wenn du die Predigt siehst, Gott segne dich für deinen Mut, er hat gepredigt über Frauenordination, das Thema, das die Adventgemeinde wirklich momentan durchrüttelt, wie es unvorstellbar ist.

[3:03] Und was wir heute machen wollen, wir wollen über Frauenordination sprechen und bevor wir das tun, möchte ich euch einladen, dass wir gemeinsam niederknien und beten.

[3:17] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir diesen Sabbat haben und dass du uns zusammengerufen hast, dass wir dein Wort studieren können. Du weißt, das Thema, das wir heute betrachten wollen, ist ein sehr sensibles, sehr delikates und kontroverses Thema. Ich möchte dich bitten, dass nichts, was gesagt wird, in irgendeiner Weise Anstoß erregt, sondern dass wir alle dazu ermuntert werden, dein Wort noch fester und tiefer zu studieren. Wir möchten dich bitten, dass du uns gute Aufmerksamkeit schenkst und dass dein Heiliger Geist Kontrolle hat über alles, was geschieht in den nächsten Minuten. Lass uns die Wahrheit erkennen, lass uns verstehen, welche Prinzipien dein Wort uns dazu sagt und lass uns helfen und hilf uns, dass wir trotz alledem voller Liebe und Respekt dem gegenüber treten, der vielleicht eine andere Meinung hat als wir. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[4:27] Ich kann mich erinnern, ich war ein Jugendlicher und ich saß im Auto meines Vaters, wir waren unterwegs von A nach B und wir haben gerade gesprochen über so Dinge, die in der Gemeinde gerade in Rostock los sind. Und ich kann mich erinnern, wie mein Vater mir erzählt hat, dass sie im Ausschuss darüber debattiert haben, ob eine Frau als Älteste gewählt werden könnte, weil das ja erfordern würde, dass man sie ordiniert und dass es einige dort im Ausschuss gegeben hätte, die dagegen gewesen wären aus irgendwelchen biblischen Gründen. Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals gesagt habe, das ist ja das allerabsurdeste, was ich jemals gehört habe. Wie kann irgendjemand dagegen sein, eine Frau zu ordinieren? Sind wir doch nicht alle gleich? Und ich kann mich erinnern, wie ich richtig wütend geworden bin auf meine Geschwister im Ausschuss. Was für einen Unsinn die da machen. Ich hatte natürlich die Bibel gar nicht überhaupt jemals dazu gelesen, aber es schien mir total widersinnig, überhaupt zu einem Gedanken in Erwägung zu ziehen. Wenig habe ich darüber nachgedacht, dass ich vielleicht in ein paar Jahren selbst mal eine Predigt über das Thema halten würde.

[5:39] Unser Thema heute ist Frauen im Dienst für Jesus, eine biblische Untersuchung der Frage der Frauenordination. Wir wollen uns sieben Punkte gemeinsam anschauen. Warum überhaupt dieses Thema? Vielleicht denkt ihr, das ist doch total unwichtig. Frauenordination hat nichts mit der Drei-Engel-Botschaft zu tun und ist nur ein Nebenthema. Das nächste ist dann Frauen im Werk Gottes. Welche Aufgabe, welche Funktion haben Frauen im Werk Gottes? Dann was ist Ordination? Was ist geistliche Leitung in der Bibel? Darf man Frauen nach der Bibel ordinieren oder nein? Dann was ist der eigentliche Streitpunkt hinter dem Thema und warum ist so ein so scheinbar nebensächliches Thema gerade dabei, die Adventgemeinde förmlich zu zerreißen? Also fangen wir an. Warum dieses Thema?

[6:21] Zunächst einmal, weil in wenigen Wochen die 60. Generalkonferenz Session in San Antonio, Texas sich mit diesem Thema abschließend beschäftigen wird. Und seit mehreren Jahren sind Theologen auf der Welt damit beschäftigt, dieses Thema zu studieren. Und in der ganzen Adventgemeinde, wie ich euch gleich zeigen werde, hat dieses Thema enorme Resonanz erzeugt. Und je mehr die Wochen verstreichen, je näher San Antonio rückt, desto heißer wird die Debatte. Und es ist eine Debatte, die ganz offiziell auch eine Debatte sein soll, an der wir uns alle beteiligen. Ted Wilson hat vor einiger Zeit jeden einzelnen Adventisten aufgerufen, dieses Thema selbst zu studieren.

[7:05] Wir sind eine Gemeinde, in der wir glauben, dass jeder Einzelne eine Bedeutung hat, dass theologische Fragen nicht nur von wenigen Theologen oder Administratoren geklärt werden. Und so hat das Adventist News Network diese Nachricht damals rausgegeben: Jeder Adventist sollte sich selbst mit dem Thema befassen und selbst sich eine Meinung bilden. Und die heutige Predigt ist nicht dazu da, dass ihr alle hinterher rausgeht und sagt, so ist es, weil Christopher Kramp es gesagt hat. Mein Ziel ist es, dass ihr selbst noch einmal dieses Thema für euch studiert. Zugegebenermaßen, ich habe eine Meinung. Und ein Teil der Motivation, warum ich diese Predigt halte, ist, dass die Auffassung, für die ich stehe oder die ich biblisch für richtig halte, zumindest in Deutschland so gut wie gar nicht kommuniziert worden ist und sehr einseitig dieses Thema behandelt worden ist.

[7:54] Wenn wir in den letzten Wochen zurückschauen, sehen wir, dass in der weltweiten Adventgemeinde es eine Flut an Büchern, Symposien, Zeitschriftenartikeln gegeben hat, wie zu keinem anderen Thema jemals zuvor. Der Eugene P. Pruitt hat vor kurzem ein Buch geschrieben zur Frauenordination. Cindy Tutsch vom Ellen White Estate hat ein Buch dazu geschrieben. Clinton Wahlen vom Biblical Research Institute hat vor kurzem, das ist vor wenigen Wochen herausgekommen, vor wenigen Tagen ist ein weiteres Buch von Amazing Facts herausgekommen. Es gibt Internetseiten wie Ordination Truth, wo Pastoren sich in Amerika zusammengeschlossen haben, um alles zu sammeln zu dem Thema. Es gibt Symposien, wie hier in Fresno von Stephen Bohr, wo man tagelang dieses Thema studiert hat. Auch unsere deutschen adventistischen Medien berichten teilweise fast schon monatlich über dieses Thema auf ihren Frontseiten. Und vor wenigen Tagen haben auch einige altgediente ehemalige GK-Präsidenten und Theologen sich zu dem Thema zu Wort gemeldet. Mit anderen Worten, wenn ihr irgendwo auf der Welt, egal ob in Alaska oder Australien, an einem Sabbatmittag-Potluck die Gemeinde in zwei Hälften spalten wollt, dann erwähnt nur das Wort Frauenordination. In der ganzen Adventgemeinde ist das das Thema schlechthin.

[9:16] Nun, wie sind wir dazu gekommen? Einige Wegmarken der jüngsten Adventgeschichte. Das Thema begann 1968 damit, dass die finnische Union eine Anfrage an die GK gestellt hat, ob man Frauen ordinieren dürfe. Ab 1973 gab es Studienkomitees, man hat Theologen zusammengenommen, Pastoren und auf der ersten in Mohaven sind viele weitere gefolgt. Manche waren mehr dafür, manche waren mehr dagegen, aber einen gemeinsamen Nenner hat man nie gefunden. 1990 ist auf der großen Generalkonferenzsitzung in Indianapolis das zum ersten Mal vor die Weltkirche getreten. Damals hat die GK in großer Mehrheit, die Delegierten, das Thema abgelehnt. 1995 ist es noch einmal auf die GK-Sitzung gekommen, damals in Utrecht, in den Niederlanden, damals auf Antrag der nordamerikanischen Division. Wiederum ist Frauenordination damals abgelehnt worden von der GK-Sitzung. Vor fünf Jahren, auf der letzten GK in Atlanta, hat man dann das Thema noch einmal aufgegriffen. Wir werden sehen, warum. Und man hat eine weltweite Studienkommission eingerichtet, die sich über mehrere Jahre mit dem Thema befasst hat und als sie mehrere Jahre studiert haben und sie haben Papiere geschrieben, Artikel geschrieben, Bücher geschrieben und so weiter, hat man sich immer noch nicht einigen können und es wurden jetzt drei verschiedene Positionen dazu vorgestellt. Und wenn man 40 Jahre ein Thema studiert, als das Volk des Buches, und man kommt zu keinem gemeinsamen Ergebnis, dann ist irgendetwas faul. Also fangen wir an, einfach mal selbst ein bisschen zu graben.

[11:00] Was sind die Aufgaben oder die Funktionen, die Frauen im Werk Gottes definitiv unbestreitbar einnehmen können? Hier ein paar Beispiele. Zum Beispiel in Richter 4, Vers 4 haben wir Debora, eine Prophetin. Und Debora, eine Prophetin, die Frau Lapidots, richtete Israel zu jener Zeit. Also wir haben Frauen in der Bibel, die Prophetinnen waren und nicht nur Prophetinnen, sondern durchaus auch Verantwortung gehabt haben. Sie richtete Israel zu jener Zeit. Männer von Einfluss sind zu ihr gekommen, um Rat zu bekommen. Ihr kennt die Geschichte, wie der Barak zu ihr gekommen ist und gesagt hat: Was soll ich tun?

[11:35] Anderes Beispiel hier in 2. Chronik 34, Vers 22. Da ging Hilkiah mit den anderen, die vom König gesandt waren, zu der Prophetin Hulda, der Frau Schalums, des Sohnes Tokats, des Sohnes Hasras, des Hüters der Kleider, die in Jerusalem im zweiten Stadtteil wohnte. Und sie redeten dementsprechend mit ihr. Es gibt wenig Menschen in der Bibel, von denen wir sogar die Adresse wissen in der Bibel. Die Prophetin Hulda ist so eine Frau. Der König selbst hat Abgesandte zu ihr gesandt, um zu wissen, was er tun sollte. Damals im Zusammenhang mit der Erweckung und der Reformation, als man das Buch 5. Mose gefunden hat. Also eine weitere Prophetin.

[12:16] Auch im Neuen Testament finden wir Prophetinnen. Zum Beispiel haben wir in der Apostelgeschichte 21, Vers 9, die vier Töchter. Weiß jemand, von wem sie die Töchter waren? Jungfrauen, die Weissagten. Also stellt euch vor, ihr habt vier Töchter, die alle Prophetinnen sind. Das ist sicherlich sehr spannend gewesen. Dann haben wir hier auch Lukas 2, Vers 36. Hannah, eine Prophetin, die Tochter Phanuels aus dem Stamm Asser, war hochbetagt und hatte nach ihrer Jungfräulichkeit mit ihrem Mann sieben Jahre gelebt. Wir sehen also, Gott kann junge Frauen gebrauchen, Gott kann alte Frauen gebrauchen und logischerweise können wir schlussfolgern, auch alle Frauen dazwischen.

[13:11] Aber nicht nur als Prophetinnen hat Gott Frauen berufen. Zum Beispiel hier in Lukas 8 lesen wir: Und es begab sich danach, dass er durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes, und die Zwölf waren mit ihm. Wer waren diese Zwölf? Die zwölf Jünger, oder? Dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse Geister ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chusas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihm dienten mit ihrer Habe.

[13:54] Also hier haben wir Frauen, die nicht einfach nur Jesus gut fanden oder gesagt haben: Ja, du bist mein Erlöser. Hier haben wir Frauen, die, wie es hier heißt, mit ihm waren, die ihm gefolgt sind, die sozusagen Vollzeit auch durchaus für Jesus gearbeitet haben und die auch mit ihrem Besitz oder mit ihren Talenten Jesus gedient haben. Und sie hatten durchaus die Aufgabe, nicht einfach nur, vielleicht könnte man denken, naja, vielleicht waren die einfach dazu da, um den Aposteln die Wäsche zu waschen. Das war nicht der Fall, sondern Jesus gab diesen Frauen auch den Auftrag, wichtige Evangeliumsbotschaften weiterzutragen.

[14:37] Zum Beispiel hier in Johannes 20, Vers 18. Da kommt Maria Magdalena und verkündet den Jüngern, dass sie den Herrn gesehen und dass er dies zu ihr gesprochen habe. Die Botschaft zum Beispiel von der Auferstehung ist nicht dem Petrus zuerst oder dem Johannes gegeben worden, sondern Frauen, weil Gott wusste, was er tut. Maria Magdalena und einige andere Frauen waren die Ersten, die gepredigt haben über die Auferstehung. Das war ein wesentlicher, wesentlicher Punkt.

[15:10] Wir finden auch einige weniger bekannte Frauen. Oder wer von euch hat schon mal von Tryphäna und Tryphosa gehört? Vielleicht nicht zwei Namen, die man unbedingt heute seinen Kindern geben würde. Römer 16, Vers 12: Grüßt Tryphäna und Tryphosa, die im Herrn arbeiten. Also darf eine Frau für Gott im Werk Gottes arbeiten, ja oder nein? Eindeutig. Grüßt die geliebte Persis, die viel gearbeitet hat im Herrn. Also nicht nur ein bisschen arbeiten. Eine Frau darf nach dem Wort Gottes viel arbeiten und sich enorm einbringen in das Werk des Herrn.

[15:44] Was sind Beispiele, die man so sieht in der Bibel? Zum Beispiel hier in Apostelgeschichte 18, Vers 26. Und er fing an, öffentlich in der Synagoge aufzutreten. Als nun Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus. Also Aquila ist ein Mann, aber Priscilla war eine Frau. Was war ihre Aufgabe, was war ihre Funktion, welche Rolle hat sie eingenommen? Sie war eine Bibellehrerin, sie hat gelehrt, sie hat das Wort Gottes unterrichtet. Also Frauen auf der Bibel dürfen selbstverständlich, genauso wie Männer, das Wort Gottes lehren, das Wort Gottes predigen, sogar als Prophetinnen aktiv sein.

[16:31] Gibt es auch Aufgaben, die eigentlich Männern zustehen, die auch Frauen übernehmen dürfen? Also wenn es eine Aufgabe gibt, die eigentlich für Männer gedacht ist, darf eine Frau das in der Bibel auch übernehmen? Ich gebe euch ein Beispiel. Vers 21. Da nahm Jael, die Frau Hebers, eine etwas grausame Geschichte, einen Zeltpflock und einen Hammer zur Hand und ging leise zu ihm, das ist dieser Sisera, der Feind Israels, hinein und schlug ihm den Pflock durch die Schläfe, so dass er in die Erde drang. Er aber war von Müdigkeit fest eingeschlafen und er starb. Also die Feinde Gottes umzubringen, ist doch eher Männerarbeit, oder? Würdet ihr auch zustimmen? Mit einem Pflock jemanden an die Erde hämmern, das ist doch Männerarbeit, oder? Aber wenn sich kein Mann findet, der dazu bereit ist, dann erlaubt Gott auch, dass eine Frau das tut.

[17:26] Was ist der Punkt? Jede Arbeit, jedes Werk, das Gott einem Mann gibt, kann auch eine Frau ausüben. Die vielleicht größte Aufgabe, die je ein Mensch bekommen hat, hat Gott einer Frau gegeben. Die Aufgabe, den Sohn Gottes auf die Welt zu bringen und den Sohn Gottes so zu erziehen, dass er mit neun Monaten und mit zehn Monaten keine falschen Gewohnheiten sich aneignet. Würdet ihr nicht denken, dass das vielleicht die größte Aufgabe aller Zeiten war? Denjenigen, der ein sündloses Leben leben sollte, so zu erziehen, dass er von Anfang an, natürlich mit Gottes Hilfe, ohne Frage, von Anfang an in die richtige Bahn gelenkt wird. Von keiner anderen Aufgabe hing unser ewiges Leben so sehr ab, wie von der Aufgabe, die Maria bekommen hat.

[18:30] Es wurde ihr gesagt: Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Maria, der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und wir könnten viele, viele Beispiele im Alten und im Neuen Testament sehen und anführen, um deutlich zu machen, dass Gott schon immer, auch wenn die damalige Kultur eigentlich das nicht vorgesehen hatte, Frauen verwendet hat.

[18:50] Also wenn es nach der Kultur gegangen wäre, zur Zeit der Römer, hätte man nicht die Frauen beauftragt, das Evangelium zu verkündigen. Ihr kennt vielleicht, das habe ich vielleicht schon mal erzählt, im Gericht damals, wenn ein Mord geschehen ist und 1000 Frauen haben ihn gesehen, aber kein Mann, dann wurde der Mörder freigesprochen aus Mangel an Beweisen, weil das Wort einer Frau galt nichts. Aber bei Gott gilt das Wort einer Frau genauso viel wie das Wort eines Mannes.

[19:26] Es gibt allerdings eine Aufgabe, die im Alten Testament niemals eine Frau eingenommen hat, und das war die Aufgabe des Priesters. Bevor wir darauf eingehen, möchte ich ganz kurz mit euch die Frage klären: Was ist eigentlich Ordination? Ist Ordination biblisch? Einige haben in dieser Debatte die Ansicht vertreten, Ordination ist sowieso so ein römisch-katholisches Ding, lasst uns die Ordination ganz aus dem Fenster schmeißen, dann haben wir das Problem nicht. Wenn man niemanden ordiniert, ist die Frage geklärt.

[20:04] Nun, Ordination heißt eigentlich nichts weiter als Einsegnung. Und die Frage ist, gibt es in der Bibel überhaupt solche Ordination? Hier ein Beispiel, 4. Mose 27. Und der Herr sprach zu Mose: Nimm dir Josua, den Sohn Nuns, einen Mann, in dem der Geist ist, und lege deine Hand auf ihn, und stelle ihn vor Eleasar, den Priester, und vor die ganze Gemeinde, und gib ihm Befehl vor ihren Augen, und lege von deiner Hoheit auf ihn, damit die ganze Gemeinde der Kinder Israels ihm gehorsam ist.

[20:40] Also, was lernen wir hier über diese Ordination von Josua? Hat er durch die Ordination den Heiligen Geist bekommen, ja oder nein? Schau dir den Vers nochmal genauer an. Hat er durch die Ordination, durch das Handauflegen, den Geist Gottes bekommen, ja oder nein? Nein, der Geist Gottes war schon in ihm. Der Geist Gottes war schon in ihm. Mose sollte seine Hände auf ihn legen, und zwar, warum? Vor der ganzen Gemeinde. Warum sollte das vor der ganzen Gemeinde stattfinden und nicht im stillen Kämmerlein? Offensichtlich sollte das der Gemeinde zeigen, wer ihr zukünftiger Leiter sein würde, oder?

[21:25] Wir lesen weiter. Und Mose macht es, wie der Herr es ihm geboten hatte, und nahm Josua und stellte ihn vor Eleasar, den Priester, und vor die ganze Gemeinde, und er legte seine Hände auf ihn und gab ihm einen Befehl, so wie der Herr durch Mose geredet hatte.

[21:42] Auch im Neuen Testament finden wir Ordination. Zum Beispiel hier in der Apostelgeschichte, Apostelgeschichte 6, Vers 5 und 6. Und das Wort gefiel der ganzen Menge, und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus, und Prochorus, und Nicanor, und Timon, und Parmenas, und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochien. Diese stellten sie vor die Apostel, und sie beteten und legten ihnen die Hände auf.

[22:08] Also, was für Eigenschaften hatten diese Männer hier, die ordiniert wurden? Wenn wir den Stephanus anschauen. Sie hatten bereits den Heiligen Geist, ja? Nicht die Ordination hat irgendetwas an ihrem Glauben verändert, sondern es war einfach eine öffentliche Bestätigung dessen, was Gott schon längst getan hatte. Übrigens, wer hat diese Leute ausgesucht? Irgendein Prophet? Wer hat sie ausgesucht? Die Menge, oder? Sie! Das Wort gefiel der ganzen Menge. Schon damals wurden im Neuen Testament wichtige Gemeindeämter durch eine gemeinsame Gemeindewahl durchgeführt und übergeben.

[22:55] Übrigens gibt es einige Theologen, die herausgefunden haben, dass das Wort für ordinieren an mancher Stelle sogar "Handheben" heißt, dass man also durch Wahl, durch Handheben jemanden gewählt hat als Ältesten, so ähnlich wie das heute auch tun.

[23:10] Nun, anderes Beispiel, Apostelgeschichte 13. Als sie nun dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus aus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen. Auch hier ist es wieder Gott, der bereits das Werk getan hat und die Gemeinde einfach das bestätigt.

[23:36] Ellen White hat das folgendermaßen kommentiert. Sie sagte: Gott sah aber die Schwierigkeiten voraus, die auf seine Diener zukommen würden. Deshalb wies er die Gemeinde durch Offenbarung an, die Apostel für den Dienst im Lehramt auszusondern, damit sie ungehindert arbeiten könnten. Ihre Einsegnung bestätigte öffentlich, dass Gott sie dazu bestimmt hatte.

[23:58] Ordination ist eine öffentliche Bestätigung dessen, was Gott schon längst getan hat. Weiter heißt es: Paulus und Barnabas hatten ihren Auftrag bereits unmittelbar von Gott empfangen. Das Handauflegen vermittelte ihnen also keine neue Gnade oder besondere Befähigung. Es handelte sich vielmehr um eine anerkannte Form der Amtsübertragung und eine Bestätigung der Vollmacht in diesem Amt.

[24:24] Heißt also, Ordination ist kein Zauberstab. Wenn jemand ordiniert ist, ist er plötzlich irrtumsfrei oder besonders befähigt. Ordination bedeutet, wir anerkennen jemanden, den Gott bereits deutlich geführt hat, für eine besondere Aufgabe. Ellen White sagt: Auf diese Weise drückte die Gemeinde dem Werk Gottes ihr Siegel auf. Interessant, oder? Gott tut was und die Gemeinde bestätigt das, was Gott getan hat. Das ist Ordination.

[24:50] Nun, wir sehen in der Bibel, die Juden sahen darin eine bedeutungsvolle Handlung. Wenn ein jüdischer Vater seine Kinder segnete, legte er die Hände ehrfurchtsvoll aufs Haupt. Das heißt, der Punkt ist, man kann auch gesegnet werden, man kann auch die Hand aufgelegt bekommen, ohne dass man deswegen ordiniert ist. Die Bibel kennt keine ausdrückliche, explizite Lehre der Ordination, dass man nur für bestimmte Aufgaben ordiniert werden kann oder nur, dass das Handauflegen nur in einer bestimmten Zeremonie vorgeführt werden müsste.

[25:30] Wenn ein jüdischer Vater seine Kinder segnete, legte er die Hände ehrfurchtsvoll aufs Haupt. Wurde ein Tier zum Opfer bestimmt, so legte der in Vollmacht amtierende Priester ebenfalls die Hand auf den Kopf des Tieres. Und als nun die Diener der Gemeinde von Antiochien Paulus und Barnabas die Hände auflegten, baten sie Gott durch diese Handlung, er möge den erwählten Aposteln seinen Segen erteilen zu dem Werk, dazu sie bestimmt waren.

[25:53] Dann sagt sie interessanterweise: Später wurde die Sitte der Einsegnung durch Auflegen der Hände vielfach missbraucht. Dieser Handlung wurde eine ungerechtfertigte Bedeutung beigemessen, zum Beispiel, dass dadurch unmittelbar eine Kraft auf jene komme, die die Einsegnung empfingen und sie zu jedem geistlichen Amt befähige. Diese Veränderung des Ordinationsverständnisses ist übrigens eine der Wurzeln der römisch-katholischen Kirche.

[26:21] Was passiert ist, in der Zeit der Kirchenväter, hier haben wir zum Beispiel einige, die das so gefördert haben, den Ignatius von Antiochien, den Irenäus, Irenäus von Lyon oder Tertullian. In dieser Zeit gab es etliche Irrlehrer, die die Gemeinden kaputt gemacht haben mit ihren falschen Lehren. Und um Einheit zu erzeugen, ist man auf die Idee gekommen: Kommt, lasst uns in jeder Gemeinde einen bestimmen, der das Sagen hat. Während es vorher oftmals mehrere Älteste gab oder verschiedene Leiter, hat man jetzt einen bestimmt, der quasi königliche Macht bekommen hatte. Und dadurch musste er ein besonderes Ritual durchlaufen. Und so wurde Ordination von einer simplen Bestätigung, dass es jemand, den Gott auserwählt hat für die Verkündigung oder für den Dienst an der Gemeinde, zu einem magischen Akt, wodurch jemand plötzlich höher stand als die Laien. Dadurch kam es dann zum Klerus und zu den Laien. Aber das ist völlig undiplomatisch. Aber obwohl wir das ablehnen, bleibt doch festzuhalten, dass Ordination an sich nichts undiplomatisches ist.

[27:21] Aber wisst ihr, das eigentliche Thema ist gar nicht so sehr Ordination. Denn Ellen White sagt sehr deutlich, dass man Frauen die Hand auflegen kann für eine bestimmte Aufgabe, zum Beispiel für missionarische Aufgaben. Das ist überhaupt nicht das Thema. Das eigentliche Thema ist nicht die Frage von Hand auflegen, ja oder nein. Das eigentliche Thema ist das Thema geistliche Leitung.

[27:42] Nun, wer ist der größte aller geistlichen Leiter, die es jemals gab? Jesus. Er war der, er ist der König Israels, er ist der Leiter, oder? Schauen wir mal, was Jesus seinen Aposteln, die er ja auch zu Leitern ausbildete, über geistliche Leitung sagte. Er sagt hier: Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Fürsten der Heidenvölker, das sind die Leiter der Nationen, oder? Die Könige und Tyrannen, dass sie die Heidenvölker unterdrücken und dass die Großen Gewalt über sie ausüben. Und das ist so allgemein präsent, dass in unserem Kopf das immer noch drin ist, oder? Wenn jemand die Führung der Gemeinde hat, dann hat er das Sagen, oder? Auch wenn wir das zwar theoretisch ablehnen, es ist ganz oft drin in unserem Kopf noch, wenn jemand die Führung hat, dann kann er Sachen durchsetzen, ja. Aber Jesus sagt, dieses Prinzip ist ein heidnisches Prinzip.

[28:38] Es gibt keine von oben nach unten Gewalt in der Gemeinde Gottes. Unter euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß werden will, der soll euer was? Diener. Und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer? Knecht. Gleich wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

[29:06] Also Jesus sagt, mein Leben ist ein Beispiel für wahre geistliche Leitung. Wahre geistliche Leitung bestätigt daran, dass ich sage, ich habe das Amt und weil ich das Amt habe, musst du das machen, sondern geistliche Leitung besteht wie Jesus im Dienst und in der Verkündigung des Wortes.

[29:24] Nun, Petrus, der das gehört hat damals, schreibt später Folgendes in seinem Brief: Nicht als solche, die über das ihnen zugewiesene herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde. Ein geistlicher Leiter, egal ob ein Ältester oder ein Pastor oder ein Generalkonferenzpräsident, ist ein Leiter nicht aufgrund seiner Herrschaft, sondern aufgrund seines Vorbildes.

[29:58] Jetzt, wenn man ein Vorbild ist, was ist das Ziel, wozu man ein Vorbild hat? Andere sollen das Vorbild nachahmen, oder? Jetzt schaut mal, was der Paulus dazu zu sagen hat. Hebräer 13, Vers 7: Gedenkt an eure Führer, die euch das Wort Gottes gesagt haben, schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach. Natürlich sollen wir Jesus zuallererst nachahmen, aber es gibt in der Gemeinde Gottes dieses Prinzip, dass es Menschen gibt, die von Gott auserwählt sind als Vorbilder der Herde und er nennt sie, wie hier am Anfang, Führer.

[30:42] Das Wort ist im Deutschen leider besetzt. Aber was die Bibel hier mit Führer meint, ist genau das Gegenteil von dem, was der Adolf Hitler mit Führer gemeint hat. Bei Adolf Hitler war das: Ich bin der Führer und ich sage, was zu tun ist. Von wegen Vorbild. Genau das Gegenteil. Und schaut mal, was für ein Charakteristikum diese Führer haben. Woran erkennt man diese Führer? Die Führer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Das heißt, ein geistlicher Leiter ist derjenige, der in besonderer Weise das Wort Gottes sagt.

[31:19] Jetzt, wie nennt man das mit anderen Worten, das Wort Gottes zu sagen? Lehren. Gleiches Kapitel, Vers 17: Gehorcht euren Führern, das sind die, die das Wort Gottes gesagt haben, und fügt euch ihnen. Und jetzt achtet genau hin und dann versteht ihr, warum es eigentlich geht. Denn sie wachen über eure Seelen als solche, die einmal Rechenschaft ablegen werden, damit sie es mit Freuden tun und nicht mit Seufzen. Denn das wäre nicht gut für euch.

[31:50] Was ist die besondere Aufgabe eines geistlichen Führers? Seine Aufgabe ist keine Aktivität, sondern eine Verantwortung für andere. Mit anderen Worten, ein Evangelist predigt zu anderen, aber er ist verantwortlich für das, was er selbst glaubt. Jemand, der Bibelstunden gibt, predigt zu anderen, aber ist verantwortlich für das, was er selber glaubt. Jemand, der Sabbatschule leitet oder Kindersabbatschule leitet oder was auch immer, eine Aktivität durchführt, er ist nur verantwortlich für das, was er glaubt. Aber ein geistlicher Leiter ist verantwortlich für den Glauben der ganzen Gemeinde. Mit anderen Worten, wenn ich kein geistlicher Leiter bin, egal ob Mann oder Frau, ich kann Kindersabbatschule leiten, ich kann Sabbatschule leiten, ich kann predigen, ich kann Evangelisation halten, ich kann Bibelstunden geben, ich kann alles tun unter dieser Welt. Und Gott wird mich am Ende fragen: Warum hast du das geglaubt? Aber einen geistlichen Leiter wird Gott fragen: Warum hat deine Gemeinde das geglaubt? Warum ist in deiner Gemeinde das gelehrt worden?

[33:05] Also geistliche Leitung ist nicht eine besondere Aktivität. Geistliche Leitung ist eine besondere Verantwortung. Die Verantwortung, vor Gott Rechenschaft ablegen zu müssen, warum in der eigenen Gemeinde dieser oder jener etwas geglaubt hat und warum man vielleicht nicht da entgegengesteuert hat. Wenn wir das verstehen, dann sehen wir, eigentlich ist die Aufgabe gar nicht so beneidenswert, oder?

[33:30] Schaut mal, was Jakobus sagt: Werdet nicht in großer Zahl Lehrer. Sollen wir alle das Wort Gottes lehren, ja oder nein? Hat Gott allen die Aufgabe gegeben, das Evangelium in alle Welt zu tragen und zu lehren? Also wenn er hier von Lehrer spricht, meint er nicht im Sinne von, dass das Wort Gottes lehren darf, sondern in diesem technischen Sinne, als derjenige, der die Lehrautorität hat, der die Verantwortung für die Lehre in der Gemeinde hat. Er sagt: Werdet nicht in großer Zahl solcher Lehrer, warum? Da ihr wisst, dass sie ein strenges Urteil empfangen werden.

[34:13] Ein geistlicher Leiter ist nicht jemand, der mehr darf, sondern der mehr Verantwortung vor Gott hat, mehr Rechenschaft ablegen muss über Dinge, die sonst jemand nie ablegen muss. Und deswegen sagt der Jakobus: Überlegt euch gut. Deswegen sagt die Bibel in Epheser 4, Vers 11: Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer.

[34:39] Anderes Wort für Hirte, das Wort, das wir in der Gemeinde meistens verwenden als Hirte, Pastor, denn der Pastor ist der Hirte. Also ein Gemeindeältester, ein Gemeindepastor ist der Lehrer, wenn ihr so wollt. Dürfen alle Menschen Apostel werden? Alle Menschen Propheten werden? Alle Menschen Evangelisten werden? Die Frage ist, was ist mit diesen Hirten und Lehrern? Denn das war die Aufgabe der Priester. Die Priester im Alten Testament hatten die Aufgabe, über die Lehre Israels zu wachen. Sie hatten die Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern für das ganze Volk. Der Priester war der Stellvertreter des gesamten Volkes.

[35:27] Und wenn ihr das verstanden habt, versteht ihr einen Bibelfers, der sonst ziemlich frauenfeindlich klingt. Paulus schreibt an Timotheus: Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht, sondern sie soll sich still verhalten. Wenn man den so alleine liest, denkt man, ja, der Paulus, der war nicht verheiratet, der ist frauenfeindlich, oder? Aber wenn man den biblischen Kontext versteht, sagt er: Ich erlaube einer Frau nicht, dass sie vor Gott gefragt wird, was ihre gesamte Gemeinde geglaubt hat, sondern dass jede Frau, so wie alle normalen Männer auch, soll einfach nur für ihren eigenen Glauben verantwortlich sein. Und Gott hat diese eine Aufgabe in der Gemeinde, die Verantwortung für die Lehre, den Männern gegeben.

[36:10] Nun, damit sind wir beim heißen Eisen: Ordination der Frau. Also Paulus sagt: Ich erlaube einer Frau nicht zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht, das bedeutet Autorität ausüben, also Lehrautorität, sondern sie soll sich still verhalten. Nun, einige sagen: Ja, ja, ja, das ist kein Wunder, weil der Paulus, der schreibt an den Timotheus und der Timotheus, der war in Ephesus und wir wissen aus der Geschichte in Ephesus, da gab es damals diesen heidnischen Götzenkult, da gab es diese Kultprostituierten und wenn die dann Christen wurden, dann sahen die immer noch so halb aus wie die Prostituierten und deswegen wäre das unangemessen gewesen, wenn die vorne gestanden hätten. Ja, weil all die neuen Christen, die jetzt kommen, die waren früher bei den Prostituierten gewesen und wenn die dich jetzt treffen, dann ist das irgendwie komisch, ja. Und deswegen sagen viele, auch viele, die sonst sehr an die Bibel glauben, naja, was der Paulus hier meint, das bezieht sich auf Ephesus.

[37:06] Das Problem ist nur, der Paulus sagt im nächsten Vers nicht: Denn so ist die Situation in Ephesus. Er sagt im nächsten Vers: Denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva. Also Paulus bezieht sich gar nicht auf irgendeine spezielle lokale Situation in Griechenland oder in Rom oder wo auch sonst wo, er bezieht sich auf die Schöpfungsordnung.

[37:24] Er sagt an anderer Stelle: Ich will aber, dass ihr wisst, dass Christus das Haupt jedes Mannes ist. Der Mann aber das Haupt der Frau, Gott aber das Haupt des Christus. Und hier geht es um Verantwortung. Schauen wir uns Ellen White dazu zu sagen, das ist sehr interessant.

[37:42] Gott selbst gab Adam die Gefährtin, die um ihn sei und zwar nicht als Dienerin, sondern als eine Gehilfin, die eigentlich ihn, ja, das Gegenstück zu ihm bildet, die zu ihm passte, die als Begleiterin geeignet war und die in Liebe und Mitgefühl mit ihm eins sein konnte. Eva wurde von einer Rippe aus Adams Seite geschaffen, sie sollte ihn nicht als Haupt beherrschen, aber auch nicht unterdrückt werden, sie sollte ihm vielmehr wie zur Seite stehen, ebenbürtig. Und er sollte sie lieben und beschützen.

[38:14] Jetzt denken wir vielleicht, wie kann das sein, wie können zwei ebenbürtig sein und einer beschützt den anderen? Aber Gott geht das. Bei Gott können zwei ebenbürtig sein und trotzdem hat der eine die Verantwortung für beide. Beide ebenbürtig, beide gleich viel wert, beide die gleichen Aufgaben sozusagen, ja, beide sollten im Garten arbeiten, aber trotzdem hatte der eine die Verantwortung für den anderen.

[38:37] Als Adam und Eva gesündigt haben, wer war zuerst mit der Sünde? Wen hat Gott zuerst angesprochen? Warum? Adam hatte die Verantwortung für die ganze Familie. Und hat Gott nicht zu Eva gesagt: Wo bist du? Obwohl Eva gesündigt hat, obwohl Eva weggelaufen war, obwohl Eva auf die Schlange gehört hat, obwohl Eva sogar den Adam verführt hat. Gott sagt nicht zu Eva: Was hast du da getan, dass du meinen Adam verführt hast? Gott kommt zu Adam und sagt: Adam, du bist verantwortlich, was ist passiert mit Eva und mit dir?

[39:16] Und als Folge der Sünde war die völlige Harmonie zwischen Mann und Frau gebrochen. Vor der Sünde waren beide vollkommen ebenbürtig und der Mann hatte die Verantwortung für beide, aber jetzt gab es Unterschiede der Meinung, jetzt gab es Streit, jetzt konnte es Konflikte geben. Und im Falle des Konfliktes hat Gott festgehalten, dass in der Familie der Mann die Verantwortung übernehmen sollte. Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären und dein Verlangen wird auf deinen Mann gerichtet sein, er aber soll über dich herrschen.

[40:04] Ellen White kommentiert dazu: Bei der Erschaffung hatte Gott sie Adam gleichgestellt. Wären beide Gott gehorsam geblieben in Übereinstimmung mit seinem großen Gesetz der Liebe, hätten sie miteinander in Einklang leben können. Aber die Sünde brachte Uneinigkeit, so konnte nur die Unterordnung des einen ihre Eintracht bewahren. Eva war die erste bei der Übertretung gewesen, als sie sich entgegen der göttlichen Weisung von ihrem Gefährten trennte, geriet sie in Versuchung. Als sie ihn dazu überredete, sündigte auch Adam. Und nun wurde sie ihrem Mann unterstellt. Dennoch hätte dieses Urteil, auch wenn es den Folgen der Sünde erwuchs, für das gefallene Menschengeschlecht ein Segen werden können, wenn die im göttlichen Gesetz verankerten Grundsätze befolgt worden wären. Aber der Mann missbrauchte diese ihm übertragene Vorrangstellung, das machte das Los der Frau nur allzu oft bitter und ihr Leben zu Last.

[40:51] Also ihr versteht, der Punkt ist nicht, dass man irgendwie der Benachteiligung der Frau das Wort reden möchte, ganz im Gegenteil. Ellen White sagt, wenn das im Sinne Gottes umgesetzt worden wäre, dann wäre es ein großer Segen gewesen und Männer haben ihre Rolle viel zu oft missbraucht.

[41:10] Übrigens, das ist der Grund, warum Timotheus sagt: Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht. Im nächsten Kapitel sagt er: Nun muss aber ein Aufseher, das Wort Aufseher ist dasselbe Wort wie Ältester, ein Episkopos, ein Presbyteros. Nun muss aber ein Aufseher untadelig sein, Mann einer Frau.

[41:40] Nun, einige Theologen haben gesagt, naja, das Wort Mann kann auch Mensch bedeuten und man könnte es austauschen, ja, also dann könnte es ja auch eine Frau eines Mann sein. Das Problem ist, wenn man das austauschen kann, dann könnte man auch sagen: Mann eines Mannes. Und ob es glaubt oder nicht, fast alle Kirchen, die in den letzten Jahrzehnten die Ordination der Frau eingeführt haben, haben später mit denselben Bibelauslegungsmethoden auch die Anerkennung und später sogar die Ordination von Homosexuellen gefördert. Das klingt erstmal merkwürdig, aber so ist das in der jüngsten Kirchengeschichte gewesen.

[42:10] Und jetzt seht ihr, was der Paulus sagt, er ist konsequent. Nun muss aber ein Aufseher untadelig sein, Mann einer Frau und dann nüchtern, besonnen, anständig, gastfreundlich, fähig zu lehren. Warum, helft mir, warum soll er fähig zu lehren sein? Weil er die Verantwortung für die Lehre in der Gemeinde trägt. Einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht.

[42:32] Nun, einige derjenigen, die die Frauenordination befürworten, sagen, ja, es gibt männliche Führung in der Familie, aber nicht in der Gemeinde. Mit anderen Worten, was Gott sagt in 1. Mose 3 gilt nur für die Familie, aber nicht für die Gemeinde. Das Problem ist, wenn du in der Gemeinde die Führung hast über deinen Mann, aber in der Familie dein Mann die Führung über dich hat, dann endet das in Konfusion. Und Paulus sagt hier ganz deutlich, dass eine der Qualifikationen für das Gemeindeamt die Familie ist, oder? Könnt ihr das sehen?

[43:05] Er sagt nämlich am nächsten Vers: Wenn aber jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? Also diese beiden Dinge können nicht getrennt werden. Und für den Fall, dass ihr glaubt, naja, das war wirklich nur für Ephesus, schaut mal, was derselbe Paulus einem anderen Mitarbeiter, dem Titus, sagt.

[43:24] Ich habe dich zum Zweck in Kreta zurückgelassen. Das ist nicht Ephesus, keine Kultprostituierten da. Damit du das, was noch mangelt, in Ordnung bringst und in, wohin? Jeder Stadtälteste einsetzt. Also ist das, was Paulus hier sagt, allgemeingültig oder nur für Ephesus? Das ist allgemeingültig. So, wie ich die Anweisung gegeben habe. Und dann sagt er wiederum: Wenn einer untadelig ist, Mann einer Frau. Und das Wort ist hier tatsächlich nicht Mensch, sondern biologisch aner Mann.

[43:59] Und dann sagt er weiter: Sondern gastfreundlich, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, beherrscht. Einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen, als auch die Widersprechenden zu überführen. Der geistliche Leiter hat die Aufgabe zu sagen: Was du lehrst, ist Irrtum. Und er muss das machen, weil er verantwortlich ist vor Gott für die Lehre in der Gemeinde.

[44:21] Nun, vielleicht sagt ihr oder die, die zuschauen: Was ist mit Galater 3, Vers 28? Heißt es nicht, es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und Freien, zwischen Mann und Frau? Sind wir nicht alle jetzt eins? Nun, der Punkt ist der, dass Paulus das oft sagt. Er sagt zum Beispiel hier in Korinther: Denn wir sind alle durch einen Geist und einen Leib hineingetauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie. Also geht es hier um die Ämter in der Gemeinde oder geht es um die Taufe? Um das im Geist sein. Alle Juden, Griechen, Knechte, Freie, Männer, Frauen vor Gott, was ihre Erlösung betrifft, was ihre Stellung vor Gott betrifft, sind alle gleich.

[45:07] Er sagt weiter in Kolosser: Da ihr den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat, wo nicht Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit. Alle sind in Christus eins. Ein Mann ist nicht mehr erlöst als eine Frau, ein Jude nicht mehr erlöst als ein Grieche. Aber auch nach der Erlösung ist ein Jude noch ein Jude und ein Grieche oder auch nach der Erlösung ist ein Barbar ein Barbar und ein Skythe ein Skythe. Und auch nach der Erlösung ist ein Mann ein Mann oder eine Frau eine Frau. Erlösung verändert nicht die Schöpfungsordnung, Erlösung nimmt die Sünde weg.

[45:44] Aber was ist mit Petrus? Hier steht doch: Ihr seid alle ein königliches Priestertum, dann sind wir doch alle Priester, oder? Männer und Frauen. Das stimmt schon, aber auch im Alten Testament waren alle Priester, die Männer und die Frauen, zumindest geistlich, aber tatsächlich waren es nur Männer.

[46:04] Was ist mit Joel 3, wo es heißt: Und nach diesem wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen. Es gibt Leute, die diesen Text benutzen und sagen, wir müssen die Frauen ordinieren, sonst gibt es keinen Spätregen. Nun, spricht das hier von Gemeindeleitung? Ganz und gar nicht. Als Adventisten sind wir uns sehr bewusst, dass Frauen auch junge Frauen weissagen dürfen. Übrigens, habt ihr gewusst, dass Ellen White als Prophetin, trotzdem zu Hause ihrem Ehemann untertan war? Ellen White war Prophetin, hatte eine direkte Ordination von Gott sozusagen, aber ihr Ehemann, James White, der war der ordinierte Älteste. Interessant.

[47:00] Was ist mit Psalm 68, Vers 12? Der Herr erlässt sein Wort, groß ist die Schar der Siegesbotinnen. Ich kann dazu sagen: Amen. Gott möchte jede einzelne Frau, genau wie jeden einzelnen Mann verwenden, den Sieg zu verkündigen. Aber es hat nichts mit Ordination der Frau zu tun. Und Römer 16, Vers 12, das vielleicht noch als Beispiel hier. Grüßt Andronikus und Junias, meine Verwandten und Mitgefangenen, die unter den Aposteln angesehen sind.

[47:26] Jetzt, der Vers ist eigentlich harmlos. Es gibt aber ein paar Manuskripte, die statt Junias, Junia haben. Und Junias wäre männlich, aber Junia wäre weiblich. Und da sie heißt: unter den Aposteln, sagen einige: Schau her, da gab es eine Junia unter den Aposteln. Das Problem ist nur, der Vers sagt nicht unbedingt, dass sie eine von den Aposteln war, sondern dass sie unter den Aposteln angesehen war. Mit anderen Worten, die Apostel kannten sie, wenn es eine sie überhaupt war, und sie war angesehen.

[47:56] Nun ihr Lieben, was ist der eigentliche Streitpunkt? Ihr merkt vielleicht, der eigentliche Streitpunkt ist gar nicht so sehr, was Frauen dürfen oder nicht. Der Streitpunkt ist, wie legen wir die Bibel aus? Und viele Theologen haben angemerkt, dass die letzten Jahre die Adventgemeinde in eine Krise gekommen ist. Um nur noch zwei Beispiele zu wählen dafür: In 1. Timotheus 2 und 3, die Texte, die wir gelesen haben, sagen die Verfechter der Frauenordination: Es ist eine besondere Situation in Ephesus. Wir haben dabei Geschichtsbücher gelesen, die sagen uns, es war so und so, und mit Hilfe dieses geschichtlichen Wissens legen wir den Text aus und dann gilt es nur fürs erste Jahrhundert in Ephesus. Die andere Seite sagt: Nein, Paulus argumentiert mit der Schöpfung, nicht mit einer lokalen Situation. Die Situation in Ephesus ist ohnehin umstritten, keiner weiß genau, wie es gewesen ist, und die Aussage von Paulus ist nicht auf Ephesus beschränkt.

[48:44] Ein anderes Beispiel ist 1. Mose 3, da wo Gott sagt, dass er ihnen, wo es heißt, dass Gott Adam und Eva Kleider gemacht hat. Da gibt es Leute, Theologie-Professoren, Leute mit enormem Hebräischwissen, die sagen: Schaut mal her, das Wort für Kleider in 1. Mose 3 ist dasselbe Wort wie für die priesterlichen Kleider in 2. Mose 28. Demzufolge waren Adam und Eva Priester. Klingt doch gut, oder? Klingt ja voll überzeugend, oder? Vor allem, wenn man kein Hebräisch kann, denkt man, ja, der muss es ja wissen. Der hat ja Hebräisch studiert und das sind gute Leute, die das sagen, also Leute, vor denen ich großen Respekt habe. Das Problem ist nur, dasselbe Wort wird auch verwendet für das Kleid von Josef, weil es ein ganz allgemeines Wort für Kleid ist. Und natürlich haben die Priester auch Kleider gehabt, aber nur, weil der Priester ein Kleid hat, heißt nicht, dass jedes Kleid einen zum Priester macht. Versteht ihr, was ich meine? Und da sieht man manchmal, wie auch ein Theologe betriebsblind werden kann in seinem Studium.

[49:57] Übrigens, habt ihr gewusst, was Ellen White sagt? Die Heilige Schrift ist eindeutig bezüglich der Rechte von Männern und Frauen und ihrer Beziehung zueinander. Ist erstaunlich, oder? Also wenn Ellen White sagt, es ist eindeutig das Thema und 40 Jahre Studium bringen uns nicht gemeinsam zusammen, dann ist das Problem nicht, dass die Bibel so unklar ist, sondern ist das Problem, dass wir mit den falschen Methoden die Texte angehen. Versteht ihr, was ich meine? Und das hat diese Situation zutage gefördert.

[50:28] Die letzten Minuten möchte ich euch was zeigen, was vielleicht ein bisschen herausfordernd ist, aber ich denke, ihr solltet das wissen, warum das Ganze solch eine Zerreißprobe ist. Ich möchte euch ein paar Jahreszahlen noch geben und was passiert ist in der jüngsten Vergangenheit. Wie gesagt, wir haben gesagt, das Ganze begann mit dem finnischen Verband, der 1968 zum ersten Mal das angefragt hat. 1972 wurde dann ohne Erlaubnis der GK die erste Frau als Älteste ordiniert in der Potomac-Vereinigung in den USA. So alt ist das Thema schon. Es ist nicht erst vor ein paar Wochen entstanden. Daraufhin hat man das studiert, 1973, und das erste Studienkomitee hat die Frauenordination für Ältestinnen empfohlen. Daraufhin hat ein GK-Ausschuss die Ordination von Ältestinnen, nicht von Predigern, aber von Ältestinnen im Ausnahmefall erlaubt. Und zwar für Fälle, wo es keine geeigneten Männer gibt und nur, wenn es auf einer Sondergemeindesitzung geschieht und nur, wenn der Vereinigung und Verband zustimmen unter bestimmten besonderen Regeln.

[51:41] Nun, dieser Beschluss ist jetzt mittlerweile dazu verwendet worden, dass aufgrund dieses Beschlusses nicht nur regelmäßig, ungefragt, überall Frauen als Ältestinnen eingesegnet werden, sondern dass auch Pastorinnen als Ältestinnen eingesegnet werden und Pastorenarbeit machen. Und das Thema ist total aus dem Ruder gelaufen. Ich glaube, die Brüder von der GK haben damals das gut gemeint. Sie haben gedacht, okay, wir können vielleicht hier für Ausnahmefälle eine Regel schaffen. Aber sie haben eine Tür aufgemacht, die dazu geführt hat, dass 1979 die erste allein verantwortliche Pastorin in der Potomac-Vereinigung eingestellt worden ist. 1985 hat dann die nordamerikanische Division den Antrag gestellt, dass Frauen auch taufen dürfen. Die GK hat damals diesen Antrag abgelehnt. Daraufhin ist in Loma Linda die erste Frau von einer Frau getauft worden. Und spätestens hier seht ihr, es geht nicht einfach nur um biblisches Studium, hier geht es um Rebellion.

[52:34] Was weiter passiert? 1989 hat der Pazifikverband, das ist Kalifornien, das ein Zentrum ist in dieser Debatte, gefordert, man sollte jetzt auch Pastorinnen ordinieren. Ein weiteres Studienkomitee der GK hat dies abgelehnt. 1990 ist das dann vor die GK gekommen und dort wurde, wie ich euch erzählt habe, das Thema abgelehnt. Gleichzeitig hat man die Frauenarbeit gefördert. Man hat so Frauenbeauftragte eingeführt, wie wir das kennen. Dann 1994 hat die offizielle Adventistische Zeitschrift eine Artikelserie herausgebracht für die Frauenordination. Das ging hin und her, hin und her. 1995 hat die nordamerikanische Division wieder einen Antrag angebracht, um Frauen in ihrer eigenen Division ordinieren zu dürfen. Mit anderen Worten, wir machen das Nordamerika. Wenn die Afrikaner das nicht wollen, sollen sie es ja machen. Nicht machen. Damals ist das wieder abgelehnt worden, sehr zum Missfallen der Nordamerikaner. Und was ist passiert? Wenige Wochen später sind trotzdem in Maryland und Kalifornien die ersten Pastorinnen ordiniert worden, in direktem Gegensatz zum GK-Beschluss.

[53:49] Wir springen in die heutige Zeit. 2010. Auf Anfrage der GK, man hat bei allen Divisionen nachgefragt. Die haben gesagt, also in unseren Divisionen, egal ob in Afrika, Asien, Amerika, Südamerika, wir sind dagegen. Es bringt das nicht nochmal auf die GK dort zu diskutieren. Trotzdem wurde, obwohl es kein Agendapunkt war, 2010 das wieder aufgegriffen. Wieder wurde ein Komitee ins Leben gerufen und diesmal wurde das größte weltweite Studienkomitee dazu beauftragt jemals. Gleichzeitig hat die nordamerikanische Division 2010 eigenmächtig einen Paragrafen geändert, der vorgeschrieben hat, dass man nur Vereinigungsvorsteher werden darf, wenn man ordiniert ist. Da haben sie geschrieben, eigenmächtig: Man sollte ordiniert sein, statt: Man muss ordiniert sein, um damit jetzt auch Frauen nicht nur als Pastorinnen, sondern auch als Vereinigungsvorsteherinnen haben zu können. Diese eigenmächtige Änderung ist von der Generalkonferenz abgelehnt worden und trotzdem von der Division in Nordamerika wieder bestätigt worden. Also ihr seht hier, schieben sich Platten gegeneinander und das macht diese ganze Brisanz aus.

[55:10] 2012 hat dann die nordamerikanische Division das Ganze doch zurückgezogen, weil juristisch eindeutig war, sie haben sich aus dem Fenster gelehnt. Man kann nicht einfach die Verfassung der Adventgemeinde ändern. Und dann ist etwas Bemerkenswertes passiert. Der Präsident der nordamerikanischen Division hat gesagt, wir ziehen uns zurück und wir wollen jetzt auf praktischerem Wege, das war sein Wort, die Frauenordination Agenda doch durchsetzen. Was ist passiert? Im selben Jahr entscheiden sich drei Verbände und zwar der Norddeutsche Verband, der Columbia Verband und der Pazifik Verband, die beiden sind in Amerika, auf zum Teil Sonderdelegierten Tagungen, die zum Teil im Internet live gestreamt worden sind, die Frauenordination unabhängig vom Ausgang der GK durchzuziehen. Einige weitere Verbände, wie zum Beispiel Niederlande, haben beschlossen, das ab 2015 zu machen. Mit anderen Worten, sie sagen, wir warten noch bis zur GK, aber egal, was die entscheiden, wir machen es trotzdem. Und diese drei, Norddeutschland, Pazifik und Columbia, haben gesagt, wir machen es sofort. Wenn jemand einen Antrag stellt, wir ordinieren sofort. Egal, was die GK sagt. Die GK hat das ausdrücklich missbilligt und hat deutlich gemacht, dass Ordinationen, die auf dieser Grundlage geschehen, nicht anerkannt werden.

[56:32] Als Folge dessen, dann im gleichen Jahr hat jetzt dieses Studienkomitee seine Arbeit begonnen. Ihr könnt sehen, wie heiß das diskutiert worden ist, was für eine Brisanz das hat. Und dann 2013, als ob man wirklich provozieren möchte, ist in Südost-Kalifornien die erste Frau als Vereinigungsvorsteherin gewählt worden, Sandra Roberts. Die nordamerikanische Division hat das anerkannt, die GK hat es abgelehnt. Und auf der GK-Sitzung hat ein Administrator aus Südafrika gefragt: Was sollen wir tun, wenn sie zu uns kommt? Sollen wir sie als ordiniert behandeln oder nicht? Ted Wilson hat gesagt: Sie ist nicht als ordiniert zu behandeln. Also ihr seht, die Gemeinde ist eine Zerreißprobe. Eine echten, echten Zerreißprobe.

[57:15] 2014 haben alle 13 Weltdivisionen ihre eigenen Studienergebnisse eingereicht. Wollt ihr wissen, was die einzelnen Divisionen gesagt haben? Fang mal an mit unserer eigenen. Mitteleuropa, unsere eigene Division, hat als einzige einstimmig für die Frauenordination gestimmt. Trans-Europa, das ist Nordeuropa und ehemalige Jugoslawien und so weiter, hat ebenfalls Ja gestimmt. Nordamerika, selbstverständlich Ja. Die pushen das. Südpazifik, das ist Australien, ebenfalls Ja. Nordasien-Pazifik, das ist China und Japan, ebenfalls Ja. Mittelamerika hat gesagt, wir machen, was immer die GK sagt. Ostafrika: Nein. Eurasien, das ist Russland, der ganze Ostblock: Nein. Südamerika: Nein. Südasien-Pazifik, das ist also die ganze Gegend um Indonesien und Malaysia und so weiter: Nein. Westzentralafrika, das ist Ghana und Freunde: Nein. Südafrika-Indischer Ozean, das ist die ganze Südafrika: Nein. Südasien, das ist Indien: Nein.

[58:26] Nun, ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber alle, die mit Ja gestimmt haben, sind die mit vor allem so gut wie keinem Gemeindewachstum und zum Teil sehr wenig Glieder. Alle, die mit Nein gestimmt haben, sind die, wo die Gemeinde explodiert. Nun, wir wissen nicht genau, was bei der GK passieren wird, aber allein von den delegierten Verhältnissen müsste es eigentlich wieder zu einem Nein kommen. Aber wer weiß, was noch alles passiert.

[59:02] Und dann hat 2014 das Studienkomitee seine drei Positionen verabschiedet. Die erste Position, das ist die Position, ich denke, ihr werdet das gemerkt haben, die ich vertrete und die eigentlich auch historisch unsere adventistische Position gewesen ist und die leider bisher in Deutschland so gut wie gar nicht publiziert worden ist: Frauenordination für Älteste und Pastoren ist unbiblisch. Man sollte mehr Ämter für Frauen schaffen, die keine Ordination erfordern. Das heißt, man könnte Frauen als Evangelistinnen einsetzen, als Bibelarbeiterinnen. Man kann Frauen für alle Aufgaben, für alle Aktivitäten einsetzen, lediglich nicht für die Verantwortungsposition für eine Gemeinde.

[59:39] Position zwei dagegen sagt: Frauenordination ist biblisch und von Gott gewollt und jede Division oder jeder Verband sollte selbst entscheiden dürfen. Und interessanterweise entstand dann kurz vor Schluss eine dritte Position und das ist sehr interessant. Schaut mal, was die sagt: Frauenordination ist nicht Gottes Ideal. Der Einheit wegen kann aber auch ein Plan B umgesetzt werden. Analog zu Israel, die sich einen König wünschten. Also man sagt, naja, die Israeliten sollten nie einen König haben, aber sie haben sich einen König gewünscht und Gott ihnen einen König gegeben. Und eigentlich sollten Frauen nicht ordiniert werden, aber die Gemeinde wünscht sich das, dann können wir es ja machen. Das Problem ist nur, dass Ellen White deutlich sagt, dass das eine Sünde war, oder? Als Israel sich einen König gewählt hat und dass die Wahl eines Königs nicht zur Einheit geführt hat, sondern letztendlich zur Trennung.

[1:00:18] Wie ihr seht, war das Komitee relativ ausgeglichen. 32 für Position 1, 40 für Position 1, 22 für Position 1, Position 3. Die wurden übrigens Milleriten genannt, weil der Nick Miller das vorgeschlagen hat. Und so gehen wir in die GK. Viele Beobachter sagen, es ist die wahrscheinlich wichtigste Generalkonferenz aller Zeiten. Ob ihr es wisst oder nicht, die nordamerikanische Division ist bereits mit ihren Büros aus den Büros der Generalkonferenz ausgezogen. Und es gibt Befürchtungen, dass, wenn die Frauenordination nicht bestätigt wird, es einige administrative Ebenen geben wird, die sich von der GK abspalten könnten. Und in dieser Krise ist jedes einzelne Gebet vonnöten.

[1:01:21] Ganz gleich erstmal, auch welche persönliche Position ihr habt, ob ihr sagt, Position 1 oder 2 oder 3 gefällt mir am besten oder ich habe noch eine vierte Position. Es wäre eine Tragik, wenn über dieses Thema die Gemeinde sich spaltet. Und was ist, wenn die GK dann doch die Frauenordination beschließt?

[1:01:41] Ich möchte dir was Interessantes vorlesen. Ich bin oft vom Herrn unterrichtet worden, dass niemand sein Urteil dem Urteil eines anderen Menschen unterstellen sollte. Niemals sollte das Denken von einem oder von wenigen Menschen als ausreichend betrachtet werden, um das Werk in Weisheit und Kraft zu kontrollieren und zu sagen, welche Pläne befolgt werden sollten. Aber wenn in einer Generalkonferenz das Urteilsvermögen der versammelten Geschwister aus aller Welt zum Tragen kommt, soll private Unabhängigkeit und privates Urteil nicht widerspenstig beibehalten werden, sondern aufgegeben werden. Niemals sollte es einen Arbeiter als Tugend ansehen, eine Position der Unabhängigkeit gegen die Entscheidung der ganzen Gruppe beizubehalten. Gott hat vorgesehen, dass die Repräsentanten seiner Gemeinde aus allen Teilen der Erde, wenn sie in einer Generalkonferenz versammelt sind, Autorität haben sollen.

[1:02:34] Heißt mit anderen Worten, jeder von uns studiert dieses Thema und jeder von uns kann eine eigene Meinung dazu haben. Aber egal was unsere Meinung ist, was die Generalkonferenz entscheidet, wird etwas sein, das wir gemeinsam mittragen. Und wenn es eine Fehlentscheidung ist, wird Gott dafür sorgen, dass eine andere Generalkonferenz die Fehlentscheidung wieder aufhebt. Niemand von uns muss sich abspalten von der GK, nur weil die GK irgendetwas entscheidet, was wir vielleicht als falsch ansehen. Und vielleicht liege auch ich falsch. Nicht wahr? Niemand von uns hat vollkommenes Wissen, niemand von uns kann sagen, dass seine Meinung immer genau die richtige ist.

[1:03:11] Markiert euch den 8. Juli. Am 8. Juli, das ist ein Mittwoch, wird dieses Thema bei der GK auf der Tagesordnung sein. Und wenn ihr an dem Tag fastet und betet, dann habt ihr nichts Falsches getan. Wenn ihr ein paar Tage vorher schon fastet oder betet, dann ist das sicherlich auch nicht verkehrt. Es könnte viel auf dem Spiel stehen. Und es geht, wie gesagt, nicht nur einfach um Frauen und Organisationen. Es ist das Thema, hinter dem sich überhaupt die Frage verbindet, wie legen wir die Bibel aus und wie gehen wir mit der weltweiten Kirche um.

[1:03:41] Zum Abschluss möchte ich noch was erzählen. Oft wird erzählt, dass in manchen Ländern wie in China zum Beispiel das Gemeindewachstum nur deswegen möglich gewesen ist, weil als damals alle Männer im Gefängnis saßen, die Frauen Pastorinnen geworden sind. Vielleicht habt ihr das schon mal gehört. Jetzt, ich hatte das Vorrecht, ich war zweimal in China, ich habe die Adventisten dort gefragt, ob das so war, wie es uns Amerika immer erzählt wird, von einigen Leuten. Die haben mich mit großen Augen angeschaut und gesagt: Was, sowas erzählen die bei uns? Nur, dass ihr das wisst, es gibt in ganz China drei eingesegnete Pastorinnen, nur drei. Ganz im Gegensatz zu dem, was immer erzählt wird. Und wisst ihr, es ist ein Märchen, dass dieses Thema unsere Mission fördern würde.

[1:04:31] Wenn wir uns die Kirchen anschauen, die in den letzten Jahrzehnten die Frauenordination eingeführt haben, wie zum Beispiel die Presbyterianische Kirche, die Methodistische Kirche, dann haben die alle in den letzten 40 Jahren ihre Mitgliederzahlen halbiert. Es gibt eine Kirche, die ebenfalls an dem Punkt war, wo wir waren. Sie hatten bereits Älteste ordiniert und wollten jetzt auch Pastorinnen ordinieren. Das waren die Southern Baptists, die südlichen Baptisten, die im Bibelgürtel sind. Und die haben dann das studiert und haben dann auf einer ihrer GK-Sitzungen eine schmerzhafte, aber wichtige Entscheidung gefällt. Sie haben gesagt, wir kehren zurück zu dem, was die Bibel so sagt, wie es dort steht. Und man hat dann einige der ordinierten Pastorinnen wieder oder der ordinierten Frauen in andere Aufgaben ummodeln müssen. Das war schmerzhaft, hat etwas Zeit gekostet. Aber seitdem wächst die Gemeinde der südlichen Baptisten. Und das zeigt mir, dass irgendeine Art und Weise Gott das segnet, wenn man ihm treu ist, auch wenn die Kultur und der Zeitgeist was ganz anderes diktieren. Und in dieser Krise hoffe und bete ich, dass wir alle gemeinsam für unsere Gemeinde beten, dass sie

[1:05:49] nicht zum Spielball von Machtpolitik wird, sondern dass Gott sich mächtig offenbart. Und gemeinsam beten. Lass uns die Nacken dazu.

[1:06:21] Lieber Vater im Himmel, du hast gesehen, welches Thema wir angesprochen haben. Und wenn irgendjemand durch das, was wir gesagt haben, Anstoß empfindet oder sich gekränkt fühlt, dann bitte ich dich um Verzeihung. Wenn irgendwelche Worte nicht so gewesen sind, wie du sie hättest ausgesprochen. Aber es ist doch so wichtig, dass wir zumindest verstehen, in welcher Krise wir uns befinden. Dass wir als Geschwister auch wissen, was um uns herum in der Gemeinde passiert. Und wir möchten dich um Weisheit bitten. Weisheit für alle Delegierten bei der kommenden Generalkonferenz. Weisheit für alle Administratoren. Weisheit für diejenigen, die für und auch die gegen die Frauenordination sind. Dass wir einen Weg finden, der die ganze biblische Wahrheit mit Einigkeit verknüpft. Ich möchte dich bitten, dass du uns wieder zurückführst zu einem einfachen Bibelstudium, wo nicht die Kommentatoren und die Historiker das entscheidende Wort haben, sondern dein Wort selbst, so wie es dort steht. Auch wenn es vielleicht zu einfach ist für manchen Theologen. Ich möchte dich bitten, dass du uns Vertrauen schenkst in dein Wort, Vertrauen in deine Gemeinde. Und wir danken dir, dass du, wenn wir zurückschauen, deine Gemeinde immer bewahrt hast in all den Krisen, ob das 1888 war oder wann auch immer. Dass du dieses Schiff steuerst. Und so danken wir dir, dass wir studieren dürfen, unsere eigene Meinung bilden dürfen und dann mit dir gemeinsam vorangehen dürfen. Sei du bei uns und segne uns. Amen.


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