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Manuskript zur Sendung >>> CSH_Manuskript_2020 3rd Nr 3

In dieser Cannstatt Study Hour-Folge mit Christopher Kramp geht es darum, wie wir Menschen mit den Augen Jesu sehen können. Anhand biblischer Beispiele wird gezeigt, wie Jesus Menschen mit Liebe, Mitgefühl und einem tiefen Verständnis für ihre Bedürfnisse betrachtete. Die Lektion ermutigt dazu, diese Haltung im eigenen Leben zu übernehmen, um andere besser zu verstehen und sie auf ihrem Weg zu Jesus zu begleiten.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2020 Q3: Freunde für Gott gewinnen

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur dritten Folge unserer Serie mit dem Thema "Freunde für Gott gewinnen". Wir wollen gemeinsam in diesem Quartal uns Gedanken machen, wie wir ganz praktisch den Auftrag Jesu erfüllen können, Menschen mit der guten Botschaft bekannt zu machen und vor allem mit dem, um den es im Evangelium geht, nämlich mit Jesus.

[0:57] Und heute wollen wir uns ein bisschen auch in die Lage von Jesus hineinversetzen. Das Thema dieses Studiums, mit dem wir uns vorbereiten wollen auf das Bibelgespräch am 18. Juli, heißt: "Die Menschen mit Jesu Augen sehen". Und das ist kein theoretisches Thema, sondern eines, das uns herausfordert, wirklich über unsere eigene Einstellung, unsere Gedanken nachzudenken und uns noch viel mehr an Jesus zu orientieren, auf ihn zu schauen und durch ihn verändert zu werden. Wir wollen uns in der Bibel anschauen, was es bedeutet, Menschen so zu sehen, wie Jesus sie gesehen hat.

[1:44] Und bevor wir dort in die Texte hineinsteigen und uns das ganz praktisch vor Augen führen, möchten wir Gott einladen, dass er unser Studium segnet, unsere Gedanken führt. Und dazu wollen wir gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, du hast Jesus auf diese Welt gesandt, um uns zu zeigen, wie du selbst bist. Und wenn wir lernen jetzt, wie Jesus Menschen gesehen hat, dann lernen wir damit automatisch auch, wie du uns siehst. Und darum bitten wir dich jetzt, dass wir das ganz deutlich erkennen und dass, wenn wir verstehen, wie sehr du uns lieb hast und wie sehr du dich um uns sorgst, dass wir anfangen, etwas von dieser Liebe auch weiterzugeben, dass wir in jedem Menschen einen Kandidaten für den Himmel sehen. Herr, erfülle du uns dazu mit deinem Heiligen Geist. Nur so ist das möglich. Und schenke uns jetzt Freude und Erkenntnis durch das Studium deines Wortes, so wie du es verheißen hast. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[2:55] Um zu verstehen, wie Jesus Menschen gesehen hat, muss man eigentlich erst mal ein paar Bibeltexte anschauen, in denen man sieht, wie Jesus Menschen angeschaut hat. Und wir wollen mit einer Reihe von diesen Texten beginnen, die uns ein Bild davon vermitteln, was Jesus in Menschen gesehen hat. Fangen wir mal an in Markus Kapitel 10 und dort Vers 21.

[3:18] Und einige Texte hier am Anfang, die uns zeigen wollen, wie Jesus Menschen angeschaut hat. Markus 10 und dort Vers 21. Die Geschichte ist bekannt, es geht um den reichen Jüngling, der sich zu den Füßen von Jesus niederwirft, ihn ja fragt: "Guter Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?" Und Jesus erwähnt dann einige der Zehn Gebote. Und wir kennen dieses Gespräch, das sich dann entwickelt. Aber dann heißt es in Vers 21 so, mittendrin in diesem Gespräch, kurz bevor es jetzt zum entscheidenden Punkt kommt, den Jesus anbringen möchte, da heißt es hier in Vers 21: "Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb."

[4:08] Wir fokussieren uns oft auf die Worte, die danach gesprochen werden: "Eines fehlt dir, geh hin und verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach." Diese Worte wurden nicht einfach nur gesprochen als ein technisches Hilfsmittel zum ewigen Leben, nicht nur als die richtige Antwort auf die Frage. Nein, sie wurden gesprochen von jemandem, der diesen reichen Jüngling angesehen hat und ihn gern gehabt hat. Die Bibel sagt uns: "Jesus blickte ihn an und gewann ihn lieb." Wenn Jesus Menschen gesehen hat, hat er sie gern gehabt. Das ist das Erste, was wir von ihm lernen.

[4:58] Nicht jedes Mal war Jesus froh, wenn er Menschen gesehen hat. In Lukas Kapitel 19 sehen wir eine andere Geschichte, in der Jesus blickt, in der er schaut. In Lukas 19 und dort Vers 41, da heißt es: "Und als er näher kam, das ist Jesus, und als er näher kam und die Stadt, das ist hier Jerusalem, sah, weinte er über sie." Er weinte nicht wegen der Gebäude, obwohl die Menschen, die neben ihm standen, gerade wegen der Gebäude so gute Dinge waren. Denn diese Gebäude waren schön, die Mauern waren groß, der Tempel ein gigantisches Spektakel. Das Licht, das sich dort widerspiegelte, hatte die Augen geblendet. Es war so wunderschön, diese Stadt und fast alle Menschen, die damals auf diesem Hügel standen und hinabblickten mit Jesus. Fast alle Menschen waren mit Stolz und Freude erfüllt, aber Jesus sah auf diese Stadt und er weinte, denn er sah auch die Gebäude, aber er sah vor allem die Menschen in dieser Stadt, die ihn nicht annehmen würden, was dazu führen würde, dass genau diese Gebäude alle in einigen Jahrzehnten zerbrochen werden würden. Die Stadt würde eingenommen werden von den Römern in etwa 40 Jahren. Jesus sah den Untergang und er weinte.

[6:31] Als Jesus einen Menschen sah, der noch nicht das ewige Leben ergriffen hatte, gewann er ihn Liebe. Wir lesen später in Lukas, dass er auch traurig wurde. Wir lesen es in den Evangelien, dass er traurig war, als sich der reiche Jüngling abgewendet hat. Jesus sah die Menschen von Jerusalem. Für ihn war diese Stadt nicht einfach nur eine Ansammlung von Menschen, für ihn waren das ganz viele Kandidaten für den Himmel, die sich gegen den Himmel entschieden hatten. Jesus weinte, als er die Stadt Jerusalem sah.

[7:15] In Matthäus 8 und dort Vers 14 lesen wir: Matthäus 8 Vers 14: "Und als Jesus in das Haus des Petrus kam, sah er, dass dessen Schwiegermutter da niederlag und Fieber hatte." Jesus kam gerade aus dem Gottesdienst, aus der Synagoge. Es war gerade Sabbat, aber er hatte nicht nur ein Auge für die Schriftrollen und für die prophetischen Aussagen des Alten Testamentes, nicht nur Augen für religiöse Gespräche und Gebete, er hatte Augen für die Menschen im Haushalt, für ihre Nöte, für ihre Probleme, dafür, dass sie krank waren. Jesus sah die Menschen mit ihren Schwierigkeiten und er wollte ihnen gerne helfen. Jesus sah die Schwiegermutter des Petrus, sah, dass sie krank war und half ihr.

[8:12] In Matthäus Kapitel 9 und dort Vers 9 haben wir noch so eine interessante Geschichte. Matthäus 9 Vers 9: "Und als Jesus von da weiterging, sah er einen Menschen an der Zollstätte sitzen, der hieß Matthäus und er sprach zu ihm: Folge mir nach. Und er stand auf und folgte ihm nach." Die meisten anderen Menschen sahen nur einen Verräter, einen, der das eigene Volk ausraubte und mit den Römern zusammen arbeitete, mit ihnen kooperierte, einen, auf den man hinabschaute, den man eines Blickes kaum für würdig erachtete. Aber Jesus sah in diesem Zöllner, Achtung, seinen eigenen Biografen. Er sah in diesem Menschen Fähigkeiten, die dazu führen würden, dass dieser Mensch einer der wichtigsten Schreiber der ganzen biblischen Zeitepoche werden würde, der nämlich das längste Evangelium über das Leben Jesu schreiben würde, eines, das insbesondere, mehr als alle anderen drei, insbesondere das Leben von Jesus mit dem Alten Testament verweben würde, so dass eine ganz unauflösliche Einheit zwischen dem Leben und Wirken und Reden Jesu und dem Alten Testament entstehen würde, eine ganz theologisch außerordentlich wichtige Aufgabe. Jesus sah dieses Potenzial in diesem Zöllner.

[9:41] Und wenn wir diese Beispiele durchgehen, dann sollten wir uns doch die Frage stellen: Was sehen wir in Menschen? Sehen wir, wenn wir Menschen, wenn Menschen mit uns sprechen, sehen wir Menschen, die wir lieb haben? Wenn Menschen sich gegen Gott entscheiden, sehen wir ihren drohenden Untergang? Oder lassen wir uns blenden von ihrem Wohlstand und von ihrem scheinbaren Glück? Sehen wir die Nöte in unseren Familien? Sehen wir in Menschen, die von allen verachtet werden, außergewöhnliches Potenzial?

[10:18] Die Liste geht noch weiter. In Matthäus Kapitel 14 und dort Vers 14, da heißt es hier: "Als nun Jesus ausstieg, sah er eine große Menge." Wer die Geschichte kennt oder vor kurzem bei uns auch studiert hat in der Serie "Der Ersehnte", der weiß, dass Jesus eigentlich mit seinen Jüngern einen einsamen Ort gesucht hatte. Die waren gerade zurückgekommen von ihrer ersten großen Missionsreise und Jesus wollte sich mit ihnen etwas austauschen, sie ermutigen, auch durchaus korrigieren. Er brauchte Zeit mit ihnen allein, aber Jesus sieht jetzt, dass eine große Menge ihm gefolgt war. Eigentlich hat er keine Zeit für sie, aber es heißt hier: "Als er sie sah, heißt es hier: Und er erbarmte sich über sie und heilte ihre Kranken."

[11:08] Jesus sah in den Menschen Verlorene, Hilfsbedürftige, Menschen, die ihn brauchten, selbst dann, wenn andere Dinge eigentlich ihn pressierten, wenn er eigentlich andere Pläne gehabt hätte. Jesus sah in den Menschen nicht nur Kandidaten für den Himmel, wenn er auf Missionseinsatz war oder wenn es Sabbat war, auch dann, wenn er eigentlich andere Pläne hatte, wenn er wirklich wenig Zeit hatte oder sich anderes vorgenommen hatte, sah er immer in den Menschen, die zu ihm kamen, Menschen, die ihn brauchten. Hängt dein Blick auf andere Menschen davon ab, ob du gerade viel Zeit hast oder im Stress bist? Hängt dein Blick auf andere Menschen davon ab, ob du gerade im Missionsmodus bist oder eigentlich nur deine Arbeit machen willst? Für Jesus gab es keinen Unterschied.

[12:07] In Lukas 19 und dort Vers 5, in Lukas 19 und dort Vers 5 heißt es: "Und als Jesus an den Ort kam, blickte er auf und sah ihn und sprach zu ihm: Zachäus, steige schnell herab, denn heute muss ich in deinem Haus einkehren." Zachäus, wir kennen ja wahrscheinlich die Geschichte, hatte sich auf einem Baum versteckt oder vielmehr ist auf den Baum gestiegen, um überhaupt, weil er so klein war, Jesus zu sehen. Und Jesus schaut direkt in diesen Baum hinein, um dem Zachäus zu sagen: Ich kenne dich, ich interessiere mich für dich, auch wenn andere dich vielleicht verachten. Auch Zachäus war ja so ein Zöllner, war sogar ein Oberzöllner. Jesus hat Interesse an ihm.

[12:55] Und dann sehen wir in Johannes 1 und dort Vers 48, und da überschreitet es so ein bisschen fast die Grenzen von dem, was wir dann noch von Jesus imitieren können, im konkreten Sinne. In Johannes 1, Vers 48, da heißt es hier: "Nathanael, der von Philippus zu Jesus gebracht worden ist, Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortet und sprach zu ihm: Ehe dich Philippus rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich."

[13:30] Jesus sieht uns auch dann, wenn wir allein sind. Jesus sieht uns, bevor wir zu ihm kommen. Jesus sieht nicht nur die Menschen, die zu ihm kommen, er sieht auch die Menschen, die noch nicht bei ihm sind oder die noch nicht von ihm gehört haben. Jesus sieht auch die Menschen, die sich alleine zu Hause, auch wenn es niemand anders sonst zu bemerken scheint, für das Wort Gottes interessieren. Die beten. Jesus sieht dich, lieber Freund, liebe Freundin, wenn du versuchst, die Wahrheit kennenzulernen, wenn du versuchst, Gott besser zu verstehen, wenn du dir Gedanken machst über dein Leben, über die Zukunft und über das, was Gott dir versprochen hat. Gott sieht dich. Jesus hat sein Auge auf dich gerichtet.

[14:27] Und dann lesen wir noch eine äußerst bewegende Geschichte in Johannes 19, Vers 26. Hier sind wir auf Golgatha. Jesus ist an das Kreuz genagelt worden und muss furchtbare, kaum zu beschreibende Schmerzen erleiden. Plus alle Sünden der Welt liegen auf ihm und drücken auf seine Seele und trennen ihn in seiner Wahrnehmung. Durch diese Sünden ist er getrennt von dem Vater, der eigentlich neben dem Kreuze steht. Und in dieser äußersten Anspannung, dieser äußerst kritischen Situation lesen wir in Vers 26: "Als nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn." Selbst als es ihm so dreckig ging wie nie zuvor, als er im Todeskampf war, als er die Sünden der ganzen Welt trug, hatte Jesus noch ein Auge für die Nöte und Bedürfnisse seiner Mutter.

[15:51] Wir können etwas von Jesus lernen, wir können viel von Jesus lernen, aber in diesem Thema können wir von ihm lernen, dass Jesus nicht nur in der Theorie, sondern ganz praktisch im Alltag einen Blick für Menschen hatte. Er sah sie mit ihren kleinen und großen Problemen. Jesus sah die Ausgestoßenen und die Geachteten. Er hatte sie lieb und war traurig, wenn sie sich gegen Gott entschieden haben und keinen Umstand, keine gefassten Pläne, nicht einmal die Last der Sünden der Welt konnten ihn davon abhalten, noch für andere mitzudenken und etwas Gutes für sie zu wünschen. Das ist der Jesus und das sind seine Augen. Und wir müssen uns diese Verse, diese Ideen vor Augen halten, wenn wir uns jetzt darüber Gedanken machen wollen, wie wir andere Menschen mit den Augen Jesu sehen wollen.

[16:54] Denn genau darum geht es. Es geht darum, immer mehr diese Einstellung von Jesus zu haben. Es heißt ja nicht ohne Grund im Philipperbrief, das ist nicht im Sendemanuskript enthalten, aber kann man trotzdem aufschlagen, in Philipper 2 Vers 5: "Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war." Seine Gesinnung, sein Denken, seine Art und Weise auf Menschen zu blicken, das, was er in Menschen gesehen hat, das soll uns Vorbild sein. Und je mehr wir uns mit Jesus beschäftigen, je mehr wir Jesus in unseren Alltag hineinlassen, desto mehr werden wir so auch auf Menschen zugehen und so Menschen betrachten.

[17:39] Eine der vielleicht interessantesten Geschichten, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, findet sich in Johannes 4. Eine Geschichte, die wir schon hin und wieder immer wieder ausführlich auch analysiert haben, aber es lohnt sich immer wieder von Neuem anzuschauen, wie Jesus hier mit dieser besonderen Frau umgegangen ist. Wir lesen ab Vers 3: "Da verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa. Er musste aber durch Samaria reisen. Da kommt er in eine Stadt Samarias, genannt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Es war aber dort Jakobsbrunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich so an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde."

[18:26] Jesus war unterwegs und er musste von Judäa durch Samaria reisen, um nach Galiläa zu kommen. Diese ganze Gegend hier, die hier beschrieben wird, war eigentlich voller Erinnerungen an alttestamentliche Geschichten. An dieser Stelle hatten nicht nur Jakob und Josef hier gelebt, Jakob gelebt und das Feld hat dann seinen Sohn Josef vermacht. Nein, an dieser Stelle hatte schon Abraham zum ersten Mal sein Zelt aufgeschlagen, ein Altar, sich dort niedergelassen zumindest, in 1. Mose 12. Und dort hatte auch Josua auf den beiden Bergen, Gerizim und Ebal, auf diesen beiden Bergen die Gebote Gottes, Segen und Fluch verkünden lassen, als das Volk Israel dort das Land Kanaan oberhatte. Diese Gegend war voller bedeutsamer Ereignisse in der Frühgeschichte Israels gelesen.

[19:29] Aber Jesus hatte vielleicht auch ganz oder nicht vielleicht, wir lesen ja, er war ganz müde, er war erschöpft, er war ausgelaugt, er hatte eigentlich nur den Wunsch, etwas zu trinken. Und vielleicht kennen wir diese Situation, wenn wir körperlich auch erschöpft sind, wenn wir müde sind, wenn wir vielleicht einfach nur noch Ruhe brauchen, dann sind wir nicht unbedingt aufgelegt, jetzt für andere Menschen zu denken, missionarisch aktiv zu sein. Das ist eine Sache, wenn man gerade eine ermutigende Predigt gehört hat, einen Missionsansatz am Sabbatnachmittag hat, wenn man irgendwie das Gefühl hat, jetzt geht es voran, ja, dann hat man vielleicht ein bisschen Adrenalin und man freut sich sogar vielleicht auf den Missionsansatz. Etwas anderes ist es, wenn man nach langer Arbeit müde vielleicht nach Hause kommt und eigentlich nur noch seine Ruhe haben will, vielleicht dann noch den Blick für andere Menschen zu haben.

[20:18] Aber genau darum geht es hier. Jesus zeigt uns, dass in dieser Welt mit ihren Schwierigkeiten, ihren Nöten, ihren Unvollkommenheiten, was die Umstände betrifft, in dieser Welt können wir mit Gottes Hilfe andere Menschen so sehen, wie Gott sie sieht. Wir lesen in Vers 7: "Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken." Jesus sieht die Frau. Die Frau wird ihn schon auch physisch gesehen haben, aber sie hat ihn vermutlich versucht zu ignorieren. Jesus weiß, wenn er das Gespräch nicht anfängt, wird sie ihn niemals ansprechen. Sie sieht, dass er ein Jude ist, sie wird nichts mit ihm zu tun haben wollen und trotzdem, obwohl diese Frau ihn eigentlich ignorieren möchte, nichts mit ihm zu tun haben will, gar nicht irgendwie Interesse an ihm hat, hat Jesus ein Interesse an ihr.

[21:05] Hast du Interesse an den Menschen, die kein Interesse an dir haben? Es ist die eine Sache, wir sind ja schon froh manchmal, wenn vielleicht Menschen aus eigenem Interesse sich für den Glauben interessieren und dann schaffen wir es vielleicht auch, ihnen die Wahrheit nahezulegen. Aber wie ist es, wenn Menschen überhaupt gar kein Interesse haben? Scheinbar, wenn sie keinen einzigen Schritt auf uns zugehen, haben wir trotzdem einen Blick für sie. Jesus weiß, er kann sie nur erreichen, wenn er sich auf ihre Ebene begibt und anstatt ihr etwas anzubieten, bittet er um Hilfe. Er wusste, dass wenn er ihr etwas angeboten hätte, dann hätte sie wahrscheinlich gesagt: "Nein danke, brauche ich nicht." Und vielleicht haben wir diese Erfahrung auch schon gemacht. Wir bieten oft Menschen etwas an und sind davon überzeugt, dass es gut ist und auch zu Recht und wir wundern uns, dass die Leute kein Interesse haben. Aber Jesus bittet um Hilfe, weil er weiß, das wird sie nicht ausschlagen können. So hat er zumindest ihr Ohr.

[22:16] Und das heißt dann hier in Vers 8: "Seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen. Nun spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie bittest du als ein Jude von mir etwas zu trinken, da ich doch eine samaritanische Frau bin? Denn die Juden haben keinen Umgang mit den Samaritern." Jesus hat zumindest jetzt ein Gespräch eröffnet. Die Frau ist verwundert und sie macht keinen Hehl daraus, dass sie diese bisherigen Traditionen und die Ablehnung zwischen Juden und Samaritern, dass sie das sehr real ist und sie eigentlich auch gar nicht weiß, was sie jetzt hier mit Jesus besprechen soll. Aber jetzt sind sie schon im Gespräch.

[22:53] Und Jesus sagt ihr in Vers 10: "Jesus antwortet und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so würdest du ihn bitten und er gäbe dir lebendiges Wasser." Jesus sagt: Ich habe etwas, wenn du nur wüsstest, was das ist, du würdest es unbedingt haben wollen. Er weckt ihr Interesse.

[23:23] Interessanterweise antwortet sie jetzt folgendes in Vers 11: "Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast ja kein Eimer und der Brunnen ist tief, woher hast du denn das lebendige Wasser? Bist du größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, samt seinen Söhnen und seinem Vieh?" Nun, Jesus hätte in diesem Moment eine theologisch richtige Antwort geben können, in dem Sinne zum Beispiel hätte er sagen können: "Ja, ich kenne Jakob, ich habe ihn gemacht. Ich kenne Jakob auch, weil ich mit ihm gekämpft habe. Ich habe eine ganze Nacht mit ihm gekämpft und Jakob hing am Ende an meinen Füßen und hat gewinselt und geweint und ich habe ihn gesegnet." Das wäre alles theologisch korrekt gewesen und die Frau wäre gegangen und hätte gesagt: "Wer ist das denn?" Jesus wusste, dass, obwohl sie diese herausfordernde Frage stellt, eine vollständige theologisch korrekte Antwort auf die Frage hier nicht geholfen hätte.

[24:21] Das ist ein interessanter Punkt. Jesus hat da selbstverständlich ein großes Interesse daran, dass diese Frau die gesamte theologische Wahrheit erkennt, aber er will sie Schritt für Schritt führen. Und statt sich selbst zu verteidigen und in diesen Fehler fallen wir so oft hinein, dass wir meinen müssen, insbesondere dann, wenn Menschen ganz frisch überhaupt mal mit dem Glauben in Kontakt kommen, dass wir meinen müssen, mit der ganzen kompletten richtigen theologischen Wahrheit Antworten zu geben auf Fragen, die noch gar nicht richtig verstanden worden sind. Aber Jesus hat nicht nur einen Blick für die Wahrheit, er hat auch einen Blick für den Menschen und er sucht nach dem besten Weg, die Wahrheit zum Menschen zu bringen.

[25:06] Und so geht er gar nicht auf diese etwas provokative Frage ein. Nein, er hat ja nicht ohne Grund dieses Thema vom Wasser aufgegriffen, denn Jesus ist zwar auch durstig, aber er sieht nicht zuallererst seinen Durst. Als er gefragt hat: "Gib mir zu trinken", hat er nicht sein Bedürfnis zuerst gesehen, sondern ihr Bedürfnis. Er hatte etwas gesehen in ihr und da er natürlich auch Gott war, wusste er auch von ihrem Leben. Er sah, was sie wirklich brauchte. Jeder Satz in diesem Gespräch zielte auf einen ganz besonderen Punkt, nämlich auf den hier.

[25:42] Vers 13: "Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt." Hier kommt Jesus eigentlich zu dem, was er ihr mitgeben wollte. Er hatte gesehen, ihr Problem, das sie hatte, war nicht Wasser. Ja, natürlich, sie musste zum Brunnen kommen, um Wasser zu schöpfen, aber er hatte gesehen, dass sie ein tieferes Problem hatte. Wie wir später aus der Geschichte gleich erfahren werden, hatte sie immer wieder verschiedene Männer gehabt und auch das war nur das Symptom ihres eigentlichen Problems. Wenn jemand immer wieder eine andere Partner hat, dann fehlt ihm Liebe. Sie hat nach echter Liebe gesucht und sie nicht gefunden. Sie hat es bei dem ersten Partner versucht, beim zweiten Mann, beim dritten Mann, immer wieder hat sie getrunken und war doch durstig. Sie hatte getrunken und war doch durstig.

[26:51] Und Jesus benutzt jetzt dieses Bild von dem Brunnen, um ihre tiefste Sehnsucht anzusprechen. Sie sehnt sich nach etwas, was bleibt, etwas, was nicht außerhalb von ihr ist, sondern das sie von innen erfüllt, was die Leere füllt. Er sagt: "Ich kann dir etwas geben, was dein Herz erfrischt, das in dir zu einer Quelle von Wasser wird, dass du nicht immer von anderen abhängig bist, sondern dass du selbst für dich mit dem ewigen Leben verbunden bist." Das bietet er ihr an.

[27:30] Und die Frau merkt plötzlich, dass dieser Jesus ihr etwas anbieten kann, was sie von niemandem sonst gesehen oder angeboten bekommen hat. Und hier heißt es in Vers 15: "Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierher kommen muss, um zu schöpfen." Sie möchte unbedingt dieses Wasser haben, aber sie kann es nur haben, wenn sie weiß, dass Jesus ihr Erlöser ist, der sie von ihren Sünden befreien möchte. Aber dazu muss sie verstehen, dass sie befreit werden muss, dass ihre Sünden tatsächlich ein Problem sind.

[28:00] Jesus weiß, er kann diesen Punkt nicht übergehen. Und wann immer wir versuchen, Menschen zu Jesus zu führen und irgendwie über die Sünden hinweggehen und irgendwie versuchen, die Sünden auszublenden, dann werden wir sie nie zu Jesus wirklich führen. Denn Jesus ist gekommen, um ihre Sünden wegzunehmen. Und deswegen gehört an der richtigen Stelle auch eine ganz klare Definition der Sünde und auch ein ganz klares Zeugnis darüber, was die Bibel als Sünde sieht und dass Sünde nicht von Gott toleriert werden kann, aber dass er den Menschen so sehr liebt, um den Menschen von der Sünde zu trennen.

[28:34] Und die Art und Weise, mit der Jesus jetzt ihr tatsächliches Lebensstilproblem anspricht, ist voller Taktgefühl. Er behandelt sie so, als ob sie dieses Problem gar nicht hätte und gibt ihr die Gelegenheit, es selbst zu offenbaren. In Vers 16 heißt es: "Jesus spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und komm her." Die Frau antwortete und sprach: "Ich habe keinen Mann." Das stimmte ja durchaus in dem Sinn, dass sie gerade nicht verheiratet war, aber sie lebte in einer wilden Beziehung, hatte schon vorher fünf Männer gehabt.

[29:17] Interessant ist, was Jesus jetzt sagt in Vers 17b: "Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt, ich habe keinen Mann." Jesus bestätigt noch das, was bestätigt werden kann, ertadelt sie nicht gleich dafür, dass sie nicht die ganze Wahrheit gesagt hat, sondern er lobt sie für den Teil, der noch wahr gewesen ist, baut eine Brücke und zeigt ihr aber dann die gesamte Wahrheit, denn: "Fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesprochen."

[29:43] Die Frau spricht zu ihm: "Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist." Jetzt sieht sie, dass Jesus ihr Leben sieht. Jesus sieht ja nicht nur eine Person vor sich, er sieht die Gedanken, die Gefühle, er sieht die gesamte Lebensgeschichte, er sieht die Zukunft. Und manches von diesen Dingen, die können wir als Nachfolger Jesu gar nicht bis ins Letzte leisten. Wir können die Herzensregung eines Menschen nicht erkennen, wir können nicht die Vergangenheit eines Menschen wissen, wir kennen schon gar nicht seine Zukunft. Aber wenn Jesus, das ist der entscheidende Punkt, wenn Jesus, obwohl er alles von ihr wusste und ihre gesamte Geschichte kannte und auch ihre Zukunft kannte, obwohl Jesus das alles wusste, sie trotzdem so freundlich behandelt hat, wie viel mehr können wir dann, sollen wir, müssen wir dann andere Menschen freundlich und zuvorkommend behandeln, die wir gar nicht wissen, was in anderen Menschen vor sich geht.

[30:45] Mit den Augen Jesu zu sehen bedeutet genau so, das Gute in anderen oder das Beste von anderen Menschen zu vermuten, so wie Jesus das hier uns vormacht, obwohl er alles weiß. Und diese Frau ist jetzt so erstaunt und sie merkt plötzlich, wie der Blick Gottes direkt auf ihr Herz fällt und sie sieht quasi den Lichtstrahl der Wahrheit und das ist schmerzhaft, denn etwas, was sie am liebsten verborgen hätte, wird jetzt offenbar. Aber anstatt sich dieser Sache jetzt direkt zu stellen, lenkt sie das Gespräch in eine andere Richtung, weicht sie aus, versucht sie irgendwie von diesem Thema Abstand zu gewinnen und das geht am leichtesten mit theologischen Streitfragen. Mit einer theologischen Streitfrage kann man so leicht von den offensichtlichen Problemen im eigenen Leben ablenken. In vielen Fällen sind theologische Streitfragen auch in unseren Gemeinden ein Ablenkungsmanöver von den offensichtlichen Problemen, die mit den Zehn Geboten bestehen in unserem Leben.

[31:56] Was macht Jesus, als die Frau sagt: "Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet und ihr sagt, dass in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll." Es war nicht mal eine Kleinigkeit, es ging um die Frage, wo der Tempel stehen soll. Und jetzt kommt in Vers 21 Jesus. Es heißt: "Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet."

[32:22] Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt aus den Juden. Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden, denn der Vater sucht solche Anbeter. Gottes Geist und ihn anbeten müssen in dem Geist und in der Wahrheit anbeten. Jesus hatte hier folgendes Problem, in Anführungsstrichen: Diese Frau kannte zwei Theorien. Die eine Theorie war falsch und die andere war in der Sache richtig, aber wurde so abstoßend dargestellt, dass sie völlig kleinkariert darüber kam. Die samaritanische Ansicht vom Tempel auf dem Berg Gerizim war falsch, die jüdische Ansicht von dem Tempel in Jerusalem war richtig, aber sie wurde so abstoßend ausgelebt, dass die Frau gar nicht dafür zu gewinnen wäre, einfach jetzt diese jüdische Position anzunehmen.

[33:10] Aber Jesus ist so ein Meister darin, die Wahrheit wieder in ihre Schönheit zurückzubringen. Und dieses macht sehr deutlich, dass die Frau sich nicht entscheiden muss zwischen dem Irrtum ihres eigenen Volkes und der pharisäischen Engstirnigkeit, der eine Theorie, die zwar wahr, aber abstoßend ist. Nein, es gibt die viel bessere Variante, es gibt die Wahrheit, wie sie in Jesus ist. Es gibt die Wahrheit, wie Gott sie sieht. Und ja, in dieser Wahrheit spielt tatsächlich das Volk der Juden eine entscheidende Rolle, aber nicht exklusiv, sondern als diejenigen, die die Wahrheit anderen präsentieren. Ja, der Tempel spielt eine Rolle, aber eben nicht exklusiv und nur als Typus auf den himmlischen Tempel. Ja, es spielt eine Rolle, wie wir anbeten, aber nicht die Form ist das letzte Wort, sondern die Form weist nur hin auf die eigentliche Herzenseinstellung.

[34:12] Und als Jesus diesen Zusammenhang deutlich macht, ist für diese Frau, die ihr Leben lang nur in dieser Hassgesellschaft zwischen Juden und Samaritern groß geworden ist, plötzlich es möglich, eine Wahrheit anzunehmen, die durch die Art und Weise, wie die Juden sie praktiziert und gelehrt hatten, sie sonst nie angenommen hätte. Jesus baut eine Brücke in ihr Herz und zeigt ihr, wie Gott die Wahrheit sieht und befreit damit die Wahrheit von aller pharisäischen Engstirnigkeit und Kleinkariertheit und präsentiert sie in ihrer ganzen göttlichen Schönheit.

[34:54] Und dann sagt hier in Vers 25 die Frau: "Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen." Und Jesus sieht diese Frau. Es ist noch relativ am Anfang seines Dienstes im Jahr 28. Es sind noch fast drei Jahre bis zur Kreuzigung. Und Jesus sieht diese Frau am Anfang seines Dienstes und er weiß, dass er in den nächsten Jahren wahrscheinlich selten eine Gelegenheit bekommen wird, um den Juden jetzt diese Wahrheit zu vermitteln, die er dieser Frau sagen kann.

[35:27] Jesus spricht zu ihr: "Ich bin es, der mit dir redet." Er kann dieser Samariterin, einer Frau, die sogar höchstwahrscheinlich in ihrer samaritischen Gesellschaft als Abschaum galt, der kann er die Wahrheit vermitteln, die die meisten seinem Volk nicht annehmen würden, dass er der Messias ist.

[35:55] Und dann lesen wir ab Vers 28: "Nun ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen und lief in die Stadt und sprach zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Ob dieser nicht der Christus ist." Da gingen sie aus der Stadt hinaus und kamen zu ihm. Und wir haben letztes Mal schon gesehen, wie bedeutsam diese Stelle ist, dass hier das aus der Frau förmlich heraus sprudelt. Sie hat das Wasser des Lebens empfangen und sie kann es gar nicht für sich behalten. Wenn ein Mensch Jesus getroffen hat, dann wird er gerne von Jesus erzählen.

[36:32] Und dann sehen wir hier in Vers 31 bis 34 noch ein interessantes Nachgespräch. "Inzwischen aber baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt." Da sprachen die Jünger zueinander: "Hat ihm denn jemand zu essen gebracht?" Jesus spricht zu ihnen: "Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat und sein Werk vollbringe."

[36:56] Die Jünger hatten nur ihre Augen auf das Essen gerichtet, auf den Einkauf, auf die Alltäglichkeiten und für sie war Mission vielleicht dann dran, wenn Missionseinsatz war. Aber Jesus, selbst als er hungrig, ganz alleine dort auf das Essen wartend, durstig am Brunnen saß, hatte er Augen für die geistlichen Nöte, für die seelischen Nöte, für die moralischen Nöte von Menschen. Er sah, dass sie Hilfe brauchten.

[37:27] Manchmal denken wir nur daran, was wir essen und trinken und anziehen sollen und wie unser Alltag strukturiert sein soll und wie wir unsere Arbeit schaffen. Aber wenn wir von Jesus lernen, dann gibt es keine Situation im Alltag, in der wir nicht auch Menschen mit einem geistlichen Auge betrachten können.

[37:47] Jemand, der das immer wieder von Jesus auch gelernt hat, war Andreas. Andreas ist dafür bekannt, dass er immer wieder Menschen zu Jesus gebracht hat und das geht schon los in Johannes Kapitel 1. Dort lesen wir ab Vers 35: "Am folgenden Tag stand Johannes wiederum da. Das ist Johannes der Täufer und zwei seiner Jünger. Das sind Johannes der Evangelist und Andreas. Und indem er auf Jesus blickte, der vorüberging, sprach er: Siehe, das Lamm Gottes."

[38:14] Diese Geschichte beginnt hier damit, dass Andreas Jesus sieht, weil ein Prediger ihn auf Jesus aufmerksam macht und auf die Rolle, die Jesus im Erlösungsplan spielt. Und dann heißt es hier in Vers 37: "Und die beiden Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach." Dieser Andreas hat Predigten gehört, die ihn dazu geführt haben zu glauben, dass dieser Mann aus Nazareth, dieser Zimmermann, der Erlöser der Welt ist und er schaut auf ihn und er folgt ihm nach.

[38:52] Und jetzt heißt es in Vers 38: "Als aber Jesus sich umwandte und sie nachfolgen sah. Jetzt schaut Jesus auf Andreas." Nun, wir wissen aus dem, was wir vorstudiert haben, dass Jesus ihn schon lange vorher gesehen hat. Aber jetzt sieht Andreas, dass Jesus ihn sieht. Jesus sieht uns, wenn wir uns für ihn interessieren. Wir müssen Jesus nicht erzählen, dass wir ihn gerne kennenlernen wollen. Jeder noch so zaghafte Versuch, Jesus etwas besser kennenzulernen, wird von ihm gesehen. Wir müssen nicht kilometerweise ihm nachfolgen, bis er irgendwann sagt: "Aha, okay, ihr seid ja lange genug gelaufen, was wollt ihr?" Nein, als Jesus merkt, dass sie ihm nachfolgen, dreht er sich um, schaut sie an.

[39:37] Wann immer du ein Interesse hast, Gott irgendwie besser kennenzulernen, weiß es Jesus. Er schaut dich an und er stellt diese Frage: "Was sucht ihr?" Sie sprachen zu ihm: "Rabbi, das heißt übersetzt Lehrer, wo wohnst du?" Sie wollten ihn besser kennenlernen. Sie wollten nicht einfach nur ein paar theologische Fragen abhaken, nein, sie wollten diesen Jesus besser als Freund kennenlernen.

[40:00] Vers 39: "Er spricht zu ihnen: Kommt und seht." Sie kamen und sahen. Jetzt sind es wieder sie, die sahen. Sie hatten Jesus gesehen, Jesus hat sie gesehen. Er lädt sie ein, jetzt sehen sie ihn. Aber jetzt sehen sie nicht nur einen Menschen, der ihnen vorbeigeht, von dem der Prediger sagt, dass er der Erlöser ist. Nein, jetzt sehen sie Jesus den ganzen Tag über. Es macht einen Unterschied, ob wir in der Predigt am Sabbat für ein paar Minuten ein Bild von Jesus haben, weil der Prediger mit Vollmacht und biblischen Versen und interessanten Geschichten Jesus vor Augen malt. Das ist was anderes, wenn wir dann im Alltag Jesus wirklich nachfolgen und ihn sehen, wie er ist.

[40:36] Und als er einen Tag mit Jesus verbracht hatte, heißt es hier in Vers 40: "Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den beiden, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren. Dieser findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden." Das heißt übersetzt den Gesalbten. Er hatte sofort den Blick für den Nächsten, in dem Fall für seinen Bruder, der Jesus noch nicht gesehen hatte. Er wollte unbedingt, dass auch sein Bruder, die nächsten Familienangehörigen, Jesus kennenlernen.

[41:16] Wenn wir Jesus sehen, weil Jesus uns gesehen hat, weil wir Jesus gesehen haben, weil Jesus uns gesehen hat, dann werden wir auch gerne Menschen zu Jesus führen. Und um es anders auszudrücken: Jesus sieht uns, noch bevor wir irgendetwas von ihm wissen. Aber durch das Wort Gottes, durch die Predigt, werden wir dazu geführt, in Jesus den Erlöser zu sehen. Und jeder noch so zaghafte Versuch, Jesus nachzufolgen, wird von ihm gesehen und er lädt uns ein, dass wir mit ihm Zeit verbringen. Und wenn wir ihn dann sehen, wie er ist, dann sehen wir in jedem anderen Menschen jemanden, der auch diesen Jesus entdecken muss.

[42:04] Andreas hatte einen Blick für die Menschen, auch wenn nicht immer so wie Jesus. In Johannes 6 und dort Vers 8 und 9, als eine große Volksmenge versorgt werden soll und Philippus sich gar nicht vorstellen kann, wie man selbst für 200 Denare Brot kaufen könnte, das ausreichen könnte, das würde nicht mal reichen, sagt er. Da lesen wir hier in Vers 8: "Da sprach einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, zu ihm: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische."

[42:30] Andreas sah einen kleinen Jungen mit ein bisschen Potenzial, aber wir müssen dazu sagen, er glaubte selbst nicht, dass das irgendetwas bewirken könnte. Doch was ist das für so viele? Aber er macht trotzdem das Richtige, er bringt diesen scheinbar so unbedeutenden Jungen mit seinen scheinbar so unbedeutenden Lebensmitteln zu Jesus. Das ist das Beste, was er machen kann, denn Jesus kann diesen kleinen Jungen und diese paar Brote und paar Fische benutzen, um 5000 Männer plus Frauen plus Kinder satt zu machen.

[43:08] Vielleicht siehst du Menschen mit einem ganz bisschen Potenzial und du kannst dir kaum vorstellen, wie das irgendwie irgendjemand groß bewegen würde, aber wenn du diese Person zu Jesus bringst, kann Jesus viel durch diese Person wirken, ja mehr als du glauben kannst. Es lohnt sich immer, Menschen zu Jesus zu bringen.

[43:25] Wenn wir Jesus anschauen, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, dann sehen wir, dass Jesus nicht die Patentantwort hatte, die er auf jeden Menschen losgelassen hat. Jesus hat die Menschen so angesprochen, dass es ihr Herz bewegt hat. Schauen wir uns ganz wenig ein paar Beispiele an in Matthäus Kapitel 4 und dort Vers 18 bei der Berufung seiner Jünger, die bisher als Teilzeitjünger mit ihm unterwegs waren und jetzt in den Vollzeitdienst gerufen werden sollen.

[43:55] Es heißt hier in Matthäus 4 Vers 18 und 19, die mir sehr ans Herz gewachsen sind seit vielen Jahren, weil Gott auch durch diese Verse zu mir persönlich mal vor vielen Jahren gesprochen hat. "Als Jesus aber am See von Galiläa entlang ging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und dessen Bruder Andreas. Die warfen das Netz in den See, denn sie waren Fischer und er spricht zu ihnen: Folgt mir nach und ich will euch zu Menschenfischern machen."

[44:21] Jesus benutzt eine Sprache, die der Fischer Petrus verstehen kann und die der Fischer Andreas verstehen kann, damit sie das tun, was er sich wünscht.

[44:44] In einem anderen Beispiel, in Matthäus Kapitel 12, finden wir Jesus nicht im Gespräch mit Fischern, sondern mit einem Schriftgelehrten. Das ist nicht Matthäus 12, Moment, Entschuldigung, Markus 12. Markus 12 und dort Vers 28. Da trat einer der Schriftgelehrten dazu, der ihrem Wortwechsel zugehört hatte und weil er sah, dass er ihm gut geantwortet hatte, fragte ihn: "Welches ist das erste Gebot unter allen?"

[45:09] Hier ist jemand, der die Bibel auswendig kennt, vermutlich, das Alte Testament. Und Jesus antwortet ihm mit Versen, die er gut kennt, die in seiner Welt des Denkens eng verankert sind und er benutzt genau die Verse, die für die Botschaft von Jesus zu entscheiden sind. In Vers 29: "Jesus aber antwortet ihm: Das erste Gebot unter allen ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit der ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken, mit deinem ganzen Denken, mit deiner ganzen Kraft. Dies ist das erste Gebot." Das ist aus 5. Mose 6 natürlich. Und dann zitiert er noch aus 3. Mose das Gebot: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

[45:57] Und der Schriftgelehrte, der kennt diese Verse und er beginnt zu verstehen, was Jesus ihm sagen möchte. Jesus benutzt hier eine Argumentation sozusagen. Er benutzt eine Erklärungsmethode, genau wie auch bei Petrus, die dem Denken und der Erfahrungswelt des Menschen angemessen ist.

[46:22] Wir sehen immer wieder, dass Gott auf eine Art und Weise zu den Menschen spricht, die ihrem natürlichen Denken entspricht. Als die Israeliten in der Wüste unterwegs waren und Gott ihnen vermitteln möchte, ich bin bei euch und alle Israeliten in Zelten wohnen, hat Gott gesagt: "Okay, macht mir ein Zelt, baut mir ein Zelt, die Stiftshütte." Als er dem König Nebukadnezar sagen wollte, dass er die ganze Weltgeschichte kennt, hat er die Weltgeschichte dargestellt durch ein Bild, das der Nebukadnezar gut kannte, wie ein Standbild. Überall im Reich Babylons standen solche Standbilder rum. Gott hat das benutzt, was er kannte.

[47:00] Und da können wir sehr viel davon lernen. Ellen White hat einmal gesagt, dass Jesus versucht hat, das Denken der Menschen so wenig wie möglich zu unterbrechen, sondern in den Denkgewohnheiten, die die Menschen so hatten, das Evangelium so hineinzuweben, dass sie es möglichst gut verstehen können. Selbstverständlich, wenn das Evangelium erstmal angenommen ist, verändert es alles, es sprengt unsere alte Welt. Aber damit wir sie überhaupt erstmal annehmen, kommt Jesus auf unsere Stufe, damit wir ihn verstehen.

[47:31] Die Leiter des Himmels, die Himmelsleiter aus 1. Mose 32, die geht bis zur Erde, bis dahin, wo der verzweifelte Jakob auf dem Stein schlafend gelegen hat. Und dann gibt es Momente, in denen scheinbar die Situation so verfahren, so dramatisch ist, dass Worte kaum noch etwas nützen. Aber das Verhalten von Jesus am Kreuz und der Ton seiner wenigen Worte, die er noch ausgesprochen hat, hat einen Kriminellen noch gerettet.

[48:13] Es heißt hier in Lukas 23, Vers 39: "Einer der gehängten Übeltäter aber lästerte ihn und sprach: Bist du der Christus, so rette dich selbst und uns. Der andere aber antwortete, tadelte ihn und sprach: Fürchtest du auch Gott nicht, da du doch in dem gleichen Gericht bist? Und wir gerechterweise, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts Unrechtes getan." Wenn wir die Geschichte ausführlicher studieren, sehen wir, dass beide am Anfang lästerten, aber Jesus hat kein Gespräch direkt mit diesem Kriminellen angefangen, aber die Art und Weise, wie er sich am Kreuz verhalten hat, wie er gesprochen hat, wie er für seine Feinde gebetet hat, wie er sich nicht gewehrt hat, all das hat einen so tiefen Eindruck hinterlassen, dass einer der beiden Kriminellen beeindruckt gewesen ist.

[49:06] Nicht nur unsere Worte, sondern auch unsere Taten haben einen enormen Einfluss auf das Herz von anderen Menschen.

[49:12] Zum Schluss schauen wir uns kurz noch die Geschichte von Apostelgeschichte 8 an, nur kurz kursorisch. Auch die ist ja gut bekannt. Es heißt hier in Apostelgeschichte 8, in Vers 26: "Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und wandere nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Diese ist einsam." Dort trifft er einen gewaltigen Politiker, einen großen Politiker, den Kämmerer der Kandake, der Königin der Äthiopien. Und er liest den Propheten Jesaja.

[49:45] Und da heißt es in Vers 29: "Da sprach der Geist zu Philippus: Tritt hinzu und halte dich zu diesem Wagen." Gott führt es so, dass Philippus einen Suchenden trifft. Wenn wir uns dem Heiligen Geist hingeben, dann wird Gott uns auch Gelegenheiten schenken, unseren Glauben zu bezeugen. Und das heißt in Vers 30: "Da lief Philippus hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Und er sprach: Verstehst du auch, was du liest?"

[50:09] Philippus kommt nicht einfach reingeprescht und sagt: "Hier bin ich, ich erkläre das Evangelium", sondern er hört erst mal zu, wo sich der Kämmerer gerade gedanklich befindet. Er interessiert sich für Jesaja. Und Philippus sagt nicht: "Nee, nee, nee, wir gehen jetzt gleich mal das Matthäusevangelium durch oder was wir gehört haben von den Aposteln." Nein, er beginnt dort, wo der Kämmerer gerade ist.

[50:35] Wir müssen die Menschen sehen und auch hören, welche Fragen sie gerade haben. Der Kämmerer las gerade, wie wir in den Versen nachlesen, Jesaja 53. Und was war das für eine großartige Gelegenheit, aus diesem Kapitel das Evangelium zu erklären. Wenn wir wirklich für Gott an Nutzen gewinnen wollen, wenn wir besonders nützlich für Gott sein wollen, dann sollten wir überlegen, wie wir von jedem möglichen Thema aus in der Bibel, vielleicht auch von allen möglichen Themen in der Gesellschaft, über die Menschen sich Fragen machen, eine Brücke schlagen können zum Evangelium. Das ist übrigens eine der interessantesten und tollsten Dinge in der Mission. Die Kreativität, mit der man sich hineinversetzen kann, in andere Menschen ihre Fragen, ihre Sorgen, ihre Nöte aufgreifen, um dann zu zeigen, wie in ihrer Situation das Evangelium tatsächlich relevant und eine Bedeutung, eine große Bedeutung hat.

[51:29] In Vers 34 sehen wir die Frage, die der Kämmerer stellt: "Da wandte sich der Kämmerer an Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dies? Von sich selbst oder von einem anderen?" Und da heißt es in Vers 35: "Da tat Philippus seinen Mund auf und begann mit dieser Schriftstelle und verkündete ihm das Evangelium von Jesus."

[51:51] Er fing dort an, wo der Mensch war und führte ihn Schritt für Schritt zu Jesus. Was für ein interessantes Zeugnis dafür, den Menschen zu sehen, zu hören, was die Fragen sind und von dort anzufangen, einen Menschen Schritt für Schritt zu Jesus zu führen. Er hat sich übrigens Zeit dafür genommen, ist auf den Wagen mit aufgestiegen, hat sich das angehört und hat ihm dann alles erklärt, bis er ihn zur Entscheidung geführt hat. Und wir sehen in den Versen danach, dass dieser Kämmerer noch an diesem Tag getauft worden ist. Das heißt, er hat nicht nur mal einen Samen kurz ausgestreut, sondern er hat ihn bis zu Ende betreut. Er hat ihn bis zur völligen Entscheidung für Jesus, bis zur Taufe geführt. Dieser Kämmerer ist mit dem Evangelium dann nach Äthiopien gegangen und die Kirchengeschichte lehrt uns, dass Äthiopien über viele Jahrhunderte ein starkes Zentrum eines christlichen Glaubens gewesen ist, der im Wesentlichen von Rom völlig unbeeinflusst gewesen ist, weil ein Philippus sich von dem Heiligen Geist hat führen lassen und den Menschen gesehen hat und gehört hat, was diesen Menschen interessiert.

[53:00] Damit wollen wir heute uns diese Frage stellen. Lieber Freund, liebe Freundin, möchtest du von Jesus lernen? Möchtest du lernen, Menschen mit seinen Augen zu sehen, damit du durch die Hilfe des Heiligen Geistes Menschen Schritt für Schritt zu Jesus führen kannst? Gott segne deine Entscheidung.

[53:22] Nächste Woche werden wir hier weiter studieren mit einem weiteren Thema dieser Serie. Bis dahin wünschen wir euch Gottes reichen Segen, viel Freude im Studium seines Wortes und dabei anderen Menschen den Weg zu Jesus zu zeigen. Gott sei mit euch. Amen.

[53:45] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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