[0:30] Hallo und herzlich willkommen hier auf www.joelmedia.de zu unserer Reihe "Fundament des Glaubens".
[0:52] Heute mit dem speziellen Thema: Mein Glaubenszeugnis. Ich werde euch heute erzählen, wie ich zum Glauben gekommen bin, wie ich Gott und den Adventismus kennenlernen durfte. Und bevor ich euch meine Geschichte erzähle, lade ich euch ein, mit mir gemeinsam zu beten.
[1:17] Großer Vater im Himmel, wir sind dir so dankbar, dass du uns dein Wort gegeben hast. Ich persönlich bin dir ganz dankbar, dass du mich gerufen hast und dass du so viele andere Menschen, die viel wertvoller sind als ich, in deinen Dienst rufst und schon gerufen hast. Großer Gott, wir danken dir, dass wir gemeinsam in dieser Serie dich besser kennenlernen durften, dass wir sehen durften, wer sich hinter dem Gott der Bibel verbirgt. Guter Gott, so bitten wir dich, sei du auch jetzt bei uns und lass uns ein weiteres Kapitel schreiben in diesem großen Buch des Lebens. Heiland, dass meine Geschichte vielen Kraft geben möge und aufwärts blicken lässt. Heiland, denn was du an mir getan hast, das kannst du an anderen noch viel besser tun. Großer Gott, so danken wir dir und bitten all das im kostbaren Namen von Jesus Christus. Amen.
[2:28] Ich wurde häufiger schon gefragt, ob ich denn nicht mein Zeugnis erzählen könnte. Und daraufhin habe ich beschlossen, mit meinem Zeugnis diese Serie abzuschließen, damit ihr auch mich ein wenig besser verstehen könnt, mich ein bisschen besser verstehen lernen könnt. Und wo fängt eine Geschichte von einem Menschen an? Bei seiner Geburt. Und ich wurde geboren 1987 in eine protestantische Familie. Ich wurde dann auch getauft als Baby, als Säugling, aber Gott hatte bei uns nie eine große Rolle gespielt. Ich hatte nie das Gefühl, dass es keinen Gott gibt und ich hatte schon immer das Gefühl, ja, es gibt sowas wie einen Gott, aber ich habe keine persönliche Beziehung aufgebaut. Und meine Eltern konnten mir auch nicht vermitteln, wer oder was Gott tatsächlich ist. Und nur mit meinem Großvater habe ich regelmäßig gebetet, weil mein Vater ist viel umgezogen von Stadt zu Stadt, weil er bei der Sparkasse gearbeitet hat und immer eine Position höher sich hat befördern lassen und dafür das Institut gewechselt hat. Weil die Sparkasse A hängt nicht zusammen, außer durch den Namen Sparkasse, mit Sparkasse B. Also zum Beispiel die in München hat nichts zu tun mit der in Hamburg zum Beispiel. Und so sind wir relativ viel rumgereist. Und meine Mutter und ich, da gab es meine Schwester noch nicht, wir waren dann in Meckingen auf der Schwäbischen Alb bei meinen Großeltern und dort wurde regelmäßig mit mir gebetet. Das waren so die Anfänge, aber das hatte dann keine große Rolle gespielt. Wir sind dann in die Nähe von Karlsruhe nach Ettlingen gezogen, dort bin ich dann noch das letzte Jahr in den Kindergarten gegangen, in die Schule und später dann in Ettlingen ins Gymnasium. Und wie gesagt, Gott gab es zwar für mich, aber ich hatte nie eine Beziehung mit ihm.
[4:41] Und in der Grundschule kamen dann plötzlich meine Klassenkameraden mit tollen Geschenken. Und ich habe gefragt: "Warum habt ihr alle tolle Geschenke?" Dann sagen die: "Ja, wir hatten Kommunion." Sag ich: "Was ist denn das?" "Ja, das ist was in der Kirche und dann kriegt man Geschenke." Dann sag ich: "Mama, ich will auch Kommunion haben." Sagt sie: "Nein Boris, das funktioniert bei uns nicht so, bei uns ist das Konfirmation." Und: "Ja, was ist denn der Unterschied?" "Ja, das ist bei uns später." Sag ich: "Okay. Muss ich halt noch bis 14 warten."
[5:11] Und mit 13 bin ich dann in den Konfirmantenunterricht gekommen, damals in die Johannesgemeinde in Ettlingen unter dem Pfarrer Volker Pitzer. Und dieser arme Pfarrer hatte mit mir eine schwere, schwere Zeit. Ich war nämlich ein sehr rebellisches Kind. Ich habe mir nichts sagen lassen und ich habe überall da, soweit es meine Grenzen zugelassen haben, die ich mir selber gesteckt habe, ja, Unordnung gebracht und ihn versucht aus der Reserve zu locken. Als wir uns biblische Geschichten raussuchen sollten, habe ich mir rausgesucht Lot und seine Töchter und habe gesagt: "Warum hat Gott diesen Inzest auch noch gesegnet?" Und ich habe ihm dadurch wirklich eine schwere Zeit gegeben. Ich war einer dieser typischen Konfirmanten, die man nicht so gerne hat.
[6:05] Dann verging das Jahr, ich wurde 14 und meine Konfirmation kam. Und ich hatte dann am Tag nach meiner Konfirmation ein kleines Päckchen im Briefkasten liegen. Und ich öffne das und sehe da: "Lieber Boris, herzlichen Glückwunsch zu deiner Konfirmation." Es war ein kleines Büchlein, das mir geschenkt wurde von einer Frau, die ich nicht kannte. Es ist eine Gemeindeschwester gewesen, die jedem einzelnen Konfirmanten noch ein persönliches Buch schenken wollte, das ihn auf dem Weg begleiten sollte. Und dort hat sich mein Gewissen gemeldet und hat gesagt: "Boris, schau, das ist Menschen so, so wichtig und du hast das gemacht nur für die Geschenke. Bist du sicher, dass das in Ordnung ist?" Und dann habe ich gesagt: "Okay, ich gebe dem Ganzen eine Chance."
[7:07] Ich bin hin zum Pfarrer und habe gesagt: "Ich möchte mich gerne entschuldigen." Und da ist er aus allen Wolken gefallen. Er wusste nicht, wie er damit umgehen sollte. Dieser Junge, der der Schlimmste war von allen, der kommt, um sich zu entschuldigen, dass er so viel Ärger gemacht hat. Und jetzt fragt er auch noch, ob er irgendwie mithelfen kann in der Gemeinde. Und ich bin dann im Kindergottesdienst-Team aufgenommen worden und im Jungschar-Team, also ich war einer der Jungscharleiter, die frisch etabliert wurde. Und tatsächlich hat man da den Bock ein wenig zum Gärtner gemacht. Ich wusste ja immer noch nichts von Gott und der Bibel. Und tatsächlich habe ich da dann so ein bisschen, zumindest ein paar Kindergeschichten kennengelernt. Für mich waren das alles Geschichten. Ich wollte einfach was Gutes tun. Und ich war dann immer mehr involviert in der kirchlichen Arbeit, die mir auch Spaß gemacht hatte, weil durch mein vieles Umziehen konnte ich natürlich keine langanhaltenden Bindungen damals schon knüpfen. Und ich konnte die Mundart, also den badischen Dialekt nicht und war deshalb ein Außenseiter. Und in der kirchlichen Arbeit habe ich mich aufgenommen gefühlt und deshalb hat mir das Spaß gemacht.
[8:24] Und die Jahre vergingen, ich habe so langsam meine Schullaufbahn weitergemacht und mit 17 kam dann meine erste Freundin und da stand ich dann vor der Entscheidung: Wie ist das? Soll ich meinen christlichen Idealen folgen, mit zum Beispiel keinem Sex vor der Ehe, oder soll ich das tun, was jeder tut? Und ich habe durchaus mit ein paar aus meiner Familie gesprochen über das Thema und sie haben halt gesagt: "Naja, du, das mit der Kirche, das ist ja nicht so wichtig." Und ich habe mich dann dazu entschieden, den Weg zu gehen, den die Welt gegangen ist. Und ich habe jetzt in der Sicht danach wirklich gesehen, wie ich dann Stück für Stück von Gott weggegangen bin. Ich habe meine kirchliche Arbeit immer noch weitergemacht, aber sie war mir nicht mehr so ein Herzensanliegen. Ich wollte meine Zeit lieber mit meiner Freundin dann verbringen. Und es war dann auch so, dass ich während meiner Abiturphase die kirchliche Arbeit komplett eingestellt habe, weil ich gesagt habe: "Dafür habe ich jetzt nicht auch noch Zeit."
[9:40] Und wurde dann nach meinem Abitur Banker. Also ich habe Ausbildung bei der Sparkasse, wo mein Papa gearbeitet hat, habe ich eine Ausbildung gemacht zum Bankkaufmann mit Zusatzqualifikation Finanzassistent. Und habe dort gearbeitet und dort habe ich zum ersten Mal eigenes, wirkliches Geld verdient und habe mir gedacht: "Mensch, damit kann man doch viel machen." Und Geld wurde immer zentraler in meinem Denken. Ich saß also in der Bank, habe über Geld nachgedacht, wie ich mit Geld mehr Geld machen kann, wie ich Kunden beraten kann, dass ich auch ein bisschen was verdiene und solche Späße.
[10:25] Und kurz nach meiner Ausbildung, also 2007 hat meine Ausbildung begonnen, 2009 waren und 2010 wurde ich dann Geschäftsstellenleiter einer Ein-Mann-Filiale im Geschäftsgebiet. Aber ich hatte den Titel Geschäftsstellenleiter und dann mit einiger Zeit hätte ich auch das Geschäftsstellenleiter-Gehalt bekommen. Und ich habe dort auch ein Jahr gearbeitet und ich war mit meiner Zielerreichung sehr, sehr erfolgreich, bis auf das Bausparziel, weil in dem Ort, wo ich gelebt habe, relativ viele ältere Leute gelebt haben und die einfach kein Bausparen mehr brauchten.
[11:09] Und ich hatte am Jahresende, das werde ich nicht vergessen, noch einen Termin, der ging es um Altersvorsorge, staatlich gefördert. Ich hatte damals im Kopf natürlich Riester-Rente und mein Chef hat in den Kalender geguckt und hat gesagt: "Okay, beraten Sie ihn doch auf Wohnriester." Da habe ich gesagt: "Ja, das mache ich." Ich habe dann gefragt: "Möchtest du gerne eine eigene Wohnung haben als Altersvorsorge?" Sie hat gesagt: "Ja, auf jeden Fall." Da sage ich: "Oh, interessant, wie stellst du dir das vor?" "Ja, ja, ich werde das Haus meiner Eltern übernehmen, werde dann umbauen und so weiter und eine Einliegerwohnung machen, dass die auch drin leben können." Und dann habe ich gewusst: Okay, Riester macht hier in diesem Sinne keinen Sinn, er kann die Gelder nicht abrufen und nicht verwenden, es macht mehr Sinn, da was Klassisches zu machen.
[11:54] Ich war dann beim Jahresendgespräch und wir haben über die Geschäftszahlen gesprochen und dann kam endlich auch die Reihe an mich und ich dachte: "Wow, jetzt kommt es. Ich habe meine Ziele um mehr als 300% besser erfüllt, als ich sollte, jetzt kommt bestimmt die Anerkennung." Und dann sagt der Chef meines Chefs, der Marktdirektor oder Marktleiter hieß das, hat gesagt: "Herr Spahn, ihr Bauspazierl passt nicht, nächstes Jahr besser machen." Das war der ganze Kommentar, den ich für ein Jahr Arbeit bekommen habe. Weil ich nicht bereit war, Menschen über den Tisch zu ziehen, habe ich einen Rüffel bekommen und das war eine Sache, die hat mir gestunken und ich wurde innerlich unzufrieden mit der Arbeit und habe mich schon innerlich nach Alternativen umgeschaut und habe die auch gefunden und wurde dann selbstständig als Finanzdienstleister.
[12:57] Ich habe damals gearbeitet beim AWD, heute ist das Swiss Life Select und wir hören viel Schlechtes darüber und das mag auch alles stimmen, aber man hat doch die individuelle Freiheit. Also ich hatte tatsächlich die Freiheit zu beraten, wie ich das wollte und das Ganze nicht gewinnorientiert. Also natürlich gewinnorientiert, aber nicht so, dass ich extra die Produkte verkauft habe, die mir am meisten Geld eingebracht hat. Also diese Freiheit hatte ich und diese Freiheit habe ich auch genutzt.
[13:29] Und es war jetzt so, dass ich dort ungesund viel Geld verdient habe. Ich habe wirklich viel, viel Geld verdient, in der Spitze 8.000 im Monat. Und wenn ein junger Mensch viel Geld verdient, macht er viel Unsinn. Und ihr könnt euch sicherlich denken, wenn wir hören von Finanzvertriebler, Versicherungsvertreter und so weiter, was er für einen Lebensstil hat. Es gab ja diesen großen Ergo-Skandal, aber tatsächlich, das wurde mein Lebensstil. So wie in Wolf of Wall Street. Sex, Drugs and Rock'n'Roll, buchstäblich habe ich genutzt. Und die Drogen wurden für mich immer, immer wichtiger. Ich habe immer mehr und mehr konsumiert und mit meiner Persönlichkeit und mit meinem Leben ging es immer weiter bergab. Weil die Drogen das Einzige schienen, was mir noch Freude im Leben bereitet hat. Weil das mit dem Geld verdienen, durch Finanzprodukte verkaufen, das fand ich nicht spannend. Weil es war total einfach und simpel und ich habe da schon nicht mehr an das Geldsystem geglaubt und habe gesagt: "Letztendlich verarsche ich die Leute von vorne bis hinten." Und dann habe ich mich verloren in den Drogen.
[14:56] Es war so, dass ich mich um meine Kontakte nicht mehr gekümmert habe, um meine Kunden nicht mehr gekümmert habe und so meine Selbstständigkeit so langsam an die Wand gefahren habe. Und ich habe gemerkt, ich muss da wieder raus. Ich brauche wieder ein festes Anstellungsverhältnis. Es muss außerhalb von der Bank sein und ich brauche jetzt einen Neuanfang.
[15:19] Und so habe ich beschlossen, mich wieder anstellen zu lassen, ganz weit weg von da, wo ich war. Und so habe ich eine Stelle gefunden. Mein Vater hat mir geholfen, die Stelle zu finden, in Werder an der Havel, oben in der Nähe von Potsdam, schräg gegenüber Berlin. Und war da dann in der Lebensmittelindustrie tätig. Und mein erster Arbeitstag war der 5. Januar 2015.
[15:45] Und am 25. Dezember 2014 hatte mich meine damalige Ex-Freundin, sie war damals schon meine Ex-Freundin, angeschrieben und hat gesagt: "Du Boris, ich bin einsam, ich habe Lust, willst du nicht vorbeikommen?" Und ich als Weltmensch habe gesagt: "Natürlich komme ich vorbei." Und bin zu ihr gefahren und wir haben eine Flasche Wein geexed und ich habe noch einen Joint geraucht und dann haben wir angefangen. Und kurz danach spricht eine Stimme direkt hinter mir zu mir: "Boris, das bist nicht du."
[16:21] Und ich bin erschrocken und habe mich gefragt: "Was ist das?" Der ganze Nebel von dem Alkohol und von den Drogen war weggeblasen, von einem Moment auf den anderen, ich war klar. Und ich konnte nicht weitermachen. Ich habe mich dann entschuldigt und gesagt: "Ich fühle mich nicht so gut, ich muss jetzt nach Hause." Und wie ich zu Hause angekommen war, habe ich mir dann gedacht: "Was war das?" Und den einzigen Schluss, den ich ziehen konnte, war, ich sollte jetzt erstmal keinen Geschlechtsverkehr mehr haben, bis ich weiß, was das war.
[16:54] Und bin dann kurze Zeit später umgezogen. Und dann war der Gedanke erstmal passé, weil es gab neue Sachen zu tun, neue Arbeit, neue Leute, neues Umfeld und das wurde jetzt erstmal hinten angestellt. Aber dann nach vier, fünf Monaten kamen die ersten Kolleginnen zu mir, die mich ganz nett fanden und mit mir was unternehmen wollten. Und in Berlin ticken die Uhren tatsächlich anders als hier im schönen Baden-Württemberg. Da heißt, was unternehmen, sofort das eine. Und ich habe das dann nach dem ersten, zweiten Date so gemerkt und habe dann gesagt: "Ich muss erst noch was erledigen." Weil es kam mir ins Gedächtnis, ich muss mich erst um was kümmern.
[17:41] Und dann habe ich mich auf die Suche begeben. Ich habe gesucht in der Esoterik, im Islam, im Judaismus, im New Age und schließlich in der Freimaurerei, um zu gucken, was war das, was diese Stimme, die mir da begegnet ist. Und bei den Freimaurern bin ich dann länger geblieben, weil mir es gefallen hat. Sie haben gesagt: "Wir arbeiten an uns, am Menschen." Sie sind sehr philosophisch und sie haben großen Einflussbereich und Macht. Das ist ja kein Geheimnis, das sehen wir, wenn wir einfach in die Annalen schauen und sehen, wer war denn alles Freimaurer. Und wir finden viele, viele bekannte Namen in der Politik zum Beispiel. Und ich denke nicht, dass sich das heute geändert hat. Auch heute noch sind viele Freimaurer offen aufgrund ihrer Zugehörigkeit und in der Politik tätig. Also es ist tatsächlich ein Einflussbereich, der nicht abzustreiten ist. Und das hat mir sehr, sehr gut gefallen und sehr, sehr zugesagt. Vor allem, weil es vernünftige Leute waren, die auch in der Birne was auf dem Kasten hatten.
[18:54] Und bei ihnen durfte ich dann auch in den Tempel und habe mir diese ganzen Symboliken angeschaut. Das war etwas ganz Neues für mich. Ich durfte nämlich in den Tempel und er war unverhüllt. Und direkt danach durfte ich ins Museum. Das war in Berlin, in der Loge zu den drei Weltkugeln. Und unten im Keller habe ich mir die ganzen Symbole angeschaut. Und da ist dann etwas passiert, was ich an dieser Stelle nicht erzählen möchte. Es war jetzt nichts Schlimmes. Keiner der Freimaurer hat mir irgendwas böses angetan oder ähnliches. Aber es hat mich verschreckt, was da passiert ist. Und dann habe ich gesagt: "Ich muss davon erstmal Abstand nehmen und erstmal gucken, was die Freimaurer sind."
[19:44] Das war also meine Situation. Ich hatte ein seltsames Erlebnis mit einer Stimme. Bin da auf die Suche gegangen und auf meiner Suche hatte ich nochmal ein komisches Erlebnis und musste jetzt erstmal wissen, was das ist. Ich dachte wirklich, das nimmt nie ein Ende. Und sich über eine Geheimgesellschaft zu informieren, ist sehr, sehr schwierig, weil sich immer irgendwelche Quellen widersprechen. Das heißt, wem schenke ich denn tatsächlich Glauben? Ich wusste noch, wie ich gesagt habe: "Ich suche nach Wahrheit."
[20:13] Und dann bin ich auf Vorträge gekommen, wo Freimaurer eine kleine Rolle gespielt haben, was eher so am Rande war. Aber es ging hauptsächlich um die Bibel. Und ich habe gedacht: "Das ergibt irgendwie alles Sinn. So wie das aufgebaut wird, ist das in sich schlüssig." Aber ich habe gesagt: "Das kann nicht sein." Und dieser Vortrag, den ich geguckt habe, war Teil einer Reihe. Die Reihe hatte 18 Teile und jeder Teil anderthalb Stunden. Ihr könnt euch ausrechnen, wie viel das ist. Das ist 18 plus 9, 27 Stunden Filmmaterial. Und ich habe mir das in einem Wochenende reingezogen, weil es mich so gefesselt hat. Und ich weiß noch, wie ich da das erste Mal seit langem wieder gebetet habe und habe gesagt: "Gott, wenn es dich gibt, wenn du mich lieb hast und wenn die Bibel dein Wort ist, gib mir die Möglichkeit, es zu studieren."
[21:17] Und ich bin am nächsten Tag ins Geschäft gekommen und da brach das schlimmste Mobbing meines Lebens über mich los. Der Chef und der Chef meines Chefs hatten kein Halten mehr und ich wurde wirklich niedergemacht. So wie ich es bisher noch nicht erlebt hatte, weil er irgendwie dachte, dass ich Intrigen gegen ihn schmieden würde, was irgendwie ein Hirngespinst bei ihm war. Ich habe mich halt mit vielen Kollegen gut verstanden und das wird in dieser Firma allgemein kritisch beäugelt. Aber das weiß ich heute, das habe ich damals zu dem Zeitpunkt nicht gewusst.
[21:58] Und es war dann so, dass ich nach kurzer Zeit krank wurde, dass ich diesen Druck nicht mehr gewachsen war. Ich bin dann zu meinem Arzt, zu meiner Ärztin vielmehr hin und habe ihr das geschildert. Und sie hat gesagt: "Herr Bernhard, machen Sie sich keine Sorgen, ich schreibe Sie krank." Ich habe damals noch einen anderen Vorwand verwendet, um das durchzusetzen, das würde ich heute nicht mehr machen. Aber sie hat mich dann krank geschrieben für drei Monate. Und dann wusste ich: Jetzt habe ich Zeit, die Bibel zu studieren.
[22:29] Und ich habe gesagt: "Euch Adventisten, euch zeige ich es. Ihr habt ein Prinzip, das für mich Sinn ergibt, nämlich die Bibel legt sich selber aus. Und ich werde euch mit euren eigenen Waffen beweisen, dass ihr falsch legt." Ich habe dann angefangen zu studieren und habe Bibelstelle mit Bibelstelle verglichen. Und meine Intention war es, den Adventismus zu widerlegen mit den eigenen Waffen. Und ich habe den Sabbat erkannt. Ich habe 1844 erkannt. Ich habe das Heiligtum erkannt. Ich habe das Tier in der Offenbarung erkannt und das kleine Horn. Und ich habe gesehen, wie sich all diese Bausteine zusammensetzen. Und so wurde ich tatsächlich Adventist, bevor ich die erste Kirche besucht habe.
[23:23] Und ich war so überwältigt davon, dass es Gott gibt, dass ich gesagt habe: "So, und jetzt muss ich eine komplette Konsequenz daraus ziehen." Also für mich gab es nicht so halbe Sachen, aber mein Charakter war so ganz oder gar nicht. Und ich wollte alle Zelte abbrechen und ich wollte auf Pilgerreise gehen, den Jakobsweg wollte ich entlang gehen und da eine Adventgemeinde nach der anderen abklappern, um zu gucken, wie die so sind. Und das war alles in meinem Kopf und in Vorbereitung. Und dann habe ich gemerkt, wie der Drang kam: "Geh doch erstmal hier nach Potsdam zu den Adventisten. Geh doch erstmal hin." Und ich wollte nicht. Ich habe gesagt: "Nein, ich will den Plan durchziehen." Und dieses Gefühl, dieser Drang hat nicht nachgelassen.
[24:14] Und dann bin ich zu den Adventisten hingegangen. Nach Potsdam war das. Das war irgendwann im September 2015. Und habe dort mit zwei jungen Leuten gesprochen. Und die sollten am nächsten Tag heiraten. Und ich habe dann erfahren: "Ihr heiratet morgen?" Sage ich: "Herzlichen Glückwunsch. Erzähl mir von der Bibel." Und er war völlig überrascht und war so froh, weil das war mein guter Freund Gert und Engel. Und der hat wirklich gebetet und gesagt: "Ich will nicht schon wieder über Hochzeit reden. Ich will Leuten von Christus erzählen." Und so hat Gott sozusagen mich als Hochzeitsgeschenk gebracht.
[24:57] Und wir haben danach studiert. Ich bin morgens um vier aufgestanden, um zu ihnen zu fahren, damit wir noch die Bibel studieren konnten, bevor sie in die Universität sind. So heiß und begierig war ich nach dem Wort Gottes. Und ich bin ihnen so dankbar, dass sie viel, viel für mich gebetet haben, weil ich wollte mein Leben dann voll Gott übergeben und ich wollte in die Mission gehen. Und man hat mir dann von verschiedenen Seiten geraten: "Du Boris, wenn du in die Mission gehen willst, du hängst dir nicht nur eine Zielscheibe um den Hals, sondern eine riesige Zielscheibe. Du möchtest dann aktiv gegen Satan kämpfen. Satan wird dich angreifen." Und sie haben mich dann tatsächlich überredet, eine Missionsschule zu besuchen und mich zu bewerben.
[25:52] Und es war dann schon Juli 2016 und ich habe da gesagt: "Okay, ich möchte für Gott Vollzeit arbeiten." Und im Juli, 30. Juli wurde ich getauft. Da habe ich meine Freunde und meine Verwandten eingeladen hoch nach Berlin, dass sie dem beiwohnen können. Und ich habe gesagt: "Okay Gott, wenn du möchtest, dass ich in die Mission gehe und auf die Missionsschule soll, stelle mir das Geld bereit." Ich hatte nämlich keinen Cent in der Tasche, um das zu tun.
[26:28] Und ich hatte meine Taufe, meine Eltern sind gekommen, mir zuliebe und sie fanden das alles ein bisschen komisch. Natürlich, von den Eltern, die sehen, mein Sohn ist weggegangen, ihm ging es super schlecht zwischendurch, dann ist er da in eine Glaubensgemeinschaft gekommen und jetzt will er sein Leben voll für Gott verbringen. Was ist das für eine seltsame Sache? Also ich kann sie aus heutiger Sicht durchaus verstehen. Und meine Mutter hat dann etwas Erstaunliches gesagt. Sie hat dann gesagt: "Du Boris, wenn du möchtest, kann ich dir das Geld zur Verfügung stellen für die Missionsschule." Und da habe ich gesehen, Gott möchte mich da haben, weil ich habe nicht damit gerechnet, dass meine Eltern, die eigentlich dagegen sind, das sogar noch fördern. Aber hier sieht man wirklich eine Mutterliebe.
[27:14] Und ich bin dann auf die Missionsschule gegangen und ich habe ein Gebet gemacht, das ich niemandem von euch da draußen empfehlen würde. Ich habe gesagt: "Gott, ich gebe dir die neun Monate Zeit. Mach mich bereit für Missionen. Mach mich geduldig. Mach mich demütig." Und diese Missionsschulzeit wurde zu der wohl schwersten Zeit meines Lebens. Ich bin durch Anfechtungen und Kämpfe hindurchgegangen, die ich keinem wünschen möchte. Und ich habe wirklich zwischendurch mit meinem Glauben gehadert. Und ich habe mich nur noch darauf verlassen, dass das, was hier drin steht, die Wahrheit ist. Ich war dickköpfig und habe gesagt: "Gott, ich verstehe das alles nicht. Hilf mir. Hilf mir."
[28:05] Und ich weiß noch, wie ich am 1. Mai 2017 einen Brief an Gott geschrieben habe, in dem ich die ganzen Kämpfe, die ich hatte, aufgeschrieben habe und gesagt habe: "Gott, wozu? Ich gebe dir jetzt noch ein Jahr Zeit, das zu beantworten. Ansonsten machen wir ein bisschen Pause." Auch das würde ich niemandem empfehlen. Aber Briefe an Gott zu schreiben, würde ich jedem empfehlen. Und zwar, ich habe ihm wirklich mein Herz ausgeschüttet und habe ihm gesagt: "Wie ist das? Wie ist das? Wie ist das? Wozu ist das?" Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, wo ich arbeiten werde. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wo ich wohnen soll, was aus mir werden soll. Für mich sah die Zukunft wirklich düster und schwarz aus.
[29:08] Und dann, am 1. Mai diesen Jahres 2018, habe ich den Brief geöffnet. Und die ganzen Fragen, die hatte ich schon wieder vergessen gehabt. Aber ich habe gesehen, wie Gott Stück für Stück alles beantwortet hat. Ich sehe, wie es mir jetzt geht und wie ich ein Segen sein darf für andere. Das habe ich zu dem Zeitpunkt nicht gesehen. Ich dachte: "Wie kann Gott mit mir arbeiten, der ich so schlecht und so verdorben bin?" Aber Gott hat die Zeit genutzt, um mir das zu zeigen, dass ich wusste, woran ich arbeiten musste.
[29:49] Und Gott hat mir auch jetzt während der Zeit hier in Stuttgart einiges gezeigt. Und hat gesagt: "Hier musst du noch, hier musst du noch." Er hat mir die Gefahren von Extremismus gezeigt, in welche Richtung das auch geht. Sei es in die Gesundheitsrichtung, dass wir da extrem werden. Oder in die Prophetie gehen und dort extrem werden. Extreme sind nicht der Weg, den Jesus für uns gegangen ist. Und ich bin Gott so dankbar, dass er mich hat all diese Erfahrungen machen lassen.
[30:20] Und ich kann euch eines sagen. Die Erfahrungen, die die Menschen in der Bibel gemacht haben, die Paulus gemacht hat, die Luther gemacht hat, die durfte ich machen. Und wenn ihr mit Gott ernst macht, dürft auch ihr diese Erfahrungen machen. Und das ist etwas, das ist ein Versprechen, das ich von Gott euch geben darf. Dass wenn ihr aufrichtig und ehrlich seid und ihr ernst mit ihm macht, er euch Wege gehen lässt, die ihr euch niemals hättet erträumen lassen.
[31:02] Es ist ein Weg der Demut. Weil auch ich finde immer wieder Dinge in der Bibel, die mit meinem Leben nicht übereinstimmen. Und es gibt genau drei Möglichkeiten, wenn wir Sünde, also dem Zuwiderhandeln von Gottes Wort, gegenübergestellt werden, gibt es genau drei Möglichkeiten, wie wir damit umgehen. Das erste ist, den Konflikt, die Spannung aushalten. Das schaffen nur die wenigsten Leute, dass sie ständig in diesem Spannungsverhältnis sind. Die zweite Möglichkeit, die am häufigsten verwendet wird, ist, die Theologie anpassen. "Das ist doch gar nicht so schlimm und das ist doch auch nicht so wichtig." Und dass sich dadurch die Theologie ändert, weil ich das irgendwie rechtfertigen möchte. Und der dritte Weg ist der Weg der Demut. Sich einzugestehen und vielleicht sogar anderen einzugestehen, dass man Unrecht hatte, dass man einen Fehler gemacht hat.
[32:02] Und den Kampf aufzunehmen, das zukünftig besser zu machen. Aber liebe Freunde, das ist der gute Kampf der Gerechtigkeit, das ist der Kampf des Glaubens. Und jedem von euch wünsche ich genau diesen. Und wenn du die ganze Serie dir angeschaut hast und denkst: "Was für ein Spinner und was für Spinner sind die Adventisten?" Widerlege uns mit unseren eigenen Waffen. Und wenn du das schaffst, dann schaffst du etwas, das ich nicht für möglich halte. Ich wünsche jedem von euch da draußen gottesreichen Segen und ein erstaunliches Leben mit diesem erstaunlichen Gott. Amen.
[32:58] Copyright WDR 2021