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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Erfahre in dieser Folge von „Funde & Fakten“, wie Naturwissenschaften uns helfen können, die Zeit biblischer Ereignisse zu entschlüsseln. Christopher Kramp stellt eine faszinierende neue Methode vor, die das Erdmagnetfeld nutzt, um archäologische Datierungen zu revolutionieren und bisher umstrittene Chronologien aufzuklären.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:18] Woher weiß man eigentlich, wann bestimmte Ereignisse in der Bibel stattgefunden haben und welche Rolle spielen dabei Naturwissenschaften? Heute wollen wir in diesem Video eine neue, aufregende, interessante Methode kennenlernen. Und damit willkommen zu Funde und Fakten, heute mit der Frage: Biblische Datierung mit Geomagnetismus?

[0:42] Es geht heute um etwas, was man normalerweise bei archäologischen Ausgrabungen gar nicht auf dem Schirm hat. Es geht heute um das Erdmagnetfeld. Das klingt mehr nach Physik und Astronomie, aber wie wir sehen werden, hat das in jüngster Zeit auch Auswirkungen auf archäologische Datierungen.

[1:05] Es ist nämlich gar nicht so einfach festzustellen, wann ein Ereignis, sowohl in der Bibel als auch allgemein in der Geschichte im Altertum stattgefunden hat. Ähm, manchmal kann man Daten sehr exakt bestimmen, weil man z.B. von verschiedenen Königreichen sehr genaue Datierungen hat, vielleicht aufgrund von Sonnenfinsternissen, aufgrund von Königslisten. Dann kann man auch mit Hilfe von Synchronismen, also wo man weiß, dass dasselbe Ereignis von verschiedenen Kulturen berichtet wird oder bestimmte Könige zur selben Zeit regiert haben, dann kann man sich dieser Frage sehr gut nähern. Es gibt, wie gesagt, astronomische Daten. Es gibt auch die C14-Datierung, die allerdings oft, wenn man dann sehr genau datieren möchte, nicht mehr die nötige Exaktheit hat. Und so sind also Fragen der Datierung bis heute oft ein heiß umstrittenes Problem, vor allem, weil natürlich auch die Chronologien der Ägypter, der Assyrer, der Babylonier längst nicht vollständig sind und mit vielen Problemen behaftet.

[2:06] In einer neuen Publikation unter dem Titel "Reconstructing Biblical Military Campaigns Using Geomagnetic Field Data" haben Forscher jetzt vorgeschlagen, dass man verschiedene Schlachten, die im Alten Testament erwähnt werden, genauer mit geomagnetischen Untersuchungen datieren kann. Ähm, einer der Leiter dieser Studie war Jof Wagnin, damals sein Doktorstudent an der Universität von Tel Aviv gewesen ist. Mittlerweile forscht er in der Schweiz an der Universität Bern, hat sich dort im Rahmen seiner Dissertation in Tel Aviv mit diesem Thema befasst und entsprechend interessante Ergebnisse vorgelegt.

[2:47] Zunächst ist einmal so, dass es bestimmte Schlachten gibt, die sehr sicher datierbar sind, weil man aufgrund von bestimmten astronomischen Ereignissen, ähm, sehr genau z.B. die neuassyrische Geschichte ähm in den letzten Jahrzehnten, im letzten anderthalb Jahrhunderten oder so, sehr genau auf fast aufs Jahr genau datieren kann. Solche Ereignisse, die unumstritten sind, die bilden quasi das Rückgrat dieser Studie. Man kennt also bestimmte Ereignisse, da weiß man ganz genau, z.B. die Belagerung von Jerusalem durch Sanherib, das war im Jahre 701 vor Christus, z.B.

[3:24] Und was man dann gemacht hat, man hat Fundstücke von solchen sehr gut datierbaren Zerstörungsschichten genommen, meistens Ziegel, die dann gebrannt worden sind, auch durch die Hitze der Zerstörung, und hat festgestellt, dass das geomagnetische Feld dort auf diesen Ziegeln Spuren hinterlassen hat. Und es war dann möglich, mit verschiedenen Ziegeln, mit verschiedenen Fundstücken von verschiedenen Zeiten tatsächlich das Magnetfeld der Erde in der Eisenzeit zu rekonstruieren und zwar in seiner Fluktuation. Also wann war es besonders intensiv? Wann ist die Intensität zurückgegangen? Wann hat sich auch die Richtung etwas verändert? Vielleicht wissen wir aus dem Physikunterricht noch, das Erdmagnetfeld ist ja nicht total statisch, sondern bestimmten Schwankungen unterlegen. So konnte man tatsächlich eine Kurve erstellen, in der man jetzt verschiedene Ereignisse einordnen konnte und hatte sozusagen ein Muster.

[4:24] Wenn man jetzt also einen Ziegel aus einer Schicht findet, die auch zerstört worden ist, aber man weiß nicht genau welcher Zeit, so ist die These der Studie, kann man jetzt aufgrund der der Spuren des Erdmagnetfeldes im Vergleich zu der jetzt entstandenen Kurve abschätzen, wann diese Zerstörung gewesen ist, weil das Erdmagnetfeld halt sich auch in dieser Zeit immer wieder verändert hat und damit eine ziemlich genaue Datierung möglich ist.

[4:56] Um das an ein paar praktischen Beispielen zu illustrieren. Es gibt in der Bibel z.B. den Feldzug des Hasael, König der Aramäer, gegen die Stadt Gat. Das heißt zweite Könige 12 und dort Vers 18: "Zu der Zeit zog Hasahel, der König von Aram, hinauf und kämpfte gegen Gat und eroberte es." Traditionell hat man dieses Ereignis ungefähr auf 830 vor Christus datiert, auch wenn es heute auch eine neuere These gibt. Nun haben die archäomagnetischen Untersuchungen gezeigt, dass es drei andere Zerstörungsschichten an anderen Orten gibt, die dieselbe Richtung und dieselbe Intensität des Magnetfeldes besitzen wie bei dieser Zerstörung von Gat, und das ist Tel el-Hesi im Stratum IV, eine bestimmte Schicht, dann ja vierte Schicht in der archäologischen Ausgrabung Horvat Tuv im Level 5 und Tell Gedar in Level 13. Und damit können die Forscher sagen, dass auch diese drei Orte ungefähr wohl bei demselben Feldzug oder in derselben Zeit durch Hasael zerstört worden sein sollen.

[6:09] Anderes Beispiel: Es hat eine lange Debatte gegeben über die Zerstörung von Bet Schean. Da gab es die Frage, man weiß, der Ort ist zerstört worden, aber die Frage stand im Raum, ist er durch den Pharao Scheschonk den Ersten, also ca. 920 zerstört worden oder erst 100 Jahre später durch Hasael, den gerade erst erwähnten Aramäerkönig? Und die Studie hat jetzt gezeigt, dass die Zerstörungsschicht in Bet Schean, die Ziegel, die man dort gefunden hat, eine andere Ausrichtung des Magnetfeldes ähm zeigen, als bei den Orten, die durch Hasael zerstört worden sind. Aber zu 95% ist sicher, dass die Zerstörung von Bet Schean vor 880 vor Christus stattfand. Zu 68% sogar, dass sie vor 900 stattfand. Und das sind ziemlich gute Indizien, dass man die Zerstörung von Bet Schean tatsächlich dem Pharao Scheschonk in die Schuhe schieben kann, also ihn dafür verantwortlich machen kann.

[7:11] Noch ein Beispiel: Bet Gemelisch wurde zerstört. Die Ausgräber, die den Ort in Israel dann äh archäologisch untersucht haben, haben diese Zerstörung auf ca. 790 vor Christus datiert und zwar wegen 2. Könige 14, Vers 11 bis 13. Dort wird gesagt: "Aber Amazja wollte nicht hören. Da zog Joas, der König von Israel, herauf und sie sahen sich ins Angesicht, er und Amazja, der König von Juda, bei Bet Schemesch, das zu Juda gehört. Aber Juda wurde vor Israel geschlagen, sodass jeder in sein Zelt floh. Und Joas, der König von Israel, nahm Amazja, den König von Juda, den Sohn des Joahas, des Sohnes Ahasjas, bei Bet Schemesch gefangen und so weiter und so fort." Und da man ungefähr die Regierungsdaten dieser beiden Könige Amazja und Joas kannte und ausrechnen konnte, hat man gesagt, das muss also in dieser Zeit gewesen sein.

[8:05] In der neueren Zeit hatten dann allerdings Wissenschaftler widersprochen und gesagt: "Nein, diese Zerstörung muss später gewesen sein, also ähm erst in der Mitte des 8. Jahrhunderts." Nun zeigen die archäomagnetischen Studien in dieser Untersuchung, dass die biblisch begründete These von den Erstausgräbern doch die wahrscheinlichere ist und tatsächlich Bet Gemelisch zu dem Zeitpunkt auch zerstört worden ist, wo die Bibel einen Kampf dort beschreibt.

[8:36] Ich hatte schon erwähnt, eines der Daten, die ganz fest verankert sind in der biblischen Archäologie, ist das Jahr 701 vor Christus, wo der assyrische König Sanherib, auf Deutsch Sanneben, Feldzug gegen Juda durchgeführt hat, wo natürlich die Belagerung von Jerusalem weltberühmt geworden ist, auch die Zerstörung von Lachisch. Da heißt es in zweite Könige 18, Vers 13 und 14: "Aber im 14. Jahr des Königs Hiskia zog Sanherib, der König von Assyrien, gegen alle festen Städte Judas herauf und nahm sie ein." Also es sind sehr, sehr viele Orte durch Sanherib zerstört worden und dann sendet er eine Armee nach Jerusalem und der König von Juda, der König Hiskia, sendet einen Boten zum König von Assyrien nach Lachisch, wo der noch mit der Belagerung der Stadt ähm beschäftigt war. Man sieht heute noch in Lachisch die Rampe, die die Assyrer dort vor über zweieinhalb Jahrtausenden aufgebaut haben, um dort ihre Rammböcke gegen die Stadtmauer zu führen.

[9:42] Interessanterweise konnte diese Studie von Jof Wagnin zeigen, dass drei andere Orte, die man bisher nur als Zerstörungsschichten kannte, aber nicht genau wusste, wann sie zerstört worden sind, nämlich Tel Batasch, Tel Edur Level 11 und Tel Beit Mersim, dass sie alle denselben geomagnetischen Abdruck sozusagen auf den Fundstücken zeigen und damit ebenfalls ziemlich sicher in diesem Feldzug von Sanherib zerstört worden sind.

[10:13] Ein weiteres Resultat war die Tatsache, dass Tel Batasch, das durch die Babylonier erobert worden ist, tatsächlich erst schon während der ersten Wegführung, also als Daniel und seine Freunde dann nach Babylon gekommen sind im Jahre ca. 605 ähm erobert worden und zerstört worden ist und nicht, wie man bisher dachte, bei der dritten Wegführung, als dann Jerusalem zerstört worden ist. Also, man kann mit dieser Methode auch für eher unbedeutende oder unbekannte Orte zum Teil sehr präzise Datierung vornehmen und damit das biblische Bild der Schlachtenereignisse und der Feldzüge vervollständigen.

[10:55] Also, was nehmen wir heute mit? Eine neue Datierungsmethode benutzt den Abdruck des Erdmagnetfeldes auf archäologischen Fundstücken und erlaubt es insbesondere für die Zeit so zwischen 800 und 400 vor Christus, wo eine ganze Reihe auch militärische Ereignisse im Alten Testament verzeichnet sind, bestimmte Schlachten und Ereignisse viel genauer zu datieren, als das bisher möglich gewesen ist.

[11:22] Und äh nächstes Mal werden wir wieder interessante Dinge hier uns gemeinsam anschauen, wenn es dann heißen wird: Funde und Fakten. Tschüss.


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