Veröffentlicht am
67 Klicks

Podcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts

Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Der Mechanismus von Antikythera, ein über 2000 Jahre altes Zahnradwerk, wird von Forschern als antiker analoger Computer bezeichnet. Das Video stellt neue Rekonstruktionen des University College London vor und erklärt, wie dieser Mechanismus Sonnen- und Mondfinsternisse, Planetenpositionen, Mondphasen und Olympiazyklen berechnen konnte – mit einer Präzision, die erst von modernen Computern übertroffen wurde.


Weitere Aufnahmen

Serie: Funde & Fakten

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

Waren Menschen in der Antike in der Lage, einen Computer zu bauen? Was unglaublich klingt, beschäftigt seit Jahrzehnten Wissenschaftler. In diesem Video wollen wir mehr darüber erfahren. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten – heute mit einer Folge über etwas, das seit Jahren viele Forscher einen antiken Computer nennen.

Es geht um den sogenannten Mechanismus von Antikythera. Antikythera ist eine kleine Insel im Mittelmeer, auf halbem Weg zwischen den südlichen Ausläufern der griechischen Peloponnes und Kreta. Dort vor der Küste im Nordosten der Insel ist schon 1901 dieser Mechanismus zutage gefördert worden – von Schwammtauchern, die eigentlich gar nicht archäologisch tätig waren. Nur ein Drittel davon ist erhalten. Man hat zunächst nicht einmal erkannt, was das eigentlich ist – das galt quasi als Beifang. Man hat etwas mit hochgeholt, und erst etwas später im Museum ist jemandem, der das dann angefasst hat, aufgefallen, was da eigentlich wirklich vor sich geht, als ein Stück davon abbrach und man plötzlich ein hochkomplexes Zahnradwerk erkannte.

In den letzten Jahrzehnten ist dieser Mechanismus intensiv erforscht worden, und es stellt sich immer mehr heraus, dass es sich hierbei um eine echte Sensation handelt. In den letzten Jahren sind Forscher dazu übergegangen, diesen Mechanismus einen analogen Computer zu nennen. Natürlich kein Superrechner, wie wir das heute haben, aber etwas, was weit über das hinausgeht, was es sonst im Mittelalter oder selbst in der frühen Neuzeit gegeben hat – eine unfassbar komplexe Darstellung astronomischer Gegebenheiten in einem äußerst ausgeklügelten Zusammenspiel von verschiedenen mechanischen Elementen.

Es gibt eine ganze Reihe von Rekonstruktionsversuchen. Da nur ein Drittel erhalten ist, ist da immer auch ein bisschen Spekulation im Spiel, aber es gibt eine ganze Reihe von Anhaltspunkten, mit denen man sich dieser Frage nähern kann. Man weiß, dass verschiedene Skalen gleichzeitig angezeigt worden sind: ein Sonnenkalender mit den ägyptischen Monatsnamen, ein Mondkalender mit den korinthischen Monatsnamen, dazu die Tierkreiszeichen der Babylonier, ein Mondzeiger, ein Finsterniskalender – und zwar für Sonnen- und Mondfinsternis in der Vergangenheit und der Zukunft. Dieser Mechanismus hat also nicht nur dargestellt, was man sehen konnte, sondern konnte auch berechnen, wann die nächste Sonnenfinsternis zum Beispiel stattfinden würde. Dazu ein Kalender für die Olympiaden und so weiter.

Eine neue Publikation von Forschern des University College London unter dem Titel „A Model of the Cosmos in the Ancient Greek Antikythera Mechanism" hat sich jetzt dieser Aufgabe gewidmet, das Ganze noch einmal gründlich zu rekonstruieren. Hier sehen wir die rekonstruierte Vorderseite. Bisher hatte man vor allem die Rückseite ganz gut verstanden und dann versucht, auch den ganzen Mechanismus – das Ingenieursdenken dahinter – zu verstehen. Man geht jetzt davon aus, dass diese Vorderseite eine ganze Reihe von verschiedenen Dingen gleichzeitig gezeigt hat. Man sieht hier auf dem Bild unter anderem in der Mitte – da ist sozusagen die Erde gedacht –, dann einen Mondzeiger, dieses schwarz-weiße Kügelchen, das sogar zeigt, welche Phasen des Mondes gerade zu dem jeweiligen Zeitpunkt aktiv sind. Man sieht einen Sonnenzeiger, die verschiedenen Planeten, die dort in den Ringen angezeichnet sind mit ihrer Stellung und ihrer Opposition, dann die Tierkreiszeichen, die Daten – das alles unfassbar komplex und vor allem sehr genau.

Der Mechanismus konnte folgende Dinge berechnen: die ekliptischen Längengrade von Sonne, Mond und Planeten, die Mondphasen, die synodischen Phasen der Planeten, die fehlenden Tage im Metonzyklus. Der Metonzyklus basiert auf der Beobachtung, dass ungefähr 19 Sonnenjahre 235 Mondmonaten entsprechen. Es gab ja sowohl die Kalenderrechnung auf Grundlage der Sonne als auch allein aufgrund des Mondes, und wenn man das kombinieren wollte, war dieser Metonzyklus sehr wichtig. Aber da auch der nicht ganz hundertprozentig genau ist, fehlen dann ab und zu gewisse Tage. Dieser Mechanismus konnte all das berechnen. Er konnte Finsternisse berechnen – wann und auch in welcher Charakteristik diese Finsternisse stattfinden würden. Er konnte die heliakischen Aufgänge wichtiger Sterne und Sternkonstellationen berechnen. Heliakisch bedeutet, dass ein Stern, der längere Zeit nicht zu sehen war, dann wieder am Horizont in der Nähe der Sonne gesehen werden kann. Und wie gesagt, auch den Olympiazyklus.

Die Forschungen dauern noch an. Noch längst sind nicht alle Geheimnisse dieses Mechanismus – dieses analogen antiken Computers, wenn man so möchte – gelöst. Es gibt eine Forschungsgruppe namens „The Frame Project", bei der es darum geht, den Mechanismus nachzubauen, und zwar nur mit antiken Werkzeugen. Der Leiter dieser Gruppe, Aristeidis Voulgaris, hat dazu schon einiges mit seinem Team publiziert. Durch den Versuch, sich quasi in die Lage der antiken Ingenieure und Astronomen hineinzuversetzen, konnte er schon eine ganze Reihe von Einzelproblemen lösen – zum Beispiel jetzt auch vor Kurzem 2023 in der Zeitschrift Almagest die Publikation „The Initial Calibration Date of the Antikythera Mechanism after the Saros Spiral Mechanical Apokatastasis". Dort stellen sie die These auf, dass sie aufgrund der Untersuchung dieses Mechanismus exakt berechnen können, auf welchen Referenzpunkt er geeicht war, nämlich auf den 22./23. Dezember 178 vor Christus.

Die Forschungen gehen immer weiter, und es werden jährlich neue Erkenntnisse publiziert. All das ist vor allem deswegen interessant, weil uns schon die Bibel auf den ersten Seiten deutlich macht, dass die Himmelskörper zur Bestimmung von Zeiten, Tagen und Jahren von Gott gedacht worden sind. Das heißt in 1. Mose 1, Vers 14–15: „Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Himmelsausdehnung sein zur Unterscheidung von Tag und Nacht. Die sollen als Zeichen dienen und zur Bestimmung der Zeiten und der Tage und Jahre und als Leuchten an der Himmelsausdehnung, dass sie die Erde beleuchten. Und es geschah so."

Wir sehen, wie schon in der Antike Völker wie die Ägypter, die Babylonier und die Griechen sehr große astronomische Kenntnisse gehabt haben. Was wir heute mitnehmen, ist, dass die Griechen zumindest in der Lage waren, diese astronomischen Kenntnisse auf eine mechanisch extrem beeindruckende Weise festzuhalten – daraus eine Rechenmaschine zu entwickeln, die im Grunde genommen in ihrer Leistung nur mit heutigen Computern zu vergleichen ist. Wir sehen, dass äußerst komplexe astronomische Sachverhalte berechnet und dargestellt werden konnten. Das zeigt uns, wie viel die Menschen in der Antike schon in der Lage waren zu tun.


Lizenz

Copyright ©2017 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.