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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In der Spätantike existierte im Süden Arabiens das Königreich Himjar – zunächst jüdisch, dann kurzzeitig christlich. Das Video zeichnet die Geschichte dieses Reiches nach und zeigt, wie Inschriften den Glauben an den Gott Israels belegen. Eine Studie in Science verbindet den Untergang Himjars mit einer schweren Dürre im 6. Jahrhundert, die auch den Aufstieg des Islam in der Region begünstigte.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

Hat es in Arabien einmal ein christliches Königreich gegeben? Und wenn ja, warum ist es untergegangen? Das wollen wir heute in diesem Video erfahren. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten – heute mit der Frage, ob es ein christliches Königreich in Arabien gegeben hat.

Wenn man an Arabien denkt, denkt man eigentlich unweigerlich an den Islam, der seit vielen Jahrhunderten die gesamte arabische Halbinsel ganz klar dominiert. Aus christlicher Perspektive fällt einem vielleicht zuallererst der Galaterbrief ein, als Paulus kurz nach seiner Bekehrung, noch bevor er seine großen Missionsreisen unternahm, für einige Zeit in Arabien gewesen ist – allerdings mehr, um dort persönlich die Bibel zu studieren. Hat es also ein Königreich in Arabien gegeben, das christlich gewesen ist?

Heute soll es um diese Stalagmiten gehen. Sie kommen aus der Al-Hota-Höhle im heutigen Oman. Wir sehen auf dieser Karte die Al-Hota-Höhle – im Englischen „Hoti Cave" – dort im Osten des Oman angezeigt. Und wir sehen das Königreich Himjar, ein antikes, spätantikes Königreich im Süden Arabiens, und das Nachbarkönigreich Aksum im heutigen Äthiopien gegenüber.

Himjar kann seine Geschichte zurückverfolgen auf das erste Jahrhundert vor Christus. Dort in Südwestarabien, zunächst als kleines Königreich, hat es sich nach und nach immer weiter ausgebreitet und dann im dritten Jahrhundert die anderen südarabischen Staaten besiegt – wie Saba zum Beispiel, was man ja aus dem Alten Testament schon kennt, oder auch Hadramaut. Alle diese Königreiche sprachen altsüdarabische Sprachen, die man auch in Inschriften bezeugt findet.

Himjar konnte eine große Zivilisation hervorbringen, weil es ein sehr komplexes Bewässerungssystem gehabt hat, mit dem das sonst recht trockene Gebiet im Süden Arabiens fruchtbar gemacht werden konnte. Man kann heute noch in Jemen und im Oman Überreste dieser großen Bewässerungsanlagen entdecken.

Was allerdings am bemerkenswertesten an diesem Königreich Himjar ist: Es hat im Laufe der Spätantike offensichtlich einen Wandel hin zum Monotheismus vollzogen. Inschriften wie diese hier in Altsüdarabisch bezeugen, dass Könige und Untertanen in diesem Königreich an den einen Gott geglaubt haben – zum Beispiel: „Mit der Hilfe, dem Beistand und der Unterstützung ihres Herrn Rahmanan, des Besitzers des Himmels und der Erde." Eine Formulierung, die man schon im Alten Testament bis zu Abraham zurückverfolgen kann, in 1. Mose 14. Rahmanan – das ist „der Barmherzige", „der Gnädige". Interessanterweise findet sich dann dieselbe Formulierung fast wörtlich auch in der ersten Sure des Koran, wo Gott als der Barmherzige und Gnädige genau mit dieser Wortwurzel auf Arabisch beschrieben wird.

Doch die Inschriften aus Himjar sind definitiv nicht islamisch, denn sie datieren zum Teil Jahrhunderte vor der Entstehung des Islam in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Und wenn man sich diese Inschriften genauer ansieht, erkennt man, dass es sich eigentlich um einen jüdischen Glauben gehandelt hat. Hier zum Beispiel: „Mit der Hilfe und der Gnade seines Herrn, der ihn geschaffen hat, des Herrn des Lebens und des Todes, des Herrn des Himmels und der Erde, der alles geschaffen hat, mit dem Gebet seines Gemeinwesens Israel." Die Menschen im Königreich Himjar in der Spätantike haben sich als Israel verstanden und den Gott Israels angebetet. Oder hier: „Möge Gott" – und auf Arabisch steht hier „Ilān", das ist verwandt natürlich mit Elohim im Hebräischen – „möge Gott, dem der Himmel und die Erde gehört, den König Yūsuf" – also Josef, das ist die arabische Namensform – „den König aller Gemeinwesen segnen."

Über einen langen Zeitraum ist Himjar tatsächlich ein jüdisches Königreich in der Spätantike gewesen. Im 6. Jahrhundert ist dieses jüdische Königreich in eine Krise geraten. Eine Reihe von Gruppierungen im Königreich haben sich die Annahme des Christentums gewünscht, das sich ja schon seit einigen Jahrhunderten in der Welt ausgebreitet hatte. Zudem gab es auch militärische Konflikte mit dem christlichen Königreich Aksum im heutigen Äthiopien.

Das hat dazu geführt, dass die christlichen Gruppierungen in Himjar verfolgt worden sind, was wiederum dazu führte, dass das christliche Königreich Aksum sozusagen den Christen in Himjar zur Hilfe geeilt ist, dort eingegriffen hat und Christen in Himjar auf den Thron gesetzt hat. Für einen kurzen Zeitraum von einigen Jahren oder Jahrzehnten ist Himjar tatsächlich ein christliches Königreich gewesen. Schließlich geriet es unter persische Kontrolle und ist dann kurze Zeit später völlig zusammengebrochen, bevor Anfang des 7. Jahrhunderts der Islam etwas weiter nördlich in Medina und Mekka entstanden ist und sich dann in Windeseile auf der gesamten arabischen Halbinsel ausbreiten konnte – und auch das Gebiet des alten Königreichs Himjar umfasst hat.

Warum ist also dieses jüdische und dann christliche Königreich Himjar untergegangen? Dominik Fleitmann, Professor für Quartärgeologie an der Universität Basel und Paläoklimatologe – also jemand, der sich damit beschäftigt, wie sich das Klima in der Vergangenheit ausgewirkt hat –, hat darauf eine interessante Antwort veröffentlicht: in dem renommierten Magazin Science unter dem Titel „Droughts and Societal Change: The Environmental Context for the Emergence of Islam in Late Antique Arabia" – also der Umweltkontext für das Aufkommen des Islam in der Spätantike in Arabien. Mit anderen Worten: Welche Rolle hat möglicherweise auch Umweltveränderung dort gespielt?

Und damit zurück zur Al-Hota-Höhle, die sich ja wie gesagt im Oman befindet. Die Stalagmiten, die man dort gefunden hat, wurden wissenschaftlich ausgewertet – mit ganz offensichtlichen Ergebnissen: Es muss im 6. Jahrhundert eine massive, schwere Dürre gegeben haben, die man mithilfe der Berechnung des Uraniumzerfalls sogar ziemlich genau eingrenzen kann auf den Anfang des 6. Jahrhunderts, circa 500 bis 530 nach Christus.

Was nehmen wir also heute mit? Es hat in der Spätantike ein mächtiges jüdisches und dann auch kurzzeitig christliches Königreich in Arabien gegeben, namens Himjar, das allerdings – unter anderem wegen der militärischen Konflikte und der religiösen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Christen, dann auch wegen einer schweren Dürre – in eine Krise gestürzt worden ist, an deren Ende der Aufstieg des Islam steht.


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