Ein neu entdecktes Graffito auf einem Marmorfelsen südöstlich von Athen zeigt erstmals eine Zeichnung des „Hekatompedon“ – eines Tempels auf der Akropolis aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Dieser Tempel wurde 480 v. Chr. von den Persern unter Xerxes zerstört, was 150 Jahre später Alexanders Rachefeldzug gegen Persien motivierte. Das Video zeigt die Verbindung zu den Prophezeiungen in Daniel 8 und 11.
Funde & Fakten : „Ein verlorener Tempel in Athen?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
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Transkript
Wie findet man eigentlich einen verlorenen Tempel in Griechenland? Und was hat das mit biblischer Prophetie zu tun? Das wollen wir heute in diesem Video herausfinden. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten – heute mit der Frage: Ein verlorener Tempel in Athen.
Es geht heute um dieses neugefundene Graffito. Man kann es kaum richtig erkennen – hier auf diesem Marmorfelsen gefunden in Griechenland. Man sieht mit dem roten Pfeil die Fundstelle auf diesem Felsen, gar nicht weit entfernt von einer kleinen Straße, die dort im Hintergrund zu sehen ist. Das Ganze ist südöstlich von Athen, wie man hier auf dieser topografischen Karte erkennen kann. Rechts oben, dort wo die 231 m eingetragen sind, dort ist genau dieser Felsen, dieser flache Felsen bei den Barako-Hügeln. Und dort finden sich eine ganze Reihe von Graffiti – mehr als 2000 Ritzzeichnungen und Inschriften, die dort auf den Felsen aufgebracht worden sind. Das sind vor allem Zeichnungen von Tieren, Gebäuden, Schiffen, Kriegern und auch einigen anderen Dingen. Die Inschriften sind dann meistens einfache Namen oder Bezeichnungen für die einzelnen abgebildeten Gegenstände.
Ausgeführt haben das lokale Hirten, die beim Aufpassen auf die Ziegen und Schafe sicherlich auch viel Langeweile gehabt haben und sich dort auf diesen Felsen verewigt haben. Die Schrift, die man dort findet, ist das sogenannte altattische Alphabet. Die Buchstabenformen sind ganz definitiv aus dem 6. Jahrhundert vor Christus – also ungefähr, biblisch gesehen, die Zeit von Daniel oder Hesekiel. Aufgrund der Buchstabenformen kann man es wahrscheinlich in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts datieren. Interessanterweise hat damals dieses altattische Alphabet noch einen eigenen Buchstaben für das H, das Heta, gehabt, was später im griechischen Alphabet nicht mehr existiert und der Hauch dann durch den Spiritus angezeigt wird. Dort, wo der rote Pfeil ist, kann man diesen alten Buchstaben noch erkennen.
Entdeckt hat dieses Graffito Merle K. Langdon. Er ist klassischer Archäologe und Forschungsprofessor an der University of Tennessee und hat schon viel in Griechenland gearbeitet. Er hat diesen Fund publiziert im American Journal of Archaeology unter dem Titel „Mikon's Hekatompedon and Architectural Graffito from Attica".
Auf diesem für uns so interessanten Graffito scheint eine Tempelfassade wiedergegeben zu sein. Diese Wiedergabe ist natürlich keineswegs irgendwie genau und schon gar nicht maßgetreu. Allein die Tatsache, dass dort fünf Säulen abgebildet sind, ist äußerst ungewöhnlich – so etwas gibt es in der griechischen Architektur fast nie. Der Hirte, der das gezeichnet hat, hat sich nicht besonders viel Mühe gegeben, eine maßstabsgetreue Zeichnung dieses Tempels wiederzugeben. Aber es muss sich um einen Tempel handeln, denn wir kennen ja auch die Inschrift, die sich rechts und unten entlangschlängelt. Dort steht auf Griechisch „to Hekatompedon" und dann gibt es einen einzelnen Buchstaben direkt unter dieser Tempelfassade – ein Epsilon, da weiß man nicht genau, was das da alleine macht – und dann „Mikonos". Das heißt: das Hekatompedon, möglicherweise noch etwas anderes, und dann „von Mikon".
Der Name Mikon ist auch sonst in Griechenland bezeugt – 37 Mal, allein 12 Mal in Attika, also der Gegend, wo auch dieses Graffito gefunden worden ist. Es ist in diesem Fall die früheste Erwähnung dieses Namens. Aber besonders interessant ist dieses „Hekatompedon", das wir hier noch einmal ganz nah sehen – und man erkennt schon, wie schwierig das eigentlich zu lesen ist. Dieses Wort „Hekatompedon" ist ein Substantiv, geformt vom Adjektiv „hekatompedos", das „hundertfüßig" bedeutet – und damit ist die Länge von 100 Fuß gemeint. Ein Fuß ist ein griechisches Maß; 100 Fuß entsprechen ungefähr 29 bis 35 Metern. Das Adjektiv drückt eine enorme Größe aus – etwas ist also „100 Fuß lang" sozusagen. Dieses Adjektiv wird seit Homer in der Ilias oft gebraucht, vor allem für Tempel. Wenn man sagen wollte, ein Tempel ist sehr groß, dann hat man gesagt, er ist „hekatompedos" – er ist hundertfüßig. Und man hat hier und dort auch Tempelmaße, die tatsächlich ungefähr genau 30 Meter betragen.
Als Substantiv – das „Hekatompedon", also „der Hundertfüßer" sozusagen – kennt man es eigentlich nur aus Inschriften, die irgendwie mit der Akropolis in Athen zusammenhängen. Es gibt nämlich zwei demokratische Erlasse aus der Zeit, als Athen als Demokratie funktionierte – aus dem Jahr 485/84 ungefähr –, und in diesen sogenannten Hekatompedon-Erlassen werden Verhaltensregeln aufgestellt, wie das Kultpersonal und auch Besucher sich auf der Akropolis zu benehmen haben. Dort wird dieses Hekatompedon erwähnt, und man war sich nie genau sicher: Was ist das eigentlich? Ist das ein Tempel? Ist das vielleicht eine große Plattform, auf der Dinge abgestellt werden? Außer im Zusammenhang mit Athen kennt man sonst kein Gebäude, das mit diesem Namen als Substantiv bezeichnet worden ist.
Jetzt durch diesen Fund ist klar: Es muss sich um einen Tempel handeln, denn unser Hirte Mikon konnte diesen Tempel zeichnen und ihn als Hekatompedon bezeichnen. Wenn man auf die heutige Akropolis von Athen fährt, findet man diesen Tempel allerdings so nicht mehr. Das hat damit zu tun, dass im 5. Jahrhundert – also Jahrzehnte später – die gesamte Akropolis neu bebaut worden ist, die Tempel neu gebaut worden sind.
Wenn man sich fragt, welcher Tempel dieses Hekatompedon war, dann ist ein möglicher Kandidat der alte Tempel der Athena, von dem wir wissen, dass er existiert hat, weil literarische Quellen ihn für das 6. Jahrhundert bezeugen und man auch einige wenige archäologische Überreste gefunden hat, die belegen, dass es dort einmal einen früheren Tempel gegeben haben muss.
Aber warum ist dieser Tempel dann irgendwann nicht mehr da gewesen? Jeder, der sich mit griechischer Geschichte auch nur ein wenig befasst hat, wird wissen, dass im Jahre 480 vor Christus die Perser unter Xerxes mit einer gewaltigen Armee im Zuge der berühmten Perserkriege in Griechenland eingefallen sind und unter anderem auch Athen massiv zerstört haben – die gesamte Akropolis in Schutt und Asche gelegt haben. Deshalb wurde dann Jahrzehnte später alles wieder neu gebaut, und die berühmten Gebäude wie das Parthenon und andere Tempel, die man heute dort sieht, sind alle erst nach dieser Invasion errichtet worden. Unser in diesem Graffito angedeuteter Tempel muss aber aus der Zeit davor stammen.
Diese Invasion von Xerxes wird auch in der Bibel prophetisch erwähnt, wenn es in Daniel 11, Vers 2 von einem persischen König heißt, dass er alles gegen das griechische Reich aufbieten wird. Schon in Daniel Kapitel 8 wird dieser Konflikt beschrieben, mit den beiden Symbolen eines Widders und eines Ziegenbocks – der Widder als Symbol für die Könige der Meder und Perser, der Ziegenbock als Symbol für den König von Griechenland. Daniel 8 zeigt dann prophetisch, dass die Griechen sich irgendwann rächen werden an den Medern und Persern und sie angreifen und besiegen werden. In Daniel 8, Vers 6–7 heißt es: „Und er kam zu dem Widder – also der Ziegenbock kommt zu dem Widder –, der zwei Hörner hatte, den ich vor dem Fluss hatte stehen sehen, und lief wütend mit seiner ganzen Kraft gegen ihn an. Und ich sah, wie er nahe an den Widder herankam und sich erbittert auf ihn warf und den Widder schlug und ihm seine beiden Hörner zerbrach."
Warum hatten die Griechen eine solche Wut auf die Perser, als 150 Jahre später Alexander der Große mit seiner Armee das gesamte Perserreich eroberte und sein eigenes Weltreich gründete? Der Grund war tatsächlich – und das war auch der offizielle Kriegsgrund, den Alexander angeführt hat – Rache für die Zerstörung der Akropolis bei den Perserkriegen im Jahre 480, als unter anderem dieser Tempel, dieses Hekatompedon, den wir jetzt durch dieses Graffito tatsächlich als Tempel belegen können, zerstört worden ist.
Was nehmen wir heute mit? Ein kürzlich gefundenes Graffito südöstlich von Athen auf einem Marmorfelsen bestätigt, dass es einen Tempel dort in Athen gegeben hat, den wir zuvor nur indirekt literarisch bezeugt hatten. Dieser Tempel ist 480 vor Christus von den Persern zerstört worden, was dazu geführt hat, dass die Griechen einen solchen Zorn hatten, dass sie 150 Jahre später die Eroberung Persiens durch Alexander den Großen durchgeführt haben – was dann im Buch Daniel auch ausführlich beschrieben worden ist.
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