Begleiten Sie Christopher Kramp in dieser Folge von „Funde & Fakten“ zu den geheimnisvollen Ausgrabungen in Ostanatolien, weit abseits der Suche nach der Arche Noah. Entdecken Sie die faszinierende Geschichte der Urartäer, eines mächtigen antiken Volkes, das als ebenbürtiger Gegenpol zum assyrischen Weltreich in den Bergen des Ararat-Gebiets florierte.
Funde & Fakten: „Grabanlagen aus Ararat?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
[0:04] [Musik]
[0:18] Wer denkt beim Namen Ararat nicht zuerst an die Arche? So viele Menschen haben seit langer Zeit versucht, die Arche zu finden, dort irgendwo im Taurusgebirge. Aber was für Menschen lebten in der Antike dort in diesem Gebiet? In diesem Video wollen wir uns dazu ein paar neue interessante Funde anschauen.
[0:44] Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten. Es geht heute um Ausgrabungen in Ostanatolien in der heutigen Türkei, und zwar genau genommen in der Nähe der sogenannten Burg von Çavuştepe, einer bedeutenden archäologischen Stätte dort in der Gegend. Es ist die einzige Burg, die es dort aus der Eisenzeit gibt. Diese Karte zeigt ja eine ganze Reihe von solchen Festungen, die in der Eisenzeit, also in der Zeit der israelitischen Könige, etwa dort in Ostanatolien aufgerichtet worden sind, um den Vansee, um den Urmia-See und in dieser ganzen Gegend.
[1:29] Die Burg, die wir heute Çavuştepe nennen, die hieß eigentlich Sardurihinili, eine urartäische Königsburg. Der Name Sardurihinili heißt die Stadt Sarduris, und Sarduri war ein König der Urartäer, denn all diese Burgen gehören im Wesentlichen zu diesem urartäischen Reich. Das war der nördliche Nachbar der Assyrer und so ein bisschen auch der Gegenpol. Die Assyrer konnten die Urartäer nie wirklich besiegen. Manchmal hatten sie große militärische Erfolge, aber auf Dauer waren die Urartäer einfach nicht klein zu kriegen und haben immer so ein bisschen, wenn nicht in der gleichen Größe des assyrischen Reiches, doch so einen Gegenpol gebildet in dieser gebirgigen Gegend dort, die auch für die Assyrer nicht so einfach zu erreichen gewesen ist.
[2:26] Sie haben sich in vielem auch von den Assyrern einiges abgeguckt. Die Königsinschriften waren am Anfang sogar auf Assyrisch, und dann hat man zwar die urartäische Sprache auch verwendet in Keilschrift, aber trotzdem sich ein bisschen an den Assyrern orientiert. Und bis zum Untergang, kurz vor dem Aufkommen der Neubabylonier, waren die Urartäer also eine ganz bedeutende Macht hier im Nahen Osten. Sarduri II. war König von Urartu im Jahre 753 bis 735 ungefähr. Damit ist er ein Zeitgenosse des berühmten, auch in der Bibel erwähnten assyrischen Königs Tiglat-Pileser und auch zum Beispiel vom Propheten Jesaja. Er hat diese Festung ungefähr 25 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tušpa am Vansee errichten lassen.
[3:21] Bei den Ausgrabungen jetzt ging es aber weniger um die Festung selbst, als vielmehr um die Nekropole, also um die Grabanlagen, die etwas nördlich davon angelegt worden sind. Dort gräbt man schon seit einiger Zeit unter der Leitung von Rafet Çavuşoğlu, der ist Professor an der Van Yüzüncü Yıl Universität dort in der Gegend. Man hat seit Jahren dort ausgegraben und festgestellt, dass die Urartäer verschiedene Begräbnisrituale kannten. Das ist relativ ungewöhnlich für den alten Orient in dieser Form. Das Highlight bei der Ausgrabungssaison 2025 waren Siegel bei weiblichen Skeletten. Also man hat weibliche Begräbnisse angeschaut und festgestellt, dass dort diese Frauen mit Siegeln begraben worden sind, was ein sehr deutlicher Hinweis darauf ist, dass diese Frauen in der urartäischen Gesellschaft zum Teil eine sehr hohe Funktion gehabt haben und eine große Wertschätzung genossen, wahrscheinlich in der Administration auch irgendwie und in der Verwaltung mit eingebunden waren. Im Übrigen weisen die Gräber auch ganz deutlich auf monogame Kernfamilien hin; Polygamie ist dort nicht praktiziert worden, wie wir es in anderen Fällen sonst kennen.
[4:35] Nun, was hat das alles mit der Bibel zu tun? Das Land Urartu ist biblisch das Land Ararat. Eigentlich wird dieses Land sowohl hebräisch „Ararat“ als auch „Urartu“ nicht mit einem normalen Tav, einem T, sondern mit einem Tet, einem emphatischen T geschrieben. Man sagt also eigentlich Ararat oder Urartu, was für uns Deutsche immer ein bisschen schwierig auszusprechen ist, aber es handelt sich um exakt dieselben Konsonanten und auch die Vokale sind nur ganz minimal anders, was ein bisschen von der Aussprache her rührt. Es handelt sich bei Urartu um ein gebirgiges Land, und es ist ein guter Hinweis darauf, dass der Ararat – das ist ganz wichtig für alle Hobby-Archäologen, die in der Türkei nach der Arche suchen – nicht ein einzelner Berg ist, sondern biblisch ein gebirgiges Land.
[5:27] Und das wird auch ganz deutlich, wenn wir uns diesen Text hier anschauen: Der König Sanherib, der ja in Jesaja auch eine große Rolle spielt, Jesaja 36 und 37, der ist erschlagen worden von seinen beiden Söhnen Adrammelech und Sarezer mit dem Schwert, und sie entkamen in das Land Ararat. Und wir wissen auch, dass das zeigt, dass sie in das Land Urartu nach Norden geflohen sind. Das ist das Land Ararat, und sein Sohn Asarhaddon wurde König an seiner Stelle. Also halten wir fest: Das Land Ararat ist ein Land, das dort im heutigen Armenien und in der heutigen Osttürkei anzusiedeln ist, und entsprechend wird die Arche dort irgendwo gewesen sein. Wir können aber nicht genau sagen, wo.
[6:21] Was nehmen wir heute mit? Ausgrabungen werfen ein interessantes Licht auf die Gesellschaft des Königreiches Urartu, was gleichzusetzen ist mit dem Land Ararat, das auch verschiedentlich in der Bibel vorkommt. Und damit haben wir zwar die Arche immer noch nicht gefunden, aber zumindest können wir so manchen Identifizierungsversuch, der vorgenommen wird, zurückweisen, weil man nicht einen einzelnen Berg als Ararat bezeichnet, sondern das gesamte riesige Land.
[6:48] [Musik] In diesem Sinne freuen wir uns, wenn ihr nächstes Mal wieder einschaltet, wenn es hier heißt Funde und Fakten.
[6:56] [Musik]
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