Könnte sich das legendäre Grab von Herodes an einem der umstrittensten Orte der Welt befinden? In dieser Folge von „Funde & Fakten“ untersuchen wir eine spektakuläre These, die das Grab der Patriarchen in Hebron in ein völlig neues Licht rückt. Tauchen Sie mit uns ein in die biblische Geschichte und erfahren Sie, warum archäologische Forschung in dieser Region auf so komplexe Hindernisse stößt.
Funde & Fakten :„Ist dies das Geheimgrab von Herodes?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
[0:19] Immer wieder wird die Archäologie durch moderne, politisch-religiöse Konflikte aufgehalten und manche Fragestellung wird vielleicht auch deswegen nie geklärt werden können. In diesem Video wollen wir uns eine spektakuläre These anschauen, die nicht zuletzt aufgrund dieser Konstellation momentan nicht wirklich verifiziert werden kann. Und damit herzlich willkommen zu Funde & Fakten. Heute mit einer ganz brandaktuellen Sache, mit einer These, dass nämlich das Geheimgrab von Herodes identifiziert worden sei.
[0:59] Es geht um dieses, wie man hier sehen kann, von der israelischen Armee bewachte Gebäude, das sogenannte Grab der Patriarchen in Hebron. Warum werden die Patriarchen der Bibel mit Hebron assoziiert? Das hat folgenden biblischen Hintergrund: In 1. Mose 23 lesen wir, dass Abraham nach dem Tod seiner Frau Sarah eine Höhle und einen Acker bei Machpela gekauft hat, als erstes Eigentum, das er dort im Land Kanaan erworben hat. Er war ja sonst ein Fremdling dort und er hat dort bei Machpela, bei diesem Acker in der Höhle, seine Frau begraben. Und das heißt hier, dass das Mambre gegenüber war, in Hebron im Land Kanaan. Also, die Bibel berichtet uns, dass in der Nähe des Ortes oder im Ort Hebron bei diesem Acker Machpela und dieser Höhle dort Abraham seine Frau begraben hat.
[2:01] Und sie sagt uns auch dann etliche Kapitel später in 1. Mose 49: Jakob sagt das kurz vor seinem Tod. Er sagt ihnen und sprach zu ihnen: „Ich werde zu meinem Volk versammelt werden. Begrab mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker Efrons des Hetiters. In der Höhle auf dem Acker Machpela, Mamre gegenüber, im Land Kanaan, wo Abraham den Acker als Erbbegräbnis gekauft hat von Efron, dem Hetiter.“ Dort, also in Hebron, hat man Abraham und seine Frau Sarah begraben. Dort hat man Isaak begraben und seine Frau Rebekka und dort habe ich auch Lea begraben. Und der biblische Bericht führt dann weiter aus, dass auch der einbalsamierte Jakob dann mit einer speziellen Eskorte aus Ägypten dorthin gebracht und dort begraben worden ist – das Grab der Patriarchen.
[2:55] König Herodes hat dann in der Zeit kurz vor dem Neuen Testament, vor der neutestamentlichen Zeit, als König Herodes regierte, an dieser Stelle einen großen Bau errichtet, um diesen berühmten Ort, der für das Verständnis des jüdischen Volkes ja so wichtig gewesen ist, entsprechend auch zu würdigen und entsprechend auch zu schützen. Es ist der einzige Bau von Herodes, der noch vollständig erhalten ist. Viele andere, wie zum Beispiel der erweiterte Tempel von Jerusalem, sind größtenteils zerstört worden. Interessant ist, dass die Architektur dieses Baus hier in Machpela in Hebron sehr verwandt ist mit dem, was man noch an Überresten vom Tempel in Jerusalem hat. Der Bau selbst ist heute, wenn man ihn besichtigt, nicht mehr nur von Herodes, sondern auch spätere Kreuzfahrer haben dann im Mittelalter noch daran weitergebaut. Auch Justinian hat eine Basilika dort bauen lassen. Das sind also da noch weitere Dinge dazugekommen. Wenn man sich das anschaut, wie das zur Zeit von Herodes ausgesehen haben muss, dann konnte man vielleicht ungefähr auf eine solche Rekonstruktion für dieses Bauwerk beim Grab der Patriarchen schließen.
[4:12] Man muss wohl nicht betonen, dass die verschiedenen Weltreligionen, die sich auf Abraham zurückführen, also das Judentum, der Islam und auch das Christentum, allesamt ein großes Interesse an diesem Grab gezeigt haben. Es ist ein Pilgerort, dieses Gebäude, für die verschiedenen Religionen. Entsprechend gibt es dort auch eine Abrahams-Moschee zum Beispiel. Und tatsächlich werden die unteren Grabanlagen durch einen muslimischen Verein, sozusagen eine Waqf, verwaltet und man kommt da nicht ohne Weiteres hinein. Momentan, seit längerer Zeit, sind dort keine archäologischen Ausgrabungen oder sonstigen Untersuchungen möglich.
[5:04] Weil der Zugang zu diesen unteren Grablagen aufgrund auch dieser religiösen Situation nicht gestattet ist, können Forscher sich allein auf die einzige wissenschaftliche Untersuchung stützen, die es jemals dort gegeben hat, vor langer, langer Zeit, nämlich im Jahre 1919. Damals hat man etliche Fotos auch gemacht und jetzt ist es gelungen, alte Fotos von damals, die bisher noch niemand richtig gesichtet hatte, neu auszuwerten. Das ist geschehen hier durch Dr. Gerschon Bar-Kochva, ein israelischer Forscher aus Hebron, der zurzeit am Efrat Teachers College als Dozent sich seit Langem mit diesem Gebäude Machpela in Hebron beschäftigt.
[5:50] Und auf diesen Fotos, so sagt er, zeigt sich eine besondere kleine einzelne Grabkammer. Er hat das Ganze dann analysiert und Parallelen zur griechisch-römischen Architektur gefunden. Das verwundert ja nicht, weil Herodes ja ein sehr betont hellenistischer Herrscher gewesen ist, der auch gerade von den Römern sehr stark gefördert worden ist. Und Bar-Kochva hatte Parallelen zu entsprechenden Bauten in Lykien gefunden. Dort wurden solche großen Grablagen für die Gründer einer neuen Dynastie benutzt. Und das hat ihn zu der Vermutung, zur These gebracht, dass Herodes diese ganze Anlage nicht nur zum Schutz und zur Würdigung der Patriarchen gedacht habe, sondern eventuell auch als eigene Grabstätte; dass Herodes tatsächlich möglicherweise den Plan gefasst hat, dort bei den Patriarchen sich begraben zu lassen mit einer gigantischen Grabanlage, die alles in den Schatten stellt, was die Größe betrifft, was es sonst zum Beispiel aus Lykien diesbezüglich bisher gegeben hatte.
[7:02] Wir wissen mittlerweile ganz genau, dass dieses Bauwerk wirklich von Herodes und nicht vielleicht von einem seiner Nachfolger oder so gebaut worden ist. Das haben drei unabhängige C14-Untersuchungen an verschiedenen Instituten allesamt ergeben. Es muss in die Zeit von König Herodes datiert werden. Die Frage ist natürlich, was wollte Herodes mit diesem Bau? Und Bar-Kochva, der Forscher, denkt: Möglicherweise wollte er tatsächlich dort auch dann begraben werden neben den Patriarchen und damit ausdrücken, dass er als Gründer einer neuen bedeutenden Dynastie eine ähnliche Rolle gespielt habe wie Abraham, Isaak und Jakob. Ob das aber stimmt, kann natürlich momentan niemand wirklich belegen, weil Untersuchungen dort unten nicht möglich sind.
[7:52] Was wir auf jeden Fall wissen, ist, dass Herodes dort nicht begraben worden ist, sondern – und das machen auch literarische Quellen deutlich – er nach seinem Tod am Herodium begraben worden ist, das er selbst hat aufschütten lassen und wo man tatsächlich vor Jahren das Grab von Herodes gefunden hat. Zumindest ist das vom Archäologen Ehud Netzer behauptet worden. Es wird auch vielfach so akzeptiert, ist allerdings nicht ganz unumstritten. Es gibt auch Archäologen, die auch das wieder infrage stellen und entsprechende Indizien liefern, dass es sich nicht um das Grab des Herodes gehandelt haben kann. Wir wissen aber, dass Herodes hier am Herodium begraben worden sein muss.
[8:36] Was nehmen wir heute mit? Dieser israelische Forscher behauptet, dass Herodes ursprünglich geplant habe, beim Grab der Patriarchen, Machpela in Hebron, begraben zu werden, entsprechend auch eine Grabkammer eingerichtet hat, aber konkrete Belege sind nicht lieferbar und können momentan nicht verifiziert werden. Wir müssen das Ganze also ein bisschen mit Vorsicht betrachten und erst mal in die Schublade stecken. So viel für heute. Wir freuen uns, wenn ihr nächstes Mal wieder dabei seid, wenn es hier heißt Funde & Fakten. Besucht uns auch gerne auf joelmedia.de.
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