Erlebe die dramatischen Ereignisse um König Josias Tod in der Schlacht von Megiddo neu. Christopher Kramp beleuchtet brandneue archäologische Funde, die Licht auf die biblische Überlieferung und die geopolitischen Umstände werfen. Entdecke, wie neue Ausgrabungen die Geschichte von Josia und Pharao Necho in ein neues Licht rücken.
Funde & Fakten : „Josia und Pharao Necho in Megiddo?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
[0:18] Im Jahre 609 vor Christus kam es zur Katastrophe in Juda. König Josia, der so viele gute Entscheidungen für Gott getroffen hatte, wurde vom ägyptischen Pharao Necho in der Schlacht bei Megiddo getötet. In diesem Video wollen wir brandneue archäologische Entdeckungen thematisieren, die Licht auf dieses Ereignis werfen. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten.
[0:42] Es geht heute um Ausgrabungen in Megiddo, die man hier auch auf dem Bild sehen kann. In der Bibel wird uns in 2. Chronik 35, Verse 20 und 21 folgendes berichtet: "Nach alledem, als Josia das Haus des Herrn wiederhergestellt hatte, Josia hatte eine große Reform in Juda durchgeführt. Er hatte die Menschen wieder zum Wort Gottes gebracht, den Tempeldienst, die Anbetung des biblischen Gottes wieder in den Fokus der Menschen gerückt. Und als er all das getan hatte, heißt es hier, zog Necho, der König von Ägypten, herauf, um bei Karkemisch am Euphrat eine Schlacht zu liefern." Da geht es im geopolitischen Kontext um die Auseinandersetzung mit dem nach Macht strebenden neubabylonischen Reich. Und Josia zog aus ihm entgegen. Jener aber sandte Boten zu ihm und ließ ihm sagen: "Was habe ich mit dir zu schaffen, du König von Juda? Nicht gegen dich ziehe ich heute, sondern gegen ein Haus, das mit mir im Krieg liegt. Und Gott hat gesagt, ich soll eilen. Lass ab von Gott, der mit mir ist, damit er dich nicht verderbe." Aber dann heißt es: "Aber Josia wandte sein Angesicht nicht von ihm ab, sondern verkleidete sich, um mit ihm zu kämpfen. Und er hörte nicht auf die Worte Nechos, die aus dem Mund Gottes kamen, sondern er zog zum Kampf auf die Ebene bei Megiddo." Eine tragische Geschichte. Aber die Schützen trafen den König Josia, und der König sprach zu seinen Knechten: "Bringt mich weg, denn ich bin schwer verwundet." Und dann ist er an dieser Verwundung dort nach der Schlacht von Megiddo gestorben.
[2:31] Megiddo liegt im Norden Israels in der Jesreel-Ebene, nicht unweit vom Berg Karmel, weswegen dieser Berg auch als Kandidat gilt für das, was in der Offenbarung Harmagedon genannt wird, weil Harmagedon bedeutet der Berg von Megiddo. Heute gibt es dort bei Megiddo so einen Tell, weil dort im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Siedlungsschichten übereinander entstanden sind und dort wird gegraben.
[3:03] Ausgräber, der Leiter der Ausgrabungen ist Professor Israel Finkelstein, vielleicht der bedeutendste gegenwärtige Archäologe Israels von der Universität Haifa. Jemand, der, das muss man dazu sagen, eigentlich die Reputation hat, möglichst oder selten wirklich biblische Geschichten bestätigen zu wollen, oder sehr oft eine kritische Auslegung der Bibel vertritt, in vielen Fällen bestreitet, dass die Bibel wahr ist. Also jemand, der keineswegs versucht irgendwie Daten zu biegen, um die Bibel zu unterstützen, sondern unter biblischen Archäologen eher als einer gilt, der sehr wenig Vertrauen in den biblischen Text an sich erst einmal hat. Hier sehen wir sein Team, das Ausgrabungsteam, das mitgewirkt hat und die Publikation. Es gibt tatsächlich sogar mehrere Publikationen. "Josiah's Megiddo: New Evidence from the Field" hier im Scandinavian Journal of the Old Testament.
[4:03] Die Ausgräber haben sich für diese neueren Kampagnen einen Abschnitt in Megiddo ausgewählt, den man den Abschnitt X nennt. Der ist deswegen ausgewählt worden, weil schon alte Luftaufnahmen, die schon fast 100 Jahre alt sind, die man früher mit großen Luftballons gemacht hat, dass dieser, weil diese Aufnahmen dort Gebäudereste angedeutet haben und so hat man in den Jahren 2016, 18 und 22 an dieser Stelle gegraben.
[4:33] Hier sehen wir eine tabellarische Übersicht über die für uns hier relevanten Schichten an diesem Abschnitt, die sogenannte Stratigraphie, also wo man die einzelnen Schichten sieht mit ihrer ungefähren zeitlichen Zuordnung. Ganz links sieht man X654321. Das sind die Schichten an dieser Stelle X und das korrespondiert dann zu den allgemeinen Schichten, die für Megiddo schon vor längerer Zeit durch die Ausgräber der University of Chicago festgelegt worden sind. Und wir sehen hier, dass diese neuen Ausgrabungen sehr fein gearbeitet haben. Also dort, wo die Ausgräber aus Chicago einfach Schicht 2 definiert haben, hat jetzt Finkelstein mit seinem Team noch einmal verschiedene Unterschichten ausmachen können und die entsprechend das hier zum Beispiel zu der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts vor Christus oder dann das späte 7. Jahrhundert vor Christus und dann das frühe 6. Jahrhundert vor Christus. So eine sehr genaue, feine Stratigraphie, die uns jetzt hier auch für unser Thema sehr gut hilft.
[5:37] Was sie gefunden haben, ist zunächst einmal die Tatsache, dass vom 8. bis ungefähr zur Mitte des 7. Jahrhunderts Megiddo eine kulturelle Kontinuität dort an dieser, zumindest an dieser Stelle auch aufwies. Das heißt, dass im Grunde genommen sich die materielle Kultur kaum verändert hat. Es taucht allerdings neben dem lokalen israelitisch gebräuchlichen Geschirr auch ein wenig Geschirr auf, das in seiner Gestaltung aus Mesopotamien beeinflusst zu sein scheint. Und das dürfte durchaus ein Hinweis darauf sein, dass hier Menschen von den Assyrern, die ja noch bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts dort die Oberherrschaft gehabt haben, dort angesiedelt worden sind. Wir wissen ja aus der Geschichte, dass die Assyrer immer wieder Deportationen vorgenommen haben, Menschen auch aus Nordisrael aus dem Nordreich Israel verschleppt haben und entsprechend andere Bevölkerungsgruppen dort angesiedelt haben. So finden wir das zum Beispiel dann auch später im Buch Esra beschrieben, wo die Nachfahren dieser neu angesiedelten Bevölkerungsgruppen, die Samaritaner, einen Brief schreiben an den persischen König und dort unter anderem sagen, die zählen dann die ganzen Gruppen auf, die übrigen Völker, die der große und berühmte Asnapa, das ist eine Form für den Namen Assur-Bani-Pal, das der letzte große assyrische König, dass der sie wegführte und in den Städten Samarias wohnen ließ. Also, das ist sowohl von der Archäologie als von der Geschichte als auch von der Bibel gut belegt, dass dort diese Neuankömmlinge dann im Nordreich Israel gewesen sind.
[7:14] Was man allerdings dann gefunden hat unter der Leitung von Israel Finkelstein ist sehr erstaunlich. Man hat nämlich dann in einer Schicht, die auf das Ende des 7. Jahrhunderts vor Christus hinweist, ägyptische Keramik gefunden. Hier sehen wir ein paar Beispiele und das ist eigentlich in Palästina sehr ungewöhnlich für das 7. Jahrhundert vor Christus. Diese ägyptische Keramik hat deutliche Parallelen zu ähnlicher Keramik, die man aus ägyptischen Ausgrabungsstätten kennt und zwar aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts vor Christus, also auch zeitlich passt das sehr gut. Und einige dieser Bruchstücke konnte man dann naturwissenschaftlich analysieren und konnte nachweisen, dass das Material, das hier verarbeitet worden ist, tatsächlich aus Ägypten aus der Nähe des Niltals kommt. Es handelt sich also tatsächlich nicht einfach um Geschirr, das auf Ägyptisch gemacht worden ist, sondern Geschirr, das tatsächlich aus Ägypten mitgebracht worden ist.
[8:14] Außerdem, das hat die Sache noch einmal interessanter gemacht, fand man auch griechische Keramik. Hier ein paar Beispiele davon und das ist sehr ungewöhnlich, weil man normalerweise griechische Keramik in der Menge nur an den Küstenstädten findet. Die Griechen waren ja ein Seefahrervolk und an den Küsten würde man also entsprechend griechische Keramik durchaus vermuten können, aber so im Inland ist das extrem ungewöhnlich. Man kann aufgrund der Bemalung und des Designs dieser Keramik vermuten, dass die Herkunft aus Kleinasien ist, wahrscheinlich sogar aus Milet an der Westküste Kleinasiens. Und man kann aufgrund von Parallelen zu entsprechender Keramik dort in Kleinasien diese Keramik von Megiddo, diese griechische Keramik auf ungefähr 630 bis 610 vor Christus datieren. Das ist dann ungefähr so fast die Zeit, die für die Schlacht von Megiddo 609 vor Christus angesetzt wird. Übrigens fand man auch noch Überreste eines ägyptischen Brettspiels, was also noch einmal dafür spricht, dass hier durchaus Ägypter sich befunden haben müssen.
[9:34] Nun ist es interessant, dass schon Herodot uns berichtet, dass es griechische Söldner in der ägyptischen Armee gegeben hat. Er schreibt in seinen Historien im zweiten Buch unter Punkt 152: "Bald darauf aber sahen sich Ionien und Karien, also Ionien sind und Karien, die sind von der West- und Südwestküste Kleinasiens, die auf Seeraub ausgefahren waren, genötigt Ägypten anzulaufen. Und Psamtik der I., ein Pharao vor Necho, machte Freundschaften mit den Ioniern und den Kariern und bewog sie durch große Versprechungen in seine Dienste zu treten. Die verstanden sich auch dazu und nun machte er mit Hilfe dieser Söldner und seine Anhänger in Ägypten der Herrschaft der Könige ein Ende." Wir wissen, dass ab diesem Zeitpunkt die ägyptische Armee zu guten Teilen auch aus griechischen Söldnern bestand. Man geht davon aus, als später dann die Ägypter gegen die Babylonier kämpfen, in beiden Heeren griechische Söldner eine starke Rolle gespielt haben. Wir können sogar Parallelen zur Stadt Milet auch literarisch nachweisen. Derselbe Herodot schreibt ein paar Paragraphen später: "Zu Lande aber lieferte er, das ist der Necho jetzt, der Pharao Necho, den Syrern bei Magdolos eine Schlacht, in der er siegte und er eroberte nach der Schlacht die große Stadt Kades in Syrien. Den Rock, den er dabei angehabt hatte, weiss er Apollon und schickte ihn an die Branchiden nach Milet." Das spricht auch für direkte Beziehungen zu Milet. Wie gesagt, die Keramik, die dort in Megiddo gefunden worden ist, war aus Milet.
[11:10] Wir sehen also in 2. Könige 23, dass der Pharao Necho, der König von Ägypten, dort den Josia getötet hat. Er hat diese Schlacht gewonnen und sicherlich damit auch diesen Ort für sich eingenommen und besetzt. Wir sehen dann, dass die Ägypter in den Folgejahren bis an den Euphrat ihre Militärposten gehabt haben, bis dann im Jahre 605 vor Christus die Babylonier dort bei Karkemisch die Ägypter besiegt haben und entsprechend wieder zurückgeworfen haben. Wir erwarten also in den letzten Jahren vor 600, dass wir ägyptische Präsenz in Megiddo und Umgebung finden. Und genau das konnte jetzt zum ersten Mal archäologisch bewiesen werden. Und die Tatsache, dass hier griechische Keramik gefunden worden ist, bestätigt das noch einmal, weil wie gesagt, griechische Söldner im ägyptischen Heer gekämpft haben.
[12:01] Also, was nehmen wir heute von diesen interessanten Ausgrabungen mit? Neue archäologische Funde belegen, dass Megiddo Ende des 7. Jahrhunderts tatsächlich in ägyptische Hand fiel. Wir können jetzt archäologisch sagen, dass diese Stadt am Ende des 7. Jahrhunderts im Besitz der ägyptischen Armee gewesen sein muss. Und das passt ausgezeichnet zum biblischen Bericht der Schlacht von Megiddo, in der im Jahre 609 vor Christus der Pharao Necho über König Josia gesiegt hat. Das Ganze ist auch deswegen so interessant, weil der Ausgräber selbst eigentlich nicht dafür bekannt ist, einen großen Wert auf die Bibel zu legen. Aber auch er musste zugeben, dass hier tatsächlich der archäologische Befund die Bibel vollfänglich an dieser Stelle bestätigt.
[12:50] In diesem Sinne freuen wir uns, dass ihr heute wieder dabei gewesen seid und freuen uns natürlich auch, wenn ihr auch nächste Woche wieder einschaltet, wenn es hier wieder heißt Funde und Fakten. Ja.
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