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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Kann künstliche Intelligenz antike Schriftrollen entziffern, die für das menschliche Auge unlesbar sind? Christopher Kramp stellt in dieser Folge von „Funde & Fakten“ eine faszinierende Herausforderung vor: die Anwendung neuester Technologien zur Entschlüsselung von verbrannten Papyri aus Herculaneum. Erlebe, wie KI versucht, die Geheimnisse einer fast 2000 Jahre alten, verkohlten Schriftrolle zu lüften, die beim Ausbruch des Vesuvs zerstört wurde.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:18] KI in der Lage, antike Texte zu entziffern, die für das menschliche Auge absolut unlesbar sind? In diesem Video wollen wir eine spannende neue Challenge kennenlernen, die Forscher dazu auffordert, neueste Technologien zu benutzen, um neue Erkenntnisse über die Antike zu gewinnen. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten. Heute geht es um Papyrus Herkulaneum 172.

[0:50] Und wie man unschwer erkennen kann, ist dieser Papyrus in einem absolut desaströsen Zustand zu Kohle verbrannt. Ein Mensch kann die Information, die dort vor knapp 2000 Jahren niedergeschrieben worden sind, überhaupt gar nicht mehr wiedergewinnen, so scheint es. Warum ist dieser und viele andere Papyrus in einem so bedauernswerten Zustand? Das liegt am Ausbruch des Vesuv im heutigen Italien im Jahre 79 nach Christus zur Zeit des römischen Reiches. Berühmt ist natürlich der Untergang von Pompeji. Da gibt's auch sehr viel archäologische Ausgrabung und Entdeckung. Eine andere Stadt, die ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist, war Herculaneum. Man findet dort Skelette, die überrascht worden sind, also Menschen, die lebendig begraben worden sind von diesem schrecklichen Vulkanausbruch.

[1:57] Und man fand in den 1750er Jahren in diesem Gebäude der sogenannten Villa dei Papiri eine einzigartige Sammlung von literarischen und wissenschaftlichen Papyri. Die einzige, die man in der Form aus der Antike überhaupt hat. Leider ganz schlecht erhalten. Viele der Schriftstücke vollständig oder teilweise zu Kohle verbrannt. Einige Dinge konnte man ein bisschen entziffern, ein bisschen lesen, aber das meiste blieb für das menschliche Auge undurchdringbar, wie wir hier sehen.

[2:34] Es hat dann verschiedene Restaurierungsversuche gegeben. Man hat teils versucht, das einfach aufzuschneiden, um dann innere Schichten zu finden. Das sind ja oft dann Papyrusrollen. Man hat gehofft, dann die inneren Schichten besser lesen zu können, hat dabei aber oft dann die Papyrus nur komplett zerstört. Man hat verschiedene Tinkturen und verschiedene Behandlungsmethoden angewandt, aber die haben immer nur dazu geführt, dass es alles nur viel schlimmer wurde.

[2:58] Und wenn man sich so einen Papyrus von diesen Herculaneum-Papyri anschaut, dann sieht man, die sind ganz eng aufgerollt, haben ganz viele Schichten, wenn man das im Scan sieht. Die Frage war, wie kommen wir an diese einzelnen Seiten heran?

[3:18] KI macht es tatsächlich möglich. Es gibt seit ganz kurzem eine Challenge, die sich an Wissenschaftler, Studenten, die vor allem im Bereich der KI arbeiten und forschen, richtet, um unter Gewinnung von Preisgeld Fortschritte zu erreichen und trotzdem diese Schriftrollen zu entziffern.

[3:44] Das geht dann so: Die Papyrusrollen werden aufwendig gescannt und dann werden Verfahren entwickelt und KI-Modelle trainiert, um diese Rollen virtuell aufzurollen. Das heißt, man berührt sie gar nicht mehr, sie bleiben so, wie sie sind. Aber aufgrund der sehr komplexen Scantechnik und der Bildgebungsverfahren ist es dann möglich, Stück für Stück diese Rollen virtuell aufzurollen, um sie dann zu versuchen zu lesen. Diese Ausschreibung läuft seit 2023. Hier sieht man so einen digital aufgerollten Papyrus. Das ist immer noch nicht besonders einfach zu entziffern. Zumindestens hat man dann so mal eine Möglichkeit erstmal drauf zu schauen und dann müssen KI-Modelle entwickelt werden, die jetzt versuchen dort Reste von Tinte zu finden, quasi in dem völlig verbrannten Material nach letzten Spuren der Tinte zu suchen.

[4:41] Und tatsächlich hat es da schon die ersten spektakulären Ergebnisse gegeben. Also spektakulär im Sinne, dass es überhaupt möglich ist. Viel ist noch nicht gelesen worden, aber die ersten Meilensteine waren: Im Oktober 2023 konnte erstmals ein ganzes griechisches Wort gelesen werden, das Wort "porphyra" für Purpur. Dann im Februar 2025 konnte das Wort für Beschämung auf Griechisch sogar zweimal identifiziert werden.

[5:10] Und jetzt gab es einen neuen Durchbruch. Diese beiden Studenten von der Universität Würzburg, Marcel Rot und Micha Novak, haben sich dieser Challenge angenommen, haben dann zwei Monate lang KI-Modelle so trainiert, dass diese schichtenweise auf den Scans einzelne Buchstabenreste erkennen konnten und waren dann in der Lage, das hier zu lesen. Man sieht also in den Kästchen diese Tintenreste, die man dann einzelnen griechischen Buchstaben zuordnen kann. Manches sieht man ganz gut, wie das Omega da unten in der zweiten Reihe oder das Nu. anderes ist schwieriger zu lesen, aber KI identifizieren und hier steht Philodemus, Perikakion, ja, also des Philodemus, also eine Schrift von Philodemus und der Name der Schrift ist "Über die Laster". Man konnte also sowohl den Autor als auch den Titel dieser Schrift identifizieren.

[6:13] Philodemus war ein sogenannter epikureischer Philosoph. Das war eine besondere Philosophenrichtung in Griechenland. Er lebte im 1. Jahrhundert vor Christus. Und dieses Werk "Über die Laster" scheint der Teil eines größeren Werkes zu sein, das man auch sonst kennt, nämlich "Über die Laster und die ihnen entgegengesetzten Tugenden". Und Wissenschaftler spekulieren jetzt, dass möglicherweise dieser Teil sogar das erste Buch dieses größeren Werkes gewesen sein könnte.

[6:45] Die epikureischen Philosophen kennen wir auch aus der Bibel. Das waren jene Philosophen, die vor allem den Lustgewinn, das Streben nach Glück auf dieser Erde, in dem man halt besonders viel Lust am Essen und an Freude und an Dingen, die einem so Spaß machen hat, in den Fokus gestellt haben ihrer philosophischen Überlegungen. Im Gegensatz zu den Stoikern, die einen anderen Ansatz haben. Und Paulus ist in Athen auch solchen epikureischen Philosophen, die sicherlich auch mit Philodemus beschäftigt haben, begegnet. Das heißt, die aber etliche der epikureischen und auch der stoischen Philosophen maßen sich mit ihm.

[7:28] Diese verbrannte Schriftrolle aus Herculaneum enthält philosophisches Material, das auch dem Paulus hier in Athen begegnet sein wird.

[7:41] Die Challenge geht weiter. Man möchte irgendwann größere Abschnitte des Textes lesen. Man geht davon aus, dass man neuen antiken Text findet, philosophische Texte, literarische Texte, die bisher noch niemand gelesen hat und die potenziell auch ein neues Licht auf die Geschichte des römischen Reiches, auf die Geschichte Griechenlands werfen können.

[8:04] Also, was nehmen wir heute mit? Die KI-Technik in ihrer modernsten Form ermöglicht es verbrannte Papyrusrollen digital aufzurollen und zunehmend auch zu lesen. Buchstaben, einzelne Worte, immer mehr auch jetzt dann Abschnitte. Wir werden die nächsten Meilensteine sicherlich auch in der Presse demnächst wieder verfolgen können und dadurch erwartet man Erkenntnisse über die antike Welt, die dann auch neues Licht auf das Neue Testament werfen werden. So viel für heute. Wir freuen uns, wenn ihr nächstes Mal wieder dabei seid, wenn es hier heißt Funde und Fakten.


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