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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Funde & Fakten“ untersuchen wir rätselhafte Tierknochen aus der antiken Stadt Marescha, die weit mehr als nur einfaches Kinderspielzeug waren. Erfahren Sie, wie diese sogenannten Astragali als Würfel dienten und warum sie mit den Namen griechischer Gottheiten versehen wurden. Tauchen Sie mit Christopher Kramp in eine faszinierende archäologische Entdeckung ein, die ein neues Licht auf okkulte Praktiken der hellenistischen Zeit wirft.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:17] Okkultismus macht heutzutage nicht einmal Halt vor Kinderspielzeug. Aber wie war das in der Antike? In diesem Video wollen wir uns ein interessantes Beispiel aus Israel anschauen. Und damit herzlich willkommen zu Funde & Fakten.

[0:34] Heute geht es um Tierknochen, und zwar nicht um irgendwelche Tierknochen, sondern ganz besondere. Man nennt sie auch Astragali. Das sind die Knöchel von bestimmten Tieren wie Schafen, Rindern, Ziegen oder auch Gazellen. Sie haben eine ganz besondere Form, nämlich sechs asymmetrische Seiten, was sie dazu prädestiniert, als eine Art Würfel verwendet zu werden.

[1:05] Man findet solche Astragali immer mal wieder bei archäologischen Ausgrabungen. So auch vor kurzem in Marescha. Wie man hier auf der Karte sehen kann, liegt das etwas südwestlich von Jerusalem in Palästina. Im Zuge der Ausgrabungen dort hat man eine größere Anzahl solcher Astragali gefunden. Die Stadt Marescha ist auch aus der Bibel hin und wieder bekannt. Sie wird ein paar Mal erwähnt, zum Beispiel hier in Micha 1, Vers 15: „Einen neuen Besitzer will ich dir zuführen, du Einwohnerschaft von Marescha.“

[1:42] Wenn man sich diese Astragali anschaut, die man dort gefunden hat, fällt auf, dass einige mit Inschriften versehen sind. Und zwar, wenn man diese Inschriften liest, dann handelt es sich um griechische Gottheiten. Die sind insbesondere auf den Astragali von Schaf- und Ziegenknöcheln zu finden. Zum Beispiel Nike ganz oben links oder auch Hera unten in der Mitte oder rechts oben. Heros, vor allem die Nike, die Siegesgöttin – Nike heißt ja auf Griechisch Sieg –, ist besonders oft belegt. Vielleicht hat es damit zu tun, weil man diese Knöchel halt auch als Spielgegenstände verwendet hat und da geht es ja meistens auch darum, dass man gewinnt. Es ist also eine ganz interessante Sache, dass hier griechische Gottheiten auf diesen Astragali sind.

[2:32] Das führt uns dazu, dass sie aus einer besonderen Zeit kommen, nämlich aus der sogenannten hellenistischen Periode, nachdem Alexander der Große den gesamten alten Orient für die griechisch-makedonische Königsherrschaft gewonnen hat. In den 330er Jahren ist im Zuge dessen auch ganz Palästina griechisch besetzt worden. In der Folgezeit, als Alexander gestorben war, kam es zunächst unter die Herrschaft der Ptolemäer in Ägypten, die ja Nachfolger von Alexander waren – also der Ptolemäus war einer seiner Generäle – und dann später unter die Seleukiden, einem anderen dieser sogenannten Diadochenreiche. Das ging natürlich immer auch ein bisschen hin und her, da gab es Krieg zwischen diesen einzelnen Reichen, und in dieser Zeit ist der griechische Einfluss in Israel sehr, sehr stark gewesen. Man sieht dann später, dass bestimmte Religionsparteien sich davon dann scharf distanziert haben, die Pharisäer zum Beispiel, während andere, die Sadduzäer, mit dieser Mode dann mitgeschwommen sind, sozusagen.

[3:36] Diese Astragali sind publiziert worden in dem Band von Levant, hier in diesem Artikel „Gaming and Divination in the Hellenistic Levant: The case study of the astragalos assemblage from Maresha, Israel“. Nach eingehender Analyse auch, wo man die einzelnen gefunden hat an verschiedenen Stellen und welche Bedeutung diese einzelnen Ortschaften gehabt haben, konnte man folgendes Szenario rekonstruieren: Man hat diese Astragali für verschiedene Zwecke verwendet, und zwar sind sie von verschiedenen Bevölkerungsgruppen benutzt worden, unter anderem von Kindern, die tatsächlich damit gespielt haben als Kinderspielzeug. Es gibt zum Beispiel dieses berühmte Spiel damals, die sogenannten fünf Steine. Man nimmt fünf Astragali und wirft sie in die Luft und versucht sie dann mit einer Hand alle fünf wieder aufzufangen.

[4:28] Sie sind auch verwendet worden offensichtlich für Erwachsenenspiele, sind aber auch verwendet worden für Divination. Das ist der Fachbegriff für okkulte Wissenschaft in Anführungsstrichen, wo man versucht, die Zukunft vorherzusagen mit Hilfe bestimmter Techniken und bestimmter Rituale. Da gibt es eine interessante Parallele zu dem Kult des Pan in der Nähe vom Orakel von Delphi, wo man auch ganz, ganz viele dieser Astragali gefunden hat, die dort auch genau den gleichen Zweck gehabt haben für Wahrsagerei und Zukunftsvorhersagen.

[5:05] Das bringt uns zu einem Bibelvers, der uns dann in den Sinn kommen kann, in 1. Johannes 5, Vers 21, wo es heißt: „Kinder, hütet euch vor den Götzen.“ Und das zeigt uns, dass damals auch Kinder mit Kinderspielzeug in Berührung gekommen sind, das gleichzeitig auch von anderen Bevölkerungsgruppen für Wahrsagerei und solche okkulten Praktiken verwendet worden ist.

[5:31] Also, was nehmen wir heute mit? In Marescha in Israel sind solche hellenistischen Astragali gefunden worden, die zwar teilweise als Kinderspielzeug verwendet worden sind, aber teilweise auch für heidnische Kulthandlungen gebraucht wurden. Und das belegt, wie stark der griechische Einfluss auch auf die alltägliche Gesellschaft in Israel in der Zeit zwischen dem Alten und dem Neuen Testament gewesen ist. Und wir sehen dann im Neuen Testament, wie einerseits es eine starke Gegenreaktion dazu gibt, zum Beispiel bei den Pharisäern, andersrum aber auch dieser Einfluss, zum Beispiel bei den Sadduzäern, auch in ihrer Weltlichkeit und ihrem griechisch-hellenistischen Einfluss fortbesteht. So viel für heute. Wir freuen uns, wenn ihr nächstes Mal wieder einschaltet, wenn es hier heißt: Funde & Fakten.


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