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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Archäologe Yosef Garfinkel zeigt in einer neuen Studie, dass mehrere befestigte Städte um Jerusalem – darunter Khirbet Qeiyafa, Bet-Schemesch und Lachisch – im 10. Jahrhundert v. Chr. nach dem gleichen Bautypus mit Kasemattenmauern errichtet wurden. Dieses einheitliche Befestigungssystem ist ein starkes Argument für ein zentral organisiertes Königreich unter David.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:20] Hat König David wirklich ein echtes, großes Königreich regiert? Über diese Frage streiten sich Wissenschaftler seit Jahrzehnten, und heute wollen wir in diesem Video ganz interessante neue Erkenntnisse dazu anschauen. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten – heute mit einem ganz interessanten neuen Aufsatz über diese Frage.

[0:48] Es geht um König David, von dem es in der Bibel heißt, in 2. Samuel 5, Vers 12: „Und David erkannte, dass der Herr ihn zum König über Israel bestätigt und sein Königreich zu Ansehen gebracht hatte, um seines Volkes Israel willen." Im Alten Testament ist David nicht nur ein König – er ist ein König über ein sogar international anerkanntes, geachtetes Königreich. Das ist von vielen Wissenschaftlern in den letzten Jahrzehnten massiv bestritten worden. Lange Zeit hat man sogar in Zweifel gezogen, ob David überhaupt existiert hat. Das wird heute in der Regel nicht mehr getan, seit 1993 auf der berühmten Tel-Dan-Stele sein Name entziffert worden ist: „Bet David" – das Haus Davids. Fast alle Forscher gehen heute davon aus, David muss existiert haben. Aber war er wirklich ein König eines zentral organisierten Königreiches, oder war er mehr so eine Art Beduinenführer, Stammesherrscher über ein paar Zeltbewohner?

[1:58] Da kommen wir zu dieser interessanten Ausgrabungsstätte Khirbet Qeiyafa. Dieser Ort ist in den Jahren 2007 bis 2013 unter der Leitung des israelischen Archäologen Yosef Garfinkel ausgegraben worden, mit amerikanischer Unterstützung – auch Michael Hasel von der Southern Adventist University war dabei. Weil der Ort nicht allzu groß ist, konnte man fast 20 % der Stadt ausgraben, unter anderem die gesamte Stadtmauer, zwei Tore und ein großes öffentliches Gebäude.

[2:37] Was man entdeckt hat, kann man auf diesem Plan sehen: eine befestigte Stadt in der Eisenzeit IIA. Das entspricht etwa der Zeit, die biblisch die Zeit von König David wäre. Man sieht ganz deutlich, dass diese befestigte Stadt in der Schicht 4, die dieser Eisenzeit-IIA-Schicht entspricht, eine Kasemattenmauer gehabt hat. Die C14-Daten, die man gewinnen konnte, clustern alle um 1000 vor Christus – und genau das wäre die Zeit, die man für König David erwarten würde. Hier ein Bild von diesen Kasematten, und man sieht, dass die Stadtmauer direkt in die Häuser integriert ist. Die Wohnhäuser sind direkt an die Mauer herangebaut worden – die Mauer war sozusagen Teil des jeweiligen Wohnhauses. Ein ganz interessanter, ziemlich leicht wiedererkennbarer Baustil.

[3:41] Die Hauptentdeckungen – man könnte eine ganze Zeit über die verschiedenen kleineren Funde sprechen, die Ausgräber haben sogar ein Buch über Khirbet Qeiyafa veröffentlicht – sind: Die Kasematten orientieren sich weg von den Toren, die angrenzenden Gebäude werden so gebaut, dass die Kasematten integriert werden. Man hat auch zwei Inschriften in kanaanäischer Schrift gefunden. Die kanaanäische Schrift kann natürlich für Kanaanäisch, Hebräisch, Phönizisch, Moabitisch und so weiter verwendet werden. Man hat darüber gerätselt, was das für eine Stadt gewesen ist – war das möglicherweise eine judäische Stadt oder vielleicht doch eine Stadt, die von Kanaanitern bewohnt wurde? War das eine Stadt, wo Philister gelebt haben? Die Ausgräber haben eine vergleichende Studie angestellt, die Funde mit anderen bekannten Ausgrabungen verglichen und festgestellt: Was wir wissen über Khirbet Qeiyafa, deutet darauf hin, dass es eine judäische Stadt gewesen sein muss. Zum Beispiel findet man dort gar keine Schweineknochen, man findet keine Götzenfigurinen, keine Tonfigurinen von irgendwelchen Gottheiten, und auch der ganze Baustil erinnert an eine judäische Stadt. Das ist nicht von allen Wissenschaftlern so akzeptiert worden, aber die Fundlage ist eigentlich sehr überzeugend.

[5:08] Jetzt hat im Juni 2023 der Hauptausgräber Yosef Garfinkel mit einem Artikel nachgelegt, und der ist sehr interessant. Veröffentlicht im Jerusalem Journal of Archaeology, hat er sich nicht nur Khirbet Qeiyafa angeschaut, sondern die Befunde dort verglichen mit anderen archäologischen Ausgrabungen, die zum Teil schon über ein Jahrhundert zurückliegen, und ein paar interessante Entdeckungen gemacht. Oft werden Dinge ausgegraben, dann teilweise publiziert, manchmal geraten Erkenntnisse wieder in Vergessenheit. Vor allem die frühen Ausgrabungen sind oft nicht so exakt und fein dokumentiert worden, wie das heute der Standard ist. Man muss also oft auch die alten Ausgrabungsberichte noch einmal gründlich durchsieben und nach Dingen suchen, die dort vielleicht gar nicht so aufgefallen sind.

[5:57] Das hat Garfinkel gemacht. Er hat festgestellt, dass es große Parallelen zum Beispiel zu Bet-Schemesch gibt, seit 1911 erforscht – da gibt es ganz viele Parallelen zu Khirbet Qeiyafa. Auch diese Stadt war im 10. Jahrhundert, in der Eisenzeit IIA, in der Zeit von David befestigt. Man sieht auf dem Plan: Auch diese Stadt hatte die typischen Kasemattenmauern um die Stadt herum. Das Gleiche gilt auch für Tell en-Naṣbe, auch vor fast einem Jahrhundert ausgegraben. Dort gab es zwei Phasen, und die ältere der beiden hatte ebenfalls eine Kasemattenmauer, wo die Gebäude direkt an die Mauer reichten – die Stadtmauer also in die Gebäude integriert ist.

[6:45] Diesen leicht erkennbaren Stadtbautypus hatte man auch in Khirbet ed-Dawwara – dort gab es eine ganz kurzlebige Siedlung, ebenfalls mit einer Kasemattenmauer. Israel Finkelstein hatte das damals ausgegraben und 1990 in die Eisenzeit I datiert, aber Garfinkel konnte jetzt aufgrund der neuen Keramikfunde aus Khirbet Qeiyafa – was eindeutig Eisenzeit IIA ist – zeigen, dass auch Khirbet ed-Dawwara in die gleiche Zeit datiert werden müsste.

[7:42] Und dann gibt es noch neue Ausgrabungen aus Lachisch, wo Garfinkel gemeinsam mit Michael Hasel, Martin Klingbeil und einigen anderen gegraben hat. Dort hat man eine bisher unentdeckte Mauer zutage gefördert, in der Schicht 5. Auch hier ist es so – obwohl es keine Kasemattenmauer ist –, dass die typisch judäischen Säulenhäuser, die man gefunden hat, direkt an die Stadtmauer heranreichen. Die Stadtmauer ist also wieder Teil der Wohngebäude. Und auch hier weisen die C14-Daten ziemlich genau auf das 10. Jahrhundert.

[8:13] Was Garfinkel in dieser Studie zusammengetragen hat: Er hat sich all diese verschiedenen Städte angeschaut, die Parallelen benannt und festgestellt – alle diese Städte, auf der Karte gelb markiert um Jerusalem herum, haben alle diesen Typus und sind alle in der gleichen Zeit befestigt worden. Hier sind Städte, die sich wie ein Befestigungsgürtel um das Hügelland von Jerusalem gruppieren. Sie alle sind mit ihren Befestigungen in das 10. Jahrhundert vor Christus zu datieren.

[8:51] Was nehmen wir heute mit? Die archäologischen Befunde weisen für die Zeit von König David auf strategische Planung von befestigten Städten, die alle nach dem gleichen Typus gebaut werden. Das ist kein Zufall – das entsteht nicht so im Laufe der Zeit, sondern das ist ein ziemlich starkes Argument für ein zentral organisiertes Königreich, das allein so etwas realisieren kann. Wir haben hier so ein bisschen den Städteplaner David vor uns.


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