Seit wann reiten Menschen eigentlich Pferde? In dieser Folge von „Funde & Fakten“ beleuchtet Christopher Kramp neue wissenschaftliche Erkenntnisse und biblische Hinweise, die unser Verständnis über den Ursprung des Reitens grundlegend infrage stellen.
Funde & Fakten: „Sei wann reiten Menschen Pferde?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
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[0:17] Pferde sind für viele Menschen faszinierende Tiere. Ich selbst konnte bei meinem Opa oft auf Ponys und Pferden sitzen und ein wenig reiten. Aber seit wann reiten Menschen eigentlich Pferde? In diesem Video wollen wir dazu interessante neue Studienergebnisse präsentieren und damit herzlich willkommen zu Funde & Fakten.
[0:43] Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass die allerersten Hochkulturen ohne die Kunst des Reitens auf Pferden ausgekommen sind. Man ging davon aus, dass erst im Laufe der Zeit nach den ersten Hochkulturen irgendwann Menschen auch auf die Idee kamen, Pferde zu reiten. Es gibt so gut wie keine Abbildungen von reitenden Menschen auf Pferden aus der allerfrühesten Zeit. Es gibt zwar hier – auf diesem Bild kann man das sehen – eine Abbildung aus der Uruk-Zeit, das ist sehr alt, wo man vermuten könnte, dass hier vielleicht jemand auf einem Pferd sitzt, aber man ist sich nicht ganz sicher, ob das vielleicht doch eine Art Onager, eine Art Maultier vielleicht oder so sein könnte. Die Frage ist lange Zeit so beantwortet worden, dass erst im zweiten Jahrtausend vor Christus irgendwann das Reiten überhaupt erst begonnen hat.
[1:35] Im Buch Hiob in der Bibel, in Kapitel 39, findet man folgende interessante Passage. Da heißt es ab Vers 18: „Kommt aber die Zeit, da sie – gemeint ist der Strauß – in die Höhe schnellt, so verlacht sie Ross und Reiter. Hast du dem Ross Stärke verliehen und seinen Hals mit der Mähne umhüllt? Bringst es zum Springen wie eine Heuschrecke? Sein stolzes Schnauben klingt schrecklich. Es scharrt den Boden, freut sich seiner Stärke. Es zieht los, den Waffen entgegen.“
[2:01] Im Buch Hiob wird von Reitern gesprochen, die auf Pferden reiten. Und das hat viele Theologen dazu veranlasst zu glauben, dass dieses Buch erst spät entstanden sein kann, weil, wie man ja dachte, das Reiten erst im Laufe der Zeit erfunden worden ist. Während das Buch selbst, wenn man es so liest, wie es in der Bibel steht, den Eindruck erweckt, ein relativ altes Buch zu sein, so zeitlich in die Zeit von 1. Mose zu gehören. Das wird aber unter anderem mit dem Verweis auf Ross und Reiter hier als unmöglich bezeichnet.
[2:42] Nun ist die Frage, wie man nachweisen kann, dass Menschen geritten sind, vor allem in einer Zeit vielleicht, in der es noch kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt und es nicht viele Bildquellen gibt. Eine interessante Idee besagt, dass man auch menschliche Knochen untersuchen kann, um herauszufinden, ob sie geritten sind. Das hängt damit zusammen, dass Menschen, die gewohnheitsmäßig auf Pferden reiten, gewisse Abnutzungserscheinungen an ihren Knochen zeigen, die man kategorisieren kann, die man entsprechend auch dann identifizieren kann.
[3:21] Diese Zuordnung solcher Abnutzungserscheinungen ist nicht immer hundertprozentig sicher zum Reiten. Also da gibt es ein Restrisiko, dass vielleicht auch andere Dinge dazu geführt haben, dass solche Abnutzungserscheinungen an bestimmten Knochenstellen aufgetreten sind. Je mehr solche Abnutzungserscheinungen aber gleichzeitig auftreten, also wenn solche Marker kombiniert zu sehen sind, dann macht das den Rückschluss immer plausibler, dass tatsächlich die entsprechende Person geritten ist.
[3:53] Ein großes Zentrum der frühen Pferdezucht ist ganz offensichtlich Eurasien gewesen. Also die Steppenlandschaft in Südrussland, Kasachstan, die Mongolei, dieser Steppengürtel, der sich dann hinüberzieht bis nach Südosteuropa. Dort finden wir in früher Zeit die sogenannte Jamnaja-Kultur, von der wir wissen, dass sie Pferde schon gehalten haben. Und man ging bisher davon aus, dass das lediglich dazu geschah, damit Pferde Lasten tragen und entsprechend eingesetzt worden sind.
[4:26] In dieser Publikation hier in „Science Advances“ von 2023 unter dem Titel „First Bioanthropological Evidence for Yamnaya Horsemanship“ wird eine neue interessante These vorgestellt. Die Autoren der Studie haben sich 217 Skelette dieser Jamnaja-Kultur aus Südosteuropa genau angeschaut. Man sieht hier auf der Karte, wo diese Skelette ungefähr herkommen: aus dem heutigen Rumänien, dem heutigen Bulgarien, aus dieser Gegend. Unter anderem hier aus Malomirovo in Bulgarien, so ein Grab von einer solchen Person. Und man hat dann diese Individuen auf solche spezifischen Abnutzungserscheinungen ganz genau untersucht, die Skelette entsprechend analysiert und tatsächlich neun Personen gefunden, bei denen man mindestens vier spezifische Abnutzungserscheinungen feststellen konnte, was sehr wahrscheinlich darauf hindeutet, dass diese neun Personen gewohnheitsmäßige Reiter gewesen sein müssten.
[5:37] Die Autoren gehen davon aus, dass die Pferde damals in früher Zeit noch nicht leicht zu reiten gewesen sind, dass man dazu auch einen gewissen Mut wahrscheinlich brauchte und dass es aber solche Personen schon gegeben hat. Das ist ja ungefähr auch das, was man beim Buch Hiob so durchspürt, dass die Pferde noch sehr wild sind und sehr feurig.
[5:59] Was nehmen wir heute mit? Skelettuntersuchungen deuten darauf hin, dass schon im dritten Jahrtausend vor Christus Menschen auf Pferden geritten sein könnten. Und das bedeutet, die Aussagen im Buch Hiob da über Pferde und Reiter sind auch für eine sehr frühe Zeit durchaus plausibel und es gibt keinen Grund anzunehmen, das Buch Hiob müsste erst später entstanden sein. So viel für heute. Ich freue mich, dass ihr da gewesen seid, eingeschaltet habt, und freue mich natürlich auch, wenn ihr nächstes Mal wieder dabei seid, wenn es hier heißt Funde & Fakten auf joelmedia.de.
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