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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Sind die Philister tatsächlich die Vorfahren der Griechen? Christopher Kramp geht dieser faszinierenden Frage in „Funde & Fakten“ nach und beleuchtet dabei die neuesten Erkenntnisse aus DNA-Studien. Entdecke, welche Verbindungen zwischen den biblischen Völkern und der minoischen sowie mykenischen Kultur bestehen und lüfte ein altes Rätsel.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:18] In der Wissenschaft haben DNA-Studien Hochkonjunktur. Kann man mit solchen genetischen Untersuchungen auch das Verhältnis der biblischen Völker besser verstehen? Darum soll es heute in diesem Video gehen und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten. Heute mit der Frage: Waren die Philister Vorfahren der antiken und heutigen Griechen?

[0:44] In Amos Kapitel 9 Vers 7 wird gesagt, dass die Philister ihren Ursprung aus Kaftor hatten. Und Kaftor ist ein hebräischer Begriff, ganz ähnlich wie auch im Ägyptischen Kaft für die Insel Kreta. Die Bibel sagt an mehreren Stellen, dass die Philister eigentlich von der Insel Kreta und auch der Umgebung, also dort aus der Ägäis gekommen sind.

[1:12] Wenn man sich die Insel Kreta in alttestamentlicher Zeit anschaut, dann findet man dort die sogenannte minoische Kultur, berühmt auch für die besondere Verehrung des Stieres, die man dort findet. Über diese minoische Kultur ist viel geforscht worden. Es gab dort auch bedeutende Paläste. Sie gilt als die erste Hochkultur im europäischen Raum, wenn man möchte. Man wusste bis vor kurzem, besser gesagt, nicht wirklich, wer die Minoer eigentlich waren. Man fand sogar Schriftdokumente, kleine Täfelchen, in einer Schrift, die man Linear A nennt, aber die ist bis heute unentziffert. Man konnte also bisher auch nichts sagen, zu welcher Sprachfamilie diese ähm Sprache gehört und wie diese Minoer jetzt ethnisch zuzuordnen sind. Ein großes Geheimnis sozusagen, obwohl wir so viele archäologische Überreste von ihnen auf Kreta und Umgebung finden.

[2:17] Etwas danach und dann zeitgleich zu den Minoern gab es in Griechenland, in Festlandgriechenland und den großen Teilen der Inselwelt, die sogenannte mykenische Kultur. Das sind natürlich Begriffe, die moderne äh Altertumswissenschaftler diesen Kulturen gegeben haben, die Menschen damals werden das natürlich ganz anders bezeichnet haben. Benannt ist diese Kultur nach dem Fundort Mykene und auch dort findet man große ähm Befestigungsanlagen, eine sehr reiche Handelskultur mit mit mit Seefahrt und auch dort findet man Täfelchen, die beschrieben sind und diese Täfelchen konnte man entziffern und übersetzen.

[2:56] Ähm, die Schrift nennt man Linear B und die Sprache ist tatsächlich ein sehr frühes Griechisch. Hier habe ich mal ein paar Beispiele aufgeschrieben. Ähm, Worte, die wir vielleicht sogar auch im Deutschen kennen. Wir kennen vielleicht im Englischen den Tripod, den Dreifuß. Im mykenischen Griechisch Tirip, Tripos, der Dreifuß. Oder das Wort Palos. Wir kennen die Paläontologie, alt. Ähm, das wird dann geschrieben mit den Silben Paro, aber wird wohl Palayo ausgesprochen. Oder jemand, der vielleicht ein bisschen sich mit neutestamentlichem Griechisch auskennt, kennt den Basileus, den König. Und der hieß im mykenischen Griechisch Quasileos. Also, da sieht man, das ist eigentlich dieselbe Sprache in einem etwas früheren Stadium. Man ist also seit langem sich dessen bewusst, dass die mykenische Kultur eigentlich eine Art frühes Griechentum darstellt.

[3:58] Ähm, die Mykener waren auch bis ungefähr 1200 vor Christus ein wesentlicher Faktor dort im ähm im im Ostmittelmeerraum, neben den Hethitern, den Ägyptern und den Assyrern, noch den Babyloniern. Und dann ungefähr um 1200 vor Christus brach das alles zusammen. Diese ganze Statenwelt der Spätbronzezeit ist einem Ansturm und vielen wahrscheinlich anderen Faktoren zum Opfer gefallen. Das waren die sogenannten Seevölker, über die bis heute viel spekuliert wird und wo man ganz ganz viel Material äh dazu finden kann. Die Ägypter berichten mehrfach von solchen Invasionen, von Bevölkerungsgruppen wohl aus dem Mittelmeerraum, irgendwo aus der Inselwelt, Ägäis, Griechenland, ähm Italien möglicherweise.

[4:46] Gleichzeitig fällt auch auf, dass durch den Ansturm der See nicht nur Ägypten in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Das Hethitische Reich ist komplett zusammengebrochen. Die Statenwelt in der Levante ist zusammengebrochen. Es finden sich dann plötzlich auch neue Völker wie die Philister in dem äh in Palästina wieder. Der mykenische Kulturkreis selbst ist auch zusammengebrochen. Wir können aber nicht genau sagen, wer dort wie für was verantwortlich gewesen ist. Wir sehen nur, dass diese frühgriechische Zivilisation ist selbst so zusammengebrochen, dass jahrhundertelang man von einem dunklen Zeitalter spricht, bis dann erst ähm Jahrhunderte später so langsam die antiken Griechen, wie wir sie dann später kennen, aus der klassischen Antike sich bemerkbar machen.

[5:29] Und wie gesagt, in dieser Zeit tauchen dann die Philister in den ägyptischen Quellen auf und dann auch im Alten Testament in der Richterzeit. Das ist dann plötzlich sind die sehr präsent und wenn man dann die Geschichten von Samson, Simson und von Saul und David liest, da sind die Philister eine ganz entscheidende ähm Größe und auch das, was wir von ihnen wissen, deutet auf eine ähm Herkunft aus dem Mittelmeerraum, aus der Inselwelt, Kreta und so weiter.

[6:07] Interessant ist aber, dass das Alte Testament schon Philister lange davor kennt. In Mose 21 Vers 34 heißt es, dass Abraham, als er in im Süden Israels in der Richtung Richtung des Mittelmeeres bei Gerar sich aufhielt, dass er sich dort im Land der Philister als Fremdling aufhielt. Und das deutet darauf hin, dass es schon zu seiner Zeit in der Mittelbronzezeit dort Siedler gegeben haben muss, die aus Kreta und Umgebung dort gesiedelt haben. Aber damals waren auf Kreta ja die minoische Kultur, von der wir bis vor kurzem gar nicht wirklich sagen konnten, wie stark ihr Verhältnis zur mykenischen Kultur, von den wir wissen, dass die Griechen waren gewesen ist. War das ein eigenes Volk? Waren die irgendwie miteinander verwandt? Wer waren diese Minoer?

[7:00] Vor einigen Jahren konnte Dr. Joseph Lazarides, ein Wissenschaftler von der Harvard University mit seinem Team in einer Genetikstudie jetzt einen großen Durchbruch erzielen. Hier haben wir die Veröffentlichung im Magazin Nature 2017: Genetic Origins of the Minoans and the Mycenaeans. Und darin hat man 19 antike Personen aus dem minoischen und dem mykenischen Kulturkreis analysiert. Man hat eine genomweite DNA-Analyse durchgeführt. Man hat auch eine Person aus Südwestanatolien dazu genommen und überraschenderweise festgestellt, dass die Minoer und die Mykener genetisch aufs Ängste verwandt sind.

[7:49] Es gibt dann eine gewisse Differenzierung. Man kann sozusagen also dann feststellen, dass die Minoer und Mykener genau dieselbe dieselbe genetische Grundlage haben, dass die Mykener aber, dass da bei den Mykenern aber noch ein anderes asiatisches Element so aus äh Nordosteuropa hinzugekommen ist, wodurch sich das ein bisschen dann ausdifferenziert hat. Aber die beiden Gruppen sind nicht nur miteinander eng verwandt, sie sind auch sehr eng mit den modernen Griechen verwandt, also damit auch mit den antiken Griechen. Wobei man natürlich sagen muss, je länger die Zeit voranschreitet, desto diffuser wird es natürlich, weil immer wieder auch neue Einflüsse äh sich bemerkbar machen. Aber die Verwandtschaft ist nach wie vor genetisch sehr gut nachweisbar.

[8:32] Interessant ist auch, dass die Bibel in Mose 10 in der sogenannten Völkertafel einen der Söhne Jafets als Jawan führt, der mit diesem Begriff dann sowas in der Bibel wie der Stammvater der Griechen ist. Auch später werden die Griechen im Alten Testament hebräisch mit diesem Begriff Jawann bezeichnet. Was also darauf hindeutet, dass auch im Alten Testament dieser das Bewusstsein ganz deutlich vorhanden ist, dass das, was später in klassischer Zeit die Griechen sind, von Anfang an auch schon präsent gewesen ist in einer frühen Form.

[9:08] Also, was nehmen wir heute mit? Überraschende DNA-Analysen zeigen, dass es große genetische Übereinstimmung zwischen den Minoern, Kreta und den Mykenern in Griechenland gibt. Ähm und dass die Philister, die wie wir aus der Bibel wissen, aus Kreta stammen, in einem Verwandtschaftsverhältnis nicht nur zu den Mykenern standen, sondern auch zu den späteren Griechen. Man also tatsächlich sagen kann, dass die Philister eine frühe Form, eine frühe Verwandte der späteren Griechen gewesen sind. So viel für heute. Wir freuen uns, wenn ihr nächstes Mal wieder einschaltet, wenn es hier wieder heißt Funde und Fakten.


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